STAATSTHEATER KASSEL - OPERNHAUS

Spielzeit 2014/15

Iphigénie en Tauride

Tragédie opéra in vier Akten von Christoph Willibald Gluck

Premiere: 20. Dezember 2014, Opernhaus

Eine Göttin zeigt Größe, im letzten Augenblick. Gerade steht Agamemnon, König von Mykene, im Begriff, seine Tochter Iphigénie der zornigen Diana zu opfern, da entscheidet diese sich zur Milde und entführt die Jungfrau auf die Insel Tauris. Bis jetzt, und das seit fünfzehn Jahren, verrichtet Iphigénie dort das Amt der Priesterin: ein schlimmes Amt. Weil dem Herrscher Thoas geweissagt wurde, ein Fremder werde ihn töten, hat er Iphigénie den Befehl erteilt, jeden Ankömmling in Dianens Tempel zu töten. So auch jene Schiffbrüchigen, die nun an Tauris’ Küste geworfen werden: Orest und Pylades, der Bruder Iphigénies samt Freund. Durch Orest – und so fordert es das Drama: Sie erkennen sich gegenseitig nicht – erfährt Iphigénie von den grausigen Taten (Gatten- und Muttermord), die Klytämnestra und Orest verübten. Daraufhin schreibt sie der ebenfalls noch lebenden Schwester Elektra und bestimmt Orest als Überbringer des Briefes. Der Muttermörder aber, von Erinnyen und Gewissen geplagt, verlangt, dass Pylades statt seiner freigelassen werde. Doch der Freund unternimmt alles, um Orest zu retten. So kommt es zum tödlichen Wettkampf, bei dem die Prophezeiung erfüllt wird: Thoas fällt. Erneut ist es die Sanftmut der Göttin, die dafür sorgt, dass daraus kein weiterer tödlicher Streit entbrennt.

Man geht kaum zu weit, wenn man diese Gluck-Tragödie als das vollendetste Werk unter seinen »Reformopern« bezeichnet: Seit der Pariser Uraufführung am 18. Mai 1779 hat sie ihren Siegeszug fortgeführt. Der Grund hierfür liegt vor allem in der nach Glaubhaftigkeit und emotionaler Wahrhaftigkeit strebenden Operndramaturgie, die auf alles Dekorative und Effektheischende verzichtet. IPHIGÉNIE EN TAURIDE, das ist antikes Drama pur, angereichert mit einer unglaublich berührenden Musik.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Inszenierung: Reinhild Hoffmann
Bühne: Reinhild Hoffmann
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Licht: Albert Geisel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 20.12.2014, 19:30 | Premiere |
Do, 25.12.2014, 19:30 |
Sa, 3.1.2015, 19:30 |
Mi, 14.1.2015, 19:30 |
Di, 20.1.2015, 19:30 |
So, 1.2.2015, 18:00 |
So, 15.2.2015, 18:00 |

Swingin' Christmas

Wenn sich im Herbst in den Supermärkten die ersten Schokoladenweihnachtsmänner zeigen, liefert das Staatsorchester den passenden Soundtrack für eine besinnliche Weihnachtszeit: Swing vom Feinsten mit den Rat-Pack-Legenden Frank, Dean und Sammy. Ein »Swingin' Christmas«, welches das Lametta am Christbaum mitswingen lässt!
Nach dem großen Erfolg von Swing in Concert in der Spielzeit 2012/13 folgt nun ein Weihnachtsspecial ganz im Stil der großen Las Vegas Shows der 50-er und 60-er Jahre, in dem Hits wie »White Christmas«, »Let it snow« und »Jingle Bells« natürlich nicht fehlen dürfen.

Bandleader: Patrik Ringborg
Host: Insa Pijanka
The Pack: Nigel David Casey / Henrik Wager / Andreas Wolfram
Ladies: N.N.

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 21.12.2014, 18:00 |
Sa, 27.12.2014, 19:30 |
Sa, 17.1.2015, 19:30 |

Der Rosenkavalier

Komödie für Musik von Richard Strauss

Wien zur Zeit Maria Theresias. Noch ist die feudale Ordnung intakt, gebietet der Adel, wie es ihm beliebt – und scheint die Liebe wenig mehr als ein Zeitvertreib: artifizielles Amüsement. Oder doch nicht? Wer die Feldmarschallin von Werdenberg fragt, wird wohl nie eine verbindliche Antwort erhalten. Natürlich »vergöttert« sie den schmucken Octavian, doch zugleich weiß sie, dass dieser Galan bald in einem anderen Bett landen wird, bei einer Jüngeren, Schöneren. Zuvor aber soll der smarte Jüngling noch den Rosenkavalier geben, damit Sophie von Faninal und dem Baron Ochs auf Lerchenau der offizielle Segen für ihre wenig glückverheißende Verbindung zuteil wird. Weil sich aber der feine Herr als ein rechter Provinz-Casanova entpuppt, wird auf Betreiben der Marschallin eine saftige Intrige in Gang gesetzt, die dem schlechten, aufgeblasenen Kerl eine veritable Abfuhr erteilt und den hübschen Nebeneffekt hat, dass sich am Ende eben jene zwei Seelen finden, deren Liebe wahrhaftig ist.
Der Rosenkavalier: ein Geniestreich? Vermutlich ja. Jedenfalls war die Zusammenarbeit von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in dieser 1911 uraufgeführten Komödie für Musik äußerst fruchtbar und bewirkte anhaltende Begeisterung. Bis heute zählt der Rosenkavalier zu den meistgespielten Werken des Musiktheaters überhaupt. Und das mit zureichendem Grund: Strauss hat zu Hofmannsthals heiter-ironischen, zuweilen zynischen Versen, die auf wunderbare Weise ein pointiertes Psychogramm jener Epoche ergeben, eine Musik komponiert, die so süß wie Schlagobers ist – aber darunter eine Schicht freilegt, deren Beschaffenheit eher an zartbittere Schokolade erinnert. Mit anderen Worten: Nichts ist so genussvoll, wie es scheint. Aber vergänglich, das ist alles Irdische schon.

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg
Inszenierung: Lorenzo Fioroni
Kostüme: Sabine Blickenstorfer
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Jürgen Otten
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Choreinstudierung CANTAMUS: Maria Radzikhovskiy

Ort:

Opernhaus

Termin:

Fr, 26.12.2014, 18:00 |

La clemenza di Tito

Wolfgang Amadeus Mozart

Oper in zwei Akten Wolfgang Amadeus Mozart | Manfred Trojahn
Neu komponierte Rezitativtexte von Manfred Trojahn

»Die Milde des Titus«

Im August 1791 sitzt Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Frau und seinem Schüler Süßmayr in einer Kutsche auf dem Weg nach Prag. Die Wege sind schlecht, es rüttelt fürchterlich im Wagen. Trotzdem ist Mozart am komponieren; es geht nicht anders. Erst einen Monat zuvor ist der Auftrag der böhmischen Stände eingegangen, für die Krönung des deutschen Kaisers Leopold II zum böhmischen König eine Oper zu komponieren. Salieri hat abgesagt; schon im September soll die Uraufführung sein. Die Vorlage: Ein notdürftig entstaubter Text aus dem Jahr 1734, in dem der römische Kaiser Titus zum Ziel eines Attentats seines Freundes Sextus wird, weil dieser einer machthungrigen Femme fatale verfallen ist. Keine wirkliche Freude für Mozart. Der Komponist befindet sich auf dem Höhepunkt seines Könnens; er ist gerade mit der Zauberflöte fertig geworden und steckt nun mitten im Requiem, aber die 250 Dukaten kann er gut gebrauchen. Mozart schreibt La clemenza di Tito in nur 18 Tagen – wobei er die Rezitative seinem Schüler überlässt. Die Premiere wird kein Erfolg; die Kaiserin, eine Italienerin, lästert: »Eine deutsche Schweinerei!« – und obwohl das normale Publikum späterhin begeistert ist, reist Mozart krank und deprimiert wieder ab. Kurze Zeit später ist er tot.

Doch warum wollten die Stände ausgerechnet ein dutzende Male vertontes Libretto haben? Die Antwort liegt in der Spiegelfunktion der alten Opera seria. Denn Leopold II war zwar ein aufgeklärter Monarch; schon als Großherzog der Toskana schaffte er im Jahr 1786 Todesstrafe und Folter ab. Während seiner Kaiserzeit war er jedoch hauptsächlich damit beschäftigt, die überstürzten Reformen seines Vorgängers zurückzunehmen. Titus wiederum war einer der beliebtesten Kaiser der Antike. Seine »clemenza« (Milde) war legendär. Man wollte also Leopold durch den schmeichelhaften Vergleich huldigen und ihn zugleich an seine Ideale erinnern. Die Neubearbeitung des Librettos durch Mazzolà spitzt deshalb das Thema zu: Der Kaiser überlebt den Anschlag; die Verschwörer werden gefangen genommen. Doch Sextus schweigt zu seinen Motiven, um seine Geliebte nicht zu verraten, und nimmt alle Schuld auf sich. Titus jedoch zerreißt wider alles Machtkalkül das vom Senat gefällte Todesurteil. In Verzweiflung gesteht nun die eigentliche Verschwörerin ihre Schuld. Doch der Kaiser bleibt dabei: »Ich bin noch Titus, ich kenne des Menschen Herz. Alles kennen heißt auch vergeben.«

In den folgenden zweihundert Jahren erlebt Mozarts letzte Oper eine wechselhafte Geschichte. Im frühen 19. Jahrhundert wird sie häufiger aufgeführt als DON GIOVANNI; später verschwindet sie aus dem Repertoire. Erst mit der Wiederentdeckung der Barockmusik findet auch La clemenza di Tito neue Verehrer. Zu Recht: Die Arien und Ensembles sind meisterhaft gearbeitet; Mozart versteht es, dem Thema persönliche, berührende Seiten abzugewinnen und das Bauschema der Opera seria von innen mit Leben zu erfüllen. Allenfalls die etwas hölzernen Rezitative seines Schülers bleiben ein Problem.

So wagt man 2001/02 in Amsterdam ein Experiment. Der 1949 geborene Ligeti-Schüler Manfred Trojahn erhält von der Nederlandse Opera den Auftrag, neue Rezitative auf den alten Text zu komponieren. Der vielfach ausgezeichnete Komponist, der sich seit Jahren intensiv mit Musiktheater beschäftigt, geht respektvoll, aber entschlossen an den Auftrag: »Eine Oper ist dazu da, eine musikalische Ebene zu entwickeln, die dem Text gegenübersteht und das ausspricht, was der Text nicht sagen kann.« Was aber in den spätbarocken Versen mitschwingt, vielleicht erst für den modernen Menschen wahrnehmbar, ist eine existentielle Verunsicherung des Menschen Titus, dessen Milde auch eine Form von Hilflosigkeit ist. Diese versteckten Zwischentöne komponiert Trojahn mit nervösen Linien aus, die sich körperlich, wie pochende Adern durch den Körper dieser Oper ziehen und ihr damit eine faszinierende Aktualität geben: »Welch ein Tag ist dies heute? Eh ich noch einen Verbrecher straf’, kommt schon der zweite? Und wann find’ ich endlich, große Götter, ein wahrhaft treues Herz? Alles verschwört sich, so scheint mir, um wider Willen mich zu zwingen, doch ein Tyrann zu sein!« JAN DVOŘÁK

Musikalische Leitung: Alexander Hannemann
Inszenierung: Johannes Schütz
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Sabine Thoss
Dramaturgie: Jan Dvorak
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 30.1.2015, 19:30 | Wiederaufnahme |
So, 8.2.2015, 16:00 |
Fr, 13.3.2015, 19:30 |

Aladin und die Wunderlampe

von Peter Seuwen nach den Märchen aus "Tausendundeiner Nacht"

Empfohlen ab 6 Jahren

Erzähl um dein Leben, Scheherazade!

Der König wünscht es, und so erfindet Scheherazade für ihn Geschichten, eine nach der anderen, tausendundeine Nacht lang – der Herrscher meint es ernst. Als aber Scheherazade von dem jungen Tunichtgut Aladin erzählt, ist ihr Zuhörer nicht mehr zu halten. Er steigt in die Geschichte ein, wird zum mysteriösen Zauberer aus Afrika, der den vaterlosen Aladin in seine Obhut nimmt und finstere Pläne mit ihm verwirklichen will, verweigert aber die Rolle des Sultan (»Ich bin doch schon König!«), um stattdessen lieber den Großwesir zu geben.

Aladin hat inzwischen den Zauberer überlistet, Diamanten gefunden sowie einen dienstbaren Geist aus der Öllampe befreit. Jetzt erfreut er sich dessen Wohltaten. Erlesene Speisen auf goldenen Tellern, Reichtümer aller Art kann Aladin aufhäufen. Und wird bald ein (selbsternannter) Heiratskandidat für die Tochter des Sultans. Doch der Großwesir hat andere Pläne, er will seinen Sohn als Bräutigam und Thronfolger sehen. Aladin geht aufs Ganze. Er nutzt die Macht des Flaschengeistes und versetzt das Brautpaar und dessen Väter derart in Angst und Schrecken, dass der Rivale aufgibt: »Bei aller Liebe zur Prinzessin möchte ich lieber sterben, als mich noch länger einer solchen Behandlung auszusetzen.« Und weil der Sultan mehr am Gold interessiert ist als an der Partnerwahl seiner Tochter, hat Aladin mit Geisterhilfe leichtes Spiel. Er schafft Juwelen herbei, errichtet über Nacht einen prächtigen Palast – und bekommt die Prinzessin zur Frau.

Was aber plant der rachsüchtige Zauberer aus Afrika? Aladin wird es bald merken, und ob ihm dann der Flaschengeist noch helfen kann …?

Inszenierung: Peter Seuwen
Bühne und Kostüme: Monika Frenz
Musik: Jörg Wockenfuß
Licht: Brigitta Hüttmann
Dramaturgie: Dieter Klinge

Ort:

Opernhaus

Termine:

Di, 23.12.2014, 15:00 |
Di, 23.12.2014, 17:00 |
So, 11.1.2015, 15:00 |
So, 11.1.2015, 17:00 |
Di, 13.1.2015, 09:30 |
Di, 13.1.2015, 11:30 |
Mi, 14.1.2015, 09:30 |
Mi, 14.1.2015, 11:30 |
So, 25.1.2015, 15:00 |
So, 25.1.2015, 17:00 |
Di, 26.1.2016, 09:30 |

The Sound of Music

Musical in zwei Akten von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II

Ah, Salzburg! Burgen, Glocken, Nockerl, Dirndl: ewiges Edelweiß! Und über den Almen der Klang des Guten, Wahren, Schönen! Wenn etwas in den USA das Bild Österreichs prägte, dann The Sound of Music von 1959, dessen Kinoversion (1965) als einer der meistgesehenen Filme aller Zeiten gilt. Es war die letzte Co-Arbeit von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, jenes Broadway-Teams, welches das Musical zur amerikanischen Volksoper formte – sehr bewusst als ästhetische »republicans« gegen Avantgarde-»democrats« wie Sondheim und Bernstein. THE SOUND OF MUSIC erzählt von Maria, Novizin und Hauslehrerin bei Baron Trapp. Verwitwet, hat dieser sich der Welt verschlossen. Maria indes bringt dem Haus »die Musik zurück« – und Liebe ins Leben des Barons. Doch 1938 kommen die Nazis. Trapp soll zur Kriegsmarine. Aufrecht erteilt er jedem Lockruf eine klare Absage. Mit Hilfe von Marias Nonnen gelingt die Flucht.

The Sound of Music basiert auf der Vita der Maria von Trapp, die 1939 vor Hitler flüchtete und mit ihrer »Trapp-Familie« auf Volksliedtournee durch Amerika ging. Rodgers & Hammerstein verzichteten auf Originalsongs; sie erfanden anhand österreichischer »traditionals«, etwa aus Alpentänzen, neue Klangwelten für ihre Trapps. Warmleuchtend und raffiniert (die Flucht vom Nazi-Konzert zitiert ironisch eine Haydn-Sinfonie), ein perfekt-populäres Stück Musik. Fast zu perfekt.
The Sound of Music malt eine Zauberwelt, als wohne der Zauberer von Oz in den Alpen und Disney an der Salzach: Salzburg als Schneekugel des Souvenirkitschs, wo Patriotismus im Edelweiß erblüht, einzig bedroht vom Dunkel des Dritten Reiches. Amerika als Asyl Schuberts, derweil man die Alpen befreit. Aber jeder Schönheit droht umso mehr das Hässliche, je idealer sie sich gebärdet. Die Rettung am Ende des Musicals war in der Realität der Anfang des Grauens: genau unter jenem kornblumenblau klingenden Himmel. Und so, vielleicht, gemahnt uns die Schönheit des The Sound of Music, wenn wir aufmerksam hören, doch eben an das – an ihr Gegenteil.

Musikalische Leitung: Alexander Hannemann
Inszenierung: Philipp Kochheim

Ort:

Opernhaus

Termine:

Mi, 31.12.2014, 15:00 |
Mi, 31.12.2014, 19:30 |
Mi, 21.1.2015, 19:30 |
Do, 29.1.2015, 19:00 |
Sa, 31.1.2015, 19:30 |
Fr, 13.2.2015, 19:30 |
Mi, 18.2.2015, 19:30 |
Fr, 6.3.2015, 19:30 |

Hänsel und Gretel

Märchenspiel von Engelbert Humperdinck

»End’ der Graus, Hexengraus und der Spuk ist aus!«

Wenn die Mutter müde am Tisch sitzt, ist das Unglück schon geschehen: Sie hält den zerbrochenen Krug in der Hand. Dann kommt der Vater vom Markt zurück, und, auch das noch, wieder einmal angetrunken. Da hat die Mutter die Kinder im Zorn bereits in den Wald geschickt zum Beeren pflücken, dass wenigstens etwas auf dem Tisch sei, wenn der Vater heimkehrt. In dem zerbrochenen Krug war nämlich einmal Milch, die doch zu Reisbrei verrührt werden sollte. Aber immerhin hat der Vater einen Teil seiner Einkünfte vom Besenverkauf auf dem Markt auch in Lebensmittel umgesetzt: Speck, Butter, Würste, Eier bringt er mit. Darüber selbst hocherfreut, singt er: »Hunger ist der beste Koch«.

Natürlich ist es die Geschichte von Hänsel und Gretel, die Engelbert Humperdinck 1893 musikalisch so genial erzählt; es ist aber auch die von Mutter und Vater: Die beiden zeigen eine Wahrhaftigkeit in Bezug auf das, was heute für viele Menschen zur »Lebensrealität“ geworden ist: Vater (und/oder Mutter) mühen sich ab für die Familie; der Zorn der Mutter ist echt, als der Krug zerbricht, er steht für etwas kaputt Gegangenes, was nicht zu ersetzen oder zu reparieren ist, weil es am Geld oder nötigen Willen fehlt. Über beides verfügen sie nicht. Zum Vorwurf macht die Mutter dem Vater, dass er sich wieder einmal betrunken hat. Und obwohl sie die Mechanismen durchschaut, kann und will sie sich damit nicht mehr auseinandersetzen. In der Oper benennt der Vater das Problem (wenngleich mit anderen Worten): »Ach, wir armen Leute, alle Tage so wie heute: in dem Beutel ein großes Loch, und im Magen ein größeres noch«. Ja, die Familie leidet Not, es mangelt schon an der existentiellen Grundversorgung: Alle haben Hunger, aber nichts zu essen. Bis auf heute. Und so ziehen sie ihre Freude daraus, dass der Vater einmal so viel verdiente, dass es nun für eine Weile reicht zum Sattwerden. Und deshalb wollen sie heute »hopsassa, lustig sein«: Vielleicht geht es jetzt mit der Besenbinderei doch aufwärts!

Erzählt man die Geschichte bis hier, ließe sie sich durchaus als naturalistisches Sozialdrama verstehen – auch vor dem Hintergrund der sozialen Wirklichkeit Mitte des 19. Jahrhunderts, die herzustellen Ludwig Bechstein mit seiner Psychologisierung der Grimm’schen Märchenfiguren Hänsel und Gretel 1845 bezweckte.

Jetzt aber kommt die Hexe ins Spiel. Als die Eltern sich zum Essen niederlassen wollen, fragt der Vater plötzlich: »Halt, wo bleiben die Kinder?« Ja, gibt die Mutter zu, sie habe sie in den Wald gejagt, aus gutem Grunde. Aber, weiß der Vater, im Wald wohne doch das Böse. Bevor den Kindern dieses Böse in Gestalt der Knusperhexe begegnet, merken sie (wir sind im zweiten Bild der Oper), dass sie sich verlaufen haben. In der Inszenierung von Elmar Gehlen flüchten sie sich in ihrer Angst auf eine Insel aus Moos. Hier, so glauben sie, sind sie sicher, und tatsächlich dürfen sie zunächst entkommen: Das Sandmännchen hat ihnen Schlafkörnchen in die Augen gestreut und auf einmal schwirren bunte Elfen durch die Lüfte, kriecht eine Riesenschnecke über die Bühne, sorgen wehende Wolken für eine Märchenstimmung. Als Gretel wieder aufwacht, fragt sie zaghaft: »Wo bin ich, ist es ein Traum?« Da liegt die Hexe schon auf der Lauer …

Musikalische Leitung: Alexander Hannemann / Patrik Ringborg
Inszenierung: Elmar Gehlen
Bühne: Thomas Richter-Forgách
Kostüme: Martina Feldmann
Licht: Gerhard Jurkiewicz
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Maria Radzikhovskiy

In Kooperation mit dem Aalto-Theater Essen

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 28.12.2014, 16:00 |
Fr, 2.1.2015, 18:00 |

Rigoletto

Tragische Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi

»Nie sollst Du mich befragen.« Was der geheimnisvoll-edle Ritter Lohengrin zur schönen Elsa sagt, das verkündet auch Rigoletto, Vater der bezaubernden Gilda. Sie, die nur zu gern wüsste, welchen Namens und welcher Herkunft sie beide sind, soll sich mit der Liebe dessen begnügen, der mit unerbittlicher Strenge über ihre Unschuld wacht und Gilda am liebsten dauerhaft vor der Welt verstecken würde. Die Macht des Schicksals will es aber, dass ausgerechnet der Herzog von Mantua, an dessen Hof der bucklige Rigoletto den Narren mimt, sich in das Bürgermädchen verliebt. Weil Gilda diese Liebe selbst gegen jede gesellschaftliche Raison glühend erwidert, und weil Rigoletto parallel dazu einfach nicht aufhören kann, die Höflinge des Herzogs zu verspotten, wird ein Drama in Gang gesetzt, dass grausamer kaum denkbar wäre, verbinden sich doch darin die tiefsten Empfindungen von Liebe mit den tiefsten Empfindungen des genauen Gegenteils: Es regiert der Hass.
Welche katastrophalen Verwicklungen dies nach sich zieht, zeigt schon die Tragödie LE ROI S’AMUSE von Victor Hugo aus dem Jahr 1832. Doch erst Verdi, dessen Textdichter Hugos Drama zum Vorbild nimmt, es aber zuspitzt, lässt rund zwei Jahrzehnte später die menschlichen Abgründe in einer Plastizität vor uns erstehen, die jedwede aristotelische Berührung in pure Erschütterung verwandelt. Sein Meisterwerk RIGOLETTO offenbart, was der Geist der Rache mit uns Menschen zu machen imstande ist, was es bedeutet, verflucht zu sein. Und: wie vergeblich zuweilen eine falsch verstandene Liebe sein kann.

Musikalische Leitung: Yoel Gamzou
Inszenierung: Sonja Trebes
Bühne: Etienne Pluss
Kostüme: Sabine Böing
Licht: Brigitta Hüttmann
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 10.1.2015, 19:30 |
Fr, 16.1.2015, 19:30 |
Fr, 23.1.2015, 19:30 |
Sa, 7.2.2015, 19:30 |

Der Nußknacker - Bolschoi Staatsballett Belarus

Ballett von Peter Tschaikowsky

Kein Jahr ohne russisches Ballett. In diesem Jahr reist eine der weltweit exzellentesten Compagnien vom Bolschoi Staatstheater für Oper und Ballett aus Belarus an, um die Freunde traditioneller Ballettkunst mit Tschaikowskys Klassiker zu verwöhnen. Bei Bolschoi Ballettaufführungen kann man sicher sein, dass das russische Erbe nicht durch fremde Eingriffe beschädigt wird.

Das Ballett Der Nussknacker, das von mehrfach preisgekrönten Gewinnern internationaler Tanzwettbewerbe und einem renommierten Staatsballett mit graziöser Eleganz und athletischer Sprungfertigkeit getanzt wird, gehört zu den berühmtesten Balletten des klassischen Repertoires überhaupt. Seit mehr als hundert Jahren gehört Tschaikowskys Meisterwerk "Der Nussknacker" zu den unabdingbaren Bestandteilen eines gelungenen Weihnachtsfestes.

Dem Ballett wurde das klassische Märchen von E.T.A. Hoffmann „Nussknacker und Mäusekönig" aus dem 19. Jahrhundert zu Grunde gelegt.

Im Haus der Familie Stahlbaum bereitet man sich auf das Weihnachtsfest vor. Die Kleinen erhalten die langersehnten Geschenke. Ihre Begeisterung für das grüne Wunder des Weihnachtsbaums voller Lichter, Spielzeuge und Süßigkeiten ist maßlos. Marie, die Tochter des Hauses, bekommt von ihrem Paten Drosselmeier eine Puppe geschenkt: einen gutherzigen Nussknacker, der sie - und zusammen mit ihr auch den Zuschauer - in das Zauberreich führt, wo das Gute und das Schöne herrschen und wohin man als Erwachsener immer wieder zurückkehren möchte.

Der Choreograf Valentin Jelisarjew legt in diesem Ballett hohen Wert auf die Ästhetik der goldenen Epoche der Tanzkunst, interpretiert das Werk des legendären Marius Petipa choreografisch neu und schenkt dem Spitzentanz große Aufmerksamkeit.

Schneeflöckchen, Mäuse und Soldaten präsentieren in diesem Ballett das technische Können des klassischen Tanzes, welches gerade auch für den jungen Zuschauer einen besonderen Reiz hat. Hier verbindet sich das unbekümmerte Spiel des Märchens mit den Auftritten hochkarätiger Stars aus der schier unerschöpflichen russischen Talentschmiede.

Ort:

Opernhaus

Termin:

Do, 15.1.2015, 19:30 |

Die Zauberflöte

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

Es beginnt wie ein ganz normales Märchen: Ein Prinz ist auf der Jagd im Gebirge und steht plötzlich einer Schlange gegenüber. Nun müsste der Kampf des jungen Helden mit dem Untier folgen, doch Prinz Tamino wird erst einmal ohnmächtig. Die Königin der Nacht lässt ihn durch ihre Damen retten – nur um ihm selbst sofort eine noch größere Rettungsaufgabe anzuvertrauen: Ihre Tochter Pamina wurde, so erzählt sie, von Sarastro entführt; wenn Tamino sie befreit, soll er sie zur Frau bekommen. Unterstützt wird er durch den Vogelfänger Papageno, durch drei Knaben, die in allerlei Notfällen mit gutem Rat herbei eilen, und natürlich durch die Flöte, deren Zauberkraft wilde Bestien bezähmt und schließlich die Liebenden vor dem Verbrennen und dem Ertrinken bewahren wird. Doch vorher nimmt die Handlung manch erstaunliche Wendung, so dass jegliche märchenhafte Gewissheit, wer gut ist und wer böse, bald gehörig durcheinander gewirbelt ist. Mozarts Zauberflöte, unangefochten das beliebteste Werk im Opernrepertoire, birgt eine geradezu unfassbare Vielfalt: Sie beginnt wie ein Zaubermärchen, entfaltet eine überbordende Phantasie zwischen Kasperltheater-Spaß und Freimaurer-Ritual, verquickt eine Teenager-Romanze mit den großen Fragen der Aufklärung – und verzaubert mit einer Musik, deren reiches Gefühlsspektrum vom abgründigen Liesbeskummer bis zur Glöckchen-Heiterkeit reicht, von Theaterdonner und Vogelfänger-Charme bis zur lebensrettenden Magie der Zauberflöte.

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg / Alexander Hannemann
Inszenierung: Katharina Thoma
Bühne: Daniel Roskamp
Kostüme: Ulrike Obermüller
Dramaturgie: Dorothee Hannappel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 9.1.2015, 19:30 |
So, 18.1.2015, 16:00 |
Sa, 24.1.2015, 19:30 |
Di, 17.2.2015, 19:30 |

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D 34117 Kassel

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E-Mail: info@staatstheater-kassel.de

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Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

tif - Theater im Fridericianum
Friedrichsplatz 17, Hinter dem Museum, 34117 Kassel

Karten:
Kartentelefon: 0561 / 1094-222
Mo 10:00 - 13:00 Uhr, 14:00 - 18:30 Uhr
Di-Fr 10:00 - 18:30 Uhr
Sa 10:00 - 13:00 Uhr

Öffnungszeiten der Theaterkasse:
Di-Fr, 10-18 Uhr
Sa, 10-13 Uhr
So 10-12 Uhr

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