STAATSTHEATER KASSEL - OPERNHAUS
Spielzeit 2012/13
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg
Premiere: 27. April 2013, Opernhaus
Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner
Dichtung vom Komponisten
Was ist Tannhäusers Vergehen? Landgraf Hermann bezichtigt ihn eines furchtbaren Verbrechens, deshalb wird er aus der Wartburg-Gesellschaft verstoßen und aus dem Kreise verbannt, der ihm als Dichter und Sänger einst auch künstlerische Heimat war. Tannhäuser wird zum Außenseiter und damit wiederholt sich für ihn eine Erfahrung, die er schon einmal durchleiden musste. Damals war er freiwillig von dannen gezogen, da er am Hofe Hermanns unter den ständigen Reglementierungen litt, und auf seiner Suche nach einem Ort uneingeschränkter Entfaltung in den Venusberg gelangt. Als ihm dort der Traum vom ewigen Genuss in den Armen von Venus zum Alptraum geworden war, warb diese vergebens »Aus holder Ferne mahnen süße Klänge, so dass dich mein Arm in trauter Näh umschlänge; von meinen Lippen schlürfst du Göttertrank, aus meinen Augen strahlt dir Liebesdank«, denn Tannhäuser griff zum Äußersten, um sich zu befreien: Indem er den Namen der Mutter Gottes ausrief, zerstörte er den Zauber der Liebesgöttin – und kehrte heim.
Hier nun wartet die liebende Elisabeth auf ihn und seine Rückkehr wird mit einer dichterischen Soirée gefeiert, Hermann stellt das Thema: die Liebe. Doch was dann als Wettstreit unter Männern mit der Aussicht auf die Hand Elisabeths beginnt, weitet sich zum Sängerkrieg aus. Denn Tannhäuser proklamiert – provoziert von der Sinnenfeindlichkeit, die aus den Gesängen der anderen Dichter spricht – nur im sinnlichen Genuss sei wahre Liebe zu finden, und kündigt damit einen gemeinsamen Konsens auf; die Gesellschaft reagiert mit Entsetzen und will den offenkundigen Tabubruch strafen. Jetzt stellt Elisabeth sich schützend vor Tannhäuser. Doch weder dessen Büßergang nach Rom noch Elisabeths Angebot, ihr Leben zu opfern, sind seinem Seelenheil dienlich; Tannhäuser bleibt, was er war: ein Außenseiter.
Es ist das Drama eines Künstlers, dessen Tragik vor allem in der Selbst-Verurteilung liegt. Richard Wagners Musik ist dabei so unmittelbar an den Augenblick gebunden, dass das Nebeneinander von Extremen der Lust und religiösem Motiv nicht in Frage gestellt wird. Für die »Welt« der Venus setzt er auf einen hellen Streicherton, hohe Bläser übernehmen die Stimmführung, so klingt es schwirrend, ekstatisch, manchmal süßlich, dann wieder schmeichelnd. Der »Welt« Elisabeths hingegen sind die Posaunen vorbehalten, Pilgerchöre oder choralartige Sätze.
Mit dieser 1845 in Dresden uraufgeführten Oper beschäftigte Richard Wagner sich bis zum Ende seines Lebens – und gab immer noch kund, er schulde der Welt einen Tannhäuser. Dabei hat der Komponist früh jene Teile des Tannhäuser als besonders wichtig für seine spätere Entwicklung erachtet, die für sein Publikum neu und experimentell klangen, wie die musikalische Gestaltung des Rezitativs als Tannhäusers Schilderung seiner Wallfahrt nach Rom. Und auch die Ouvertüre zur Oper ist, wie die des Fliegenden Holländer und der Meistersinger von Nürnberg, für sich genommen eine vollständige Komposition und die Vorwegnahme dessen, was dramatisch und musikalisch folgt. Die Einleitung zum dritten Akt schließlich ist eine jener kurzen symphonischen Dichtungen, wie sie sich in den späteren Werken vermehrt finden, zum Beispiel als »Karfreitagszauber« im Parsifal.
Wahrscheinlich ist kein Bühnenwerk Wagners ohne das andere denkbar. Sie alle sind Dramen mit Musik, in deren Mittelpunkt der Künstler-Mensch in Beziehung gesetzt ist zu einer Frau, die als Medium von Erlösung fungiert: in der Überwindung des Lebens durch die zerstörende und zugleich erlösende Macht der Liebe.
Musikalische Leitung: Patrik Ringborg
Inszenierung: Lorenzo Fioroni
Bühne: Paul Zoller
Kostüme: Katharina Gault
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Jürgen Otten
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Choreinstudierung Kinderchor CANTAMUS: Maria Radzikhovskiy
Ort:
Opernhaus
Termine:
Sa, 25.5.2013, 18:00 |



Sa, 1.6.2013, 18:00 |



Sa, 8.6.2013, 18:00 |



So, 16.6.2013, 17:00 |



Sa, 22.6.2013, 18:00 |


L' Olimpiade
Dramma per musica von Antonio Vivaldi
Sieben Protagonisten sind im Spiel, ihre Namen? Vier davon beginnen mit dem Buchstaben »A«; sieht man sie ausgeschrieben – Aminta, Aristea, Argene, Alcandro – ist man kaum weiter, denn die Frage bleibt: Verbergen sich dahinter Frauen oder Männer? Damit nicht genug, die anderen drei heißen Megacle, Clistene, Licida.
Dass noch nicht einmal erahnt werden kann, wer hier wer ist, ist das eine. Das andere: Einer unter ihnen wurde nach der Geburt auf den Namen Filinto getauft und wird im Verlauf des Geschehens als Elisto vorgestellt, eine andere taucht als Licori unter und mehrere von den Genannten sind einander in Liebe zugetan oder waren es einmal; da hilft nur: Sortieren!
Fangen wir mit dem Librettisten an. Pietro Metastasio gilt als einer der produktivsten und kreativsten (Text-)Dichter bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Er lebte und arbeitete in Neapel, Rom und Wien, dort als Hofdichter Karls VI. in der Nachfolge Apostolo Zenos (dessen Griselda-Libretto Alessandro Scarlattis Textdichter als Vorlage galt). Mozart vertonte allein drei Libretti Metastasios. Immer geraten bei Metastasio die Figuren in dramatische Situationen, denen Interessenkonflikte vorausgehen, die selten zum Lachen reizen.
Sieben sind am Start (trotz der zehn aufgeführten Namen) in L' Olimpiade, der Geschichte, die im
18. Jahrhundert alleine sechzehn Mal vertont wurde, in der nur einer davon im sportiven Sinne bei den olympischen Spielen antritt: Megacle, ein starker Wettkämpfer. Er lässt sich für seinen Freund Licida aufstellen, der zur Zeit in Aristea verliebt ist, nachdem seine Liebesbindung an Argene untersagt worden war (und diese unter dem Namen Licori ein neues Leben begann). Seine Tochter Aristea nämlich ist der Preis, den König Clistene dem Gewinner zuerkennen will. Licida will ihn haben, erringen muss ihn Megacle. Nun ist Aristea aber letzterem immer noch in Liebe zugetan, obwohl ihr tyrannischer Vater die Verbindung gelöst hatte. Als Megacle tatsächlich die Spiele unter dem Namen Licida
– und für diesen – gewinnt, herrscht große Verwirrung und eine massive Verletzung von Gefühlen: Megacle selbst und auch Aristea schwören ihrem Leben ab, und der für seinen Spiel-Betrug zum Tode verurteilte Licida will Clistene umbringen. Doch alle bleiben sie am Leben und lieben weiter, auch dank Alcandro und Aminta, der beiden Ratgeber und Freunde, und am Ende kommt ans Licht, dass Licida der verstoßene Sohn Clistenes und somit Aristeas Bruder ist.
Die Uraufführung von Antonio Vivaldis L' Olimpiade erfolgte im Februar 1734 in Venedig. Nicht nur ist in biografischer Hinsicht seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Oper am Besten dokumentiert, Vivaldi bezog seine Haupteinkünfte aus dem Operngeschäft.
Wie bei Mozart, an dessen Oper Cosi fan tutte exemplarisch zu hören, gibt es bei Vivaldi keine wesentlichen Grenzen zwischen Vokal- und Instrumentalmusik. Womit nicht gesagt ist, dass Vivaldis Opern kennt, wer seine Vier Jahreszeiten im Ohr hat; doch hörbar mit jeder Arie in L' Olimpiade ist die Vivaldi-typische Behandlung des Streicher-Apparates. Der venezianische Barockkomponist hat aus der Modifikation seiner Konzerte heraus die Grundlagen seiner Da-Capo-Arien erarbeitet. Und nicht nur die Arien, schon die dreisätzige Opern-Sinfonia, die auf L' Olimpiade einstimmt, klingt aufreibend, sie ist packend, denn da sprühen die Funken, es glühen die Bögen, wie eben nur bei Vivaldi, dem Streicher-König der Superlative.
Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Inszenierung: Dominique Mentha
Bühne: Justyna Jaszczuk
Kostüme: Sabine Böing
Licht: Brigitta Hüttmann
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Ort:
Opernhaus
Termin:
Do, 30.5.2013, 19:30 |


Evita
Musical nach der Lebensgeschichte von Eva Perón in zwei Akten
Musik von Andrew Lloyd Webber | Liedertexte von Tim Rice
Das Polit-Musical erzählt die Lebensgeschichte der umstrittenen argentinischen Präsidentengattin Eva Perón, die zum Nationalmythos Evita wurde: Geboren als Maria Eva Duarte, uneheliches Kind armer Eltern auf dem Land, flieht Eva als Jugendliche mit einem Tango-Musiker nach Buenos Aires. Durch gezielte Affären mit immer einflussreicheren Männern nutzt sie jede sich ihr bietende Möglichkeit zum gesellschaftlichen Aufstieg.
Im machthungrigen Armee-Oberst Juan Perón findet sie schließlich ihr männliches Pendant: An seiner Seite wird sie zur Präsidenten-Gattin und Volkstribunin. Durch öffentlichkeitswirksame Reden – »Don’t cry for me Argentina« – sowie ihr soziales und politisches Engagement gewinnt sie schon bald die Sympathie der armen Massen, die sie liebevoll Evita nennen, ihr zujubeln und sie wie eine Heilige verehren. Doch die Gier nach Macht, Wohlstand und Anerkennung, gepaart mit der Korruption des Perónismus, trüben zunehmend ihr schillerndes Wesen …
Begleitet wird Evitas rasanter, märchenhafter Aufstieg von Che – einer fiktiven Figur, die unverkennbar eine Anspielung auf Che Guevara ist –, der als Erzähler und moralischer Gegenspieler Evitas in Rückblicken die Stationen ihrer Legendenbildung kommentiert.
Das mit sieben Tony Awards ausgezeichnete Musical des Erfolgsduos Andrew Lloyd Webber und Tim Rice (u. a. Jesus Christ Superstar) wurde 1978 im Londoner Westend uraufgeführt, eine Broadway-Produktion und Inszenierungen in 28 Ländern und 14 Sprachen folgten. 1996 wurde EVITA mit Madonna in der Hauptrolle und Antonio Banderas als Che verfilmt.
Musikalische Leitung: Yoel Gamzou / Thomas Rimes / Xin Tan
Inszenierung: Tom Ryser
Bühne: Ulf Stengl / Silvia Merlo
Kostüme: Uta Meenen
Licht: Brigitta Hüttmann
Dramaturgie: Christa Hohmann
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Choreinstudierung CANTAMUS: Maria Radzikhovskiy
Ort:
Opernhaus
Termine:
Fr, 24.5.2013, 19:30 |



So, 2.6.2013, 18:00 |



Do, 20.6.2013, 19:30 |



So, 23.6.2013, 18:00 |



Fr, 28.6.2013, 19:30 |


Così fan tutte
Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Zu einer gewagten Wette lassen sich Guglielmo und Ferrando hinreißen: ob sie es schaffen können, ihre Geliebten binnen 24 Stunden zur Untreue zu verführen. Unter der Maske zweier Fremder um die Damen werbend, stellen sie fest: leider ja, Dorabella und Fiordiligi sind verführbar.
Es ist die dritte Oper Mozarts nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte – anders als bei den vorangegangenen Don Giovanni und Le nozze di Figaro ist der Stoff eine eigene Erfindung. Das »Dramma giocoso« spielt lustvoll mit Komödienformen der Epoche, wie sie etwa in den symmetrisch konstruierten Lustspielen Marivauxs zur Perfektion gebracht worden waren. Ob auch eine wahre Begebenheit in die Handlung eingegangen ist, wie es ein zeitgenössisches Gerücht behauptete, sei dahin gestellt.
Gewiss ist, dass diese Oper lange Zeit als so anrüchig galt, dass sie im 19. Jahrhundert nur in entschärften Bearbeitungen auf die Bühne kam. Dabei steht der Frivolität der erotischen Verführung eine philosophische Dimension entgegen: Das Spiel im Spiel, in dem die verkleideten Männer ebenso zum Opfer ihrer Versuchsanordnung werden wie die von ihnen auf die Treueprobe gestellten Frauen, führt zur Erkenntnis tieferer Wahrheiten. Denn überraschenderweise sind es Maskerade und Verstellung, die die Erfahrung wahrer Gefühle ermöglichen.
Das jedenfalls legt die Musik nahe, die den überkreuzten Paaren mehr Gemeinsamkeiten gibt als den offiziell verbundenen. Und so ist diese Oper aus dem Jahr 1790 auch ein kritisch rückblickender Kommentar zum Rationalismus des Ancien Régime: Gerade die Auflösung erotischer und moralischer Normen wird zur Voraussetzung für eine Selbstbestimmung, die auch die Freiheit der Partnerwahl mit einschließt.
Musikalische Leitung: Patrik Ringborg / Alexander Hannemann
Inszenierung: Patrick Schlösser
Bühne: Etienne Pluss
Kostüme: Werner Fritz
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Jürgen Otten
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Ort:
Opernhaus
Termin:
Mi, 22.5.2013, 19:30 |


Die Csárdásfürstin
Operette von Emmerich Kálmán
»Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht.« Diese und ähnlich weise Einsichten rund um das Rätsel zwischenmenschlicher Beziehungen liefert Kálmáns Csárdásfürstin am laufenden Band. »Es lebe die Liebe« sollte der ursprüngliche Titel lauten und die Operette streift alles, was dieses Thema zu bieten hat, von Melancholie bis zu ausgelassener Lebensfreude. Fröhliche Stimmung herrscht im Budapester Orpheum, wo sich die feinen Herren dem Amüsement hingeben und ihre Herzen der Chansonette Sylvia Varescu zu Füßen legen. Die aber hat sich in einen jungen Adligen verliebt, der ihr seinerseits leidenschaftlich den Hof macht: in den Augen der damaligen Gesellschaft eine unmögliche Verbindung. Natürlich ist ein glückliches Ende vorprogrammiert, doch bevor es so weit ist, nimmt das Verwirrspiel um Emotionen und Konventionen seinen Lauf. Gewürzt mit ungarischer Folklore, mitreißenden Walzerklängen, feurigen Marschrhythmen und charmanten Liebesduetten stellt sich Die Csárdásfürstin als Glanzstück des »Silbernen Operettenzeitalters« vor.
Die Handlung liefert unterhaltsame Einblicke in das Milieu der Variétés kurz vor dem Ersten Weltkrieg, wo man sich hemmungslos dem frivolen Plaisir widmete, als gelte es, dem Leben so viel wie möglich abzugewinnen. Auch über die gesellschaftlichen Standesvorstellungen jener Zeit wird man ins Bild gesetzt: Allerdings beleuchten die Librettisten Leo Stein und Béla Jenbach die Differenz zwischen Adel und »Szene« mit einem humorvollen Augenzwinkern. Emmerich Kálmáns Operette kam 1915 in Wien am Johann-Strauss-Theater zur Uraufführung und erlebte sofort einen sensationellen Erfolg.
Musikalische Leitung: Alexander Hannemann / Thomas Rimes / Xin Tan
Inszenierung: Dominique Mentha
Bühne: Werner Hutterli
Kostüme: Ursina Zürcher
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing / Hildegard Turba
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Choreografie: Kinsun Chan
Ort:
Opernhaus
Termine:
So, 26.5.2013, 18:00 |



Fr, 31.5.2013, 19:30 |



So, 9.6.2013, 19:30 |


STAATSTHEATER KASSEL
Friedrichsplatz 15
D-34117 Kassel
Telefon: +49 (0)561-10 94 - 0
E-Mail:
info@staatstheater-kassel.de
Opernhaus / Schauspielhaus
Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel
tif - Theater im Fridericianum
Friedrichsplatz 17, Hinter dem Museum, 34117 Kassel
Karten:
Kartentelefon: 0561 / 1094-222
Mo 10:00 - 13:00 Uhr, 14:00 - 18:30 Uhr
Di-Fr 10:00 - 18:30 Uhr
Sa 10:00 - 13:00 Uhr
Öffnungszeiten der Theaterkasse:
Di-Fr, 10-18 Uhr
Sa, 10-13 Uhr
So 10-12 Uhr
Online: www.staatstheater-kassel.de