vorarlberg museum

Das vorarlberg museum zeigt nicht die Geschichte Vorarlbergs, aber viele Geschichten Vorarlbergs. Es berichtet von Menschen und Dingen, versucht dabei, die Vergangenheit mit Fragen der Gegenwart zu verbinden. Und das auf innovative und zum Teil ungewöhnliche Weise. Für „den Mut, vorgefasste Ideen zu hinterfragen“ erhielt das vorarlberg museum eine lobende Erwähnung beim „Europäischen Museumspreis 2015“. Es ist eines der ältesten Museen im Bodenseeraum, das 2013 neu eröffnet wurde.

Verstehen, wer wir sind
Vier Ausstellungen beschäftigen sich sehr unterschiedlich mit dem Land, seiner Geschichte und Gegenwart, seinen Bewohnerinnen und Bewohnern. "buchstäblich vorarlberg" zeigt Bedeutsames und weniger Bedeutsames aus der reichen Sammlung des Museums mit den Schwerpunkten Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde. Was sagen römische Grabfunde über das Leben der damaligen Zeit aus? "Römer oder so" ist eine interaktive Ausstellung, die sich an Kinder wie Erwachsene richtet. "vorarlberg. ein making-of" beschäftigt sich laborartig mit Vergangenheit und Gegenwart der Region. "ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren" erzählt verschiedene Lebensgeschichten, die eines gemein haben: die Berührung.

Ausstellungen im Atrium
Das Atrium im vorarlberg museum nimmt mit seinen Ausstellungen eine vielfältige Funktion als Marktplatz, Verhandlungsstätte aber auch Ort des Innehaltens und Staunens ein.
Bei freiem Eintritt zugänglich!

(Foto: © Hanspeter Schiess für cukrowicz nachbaur architekten)

AKTUELLE TERMINE

Greatest Hits by Christine Lederer

Dauerausstellung

Die Bludenzer Künstlerin Christine Lederer wurde eingeladen, eine Auswahl Zeitgenössischer Kunst zu treffen, die im zweiten Stock des vorarlberg museums gezeigt wird. Die Auswahl erfolgte aus den Ankäufen der Kunstkommission in den letzten zehn Jahren. Ausstellungsorte sind dabei die fünf Vitrinen der Galerie, die Wände des Umgangs der Schausammlung sowie die Vitrinen der Ausstellung „buchstäblich vorarlberg“.

Unter dem Titel „Greatest Hits by Christine Lederer“ werden für die Dauer von zwei Jahren die fünf Vitrinen der Galerie mit insgesamt zehn Kunstwerken bespielt. Auf den Wänden des Umgangs werden alle vier Monate zwei neue „Hauptwerke“ präsentiert. „Einnistungen“ in den Vitrinen der „buchstäblich vorarlberg“-Ausstellung sowie Terminals mit Videoarbeiten im Entrée des Schaudepots komplettieren die Intervention der Künstlerin. Eine Publikation dazu erscheint in Kürze.

buchstäblich vorarlberg

Dauerausstellung

Das Vorarlberger Landesmuseum – heute vorarlberg museum – wurde im Jahr 1857 gegründet und ist damit eines der ältesten Museen im Bodenseeraum. In seinen Depots lagern heute annähernd 160.000 Objekte aus den Bereichen Archäologie, Kunst, Volkskunde und Geschichte. Die Ausstellung buchstäblich vorarlberg präsentiert Bedeutsames und weniger Bedeutsames aus dem reichen Bestand des Museum und illustriert damit ein Stück Sammlungs- und Zeitgeschichte. Den Anfang macht unter a wie "angelicamad" eine Serie von Stichen der Künstlerin Angelika Kauffmann, deren Vater aus dem Bregenzerwald stammte. Der Münzschatz von Sonderberg – z wie zahla – beschließt die Ausstellung. Dazwischen reihen sich strikt nach dem Alphabet geordnet Architekturmodelle, Fotografien, Heiligenfiguren, Schwertknäufe, Trachtenhauben und vieles mehr.

Idee und Konzept: Tobias G. Natter

Konzepterweiterung und Umsetzung: Theresia Anwander, Ute Denkenberger, Natalie Ellwanger, Susanne Fink, Gerhard Grabher, Stefan Graf, Silvia Groß, Magdalena Häusle-Hagmann, Martin Kohlbauer, Johanna Kreis, Cornelia Mathis-Rothmund, Hubert Matt, Peter Melichar, Verena Petrasch, Ute Pfanner, Michaela Reichel, Andreas Rudigier

vorarlberg. ein making-of

Dauerausstellung

Die Ausstellung zur Landesgeschichte im Relaunch

Als im Juni 2013 die Schau vorarlberg. ein making-of im Dachgeschoß des vorarlberg museums präsentiert wurde, war von einer „experimentellen Dauerausstellung“ die Rede. Man schlug damit – zum ersten Mal in einem Landesmuseum – einen ganz neuen Weg ein: jenen, die zentrale Ausstellung über die Landesgeschichte nicht als durchgehend inszenierte Präsentation mit einem unveränderbaren Narrativ darzustellen, sondern als eine Art Geschichtslabor mit variablen Inhalten, das Anstöße zu Debatten und Auseinandersetzungen über Geschichte und Gegenwart einer Region gibt.

Tatsächlich erfuhr vorarlberg. ein making-of in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Veränderung: Einzelne Objekte wurden ausgetauscht, kleinere Kapitel ganz umgestaltet. Vor allem aber wurden die Ausstellung und einzelne ihrer Thesen zur Diskussion gestellt – in zahlreichen Veranstaltungen ebenso wie in unterschiedlichen Rückmeldungen von Fachleuten und BesucherInnen.

Diese Rückmeldungen bildeten die Grundlage für einen größeren Relaunch, dem die Ausstellung in den letzten Wochen unterzogen wurde. Unter Leitung des Schweizer Kurators Beat Gugger und des Journalisten und Historikers Markus Barnay, die beide schon am ursprünglichen Konzept beteiligt gewesen waren, hat die Schweizer Szenografin Barbara Maggio die Ausstellung neu in Szene gesetzt. Unter anderem enthält sie nun ein Kapitel, das sich alleine den Veränderungen seit der Eröffnung im Jahr 2013 und vor allem den Rückmeldungen seitens von Publikum und Fachwelt widmet – gewissermaßen ein „Making-of“ des making-of.

Darüber hinaus wurde versucht, die „Lesbarkeit“ der Ausstellung zu verbessern und die vielen verschiedenen Thesen und Fragestellungen noch verständlicher zu präsentieren. Hierfür wurde auch die grafische Gestaltung vom Bregenzerwälder Grafiker Peter Felder überarbeitet.

Ob dieser Relaunch gelungen ist, können die BesucherInnen in der „Langen Nacht der Museen“ gleich an Ort und Stelle überprüfen – da stehen auch die Kuratoren Rede und Antwort, um ihre Arbeit zu erläutern und um Rückmeldungen entgegenzunehmen. Denn das ist weiterhin das wichtigste Ziel der Dauerausstellung und des vorarlberg museums: Menschen ins Gespräch zu bringen, einen Dialog über Geschichte zu initiieren und so die Beschäftigung mit der Vergangenheit zu einem lebendigen Teil der Auseinandersetzung mit der Gegenwart zu machen.

Kurator: Markus Barnay

Römer oder so

Dauerausstellung

Eine Ausstellung zum Gräberfeld in Brigantium

Brigantium im Jahr 400. Jemand ist gestorben. Die Beisetzung findet in der Nähe der Siedlung statt.
Bregenz 1924. Archäologen entdecken ein Grab. Es enthält Schmuck: Halsschmuck, Armreifen aus Bronze und Knochen, Fingerringe, Perlen.
Heute überlegen wir: Wer liegt hier begraben? Zu welchem Kulturkreis gehören die Ziergegenstände? Gehörten sie einer Römerin? Gehörten sie überhaupt einer Frau? Was sagt ein Fund über einen Menschen aus?

Römer oder so folgt den Spuren der Wissenschaft und wirft einen neuen Blick auf die Funde, die in den vergangenen 150 Jahren in einem der größten Gräberfelder der Region gemacht worden sind. Dabei stellt sich heraus: Viele Fragen bleiben offen. Nicht wenige Antworten sind spekulativ.
In dieser Ausstellung mit Fundstücken aus Brigantium beschäftigen sich große und kleine Besucherinnen und Besucher mit der Welt der Römerzeit und mit der Welt der Forschung. Alle sind eingeladen zum Kennenlernen von Befunden, Deutungen und Fragezeichen rund um diesen Friedhof und die hier begrabenen Personen. Mit einem Augenzwinkern begegnet Römer oder so unseren Vorstellungen davon, wie es denn gewesen sein könnte.

Mitdenken macht Spaß
Römer oder so richtet sich an alle, die Freude am Entdecken und Interesse an der Archäologie haben – besonders an Menschen mit Kindern. Eine abwechslungsreiche räumliche Umsetzung macht den Besuch der Ausstellung genüsslich und kurzweilig.
Die Gestaltung der Themen kommt Familien und verschiedenen Altersgruppen entgegen. Die Jüngsten treffen auf vertraute Formen der Auseinandersetzung: Ergänzen, Sortieren, Bilderlesen und Malen sind lustvolle Elemente der Ausstellung. Kinder und Erwachsene erfreuen sich an der Diskussion vielschichtiger Fragestellungen in Illustrationen und kleinen Animationen, vor allem aber an der Möglichkeit zu vergleichen, zu forschen und so manches selbst herauszufinden. Bei ausgewählten Objekten sind die SpezialistInnen unter Jung und Alt gefordert: Hier geht es um knifflige Tüfteleien in Sachen „Römer oder so“.

Kuratorin: Lisa Noggler-Gürtler

ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren

Dauerausstellung

„ganznah“ ist nach „Sein & Mein“ die zweite Ausstellung im Format SICHTEN. Dieses Ausstellungsformat, das mit Wiedereröffnung des Hauses im Jahr 2013 startete, hat Vorarlberg als Rahmen und Bezugsraum. Ziel ist es, einen anderen Blick auf das Land zu werfen, unerwartete Geschichten zu Tage zu befördern und Potentiale (Sammlungs-, Erzähl- und Erinnerungsressourcen) offen zu legen. 2016 steht das Thema „Berührung“ dabei im Fokus des Interesses.

Ein Trapezkünstler aus Feldkirch, der im weltberühmten Zirkus Sarrasani auftrat; eine Krankenschwester, die Geräte rundum die Pflege sammelt; ein Imam, der rituelle Totenwaschungen vornimmt; eine Tänzerin, die eine stolze Tradition aufgreift und dann doch ganz eigene Wege geht. Diese weit voneinander entfernten Lebenswelten sind sich in einem ganz nah: Berührung verbindet sie.
Erzähl- und Erinnerungsfragmente entfalten ein Panorama der Berührungskulturen. Berührung kann grenzüberschreitend sein und provozierend, kann Bedrohung oder Lustgewinn bedeuten, Urvertrauen schenken und Profession sein. ganznah – eine Grammatik des Berührens zwischen Bedürfnis, Tabu und Verweigerung.

Visuelle „Berührungstagebücher“ bieten einen leichtfüßigen Einstieg in die Ausstellung. Dabei handelt es sich um Fotografien von dem, was Vorarlberger im Laufe eines Tages berührt haben. Diese Tagebücher werden während der gesamten Laufzeit stetig erweitert. Erstmals öffentlich zu sehen ist das von Karl Zauser entwickelte Doppelreck. Mit dem Feldkircher Artisten wird Halt finden und Halt verlieren thematisiert. Er war Flieger und Fänger am Trapez. Fand hier Berührung nicht statt, konnte das tödlich enden.
Dinge, die unserem Körper ganz nah sind und zu seinem Wohlbefinden beitragen, stehen in einer Zusammenschau unterschiedlicher Privatsammlungen einander gegenüber. Gezeigt werden zudem verschiedenste Objekte, die Teil von Berührungsritualen sind: Von den Taufhäubchen über die Schäppel unverheirateter Frauen bis zu Ölfässchen, in denen das Chrisam für die letzte Ölung aufbewahrt wird.
Die Videoperformance „folta“ der Tänzerin Veronika Larsen mit dem Musiker Philipp Lingg bildet den visuell-akustischen Rahmen des Ausstellungsbereichs „Heidenspaß und Höllentanz.“ Im Tanz kommen sich die Menschen nahe. Einer jener Orte, an denen ausgiebig getanzt und gefeiert wurde, war der Gasthof Sonne, der in den späten 1950er Jahren Mellau den Beinamen „sündiges Dorf“ einbrachte.
Bilder aus Beständen des Museums und eigens für die Ausstellung entstandene Arbeiten, etwa von Dietmar Walser und Petra Rainer, werden verwoben mit Erfahrungstexten Jugendlicher, die in Workshops mit der Autorin Daniela Egger entstanden sind. Neben einer Videoarbeit von Hans-Joachim Gögl und Mark Riklin, in der Paare von ihren Liebesanfängen berichten, erzählt eine Audioinstallation von der Sehnsucht nach Nähe.
Ein Aufruf in Kooperation mit dem Bregenzerwald Archiv ermöglichte das Zeigen einer Vielzahl an Liebesbriefen aus beinahe zwei Jahrhunderten. Daraus formte der Sound-Künstler Nik Hummer zusammen mit den jungen Schauspielern Michaela Bilgeri und Stefan Pohl ein intimes akustisches Bekenntnis zwischen Sehn- und Eifersucht, einsamem Schmerz und dem Bedürfnis nach Berührung. Den Abschluss der Ausstellung bilden Videointerviews mit Professionistinnen und Professionisten der Berührung. Eine Krankenschwester, ein Imam, eine Kickbox-Weltmeisterin, eine Sexualbegleiterin, ein Tanzlehrer, eine Körpertherapeutin, ein Tätowierer, eine Psychotherapeutin und eine „Strömerin“ sprechen über ihre Erfahrungen und die spezielle Bedeutung, die Berührungen in ihrer Arbeit haben.

Projektleitung: Theresia Anwander
Kuratorische Leitung: Robert Gander
Kurator: Bruno Winkler
Gestaltung: Julia Landsiedl

KONTAKT

vorarlberg museum

Kornmarktplatz 1
A 6900 Bregenz

Telefon: +43 (0)5574-46050
E-Mail: info@vorarlbergmuseum.at

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Donnerstag 10 bis 20 Uhr
Montag geschlossen

Sommeröffnungszeiten siehe bitte auf www.vorarlbergmuseum.at

Eintritt
Reguläres Ticket: 9 Euro
Ermäßigtes Ticket: 7 Euro

Führungen
jeweils am Samstag und am Sonntag um 15:00 Uhr
Kosten: Eintritt zzgl. 5 Euro.
Nach Voranmeldung werden private Führungen auch in englischer, italienischer, französischer, türkischer oder arabischer Sprache angeboten.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an unsere Kulturvermittlung unter:
+43 (0)5574 46050522 oder kulturvermittlung@vorarlbergmuseum.at