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Volksbühne

Seit ihrer Gründung ist die Volksbühne auf die Entwicklung und Wirkung neuer Regieformen angelegt. 1914 erbaut vom Architekten Oskar Kaufmann, verfügt das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz über 800 Zuschauerplätze. Allein durch Spenden der Mitglieder des Vereins Freie Volksbühne, sogenannte Arbeitergroschen, konnte der Bau des Theaters finanziert werden. Max Reinhardt, Erwin Piscator, Benno Besson, Heiner Müller, Frank Castorf, Christoph Schlingensief – die Volksbühne ist geprägt von starken Regie-, Autoren- und Künstlerpersönlichkeiten, die die Grenzen des klassischen Sprechtheaters unablässig neu vermessen haben.

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Volksbühne
Linienstraße 227
D-10178 Berlin

Telefon: +49 (0) 30 240 65 635
E-Mail: info@volksbuehne-berlin.de

 


Bewertungschronik

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Volksbühne

Schauspiel

HOWL

nach Allen Ginsberg

Uraufführung: 21. November 2019

1. Der amerikanische Dichter Allen Ginsberg fotografierte voller Leidenschaft – und so wie bekannte Street Photographer seiner Generation, etwa Lee Friedlander, Garry Winogrand, oder Robert Frank Bilder und Assoziationen ihres für sie sichtbaren Amerikas auf eigene ästhetische Weise sammelten, ist Ginsbergs berühmtes Gedicht Howl voll von einer Masse von Assoziationen, schwer und leicht zu entziffernden privaten und universellen Hinweisen, Momentaufnahmen der Wahrnehmung. Robert Frank veröffentlichte fast zeitgleich zu Howl sein Fotobuch Die Amerikaner und veränderte damit nicht nur den Lauf der Fotografie des 20. Jahrhunderts, sondern ebenso den Blick auf Amerika. Frank schaute, in seinen 1955/1956 aufgenommenen Bildern, unter die Oberfläche des amerikanischen Lebens, porträtierte ein von Rassismus geplagtes Volk, das von seinen Politikern missbilligt wurde und durch eine zunehmende Konsumkultur vollkommen zu erstarren scheint. An den Rändern des amerikanischen Lebens wurde eine neuartige Schönheit sichtbar und Franks intuitiver Stil machte sein Buch zu einem kraftvollen und provokativen Gedicht.

„Und wer keine Gedichte mag, der soll nach Hause gehen und sich im Fernsehen Aufnahmen von Cowboys mit großen Hüten und im Sattel von freundlich-geduldigen Pferden anschauen.“ Jack Kerouac

2. Das kleine Büchlein Howl and other Poems wurde 1956 als erste Publikation des jungen Dichters Allen Ginsberg in der Reihe City Lights Books Pocket Poets Series in San Francisco veröffentlicht und sofort einem Gerichtsprozess wegen des Verdachts auf Obszönität unterzogen, der mit einer historischen Bestätigung der individuellen Freiheit der Kunst und des kreativen Ausdrucks geklärt wurde. Seitdem ist das Gedicht Howl die Speerspitze poetischer Freizügigkeit, ein Angriff auf jede Form von Konformität, eine heilige Reliquie des Freiheitsdranges und Außenseitertums, kurzum: das Gedicht, das die amerikanische Gesellschaft tiefgreifend verändert hat und ihre Peripherie in den Mittelpunkt der Betrachtung rückte. Was sonst sollte man von Literatur verlangen? „Howl beruft sich auf die geheime oder hermetische Tradition, derzufolge Kunst ein Scheitern im weltlichen Leben rechtfertigt oder dafür entschädigt. Mit der Veröffentlichung hatte ich es darauf angelegt, eine emotionale Zeitbombe zu hinterlassen, die immer im Bewusstsein der Vereinigten Staaten explodieren sollte, falls der militärisch-industrielle nationalistische Komplex sich zu einem repressiven Polizeistaat entwickeln sollte“, so Ginsberg.

„Die Straße des Wahnsinns treibt die Menschen voran, die Straße des Wahnsinns, einsam führt sie um die Biegung ins Offene...“ Jack Kerouac

3. GATE GATE PARAGATE PARASAMGATE BODHI SVAHA
Musik spielte im Leben und Werk Allen Ginsbergs eine große Rolle, er arbeitete u.a. mit Bob Dylan und The Clash, er inspirierte Patty Smith zu einigen Songs, doch meist spielte er auf einem kleinen Harmonium und sang dazu. In seiner zweiten Lebenshälfte wurde Ginsberg überzeugter Buddhist. 1979 gab er im Münchener Loft ein Konzert und beendete den Abend mit einer Harmonium Version des Herz-Sutras. Dieses Mantra ist der Kern einer konzentrierten Unterweisung; wer es hingebungsvoll viele Male rezitiert, soll die Essenz der Lehre von der Leere verinnerlichen und darin bestärkt werden, sich immer tiefer und tiefer in die innere Leere und Stille sinken zu lassen. Nach seinem Tod in New York am 5. April 1997 verbrachte Ginsberg drei weitere Tage auf der Erde als Seele und Geist und wurde dann, mit diesem Mantra, in die Unendlichkeit des Kosmos entlassen. Er war neugierig, wie der Tod wohl aussieht … Und er sieht wie das Leben aus – wie sonst? – denn Ginsberg wusste was die Sutras sagen.

Was hat das alles miteinander zu tun?

Wir werden sehen...

Regie: David Marton
Bühne: Christian Friedländer
Kostüme: Tabea Braun
Choreografie: Jill Emerson
Licht: Henning Streck
Dramaturgie: Peggy Mädler, Henning Nass

Deutsch mit englischen Übertiteln

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Theater

legende

von Ronald M. Schernikau

Uraufführung: 11. Dezember 2019

„Ich bin Ronald M. Schernikau, ich komme aus Westberlin, ich bin seit 1. September 1989 DDR-Bürger, ich habe drei Bücher veröffentlicht und ich bin Kommunist.“ Mit diesem Satz eröffnete Schernikau seine Rede vor dem letzten Schriftstellerkongress der DDR und fügte gleich darauf hinzu: „Die Dummheit der Kommunisten halte ich für kein Argument gegen den Kommunismus“. Als 1999 sein Buch legende erstmals erschien, war der Autor selbst nicht mehr auf dieser Welt. Er starb mit 31 Jahren an AIDS, acht Jahre, bevor sein fast 1000 Seiten umfassendes Hauptwerk, auf das er sein ganzes Leben lang hingedacht hatte, endlich ausgeliefert wurde. Wenig später war es bereits nicht mehr verfügbar. Die Folge: legende wurde zur Legende. Und wer nicht rechtzeitig zugegriffen hatte, musste diesen grandiosen Solitär der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur verpassen und sich mit Gerüchten zufriedengeben. Dies alles ändert sich nun innerhalb weniger Monate. Denn zeitgleich betreiben die Volksbühne und der Berliner Verbrecher Verlag das längst überfällige Comeback der legende. Zweimal große Bühne für einen Text, der sich aufgrund einer überbordenden Vielheit an Erzählformen jeder Gattungszuschreibung entzieht und dessen erster Schauplatz ein Götterhimmel aus den 1980er-Jahren ist. Sehr allein sitzen dort fifi, kafau, stino und tete und verneigen sich voreinander. Sie alle haben eine mehr als irdische Vergangenheit, nun aber sind sie obenauf und blicken hinunter auf eine geteilte Insel namens Berlin. Und da Götter, die sich voreinander verneigen, dies auch mit den Menschen tun müssen, machen sie sich auf den Weg. Ihr Ziel: den Menschen (hüben wie drüben) möglichst viel Gutes bringen, viel Kraft, viel Optimismus, viel Handlungsfähigkeit.

Regie: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Licht: Kevin Sock
Musik: Christopher Uhe
Video: Rebecca Riedel
Dramaturgie: Malte Ubenauf

Deutsch mit englischen Übertiteln

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Tanz

Sunny

Tanzstück von Emanuel Gat

Premiere: 17. Dezember 2019

Emanuel Gat zählt seit einigen Jahren zu den führenden Choreographen-Persönlichkeiten und präsentierte seine Arbeit Sunny 2016 zuerst bei der Tanzbiennale in Venedig. Den Zugang zu seinen Choreographien eröffnet der in Frankreich lebende Israeli häufig über die Musik, in diesem Fall in Zusammenarbeit mit Awir Leon. Der israelische Musiker und Produzent der Techno-Szene hat in frei fließender Form, zwischen neuen Sounds und vertrauten Klängen, zwischen schwierigem Experiment und reinem Vergnügen, den Raum geschaffen, neue Felder zur Bewegungswahrnehmung auszukundschaften, und zwar bei Interpreten und Zuschauern gleichermaßen. Mehrmals war er mit seiner Company Emanuel Gat Dance in Berlin zu Gast, von Publikum und Kritik gefeiert. Nun bringt er erstmals eine Choreographie mit dem Staatsballett Berlin an der Volksbühne Berlin zur Premiere, nicht ohne das vibrierende Experiment um Struktur und Emotion mit dem Ensemble intensiv neu zu erarbeiten.

Choreographie: Emanuel Gat
Musik: Awir Leon
Kostüme: Thomas Bradley
Licht: Emanuel Gat

Eine Produktion des Staatsballett Berlin in Kooperation mit der Volksbühne Berlin

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Sunny

Konzert

Peaches: There's only one Peach with the Hole in the Middle

Premiere: 28. Dezember 2019

Die Musikerin und Künstlerin Peaches hat in den vergangenen 20 Jahren ein umfassendes Werk entworfen, in dessen Zentrum Musik, Performance und ein multimediales Zeichenspiel stehen. Mit ihrer Musik bringt sie Tausende in den Clubs dieser Welt zum Tanzen und eignet sich traditionell maskulin konnotierte Genres wie Rock, Punk, Heavy Metal und Rap an. Ihre expliziten Lyrics über Körper-Bilder, Gender-Trouble und soziale Ungleichheit lesen sich wie postmoderne Poetry. Als Meisterin der kompromisslosen Avantgarde-Popularisierung hat sie so den sexpositiven Feminismus auf den Konzertbühnen dieser Welt salonfähig gemacht. Mit THERE'S ONLY ONE PEACH WITH THE HOLE IN THE MIDDLE schafft sie ein futuristisches Bühnenhappening mit fast 40 Musiker*innen und Performer*innen. Inspiriert von den Varieté-Shows der 70er-LGBTIQ*-Ikonen wie Bette Midler und Liza Minelli und mit Kostümen des Avantgarde-Hair- und Fashion-Designers Charlie Le Mindu, katapultiert Peaches ihre Vision von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Queerfeminismus auf die große Bühne.

Konzept, Regie, Musik, Gesang, Performance: Peaches
Kostüme: Charlie Le Mindu
Bühne & Licht: Fubbi Karlson/House of North
Regieassistenz, Stagemanagement: Dana Tucker
Performance: Anita Drink, Empress Stah, Clusterfuck (Choreographie & Performance: Adrienne Teicher & Mad Kate, Performance: Bishop Black, Federica Dauri, Ginger Synne, Jair Luna, Lori Baldwin, Martini Cherry Furter, Trauko), NOLA Kinfolk (Briana Alston, Brieze Levy, Gianni Reid, Khadijah Butler, Alice White, Paris Williams)
Musikalische Leitung: Tif Lamson
Musikalische Leitung (Midi): Maya Postepski & Sky Deep
Live Musik: Citizen Pain, Jessica Yi-tin Ling, Laura Landergott, Lizzy Scharnofske, Maya Postepski, Megan Harris, Rike Huy, Sky Deep, Stellan Veloce, Suzana Ruhland, Tif Lamson, Yukari Aotani
Mix Live-Musik: Olivia Oyama
Effekte/Technics: Conner Rapp
Stagehands: Jasko Fide & Lau Bau

Eine Produktion des Internationalen Sommerfestivals Kampnagel. Koproduktion Aarhus Musikhuset (mit Unterstützung der Danish Arts Foundation), Southbank Centre, Volksbühne Berlin. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

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Schauspiel

Don't be evil.

von Kay Voges & Ensemble

Eine Irrfahrt durch die Welten der Timelines: alle schauen allen zu, keine Gegenwart gleicht der anderen – und dann aktualisiert sich auch noch alles ständig.

„Was gab es denn? Was lag in der Luft? Zanksucht. Kriselnde Gereiztheit. Namenlose Ungeduld. Eine allgemeine Neigung zu giftigem Wortwechsel, zum Wutausbruch, ja, zum Handgemenge. Man erblasste und bebte. Die Augen blitzten ausfällig, die Münder verzogen sich leidenschaftlich.“ So beschreibt Thomas Mann im vorletzten Kapitel seines Zauberbergs die in einem Sanatorium vor sich hin dämmernden Figuren am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Atmosphäre ist geladen, die Erregung mit Händen greifbar.

Etwas mehr als ein Jahrhundert später: Im Dauerflimmern der sozialen Netzwerke rüstet man sich für den kommenden Culture War. Alles erreicht uns, alles dringt unter unsere Haut. Minimale kommunikative Anstöße bewirken maximale Rückkopplung. Die Wut über die Wut der anderen macht uns immer wütender. Die Differenz wird zum Fetisch, die Echokammer zum Sinnbiotop, die Empörung im Gewand der Moral zum Reflex. Jeder bläst mit seinen Posaunen auf zum Kampf um die Wahrheit und die Hoheit der Zeichen. Aufregung für alle, bis die Weltkugel glüht.

Hier stehen wir, verwundbar, eingewickelt in die Nerven der gesamten Menschheit. Wir sind im globalen Hier das dauernde Jetzt, uns einander unerträglich nah. Googles ehemaliger Slogan „Don’t be evil“ – immerhin bis 2017 offizielles Credo des Unternehmens – wirkt da bloß wie ein schwaches Elmsfeuer aus der Zeit linker Netz-Utopien und Free-Cyberspace-Manifeste.

Denn wenn durch die Empörungskybernetik und Emotionsindustrie das Sowohl-als-Auch der Hyperkultur gegen das binäre Dafür-oder-
Dagegen der Filterblasen eingetauscht wurde, müssen wir wieder nach dem Dazwischen suchen. Durch welche Fenster sehen wir die Welt? Wer steht zwischen den Bildern? Und wem gehört die Hand, die da unentwegt durch die Timelines scrollt?

Regie: Kay Voges
Bühne: Michael Sieberock-Serafimowitsch
Kostüme: Mona Ulrich
Director of Photography: Voxi Bärenklau
Videokunst und -design: Robi Voigt
Filmmontage und Live-Schnitt: Andrea Schumacher
Kamera: Jan Isaak Voges
Musik: Paul Wallfisch
Live Sound Design: Jonathan Bruns
Wrestlingchoreografie: Hussen Chaer
Dramaturgie: Ulf Frötzschner, Matthias Seier

02.10.19, 19:30 - Uraufführung

Deutsch mit englischen Übertiteln

Hinweis: Während des Stücks kommt es zum Einsatz von Stroboskoplicht.

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Schauspiel

Germania

nach Heiner Müller

Germania. Die Geburt einer Nation aus dem Geiste des Krieges. Zwei Stücke. Germania Tod in Berlin und Germania 3. Zweimal Müller. Die Beschäftigung mit dem Germaniakomplex zieht sich durch Heiner Müllers Leben. Das erste Stück beginnt er im Jahr des XX. Pateitages der KPdSU 1956. Der Volksaufstand vom 17. Juni ist drei Jahre zuvor noch von Stalins Panzern niedergeschlagen worden. Jetzt lässt die Abrechnung Chruschtschows mit den Verbrechen Stalins hoffen. Germania Tod in Berlin kann aber erst 1989 in der DDR aufgeführt werden. Germania 3 schreibt Heiner Müller von 1990 bis 1995, also nach dem Ende der DDR, nach Wende und Mauerfall.

Zwei Stücke. Dazu eine „Preußische Eröffnung“. Der Bogen, den Müller schlägt, ist gewaltig. Die Varus-Schlacht im Jahre 9 n. Chr., die Nibelungen vor Stalingrad, Napoleon, Cäsar, Friedrich II., der Tod Luxemburgs und Liebknechts 1919, Hitler, Stalin, die Gründung der DDR, der 17. Juni 1953, Mauerbau, Alteigentümer nach dem Mauerfall.

Die Lesarten deutscher Geschichte, die Müller anbietet, sind provokant und bestechend zugleich: Stalingrad ist Etzels Saal ist der Anfang von Bonn, die Mauer als Denkmal Rosa Luxemburgs, Hitler gebiert den Contergan-Wolf – die BRD.

Germania. Eine Groteske? Eine Tragödie?

„Der zweite Weltkrieg und die Folgen. Hitler und Stalin. Wenn alles Dokumentarische offenliegt, fällt eine ganze Menge Behinderung weg, und man kann als Autor wieder anfangen, den Stalin oder den Hitler zu erfinden. Da gibt’s dann Elemente von Science-Fiction und Karneval, ich weiß nicht, wird sich herausstellen.“ (Heiner Müller, 1990)

Regie: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Patricia Talacko
Licht: Hans-Hermann Schulze
Musik: Mark Scheibe
Korrepetition: Hans-Jürgen Osmers
Video: Rebecca Riedel
Dramaturgie: Stephan Wetzel

Deutsch mit englischen Übertiteln

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Schauspiel

Eine Odyssee

nach Homer neu erzählt von Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason

„Es ist die Geschichte der Versäumnisse und Fehler und Tode aller seiner Weggefährten. Es ist die Geschichte vom einzigen Überlebenden. Und sie wird von ihm erzählt.“ (Eine Odyssee)

Homers Odyssee (8. Jh. v. Chr.) beginnt zehn Jahre nach der Niederlage Trojas und ist ohne den Krieg nicht zu denken. Zwar gehört Odysseus den siegreichen Griechen an, doch dauert seine Irrfahrt ob Poseidons Fluch weitere zehn Jahre bis zur Heimkehr nach Ithaka. Lässt sich das Leben nach Stationen in der Ferne und allein auf dem Meer nahtlos fortsetzen? Was bedeutet Realität, wenn der Mythos um die trojanische Schlacht diese längst ersetzt hat? Das Trauma erfasst auch die Familie. Penelope verharrt in der Nicht-Zeit an einem Ort, belagert von den Freiern. Ihrer beider Sohn Telemachos ist vaterlos im patriarchalen System aufgewachsen und Odysseus dessen bloße Projektion einer Heldenfigur.

Echos des Krieges – in Afghanistan und Vietnam – hallen nach. Oder hat die Wirklichkeit den Mythos in seiner nicht linearen Komplexität längst eingeholt? Odysseus erzählt seine Geschichte, die Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason gemeinsam mit dem Ensemble im Bühnenraum multiperspektivisch aufladen, denn Niemand ist Odysseus.

Uraufführung war am 12.09.19.

Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Daniel Angermayr
Kostüme: Karen Briem
Musik: Gabriel Cazes
Choreografie: Laura Witzleben
Assistenz und Übersetzung: Damiàn Dlaboha
Video: Voxi Bärenklau, Nanna MBS
Licht: Kevin Sock
Dramaturgie: Degna Martens

4h, eine Pause
Deutsch mit englischen Übertiteln

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Tanz

Der Palast

von Constanza Macras | DorkyPark

Mit sieben Tänzer*innen, drei Schauspieler*innen und drei Musiker*innen erarbeiten Constanza Macras und ihr Ensemble DorkyPark ein Stück, das sich unter dem Titel Der Palast mit der Stadt Berlin beschäftigt, die als „Global City“ (Saskia Sassen) besonders von den radikalen Veränderungen der Globalisierung betroffen ist.

Die Entwicklung der Mitte Berlins seit dem Mauerfall ist allseits bekannt: Leerstehende, zerrüttete Altbauten wurden von einer jungen Generation besetzt und bespielt. In den Folgejahren wurde Lebensraum knapp, die Wohn- und Lebenskosten stiegen massiv an, die einstigen Pioniere und ihre Nachfolger*innen wurden aus ihren Vierteln verdrängt. Was macht das mit der Kultur, wenn Viertel sich verändern, Geschäfte schließen und Menschen zwangsgeräumt werden?

Der Palast setzt sich mit dieser Problematik auseinander, indem es einerseits die Architektur in Berlins Mitte thematisiert, andererseits Geschichte, Gegenwart und Zukunftsvorstellungen der Stadt und ihrer Bewohner*innen behandelt. Ausgangspunkt sind Bilder des preisgekrönten englischen Fotografen Tom Hunter, der als Visual Artist der Produktion im Februar u.a. in Berlin-Weißensee, Rummelsburg, Kreuzberg und in der Volksbühne fotografiert hat. Bekannt geworden ist Tom Hunter mit Porträts, die gesellschaftliche Themen im Stil der Alten Meister inszenieren. So hat er sich in seiner Serie „Persons Unknown“ intensiv mit der britischen Hausbesetzer*innen-Szene auseinandergesetzt, indem er die von Zwangsräumungen betroffenen Menschen ins Bild gesetzt hat.

Seine Berliner Fotografien treffen in Der Palast auf eine ausufernde Bühnenbild-Architektur, die das globalisierte Format der Reality-TV-Shows mit Juroren und konkurrierenden Teilnehmer*innen widerspiegelt. In diesem Spannungsverhältnis möchte Der Palast neue Narrative zwischen Fiktion und Realität entwickeln. Der Soundtrack stammt von Robert Lippok und einer Live-Band.

Uraufführung war am 04.04.19.

Live-Musik von und mit: Santiago Blaum, Kristina Lösche-Löwensen, Jacob Thein

Regie und Choreografie: Constanza Macras
Visual Artist: Tom Hunter
Komposition: Robert Lippok
Bühne: Alissa Kolbusch
Kostüme: Roman Handt
Lichtdesign: Sergio de Carvalho Pessanha
Ton: Stephan Wöhrmann
Dramaturgie: Carmen Mehnert
Produktionsmanagement: Alisa Golomzina, Xiao Yu, Keiko Tominaga
Regieassistenz: Helena Casas

Eine Produktion von Constanza Macras | DorkyPark in Koproduktion mit der Volksbühne Berlin. Constanza Macras | DorkyPark wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

3h, eine Pause

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Volksbühne

Seit ihrer Gründung ist die Volksbühne auf die Entwicklung und Wirkung neuer Regieformen angelegt. 1914 erbaut vom Architekten Oskar Kaufmann, verfügt das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz über 800 Zuschauerplätze. Allein durch Spenden der Mitglieder des Vereins Freie Volksbühne, sogenannte Arbeitergroschen, konnte der Bau des Theaters finanziert werden. Max Reinhardt, Erwin Piscator, Benno Besson, Heiner Müller, Frank Castorf, Christoph Schlingensief – die Volksbühne ist geprägt von starken Regie-, Autoren- und Künstlerpersönlichkeiten, die die Grenzen des klassischen Sprechtheaters unablässig neu vermessen haben.

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Volksbühne

Aufführungen / Oper Komische Oper Berlin Berlin, Behrenstraße 55-57
Aufführungen / Theater Deutsches Theater Berlin Berlin, Schumannstraße 13a
Aufführungen / Show Friedrichstadt-Palast Berlin Berlin, Friedrichstraße 107
Aufführungen / Theater Schaubühne am Lehniner Platz Berlin Berlin, Kurfürstendamm 153
Aufführungen / Theater Maxim Gorki Theater Berlin Berlin, Am Festungsgraben 2
Aufführungen / Cabaret Bar jeder Vernunft Berlin Berlin, Schaperstr. 24
Aufführungen / Theater HAU Hebbel am Ufer Berlin Berlin, Stresemannstr. 29
Aufführungen / Oper Deutsche Oper Berlin Berlin, Bismarckstr. 35
Aufführungen / Theater Theater im Palais Berlin Berlin, Am Festungsgraben 1
Aufführungen / Theater Sophiensaele Berlin, Sophienstr. 18
Aufführungen / Theater Improtheater Paternoster Berlin Berlin, Voßbergstraße 3
Aufführungen / Theater Schloß Britz / Kulturstall
Sa, 23.11.2019, 19:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung BKA-Theater
So, 24.11.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater Berlin, Bismarckstraße 110
Aufführungen / Theater Renaissance-Theater Berlin Berlin, Knesebeckstraße 100
Aufführungen / Oper Neuköllner Oper Berlin, Karl-Marx-Str. 131-133
Aufführungen / Theater Tribühne Berlin Berlin, Otto-Suhr-Allee 18
Aufführungen / Theater Berliner Kriminal Theater Berlin, Palisadenstrasse 48
Aufführungen / Theater Theater- und Konzertstätte Jüterbog Jüterbog, Mönchenkirchplatz 4
Aufführungen / Theater Theater Poetenpack Potsdam Potsdam, Lennéstr. 37
Aufführungen / Theater theater DIE BOTEN Berlin, Schottstraße 6
Aufführungen / Kabarett Berliner Kabarett Klimperkasten Berlin, Thuyring 63
Aufführungen / Theater Podewil Berlin, Klosterstr. 68-70
Aufführungen / Theater Kleines Theater Berlin Berlin, Südwestkorso 64
Aufführungen / Theater Theatersport Berlin Berlin, Bürgerheimstr. 8
Aufführungen / Theater Theater Lichterfelde Berlin, Drakestr. 49
Aufführungen / Theater Teatr Studio am Salzufer Berlin, Salzufer 13/14
Aufführungen / Theater BühnenRausch Berlin, Erich-Weinert-Straße 27
Aufführungen / Kabarett Kabarett Kartoon Berlin, Kochstraße 50
Aufführungen / Theater "Die Gorillas" Ratibortheater Berlin, Cuvrystrasse 20
Aufführungen / Theater Theaterdiscounter Berlin, Monbijoustr. 1
Aufführungen / Theater Cafe Theater Schalotte Berlin, Behaimstraße 22
Aufführungen / Kulturveranstaltung Glaskasten Ballsaal Berlin, Prinzenallee 33
Aufführungen / Theater BKA-Theater Berliner Kabarett Anstalt Berlin, Mehringdamm 34
Aufführungen / Theater Theater Mirakulum - Puppenkomödie Berlin Berlin, Brunnenstraße 35
Aufführungen / Theater Theater Morgenstern Stahnsdorf, Rotkehlchenweg 35
Aufführungen / Theater Theater o.N. (Zinnober) Berlin, Kollwitzstr. 53
Aufführungen / Theater Theater TRANSIT Berlin, Boxhagener Str. 99
Aufführungen / Theater Wintergarten Berlin Berlin, Potsdamer Straße 96
Aufführungen / Theater Chamäleon Theater Berlin, Rosenthaler Str. 40/41
Aufführungen / Oper Neuköllner Oper Berlin, Karl-Marx-Str. 131
Aufführungen / Theater Theater Thikwa Berlin, Fidicinstr. 40
Aufführungen / Theater English Theatre Berlin Berlin, Fidicinstr. 40
Aufführungen / Theater Stage Theater Am Potsdamer Platz Berlin, Marlene-Dietrich-Platz 1
Aufführungen / Theater Zimmertheater Steglitz Berlin, Bornstr. 17
Aufführungen / Theater Theater der Migranten Reuterkiez Theater Berlin, Bürknerstr. 5
Aufführungen / Theater Theater Adlershof Berlin, Moriz-Seeler-Str. 1

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