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musikfest berlin

Das Festival 2018
Rituale, Zeremonien, Aktionen und Symphonien


Vom 31. August bis 18. September 2018 startet das Berliner Konzertleben mit dem Musikfest Berlin in die neue Spielzeit 18/19, veranstaltet von den Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker. An 19 Tagen werden in der Philharmonie und deren Kammermusiksaal, im Großen Sendesaal des rbb, im Konzerthaus Berlin, im Pierre Boulez Saal und in der St. Matthäus-Kirche 27 Veranstaltungen mit über 65 Werken von rund 25 Komponisten präsentiert, aufgeführt von 22 Instrumental- und Vokalensembles und über 30 Solist*innen des internationalen Musiklebens.

Aus den Niederlanden kommen das Rotterdam Philharmonic Orchestra mit seinem Chefdirigenten Yannick Nézet-Séguin und das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam mit Daniele Gatti. Außerdem gastieren die Münchner Philharmoniker mit ihrem Maestro Valery Gergiev und aus Übersee das Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Andris Nelsons, das mit den Chören des Gewandhauses die 3. Symphonie von Gustav Mahler nach Berlin bringt.

Nach einem Vorabend mit den Préludes pour piano von Claude Debussy, aufgeführt von Alexander Melnikov, eröffnet die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim das Musikfest Berlin 2018 mit der Aufführung Pierre Boulez’ Rituel – eine imaginäre, vom Klang des Gamelanorchesters inspirierte musikalische Zeremonie.

Dem rituell-zeremoniellen Zug des Eröffnungskonzertes korrespondiert das Finale des Musikfest Berlin. Zu Gast in der Philharmonie Berlin ist erstmals das Orchester der Lucerne Festival Academy: 2003 von Pierre Boulez gegründet, kommen zur Lucerne Festival Zeit über 100 junge Musiker*innen aus aller Welt zusammen, um die Meilensteine der Orchesterliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts unter Leitung der besten Mentoren in einer mehrwöchigen Arbeitsphase einzustudieren und schließlich auf den Konzertbühnen des internationalen Musiklebens zu präsentieren. Dieses Jahr widmet sich das Academy Orchester unter der Leitung von Peter Eötvös der abendfüllenden Gebetszeremonie INORI – Anbetungen für zwei Tänzermimen und großes Orchester von Karlheinz Stockhausen, eine musikalische Feier der Schöpfung.

Auch bei Valery Gergiev und seinen Münchner Philharmonikern wird die Konzertbühne zur Szene: Eine „ekklesiastische Aktion“ nannte Bernd Alois Zimmermann seine Kantate Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne – das letzte Werk, das der Komponist fertig stellen sollte, bevor er seinem Leben das Ende setzte. Texte aus dem Buch Prediger des Alten Testaments treffen auf die Rede des Großinquisitors aus Dostojewskis Roman Die Brüder Karamasow. Bernd Alois Zimmermanns Geburtstag jährt sich 2018 zum 100. Mal. Das Musikfest Berlin widmet seiner immer noch viel zu selten aufgeführten Musik eine Reihe an Konzerten, an denen sich neben den Münchner Philharmonikern auch das Rotterdam Philharmonic Orchestra, die Berliner Philharmoniker und das Orchester der Deutschen Oper Berlin beteiligen.

Von den drei Komponistennamen Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Bernd Alois Zimmermann aus entfaltet sich das Festivalprogramm facettenreich hin zur Musik von Claude Debussy und Igor Strawinsky, von Richard Wagner, Anton Bruckner und Gustav Mahler, von Anton Webern und György Ligeti, schließlich zu dem Œuvre von George Benjamin, dem sich die Berliner Philharmoniker und das Mahler Chamber Orchestra widmen.

Das Ensemble Modern Orchestra, zu dem sich das Ensemble Modern mit seinen zahlreichen Akademisten und Gästen von Zeit zu Zeit ausbaut, gastiert beim Musikfest Berlin mit einem Programm, das eines der großen, auf den internationalen Konzertbühnen kaum aufgeführten Ausnahmewerke des späten 20. Jahrhunderts präsentiert: passage/paysage von Mathias Spahlinger. „passage/paysage, so Enno Poppe, der Dirigent des EMO-Gastspiels, „ist ein Jahrhundertwerk, und es hat sich herausgestellt, dass es unter den jüngeren Komponisten kaum einen gibt, dem dieses Stück nicht den Schweiß auf die Stirn und den Schauer über den Rücken getrieben hat. Wir hatten mit diesem Stück unseren Sacre du printemps, ein Stück, das die bisherigen Gesetze außer Kraft setzte und durch etwas ersetzte, was wir noch nicht verstehen konnten.“

Neben rituellen und zeremonielle Formen, Aktionen und Szenen, die der Oper und dem Mysterienspiel entstammen, Symphonien, Kammermusik, elektronischer Musik präsentiert das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in einer gemeinsamen Initiative mit dem Musikfest Berlin die restaurierte Fassung des Stummfilms J’accuse von Abel Gance mit der 2015 neu entstandenen Musik von Philippe Schoeller – einhundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, einhundert Jahre nach der Entstehung des großen Films von Abel Gance.

Kontakt

musikfest berlin
Berliner Festspiele
Schaperstraße 24
D-10719 Berlin

Telefon: +49 (0)30 254 89-244
Fax: +49 (0)30 254 89-111
E-Mail: musikfest@berlinerfestspiele.de

Konzert

Alexander Melnikov

Préludes

Alexander Melnikov, Klavier

Claude Debussy [1862-1918]:
Préludes pour piano [1909-13]
Livre I [1909 – 1910]
Livre II [1911 – 1913]

Das Musikfest beginnt mit einem Vorspiel, einem Klavierabend, der eine Brücke spannt. Claude Debussys „24 Préludes“ stehen in einer langen Tradition, die in Bachs „Wohltemperiertem Klavier” und in Chopins „Préludes“ ihre Höhepunkte fand. Zugleich weisen sie, zwischen 1910 und 1913 komponiert, weit in das noch unbekannte Terrain des damals beginnenden 20. Jahrhunderts voraus. Was Pierre Boulez über das (Orchester-)Prélude „L’Après-midi d’un faune” sagte – nämlich dass damit die Moderne begonnen habe –, gilt auch für die Klavierstücke dieses Genres. Debussy betont dabei die Einzigartigkeit jedes einzelnen „Préludes”, denn er gruppiert sie nicht nach einer Tonartenordnung wie Bach und Chopin, bemüht sich nicht einmal darum, sie alle zu durchmessen. Tonarten haben als übergeordnetes Prinzip hier ausgedient. Zusammenhang ergibt sich aus der Erfahrung der Konstellationen, nicht durch eine vorab benennbare Ordnung. Debussy schrieb Charakterstücke und Studien über die Suggestionskraft des Klavierklangs. Darauf deuten etliche Titel hin, die er den Stücken gab, wie „Voiles” (Segel), „Le vent dans la plaine” (Der Wind in der Ebene), „Ce qu’a vu le vent d’ouest” (Was der Westwind sah), „La cathédrale engloutie” (Die versunkene Kathedrale), „Brouillards” (Nebel), „Feuilles mortes” (Welke Blätter), „Feux d’artifice” (Feuerwerk). Er schrieb sie allerdings nicht über die Kompositionen, sondern dahinter, gleichsam als Stoff zum Nachdenken im ganz wörtlichen Sinn.
Debussy starb 1918, im Jahr der tiefen Zäsur in Europas Geschichte. Die alte Ordnung war zerbrochen, das Ringen um eine neue wurde zum Ernstfall. Als Äußerung des menschlichen Geistes blickte die Kunst zum Teil über die große Kluft hinweg, noch ehe sie sich auftat. Debussys Musik mit ihrem Drang nach fließender Form und genauer Prägnanz schlug die Brücke über die Nachkriegszeiten, noch ehe sie begannen.
Konzert

Staatskapelle Berlin

Eröffnungskonzert
"Merci à Pierre Boulez"

Staatskapelle Berlin
Daniel Barenboim, Leitung


Pierre Boulez [1925-2016]: Rituel in memoriam Bruno Maderna [1974-75/1987]
für Orchester in acht Gruppen
Igor Strawinsky [1882-1971]: Le Sacre du printemps [1913]
I L’Adoration de la Terre / Die Anbetung der Erde
II Le Sacrifice / Das Opfer

Das Musikfest eröffnet mit der Hommage an einen der Großen in der Musik auf ihrem Weg durch die zweite Hälfte des 20. hinüber ins 21. Jahrhundert. Das Berliner Musikleben verdankt dem Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez viel. Seine Werke von den frühen Klaviersonaten über den „Marteau sans maître” und „Pli selon pli” bis zu „Répons” und den späten Ausarbeitungen früher Entwürfe wie den „Notations” wirkten in den Konzerten des Musikfest Berlin oft wie Kristallisationskerne der Programmgestaltung. Mit dem von ihm gegründeten Ensemble intercontemporain und als Gast am Pult der Berliner Orchester dirigierte er Programme, die von der Gegenwartsmusik her in die Geschichte leuchteten. Sein Gedenkstück „Rituel” für den Freund und Mitstreiter Bruno Maderna, der 1973 in Darmstadt starb, nannte Boulez eine „Zeremonie des Erinnerns, in der es zahlreiche Wiederholungen der gleichen Formeln in ständig wechselnden Profilen und Perspektiven gibt”. Das Orchester ist in acht Gruppen geteilt. Die Gruppen eins bis sieben bestehen aus ein bis sieben Streichern oder Holzbläsern, denen je ein Schlagzeuger zugeordnet ist, die achte Gruppe aus 14 Blechbläsern und zwei Schlagzeugern. Für eine Aufführung in der Berliner Philharmonie entwarf Boulez eine spezielle Aufstellung, die alle Gruppen von allen Plätzen hör- und sichtbar macht. Daniel Barenboim übernimmt diese Einrichtung für das Eröffnungskonzert.
Die streng sachliche Art, in der Boulez Strawinskys „Sacre” dirigierte, verdeutlichte das emotional und kulturell Aufwühlende in dieser Pionierpartitur. Sie blieb für den Dirigenten wie für den Komponisten Boulez ein Referenzwerk, das er immer wieder in neue Werkkonstellationen stellte.
Pierre Boulez und Daniel Barenboim gaben gemeinsam ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern, Boulez als Dirigent, Barenboim als Pianist. Das war im Jahre 1964, Boulez war damals 39, Barenboim knappe 21 Jahre jung. Seitdem verband die beiden Künstler eine immer engere Freundschaft. Deren architektonisches Dokument ist der Pierre Boulez Saal in der Barenboim-Said Akademie, ein Raum der Konzentration und des Experiments.

Das Konzert ist eine gemeinsame Initiative der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin, der Staatskapelle Berlin und der Philharmonie de Paris.

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin in Kooperation mit der Staatskapelle Berlin.
Konzert

Nicolas Altstaedt

Nicolas Altstaedt, Violoncello und Violoncello piccolo

Johann Sebastian Bach [1685-1750]: 6 Suiten für Violoncello solo BWV 1007-12 [vor 1719]
I: G-Dur
II: d-Moll
III: C-Dur
IV: Es-Dur
V: c-Moll
VI: D-Dur

Zum Musikfest 2014 interpretierte Isabel Faust alle sechs Sonaten und Partiten, die Johann Sebastian Bach für Violine allein komponierte. Nicolas Altstaedt setzt die Reihe in diesem Jahr mit dem Pendant fort: mit der Aufführung der sechs Suiten für Violoncello solo. Mit ihnen schuf Bach für das tiefe Streichinstrument ein exemplarisches Kompendium, das den Sonaten und Partiten für Geigen, wie dem „Wohltemperierten Klavier” nicht nachsteht. Neben dem bis heute gebräuchlichen Instrument verlangt er für die fünfte Suite eine sogenannte Scordatur: Die obere Saite wird um einen Ton von a nach g heruntergestimmt, der Grundklang dadurch gedeckter. Bach entspricht dem mit der Wahl der Tonart c-Moll, der dunkelsten in der ganzen Gruppe. Die sechste Suite in der Festtonart D-Dur sah er für ein Violoncello piccolo vor, ein fünfsaitiges Instrument, das über der a-Saite noch eine e-Saite besitzt und damit hellere Regionen ansteuern kann, die Bach auch bevorzugt. Jede Suite beginnt mit einem „Preludio”; die musikalische Spanne reicht dabei vom fantasieartigen, improvisationsnahen Virtuosenstück bis zum Typus der französischen Ouvertüre mit integrierter Fuge. Bei den nachfolgenden Tanzsätzen wählte Bach die Standardfolge von (mäßig schneller) Allemande, (rascher) Courante, (langsamer) Sarabande und (meist sehr schneller) Gigue. Jede Suite stilisiert den jeweiligen Typus auf besondere Art. In alle fügte er vor der abschließenden Gigue einen weiteren Satz ein: ein Menuett, eine Bourrée oder eine Gavotte. Bis weit ins 20. Jahrhundert blieben diese Werke kompositorisch und in ihren Anforderungen an die Interpreten das Maß aller Dinge: das Zentrum im Kosmos Cello.

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

Einführung 10:00 Uhr
Konzert

Rotterdam Philharmonic Orchestra

Gastspiel: Rotterdam

Rotterdam Philharmonic Orchestra
Yannick Nézet-Séguin, Leitung


Bernd Alois Zimmermann [1918-1970]: Sinfonie in einem Satz [Fassung mit Orgel, 1951]
Anton Bruckner [1824-1996]: Symphonie Nr. 4 Es-Dur „Romantische” [Fassung 1878/80]

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, geleitet von Yannick Nézet-Séguin nimmt sich in seinem Gastspiel in Berlin Bernd Alois Zimmermanns „Sinfonie in einem Satz“ an, die seit 65 Jahren nicht mehr in dieser Version (mit Orgel) gespielt worden ist, obwohl der Komponist nach der Uraufführung durchaus mit ihr zufrieden war. Dennoch revidierte er sie, straffte hier und da, instrumentierte neu, nahm die Orgel heraus. Diese aber verleiht der Ursprungsversion nicht nur eine charakteristische Klangfarbe, sondern auch eine besondere Raumwirkung. Das Musikfest Berlin erinnert zu Zimmermanns 100. Geburtstag an diese erste, experimentellere Form des Werkes. Es war für den Komponisten ein Versuch von grundsätzlicher Bedeutung, die ungewisse Antwort auf die Frage, ob sich die Entwicklung aus einer Grundgestalt mit dem symphonischen Denken vereinbaren ließe.
Womit Anton Bruckner seine Symphonien begann – die Erschaffung eines Themas, eines musikalischen Gedankens aus seinem Elementarteilchen – wurde für Zimmermann zum Prinzip des gesamten musikalischen Prozesses. Die Symphonie wurde vom diskursiven Medium zur Form einer Metamorphose, die sich auf ein Ziel richtet, ohne vorab zu wissen, wo es zu finden ist und wie es aussieht. Bruckner, der Meister, der seine Symphonien teilweise mehrfach revidierte, diente dem großräumigen Komponieren auf ein Ziel hin als Bezugsgröße, auch wenn er selbst musikalisch ganz andere Wege einschlug. Es gibt nicht nur eine Form-, sondern auch eine Ideengeschichte der Symphonie.
Gespräch

"Quartett der Kritiker"

Eleonore Büning, Freie Musikjournalistin, Berlin
Hanspeter Krellmann, Webern-Biograf, Freier Musikjournalist, Taufkirchen
Wilhelm Sinkovicz, „Die Presse“, Wien
Michael Stegemann, Professor für Musikwissenschaft, Musikjournalist, Dortmund
Gast: Dietmar Wiesner
Flötist des Ensemble Modern, Frankfurt am Main

sprechen und diskutieren über die Rezeption des Werkes von Anton von Webern.

Moderation: Olaf Wilhelmer Deutschlandfunk Kultur
Konzert

Ensemble Modern Orchestra

passage/paysage

Caroline Melzer, Sopran
Ueli Wiget, Klavier
Ensemble Modern Orchestra
Enno Poppe, Leitung


Anton Webern [1883-1945]: Variationen op. 27 [1936]
Zwei Lieder, op. 8 [1910]
Fünf Stücke, op. 10 [1911/13]
Vier Lieder, op. 13 [1914/18]
Sechs Bagatellen, op. 9 [1911/13]
Drei Orchesterlieder, op. posth. [1913/14]
Variationen, op. 30 [1940/41]
Mathias Spahlinger [*1944]: passage/paysage für großes Orchester [1988-1990]

Manchmal muss es wohl still werden um Kunst, damit man sie wieder in ihrer Unmittelbarkeit erlebt. Die Werke Anton Weberns waren im Konzertleben der letzten Jahrzehnte sparsam, ja immer sparsamer vertreten, nachdem sie dreißig, vierzig Jahre zuvor noch als Referenzgröße des modernen Bewusstseins galten. Enno Poppe ist selbst Komponist, und als solcher darauf aus, Überliefertes neu zu lesen, besonders das, was zur Geschichte wurde, ohne dabei das Befremdende, sprich: Erneuernde abgelegt zu haben. Die Passage durch Weberns Œuvre beginnt und endet mit Variationen, mit Werken, an denen der Disput über die Ästhetik des Komponisten beispielhaft ausgetragen wurde. Sie führt zu Liedern, zum Gesang, der sich verströmen will, auch wenn er sich kurz fasst; zu den dichten Instrumentalstücken, die auf den erfüllten ästhetischen Augenblick aus sind. Was diese Werke verbindet, was sie trennt, was den Schritt vom einen zum nächsten motiviert, ist Sache der hörenden Erfahrung – vergleichbar mit der Haltung des Flaneurs, der wachen Sinnes durch die (Kunst-)Welt geht.
Den zweiten Teil bildet ein Werk, das als großes Kontinuum erfahren werden will, und doch in dem Bewusstsein komponiert wurde, dass das Kontinuum, das ständige Weitergehen, die Veränderung, also die Diskontinuität verlangt, um wahrgenommen werden und wirken zu können. „Passage heißt Durchgang, alles ist Durchgang, Wahrheit ist nur im und als Übergang zu haben”, meinte Mathias Spahlinger, der Stück und Titel mit einem doppelten Vergleich umriss: mit dem Bild von Schaufenstern in einer Ladenpassage, an denen man immer wieder vorbeikommt, und mit dem Bild einer Landschaft, durch die man wie in Spiralen hindurchgleitet. Für Komponisten wie Enno Poppe repräsentiert „passage/paysage” ein Jahrhundertwerk, das vergleichbar mit dem „Sacre” von Igor Strawinsky Bisheriges außer Kraft setzte.

Eine Produktion des Ensemble Modern, der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin und der musica viva des Bayerischen Rundfunks. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Das Ensemble Modern Orchestra setzt sich aus Mitgliedern des Ensemble Modern, Absolventen der Internationalen Ensemble Modern Akademie sowie weiteren Gästen zusammen.
Konzert

Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam

Gastspiel: Amsterdam

Anett Fritsch, Sopran
Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam
Daniele Gatti, Leitung


Anton Webern [1883-1945]: Fünf Sätze für Streichquartett op 5,
Fassung für Streichorchester [1909/1929]
Alban Berg [1885-1935]: Fünf Orchesterlieder für mittlere Stimme und Orchester op. 4 [1912] nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg
Anton Bruckner [1824-96]: Symphonie Nr. 3 d-Moll [Fassung 1889, Nowak 1959]

Zwei Arten musikalischer (Raum-)Erfahrung werden im Konzertprogramm des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter der Leitung von Daniel Gatti durchgespielt, die extensive und die intensive. Die extensive drängt in die Weite, und zwar in allen Bereichen des komponierten Werkes: in Klang, Form, Zeit, Gedankenschichtung und Gestaltmetamorphosen. Bruckners Symphonien führen das expansive Erschließen eines musikalischen Raumes mustergültig vor, jede auf ihre Weise. Die Dritte, die „Wagner-Symphonie“, holt dabei in ihrer ersten Fassung am weitesten aus. Sie beschränkt sich nicht auf ihr angestammtes Gebiet. Bruckner widmete sie dem verehrten Musikdramatiker, und er unterstrich dies durch eine Reihe von Zitaten vor allem aus „Tannhäuser”, seiner ersten, überwältigenden Begegnung mit „dem Meister”, wie er ihn nannte, und dessen Tonsprache. Theatralisch Erfundenes holte Bruckner in die reine Instrumentalform, den dramatischen Fingerzeig des Bühnenwerkes verwandelt er in den Stoff einer orchestralen Erörterung. In der späteren Fassung tilgte der Komponist die ausdrücklichen Hinweise auf Wagners Opern, eine „Wagner-Symphonie“ blieb die Dritte dennoch. Die frühe Version bietet den Vorzug kühner Unmittelbarkeit und unverstellter Deutlichkeit, sie gewährt einen Einblick in das Laboratorium Bruckners. In ihren Dimensionen und mit ihrer Kombination von erfundenem mit vorgefundenem Material wirkt sie wie ein Manifest jener „neuen Symphonie“, die Gustav Mahler und sein früh verstorbener Freund Hans Rott auf ihre Fahnen schrieben. Die intensive Erfahrung sucht dagegen nach Mitteln und Wegen, die Vision des großen Raumes in eine Art Magnetkern zu bannen. Weberns kurze Streicherstücke sind Meisterwerke solcher Verdichtung, bei der eine Geste einen ganzen Gedankenkomplex vertritt. Alban Berg durchkreuzt mit seinem „Altenberg-Liedern” das Pathos des Erhabenen, ohne vom Kunstanspruch etwas zurückzunehmen. Alban Bergs „Altenberg-Lieder” bannen die Passionen und Ekstasen von Wagners Musikdramen in epigrammatische Kürze, in eine Romantik unter Hochdruck.
Konzert

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Allison Oakes, Sopran (Brünnhilde)
Judit Kutasi, Alt (Erda)
Simon O’Neill, Tenor (Siegfried)
Michael Volle, Bariton (Wotan)
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Donald Runnicles, Leitung


Bernd Alois Zimmermann [1918-1970]: Stille und Umkehr [1970]
Bernd Alois Zimmermann: Photoptosis
Prélude für großes Orchester [1968]
Richard Wagner [1813-1883]: Siegfried 3. Aufzug [1876]
Zweiter Tag des Ring des Nibelungen [1848-1874]
Konzertante Aufführung

Nach der Bruckner’schen „Wagner-Symphonie“ am 4. September nun Wagner selbst, der Schlussakt des vorletzten Abends aus dem „Ring des Nibelungen”, der letzte steile Höhepunkt, ehe es mit der „Götterdämmerung” ins Untergangsfinale geht – präsentiert von dem Orchester der Deutschen Oper mit dem ausgewiesenen Wagner-Spezialisten Donald Runnicles am Pult.
Von Wotans Ratlosigkeit steigert sich der dritte „Siegfried”-Aufzug über Zwist und Kampf, gemeine Intrige und heroische Kraft zur großen Liebesfeier von Brünnhilde und Siegfried, den kein Firewall an seiner erotischen Eroberung hindern konnte. Anton Bruckner war dabei, als die Nibelungen-Tetralogie im Sommer 1876 in Bayreuth uraufgeführt wurde, er erlebte die Begeisterung der Wagnergemeinde und sah sich durch mehrere Einladungen in die Villa Wahnfried geehrt. So fügt sich dieser konzertante Opernabend bruchlos in die Brucknerreihe des Musikfest Berlin ein. Er wird, wie zwei der großen Kompositionen des Symphonikers aus Linz, durch Werke von Bernd Alois Zimmermann kontrapunktiert: „Stille und Umkehr” ist im Gegensatz zu Wagners „Siegfried”-Finale ein Stück der Zurücknahme, leise, eine Farbenfantasie über und um einen Ton, nicht auf Ekstase, sondern auf Verinnerlichung gerichtet. „Photoptosis” bedeutet im Griechischen „Lichteinfall“. In Zimmermanns Komposition bezieht sich dies auf die „Veränderung von Farbflächen“, auf eine „innere Dramaturgie der zartesten Klangfarbenschattierungen, beginnende quasi mit einem Minimum von Lichteinfall bis zum Maximum am Schluss des Werkes“ (B. A. Zimmermann).
Konzert

Boston Symphony Orchestra

Gastspiel: Boston

Susan Graham, Alt
GewandhausKinderchor
Frank-Steffen Elster, Einstudierung
Damen des GewandhausChores
Gregor Meyer, Einstudierung
Boston Symphony Orchestra
Andris Nelsons, Leitung


Boston Symphony Orchestra: Gustav Mahler [1860-1911]: Symphonie Nr. 3 d-Moll [1892–1896]

Mit Gustav Mahler begann die gemeinsame Geschichte des Boston Symphony Orchestra und Andris Nelsons. Kurzfristig übernahm er 2011 die Leitung der Neunten Symphonie und überzeugte das Orchester so eindrucksvoll, dass es ihn rasch zu weiteren Dirigaten einlud und ihn 2013 zum neuen Music Director nominierte. Bereits nach der ersten Saison wurde sein Vertrag auf Wunsch des Orchesters verlängert.
Mit Mahler gastiert nun Nelsons zum zweiten Mal nach 2015 mit „seinen“ Bostonern beim Musikfest Berlin. Damals dirigierte er Mahlers Sechste, jetzt wählte er die andere d-Moll-Symphonie, die Dritte, die große. Zu ihr äußerte Mahler seinen wohl berühmtesten Satz: „Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.“ Er tat es. Die Dritte entwirft einen musikalischen Kosmos, der vom riesigen Symphoniesatz bis zur leicht sentimentalen und Kind nahen Volkstümlichkeit alles durchläuft, die Dramatisches, Groteskes, Liebliches, Erhabenes und Humoriges, und am Ende ganz viel Gesang enthält, erst mit, dann ohne Worte. Und wie die profane Welt, ist sie nicht einfach zusammenzuhalten. Allerdings stellt das ruhige Finale alles vorher Gewesene in einen virtuell grenzenlosen Zeit- und Klangraum; rückt dadurch auch Drama, Groteske, Tiefsinn und Volkston ins milde Licht utopischer Schönheit.
Mahler hat in den USA eine eigene Tradition, anfangs auch bei den Bostonern. Dort wurde sie in der Ära von Erich Leinsdorf und der Gastdirigentenzeit von Bernard Haitink erneut aufgenommen und weitergeführt. Sie fand in Andris Nelsons eine werkbewusste, eigenwillige Fortsetzung.
Konzert

Münchner Philharmoniker

Gastspiel: München

Michael Rotschopf, 1. Sprecher
N.N., 2. Sprecher
Georg Nigl, Bass
Münchner Philharmoniker
Valery Gergiev, Leitung


Bernd Alois Zimmermann [1918-80]: Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne
Ekklesiastische Aktion für zwei Sprecher, Bass solo und Orchester [1970]
Anton Bruckner [1824-96]: Symphonie Nr. 9 d-Moll [1894]
(Fassung 1894, Edition Leopold Nowak)

Hier treffen sie noch einmal aufeinander, die beiden großen Katholiken, mit ihren letzten Werken. Anton Bruckner konnte seine Neunte, die er „dem lieben Gott“ widmete, nicht vollenden. Bernd Alois Zimmermann ging nach Abschluss der Ekklesiastischen Aktion „Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne” aus dem Leben. Bruckner wird ein naiver Glaube nachgesagt; Zimmermann war dagegen ein Zweifelnder, Suchender, das zutiefst skeptische Buch der Bibel, den Prediger Salomo, las er besonders gern und zog es nicht nur einmal für seine Kompositionen heran. Hört man die Musik der beiden Künstler, die fast ein Jahrhundert trennt, dann verschiebt sich zumindest die Einstellung zu Bruckner. Seine Symphonien, vor allem seine letzte, sind alles andere als naiv. Der harte Siebenklang, den der langsame Satz mit gnadenloser Konsequenz ansteuert, ohne ihn aufzulösen, kann als jener Notschrei der Menschheit gehört werden, in dem Schönberg den Ursprung aller Kunst und allen Kunstbedürfnisses erblickte. Er hallt verstärkt in Mahlers Zehnter Symphonie und in Alban Bergs Violinkonzert nach. Dort führt er zum Zitat eines Bach-Chorals, eben jenes Chorals, mit dem Zimmermann seine Ekklesiastische Aktion beschließt: „Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus.“
In der Ekklesiastischen Aktion, die nach der Absicht des Komponisten auch stilisierte theatralische Elemente enthalten sollte, ist die Idee des Gesamtkunstwerks auf ihre knappste Ausdrucksform gebracht. Zwei Sprecher sind beteiligt, sie rezitieren nicht nur Biblisches, sondern auch einen Auszug aus Dostojewkis „Großinquisitor”, und zwar jene Stelle, an welcher der Titel„held“ mit dem auf die Erde zurückgekehrten Christus zusammentrifft. Ihr Disput bringt keine Versöhnung, keinen Ausgleich. Der Verfolger und der, der einst selbst verfolgt wurde, kommen nicht überein; das Göttliche und das Menschliche vertragen sich am Ende nicht und können doch ohne einander nicht sein. Was treibt einen zu Gott, an den man glaubt, weil es ihn nicht gibt? Mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev gehen Künstler dieser ewigen Seinsfrage nach, deren gemeinsame Stärke die bedingungslose Intensität ist.
Konzert

Berliner Philharmoniker

George Benjamin I

Cédric Tiberghien, Klavier
ChorWerk Ruhr
Matilda Hofman, Einstudierung
Berliner Philharmoniker
Sir George Benjamin, Leitung


Pierre Boulez [1925–2016]: Cummings ist der Dichter
für 16 Solostimmen und Instrumente [1970/1986]
nach einem Gedicht von Edward Estlin Cummings
Maurice Ravel [1875-1937]: Klavierkonzert für die linke Hand D-Dur [1929/30]
György Ligeti [1928–2006]: Clocks and Clouds
für 12-stimmigen Frauenchor und Orchester [1972/73]
George Benjamin [*1960]: Palimpsests [1998/99/2002]

Pierre Boulez war Komponist. Er war aber auch Dirigent, dazu ein streitbarer Theoretiker und Disputant in Sachen Kunst. Etwas von dieser multiplen Musikalität fängt das Programm von George Benjamin mit den Berliner Philharmonikern ein. Wie Boulez ist Benjamin Komponist und Dirigent, wie jener studierte er bei Olivier Messiaen; am IRCAM, der von Boulez initiierten und lange geleiteten Institution, sammelte er wesentliche Erfahrungen: Recherchen über das Zusammenwirken akustischer und elektronischer Instrumente brachten auch neue Denkweisen in das Komponieren für akustische Ensembles ein. Der Titel „Palimpsests“ weist auf das Überschreiben von Pergamenten hin, bei dem radierte oder ausgewaschene Schichten noch zu erkennen oder zu erahnen sind. Unter dem Neuen scheint das Ältere – der canzonenartige Anfang des Stücks – immer wieder durch. Mit solcher Art von Schichtungen, von Hervortreten, Verblassen und Verfließen, kann man elektronisch wunderbar spielen, aber auch herkömmlich notierte Partituren erzeugen. Die Uraufführungen beider Benjamin-„Palimpseste“ dirigierte Pierre Boulez, das erste wurde ihm zum 75. Geburtstag gewidmet.

Boulez‘ Musikdenken scheint von Claude Debussys Idealen einer fließenden Form so weit entfernt wie von Maurice Ravels koloristischen Explosionen. Und doch legte der Interpret Boulez mit dem genauen Lesen der Partituren und dem Verzicht auf eigene atmosphärische Zutaten maßstäbliche Einspielungen ihrer Werke vor. Er dirigierte Kompositionen seiner Zeitgenossen, auch wenn sie eine andere Ästhetik verfolgten als er. Der Musik György Ligetis widmete er ganze Konzerte und Programmreihen. Die beiden verband die Lust an der pointierten Diskussion über Musik, das Verfechten kontroverser Standpunkte. Diese kommen, was die Vokalmusik betritt, in zwei Werken zum Ausdruck, die Anfang der 1970er-Jahre entstanden. Dem aufgebrochenen Schriftbild in den Gedichten von E. E. Cummings, einer Art Mikroskopie des nachdenkenden, grammatikfreien Sprechens, antwortet Boulez mit der Herausforderung aller stimmlichen Artikulationsformen. Sprache, Klang und Geräusch schaffen eine neue Syntax. Über das stilisierte Geläut des Orchesters ziehen bei Ligeti zwölf Frauenstimmen jene Wolken des Klangs, die sich ständig wandeln, ballen, lockern. Beide Schichten durchdringen sich, ohne zu verschmelzen – wie bei einem Palimpsest.
Konzert

Florent Boffard

George Benjamin II

Florent Boffard, Klavier

Domenico Scarlatti [1685–1757]: Sonate a-Moll K. 175 [1751]
György Kurtág [*1926]: Játékok (Spiele) (Auswahl) [1976–2017]
György Kurtág: Szálkák (Splitter) op. 6d [1978]
Alexander Skrjabin [1871/72–1915]: Sonate Nr. 4 op. 30 [1903]
George Benjamin [*1960]: Shadowlines [2001]
Frédéric Chopin [1810–1849]: Berçeuse Des-Dur op. 57 [1843/44]
Claude Debussy [1862–1918]: Images: Livre 1 [1900–1907]
Olivier Messiaen [1908–1992]: Courlis cendré
Aus: Catalogue d’oiseaux Nr. 13 [1956–1958]
Frédéric Chopin: Barcarolle Fis-Dur op. 60 [1845/46]

Elf Jahre lang war Florent Boffard einer der Klaviersolisten des Ensemble intercontemporain. Neue und neueste Musik ist dem Künstler, der als Zwölfjähriger in die Klavierklasse von Yvonne Loriod aufgenommen wurde, seit seiner Jugend vertraut. In Konzerten und Einspielungen bringt er sie in immer neue Konstellation zu tradierten Werken, um einerseits den lebendigen geschichtlichen Resonanzboden aktuellen Komponierens, andererseits aktuelle, vielleicht sogar unerhörte Aspekte in überlieferten Kompositionen zum Vorschein zu bringen.

Seine Solo-Matinee ist der Idee der Virtuosität gewidmet, bei der vollendete Technik zum Mittel intensiven Ausdrucks, fordernder Kommunikation und visionärer Suggestion wird. Virtuos in diesem Sinne arbeiten Komponisten und Interpreten. Im Zentrum stehen George Benjamins „Shadowlines“, sechs Klavierstücke, die zusammen einen großen Bogen bilden. Technisch sind sie als strenge Kanons mit Eskalation auf das vierte und das fünfte, längste Stück hin komponiert. In der Wirkung durchmessen sie einen Horizont der Charaktere; die subtile Technik dient ihrer Verdeutlichung. Den Titel darf man doppelt verstehen: als Beschreibung des Kanons, bei dem eine Stimme immer das genaue, leicht verrückte Schattenbild einer anderen ist; aber auch als Schattenwurf der Geschichte, der grandiosen Kanonkompositionen von Josquin des Préz über Johann Sebastian Bach bis zu Anton Webern.

Den historischen Perspektiven geht Boffard jedoch nicht von der kompositionstechnischen Seite her nach, sondern vom Zusammenspiel pianistischer Brillanz und Intensität bei der Erschaffung musikalischer Charaktere. Scarlattis „Anreißer“ durchsetzen seine geläufige Sonaten mit dissonantem Clusterspiel wie von spanischen Gitarren, Kurtág nahm die Miniaturen seiner Jatékok‹(Spiele) oft als Kerne zu größeren Kompositionen, hier sind sie in Konstellation zu anderen Werken versetzt; Debussys „Images“ sind Meisterstücke pianistischer Suggestion ebenso wie die Stücke von Chopin und Messiaen in diesem Programm. Alexander Skrjabin begleitete seine Fis-Dur-Sonate mit einem Gedicht über den (Seelen-)Flug ins kosmische Lichtmeer.
Konzert

Boulez Ensemble

Boulez Ensemble
Daniel Barenboim, Klavier und Leitung


Robert Schumann [1810–1856]: Klavierquintett Nr. 2 Es-Dur op. 44 [1842/43]
Pierre Boulez [1925-2016]: Sur Incises
für 3 Klaviere, 3 Harfen und 3 Schlagzeugspieler [1996–2006]

Eine Künstlerfreundschaft, die auf hohem gegenseitigem Respekt beruht, verband Daniel Barenboim und Pierre Boulez. Boulez gehört zu den Exponenten neuer Musik, die Barenboim bevorzugt in seine Programme nimmt. Der zentrale Saal der Barenboim-Said-Akademie, die auf Initiative des Dirigenten aus dem ehemaligen Kulissenlager der Staatsoper entstand, trägt ebenso den Namen des Komponisten wie das – in seiner Besetzung flexible – Ensemble, das dort seine Konzerte gibt. Künstler der Staatskapelle, des West-Eastern Divan Orchestra und Dozenten der Akademie spielen darin zusammen in Programmen, die klassisch-romantisches Repertoire, Musik aus der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts und zeitgenössische Kompositionen aufeinander und auf das Publikum wirken lassen.
„sur Incises” gibt ein Beispiel für das Offene, prinzipiell Unabgeschlossene des kreativen Prozesses und für den ungemein differenzierten Klangsinn Boulez‘. Der Komponist unternahm dabei eine doppelte Inspektion: Das virtuose Klavierstücks „Incises” wuchs nun labyrinthisch auf die vielfache Länge seiner ersten Version; der Klavierklang wurde in drei Dreiergruppen aufgefächert: Harfen verstärken das Impulsive und Rauschende des Saiteninstruments, Schlagwerke die Resonanzeigenschaften der Klaviere. In Schumanns Quintett wirkt der Klavierklang im realen wie im strukturellen Sinn als Impulsgeber. Sein Verhältnis zu den Streichinstrumenten beschreibt eine eigene Geschichte in Tönen. In ihr sprechen sich sehr persönliche, aber auch weitgreifend symphonische Gedanken in starken Kontrasten aus. Das Finale gerät mit seiner überbordenden Kompositionskunst für Interpreten und Hörer zum labyrinthischen Vergnügen.
Konzert

Ensemble intercontemporain

Salomé Haller, Mezzosopran
Dimitri Vassilakis, Klavier
Ensemble intercontemporain
Matthias Pintscher, Leitung


Alban Berg [1885–1935]: Vier Stücke für Klarinette und Klavier op. 5 [1913/1919]
Gérard Grisey [1946 – 1998]: Vortex Temporum für Klavier und fünf Instrumente [1995]
Pierre Boulez: Le Marteau sans maître für Altstimme und sechs Instrumente [1953/1955] nach Texten von René Char

Zwei Institutionen initiierte Pierre Boulez in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre, zwei Institutionen, ohne die das Musikleben in Kompositions- und Interpretationskultur erheblich ärmer aussähe: 1976 nahm das Ensemble intercontemporain, Anfang 1977 das IRCAM, das „Institute de recherche et de coordination acoustique/musique“ seine Arbeit auf. Das Ensemble, das sich aus jungen, auf neue Erfahrung und Vermittlung orientierten Musikern von Solistenqualität bildete, leitete er zwei Jahre selbst, dann gab er die künstlerische Verantwortung an andere weiter; die meisten waren wie er Komponisten und Dirigenten – auch Matthias Pintscher, der das Ensemble seit 2013 dirigiert. Das IRCAM, zu dessen Ehrenpräsident Boulez 1992 ernannt wurde, entwickelte sich sehr schnell zum Forschungs- und Kommunikationszentrum zwischen elektronischen Pionierarbeiten und akustischen Instrumenten. Im Centre Pompidou, wo das IRCAM beheimatet ist, standen die ersten Computer, die Klangtransformationen in Echtzeit leisteten. Ohne das IRCAM hätte der Gebrauch der Live-Elektronik nicht so selbstverständlich durchgesetzt, hätte die ästhetische Richtung der Spektralisten weniger historisch-technischen Rückenwind erhalten. Ihre Kompositionsweise setzt die analytischen Kapazitäten moderner Rechner voraus.

Mit ihrem Programm erinnern das Ensemble intercontemporain und Matthias Pintscher an die Ursprünge der Moderne im Expressionismus, der die Weite seines Denkens und Empfindens in die denkbar knappsten Formen fasste; sie erinnern an Gérard Grisey, den jung verstorbenen Exponenten des Spektralismus, der in „Vortex temporum“ (Zeitenwirbel) zusätzlich mit verschiedenen Zeitschichtungen arbeitet und damit auch Messiaensches Erbe aktualisiert. Boulez‘ „Marteau sans maître“ zählt neben Schönbergs „Pierrot lunaire“ zu den Klassikern der Moderne; Ausdruck und Struktur kommen darin wie bei Alban Berg, wenn auch mit gänzlich anderem Klangresultat, zusammen.
Konzert

Konzerthausorchester Berlin

Dvořák

Julia Kleiter, Sopran
Sophie Harmsen, Mezzosopran
Maximilian Schmitt, Tenor
Krešimir Stražanac, Bass
Collegium Vocale Gent
Benjamin Bayl, Einstudierung
Konzerthausorchester Berlin
Philippe Herreweghe, Leitung


Antonín Dvořák [1841-1904]: Requiem für Soli, Chor und Orchester op. 89 [1890]

Von der historisch informierten Aufführungspraxis Alter Musik aus hat sich Philippe Herreweghe längst auch das Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die Musik von Beethoven bis Mahler, Schönberg und Kurt Weill erschlossen. Er tat dies zum Teil mit Ensembles, die er wie das Collegium Vocale Gent selbst gründete und leitet, zum Teil mit etablierten Konzertorchestern und -chören der oberen Kategorie. In einer Mischung von beidem bringt er nun Antonín Dvoráks Requiem ins Berliner Konzerthaus: Das Kollegium Vocale Gent übernimmt den Chorpart, das Konzerthausorchester den instrumentalen, mit den Solisten des Abends hat Herreweghe wiederholt zusammengearbeitet.
Dvorák schrieb sein Opus 89 von vornherein für Konzertaufführungen, nicht für den gottesdienstlichen Gebrauch. Die gut eineinhalb Stunden Dauer würden jeden liturgischen Rahmen überschreiten; und dass die Musik hier Dienerin des Wortes bleibe, wie es kirchlich gefordert wurde, ließe sich auch mit der verwegensten Gedankenakrobatik nicht begründen. Komponiert für ein großes Chorfestival, die Triennale in Birmingham, hat das Requiem Teil an der europäischen Oratorientradition, die in England besonders intensiv gepflegt wurde. Mit der Achten Symphonie leitet es die produktive Ära ein, in der sich Dvorák in Etappen, aber zielstrebig auf die musikdramatischen Gattungen zubewegt, auf die Oper und die Symphonische Dichtung. In den vokalen Gattungen stellte es die Weichen. Denn Dvorák komponierte die alten, teilweise umstrittenen Texte der lateinischen Totenmesse als imaginäres, visionäres Welttheater mit hohen Schreckes-, Trost- und Meditationsanteilen. Ein Motiv, aus traditionellen Trauer- und Leidensformeln montiert, durchzieht das ganze Werk, als solle es daran erinnern: Hier handelt es sich um eine Menschheitspassion mit ihren schmerzlichen und katastrophischen Seiten, aber auch mit ihren Glücksversprechen.
Konzert

Mahler Chamber Orchestra

George Benjamin III

Verklärte Nacht
Isabelle Faust, Violine
Anne Katharina Schreiber, Violine
Antoine Tamestit, Viola
Danusha Waskiewicz, Viola
Jean-Guihen Queyras, Violoncello
Christian Poltéra, Violoncello


Into the Little, Hill
Susanna Andersson, Sopran
Krisztina Szabó, Alt
Mahler Chamber Orchestra
Sir George Benjamin, Leitung


Arnold Schönberg [1874-1951]: Verklärte Nacht
Für Streichsextett op. 4 [1899/1905]
George Benjamin [*1960]: Into the Little Hill
Eine lyrische Erzählung in zwei Teilen für Sopran, Alt und 15 Spieler [2006]
Martin Crimp, Libretto

Ein Liebesgedicht von Richard Dehmel regte Arnold Schönberg zu seinem Streichsextett op. 4 an. Ein Paar geht durch die Nacht, sie ist aus einer früheren (Kurz-)Liaison schwanger, er adoptiert das zu erwartende Kind pränatal. Doch bei dieser Lyrik entscheidet nicht der rohe Inhalt, sondern die psychologisch-philosophische Aura, die Verwandlung, Dehmel nannte die mythische (Liebes-)Kraft Verklärung. Schönberg hielt sich in Gliederung und Ausdruck an die Stationen des Gedichts. Den eigentlichen, psychologischen und quasi spirituellen Verlauf aber kann Musik viel wirkungsvoller suggerieren als der Text. Er tritt ihr gegenüber auch dann in den Hintergrund, wenn man ihn kennt. So erging es selbst dem Dichter, als er Schönbergs Sextett zum ersten Mal hörte.
Anders liegen die Verhältnisse in George Benjamins „Into the Little Hill”. Lange wartete der britische Komponist, eher er sich an das Musiktheater wagte. Als er es dann tat, wählte er den Zugang über kammermusikalische Formen. Alle Rollen in diesem Stück, dem die Sage über den Rattenfänger von Hameln zugrunde liegt, werden von zwei Sängerinnen übernommen. Damit „lassen wir keinen Zweifel an der künstlichen Natur des gesungenen Dramas, ermöglichen aber zugleich Dialoge und Charakterisierungen“, erläutert der Komponist. „Martin Climps Libretto hält sich an die überlieferte Sage, weckt aber auch verstörend aktuellen Widerhall. Es reflektiert über die Kraft der Musik und ihre Ausbeutung in der Welt von heute […] Im Orchester verlange ich einige ungewöhnliche Klangfarben – von der Bassflöte und dem Cimbalom bis zum Banjo und den Bassetthörnern. Dadurch entsteht oft ein verhaltenes, transparentes Klangbild, das den Gesangsstimmen immer den Vortritt lässt. Vor allem aber wollte ich deren Linien so klar wie möglich in ihre harmonische Umgebung einbetten. In diesem Zusammenspiel liegt meiner Meinung nach eine wesentliche Quelle des Ausdrucks für ein lyrisches Bühnenwerk.“
Konzert

Pierre-Laurent Aimard

Karlheinz Stockhausen I

Pierre-Laurent Aimard, Klavier

Karlheinz Stockhausen [1926-2007]:
Klavierstücke 1-4 [1952/53]
Klavierstück 5 [1954]
Klavierstück 6 [1954/55]
Klavierstück 7 [1954/55]
Klavierstück 8 [1954]
Klavierstück 9 [1954/1969]
Klavierstück 10 [1954/1961]
Klavierstück 11 [1956]

Das Finale des Musikfest Berlin steht im Zeichen von Karlheinz Stockhausen. Es beginnt nicht mit elektronischen Kompositionen, nicht mit dem Pioniermedium der 1950er- und 1960er-Jahre, sondern mit Stücken für Klavier, das klassische Pionierinstrument der Kompositionsgeschichte von Bach bis Schönberg. Auch bei Stockhausen behielt es diese Funktion. Sie verlagerte sich vom exemplarischen satztechnischen Experiment auf die Bedeutung als Instanz der Reflexion, der Überprüfung ästhetischer Konzepte und als Härtetest geistiger Innovation. Stockhausen verfolgte mit seinen Stücken die Absicht, den Klavierklang neu zu erforschen, neu zu durchdenken und damit letztlich neu zu erschaffen. Als Gesamtwerk aber entwickeln sie durch ihre Verschiedenheit, die vom Detail der Tongebung bis zum Zeitverständnis reicht, einen enormen Sog; er zieht das konzentrierte Hören in die Mitte eines imaginären Raumes, von dem aus der Kosmos Klavier sehr spezifisch erfahren werden kann – ein Kosmos, der sich suggestiv öffnet zu anderen Klangwelten, zu theatralischen, psychischen und spirituellen Dimensionen, die der Komponist erst viele Jahre später größer und genauer ausarbeitete. Die Interpretation der Klavierstücke I-XI durch den französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard hat Maßstäbe gesetzt.
Konzert

Berliner Philharmoniker

Carolin Widmann, Violine
Berliner Philharmoniker
François-Xavier Roth, Leitung


Igor Strawinsky [1882–1971]: Symphonies d`instruments à vent [Fassung von 1947]
À la mémoire de Claude Achille Debussy
Bernd Alois Zimmermann [1918–1970]: Konzert für Violine und großes Orchester [1950]
Claude Debussy [1862-1918]: Images für Orchester [1905–1912]
1. Gigues [1909-1912]
György Ligeti [1923-2006]: Lontano für großes Orchester [1967]
Claude Debussy: Images für Orchester
3. Rondes de printemps [1905-1909]
György Ligeti: Atmosphères für Orchester [1961]
Claude Debussy: Images für Orchester
2. Ibéria [1905-1908]

Das 20. Jahrhundert ist Geschichte. Vieles, was in ihrem Vollzug weit auseinander zu liegen scheint, rückt in der Retrospektive zusammen. Das Programm der Berliner Philharmoniker mit François-Xavier Roth zeigt dies mit bestechender Klarheit. Das Zentrum dieses Säkulums war die Ära des Films, als Kunstform ein Medium der visionären Suggestion und der abstrakten Expressivität. Die Musik verstärkte die optische Virtualität nicht nur, sie zeichnete ihr auch die Logik, Grammatik und Wirkungsweise vor. Claude Debussy entwarf mit seinen „Images” bewegte Hör-Bilder, Stilisierungen aus dem alten Großbritannien, spanische Straßen-, Nacht- und Festszenen und die Vorstellung eines Frühlingsreigens mit angedeuteter Kinderbeteiligung. „Die Musik dieses Stücks hat das Besondere, dass sie immateriell ist und dass man sie folglich nicht wie eine robuste Symphonie behandeln kann, die auf ihren vier Beinen marschiert (bisweilen sind es nur drei, aber das marschiert genauso). Übrigens überzeuge ich mich mehr und mehr, dass die Musik ihrem Wesen nach nicht etwas ist, das man in eine strenge und überlieferte Form gießen könnte. Sie besteht aus Farben und rhythmisierten Zeiten.“ (Debussy). Dass Stanley Kubrick György Ligetis „Atmosphères” für seinen Film „A Space Odyssey 2001” verwendete, hat mit dem sphärischen Fließen dieser Musik, mit der teleskopartigen Verstärkung der klanglichen Fernsicht – ähnlich wie in „Lontano” – zu tun. Der zweite Programmteil führt also mitten in das Gebiet, auf dem die Musik ihre Stärken hat: in die Suggestion.
Die Werke des ersten Teils zeigen eine andere Seite des 20. Jahrhunderts, den Neoklassizismus als Haltung zur Geschichte. Strawinskys schrieb seine „Symphonies d’instruments à vent“ in Erinnerung an Claude Debussy. Strawinsky selbst sah der Aufführung mit großer Skepsis entgegen, denn diese Symphonien enthielten nichts, was mit dem Urheber des revolutionären „Sacre“ in Verbindung gebracht werden könnte. Keine leidenschaftlichen Passagen oder dynamischen Ausbrüche, stattdessen ein quasi-zeremonieller Ablauf von Kantilenen, kurzen Litaneien und Instrumentenkombinationen in liturgisch anmutenden Dialogen und Psalmodien. Bernd Alois Zimmermann gewann sein Violinkonzert aus einer im selben Jahr entstandenen orchestral gedachten Sonate für Violine und Klavier. Bei der Umarbeitung erweiterte er den mittleren Satz, machte ihn dadurch auch der Bedeutung nach zum Zentralstück. Mit „Dies irae”-Zitaten und einem Rumba-Finale suggeriert Zimmermann einen „Sitz im Leben“ für sein erstes Werk, das er gelten ließ.
Konzert

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Film & Live-Musik

Gilbert Nouno, Réalisation informatique musicale/IRCAM
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Frank Strobel, Leitung


Abel Gance [1889-1981]: J’accuse (Ich klage an) [1918/19]
Stummfilm mit Live-Musik für großes Orchester und virtuellen Chor
Deutsche Erstaufführung der rekonstruierten und restaurierten Fassung [2007]

Abel Gance, Drehbuch und Regie
Léonce-Henri Burel, Maurice Forster, Marc Bujard, Antonin Nalpas, Kamera
Andrée Danis, Abel Gance, Schnitt

Philippe Schoeller [*1957] Musik [2014]

In seinem öffentlichen Brief „J’accuse…!“ („Ich klage an…!“), der in der Dreyfus-Affäre zu einer entscheidenden Wendung führte, klagte Emile Zola 1898 die ungerechte Verfolgung des jüdischen Offiziers Dreyfus an. Als Abel Gance 20 Jahre später seinen gleichnamigen Film „J’accuse“ drehte, war der Ausspruch längst zu einem geflügelten Wort für eine kritische Stellungnahme geworden. Noch während der erste Weltkrieg andauerte, in dem Abel Gance aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nur kurzzeitig diente, begann der junge Regisseur mit den Dreharbeiten zu seinem pazifistischen Werk. Basierend auf dem Theaterstück „Miracle à Verdun“ von Hans Chlumberg erzählt Gance von einer Dreiecksbeziehung in den Wirren des Krieges, wobei er das Melodram mit dokumentarischen Sequenzen von den Schlachtfeldern nahe Verdun verbindet. Die wohl berühmteste Szene des Films – die Vision der Auferstehung der Toten – drehte Gance mit 2000 französischen Soldaten. Diese standen kurz vor ihrem Einsatz in Verdun, der für die meisten der jungen Männer den Tod bedeutete, wodurch eine gleichermaßen intensive wie erschreckende Verquickung der filmischen Ebene mit dem realen Kriegsszenario entsteht. Die rekonstruierte und restaurierte Fassung des Stummfilms, die 2007 von Lobster Films Paris in Zusammenarbeit mit dem Eye Film Museum Amsterdam umgesetzt wurde, feierte 2014 im Pariser Salle Pleyel Premiere. Eigens dazu komponierte Philippe Schoeller eine neue Filmmusik, mit der er sich auf die Suche nach einer emotionalen Synthese zwischen Auge und Ohr begibt. Die Musik für großes Orchester und virtuellen Chor gibt dem bildgewaltigen Film, der so kunstvoll mit Kameratechnik, Kadrierung und Licht spielt, eine weitere, expressive Ebene und lässt das Orchester in unerwarteten Klangfarben ertönen.
Konzert

Aimard / Rothbrust / Kobler / Stroppa

Karlheinz Stockhausen II

Pierre-Laurent Aimard, Klavier (Kontakte), Celesta (Refrain)
Dirk Rothbrust, Schlagzeug
Benjamin Kobler, Klavier (Refrain)
Marco Stroppa, Klangregie


Karlheinz Stockhausen [1928-2007]:
Telemusik
Elektronische Musik [1966]
Zyklus
für einen Schlagzeuger [1959]
Refrain
für 3 Spieler [1959]: Kontakte
für elektronische Klänge, Klavier und Schlagzeug [1958-1960]

Der Ort ist treffend gewählt. 1959 wurde der Große Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks nach umfangreicher Renovierung wieder in Betrieb genommen. Seitdem wird dort in vielfältigen Formen zeitgenössische Musik vorgestellt. Lange war der Rundfunk ein Laboratorium gewagter Tonkunst. Die Werke Stockhausens, die seit den späten 1950er-Jahren entstanden, sind mit der Institution Rundfunk auf dreifache Weise verbunden: Er fand dort Studios, die elektronisches Komponieren ermöglichten, Räume, an denen neue Werke zur Diskussion gestellt werden konnten, und ein Medium der Ausstrahlung.
„Telemusik” entstand in einem solchen Studio, in Japan, als eine universelle Musik. Ihr Material bilden Tonaufnahmen aus China, dem vietnamesischen Bergland, von der Insel Bali, aus dem Amazonasgebiet, aus Spanien, Ungarn und der südlichen Sahara. Das Material ist nicht einfach collagiert, sondern durchgeführt. Die Materialschichten durchdringen sich. Der Rhythmus der einen wurde mit der Lautstärkekurve des anderen, der dynamische Verlauf des einen mit der Harmonik und den Klangfarben des anderen moduliert. Die Stile und Charaktere durchwirken und verwandeln sich gegenseitig. Symbolisch ist die Welt präsent, zusammengehalten wird sie durch den Schöpfer, den Komponisten, der ihre innere Mechanik kennt.
Die „Kontakte” bieten in gewisser Weise das Spiegelbild zur „Telemusik”. Wird in letzterer vokal und instrumental erzeugte Musik elektronisch verwandelt und in einen neuen Seinszustand versetzt, so greifen in den „Kontakten” live agierende Musiker in eine elektronische Komposition ein. Diese entstand aus Verwandlungen der Zeit: Einzelne Impulse ordnen sich zu Rhythmen, Rhythmen schlagen durch fortgesetzte Beschleunigung in Tonhöhen und Klangfarben um. Durch die Überlagerung mehrerer Transformationen und ihrer verschiedenen Stadien entstanden synthetische Klänge „im Niemandsland zwischen Fell und Metall“; in sie tragen Klavier (Pierre-Laurent Aimard) und Schlagzeug (Dirk Rothbrust) die menschliche Interaktion und verleihen dadurch dem elektronisch vorproduzierten ein immer neues Gesicht. Das Widerspiel von Idee und Gestalt, von Material und Werk, von Existenz und Verwandlung wirkt auch im Hintergrund von „Zyklus” und „Refrain”. In beiden wird das vom Komponisten Vorgegebene zum Material, das unterschiedliche Realisationen ermöglicht.
Konzert

Schola des Rundfunkchor Berlin

Late Night-Konzert

Tabea Zimmermann, Viola
Irmela Roelcke, Celesta
Michael Weilacher, Schlagzeug
Karen Rettinghaus, Sopran
Roksolana Chraniuk, Alt
Mitglieder des Rundfunkchores Berlin
Schola des Rundfunkchores Berlin
Benjamin Goodson, Leitung


Igor Strawinsky [1882–1971]: Elegy für Viola solo [1944]
Morton Feldman [1926-1987]: Rothko Chapel [1971] für Sopran– und Altsolo, gemischten Chor, Viola, Celesta und Schlagzeug
John Cage [1912–1992]: FOUR² [1990] für Chor a cappella

Rothko Chapel ist ein Ort des Rückzugs, ein interkonfessioneller Andachtsraum in Houston (Texas). Er wurde um Bilder des abstrakten Expressionisten Mark Rothko gebaut, die in einem unregelmäßigen Achteck angeordnet, die Innenwände bilden. Morton Feldman, ein Freund Rothkos, wurde von den Initiatoren und Mäzenen, John und Dominique de Menil, um eine Musik für diesen Raum gebeten. Feldman benannte seine Komposition nach dem Gebäude, denn er wollte mit ihr die Raumwirkung der großen Gemälde musikalisch fortsetzen und verstärken. Die Soloviola führt durch das Klangwerk, der Chor singt wie in anderen Stücken Feldmans keinen Text, sondern Vokalisen, die sich auf erstaunliche Weise mit dem Sound der Vibraphone verbinden, als wären beide gleichen Ursprungs. Die gesungenen Verläufe erzeugen das, was Feldmans Lehrer Stefan Wolpe einmal „Stehende Musik“ nannte – eine Musik, die sich zugleich aus dem Zwangsfortschritt der Zeit befreien will.
Igor Strawinskys einziges Viola-Werk führt auf Feldmans Viola-geleitetes Oratorium der Zeitlosigkeit hin: die Elegie, in der ein Trauerhymnus einen fugierten Mittelteil rahmt wie in einer barocken Gedenkmusik. „Rothko Chapel“ mündet in eines der späten Werke von John Cage, ein Stück, das ganz und gar Klangbewegung ist.
Konzert

IPPNW-Benefizkonzert

Metamorphosen Berlin
Wolfgang Emanuel Schmidt, Violoncello und Leitung


Begrüßung: Dr. Alex Rosen (IPPNW): „Die Welt vor dem Atomkrieg – wo bleibt der Widerstand?”

Leoš Janáček [1854–1928]: Suite für Streichorchester [1877]
Josef Haydn [1732 – 1809]: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 C-Dur Hob VII b: 1 [1783]
Dmitri Schostakowitsch [1906–1975]: Kammersinfonie c-Moll op. 110a
Orchestrierung von Rudolf Barschai [1960]

Zugunsten von IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Friedensnobelpreis 1985) und ICAN (Internationale Kampagne zur Ächtung und Verbot von Atomwaffen, Friedensnobelpreis 2017)

Die Benefizkonzerte zugunsten von IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) gehören seit Jahren zum Musikfest Berlin. Das Anliegen der Ärztevereinigung, die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, gewann leider in den letzten Jahren drastisch an Aktualität und Brisanz. 2007 gründete IPPNW mit anderen Nichtregierungsorganisationen ICAN, die Kampagne zu Ächtung und Verbot von Atomwaffen, die 2017 den Friedensnobelpreis erhielt. Für das diesjährige Konzert wurde das Ensemble Metamorphosen Berlin gewonnen. In ihm schlossen sich 2010 auf Initiative des Cellisten Wolfgang Emanuel Schmidt junge, begeisterte Kammermusiker zusammen, die im Konzerthaus Berlin eine eigene Konzertreihe veranstalten und unlängst eine hochgelobte Debüt CD vorlegten.
Leoš Janáčeks Erstlingswerk für Orchester, das noch deutlich die Vorbilder verrät, aus denen sich der junge Künstler herauskomponierte, lassen sie das Erste Cellokonzert von Joseph Haydn folgen. Es galt lange als verschollen, eine Abschrift wurde jedoch 1961 wieder entdeckt, das Werk fand danach rasch den Weg ins Standardrepertoire. Der Solopart ist höchst anspruchsvoll, der Freund Joseph Franz Weigl, für den Haydn das Werk schrieb, war ein glänzender Meister seines Fachs. Kammermusikalisch besetzt und vom Solisten geleitet, entfaltet es seine frische Vitalität besonders überzeugend.
Rudolf Barschai war mit Dmitri Schostakowitsch eng befreundet. Er wusste, dass dieser mit der Komposition von Streichquartetten in Zeiten harter politischer Verfolgung begann und dem kammermusikalischen Genre manches anvertraute, wofür er sonst das größere Forum der Symphonie gesucht hätte. Mit dem Einverständnis des Komponisten bearbeitete er daher einige der 15 Quartette für Kammerorchester, darunter auch das Zentralstück, das Achte Quartett. Mit ihm schrieb Schostakowitsch eine Autobiographie, denn er komponierte es aus seinem Namensanagramm, der Tonfolge D-Es-C-H, und aus Themen, die in seiner Entwicklung als Künstler und in seiner Auseinandersetzung mit der Staatsmacht eine wesentliche Rolle spielten. So entstand nahe Dresden 1960 eine Passion im doppelten Sinn von Leidenszeugnis und Leidenschaft.
Konzert

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Erin Morley, Sopran
Anna Stéphany, Mezzosopran
Katharina Magiera, Alt
Dame Felicity Lott, Erzählerin

Rundfunkchor Berlin
Michael Alber, Einstudierung
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Robin Ticciati, Leitung


Richard Wagner [1813-1883]: Parsifal
Vorspiel zum 1. Aufzug und Suite aus dem 3. Aufzug für Chor und Orchester [1876-1882]
zusammengestellt von Claudio Abbado:
Karfreitagszauber – Verwandlungsmusik – Ritterzug – Schlusschor
Claude Debussy [1862-1918]: Le Martyre de Saint Sébastien [1911]
Bühnenmusik zum Mysterienspiel in 5 Akten für Solist*innen, Sprecherin, gemischten Chor und Orchester
Text von Gabriele D’Annunzio [1863–1938]

Als junger Künstler verehrte er Richard Wagner und seine Musik. Das konnte kaum anders sein bei einem, der regelmäßig zu den legendären Dienstagabenden im Hause des Dichters Stéphane Mallarmé eingeladen wurde. Der war, wenn nicht der Wortführer, so doch ein gewichtiger Exponent des Wagnérisme in Frankreich. Claude Debussy reiste nach Bayreuth, und wie so mancher Pilger kehrte er verändert von seiner Wallfahrt zurück. Er wandte sich vom deutschen Musikdramatiker ab, polemisierte in seinen Feuilletons mit scharfer Feder gegen ihn. Nur den „Parsifal” ließ er gelten.
Doch wie jede heftige Ablehnung blieb auch Debussys Anti-Wagnérisme an das Objekt seiner Polemik gebunden. Mit „Pelléas et Mélisande” schrieb er seinen „Tristan” mit „Le Martyre de Saint Sebastien” seinen „Parsifal„. „Mich interessiert”, so Robin Ticciati, „einerseits das verwandte Klangdenken beider Komponisten – bei aller Distanz, die Debussy zu Wagner bezog. Mit Amfortas und dem Heiligen Sebastian spielen in beiden Werken christusähnliche Personen eine wichtige Rolle, Amfortas mit seiner Wunde, Sebastian, der gekreuzigt wurde. Beide suchen den Schmerz, das Leiden, beim einen ist dies stark nach innen gerichtet, beim anderen wird es öffentlich. In beiden Werken geht es um eine Art Transposition des Religiösen in das Theater“, das Medium, in dem diese Umschmelzung stattfindet, ist die Musik.
Gespielt werden nicht die „Symphonischen Fragmente”, eine rein orchestrale Kurzfassung, die nicht vom Komponisten stammt, sondern die gesamte Musik Debussys – mit dem Gesang der Solisten und des Chors, mit der Sprechrolle des Heiligen – also die Version, in der Debussy seine Vorstellung von einem Musiktheater der Zukunft angedeutet sah.
Konzert

Aimard / Stefanovich / Stroppa

Karlheinz Stockhausen III

Pierre-Laurent Aimard, Klavier (Woodblocks, Cymbals antiques)
Tamara Stefanovich, Klavier (Woodblocks, Cymbals antiques)
Marco Stroppa, Klangregie


Karlheinz Stockhausen [1928-2007]: Mantra für zwei Klaviere und Ringmodulation [1970]

Eine Autofahrt in den Neuenglandstaaten der USA brachte die Idee zu „Mantra“ hervor. „Ich summte vor mich hin“, berichtet Stockhausen, „und hörte diese Melodie – es kam alles ganz schnell zusammen. Ich hatte die Idee einer einigen musikalischen Figur oder Formel, die über eine sehr lange Zeitperiode ausgedehnt werden sollte. Und diese Noten waren die Zentren, um die ich fortlaufend dieselbe Formel in einer kleineren Form darstellen wollte.“ Die Formel – das ist einerseits eine Pendelbewegung, andererseits eine Melodie, deren Töne durch charakteristische Bewegungen angesteuert werden.

Diese Doppelformel wird wiederholt, gespreizt, gedehnt, gestaucht. Sie organisiert die verschiedenen Zeitebenen des Werkes: die Gesamtform, ihre Teile, deren Abschnitte und Phrasen. Mikro- und Makrokosmos dieser Musik sind vielfach miteinander vermittelt wie in einem idealen Schöpfungswerk. Die Formel wirkt organisierend im Hintergrund, bestimmt mit ihren Elementen aber auch die Ereignisse im Vordergrund. Repetitionen und Permutationen machen alles, was geschieht, nachvollziehbar. Die Ringmodulatoren, mit denen die Klaviere verbunden sind, deuten sphärische Ver- und Entrückungen des Klangs an. Antike Zimbeln setzen rituelle Signale und zeigen damit die Formgliederung, die dreizehn Akte des Abends an.

Stockhausen bezeichnete die Urformel nicht als Thema, nicht als Reihe, sondern als Mantra, und nannte auch die ganze Komposition so. Das abendfüllende Werk zelebriert die Enthüllung und Entfaltung seines Wesens, das in der Urformel beschlossen ist.
Konzert

Orchester der Lucerne Festival Academy

Karlheinz Stockhausen IV

Winnie Huang, Tänzermime 1
Diego Vásquez, Tänzermime 2
Paul Jeukendrup, Klangregie

Orchester der Lucerne Festival Academy
Peter Eötvös, Leitung


Karlheinz Stockhausen [1928–2007]: INORI
Anbetungen für zwei Tänzermimen und großes Orchester [1973/74]

Ein Ritual entfesselte die musikalische Moderne: Igor Strawinskys „Sacre du printemps“. Ein Ritual brachte sie zur spirituellen Besinnung: Karlheinz Stockhausens „Inori“. Wie in einem tiefinnigen Gebet kommt alles aus einer Formel und strebt alles auf eine Formel hin. Ihr Geheimnis und der Zugang zu ihr liegt in der Musik. Die Gebetsgesten, die zwei Tänzerinnen ausführen, stellte der Komponist aus der Praxis verschiedener Religionen zusammen und ordnete sie als eine chromatische Skala an. So sind sie Teil der musikalischen Partitur und ihr nicht äußerlich hinzugefügt. Klang und Gebärde, hörbare und sichtbare Geste kommen aus einer Quelle und vollziehen einen gemeinsamen Prozess. Stockhausen schrieb keine religiöse Musik in dem Sinne, dass sie eine Glaubenslehre hinterlegte oder wiedergäbe. Religiös ist sie aus dem transzendierenden Anliegen, das die Kunst, die Wissenschaft und die Metaphysik teilen. Für John Cage war das „if you celebrate it“ ein entscheidendes Kunstkriterium.

Mit diesem Abend geht das Musikfest 2018 zu Ende. In Streif- und Schlaglichtern beleuchtete es ein Panorama der Musik und Kunst im 20. Jahrhundert. Karlheinz Stockhausen nimmt darin mit seinem scharfen Verstand, seinem überschreitenden Denken und mit seinem Willen zur Transzendenz einen wichtigen Platz ein. In ihm fanden unterschiedliche Tendenzen zusammen, von ihm gingen vielerlei Impulse aus. Provokationen gehören dazu. „Das Essenzielle meiner Musik ist immer religiös und spirituell, das Technische ist nur Erläuterung.“ (Stockhausen)
Ereignisse / Festival Young Euro Classic Berlin Berlin, Meierottostr. 6
Ereignisse / Festival Kultursommer im Jüdischen Museum Berlin Berlin, Lindenstr. 9-14
Ereignisse / Sehenswürdigkeit Dom zu Brandenburg Brandenburg / Havel, Burghof 10
Ereignisse / Wettbewerb Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar Weimar, Platz der Demokratie 2/3
Ereignisse / Kulturveranstaltung Jüdisches Museum Berlin Berlin, Lindenstr. 9-14
Ereignisse / Konzert Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin Berlin, Charlottenstr. 55
Ereignisse / Konzert Berliner Residenz Konzerte Berlin, Spandauer Damm 22-24
Ereignisse / Ausstellung Italienisches Kulturinstitut Berlin
Ereignisse / Cabaret TIPI am Kanzleramt Berlin Berlin, Große Querallee
Ereignisse / Konzert Musikakademie Rheinsberg Rheinsberg, Kavalierhaus der Schlossanlage
Ereignisse / Kulturveranstaltung Russisches Haus Berlin Berlin, Friedrichstraße 176-179
Ereignisse / Konzert Musikfestspiele Potsdam Sanssoucci Potsdam, Wilhelm Staab Str. 10/11
Ereignisse / Kulturveranstaltung Brotfabrik-Berlin Berlin, Caligariplatz/Prenzlauer Promenade 3
Ereignisse / Kulturveranstaltung ARTEFAKT Kulturkonzepte Berlin, Schliemannstraße 2
Ereignisse / Kulturveranstaltung Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum" Berlin, Oranienburger Straße 28/30
Ereignisse / Kulturveranstaltung Deutscher Freundeskreis europäischer JUgendorchester e.V. Berlin, Meierottostraße 6
young.euro.classic
Ereignisse / Kulturveranstaltung Waschhaus e.V. Potsdam, Schiffbauergasse 1
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tertianum Residenz Berlin, Passauerstr. 5-7
Ereignisse / Festival Kulturnetzwerk Neukölln e.V. Berlin, Karl-Marx-Str. 131
Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tränenpalast Berlin, Reichstagufer
Ereignisse / Messe ART FORUM BERLIN Berlin, Messedamm 22
Die internationale Messe für Gegenwartskunst
Ereignisse / Festival Kunstinstitut BAJA e.V. Templin, Am Markt 19
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tschechisches Zentrum Berlin, Friedrichstrasse 206
Ereignisse / Kulturveranstaltung Finnland-Institut in Deutschland Berlin-Moabit, Alt-Moabit 98
für Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft (gemeinnützig)
Ereignisse / Kulturveranstaltung Velomax Berlin Hallenbetriebs GmbH Berlin, Paul-Heyse-Str. 26
Ereignisse / Kulturveranstaltung Velomax Berlin Hallenbetriebs GmbH Berlin, Am Falkplatz
Ereignisse / Festival 48 Stunden Neukölln Berlin, Karl-Marx-Str. 131
Kulturnetzwerk Neukölln e.V. Kunst- und Kulturfestival
Ereignisse / Kulturveranstaltung arena Berlin Berlin, Eichenstraße 4
Ereignisse / Kulturveranstaltung Collegium Hungaricum Berlin Berlin, Karl-Liebknecht-Str. 9
Haus Ungarn Ungarisches Kulturinstitut
Ereignisse / Festival transmediale Berlin, Klosterstr. 68-70
international media art festival berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin Berlin, Hinter der Katholischen Kirche 3
Ereignisse / Kulturveranstaltung Literaturhaus Berlin Berlin, Fasanenstraße 23
Ereignisse / Kulturveranstaltung Künstlerklub DIE MÖWE Berlin, Am Festungsgraben 1
www.moewe-kuenstlerklub.de
Ereignisse / Kulturveranstaltung al globe Potsdam, Charlottenstraße 31
Brandenburgisches Haus der Kulturen
Ereignisse / Kulturveranstaltung St. Hedwigs-Kathedrale Berlin Berlin, Hinter der Katholischen Kirche 3
Chor der St. Hedwigs-Kathedrale
Ereignisse / Kulturveranstaltung Marstall Berlin-Mitte, Schloßplatz 7
Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Hauptgebäude Berlin-Mitte, Charlottenstr. 55
Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Haus der Kulturen der Welt Berlin, John-Foster-Dulles- Allee 10
Ereignisse / Kulturveranstaltung Blackligtht Gallery Berlin, Potsdamer Platz 1
U3 Bahnhof Veranstaltungs mbH
Ereignisse / Kulturveranstaltung Messe und Veranstaltungs GmbH Frankfurt (Oder), Platz der Einheit 1
Kleist Forum Frankfurt (Oder)
Ereignisse / Kulturveranstaltung ankommen- Kulturverein berlin Brandenburg e.V. Berlin, Brunnenstr. 111k
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, Lietzenburger Str. 39
www.gedaechtniskirche.com KWG Gemeindebüro
Ereignisse / Kulturveranstaltung Haus am Kleistpark Berlin, Grunewaldstr. 6-7
Ereignisse / Kulturveranstaltung NaturFreundehaus Karl Renner Berlin, Ringstr.76
Kultur und Tanz
Ereignisse / Kulturveranstaltung NaturFreunde Berlin e.V Berlin, Ringstr 76
Kultur und Tanz mit angelika und Hans
Ereignisse / Festival Musikfestspiele Potsdam Sanssouci Potsdam, Wilhelm-Staab-Str. 10/11
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tanz in den Mai Berlin, Ringstr. 76
Ereignisse / Kulturveranstaltung Extra Chor Brandenburg Ketzin, Paretz, Parkring 11c
www.extrachorbrandenburg.de Dietmar Keck
Ereignisse / Kulturveranstaltung Dipankara-Zentrum Berlin, Hasenheide 54
Ereignisse / Kulturveranstaltung Berlin lacht! e.V. Berlin, Reichenberger Str. 36
Stefanie Roße
Ereignisse / Kulturveranstaltung Bernhard-Heiliger-Stiftung Berlin, Käuzchensteig 8
Ereignisse / Show Wintergarten Varieté Berlin, Potsdamer Str. 96
Ereignisse / Kulturveranstaltung Lichtwerk Berlin Berlin, Bürgerheimstr. 6-10
Ereignisse / Kulturveranstaltung SDW-Neukölln Berlin, Pflügerstr. 11
Siebdruckwerkstatt
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, Breitscheidplatz
www.gedaechtniskirche-berlin.de
Ereignisse / Kulturveranstaltung Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V. Potsdam, Brendenburgerstraße 5 (Luisenforum)
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kulturprojekte Berlin GmbH Berlin, Klosterstr. 68
Ereignisse / Jazz Jazzkeller 69 e.V. Berlin, Thulestr. 16
c/o "Assi" Glöde
Ereignisse / Kulturveranstaltung ZENTRUM Berlin, Danziger Str.50
danziger50
Ereignisse / Kulturveranstaltung Theaterkapelle10245 Berlin, Boxhagener Straße 99
Ereignisse / Kulturveranstaltung Theaterkapelle10245 Berlin, Boxhagener Straße 99
Ereignisse / Kulturveranstaltung BELLE ILLUSION Berlin, Moriz-Seeler-Str.1
Theater-und Eventproduktion
Ereignisse / Kulturveranstaltung Pinellodrom Berlin, Dominicusstraße 5-9
Ereignisse / Jazz Jazzkeller 69 Berlin, c/o Oranienburger Str. 67
Ereignisse / Kulturveranstaltung ZENTRUM danziger50 Berlin, Danziger Straße 50
Ereignisse / Show Theater Am Potsdamer Platz Berlin, Marlene-Dietrich-Platz 1
Ereignisse / Kulturveranstaltung RADIALSYSTEM V Berlin, Holzmarkstraße 33
New Space for the Arts in Berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kulturland Brandenburg Potsdam, Charlottenstraße 121
Ereignisse / Kulturveranstaltung Periplaneta - Verlag und Mediengruppe Berlin, Bornholmer Straße 81a
Ereignisse / Wettbewerb OTHERVIEW - Design und Kommunikation Berlin, Choriner Str. 8
Ereignisse / Kulturveranstaltung ufaFabrik Internationales Kulturcentrum Berlin, Viktoriastraße 10-18
Ereignisse / Vortrag Theodor-Fontane-Archiv Potsdam, Große Weinmeisterstr. 46/47
Universität Potsdam Villa Quandt