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JazzFest Berlin

vom 1. bis 4.11.2018

Von musikalischen Paralleluniversen, kreativen Grenzgängen und kollektiven Visionen – mit dem Programm für 2018 gestaltet das Jazzfest Berlin Kontraste, sucht Herausforderungen und eröffnet Begegnungsräume. Es kreiert Zeitkapseln, reist in die Zukunft und blickt in die Vergangenheit, fordert Utopien, fördert freie Geister, will bewegen, denken, grooven, tanzen.

Vier Tage lang nehmen etwa 200 Musiker*innen aus rund 15 Ländern in verschiedensten Formationen das Haus der Berliner Festspiele ein. Am 1. November steht mit dem „Haus of Jazz“ die große Eröffnung mit zehn Acts und zahlreichen Deutschlandpremieren auf allen Ebenen des Festspielhauses an.

Nicole Mitchell und das Black Earth Ensemble eröffnen den Abend auf der Großen Bühne, doch zuvor schon lädt die interaktive Performance „FutureLeaks: Umschlagplatz der Visionen“ zu einer utopischen Erfahrung und das Berliner KIM Collective spielt seine Carte Blanche und kreiert auf der Unterbühne des Hauses den „Un(ter)ort“ – ein musikalisches Echo auf das oberirdische Geschehen. Zwischenspiele auf vier Bühnen eröffnen musikalische Paralleluniversen und das Haus als freie Bewegungsfläche, um abschließend zum finalen Eröffnungswerk von Rob Mazureks „Exploding Star International: Chicago-Berlin‘‘ auf der Große Bühne zusammenzufinden.

Thematisch bewegt sich das Jazzfest Berlin zwischen der Vielstimmigkeit aufstrebender europäischer Künstler*innen und ihrer dynamischen Wirkungskreise; Chicago als gewachsenem Ort des kreativen Austauschs und des kollektiven Miteinanders; und dem Jazz zwischen seiner afroamerikanischen Geschichtsschreibung – die gleichermaßen von Unterdrückung und Rassismus erzählt, wie von Befreiung und Empowerment – und heutigen kreativen Kosmen, wie dem des Afrofuturismus in seinen vielgestaltigen Spielarten.

Als Artist in Residence tritt die Gitarristin Mary Halvorson aus New York mit ihrem markanten Spiel und ihrer außergewöhnlichen Wirkkraft in unterschiedlichen Formationen auf. Außerdem finden neue Kooperationen und Formate ihren Platz, öffnen das Festival für andere Künste und gestalten mit Installationen, Kiezkonzerten, Ausstellungsbesuchen und Performances neue Erfahrungsräume in- und außerhalb des Festspielhauses.

Mit meiner ersten Ausgabe als künstlerische Leiterin des Jazzfest Berlin möchte ich ein Festival vorstellen, das reich an Tradition und Geschichte in die Zukunft blickt und diese wichtige Plattform nutzt, um großartigen Künstler*innen und innovativen Ideen eine Bühne zu geben, sie zusammenzubringen, Synergien zu schaffen und damit Neues entstehen zu lassen.

Ich freue mich auf viele außergewöhnliche Erlebnisse und spannende Begegnungen!

Nadin Deventer
Künstlerische Leiterin Jazzfest Berlin

Kontakt

JazzFest Berlin
Berliner Festspiele
Schaperstraße 24
D-10719 Berlin

Telefon: +49 (0)30 254 89-0
Fax: +49 (0)30 254 89-111
E-Mail: jazzfest@berlinerfestspiele.de

Jazz

GRAND OPENING: Haus of Jazz

10 Acts – 5 Bühnen – 7 Stunden Programm

UNTERBÜHNE
Ab 17:30
UN(TER)ORT: KIM Collective
Carte Blanche
360° Multikanal-Installation/Live-Processing
[Specials]

GROSSE BÜHNE
18:30-19:20
Nicole Mitchell’s Black Earth Ensemble (USA)
Mandorla Awakening
[Blick zurück in die Zukunft afroamerikanischer Musik]
[Fokus Chicago]

SEITENBÜHNE
19:50-20:40
Hamid Drake & Yuko Oshima (USA/Japan)
[Fokus Chicago]

21:10-21:30
Julien Desprez & Rob Mazurek (Frankreich/USA)
[Fokus Europa] [Fokus Chicago]

21:30-22:00
ABACAXI (Frankreich/Deutschland)
[Fokus Europa]

OBERES FOYER
Ab 17:30
FutureLeaks: Umschlagplatz der Visionen
[Specials]

19:45-20:45
Thumbscrew (USA)
Ours/Theirs
[Mary Halvorson: Artist in Residence]

21:10-22:00
Elias Stemeseder (Österreich)
[Fokus Europa]

KASSENHALLE
19:30-20:20
melting pot: made in berlin
europäisches Koproduktionsprojekt
[Fokus Europa] [Specials]

20:45-21:45
Trio Heinz Herbert (Schweiz)
Yes
[Fokus Europa]

GROSSE BÜHNE
22:30-23:30
Exploding Star International: Chicago-Berlin (USA/Deutschland)
Galactic Parables Vol. II
[Fokus Chicago]

UNTERBÜHNE
Ab 23:30
UN(TER)ORT: KIM Collective
Happening/Party
[Specials]

Am 1. November steht mit dem „Haus of Jazz“ die große Eröffnung mit zehn Acts und zahlreichen Deutschlandpremieren auf allen Ebenen des Festspielhauses an.

Nicole Mitchell und das Black Earth Ensemble eröffnen den Abend auf der Großen Bühne, doch schon zuvor lädt die interaktive Performance „FutureLeaks: Umschlagplatz der Visionen“ zu einer utopischen Erfahrung und das Berliner KIM Collective spielt seine Carte Blanche und kreiert auf der Unterbühne des Hauses den „Un(ter)ort“ – ein musikalisches Echo auf das oberirdische Geschehen. Das mehrstündige Zwischenspiel auf vier Bühnen eröffnet musikalische Paralleluniversen – von freier Improvisation, experimentellem Noise bis hin zu Solo Piano, Modern Jazz und elektro-akustischen Klängen – ,in denen das Publikum eingeladen ist, sich frei zu bewegen und die Diversität des Festivalprogramms zu entdecken. Den Höhepunkt des Abends gestaltet Rob Mazurek abschließend mit dem für das Jazzfest initiierten „Exploding Star International: Chicago-Berlin‘‘ auf der Großen Bühne.
Installation

TRANS LUCENT & Lunatic Cloud Ten

Installationen

Im Kontext der Hausöffnung über neue Formate und Kooperationen sind beim Jazzfest Berlin 2018 in Zusammenarbeit mit Mischa Kuball, Professor für Public Art/Öffentlicher Raum, und Student*innen der Kunsthochschule für Medien Köln zwei Installationen entstanden, die das Haus der Berliner Festspiele und dessen Außenraum für sich einnehmen und neu bespielen.

Lia Sáile
TRANS LUCENT

Die Künstlerin Lia Sáile beschäftigt sich in ihrer Arbeit seit einigen Jahren mit Grenzen. Die raumgreifende temporäre Installation „TRANS LUCENT“, die sie speziell für das Jazzfest Berlin 2018 entwickelt hat, greift Themen des Festivalprogramms auf und führt sie fort. In der Lichtintervention werden Übergänge und Zwischenräume in ihrer Konstruktion und Funktion beleuchtet. Angelehnt an die Theorie des Opaken des Philosophen Édouard Glissant wirken Licht und Dunkelheit sowie Sicht- und Unsichtbarkeit in der Installation auf politischer Ebene. Fragen der Grenzziehung, der Differenz, Transparenz und Mobilität werden in der Arbeit vielschichtig berührt und reflektiert. Die Besucher*innen des Festivals werden zu Akteur*innen und somit zum Teil der Arbeit.

Charlotte Triebus
Lunatic Cloud Ten

Die Künstlerin Charlotte Triebus stellt das Potenzial der Schnittmengen von Kunst, Tanz und Musik in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihre performative Installation „Lunatic Cloud Ten“ ist Teil einer Serie von Performances, die Strukturen von Berührung erforschen und diese mithilfe von multimedialen Visualisierungstechniken in eine performative Installation transferieren. Dabei werden zentralen Frage der Verbindung von Mensch und Technik gestellt. Wie geht der Mensch auf ein technisches Objekt ein und umgekehrt? Ab wann sind Menschen von Maschinen berührt? Die Installation verhandelt diese Themen, indem eine Performerin und ein Objekt in eine so enge Kommunikation treten, dass am Ende nicht mehr klar ist, ob die Performerin das Objekt beeinflusst oder das Objekt den Menschen – die Interaktion wird (im doppelten Sinne) körperlich neu verhandelt.
Performance

FutureLeaks: Umschlagplatz der Visionen

Positive Nachrichten fluten aus der Zukunft unsere Gegenwart, hypnotische Reisen führen zu einem besseren Ich, ein Hütchenspieler pokert um die Realität. Auf welche Karte setzen Sie? Aktionskünstlerin Anna de Carlo lädt mit ihren FutureLeaks-Agent*innen in eine Transitzone zwischen heute und morgen und sorgt für einen regen Handel auf dem Umschlagplatz der Visionen. Treten Sie näher und gestalten Sie mit!

Anna de Carlo, Regie und Künstlerische Leitung
Johanna Hühn, Assistenz der Künstlerischen Leitung
Yiftach Shapira, Bühnenbild
Ana Monrás, Video
Marcus Barros Cardoso, Kostüm
Sandro Schapals, Sound Effects

Von und mit Leonie Ahmer, Ahmad Akidi, Mousa Alkam, Radwan Alsulaiman, Naim Alwattar, Ahmad Ebrahim, Saddam Gill, Dlav Hasan, Mohammed Ibrahim, Hadi Mohammed, Bri Schröder, Charlotte Sieglin

Ein Mondiale-Projekt zwischen Bewohner*innen des AWO Refugiums am Kaiserdamm und den Berliner Festspielen, in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin.
Installation

UN(TER)ORT: KIM Collective

360° Multikanal-Installation/Live-Processing
Installation & Happening/Party

Carte blanche
Uraufführung


Max Andrzejewski
Paul Berberich
Brad Henkel
Simon Kanzler
Liz Kosack
Raphael Meinhart
Dora Osterloh
Julia Reidy
Dan Peter Sundland
Otis Sandsjö
Max Santner
Elias Stemeseder
Laura Winkler

Unter dem Pflaster liegt der Strand, unter der Festspielbühne liegt zugriffsschnell und gestaltungshungrig das KIM Collective auf der Lauer. Die zwölf Berliner Musiker*innen zapfen das KlangGeräuschGeschehen des Oben über eine eigens geschaffene 360°-Multikanal-Klanginstallation an, in der sie es elektro-akustisch verfremden, verkleinern, vergrößern, verbiegen, verpulvern, verstreuen, verhaspeln, verzieren, verlieren oder wieder vergessen. An den beiden ersten Festivalabenden lassen sie so im Live-Processing im entworfenen Un(ter)ort ein simultanes musikalisches Performance-Echo der Konzerte, die zeitgleich auf der Haupt- und Seitenbühne stattfinden, entstehen. Der Prozess der Rezeption von Musik wird dadurch nach außen gekrempelt. Während der Konzerte haben Zuschauer*innen in Kleingruppen Zugang zu diesem Un(ter)ort. In Umbaupausen sowie vor und nach dem Ende des oberirdischen Konzertgeschehens im Festspielhaus setzt das Kollektiv in eigenkompositorischen Anläufen zum Schlusssprung in eine Partydynamik mit ekstatischer „RRRkestra-Zeremonie“ an. Der Zugang zu dieser unterirdischen Welt erfolgt nach Anmeldung vor Ort.
Film

Les Stances à Sophie

Film von Moshé Mizrahi (1971)

Musik von The Art Ensemble of Chicago

Kurz vor Ende des zweijährigen Aufenthalts des Art Ensemble of Chicago Ende der 60er-Jahre in Paris erhielt Lester Bowie (1941–1999) die Anfrage des damaligen Regiedebütanten und späteren Oscar-Preisträgers Moshé Mizrahi (1931–2018), die Filmmusik für dessen Erstling „Les Stances à Sophie“ aufzunehmen. Die Gruppe war schon fast am Abflug, eilte aber unter Einschluss der Vokalistin Fontella Bass, Ehefrau von Lester Bowie, noch in ein Pariser Studio und nahm am 22. Juli 1970 in einem Zug acht ausgesprochen heterogene Stücke, von Monteverdi über Free Jazz und Afrikanischem hin zu unverschnittenem Soul jener Zeit. „Thème de Yoyo“ mit der Stimme von Fontella Bass (1940–2012) sollte zu einem Markstein werden. Die Sängerin bescherte dem Chicagoer Chess Records Label 1966 mit „Rescue Me“ einen Millionenseller, 10 Jahre nach Chuck Berrys großem Erfolg mit „Maybellene“. Das Album mit der Filmmusik, das bis zur Neuauflage im Jahre 2000 lange Zeit vergriffen war, wurde zum Kultalbum. Der Film feierte am 3. Februar 1971, lange nach der Rückkehr der Gruppe in die USA, seine Premiere. Das Jazzfest Berlin bietet die Gelegenheit, die Musik im ursprünglichen filmischen Kontext, einem frühen feministisch gefärbten Befreiungsversuch zweier Frauen aus bürgerlichen Zwängen, zu erleben.

Originalfassung in Französisch mit englischen Untertiteln

Afrofuturismus & Empowerment

Von der Wiege kollektiver Bewegungen afroamerikanischer Musik in Chicago hin zu aktuellen internationalen künstlerischen und wissenschaftlichen Positionen

Mit Camae Ayewa aka Moor Mother, Roscoe Mitchell, Nicole Mitchell, Priscilla Layne
Moderation: Harald Kisiedu


Zukunftsvisionen beziehen immer auch Stellung zur Gegenwart. Bei aller Unklarheit darüber, wo die stilistischen und thematischen Grenzen jenes heterogenen Genre-Gemenges an Werken und Künstler*innen verlaufen, denen Kritiker Mark Dery 1994 nachträglich seine Wortschöpfung „Afrofuturismus“ aufprägte und die sich irgendwo frei zwischen Elementen des Science-Fiction, magischem Realismus, außerirdischen Mythen, westlichen Kosmologien und gänzlich postapokalyptischen Zuständen bewegen, lässt sich doch ein verbindendes Moment ausmachen: Afrofuturistische Kunst setzt aus Protest am Status Quo einer nach wie vor rassistisch geprägten Gesellschaftsordnung auf die Zukunft und visioniert eine andere Welt.
Stilistisch heterogen in ihrem Schaffen, doch verbunden in ihrer politischen Motivation und Sprengkraft sind auch die Künstler*innen, die beim Jazzfest über das Thema diskutieren werden: Free Jazz-Legende Roscoe Mitchell hat als Gründungsmitglied des Art Ensemble of Chicago nicht nur die Anfänge des Afrofuturismus im Chicago der 1960er-Jahre aus erster Hand erlebt, sondern als Mitbegründer der Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM) auch aktiv an einer Zukunft jenseits eines musikalischen und politischen Schubladendenkens mitgestaltet. Ausnahmeflötistin Nicole Mitchell, Vorsitzende der AACM von 2009 bis 2011, entgegnet den gesellschaftlichen Rassismen von heute mit musikalisch-spirituellen Expeditionen in eine bessere Welt von morgen. Aktivistin und spoken word-Künstlerin Camae Ayewa aka Moor Mother feilt an der Zukunft, indem sie mit sozialem Engagement im Hier und Jetzt interveniert und die Rassendiskriminierung in ihren mannigfaltigen Gestalten lautstark und wortgewaltig an den Pranger stellt. Einen spannenden Einblick aus der Wissenschaft in die weniger bekannten deutschen Spielarten des Afrofuturismus vermag die US-amerikanische Kulturwissenschaftlerin und Germanistin Priscilla Layne zu geben, die sich als Berlin Prize-Stipendiatin der American Academy derzeit zu Forschungszwecken in Berlin aufhält und an ihrem aktuellen Buchprojekt zum Afrofuturismus in Deutschland arbeitet. Moderiert wird das Gespräch von Saxofonist und Musikwissenschaftler Harald Kisiedu, zu dessen Forschungsinteressen u. a. die Musik der afrikanischen Diaspora zählt sowie Themenkomplexe, die an der Schnittstelle von Politik und Musik angesiedelt sind.

In Englischer Sprache
Konzert

Irreversible Entanglements / Moor Mother & Roscoe Mitchell / jaimie branch / Art Ensemble of Chicago

18:30
Irreversible Entanglements (USA)
Camae Ayewa aka Moor Mother, vocals
Keir Neuringer, alto saxophone
Aquiles Navarro, trumpet
Luke Stewart, double bass
Tcheser Holmes, drums

Moor Mother & Roscoe Mitchell (USA)
The Black Drop
Uraufführung

Camae Ayewa aka Moor Mother vocals, electronics
Roscoe Mitchell saxophone


20:00
jaimie branch (USA)
Fly or Die
Deutschlandpremiere

Jaimie Branch, trumpet
Chad Taylor, drums, mbira
Jason Ajemian, bass
Lester St. Louis, cello


21:15
Art Ensemble of Chicago (USA)
Berlin Special Edition

Roscoe Mitchell, saxophones, flute
Hugh Ragin, trumpets
Famoudou Don Moye, drums, congas, percussion
Dudù Kouate, african percussion
Jean Cook, violin
Tomeka Reid, cello
Silvia Bolognesi, bass
Jaribu Shahid, double bass
Christina Wheeler, voice, array mbira, auto harp, q-chord, theremin, sampler, electronics


Irreversible Entanglements ist ein Beispiel dafür, wie entschlossene Kräfte einander finden und sich gegenseitig verstärken. Alle Beteiligten bewegen sich kreativ-expressiv wie sozial und politisch engagiert in multiplen Zusammenhängen. Saxofonist Keir Neuringer, Poetin Camae Ayewa und Bassist Luke Stewart kennen sich von verschiedenen selbstorganisierten basisdemokratischen Aktionen in Philadelphia. Zusammen reisten sie im April 2015 nach Brooklyn, um an der Manifestation „Musicians Against Police Brutality“ teilzunehmen. Direkt nach ihnen spielte ein Duo Trompete und Drums, bestehend aus Aquiles Navarro und Tcheser Holmes. Getrieben von dem damals hochkochenden „bunch of heart-wrenching racist shit“ und ihren gemeinsamen musikalischen und politischen Interessen verabredeten sie sich. Neuringer organisierte ein Studio in Brooklyn, wo sie ein paar Monate später an einem Nachmittag das erste Mal zu fünft zusammenspielten. Daraus entstand das Album „Irreversible Entanglements“, das 2017 gemeinschaftlich vom Don Giovanni Label aus New Jersey und International Anthem aus Chicago herausgebracht wurde. Free Jazz trifft auf die gnadenlos ehrlichen Verse der Poetin Camae Ayewa aka Moor Mother. Das Ganze hat enorme (weltweite) Katapultwirkung und trifft einen vitalen Nerv.

Moor Mother & Roscoe Mitchell: The Black Drop
Die wortgewaltige Poetin, Spoken-Word-Künstlerin, Musikerin und Aktivistin Camae Ayewa stellt sich entschlossen gegen Etikettierung, Stigmatisierung, Verzerrung, Entstellung und Reduzierung jedweder Art. Sie kommt den Taten und Auswirkungen von Sklaverei und Rassismus im Bodensatz und Nerv des täglichen Lebens in multiplen kreativ-expressiven Zusammenhängen auf die Spur, macht die Traumata zugänglich und erzeugt mit widerständiger und viszeraler Beschwörung Kraftschübe zur Vermittlung ihrer Botschaften. Das gilt gleichermaßen für ihre musikalische Arbeit wie auch für ihr Engagement in der sozialen Gemeinschaft. Als Moor Mother treibt sie frei zwischen Rap, Punk, Noise und Jazz und stimmt mit aller Konsequenz in den Kanon afroamerikanischer Bürgerrechtler*innen ein, packt die Geschichte der afrikanischen Diaspora bei den Wurzeln und überführt sie in afrofuturistischer Manier in eine dystopische Zukunft. Mit zu den diesjährigen Höhepunkten des Jazzfest Berlin gehört die erstmalige Begegnung mit dem sich immer neu erfindenden Kreativgeist und Pionier Roscoe Mitchell. „Black Drop“ verspricht ein kreatives Spannungsfeld der besonderen Art.

jaimie branch: Fly or Die
Die Trompeterin Jaimie Branch (*1984) mit Chicagoer Wurzeln und derzeitigem Ankerplatz Brooklyn ist eine weitere starke Stimme im kometenhaften Kommen, der für ihren ersten Auftritt in Deutschland das Jazzfest Berlin die große Bühne bereitet. Ihr letztjähriges kurz und bündiges Debüt bei dem jungen Chicagoer Label International Anthem schlug ein wie ein Präzisionsgeschoß und brachte reichlich Podien zum Beben und Schweben. In der New York Times und bei National Public Radio fand sich ihr Album in der Liste des Jahres 2017 unter den ersten Fünf. Nach zwei Takten ihrer Gruppe Fly or Die weiß man, wo der Hammer hängt. Die ungewöhnliche Besetzung von Jason Ajamians Bass, Lester St. Louis’ Cello und Chad Taylors Schlagzeug erzeugt eine klare mitreißende Rhythmik in einem atmenden Fluss psychedelischer Texturen. So operiert sie in ungewöhnlich kompakter Weise innen und außen zugleich und es entstehen – oft graffitihaft kurz – existenziell geladene urbane Weckrufe. Starke Expression, eine kraftvolle Stimme und eine klare Handschrift prägen das Songwriting dieser Ausnahmetrompeterin. Fly or Die liefert substanzielle Klänge, die unter die Haut gehen. Keine Ufos, dafür Echos jäher Lichtblitze entlang kalter Hochhausschluchten.

Art Ensemble of Chicago
Das Art Ensemble of Chicago steht für „Great Black Music – Ancient to the Future“, wie Lincoln T. Beauchamp, aka Chicago Beau, es auf den Punkt bringt. Im Feld kreativer, unablässig sich entwickelnder Musik der letzten fünf Jahrzehnte ist es ein Unikum und leuchtendes Vorbild mit reicher Geschichte (dokumentiert auf 30 Alben). Dies gilt für seine klanglich-bildliche Ei(ge)nheit und Wirkungskraft genauso wie für das besondere produktive Gemeinschaftsklima, das es die ganze Zeit lang getragen hat. Von der Urbesetzung – noch in vollem Ornat 1991 auf dem Jazzfest Berlin zu erleben – sind Trompeter Lester Bowie und Bassist Malachi Favors Maghostut dahingegangen, während der ‚Schamane‘ Joseph Jarman inzwischen als buddhistischer Priester und Aikido-Meister waltet. Die Verbliebenen – der außergewöhnliche musikalische Geist und unermüdliche Macher und Multiinstrumentalist Roscoe Mitchell und Schlagzeuger Famoudou Don Moye – bilden einen Kern, um den sich nun eng liierte Musiker*innen scharen. Das AEC hat sich, geleitet von der eigenen Lust des Explorierens, immer frei durch ein offenes Kontinuum von Genres bewegt. In einer klanglichen Gesamtlandschaft mit verschlungenen Pfaden und breiteren Wegen hat es im Spiel unermüdlich sowohl den eigenen Horizont als auch den seiner Zuhörer*innen erweitert. In Berlin geht die Reise zu neunt weiter.
Konzert

Tania Giannouli Trio

(Griechenland)

Deutschlandpremiere

Tania Giannouli, piano
Andreas Polyzogopoulos, trumpet
Kyriakos Tapakis, oud


Mit ihren acht veröffentlichten Alben markiert die griechische (Film-)Komponistin und Pianistin Tania Giannouli (*1977) aus Athen einen bemerkenswerten Aktionsradius. 2012 debütierte sie beim neuseeländischen Label Rattle Records in einem Duo mit dem portugiesischen Saxofonisten Paulo Chagas. Ihren internationalen Durchbruch feierte sie mit Transcendence, einem exzellent besetzten kammermusikalischen Quintett. Hohe Wellen schlug auch das unlängst erschienene Werk „Rewa“: gänzlich improvisierte Musik zusammen mit dem neuseeländischen Maori-Musiker Rob Thorne und subtiler Elektronik von Steve Garden.
In ihrem Berlin-Debüt stellt sich Tania Giannouli mit einem brandneuen Trio in ungewöhnlicher Besetzung vor: Piano, Trompete und Ud, eine byzantinisch gefärbte, durch und durch okzidental-orientalische Klangkonstellation, die das Changieren von Temperaturen und Temperamenten in ihrer Musik bestens zur Geltung bringt. Andreas Polyzogopoulos (*1981), derzeit Griechenlands führender Jazztrompeter, bildet das Bindeglied zwischen Giannoulis Piano und Ud-Spieler Kyriakos Tapakis (*1977), auch bekannt aus seiner Arbeit mit Lyraspieler Sokratis Sinopoulos und Bassist Dine Doneff (beide ECM).
Konzert

WorldService Project

(Großbritannien)

Dave Morecroft, keyboard, vocals
Ben Powling, saxophone
Raphael Clarkson, trombone, vocals
Arthur O’Hara, bass
Harry Pope, drums, percussion


Das britische WorldService Project zieht ein in den Clubableger des Jazzfestes: laut-lärmend, pogo-sprunghaft, punkig-schillernd, hochschraubend und zum Sturzflug ansetzend. Dazu humorvoll-spaßbetont, groß im Querkreuz-Drüberdrunter-Manövrieren und dann durch unerwartete Mitten entwischend. Also keine Laubsägearbeit oder Novemberlicht-Besinnliches. Auch waschechter Zirkus mit Clown Mr. Giggles und scheppernder Tschingerassa-Zirkusmusik ist eingeflochten. Mike Patton lässt grüßen, wenn sich die WSP-Crew auf EnglischFranzösischItalienischDeutsch durchs Europa-Jetzt pflügt und schreit. Alles kommt immer anders, der Einfallsreichtum scheint auch nach einem Jahrzehnt erfolgreicher Bandgeschichte und einem Roadtrip mit über 40 Konzerten in den USA noch immer unerschöpflich. Je nach eigener Hörgeschichte widerhallt so manches: Frank Zappa, ja, Ian Dury, klar, The Small Faces, The Ex usw. WSP ist keins davon und auch nicht alles zusammen, sondern eher die nicht eingeholte Zeit.
Konzert

Théo Ceccaldi "Freaks"

(Frankreich)

Deutschlandpremiere

Théo Ceccaldi, violin
Matthieu Metzger, saxophone
Quentin Biardeau, saxophone
Valentin Ceccaldi, cello
Giani Caserotto, guitar
Etienne Zemniak, drums


Oh mon Dieu, den Ceccaldi-Brüdern, unbändigen französischen Saitenreitern mit sizilianischen Wurzeln, kann und sollte man anno 2018 nicht mehr entgehen. Höchste Zeit, das schillernde Projekt nach Berlin zu holen: Théo Ceccaldi „Freaks“, das ist Remmidemmi der sonderschönen Art. Liebenswert grell, physisch, queer, bunt. Es rast und kocht in der Nacht, so wird man gern um den Schlaf gebracht. Sie spielen nicht wie, sondern so. Ganz und gar. „Stellare Verbindung von fiebriger Energie, süß sprudelnder Ruhe, lyrischer Explosion und hypnotischer Trance“, das verspricht die verschworene Truppe aus Frankreich. Und bei der Besetzung kein Kleckern, sondern Klotzen: Neben den Brüdern – Théo Ceccaldi (*1986) an der Geige und Valentin Ceccaldi (*1989) am Cello – treten an zum Fetzen die Saxofonisten Benjamin Dousteyssier und Quentin Biardeau, der Gitarrist Giani Caserotto und der Schlagzeuger Etienne Ziemniak. Und Théo der Geiger mit der Preiskrone – Oscar Wilde winkt ihm zu – freut sich und lacht.
Kurs

Parallelwelten: Digital improvisiert mit Tin Men and the Telephone

Interaktiver Workshop für Jugendliche
Tin Men and the Telephone (Niederlande)

Wer gibt bei einem Konzert den Ton an? Musiker*innen oder Band? Nicht in diesem Fall – Tin Men and the Telephone lassen sich dirigieren, vom Publikum. Und das mit einer App. Das niederländische Trio setzt damit auf eine neue Form der Improvisation, bei der die Steuerung über das digitale Medium zum Kern der musikalischen Kreation wird. Im Workshop von Parallelwelten, einem Programm, das die Welt der (Computer-)Spiele ins Visier nimmt, können Jugendliche von 14 bis 20 Jahren diesem Prozess auf den Grund gehen und selbst damit experimentieren. Im anschließenden Konzert nimmt die Improvisation zwischen Publikum und Band Form an und jede*r kann den Musiker*innen über die App eigene Impulse geben.

Zu einer spielerischen Komposition lädt außerdem die „Mash Machine“ ein, eine Installation, die anhand der Zusammensetzung einzelner musikalischer Komponenten zur gemeinsamen Improvisation anregt. Die „Mash Machine“ steht während des gesamten Festivals im Unteren Foyer der Berliner Festspiele bereit.

„Parallelwelten“ ist ein Programm für junge Menschen, das 2018 die Musikfestivals der Berliner Festspiele durch die Welt der digitalen Medien ins Visier nimmt.
Familienprogramm

Tin Men and the Telephone

Familienkonzert
(Niederlande)

Deutschlandpremiere Album

Tony Roe, piano, visuals, electronics
Pat Cleaver, bass
Bobby Petrov, drums


World Domination Part One: FURIE

Der extraterrestrische Reparaturtrupp Tin Men and the Telephone vom BUND ZUR ERHALTUNG DES INTERGALAKTISCHEN GLEICHGEWICHTS (englische Abkürzung: FURIE) ist auf Mission in Berlin: Zückt euer Handy, ladet die App TINMENDO runter und tretet mit den Aliens in Kontakt. Entscheidet, welche der derzeitigen großklappigen politischen Führer es verdient hätten, in die unendlichen Weiten des Alls geschossen zu werden! Und dann, auf dass unsere Galaxis, die Milchstraße, dieses formschöne Rückgrat der Nacht, wieder in aller Klarheit erstrahle: Komponiert zusammen mit den Aliens eine neue Welthymne, lasst sie welt(t)räumig klingen! Es erwartet euch eine Mischung aus akustischer Erdmusik und elektronischen Weltraumklängen, produziert vom Tastendrücker Tony Roe, dem Brummtonrupfer Pat Cleaver und dem Untertassenschwinger und Klöppeltöppel Bobby Petrov. Dieser coole Dreiertrupp aus Amsterdam kann viel, nichts aber ohne euch. Bereit abzuheben? Der Countdown läuft!
Disskusion

Gender & Diversity

Im Jahr 2016 fragte das Jazzfest Berlin mit dem Panel „Die Gläserne Decke / Glass Ceiling – Einbildung oder Realität?“ nach der Offenheit und Durchlässigkeit der patriarchal geprägten Jazzwelt für Frauen und diskutiere die erheblichen Defizite. Zwei Jahre später hat sich kaum etwas verändert, allerdings steigt das Bewusstsein in der Szene für diese problematische und auch nicht länger hinnehmbare Schieflage in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Diversität.

Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Berliner Kulturinitiativen und Gästen aus verschiedenen Bereichen setzen wir diese Diskussion in Zusammenarbeit mit der britischen Initiative Keychange, der Union Deutscher Jazzmusiker und dem Europe Jazz Network fort.

In englischer Sprache
Film

The Great War of the Harlem Hellfighters

Dokumentarfilm von François Reinhardt (2017)

Die Harlem Hellfighters, ein rein afroamerianisches Regiment der US-Streitkräfte, kämpften im 1. Weltkrieg nicht nur an der Front unter der Führung eines weißen Offiziers – sie kämpften auch um Rassengleichheit. Durch ihren außerordentlichen Einsatz in der Champagne im Frühjahr 1918 machten sie sich nicht nur den Namen ‚Harlem Hellfighters‘ zu eigen, sie wurden zudem mit dem französischen Croix de Guerre, einem Orden für besondere militärische Verdienste, ausgezeichnet. In der Hoffnung, dass dieser Kriegseinsatz und ihre herausragende Tapferkeit im Kampf für die Alliierten auch ihren Status in ihrem Heimatland verändern würden kehrten die Überlebenden des 369. Infanterieregiments zurück, doch bis zur offiziellen Abschaffung der Segregation in der US-Armee 1948 und zur Garantierung der vollen Bürgerrechte für die afroamerikanische Bevölkerung der USA 1964 sollten noch etliche Jahre vergehen. Der Dokumentarfilm „The Great War of the Harlem Hellfighters“ erzählt die Geschichte dieser Soldaten, unter denen sich auch der Musiker und Dirigent James Reese Europe befand.

Originalfassung in Französisch und Englisch mit englischen Untertiteln
Performance

James Reese Europe & the Absence of Ruin

Mit Jason Moran, Tom Perchard, Catherine Tackley
Moderation: Harald Kisiedu


Mit der audiovisuellen Performance „James Reese Europe and the Absence of Ruin“ setzt Jazzpianist Jason Moran dem Visionär und Bandleader Europe – 100 Jahre nach dessen musikalisch folgenreicher Landung an der französischen Mittelmehrküste mit den „Harlem Hellfighters“ – ein vielschichtiges künstlerisches Denkmal.
In Auftrag gegeben von den Berliner Festspielen, der Londoner Agentur Serious und dem britischen Kunstprogramm 14-18 Now: WW1 Centenary Art Commissions, findet sich Morans Werk eingebettet in ein Netzwerk aus Veranstaltern, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen, die das Jubiläum zum Anlass nehmen, Europes Rolle in der Erfolgsgeschichte der afroamerikanischen Musik in den USA und Europa neu zu erkunden und ihr u. a. in Gestalt einer Online-Forschungsplattform und eines Symposiums der British Library in London zu erhöhter Sichtbarkeit zu verhelfen. Jazzhistoriker und Europe-Experte Harald Kisiedu führt ein Gespräch mit den Musikhistoriker*innen und wissenschaftlichen Betreuer*innen der Online-Platform, Catherine Tackley (University of Liverpool) und Tom Perchard (Goldsmiths, University of London), und dem Künstler Jason Moran über die Entstehungsgeschichte des Projekts, die Bedeutung militärischer Intervention für die Verbreitung des Jazz in Europa, und James Reese Europes Pionierarbeit im bis heute anhaltenden Kampf um Gleichstellung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA.

In englischer Sprache
Konzert

WDR Big Band feat. Jazzmeia Horn / Jason Moran - The Harlem Hellfighters

A Social Call
(USA/Deutschland)

Deutschlandpremiere

Bob Mintzer, Leitung, Arrangements
Jazzmeia Horn, vocals
Johan Hörlen, alto saxophone
Karolina Strassmayer, alto saxophone
Olivier Peters, tenor saxophone
Paul Heller, tenor saxophone
Jens Neufang, bass saxophone
Ludwig Nuss, trombone
Alistair Duncan, trombone
Mattis Cederberg, bass trombone
Andy Hunter, trombone
Wim Both, trumpet
Ruud Breuls, trumpet
Rob Bruynen, trumpet
Andy Haderer, trumpet
Jaspar Soffers, piano
John Goldsby, bass
Paul Shigihara, guitar
Hans Dekker, drums

Jason Moran - The Harlem Hellfighters (USA/Großbritannien)
James Reese Europe & the Absence of Ruin
Audiovisuelles Projekt von Jason Moran und den Filmemachern John Akomfrah & Bradford Young
Deutschlandpremiere

Jason Moran, John Akomfrah & Bradford Young
Ife Ogunjobi, trumpet
Joe Bristow, trombone
Rosie Turton, trombone
Hanna Mubya, tuba
Mebrakh Johnson, saxophone, clarinet
Kaidi Akinnibi, saxophone, clarinet
Alam Nathan, saxophone, clarinet
mit Bandwagon’s
Jason Moran, piano
Tarus Mateen, bass
Nasheet Waits, drums
unter Mitwirkung von jungen Berliner Musiker*innen


WDR Big Band feat. Jazzmeia Horn
Zur klassischen Radiokultur Deutschlands gehören leuchtende hauseigene Orchester und Big Bands. Sie haben wie die WDR Big Band auf ihrem Weg Marken gesetzt und die Klangfarben unterschiedlichster Gastmusiker*innen vergrößert, verfeinert und farbenreich in die Welt getragen. Was könnte schöner sein als eine junge, tief in der afroamerikanischen Tradition wurzelnde Stimme wie die Jazzmeia Horns (*1992), die Klassiker aus Jazz und Soul mit Leben füllt, getragen von einem profunden, schwelgenden Klangkörper wie dem der WDR Big Band.Wie sie auf ihrem letztjährigen Debütalbum „A Social Call“ spirituell und mit Dringlichkeit zwei Pfeiler afroamerikanischer Musik, „Afro Blue“ und „Wade In the Water“, aufbricht und in afrofuturistischem Sinne miteinander verbindet, setzt wirkungsmächtig Maßstäbe. Jazzmeia Horn ist eine neue, hochdynamische und virtuose Stimme aus Dallas/Texas, die sich kreativ aller bekannter Stilmittel – einschließlich griffiger Scats – bedient und mit frischer Direktheit aufbricht. Und wichtige Preise, u. a. aus dem Wettbewerb des Thelonious Monk Institute of Jazz, hat sie auch in der Tasche. Ready for Berlin.

Jason Moran - The Harlem Hellfighters
Das transatlantische Auftrags- und Koproduktionswerk zu Ehren des Pioniers, afroamerikanischen Musikers und Soldaten James Reese Europe, das der Pianist Jason Moran und der Filmemacher Bradford Young anlässlich des 100-jährigen Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs gestalten, richtet den Blick auf das Leben des Visionärs und die Entwicklung der afroamerikanischen Musik in den USA und Europa zu Anfang des 20. Jahrhunderts. In diesem Rahmen spielt Jason Moran ein spezielles James-Reese-Europe-Programm mit seinem bekannten Bandwagon Trio und sechs britischen Nachwuchsmusiker*innen im Gefolge von Shabaka Hutchings und Nubya Garcia sowie 15 jungen Berliner Musiker*innen.
Das Regiment 369, die Harlem Hellfighters, war eine Freiwilligentruppe afro-amerikanischer Soldaten, zusammengestellt kurz nach Kriegseintritt der USA in den 1. Weltkrieg im April 1917. Die US-Armee war zu jener Zeit strikt segregiert, weswegen Afroamerikaner nicht für den Kampfeinsatz vorgesehen waren. Die Harlem Hellfighters kamen schließlich als Teil der französischen Streitkräfte doch an die Front. Sie zeichneten sich durch besondere Entschlossenheit und Tapferkeit aus, sowohl in ihrem Einsatz im Militärdienst als auch im Kampf um ihre Bürgerrechte und die Anerkennung ihres originären kulturellen Beitrags in der Gesellschaft der Vereinigten Staaten. Für ihren Einsatz an der militärischen Front wurde ihnen das französische Croix de Guerre verliehen. Hauptfigur des Regiments 369 war der Musiker James Reese Europe (1880–1919), der schon 1910 in New York den Clef Club gründete, eine Organisation für afroamerikanische Musiker. Um ihn sammelte sich die 369er-Truppe, aus der er als erfahrener Orchesterleiter eine erfolgreiche Militärkapelle formte, die nach Ankunft in Brest/Frankreich in einer Vielzahl von Konzerten Bevölkerung und Soldaten begeisterte. Sie hinterließ mit ihren synkopierten Fassungen bekannter Stücke – wie etwa der Marseillaise – tiefe Spuren in der europäischen Musik.

Mit Beiträgen von John Akomfrah, und visuelle Materialien vom renommierten Kameramann Bradford Young
Konzert

Halvorson / Saito / Allbee / Dahlgren

Mary Halvorson Berlin Special
(USA/Deutschland)

Uraufführung

Mary Halvorson, guitar
Taiko Saito, vibes, marimba
Liz Allbee, trumpet
Chris Dahlgren, bass


Warm resonierendes Honduras-Rosewood-Holz, die Diversität von Stimmqualitäten sowie das bebende und singende Vibrieren dunkler dicker Saiten sind Sonoritäten, in die sich Mary Halvorson als Artist in Residence für ihr Berlin-Special-Konzert begibt. Bei ihrer Wahl für die Berliner Musiker*innen Taiko Saito an Vibrafon und Marimba, Liz Allbee an der Trompete und Chris Dahlgren am Kontrabass war ohne Zweifel ihre Affinität zum Klangpotential dieser Musiker*innenpersönlichkeiten ausschlaggebend, die sie mit ihrem eigenen präzisen Gitarrenklang konfrontiert. Ausgangslage klar, Ende offen. Ein gemeinsamer Bezugspunkt für Chris Dahlgren und Liz Albee mit Mary Halvorson ist Anthony Braxton, in dessen Ensembles alle drei (sogar gemeinsam) gespielt haben. Taiko Saiko bewegt sich genauso wie Liz Allbee in Feldern der Improvisierten Musik, der Neuen Musik und der Weltmusik unbeschwert hin und her. Chris Dahlgrens Aktionsradius reicht von Berliner Markenzeichen wie Johnny La Marmara und Mystic Maze, über rumänische Jazzverbindungen bis hin zum Singer-Songwriter. Ein Impromptu riche et alléchant liegt in der Luft!
Konzert

Hermia / Darrifourcq / Ceccaldi

God at the Casino
(Frankreich)

Manuel Hermia, saxophone
Sylvain Darrifourcq, drums
Valentin Ceccaldi, cello


Das aufstrebende belgisch-französische Dreiergestirn bündelt mit ihrem Debütalbum God at the Casino Bemerkenswertes. Der belgische Saxofonist Manuel Hermia verbindet die Errungenschaften des klassischen Free Jazz mit indischer und arabischer Musik. Er ist Bansurispieler aus Passion und frönt dieser besonders in den Gruppen Slang und Orchestra Nazionale Della Luna. Der französische Cellist Valentin Ceccaldi, eine Hälfte der allgegenwärtigen Ceccaldi-Brüder, verfügt auf seinem Instrument über eine Bandbreite, die von Heavy Metal-Texturen über bläserartige Elemente und Perkussionsgewitter bis hin zu afrikanischen Basslautenklängen reicht – was er energiegeladen einzusetzen weiß. Schlagzeuger Sylvain Darrifourcq ist in eigenen Gruppen wie IN LOVE WITH oder Shapin’ With MILESDAVISQUINTET! innig mit den Ceccaldi-Brüdern verschränkt. Er nimmt die Dinge mit Humor und ist dabei ein ebenso gnadenloser wie kreativer Schlagzeuger, bei dem Physisches und Poly Speed großgeschrieben werden. Reicher Boden also für sinnliche Unterhaltung. In dieser Dreieinheit entwickelt sich alles spielerisch und spannungsgeladen aus wenigen Partikeln – sei es ins Hochexplosive mündend oder in die Tiefe des Raumes reichend, den sie zum Leuchten bringen. God at the casino; nicht mehr, nicht weniger.
Konzert

Berlin-Chicago-London Special feat. Nubya Garcia und Makaya McCraven

Jazzfest Berlin x j.a.w

ab 22:00
DJ Amir (Berlin)

23:00
Nubya Garcia (Großbritannien)
Berlindebüt

Nubya Garcia, saxophone
N.N. keys
N.N. drums
N.N. double bass


00:00
Makaya McCraven (USA)

Makaya McCraven, drums
Junius Paul, bass
Matt Gold, guitar
Greg Spero, keys
Irvin Pierce, saxophone


00:45
Nubya Garcia, Makaya McCraven & guests

ab 01:00
DJ Night mit DJ Antal (Amsterdam), Darryn Jones (Chicago)

Das Jazzfest Berlin bündelt die Kräfte mit J.A.W Family und schwärmt aus zu einer langen Satellitennacht im Kreuzberger Club Prince Charles: drei hochkarätige Bands auf der Achse London – Chicago – Berlin fliegen im pulsierenden Wechsel, drei angesagte DJs auf der Achse Berlin – Chicago – Amsterdam lassen reihum die Turntables kreisen, die Maschinen rhythmisch rauschen, schlagen Schneisen in die Novembernacht.

Makaya McCraven (*1983), bekannter Gast bei der J.A.W, steht für Chicago und dessen musikalische Offenheit und unbändige Spiel- und Experimentierfreude. Der Schlagzeuger mit afrikanisch-indigenen-ungarischen Wurzeln mischt auf, wo er hin kommt, legt sein beatgetriebenes Fundament und bringt Instrumentalist*innen und Vokalist*innen voll in Fahrt. Seinen kreativen Umgang mit zusammengetragenem Session-Material stellte er unlängst mit seinem Album „Highly Rare“ unter Beweis. Sein Auftritt in Berlin wird um sein neuestes, im Oktober 2018 erscheinendes Album „Universal Beings“ kreisen. Ihr Berlin-Debüt gibt die junge Saxofonistin Nubya Garcia (*1992), Shooting Star aus Londons Schmelztiegel, und der jungen, sich selbst organisierenden Londoner Bewegung JazzRefresh. Ihr letztjähriges Debütalbum „Lost Kingdom“ wurde nicht nur von der Legende Gille Petterson als äußerst bemerkenswert gefeiert. Mit handfestem Zugriff wechselt sie selbstbewusst und musikalisch sinnlich zwischen voller Kraft voraus und innig flüsternden, fliegenden Tönen. Mit ihrem gemeinsamen Live-Album „Where We Are Coming From (Chicago x London Mixtape)“ bezeugen McCraven und Garcia musikalische Offenheit, Aufnahmebereitschaft und gestalten eine vorwärtsgewandte Zusammenarbeit mit unaufhaltsamer Schubkraft rund um zwei Epizentren.

Im dritten Live-Set des Abends fusionieren schließlich einige Musiker*innen beider Bands und mischen sich mit Berliner Musiker*innen zu einem Chicago-London-Berlin-Experiment. Dem folgt einejazzdurchtränkte, unkonventionelle DJ-Rillenriege mit Amir Abdullah aus Berlin, Darryn Jones aus Chicago und Antal aus Amsterdam: Crate-diggers und Labelbetreiber Amir Abdullah, Antal Heitlager und Darryn Jones durchforsten permanent das riesige Klangarchiv, heben Schätze (Detroits Jazzlabel Strata) und halten es quicklebendig. Auf Heitlagers Kindred Spirits laufen sich Klänge von Jimi Tenor, Hannibal Marvin Peterson, Sun Ra, John Coltrane, Theo Parrish, Madlib u. a. über den Weg. Auch eine Existenzform von Jazz und definitiv ein Grund, um im ehemaligen Schwimmbad des Prince Charles abzutauchen.
Konzert

Masecki / Rogiewicz: Ragtime

Let's Dance
(Polen)

Marcin Masecki, piano
Jerzy Rogiewicz, drums


Der polnische Pianist Marcin Masecki ist ein multiversierter Musiker, der als Grenzgänger zwischen Klassik, Jazz und Pop eingefahrene musikalische Rahmungen und Routinen subtil und schalkhaft wie überraschend aus den Angeln hebt (Scarlatti, Beethoven, Bach). Seine neueste Bestimmung Ragtime, die er zusammen mit dem jungen polnischen Schlagzeuger Jerzy Rogiewicz angeht, ist dem afro-amerikanischen Pianisten James P. Johnson (1894–1955) geschuldet, der bei Masecki in frühester Jugend einen unwiderstehlichen pianistischen Drang auslöste. James P. Johnson bildet mit seinem Stride-Piano-Stil eine Brücke zwischen Ragtime und Jazz. Gerade Maseckis im Klang trockene und beinahe mikroskopisch nüchterne Rekonstruktion von ‚Ragtime’ macht den inneren Swing spürbar, lässt mitunter an Bach denken, entzündet das Feuer der Freude und legt eine natürliche Verbindung zur Musik der schillernden russisch-polnischen Komponistin Faina Markowna Kwiatkowska (1914–1991) und anderen polnischen Rag-infizierten Musiker*innen der damaligen Zeit. Maseckis leicht stolprig-perkussionistische Spielweise erinnert an die Cembalo-Fassungen von Scott Joplin-Werken der französisch-polnischen Cembalistin Elisabeth Chojnacka (1939–2017) und bringt das Tanzbein in Bewegung.
Konzert

Maciej Obara Quartet

Unloved
(Polen/Norwegen)

Maciej Obara, alto saxophone
Dominik Wania, piano
Ole Morten Vågan, double bass
Gard Nilssen, drums


Musik der Nachtschweife, Klänge als fallende Schatten, spielendes, schimmerndes Licht, tröstende Ungewissheit. Der polnische Altsaxofonist Macief Obara und seine Mitzauberer – Pianist Dominik Wania, Bassist Ole Morten Vågan und Schlagzeuger Gard Nilssen – wandeln auf den Kämmen der Nacht, schreiten durch Schichten des Dunkel, fangen flirrende Pulse aus dem Nichts, ergehen sich tapsend im Somnambulen, landen auf mondbeschienenen Lichtungen und tanzen mit den Hexen auf der Ohrenweide. Das preisgekrönte polnisch-norwegische Quartett mit umjubeltem ECM-Debüt ist in sechs Jahren über viel Spielpraxis zu einer bestechenden Verdichtung von glühend lyrischer Klangqualität im Wechselspiel mit raueren Temperamentlagen gelangt – in einem Klangbild voll sublimer innerer Spannung, offenen Ausbruchstellen und schwelender wie auch flammender Ränder. Berlin-Debüt beim Jazzfest und ein Hörgenuss, wie geschaffen für mitternächtliche Stunden.
Konzert

Kiezkonzerte

Konzerte in der Nachbarschaft
beim Friseur, in einem Wohnzimmer und in einer Galerie

Mit Mary Halvorson, Jacob Garchik, Ingrid Laubrock, Dave Ballou, Tomas Fujiwara, Susan Alcorn und Kim Myhr, David Stackenäs, Ingar Zach, Adrian Myhr

Das Jazzfest Berlin lässt etablierte Konzertorte hinter sich und trägt das Festival hinein in die Nachbarschaft! Zum Musikhören und machen geht es in den Kiez, und zwar zusammen mit den Künstler*innen: In einem privaten Wohnzimmer, einer kleinen Galerie und einem Friseurladen am Fasanenplatz in unmittelbarer Festspielhausnähe finden sechs Kurzkonzerte statt, gestaltet von Musiker*innen des Mary Halvorson Octet und Kim Myhrs Formation für „You | me“. Jeweils zwei Sets à 20 Minuten werden an jedem Ort gespielt, wobei sich die Künstler*innen der beiden Bands wild durcheinandermischen – ein besonderes, intimes Konzerterlebnis für bis zu 30 Zuschauer*innen, die Gastgeber*innen und natürlich die Musiker*innen selbst!

Der Sonntagvormittag des Jazzfest steht im Zeichen anderer Erfahrungsräume: Nach den Kiezkonzerten am Fasanenplatz mit Musiker*innen des Mary Halvorson Octet und aus Kim Myhrs Formation für „You | me“ kehrt mit Nina Backmans „Silence Meal“ die Stille ins Festspielhaus, zugleich lädt die Julia Stoschek Collection zu Sonderführungen durch die Ausstellung Arthur Jafas.

2 x 20 Minuten-Konzerte | Begrenzte Platzkapazität
Ausstellung

Arthur Jafa: A Series of Utterly Improbable, Yet Extraordinary Renditions

Führungen in der Ausstellung

Mit der Ausstellung „Arthur Jafa: A Series of Utterly Improbable, Yet Extraordinary Renditions“ bringt die Julia Stoschek Collection erstmals das Werk des US-amerikanischen Filmemachers, Kameramanns und Künstlers mit einer Ausstellung nach Deutschland.

Arthur Jafa hat im Laufe der letzten drei Jahrzehnte eine dynamische, multidisziplinäre künstlerische Praxis entwickelt, die sowohl Filme und Installationen als auch Vorträge, Performances und Happenings umfasst. Seine Werke thematisieren und hinterfragen gängige kulturelle Aussagen über Identität und ethnische Zugehörigkeit. Jafas Schaffen wird von der immer wiederkehrenden Frage geleitet: Wie kann eine visuelle Ästhetik entwickelt werden, die der Kraft, Schönheit und Verfremdung der afroamerikanischen Musik in der US-amerikanischen Kultur entspricht?

Die Ausstellung, die gemeinsam mit den Serpentine Galleries, London, konzipiert und von Hans-Ulrich Obrist und Amira Gad kuratiert wurde, steht den Besucher*innen des Jazzfest Berlin in vier Sonderführungen offen.

Veranstalter: Julia Stoschek Collection Berlin in Zusammenarbeit mit Serpentine Galleries London
Essen/Trinken

Silence Meal

Dieses Mittagessen ist ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art. Die finnische, in Berlin lebende Künstlerin Nina Backman lädt in ihrer Performance dazu ein, sich beim Essen – einem gehobenen Drei-Gänge-Menü von Culinarium – ganz auf die eigenen Sinne zu konzentrieren und sich in der Kunst des Schweigens zu üben. Was das „Silence Meal“, das von der Künstlerin selbst geleitet wird, in den Teilnehmer*innen auslöst, ist so individuell wie die Teilnehmer*innen selbst. Hierarchien sowie kulturelle, soziale oder politische Unterschiede treten in den Hintergrund, und in der Stille entstehen Kommunikationswege, die ganz ohne Sprechen auskommen. Jedes „Silence Meal“ wird dokumentiert – Video- und Audiomaterial sowie Fotos entstehen und werden zusammen mit dem Material aus anderen „Silence Meals“ zu einer experimentellen Kunstcollage verflochten.

Der Sonntagvormittag des Jazzfest steht im Zeichen anderer Erfahrungsräume: Nach den Kiezkonzerten am Fasanenplatz mit Musiker*innen des Mary Halvorson Octet und aus Kim Myhrs Formation für „You | me“ kehrt mit Nina Backmans „Silence Meal“ die Stille ins Festspielhaus, zugleich lädt die Julia Stoschek Collection zu Sonderführungen durch die Ausstellung Arthur Jafas.
Konzert

Threads of Estonia

Maria Faust (Dänemark/Estland)
Machina
Deutschlandpremiere

Maria Faust, alto saxophone
Ned Ferm, tenor saxophone
Jacob Anderskov, piano
Ida Nørholm, cello
Nils Bo Davidsen, double bass
Adam Pultz Melbye, double bass

Kara-Lis Coverdale (Kanada)
Shadow Encounter
Auftragswerk/Uraufführung

Kara-Lis Coverdale, organ solo


Maria Faust: Machina
Die vielfach preisgekrönte estnische Saxofonistin und Komponistin Maria Faust (*1979) ist ein Phänomen. Aufgewachsen noch unter dem Sowjetstern in Kurressare auf der Insel Saaremaa im Südwesten von Estland, absolvierte sie in Tallinn eine klassische Dirigent*innenausbildung, um dann ihr musikalisches Ausdrucksspektrum mit einem Jazzstudium in Kopenhagen zu vertiefen und auszubauen. Dort fanden Ensemblespiel und freie Improvisation zusammen und Jazz Catastrophe, ihr erstes Ensemble, war geboren. Entwaffnende Offenheit, Originalität und Unangepasstheit prägen ihre zahlreichen Projekte, so dass sich Maria Faust inzwischen als ganz eigene Kategorie im Jazzkanon etabliert hat. Ihre Suche nach dem musikalischen Ausdruck elementarer Ur- und Abgründe unseres Daseins sowie das Durchforschen unserer Erinnerung (Memory Analysis nennt Faust es selbst) setzt sie nun in ihrem neuesten tief reichenden kammermusikalischen Werk „Machina“ fort. Wasser und Meer sind hier die zentralen Elemente, für Faust „Symbol für die unberechenbaren Kräfte unterdrückter Gefühle wie Zorn und Trauer“. Schließt man die Augen, tut sich eine Art nordische Saudade auf: Wellenschlag, tuckernde Motorengeräusche, plötzliche Stille, schwere Nebelschwaden und aufbrechendes Licht bilden ein seelenvolles, atmendes inniges Ganzes.

Kara-Lis Coverdale: Shadow Encounter
Kara-Lis Coverdale (*1987), Kanadierin mit estnischen Wurzeln, ist in der elektronischen Musik weltweit längst kein Geheimtipp mehr. Hochentwickelte und künstlerisch äußerst raffinierte Klangbearbeitungen entfachen die tiefe Wirkung ihrer Musik, was Coverdale inzwischen einen vielbeachteten Namen als Komponistin beschert hat. Vor sich hinfließender Schönklang ist nie ihre Sache gewesen. Der elektronische Fluss trügt. Mit dem, was sich untergründig klanglich vollzieht, unterminiert und kippt sie das Klanggeschehen immer wieder so subtil, dass man es nicht bewusst wahrnimmt, sich aber ein vages Gefühl des Unwirklichen einstellt. Sie sieht sich eher als Schmirgelpapier, schmuggelt äußerst versiert artfremdes Material in ihre Kompositionen und führt damit ihre Zuhörer*innen auf wunderlich glänzendes, spiegelglattes und abschüssiges Eis. Eine Qualität, die gerade in ihren Live-Auftritten – in Berlin bereits im Rahmen von MaerzMusik bei The Long Now im Kraftwerk Mitte oder bei Atonal – mit aller Heftigkeit zum Tragen kommt. Bereits seit ihren Teenagerjahren absorbiert sie nordisch-religiöse Musik und führt diese Leidenschaft seit 2010 als Kirchenorganistin und Chorleiterin in der Estnischen Evangelisch-Lutherischen St. Johannes-Kirche von Montreal fort. In Berlin ist sie nun endlich an ihrem Ursprungsinstrument, der Kirchenorgel zu erleben: „Extended Shadows“ ist ihr speziell für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche entworfenes Werk, bei dessen Ausführung die wirkungsstarke Coverdalesche Kraft des Läuterns auch das Publikum des Jazzfest Berlin in ihren Bann ziehen dürfte.
Film

Bill Frisell: A Portrait

Dokumentarfilm von Emma Franz (2017)

In vier Jahrzehnten markanter Präsenz hat sich Bill Frisell (*1951) ein weltweites Publikum erspielt, das eine gewisse Vorstellung von der Arbeitsweise und Person des behutsam lächelnden Musikers hat. Der Dokumentarfilm der australischen Filmemacherin und Musikerin Emma Franz öffnet auf sensible Weise einen tieferen Blick auf wesentliche Züge des Ausnahmemusikers, dessen Karriere einst in Belgien und Norwegen und mit einem deutschen Label begann. Leitfaden für die Dokumentation ist Frisell’s These, wonach Dinge nicht durch Abgrenzen erfassbar sind, sondern durch die Öffnung des Geists und die Wahrnehmung von Erfahrungen. Franz zeigt in ihrem Film, was die Kraft des Lächelns bewirkt, u. a. wenn es um die Vereinbarkeit unvereinbarer Dinge geht. Schlagzeuger Joey Baron, eine Schlüsselfigur in der New-Yorker-Entwicklung von Bill Frisell, ist auch ein wunderbarer Erzähler eben dieser Geschichte(n) mit verblüffenden Wendungen. So kommen z. B. die Hintergründe zu Barons und Frisells ersten gemeinsamen Auftritt oder Frisells Rolle in John Zorns „Naked City“ zur Sprache. Das Portrait von Emma Franz ist ein lohnenswertes Erfahrungs-Pendant mit Aha-Effekt zum Hören der Musik von Bill Frisell.

Originalfassung in englischer Sprache
Gespräch

Mary Halvorson

Artist talk

Mary Halvorson im Gespräch mit Richard Williamsy

„Halvorson is in such command of the promptings of her remarkable imagination that, as her lines and chords slip and warp and overlap, she can convince you that there must be a second guitarist hidden away somewhere […]“, schreibt Richard Williams über Mary Halvorson im Mai 2018. Im Artist Talk treffen die außergewöhnliche Gitarristin und der Musikjournalist und ehemalige künstlerische Leiter des Jazzfest Berlin aufeinander!
Konzert

Kim Myhr / Mary Halvorson Octet / Bill Frisell

19:00
Kim Myhr (Norwegen/Australien)
You | me
Deutschlandpremiere

Kim Myhr, electric and acoustic guitars
David Stackenäs, electric and acoustic guitars
Håvard Volden, electric and acoustic guitars
Adrian Myhr, guitars, bass
Ingar Zach, percussion
Hans Hulbækmo, drums, percussion
Tony Buck, drums, percussion


20:15
Mary Halvorson Octet (USA)
Away with you
Europapremiere
[Mary Halvorson: Artist in Residence]

Mary Halvorson, guitar
Susan Alcorn, pedal steel guitar
Dave Ballou, trumpet
Jon Irabagon, alto saxophone
Ingrid Laubrock, tenor saxophone
Jacob Garchik, trombone
John Hébert, bass
Tomas Fujiwara, drums


21:45
Bill Frisell (USA)
Music is
Deutschlandpremiere Album

Bill Frisell, guitar solo


Kim Myhr: You | me
Der Gitarrist Kim Myhr bringt gleich drei weitere Gitarristen und drei Perkussionisten auf die Bühne. You | me ist die bisher ambitionierteste Solo-Veröffentlichung dieses norwegischen Klangkünstlers, eine Arbeit mit einem durchgängigen Puls, in der sich alles aus einer einzigen musikalischen Idee ableitet. Myhr geht es um die Gestaltung eines sich langsam aufbauenden, vielschichtigen Klangkosmos, der so mit Details gesättigt ist, dass man darin zu schwimmen glaubt, gleichzeitig aber die Einfachheit der Form wahrt, sodass alles als kontinuierlicher Prozess erlebbar wird. Myhr entdeckte bei der Studioarbeit, „dass man üppiges und idyllisches Klangmaterial allmählich zu etwas Schwierigerem und Unzugänglicherem mutieren lassen kann, dass Gegensätzliches immer gegenseitig ineinander enthalten ist, dass es in dem einen immer eine Spur des anderen gibt.” Zu dieser Dialektik der Gegensätze gehört auch, dass ein vorab konzipiertes großformatiges Werk wie dieses im Konzert von erfahrenen Vollblutimprovisatoren ausgeführt wird, wie Tony Buck (The Necks), Ingar Zach (Dans Les Arbres), Hans Hulbækmo (Atomic) und David Stackenäs (Per Zanussi Ensemble). Das Spiel mit Gegensätzen, das sich dabei vollzieht, ist nicht nur ein Statement in Sachen Musik, es lädt zum Floaten und Mäandern ein.

Mary Halvorson Octet: Away with you
Der Auftritt ihres Oktetts bildet den mit hoher Spannung erwarteten Kulminationspunkt der Jazzfest-Residenz der New Yorker Gitarristin Mary Halvorson, in ihrer Eigenheit derzeit eine der bemerkenswertesten und produktivsten Gitarrenstimmen der mittleren Generation. Zwei einwöchige Residenzen etwa im legendären New Yorker Jazz-Club Village Vanguard sprechen für sich sowie die Veröffentlichung von sage und schreibe 27 Alben in den letzten drei Jahren.
Halvorson ist eine Musikerin, die in unaufhörlicher Stetigkeit expandiert und vertieft. 2015 nahm sie nicht nur ihr erstes Soloalbum „Meltframe“ auf. Am anderen Ende des Spektrums begann ihre Zusammenarbeit mit der zu Halvorsons eigener Gitarrenstimme kontrastierenden Pedal-Steel-Gitarristin Susan Alcorn, mit der sie dann ihr dafür reifes Septett bestehend aus hochkarätigen Musiker*innen aus dem New Yorker Jazzfeld zum Oktett erweiterte. Beim letztjährigen New Yorker Winterjazz zählte der Auftritt ihres Oktetts zu den unstrittigen Entdeckungen und Höhepunkten. Halvorson besticht durch einen einmaligen Gitarrenklang, in ihrer Musik bildet das Freie und Festgefügte, das Gerade und Ungerade eine einmalig rhythmisch-dynamische Einheit, die ebenso verschleißbeständig wie unnachahmlich ist. Neue Verteilungen und Gewichtungen kristallisieren sich immer wieder im Zusammenspiel der Halvorsonisten klar und lebendig aus. In Berlin nun erstmalig in Europa zu erleben, werden diese acht Stimmen eckig und rund im prismatischen Verbund kulminierend zum Tragen kommen: Away with you!

Bill Frisell: Music is
Es ist fast unmöglich, der Musik des amerikanischen Gitarristen Bill Frisell (*1951) nicht irgendwo zwischen Bonnie Raitt und John Zorn begegnet zu sein. Nach vier Jahrzehnten reicher Diversität musikalischer Äußerungen und Verbindungen bleibt sein pures klangliches Zeichnen eine Qualität und ein Vergnügen der besonderen Art. Gibt es etwas, was Bill Frisell, dieser Gentle Giant in Music, mit seiner nicht versiegenden Schaffenskraft noch nicht getan hat? Nach dem letztjährigen ergreifenden Duo-Album mit dem Bassisten Thomas Morgan stand die Tür zu einem Solo-Album offen, und Frisell schuf in der Obhut von Tucker Martines Studio eine Vielfalt und Farbigkeit an Melodiezügen, seltsam konzentrierte Aufrisse einer Schönheit jenseits des Bekannten. In Berlin beginnt Bill Frisell eine Tour mit Solokonzerten, in denen er sein Publikum direkt teilhaben lässt an der intimen, im Licht des Moments sich vollziehenden Klangzeichnung: ein resümierender und zugleich offener Ausklang des Jazzfest Berlin 2018.
Ereignisse / Kirche Dom zu Brandenburg Brandenburg an der Havel, Burghof 10
Ereignisse / Kulturveranstaltung Jüdisches Museum Berlin Berlin, Lindenstr. 9-14
Ereignisse / Konzert Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin Berlin, Charlottenstr. 55
Ereignisse / Konzert Berliner Residenz Konzerte Berlin, Spandauer Damm 22-24
Ereignisse / Cabaret TIPI am Kanzleramt Berlin Berlin, Große Querallee
Ereignisse / Konzert Musikakademie Rheinsberg Rheinsberg, Kavalierhaus der Schlossanlage
Ereignisse / Theater Hebbel am Ufer Berlin Berlin, Stresemannstr. 29
Ereignisse / Konzert Musikfestspiele Potsdam Sanssoucci Potsdam, Wilhelm Staab Str. 10/11
Ereignisse / Kulturveranstaltung Russisches Haus Berlin Berlin, Friedrichstraße 176-179
Ereignisse / Kulturveranstaltung Brotfabrik-Berlin Berlin, Caligariplatz/Prenzlauer Promenade 3
Ereignisse / Kulturveranstaltung ARTEFAKT Kulturkonzepte Berlin, Schliemannstraße 2
Ereignisse / Kulturveranstaltung Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum" Berlin, Oranienburger Straße 28/30
Ereignisse / Kulturveranstaltung Deutscher Freundeskreis europäischer JUgendorchester e.V. Berlin, Meierottostraße 6
young.euro.classic
Ereignisse / Kulturveranstaltung Waschhaus e.V. Potsdam, Schiffbauergasse 1
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tertianum Residenz Berlin, Passauerstr. 5-7
Ereignisse / Festival Kulturnetzwerk Neukölln e.V. Berlin, Karl-Marx-Str. 131
Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tränenpalast Berlin, Reichstagufer
Ereignisse / Messe ART FORUM BERLIN Berlin, Messedamm 22
Die internationale Messe für Gegenwartskunst
Ereignisse / Festival Kunstinstitut BAJA e.V. Templin, Am Markt 19
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tschechisches Zentrum Berlin, Friedrichstrasse 206
Ereignisse / Kulturveranstaltung Finnland-Institut in Deutschland Berlin-Moabit, Alt-Moabit 98
für Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft (gemeinnützig)
Ereignisse / Kulturveranstaltung Velomax Berlin Hallenbetriebs GmbH Berlin, Paul-Heyse-Str. 26
Ereignisse / Kulturveranstaltung Velomax Berlin Hallenbetriebs GmbH Berlin, Am Falkplatz
Ereignisse / Festival 48 Stunden Neukölln Berlin, Karl-Marx-Str. 131
Kulturnetzwerk Neukölln e.V. Kunst- und Kulturfestival
Ereignisse / Kulturveranstaltung arena Berlin Berlin, Eichenstraße 4
Ereignisse / Kulturveranstaltung Collegium Hungaricum Berlin Berlin, Karl-Liebknecht-Str. 9
Haus Ungarn Ungarisches Kulturinstitut
Ereignisse / Festival transmediale Berlin, Klosterstr. 68-70
international media art festival berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin Berlin, Hinter der Katholischen Kirche 3
Ereignisse / Kulturveranstaltung Literaturhaus Berlin Berlin, Fasanenstraße 23
Ereignisse / Kulturveranstaltung Künstlerklub DIE MÖWE Berlin, Am Festungsgraben 1
www.moewe-kuenstlerklub.de
Ereignisse / Kulturveranstaltung al globe Potsdam, Charlottenstraße 31
Brandenburgisches Haus der Kulturen
Ereignisse / Kulturveranstaltung St. Hedwigs-Kathedrale Berlin Berlin, Hinter der Katholischen Kirche 3
Chor der St. Hedwigs-Kathedrale
Ereignisse / Kulturveranstaltung Marstall Berlin-Mitte, Schloßplatz 7
Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Hauptgebäude Berlin-Mitte, Charlottenstr. 55
Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Haus der Kulturen der Welt Berlin, John-Foster-Dulles- Allee 10
Ereignisse / Kulturveranstaltung Blackligtht Gallery Berlin, Potsdamer Platz 1
U3 Bahnhof Veranstaltungs mbH
Ereignisse / Kulturveranstaltung Messe und Veranstaltungs GmbH Frankfurt (Oder), Platz der Einheit 1
Kleist Forum Frankfurt (Oder)
Ereignisse / Kulturveranstaltung ankommen- Kulturverein berlin Brandenburg e.V. Berlin, Brunnenstr. 111k
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, Lietzenburger Str. 39
www.gedaechtniskirche.com KWG Gemeindebüro
Ereignisse / Kulturveranstaltung Haus am Kleistpark Berlin, Grunewaldstr. 6-7
Ereignisse / Kulturveranstaltung NaturFreundehaus Karl Renner Berlin, Ringstr.76
Kultur und Tanz
Ereignisse / Kulturveranstaltung NaturFreunde Berlin e.V Berlin, Ringstr 76
Kultur und Tanz mit angelika und Hans
Ereignisse / Festival Musikfestspiele Potsdam Sanssouci Potsdam, Wilhelm-Staab-Str. 10/11
Ereignisse / Kulturveranstaltung Tanz in den Mai Berlin, Ringstr. 76
Ereignisse / Kulturveranstaltung Extra Chor Brandenburg Ketzin, Paretz, Parkring 11c
www.extrachorbrandenburg.de Dietmar Keck
Ereignisse / Kulturveranstaltung Dipankara-Zentrum Berlin, Hasenheide 54
Ereignisse / Kulturveranstaltung Berlin lacht! e.V. Berlin, Reichenberger Str. 36
Stefanie Roße
Ereignisse / Kulturveranstaltung Bernhard-Heiliger-Stiftung Berlin, Käuzchensteig 8
Ereignisse / Show Wintergarten Varieté Berlin, Potsdamer Str. 96
Ereignisse / Kulturveranstaltung Lichtwerk Berlin Berlin, Bürgerheimstr. 6-10
Ereignisse / Kulturveranstaltung SDW-Neukölln Berlin, Pflügerstr. 11
Siebdruckwerkstatt
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, Breitscheidplatz
www.gedaechtniskirche-berlin.de
Ereignisse / Kulturveranstaltung Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V. Potsdam, Brendenburgerstraße 5 (Luisenforum)
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kulturprojekte Berlin GmbH Berlin, Klosterstr. 68
Ereignisse / Jazz Jazzkeller 69 e.V. Berlin, Thulestr. 16
c/o "Assi" Glöde
Ereignisse / Kulturveranstaltung ZENTRUM Berlin, Danziger Str.50
danziger50
Ereignisse / Kulturveranstaltung BELLE ILLUSION Berlin, Moriz-Seeler-Str.1
Theater-und Eventproduktion
Ereignisse / Kulturveranstaltung Pinellodrom Berlin, Dominicusstraße 5-9
Ereignisse / Jazz Jazzkeller 69 Berlin, c/o Oranienburger Str. 67
Ereignisse / Kulturveranstaltung ZENTRUM danziger50 Berlin, Danziger Straße 50
Ereignisse / Kulturveranstaltung RADIALSYSTEM V Berlin, Holzmarkstraße 33
New Space for the Arts in Berlin
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kulturland Brandenburg Potsdam, Charlottenstraße 121
Ereignisse / Kulturveranstaltung Periplaneta - Verlag und Mediengruppe Berlin, Bornholmer Straße 81a
Ereignisse / Wettbewerb OTHERVIEW - Design und Kommunikation Berlin, Choriner Str. 8
Ereignisse / Kulturveranstaltung ufaFabrik Internationales Kulturcentrum Berlin, Viktoriastraße 10-18
Ereignisse / Vortrag Theodor-Fontane-Archiv Potsdam, Große Weinmeisterstr. 46/47
Universität Potsdam Villa Quandt