PSALM 2010
Back to the Garden

Sa, 27.3.2010 - Mo, 5.4.2010

Dass die kanadische Liedermacherin Joni Mitchell 1969 mit einem Lied die Gefühle einer ganzen Generation in Worte fasste, wird sie damals auch nicht geahnt haben. „Back to the Garden“ heißt der Refrain ihrer musikalischen Beschwörung, womit sie „Zurück ins Paradies“ meinte. Und natürlich auch einen ganz irdischen Platz: ein Feld beim Örtchen Woodstock, auf dem flachen Land nördlich von New York. Dort traf sich eine halbe Million junger Menschen, beflügelt von der Utopie der Gewaltlosigkeit, der freien Liebe, von Musik und Drogen. Joni Mitchell beschreibt, wie sie sich zum Woodstock-Festival aufmacht, auf dem sie kurioserweise gar nicht ankommt, denn alle Straßen sind verstopft. Doch das tut ihrem Enthusiasmus keinen Abbruch: „Wir sind Sternenstaub. Wir sind golden. Und wir müssen zurück in den Garten!“

Vierzig Jahre ist es her, dass die Blumenkinder der Hippiebewegung ihr Paradies auf Erden als Garten träumten. Und sie stellten sich damit in eine Tradition, die so alt ist, wie die menschliche Kultur selbst. Denn der Garten, die bewirtschaftete, die gestaltete, die fruchtbringende, vom Menschen kontrollierte Natur ist seit Urzeiten der menschliche Sehnsuchtsort. Die Idealisierung des Gartens überschreitet die Grenzen der Kulturen ebenso wie die der Kontinente, die Epochen der Geschichte wie die Terrains der Religionen. Und so nimmt es nicht Wunder, dass gerade zum Frühlingsbeginn in zahllosen Kulturen der Welt der Garten im Mittelpunkt steht. Am Tag der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche ist rechnerisch der Winter besiegt, die Tage werden wieder länger als die Nächte. Und Feste wie Pessach und Ostern, die eben diesen Zeitpunkt markieren, sind in ihrem Ursprung auch Fruchtbarkeitsfeste.

Deshalb beschäftigt sich das Festival Psalm 2010 mit den klingenden Spuren, die der Garten in der Musik der Religionen hinterlassen hat. Der Weg führt von den frühen christlichen Gärten des Mittelalters, in denen der Mensch Heil und Schutz vor den Unbilden der Natur sucht, zu den formalen Gärten des Orients, die in ihrer Harmonie Abbild von Gottes Ordnung sind. Wir besuchen den barocken Garten des Hamburger Ratsherren Barthold Heinrich Brockes, der in der Anschauung der kleinsten Dinge die Harmonie des weiten Universums entdeckt. Und wir fragen nach den Gärten der christlichen Passionsgeschichte, die in ihrem idealen Frieden den denkbar größten Kontrast zum Verrat und zur Gewalt abgeben, die dort geschehen. Mit Richard Wagner und seiner romantischen Naturmagie erzählen wir die Geschichte eines „Karfreitagszaubers“, der die christliche Überlieferung in ein buddhistisches Bild vom Werden und Vergehen allen Seins überführt. Und binden das alles zwischen zwei Pole der Gegenwart: Timna Brauer erzählt von einem Garten in Jerusalem, der Hoffnung für Juden und Palästinenser gleichermaßen sein kann. Und das Vokalensemble „Klangbezirk“ fragt schließlich mit Joni Mitchell, in welchen Garten wir heute unterwegs sind, 40 Jahre nach Woodstock.

PSALM 2010 ist ein Projekt der Steirischen Kulturveranstaltungen GmbH

Idee: Mathis Huber
Dramaturgie: Karl Böhmer & Thomas Höft
Organisation: Irmgard Heschl-Sinabell & Gertraud Heigl

Programm 2010

Ein Garten in Jerusalem

Ein jüdisch-palästinensisches Gartenfest
mit Timna Brauer, Marwan Abado, Elias Meiri und Courtney Jones

Timna Brauer, Gesang & Gitarre
Marwan Abado, Oud
Elias Meiri, Piano, Melodika, Perkussion & Chor
Courtney Jones, Schlagzeug, Perkussion & Chor


Wie könnte das sein, wenn Juden und Palästinenser gemeinsam in einem Garten in Jerusalem säßen und musizierten? Diese Frage haben sich Timna Brauer, Elias Meiri und Marwan Abado gestellt und daraus ein Programm gemacht. Dabei kommen sowohl die Reichtümer der jüdischen Musiktraditionen zu ihrem Recht, in denen sich nicht nur die Kulturen des Mittelmeeres und des Orients, sondern auch die Europas verbinden und vermischen, als auch der Liederschatz der Palästinenser. Der Sänger und Lautenspieler Marwan Abado ist Palästinenser, Timna Brauer ist Jüdin. In ihrer Zusammenarbeit entsteht eine musikalische Nähe, die Vorurteile und Abwehrhaltungen zu überwinden hilft – und viel erzählt von der Macht der Musik und der versöhnenden Stimmung des Gartens.

Preis: EUR 28 / 14
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Ort:

Helmut-List-Halle
Waagner-Biró-Straße 98a, A-8020 Graz

Termin:

Sa, 27.3.2010, 19:00 | Tickets

Süßer Blumen Ambraflocken

mit Bibiana Nwobilo, Sylvie Lacroix, Werner Neugebauer, Rudolf Leopold und Florian Birsak.

Bibiana Nwobilo, Sopran
Sylvie Lacroix, Traversflöte
Werner Neugebauer, Violine
Rudolf Leopold, Violoncello
Florian Birsak, Cembalo


Georg Friedrich Händel: Neun Deutsche Arien, HWV 202-210
Telemann: Pariser Quartette in e und A, TWV 43

Sicher gibt es kein anderes Stück Musik, das uns so privat an den großen Komponisten Georg Friedrich Händel heranführt, wie seine „Neun Deutschen Arien“. Ganz ohne jeden offiziellen Anlass setzte er die Verse des Hamburger Poeten Barthold Heinrich Brockes in bezaubernde Melodien. Der hatte sich – ein vermögender Mann – an der Elbe einen wunderbaren Garten angelegt. Und in der Betrachtung der Natur fand er Gottes Spuren in den kleinsten Dingen. Die Hingabe von Brockes, der seine ganze Dichterkraft für Blütenblätter oder kleine Käfer aufwandte, beantwortet Händel mit seinen rührendsten Tönen. Diese Kostbarkeiten werden von Rudolf Leopold und dem jungen Sopranstar aus Nikolaus Harnoncourts Grazer „Porgy and Bess“-Produktion, Bibiana Nwobilo, in Obhut genommen.

Preis: EUR 28 / 14 Karten kaufen
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Ort:

Helmut-List-Halle
Waagner-Biró-Straße 98a, A-8020 Graz

Termin:

So, 28.3.2010, 19:00 | Tickets

Sieben Worte

mit Peter Simonischek, recreation und Heinrich Schiff

Peter Simonischek, Lesung
recreation - GROSSES ORCHESTER GRAZ
Heinrich Schiff, Dirigent


Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, Hob. XX/1A
Thomas Bernhard: In hora mortis

Eine dunkle Kirche im spanischen Cadiz, eine düstere Musik ertönt. Joseph Haydn im fernen Wien hat sie eigens für diesen Ort komponiert, sieben langsame Sätze für Orchester über die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz. „Es ist vollbracht“ – eine schwermütige Meditation. „Mich dürstet“ – ein Klangspiel für Bläser über gezupften Streichersaiten. Das Erdbeben beim Tode Jesu – eine Eruption. Heinrich Schiff zieht in der selten gespielten Urfassung von Haydns Meisterwerk alle Register des Orchesters. Die Worte Jesu werden dazwischen durch Worte des 20. Jahrhunderts beleuchtet – durch Thomas Bernhards Gedichtzyklus „In hora mortis“ – „In der Stunde des Todes“, vorgetragen von Peter Simonischek.

Preis: EUR 33 / 28 / 23 / 18 / 12 Karten kaufen
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Dieses Konzert ist zugleich ein Abo-Konzert von recreation. Nähere Informationen hierzu finden sie auf www.recre.at.

Ort:

Stefaniensaal
Sparkassenplatz 4, A-8010 Graz

Termin:

Mo, 29.3.2010, 19:45 | Tickets

Die verschlossenen Gärten

mit Miriam Andersén, Susanne Ansorg und dem Ensemble Sarband

Miriam Andersén, Gesang & Gotische Harfe
Susanne Ansorg, Vielle
Sarband
Vladimir Ivanoff, Perkussion & Leitung


Mystische Liebeslieder aus dem europäischen Mittelalter (von Hildegard von Bingen bis Guillaume Dufay) und dem osmanischen Reich

Der „Hortus conclusus“, der verschlossene Garten, der eingemauerte Ort der Seligkeit ist ein Motiv, das sich durch die Kulturgeschichte des Orients und Europas zieht. So geht unser Wort „Paradies“ auf das altpersische „pairidaeza“ zurück, was „ummauert“ bedeutet. Mit einer Quelle in der Mitte, von fruchttragenden Obstbäumen und duftenden Blumen umgeben, so findet man den idealen Paradiesgarten sowohl in christlichen wie muslimischen Darstellungen des Mittelalters. Europäische und osmanische Musik über verschlossene, geheimnisvolle und frisch erblühte Gärten machen erfahrbar, wie „geistliche“ und „weltliche“ Sphären in einer universalen Mystik der Liebe untrennbar werden. Sarband präsentiert eine interkulturelle Spurensuche: diesmal als Geschichte der verzauberten Gärten.

Preis: EUR 28 / 14 Karten kaufen
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Ort:

Helmut-List-Halle
Waagner-Biró-Straße 98a, A-8020 Graz

Termin:

Di, 30.3.2010, 19:00 | Tickets

Cristo nell'Orto

mit dem Bach Consort, Rubén Dubrovsky, Yeree Suh u.a.

Gianluca Buratto, Bass (Cristo)
Bernarda Bobro, Sopran (Giustizia divina)
Yeree Suh, Sopran (Anima contemplativa)
Terry Wey, Countertenor (Angelo confortatore di Cristo)
Adrian Strooper, Tenor (Amor divino verso l'uomo)
Bach Consort Wien
Rubén Dubrovsky, Dirigent


Johann Joseph Fux: Cristo nell’Orto, K 296 (Oratorium)

Im Garten Gethsemane am Fuß des Ölbergs durchlitt Jesus von Nazareth seine dunkelsten Stunden. Er wusste, welche Qualen ihm bevorstanden, und er nahm dennoch den Kelch des Leidens an. Nicht nur Bach in Leipzig hat das menschliche Leid dieser Nacht in tief bewegende Töne gefasst. Auch der kaiserliche Hofkapellmeister Johann Joseph Fux tauchte die Seelenqual des Gottessohnes in Dissonanzgeheimnisse und nächtlich dunkle Klangbilder. 1718, ein Jahrzehnt vor Bachs „Matthäuspassion“, entwarf Fux für die Hofburgkapelle in Wien sein allegorisches Drama „Cristo nell’Orto“ – „Christus im Garten“. Im Dialog zwischen Jesus und dem tröstenden Engel, zwischen der göttlichen Gerechtigkeit und der Seele des Menschen nähern wir uns dem Geheimnis der Passion.

Preis: EUR 42 / 28 / 14 Karten kaufen
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Ort:

Helmut-List-Halle
Waagner-Biró-Straße 98a, A-8020 Graz

Termin:

Do, 1.4.2010, 19:00 | Tickets

Karfreitagszauber

mit dem Duo Tal & Groethuysen

Duo Tal & Groethuysen

Franz Liszt: Via crucis
Richard Wagner: „Karfreitagszauber“ aus Parsifal, „Tannhäuser“-Ouvertüre, Eine Faust-Ouvertüre
Johann Sebastian Bach/György Kurtag: Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit, BWV 106
Claude Debussy: Prélude à l’aprés-midi d’un faune
Reinhard Febel: Choralbearbeitungen nach J. S. Bach

Wenn Franz Liszt von seinem Zimmer am Forum Romanum in Richtung Kolosseum blickte, dann hatte er einen blühenden Garten vor sich, der gleichsam auf den Gräbern der Märtyrer gewachsen war. Mit seiner „Via Crucis“ wollte er den Karfreitagsprozessionen im Kolosseum einen würdigen Rahmen geben und schuf dafür 14 bewegende Meditationen über die Stationen des Kreuzweges. Auch Richard Wagner dachte beim Karfreitagszauber an italienische Gärten und die Üppigkeit der mediterranen Welt. Vier Pianistenhände zaubern die blühende Spätromantik der beiden Klangmagier in die Helmut-List-Halle.

Preis: EUR 28 / 14 Karten kaufen
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Ort:

Helmut-List-Halle
Waagner-Biró-Straße 98a, A-8020 Graz

Termin:

Fr, 2.4.2010, 19:00 | Tickets

Back to the Garden

mit dem Ensemble Klangbezirk

Ensemble Klangbezirk

Songs von Joni Mitchell, James Taylor, Carole King u. a. in A-cappella-Arrangements

Dass es „Blumenkinder“ in den Garten zieht, haben Joni Mitchell und die Musiker ihrer Generation in Woodstock hinreichend bewiesen. Und während deren Utopie von Liebe und Frieden unterdessen als historisch misslungen abgehakt und im Museum der politischen Bewegungen endgelagert schien, sind die Lieder der Hippies unsterblich geworden. Aber 40 Jahre später bahnt sich ein Revival an. Eine neue Generation von Blumenkindern hat sich die Ökologie auf ihre Fahnen geschrieben und geht den Protest ganz frisch an. Auch die alte Musik der Sixties klingt moderner denn je, zum Beispiel bei Klangbezirk, einer ganz jungen deutschen A-cappella-Formation, die nicht nur den Grazer A-cappella-Preis ihr eigen nennen darf, sondern inzwischen weit über Europa hinaus ihr Publikum hinreißt.

Preis: EUR 28 / 14 Karten kaufen
Ermäßigung für Club Ö1 Mitglieder

Ort:

Helmut-List-Halle
Waagner-Biró-Straße 98a, A-8020 Graz

Termin:

Mo, 5.4.2010, 19:00 | Tickets

Steirische Kulturveranstaltungen GmbH

Sackstraße 17
A-8010 Graz

Telefon: +43.316.825 000
Fax: +43.316.825000.15
E-Mail: info@styriarte.com