DAS MUSEUM

Rundgang und Wege

Das Bauensemble Moritzburg ist in den 500 Jahren seiner Existenz immer Stückwerk gewesen. Durch den modernen Einbau in die Hülle der spätgotischen Mauern wird es jetzt möglich, den Nord- und den Westflügel der Burg, der nach seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg bis in die jüngste Vergangenheit in Teilen Ruine blieb, wieder ganz zu erschließen. Damit verwandelt sich die Moritzburg erstmals in den Gesamtorganismus eines Museums, das den Anforderungen an eine zeitgemäße Kunstvermittlung entspricht. Das bedeutet für das Museum einen Zuwachs an Ausstellungsfläche von 2.000 qm, aber auch ausgebaute Servicebereiche mit einem Museumsladen und einem großzügigen Café. Der Neubau stellt ein Gefüge von Räumen im Raum her, die in einer ungewohnt skulpturalen Ordnung aufeinander bezogen sind und eine Aura von funktionaler und geistiger Klarheit verbreiten. Der Glanz hoher Oberlichter verbindet sich mit den schwebenden, vom Dach abgehängten Obergeschossen, die über Galerien entlang der historischen Mauerhülle zu erreichen sind. Mit der streng reduzierten Materialsprache und der sensiblen Abgrenzung des Neuen gegenüber dem Historischen entsteht eine Raumästhetik, für die es als Museumsbau kein zweites Beispiel gibt. Entsprechend neu waren auch die Begegnungsverhältnisse für das gesamte Haus zu entwickeln.

Der Erweiterungsbau im Westflügel gliedert sich in zwei Ebenen: Im ersten Geschoss, der Beletage, findet die Klassische Moderne einschließlich der Sammlung Gerlinger ihren Platz (Moderne Eins), in der darüber eingehängten Box wird die Kunst der Gegenwart (Moderne Zwei) vorgestellt. Schon daraus wird ersichtlich, dass diese Begriffe keinen analytischen Charakter haben, sondern als Orientierungshilfen gedacht sind. Auf der Empore im Obergeschoss sind die Halle-Bilder von Lyonel Feininger als Sonderbereich zu besichtigen. Später kommen zwei Turmkabinette hinzu, die der Schmuckkunst aus Halle und das Werk des halleschen Künstlers Albert Ebert gewidmet sein werden. Die Box im Nordflügel bildet zusammen mit dem Hauptgeschoss den Raum für Sonderausstellungen.

SONDERAUSSTELLUNGEN

Wort wird Bild. Illustrationen der „Brücke“-Maler

Aus der Sammlung Hermann Gerlinger

So, 5.2.2012 | Eröffnung

So, 5.2.2012 - So, 3.6.2012

Die gestalterische Auseinandersetzung mit Literatur und Dichtung spielte in der deutschen Kunst des Expressionismus eine herausragende Rolle. Die Brücke-Maler Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff und Pechstein leisteten dazu einen wesentlichen Beitrag.

1907 entstanden mit Kirchners Lithographien zum Drama Sakuntala des indischen Dichters Kalisada und Heckels Holzstöcken zu Oskar Wildes Die Ballade zum Zuchthaus zu Reading erste beachtliche Illustrationen. Sie zeigen eine neue, eigenständige Umsetzung von Text in Bildsprache, die sich später zu souveränen, oft autobiografisch bedingten Interpretationen der literarischen Stoffe entwickelt. Zu den Höhepunkten zählen Kirchners Holzschnitte zu Adelbert von Chamissos Novelle „Peter Schlemihls wunderbare Geschichte“ und seine Entwürfe zu Georg Heyms nachgelassenen Gedichten Umbra Vitae, von denen die Originale aus Kirchners Besitz mit seinen Druckanweisungen erhalten sind.

Die Sammlung Hermann Gerlinger bietet einen ausgezeichneten Fundus für die Darstellung dieses Themas, bereichert um bedeutende Leihgaben aus der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen und dem Brücke Museum in Berlin sowie aus Privatbesitz.

„Idee Schatzkammer“. Kostbarkeiten und Raritäten aus der Moritzburg

So, 17.4.2011 - So, 18.3.2012

Kunstmuseum Moritzburg Halle zeigt eigene Sammlungsbestände parallel zu „Glanz der Macht. Kaiserliche Pretiosen aus der Wiener Kunstkammer.“

Die Moritzburg beherbergte im frühen 16. Jahrhundert mit dem „Halleschen Heiltum“ eine der prachtvollsten Schatzkammern der Frührenaissance. Die in der Burg residierenden Erzbischöfe Ernst von Wettin und Kardinal Albrecht von Brandenburg inszenierten tausende Reliquien in mehr als 350 kostbaren Reliquiaren. Diese Sammlung bot ein Bild überirdischen Glanzes und wurde in pompösen Zeremonien theatralisch präsentiert. Mit dem 1520 gedruckten Katalog, dem „Halleschen Heiltumbuch“, und mit dem Aschaffenburger Kodex, dem persönlichen Inventar Albrechts, kann die Ausstrahlung der in der Folge der Reformation untergegangenen Sammlung immer noch erahnt werden.

Diese verlorene Schatzkammer der Frührenaissance diente durchaus als Inspiration für das 1885 begründete hallesche Museum für Kunst und Kunstgewerbe, aus dem die heutige Stiftung Moritzburg hervorgegangen. Max Sauerlandt, von 1908 bis 1919 Direktor des Museums, sah es als „…eine der wichtigsten, zugleich aber auch am schwersten zu erfüllende Aufgabe…“ an, „…diese Blüteepoche der Deutschen Kunst angemessen zu repräsentieren.“ Denn „…niemals vorher oder nachher ist eine solche Fülle von Werken der großen Kunst, vor allem der Malerei und von kunstgewerblichen Schätzen aller Art, an Goldschmiedearbeiten, Stickereien, Geweben und Teppichwirkereien ... in Halle vereinigt gewesen.“

Das Museum in der Moritzburg entwickelte sich aber keineswegs aus einer bereits bestehenden Kunstkammer heraus, die ein vormuseales Sammlungskonzept umschreibt, das einen universalen Zusammenhang aller Dinge veranschaulichen sollte, sondern es wurde viele 100 Jahre später als kunsthandwerkliche Sammlung konzipiert mit Werken aus allen Kunstepochen, insbesondere vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Die Sammlung ist heute auf mehr als 6000 Objekte angewachsen und ist mit einem hochkarätigen Kernbestand im übertragenen Sinn tatsächlich eine Art „Schatzkammer“, wenngleich nicht im engeren Sinnes des Begriffs. Doch finden sich in der Sammlung Kleinodien und Pretiosen, die den Kontext der „Idee“ einer „Schatzkammer“ reizvoll erfüllen und nun in der Präsentation ihren Glanz entfalten können. Ihre Qualität liegt in repräsentativen kunsthandwerklichen Luxusgegenständen und in der Veranschaulichung der raffinierten und innovativen Gestaltung kostbarer und exotischer Materialien. Die qualitativ herausragenden Kunstwerke waren in der Regel nicht für den täglichen Gebrauch, sondern für besondere Anlässe bestimmt. Dekorativ aufgestellt oder im individuell schmückenden Gebrauch drückten sie Vermögen und Kunstsinn aus. Sie demonstrierten Repräsentationslust, Erfindungsgeist und den ästhetischen Anspruch ihrer Zeit im fürstlichen, bürgerlichen und religiösen Umfeld. Bis heute faszinieren sie durch ihre handwerkliche und künstlerische Virtuosität und Sinnlichkeit.

Eine Reihe von qualitativ bemerkenswerten Werken und Werkgruppen bestimmen das Profil des Bestandes an vormodernem Kunsthandwerk. Dazu zählen die venezianischen, niederländischen und deutschen Gläser, das rheinische und mitteldeutsche Steinzeug, die französischen, niederländischen und insbesondere mitteldeutschen Fayencen und Zinnarbeiten, das englische und deutsche Steingut sowie die Meißner und Thüringer Porzellane. Die Sammlung der Goldschmiedekunst und Schmuckgestaltung konzentriert sich auf die Leistungen einheimischer Meister. Verschiedene Kleinkunstwerke und Kunstkammerobjekte aus Elfenbein, Bergkristall, Serpentinstein, Holz oder Messing sowie eine Kollektion von Textilien runden die Sammlung ab.

Die Kleinodien aus dem 1901 in Halle entdeckten Schmuckfund, die Perlhaube und die beiden Gürtelketten aus dem späten 16. Jahrhunderts waren die ersten Stücke der Sammlung, die in dem 1904 in der Moritzburg neu eröffneten Kunstgewerbemuseum, dem Talamt, ausgestellt wurden.

In diesen Nachbau des Talamts wurden historische Zimmer des halleschen Salzgrafen aus dem 16. und 17. Jahrhundert eingearbeitet. Die feinen Täfelungen im Erker des so genannten Gerichtszimmers fertigte der hallesche Tischlermeister Augustin Stellwagen im Jahr 1594. Sie zeigen mit farbigen Holzintarsien Pflanzenranken und Architekturen und gelten als Hauptwerke der von den Niederlanden beeinflussten Schreinerkunst der Renaissance in Halle. Die Harmonie des mit übermütigem ornamentalen Reichtum und dekorativer Fülle ausgestatteten Festzimmers vollendet die reich gegliederte, im Jahr 1616 entstandene Kassettendecke, die von vier Gemälden mit Allegorien der Jahreszeiten nach Vorlagen von Hendrik Goltzius beherrscht wird.

Auch wenn die eigentliche Konzentration des Museums in der Moritzburg seit vielen Jahren der Moderne gilt, konnte die Sammlung älteren Kunsthandwerks in den letzten Jahren mit den Nachlassstiftungen von Gisela Lehmann und Johannes Stropp, mit Neuerwerbungen aus dem Kunsthandel, wie z. B. der Bildnisplatte des Goldschmieds Jobst Kammerer an Potential gewinnen. Die großzügige Förderung durch Dr. Hanna Leistner ermöglichte überdies wichtige Restaurierungen von bereits verloren geglaubten Arbeiten, wie einer großen Meißner Prunkvase und eines bedeutenden elfenbeinernen Wunderkugelturms aus dem späten 17. Jahrhundert.

Die Prunkvase aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Meißen schuf der geniale Bildhauer Johann Joachim Kändler im Jahr 1745. Die 1926 erworbene Arbeit wurde in den späten 50er Jahren schwer beschädigt und galt seit dem für die Forschung als verloren. Sie ist das großartigste Werk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Porzellansammlung der Moritzburg. Da lediglich ein zweites Exemplar überliefert ist, konnte durch die Restaurierung ein außerordentlich wertvolles Zeugnis der deutschen Barockkunst wieder auferstehen.

Auch gedrechselte Elfenbein-Kunststücke sind „genuine Werke der Kunstkammer“ an sich (Dirk Syndram). Sie dienten zur bewundernden Schaustellung. Der imposante, fast einen Meter hohe Wunderkugelturm der Moritzburg aus dem späten 17. Jahrhundert kann hier erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder komplett präsentiert werden. Es handelt sich um ein Werk mit einer signifikanten Ausstrahlung, das die fürstlichen Intentionen für die Schatzkunst erstrangig verdeutlicht.

Modernes Studioglas aus eigenen Beständen

Glaskunst-Ausstellung in der Moritzburg

So, 1.1.2012 - So, 1.4.2012

Die Ausstellung zeigt Studiogläser von namhaften internationalen Glaskünstlern aus der Sammlung Kunsthandwerk der Stiftung Moritzburg.

Die Glaskunstobjekte von Künstlern aus verschiedenen europäischen Ländern, aus Japan und Amerika, geben einen Einblick in die Tendenzen der künstlerischen Glasgestaltung und zeigen die Entwicklung auf, die das Studioglas in den letzten 50 Jahren genommen hat.

Unter dem Begriff "Studioglas", das seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts auch als "Neues Glas" bezeichnet wird, werden frei gestaltete Glasobjekte zusammen gefasst, die bildkünstlerische Konzepte und Inhalte vermitteln. An Kunstschulen ausgebildete Entwerfer arbeiten unabhängig von den großen Glashütten in eigenen kleinen Studios und werden so zu freischaffenden Glaskünstlern. Ihre Experimentierfreude und ihre vielfältigen, qualitätvollen Arbeitsergebnisse führten dazu, dass auch Bildhauer, Keramiker, Maler und Architekten den Werkstoff Glas zur künstlerischen Umsetzung ihrer Ideen nutzen. Diese Entwicklung forcierten sowohl die Glaskünstler in der Tschechoslowakei Ende der 50er als auch die in den USA Anfang der 60er Jahre.

Die Glaskünstler der ersten Stunde schufen zunächst neue Oberflächentexturen, neue Farbdimensionen und neue Formen, während die Glaskünstler der mittleren Generation sich mehr auf die stofflichen Eigenschaften des Materials konzentrierten und dessen symbolische Bedeutung wie Härte und Zerbrechlichkeit betonten. Neue Dimensionen erreichten die jüngeren Gestalter durch eine neue Materialsprache wie zum Beispiel Transparenz, Glanz, leuchtende Farbigkeit, mit der sie heute das Erscheinungsbild des Werkstoffs nach Belieben verändern.

Das zeitgenössische "Studioglas" besticht durch seine optische Mehrdimensionalität und Vielschichtigkeit sowie durch eine erstaunliche Wandlungsmöglichkeit.

DAUERAUSSTELLUNG

Die neue Dauerausstellung der Stiftung Moritzburg

Moderne Eins und Sammlung Hermann Gerlinger

Die Abteilung „Moderne Eins“ erfasst den Zeitraum von der Jahrhundertwende bis 1937. Der Rundgang setzt ein mit je einem Hauptwerk von Gustav Klimt, Edvard Munch und George Minne, sodass zwischen Expressivität, Stilkunst und Abstraktion die jeweils verschiedenen Tendenzen der Klassischen Moderne in ihren Anfängen aufscheinen. Dieses Entrée stimmt den Betrachter in das komplexe Verhältnis von Aufbruch und Übergang im 20. Jahrhundert ein. Hier schließt sich gleich die Sammlung Hermann Gerlinger an. Sie ist ausschließlich den Künstlern gewidmet, die sich von 1905 bis 1913 zur Künstlergruppe „Brücke“ zusammenfanden: Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Fritz Bleyl, Max Pechstein, Otto Mueller, Cuno Amiet, Axel Gallén-Kallela und Emil Nolde. Das Außergewöhnliche an dieser Sammlung ist ihr weit gefasster monografischer Ansatz, der über die Zeit des Bestehens der „Brücke“ hinausgreift. Sie vereint Werke aus allen Schaffensphasen der Künstler – von den frühen Anfängen über den gemeinsamen Gruppenstil bis zum individuellen Spätwerk. In seinen auf Ganzheit zielenden Sammlungsansatz bezog Hermann Gerlinger auch Dokumente und Plakate, Einladungen und Exlibris mit ein, ebenso die kostbaren „Brücke“-Jahresmappen. Diese Privatsammlung, die neben dem Berliner Brücke-Museum wohl den geschlossensten Bestand der Künstlergruppe vorweisen kann, enthält manch seltenen Druck sowie interessante Zwischenstufen und Bearbeitungszustände einzelner Blätter, sodass sie zu den reichsten und bedeutsamsten ihrer Art gehört. Die vier Räume des Ausstellungsbereiches der Sammlung Gerlinger bilden ein geschlossenes Ensemble, in dem immer wieder andere Teile der Sammlung vorgestellt werden. Daraus begründet sich auch die mit farbigen Stellwänden fest verriegelte Struktur des Ablaufs.

Die Sammlung der Stiftung Moritzburg folgt einem anderen Prinzip. Ihre Inszenierung setzt diese Ordnung nicht fort, das verbietet allein schon die Heterogenität des Bestandes, sondern bricht sie entsprechend auf. Das schräg gesetzte Wandsystem beschreibt gegenüber der Raumgestalt des Westflügels eine Achsenverschiebung. Sie öffnet den Bestand perspektivisch unter die Empore hindurch und weist über den Museumsbau hinaus, wie auch die Moderne über die Zeit ihrer Entstehung hinaus bis in die Gegenwart weiterwirkt. Es entsteht ein Parallelsystem von Wandverläufen mit Passagen, das Zusammenhänge ebenso wie Zäsuren, die sich aus der Sammlungsgeschichte ergeben, sich aber auch in der Kunstgeschichte selbst abzeichnen, darstellbar macht. Nach einem Übergang mit eigenen Hauptwerken der „Brücke“-Maler kommen diejenigen Strömungen zur Geltung, die sich neben und nach dem Expressionismus durchsetzten: Der „Blaue Reiter“, der in der Ausstellung wesentlich bereichert wird durch die feinen Werke der Sammlung Kracht, außerdem der Konstruktivismus, der Verismus, die Neue Sachlichkeit und der Magische Realismus. Auf freigestellten Stelen werden erstrangige Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Emil Nolde, Paul Klee, Marsden Hartley und Christian Schad besonders herausgehoben. Für die Skulptur beanspruchen Wilhelm Lehmbruck, Moissey Kogan, Gerhard Marcks, Gustav Weidanz und Hermann Blumenthal eigene Ausdruckssphären. Aus der Stellwandstruktur ergibt sich ein System von Bezügen und Kontrasten, das auf die Wahrnehmung des Einzelwerkes setzt.

Lyonel Feininger und Halle

Oberhalb dieses Sammlungsteils sind auf einer Empore Werke aus der Halle- Serie Lyonel Feiningers von der Klassischen Moderne abgetrennt und damit besonders herausgestellt. Grund hierfür ist neben der Bedeutung der Bilder vor allem die Geschichte ihrer Entstehung. Die 11 großformatigen Gemälde, begleitet von Zeichnungen, Skizzen und Fotografien, sind seinerzeit im Auftrag des Regierungspräsidiums entstanden und 1931 geschlossen von der Stadt Halle für das Museum angekauft worden. Sie gingen dem Museum aber durch die Aktion „Entartete Kunst“ vollständig verloren. Was wiederbeschafft oder geliehen werden konnte, ist Erfolg und Erinnerung zugleich an einen einmaligen Fall von öffentlichem Repräsentationswillen und Moderne. Neben den Gemälden werden in einer eigens entworfenen Vorlegevitrine einzelne Studien, Zeichnungen, und Fotografien, die im Umfeld des Auftrages entstanden, präsentiert. Ein fassadensprengendes Panoramafenster öffnet hinter der Empore den Blick auf genau jene Motive der Stadt, die Feininger beim Malen im Auge hatte: den Dom, die Marktkirche und den Roten Turm.

Moderne Zwei

Die Kunstentwicklung von 1945 bis in die Gegenwart wird in der Ausstellungsbox des Obergeschosses gezeigt. Sie ist über die Galerie erreichbar. Frei von Stützen und unter dem steilen Trichter eines Oberlichtes ist dieser Raum von betörender Strahlkraft. Der Präsentation ist ein weit gefasster Gegenwartsbegriff zugrunde gelegt, der die Nachkriegsepoche als nachwirkende Vergangenheit mit der unmittelbaren Gegenwart verbindet. Sie umfasst das Schaffen von drei Generationen und ist geprägt von den historischen Einschnitten, die 1949 die Gründung der beiden deutschen Staaten und 1989 die Wende mit sich brachten. Die Konfrontation der Systeme im Kalten Krieg führte auch zu konträren Kunstideologien. So galt die abstrakte Kunst für den Westen als Garant von Freiheit und Demokratie. Nach 1960 erweiterten sich die Begriffe in konzeptionelle, performative und mediale Denkräume. Im Osten Deutschlands wurde eine nationale Gegenposition entwickelt und staatspolitisch als Realismuskonzept verbindlich gesetzt. Dazwischen gab es auf beiden Seiten viele Schattierungen von konservativen und avantgardistischen Lösungen, die den eigentlichen Reichtum der Epoche ausmachen. Diesen Positionen zwischen dem Weitertreiben der Moderne und einer Rückwendung in die Geschichte, die mit Hermann Bachmann und Herbert Kitzel oder Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig namhaft gemacht werden können, sind Werke wie die von Hermann Glöckner oder Einar Schleef an die Seite gestellt, die jenseits der Systemgrenzen Sonderwege beschritten. Ein Außenseiter wie Glöckner wirkte nicht zuletzt durch seine aufrechte künstlerische Gesinnung für die nachfolgende Generation beispielgebend, dafür stehen die abstrakten und konkreten Werke von Horst Bartnig, Günther Hornig oder Hans Schimansky. Gegenwelten der Lebensrealität treffen in den fotorealistischen Werken von Uwe Pfeifer und den Fotografien einer morbiden Umwelt von Helga Paris und Inge Rambow aufeinander. Diesem historischen Teil begegnen zeitgenössische Ausdrucksformen deutscher und internationaler Kunst, deren Bildwelten aus dem freien Spiel eines längst offenen Kunstbegriffs entstanden sind, sodass etwa die medialen und intellektuellen Konzeptionen von Ulrike Grossarth, Astrid Klein und Jorinde Voigt völlig neue Perspektiven zwischen analytischen Prozessen und virtuellen Wirklichkeiten entwickeln.

Der Zusammenhang zwischen „Moderne Eins“ und „Moderne Zwei“ bleibt dabei nicht einfach Behauptung. Wer die zeitgenössische Kunst verlässt und auf der Galerie in Richtung Feininger-Empore weitergeht, kann von oben in die Abteilung der „Moderne Eins“ hinunterschauen und so noch einmal Revue passieren lassen, welche Hoffnungen und Aufbrüche eingelöst wurden oder zerbrachen, und wie die verschiedenen Etappen eines Jahrhunderts der Modernen zusammenhängen. Um eine zusätzliche Dimension wird der Weg erweitert durch die auf der Galerie präsentierten Werke zur Geschichte der Fotografie, die hier einen Bogen spannt von August Sander und Karl Blossfeldt über El Lissitzky und Alexander Rodtschenko, Man Ray, Hans Bellmer und Hans Finsler zu zeitgenössischen Fotografen wie Josef Sudek, Anneliese Hager, Arno Fischer und Evelyn Richter.

Das Talamt und das 19. Jahrhundert

Die Grundlinien des Gesamtablaufs ergeben ungewohnte Perspektivwechsel: Wer das 20. Jahrhundert in seinen zwei Ebenen passiert hat, gelangt im Anschluss an die Klassische Moderne ins Talamt mit seinen Wehrgängen und dem monumentalen Kuppelsaal. Hier wird in den historisierenden Räumen mit der Romantik, dem Biedermeier, der Sezessionskunst und dem deutschen Impressionismus das 19. und frühe 20. Jahrhundert vorgestellt. Man durchschreitet es von seinem Ausklang bis zu seinen Quellen, die im weitesten Sinne auch die Quellen der Moderne sind. So schließen sich an die „Moderne Eins“ herausragende Porträts von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Beckmann an, die ins Umfeld der „Sezessionen“ gehören. Sie leiten über zu Hans von Marées, Carl Blechen, Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, um bei den kostbaren Gemälden und Ölskizzen von Adolf Senff anzulangen, der in Halle reich wie nirgendwo anders vertreten ist. Auf dem Rückweg vom Talamt in den Westflügel kann die Kunstentwicklung der letzten 200 Jahre noch einmal chronologisch und in der Vielgestaltigkeit ihrer geistigen Verflechtungen erlebt werden.

Gerichts- und Festzimmer

Die beiden wertvollen Zimmer des Thalhauses der Halloren wurden nach dem Abriss des ursprünglichen Baus im Jahre 1882 geborgen und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge des ersten Ausbaus der Moritzburg in das Museum integriert. In den historischen Zimmern vom Übergang des 16. zum 17. Jahrhundert, die im rekonstruierten Talamt neben der Kunst des 19. Jahrhunderts zu besichtigen sind, werden wechselnde Präsentationen historischen Kunsthandwerks, von dem die Stiftung Moritzburg eine bedeutende Sammlung besitzt, vorgestellt. Viele Bereiche der angewandten Kunst haben in Halle eine lange Tradition, die durch die Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design intensiv in die Gegenwart fortgeführt wird.

Contemplatio
Religiöse Kunst aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit


Im Gotischen Gewölbe der Burg, das sich unterhalb des Westflügels befindet, ist eine Ausstellung der Schnitzplastik des späten Mittelalters aus der mitteldeutschen Region zu sehen. Viele der dort präsentierten kostbaren Werke konnten kürzlich durch das Patenschaftsprojekt „Himmlische Helfer“, mit dem Spenden für ihre Konservierung und Restaurierung eingeworben wurden, wieder ausstellungsfähig gemacht werden. Zu den Glanzstücken der Ausstellung gehören der restaurierte spätgotische Presseler Altar und der große Schnitzaltar aus der ehemaligen Zisterzienserkirche in Rothenschirmbach im Mansfelder Land. Die geschichtliche Entwicklung der Kirchenausstattung in Halle vom 13. bis zum 16. Jahrhundert wird am Beispiel von Steinfiguren, Tafelbildern, Kleinplastik und Kunsthandwerk dokumentiert. Zu den herausragenden Werken zählen dabei die Steinplastiken der Helena und des Mauritius vom historischen halleschen Rathaus und mehrere Tafelbilder aus der Reformationszeit. Hinzu kommen aus der kunsthandwerklichen Sammlung der Moritzburg wertvolle Einzelstücke, deren Entstehung bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Sie bieten einen einzigartigen Einblick in das materielle und geistige Leben der Stadt Halle und ihres Umlands während des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit.

Stiftung Moritzburg 

Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

Friedemann-Bach-Platz 5
D-06108 Halle (Saale)

Telefon: +49 (0)345-2 12 59-0
Fax: +49 (0)345-2 02 99 90
E-Mail: info@kunstmuseum-moritzburg.de

Öffnungszeiten 
Dienstag 10 bis 19 Uhr
Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr
24.12. und 31.12. geschlossen

Eintritt
Dauerausstellungen: 5 € / ermäßigt 3 €
Sonderausstellung: wechselnde Preise
Kombikarte mit Dauerausstellung wechselnde Preise, entsprechend der Sonderausstellung

Führungen
Öffentliche Führung: 1 € plus Eintritt
Für Besuchergruppen bis 25 Personen:
Dienstag bis Freitag: 35 €
Wochenenden und Feiertage: 45 €
Fremdsprachenführung englisch: 60 €
Jeweils plus ermäßigten Eintritt pro Person

Auskünfte und Anmeldungen
Veranstaltungsservice, Telefon (0345) 212 59 70

Zu erreichen
mit dem Auto über Robert-Franz-Ring bzw. Universitätsring bis zum Moritzburgring, oder in 10 Minuten zu Fuß vom Marktplatz über die Kleine oder Große Ulrichstraße.