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Deutsches SchauSpielHaus

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.

Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

Dem Deutschen SchauSpielHaus steht eine Phase umfangreicher Sanierungsarbeiten bevor: Die beiden Ränge des denkmalgeschützten Zuschauersaals müssen vollständig entkernt und statisch ertüchtigt werden.

Aufgrund der Baumaßnahmen wird der Spielbetrieb in der Kirchenallee ab 1/5/2018 unterbrochen und die Spielzeitpause verlängert. Die kommende Spielzeit 2018-19 eröffnet Ende Oktober 2018. Bereits am 13/10/2018 startet das Junge SchauSpielHaus sein Programm. Während der Sanierungsarbeiten stehen auch der MalerSaal, das RangFoyer sowie die Große ProbeBühne nicht für Vorstellungen zur Verfügung.

Während der Rangsanierung sind wir mit vielen Gastspielen unterwegs und spielen in Hamburg u.a. auf Kampnagel, im Monsun-Theater oder der Immanuelkirche auf der Veddel.

Kontakt

Deutsches SchauSpielHaus
Neue SchauSpielHaus GmbH
Kirchenallee 39
D-20099 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.2 48 71-3
E-Mail: kartenservice@schauspielhaus.de

Theater

Lazarus

Von David Bowie und Enda Walsh

Premiere: 16. November 2018

Nach dem Roman »The Man Who Fell To Earth« von Walter Tevis
Deutsch von Peter Torberg / Repertoire

„Look up here, I’m in heaven, I’ve got scars that can’t be seen …“

Thomas Jerome Newton, der Alien, der zur Erde „fällt“, um Wasser für seinen Wüstenplaneten zu finden, hat seine Mission verloren und endet desillusioniert, einsam und zerbrochen. Er möchte sterben, zurückkehren zu den Sternen, doch er ist in sich gefangen, verfolgt von Figuren, die ihn umkreisen, wobei sich – wie im Fiebertraum – die Grenzen zwischen Halluzination und Realität verwischen. Quälende Dämonen suchen ihn auf, aber auch ein Mädchen, das Erlösung verspricht …

1976 spielte David Bowie selbst den Außerirdischen, in der Verfilmung des Science-Fiction-Klassikers von Nicolas Roeg. Vierzig Jahre später schreibt Bowie die Geschichte Newtons weiter – gemeinsam mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh. Bowie fügt viele seiner großen Songs ein, darunter »Absolute Beginners«, »Heroes« und »This is not America«, aber auch neue Songs, eigens komponiert für das fulminante Musical. »Lazarus« ist, neben dem Album »Blackstar *« Bowies letztes Werk vor seinem Tod 2016.

Regie: Falk Richter
Bühne: Katrin Hoffmann
Kostüme: Andy Besuch
Musikalische Leitung: Alain Croubalian
Licht: Hartmut Litzinger
Video: Chris Kondek
Videomitarbeit: Ruth Stofer
Dramaturgie: Rita Thiele
Korrepetition: Martin Hornung
Vocal Coach: Jane Comerford
Kinderprogramm

Tiere im Hotel [5+]

von Gertrud Pigor

Uraufführung: 24. November 2018

Der Bär, unumstrittener Chef im Wald, möchte seinen Winterschlaf in diesem Jahr endlich einmal ungestört an einem komfortablen Ort verbringen und bucht eine Suite im Hotel der Tiere, einem Grand Hotel mit dem Charme vergangener Zeiten, in dem der Gast noch König ist. An der Rezeption trägt heute das Kaninchen, Page und Liftboy im Grand Hotel, die alleinige Verantwortung für den reibungslosen Ablauf. Der Hoteldirektor ist verreist und verlässt sich voll und ganz auf seinen Pagen. Als Jahrgangsbester der Hotelfachoberschule sieht sich das Kaninchen auf anspruchsvolle Gäste sehr gut vorbereitet und möchte bei seinem ersten Einsatz in Vertretung des Hoteldirektors alles richtig machen.
Das Kaninchen wartet gespannt auf den angekündigten Gast; eine größere Anlieferung schwerer Koffer lässt auf einen langen Aufenthalt schließen

Kaninchen: „Herzlich willkommen. Wir hoffen, Sie hatten eine gute Anreise und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“

Bär: „Ruhe. Schlüssel.“

Bereits beim Check-in zeigt sich, dass der Bär mit seinen ausgefallenen Sonderwünschen ein mehr als anstrengender Hotelgast sein wird. Übellaunig befiehlt er absolute Ruhe. Keinen Mucks möchte er hören, und das gelte für die gesamte Dauer seines Winterschlafs, der im Übrigen viele lange Monate dauern werde. Sein Frühstück hat der anspruchsvolle Gast gleich mitgebracht: Ein kleines Küken, das über die Wintermonate ordentlich gefüttert und zu einem großen, dicken Huhn herangewachsen soll; wie immer rechne der Bär nach seinem Winterschlaf mit entsprechendem Bärenhunger. ‚Der Gast ist König‘, so hat es das Kaninchen gelernt. Mit einem mulmigen Gefühl nimmt es das Küken in seine Obhut; wenn ihn das kleine Huhn nur nicht so treuherzig anschauen würde!

Überraschend taucht eine Horde Waschbären im Hotel auf. Sie geben sich als Putzkolonne aus und durchstöbern das ganze Hotel. Warum wusste das Kaninchen nichts davon? Was haben die Waschbären vor? Die Hotelruhe ist dahin, der Bär wacht auf, gefährliches Knurren ist aus der Bären-Suite zu hören - und plötzlich ist auch noch das Küken verschwunden.

Ein Stück über das große Abenteuer, eigene Entscheidungen zu treffen und Bären zu zähmen.

Regie: Gertrud Pigor
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Hannah Petersen
Komposition: Jan Fritsch
Choreographische Mitarbeit: Tom Bünger
Licht: Jonathan Nacke
Ton: Nicanor Müller van der Haegen , Benjamin Owuso
Dramaturgie: Mathias Wendelin
Familienprogramm

Robin Hood [8+]

Ein Familienstück von Markus Bothe und Nora Khuon

Uraufführung: 06. Dezember 2018

England hungert. Seit Richard Löwenherz seinem Bruder John die Macht übertrug, um die Kreuzzüge anzuführen, beherrscht Johns Gier das Land. Jeden Penny presst der neue König aus seinem Volk heraus, hortet Reichtümer, so dass die Schatzkammern genauso überquellen wie die Gefängnisse: denn wer nicht zahlen kann, wird in den Kerker geworfen. Doch glücklicherweise gibt es da jemanden, der das nicht hinnehmen will: Robin Hood. Robin ist mutig, klug, tollkühn, schnell, der beste Bogenschütze weit und breit und – nur darf das keiner wissen – ein Mädchen. Vor den Männern Prinz Johns flieht sie in den Sherwood Forest, der voller Räuber und Vogelfreier ist. Als Mann verkleidet bleibt Robin unerkannt und schart eine Horde Gleichgesinnter um sich. Gemeinsam mit ihrer Bande nimmt sie den Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf, luchst Prinz John listig seine Schätze ab, um sie dem Volk zurückzugeben, und wird zum meistgesuchten Mann Englands. Doch ihr Geheimnis lässt sich nicht lange wahren und das eigentliche Abenteuer beginnt. Nach »König Artus« und »Tausendundeine Nacht« wird Markus Bothe erneut das Familienstück inszenieren.

Regie: Markus Bothe
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Justina Klimczyk
Licht: Rebekka Dahnke
Musik: Biber Gullatz
Ton: André Bouchekir, Lukas Koopmann
Video: Marcel Didolff, Antje Haubenreisser
Dramaturgie: Nora Khuon
Theater

Rainer Gratzke oder Das rote Auto

von Jens Rachut

Uraufführung: 15. Dezember 218

Rainer Gratzke hat sich als Proband für Kosmetika, Pillen, Pasten, Salben und andere Mittelchen über Wasser gehalten. Mit Folgen. Er ist todkrank, unheilbar vollgestopft mit Metastasen und mit Medizin, die es nicht geschafft hat, sie zu vernichten; vollgestopft mit dem Gegenteil einer Aussicht, außer der auf einen Verladebahnhof. Tausende Neuwagen auf Güterwaggons, mehr bekommt er durch die Fenster seines Zimmers von der Welt nicht mehr zu sehen. Er hat sich in ein Sterbehospiz begeben, eine dubiose Einrichtung in einem Bunker, betreut von seltsamem Personal. Gerade hat er seinen letzten, tödlichen Cocktail geschluckt. Eine knappe Stunde bleibt ihm noch, sagt die Schwester, so wie dem ganzen Hospiz nur mehr eine Stunde bleibt. „Dann kommen die Schrapper und reißen das hier weg.Der letzte Erlöste. Gratuliere, Herr Gratzke! Also, der Letzte macht das Licht aus und auch die ganzen Dimmer.“
Jens Rachut, Sänger verschiedener Punkbands wie »Dackelblut«, »Oma Hans«, »Alte Sau« und aktuell »Maulgruppe«, Texter, Autor, Darsteller und Regisseur hat einen obskuren Trip durch die letzte Stunde eines Sterbehilfe-Patienten komponiert und wird ihn im MalerSaal selbst inszenieren.

Regie: Jens Rachut
Bühne: Raoul Doré
Kostüme: Lena Schön, Helen Stein
Video: Maika Dresenkamp
Musik: Jonas Landerschier
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Theater

Die Präsidentinnen

von Werner Schwab

In ihrer kleinstbürgerlichen Wohnküche kübeln Erna, Grete und Mariedl hemmungs- und schamlos ihren Welt-Frust über einander aus. Zwischen Abort-Phantasien, Papst-Sendungen und Dackelliebe erspinnen sie sich ihre Wirklichkeit, und die lustvollen, mit Ressentiments und Bigotterie gespickten Sprachattacken sind ihnen Horizont und billig buntes Jahrmarktfest zugleich. Den eigenen Dreck allerdings kehren sie lieber unter ihren Budenteppich – bis endlich Mariedl, die jüngste der drei Damen, ihre Kolleginnen mit der Wahrheit des Daseins konfrontiert. Doch so viel Realität hält keine aus ...
Abgründig, bitterböse und gnadenlos komisch seziert Werner Schwab in seinem längst zum modernen Klassiker avancierten Fäkaliendrama die Welt der kleinen Leute: „Das sind Leute, die glauben, alles zu wissen, über alle zu bestimmen. Eine Form von Größenwahn. Ich stamme aus einer Präsidentinnen-Familie.“ Der ungarische Regisseur Victor Bodo, der im Malersaal bereits »Ich, das Ungeziefer« und »Pension zur Wandernden Nase« als rasante Grotesken inszenierte, nimmt sich diesmal das irrwitzige Sprachkunstwerk Werner Schwabs vor.

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Ildi Tihanyi
Kostüme: Fruzsina Nagy
Musik: Klaus von Heydenaber
Video: Marek Luckow
Sounddesign: Gábor Keresztes
Licht: Andreas Juchheim
Dramaturgie: Sybille Meier, Anna Veress
Jugendprogramm

Antigone [14+]

nach Sophokles

in der Übersetzung von Peter Krumme

„Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich geboren.“

Antigones Welt ist aus den Fugen. Ihre Brüder Eteokles und Polyneikes sind im Kampf gegeneinander gefallen. Da erteilt Kreon, ihr Onkel und König von Theben, den Befehl, Eteokles zwar ordnungsgemäß bestatten zu lassen, Polyneikes die letzte Ruhe jedoch zu verwehren und seinen Leichnam unbegraben vor den Toren der Stadt auszusetzen.

Natürlich war Polyneikes ein Staatsfeind, denn er kämpfte gegen die Stadt. Aber wie soll Antigone es ertragen, den geliebten Bruder unbestattet, im Unfrieden mit den Göttern, den Tieren zum Fraß vorgeworfen verrotten zu sehen? Entschlossen setzt sie sich über den Befehl des Onkels hinweg und begräbt den „Feind“ – obwohl darauf die Todesstrafe steht. Sie überwindet ihre Angst, folgt ihrem Herzen und tut, was in ihren Augen getan werden muss. Doch die Staatsmacht greift ein und schnell verhärten sich die Fronten: Antigone appelliert an Kreons Mitgefühl und die Einhaltung der göttlichen Gebote. Kreon fordert Staatsraison und die Einhaltung der weltlichen Gesetze. Ein unlösbarer Konflikt. Keiner kann nachgeben. Und das Unvermeidliche tritt ein …
Mit dem 442 v. Chr. uraufgeführten Text schuf Sophokles einen zeitlos aktuellen Bühnenstoff, der ins Herz des Menschseins trifft. Familie und Staat, Individuum und Gemeinschaft, Gesetz und Moral sind lebendige Verhältnisse, die immer wieder neu bestimmt, ausgehandelt und erstritten werden müssen, auch wenn es uns Menschen viel abverlangt. Antigone fügt sich dem System nicht blind, sie leistet Widerstand und steht bis zur äußersten Konsequenz für ihr Handeln ein. Sie zeigt uns, dass es unser gutes Recht ist, für unsere Überzeugungen zu kämpfen – aber auch unsere Pflicht!

Regisseurin Anne Bader, die mit „Wir ohne uns“, „Krieg – Stell dir vor er wäre hier“ und „Apathisch für Anfänger“ bereits einige Arbeiten für das Junge Schauspielhaus realisierte, wird „Antigone“ inszenieren.

Regie: Anne Bader
Bühne: Katrin Plötzky
Musik: Matthias Schubert
Dramaturgie: Friederike Engel
Theater

Der zerbrochne Krug

von Heinrich von Kleist

Richter Adam vertritt die Staatsmacht und die Justiz im kleinen Huisum – Kleists fiktivem ,Weltdorf‘, in dem sich wie in einer grotesken Miniatur der Konflikt zwischen modernem Ordnungssystem und realer Lebenswirklichkeit spiegelt. Nicht nur der genusssüchtige und erpresserische Dorfrichter lügt und betrügt um des eigenen Vorteils willen was das Zeug hält, auch Marthe Rull und ihre Tochter Eve, ihr Bräutigam Ruprecht und der Schreiber Licht verstricken sich in einem Netz der Täuschungen. Der Gerichtsprozess um den zerbrochenen Krug wird zur Farce, da der Ermittler auch der Täter ist – ein Motiv, das sich von Sophokles‘ »König Ödipus« bis zu gegenwärtigen Krimis durch die Literatur- und Mediengeschichte zieht. Kleist siedelt sein Spiel vom Sündenfall des ,neuen Adam‘ im bürgerlichen politischen System an – als aberwitzige Komödie.

Regie: Michael Thalheimer
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Michaela Barth
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Jörg Bochow
Licht: Annette ter Meulen, Holger Stellwag
Theater

The Who and the What

FAQ-Room
von Ayad Akhtar

Zarina, eine junge Frau aus einer pakistanischen Einwandererfamilie in Atlanta, schreibt ein Buch über den Propheten. Sie stellt die Frage, wer war er als Mensch, welche Leidenschaften trieben ihn um, und was für ein Bild hat sich der Islam von ihm gemacht. Das Thema ist konfliktgeladen, auch für die fiktive Autorin in Ayad Akhtars neuem Stück. Ihr Vater, ein strenggläubiger Muslim, hat es in Amerika zu etwas gebracht, ihm gehören ein Drittel der Taxis der Stadt. Seine Frau ist gestorben, so gilt seine ganze Fürsorge seinen Töchtern. Er versucht sie zu verheiraten, für Zarina gibt er sogar eine Kontaktanzeige mit ihrem Profil auf, und er prüft persönlich die möglichen Heiratskandidaten. Alles geht gut, bis ihm Zarinas Manuskript in die Hände kommt. Er verstößt sie wegen der vorgeblichen Blasphemie ihres Buches, die Familie zerbricht.

Nach dem Erfolg von Ayad Akhtars »Geächtet«, zeigen wir sein neues Stück als deutschsprachige Erstaufführung.
Die Uraufführung von »The Who and the What« wurde 2014 im La Jolla Playhouse, La Jolla, California produziert. Christopher Ashley, Artistic Director & Michael S. Rosenberg, Managing Director. Eine Produktion des LCT3/Lincoln Center Theater, New York City, 2014

Regie: Karin Beier
Bühne: Franz Dittrich
Kostüme: Maria Roers
Musik: Arvild J. Baud
Licht: Rebekka Danke
Dramaturgie: Jörg Bochow
Ton: Hans-Peter ›Shorty‹ Gerriets / André Bouchekir
Theater

Der goldene Handschuh

von Studio Braun nach dem Roman von Heinz Strunk

In der Vierundzwanzigstundenkaschemme »Zum Goldenen Handschuh« auf St. Pauli tummelt sich die unterste Unterschicht, die infernale Nachtwelt Hamburgs. Unter ihnen Fritz Honka, der hier auf die geschundenen Seelen trifft, die später seine Opfer werden.

„Er stellt sich eine andere Welt vor, in der er selbst jung und gesund und sein Atem angenehm ist und er einer nach Rosen duftenden Frau mit reiner Haut, schönem Gebiss, einem makellosen Körper den Himmel auf Erden bereitet. Ein katastrophales Glücksverlangen überfällt ihn. Er hofft auf ein Wunder, aber das tut er ja die ganze Zeit schon.“

Ein paar Kilometer weiter westlich, in der reichen Elbchaussee, sinnt der bald achtzigjährige Reeder Wilhelm Heinrich von Dohren, genannt WH1, auf Rache an der Hamburger Gesellschaft. Sein Sohn, WH2, blickt derweil dem Konkurs ins Auge und ertränkt den Kummer in Schnaps und billigem Sex. Der Jüngste, WH3, gepeinigt von einer fiesen Kombination aus ausufernder Libido und körperlicher Deformation, kann hingegen sein Glück kaum fassen: Er hat ein Mädchen kennengelernt, das ihn nicht ignoriert ...

Heinz Strunk hat einen preisgekrönten Roman über den Altonaer Frauenmörder Fritz Honka und die abseitigen Facetten des Hamburgs der Nachkriegsjahre geschrieben.

Studio Braun – alias Jacques Palminger, Rocko Schamoni und Heinz Strunk – hieven die monströse Geschichte in einer Revue aus Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen auf die Bühne.

Regie: Studio Braun
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Dorle Bahlburg
Musik: Studio Braun, Lieven Brunckhorst, Sebastian Hoffmann
Choreografie: Rica Blunck
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Theater

Foxi, Jussuf, Edeltraud

von und mit Markus John

Foxi (59, Taxifahrer):
"Man soll nie so sich unterschätzen selber ‒ man is nix ‒ das is ein Fehler!"

Jussuf (48, Museumswärter):
"Meine Mutter ist für mich praktisch alles."

Edeltraud (74, Vorstandswitwe):
"Ich will auch gar keine Rolle spielen, oder so. Es ist einfach: ich bin ich und das genügt."

An diesem Abend kommt kein Autor zu Wort. Das gesamte Textmaterial basiert auf Interviews, die Markus John persönlich mit Menschen geführt hat, die er zufällig ausgewählt und vorher nicht gekannt hat. Dabei kommen authentische Lebensgeschichten heraus; Menschen äußern sich in einer Sprache, die sonst auf dem Theater wenig Gehör findet. Es zeigt sich, wie komplex das Leben der Einzelnen ist: Es geht um positive Gene, Picasso und Zuhälterei, DDR, Demenz und Schwulsein, um Integration und Knast und Krebs und Krupp, Boxerbuden, uneheliche Kinder, Schlägereien, um Stalingrad, Provinz und Offenheit.
Es zeigt sich, wie wichtig das Zuhören ist und welche Kraft die Texte dabei entwickeln. Der Abend verzichtet bewusst auf große Theatermittel und besticht durch seine Reduktion auf das Wesentliche, getreu einem Zitat von Jim Jarmusch: „Ich würde lieber einen Film über jemand machen, der seinen Hund ausführt, als über den Kaiser von China.“

von und mit: Markus John
Dramaturgie: Götz Leineweber
Theater

König Lear

von William Shakespeare

Ein König dankt ab. Sein Reich will er unter den drei Töchtern aufteilen. Doch nicht die jeweilige Eignung der potenziellen Thronfolgerinnen für das Regierungsgeschäft soll dafür ausschlaggebend sein, sondern die Liebe der Töchter zu ihrem Vater. Der Staatsakt gerät zur Inszenierung persönlicher Gefühle, zum Wettstreit in der Kunst der Liebesdarstellung. Nur Cordelia, die jüngste, von Lear am meisten geliebte Tochter verweigert sich dem öffentlichen Gefühlstheater und schweigt. Indem sie der Sehnsucht ihres Vaters nach persönlicher Zuneigung am authentischsten entspricht, zieht sie seine ganze Wut auf sich. Lear verstößt sie. Er teilt das Reich zwischen ihren beiden Schwestern und setzt so eine Katastrophe in Gang, an deren Ende Gewalt, Chaos und Wahnsinn stehen.
Shakespeares wohl düsterstes Drama erzählt von der Selbstzerstörung einer Welt, die ihren Bewohnern – allen voran dem gealterten König selbst – unlesbar geworden ist. Zeichen der Macht und Zeichen der Liebe überlagern sich, verschwimmen und entziehen sich jeder Deutung. Grenzen verflüssigen sich, Regeln wirken hohl und Rituale lächerlich. Form und Inhalt der eigenen Existenz – soziale Rolle und persönliches Empfinden, Selbstentwurf und Selbstverwirklichung – klaffen so unüberbrückbar auseinander, dass der Sturz in einen apokalyptischen Naturzustand als fataler Ausweg erscheint.

Regie: Karin Beier
Bühne und Kostüme: Johannes Schütz
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Annette ter Meulen
Dramaturgie: Christian Tschirner
Theater

Am Königsweg

von Elfriede Jelinek

„Achtung, hier kommt der neue König…!“ Der Sieger, der Vorkämpfer, der Anführer, der Gewinner, der Vater, der Erlöser, der Gott: Viele Namen trägt der gerade erwählte König, doch wie er wirklich heißt, wird nie direkt ausgesprochen: Donald J. Trump ist Anlass, aber nicht Essenz des neuen Stückes von Elfriede Jelinek. Sie stellt sich grundsätzlichere Fragen wie: Wieso treten Rechtspopulismus und Superkapitalismus stets gemeinsam auf? Bedeutet der Sieg dieses Königs nicht die gespenstische Rückkehr des „Alten“, „historisch Überlieferten, auch wenn damals Millionen daran krepiert sind“? Und wieso steht der Verblendung der neuen Rechten keine Hellsicht der Gegner gegenüber? Wieso sind in diesem Schauspiel alle blind?

Gleich zu Beginn des Stückes: Auftritt der Autorin als blinde Seherin; sie blutet aus den Augen, später auch aus dem Mund. Der König tritt als blinder Ödipus auf. Er bringt die Pest und wird bald ausgestoßen werden, aber noch sitzt er in seinem goldenen Turm auf goldenen Stühlchen, trinkt mit seiner goldigen Familie aus goldenen Bechern. Seine Anhänger und Gegner schlagen derweil aufeinander ein wie Kasperle auf das Krokodil. Wo sind wir hier? In einer Monster Horror Picture Show? Im Unterschichtsfernsehen? Einem schlechten Imperator-Film? In einem Helden-Cartoon? Trumps Selbstinszenierung liefert die perfekte Steilvorlage für Jelineks geniale Parodie. Und doch bleibt Verzweiflung, Ohnmacht und Erschrecken spürbar: über den Hass und die Wut der neuen weißen Rotten, über Nationalismus und Rassismus, die wie monströse Zombies aus alten Gräbern wiederauferstehen.

Regie: Falk Richter
Bühne: Katrin Hoffmann
Kostüme: Andy Besuch
Video: Meika Dresenkamp, Michel Auder
Komposition und Musik: Matthias Grübel
Dramaturgie: Rita Thiele
Theater

Schlafende Männer

von Martin Crimp

Eine großstädtische Wohnung mit gefährlichem Balkon und tollem Ausblick. Julia und Paul, zwei sehr erfolgreiche Mittvierziger, haben sich darin eingerichtet. Auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren und dem Tiefpunkt der Beziehung verbringen sie eine schlaflose Nacht. Auch ein Kind wäre nicht die Rettung gewesen, so der scharfsinnig analytische Kommentar der Akademikerin Julia. Es ist zwei Uhr morgens. Niemand ist zu erwarten, nichts deutet auf eine Veränderung hin. Da klingelt es an der Tür, und die jüngst eingestellte Mitarbeiterin in Julias Institut, Josephine, steht mit ihrem Mann Tilman in der Wohnung – auf Einladung der Hausherrin, ihrer Vorgesetzten, wie sie behauptet. Doch lässt sich der Zettel mit der Nachricht ebenso wenig finden, wie es etwas zu trinken im Haus gibt.
Eine Nacht der unheimlichen Begegnungen hebt an, in der sie einander vieles gestehen und doch keine Wahrheiten zulassen, sich gegenseitig bloßstellen und dennoch begierig anmachen. Es fließen Blut und Alkohol und doch scheint alles nur ein Spiel unter Geschlechtern und Generationen, um Macht und Manipulation – oder doch um Leben und Tod?

Martin Crimp hat sein neues Stück für eine weitere Uraufführung in der Regie von Katie Mitchell geschrieben. Damit setzen sie ihre äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit am SchauSpielHaus Hamburg fort. Die Uraufführung von Martin Crimps »Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino« in der Inszenierung von Katie Mitchell 2013-14 wurde in der Kritikerumfrage von »Theater heute« zum besten fremdsprachigen Stück der Saison gewählt.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Sounddesign: Donato Wharton
Licht: Fabiana Piccioli
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Rose Bernd

von Gerhart Hauptmann

Rose Bernd glaubt, den einzigen Fehltritt, den sie sich je in ihrem jungen Leben geleistet hat, ganz alleine wieder gutmachen zu können. So willigt sie ein in die Heirat mit dem unattraktiven, aber begüterten August Keil, dem Wunschkandidaten ihres religiös rigorosen Vaters. Und sie beendet ihr heimliches Liebesverhältnis mit dem verheirateten Flamm. Niemand ahnt von ihrer Schwangerschaft. Doch zufällig ertappt der Schwerenöter Streckmann die beiden bei ihrem letzten Stelldichein. Noch ist sie überzeugt, sich selbst aus ihrer Not befreien zu können: Sie lässt sich auf die körperliche Erpressung des gewalttätigen Streckmann ein, bloß, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Doch zuletzt zerbricht sie an der gnadenlosen Härte dieser männerdominierten und moralisch fadenscheinigen Welt, unter deren Oberfläche jeder wie ein Tier nur nach dem eigenen Vorteil giert. Rose Bernd weiß sich – dem Wahnsinn nahe – keinen anderen Ausweg, als ihr neugeborenes Kind zu töten.

Gerhart Hauptmanns Meisterwerk von 1903 gleicht einem Krimi Noir. Die dialektgefärbte Kunstsprache erzeugt eine dichte düstere Atmosphäre, die mit tragischer Wucht erst nach und nach die verhängnisvollen Ereignisse enthüllt, die Rose Bernd durchleiden muss. Inmitten einer Gesellschaft, die in ihrer gefühlskalten Habgier und selbstgerechten Engstirnigkeit ein erdrückendes Klima aus Gewaltbereitschaft und Unmenschlichkeit erzeugt, rührt ihr einsamer Kampf zutiefst.

Regie: Karin Henkel
Chorleitung: Christine Groß
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Arvild J. Baud
Licht: Hartmut Litzinger
Ton: Christoph Naumann, Roman Schneider
Video: Marcel Didolff, Alexander Grasseck
Dramaturgue: Sybille Meier
Theater

4.48 Psychose

von Sarah Kane

Regelmäßig um 4:48 Uhr lässt die Wirkung der Psychopharmaka nach. Das Gehirn ist für kurze Zeit in der Lage, klare Gedanken zu artikulieren. Danach, für den Rest des Tages bis zum nächsten Morgen, übernehmen psychotische Störungen und neue Medikamente wieder die Kontrolle über das Bewusstsein. Gesprächsfetzen tauchen auf, Zahlenreihen, Wortkaskaden, Diagnosen, therapeutische Gespräche und immer wieder Bilder von Suizidversuchen. Sarah Kane, eine der bedeutendsten Dramatikerinnen des 20. Jahrhunderts, gibt in »4.48 Psychose« Einblick in ein sich immer wieder dissoziierendes Bewusstsein zwischen Depression, verzweifelter Suche nach Liebe und exzessiver Begierde. Der literarisch hochverdichtete Text mit seiner Flut von Bildern und Assoziationen erzählt von Kampf und Auflösung eines Menschen mit psychischer Erkrankung. Gleichzeitig kann er als kompromisslose Beschreibung der Fragmentierung von Subjekt und Perspektive in der Moderne gelesen werden.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Sound: Donato Wharton
Licht: Jack Knowles
Dramaturgie: Christian Tschirner
Jugendprogramm

Malala - Mädchen mit Buch [12+]

von Nick Wood

Malala Yousafzai ist die wohl jüngste Menschenrechtsaktivistin der Geschichte. Sie kämpft seit 2008 gegen das Bildungsverbot für Mädchen in ihrer Heimat Pakistan. Schon im Alter von 11 Jahren begann sie für die BBC ein Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter der pakistanischen Taliban zu schreiben. Ihre Geschichte sorgte international für Erschütterung, als sie im Oktober 2012 im Alter von 15 Jahren auf ihrem Weg zur Schule von Taliban-Kämpfern brutal niedergeschossen wurde. Die Kugel traf Malala aus nächster Nähe in den Kopf; doch wie durch ein Wunder kam sie mit dem Leben davon.

Die Taliban wollten sie zum Schweigen bringen, doch sie erreichten genau das Gegenteil. Das weltberühmte Mädchen setzt sich weiter unbeirrt für das Recht auf Bildung ein und wurde dafür für den Friedensnobelpreis nominiert. An ihrem 16. Geburtstag hielt sie ihre erste öffentliche Rede vor den Vereinten Nationen, die von ihrem Mut zeugt:

„Die Terroristen dachten, sie könnten unsere Ziele ändern und unsere Ambitionen stoppen, aber in meinem Leben hat sich nichts verändert, außer: Schwäche, Angst und Hoffnungslosigkeit sind gestorben. Stärke, Kraft und Mut sind geboren. Ich bin die gleiche Malala. Meine Ambitionen sind die gleichen. Meine Hoffnungen sind die gleichen. Meine Träume sind die gleichen.“

Der preisgekrönte britische Autor Nick Wood hat mit »Malala - Mädchen mit Buch« einen Monolog für ein junges Publikum geschrieben, der sich fragend der Geschichte dieses außergewöhnlichen Mädchens annähert. In seinem Stück tastet sich eine Autorin aus unserer westlichen Perspektive an Malalas Geschichte heran: Sie trägt Blog-Einträge und Zeitungsartikel zusammen, konfrontiert sich selbst mit ihren Vorurteilen gegenüber dem Islam und vergegenwärtigt für kurze Momente alltägliche und dramatische Situationen aus Malalas Leben. Dieses Stück zeigt, dass das mutige Handeln eines einzelnen Menschen entscheidend sein kann für die Art und Weise, wie wir die Welt sehen.

Regie: Clara Weyde
Ausstattung: Julia Joline Bach
Jugendprogramm

Supergute Tage

von Mark Haddon in einer Fassung von Simon Stephens
12+

Christopher Boone ist fünfzehn Jahre und drei Monate und zwei Tage alt. Er kennt alle Länder der Welt und ihre Hauptstädte. Und alle Primzahlen bis 7507. Er lebt mit seinem alleinerziehenden Vater in der Kleinstadt Swindon in England. Er kann nicht lügen und hasst die Farbe gelb. Supergute Tage sind für ihn die, an denen er besonders viele rote Autos sieht. Er liebt Sherlock Holmes-Geschichten, ist ein Mathe-Ass und kennt alle Theorien zur Entstehung und zum Zerfall des Weltalls. Er weiß aber nicht, was eine U-Bahn ist und hat nie den engeren Umkreis seiner Nachbarschaft verlassen. Liebevoll kümmert er sich um seine Ratte Toby, hat aber Angst vor menschlichen Berührungen. Christopher Boone ist Asperger-Autist.

Als Christopher eines Tages den Nachbarshund Wellington mit einer Mistgabel erstochen im Garten findet, will er auf eigene Faust den Täter finden und fängt an, ein Buch darüber zu schreiben. Doch bei der Suche nach dem „Mörder“ stößt er auf Geheimnisse seiner eigenen Familiengeschichte. Bis er sogar im Schlafzimmer seines Vaters an ihn adressierte Briefe seiner totgeglaubten Mutter findet und sich auf eine spannende Reise nach London begibt…

»Supergute Tage« erzählt poetisch und humorvoll von komplizierten modernen Familienverhältnissen und von einem besonderen Jungen, der über sich hinauswächst und schließlich positiv in die Zukunft blickt.

Mark Haddon hat mit »Supergute Tage« einen internationalen Bestseller gelandet. Auch in Deutschland gilt der Roman als Kultbuch. Die kongeniale Bühnenadaption des Dramatikers Simon Stephens wurde in London mit großem Erfolg uraufgeführt. Stephens gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dramatiker Europas und wurde mehrfach von der Fachzeitschrift »Theater heute« zum besten ausländischen Dramatiker des Jahres gewählt.

Regie: Klaus Schumacher
Ausstattung: Katrin Plötzky
Musik: Tobias Vethake
Theater

Anna Karenina - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk nach Lew Tolstoi

Mindestens 100 Minuten, aber nicht länger als 119 Minuten. Bestimmt keine Pause.

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Ob das so stimmt, oder ob nicht vielleicht sogar das Gegenteil der Fall ist, lässt uns der russische Schriftsteller Lew Tolstoi in seinem Jahrtausend-Werk »Anna Karenina« ergründen. Die Protagonistin des Romans ist eine der drei namhaften Ehebrecherinnen des 19. Jahrhunderts, die im Verstoß gegen gesellschaftliche Gepflogenheiten an ihrer leidenschaftlichen Liebe zu einem anderen als ihrem Ehemann zugrunde gehen muss.

Clemens Sienknecht und Barbara Bürk setzen ihre Serie des menschlichen Scheiterns im MalerSaal des SchauSpielHauses fort. Die neue Folge ihrer hochgeschätzten Radioshow »Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur« widmen sie dieses Mal der Titelheldin aus Russland, die es ziemlich genau 20 Jahre vor Effi Briest und ungefähr 20 Jahre nach Emma Bovary mit eben dergleichen Geschichte zu eben demselben Weltruhm gebracht hatte.

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Der Gott des Gemetzels

von Yasmina Reza

„Wissen Sie was, so langsam werden Sie mir sympathisch!“
„Sie mir nicht!“


Ferdinand verprügelt Bruno. Auf dem Schulhof. Einer hat gepetzt, einer verliert zwei Schneidezähne, und es lässt sich nicht recht nachvollziehen, welche präpubertären Verwicklungen noch in diese Aggression hineinspielten. Wieso auch? Aber die Eltern der beiden wollen es genau wissen. Sie treffen sich, um die Sache zu besprechen; um die Sache auszuräumen – wie sie meinen. Dabei beweisen sie einmal mehr, dass die angeblich sympathisch-intakten Paare zuvor ihre eigenen Probleme klären sollten. Statt der harmonisierenden, pädagogisch korrekten Aussprache ufert das Treffen aus in Schuldzuweisungen, Eheproblemen und allerlei dem Thema Gewalt innewohnenden Irrationalitäten, besonders zwischen Männern und Frauen: Gibt es gute Gewalt und schlechten Frieden? Sind Ivanhoe und Spiderman noch vorbildtauglich? Und könnten „irgendwie“ beide Seiten im Unrecht sein? Zunehmend wechseln die Bündnispartner, schließlich auch zwischen den Paaren, denn was ist schlimmer: dass die hypernervöse Annette quer über Veroniques Kunstbande kotzt, oder dass Veronique das Wohlergehen ihrer Bucher deutlich mehr am Herzen liegt als das ihrer Gäste? Dass Michel den Hamster seiner Tochter ausgesetzt hat, oder dass Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsgefährdenden Medikament juristisch vertritt, und zwar in Echtzeit, am Handy: Sticheleien, Wortgefechte, Verbalhandel, Handgreiflichkeiten, Saalschlacht.

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Maria Roers
Dramaturgie: Götz Leineweber
Jugendprogramm

Demian [14+]

von Hermann Hesse

„Meine Geschichte ist die eines Menschen – nicht eines erfundenen, eines möglichen, eines idealen oder sonstwie nicht vorhandenen, sondern eines wirklichen, einmaligen, lebenden Menschen.“ Dieser einmalige Mensch heißt Emil Sinclair und beginnt seine Erinnerung mit dem Moment, in dem ihm aufgeht, dass die Welt aus zwei Welten besteht: einer heilen, milden und hellen und einer dunklen, die das Verbotene und Gewaltsame beheimatet. Emil, dessen Zuhause die dunkle Seite nicht zu kennen scheint, ist fasziniert von dieser Entdeckung. In Person des Straßenjungen Kromer verfällt er ihr und wird, naiv und unerfahren, auch gleich zu deren Opfer, wäre da nicht Max Demian, der ihn aus Kromers Griff befreit. Demian ist anders als alle, denen Sinclair bisher begegnete. Die beiden verbindet ein geheimes Band, ein Mal, das nur für diejenigen zu erkennen ist, die es tragen. Demian kennt die dunkle und helle Welt und öffnet Sinclairs Blick dafür, dass keine davon zu bevorzugen sei. Er spricht vom freien Willen, davon, dass jeder entscheiden könne, was erlaubt und was verboten sei, davon, dass sich die Zeiten ändern und damit die Regeln. Folgerichtig sei das Absolute nur in sich selbst zu finden. Demian ist Emil einen Schritt voraus. Er scheint dessen Dilemma zu kennen, seine erwachende Sexualität, seinen Hang zur Mystik, seine Unzufriedenheit mit der Konformität des bürgerlichen Daseins, doch scheint er es auch schon gleichsam überwunden zu haben. Vor dem Hintergrund des untergehenden Europas trennen und vereinen sich ihre Wege.

Hermann Hesse veröffentlicht „Demian“ kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges. Europa ist untergegangen und mit ihm sein Moral- und Wertekonzept. Eine neue Welt könnte entstehen. Doch wer steht bereit? Hesse zeichnet Sinclairs Weg der Individuation nach. Was macht uns zur Person? Wie biegsam und verführbar sind wir? Gibt es eine mystische Dimension, die uns bestimmt? Wie bereit sind wir, uns in eine Gesellschaft einzupassen und den Weg zu uns gar nicht erst zu versuchen? Und wenn wir versuchen ihn zu gehen, wohin führt er uns eigentlich? Er stellt sich den Fragen des Erwachsenwerdens und des Kampfes ein Mensch zu sein. Moritz Beichl, Absolvent der Regieklasse der Theaterakademie 2017, wird »Demian« inszenieren.

"Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören."

Regie: Moritz Beichl
Bühne: Ulrich Frommhold
Kostüme: Astrid Klein
Licht: Jonathan Nacke
Dramaturgie: Nora Khuon, Mathias Wendelin
Jugendprogramm

Ellbogen

von Fatma Aydemir

Hazal ist 17. Sie lebt in Berlin und steckt in einer berufsbildenden Maßnahme fest. Bewerbungen schreiben, bei ihrem Onkel in der Bäckerei jobben, einen Joint durchziehen, abends ihrer Familie Çay servieren und heimlich mit Mehmet, den sie noch nie getroffen hat, in Istanbul skypen – so verlaufen Hazals Tage. Ein bisschen Freiheit erlügt sie sich, büxt aus, wo es eben geht. Eng und klein ist ihr Leben, jeder Schritt scheint vorherbestimmt. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Hazal wird 18. Sie darf wundersamerweise hinaus in die Welt und sich feiern. Gemeinsam mit ihren Freundinnen stellt sie sich in die endlos scheinende Schlange eines berühmt-berüchtigten Clubs, doch als sie endlich vor dem Türsteher angekommen sind, werden sie abgewiesen. Unbändige Wut erschüttert die Mädchen. In der U-Bahn-Station verdreschen sie einen Studenten, der ihnen gerne seinen Schwanz gezeigt hätte und stoßen ihn auf die Schienen. Hazal flieht nach Istanbul und bereut nichts. „Wir hatten Streitlust, wir hassen deutsche Studenten“, wird sie ihrer Tante Semra sagen, die versucht, das Mädchen einzufangen und zurück in die Gesellschaft zu führen – zur Buße, zum Studium, nach Deutschland. Doch Hazal weigert sich. Ihr Mitleid gilt nicht dem Toten, sondern sich selbst, denn dass diese Tat ihr Leben verpfuscht hat, das weiß sie.

Fatma Aydemir hat einen kolossalen Roman vorgelegt, der das heutige Erwachsenwerden eines postmigrantischen Mädchens untersucht. Sie spielt mit Klischees und Archetypen und bricht mit ihnen im nächsten Schritt. Sie stellt uns ein Mädchen vor, dem menschlich kaum begegnet wurde, das auf eine Rolle hin erzogen wurde, die nicht die seine ist, das Wut und Hass in sich sammelt, um dann zu explodieren, das kein Opfer sein will und deswegen zur Täterin wird. Wie geht man um mit einem Menschen, der den anderen die Menschlichkeit abspricht? Der in reuelosem Zorn wütet? Eine Antwort gibt Aydemir nicht.

Sie schenkt uns diese Frage und rüttelt an uns, die wir diese Gesellschaft bilden und gestalten und Antworten finden müssen. Alexander Riemenschneider wird "Ellbogen" inszenieren. Er arbeitet am Theater Bremen, am Deutschen Theater Berlin und am Schauspielhaus Bochum. Am Jungen SchauSpielHaus brachte er in der vergangenen Spielzeit den Roman "Das hier ist kein Tagebuch" auf die Bühne.

"Es ist so da und es ist so heftig, dass man es fast anfassen kann. Wut. Meine ist so groß, dass sie nicht in mich hineinpasst."

Regie: Alexander Riemenschneider
Ausstattung: Anke Napierala
Musik: Tobias Vethake
Licht: Jonathan Nacke
Ton: Benjamin Owuso
Dramaturgie: Nora Khuon
Theater

Der Tatortreiniger

Das SchauSpielHaus Premieren-Special

Bereits im sechsten Jahr schrubbt »Schotty« als Tatortreiniger im NDR den letzten Dreck weg. In den kammerspielartigen Episoden geht es um die ganz großen Fragen des Lebens. Ihren Erfolg verdankt die Serie, neben Bjarne Mädels bestechender Darstellung des Schotty und den immer wieder überraschenden
Drehbüchern von Mizzi Meyer, vor allem den brillanten Schauspielpartnern und der Inszenierung. Viele der SchauspielerInnen im »Tatortreiniger« kommen aus dem Ensemble des Deutschen SchauSpielHauses.
Dieses Mal dabei: Bastian Reiber als Stramazzo,der Clown.

Im Rahmen dieses exklusiven Specials und in Anwesenheit von Bjarne Mädel, Regisseur Arne Feldhusen und SchauspielerInnen alter und neuer Folgen, zeigen wir als Preview alle drei neuen »Tatortreiniger«.
Theater

Die Wehleider

nach Motiven aus Maxim Gorkis "Sommergäste"

Merkwürdige Menschen sind es, die in einer Turnhalle kampieren. Peinliche Europäer, die Integrationskurse für die vage wahrgenommenen Menschen, die über die Grenzen kommen, üben? Oder geht es um die eigene Zukunft und die eigenen Grenzen? Ist die Turnhalle ein Luxusresort, in dem das Lager, das Warten und Verhöre zur Feststellung der Identität als Übungen zelebriert werden? Geht es um Simulation oder Freizeitgestaltung?
Christoph Marthaler und Anna Viebrock werden für das Lager der Europäer und die neuen Klassenkämpfe Motive aus Maxim Gorkis »Sommergäste« verwenden. Es ist eine Gesellschaft im Stillstand und in beängstigender Hektik, gesteuert von untergründiger Angst vor dem Absturz und der Veränderung aller Verhältnisse. Die einen verteidigen einen Status quo, die anderen wollen ihn – allerdings nur fiktiv – auflösen. Viel Gerede und Überformung der Ängste verdrängt, was in Wirklichkeit stattfindet. Außerhalb finden Katastrophen statt, die von den Turnhallenbewohnern genauso wenig wahrgenommen werden, wie alles, was die Fiktion des guten Europas stört. Doch die Vertreter dieser Fiktion werden sich in der Zukunft für Verbrechen an den Grenzen, in den Lagern, für die unsinnige Verteidigung eines Wohlstands für Wenige, legitimieren müssen.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne und Kostüme: Anna Viebrock
Dramaturgie: Stefanie Carp
Licht: Annette ter Meulen
Inspizienz: Felicitas Melzer
Ton: Heiko Jooß, Christoph Naumann
Theater

Effi Briest - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk

nach Theodor Fontane

„Effi Briest schaukelt mit Elektra, Medea, Penthesilea und deren drei Schwestern Nora, Lulu und Franziska im Kirschgarten und spielt Verstecken. Ihre couragierte Mutter, Lady Macbeth, kündigt Geert von Innstetten an, der im Biberpelz und seidenen Schuhen erscheint und um Effis schmutzige Hände anhält. Geert, der unlängst eine Liebelei mit Sara Sampson hatte, zieht nach der Hochzeit mit Effi in Bernarda Albas Haus nach Damaskus oder Andorra. Effi wird schwanger, die heilige Johanna wird geboren und Fräulein Julie und Hedda Gabler werden die Zofen. Die schöne Aussicht, die Hoffnung auf Glaube und Liebe, auf glückliche Tage, endet mit zerbrochenen Krügen: Effi beginnt mit dem Revisor Crampas eine Affaire Rue de Lourcine. Was folgt, ist ein Totentanz, ein böses Frühlings Erwachen aus dem Sommernachtstraum.“ (Clemens Sienknecht)

Regie: Clemens Sienknecht
Künstlerische Mitarbeit: Barbara Bürk
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Junk

von Ayad Akthar

„Das hier ist eine Geschichte über Könige, oder was man heutzutage so für Könige hält. Mitte der achtziger Jahre. 1985, um genau zu sein. Ich schrieb für Forbes und fürs Wall Street Journal. Gerede über Geld war ich gewöhnt. Aber 1985 drängte sich der Eindruck von etwas Neuem auf. Etwas Aggressivem und Angriffslustigem. Da kam so ein fanatischer Eifer in den Blick der Leute. Als ob eine neue Religion entsteht …“

Robert Merkin, Investmentbanker bei »Sacker Lowell«, ist auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Das »Time Magazine« feiert ihn auf der Titelseite als „Amerikas Alchimist “, der aus Schulden Geld macht. Binnen kürzester Zeit hat er fernab der Aufmerksamkeit großer Banken, Wall Street und Justiz Milliarden erwirtschaftet und das verstaubte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Sein Vorgehen ist so revolutionär wie aggressiv: mit Junk-Bonds – sehr riskanten und hoch verzinst en „Schrott anleihen“ – ködert er Investoren mit satt en Gewinnen und sichert diese mit den Werten des Unternehmens ab, das er angreift. Die Zerschlagung der Firmen und die Entlassung tausender Mitarbeiter sind dabei Kollateralschäden, die nach Merkins Ansicht unvermeidbar sind, um in Zeiten von Globalisierung und aufblühender Konkurrenz in Fernost wettbewerbsfähig zu bleiben.
Merkins nächst es Ziel soll der „Deal des Jahrzehnts“ werden: der Stahlgigant »Everson Steel«, Dow-Jones-Unternehmen und heilige Kuh der amerikanischen Wirtschaft. Sein Team ersinnt eine Angriffstaktik aus Intrigen, Täuschungen und die Grenzen der Legalität überschreitenden Manipulationen. Auf der Gegenseite formiert sich der Widerstand. »Everson Steel« entwickelt Verteidigungsstrategien, Banken und Wirtschaftseliten fürchten um den Status Quo und steigen in den Poker ein, die Staatsanwaltschaft beginnt sich für den Fall zu interessieren und eine Journalistin steht kurz davor, die illegalen Machenschaft en Merkins aufzudecken.
Ayad Akhtars Wirtschaftsthriller beruht auf den wahren Begebenheiten um den „Junk-Bond-King“ Michael Milken, der in den 80er Jahren, dem „Jahrzehnt der Habgier“, den Finanzmarkt irreversibel veränderte und so viel verdiente, wie vor ihm nur Al Capone. Die Entkoppelung des Finanzsektors von der Realwirtschaft, die Milken lostrat, ist verantwortlich für die völlige Entfesselung der Finanzwirtschaft und die daraus resultierenden globalen Wirtschaftskrisen der letzten 30 Jahre.

Nach den Erfolgen von »Geächtet« und »The Who and the What« ist »Junk« die dritte deutschsprachige Erstaufführung Akhtars am Deutschen SchauSpielHaus.

Regie: Jan Philipp Gloger
Bühne: Marie Roth
Kostüme: Karin Jud
Musik: Kostia Rapoport
Videodesign: Sami Bill
Video: Alexander Grasseck
Ton: André Bouchekir, Christoph Naumann
Licht: Susanne Ressin
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Aufführungen / Theater Thalia Theater Hamburg Hamburg, Alstertor 1
Aufführungen / Theater Thalia in der Gaußstraße Hamburg Hamburg, Gaußstraße 190
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Ballett Hamburg Ballett John Neumeier Hamburg, Caspar-Voght-Straße 54
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Strasse 25
Mi, 14.11.2018, 20:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung Test
Mi, 21.11.2018, 16:00 Uhr
Aufführungen / Theater theater itzehoe Itzehoe, Theodor-Heuss-Platz 1
Aufführungen / Aufführung Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Schwerin, Graf-Schack-Allee 11
Aufführungen / Theater Ohnsorg-Theater GmbH Hamburg, Große Bleichen 23-25
Aufführungen / Theater Theater Schachar Hamburg, Bogenstraße 36
Aufführungen / Konzert Laeiszhalle - Musikhalle Hamburg Hamburg, Johannes-Brahms-Platz
Aufführungen / Theater Alt-Rahlstedter Theatergruppe Erstklassiges Amateurtheater ausHamburg Hamb urg, Scharbeutzer Straße 36
Aufführungen / Konzert Musikseminar Hamburg Hamburg, Max-Brauer-Allee 24
Aufführungen / Konzert Junge Philharmonie Elbe-Weser Stade, Im Johanniskloster
Aufführungen / Aufführung Kultur Bühne Bugenhagen "Ensemble Proszenium" Hamburg, Biedermannplatz 19
Aufführungen / Oper OPERNLOFT Hamburg, Fuhlenwiete 7
Aufführungen / Konzert Jazzclub im Stellwerk Hamburg, Hannoversche Str. 85 (direkt im Bahnhof Harburg)
Aufführungen / Theater Amateurtheater VB Thalia v.1879 e,V, Geschäftsstelle Hamburg, Maike-Harder-Weg 19
Aufführungen / Operette Hamburger Engelsaal Das Theater der leichten Muse Hamburg, Valentinskamp 40 - 42
Aufführungen / Theater Theater in der Washingtonallee www.theaterwashingtonallee.de Hamburg, Washingtonallee 42
Aufführungen / Theater Pantheater Haseldorf, Deichreihe 29
Aufführungen / Kabarett DAS SCHIFF Hamburgs Theaterschiff Hamburg, Holzbrücke 2 / Nikolaifleet
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Galli Theater Hamburg Hamburg, Behringstraße 26-28
Aufführungen / Theater Altonaer Theater Hamburg, Museumstraße 17
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Straße 25
Aufführungen / Konzert Halle4.24 Konzerthalle für Klassik und Jazz Hamburg, Stockmeyer Str. 41