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Deutsches SchauSpielHaus

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.

Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

Dem Deutschen SchauSpielHaus steht eine Phase umfangreicher Sanierungsarbeiten bevor: Die beiden Ränge des denkmalgeschützten Zuschauersaals müssen vollständig entkernt und statisch ertüchtigt werden.

Aufgrund der Baumaßnahmen wird der Spielbetrieb in der Kirchenallee ab 1/5/2018 unterbrochen und die Spielzeitpause verlängert. Die kommende Spielzeit 2018-19 eröffnet Ende Oktober 2018. Bereits am 13/10/2018 startet das Junge SchauSpielHaus sein Programm. Während der Sanierungsarbeiten stehen auch der MalerSaal, das RangFoyer sowie die Große ProbeBühne nicht für Vorstellungen zur Verfügung.

Während der Rangsanierung sind wir mit vielen Gastspielen unterwegs und spielen in Hamburg u.a. auf Kampnagel, im Monsun-Theater oder der Immanuelkirche auf der Veddel.

Kontakt

Deutsches SchauSpielHaus
Neue SchauSpielHaus GmbH
Kirchenallee 39
D-20099 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.2 48 71-3
E-Mail: kartenservice@schauspielhaus.de

Theater

Probleme Probleme Probleme

von René Pollesch

Uraufführung: 06. April 2019

„Jedes Mal, wenn ein Problem sich stellt, tauchen auch neue Begriffe auf, so dass wir, wenn wir die Geschichte der Philosophie derart verstehen – als Erschaffen von Begriffen, die Funktionen von Problemen sind und Probleme, die eigentlich versteckt und unscheinbar sind und entdeckt werden müssen – sehen können, dass die Philosophie nichts mit den Kategorien von Wahr oder Unwahr zu tun hat. Die Suche nach Wahrheit hat überhaupt nichts zu bedeuten. Das Erschaffen von Begriffen und Problemstellungen sind bedeutend, Wahrheit und Unwahrheit hingegen keineswegs. Ein Problem mit Bedeutung, ein bedeutendes Problem.
Philosophie-Machen heißt, sich Problemen stellen, die Sinn machen und Begriffe erschaffen, die uns dazu bringen, uns auf das Verstehen von Problemen und die Auseinandersetzung mit ihnen zuzubewegen.“ (Gilles Deleuze)

Regie: René Pollesch
Bühne: Barbara Steiner
Kostüme: Tabea Braun
Video: Ute Schall
Kamera: Hannes Francke
Licht: Susanne Ressin
Ton: André Bouchekir, Christoph Naumann
Videotechnik: Marcel Didolff, Antje Haubenreisser
Tonangler: Dorian Sorg
Dramaturgie: Sybille Meier
Jugendprogramm

lauwarm
14+

von Sergej Gößner

Uraufführung: 07. April 2019

„Und plötzlich bebt alles, und bebt und bebt, und drückt und pocht, und dann beruhigt es sich wieder und hört auf. Aber irgendetwas passiert. Irgendetwas hat sich verändert. Irgendetwas - Dann bebt es wieder und drückt und knirscht und tut weh und drückt noch mehr, - meine Knochen - meine Knochen - alles drückt - ich werde erdrückt - mein Kopf, meine Schultern - ich werde erdrückt! - mein Brustkorb - ICH WERDE ERDRÜCKT! - Und dann hat alles ein Ende, und alles beginnt.“

Sergej Gößner, Ensemblespieler des Jungen SchauSpielHauses und preisgekrönter Nachwuchsautor, schreibt mit „lauwarm“ ein Stück über die intimsten Momente des Menschseins. Sein Text erzählt poetisch und humorvoll von Geburt, Kindheit und Identität - er handelt nicht zuletzt davon, wie es sich anfühlt „dazwischen“ zu sein. Wie begegnet man der eigenen Sexualität, wenn sie anders und fremd erscheint? Und wie erklärt man Familie und Freunden, dass man mehr als nur ein Geschlecht begehrt? Der junge Regisseur Mathias Spaan, Student der Theaterakademie Hamburg, wird diesen Monolog für das RangFoyer in Szene setzen. Fabian Dämmich spielt den hin- und hergerissenen Protagonisten in dieser lyrischen, semi-biographischen Uraufführung.

Regie: Mathias Spaan
Ausstattung und Ton: René Haustein
Dramaturgie: Sonja Szillinsky
Theater

Ein Sommernachtstraum

von William Shakespeare in einer Fassung von Bastian Lomsché und Clara Weyde
13+

Hermia soll Demetrius heiraten, ist aber unsterblich in Lysander verliebt, der ihre Liebe erwidert. Helena liebt Demetrius, wird von ihm aber neuerdings verschmäht, denn er begehrt jetzt nur noch Hermia. Ein Drama der erwiderten und unerwiderten Liebe nimmt seinen Lauf. Hermia und Lysander fliehen vor Hermias Vater in den Wald, um ihre verbotene Liebe zu leben. Sie schwärmen füreinander und singen ein Hohelied auf die wahre Liebe, die immer auch Leiden bedeutet. Angestachelt von Eifersucht folgt Demetrius den beiden – und wird verfolgt von der irr liebenden Helena. Als die vier jungen Menschen die Nacht im Wald verbringen, träufelt ein Kobold zu allem Überfluss den jungen Männern einen magischen Saft in die Augen. Sie erwachen und verlieben sich auf den ersten Blick in die schöne Helena – und Hermia ist nun diejenige, die von allen verachtet wird …

Kein Gefühl scheint uns so wahr, wie die Liebe zu einem Menschen. Sie beschert uns die höchsten Höhenflüge, aber auch die schlimmsten Abstürze. Welches Gefühl ist wahr? Was ist nur Wahn oder gar Zauberei? Wie kann die Liebe, wenn sie unsere wahrste Empfindung ist, vergehen, wankelmütig sein, sich ein neues Objekt der Begierde wählen? In einem märchenhaften Setting verhandelt Shakespeare poetisch und humoristisch alle Facetten der Liebe – ihre Unbedingtheit und ihre Magie, aber auch ihre Unbeständigkeit, ihre Wahnhaftigkeit und Lächerlichkeit. Am Ende ist die Nacht vorbei, der Tag erwacht, alle Paare lieben denjenigen, den sie lieben sollen, die Ordnung scheint wieder hergestellt – war alles nur ein böser Sommernachtstraum?

Regie: Clara Weyde
Bühne: Katrin Plötzky
Dramaturgie: Brigitte Ostermann
Kostüme: Clemens Leander
Kompostion: Roman Keller
Licht: Jonathan Nacke
Theater

Der goldene Handschuh

von Studio Braun nach dem Roman von Heinz Strunk

In der Vierundzwanzigstundenkaschemme »Zum Goldenen Handschuh« auf St. Pauli tummelt sich die unterste Unterschicht, die infernale Nachtwelt Hamburgs. Unter ihnen Fritz Honka, der hier auf die geschundenen Seelen trifft, die später seine Opfer werden.

„Er stellt sich eine andere Welt vor, in der er selbst jung und gesund und sein Atem angenehm ist und er einer nach Rosen duftenden Frau mit reiner Haut, schönem Gebiss, einem makellosen Körper den Himmel auf Erden bereitet. Ein katastrophales Glücksverlangen überfällt ihn. Er hofft auf ein Wunder, aber das tut er ja die ganze Zeit schon.“

Ein paar Kilometer weiter westlich, in der reichen Elbchaussee, sinnt der bald achtzigjährige Reeder Wilhelm Heinrich von Dohren, genannt WH1, auf Rache an der Hamburger Gesellschaft. Sein Sohn, WH2, blickt derweil dem Konkurs ins Auge und ertränkt den Kummer in Schnaps und billigem Sex. Der Jüngste, WH3, gepeinigt von einer fiesen Kombination aus ausufernder Libido und körperlicher Deformation, kann hingegen sein Glück kaum fassen: Er hat ein Mädchen kennengelernt, das ihn nicht ignoriert ...

Heinz Strunk hat einen preisgekrönten Roman über den Altonaer Frauenmörder Fritz Honka und die abseitigen Facetten des Hamburgs der Nachkriegsjahre geschrieben.

Studio Braun – alias Jacques Palminger, Rocko Schamoni und Heinz Strunk – hieven die monströse Geschichte in einer Revue aus Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen auf die Bühne.

Regie: Studio Braun
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Dorle Bahlburg
Musik: Studio Braun, Lieven Brunckhorst, Sebastian Hoffmann
Choreografie: Rica Blunck
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Theater

Anna Karenina - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk nach Lew Tolstoi

Mindestens 100 Minuten, aber nicht länger als 119 Minuten. Bestimmt keine Pause.

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Ob das so stimmt, oder ob nicht vielleicht sogar das Gegenteil der Fall ist, lässt uns der russische Schriftsteller Lew Tolstoi in seinem Jahrtausend-Werk »Anna Karenina« ergründen. Die Protagonistin des Romans ist eine der drei namhaften Ehebrecherinnen des 19. Jahrhunderts, die im Verstoß gegen gesellschaftliche Gepflogenheiten an ihrer leidenschaftlichen Liebe zu einem anderen als ihrem Ehemann zugrunde gehen muss.

Clemens Sienknecht und Barbara Bürk setzen ihre Serie des menschlichen Scheiterns im MalerSaal des SchauSpielHauses fort. Die neue Folge ihrer hochgeschätzten Radioshow »Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur« widmen sie dieses Mal der Titelheldin aus Russland, die es ziemlich genau 20 Jahre vor Effi Briest und ungefähr 20 Jahre nach Emma Bovary mit eben dergleichen Geschichte zu eben demselben Weltruhm gebracht hatte.

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Der geheime Garten

Frances Hodgson Burnett
[8+]

in einer Fassung von Barbara Bürk

Mary wächst als reiches aber von ihren Eltern wenig geliebtes Kind in Indien auf, ihre Erziehung wird den Dienstboten überlassen, die ein tyrannisches und selbstsüchtiges Geschöpf heranziehen. Als Mary zehn Jahre alt ist, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Ihre Eltern sterben an der Cholera und sie wird nach England, die ihr unbekannte Heimat, verschifft. Hier erhebt sich am Rande des Moores das finstere Anwesen Misselthwaite Manor. Mr. Craven, ihr Onkel und der Hausherr des Schlosses, hat sich in Trauer um den Tod seiner Frau von der Welt zurückgezogen. Das Mädchen interessiert ihn nicht. Überhaupt ist Mary, die bisher von unzähligen Dienern umgeben war, mit einem Mal sehr allein, wäre da nicht Martha. Das ungewöhnliche Hausmädchen begegnet Mary ehrlich und unverstellt. Das Verwöhnen hat ein Ende, aber dafür beginnt eine echte Freundschaft und Mary fängt an, sich zu verwandeln. Sie entdeckt die Welt außerhalb ihrer selbst, die Menschen, Tiere, das Moor und die Gärten, die sich um das Anwesen reihen. Einer der Gärten ist verschlossen, unmöglich hineinzukommen. Doch glücklicherweise hat Mary inzwischen gute Freunde gefunden, den Gärtner Ben Weatherstaff, ein Rotkehlchen und den Jungen Dickon. Sie erlösen den geheimen Garten aus dem Dornröschenschlaf und machen ihn zu ihrem neuen Zuhause. Doch nicht nur der Garten war Mary bisher verborgen, auf einem ihrer Streifzüge durch die unzähligen Räume des Hauses entdeckt sie ihren gleichaltrigen Cousin Colin, der scheinbar an einer mysteriösen Krankheit leidet und nicht weniger unausstehlich ist, als sie es bei ihrer Ankunft war. Zeit, das zu ändern, findet Mary, die mit ihrem neuen Selbstverständnis nicht nur das Anwesen zu einem Ort der Freiheit und Liebe verwandelt, sondern auch Colin die Augen öffnet.

Regie: Barbara Bürk
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Musik: Clemens Sienknecht
Dramaturgie: Nora Khuon
Licht: Jonathan Nacke
Theater

Bluets

Fassung von Katie Mitchell und Sybille Meier

Basierend auf dem Buch von Maggie Nelson

Welche Farbe hat das Universum? Ist es ein „Blasstürkis“, wie uns eine computerberechnete Untersuchung in einer Naturkundezeitschrift wissen lässt? Oder doch eher „Zartbeige“, weil sich der Computer nämlich verrechnet hat? „Das Herz der Welt ist blau“, wollen wir lieber mit Maggie Nelson denken. Der blaue Planet, die blaue Stunde, Blue Movies, blau sein, den Blues haben – keine andere Farbe weist ein solches Spektrum an Bedeutung auf. Und so kreist Maggie Nelson in 240 leuchtenden Prosaminiaturen um ihre Obsession der Farbe Blau, die sie mit ihrer Objektsammlung und ihrem Verlassenwordensein, dem „weiblichen Starren“ und ihrem Sex, einer Depression und klugen Reflexionen verbindet. Die äußerst präzisen und hoch empfindsamen Kurztexte bewegen sich zwischen Poesie und philosophischem Essay, Memoir und Meditation. Lose und assoziativ beziehen sie sich aufeinander, wie auch jede Skizze für sich alleine stehen könnte.
„Warum blau? Man stellt mir oft diese Frage. Ich weiß nie, wie ich darauf antworten soll. Ich will sagen: Wir haben keine Wahl, wen oder was wir lieben. Wir haben einfach keine Wahl.“ „Das Buch ist eine Schönheit“, rezensierte kürzlich Die Zeit. Die britische Regisseurin Katie Mitchell wird diese eigenwilligen blauen „Propositionen“ zum Ausgangspunkt ihrer neuesten Inszenierung machen.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Theater

Schlafende Männer

von Martin Crimp

Eine großstädtische Wohnung mit gefährlichem Balkon und tollem Ausblick. Julia und Paul, zwei sehr erfolgreiche Mittvierziger, haben sich darin eingerichtet. Auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren und dem Tiefpunkt der Beziehung verbringen sie eine schlaflose Nacht. Auch ein Kind wäre nicht die Rettung gewesen, so der scharfsinnig analytische Kommentar der Akademikerin Julia. Es ist zwei Uhr morgens. Niemand ist zu erwarten, nichts deutet auf eine Veränderung hin. Da klingelt es an der Tür, und die jüngst eingestellte Mitarbeiterin in Julias Institut, Josephine, steht mit ihrem Mann Tilman in der Wohnung – auf Einladung der Hausherrin, ihrer Vorgesetzten, wie sie behauptet. Doch lässt sich der Zettel mit der Nachricht ebenso wenig finden, wie es etwas zu trinken im Haus gibt.
Eine Nacht der unheimlichen Begegnungen hebt an, in der sie einander vieles gestehen und doch keine Wahrheiten zulassen, sich gegenseitig bloßstellen und dennoch begierig anmachen. Es fließen Blut und Alkohol und doch scheint alles nur ein Spiel unter Geschlechtern und Generationen, um Macht und Manipulation – oder doch um Leben und Tod?

Martin Crimp hat sein neues Stück für eine weitere Uraufführung in der Regie von Katie Mitchell geschrieben. Damit setzen sie ihre äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit am SchauSpielHaus Hamburg fort. Die Uraufführung von Martin Crimps »Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino« in der Inszenierung von Katie Mitchell 2013-14 wurde in der Kritikerumfrage von »Theater heute« zum besten fremdsprachigen Stück der Saison gewählt.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Sounddesign: Donato Wharton
Licht: Fabiana Piccioli
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Die Stadt der Blinden

Fassung von Kay Voges, Matthias Seier und Bastian Lomsché

nach dem Roman von José Saramago

An einer belebten Straßenkreuzung wartet ein Mann darauf, dass die Ampel auf Grün schaltet und – erblindet. Ein hilfsbereiter Passant bringt den Erblindeten nach Hause, wenig später erblindet auch er. Eine rätselhafte Epidemie scheint ausgebrochen, immer mehr Menschen der Stadt erblinden von einem Augenblick auf den anderen. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, weiß sich die Regierung keinen anderen Rat, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt zu internieren. Orientierungslos, sich selbst überlassen, unfähig ihr Schicksal zu begreifen, versuchen die Blinden ihr Leben in dieser neuen Umgebung zu organisieren. Doch je mehr Menschen eintreffen, desto unerträglicher, chaotischer, gewalttätiger wird die Situation.
In seinem Roman »Die Stadt der Blinden«, für den er 1998 mit dem Nobelpreis geehrt wurde, zeichnet der große portugiesische Erzähler José Saramago nicht nur das realistische Bild einer plötzlichen Katastrophe, er enthüllt gleichzeitig das philosophische Universum einer allgemeinen Blindheit, in dem menschliches Handeln als gewalttätige und lächerliche Groteske erscheint. Wir freuen uns, dass Kay Voges, der zuletzt mit seiner spektakulären Inszenierung »Borderline Prozession« zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, zum ersten Mal am Deutschen SchauSpielHaus inszenieren wird.

Regie: Kay Voges
Bühne: Pia Maria Mackert
Kostüme: Mona Ulrich
Theater

Die Übriggebliebenen

nach Thomas Bernhard

Es ist später Nachmittag an einem siebten Oktober: Im Elternhaus von Vera, Clara und Rudolf Höller wird ein Geburtstagsfest vorbereitet. Die drei Geschwister sind hier gemeinsam alt geworden, können sich nicht aus den Fängen ihrer Vergangenheit befreien und präsentieren ihr dauerndes Spiel von Macht und Unterwerfung, Umklammerung und Demütigung. Ebenfalls noch im Haus der verstorbenen Eltern wohnend bereiten zwei Schwestern ein Festessen für ihren aus einer psychiatrischen Klinik heimkehrenden Bruder vor. Auch hier deutlich spürbar: das verkrampfte Miteinander und gehässige Gegeneinander, das Anreden gegen die Bürden der Kindheit und der angstvolle Blick in die Zukunft.
Das letzte Fest des Lebens, eine Beerdigung, wird vorbereitet im Schloss Wolfsegg. Hier warten Amalia und Cäcilia auf ihren Bruder Franz, um die bei einem Autounfall verunglückten Eltern zu Grabe zu tragen. Franz Murau, der seiner Familiengeschichte durch ein Leben in Rom zu entkommen suchte, kehrt als Alleinerbe zurück und wünscht sich nichts sehnlicher als „alles auszulöschen, das ich unter Wolfsegg verstehe, und alles, das Wolfsegg ist.“
Drei Familien, drei gleichgeartete Geschwisterkonstellationen, die geprägt sind von „exzessivem Infantilismus“ (»Ritter, Dene, Voss«) und Todesnähe zugleich. In allen drei Familien ähneln sich die neurotischen Strukturen, wobei sie in »Vor dem Ruhestand « und in »Auslöschung« eine politische Zuspitzung erfahren, die der Alltäglichkeit eine skandalöse Dimension verleihen. Denn im Hause Höller feiert man, lange nach dem Zweiten Weltkrieg, heimlich Himmlers Geburtstag. Und hinter der Maske des rechtschaffenen Gerichtspräsidenten Höller verbirgt sich ein Nazi, ehemaliger KZ-Kommandant und Gewaltverbrecher, der seinem Leben nur durch die fortwährende Verherrlichung des Faschismus Sinn und Halt zu geben vermag. Seine Schwester Vera ist ihm fanatisch verbündet, während Clara als Opponentin agiert. Aber letztendlich ist auch sie unfähig, sich dem perversen Kerker ihres Zuhauses zu entziehen. In ähnlicher Verstrickung quält sich Franz Murau, seine Eltern haben nach Kriegsende über Jahre hinweg führende Nazigrößen in der sogenannten Wolfseggschen „Kindervilla“ versteckt. Murau ekelt diese Familiengeschichte. Umso härter trifft ihn die Erkenntnis, dass die katholisch-nationalsozialistische Erziehung durch die Eltern nach wie vor die Psyche der Schwestern, vor allem aber auch seine eigene, okkupiert.
In allen drei Texten beschäftigt sich Thomas Bernhard mit familiären Konstellationen, die Menschen anfällig machen für autoritär-patriarchalische Weltbilder, in zwei Fällen sogar für faschistische Vorstellungen. Als »Vor dem Ruhestand« 1979 uraufgeführt wurde, schrieb der Kritiker Benjamin Henrichs, die außerordentliche Qualität dieses Textes läge darin, dass Bernhard diese Anfälligkeit nicht aus aufgeklärter sicherer Ferne, sondern aus alarmierender Nähe beschreibe, er suche sie in jedem von uns. Ein beunruhigender Weg, den die Inszenierung von Karin Henkel in der Verknüpfung der verwandten Familienporträts verfolgen und untersuchen möchte. Zumal Veras Prophezeiung, „Es kommt der Tag, sagt Rudolf, wo er nicht mehr gezwungen ist, Himmlers Geburtstag in seinem Hause versteckt feiern zu müssen“ traurige Aktualität gewonnen hat.

Regie: Karin Henkel
Bühne: Muriel Gerstner, Selina Puorger
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Annette ter Meulen
Sound: Arvild J. Baud
Dramaturgie: Rita Thiele
Theater

Häuptling Abendwind

von Johann Nepomuk Nestroy

Echte Staatsgeschäfte werden beim Essen gemacht. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich Häuptling Abendwind („der Sanfte“) für die Bewirtung seines Staatsgastes Häuptling Biberhahn („den Heftigen“) auf dringender Frischfleischsuche befindet. Ins Visier gerät hierbei ein schiffbrüchiger Friseur aus Europa.
Doch die Sache ist kompliziert: denn Abendwinds Tochter Atala schwärmt für den angeschwemmten Haarspezialisten und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen das kulinarische Vorhaben ihres Vaters. Doch der Häuptling kennt kein Erbarmen. Mulmig wird Abendwind erst in dem Moment zumute, in welchem sein Staatsgast nach dem ersten Bissen des frischen Friseurbratens von seinem in Europa lebendem Sohn berichtet. Man ahnt, hier bahnt sich eine mittelschwere Häuptlingskrise an. Und die damit verbundene Frage, wer am längeren Knochen nagt. Auf Musik der gleichnamigen Operette Jacques Offenbachs basierend, erzählt Nestroy in seinem 1896 uraufgeführten Stück von den kannibalistischen Auswüchsen autokratischer Regierungsführung. Leichte Abweichungen hinsichtlich der von Nestroy vorgeschlagenen Speiseabfolge könnten sich ergeben. Einige Zutaten jedoch scheinen unumgänglich und werden von Abendwinds Chefkoch HO-GU entsprechend umstandslos beim Namen genannt: „A bisserl ein' Bananenschmarrn und südpolische Umurken“.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Susanne Ressin
Musik: Bendix Dethleffsen, Clemens Sienknecht
Ton: Finn Corvin Gallowsky, Katja Haase
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Theater

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

von Edward Albee

Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Ehekrieg erscheint, erweist sich bei genauerer Prüfung als etwas komplizierter: Ein eigentlicher Konflikt zwischen Martha und George, die seit der Uraufführung des Stückes 1962 am Broadway immer wieder in die Arena ihres Wohnzimmers treten, ist nicht einfach zu benennen. Zwar gibt es allerlei Wortgefechte, Beleidigungen, Tiefschläge, die ganze Bandbreite bürgerlichen Ehelebens – die faszinierende Kunst der beiden zunehmend alkoholisierten Protagonist*innen scheint aber gerade darin zu bestehen, Entwurf und Geschichte ihrer komplexen Beziehung ständig zu überarbeiten. Was dabei Fiktion ist und was Wirklichkeit, können nicht nur die beiden ahnungslosen Gäste Nick und Honey nicht entscheiden, auch wir Zuschauer*innen werden darüber im Unklaren gelassen. Konnte man in früheren Zeiten von einer öffentlichen Fassade und den dahinter lauernden Lebenslügen der Eheleute sprechen, verschwimmt hier diese Art Zuordnung völlig: Martha und George sind ein gut eingespieltes Team in einer so kreativen wie vitalen Ehe-Performance. Und ihre eigentlichen Feinde sind möglicherweise die Langeweile einer spießigen Provinz und die Angst vor dem Sterben.

»Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« ist weit mehr als das well-made play, als das es lange galt. Es ist ein Jahrhundertwerk, fulminant in der Wut, rührend in der Traurigkeit, uneinholbar in seiner Unverschämtheit und in seinem Witz.

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Maria Roers
Licht: Annette ter Meulen
Theater

Lazarus

Von David Bowie und Enda Walsh

Nach dem Roman »The Man Who Fell To Earth« von Walter Tevis
Deutsch von Peter Torberg / Repertoire

„Look up here, I’m in heaven, I’ve got scars that can’t be seen …“

Thomas Jerome Newton, der Alien, der zur Erde „fällt“, um Wasser für seinen Wüstenplaneten zu finden, hat seine Mission verloren und endet desillusioniert, einsam und zerbrochen. Er möchte sterben, zurückkehren zu den Sternen, doch er ist in sich gefangen, verfolgt von Figuren, die ihn umkreisen, wobei sich – wie im Fiebertraum – die Grenzen zwischen Halluzination und Realität verwischen. Quälende Dämonen suchen ihn auf, aber auch ein Mädchen, das Erlösung verspricht …

1976 spielte David Bowie selbst den Außerirdischen, in der Verfilmung des Science-Fiction-Klassikers von Nicolas Roeg. Vierzig Jahre später schreibt Bowie die Geschichte Newtons weiter – gemeinsam mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh. Bowie fügt viele seiner großen Songs ein, darunter »Absolute Beginners«, »Heroes« und »This is not America«, aber auch neue Songs, eigens komponiert für das fulminante Musical. »Lazarus« ist, neben dem Album »Blackstar *« Bowies letztes Werk vor seinem Tod 2016.

Regie: Falk Richter
Bühne: Katrin Hoffmann
Kostüme: Andy Besuch
Musikalische Leitung: Alain Croubalian
Licht: Hartmut Litzinger
Video: Chris Kondek
Videomitarbeit: Ruth Stofer
Dramaturgie: Rita Thiele
Korrepetition: Martin Hornung
Vocal Coach: Jane Comerford
Theater

König Lear

von William Shakespeare

Ein König dankt ab. Sein Reich will er unter den drei Töchtern aufteilen. Doch nicht die jeweilige Eignung der potenziellen Thronfolgerinnen für das Regierungsgeschäft soll dafür ausschlaggebend sein, sondern die Liebe der Töchter zu ihrem Vater. Der Staatsakt gerät zur Inszenierung persönlicher Gefühle, zum Wettstreit in der Kunst der Liebesdarstellung. Nur Cordelia, die jüngste, von Lear am meisten geliebte Tochter verweigert sich dem öffentlichen Gefühlstheater und schweigt. Indem sie der Sehnsucht ihres Vaters nach persönlicher Zuneigung am authentischsten entspricht, zieht sie seine ganze Wut auf sich. Lear verstößt sie. Er teilt das Reich zwischen ihren beiden Schwestern und setzt so eine Katastrophe in Gang, an deren Ende Gewalt, Chaos und Wahnsinn stehen.
Shakespeares wohl düsterstes Drama erzählt von der Selbstzerstörung einer Welt, die ihren Bewohnern – allen voran dem gealterten König selbst – unlesbar geworden ist. Zeichen der Macht und Zeichen der Liebe überlagern sich, verschwimmen und entziehen sich jeder Deutung. Grenzen verflüssigen sich, Regeln wirken hohl und Rituale lächerlich. Form und Inhalt der eigenen Existenz – soziale Rolle und persönliches Empfinden, Selbstentwurf und Selbstverwirklichung – klaffen so unüberbrückbar auseinander, dass der Sturz in einen apokalyptischen Naturzustand als fataler Ausweg erscheint.

Regie: Karin Beier
Bühne und Kostüme: Johannes Schütz
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Annette ter Meulen
Dramaturgie: Christian Tschirner
Aufführungen Thalia Theater Hamburg Hamburg, Alstertor 1
Aufführungen / Theater Thalia in der Gaußstraße Hamburg Hamburg, Gaußstraße 190
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Ballett Hamburg Ballett John Neumeier Hamburg, Caspar-Voght-Straße 54
Aufführungen / Oper Opernloft im Alten Fährterminal Altona Hamburg, Van-der-Smissen-Straße 4
Fr, 26.4.2019, 19:30 Uhr
Aufführungen / Oper Opernloft im Alten Fährterminal Altona Hamburg, Van-der-Smissen-Straße 4
Sa, 27.4.2019, 19:30 Uhr
Aufführungen / Theater theater itzehoe Itzehoe, Theodor-Heuss-Platz 1
Aufführungen / Theater Ohnsorg-Theater GmbH Hamburg, Große Bleichen 23-25
Aufführungen / Aufführung Die Burg - Theater am Biedermannplatz Hamburg, Biedermannplatz 19
Aufführungen / Oper Opernloft Hamburg, Fuhlenwiete 7
Aufführungen / Theater VB Thalia Hamburg, Maike-Harder-Weg 19
Aufführungen / Operette Hamburger Engelsaal Hamburg, Valentinskamp 40 - 42
Aufführungen / Theater Theater das Zimmer Hamburg, Washingtonallee 42
Aufführungen / Theater Pantheater Haseldorf, Deichreihe 29
Aufführungen / Kabarett Theaterschiff Hamburg Hamburg, Holzbrücke 2 / Nikolaifleet
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Galli Theater Hamburg Hamburg, Behringstraße 26-28
Aufführungen / Theater Altonaer Theater Hamburg, Museumstraße 17
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Straße 25

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