DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS IN HAMBURG
Spielzeit 2011/12
Verbrennungen
von Wajdi Mouawad
Premiere: 28. Januar 2011, Malersaal
Nach dem Tod ihrer Mutter erhalten die Zwillinge Jeanne und Simon einen überraschenden Auftrag: Der Notar und Freund der Mutter überreicht ihnen jeweils einen Brief an ihren Vater und ihren Bruder. Den einen hielten sie für tot, von der Existenz des anderen wussten sie nichts. In emotionaler Kälte und Schweigen aufgewachsen erfüllen sie nur widerwillig den letzten Willen der Mutter. Um Vater und Bruder zu finden, müssen die Zwillinge in das ehemals von Bürgerkriegen erschütterte Heimatland ihrer Mutter reisen. In der Fremde enthüllt sich ihnen nach und nach das Ausmaß der Kriegstraumata und die grausame Wahrheit ihrer Familiengeschichte. Das Fundament ihrer Existenz wird zutiefst erschüttert und die Zerbrechlichkeit ihrer Identität liegt plötzlich offen vor ihren Augen.
Regie: Konradin Kunze
Ort:
Malersaal
Termine:
Fr, 24.2.2012, 19:00 |



Sa, 25.2.2012, 20:00 |


Fleisch ist mein Gemüse
von Studio Braun
Premiere der Neufassung: 18. Februar 2012, Schauspielhaus
Eine Operette nach dem Erfolgsroman von Heinz Strunk
Neufassung der Produktion »Phoenix – Wem gehört das Licht?«
Heinz, aufgewachsen in kleinbürgerlichen Verhältnissen, durchlebt seine Kindheit und Jugend in Harburg im Schatten der Phoenix Gummiwerke. Familiär an das Zwergenhaus seiner Mutter gekettet, körperlich durch eine schwere Akne gezeichnet, scheitern alle seine Versuche, der Kleinheit seiner Bedingungen zu entfliehen und das Licht in sich oder in der Welt zu finden. Schließlich bekommt er einen Job als Mietmusiker bei der Muckband Tiffanys, die auf Hochzeiten und Bauernfesten spielt. Von nun an hofft er auf die Chance, von hier aus in ein »richtiges« Leben starten zu können. Eher das Gegenteil passiert: In der Hölle der Adoleszenz tut sich ein Spalier der Demütigungen auf, das den jungen Flötenvirtuosen fast um den Verstand bringt. Erlösung gibt es nicht für alle. Wem gehört das Licht?
Text, Regie und Musik: Studio Braun
Bühne: Damian Hitz
Kostüme: Dorle Bahlburg
Video: Ulli Lindenmann
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Gabriella Bußacker
Eine Koproduktion von Studio Braun mit dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Sa, 18.2.2012, 20:00 | Premiere |



Fr, 24.2.2012, 20:00 |



Mo, 27.2.2012, 20:00 |



Mi, 7.3.2012, 20:00 |


Wunschkonzert
von Franz Xaver Kroetz
Premiere: 29. Februar 2012, Rangfoyer
Es ist 18.30 Uhr. Fräulein Rasch, eine allein stehende Frau mittleren Alters, kommt wie gewöhnlich nach der Arbeit und dem täglichen Einkauf in ihre Wohnung. Alles ist wie immer. Sie legt ihren Mantel ab, macht sich ihr Abendbrot, wäscht Wäsche, hört Radio, verbringt eben einen ganz alltäglichen Abend in ihren bescheidenen vier Wänden. Bis auf das Rauschen der Welt ist es ganz still. Das Leben scheint seine gewohnten Bahnen zu laufen, würde Fräulein Rasch an diesem Abend nicht noch eine große Entscheidung treffen…
»Wunschkonzert« war bei seiner Uraufführung 1973 ein großer Erfolg. Es ist eine außerordentliche Studie über Vereinsamung, sie handelt vom Verstummen eines Menschen inmitten der Gesellschaft, in der jeder Einzelne funktionieren muss. Sie liefert keine Gründe, beantwortet keine Fragen, sondern richtet sie an die Zuschauer.
Franz Xaver Kroetz wurde 1945 in München geboren. Nach seinem Schauspielstudium in München und Wien arbeitete er in verschiedensten Berufen, unter anderem als Kraftfahrer, Krankenpfleger und Gelegenheitsarbeiter. Er spielte am »Antitheater« von Rainer Werner Fassbinder und er schrieb. Seine großen Vorbilder waren Marieluise Fleißner und Ödön von Horváth. Er gibt in seinen Dramen den sozial Ausgeschlossenen, den Underdogs, den gesellschaftlichen Verlierern eine Stimme. Als Schauspieler wird Kroetz den meisten Deutschen vor allem als Baby Schimmerlos in Helmuth Dietels Kultserie »Kir Royal « unvergessen bleiben. Im Jahr 2004 »verstummte«“ Kroetz, er gab das Schreiben auf und arbeitet heute als Schauspieler und Regisseur.
Regie: Christine Gerstner
Bühne: Iris Holstein
Kostüme: Bettina Sandmann
Licht: Florian Reimann
Dramaturgie: Friederike Engel
Ort:
Rangfoyer
Termin:
Mi, 29.2.2012, 20:30 | Premiere |


Leben und Erben
von Oliver Kluck
Seit etwa einem halben Jahr versuche ich, insbesondere um etwas Zeit zum Nachdenken zu gewinnen, sowohl die sehr freundlichen Kollegen vom Schauspielhaus Hamburg als auch den ebenfalls sehr freundlichen Regisseur Dominique Schnizer mit irgendwelchen und möglicherweise etwas diffusen Versuchen über das Schreiben, die Figurenfindung und den Unterschied zwischen einem journalistischen- und einem literarischen Thema hinzuhalten, was mir allerdings immer weniger befriedigend gelingt. Ich gebe nun aus diesem Grund, Anfang April 2011, zur Auskunft, dass ich bisher tatsächlich noch nicht eine einzige Zeile für die im Januar 2012 geplante Inszenierung geschrieben habe, derzeit immer noch das reichlich verfügbare Material ordne, was ein etwas lästiger aber ergiebiger Prozess ist, als dessen Ergebnis bereits jetzt feststeht, dass wenn ich über irgendetwas schreiben werde, wovon ich derzeit ausgehe, ich über die Wehrhaftigkeit, den Mut und die Würde schreiben werde. Ferner beschäftige ich mich recht intensiv mit dem Thema des unerwarteten Erbens ganzer Landstriche und Länder, mit dem Hass der Demokratie, dem mickrigen Demokratenmensch und dem lächerlichen Versuch der Selbstverwirklichung, weshalb ich vermute, dass sich aus all dem schon recht bald Figuren, Thema und Titel herausdestillieren lassen, »zu Ende gedacht, wie man es hierzulande so sehr schätzt, bis nichts mehr übrig bleibt«, soll dabei nichts sein. OLIVER KLUCK
Regie: Dominique Schnizer
Bühne und Kostüme: Christin Treunert
Licht: Andreas Juchheim
Video: Marcel Didolff
Dramaturgie: Steffen Sünkel
Ort:
Malersaal
Termine:
Sa, 4.2.2012, 20:00 |



Fr, 10.2.2012, 20:00 |



Mo, 27.2.2012, 20:00 |


Der große Gatsby
von F. Scott Fitzgerald
in einer Bearbeitung von Rebekka Kricheldorf
New York 1922. Jeden Sommer lädt der reiche Jay Gatsby die New Yorker Upper Class in sein Anwesen, um rauschende Feste zu feiern. Doch der sagenumwobene Gastgeber ist selbst nie dabei. Wie ein Geist beobachtet er das Treiben der ausgelassenen Gesellschaft, fühlt sich angezogen und ausgegrenzt zugleich. Es ist die atemberaubende Geschichte eines Self-Made-Mannes, der alles erreichen will: Erfolg, Macht, Annerkennung, die eine Frau. Fast scheint es zu gelingen doch dann geschieht die Katastrophe. Spätestens seit der Verfilmung mit Robert Redford gilt der Roman von Fitzgerald als unumstrittenes Meisterwerk. Es geht um Glanz, Schönheit, teure Autos, sehr viele Cocktails und darum, einen Zipfel des Amerikanischen Traums zu erwischen. Bitterste Armut und krasser Materialismus prallen aufeinander, Glücksversprechen konkurrieren mit hysterischer Langeweile. Verführungskraft und Verderbtheit haben das gleiche Gesicht und trunkene Menschen tanzen am Rand des Abgrunds auf dem Fest ihres Lebens.
Regie: Markus Heinzelmann
Bühne: Gregor Wickert
Kostüme: Gwendolyn Bahr
Musik: Olaf Helbing
Video: Matthias Huser
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Nicola Bramkamp
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Sa, 4.2.2012, 20:00 |



Fr, 10.2.2012, 20:00 |



Di, 21.2.2012, 20:00 |



Sa, 25.2.2012, 20:00 |


Der goldene Drache
von Roland Schimmelpfennig
Ein Geschäfts- und Wohnhaus in einer deutschen Großstadt. Im Erdgeschoß arbeiten fünf Chinesen in der kleinen, überhitzten Küche des »Goldenen Drachen«, einem Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurant. In den Mietwohnungen darüber bestimmen die unerfüllten Sehnsüchte nach Liebe, ewiger Jugend und einem anderen Leben die Bewohner. Unten, zwischen Wok und Gasbrenner, löst der kariöse Schneidezahn eines jungen Chinesen ohne Aufenthaltsgenehmigung und Krankenversicherung eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus. Er landet in Nummer 6: Thai-Suppe mit Hühnerfleisch, Kokosmilch, Thai-Ingwer, Tomaten, Champignons, Zitronengras und Zitronenblättern (scharf), um kurz darauf zwei Stewardessen serviert zu werden.
Roland Schimmelpfennig schreibt über illegale Immigranten, über die scheinbare Freiheit in einer Welt ohne Grenzen. Dabei entsteht eine blutige, bitterböse Komödie über Ausbeutung, Erniedrigung und zerplatzte Lebensträume. Mit fünf Schauspielern, die ständig die Rollen und die Geschlechter wechseln, lässt Schimmelpfennig einen Mikrokosmos entstehen. Jeder hängt mit jedem zusammen, Abhängigkeiten und Geschäftsbeziehungen prägen das gemeinsame Leben unter einem Dach. Eingebettet in die absurde Realität des Hauses ist die alte Tierfabel von der geschäftstüchtigen Ameise, die der hungrigen Grille im Winter nichts von ihren Vorräten abgeben möchte. Hier entwickelt sie sich zur modernen Parabel auf die globalisierte Welt: Die Ameise wird zum brutalen Zuhälter der Grille, die Grille zur Sexsklavin.
Regie: Klaus Schumacher
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Tobias Vethake
Licht: Susanne Ressin
Dramaturgie: Stephanie Lubbe
Ort:
Schauspielhaus
Termin:
Fr, 17.2.2012, 20:00 | letzte Aufführung! |


Der Fall der Götter
von Nicola Badalucco, Enrico Medioli, Luchino Visconti
nach dem Drehbuch zum Film "Die Verdammten"
Deutsch von Monika The
Ruhrgebiet 1933. Joachim von Essenbeck, Seniorchef des familieneigenen Stahlkonzerns, feiert seinen Geburtstag im Kreise seiner Kinder. Mitten in die Feierlichkeiten platzt die Nachricht vom Brand des Reichstags. Es beginnt eine blutige Familientragödie von antiker Dimension über Machtmissbrauch, Feigheit und Perversion. Hinter dem fiktiven Namen der Familie von Essenbeck kann man die Dynastie der Krupps erahnen, der legendären »Waffenschmiede der Nation«, die Luchino Visconti lose zu seinem Film „Die Verdammten“ von 1969 inspirierte. Er erzählt eine Art »Geschichte der Buddenbrooks in Nazideutschland« im Spannungsfeld zwischen unternehmerischem Erfolg und Abhängigkeit vom Unrechtsregime. Stephan Kimmig, Spezialist für den Mikrokosmos Familie, wird diesen Filmklassiker auf die Bühne bringen.
Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Komposition und Live - Musik: Philipp Haagen, Michael Verhovec
Licht: Annette Ter Meulen
Dramaturgie: Stephanie Lubbe
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Do, 16.2.2012, 20:00 |



Mi, 29.2.2012, 20:00 |


Das Ding
von Philipp Löhle
Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen 2011
Es wird immer behauptet, im Zuge der Globalisierung rücke die Welt näher zusammen. Diese Darstellung unterschlägt die Entfernung der einzelnen Orte zueinander, behauptet sogar deren Verschwinden. Als ich letztes Jahr in Argentinien einem Bauern gegenüber stand, dem von Sojabaronen auf halblegalem Weg die Anbaufläche entwendet wurde, sah ich eine direkte Verbindung von seiner kargen Hütte zu dem Schnitzel auf meinem Teller im Prenzlauer Berg. Das bestätigt das alte Bild, vom armen Bauern als winziges Zahnrädchen im riesigen Getriebe. Aber darin liegt auch eine große Hoffnung, denn wenn das so ist, heißt das in seiner Umkehrung, dass die Macht dieses kleinen Bauern weltweit ist, weil einem riesigen Getriebe aus vielen Zahnrädern auch etwas fehlt, wenn das kleinste Rädchen fehlt. Oder anders gesagt, je komplexer das System, um so anfälliger seine Konstruktion. Wenn wirklich alles zusammenhängt, bedingt sich auch alles und das heißt, jedes Ereignis ist als das Ende einer Kette von Ereignissen bis ins letzte Detail erklär- und veränderbar, was wiederum heißt, es gibt keinen Zufall mehr! PHILIPP LÖHLE
Regie: Jan Philipp Gloger
Bühne: Judith Oswald
Kostüme: Karin Jud
Dramaturgie: Steffen Sünkel
Licht: Andreas Juchheim
Ort:
Malersaal
Termine:
So, 12.2.2012, 20:00 |



Do, 16.2.2012, 20:00 |


Hiob
nach dem Roman von Joseph Roth
Wie kann man Gott ehren, wenn er zulässt, dass man alles verliert? Joseph Roth macht aus dem biblischen Hiob-Stoff eine berührende Legende. Im Grenzgebiet des russischen Zarenreichs wohnt der fromme Jude Mendel Singer. Über ihn und seine Familie bricht ein Unglück nach dem nächsten herein. Demütig nimmt er jedes Leid als Prüfung Gottes hin. Er träumt von einem besseren Leben in Amerika. Doch der Sehnsuchtsort wird zum Schauplatz neuer Schicksalsschläge. Es gelingt Mendel nicht, sich selbst und seinem Leben zu entfliehen. Bis schließlich im Moment der größten Verzweiflung ein Wunder geschieht.
Regie: Klaus Schumacher
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Heide Kastler
Komposition und Live-Musik: Tobias Vethake
Licht: Susanne Ressin
Dramaturgie: Stephanie Lubbe
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Mi, 22.2.2012, 20:00 |



Mo, 5.3.2012, 20:00 |


Die Möwe
von Anton Tschechow
Die Schäbigen siegen, die Idealisten gehen zugrunde. Niemand hat diese Weisheit so poetisch und liebevoll beschrieben wie Tschechow in seinem Meisterwerk »Die Möwe«. Auf dem Landgut der Schauspielerin Arkadina kreisen die Gespräche um Kunst, Theater und Literatur, doch die Liebe ist der eigentliche Pol um den sich alles dreht. Jeder liebt hier den Falschen und verletzt die Gefühle eines Anderen, jeder möchte das sein oder besitzen, was er nicht hat und nicht ist. Eine Komödie hat Tschechow dieses Panorama der menschlichen Verzweiflung genannt und zielte dabei auf die empfundene Freude des Zuschauers beim Widererkennen eigener Armseligkeiten, denn trotz aller Schwächen empfindet man zärtliche Zuneigung für diese strudelnden Menschen. Die Regisseurin Alice Buddeberg liebt Figuren, die mit großer Geste an ihren kleinen Fehlern scheitern: Hedda, Hamlet, Alceste, Clavigo. Ihre Schicksale inszenierte sie auf großen Bühnen und gilt – neben Jette Steckel – als erfolgreichste Absolventin der Hamburger Theaterakademie in jüngster Zeit.
Am Schauspielhaus inszenierte sie die Uraufführung von Oliver Klucks Warteraum Zukunft«, der für dieses Stück den »Kleist-Förderpreis für junge Dramatik« bekam und zum Nachwuchsautor des Jahres gekürt wurde.
Regie: Alice Buddeberg
Bühne: Cora Saller
Kostüme: Martina Küster
Musik: Stefan Paul Goetsch
Dramaturgie: Nicola Bramkamp
Licht: Annette Ter Meulen
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Do, 9.2.2012, 20:00 |



Sa, 3.3.2012, 20:00 |


Morgen Alaska
von Michael Müller
Ich möchte eins klarstellen: Es geht hier einzig und allein um Jonas. Ich möchte das erzählen, was er damals nicht zulassen wollte, was auch in dem Zustand, in dem er sich kurz vor seiner Abreise befand, gar nicht möglich war. Ein dünner, sehniger Typ von 19 Jahren an der Autobahnauffahrt, den Daumen nach oben wie sein Held Alex Supertramp aus dem Film »Into the Wild«, den er fast auswendig kannte. Er hatte sich auf den Weg gemacht, seine Erfüllung zu finden, er suchte das »wahre« Leben, die Freiheit fernab der verlogenen Zivilisation – und inneren Frieden. Er war kein Einzelgänger, alle mochten ihn, und doch war er einsam. Weder die Schule noch seine Eltern konnten ihm Antworten auf seine Fragen geben. Schließlich hat er alles, auch mich, hinter sich gelassen. Ich zeige euch auf unserer Reise durch die Stadt seine Orte, die ich immer wieder aufsuche. Viele haben gesagt, dass er ein Romantiker sei und dass dies nun mal die Welt wäre, wie sie existiere, eine andere gäbe es nicht. Heute verstehe ich, die Welt war mitten in ihm drin.
Regie: Bernd Plöger
Ausstattung: Katharina Philipp
Dramaturgie: Constance Cauers
Ort:
Utopia-Mobil-Bus, Gaußstraße
Termine:
Mi, 15.2.2012, 19:00 |



Sa, 18.2.2012, 19:00 |



Mo, 27.2.2012, 19:00 |



Mi, 29.2.2012, 19:00 |


Alice im Wunderland
nach Lewis Carroll
in einer Fassung von Barbara Bürk
ab 8 Jahren
Alice liegt im Gras und langweilt sich entsetzlich. Da taucht ein weißes Kaninchen auf, das aufgeregt hin und her rennt, dabei ununterbrochen auf seine Uhr schaut und erstaunlicherweise sogar sprechen kann! Gespannt verfolgt Alice das sprechende Tier und stürzt durch seinen Kaninchenbau bis zum Mittelpunkt der Erde. Dort eröffnet sich für Alice eine neue, aufregende und unbekannte Welt. Hier ist nichts, wie es scheint: Fantastische, aber auch albtraumhafte Figuren wie die Grinsekatze, das sprechende Ei Humpty Dumpty, der Hutmacher, der Märzhase und die Herzkönigin mit ihrem Schlachtruf »Kopf ab!« begegnen dem kleinen Mädchen. Realitäten verschieben sich, aus Klein wird Groß, aus Groß wird Klein. Wörter verlieren ihren Sinn und Regeln werden verdreht. Erfahrung, Erziehung und der gesunde Menschenverstand werden ständig ad absurdum geführt. Alice versucht, standhaft und neugierig, sich in dieser fremden Welt, die auch eine Traumwelt sein könnte, zurechtzufinden. Und zum ersten Mal in ihrem Leben muss sie sich fragen: Wer genau bin ich eigentlich? Auf ihrer verrückten Reise durch das Wunderland wird sie von viel Musik und Gesang begleitet.
Regie: Barbara Bürk
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Musik: Clemens Sienknecht
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Steffen Sünkel
Ort:
Malersaal
Termine:
Di, 7.2.2012, 11:00 |



Di, 7.2.2012, 18:00 |



Mi, 8.2.2012, 11:00 |



Do, 9.2.2012, 11:00 |


Wut
von Max Eipp
ab 14 Jahren
Felix Laub, Sohn einer gutsituierten, bildungsbürgerlichen Familie, wird immer wieder Opfer des deutschtürkischen Jugendlichen Can und seiner Gang. Gleichzeitig übt Cans Macho-Welt eine Faszination auf den orientierungslosen Teenager aus. Als ihm von der Gang eines Tages die Schuhe »abgezogen« werden und er barfuß nach Hause kommt, bemerkt Felix’ Vater, was vor sich geht. Der angehende Literaturprofessor Simon Laub will den Konflikt durch ein Gespräch aus der Welt schaffen. Bei der ersten Begegnung mit Can wird aber schnell deutlich, dass der eine andere Sprache spricht. Felix wird Zeuge, wie macht- und hilflos sein Vater der explosiven Gewalt Cans gegenübersteht. Zwei Welten treffen hier aufeinander, die sich gegenseitig zu vernichten drohen. Es entspinnt sich eine scheinbar unaufhaltsame Spirale von Gewalt- und Racheaktionen, die schließlich in einer Katastrophe mündet. »Wut« von Max Eipp basiert auf dem gleichnamigen, mehrfach ausgezeichneten Fernsehfilm von 2006. Am Jungen Schauspielhaus wollen wir mit diesem Stoff eine grundsätzliche Wertedebatte mit unserem generationenübergreifenden Publikum anregen und führen.
Regie: Klaus Schumacher
Bühne und Kostüme: Katrin Plötzky
Musik: Tobias Vethake
Licht: Susanne Ressin
Dramaturgie: Stanislava Jević
Ort:
Malersaal
Termine:
Di, 28.2.2012, 19:00 |



Mi, 29.2.2012, 11:00 |


Cyrano de Bergerac
Romantische Komödie von Edmond Rostand
Cyrano de Bergerac – Poet, Abenteurer, politischer Querdenker und ein Star der Pariser Gesellschaft des 17. Jahrhunderts – wurde durch Rostands romantische Tragödie zu einer der populärsten Figuren der Theaterliteratur. Dominique Horwitz ist die Idealbesetzung für diesen Mann mit der grotesk langen Nase, die ihn daran hindert, der schönen Roxane seine Liebe zu gestehen, die ihn zum Außenseiter und tragischen Helden macht.
Der Regisseur Dominique Pitoiset befreit das Stück von jeglicher Mantel- und Degenromantik und richtet den Blick auf die zeitlosen Fragen: Was ist Schönheit, was Hässlichkeit? Welche Wirkung haben Bilder und welche dagegen Sprache und Poesie? Was ist ideale Liebe? Und warum muss sie scheitern?
Regie: Dominique Pitoiset
Bühne und Kostüme: Kattrin Michel
Musik: Peer Baierlein, Christian Gerber
Licht: Annette Ter Meulen
Dramaturgie: Frank Behnke
Fechttraining/-Choreographie: Emanuel Bettencourt
Kochcoaching: Werner Bartmann, Stefan Hopf, Andreas Langner
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Di, 7.2.2012, 20:00 |



So, 12.2.2012, 18:00 |



Di, 28.2.2012, 20:00 |



So, 4.3.2012, 20:00 |


Hosianna
von Przemek Zybowski
Adom, Mitte dreißig, übernächtigt, verläuft sich, vielleicht aus Zufall, in ein deutsch-polnisches Kulturfest. Noch bevor das allzu versöhnliche Theater einer solchen Festlichkeit beginnen kann, entzündet sich für den Sohn polnischer Einwanderer an der gutgemeinten Atmosphäre Widerspruch. Voll Ironie reißt er den Abend an sich, indem er sich in seine Kindheit in Polen zurückversetzt und einen Tag heraufbeschwört, den er zu einem Tag der Abrechnung mit seiner Vergangenheit werden lässt; einen Tag, an dem er über sich selbst hinauswächst; einen Tag, an dem er sich schuldig macht. Verfolgt von rasenden Magyaren und langbeinigen Fliegerinnen führt ihn sein Sprachausbruch über Felder und Friedhöfe und schließlich in die Kirche seines Geburtsdorfes, wo bereits die ganze Gemeinde samt Pfarrer Klementin auf ihn warten. Der einzige, der ihm noch helfen kann ist Tato, sein Vater. Aber der ist weit weg. Im Adoms deutschem Exil werden die Besucher des deutsch-polnischen Kulturfestes zu Zeugen seiner theatralen Beichte, für die er sich selbst die Absolution erteilen will.
Der Autor Przemek Zybowski wurde 1976 in Łódź, Polen, geboren und lebt seit 1985 in Deutschland. Er studierte Medizin in Heidelberg, Philadelphia, Kapstadt, Berlin und promovierte 2004 in Berlin: Rezensions- und Rezeptionsgeschichte zu »Der Gestaltkreis. Eine Theorie der Einheit von Wahrnehmen und Bewegen« von Viktor von Weizäcker. Nach der Promotion arbeitete er zunächst als Assistenzarzt in der psychiatrischen Klinik Theodor Wenzel Werk in Berlin, dann in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich. Im Rahmen der Arbeit als Assistenzarzt Weiterbildung in der Psychoanalyse. Seit 2007 Entwicklung eigener Theater- und Prosatexte, sowie Zusammenarbeit mit dem Regisseur Johannes Wenzel (2008, »Martha«, Theaterstück; 2009, »Hosianna«, Theatermonolog/Kurzprosa – veröffentlicht in [sic] – »Zeitschrift für Literatur« und in »lauter niemand«; 2009, »ROM«, Theaterstück – ausgezeichnet im Rahmen der Schreibwerkstatt des Theaterhauses Jena und nominiert für den JMR Lenz-Preis der Stadt Jena 2009; 2010, »ROM die lange Heimkehr in den Westen«, Theaterstück). Zwischen 2007 und 2010 zudem Hospitanzen (bei Dušan David Parizek am Schauspielhaus Hamburg und mehrfach bei Jürgen Gosch am Deutschen Theater Berlin und am Schauspielhaus Zürich), Assistenzen (bei Parizeks »Kabale und Liebe« am Schauspielhaus Hamburg und Goschs »Bakchen« am Berliner Ensemble Berlin) und in der Rolle des Kochs in Goschs »Möwe« am Deutschen Theater Berlin. Seit 2010 arbeitet er wieder als Assistenzarzt in der Psychiatrie am Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde und verbindet die Tätigkeit als Arzt weiterhin mit Schreiben und der Texterarbeitung mit Johannes Wenzel.
Regie: Johannes Wenzel
Bühne und Kostüme: Nicole Pleuler
Ort:
Kantine
Termine:
Sa, 4.2.2012, 20:30 |



Mi, 22.2.2012, 20:30 |


Eltern
Ein musikalischer Abend von Franz Wittenbrink
Wenn Menschen Eltern werden, passieren seltsame Dinge. Aus normalen Bürgern werden Eroberer unbekannter Welten. Beckenboden schwingend findet man sich plötzlich im Kreise einer neuen Schicksalsgemeinschaft wieder, trifft Kaufentscheidungen über Produkte, deren Existenz man vorher noch nicht einmal erahnte, und plaudert im Sandkasten über langkettige Kohlehydrate. Es wird eifrig gewickelt, geschnäuzt, gewischt, gefördert und gefordert, gestritten, gespielt und geliebt. Richtig ernst wird es, wenn die Kinder in die Schule kommen, dem Hauptschlachtfeld engagierter Eltern. Überall lauert die große Weltverschwörung, die dem hochbegabten Liebling schaden will und elterliche Solidarität verflüchtigt sich umgehend, wenn das Wohl des eigenen Kindes gesichert werden muss. »Eltern« zeigt Mütter und Väter, wie sie wirklich sind: Menschen, deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie sich ohne Kinder niemals begegnet wären. Aber jetzt verbindet sie ein Ziel: Nur das Beste für mein Kind.
Regie und musikalische Leitung: Franz Wittenbrink
Bühne: Raimund Bauer
Kostüme: Nini von Selzam
Musik: Franz Wittenbrink
Korrepetition: Manuel Weber
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Nicola Bramkamp
Mitarbeit: Anne Weber
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Mi, 8.2.2012, 20:00 |



Fr, 2.3.2012, 20:00 |



Mo, 26.3.2012, 20:00 |


Rico, Oskar und die Tieferschatten
von Andreas Steinhöfel
ab 8 Jahren
Für die Bühne bearbeitet von Felicitas Loewe
»Ich sollte an dieser Stelle wohl erklären, dass ich Rico heiße und ein tiefbegabtes Kind bin. Das bedeutet, ich kann zwar sehr viel denken, aber das dauert meistens etwas länger als bei anderen Leuten. An meinem Gehirn liegt es nicht, das ist ganz normal groß. Aber manchmal fallen ein paar Sachen raus, und leider weiß ich vorher nie, an welcher Stelle.« ANDREAS STEINHÖFEL, RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN
Rico, elf Jahre alt, ist tiefbegabt. In seinem Kopf »geht es manchmal so durcheinander wie in einer Bingotrommel«. Deshalb ist seine Mutter mit ihm in die lange und gerade Dieffenbachstraße in Berlin-Kreuzberg gezogen, so kann er sich auf dem Weg zur Förderschule nicht verlaufen. Seine Mutter arbeitet in einem Nachtclub, und Rico ist viel auf sich allein gestellt. Er hat gelernt, sein Leben selbstbewusst zu meistern. Dabei helfen ihm seine genaue Beobachtungsgabe und die Freundlichkeit und Offenheit, mit der er auf andere Menschen zugeht. Im Mietshaus, in dem er wohnt, kennt sich Rico bestens aus. Gern besucht er die Nachbarn, sieht sich in deren Wohnungen um oder schaut mit Frau Dahling abends einen Liebesfilm und isst dabei leckere Schnittchen. Nur die unheimlichen Tieferschatten, die nachts immer im leer stehenden Hinterhaus zu sehen sind, kann er sich nicht erklären. In den Sommerferien lernt er Oskar kennen. Oskar ist hochbegabt, weiß über alles Bescheid und läuft ständig mit einem Motorradhelm herum, für den Fall, dass er einen Unfall haben sollte. Wenn er mit Rico unterwegs ist, fürchtet sich Oskar weniger, und Rico ist froh, dass er sich mit Oskar an seiner Seite nicht so leicht verlaufen kann – perfekte Freunde also. Die beiden ungleichen Jungen erleben die aufregendsten Sommerferien, die sie je hatten. Ganz Berlin wird vom geheimnisvollen »Mister 2000« in Atem gehalten, der reihenweise Kinder entführt, nur 2000 Euro Lösegeld verlangt und deshalb der »Aldi-Kidnapper« genannt wird. Plötzlich verschwindet auch Oskar. Wenn Rico seinen Freund retten will, muss er seinen detektivischen Spürsinn benutzen und über sich selbst hinauswachsen. Immerhin ist Rico mutig genug, auf andere Menschen zuzugehen. Dabei muss er lernen, dass es manchmal nicht so leicht ist, herauszufinden, wem man wirklich vertrauen kann und wem nicht. Andreas Steinhöfel gelingt mit »Rico, Oskar und die Tieferschatten« eine genau beobachtete Studie des heutigen Lebens in der Großstadt. Das Mietshaus in der Dieffenbachstraße wird zum Mikrokosmos, in dem jeder Bewohner plastisch gezeichnet wird, ohne Beschönigungen, humorvoll und liebenswert. Soziale Probleme werden nicht ausgespart, Armut, Angst und Einsamkeit kommen vor, aber den Menschen gelingt es, damit umzugehen. »Rico, Oskar und die Tieferschatten « ist ein spannender Großstadtkrimi voller Humor und zugleich die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft, in der Kinder so sein dürfen, wie sie sind. Eine Geschichte, die zeigt, wie sich mit Mut, Neugier, Offenheit und vor allem mit der Hilfe eines guten Freundes auch die schwierigsten Situationen meistern lassen. Der Wahlberliner Andreas Steinhöfel (Jahrgang 1962) arbeitet als Autor, Übersetzer und Rezensent. Seine Kinder- und Jugendbücher gewannen viele Preise. So war sein Roman »Die Mitte der Welt« 1999 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. 2008 erhielt er den internationalen Buchpreis »Corine«, 2009 den »Erich Kästner Preis für Literatur«. Für »Rico, Oskar und die Tieferschatten« wurde Andreas Steinhöfel unter anderem mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 2009 und dem Katholischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.
Regie: Klaus Schumacher
Bühne: Katrin Plötzky
Musik: Tobias Vethake
Ort:
Malersaal
Termine:
Sa, 18.2.2012, 16:00 |



Mo, 20.2.2012, 11:00 |



Mo, 20.2.2012, 18:00 |


Im Stillen
von Clemens Mädge
Vor sechzig Jahren fragte sich Margarete, warum alle alten Frauen immer am Fenster sitzen und hinausstarren, wo doch da gar nichts Interessantes zu sehen ist. »Die wollen am Leben teilhaben!« antwortete ihre Mutter. Heute ist Margarete siebzig Jahre alt und allein. Sie lebt zwar mit ihrem Ehemann Hermann seit vierzig Jahren zusammen, nur kann von einem »zusammen « schon länger nicht mehr die Rede sein: Meistens sitzt Hermann vor dem Fernseher und Margarete allein an ihrem Küchentisch – gegen das aufkeimende Gefühl der Einsamkeit bewaffnet mit Fotoalbum, Erinnerungen, Kreuzworträtseln und seit neuestem mit einem Laptop. Was damals das Fenster war, ist für Margarete heute der Computer. Eine alte Schachtel, die frustriert in die Ferne starrt, will sie nämlich nicht sein. Sie will teilhaben am Leben! Doch so einfach ist das nicht. Enkel Jonas hat ihr zwar alles erklärt, doch Kontakte hat sie deshalb noch längst nicht. Wenn schon im echten Leben niemand Interesse an ihr hat, warum dann im Web 2.0? Also erfindet Margarete sich neu: »Ich bin 25 Jahre alt, wohne in Hamburg und arbeite in einem Café in der Schanze. Ich bin lebenslustig, habe Spaß, gehe gern tanzen und liebe die Natur. Mit freundlichen Grüßen, Maggie.« Margarete wird nun regelmäßige Bloggerin. Die neuen Welten gewähren ihr eine Zuflucht, die sie in der Realität nicht mehr findet. Während sie ihr eigentliches Leben immer kritischer betrachtet, vollzieht sich schleichend ein weiterer Prozess: Margarete wird dement. Wir verfolgen den langsamen Verlust von Identität und Beziehungen aus Margaretes Perspektive und aus der ihres Enkels Jonas. Während Margaretes Beschreibung der Verhältnisse immer wieder fast amüsant anmutet und ihr Blick auf die Dinge eine seltsame Klarheit und Radikalität besitzt, wird Jonas wie dem Zuschauer bange. Wir ertragen es nicht, dass jemand sich so verliert, auch wenn es bei Margarete für dieses Sich-Fremdwerden gar kein Bewusstsein gibt. Machtlos steht Jonas vor seiner Großmutter, die er liebt und die ihn nicht mehr erkennt.
Eine erste Fassung von »Im Stillen« ist 2008 im Rahmen der Reihe »Entschleunigung!« entstanden. Clemens Mädge hat mit seinem Text eine bestechend unsentimentale und genaue Betrachtung dieses Falles unternommen. Eine ebenso amüsante wie berührende Studie über Verlorenheit, ob in Altona oder im Web 2.0.
Regie: Clemens Mädge
Bühne: Anja Kreher
Kostüme: Anja Wendler
Licht: Susanne Ressin
Video: Marcel Didolff
Dramaturgie: Nora Khuon
Ort:
Malersaal
Termin:
Mi, 15.2.2012, 20:00 |


Gehen - Bleiben
Aus den Tagebüchern von Victor Klemperer
Bühnenfassung von Katrin Kazubko
Die Tagebücher des Romanisten Victor Klemperer (1881–1960) faszinierten seit ihrer posthumen Veröffentlichung im Jahre 1995 trotz oder gerade wegen der peniblen Alltagsbeschreibungen viele Leser. In »Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten« (1933–1945) und »So sitze ich denn zwischen allen Stühlen« (1946–1959) erzählt sich die Geschichte des Dritten Reichs und der deutschen Nachkriegszeit im geteilten Deutschland aus einer sehr persönlichen Perspektive. Bei der Bearbeitung der Tagebücher für die Bühne stand von vornherein das Interesse an dem Menschen Victor Klemperer im Mittelpunkt. Der Monolog reißt den Zuschauer hinein in den wechselhaften Strom eines Lebens, das auch ganz anders hätte verlaufen können, wenn Klemperer nicht aus Liebe zu Deutschland und aus Angst vor der Fremde geblieben wäre.
Als Sohn eines Rabbiners geboren, konvertierte Victor Klemperer bereits 1912 zum Protestantismus, was ihn jedoch ebensowenig wie die Ehe mit einer nichtjüdischen Frau vor Diskriminierung und Verfolgung durch das Hitlerregime bewahrte. Das Schicksal von sechs Millionen Juden, die in Konzentrationslagern leiden und sterben mußten, blieb ihm zwar erspart, aber beruflich kaltgestellt, durch Zwangsarbeit gedemütigt, enteignet und entrechtet, wurde seine Welt von Tag zu Tag enger, isolierter und trostloser. Die unter schwierigen Umständen und Gefahr geschriebenen Tagebuchnotizen waren für ihn Überlebensstrategie. Die Ironie seines Schicksals bestand in der Tatsache, daß er durch die Dresdner Bombennacht in letzter Minute vor der Deportation gerettet wurde.
Seine Hoffnungen auf Wiedergutmachung nach dem Krieg wurden bald enttäuscht. Klemperer wurde nicht als Opfer des Faschismus anerkannt, da er weder politischer KZ-Häftling noch Widerstandskämpfer gewesen war. Sein Glaube an die Menschheit war von Grund auf erschüttert. Sein Streben nach Anerkennung und Ruhm als Wissenschaftler war jedoch ungebrochen. Er wollte mit aller Macht an sein Leben vor 1933 anknüpfen und dreizehn verlorene Jahre nachholen.
Mit Zweifeln an der Richtigkeit seiner Entscheidungen quälte sich Victor Klemperer bis zu seinem Tod. In den Tagebüchern zeichnet sich eine zerrissene Persönlichkeit ab, die beim Leser gleichermaßen Sympathie, Antipathie und Mitleid hervorruft: Er war zögerlich und leidend. Er hatte Angst vor dem Tod und dem Leben. Minderwertigkeitsgefühle, Eitelkeit und Ehrgeiz standen ihm im Weg. Er selbst hat seine Stärken und Schwächen in seinen Tagebüchern immer aus jüdisch gewitzter Sicht auf das Leben und seine eigene Person beschrieben. In dem Monolog »Gehen – Bleiben« geht es um mehr als um ein Zeugnis deutscher Vergangenheit. Es geht um die Frage nach Selbstbestimmung oder Fremdbestimmung des Menschen: Schicksal, Zufall, Entscheidung? Gehen oder Bleiben?
Martin Oelbermann, geboren 1969 in Düsseldorf, studierte Philosophie und Französisch in Nordirland, sowie »Text & Performance Studies« an der Royal Academy of Dramatic Art in London. Drei Jahre arbeitete er als Regieassistent am Düsseldorfer Schauspielhaus. Dort inszenierte er die Uraufführung von Elfriede Jelineks Roman »Die Liebhaberinnen«. Diese Inszenierung wurde beim NRW-Theatertreffen 2003 mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet.
Regie: Martin Oelbermann
Ausstattung: Sabine Kohlstedt
Klangcollage: Hans-Peter »Shorty« Gerriets
Dramaturgie: Almut Wagner
Ort:
Kantine
Termin:
Do, 9.2.2012, 20:00 |


NippleJesus
von Nick Hornby
Hier ist ihr Platz, sagte sie. Passen sie auf. Wir rechnen mit massiven Problemen. Und dann ging sie.
Gute Kunst will bewacht sein, vor allem wenn sie so skandalträchtig ist wie die pornographische Darstellung des zentralen christlichen Motivs. »NippleJesus« heißt das Kunstwerk, das David, ehemaliger Rausschmeißer eines Clubs, bewachen soll.
Es ist mit Abstand betrachtet eine ganz normale Abbildung eines Kruzifixes – aus der Nähe eine Collage, zusammengesetzt aus Brustwarzen, herausgeschnitten aus Pornoheften. Für David ein schmutziger Job. Nach einer persönlichen Begegnung mit der Künstlerin verteidigt er ihr skandalöses Kunstwerk. Er wird zu dessen Anwalt, sowohl gegen das Urteil seiner Frau, wie auch gegen die Hetzkampagne von Politik, Medien und religiösen Fundamentalisten. David sieht seine Aufgabe darin, das Kunstwerk vor seinen Angreifern zu schützen und die Betrachter vor näherem Hinsehen zu bewahren. Unwissend ist er jedoch dem vernichtenden Konzept der Künstlerin ausgeliefert, dem auch das Kunstwerk zum Opfer fallen wird...
Regie: Konradin Kunze
Ausstattung: Christel Bergmann
Dramaturgie: Florian Vogel
Ort:
Marmorsaal
Termine:
Fr, 10.2.2012, 19:00 | Wiederaufnahme |



Fr, 24.2.2012, 19:00 |


Das Wunder von Schweden
Eine musikalische Möbelsaga von Erik Gedeon und Klas Abrahamsson
Im kargen, holzreichen Småland, dem Armenhaus Schwedens, steht 1926 die Wiege eines der Wunderkinder der freien Marktwirtschaft: Ingvar Kamprad. Als Sohn verarmter deutscher Einwanderer väterlicherseits und einer schwedischen Krämerfamilie mütterlicherseits, entdeckt Ingvar Kamprad schon als Kind die Faszination von Gewinnmargen. Als Fünfjähriger erwirbt er Streichholzschachteln im Hunderterpack, um sie einzeln mit einem Bruttogewinn von mehreren Öre pro Stück weiterzuverkaufen. Mit siebzehn gründet er ein Ein-Mann-Versandhaus, mit der Geschäftsidee, günstige, für jeden Geldbeutel erschwingliche Möbel zu verkaufen – zerlegbare Möbel, die die Kunden selber transportieren und zusammenbauen können: IKEA ist geboren. Innerhalb weniger Jahre wird die Firma zu einem der weltweit erfolgreichsten Unternehmen. In dem akribischen, für alle Filialen verbindlichen Verkaufskonzept steht Kostenbewusstsein an erster Stelle, es enthält aber auch einen Tugendkatalog für die Mitarbeiter, von denen Bescheidenheit und Sparsamkeit erwartet wird. Alle duzen sich, und Privilegien für leitende Angestellte sind abgeschafft. Kamprad, der es liebt, bei seinen Besuchen alle Mitarbeiter zu umarmen wie eine große Familie, weigert sich hartnäckig, mit seinem Unternehmen an die Börse zu gehen und überführt das gesamte Firmenkapital in eine Stiftung, um seinen privaten Reichtum zu beschränken. Ausdrücklich bekennt sich der IKEA-Gründer zur Idee eines verantwortungsvollen, sozialverträglichen, »guten Kapitalismus«.
Der Regisseur, Autor und Komponist Erik Gedeon und sein schwedischer Co-Autor Klas Abrahamsson entwickeln einen Abend zwischen Birke und Börse, in dem sie, mit viel Musik und schwarzem Humor, der Frage nachgehen, ob es so etwas wie »guten Kapitalismus« überhaupt geben kann (und wenn ja, wie viel er kostet). Getreu dem genuin schwedischen Erscheinungsbild des Möbelhauses orientieren sich die Kompositionen an der älteren nordischen Musikgeschichte. Dabei kommen auch die Möbel selbst zu Wort, darunter die singende Sitzgruppe »Bornholm« und der steppende Hängeschrank »Dunsen«.
Regie, Musik und musikalische Leitung: Erik Gedeon
Bühne: Ulrich Frommhold
Kostüme: Dagmar Fabisch
Dramaturgie: Florian Vogel
Licht: Rebekka Dahnke
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Sa, 11.2.2012, 20:00 | Wiederaufnahme |



So, 19.2.2012, 20:00 |



Do, 8.3.2012, 20:00 |


Die Gerechten
von Albert Camus | Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel
Wir befinden uns im vorrevolutionären Russland. Eine Gruppe von Mitgliedern der Partei der Sozialrevolutionäre plant ein Bombenattentat auf den Großfürsten. Ihr Ziel ist die Befreiung des Volkes von der Tyrannei des Zarenregimes. Die Vorbereitungen sind getroffen. Erwartungsvoll blicken alle Augen auf den charismatischen Revolutionär Janek Kaljajew, der den Großfürsten auf dem Weg vom Palast zum Theater in die Luft jagen soll. Doch es kommt anders als geplant: In der Kutsche sitzen auch Nichte und Neffe des Großfürsten – die Anwesenheit der Kinder lässt Janek zögern. Der erste Attentatsversuch misslingt, und zwischen den Revolutionären entbrennt eine Debatte darüber, wie weit der Einsatz von Gewalt im Kampf um Gerechtigkeit gehen darf. Wir dringen in das Innere einer Terrorzelle ein: Da ist Stepan, der verhärtete Gerechtigkeitsfanatiker, der nach Haft, Folter und Flucht voller Hass ist und sogar Kinder für die »gerechte Sache« opfern würde. Ihm stehen die Liebenden Janek und Dora gegenüber, die sich mit ihrem Glauben an eine humane Gerechtigkeit gegen diese unerbittliche Position wenden. Da ist der Anführer der Truppe, Boris, der zwischen diesen beiden Positionen zu vermitteln sucht. Und schließlich der junge Alexej, der sich vom Studium abgewandt hat, um das Unrecht zu bekämpfen, aber erkennen muss, dass er der Aufgabe nicht gewachsen ist. Sie alle befinden sich in einer existen ziellen Situation. Wir werden Zeugen ihrer Zweifel und ihres Ringens um Gerechtigkeit, Liebe und Leben. Camus’ Drama wird oft verkannt als ein Thesenstück. Tatsächlich analysiert Camus mit gedanklicher Präzision die unterschiedlichen Positionen zur Frage der Legitimität politisch motivierter Attentate. Seine dramatische Qualität gewinnt das Stück aber vor allem dadurch, dass diese ideologischen Positionen in den handelnden Personen leibhaftig verkörpert werden. Der Widerspruch zwischen ihrer ideologischen Haltung und ihrem Mensch-Sein durchzieht nicht nur die Diskussionen unter den Revolutionären, die sich darüber nicht verständigen können, sondern er geht als Riss durch Camus’ Menschen selbst, bis sie an ihm zerbrechen. Mit Camus werfen wir einen Blick in die Geschichte des Terrorismus und gelangen dabei zu Fragen der Legitimität von politischen Anschlägen. Für ein junges Publikum ist dieses Stück besonders geeignet, sind seine Protagonisten doch in ihrer Suche nach Gerechtigkeit und Liebe, wie Enzensberger sie nannte, »Träumer des Absoluten«.
Alexander Riemenschneider, 1981 geboren, hat bereits während des Studiums an der Theaterakademie Hamburg mit seinen Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht. Seine Adaption des Romans »Der Schaum der Tage« von Boris Vian wurde zu mehreren europäischen Festivals u.a. in die Slowakei, nach Österreich und Frankreich eingeladen. Seine Diplominszenierung »Caligula« von Albert Camus auf Kampnagel wurde überregional wahrgenommen. Seit seinem Studienabschluss im Mai 2009 arbeitet er an Bühnen in Potsdam, Göttingen, Bonn, Berlin und demnächst auch in Oldenburg. Mit »Die Gerechten« inszeniert er nach »Von Mäusen und Menschen« von John Steinbeck zum zweiten Mal am Jungen Schauspielhaus.
Regie: Alexander Riemenschneider
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Rimma Starodubzeva
Musik: Gregor Schwellenbach
Licht: Andreas Juchheim
Dramaturgie: Stanislava Jević
MIt: Christine Ochsenhofer
Ort:
Malersaal
Termine:
Di, 21.2.2012, 19:00 |



Mi, 22.2.2012, 19:00 |


Die Dreigroschenoper
von Bertolt Brecht
Nach John Gays »The Beggar’s Opera«
übersetzt aus dem Englischen von Elisabeth Hauptmann
Musik von Kurt Weill
Ist die Dreigroschenoper noch zu retten? Als das Werk 1928 auf der Bühne des Theaters am Schiffbauerdamm in Berlin erschien, war es eine Sensation, unwiederholbar: in seiner Mischung aus Musik, die in ihren Mitteln so avanciert wie populär war, und einer, nun ja, lässig erzählten Geschichte, die sich nichts Geringeres vornahm, als den gesellschaftlichen Zynismus mit den Mitteln des Unterhaltungstheaters provokativ zu unterlaufen. Das Ergebnis ist bekannt: Erstickungstod durch Erfolg. Grund genug für den Versuch, dem Werk von neuem auf seine inhaltlichen Sprünge zu verhelfen. Wie? Durch ein Ur-Brechtsches Mittel: die Verfremdung. Anstatt im gefälligen Einklang mit dem Zynismus des Textes seine Pointen zu genießen, wollen wir Motivforschung bei den Figuren betreiben. Herausbekommen, was es wohl ist, das da in ihnen »lügt, hurt, stiehlt und mordet«, die alte Frage Büchners, seinem Danton in den Mund gelegt. Der Mensch ist ein Abgrund, die Welt sowieso: Aus den Comics kennen wir die Figur, die, meistens auf der Flucht, über einen Abgrund hinausgetragen wird. Und wehe, sie blickt hinab... So wollen wir die Dreigroschenoper erzählen. Die Geschichte eines Verbrechers, den fallen zu lassen sich die Gesellschaft gar nicht leisten kann, soll nicht das ganze System zusammenbrechen. Die Geschichte eines Kampfes aller gegen alle. Die Geschichte der (Z)Ersetzung von Liebe durch – Interessen. Im großen Reich der Verdinglichung. Eine Forschungsreise in den vermeintlich bekannten Kontinent eines Unterhaltungs-Klassikers. Ins Herz der Finsternis. Mit Musik.
Regie: Jarg Pataki
Musikalische Leitung: Markus Voigt
Bühne: Anna Börnsen
Choreographie: Rica Blunck
Kostüme: Heide Kastler
Dramaturgie: Michael Propfe
Licht: Annette Ter Meulen
Ort:
Schauspielhaus
Termin:
Di, 23.10.2012, 20:00 |


Romeo und Julia
von William Shakespeare
»Liebe ein zartes Ding? Sie ist grob, zu roh, zu wild und sticht wie Disteldorn.«
WILLIAM SHAKESPEARE, ROMEO UND JULIA
Von der Kraft der Liebe, die zwei junge Menschen über sich hinauswachsen lässt, um alle Hindernisse zu überwinden und die schließlich doch Tod und Zerstörung bringt, handelt Shakespeares berühmte Tragödie. Fast schon sprichwörtlich steht sie für eine kompromisslose, grenzüberschreitende Liebe. Was ist die geheimnisvolle Macht dieses großen Gefühls? Für Romeo und Julia ist es nur ein kurzer Augenblick, der ihre ganze Welt aus den Fugen hebt. Auf einem Fest begegnen sie sich zum ersten Mal, ein Blick genügt, um eine stürmische Liebe zu entfachen. Doch Romeo und Julia stammen aus zwei bis auf den Tod verfeindeten Familien, ihre Liebe steht von Beginn an unter einem unglücklichen Stern. Nur heimlich, im Schutz der Nacht, kann Romeo zu Julias Balkon gelangen. Dort versprechen sich beide ewige Treue, dort beschließen sie, ihren eigenen Weg des Gefühls zu gehen, gegen die Brutalität des Krieges ihrer Elternhäuser. Aber die Gewaltspirale lässt sich nicht aufhalten; als in einem Streit zwischen beiden Clans Romeos bester Freund ermordet wird, tötet Romeo Julias Vetter. Romeo wird für diese Tat aus der Stadt verbannt. Jetzt kommt die Politik ins Spiel. Pater Lorenzo hofft, sich die Liebe der beiden zunutze machen zu können, um den Streit zwischen den Familien beilegen zu können. Gegen die Interessen der Eltern entwickelt er einen Plan, um Romeo und Julia zur Flucht zu verhelfen. In bester Absicht geht er ein hohes Risiko ein und scheitert: Romeo und Julia sterben. Erst ihr Tod bringt die Versöhnung der Familien. »Romeo und Julia« erzählt von der revolutionären Kraft der Liebe in all ihren schöpferischen und zerstörerischen Formen. Es ist die erste große Liebe zweier ganz junger Menschen, eine verspielte, unschuldige Liebe und ein großes, starkes Gefühl. Doch die Vernunft fordert ihr Recht in Form einer gänzlich unvernünftigen Feindschaft, von der keiner mehr weiß, warum sie entstand. Nach »Was ihr wollt« und »Hamlet« ist »Romeo und Julia« Klaus Schumachers dritte Shakespeare-Inszenierung. Wie in »Hamlet«, erleben wir auch hier das Aufeinanderprallen zweier Generationen. Das Stück erzählt von zwei jungen Menschen, die schon früh dazu gezwungen werden, sich mit den Konflikten der Erwachsenenwelt auseinanderzusetzen. Sie entwickeln ihre Utopie als Antwort auf die Fesseln der gesellschaftlichen Realität: Sie wollen ihren eigenen Weg gehen und nur ihrer Liebe folgen. Auch wenn dieser Weg in den Tod führt, geht es Shakespeare nicht darum, den Ungehorsam gegenüber den Eltern zu bestrafen; er beschwört mit der ganzen Suggestivkraft seiner Poesie die beglückende Erfahrung der Leidenschaft. Die Titelrollen werden Aleksandar Radenković und Julia Nachtmann spielen.
Klaus Schumacher, Künstlerischer Leiter des »Jungen Schauspielhauses«, inszeniert regelmäßig auf der Großen Bühne des Schauspielhauses (»Was ihr wollt«, »VORSTELLUNGEN!«). Außerdem arbeitete er am Staatstheater Stuttgart, am Schauspiel Hannover und am Bremer Theater. Für seine Inszenierung »Mutter Afrika« ist er mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem »Rolf-Mares-Preis« sowie dem deutschen Theaterpreis »Der Faust«.
Regie: Klaus Schumacher
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Tobias Vethake
Dramaturgie: Michael Propfe
Licht: Susanne Ressin
Kampftrainer: Frank Meyer-Brockmann
Ort:
Schauspielhaus
Termin:
Mo, 20.2.2012, 20:00 |


Nur ein Tag
von Martin Baltscheit
ab 5 Jahren
Eintagsfliege: »Wenn sie nicht gesagt hätten, was ich wirklich bin, dann hätte ich es vergessen, dann hätte ich einfach nur einen schönen Tag gehabt, einen wunderschönen Tag, den schönsten in meinem Leben.« MARTIN BALTSCHEIT, NUR EIN TAG
Als Wildschwein und Fuchs eines schönen Tages einer kleinen Eintagsfliege beim Schlüpfen zuschauen, weiß Wildschwein sofort, dass es eigentlich besser wäre, sich gleich aus dem Staub zu machen. Denn was geschähe, wenn die kleine Fliege ganz bezaubernd wäre und sie beide sich mit ihr anfreundeten, ja, sich vielleicht sogar in sie verliebten? Dann bliebe nur ein einziger Tag, um die vielen schönen Dinge des Lebens miteinander zu teilen. Fuchs allerdings entgegnet: »Wer weint denn um eine Eintagsfliege?« und ist sich sicher: »Der Tod ist wie das Leben unvermeidbar.« Doch davon ahnt die Eintagsfliege nichts. Sie glaubt als echte Maifliege ein ganzes langes Leben vor sich zu haben. Vor Lebenslust sprühend hat sie, kaum auf der Welt, sogleich einen ziemlich vollen Terminkalender: Erstens will sie einen Beruf erlernen, zweitens heiraten, drittens alt werden und ganz nebenbei noch ein paar Sprachen lernen! Fuchs und Wildschein finden das frisch geschlüpfte, quietschlebendige Wesen so wundervoll, dass sie es nicht übers Herz bringen, der Fliege die Wahrheit zu sagen. Um zu erklären, warum sie so traurig sind, erfinden sie eine absurde Geschichte über ganz selten vorkommende »Eintagsfüchse «, welche nur einen Tag zu leben haben. Als die Fliege das hört, wirft sie bestürzt all ihre eigenen hochfliegenden Pläne über Bord und macht es sich zur Lebensaufgabe, den Fuchs glücklich zu machen. Unter ihrer Anleitung wird das Leben dieser drei ungleichen Zeitgenossen zum Spiel fürs Leben: Sie gehen in die Schule, verlieben sich, heiraten, kriegen Kinder, werden alt. Wofür andere ein ganzes Leben brauchen, das schaffen Fuchs und Wildschwein mit der lebenslustigen Eintagsfliege in nur 24 Stunden! Doch Fuchs und Wildschwein verstricken sich immer mehr in ihrer erfundenen Geschichte und am Ende müssen sie den Betrug doch eingestehen… »Nur ein Tag« von Martin Baltscheit erzählt auf wunderbare Weise von der Vergänglichkeit der Zeit und der unbändigen Kraft des Lebens. Baltscheit fragt aus kindlicher Sicht: Wie viel wollen wir über uns selbst überhaupt wissen? Lässt es sich noch leben, wenn man beständig um den Tod weiß? Warten wir unser Leben lang auf das Unvermeidliche oder leben wir einfach, bis das Unvermeidliche eintrifft? Eine Geschichte für Kinder und Erwachsene, die auf berührende und humorvolle Art von Leben, Tod und Glück erzählt.
Gertrud Pigor arbeitet seit 1995 als freischaffende Regisseurin und Autorin. »Nur ein Tag« ist bereits ihre vierte Inszenierung am Jungen Schauspielhaus. Ihre bisherigen Arbeiten »Die zweite Prinzessin«, »Ein Schaf fürs Leben« und »Die faulste Katze der Welt« waren in den letzten Spielzeiten allesamt große Erfolge. Pigors Inszenierungen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Musikalität, Vitalität und Humor aus. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet sie auch mit dem Theater Kiel und dem Staatstheater Saarbrücken.
Regie: Gertrud Pigor
Bühne und Kostüme: Lena Hinz
Musik: Jan Fritsch
Licht: Jonathan Nacke
Dramaturgie: Constance Cauers
Ort:
Rangfoyer
Termine:
Sa, 4.2.2012, 16:00 |



Mo, 6.2.2012, 11:00 |



Fr, 10.2.2012, 11:00 |


Warteraum Zukunft
von Oliver Kluck
Kleist-Förderpreis für junge Dramatik 2010
Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen 2010
»Leben im Warteraum Zukunft, am Ort der nicht erfolgten Revolte, hier im Vertrauen auf die Generationen davor, die Platz machen werden, die schon im Boot sitzend die Hand reichen. Um es vorwegzunehmen: das Warten ist vergebens, keine Hilfe in Sicht, es rette sich ein jeder selbst. Der Warteraum Zukunft auch als Geschichte dieses Lebens, das einfach da ist wie die Bewegung, die Kreisbewegung, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt. Nur ein Tag, mit Aussicht auf Zukunft, stellvertretend für all jene, die ihre Gute Nachricht in der Verwirklichung ihrer weltlichen Profession zu finden glauben.« OLIVER KLUCK
Oliver Kluck beschreibt in seinem Stück auf hochkomische und sprachlich brillante Weise den jungen Ingenieur Daniel Putkammer, der in der Mechanik des Angestelltendaseins gefangen ist und auf den erhofften Karrieresprung wartet. Zwischen stumpfsinnigem Arbeitsalltag, Entscheidungsschwäche und vergeblichem opportunen Verhalten, schlittert er schließlich in die Katastrophe. Oliver Kluck wurde für dieses Stück mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatik ausgezeichnet, einem der renommiertesten Literaturförderpreise. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Marius von Mayenburg, Andreas Sauter und Bernhard Studlar sowie Dirk Laucke. Oliver Kluck, 1980 auf Rügen geboren, und ausgestattet mit »lohnend kompromissloser Welt- und Schreibwut« (Theater heute), studierte Dramaturgie, Prosa und Essayistik. Für sein Stück »Das Prinzip Meese« wurde er im Mai 2009 mit dem Förderpreis für neue Dramatik des Berliner Stückemarktes ausgezeichnet. Es wurde im Februar 2010 am Maxim Gorki Theater Berlin uraufgeführt. Im Oktober 2009 fand am Theater Chemnitz die Uraufführung von »Zum Parteitag Bananen« statt. Bezeichnend ist, dass Kluck während seines Grundwehrdienstes eine Leidenschaft für das Verfassen von Beschwerdebriefen entwickelte. Diese präzise, messerscharfe Art zu denken und zuzuspitzen findet man in seinen Texten wieder. Er verlässt dabei die klassische dramatische Dialogstruktur und beschreibt in einem Ineinander aus inneren Monologen und Dialogen eine Welt aus Verachtung und Anpassung, in der schließlich die latente Gewaltbereitschaft eskaliert.
Alice Buddeberg, geboren 1982 in Frankfurt am Main, studierte Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg. Inszenierungen u.a. »Der Menschenfeind« und »Heiner Müller Material 1&2« am Theater Bremen, »Hamlet« am Theaterhaus Jena, »Frühlings Erwachen« und »Kabale und Liebe« am Deutschen Theater Göttingen und »Hedda Gabler« am Schauspiel Frankfurt (in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen 2009).
Regie: Alice Buddeberg
Bühne: Cora Saller
Kostüme: Martina Küster
Musik: Stefan Paul Goetsch
Licht: Andreas Juchheim
Dramaturgie: Stephanie Lubbe
Ort:
Rangfoyer
Termine:
Di, 14.2.2012, 20:00 |



Mi, 15.2.2012, 20:30 |


Mädchen in Uniform - Wege aus der Selbstverwirklichung
von René Pollesch
nach Christa Winsloe
Wenn du hier von Repression sprichst in diesem Stift, dass dich jemand am Ausdruck hindert, und dass für dich das größte Unglück darin besteht, in der größten Verzweiflung nicht die Schreibmaschine zur Hand nehmen zu können und deiner Verzweiflung Luft zu machen, dann vergiss nicht, dass der deregulierte Markt da draußen nur auf eine weitere verzweifelte aber exaltierte Künstlerin gewartet hat. Der Gleichschritt hier in der Universität ermöglicht uns jetzt schon Widerstand zu formulieren gegen die Formlosigkeit da draußen. Wir können in dem Drill hier, der die Entsolidarisierung als exaltierte Künstlerinnen vorbereitet da draußen, wir können uns in dem Drill hier ein letztes Mal als gesellschaftliche Wesen erkennen.
Was ist denn eine realistische politische Erfahrung? Doch nicht Modelle des Protests, bei dem irgendwelche Erlebnisjugendlichen Autos anzünden. Wenn es überhaupt eine Opposition gibt, dann doch dieses Frauenbataillon. Das Individuum verkennt seinen Gleichschritt! Das Labyrinth der individuellen Erfahrung, das jeder von uns aufgefordert wird immer und immer wieder neu zu betreten und sich in Selbstverwirklichung einzuüben. Das ist Gleichschritt! Und nicht das Frauenbataillon. Nicht das Kollektiv ist Totalisierung! Dass sich alle ihre immer gleiche individuelle Erfahrung, ihre Tränen über den verlorenen Teddybären als sich selbst erzählen, das ist Totalisierung.
Text und Regie: René Pollesch
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Tabea Braun
Chorleitung: Christine Groß
Dramaturgie: Anna Heesen
Licht: Kevin Sock
Ort:
Schauspielhaus
Termine:
Mi, 15.2.2012, 20:00 |



Do, 1.3.2012, 20:00 |

