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Thalia in der Gaußstraße

Die Gaußstraße ist Dependance des Thalia Theaters und Stadtteiltheater von Hamburg Altona gleichermaßen – offen für alle aus dem Großraum Hamburg, aber mit starker Anbindung an den kreativen Melting Pot Altona aus Arbeitern, Künstlern, bürgerlichem Mittelstand und einer zunehmend interkulturellen Gesellschaft. Besonders dem multinationalen Zusammenhang wird das Programm des Thalias in der Gaußstraße verstärkt Rechnung tragen und gleichzeitig Kreativort für ungewöhnliche und junge künstlerische Initiativen sein.

In den letzten zehn Jahren hat sie sich die Gaußstraße vom Fabrikgelände in ein Kreativzentrum mit dem Charme eines New Yorker Hinterhofs verwandelt. Hier hat sich das Thalia eine Spielstätte und Probebühnen erobert. Wir gestalten weiter: Das Foyer ist offener, großzügiger, wohnlicher und lädt noch entschiedener zur Kommunikation ein. Die zweite Spielstätte neben der Thalia Gauß ist die Thalia Gauß Garage, ein Ort mit Patina, ein Ort für Experimente und zum Entdecken.

Kontakt

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg

Telefon: +49 (0)40-306039-10 / -12
E-Mail: petra.mai@thalia-theater.de

 

Kartenkasse
Mo-Sa 10-19 Uhr
So und Feiertage 16-18 Uhr
info@thalia-theater.de
Tel. 040.32814-444, Fax -212
Theater

Iran-Konferenz

von Iwan Wyrypajew

Deutschsprachige Erstaufführung: 21. Oktober 2018

Am 15. Februar 2017 findet an der Kopenhagener Universität eine öffentliche Konferenz zur „Iran­Frage“ statt. Geisteswissenschaftler verschiedener Fakultäten, Schriftsteller, Journalisten sowie bekannte Persönlichkeiten des Kulturlebens diskutieren über die Konkurrenz zweier Weltanschauungen, die der Konferenzleiter als „religiösen Traditionalismus“ und „humanistischen Rationalismus“ zu beschreiben versucht. Wie unvereinbar die Positionen sind, wird schon beim ersten Redner deutlich. Nicht Mündigkeit und Kritik, sondern Selbsterkenntnis, Hingabe und Gottergebenheit seien die Themen, über die es zu sprechen gelte. Es regt sich Widerstand. Wie man eine Instanz akzeptieren könne, die sich für die Atombombe, Kriege, Folter, die Todesstrafe, Auspeitschungen und den amerikanischen Präsidenten entschieden habe. Die Antwort: Gott schreibt das Menschenschicksal begleitet von Musik der Tränen.

Spätestens jetzt platzt einigen Konferenzteilnehmern der Kragen.

Regie: Matthias Günther
Ausstattung: Bettina Kirmair, Annika Stienecke
Dramaturgie: Hannah Stollmayer
Theater

Im Herzen der Gewalt

von Édouard Louis

Auf der Straße begegnet Édouard einem jungen Mann. Er heißt Reda. Ein Flirt beginnt. Er nimmt ihn mit nach Hause. Eine schöne Nacht, doch sie wird Édouards Leben nachhaltig verändern, als Reda ihn mit einer Pistole bedroht, fesselt und vergewaltigt. Édouard flieht aus Paris zu seiner Schwester Clara in die Provinz, aus der er einst verschwand, beschimpft als Schwuchtel und behandelt wie ein Aussätziger. Lauschend hinter einer Tür wird Édouard Zeuge, wie seine Schwester Clara ihrem Mann die Geschichte dieser verhängnisvollen Nacht erzählt und kommentiert.
Ist das noch seine eigene Geschichte?
Alles in Édouards Kopf dreht sich um diese Erfahrung im „Herzen der Gewalt“, um seine Scham, überhaupt darüber zu sprechen, seine verspätete Anzeige bei der Polizei, die Untersuchungen und Befragungen durch Juristen, Ärzte und Polizisten. Er fühlt sich seiner Geschichte beraubt und er wird mit dem Rassismus der Beamten konfrontiert, die im Polizeijargon von dem Täter bloß als „maghrebinischem Typus“ sprechen. „Für sie“, so Édouard, „implizierte maghrebinischer Typus keine geographische Information, sondern bedeutete schlicht Schurke, Übeltäter, Krimineller.“

Édouard Louis, der mit seinem autobiografschen Roman „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der französischen Literatur avancierte, thematisiert auch in seinem zweiten Roman die strukturelle und physische Gewalt, die Sprache und Politik ausüben. „Unsere Welt ist tief von Gewalt geprägt“, sagt Édouard Louis, „Die einzige Möglichkeit, die Gewalt zu bekämpfen, ist, darüber zu sprechen."

Regie: Franziska Autzen
Konzert

Patentöchter

Im Schatten der RAF - ein Dialog von Julia Albrecht und Corinna Ponto

Am 30. Juli 1977 bekommt Jürgen Ponto Besuch von Susanne Albrecht, der Tochter seines Jugendfreundes Hans­Christian Albrecht. Völlig überraschend erschießen ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, Mitglieder der Rote Armee Fraktion, den Vorstandssprecher der Dresdner Bank in seinem eigenen Haus.
Corinna Ponto ist 20 Jahre alt, als ihr Vater ermordet wird, Julia Albrecht erst dreizehn, als ihre Schwester Susanne den Mördern ihres Patenonkels Zugang zu seinem Haus verschafft. Das Band zwischen den befreundeten Familien ist zerstört.
13 Jahre lang sieht Julia ihre Schwester nur auf Fahndungsplakaten. Als nach dem Mauerfall 1990 Susannes zweites Leben in der DDR enttarnt wird, kommt es zu einer ernüchternden Begegnung in einem Berliner Untersuchungsgefängnis.
30 Jahre nach der Tat, die beider Leben geprägt hat, nimmt Julia Albrecht Kontakt zu Corinna Ponto auf. Der in ihrem gemeinsamen Buch „Patentöchter“ dokumentierte Briefwechsel wirft einen neuen Blick auf die bis heute ausschließlich von Dritten gedeutete Tat. Gemeinsam beginnen die beiden Frauen einen Dialog über Schuld und Vergebung.
Entstanden ist ein faszinierendes Dokument der Zeitgeschichte, das weit über die seelischen Verletzungen hinausweist, von denen es eindrücklich und berührend erzählt.

Regie: Gernot Grünewald
Theater

Bilder deiner großen Liebe

von Wolfgang Herrndorf
Ein Abend von Birte Schnöink & Marie Rosa Tietjen

Ein Abend über Isa, die Herrscherin über das Universum, die Planeten und Alles.

Ein Roadtrip. Durch Wälder und Pfützen, Gedanken und Gedankenstriche. Isa ist bewaffnet. Eine radikale Denkerin, die wenn sie es will, die Sonne verschieben kann. Sie geht zu Fuß. Mit einer Pause am goldenen Berg. „Von oben sehe ich über das Land und bin müde. Im Innern wüten eiserne Zangen. Ich versuche zu schlafen und kann es nicht. Ich versuche weiterzugehen und kann es nicht. Ich konzentriere mich auf die Sachlage und komme zu dem Ergebnis, dass ich Hunger habe.“
Dann geht Isa weiter. Satz für Satz. Ort für Ort.
Und dazwischen? „Das sind die Löcher der Kausalität. Es sind die fehlenden Übergänge von Ursache und Wirkung. An diesen Stellen klafft das ganze Universum auf.“, so zitiert Wolfgang Herrndorf den Philosophen
Joseph Vogl in seinem Blog „Arbeit und Struktur“.

Seine letzte Arbeit „Bilder deiner großen Liebe“ bleibt nach Herrndorfs Freitod im Jahr 2013 ein unvollendeter Roman, ein „kaputtes“ Werk.

Regie: Marie Rosa Tietjen
Dramaturgie: Christina Bellingen
Bühne: Katharina Pia Schütz
Kostüme: Birte Schnöink, Marie Rosa Tietjen
Video: Birte Schnöink, Marie Rosa Tietjen
Darsteller: Birte Schnöink
Theater

Das Wetter

Ein feiner Nebelvorhang hängt über den Morgenstunden. Von der See her weht schwacher Wind in Richtung eines südöstlichen Tiefdruckgebiets. Nach dezentem Druckabfall in Bodennähe verstärkt er sich, trägt den Nebel fort und entblößt am späten Vormittag die Frühlingssonne. Sie geht still auf ihren Zenit zu und erwärmt die aufsteigende Luft, bis gegen zwei Uhr die Höchsttemperatur erreicht wird. Am frühen Nachmittag schieben sich Wolken vor die Szene. Winde fahren auf. Leichter Nieselregen kündigt einen Wetterumschwung an.
Lange hatte das Theater kein Dach über dem Kopf. Es fand unter freiem Himmel statt, direkt unter den Augen der Götter. Wind und Wetter waren natürliche Bestandteile der Dionysien, Blitz und Donner spielten in der Tragödie sich selbst. Die unbeherrschbare Natur war unteilbar verbunden mit der Poesie. Inzwischen sind Himmel und Theater getrennt. Die Angst vor dem, was „draußen“ ist, hat das Wetter ausgesperrt. Dabei ist das Naturschauspiel der Ursprung des Dramas – Katastrophe und Katharsis sind Geschwister.

Alle reden ständig über das Wetter. Sie haben Recht damit. Jan Philipp Stange inszeniert das Wichtigste und Unwichtigste, das es gibt. Mit schmelzenden Polen und Donnerblitzen, mit Langeweile und Gummistiefeln. Jeden Tag aufs Neue. Jan Philipp Stange, der erstmals am Thalia Theater arbeitet, war mit seiner Inszenierung „Der 10. Juni 2016“ beim Hamburger Festival „Körber Studio Junge Regie“ zu Gast.

Regie: Jan Philipp Stange
Bühne: Jakob Engel
Kostüme: Anthoula Bourna
Video: Jonas Alsleben
Sounddesign: Jakob Spengemann
Dramaturgie: Matthias Günther
Theater

Auerhaus

von Bov Bjerg

Du hast die Augen zu und treibst auf deiner Luftmatratze, ein sanfter Wind weht, und du denkst, geil, jetzt lebe ich für den Rest meines Lebens hier in dieser Lagune, in der Südsee. Und dann machst du die Augen auf und merkst, es ist bloß ein Nachmittag am Baggersee, und zack ist der auch schon vorbei.

Anfang der achtziger Jahre in einer westdeutschen Kleinstadt: Frieder hat versucht, sich umzubringen. Damit das nicht wieder passiert, ziehen seine besten Freunde mit ihm in das leerstehende Haus seines Großvaters. Fünf junge Menschen im Auerhaus – damals läuft „Our House“ von Madness im Radio rauf und runter: „we would have such a very good time, such a fine time, such a happy time and I remember how we play simply waste the day away“. Im Auerhaus gibt es kaum Regeln und neben den Vorbereitungen zum Abitur werden Partys gefeiert und mit Drogen und freier Liebe experimentiert. Denn „Liebe ist kein Kuchen, der kleiner wird, wenn man ihn teilt.“

„Auerhaus“ feiert die Unschuld der Provinz, der Jugend und des Moments – aber vor allem dieGemeinschaft. Es erzählt von dem Wunsch einer ganzen Generation nach Freiheit.

Regie: Franziska Autzen
Bühne: Ute Radler
Kostüme: Miriam Zabek
Musik: Johannes Hofmann
Dramaturgie: Emilia Linda Heinrich
Theater

Secondhand-Zeit

nach Swetlana Alexijewitsch

Die Sowjetunion – seit 26 Jahren gibt es sie nicht mehr. Mit ihr starb ein Versuch, eine Utopie, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Erstickt im bürokratischen Kommandosystem, diente jedes Leben dieser einen Idee. Die weißrussische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch fragt Menschen im heutigen Russland nach ihrem Leben vor und nach dem Versprechen von Freiheit und Demokratie. Aber sie fragt nicht nach Sozialismus, sondern nach Liebe, Eifersucht, Kindheit, Alter oder Heimat: „Das ist die einzige Möglichkeit, die Katastrophe in den Rahmen des Gewohnten zu zwingen und etwas darüber zu erzählen“. Worin liegt die Demütigung einer Gesellschaft, die heute konfrontiert ist mit der vermeintlichen Formel: Für alle reicht es nicht?

Regie: Johanna Louise Witt
Dramaturgie: Emilia Linda Heinrich
Theater

Das Ende von Eddy

von Édouard Louis

Eddy Bellegueule wächst in einem kleinen französischen Dorf auf, wo jeder jeden kennt und beobachtet. Und ziemlich früh schon scheint er nicht so zu sein wie die anderen Jungs. Er wird gehänselt und als Schwuchtel beschimpft bevor er überhaupt versteht, warum er wie ein Aussätziger behandelt wird. Die Eltern sind mit sich beschäftigt, schlechte Arbeit, wenig Geld… Eddy versucht irgendwie klarzukommen, mit sich, der Familie, den Mitschülern, mit all den eigenen Sehnsüchten und Projektionen der anderen. Und das, was als normal gilt, zeigt die Gewalttätigkeit und Verlogenheit der Anderen. Eines Tages hat Eddy die Nase voll und läuft von Zuhause weg.

2014 erhielt der sprachgewaltige Autor Édouard Louis den Pierre Guénin-Preis, der besonderes Engagement gegen Homophobie auszeichnet.

Regie: Alek Niemiro
Bühne: Marion Schindler
Darsteller: Steffen Siegmund
Live-Musik: Tom Gatza
Theater

Der Spieler

von Fjodor M. Dostojewskij

Im Kurort Roulettenburg geht es zwischen Hotel und Casino vor allem um: GELD. Es regiert diese Welt der Ausschweifung, verspricht neben gesellschaftlicher Anerkennung Intensität und unendlichen Rausch, lässt all die Schulden vergessen, auf die diese Scheinwelt aufgebaut ist. Im Moment des Spielens wird jede drückende Abhängigkeit überwunden, das Unmögliche erscheint wirklich, Freiheit pur, grenzenlos – bis es heißt „Rien ne va plus“ und die Kugel rollt, der Zufall entscheidet. Dafür wird mit allem gedealt, was liquide macht, um sich weiterhin den vorgetäuschten Reichtum vorspielen zu können. Da wird der Familienschmuck verscherbelt – und auch Liebesbeziehungen sind ihr Geld wert, eine mögliche lukrative Heirat ist eine Option und die Frauen setzen sich selbst als Kapital ein oder werden von anderen dazu genötigt.
Der mittellose Alexej lebt als Hauslehrer in der Familie eines bankrotten russischen Generals, der ungeduldig auf die Nachricht des Todes einer Erbtante wartet – seine letzte Chance, den totalen Ruin abzuwenden. Seine Stieftochter Polina ist ausgerechnet mit dem Franzosen liiert, der der Gläubiger des Generals ist. Aus Liebe zu Polina versucht Alexej, das nötige Geld für eine bessere Zukunft am Roulettetisch zu beschaffen, für die Liebe, für das Leben, alles soll sich ändern. Aus der Liebe wird Trieb und schließlich Spielsucht. Und die ewige Illusion: morgen, morgen wird alles besser. Morgen kommt das große Glück! Und so lange sich noch etwas Geld auftreiben lässt, wird die Kugel rollen. Bis nichts mehr geht
„Der Spieler“, der autobiografische Züge trägt, entstand 1866. Dostojewski hatte sich zuvor seinem Verleger gegenüber verpflichtet, einen Roman zu einem festen Termin zu liefern, weil er dringend Geld brauchte. Als er unter Zeitnot geriet, engagierte er Anna Snitkina, eine Stenographin, der er in 26 Tagen seinen Roman „Der Spieler“ diktierte. Vier Monate später heiratete er sie.

Regie: Jan Bosse
Theater

Nathan die Weise

Von Gotthold E. Lessing

In Heiner Müllers sehr kurzem Drama „Lessings Traum“ sagt ein Schauspieler in Lessing-Maske, er würde anfangen, seinen Text zu vergessen. Er sei ein Sieb. Die Worte fielen hindurch. Was hilft? Vielleicht Schlaf. Vielleicht kommt der Text zurück in neuer Form aus anderen Mündern. Oder wir wagen selbst einen flüchtigen Blick in Lessings „Nathan“, den Schulbuchklassiker aus dem Jahr 1779, dem ewigen Stück der Stunde, das auf dem Plan steht, wenn Streit zwischen den Religionen ausbricht.

Es heißt, im Stück spricht die Stimme aufgeklärter Humanität in Zeiten religiöser Intoleranz. Wir lesen von Männern, die Frauen aus Flammen retten. Von Männern, die mit viel guten Worten und viel gutem Willen die Welt retten. Lässt sich das neu befragen? Was wissen wir denn? Was glauben wir denn? Wer weiß denn was? Was weiß denn der? Was weiß denn die? Wer ist denn unser Freund? Wer ist denn unser Feind? Wer weiß denn, ob wir in Wirklichkeit nicht alle verwandt sind?
Und vor dem fallenden Vorhang stehen die Geschwister Blanda von Filnek und Curd von Stauffen, erzählen alles nochmal von vorn, leicht verändert, weil man weiß, was man weiß.

„Nathan die Weise“ ist für Regisseurin Leonie Böhm ein Emanzipationsstück für alle Laien-predigerinnen. Das alte Stück, der altertümliche Rap mit den vielen einschüchternden Blankversen wird neu justiert: „Ich habe Nathan als ein Stück gelesen, in dem es, wie in unserer Gesellschaft, Angebote gibt, wer wir darin sein sollen und werden könnten. Es geht darum für mich nicht um Religion, sondern die Religionen sind Beispiele dafür, dass man seine Identität immer aus der jeweiligen Sozialisation begründen kann. Daher gibt es aber, wie in der Ringparabel, keine richtige Religion, keine absolute Wahrheit, keine richtige Lebensweise. Jeder Glaube ist daher möglich, aber keiner notwendig. Man glaubt daran, was man gelernt hat. Wie kann man nun (friedlich) zusammenleben und kommunizieren in einer Welt/Stadt/Familie, in der jeder äußerlich ein unterschiedliches Identitätskonzept hat (Werte/ Regeln/Erzählungen/Selbstbilder). Eine Lösung ist Nathans Lehre, die dazu auffordert, sich auf die konkreten Begegnungen mit Menschen einzulassen und ihre scheinbar feststehenden sozialen Rollen spielend zu befragen. Unser Stück heißt ‚Nathan die Weise‘, dabei geht es in diesem Zusammenhang um die neue Weise des Zusammenseins in Zeiten tiefer Verunsicherung, in der man nur so zugeballert wird mit Identitätskonzepten.“ (Leonie Böhm)

Regie: Leonie Böhm
Dramaturgie: Matthias Günther
Live-Musik: Johannes Rieder
Bühne: Sören Gerhardt
Theater

Besuch bei Mr. Green

von Jeff Baron

Manchmal braucht das Glück etwas Nachhilfe. Mr. Green bekommt einen Crash-Kurs in Mitmenschlichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes: Es fehlt nicht viel, und der störrische alte Mann, der sich seit dem Tod seiner Frau Yetta meist in der Wohnung verbarrikadiert, wird von Ross Gardiner angefahren. Der junge Angestellte, jüdischer Herkunft wie Mr. Green, bekommt nun die gerichtliche Auflage, sich einmal pro Woche um ihn zu kümmern.

Begeistert ist der Eigenbrötler Green von seinem neuen Besucher nicht. Doch langsam nähern sich die beiden an: Über koscheres Essen, milchickes Geschirr und Ross‘ Unkenntnis jüdischer Gebräuche, über Gespräche über die Familie. Als es um eine mögliche Frau für Ross geht, wird die beginnende Vertrautheit erst einmal jäh gestört.

„Besuch bei Mr. Green“ ist eine Komödie über den Zusammenprall unterschiedlicher Lebensmodelle, Religionen, Generationen und über Mühe und Gewinn, die mit der Überwindung von Grenzen oft verbunden sind.

Das 1996 in Massachusetts uraufgeführte Stück des amerikanischen Autors Jeff Baron wurde in über 22 Sprachen übersetzt und gilt als erfolgreiches Paradestück für einen jungen und einen älteren Schauspieler. Peter Maertens, der mit Unterbrechung bereits über 50 Jahren zum Ensemble des Thalia Theaters gehört, spielt die Rolle des Mr. Green.

Regie: Wolf-Dietrich Sprenger
Ausstattung: Achim Römer
Dramaturgie: Christine Ratka
Theater

Die Odyssee

Eine Irrfahrt nach Homer

Als Odysseus in den Trojanischen Krieg zog, ließ er seine Frau Penelope mit einem Säugling zurück. Nun, 20 Jahre später, ist der Sohn zum Jüngling herangereift. Telemachos hat seinen Vater nie gesehen. Er kennt Erzählungen über den einfallsreichen Odysseus, aber ob der große Kriegsheld noch lebt, weiß er nicht. Eines Tages erscheint ein Mann auf dem väterlichen Hof auf der Insel Ithaka, der ein großes Bildnis des Odysseus mit sich trägt. Er kennt, wie sich herausstellt, den Kriegsheld: Telegonos ist ebenfalls ein Sohn des Odysseus. Mit seiner Mutter, der schwarzen Zauberin Kirke, lebte Odysseus ein Jahr auf der Insel Aiaia zusammen, nachdem sie die Hälfte seiner Gefährten in Schweine verwandelt hatte.
Telemachos und Telegonos erwarten nun gemeinsam die Rückkehr des wandlungsreichen Mannes, den es so oft vom Wege abtrieb, seit er Troja zerstörte.

Regie: Antú Romero Nunes
Dramaturgie: Matthias Günther
Musik: Johannes Hofmann
Theater

Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel

von Theresia Walser

Mit einem zynischen Zitat des dichtenden lybischen Despoten Muammar al-Gaddafi betitelt Theresia Walser ihre bitterböse Komödie: Drei Gattinnen ehemaliger Staatsoberhäupter – Frau Margot, Frau Imelda und Frau Leila – sind davon überzeugt, dass ihr schlechtes Image auf einem Missverständnis beruhen müsse. Auch der Freiheitswille des Volkes sei völlig überbewertet. Ähnlichkeiten zu realen Vorbildern wie Margot Honecker, Imelda Marcos und Leila Ben Ali sind im Übrigen nicht zufällig. Die drei Frauen treffen während einer Pressekonferenz anlässlich der Verfilmung ihres Lebens aufeinander. Ein Dolmetscher löst mit kleinsten Missverständnissen zwischen ihnen politische Verwerfungen aus. Dabei sind doch zwei Männer bereits verstorben und der dritte steht aktuell „vor so einem grotesken holländischen Gericht, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

„Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ ist die Regie-Abschlussarbeit von Friederike Harmstorf. Sie war Regieassistentin am Thalia Theater, wo sie u.a. mit Dimiter Gotscheff, Leander Haußmann, Nicolas Stemann und Johan Simons arbeitete. Sie war mitverantwortlich für die szenische Einrichtung der Urlesung „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek und produziert den Film „Am Ende ist man tot“ von Daniel Lommatzsch. Außerdem hat sie sich in zahlreichen szenischen Einrichtungen im Nachtasyl Jahrhundertfrauen wie Mata Hari, Lou Andreas-Salomé, Anna Achmatowa und Gertrude Stein gewidmet.

Regie: Friederike Harmstorf
Bühne: Sammy Van den Heuvel
Kostüme: Sibylle Wallum
Dramaturgie: Anne Rietschel
Theater

Ich rufe meine Brüder

von Jonas Hassen Khemiri

„Ich rufe meine Brüder an und sage: Da ist neulich so ein krankes Ding passiert. Habt ihr gehört? Ein Mann. Ein Auto. Zwei Explosionen. Mitten in der City. Ich rufe meine Brüder an und sage: Jetzt geht’s los. Haltet euch bereit.“ Amor ist ein junger Mann – Enkel, Freund, Cousin, Student – dessen Normalität plötzlich zusammenbricht, als in Stockholm eine Autobombe explodiert. Amor glaubt, die Aufmerksamkeit aller anderen auf sich zu ziehen; und in jedem Blick vermutet er einen Verdacht. Seine Realität beginnt sich zu verschieben, als er anfängt, die diffuse Angst vor islamistischem Terror auf sich zu projizieren. „Weißt du, ich bin nicht sicher, wie viel sich nur in meinem Kopf abspielt“, gesteht er Valeria, seiner Jugendliebe. Möglichst normal versucht er trotzdem, seinem Alltag nachzugehen. Aber wie sieht „normal“ eigentlich aus, wenn man plötzlich zur Projektionsfläche von Vorurteilen wird? Wieviel hat er wirklich mit dem Attentat zu tun? Schnell wird deutlich, wie leicht sich die Wahrnehmung von Täter und Opfer, von Realität und Einbildung verwischen und manipulieren lässt. Jonas Hassen Khemiris Texte haben bereits Tradition am Thalia: Nachdem „Invasion!“ in der Regie von Antú Romero Nunes bereits in der sechsten Spielzeit zu sehen sein wird, ist „Ich rufe meine Brüder“ nach „Wir sind Hundert“ das dritte Stück des schwedischen Autors im Spielplan. Seine Texte nehmen immer wieder gewohnte Wahrnehmungsmuster auseinander und beschäftigen sich auf ungewöhnliche Weise mit der Frage nach dem scheinbar „Fremden“ in unserer Mitte.

Regie: Anton Kurt Krause
Ausstattung: Sibylle Wallum
Dramaturgie: Anne Rietschel
Theater

Srebrenica - "I counted my remaining life in seconds…"

Ein Projekt von Branko Šimić und Armin Smailovic

Bosnien und Herzegowina 1995: Innerhalb von 5 Tagen werden in Srebrenica 8000 Männer ermordet, obwohl die Stadt zu dieser Zeit UN­Schutzzone ist. Genau 20 Jahre später begeben sich Fotograf Armin Smailovic und Regisseur Branko Šimić, beide aus Bosnien und Herzegowina, mit ihrem dokumentarischen Theaterprojekt auf Spurensuche und entwerfen eine minimalistische Theaterkompo­sition im Spannungsfeld Opfer – Täter– Zuschauer.
„Srebrenica – ‚I counted my remaining life in seconds…‘“ basiert auf den Biografien von drei Männern: Ein Überlebender des Völkermords, heute einer der Hauptzeugen vor dem Den Haager Tribunal, ein hollän­discher UN­Soldat, der 1995 in der Stadt stationiert war, und ein Soldat der bosnisch­serbischen Kommandoeinheit, der heute mit komplett neuer Identität lebt.
Der Fotograf Armin Smailovic hat die Biografien der Zeugen in tau­senden von Fotografien nacherzählt, die die ästhetische Basis des Projekts bilden. Smailovic führte persönliche Interviews; Protokolle der Aussagen in Den Haag komplettieren die Materialsammlung. Gemein­sam mit Regisseur Branko Šimić entsteht ein Projekt zwischen Be­richterstattung, persönlichem Schicksal und politischer Metaebene, das die Dimension des größten Kriegsverbrechens in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg auf die Bühne bringt und seine fatalen Folgen für die politische Welt(un)ordnung der letzten 20 Jahre beleuchtet.

Regie: Branko Šimić
Bilddokumentation: Armin Smailovic
Ausstattung: Ute Radler
Dramaturgie: Susanne Meister
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen / Theater Thalia Theater Hamburg Hamburg, Alstertor 1
Aufführungen / Ballett Hamburg Ballett John Neumeier Hamburg, Caspar-Voght-Straße 54
Aufführungen / Theater theater itzehoe Itzehoe, Theodor-Heuss-Platz 1
Aufführungen / Aufführung Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Schwerin, Graf-Schack-Allee 11
Aufführungen / Theater Ohnsorg-Theater GmbH Hamburg, Große Bleichen 23-25
Aufführungen / Theater Theater Schachar Hamburg, Bogenstraße 36
Aufführungen / Konzert Laeiszhalle - Musikhalle Hamburg Hamburg, Johannes-Brahms-Platz
Aufführungen / Theater Alt-Rahlstedter Theatergruppe Hamb urg, Scharbeutzer Straße 36
Erstklassiges Amateurtheater ausHamburg Leitung Hanna Barthels
Aufführungen / Konzert Musikseminar Hamburg Hamburg, Max-Brauer-Allee 24
Aufführungen / Konzert Junge Philharmonie Elbe-Weser Stade, Im Johanniskloster
Aufführungen / Aufführung Kultur Bühne Bugenhagen Hamburg, Biedermannplatz 19
"Ensemble Proszenium"
Aufführungen / Oper OPERNLOFT Hamburg, Fuhlenwiete 7
Aufführungen / Konzert Jazzclub im Stellwerk Hamburg, Hannoversche Str. 85 (direkt im Bahnhof Harburg)
Aufführungen / Theater Amateurtheater VB Thalia v.1879 e,V, Hamburg, Maike-Harder-Weg 19
Geschäftsstelle Rainer Pietschmann
Aufführungen / Operette Hamburger Engelsaal Hamburg, Valentinskamp 40 - 42
Das Theater der leichten Muse
Aufführungen / Theater Theater in der Washingtonallee Hamburg, Washingtonallee 42
www.theaterwashingtonallee.de
Aufführungen / Theater Pantheater Haseldorf, Deichreihe 29
Aufführungen / Kabarett DAS SCHIFF Hamburg, Holzbrücke 2 / Nikolaifleet
Hamburgs Theaterschiff
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Galli Theater Hamburg Hamburg, Behringstraße 26-28
Aufführungen / Theater Altonaer Theater Hamburg, Museumstraße 17
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Straße 25
Aufführungen / Konzert Halle4.24 Hamburg, Stockmeyer Str. 41
Konzerthalle für Klassik und Jazz