zur Startseite

Thalia in der Gaußstraße

Die Gaußstraße ist Dependance des Thalia Theaters und Stadtteiltheater von Hamburg Altona gleichermaßen – offen für alle aus dem Großraum Hamburg, aber mit starker Anbindung an den kreativen Melting Pot Altona aus Arbeitern, Künstlern, bürgerlichem Mittelstand und einer zunehmend interkulturellen Gesellschaft. Besonders dem multinationalen Zusammenhang wird das Programm des Thalias in der Gaußstraße verstärkt Rechnung tragen und gleichzeitig Kreativort für ungewöhnliche und junge künstlerische Initiativen sein.

In den letzten zehn Jahren hat sie sich die Gaußstraße vom Fabrikgelände in ein Kreativzentrum mit dem Charme eines New Yorker Hinterhofs verwandelt. Hier hat sich das Thalia eine Spielstätte und Probebühnen erobert. Wir gestalten weiter: Das Foyer ist offener, großzügiger, wohnlicher und lädt noch entschiedener zur Kommunikation ein. Die zweite Spielstätte neben der Thalia Gauß ist die Thalia Gauß Garage, ein Ort mit Patina, ein Ort für Experimente und zum Entdecken.

Kontakt

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg

Telefon: +49 (0)40-306039-10 / -12
E-Mail: petra.mai@thalia-theater.de

 

Kartenkasse
Mo-Sa 10-19 Uhr
So und Feiertage 16-18 Uhr
info@thalia-theater.de
Tel. 040.32814-444, Fax -212
Theater

Kaspar

von Peter Handke

Premiere. 25. November 2018, Thalia Gauß (Garage)

„Das Stück Kaspar zeigt nicht wie ES WIRKLICH IST oder WIRKLICH WAR mit Kaspar Hauser. Es zeigt, was MÖGLICH IST mit jemandem. Es zeigt, wie jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht werden kann.
Das Stück könnte auch ‚Sprechfolterung‘ heißen.“ Peter Handke

Es ist das Jahr 1968. Peter Handke hat zwei Jahre zuvor mit „Publikumsbeschimpfung“, seinem ersten „Sprechstück im Beat-­Rhythmus“, die bürgerlichen Zuschauer brüskiert und ist über Nacht zum jungen Popstar der Literatur geworden. Es ist die Zeit der Studentenbewegung. Die Zeit der Revolte gegen Konvention und Kodex – und die Bühne betritt Kaspar. Auf ungeübten Beinen, ein Wesen, halb Clown, halb Kind, versucht dieser Nachfahre des Kaspar Hauser seine ersten Schritte in eine Gesellschaft. Noch kennt er keine Sprache, keine Tradition, keine Zivilisation. Sein Sprachschatz umfasst nur einen einzigen rätselhaften Satz: „Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein anderer gewesen ist“. Der Sonderling wiederholt ihn immer und immer wieder. Probiert ihn in allen Variationen aus.

Kaspar ist das asoziale Wesen mitten in unserer Gesellschaft. Ein Mensch ohne Mitmenschen. Ungebändigt, regellos und manipulierbar. Anonyme unsichtbare Sprecher, die sogenannten Einsager, mischen sich ein. Sie drillen Kaspar mit Wörtern und Sätzen.
Nach „Immer noch Sturm“ und „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ ist „Kaspar“ das dritte Handke­Stück auf dem Spielplan. Inszenieren wird Handkes „Klassiker“ die Regisseurin Leonie Böhm, die mit ihrer Thalia-­Inszenierung „Nathan die Weise“ zum Festival Radikal Jung 2017 eingeladen wurde.

Regie: Leonie Böhm
Bühne: Sören Gerhardt
Kostüme: Helen Stein, Lena Schön
Dramaturgie: Christina Bellingen
Musik: Johannes Rieder
Theater

Geisterseher

nach Friedrich Schiller

Premiere: 05. Januar 2019, Thalia Gauß

Schiller hielt es für „Schmiererei“, was er da als Aufreißer für sein verkaufsschwaches Intellektuellen­-Blatt „Thalia“ hinschrieb. Doch „Geisterseher“, die Sex­, Drogen­ und Gangsterstory vom reichen Prinzen, den unerträglicher „Realitätsterror“ in die Ferne treibt, um dort die „Schranken der Gegenwart“ niederzureißen, dieser Youngster­Thriller wurde prompt ein Hit. Der junge Spross eines deutschen Fürstenhauses hat seine Familie verlassen und lebt seitdem ohne Profession und Sorgen vom Geld seiner Eltern in Venedig. Doch das Auftauchen eines rätselhaften Armeniers und eine Reihe von Todesfällen bereiten der Ruhe ein Ende. Die Mysterien im Leben des Prinzen häufen sich – und da man sich der eigenen Hyperaufgeklärtheit ja nie hundertprozentig sicher sein kann, entschließt er sich tapfer zur Teilnahme an einer Séance. Ein Stück über Vernunft, Glaube, Irrsinn und einen Strudel aus Rausch und Erkenntnis, in dem sich die Schillerschen antagonistischen Triebe „Form“ und „Spiel“ gegenseitig ausstechen.

2009 hat die Diplominszenierung des jungen Regisseurs AntúRomero Nunes mit seinen Mitabsolventen der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Jirka Zett und Paul Schröder, am Maxim Gorki Theater Berlin für großes Aufsehen gesorgt. Mit Beginn der Spielzeit 2018&19 kommt Jirka Zett als festes Ensemblemitglied ans Thalia Theater – und ist mit Paul Schröder und Hausregisseur Antú Romero Nunes wieder an einem Haus vereint. Das soll Anlass für die Wiederaufnahme des „Geisterseher“ sein, mit dem vor neun Jahren alles begann.

Regie: Antú Romero Nunes
Dramaturgie: Nina Rühmeier, Emilia Linda Heinrich
Jugendprogramm

Simpel

nach dem Roman von Marie­-Aude Murail

Uraufführung: 28. November 2018

Barnabé Maluri, „Simpel“ genannt, ist 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Dreijährigen. Seine Mutter ist gestorben; sein jüngerer Bruder Colbert hat ihr vor ihrem Tod versprochen, sich um Simpel zu kümmern, und nimmt ihn zu sich, nachdem der Vater eine neue Partnerin gefunden und Simpel in einem Heim untergebracht hat. Als Colbert in die Großstadt geht, um dort die Schule zu beenden, ziehen beide Brüder in eine WG, in der es mehr als turbulent zugeht.
In der Fassung des Thalia-­Dramaturgen Matthias Günther wird die Geschichte über Anderssein und Behinderung aus der Perspektive Colberts erzählt, der neu in eine Klasse kommt.

Ab Klasse 7/8

Regie: Helge Schmidt
Dramaturgie: Matthias Günther
Mit: Philipp Weggler

Mit freundlicher Unterstützung der Haspa und der Budnianer Hilfe e.V.
Theater

Iran-Konferenz

von Iwan Wyrypajew

Am 15. Februar 2017 findet an der Kopenhagener Universität eine öffentliche Konferenz zur „Iran­Frage“ statt. Geisteswissenschaftler verschiedener Fakultäten, Schriftsteller, Journalisten sowie bekannte Persönlichkeiten des Kulturlebens diskutieren über die Konkurrenz zweier Weltanschauungen, die der Konferenzleiter als „religiösen Traditionalismus“ und „humanistischen Rationalismus“ zu beschreiben versucht. Wie unvereinbar die Positionen sind, wird schon beim ersten Redner deutlich. Nicht Mündigkeit und Kritik, sondern Selbsterkenntnis, Hingabe und Gottergebenheit seien die Themen, über die es zu sprechen gelte. Es regt sich Widerstand. Wie man eine Instanz akzeptieren könne, die sich für die Atombombe, Kriege, Folter, die Todesstrafe, Auspeitschungen und den amerikanischen Präsidenten entschieden habe. Die Antwort: Gott schreibt das Menschenschicksal begleitet von Musik der Tränen.

Spätestens jetzt platzt einigen Konferenzteilnehmern der Kragen.

Regie: Matthias Günther
Ausstattung: Bettina Kirmair, Annika Stienecke
Dramaturgie: Hannah Stollmayer
Theater

Im Herzen der Gewalt

von Édouard Louis

Auf der Straße begegnet Édouard einem jungen Mann. Er heißt Reda. Ein Flirt beginnt. Er nimmt ihn mit nach Hause. Eine schöne Nacht, doch sie wird Édouards Leben nachhaltig verändern, als Reda ihn mit einer Pistole bedroht, fesselt und vergewaltigt. Édouard flieht aus Paris zu seiner Schwester Clara in die Provinz, aus der er einst verschwand, beschimpft als Schwuchtel und behandelt wie ein Aussätziger. Lauschend hinter einer Tür wird Édouard Zeuge, wie seine Schwester Clara ihrem Mann die Geschichte dieser verhängnisvollen Nacht erzählt und kommentiert.
Ist das noch seine eigene Geschichte?
Alles in Édouards Kopf dreht sich um diese Erfahrung im „Herzen der Gewalt“, um seine Scham, überhaupt darüber zu sprechen, seine verspätete Anzeige bei der Polizei, die Untersuchungen und Befragungen durch Juristen, Ärzte und Polizisten. Er fühlt sich seiner Geschichte beraubt und er wird mit dem Rassismus der Beamten konfrontiert, die im Polizeijargon von dem Täter bloß als „maghrebinischem Typus“ sprechen. „Für sie“, so Édouard, „implizierte maghrebinischer Typus keine geographische Information, sondern bedeutete schlicht Schurke, Übeltäter, Krimineller.“

Édouard Louis, der mit seinem autobiografschen Roman „Das Ende von Eddy“ zum Shootingstar der französischen Literatur avancierte, thematisiert auch in seinem zweiten Roman die strukturelle und physische Gewalt, die Sprache und Politik ausüben. „Unsere Welt ist tief von Gewalt geprägt“, sagt Édouard Louis, „Die einzige Möglichkeit, die Gewalt zu bekämpfen, ist, darüber zu sprechen."

Regie: Franziska Autzen
Konzert

Patentöchter

Im Schatten der RAF - ein Dialog von Julia Albrecht und Corinna Ponto

Am 30. Juli 1977 bekommt Jürgen Ponto Besuch von Susanne Albrecht, der Tochter seines Jugendfreundes Hans­Christian Albrecht. Völlig überraschend erschießen ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, Mitglieder der Rote Armee Fraktion, den Vorstandssprecher der Dresdner Bank in seinem eigenen Haus.
Corinna Ponto ist 20 Jahre alt, als ihr Vater ermordet wird, Julia Albrecht erst dreizehn, als ihre Schwester Susanne den Mördern ihres Patenonkels Zugang zu seinem Haus verschafft. Das Band zwischen den befreundeten Familien ist zerstört.
13 Jahre lang sieht Julia ihre Schwester nur auf Fahndungsplakaten. Als nach dem Mauerfall 1990 Susannes zweites Leben in der DDR enttarnt wird, kommt es zu einer ernüchternden Begegnung in einem Berliner Untersuchungsgefängnis.
30 Jahre nach der Tat, die beider Leben geprägt hat, nimmt Julia Albrecht Kontakt zu Corinna Ponto auf. Der in ihrem gemeinsamen Buch „Patentöchter“ dokumentierte Briefwechsel wirft einen neuen Blick auf die bis heute ausschließlich von Dritten gedeutete Tat. Gemeinsam beginnen die beiden Frauen einen Dialog über Schuld und Vergebung.
Entstanden ist ein faszinierendes Dokument der Zeitgeschichte, das weit über die seelischen Verletzungen hinausweist, von denen es eindrücklich und berührend erzählt.

Regie: Gernot Grünewald
Theater

Dritte Republik

von Thomas Köck

Eine Landvermesserin und ihr Kutscher irren durch einen Schneesturm. Es ist das Jahr 1918 – sie sollen die Außengrenzen nach Kriegsende neu vermessen. In der Undurchsichtigkeit des Schneetreibens, die die Erfüllung des Auftrags unmöglich macht, treffen die beiden auf unterschiedlichste Figuren und ihre Versionen einer Idee Europas. Unter ihnen ist auch der Hamburger Reedereidirektor und Visionär transnationalen Handels Albert Ballin, der sich am 9. November, dem Tag der Ausrufung der ersten demokratischen Republik, das Leben nimmt.

In einem kafkaesken Setting über die letzten 100 Jahre hinweg bis heute, entwerfen der Autor Thomas Köck und die Regisseurin Elsa-Sophie Jach, die "dritte republik" als ein Verfassungskonzept für ein taumelndes Europa zwischen Globalisierung und nationalstaatlichen Sehnsüchten: die Dystopie eines autokratischen und neoliberalen Staatenbunds, ausgelöst durch den Rechtsruck mehrerer europäischer Länder.

Der junge Österreicher Thomas Köck gehört zu den interessantesten gegenwärtigen Autoren für das Theater. Anlässlich des hundertsten Jahrestags des 9. November 1918 hat das Thalia Theater ihn gebeten, über den Wandel, aber vor allem die Zukunft Europas nachzudenken.
Die Regisseurin Elsa-­Sophie Jach ist Absolventin der Hamburger Theaterakademie. „dritte republik“ ist ihre erste gemeinsame Arbeit am Thalia Theater.

Regie: Thomas Köck, Elsa-Sophie Jach
Bühne: Stephan Weber
Kostüme: Sophie Klenk-Wulff
Dramaturgie: Emilia Linda Heinrich
Musik: Max Kühn
Theater

Bilder deiner großen Liebe

von Wolfgang Herrndorf
Ein Abend von Birte Schnöink & Marie Rosa Tietjen

Ein Abend über Isa, die Herrscherin über das Universum, die Planeten und Alles.

Ein Roadtrip. Durch Wälder und Pfützen, Gedanken und Gedankenstriche. Isa ist bewaffnet. Eine radikale Denkerin, die wenn sie es will, die Sonne verschieben kann. Sie geht zu Fuß. Mit einer Pause am goldenen Berg. „Von oben sehe ich über das Land und bin müde. Im Innern wüten eiserne Zangen. Ich versuche zu schlafen und kann es nicht. Ich versuche weiterzugehen und kann es nicht. Ich konzentriere mich auf die Sachlage und komme zu dem Ergebnis, dass ich Hunger habe.“
Dann geht Isa weiter. Satz für Satz. Ort für Ort.
Und dazwischen? „Das sind die Löcher der Kausalität. Es sind die fehlenden Übergänge von Ursache und Wirkung. An diesen Stellen klafft das ganze Universum auf.“, so zitiert Wolfgang Herrndorf den Philosophen
Joseph Vogl in seinem Blog „Arbeit und Struktur“.

Seine letzte Arbeit „Bilder deiner großen Liebe“ bleibt nach Herrndorfs Freitod im Jahr 2013 ein unvollendeter Roman, ein „kaputtes“ Werk.

Regie: Marie Rosa Tietjen
Dramaturgie: Christina Bellingen
Bühne: Katharina Pia Schütz
Kostüme: Birte Schnöink, Marie Rosa Tietjen
Video: Birte Schnöink, Marie Rosa Tietjen
Darsteller: Birte Schnöink
Theater

Das Wetter

Die Wettervorhersage live mit Wetterexperte Frank Böttcher und Bekim Latifi

Ein feiner Nebelvorhang hängt über den Morgenstunden. Von der See her weht schwacher Wind in Richtung eines südöstlichen Tiefdruckgebiets. Nach dezentem Druckabfall in Bodennähe verstärkt er sich, trägt den Nebel fort und entblößt am späten Vormittag die Frühlingssonne. Sie geht still auf ihren Zenit zu und erwärmt die aufsteigende Luft, bis gegen zwei Uhr die Höchsttemperatur erreicht wird. Am frühen Nachmittag schieben sich Wolken vor die Szene. Winde fahren auf. Leichter Nieselregen kündigt einen Wetterumschwung an.
Lange hatte das Theater kein Dach über dem Kopf. Es fand unter freiem Himmel statt, direkt unter den Augen der Götter. Wind und Wetter waren natürliche Bestandteile der Dionysien, Blitz und Donner spielten in der Tragödie sich selbst. Die unbeherrschbare Natur war unteilbar verbunden mit der Poesie. Inzwischen sind Himmel und Theater getrennt. Die Angst vor dem, was „draußen“ ist, hat das Wetter ausgesperrt. Dabei ist das Naturschauspiel der Ursprung des Dramas – Katastrophe und Katharsis sind Geschwister.

Alle reden ständig über das Wetter. Sie haben Recht damit. Jan Philipp Stange inszeniert das Wichtigste und Unwichtigste, das es gibt. Mit schmelzenden Polen und Donnerblitzen, mit Langeweile und Gummistiefeln. Jeden Tag aufs Neue. Jan Philipp Stange, der erstmals am Thalia Theater arbeitet, war mit seiner Inszenierung „Der 10. Juni 2016“ beim Hamburger Festival „Körber Studio Junge Regie“ zu Gast.

Regie: Jan Philipp Stange
Bühne: Jakob Engel
Kostüme: Anthoula Bourna
Video: Jonas Alsleben
Sounddesign: Jakob Spengemann
Dramaturgie: Matthias Günther
Theater

Dancer in the Dark

nach dem gleichnamigen Film von Lars von Trier

Amerika im Jahr 1960. Selma Jezkova hat große Sorgen. Die tschechische Einwanderin leidet an einer Augenkrankheit, die sie nach und nach erblinden lässt. Auch ihr zwölfjähriger Sohn hat die Krankheit geerbt. Um Geld für die rettende Operation des Kindes zu verdienen, schiebt sie Doppelschichten in einer Metallfabrik. Ihre Sehschwäche verheimlicht sie aus Angst davor, die Arbeit zu verlieren. Aber sie hat eine große Leidenschaft: die heile Welt der amerikanischen Musicals, in der nie etwas Schreckliches geschieht und deren Musik sie durch ihren bedrückenden Alltag trägt. Als Selmas hart erspartes Geld von einem Nachbarn gestohlen wird, prallen Realität und Traumwelt aufeinander. Selma wird zur Mörderin. Der Regisseur Lars von Trier schrieb und verfilmte den Stoff als modernes melodramatisches Musical mit der Sängerin Björk in der Hauptrolle. Für Bastian Kraft ist es, nach seiner hochgelobten Inszenierung von „Dogville“ am Schauspiel Köln, die zweite Auseinandersetzung mit dem dänischen Dogma-Regisseur.

Regie: Bastian Kraft
Theater

Schnee

von Orhan Pamuk

Für eine Reportage über Selbstmorde kopftuchtragender junger Frauen reist der Dichter Ka nach zwölf Jahren im deutschen Exil zu­rück ins ostanatolische Kars. Drei Tage lang schneit es ununterbro­chen in der Stadt, die von der Außenwelt abgeschnitten ist. Es stehen Kommunalwahlen an, bei denen sich ein Sieg des islamistischen Kan­didaten abzeichnet. Auf einer Theaterbühne entzündet sich während der Aufführung eines volkspädagogischen Melodrams aus der Ata­türk-­Ära, in dem das Ablegen der Schleier propagiert wird, ein Streit. Darf eine Frau gezwungen werden, das Kopftuch abzulegen? Was wiegt schwerer: die Staatsräson eines säkularen Staates oder die persönliche Freiheit eines religiösen Glaubens?
Das Geschehen eskaliert, als Angehörige eines obskuren Sonderkom­mandos die Bühne stürmen und unter der Führung des Staatsschau­spielers Sunay Zaim vorgeben, den Staat vor den Islamisten retten zu müssen. Der Dichter Ka unternimmt den Versuch, die politische Ver­schwörung aufzuklären, verheddert sich aber als Vermittler im Kampf zwischen türkischen und kurdischen Nationalisten, der Armee und islamistischen Fundamentalisten.

Für Regisseur Ersan Mondtag ist Orhan Pamuks „Schnee“ hoch brisant und aktuell. Mit seinem Roman, geschrieben vor dem 11. September 2001, wollte Pamuk die kleine Stadt Kars als Mikrokosmos der Türkei verstanden wissen. Nach den Attentaten auf das World Trade Center begann Pamuk zu verstehen, dass die Probleme der Türkei die Pro­bleme der Welt wurden. Heute lautet Pamuks Appell an den Westen: „Bitte macht einen Unterschied zwischen der islamischen Gesell­schaft und dem politischen Islam! Bitte macht einen Unterschied zwischen dem politischen Islam und radikalen Fundamentalisten! Nach Anschlägen wie denen gegen Charlie Hebdo verwischen in den Emotionen die Unterschiede. Furchtbar!“

Regie: Ersan Mondtag
Bühne: Paula Wellmann
Kostüme: Josa David Marx
Musik: Max Andrzejewski
Dramaturgie: Matthias Günther
Theater

Der Fremde

nach dem Roman von Albert Camus

In einer Fassung von Jette Steckel und Katrin Sadlowski

„Ein Zeichen sind wir, deutungslos, schmerzlos sind wir und haben fast die Sprache in der Fremde verloren.“
Friedrich Hölderlin


Der deutlich autobiografische Held der Erzählung ist ein Antiheld – passiv und indifferent. Ein Ja-Sager, der der Welt gleichgültig gegenüber steht, weil in ihr alles gleich zu gelten scheint. Den Tod der Mutter im Altersheim, die Affäre mit einer Kollegin – alles kann man ertragen, sogar schön finden – auch absichtslos (?) einen Mord zu begehen, bringt einen nicht unbedingt aus der Fassung, schafft allerdings Unruhe und Unannehmlichkeiten, die den Zeitfluss durcheinander bringen. Aber was wäre der Mensch, wenn er sich nicht auch mit seinen Verbrechen arrangieren könnte und sogar mit der zu erwartenden Todesstrafe, die am Ende doch jeden erwartet, sei er nun schuldig oder unschuldig?

Jette Steckel bringt Albert Camus’ „Der Fremde“ auf die Bühne, das Schlüsselwerk der Philosophie des Absurden. Auch 70 Jahre nach seiner Entstehung hat dieses Werk nichts von seiner beunruhigenden Kraft verloren.

Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Musik: Mark Badur
Dramaturgie: Carl Hegemann
Theater

Auerhaus

von Bov Bjerg

Du hast die Augen zu und treibst auf deiner Luftmatratze, ein sanfter Wind weht, und du denkst, geil, jetzt lebe ich für den Rest meines Lebens hier in dieser Lagune, in der Südsee. Und dann machst du die Augen auf und merkst, es ist bloß ein Nachmittag am Baggersee, und zack ist der auch schon vorbei.

Anfang der achtziger Jahre in einer westdeutschen Kleinstadt: Frieder hat versucht, sich umzubringen. Damit das nicht wieder passiert, ziehen seine besten Freunde mit ihm in das leerstehende Haus seines Großvaters. Fünf junge Menschen im Auerhaus – damals läuft „Our House“ von Madness im Radio rauf und runter: „we would have such a very good time, such a fine time, such a happy time and I remember how we play simply waste the day away“. Im Auerhaus gibt es kaum Regeln und neben den Vorbereitungen zum Abitur werden Partys gefeiert und mit Drogen und freier Liebe experimentiert. Denn „Liebe ist kein Kuchen, der kleiner wird, wenn man ihn teilt.“

„Auerhaus“ feiert die Unschuld der Provinz, der Jugend und des Moments – aber vor allem dieGemeinschaft. Es erzählt von dem Wunsch einer ganzen Generation nach Freiheit.

Regie: Franziska Autzen
Bühne: Ute Radler
Kostüme: Miriam Zabek
Musik: Johannes Hofmann
Dramaturgie: Emilia Linda Heinrich
Theater

Der Spieler

von Fjodor M. Dostojewskij

Im Kurort Roulettenburg geht es zwischen Hotel und Casino vor allem um: GELD. Es regiert diese Welt der Ausschweifung, verspricht neben gesellschaftlicher Anerkennung Intensität und unendlichen Rausch, lässt all die Schulden vergessen, auf die diese Scheinwelt aufgebaut ist. Im Moment des Spielens wird jede drückende Abhängigkeit überwunden, das Unmögliche erscheint wirklich, Freiheit pur, grenzenlos – bis es heißt „Rien ne va plus“ und die Kugel rollt, der Zufall entscheidet. Dafür wird mit allem gedealt, was liquide macht, um sich weiterhin den vorgetäuschten Reichtum vorspielen zu können. Da wird der Familienschmuck verscherbelt – und auch Liebesbeziehungen sind ihr Geld wert, eine mögliche lukrative Heirat ist eine Option und die Frauen setzen sich selbst als Kapital ein oder werden von anderen dazu genötigt.
Der mittellose Alexej lebt als Hauslehrer in der Familie eines bankrotten russischen Generals, der ungeduldig auf die Nachricht des Todes einer Erbtante wartet – seine letzte Chance, den totalen Ruin abzuwenden. Seine Stieftochter Polina ist ausgerechnet mit dem Franzosen liiert, der der Gläubiger des Generals ist. Aus Liebe zu Polina versucht Alexej, das nötige Geld für eine bessere Zukunft am Roulettetisch zu beschaffen, für die Liebe, für das Leben, alles soll sich ändern. Aus der Liebe wird Trieb und schließlich Spielsucht. Und die ewige Illusion: morgen, morgen wird alles besser. Morgen kommt das große Glück! Und so lange sich noch etwas Geld auftreiben lässt, wird die Kugel rollen. Bis nichts mehr geht
„Der Spieler“, der autobiografische Züge trägt, entstand 1866. Dostojewski hatte sich zuvor seinem Verleger gegenüber verpflichtet, einen Roman zu einem festen Termin zu liefern, weil er dringend Geld brauchte. Als er unter Zeitnot geriet, engagierte er Anna Snitkina, eine Stenographin, der er in 26 Tagen seinen Roman „Der Spieler“ diktierte. Vier Monate später heiratete er sie.

Regie: Jan Bosse
Theater

Die Odyssee

Eine Irrfahrt nach Homer

Als Odysseus in den Trojanischen Krieg zog, ließ er seine Frau Penelope mit einem Säugling zurück. Nun, 20 Jahre später, ist der Sohn zum Jüngling herangereift. Telemachos hat seinen Vater nie gesehen. Er kennt Erzählungen über den einfallsreichen Odysseus, aber ob der große Kriegsheld noch lebt, weiß er nicht. Eines Tages erscheint ein Mann auf dem väterlichen Hof auf der Insel Ithaka, der ein großes Bildnis des Odysseus mit sich trägt. Er kennt, wie sich herausstellt, den Kriegsheld: Telegonos ist ebenfalls ein Sohn des Odysseus. Mit seiner Mutter, der schwarzen Zauberin Kirke, lebte Odysseus ein Jahr auf der Insel Aiaia zusammen, nachdem sie die Hälfte seiner Gefährten in Schweine verwandelt hatte.
Telemachos und Telegonos erwarten nun gemeinsam die Rückkehr des wandlungsreichen Mannes, den es so oft vom Wege abtrieb, seit er Troja zerstörte.

Regie: Antú Romero Nunes
Dramaturgie: Matthias Günther
Musik: Johannes Hofmann

Das ist Esther

Ein Stück zu einer jüdischen Geschichte aus Hamburg und New York
von Christiane Richers

Ein Theaterstück ab Klasse 8

Die 17-jährige Mary Ann erzählt von ihrer Großmutter Esther und von sich und blättert Bruchstücke der Erinnerung auf. Im Gepäck: Fotos und O-Töne, die die Stationen des Lebens der Holocaust-Überlebenden Esther Bauer dokumentieren. Von der behüteten Kindheit in Eppendorf, dem Beginn der Nazi-Herrschaft, über die Deportation ins Ghetto Theresienstadt und in das KZ Auschwitz, von der Befreiung in Mauthausen bis zur Emigration nach New York und den Aufbau einer neuen Existenz. Das Stück erzählt vom Glück des Überlebens. Es thematisiert darüber hinaus den Tod der nahezu letzten Zeitzeugen auf einer sehr persönlichen Ebene. – Nach dem großen Erfolg des Stückes an Hamburger Schulen spielen wir die Inszenierung aufgrund zahlreicher Nachfragen jetzt auch für Schülergruppen in Vormittags- vorstellungen regelmäßig in einem Klassenraum der ehemaligen jüdischen Mädchenschule, der heutigen Gedenk- und Bildungsstätte Israelitischen Töchterschule bei der Hamburg Messe. In dieser Schule verbrachte Esther Bauer ihre Schulzeit; das Gebäude trägt mittlerweile den Namen des letzten Schulleiters dieser Schule Dr. Alberto Jonas, dem Vater von Esther Bauer geb. Jonas, der im Ghetto Theresienstadt 1942 umgekommen ist.

Regie: Katja Langenbach
Neu eingerichtet von Herbert Enge und Christina Fritsch
Es spielt: Florentine Weihe
Theater

Ich rufe meine Brüder

von Jonas Hassen Khemiri

„Ich rufe meine Brüder an und sage: Da ist neulich so ein krankes Ding passiert. Habt ihr gehört? Ein Mann. Ein Auto. Zwei Explosionen. Mitten in der City. Ich rufe meine Brüder an und sage: Jetzt geht’s los. Haltet euch bereit.“ Amor ist ein junger Mann – Enkel, Freund, Cousin, Student – dessen Normalität plötzlich zusammenbricht, als in Stockholm eine Autobombe explodiert. Amor glaubt, die Aufmerksamkeit aller anderen auf sich zu ziehen; und in jedem Blick vermutet er einen Verdacht. Seine Realität beginnt sich zu verschieben, als er anfängt, die diffuse Angst vor islamistischem Terror auf sich zu projizieren. „Weißt du, ich bin nicht sicher, wie viel sich nur in meinem Kopf abspielt“, gesteht er Valeria, seiner Jugendliebe. Möglichst normal versucht er trotzdem, seinem Alltag nachzugehen. Aber wie sieht „normal“ eigentlich aus, wenn man plötzlich zur Projektionsfläche von Vorurteilen wird? Wieviel hat er wirklich mit dem Attentat zu tun? Schnell wird deutlich, wie leicht sich die Wahrnehmung von Täter und Opfer, von Realität und Einbildung verwischen und manipulieren lässt. Jonas Hassen Khemiris Texte haben bereits Tradition am Thalia: Nachdem „Invasion!“ in der Regie von Antú Romero Nunes bereits in der sechsten Spielzeit zu sehen sein wird, ist „Ich rufe meine Brüder“ nach „Wir sind Hundert“ das dritte Stück des schwedischen Autors im Spielplan. Seine Texte nehmen immer wieder gewohnte Wahrnehmungsmuster auseinander und beschäftigen sich auf ungewöhnliche Weise mit der Frage nach dem scheinbar „Fremden“ in unserer Mitte.

Regie: Anton Kurt Krause
Ausstattung: Sibylle Wallum
Dramaturgie: Anne Rietschel
Theater

Räuberhände

nach dem Roman von Finn-Ole Heinrich

Wie weit verändert sich unsere Identität, wenn wir neue Erkenntnisse über unsere Abstammung gewinnen? Ist eine vorgestellte Identität weniger authentisch, als eine „echte“?

In ihrer Schrebergartenlaube „Stambul“ lernen Samuel und Janik fürs Abitur und träumen von der Zukunft. Während Janik versucht, sich von seinen wohlsituierten Lehrer-Eltern zu distanzieren, bemüht sich sein bester Freund Samuel, Sohn einer Alkoholikerin, um geordneten Alltag und Normalität. Als ihre Freundschaft durch einen einzigen Abend zu zerbrechen droht, reisen sie kurzerhand nach Istanbul, um ihre Beziehung zu retten und Samuels unbekannten Vater zu finden, der vielleicht Türke ist - ein hoffnungsloses Unterfangen. Für Samuel bekommt die Sehnsucht nach Identität und Zugehörigkeit mit Istanbul ein konkretes Gesicht, für Janik aber wird das „Halbtürkischsein“ seines Freundes zur Barriere und der Trip durch Istanbul nimmt für ihn mehr und mehr albtraumhafte Züge an.

Der vielfach ausgezeichnete Hamburger Autor Finn-Ole Heinrich erzählt in seinem Debütroman „Räuberhände“ kraftvoll und zugleich poetisch von den großen Themen wie Heimat, Sehnsucht, Identität und Freundschaft.
Am Premierentag wird ausgiebig gefeiert – nach der Premiere am Vormittag: Signierstunde mit Autor Finn-Ole Heinrich, nach der Premiere am Abend: Party mit Überraschungsprogramm.

Regie: Anne Lenk
Bühne: Judith Oswald
Kostüme: Eva Martin
Dramaturgie: Natalie Lazar
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen / Theater Thalia Theater Hamburg Hamburg, Alstertor 1
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Ballett Hamburg Ballett John Neumeier Hamburg, Caspar-Voght-Straße 54
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Strasse 25
Mi, 14.11.2018, 20:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung Test
Mi, 21.11.2018, 16:00 Uhr
Aufführungen / Theater theater itzehoe Itzehoe, Theodor-Heuss-Platz 1
Aufführungen / Aufführung Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Schwerin, Graf-Schack-Allee 11
Aufführungen / Theater Ohnsorg-Theater GmbH Hamburg, Große Bleichen 23-25
Aufführungen / Theater Theater Schachar Hamburg, Bogenstraße 36
Aufführungen / Konzert Laeiszhalle - Musikhalle Hamburg Hamburg, Johannes-Brahms-Platz
Aufführungen / Theater Alt-Rahlstedter Theatergruppe Erstklassiges Amateurtheater ausHamburg Hamb urg, Scharbeutzer Straße 36
Aufführungen / Konzert Musikseminar Hamburg Hamburg, Max-Brauer-Allee 24
Aufführungen / Konzert Junge Philharmonie Elbe-Weser Stade, Im Johanniskloster
Aufführungen / Aufführung Kultur Bühne Bugenhagen "Ensemble Proszenium" Hamburg, Biedermannplatz 19
Aufführungen / Oper OPERNLOFT Hamburg, Fuhlenwiete 7
Aufführungen / Konzert Jazzclub im Stellwerk Hamburg, Hannoversche Str. 85 (direkt im Bahnhof Harburg)
Aufführungen / Theater Amateurtheater VB Thalia v.1879 e,V, Geschäftsstelle Hamburg, Maike-Harder-Weg 19
Aufführungen / Operette Hamburger Engelsaal Das Theater der leichten Muse Hamburg, Valentinskamp 40 - 42
Aufführungen / Theater Theater in der Washingtonallee www.theaterwashingtonallee.de Hamburg, Washingtonallee 42
Aufführungen / Theater Pantheater Haseldorf, Deichreihe 29
Aufführungen / Kabarett DAS SCHIFF Hamburgs Theaterschiff Hamburg, Holzbrücke 2 / Nikolaifleet
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Galli Theater Hamburg Hamburg, Behringstraße 26-28
Aufführungen / Theater Altonaer Theater Hamburg, Museumstraße 17
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Straße 25
Aufführungen / Konzert Halle4.24 Konzerthalle für Klassik und Jazz Hamburg, Stockmeyer Str. 41