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Thalia in der Gaußstraße

Die Gaußstraße ist Dependance des Thalia Theaters und Stadtteiltheater von Hamburg Altona gleichermaßen – offen für alle aus dem Großraum Hamburg, aber mit starker Anbindung an den kreativen Melting Pot Altona aus Arbeitern, Künstlern, bürgerlichem Mittelstand und einer zunehmend interkulturellen Gesellschaft. Besonders dem multinationalen Zusammenhang wird das Programm des Thalias in der Gaußstraße verstärkt Rechnung tragen und gleichzeitig Kreativort für ungewöhnliche und junge künstlerische Initiativen sein.

In den letzten zehn Jahren hat sie sich die Gaußstraße vom Fabrikgelände in ein Kreativzentrum mit dem Charme eines New Yorker Hinterhofs verwandelt. Hier hat sich das Thalia eine Spielstätte und Probebühnen erobert. Wir gestalten weiter: Das Foyer ist offener, großzügiger, wohnlicher und lädt noch entschiedener zur Kommunikation ein. Die zweite Spielstätte neben der Thalia Gauß ist die Thalia Gauß Garage, ein Ort mit Patina, ein Ort für Experimente und zum Entdecken.

Kontakt

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg

Telefon: +49 (0)40-306039-10 / -12
E-Mail: petra.mai@thalia-theater.de

 

Kartenkasse
Mo-Sa 10-19 Uhr
So und Feiertage 16-18 Uhr
info@thalia-theater.de
Tel. 040.32814-444, Fax -212
Theater

In der Schwebe

von Maya Arad Yasur

Premiere: 10. Mai 2019

Schau nicht nach unten. Das musst du dir einschärfen: Schau nur die Leute hinter den Fenstern an und stell dir vor, du hättest ihren Boden unter den Füßen.

In schwindelnder Höhe hängen Isaac und Benjamin in der Luft, nur gesichert mit einem Seil, unter ihnen geht es 13 Stockwerke in die Tiefe. Nicht der beste Ort für Isaac, um einem Menschen aus der Vergangenheit zu begegnen, mit dem er eigentlich hatte abschließen wollen: ob aus Zufall, Schicksal oder Berechnung hängt sein früherer Weggefährte Benjamin neben ihm vor der Fassade des Wolkenkratzers. Und der will – ausgestattet nur mit Putzutensilien, Möhren und einem Messer – der Vergangenheit auf den Grund gehen. Die eigene Geschichte, geprägt von Krieg und Gewalt, lässt sich nicht länger verdrängen und fördert grausame Wahrheiten zu Tage. Doch dann passiert ein Unfall, der beide zurück in die Gegenwart schleudert und möglicherweise ihre Zukunft in Europa gefährdet.

Maya Arad Yasur gewann für ihr Stück „Diamond Stars“ (In der Schwebe) 2010 den ersten Preis beim Dramatikerwettbewerb des ITI (International Theatre Institute) und der UNESCO. 2014 wurde sie mit dem Habima Award für Nachwuchskünstler ausgezeichnet und erhielt 2018 den Stückemarktpreis des Berliner Theatertreffens für „Amsterdam“. Die Theaterstücke der israelischen Dramatikerin werden an diversen Theatern in Israel, Deutschland, Österreich, Norwegen und den USA aufgeführt.

Regie: Alek Niemiro
Bühne: Marion Schindler
Kostüme: Anna Degenhard
Dramaturgie: Hannah Stollmayer
Musik: Tom Gatza
Theater

Besiegt am Feld des Lebens

Eine psychedelische Revue nach Daniil Charms

Premiere: 24. Mai 2019

Wir sind besiegt am Feld des Lebens.
Und jede Hoffnung ist vergebens.
Zu Ende ist der Traum vom Glück –
allein das Elend bleibt zurück.

Gleich wird jemand an die Tür klopfen und laut rufen: „Öffnen Sie!“. Man könnte sich aufs Bett werfen und die Ohren zu halten. Es hilft nichts. Die Tür geht auf. Wer tritt ein? Sind es Polizisten? Sind es Ganoven? Sie sind jedenfalls zu Späßen und Schlägen bereit und ein Drama nimmt seinen Lauf. Es schreitet durch Lach- und Schmerzräume in eine Welt, in der das Banale und das Grausame dicht beisammen liegen. In der einem Mann der Arm abgerissen wird und eine Frau einen Hammer aus ihrem Mund zieht und sich jeder fragt: „Wohin schauen, wem vertrauen?“

Mit Schauspielstudierenden der Theaterakademie erforscht Regisseur und Thalia-Schauspieler Jörg Pohl die merkwürdigen Zwischenfälle, Agitprop-Verse, und Theaterminiaturen, die der sowjetrussische Avantgardist Daniil Charms (1905 – 1942) dem Wahnsinn des Alltags abgelauscht hat und auf die Rückseite von Kassenzetteln notierte.
Abschlussproduktion des Studiengangs Schauspiel der Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater, in Kooperation mit dem Thalia Theater.

Regie: Jörg Pohl
Bühne und Kostüme: Lena Schön, Helen Stein
Dramaturgie: Matthias Günther
Theater

Checkpoint Woodstock

von Marina Davydova

Aus dem Russischen von Stefan Schmidtke

„Russland liebt es, Jubiläen und Geburtstage zu feiern.
Anlässlich des kommenden 50. Geburtstags von Woodstock wurde hier in Moskau auf persönliche Bestellung von Vladimir Putin das Checkpoint Woodstock Museum errichtet und dem Besuch des US­-Präsidenten Donald Trump gewidmet. Wir heißen auch alle auswärtigen Gäste herzlich willkommen zu diesem wichtigsten Kulturereignis unserer Hauptstadt,“ heißt es zur Begrüßung der Besucher bei der feierlichen Eröffnung des Woodstock­ Museums in Moskau.

Die Zeremonie ist stilistisch eine Reminiszenz an die TV-­Serie „Santa Barbara“, die Oscar­verleihung und die Konzert­-Gala, die alljährlich zum „Tag der Polizei“ im Kreml stattfndet. Es gibt Grußbotschaften amerikanischer Farmer, die Russlandfähnchen schwenkend „Imagine“ singen, Frauenchöre verschiedener russischer Kleinstädte, die Songs von Janis Joplin und Jimi Hendrix einstudiert haben, Moskauer Schülerbotschafter, die die Biografen berühmter Beatniks auswendig rezitieren, die Formel von LSD an die Tafel schreiben und die psychedelische Wirkung referieren.

„Checkpoint Woodstock“ ist – im Angesicht einer Zeit, in der sich in Ost und West mehr und mehr rechte Bewegungen formieren – ein Requiem auf die Ära der 68er. Die performative Installation erzählt von sozialen Utopien und verlorenen Illusionen und ist zugleich eine Einladung zum Perspektivwechsel: Die russische Theatermacherin, Autorin und Leiterin des NET­Festivals Marina Davydova, der Bühnenbildner Zinovy Margolin und der Komponist Vladimir Rannev werfen zusammen mit einem internationalen Ensemble, von Moskau aus westwärts schauend, einen Blick zurück nach vorn, in unser aller Zukunft.

Regie: Marina Davydova
Bühne und Kostüme: Zinovy Margolin
Musik: Vladimir Rannev
Theater

Furor

von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Der 18jährige Enno liegt schwer verletzt auf der Intensivstation. Im Rausch ist er ausgerechnet dem Bürgermeisterkandidaten Heiko Braubach vors Auto gelaufen. Jetzt ist Braubach zu Besuch bei der verzweifelten Mutter. Mit seinem gesellschaftlichen Einfluss will er für den Sohn der Altenpflegerin alles regeln: Einzelzimmer, Ausbildungsplatz, das volle Programm. Nur seine Motive bleiben offen. Da taucht Jerome auf, Paketbote von ganz unten. Für ihn steht Braubach ganz oben auf der Liste der „Volksverräter“. „Politiker rettet Junkie das Leben“, so titelt die „Lügenpresse.“ - Doch ist das die ganze Wahrheit? War Braubach betrunken hinterm Steuer als der Unfall geschah? Das Problem mit seiner Schuld, so der angry young man, kann Braubach nicht einfach weglabern. Er soll zahlen: für Enno, für seinen Ruf, für die Fortsetzung seiner Karriere. Der Politprofi zu Gast bei den Abgehängten der Gesellschaft, seiner ehemaligen Stammwählerschaft- was haben die noch zu verhandeln? Was haben sie gemein? Wut und Fremdheit auf beiden Seiten, die gesellschaftlichen Gräben laufen direkt durch die Mietwohnung der Mutter. Das Stück schickt exemplarisch drei Vertreter einer Gesellschaft, deren Konsens zerfällt, in einen letzten Showdown - mit dem gezückten Messer wird hier die Frage gestellt: Wer repräsentiert die Verlierer des neoliberalen Wettbewerbs?

Regie: Helge Schmidt
Bühne: Lani Tran-Duc
Kostüme: Gianna-Sophia Weise
Dramaturgie: Susanne Meister
Musik: Frieder Hepting
Theater

Vor dem Fest

von Saša Stanišić

„Wir sind traurig“, sagt das Dorf. „Wir haben keinen Fährmann mehr. Der Fährmann ist tot.“

Überhaupt ist die Einwohnerzahl fallend. Die einzige Tankstelle hat dichtgemacht. Kneipen gibt es auch nicht mehr. „Wir trinken in Ullis Garage“, sagt das Dorf. Es heißt Fürstenfelde und hat für ein Dorf eine Menge zu erzählen, obwohl die Fürstenfelder eher wortkarg sind.

Saša Stanišić, der 1978 im bosnischen Višegrad geboren wurde, 1992 als Flüchtling nach Deutschland kam und heute in Hamburg lebt, lässt sein Dorf als vielstimmigen Chor sprechen: „Was War, Was Ist, Was Wird Geschehen.“ Das Annenfest ist der Höhepunkt des Jahres. Es wird eine dramatische Nacht. Im Dorfarchiv wird eingebrochen, die alten Sagen und Geschichten fliehen durch das offene Fenster in die Nacht. Die Archivarin Frau Schwermuth dreht durch. Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA, sucht einen funktionierenden Zigarettenautomaten und findet Gründe gegen das Leben. Da ist die alte Malerin Frau Kranz, deren Gemälde seit Jahrzehnten nur ein Motiv kennen – Fürstenfelde und seine Bewohner, und die taumeln durch die Nacht.

Saša Stanišić sagt: „Ich wollte ein Dorf aus dem Nichts literarisch erschaffen. All diese Figuren, die durch meine Nacht laufen, gibt es auch in der Stadt. Jede von ihnen hat ein Problem und eine psychologische Disposition. Was die Figuren angeht, und auf die kommt es mir an, ist es kein Dorfroman. Aber die Atmosphäre in diesem Dorf interessiert mich sehr.“

„Vor dem Fest“ ist ein Spiel mit unterschiedlichen Erzählformen, Stimmen und Stimmungen. Regisseurin Charlotte Sprenger, die den Roman für die Bühne adaptiert, leitete in den letzten zwei Spielzeiten zusammen mit dem Kuratorenteam „Britney“ die Außenspielstätte Offenbachplatz des Schauspiel Köln. Mit ihrer Inszenierung von Jonas Hassen Khemiris Roman „Alles, was ich nicht erinnere“ war sie zum Festival Radikal Jung 2018 eingeladen.
Theater

Geisterseher

nach Friedrich Schiller

Schiller hielt es für „Schmiererei“, was er da als Aufreißer für sein verkaufsschwaches Intellektuellen­-Blatt „Thalia“ hinschrieb. Doch „Geisterseher“, die Sex­, Drogen­ und Gangsterstory vom reichen Prinzen, den unerträglicher „Realitätsterror“ in die Ferne treibt, um dort die „Schranken der Gegenwart“ niederzureißen, dieser Youngster­Thriller wurde prompt ein Hit. Der junge Spross eines deutschen Fürstenhauses hat seine Familie verlassen und lebt seitdem ohne Profession und Sorgen vom Geld seiner Eltern in Venedig. Doch das Auftauchen eines rätselhaften Armeniers und eine Reihe von Todesfällen bereiten der Ruhe ein Ende. Die Mysterien im Leben des Prinzen häufen sich – und da man sich der eigenen Hyperaufgeklärtheit ja nie hundertprozentig sicher sein kann, entschließt er sich tapfer zur Teilnahme an einer Séance. Ein Stück über Vernunft, Glaube, Irrsinn und einen Strudel aus Rausch und Erkenntnis, in dem sich die Schillerschen antagonistischen Triebe „Form“ und „Spiel“ gegenseitig ausstechen.

2009 hat die Diplominszenierung des jungen Regisseurs AntúRomero Nunes mit seinen Mitabsolventen der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Jirka Zett und Paul Schröder, am Maxim Gorki Theater Berlin für großes Aufsehen gesorgt. Mit Beginn der Spielzeit 2018&19 kommt Jirka Zett als festes Ensemblemitglied ans Thalia Theater – und ist mit Paul Schröder und Hausregisseur Antú Romero Nunes wieder an einem Haus vereint. Das soll Anlass für die Wiederaufnahme des „Geisterseher“ sein, mit dem vor neun Jahren alles begann.

Regie: Antú Romero Nunes
Dramaturgie: Nina Rühmeier, Emilia Linda Heinrich
Konzert

Patentöchter

Im Schatten der RAF - ein Dialog von Julia Albrecht und Corinna Ponto

Am 30. Juli 1977 bekommt Jürgen Ponto Besuch von Susanne Albrecht, der Tochter seines Jugendfreundes Hans­Christian Albrecht. Völlig überraschend erschießen ihre Begleiter Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, Mitglieder der Rote Armee Fraktion, den Vorstandssprecher der Dresdner Bank in seinem eigenen Haus.
Corinna Ponto ist 20 Jahre alt, als ihr Vater ermordet wird, Julia Albrecht erst dreizehn, als ihre Schwester Susanne den Mördern ihres Patenonkels Zugang zu seinem Haus verschafft. Das Band zwischen den befreundeten Familien ist zerstört.
13 Jahre lang sieht Julia ihre Schwester nur auf Fahndungsplakaten. Als nach dem Mauerfall 1990 Susannes zweites Leben in der DDR enttarnt wird, kommt es zu einer ernüchternden Begegnung in einem Berliner Untersuchungsgefängnis.
30 Jahre nach der Tat, die beider Leben geprägt hat, nimmt Julia Albrecht Kontakt zu Corinna Ponto auf. Der in ihrem gemeinsamen Buch „Patentöchter“ dokumentierte Briefwechsel wirft einen neuen Blick auf die bis heute ausschließlich von Dritten gedeutete Tat. Gemeinsam beginnen die beiden Frauen einen Dialog über Schuld und Vergebung.
Entstanden ist ein faszinierendes Dokument der Zeitgeschichte, das weit über die seelischen Verletzungen hinausweist, von denen es eindrücklich und berührend erzählt.

Regie: Gernot Grünewald
Theater

Dritte Republik

von Thomas Köck

Eine Landvermesserin und ihr Kutscher irren durch einen Schneesturm. Es ist das Jahr 1918 – sie sollen die Außengrenzen nach Kriegsende neu vermessen. In der Undurchsichtigkeit des Schneetreibens, die die Erfüllung des Auftrags unmöglich macht, treffen die beiden auf unterschiedlichste Figuren und ihre Versionen einer Idee Europas. Unter ihnen ist auch der Hamburger Reedereidirektor und Visionär transnationalen Handels Albert Ballin, der sich am 9. November, dem Tag der Ausrufung der ersten demokratischen Republik, das Leben nimmt.

In einem kafkaesken Setting über die letzten 100 Jahre hinweg bis heute, entwerfen der Autor Thomas Köck und die Regisseurin Elsa-Sophie Jach, die "dritte republik" als ein Verfassungskonzept für ein taumelndes Europa zwischen Globalisierung und nationalstaatlichen Sehnsüchten: die Dystopie eines autokratischen und neoliberalen Staatenbunds, ausgelöst durch den Rechtsruck mehrerer europäischer Länder.

Der junge Österreicher Thomas Köck gehört zu den interessantesten gegenwärtigen Autoren für das Theater. Anlässlich des hundertsten Jahrestags des 9. November 1918 hat das Thalia Theater ihn gebeten, über den Wandel, aber vor allem die Zukunft Europas nachzudenken.
Die Regisseurin Elsa-­Sophie Jach ist Absolventin der Hamburger Theaterakademie. „dritte republik“ ist ihre erste gemeinsame Arbeit am Thalia Theater.

Regie: Thomas Köck, Elsa-Sophie Jach
Bühne: Stephan Weber
Kostüme: Sophie Klenk-Wulff
Dramaturgie: Emilia Linda Heinrich
Musik: Max Kühn
Theater

Bilder deiner großen Liebe

von Wolfgang Herrndorf
Ein Abend von Birte Schnöink & Marie Rosa Tietjen

Ein Abend über Isa, die Herrscherin über das Universum, die Planeten und Alles.

Ein Roadtrip. Durch Wälder und Pfützen, Gedanken und Gedankenstriche. Isa ist bewaffnet. Eine radikale Denkerin, die wenn sie es will, die Sonne verschieben kann. Sie geht zu Fuß. Mit einer Pause am goldenen Berg. „Von oben sehe ich über das Land und bin müde. Im Innern wüten eiserne Zangen. Ich versuche zu schlafen und kann es nicht. Ich versuche weiterzugehen und kann es nicht. Ich konzentriere mich auf die Sachlage und komme zu dem Ergebnis, dass ich Hunger habe.“
Dann geht Isa weiter. Satz für Satz. Ort für Ort.
Und dazwischen? „Das sind die Löcher der Kausalität. Es sind die fehlenden Übergänge von Ursache und Wirkung. An diesen Stellen klafft das ganze Universum auf.“, so zitiert Wolfgang Herrndorf den Philosophen
Joseph Vogl in seinem Blog „Arbeit und Struktur“.

Seine letzte Arbeit „Bilder deiner großen Liebe“ bleibt nach Herrndorfs Freitod im Jahr 2013 ein unvollendeter Roman, ein „kaputtes“ Werk.

Regie: Marie Rosa Tietjen
Dramaturgie: Christina Bellingen
Bühne: Katharina Pia Schütz
Kostüme: Birte Schnöink, Marie Rosa Tietjen
Video: Birte Schnöink, Marie Rosa Tietjen
Darsteller: Birte Schnöink
Theater

Tschick

nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf

"Mit Kunstblut und Eiswürfeln, Weltraumanzügen und Klaviermusik beleben die drei überzeugenden Darsteller ein quirliges und charmantes Stück – das damit dem Buch absolut gerecht wird." taz

Maik und Tschick, zwei vierzehnjährige Außenseiter, die nichts zu verlieren haben, außer vielleicht ihre Einsamkeit, machen sich mit einem geklauten Lada auf den Weg in die Walachei durch eine surreale Mondlandschaft voller merkwürdiger Menschen, irgend-wo entlang der deutschen Autobahnen. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden, dem besten Sommer des Lebens, von Freundschaft und erster Liebe: eine Abenteuerreise ins Unbekannte.

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Christoph Hart
Dramaturgie: Sandra Küpper
Theater

Dancer in the Dark

nach dem gleichnamigen Film von Lars von Trier

Amerika im Jahr 1960. Selma Jezkova hat große Sorgen. Die tschechische Einwanderin leidet an einer Augenkrankheit, die sie nach und nach erblinden lässt. Auch ihr zwölfjähriger Sohn hat die Krankheit geerbt. Um Geld für die rettende Operation des Kindes zu verdienen, schiebt sie Doppelschichten in einer Metallfabrik. Ihre Sehschwäche verheimlicht sie aus Angst davor, die Arbeit zu verlieren. Aber sie hat eine große Leidenschaft: die heile Welt der amerikanischen Musicals, in der nie etwas Schreckliches geschieht und deren Musik sie durch ihren bedrückenden Alltag trägt. Als Selmas hart erspartes Geld von einem Nachbarn gestohlen wird, prallen Realität und Traumwelt aufeinander. Selma wird zur Mörderin. Der Regisseur Lars von Trier schrieb und verfilmte den Stoff als modernes melodramatisches Musical mit der Sängerin Björk in der Hauptrolle. Für Bastian Kraft ist es, nach seiner hochgelobten Inszenierung von „Dogville“ am Schauspiel Köln, die zweite Auseinandersetzung mit dem dänischen Dogma-Regisseur.

Regie: Bastian Kraft
Theater

Auerhaus

von Bov Bjerg

Du hast die Augen zu und treibst auf deiner Luftmatratze, ein sanfter Wind weht, und du denkst, geil, jetzt lebe ich für den Rest meines Lebens hier in dieser Lagune, in der Südsee. Und dann machst du die Augen auf und merkst, es ist bloß ein Nachmittag am Baggersee, und zack ist der auch schon vorbei.

Anfang der achtziger Jahre in einer westdeutschen Kleinstadt: Frieder hat versucht, sich umzubringen. Damit das nicht wieder passiert, ziehen seine besten Freunde mit ihm in das leerstehende Haus seines Großvaters. Fünf junge Menschen im Auerhaus – damals läuft „Our House“ von Madness im Radio rauf und runter: „we would have such a very good time, such a fine time, such a happy time and I remember how we play simply waste the day away“. Im Auerhaus gibt es kaum Regeln und neben den Vorbereitungen zum Abitur werden Partys gefeiert und mit Drogen und freier Liebe experimentiert. Denn „Liebe ist kein Kuchen, der kleiner wird, wenn man ihn teilt.“

„Auerhaus“ feiert die Unschuld der Provinz, der Jugend und des Moments – aber vor allem dieGemeinschaft. Es erzählt von dem Wunsch einer ganzen Generation nach Freiheit.

Regie: Franziska Autzen
Bühne: Ute Radler
Kostüme: Miriam Zabek
Musik: Johannes Hofmann
Dramaturgie: Emilia Linda Heinrich
Theater

Das Ende von Eddy

von Édouard Louis

Eddy Bellegueule wächst in einem kleinen französischen Dorf auf, wo jeder jeden kennt und beobachtet. Und ziemlich früh schon scheint er nicht so zu sein wie die anderen Jungs. Er wird gehänselt und als Schwuchtel beschimpft bevor er überhaupt versteht, warum er wie ein Aussätziger behandelt wird. Die Eltern sind mit sich beschäftigt, schlechte Arbeit, wenig Geld… Eddy versucht irgendwie klarzukommen, mit sich, der Familie, den Mitschülern, mit all den eigenen Sehnsüchten und Projektionen der anderen. Und das, was als normal gilt, zeigt die Gewalttätigkeit und Verlogenheit der Anderen. Eines Tages hat Eddy die Nase voll und läuft von Zuhause weg.

2014 erhielt der sprachgewaltige Autor Édouard Louis den Pierre Guénin-Preis, der besonderes Engagement gegen Homophobie auszeichnet.

Regie: Alek Niemiro
Bühne: Marion Schindler
Darsteller: Steffen Siegmund
Live-Musik: Tom Gatza
Theater

Nathan die Weise

Von Gotthold E. Lessing

In Heiner Müllers sehr kurzem Drama „Lessings Traum“ sagt ein Schauspieler in Lessing-Maske, er würde anfangen, seinen Text zu vergessen. Er sei ein Sieb. Die Worte fielen hindurch. Was hilft? Vielleicht Schlaf. Vielleicht kommt der Text zurück in neuer Form aus anderen Mündern. Oder wir wagen selbst einen flüchtigen Blick in Lessings „Nathan“, den Schulbuchklassiker aus dem Jahr 1779, dem ewigen Stück der Stunde, das auf dem Plan steht, wenn Streit zwischen den Religionen ausbricht.

Es heißt, im Stück spricht die Stimme aufgeklärter Humanität in Zeiten religiöser Intoleranz. Wir lesen von Männern, die Frauen aus Flammen retten. Von Männern, die mit viel guten Worten und viel gutem Willen die Welt retten. Lässt sich das neu befragen? Was wissen wir denn? Was glauben wir denn? Wer weiß denn was? Was weiß denn der? Was weiß denn die? Wer ist denn unser Freund? Wer ist denn unser Feind? Wer weiß denn, ob wir in Wirklichkeit nicht alle verwandt sind?
Und vor dem fallenden Vorhang stehen die Geschwister Blanda von Filnek und Curd von Stauffen, erzählen alles nochmal von vorn, leicht verändert, weil man weiß, was man weiß.

„Nathan die Weise“ ist für Regisseurin Leonie Böhm ein Emanzipationsstück für alle Laien-predigerinnen. Das alte Stück, der altertümliche Rap mit den vielen einschüchternden Blankversen wird neu justiert: „Ich habe Nathan als ein Stück gelesen, in dem es, wie in unserer Gesellschaft, Angebote gibt, wer wir darin sein sollen und werden könnten. Es geht darum für mich nicht um Religion, sondern die Religionen sind Beispiele dafür, dass man seine Identität immer aus der jeweiligen Sozialisation begründen kann. Daher gibt es aber, wie in der Ringparabel, keine richtige Religion, keine absolute Wahrheit, keine richtige Lebensweise. Jeder Glaube ist daher möglich, aber keiner notwendig. Man glaubt daran, was man gelernt hat. Wie kann man nun (friedlich) zusammenleben und kommunizieren in einer Welt/Stadt/Familie, in der jeder äußerlich ein unterschiedliches Identitätskonzept hat (Werte/ Regeln/Erzählungen/Selbstbilder). Eine Lösung ist Nathans Lehre, die dazu auffordert, sich auf die konkreten Begegnungen mit Menschen einzulassen und ihre scheinbar feststehenden sozialen Rollen spielend zu befragen. Unser Stück heißt ‚Nathan die Weise‘, dabei geht es in diesem Zusammenhang um die neue Weise des Zusammenseins in Zeiten tiefer Verunsicherung, in der man nur so zugeballert wird mit Identitätskonzepten.“ (Leonie Böhm)

Regie: Leonie Böhm
Dramaturgie: Matthias Günther
Live-Musik: Johannes Rieder
Bühne: Sören Gerhardt
Theater

Die Odyssee

Eine Irrfahrt nach Homer

Als Odysseus in den Trojanischen Krieg zog, ließ er seine Frau Penelope mit einem Säugling zurück. Nun, 20 Jahre später, ist der Sohn zum Jüngling herangereift. Telemachos hat seinen Vater nie gesehen. Er kennt Erzählungen über den einfallsreichen Odysseus, aber ob der große Kriegsheld noch lebt, weiß er nicht. Eines Tages erscheint ein Mann auf dem väterlichen Hof auf der Insel Ithaka, der ein großes Bildnis des Odysseus mit sich trägt. Er kennt, wie sich herausstellt, den Kriegsheld: Telegonos ist ebenfalls ein Sohn des Odysseus. Mit seiner Mutter, der schwarzen Zauberin Kirke, lebte Odysseus ein Jahr auf der Insel Aiaia zusammen, nachdem sie die Hälfte seiner Gefährten in Schweine verwandelt hatte.
Telemachos und Telegonos erwarten nun gemeinsam die Rückkehr des wandlungsreichen Mannes, den es so oft vom Wege abtrieb, seit er Troja zerstörte.

Regie: Antú Romero Nunes
Dramaturgie: Matthias Günther
Musik: Johannes Hofmann
Jugendprogramm

Das ist Esther

Ein Stück zu einer jüdischen Geschichte aus Hamburg und New York
von Christiane Richers

Ein Theaterstück ab Klasse 8

Die 17-jährige Mary Ann erzählt von ihrer Großmutter Esther und von sich und blättert Bruchstücke der Erinnerung auf. Im Gepäck: Fotos und O-Töne, die die Stationen des Lebens der Holocaust-Überlebenden Esther Bauer dokumentieren. Von der behüteten Kindheit in Eppendorf, dem Beginn der Nazi-Herrschaft, über die Deportation ins Ghetto Theresienstadt und in das KZ Auschwitz, von der Befreiung in Mauthausen bis zur Emigration nach New York und den Aufbau einer neuen Existenz. Das Stück erzählt vom Glück des Überlebens. Es thematisiert darüber hinaus den Tod der nahezu letzten Zeitzeugen auf einer sehr persönlichen Ebene. – Nach dem großen Erfolg des Stückes an Hamburger Schulen spielen wir die Inszenierung aufgrund zahlreicher Nachfragen jetzt auch für Schülergruppen in Vormittags- vorstellungen regelmäßig in einem Klassenraum der ehemaligen jüdischen Mädchenschule, der heutigen Gedenk- und Bildungsstätte Israelitischen Töchterschule bei der Hamburg Messe. In dieser Schule verbrachte Esther Bauer ihre Schulzeit; das Gebäude trägt mittlerweile den Namen des letzten Schulleiters dieser Schule Dr. Alberto Jonas, dem Vater von Esther Bauer geb. Jonas, der im Ghetto Theresienstadt 1942 umgekommen ist.

Regie: Katja Langenbach
Neu eingerichtet von Herbert Enge und Christina Fritsch
Es spielt: Florentine Weihe
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen Thalia Theater Hamburg Hamburg, Alstertor 1
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Ballett Hamburg Ballett John Neumeier Hamburg, Caspar-Voght-Straße 54
Aufführungen / Schauspiel Cap San Diego Hamburg, Überseebrücke
Sa, 20.4.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater theater itzehoe Itzehoe, Theodor-Heuss-Platz 1
Aufführungen / Theater Ohnsorg-Theater GmbH Hamburg, Große Bleichen 23-25
Aufführungen / Aufführung Die Burg - Theater am Biedermannplatz Hamburg, Biedermannplatz 19
Aufführungen / Oper Opernloft Hamburg, Fuhlenwiete 7
Aufführungen / Theater VB Thalia Hamburg, Maike-Harder-Weg 19
Aufführungen / Operette Hamburger Engelsaal Hamburg, Valentinskamp 40 - 42
Aufführungen / Theater Theater das Zimmer Hamburg, Washingtonallee 42
Aufführungen / Theater Pantheater Haseldorf, Deichreihe 29
Aufführungen / Kabarett Theaterschiff Hamburg Hamburg, Holzbrücke 2 / Nikolaifleet
Aufführungen / Theater Theater Die Komödianten Kiel, Wilhelminenstrasse 43
Aufführungen / Theater Galli Theater Hamburg Hamburg, Behringstraße 26-28
Aufführungen / Theater Altonaer Theater Hamburg, Museumstraße 17
Aufführungen / Theater Volkstheater Geisler Lübeck, Dr. Julius - Leber - Straße 25

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