THALIA THEATER HAMBURG

Spielzeit 2010/11

Vor uns die Sintflut

Von fliehenden Kreuzfahrern und seeräubernden Weltbummlern
Ein Projekt von Schorsch Kamerun

Uraufführung / Spielzeiteröffnung: 4. September 2010

Ja, für eine Fahrt ans Mittelmeer, Mittelmeer, Mittelmeer, geb’ ich meine letzten Mittel her, Mittel her, Mittel her
Die Goldenen Zitronen: Wenn ich ein Turnschuh wär

Eine illustre Gesellschaft hat sich an Bord eines Luxusdampfers versammelt. Doch wo wollen all diese tollen Leute eigentlich hin? Ihre letzten Mittel mussten sie für die geheimnisvolle Fahrt jedenfalls nicht hergeben. Sie wissen, sich elegant zu kleiden, schätzen die französische Küche und sind es gewohnt, bedient zu werden. Die Sänger, Tänzer, Künstleragenten und (Möchtegern-)Bohémiens beschäftigen angegriffene Stimmbänder mehr als der bevorstehende Flüchtlingsansturm auf die Tore Europas. Selbst der ebenfalls auf dem Schiff anwesende Reise-Reporter fühlt sich stärker zur genauen Beobachtung junger Schönheiten berufen, als sich für die internationalen Krisenlage zu interessieren. Nur eine rätselhaft modebewusste Dame scheint von der Welt außerhalb des Schiffssalons etwas mehr zu wissen als die passenden Tanzschritte zur Musik der nur vorgeblich aus Osteuropa stammenden Bordkapelle: „Tam, Tam, Tam... irgendwo da draußen wird an Zäunen gebaut, um die Festung zu sichern. Tag und Nacht.“

Was geschieht nun, wenn diese Zäune plötzlich durchlässig werden? Wenn sich der Chor der Heizer zur Flüchtlingsschar verwandelt und Einlass in die exklusive Schiffsgesellschaft fordert. Wenn der staatenlose Matrose, der seine Papiere verloren hat, zum unerwünschten Staatenlosen wird und zwischen Grenzen hin und her geschickt wird. Wenn die Balletttänzerin mit den Neuankömmlingen ein heidnisches Fruchtbarkeitsritual choreographiert und der Journalist einem junges Flüchtlingsmädchen in die Augen schaut. Wenn sich also Menschen begegnen, die sich sonst nie begegnen würden.

Diese Kollision von nicht Zusammengehörigen ist es, die der begeisterte Sänger, Segler und Regisseur Schorsch Kamerun in „Vor uns die Sintflut“ herausfordert. Um sich geschart hat er hierzu in elbnaher Zeltspielstätte ein furchtloses Ensemble, 3 Hamburger Musiker im Balkankostüm und über 20 Chorsänger, die keine Seemannslieder erklingen lassen werden. Und wie aus dem nichts tritt die größte Diva aller Zeiten (Special Guest!) noch ein letztes Mal auf und singt ihr schönstes Lied.

Das Thalia Zelt steht bis Mitte Oktober am Strandkai, Nähe Marco-Polo-Terrassen / Unilever-Haus. Wir empfehlen die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: U3 (Baumwall), U1 (Messberg), Metrobusse 3, 4 und 6 (HafenCity/Marco- Polo Terrassen). Parkmöglichkeiten: im Unilever-Haus (Strandkai 1 / Hübenerstraße), in der Tiefgarage des Überseequartiers (Überseeallee 3) sowie im Parkhaus Speicherstadt (Am Sandtorkai 6-8).

Regie: Schorsch Kamerun
Bühne: Christoph Rufer
Kostüme: Inga Timm
Musik: Die Vögel feat. Thomas Wenzel
Musiker: Mense Reents, Jakobus Siebels, Thomas Wenzel, Kammerchor Altona
Dramaturgie: Beate Heine, Tarun Kade

Ort:

Thalia im Zelt (HafenCity)
Strandkai, Nähe Marco-Polo-Terrassen / Unilever-Haus

Termine:

Mi, 8.9.2010, 19:30
Do, 9.9.2010, 19:30
Fr, 10.9.2010, 19:30
Do, 16.9.2010, 19:30
Fr, 17.9.2010, 19:30
Sa, 18.9.2010, 19:30
So, 19.9.2010, 19:30
Do, 23.9.2010, 19:30
Fr, 24.9.2010, 19:30
Sa, 25.9.2010, 19:30
So, 26.9.2010, 17:00
Mi, 29.9.2010, 19:30
Do, 30.9.2010, 19:30
Sa, 2.10.2010, 19:30
So, 3.10.2010, 19:30
Di, 5.10.2010, 19:30
Do, 7.10.2010, 19:30
Fr, 8.10.2010, 19:30
Mi, 13.10.2010, 19:30
Do, 14.10.2010, 19:30
Fr, 15.10.2010, 19:30

7. Hamburger Theaternacht

Sa, 11.9.2010 | Fest

Im Thalia Zelt in der HafenCity startet das Thalia Theater in die zweite Spielzeit des Intendanten Joachim Lux. Dort und im Thalia am Alstertor können Sie während der 7. Hamburger Theaternacht das Thalia-Ensemble in Ausschnitten aus aktuellen Inszenierungen, in Lesungen und musikalischen Darbietungen erleben.

Thalia Theater - Große Bühne (Alstertor)
19.30 Uhr Ausschnitte aus „Thalia Kantine. Eine musikalische Zeitreise durch 5 Jahrzehnte“
20.45 Uhr Ausschnitte aus „Thalia Kantine. Eine musikalische Zeitreise durch 5 Jahrzehnte“
22.00 Uhr Joachim Lux im Gespräch mit Bruno Cathomas, Josef Ostendorf und Jörg Pohl
23.00 Uhr Salut Salon mit Ausschnitten aus ihrem aktuellen Programm „um alles in der Welt“
0.00 Uhr In der „Verrückten Stunde“ ist das Kabarett Alma Hoppe mit Auszügen aus ihrem aktuellen Programm „Männerwirtschaft“ zu Gast im Thalia Theater.

Theaterbar Zentrale (Alstertor)
20 – 23 Uhr Eine „Criminal-Bar“ mit Texten, kleinen Szenen und Musik gibt es in der Zentrale und auch in anderen Räumen des Theaters wie z.B. im Teeraum und in den Foyers wird Besonderes zu entdecken sein.

Thalia im Zelt in der HafenCity (Strandkai, Nähe Marco Polo Terassen)
Exklusiv zur diesjährigen Theaternacht wird das Thalia Zelt in der HafenCity zu einer weiteren Spielstätte.
19.30 Uhr Ausschnitte aus „Vor uns die Sintflut“, ein Projekt von Schorsch Kamerun
20.15 Uhr Ausschnitte aus „Große Freiheit Nr. 7“ nach dem Film von Helmut Käutner, Regie Luk Perceval
21.00 Uhr Ausschnitte aus „Vor und die Sintflut“, ein Projekt von Schorsch Kamerun
21.45 Uhr Ausschnitte aus „Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär“, Szenische Lesung, Einrichtung Maria Ursprung
22.30 Uhr Ausschnitte aus „Große Freiheit Nr 7“ nach dem Film von Helmut Käutner, Regie Luk Perceval
Das Thalia in der Gaußstraße bleibt dafür an diesem Abend wegen des Umbaus geschlossen.

Thalia Kantine.
Eine musikalische Zeitreise durch 5 Jahrzehnte

zum 50-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung des Thalia Theaters

Premiere: 12. September 2010

50 Jahre ist es her, dass das Thalia Theater 1960 nach den Zerstörungen durch den zweiten Weltkrieg in neuem Gewand wieder eröffnet wurde.
Viel Theatergeschichte, aber auch viel Zeitgeschichte, eine Zeit, in der sich Politik, Moden und auch das Theater verändert haben. Demnach ein Jubiläum, an das zu gedenken es sich lohnt. Und so wird es geschehen: In der Kantine des Theaters, die auf der großen Bühne original nachgebaut wird, treffen Menschen aufeinander. Wer sind sie? Schauspieler? Regisseure? Techniker? Souffleusen? Intendanten oder Inspizienten? Das lässt sich nicht so genau sagen, denn sie wechseln ihre Rollen von Sekunde zu Sekunde. In Liedern, Gesängen und Zitaten wandern sie durch fünfzig ereignisreiche Jahre Stadt- und Theatergeschichte.

Regie: Alia Luque
Bühne: Michael Köpke
Kostüme: Pauline Hüners
Musik: Mark Badur / Uschi Krosch / Ralf Schwarz
Dramaturgie: Christina Bellingen / Susanne Meister

Termine:

So, 12.9.2010, 19:00 | Premiere
Mo, 20.9.2010, 20:00

Hamlet

Von William Shakespeare

In einer Bearbeitung von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel

Premiere: 18. September 2010

„Hamlet ist eine Tragödie der Liebe, der Familie, des Staates, es ist eine philosophische, eschatologische und metaphysische Tragödie. Alles, was ihr wollt! Man hat Hamlet im Frack und im Zirkustrikot, in mittelalterlicher Rüstung und im Renaissancekostüm gespielt. Um das Kostüm geht es nicht. Wichtig ist nur, dass man durch den Shakespeareschen Text hindurch zu den Erfahrungen unserer Zeit findet, zu unserer Unruhe und Sensibilität.“
Jan Kott

Mit dem Projekt „2BEORNOTOBE – Stadt auf die Bühne“ eröffnete der Leitende Regisseur Luk Perceval im September 2010 die neue Intendanz. Zu Beginn der neuen Spielzeit inszeniert er nun das ganze Stück, beschäftigt sich also weiter mit dem verzweifelten Sinnsucher Hamlet, dessen rastlose Untätigkeit angesichts einer aus den Fugen geratenen Welt das Dilemma des modernen Menschen abzubilden scheint. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei Shakespeares „Othello“ hat Perceval auch für „Hamlet“ die Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel mit einer Bearbeitung beauftragt.

Regie: Luk Perceval
Bühne: Annette Kurz
Kostüme: Ilse Vandenbussche
Musik: Jens Thomas
Licht: Mark Van Denesse
Dramaturgie: Susanne Meister

Termine:

Mi, 15.9.2010, 19:00 | Voraufführung
Sa, 18.9.2010, 20:00 | Premiere
So, 19.9.2010, 19:00
Mi, 22.9.2010, 20:00
Do, 23.9.2010, 20:00

Amerika

Nach dem Roman von Franz Kafka

„Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht.“

Franz Kafka Kafkas Amerika ist kein konkretes Land, sondern ein vielfach überlagertes Bild aus Mythen, Projektionen, Fakten und Fantasien. Die Reise des Auswanderers Karl Roßmann findet im Kopf statt, von der Einfahrt in den Hafen New Yorks bis zur finalen Zugfahrt zum großen Naturtheater von Oklahoma ist es die Odyssee eines Anschlusssuchenden, der bis zuletzt nicht an der eigenen Isolation verzweifelt und vielleicht sogar am Ende im Theater Oklahomas jenes Zuhause findet, das er fortwährend suchte.

Kafkas epochales Werk schildert zu Beginn des 20. Jahrhunderts hellsichtig die Figur des „Vertriebenen“ – vertrieben durch die Eltern, vertrieben aus Europa. Die Geschichte eines Heimatlosen, dem Amerika nicht, wie Hunderttausenden von freiwilligen Auswanderern zum Ort der Verheißung wird, sondern zum Land des sozialen Abstiegs – ein Antibild zu Familien wie den irischen Kennedys oder deutschen Kaufmannsfamilien, die sich dort eine neue Existenz aufbauten. Kafka ermöglicht durch die Schilderung der Welt der Moderne, ihrer gigantischen Verkehrsströme, ihrer hektischen Arbeitswelt unser erinnerndes Erstaunen darüber, dass all das, was wir als normal empfinden, erst seit kurzem so ist. Kafkas Roman als Phantasma und Erlebnis eines einzigen Schauspielers.

Regie: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur

Ort:

Thalia Gaußstraße (Garage)

Termine:

Do, 23.9.2010, 19:30
Fr, 24.9.2010, 19:30
Mo, 27.9.2010, 20:30

Kinder der Sonne

Von Maxim Gorki

In einer Bearbeitung von Luk Perceval

Leben auf Pump. Es sind privilegierte Menschen, Künstler, Wissenschaftler, Intellektuelle, die im Hause des Biochemikers Protassow an dem Bild einer heiteren, strahlenden Zukunft basteln, während draußen die Cholera wütet. Protassow hat für seine wissenschaftlichen Forschungen sein Vermögen aufgebraucht und sich der Aufgabe verschrieben, einen glücklichen, edlen Menschen zu erschaffen. Dabei nimmt er die Ereignisse, die um ihn herum geschehen, kaum wahr. In seinem Haus leben aufgeklärte Menschen, mehr oder weniger vernünftig, aber auch sie haben sich durch ihre Ignoranz der profanen Außenwelt gegenüber isoliert. Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die sich schützt gegen Gewalt, Not und Elend, die draußen herrschen. Hier verschließt eine bürgerliche Mittelschicht, die auf Pump lebt, aber das im großen Stil, die Augen vor dem Unvermeidlichen, vor der trivialen, unperfekten, allzu menschlichen Wirklichkeit. Doch diese realen wie auch imaginären Mauern, die sie um sich errichtet hat, werden, wie die Geschichte bald darauf gezeigt hat, zum Einsturz gebracht. „Eine kranke Gesellschaft kann erst dann gesunden, wenn die Quellen des Lichts, der Schönheit und des Wissens allen zugänglich sind“, kommentierte der Dichter sein Drama. Maxim Gorki schrieb „Kinder der Sonne“, als er in der Peter-und-Paul-Festung nach dem Arbeiteraufstand im Januar 1905 inhaftiert war, da er als Aufwiegler verdächtigt wurde. Gorki beschreibt das Versagen der Intelligenzia, die Arbeiter und Bauern müssen sich den Zugang zu Kunst und Wissenschaft selbst erkämpfen.

Regie: Luk Perceval
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Ursula Renzenbrink
Dramaturgie: Beate Heine

Ort:

Thalia

Termin:

Di, 28.9.2010, 20:00

Andersen. Trip zwischen den Welten

Ein Projekt von Stefan Pucher und Benjamin von Blomberg

„Der Schatten war der Herr und der Herr der Schatten.“ Hans Christian Andersen

Den Menschen ist Andersen zu Lebzeiten nie nah gekommen. Kaum 14-jährig macht er sich erstmalig auf, ihnen zu entkommen. Es zieht ihn aus seiner Heimatstadt Odense nach Kopenhagen: Er will berühmt werden. Fortan wird Andersen immer unterwegs sein, er wird ganz Europa bereisen und hier die innere Notwendigkeit verstärkt finden, ein Künstler sein zu wollen. Bald kennt er jeden und alles. Doch im Alltag wird er sich nie auskennen. Durch seine Märchen eröffnet Andersen den Menschen die ganze Welt, aber er selbst wird in ihr nie ganz enthalten sein. Deshalb schreibt er. Um im Verborgenen all das zu sein, was er nicht ist. Ein Anderer. Er selbst.

„Andersen. Trip zwischen Welten“, eine Projekt von Stefan Pucher, erzählt das Leben eines Künstlers in der Gewissheit, dass ihn zu erfassen, nicht die Chronik hinreicht, sondern vielleicht nur die Kunst, das Theater. Mit aller Kraft hat Andersen selbst ein Leben geführt, als wäre es ein Märchen. Bis zum Ende. Bis zu seiner letzten Reise, die „Andersen“ erzählen will, da er, der eben nie ganz im Leben angekommen ist, sich sterbenskrank in ihm verfängt: ganz Körper, ganz endlich, hier und jetzt. Schmerzmittel werden vielleicht geholfen haben, ihn abermals über die Welt hinauszuheben, er taucht weg, seine Schatten sind um ihn, wie sie ihn stets begleitet haben: das Mädchen, das am Wegesrand erfroren sitzt, ein Streichholz in der Hand; die junge Frau, der jeder Schritt wie Messerstiche in den Beinen schmerzt; der eigene Schatten, der sich von seinem Körper löst, das Leben zu schauen, das er nie sah; die Nachtigall, die singt, als wäre der Augenblick der Erlösung gekommen. Doch was ist Schattenspiel, was Wirklichkeit, was das Andere, was er selbst? Die Phantasie ist ihm letzte Zuflucht. So wie sie das wirkliche Leben stets behinderte, hat sie es zugleich mit ihm versöhnt. Und seine Poesie ermöglicht.

Andersen schrieb, um zu sein und mit der Welt in Kontakt zu kommen. Stefan Pucher und sein Musiker und Komponist Carsten „Erobique“ Meyer werden ihn auf ihre ganz eigene Art lesen, um ihm nah zu sein: Auf den Spuren des Künstlers und Nomaden Hans Christian Andersen.

Regie: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Marysol Del Castillo
Musik: Erobique
Video: Meika Dresenkamp
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg

Ort:

Thalia

Termine:

Fr, 24.9.2010, 20:00
Mo, 27.9.2010, 20:00
Do, 30.9.2010, 20:00
So, 10.10.2010, 17:00

Große Freiheit Nr. 7

Nach dem Film von Helmut Käutner

„Seemanns Braut ist die See“ so hoffnungsvoll programmatisch wie traurig klingt es in „La Paloma“, dem auf allen Meeren der Welt bekannten Song, den Helmut Käutner für seine filmische Ballade von 1944 verwendet hat. Die „Große Freiheit Nr. 7“ ist auch heute noch Mythos und Inbegriff der Hamburger Sehnsucht zugleich. Hier, im Hippodrom auf der Großen Freiheit, begeistert Stimmungssänger und Alleinunterhalter Hannes Kröger seit Jahren die Seeleute mit den berühmtesten Hamburger Liedern. Hier, in der Welt seiner langjährigen Geliebten Anita, die das Lokal unterhält, scheint er zu Hause zu sein. Jedenfalls genau so lang, bis ihn wieder einmal seine Freunde aus vergangenen Matrosenjahren besuchen und ihn die Sehnsucht packt. Bleiben oder gehen ist die ewige Frage des gestrandeten Seemanns, auf die Hannes zum ersten Mal eine Antwort findet, als die junge und schöne Gisa in sein Leben tritt. Mit ihr lernt er eine völlig neue Welt kennen, die Welt des einfachen bürgerlichen Mädchens. Plötzlich erscheint dem ewigen Seemann der Gedanke sesshaft zu werden ganz nah. Doch als sich Hannes mit Gisa verloben will, muss er feststellen, dass sie sich mehr für den jüngeren Scholz interessiert. Hannes muss Abschied nehmen und offen bleibt, wieviel Wahrheit in „Seemanns Braut ist die See und nur ihr kann er treu sein“ wirklich steckt.

Regie: Luk Perceval
Musiker: Hans-Georg Spiegel (Akkordeon, Bandoneon, Posaune), Sven Kagelmann (Holzbläser, Klarinette, Bassklarinette), Jan Baruschke (Geige)

Ort:

Thalia

Termin:

Fr, 1.10.2010, 20:00

Woyzeck

Nach Georg Büchner

Von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson
Songs und Liedtexte Tom Waits/Kathleen Brennan
Textfassung Ann-Christin Rommen/Wolfgang Wiens

God’s away on business. Woyzeck liebt Marie, aber was kann er ihr schon bieten? Als einfacher Soldat lebt er am unteren Ende der Gesellschaft, schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch – rasiert seinen Hauptmann, schneidet Stöcke, mit denen Leute wie er geprügelt werden, ruiniert seinen Körper und seinen Verstand mit den Experimenten des Doktors. Als Marie sich dem Tambourmajor zuwendet, wird es Woyzeck zu viel.
Bei seinem frühen Tod 1837 hinterließ Georg Büchner „Woyzeck“ als Fragment, offen für Aneignungen. Der amerikanische Musiker Tom Waits befasst sich seit den Siebziger Jahren mit den Abgründen der menschlichen Seele und diagnostiziert in kleinen Songs große Katastrophen. In Zusammenarbeit mit Robert Wilson entstand eine musikalische Bearbeitung von „Woyzeck“ (uraufgeführt 2000 in Kopenhagen), die Waits als Album „Blood Money“ veröffentlichte. Waits’ Songs lassen ins Innere der Figuren blicken, seine Musik fügt dem zwischen Fiebertraum und Sozialdrama stehenden Text Büchners eine Dimension hinzu, leistet Widerstand gegen die Zumutungen der Existenz, gegen die Bilder einer kranken Welt.

„Woyzeck“ handelt von Wahnsinn und von Obsessionen, von Kindern und von Mord – alles Dinge, die uns berühren. Das Stück ist wild und grell und spannend und fantasieanregend. Es bringt einen dazu, Angst um die Figuren zu bekommen und über das eigene Leben nachzudenken. Ich schätze mal, mehr kann man von einem Stück nicht verlangen.
Tom Waits

Musikalische Leitung: Gerd Bessler
Musiker: Gabriel Coburger, Dieter Fischer, Hohannes Huth, Stephan Krause, Laurenz Wannenmacher

Gefördert durch die Thalia Freunde

Ort:

Thalia

Termin:

Mo, 18.10.2010, 20:00

Die Kontrakte des Kaufmanns

Eine Wirtschaftskomödie von Elfriede Jelinek

„Sie werden nie gewinnen, Sie werden nichts gewinnen außer Ihrer Freiheit, nichts zu gewinnen, aber die werden Sie gewinnen!“ Elfriede Jelinek Ausgehend von aktuellen Skandalen im Kontext der Weltwirtschaftskrise entwirft Jelinek das Panoptikum des freien Marktes. Sie zeigt Getriebene nach dem Platzen der Blase: uns alle – den Kleinanleger als Opfer und Täter zu gleich. Die Lust am Speku lieren ist vorerst aufgebraucht, die Gier dem Zorn, der Klage gewichen. Das Materielle hat gesiegt und alle in den Abgrund gerissen. Die Geschichtsschreibung, d.h. der Sprach not stand, setzt ein. Nur die Sprache bleibt, um die eigene Haut zu retten: Wer ist Opfer, wer Täter? Und: Ist das überhaupt die Frage?

Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol Del Castillo
Musik: Sebastian Vogel und Thomas Kürstner
Video: Claudia Lehmann

Eine Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Köln.

Ort:

Thalia

Termin:

Fr, 15.10.2010, 19:00

Die Räuber

nach Friedrich Schiller

Koproduktion mit den Salzburger Festspielen

„Ein allerliebstes köstliches Kind, dessen ewiges Studium es ist, keinen Vater zu haben.“

Karl und Franz sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl. Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, neidet ihm die Liebe des Vaters, die alles verzeiht. Auch, dass Karl in seinem Studienort über die Strenge schlägt, er die Menschen für ihre Schwächen und Verfehlungen verachtet.
Franz, der alles entbehrt, will Herr sein. Das „Böse“ zu wollen heißt sich Karls Welt gewaltsam anzueignen. Und es gelingt ihm, das Band zwischen dem Vater und Karl zu zerschneiden. Der alte Moor droht darüber zu sterben – Karl wird zum Räuber.
Anders als Franz aber erstrebt Karl jetzt das „Gute“: Mit aller Kraft will er diejenigen bekämpfen, die ihn willkürlich, voller Kälte schutzlos gemacht haben. Ohne dass er es von vornherein weiß: sein Feind ist Franz, seine Verheißung, das „Franzische“ aus der Welt zu vertreiben.

Nicolas Stemann hat sich den ‚Räubern’ als einem Drama der schmerzhaften Identitätssuche genähert. Denn die Fragen „Wer will, wer muss ich sein?“, fundamentaler noch: „Wer bin ich?“ sind Fragen, die Franz wie Karl betreffen. Ihre gemeinsame Wurzel ist schließlich, ohne Vater zu sein. Ihr verzweifeltes Sehnen nach Zugehörigkeit, einem Projekt, einer Identität treibt sie ins Extrem, im Begehren, sich einer teilnahmslosen, ihnen alles vorenthaltenen Welt als Stempel aufzudrücken.

Bühne: Stefan Mayer
Kostüme: Esther Bialas
Musik: Sebastian Vogel und Thomas Kürstner
Video: Claudia Lehmann

Ort:

Thalia

Termin:

Mo, 4.10.2010, 20:00

Thalia Theater GmbH

Alstertor
D-20095 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.32814-0
E-Mail: publikum@thalia-theater.de

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
D-22765 Hamburg

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