THALIA THEATER HAMBURG
Spielzeit 2011/12
Der Kirschgarten
von Anton Tschechow
Premiere: 03. März 2012, Thalia Theater
In einer Bearbeitung von Luk Perceval
Lopachin Ein altes Weib sind Sie.
Ljubow Andrejewna Nein, gehen Sie nicht, bleiben Sie, mein Bester. Ich bitte Sie. Vielleicht denken wir uns doch noch irgendetwas aus.
Lopachin Was sollte man sich hier noch ausdenken?
Ljubow Andrejewna Gehen Sie nicht weg, ich bitte Sie. Andauernd warte ich auf irgendetwas, als ob das Haus über uns einstürzen müsste.
Warum ich den „Kirschgarten“ inszenieren möchte? Weil der Autor es immer wieder schafft, uns in unseren tiefsten Sehnsüchten zu berühren. Weil es eine Komödie ist. Eine Herausforderung für ein Ensemble. Und weil das Stück das Publikum mit einem Referenzrahmen konfrontiert, den jeder kennt: mit der Familie. Einer Familie, die, um zu überleben, gezwungen ist, mit dem Kirschgarten das abzuholzen, was ihr gemeinsam gelebtes Leben ausmacht: ihre Geschichte, ihre Identität. Tschechow zeigt so ein Paradox der Evolution: Konstruktion ist Destruktion. Und das nennt er dann eine tragische Komödie.
Regie: Luk Perceval
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Anja Sohre
Musik: Lutz Krajenski
Choreographie: Ted Stoffer
Dramaturgie: Carl Hegemann
Ort:
Thalia Theater
Termine:
Sa, 3.3.2012, 20:00 | Premiere |



So, 4.3.2012, 19:00 |



Mi, 7.3.2012, 20:00 |


Quijote. Trip zwischen Welten
ein Autorenprojekt nach Miguel de Cervantes
Don Quijote Siehst du, Freund Pansa, wie dreißig Riesen oder noch etliche mehr zum Vorschein kommen. Mit denen denke ich einen Kampf zu fechten und ihnen allen das Leben zu nehmen.
Sancho Pansa Welche Riesen?
Don Quijote Jene, die du dort siehst mit den langen Armen.
Sancho Pansa Das sind Windmühlen!
Don Quijote Es wird deutlich, dass du hinsichtlich der Abenteuer keine Erfahrung besitzt: Sie sind Riesen, und wenn du Angst hast, so verschwinde hier und verrichte dein Gebet, während ich mit ihnen in einen wilden und ungleichen Kampf eintrete.
Merlin, Faust, Don Quijote. Der dritte Reisende in dieser Reihe wird gern als Inbegriff der Verrücktheit beschrieben, er steht für Phantasie, Wahn, Abenteuer und Träumerei. Don Quijote ist die Wiederbelebung des fahrenden Ritters durch einen Edelmann, der gerne Ritterromane liest und im Auftrag der Gerechtigkeit und Ehre als Ritter in die Welt zieht in einer Zeit, in der es schon lange keine Ritter mehr gibt. Gemeinsam mit seinem Kumpanen Sancho Pansa und seinem Pferd Rosinante kämpft er in seiner rostigen Rüstung für die Armen und Schwachen, wobei zahlreiche Verwechslungen seinen Weg pflastern: Er begegnet Riesen, Rittern und Burgfräulein in einer eigentlich ganz gewöhnlichen Welt. Der lange Dünne und sein kleiner dicker Geselle sind längst unsterblich geworden. Stefan Pucher wird mit sieben namhaften Autoren die Metapher jenes Ritters adaptieren, der die ganze Welt als Bühne liest, auf der Phantasien nicht mehr von Realitäten zu unterscheiden sind und sich die Zeiten vermischen, Vergangenheit Zukunft wird und die Gegenwart Vergangenheit.
Ort:
Thalia Theater
Termine:
Fr, 10.2.2012, 20:00 |
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Do, 16.2.2012, 20:00 |
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Di, 6.3.2012, 20:00 |
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Die Räuber
nach Friedrich Schiller
„Ein allerliebstes köstliches Kind, dessen ewiges Studium es ist, keinen Vater zu haben.“
Karl und Franz sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl. Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, neidet ihm die Liebe des Vaters, die alles verzeiht. Auch, dass Karl in seinem Studienort über die Strenge schlägt, er die Menschen für ihre Schwächen und Verfehlungen verachtet. Franz, der alles entbehrt, will Herr sein. Das „Böse“ zu wollen heißt sich Karls Welt gewaltsam anzueignen. Und es gelingt ihm, das Band zwischen dem Vater und Karl zu zerschneiden. Der alte Moor droht darüber zu sterben – Karl wird zum Räuber. Anders als Franz aber erstrebt Karl jetzt das „Gute“: Mit aller Kraft will er diejenigen bekämpfen, die ihn willkürlich, voller Kälte schutzlos gemacht haben. Ohne dass er es von vornherein weiß: sein Feind ist Franz, seine Verheißung, das „Franzische“ aus der Welt zu vertreiben.
Nicolas Stemann hat sich den ‚Räubern’ als einem Drama der schmerzhaften Identitätssuche genähert. Denn die Fragen „Wer will, wer muss ich sein?“, fundamentaler noch: „Wer bin ich?“ sind Fragen, die Franz wie Karl betreffen. Ihre gemeinsame Wurzel ist schließlich, ohne Vater zu sein. Ihr verzweifeltes Sehnen nach Zugehörigkeit, einem Projekt, einer Identität treibt sie ins Extrem, im Begehren, sich einer teilnahmslosen, ihnen alles vorenthaltenen Welt als Stempel aufzudrücken.
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Stefan Mayer
Kostüme: Esther Bialas
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Ort:
Thalia Theater
Termine:
Di, 7.2.2012, 20:00 |
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Di, 14.2.2012, 20:00 |
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Blind Date
von Theo van Gogh
Kommen Sie auf ein Blind Date in die Theaterbar Zentrale!
Kann man seine Vergangenheit hinter sich lassen? Alles neu beginnen? Im Dunkel einer Bar eine neue Identität überstreifen? Und wenn man alte Muster verlässt, hat dann die Liebe eine Chance, weil man sich neu begegnet? Hat eine neue Persönlichkeit andere Möglichkeiten und Freiheiten? In Blind Date, nach dem Film des umstrittenen Filmemachers Theo van Gogh, der 2004 in Amsterdam auf offener Straße ermordet wurde, verstrickt sich ein Paar in ein riskantes Beziehungsspiel.
Regie: Alia Luque
Bühne: Christoph Rufer
Ort:
Thalia Theater
Termine:
So, 5.2.2012, 20:30 |



So, 26.2.2012, 20:30 |


Antigone des Sophokles
von Bertolt Brecht
Es herrscht Krieg in Theben.
Kreon, König von Theben, droht dem, der den vor den Toren der Stadt gefallenen Polineikes beerdigen wolle, mit der Todesstrafe. Kreons Entscheidung steht im Widerspruch zu den geltenden Sitten und Normen. Antigone dagegen fühlt sich diesen Werten mehr verbunden als dem Machtanspruch des Herrschers: Sie erachtet es als ihre schwesterliche Pflicht, den Bruder zu bestatten und ist bereit, für diese Tat bestraft zu werden. Mit diesem Schritt bricht die berühmte Tochter des Ödipus die Brücken zu den Lebendigen ab und will eben damit zum Menschen werden. So wie Ödipus der erste Aufklärer ist, der der Aufklärung selbst zum Opfer fällt und gerade darin zum Menschen wird, so bringt Antigone ihr Leben selbst zum Einsatz, um in der Souveränität des eigenen Todes zum Subjekt ihrer selbst zu werden.
Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Ellen Hofmann
Dramaturgie: Beate Heine
Ort:
Thalia Theater
Termin:
So, 19.2.2012, 14:00 |
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Don Carlos
von Friedrich Schiller
Kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution, am 29. August 1787, wird Friedrich Schillers „Don Carlos“ in Hamburg uraufgeführt. Im historischen Gewand des von der Inquisition beherrschten Spaniens schreibt der Autor ein Zeitstück über die Zwänge des absolutistischen Deutschlands, an denen er leidet. Im Planspiel einer komplexen Intrige am Hof Philipps II. deckt Schiller das „geheime Räderwerk“ menschlicher Handlungen auf. Indem er die Zergliederung der Seelen innerhalb einer Gesellschaft offen legt, zeigt Schiller Gefangene des Systems, die um Selbstbestimmung kämpfen.
Unglücklich liebt der Infant Don Carlos seine Stiefmutter, die Königin Elisabeth, die einst ihm als Braut versprochen war. Leidenschaftlich liebt Marquis Posa die Menschheit, doch seine Vision eines gerechten Staates droht im Machtbereich Philipps II. an der Realität zu zerbrechen. Aus verschmähter Liebe zu Don Carlos wird die Fürstin Eboli zur Rächerin – und verbündet sich mit den Falschen. Im Korsett des Hoflebens finden Gefühle keinen Ausweg, vor den Intrigen der Ehrgeizigen gibt es kein Entkommen. Im Zentrum der Macht ist der König allein – und damit die selbst auferlegte Pflicht ein Gefängnis.
Stück für Stück verfangen sich Schillers Figuren in den Fallstricken der Verhältnisse. Ist der Traum von der Selbstbefreiung des Individuums letztlich Illusion? Was kommt zum Vorschein, wenn Werte zu Werkzeugen zur Durchsetzung von Zielen werden, wenn der „Terror der Freiheit“ regiert?
Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Musik: Mark Badur
Dramaturgie: Susanne Meister
Video: Annemarie Drexler
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Mi, 15.2.2012, 19:30 |
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Was ihr wollt
von William Shakespeare
Deutsche Fassung von Gabriella Bußacker und Jan Bosse
„Was ist Liebe?“, heißt es in einem Song dieser Komödie, die zwischen Melancholie und Irrwitz wankt. „Nichts für’s Jenseits“, heißt es weiter, „den Augenblick genießen und nicht an morgen denken.“
Nach einem Schiffsunglück strandet Viola auf einer Insel, auf der eine wohlhabende Gesellschaft herrscht, die sich allein der Sucht hinzugeben scheint: nach Liebe, Musik, Intensität, Spaß und Rausch. In der ihr fremden Umgebung tritt sie in der schützenden Tarnung als Cesario auf und wird das Zentrum des Begehrens, das sich wie eine Krankheit ausbreitet. Ist Liebe Schicksal? Eine bürgerliche Erfindung? Ein Trieb der Natur? Der Stoff, der die Leere füllt? Der Titel, den Shakespeare seiner Komödie der Irrungen und Verwirrungen, der Verwandlung und Täuschung, des Tausches und Rausches gibt, enthält Feststellung, Frage und Provokation als Aufforderung: Was ihr wollt. Was wollt ihr? Ist es das, was ihr wollt?
Musik spielt in dieser Shakespeare-Komödie eine besondere Rolle. Rocko Schamoni, bestens bekannt nicht nur als Mitglied von Studio Braun und Autor von „Dorfpunks“, wird sie mit seinem Musikerkollegen Jonas „Jones “ Landerschier komponieren, der zur Band von Jan Delay gehört und für das Theater schon mit Jan Bosse, Schorsch Kamerun u. a. zusammenarbeitete.
Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Rocko Schamoni, Jonas "Jones" Landerschier
Dramaturgie: Gabriella Bußacker
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Do, 9.2.2012, 20:00 |
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Andersen. Trip zwischen Welten
Ein Projekt von Stefan Pucher
Ein Realitätstransformator auf Dauerstrom. Hans Christian Andersen war ein Phantast. In seinen Werken, seinen Märchen zumal, wie im Leben. Ein Traumtänzer, der die Welt nicht hinnimmt, wie sie ist. Und das nicht erst mit 14 Jahren, als er seinem Heimatort Odense den Rücken kehrt und allein nach Kopenhagen zieht, um berühmt zu werden. Leben und Kunst, das ist bei Andersen nicht zu trennen. Er schuf sich seine eigene Wirklichkeit. Nicht gleich lässt sie sich nach Belieben modellieren, sie stößt ihn ab, als er versucht, ans Theater zu kommen, als er vorsingt, vor spielt, vortanzt, auch erste Stücke schreibt. Was ihn zu Tränen rührt, wenn er es vorträgt, erscheint der Welt grotesk. Später aber, als ihn Könige empfangen, wird ein Star zu sein zur selbstverständlichen Attitüde seines Lebens. Sein Selbstbewusstsein ist demonstrativ, seine Extravaganz pathetisch. Und eben deretwegen wird ihm die Welt nie wirklich nahe kommen können. Sein Raum in ihr ist begrenzt, das Geltungsbedürfnis seines Egos dagegen grenzenlos. Deshalb braucht er die Literatur. Eine Gemeinschaft der Exzentriker, eine Warholsche Factory vielleicht, ist zu der Zeit noch nicht in Sicht. In Beziehung zu den Menschen tritt er, wenn er ihnen vorliest. Das Mitgefühl derer, die verzaubert zuhörten, ihre Anerkennung, galt dann ihm – er war nicht allein. Denn das war er tatsächlich, einsam. Während die anderen lebten, schuf er. Er wiederum lebte, wenn er schuf, auch sich erschuf. Stefan Pucher und sein Musiker Carsten „Erobique“ Meyer (u.a. „Studio Braun“ und „International Pony“) stellen sich Andersen im Michael-Jackson-haften Neverland seiner Phantasie vor; ein Künstler zwischen den Welten. Was er geschaffen hat, umgibt ihn, seine Märchenfiguren, sein Schatten, der lebt, was er nicht lebt, liebt, wonach er sich sehnt. Stets kehrt er zu ihm zurück, es ist ja der eigene. Was aber, wenn er es, wie in seinem Märchen „Der Schatten“, einmal nicht täte? Was wenn seine Kunst ihn nicht befreit, sondern ihn ums Leben bringt? Oder muss es nicht so sein: dass der Künstler stirbt, sein Schatten aber lebt? Und – wer war noch mal wer?
Regie: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Carsten "Erobique" Meyer, Matthias "Tex" Strzoda
Video: Meika Dresenkamp
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Sa, 18.2.2012, 20:00 |
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Macbeth
William Shakespeare
Deutsch von Thomas Brasch
In einer Fassung von Luk Perceval
Macbeth kommt als Feldherr aus dem Krieg, das Töten war sein Geschäft. Seine Frau, Lady Macbeth, hat ein Kind verloren, die Ehe ist ohne Nachkommen. Den Stimmen der Hexen kann das Paar nicht widerstehen: Macbeth soll König sein – aber um welchen Preis? Getrieben vom Überlebenswillen sieht Macbeth nur einen Ausweg aus seiner Angst: ganz nach oben kommen. Er tötet König Duncan im Schlaf – und wählt damit seinen eigenen Tod. Denn dieser erste Mord zieht zwanghaft weitere Morde nach sich, und auf dem angemaßten Thron begegnet das Paar seinen Dämonen. Unaufhaltsam führt beider Weg in die Selbstzerstörung und erst im Angesicht des Todes erkennt Macbeth die Sinnlosigkeit seines Überlebenskampfes.
"In Macbeth und Lady Macbeth habe ich unzählige Ehepaare gesehen, die mit Angst umgehen. Angst ist für mich das essentielle Thema in ,Macbeth‘".
Luk Perceval
Regie: Luk Perceval
Bühne: Annette Kurz
Kostüme: Ilse Vandenbussche
Musik: Lothar Müller , Ted Stoffer (Choreographie)
Licht: Mark Van Denesse
Dramaturgie: Susanne Meister
Eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale
Ort:
Thalia Theater
Termine:
Sa, 25.2.2012, 20:00 |
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Mo, 27.2.2012, 20:00 |
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Immer noch Sturm
von Peter Handke
Ein großer Gesang auf das Leben: Das neue Stück von Peter Handke ist ein Trip zwischen Zeiten, Träumen und Welten. Handke führt uns vom Europa des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Er erinnert sich an die Geschichte seiner slowenischen Vorfahren. Angeregt durch nachgelassene Briefe, mündliche Überlieferungen und eigene Erinnerungsbilder folgt er seiner Gedächtnisspur: „Nicht ich lasse euch nicht in Ruhe. Es lässt mich nicht in Ruhe, nicht ruhen. Ihr lasst mich nicht in Ruhe.“ Es geht um eine slowenische Kleinhäuslerfamilie in Kärnten, die in der NS-Zeit, vom Sprachverbot und von der Aussiedlungspolitik bedroht, zum Widerstand findet und die nach Ende des Krieges, nach kurzen Wochen der erkämpften und erlebten Freiheit, sich wieder verdrängt und ausgeschlossen fühlt. Erinnernd ruft der Erzähler seine Vorfahren herbei und beschreibt dieses Szenario wie ein altes schwarz-weiß Foto, in das er sich selbst hinein retuschiert und das nach und nach zum Leben erwacht. Das Ich, der Autor als alter Mann, die träumende und erzählende Hauptfigur, sieht sich als Kind heran wachsen. Er sieht sich im Wurzelnest eines Apfelbaumes schlafend und als junger Mann hinter der Mutter hervortretend, der sein Leben in die Hand nehmen will. Er erfindet spielerischkomödiantische Figuren, die miteinander streiten, sich freuen oder trauern, trifft auf seine Großeltern, Tanten und Onkel. Der Erzähler selbst wird Gast dieser erinnerten Gemeinschaft, die ihn heim holt an den Ort seiner Kindheit. Nun ist er kein Fremder mehr.
Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Ellen Hofmann
Dramaturgie: Beate Heine
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Di, 21.2.2012, 19:00 |
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Der Raub der Sabinerinnen
Franz und Paul von Schönthan | Curt Goetz
Es gibt drei große verhinderte Selbstmörder in der klassischen Dramenliteratur: Hamlet, Faust – und den Gymnasialprofessor Gollwitz, der sich auf die Bahngleise legt, weil die Uraufführung seiner heimlich geschriebenen Römertragödie „Der Raub der Sabinerinnen“ vom Publikum schon im zweiten Akt gnadenlos ausgebuht wurde. Der prototypische Schwank der Brüder Franz und Paul von Schönthan ist auch eine große Tragödie. Aus heiterem Himmel droht der plötzliche Untergang einer ganzen Familie samt Papagei. Denn dem unglücklichen Familienvater bleibt angesichts der zu erwartenden Spottlawine und der damit einhergehenden Vernichtung seiner bürgerlichen Existenz nur der Selbstmord. Aber es kommt, das macht die Tragödie komplett, zwei Stunden lang kein Zug. Hinter der Fassade, übertönt vom Gelächter, tun sich Abgründe auf. Zwei paradoxe Lebensformen treffen aufeinander: der Schein in der wirklichen Welt des Professors und die Wirklichkeit in der Scheinwelt des Theaters. Der gebeutelte und schlecht subventionierte Theaterdirektor Striese sehnt sich insgeheim genau nach dem wohl geordneten Leben, das die Mitglieder der Familie Gollwitz so öde finden.
Es steckt mehr in diesem Schwank als pures Lachtheater. Die Tragödie ist nur dann komisch, wenn man sie ernst nimmt. Und Herbert Fritsch, der neue König des alten deutschen Schwanks und Spielleiter des Jahres, nimmt sie sehr sehr ernst. Auch weil es seine eigene ist.
Regie: Herbert Fritsch
Bühne: Herbert Fritsch
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Ingo Günther
Ort:
Thalia Theater
Termine:
Sa, 11.2.2012, 14:00 |
Tickets online |



So, 19.2.2012, 20:00 |
Tickets online |



Fr, 2.3.2012, 20:00 |
Tickets online |



Fr, 9.3.2012, 20:00 |
Tickets online |


Die Wolfgang-Show
Ein Abend mit Cocteau, Klavier und Dir
Die Gegenstände sind in der Überzahl. Wir empfehlen: Sichern Sie sich noch heute ein Ticket "und die Stiegenbeleuchtung des Wunderbaren blitzt auf." Es erwartet Sie: Jean Cocteau (zwar nicht persönlich, aber immerhin: dessen Texte) sowie enorme Liebeslieder über Sehnsucht und Rache. Außerdem: ungeahnte Interaktionen, die Ihr Leben für immer verändern könnten...-im positivem Sinne! Hinein!
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Mi, 8.2.2012, 20:30 |


Othello
von William Shakespeare
In einer Bearbeitung von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel
Desdemona verliert ihre Unschuld. Nicht jedoch durch ihre Taten, sondern durch Täuschung. Iago, die böseste Figur, die Shakespeare je geschaffen hat, täuscht den gutgläubigen Othello, getrieben von Eifersucht und Hass, indem er ihm den Gedanken einer angeblichen Schuld Desdemonas in den Kopf setzt. Nun ist Othellos Wahrnehmung der Welt um ihn herum getäuscht. Im Intriganten Jago sieht er seinen loyalen Freund, in seinem treuen Leutnant Cassio den Geliebten seiner Frau und in der ihn aufopfernd liebenden Desdemona eine ihn täuschende Hure. Je mehr Desdemona in Othellos Wahrnehmung die Unschuld verliert, um so mehr macht er sich selbst in seinem Wahn schuldig, indem er sie anklagt, beleidigt und schließlich unter seinem mächtigen Körper begräbt.
Die Neuübersetzung und Bearbeitung durch Zaimoglu und Senkel findet eine eigene Sprache, um den Hass, den Rassismus und die Liebe, die sich in Shakespeares Text verbergen, spürbar zu machen. Auf dem Flügel begleitet vom Jazz-Pianisten Jens Thomas, wird die Geschichte vom Untergang einer Liebe auf schmerzhafte Weise erfahrbar. Die Inszenierung von Luk Perceval, die 2003 an den Münchner Kammerspielen Premiere hatte und seitdem auf vielen internationalen Festivals zu sehen war, gehört ab der Spielzeit 2009/2010 zum festen Repertoire des Thalia Theaters.
Regie: Luk Perceval
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Ursula Renzenbrink
Musik: Jens Thomas
Dramaturgie: Marion Tiedtke
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Fr, 24.2.2012, 20:00 |
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Draußen vor der Tür
von Wolfgang Borchert
"My Darkest Star" live in concert
Die aus dem Afghanistankrieg zurückkehrenden Bundeswehrsoldaten drängen immer stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein. Höchste Zeit. Die Eröffnung des Berliner Traumazentrums für Bundeswehrsoldaten letztes Jahr ist dafür nur ein Anzeichen.
Über die Generation der Heimkehrer aus einem anderen Krieg schrieb schon 1946 der 26-jährige Hamburger Wolfgang Borchert. Ganz ohne Traumaforschung machte er die Rückkehr des Kriegsheimkehrers Beckmann nach Hamburg als Albtraum erfahrbar. Wie im Fieber wandert er durch die Straßen eines verlorenen Gestern und bleibt doch im Dazwischen stecken: zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Realität. Gepeinigt vom immer gleichen Traum, in dem die Toten schreien und ein schauerliches Konzert auf einem Xylophon aus Menschenknochen gespielt wird, sucht er voll Verzweiflung nach einem Ort, wo all das aufhört. Gibt denn keiner, keiner Antwort?
In Luk Percevals Inszenierung wird dieses Dazwischen zum absurden Zirkus, zum szenischen Konzert, in dem das bisherige Leben in Traumbildern an uns vorbeizieht. Beckmann singt, schreit, flüstert und dichtet sich die Verzweiflung von der Seele. Das Requiem eines Anfängers. Ein Konzert. Felix Knopp ist gleichzeitig Beckmann und Sänger der Band „My Darkest Star“ (in der Thalia Zentrale seit über vier Jahren erfolgreich mit „A trip along Depeche Mode“), deren Musik ihn auf einen Albtraumtrip schickt. Kein Entkommen. Und über ihm schweben und um ihn herum tanzen die Engel, Menschen mit Down-Syndrom aus den Eisenhans-Theaterprojekten, die zum ersten Mal auf der Thalia Bühne stehen. „Sie sind Anfänger? Ja, mein Bester, so leicht geht die Sache im Leben aber nun doch nicht. Nein, das denken Sie sich doch wohl ein bisschen einfach.“
Regie: Luk Perceval
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Anja Sohre
Musik: My Darkest Star
Musiker: Martin Dog Kessler, Dirk Ritz, Marco Schmedtje
Musikregie: Paul Lemp / Stefan Wulff
Dramaturgie: Tarun Kade
Ort:
Thalia Theater
Termine:
Sa, 11.2.2012, 20:00 |
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Di, 28.2.2012, 20:00 |
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Do, 8.3.2012, 20:00 |
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Faust I + II
von Johann Wolfgang von Goethe
Am Ende wird nichts gewonnen sein. Seinsgewissheit nicht, keine Welt. Auch wenn die sich dienstfertig kolonisieren ließ – eines Tages wird die Natur sich zurückholen, was ihr der teuflische Faust gewaltsam entriss, der Mensch erkennen, dass Zerstörung schuf, was Freiheit verhieß. Das diesseitige Ende des „Faust II“ könnte apokalyptischer nicht sein: nach dem Abgesang auf die Liebe in „Faust I“ nun jener auf die Vision des neu schöpfenden Menschen bzw. auf das emphatische Projekt der (kapitalistischen) Moderne. Und tatsächlich: was sind schon drei Tote und eine verrückt gewordene Geliebte als tragische Bilanz eines an der Unergründlichkeit des Lebens Leidenden, durch einen Teufelspakt aber auf Augenhöhe mit seinen Allmachtsfantasien erhobenen Gelehrten. Was ist schon diese Bilanz von „Faust I“ gegen die große, durchrationalisierte Gewimmel- Welt, die der Prothesengott Faust schließlich im zweiten Teil hinterlässt?
Dass Faust uns heute als unseresgleichen anmutet, ist verstörend. Von unserer Welt und ihrer Entstehung erzählt Goethe: einer durchbefreiten Gesellschaft von Radikalindividualisten, unfähig zu Gemeinschaft und Arbeit an kollektivem Sinn. „Löse dich von allen äußeren, das Ich einschnürenden Einflüsterungen“, ruft Mephisto diesem Faust zu: von den zweifelnden, skrupulösen, gedankenschweren, den Stimmen des Vergangenen und Ideellen. Des Teufels Lied geht so: Sei dein eigener Maßstab! Wie sehr es dem ganz anderen ähnelt, jenem von der Ohnmacht des allein auf sich selbst zurück geworfenen Menschen, seiner Liebesunfähigkeit, Rastlosigkeit, Depression – das ahnen wir. Wir, die unseligerweise vielleicht idealen Leser Goethes. In unserem Stammbuch funkeln seine Gedanken hell.
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Thomas Dreißigacker, Nicolas Stemann
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Ort:
Thalia Theater
Termine:
So, 12.2.2012, 15:00 |
Tickets online |



Sa, 10.3.2012, 15:30 |
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Merlin oder das wüste Land
von Tankred Dorst
Aufbruch. Los geht’s! Wir wollen es wissen. Uns ins Verhältnis setzen und fragen: Wer sind wir in der Welt? Mit Tankred Dorsts „Merlin“ wollen wir gleich zum Auftakt der neuen Spielzeit ausbrechen aus Raum und Zeit. Einmal die Tageszeitungen zur Seite legen und eintauchen in eine fremde Welt, um vielleicht dort wieder ganz Naheliegendes zu finden. Die Reise wird uns in die Sagen des Mittelalters führen, wo sich Vergangenheit, Gegenwart, Vorzeit und Zukunft vermischen. Begeben wir uns auf die Spuren Merlins, des Teufelsgeborenen, der die Welt vom Bösen befreien will… Es ist der Beginn des Christentums, die Zeit der Ritter und Könige, der Burgen und Riesen, die der Kämpfe und phantastischen Abenteuer, kurz: Es ist die Zeit der berühmten Tafelrunde. Zwischen Wald und Burg suchen hier König Artus, Sir Lancelot, Sir Gawain, Sir Kay, Sir Beauface, Parzival und all die anderen edlen Ritter unter Merlins Führung ihr Glück.
Regie: Antú Romero Nunes
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Matthias Koch
Musik: Johannes Hofmann
Video: Sebastian Pircher, Peer Engelbracht
Dramaturgie: Sandra Küpper
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Mi, 29.2.2012, 19:30 |
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Festzeitstory
Ein Stück der Torte
Der eine mag es, der andere nicht. Fest steht aber, dass keiner drumrumkommt. So sicher wie die Existenz des eigenen Bauchnabels, so sicher ist auch das Wiegenfest. Die selbsternannte „Groupe della Fete“, bestehend aus fünf Thalia-Schauspielern, feiert traditionell die höchsten Feste des Jahres gemeinsam und im geschlossenen Rahmen. Unter dem Motto: "Geburtstagsparties sind wie Smarties: klein und fein und kunterbunt", lädt sie zum erneuten Miterleben eines weiteren Traditionsfeuerwerks ein. Es ist selbstverständlich, dass die wichtigsten Lieder gesungen, die liebsten Gedichte zitiert und die besten Speisen verzehrt werden. Selbstverständlich ist auch, dass man sich über den Ablauf und persönliche Befindlichkeiten nicht mehr auszutauschen braucht – der Friede steht über allem und weder Pannen noch Missgeschicke werden ihnen diesen Frieden nehmen können. Denn eins ist klar: Wenn diese fünf zusammen sind, wachsen Torten Flügel.
Es feiern Julian Greis, Franziska Hartmann, Thomas Niehaus, Jörg Pohl, Nadja Schönfeldt
In Geschenkpapier gewickelt von Maria Ursprung
Regie: Maria Ursprung
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Mi, 15.2.2012, 20:30 |


Faust I
von Johann Wolfgang von Goethe
Faust will des Denkens Faden zerreißen. Stets war er Geistesmensch gewesen, er hatte ergründen wollen, was „die Welt im innersten zusammenhält“, er hatte das, was er wusste, mit Schülern, die ihm ergeben waren, geteilt – dies Leben genügt ihm nicht mehr. Er, der begabte, weise, rast- und ruhelose Mann, der potent ist von vornherein will omnipotent sein. Drastisch und drastischer werden die Bemühungen, sein inneres Gefängnis zu sprengen, nichts lässt er unversucht – schließlich tragen ihn Teufels-schwingen über sich hinaus und in die Welt hinein. Diese „kleine Welt“, in die Mephisto Faust einführt, ist vor allem die Welt Gretchens. Alles drängt Faust zu dem jungen Mädchen hin, kaum, dass er sie erblickt. Berauscht von unbekannten Gefühlen, berauscht von sich selbst, will er es besitzen, koste es, was es wolle. "Löse dich von allen äußeren, das Ich einschnürenden Einflüste-rungen", ruft Mephisto diesem Faust zu: den zweifelnden, skrupulösen, gedankenschweren, den Stimmen des Vergangenen und Ideellen. Des Teufels Lied geht so: Sei dein eigener Maßstab! Wie sehr es dem ganz anderen ähnelt, jenem von der Ohnmacht des allein auf sich selbst zurück geworfenen Menschen, seiner Liebesunfähigkeit, Rastlosigkeit gar Depression – das ahnen wir. Von unserer Welt und ihrer Werdung erzählt Goethe: einer durchbefreiten Gesellschaft von Radikalindividualisten unfähig zur Vergemeinschaftung und der Arbeit an kollektivem Sinn. In unserem Stammbuch funkeln seine Gedanken hell.
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Thomas Dreißigacker, Nicolas Stemann
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Musiker: Burkhard Niggemeier, Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann, Eike Zuleeg
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Do, 1.3.2012, 19:30 |
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Faust II
von Johann Wolfgang Goethe
Aufgerieben von der Begrenztheit seines Wissens, unbefriedigt von den Menschen, der Liebe, treibt Faust rastlos fort. Immer weiter sollen ihn die Teufelsschwingen tragen, keine Zeit, kein Raum sich der Verfügbarkeit entziehen. Dennoch wird Faust nirgends innehalten. Die schönste Frau wird ihn nicht fesseln, kein Krieg, keine noch so ungeheuerliche „Kulturleistung“ – die zauberhafte Papiergeldschöpfung nicht, nicht die künstliche Erschaffung eines Menschen – den zweifelnden Geistesmenschen dazu bringen. Der Weltbesitz steht ihm vor Augen! Auf dass das Meer Land, der Mensch, nein, er selbst Gott werde! Für die Begleiterscheinungen seines Tuns ist Faust blind. Und so wird am Ende nichts gewonnen sein. Seinsgewissheit nicht, keine schöne, neue Welt. Auch wenn die Katastrophe, der Welten-Gau ausbleibt, springt er uns zwischen jeder Zeile ins vorausahnende Gewissen. Eines Tages wird sich die Natur zurückholen, was ihr der verteufelte Faust gewaltsam entriss, der Mensch erkennen, das Zerstörung schuf, wozu die absolute Freiheit der Gedanken und Gestaltung ihn instand setzte. Das diesseitige Ende des großen Faustepos könnte apokalyptischer gar nicht sein. Erstaunt stellt man fest, des Deutschen liebstes Buch ist grandios vor allem in einem: seiner Klage über den Zustand der Welt.
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Thomas Dreißigacker, Nicolas Stemann
Kostüme: Marysol del Castillo
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Mo, 13.2.2012, 19:00 |
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Woyzeck
nach Georg Büchner
Von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson
Songs und Liedtexte Tom Waits/Kathleen Brennan
Textfassung Ann-Christin Rommen/Wolfgang Wiens
God’s away on business. Woyzeck liebt Marie, aber was kann er ihr schon bieten? Als einfacher Soldat lebt er am unteren Ende der Gesellschaft, schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch – rasiert seinen Hauptmann, schneidet Stöcke, mit denen Leute wie er geprügelt werden, ruiniert seinen Körper und seinen Verstand mit den Experimenten des Doktors. Als Marie sich dem Tambourmajor zuwendet, wird es Woyzeck zu viel.
Bei seinem frühen Tod 1837 hinterließ Georg Büchner „Woyzeck“ als Fragment, offen für Aneignungen. Der amerikanische Musiker Tom Waits befasst sich seit den Siebziger Jahren mit den Abgründen der menschlichen Seele und diagnostiziert in kleinen Songs große Katastrophen. In Zusammenarbeit mit Robert Wilson entstand eine musikalische Bearbeitung von „Woyzeck“ (uraufgeführt 2000 in Kopenhagen), die Waits als Album „Blood Money“ veröffentlichte. Waits’ Songs lassen ins Innere der Figuren blicken, seine Musik fügt dem zwischen Fiebertraum und Sozialdrama stehenden Text Büchners eine Dimension hinzu, leistet Widerstand gegen die Zumutungen der Existenz, gegen die Bilder einer kranken Welt.
„Woyzeck“ handelt von Wahnsinn und von Obsessionen, von Kindern und von Mord – alles Dinge, die uns berühren. Das Stück ist wild und grell und spannend und fantasieanregend. Es bringt einen dazu, Angst um die Figuren zu bekommen und über das eigene Leben nachzudenken. Ich schätze mal, mehr kann man von einem Stück nicht verlangen.
Tom Waits
Musikalische Leitung: Gerd Bessler
Musiker: Gabriel Coburger, Dieter Fischer, Johannes Huth, Stephan Krause, Laurenz Wannenmacher
Sounddesign: Marco Paschke
Regie: Jette Steckel
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Pauline Hüners
Termine:
So, 5.2.2012, 17:00 |
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Fr, 17.2.2012, 20:00 |
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Die Kontrakte des Kaufmanns. Eine Wirtschaftskomödie
von Elfriede Jelinek
„Sie werden nie gewinnen, Sie werden nichts gewinnen außer Ihrer Freiheit, nichts zu gewinnen, aber die werden Sie gewinnen!“ Elfriede Jelinek
Ausgehend von den Skandalen im Kontext der Weltwirtschaftskrise entwirft Jelinek das Panoptikum des freien Marktes. Sie zeigt Getriebene nach dem Platzen der Blase: uns alle – den Kleinanleger als Opfer und Täter zugleich. Die Lust am Spekulieren ist vorerst aufgebraucht, die Gier dem Zorn, der Klage gewichen. Das Materielle hat gesiegt und alle in den Abgrund gerissen. Die Geschichtsschreibung, d.h. der Sprachnotstand, setzt ein. Nur die Sprache bleibt, um die eigene Haut zu retten: Wer ist Opfer, wer Täter? Und: Ist das überhaupt die Frage?
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Ort:
Thalia Theater
Termin:
Mi, 8.2.2012, 19:00 |
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Nathan der Weise
von Gotthold Ephraim Lessing
Mit dem Sekundärdrama "Abraumhalde" von Elfriede Jelinek
„Nun wessen Treu und Glauben zieht man denn / am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen? (…) Doch deren, die uns nie getäuscht, als wo / getäuscht zu werden uns heilsamer war?“ Gotthold Ephraim Lessing
Es brennt. Schon einmal hatte es gebrannt. Nathans Frau und die gemeinsamen Söhne sterben in den Flammen. Nur Nathan überlebt. Er scheint verdammt, weiterzuleben, auch wenn das „nackte Nichts“ an die Stelle tritt, wo ehemals sich Sinn ereignete. Aber Lessing lässt Nathan sich das Leben zurückerobern – Lessing widmet diesem Kampf um Wiedererlangung der Würde, um Wiedererlangung des Glaubens an den Menschen sein Stück.
Ziehtochter Recha ist hierzu Nathans Heilsweg. Denn das ist das Unfassbare: Nathan wird sich einer Christin annehmen, auch wenn Christen es waren, die seine Familie, den Sinn, am Leben zu sein, auslöschten. Nathan wird die junge Recha aufziehen, als wäre es die eigene Tochter. Durch sie wird die Wahrscheinlichkeit Nathan erst zur Wirklichkeit Nathan. In Recha überwindet er das, wie es scheint, Unüberwindliche: dass die Geschichte stets wiederkehrt, dass Gleiches sich stets mit Gleichem vergilt. Nathan setzt eine Metaphysik der aufgeklärten Selbstüberwindung gegen die nackte Physik der Selbstbehauptung und das in Zeiten, da Kreuzzüge Häuser wieder abbrennen. Da ein Sultan Tempelherren hinrichten lässt, und Tempelherren Waffenruhen brechen. Nathan gibt ein Versprechen: dass der Mensch in Würde frei sein kann, frei von jeder diesseitigen wie jenseitigen Bevormundung, befreit von jeder Abhängigkeit, frei aus sich selbst heraus. Dass der eine und der ganz andere sie selbst, und sie beide darin grundverschieden sein können und doch eines beide zusammenhält: ein Mensch zu sein. Es ist ein Versprechen. Und ist auch ein unmissverständlicher Anspruch: die Erziehung eines Menschengeschlechtes.
Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Thomas Kürstner und Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Termin:
Do, 23.2.2012, 20:00 |
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