schauspielhannover

Spielzeit 2011/12

Unser Lehrer ist ein Troll

von Dennis Kelly
Junges Schauspiel | ab 12

Deutschsprachige Erstaufführung: 17. Februar 2012, Ballhof Zwei

Die beiden schrecklichen Zwillinge Holly und Sean sind so schrecklich, dass ihre Klassenlehrerin eines Tages einen Nervenzusammenbruch erleidet – die Schüler finden sie im Sandkasten sitzend, muhend wie eine Kuh.Doch als daraufhin ein Troll zum neuen Schulleiter ernannt wird, sind die Zwillinge plötzlich selbst in schrecklichen Nöten. Denn Mr. Aaaargh verfolgt höchst eigenartige Lehrmethoden: Der Spielplatz wird zur Goldmine umfunktioniert, in der die Schüler fortan arbeiten müssen. Und wer nicht spurt, wird kurzerhand aufgefressen. Nun ist guter Rat teuer, keiner traut sich, dem Troll, der zudem nur unverständlich schrecklich röhrt, zu widersprechen. Während die Erwachsenen dazu übergehen, dem Troll-Regime angstvoll zuzustimmen, versuchen die Schüler, Hilfe zu holen. Die schrecklichen Zwillinge entwickeln einen mutigen und überraschenden Plan.

Regie und Bühne: Ricarda Beilharz
Dramaturgie: Friederike Trudzinski
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Roman Beilharz

Ort:

Ballhof Zwei

Termine:

Fr, 17.2.2012, 19:30 | Premiere |
So, 19.2.2012, 18:00 |
Di, 6.3.2012, 18:00 |
Mi, 7.3.2012, 11:00 |
Sa, 17.3.2012, 18:00 |

Woyzeck

von Robert Wilson, Tom Waits & Kathleen Brennan nach Georg Büchner

Premiere: 18. Februar 2012, Schauspielhaus

Woyzeck ist einfacher Soldat. Er liebt Marie. Sie hat ein Kind von ihm, unehelich. Sie braucht Geld, und Geld ist knapp. Woyzecks Sold reicht kaum fürs Überleben. Um sich etwas hinzuzuverdienen, rasiert er hin und wieder den Hauptmann und stellt sich einem Doktor als Versuchs- und Studienobjekt für dessen undurchsichtige Experimente zur Verfügung. Bei Wohlverhalten erhält er Zulagen. Doch Marie hat neuerdings Augen für einen Tambourmajor und tanzt mit ihm. Mit einem Schlag ist Woyzeck das Leben einsam und sinnlos geworden. Missbraucht von der Welt, verliert er den Verstand. Innere Stimmen weisen ihn an, Marie, die »Zickwolfin«, zu erstechen. Er tut es. Den Stoff fand Büchner in Berichten eines authentischen Falls, der seinerzeit großes Aufsehen erregte und in der Wissenschaft heftigen Streit über die juristische Frage der Zurechnungsfähigkeit auslöste. Das Werk aus dem Jahre 1837 ist Fragment geblieben.

Auf Grundlage der überlieferten Fragmente Büchners schrieb Tom Waits mit seiner Frau, der Songtexterin Kathleen Brennan, brutale und empfindsame Songs, die das Innenleben der Figuren nach außen kehren. Das in der Nachfolge von »The Black Rider« entstandene »art musical« in der Regie von Robert Wilson feierte am 18. November 2000 am Betty Nansen Theater in Kopenhagen Uraufführung und wurde mit Lob überschüttet. Jahrelang blieb die Fassung gesperrt. Seit sie 2009 freigegeben wurde, stürmt sie die deutschen Bühnen.

Regie: Heike Marianne Götze
Bühne: Dirk Thiele
Kostüme: Inge Gill Klossner / Heike Marianne Götze
Choreographie: Salome Schneebeli
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Musik: Martin A.P. Gantenbein

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 18.2.2012, 19:30 | Premiere |
Do, 23.2.2012, 19:30 |
Sa, 25.2.2012, 19:30 |
Sa, 10.3.2012, 19:30 |
Fr, 16.3.2012, 19:30 |
Mi, 21.3.2012, 19:30 |

StuThe: TREULOS

Ein Kommentar zu Shakespeare

Premiere: 27. Februar 2012, Ballhof Zwei

So treu wie Troilus? So falsch wie Cressida? »Ich lieb euch jetzt,« sagt sie. »Doch fürwahr, ich lüge.« Treue zu sich selbst, Treue zu Freunden, das könnte einem etwas wie einen Charakter bescheren. Treue ist der Klebstoff sozialer Gruppen, soweit es eben geht.

Die StudentenTheatergruppe StuThe präsentiert eine szenische Auseinandersetzung mit einer altmodischen Tugend.

Leitung: Bärbel Jogschies

Ort:

Ballhof Zwei

Termine:

Mo, 27.2.2012, 19:30 | Premiere |
Mo, 12.3.2012, 19:30 |

Balljugend 4: Ballhof - Deine Jugend

Premiere: 02. März 2012, Ballhof Zwei

Regie: Mariam Soufi Siavash, Merle Böhnhardt
Bühne: Katharina Zerr
Kostüme: Katharina Lackmann
Produktionsleitung: Friederike Dünger

Mit freundlicher Unterstützung der htp GmbH

Ort:

Ballhof Zwei

Termine:

Fr, 2.3.2012, 19:30 | Premiere |
Mo, 5.3.2012, 19:30 |

Stulle und Bulle: Wer zuletzt lacht, ist die Polizei

Comedy-Late-Night-Show von und mit Jonas Hien und Sebastian Kaufmane

Premiere: 03. März 2012, Cumberlandsche Bühne

Deutschland, heute. Sie sind Kult – seit ihrer ersten Reise durch die Republik. Stulle und Bulle, Zivilfahnder aus Leidenschaft, die mit viel Herz und wenig Hirn für den PB (Polizeiberuf) werben und versuchen, ihn aus dem ZWL (Zwielicht) zu holen. Mit Witz, Tanz, Musik und Gewalt spielen sie gegen die VUs (Vorurteile) an, mit denen Beamte täglich konfrontiert werden. Einflüsse von »Rocky I–IV«, dem Bundesgesetzbuch und Nietzsche sind zu spüren, wenn sie ihre Promotiontour unternehmen, ihre Ermittlungsarbeit für eine bessere Welt. Im Informationsabend über den schönsten Beruf aller Zeiten kommt neben Berichten aus dem Dienstalltag auch das Privatleben der Polizisten nicht zu kurz. Gnadenlose Heiterkeit ist garantiert! Hinter den Oberlippenbärten von Stulle und Bulle verbergen sich die Schauspieler Jonas Hien und Sebastian Kaufmane, die sonst als Faust oder Don Quichotte (Jonas Hien am Theater Magdeburg) oder als Bakchios und Parzival (Sebastian Kaufmane am Schauspiel Hannover) auf der Bühne stehen. Die Idee zu den Comedy-Cops kam ihnen während ihrer Studienzeit in Halle. Was als Witz begann, ist mittlerweile zur festen Größe in der Comedy-Szene geworden. Mit ihrem Debütabend »Hart, aber ungerecht«, den sie im Halleschen Riff-Club herausbrachten, sind sie bereits erfolgreich durch ganz Deutschland gereist – von Berlin über München, Köln und Magdeburg schließlich nach Hannover. Nun gibt es die zweite Folge, unterstützt von dem Musiker und Comedian Ulrich Beckers (die lonely husBand).

Regie: Ulrich Beckers

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termine:

Sa, 3.3.2012, 21:00 | Premiere |
Di, 13.3.2012, 20:00 |
Sa, 17.3.2012, 21:00 |

EXTRA BÄNG: Die kahle Sängerin

von Eugène Ionesco

Premiere: 08. März 2012, Ballhof Eins

Selbstgemacht und unzensiert - eine Eigenproduktion von Balljugend und Co., bei der Jugendliche unter Anleitung von Profis Theater machen

Regie: Silke Janssen
Bühne: Jakob Weiss
Kostüme: Hanna Rode
Dramaturgie: Anne-Stine Peters

Ort:

Ballhof Eins

Termin:

Do, 8.3.2012, 19:30 | Premiere |

Zusammen!

nach dem Film von Lukas Moodysson
Junges Schauspiel | ab 14

Premiere : 16. März 2012, Ballhof Eins

Mitte der 70er Jahre. Eine Kommune in Stockholm, die ihre Bewohner liebevoll »Zusammen!« getauft haben. Und das mit gutem Grund: Es wird restlos alles ausdiskutiert, ob Pippi Langstrumpf nun eine Kapitalistin ist, wie man Banken lahmlegen kann oder welcher Mitbewohner die bürgerlichste Vergangenheit hat; es wird auch mal ohne Hose durch die Wohnung gelaufen, aus ideologischen Gründen auf Fleisch und Cola verzichtet und natürlich hemmungslos Liebe gemacht – querbeet. Dorthin nun zieht Elisabeth mit ihren beiden Kindern, nachdem ihr Mann sie einmal zu viel geschlagen hat. Während sie selbst mit all den neuen Freiheiten aufblüht, stehen die Kinder ratlos und verwirrt einer Lebensform gegenüber, die mit ihrem bisherigen Leben in einer Kleinfamilie völlig unvereinbar ist. Bis sie sich den Laden zu eigen machen. Mit Humor und Wehmut führt der Blick zurück in die 70er Jahre, in das soziale Biotop der Wohngemeinschaft, die die Verwirklichung einer schwierigen, wunderschönen und heute immer mehr in Vergessenheit geratenen Utopie mit sich bringt: der Utopie des Zusammenlebens.

Regie: Florian Fiedler
Bühne: Maria-Alice Bahra
Kostüm: Selina Peyer
Musik: Martin Engelbach / Lars Ehrhardt
Video: Bert Zander
Dramaturgie:Volker Bürger

Ort:

Ballhof Eins

Termine:

Fr, 16.3.2012, 19:30 | Premiere |
Mi, 28.3.2012, 19:30 |

Kasimir und Karoline

Volksstück von Ödön von Horváth

Premiere: 17. März 2012, Schauspielhaus

Karoline Man muss immer trennen, die allgemeine Krise und das Private.

Schürzinger Meiner Meinung nach sind aber diese beiden Komplexe unheilvoll miteinander verknüpft.

Karoline hatte doch nur ein Eis essen wollen. Und nun ist ihre Beziehung zertrümmert. Kasimir, ihr Verlobter, hat gerade seine Arbeit verloren. Da wird eine solch kleine Amüsiersehnsucht auf dem Oktoberfest zum Test einer Liebe und die Unerfüllbarkeit dieses Wunsches zu einer Demütigung, die in Bitterkeit umschlägt. Ein Streit. Kasimir lässt Karoline stehen. Sie trifft auf Schürzinger, der seine Arbeit noch hat, das Eis spendiert und zur Achterbahnfahrt einlädt. Seine Feststellung, »dass, wenn der Mann arbeitslos wird, die Liebe seiner Frau zu ihm nachlässt, und zwar automatisch«, verwirrt Karoline. Schürzingers Chef kommt vorbei, ist bei Laune, wirft ein Auge auf das Mädchen, lädt sie zur Spritztour ein, im teuren Auto. Die endet bitter. Und Kasimir schaut zu. Sein kleinkrimineller Freund Merkl Franz und dessen Braut Erna verführen ihn zu einer Dummheit. Auch die endet bitter.

Regie: Felicitas Brucker
Dramaturgie: Aljoscha Begrich
Bühne: Kathrin Frosch
Kostüme: Karen Simon

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 17.3.2012, 19:30 | Premiere |
So, 18.3.2012, 19:30 |
Do, 22.3.2012, 19:30 |
So, 25.3.2012, 17:00 |
Di, 10.7.2012, 19:30 |

Moschee DE

Robert Thalheim / Kolja Mensing

Am Rand von Berlin bricht ein erbitterter Streit aus. Eine muslimische Gemeinde will auf einem brach liegenden Grundstück zwischen Autobahnauffahrt, Einfamilienhaussiedlung und Fast-Food-Restaurant eine Moschee errichten. Aufgebrachte Anwohner schließen sich in einer Bürgerinitiative zusammen, Lokalpolitiker und Neonazis demonstrieren Hand in Hand gegen den geplanten Bau. Schließlich werden Brandsätze gelegt. »Moschee DE« nimmt diesen realen Fall zum Anlass für eine Forschungsreise in den deutschen Alltag. Welche Geschichten ereignen sich im Schatten der Moschee – zwischen den Regalen eines Supermarkts, auf dem Parkplatz des Drive-Inns oder in der Parallelgesellschaft einer Einfamilienhaussiedlung? Was für Menschen verbergen sich hinter den Schlagzeilen und reißerischen Fernsehberichten über den vermeintlichen Kampf der Kulturen?

Regie: Robert Thalheim
Bühne: Michal Galinski
Kostüme: Julia Raabe
Musikalische Leitung: Sascha Hargesheimer
Dramaturgie: Aljoscha Begrich

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termin:

So, 5.2.2012, 20:00 |

Neverland

Popmärchenrecherche vom Jungen Schauspiel und Kooperationspartner enercity mit Jugendlichen aus Hannover
Junges Schauspiel | ab 14

Jackson Five meets Peter Pan. Was niemand für möglich hielt: Für fünf schwarze Jugendliche ging Ende der 60er Jahre ein Märchen in Erfüllung. Sie waren Brüder, sie hießen Jackson Five, und sie starteten durch: als erste Boygroup im Showbizz. Ihr Vater als Manager, als Kindermädchen, als Dompteur. In Robert Lehnigers DokuMärchen mit Tanz- und Videoelementen spielen Jugendliche aus Hannover. Die Reise geht in die Popwelt Neverland, wo nur Kinder leben und keiner älter wird. Der Preis für die ewige Jugend allerdings ist hoch...

Der Regisseur Robert Lehniger arbeitet im Grenzbereich zwischen Theater und neuen Medien. Wie in seinen anderen Arbeiten mit collageartig-experimentellem

Zugriff, die unter anderem in Basel, der Volksbühne Berlin und am Burgtheater Wien entstanden sind, wird er auch für »Neverland« dokumentarisches, filmisches Material mit Performance, Spiel und Tanzelementen mischen. Für das Schauspiel Frankfurt entstand die Videovariation www.apartment666.com. 2009 hat er »Träumer« von Gilbert Adair auf der Cumberlandschen Bühne inszeniert.

Regie: Robert Lehniger
Bühne und Kostüme: Irene Ip
Musik: Joe Masi
Musik: Daniel Murena
Video: Tobias Yves Zintel
Choreographie: Emmanuel Obeya
Dramaturgie: Volker Bürger

Ort:

Ballhof Eins

Termin:

Mi, 8.2.2012, 19:30 | letzte Aufführung! |

Romeo und Julia

William Shakespeare

In Verona regiert der Hass zweier verfeindeter Familien, als Romeo und Julia, Kinder dieser Familien, zufällig die Blicke tauschen. Ein Augenblick nur, der beide in einen Ausnahmezustand versetzt und glauben macht, die Liebe sei ihr Schicksal. Sich dieser Himmelsmacht ergebend, gegen alle Gesetze der Vernunft, halten sie nur wenige Stunden später in aller Heimlichkeit Hochzeit. Der Krieg auf der Straße geht weiter, Romeo wird in einen Kampf verwickelt und tötet Julias Cousin. Der Bannfluch wird über ihn verhängt: Romeo muss über Nacht die Stadt verlassen und darf nie mehr zurückkehren. Julias Elternhaus bereitet unterdessen die Hochzeit ihrer Tochter mit dem reichen Grafen Paris vor. In einem verzweifelten Versuch, sich diesem drohenden Ereignis zu entziehen und Romeo weiter die Treue zu halten, greift das Mädchen zu einem Schlaftrunk, der ihren Tod vortäuscht. Aus der Gruft hinaus will sie zu ihrem Geliebten nach Mantua fliehen, doch der Gang der Ereignisse entzieht sich diesem Plan, und es kommt zu jenem tragischen Ende, das dazu führt, dass »Romeo und Julia« wie kein anderes Stück vor und nach ihm als mythisches Versprechen die Erzählung der wahren, unerschütterlichen Liebe in Umlauf hält.

Regie: Heike Marianne Götze
Bühne und Video: Isabel Robson
Kostüme: Inge Gill Klossner
Musik: Tomek Kolczynski
Dramaturgie: Judith Gerstenberg

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Di, 14.2.2012, 19:30 | letzte Aufführung! |

Götter, Kekse, Philosophen

Eine Hannoverrevue von Tom Kühnel / Jürgen Kuttner / Suse Wächter / Datenstrudel

Zur Eröffnung der neuen Cumberlandschen Bühne machen sich Tom Kühnel und Jürgen Kuttner auf, um im Privileg des noch unverstellten Blick die Rätsel ihrer neuen Heimat zwischen Handelspunkt, Energiezentrum und Rummelplatz zu ergründen. Unterstützt werden sie von Suse Wächter und ihren Puppen sowie den Medienkünstlern von Datenstrudel. Unter Einsatz aller theatralen Mittel von Oper bis zum Kasperletheater, von Reenactment bis zu Powerpoint wird eine Show entstehen, die den Utopien von gestern, den Vergangenheiten von morgen und den Mythen der Gegenwart nachgeht. Wie groß ist eigentlich das Kröpckeloch, wer war Merz, und wo liegt Welfen? Wieso gibt es bei Bahlsen Hieroglyphen? Was bedeuten diese runden Frauenkörper an den Straßen? Und wo bleibt eigentlich die dritte Dimension? Was ist der Zusammenhang zwischen Keks und Leibniz, Autogerechtigkeit und Hannah Ahrendt, Dada und Gazprom, Kanzler, Kunst und Chaostagen? Die Zeichen und Wunder von Hannover werden einer kritischen Analyse unterzogen und in einer Revue durcheinandergewirbelt, um endlich freien Blick auf die Wahrheit dieser Stadt zu bekommen.

Bereits seit seinem Regiestudium und seinen Inszenierungen am Frankfurter TAT arbeitet TOM KÜHNEL zusammen mit SUSE WÄCHTER. Für „Helden des 20. Jahrhunderts“ verbanden sie sich 2005 erstmals mit dem Berliner Rundfunkmoderator JÜRGEN KUTTNER. Sein wortgewaltiger „Sprechfunk“ wurde ebenso schnell Kult wie seine Videoschnipselvorträge. Nach mehreren gemeinsamen Inszenierungen wie „Schöpfer der Einkaufswelten“ werden die drei nun durch die Medienanimateure und Webartisten von DATENSTRUDEL, Jörn Hintzer und Jakob Hüfner, bereichert.

Regie: Tom Kühnel
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Ulrike Gutbrod
Puppen: Suse Wächter
Musik: Jens Dohle
Video: Datenstrudel

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termin:

Di, 21.2.2012, 19:00 |

Superhero

Nach dem gleichnamigen Roman von Anthony McCarten
Junges Schauspiel I ab 14

Donald Delpe ist vierzehn, ein magerer Junge ohne Haare. Voller Wut im Bauch und unerfüllter Sehnsucht stapft er mit Schuhen Größe 46 durch seine Heimatstadt Watford. In seinem Kopf: Mädchen und Sex. Sein Problem ist, dass er sich nicht nur mit der Pubertät herumschlagen muss, sondern auch mit Krebs. Don ist schwerkrank, und es könnte sein, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Seine größte Sorge ist, dass er als männliche Jungfrau sterben könnte. Helfen kann ihm da nur noch einer – ein Superheld. Als Comiczeichner hat Donald sich den selbst erschaffen: MiracleMan, ein unverwundbarer und unsterblicher Superheld, in dessen Haut er schlüpfen kann, wenn ihm sein alltäglicher Kampf gegen die Krankheit zu viel wird. Schließlich muss Don aber erkennen, dass die Hilfe von Menschen aus Fleisch und Blut – wie von seinen Eltern oder dem engagierten Psychologen Dr. Adrian King – auch nicht zu verachten ist. »Superhero« ist ein warmherziges, verrücktes, von Humor geprägtes Drama über das Leben und Sterben.

Regie: Susanne Lietzow
Bühne und Kostüme: Aurel Lenfert
Musik: Gilbert Handler
Video: Petra Zöpnek
Dramaturgie: Sonja Fröhlich

Ort:

Ballhof Zwei

Termin:

Fr, 24.2.2012, 19:30 |

Bodenprobe Kasachstan

von Stefan Kaegi

In Koproduktion mit Schauspiel Hannover, Wiener Festwochen, Goethe-Institut Almaty, Le Maillon – Théâtre de Strasbourg/Scène Européenne, Territory Festival 2011 und BIT Teatergarasjen.

Gefördert und durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei, Kulturelle Angelegenheiten und aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

Das Stück folgt russlanddeutschen Lebensläufen im Spiel der Großmächte entlang der Ölpipelines zurück nach Kasachstan. Mit dabei: ein pensio­nierter Tanklastwagenfahrer, ein ostdeutscher Tiefbauingenieur, ein junger Kasache, der in Deutschland mit Erdöl und Solarzellen handelt, eine Han­noveranerin, die bei Baikonur aufwuchs, und eine Kosmetikerin, die wäh­rend des tadschikischen Bürgerkriegs in Duschanbe lebte. So entsteht ein Theaterabend als Kasachstan-Simulation, in dem Menschen in russischer und deutscher Sprache die Routen der Steppe besingen: den Weg ihres Lebens, des Erdöls und der Macht.

Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) begründete das Dokumentartheater neu, in­dem er Experten des Alltags auf die Bühne stellte. In Hannover zeigten Rimini Protokoll u. a. »Sonde Hannover«, »Deadline« und »Breaking News«. Seit Jahren gehören sie zu den festen Größen der internationalen Theater­festivals, und so wird »Bodenprobe Kasachstan« auch in Berlin, Wien, Strasbourg, Bergen und Kasan zu sehen sein.

Название проекта переводится как «Проба казахской земли». Проследим биографии российских немцев, на которые повлияла игра великих держав и вернемся с ними на пути нефтепроводов в Казахстан.

Eine Produktion von Rimini Apparat und HAU/Hebbel am Ufer. In Koproduktion mit Schauspiel Hannover, Wiener Festwochen, Goethe-Institut Almaty, Le Maillon – Théâtre de Strasbourg/Scène Européenne, Territory Festival 2011 und BIT Teatergarasjen.

Stefan Kaegi, geboren 1972, ist selbst ein Reisender ohne feste Heimat. Er stammt aus der Schweiz, wohnt heute in Berlin oder Buenos Aires und inszeniert dokumentarische Theaterstücke und Stadtrauminszenierungen u. a. in Vancouver, Brüssel und Kairo. Gemeinsam mit Helgard Haug und Daniel Wetzel gründete er 2000 die Gruppe Rimini Protokoll, die das Dokumentartheater neubegründete, indem sie Experten des Alltags auf die Bühne stellte. In Hannover zeigten sie 2002 in »Sonde Hannover« durch 40 Feldstecher im 10. Stock einen ganz besonderen Blick auf den Kröpcke und thematisierten mit »Deadline« (2003) die Organisation des Sterbens heute.

Regie: Stefan Kaegi
Dramaturgie: Aljoscha Begrich

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termin:

So, 26.2.2012, 20:00 |

Das Fest

von Thomas Vinterberg / Mogens Rukov

Helge, erfolgreicher Geschäftsmann und Hotelier, hat zu seinem 60. Geburtstag geladen. Die ganze Familie und viele Freunde sind gekommen. Trotz des Selbstmords der Tochter Linda, der nur kurze Zeit zurück liegt, beginnt der Abend wie wahrscheinlich die meisten Familienfeste: Begrüßungen, Schmaltalk, Scherze. Doch dann hält der älteste Sohn Christian eine Tischrede, ganz im Sinne der Familientradition. Er kündigt sie mit dem merkwürdigen Titel »Wenn Papa badete« an. Was alle zunächst für eine heitere Anekdote aus der Kindheit halten, wird den Verlauf des Abends und schließlich das familiäre Gefüge grundsätzlich erschüttern. Christian nutzt das Geburtstagsfest seines Vaters, um ein gut gehütetes Familiengeheimnis zu lüften. Wenn das, was eigentlich jeder weiß, und doch nicht wahr haben will, endlich ans Licht kommt, wird der Schmerz spürbar, der es so lange und so sicher im Dunkel hielt. Er mache Filme, schreibt der 1969 geborene Thomas Vinterberg, weil er im Kino zeigen könne, was die Menschen voreinander verbergen: Geheimnisse, streng gehütet, verdrängt, manchmal mit brutalen Mechanismen unterdrückt. Sein Film »Das Fest« eroberte nach seiner Premiere 1998 die Kinoleinwände. Das lag nicht nur an der als »Dogma 95« berühmt gewordenen puristischen Ästhetik des Filmens, sondern auch an der Kraft und Dichte der erzählten Geschichte. Schon wenig später begann der Stoff als Theaterstück auf vielen Schauspielbühnen Erfolge zu feiern. »Das Fest« – inzwischen so etwas wie ein moderner Klassiker – ist nicht zuletzt ein Fest für Schauspieler. Hausregisseur Florian Fiedler hat es im Foyer des Schauspielhauses inszeniert, einem öffentlichen Raum, wie geschaffen für festliche Anlässe.

Der Filmemacher THOMAS VINTERBERG (geboren1969) hat Mitte der 90er Jahre zusammen mit seinen dänischen Kollegen Lars von Trier, Søren Kragh-Jacobsen und Christian Levring eine Art filmisches Keuschheitsgelübde, das »Dogma 95«, abgelegt. Vinterbergs Statement »Ich mache Filme, weil ich im Kino zeigen kann, was die Menschen voreinander verbergen« legt den tieferen Erkenntnisgewinn der filmischen Erneuerung offen. Waren die Filme doch allesamt intensive Ensemblearbeiten, in denen – eben dogmatisch – auf filmischen Schnickschnack und auf Effekte verzichtet und der Schauspieler und die Konflikte auf ganz pure und schmerzhaft-direkte Art ins Zentrum gerückt wurden.

Regie: Florian Fiedler
Bühne: Kathrin Krumbein
Kostüme: Kathrin Krumbein
Musik: Martin Engelbach / Frank Wulff
Dramaturgie: Christian Tschirner

Ort:

Foyer Schauspielhaus

Termin:

Mi, 29.2.2012, 19:30 |

Kollateralschlager

Eine analytische Hitparade von und mit Jürgen Kuttner

In diesem Singspiel dreht sich alles um Schlager, seine Wirkungen und Nebenwirkungen, seine Aus- und Einschläge. Denn Schlager sind nicht nur deutsche Hits, sondern auch Möglichkeiten von Weltverständnis. Schon in seinem Buch »Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers« fand Kuttner überraschende, spitzwinklige und pointengenaue Bezüge. So wie sich im Teheraner Auftritt der Jacob Sisters die politisch-geschichtlichen Hintergründe von 9/11 zeigen, finden sich im Hazy-Osterwald-Sextett (»Gehn Se mit der Konjunktur«) die modernsten Vertreter einer Kritik der gegenwärtigen politischen Ökonomie, und in Juliane Werdings »Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst« spricht die Erkenntnisphilosophie mit sich selbst. In einer dissonanten Mischung demonstriert Jürgen Kuttner, wie brandaktuell und hilfreich deutsche Musik sein kann, auch wenn sie von vorgestern ist. Schauspieler unseres Ensembles springen gemeinsam mit den Webartisten Datenstrudel und der Puppenspielerin Suse Wächter von Hit zu Hit, von Gunter Gabriel zu Christian Anders, vom Liveauftritt zur Videoperformance, vom Animationssong zur Danceshow. Und dazwischen erklärt Jürgen Kuttner die Welt.

Regie: Jürgen Kuttner
Puppen: Suse Wächter, Jörn Hintzer, Jakob Hüfner

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 4.2.2012, 19:30 |
Fr, 10.2.2012, 19:30 |
Fr, 24.2.2012, 19:30 |
Mi, 28.3.2012, 19:30 |

Troilus und Cressida

von William Shakespeare

Sieben Jahre ist es her, dass die Griechen voll rasender Empörung vor die Tore Trojas gezogen sind, um die entführte Helena zurückzuerobern. Der zermürbende Stellungskrieg an den Mauern Trojas
hat ihren Tatendrang inzwischen verpuffen lassen. Ihr größter Held, Achill, verlässt nicht einmal mehr sein Zelt. Selbstgefällig sonnt er sich in vergangenen Ruhmestaten und verlustiert sich mit einem Knaben. König Agamemnon und sein erster Ratgeber Odysseus suchen nach Wegen, die Kampfesmoral wieder zu wecken. Ein läppischer Kleinkrieg um männliche Eitelkeiten entbrennt.
Im Schatten dieser vernagelten Männerkriegsgesellschaft trägt sich ein ebenso zermürbender Stellungskrieg zweier junger Liebender zu: Trojas jüngster Königssohn Troilus begehrt die schöne Cressida. Lange lässt sie ihn zappeln. Doch als sie endlich zueinander gefunden haben, trennt schroff sie ein Schicksalsschlag: Cressida wird im Austausch gegen einen trojanischen Heerführer den Griechen übergeben. Die Stimmung schlägt um.

Regie: Thomas Dannemann
Bühne: Anna Sörensen
Kostüme: Regine Standfuß
Dramaturgie: Vivica Bocks

Ort:

Ballhof Eins

Termine:

Do, 9.2.2012, 19:30 |
Fr, 17.2.2012, 19:30 |
Sa, 25.2.2012, 19:30 |
Sa, 3.3.2012, 19:00 |
Sa, 31.3.2012, 19:00 |

Aus dem bürgerlichen Heldenleben

Trilogie von Carl Sternheim

Am Anfang der Trilogie über den Aufstieg der kleinbürgerlichen Familie Maske zu Großfinanz und Aristokratie verliert Luise in aller Öffentlichkeit ihre Hose. Ihr Mann, ein kleiner Beamter, rechnet deshalb fest mit seiner Entlassung. Um die finanziellen Einbußen auszugleichen, beschließt er, Zimmer zu vermieten und holt so zwei Nebenbuhler ins Haus, beide erotisierte Zeugen des peinlichen Zwischenfalls. Aus den folgenden Verwicklungen geht der Spießer Maske als Sieger hervor und kann, da sich die Vermietung so gut anlässt, seiner Frau »ein Kind zu machen, verantworten«. Der in »Die Hose« gezeugte Sohn ist wie sein Vater um gesellschaftlichen Aufstieg bemüht und schämt sich schon bald seiner Herkunft. »Der Snob« bezahlt seine Eltern, damit sie jede Verbindung zu ihm abbrechen. Tatsächlich gelingt ihm der Eintritt in die Aristokratie und der Aufstieg an die Spitze eines Konzerns. Als Freiherr Maske von Buchow führt er in »1913« einen erbitterten Kampf gegen seine Tochter, die hinter seinem Rücken Waffengeschäfte mit allen potenziellen europäischen Kriegsparteien betreibt. Maske sieht das bürgerliche Ethos zu nackter Habgier verkommen und deshalb keine Zukunft mehr.

Regie: Milan Peschel
Bühne und Kostüme: Moritz Müller
Dramaturgie: Christian Tschirner

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Di, 7.2.2012, 19:30 |
Do, 9.2.2012, 19:00 |
So, 12.2.2012, 19:00 |
So, 26.2.2012, 19:00 |
So, 11.3.2012, 17:00 |
Fr, 23.3.2012, 19:30 |
Sa, 31.3.2012, 19:30 |
Mi, 9.5.2012, 19:00 |

Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier

von Anne Lepper

Hoch in den Bergen. Dr. Bärfuss leitet ein Sanatorium für übergewichtige Kinder. Um Pfunde zu verlieren machen sie Liege- und Sonnenkuren. Nachts treffen sie sich, um viel Kuchen zu essen und wilde Partys zu feiern. Der dubiose Dr. Bärfuss scheint geheimnisvolle Pläne mit den dicken kindern zu verfolgen, die anscheinend zu menschlichem Ballast geworden sind.

So skizziert der sich der Grundplot von Anne Leppers neuem Stück, das die junge Autorin für das Schauspiel Hannover schreibt. Als Gewinnerin des Stückemarktes 2011, der Entdeckerplattform des Theatertreffens in Berlin, wurde ihr dieser Auftrag als Preis zuerkannt. Sie hat mit ihren ersten Stücken beeindruckende Talentbeweise vorgelegt. Ihre eigensinnigen Figuren bewegen sich in dichten, schlagfertigen Sprachwelten.

Regie: Claudia Bauer
Ausstattung: Andreas Auerbach
Musik: Peer Baierlein
Dramaturgie: Volker Bürger

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termine:

Sa, 18.2.2012, 20:00 |
Fr, 24.2.2012, 20:00 |
Di, 28.2.2012, 20:00 |
Sa, 10.3.2012, 20:30 |
Sa, 24.3.2012, 20:00 |

Das blaue blaue Meer

von Nis-Momme Stockmann

Die Wohnsiedlung ist schuld. Eigentlich ist Darko sich sicher, dass die Wohnsiedlung schuld ist. Eigentlich ist er sich sicher, dass er nie hier raus kommt. Gut, man kann sich umbringen – machen ja viele – aber raus kommt man nicht.

Eigentlich kann man nur saufen. Darko säuft. Er säuft sich zu. Er säuft, bis er stottert und nach Luft schnappt. Er säuft, bis sich sich sein Gehirn nach außen stülpt.

Da ist diese Sache passiert. Diese schreckliche Sache, über die er einfach nicht sprechen kann. Da ist die Sehnsucht nach den Sternen, die keiner versteht. Da ist Elle, mit seinen dummen Augen. Da ist Ulrike, die keine 15 ist und schon kaputt.

Aber dann ist da plötzlich dieses Mädchen, Motte. Und plötzlich, scheint alles möglich.

Regie: Serkan Salihoglu
Bühne: Andrea Wagner
Kostüme: Maria Anderski
Dramaturgie: Friederike Trudzinski

Kartenbuchungen für Schulklassen bei Christine Klinke | Tel. 0511.9999 2855
Workshops vereinbaren Sie mit Bärbel Jogschies | Tel. 0511.9999 2851

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termin:

Do, 22.3.2012, 19:30 |

The Boss of it all

Komödie von Lars von Trier

Ravn ist Eigentümer einer erfolgreichen IT-Firma und konfliktscheu. Um seinen Angestellten gegenüber keine unpopulären Entscheidungen verantworten zu müssen, hat er einen »Boss vom Ganzen« erfunden, einen amerikanischen Oberboss. Als er seine Firma verkaufen will, bekommt Ravn ein Problem: Der Käufer besteht darauf, mit dem richtigen Chef zu verhandeln und nicht mit ihm, dem Stellvertreter. Ravn engagiert den arbeitslosen Schauspieler Kristoffer. Kompliziert wird es, weil Kristoffer seinen Auftrag künstlerisch begreift: Er legt die Rolle des Chefs nach der Theorie eines von ihm verehrten absurden Theaterautors aus. Um den Verkauf der Firma nicht zu gefährden, muss Ravn den Schauspieler immer wieder auf betriebswirtschaftlichen Kurs bringen. Und Kristoffer, der als Boss vom Ganzen unweigerlich den Zorn der Angestellten auf sich zieht, weiß sich bald keinen anderen Rat, als einen Boss vom Boss vom Ganzen zu erfinden. Lars von Triers Komödie erzählt von unserer Neigung, die Verantwortung für unser Handeln nach oben zu delegieren, und von der überraschenden Nähe kapitalistischer Betriebswirtschaft zum Theater des Absurden.

Regie: Tom Kühnel
Bühne: Jo Schramm
Kostüm: Ulrike Gutbrod
Dramaturgie: Aljoscha Begrich

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termine:

Do, 9.2.2012, 20:00 |
So, 12.2.2012, 20:00 |
So, 19.2.2012, 20:00 |
So, 4.3.2012, 20:00 |
Fr, 23.3.2012, 20:00 |

Verbrennungen

von Wajdi Mouawad
Junges Schauspiel | ab 16

Im Testament der Mutter werden die Zwillinge Jean und Simon aufgefor­dert, einen Vater zu finden, von dem sie glaubten, er sei lange tot – und einen Bruder, von dessen Existenz sie nichts wussten. Misstrauisch bege­ben sie sich auf eine Reise in den Libanon, das Heimatland der Mutter. Auf der Suche nach den Verwandten entschlüsselt sich ihnen nicht nur die tragische Lebensgeschichte ihrer Mutter, sie stoßen in einer bis dahin fremden Welt des Krieges und der Gewalt auch auf die eigenen Wurzeln: Mit eindrucksvoller Sprachgewalt erzählt der im Libanon geborene Wajdi Mouawad die archaische Chronik einer ganz heutigen Familie.

Dennoch ist »Verbrennungen« nicht so sehr ein Stück über den Krieg oder die Notwendigkeit, seine Wurzeln zu suchen, sondern vielmehr über den Versuch, in einer unmenschlichen Situation seine Versprechen als Mensch zu halten. Seit der Uraufführung 2003 in Montreal wurde »Verbrennungen« in unzählige Sprachen übersetzt und gehört auch in Deutschland zu den erfolgreichsten Stücken der letzten Jahre.

Regie: Marc Prätsch
Bühne: Philipp Nicolai
Kostüme: Steffi Bruhn

Ort:

Ballhof Eins

Termine:

So, 5.2.2012, 19:30 |
Mo, 20.2.2012, 19:30 |
Sa, 17.3.2012, 19:30 |
Mo, 26.3.2012, 19:30 |

Pünktchen und Anton

Familienstück nach dem Roman von Erich Kästner

Pünktchen heißt eigentlich Luise Pogge, aber weil sie in den ersten Jahren nicht hatte wachsen wollen, war sie Pünktchen genannt worden, und so ist es geblieben, obwohl sie bereits zur Schule geht. Ihr Vater ist Direktor Pogge. Er hat viel Geld, wohnt mit seiner Familie und Dackel Piefke in einem großen Haus, hat eine Frau und eine Köchin, die dicke Berta, und ein Kindermädchen für Pünktchen: Fräulein Andacht. Aber ist Fräulein Andacht so harmlos, wie sie tut? Die dicke Berta jedenfalls hat da so ihre Zweifel. Und wir auch. Doch wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, wäre Pünktchen vielleicht Anton nie begegnet. Er wohnt in einem anderen Viertel der Stadt, sein Vater ist krank, hat keine Arbeit und natürlich keine Köchin, ja manchmal noch nicht einmal genug Geld zum Essen. So aber ist Anton Pünktchens bester Freund (natürlich ohne Wissen von Herrn und Frau Direktor Pogge) und gerade im richtigen Moment zur Stelle, als die Lage verdammt brenzlig wird.

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 8.2.2012, 11:00 |
Mo, 20.2.2012, 11:00 |
Di, 21.2.2012, 10:00 |
So, 4.3.2012, 17:00 |
Mo, 5.3.2012, 10:00 |

Die Leiden des jungen Werther

von Johann Wolfgang von Goethe

»... weil ein Mensch, den seine Leidenschaften hinreißen, als ein Trunkener, als ein Wahnsinniger angesehen wird.«
(Goethe)

Werther findet seine Traumfrau. Sie heißt Lotte und ist mit Albert zusammen. Das verhindert seine überschwänglichen Empfindungen keineswegs. Im Gegenteil. Haltlos verliert er sich an das große Gefühl und stürzt sich rücksichtslos in eine unmögliche Liebe. Offenes Herz im lebensgefährlichen Blindflug: Lotte bleibt bei Albert. Die Sehnsucht nach dem Absoluten lässt Werther am Ende keinen anderen Ausweg als den Suizid.

Goethes Briefroman wurde 1774 schlagartig zum Bestseller. Indem er die subjektive Empfindung gegenüber der nüchternen Vernunft betonte, traf er die Stimmung einer ganzen Generation.

Wer ist Werther? Was ist Werther? Pathetischer Egotrip oder Verteidigung bedingungslosen Denkens und Fühlens jenseits von Sarkasmus und Ironie? Grenzenloser Rausch der Gefühle – maßlos, kompromisslos bis zur Besinnungslosigkeit? Der Traum vom Aufstand gegen Mittelmäßigkeit, Beschränkung und Begeisterungsarmut, gegen allgemeine Unlust und den Verzicht aufs Radikale - oder die Unfähigkeit, erwachsen zu werden? Krankheit, Wahn oder ultimative Lebenslust? Werther fasziniert, Werther stößt ab.

Regie: Florian Fiedler
Bühne: Anette Riede, Natascha von Steiger
Kostüme: Isabel Robson, Lucie Travnickova
Musik: Philip Danzeisen, Martin Engelbach
Video: Isabel Robson, Bert Zander

Ort:

Ballhof Eins

Termine:

Di, 14.2.2012, 11:00 |
Di, 14.2.2012, 19:30 |
Sa, 18.2.2012, 19:30 |
Sa, 10.3.2012, 19:30 |
Sa, 24.3.2012, 19:30 |

Antigone

von Sophokles
Junges Schauspiel | ab 14

Im Bürgerkrieg um die Macht in Theben haben sich Antigones Brüder, Polyneikes und Eteokles, gegenseitig getötet. Ihr Onkel Kreon, der die Herrschaft in der Stadt übernommen hat, versucht, Recht und Ordnung wiederherzustellen. Er ordnet an, Eteokles zu beerdigen. Polyneikes aber, der Anstifter zum Krieg, der Verräter an Theben, soll als warnendes Beispiel unbestattet vor den Toren der Stadt verwesen. Wer den Verbrecher begräbt, so Kreon, soll sterben. Trotz Warnung ihrer Schwester Ismene, die den Konflikt in der Familie nicht weiter schüren möchte, besteht Antigone auf ein höheres, ein göttliches, ein Menschenrecht. Sie bietet Kreon die Stirn und begräbt ihren Bruder. Kreon verurteilt sie deshalb zum Tode. Vergeblich versucht Haimon, sein Sohn, ihn umzustimmen. Erst der blinde Seher Teiresias bringt den Herrscher zum Einlenken, doch da ist es bereits zu spät. Jetzt erst, allein und im Angesicht der Katastrophe, erkennt Kreon seinen schrecklichen Irrtum.

Regie: Josep Galindo
Dramaturgie: Christian Tschirner
Bühne: Sarah Bernardy
Kostüme: Irmela Schwengler
Musik: Raffaele Bonazza

Ort:

Ballhof Eins

Termine:

Sa, 4.2.2012, 19:30 |
Fr, 10.2.2012, 19:30 |
Mi, 22.2.2012, 19:30 |
So, 4.3.2012, 19:30 |
So, 25.3.2012, 19:30 |

Fegefeuer

nach dem Roman von Sofi Oksanen

Estland, 1992. Aliide Tru ist alt. Sie lebt allein auf dem Land, zurückgezogen und misstrauisch gegen alles und jeden. Eines Tages entdeckt sie ein zusammengekauertes Etwas in ihrem Garten, eine junge Frau. Zara. Sie ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern. So sagt sie. So sieht es aus. Die Alte gewährt Unterschlupf, widerwillig, denn eine unbestimmbare Bedrohung geht von dem Mädchen aus, und tatsächlich ist Zara nicht zufällig an diesen verlassenen Ort gekommen. Das Mädchen ruft Erinnerung wach an eine Vergangenheit, die vergessen sein will. Eine Familiengeschichte. Eine Tragödie. Auch die eines Landes. Gezeichnet von politischen Umwälzungen, vom Einmarsch der Russen in Estland 1940, vom Feldzug der Deutschen gegen Russland, von Kollaboration und Deportation, von Lagererfahrung, Folter und Menschenhandel – und von Schuld, von unvorstellbaren Entscheidungen und deren Folgen. In einem großen Handlungsbogen, in Vor- und Rückblenden lässt Oksanen die Geschichten Aliide Trus und Zaras, der alten und der jungen Frau, aufeinander zulaufen und zeichnet dabei zugleich die tragische Geschichte Estlands nach, die exemplarisch für das 20.Jahrhundert steht.

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termine:

Sa, 4.2.2012, 20:00 |
Fr, 10.2.2012, 20:00 |
Fr, 9.3.2012, 20:00 |
So, 25.3.2012, 20:00 |

Fatima

von Atiha Sen Gupta
Junges Schauspiel | ab 14

Fatimas Freunde sind irritiert: Fatima, die eben noch wild gefeiert, geraucht und getrunken hatte, kommt mit dem Hijab, der traditionellen muslimischen Kopfbedeckung, aus den Sommerferien zurück.
Ihr plötzliches Anderssein entfacht hitzige Debatten. Ist sie gläubig geworden, will sie ein politisches Statement setzen, oder ist der Hijab nur die neueste Mode? Wir erfahren es nicht. Fatima lässt uns und ihr Umfeld mit wilden Mutmaßungen allein. In humorvollen, fast comedyhaften Dialogen fallen Fatimas Freunde übereinander her, verteidigen ihre Position und verheddern sich in ihren eigenen Argumenten, während Fatimas Freund um seine Beziehung.

Ort:

Ballhof Zwei

Termine:

Sa, 4.2.2012, 19:30 |
Mi, 8.2.2012, 11:00 |
Do, 15.3.2012, 19:30 |
So, 25.3.2012, 19:30 |

Die Nibelungen

Trauerspiel in drei Teilen von Christian Friedrich Hebbel

Der liebliche, junge, starke Siegfried betritt den Hof der Burgunden am Rhein und will sich mit allen messen. Keiner wirft die Steine weiter, keiner tanzt wilder, und keiner erzählt bessere Geschichten als er. Siegfried prahlt mit seinem Schwert Balmung, dem Nibelungenhort, der Tarnkappe und seiner Unverwundbarkeit durch das Bad im Drachenblut. Er gewinnt die Herzen der Frauen am Hof und will doch nur eine: Kriemhild. Die bekommt er nur, wenn er verspricht, für König Gunther die unbesiegbare Brunhild aus Isenland zu holen. Bald wird Doppelhochzeit gefeiert. Doch ein Gürtel wird zum Objekt des Spotts, ein Lindenblatt zum Zeichen der Verletzlichkeit und Treue zum Mordmotiv: Rücklings ersticht Hagen Siegfried. Kriemhilds herzzerreißender Trauer folgen Rachegelüste und Mordfantasien, die eines Tages wahr werden. Schon Kindern sind die Namen der märchenhaften Helden – Hagen, Siegfried und Kriemhild – vertraut. Doch über ihr Schicksal und die Fragen nach Macht, Treue und Verrat verzweifeln sie noch als Greise.

Regie: Florian Fiedler
Bühne: Maria-Alice Bahra
Kostüm: Selina Peyer
Musik: Martin Engelbach
Dramaturgie: Aljoscha Begrich

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 22.2.2012, 19:00 |
Di, 28.2.2012, 19:00 |
Mi, 7.3.2012, 19:00 |

Deportation Cast

Björn Bicker

Noch vor ein paar Wochen ging Elvira auf eine Schule in Deutschland und war frisch verliebt. Jetzt wohnt sie auf einer Müllkippe im Kosovo und starrt auf ihr Handy, mit dem sie nicht mehr telefonieren kann.

Elviras Familie wurde nach vielen Jahren plötzlich aus Deutschland ausgewiesen. Zurück im Kosovo, sind sie als Roma noch immer von Armut und Diskriminierung bedroht. Elviras Eltern streiten, ihr großer Bruder ist ständig unterwegs, der kleine weicht ihr nicht von der Seite: Egzon. Seit er mit vier Jahren in einer brennenden Siedlung zurückgelassen wurde, spricht er nicht mehr. Niemand weiß, was er gesehen oder erlebt hat. Elvira will es auch gar nicht wissen. Sie will überhaupt nichts mehr mit dem Krieg, mit der Verfolgung und erst recht nichts mit diesem Land zu tun haben, dessen Sprache sie nicht einmal spricht. Sie möchte nach Hause. Nach Deutschland. Zu ihrem Freund Bruno. »Ich hol dich da raus«, steht in seiner letzten SMS.

In Deutschland findet Bruno heraus, dass sein eigener Vater als Pilot einen Abschiebeflug gesteuert hat. Ist er schuld, dass Elvira nicht mehr in Deutschland ist? Oder die übereifrige Sachbearbeiterin im Ausländeramt? Und was ist mit der Lehrerin?

Björn Bickers Text verwebt die Geschichten zweier Familien zu einem bewegenden und vielschichtigen Spiel um Verantwortung und Schuld. Auf wessen Seite ist das Recht? Und wer spielt seine Rolle am überzeugendsten?

Regie: Peter Kastenmüller
Bühne: Philipp Nicolai
Dramaturgie: Friederike Trudzinski

Ort:

Ballhof Zwei

Termine:

Do, 23.2.2012, 19:30 |
Fr, 30.3.2012, 19:30 |

Coraline

Neil Gaiman

Coraline ahnt nicht, was sie erwartet, als sie den geheimen Zugang durchschreitet, den sie eines Tages hinter einer zugemauerten Tür entdeckt. Als wäre sie durch einen Spiegel gegangen, steht sie in einer zweiten, identischen Version ihres Lebens: Das Haus, seine Flure, sogar ihr Zimmer – alles ist da, und doch ist alles anders. In der Küche steht ihre Mutter und kocht endlich ihr Lieblingsessen. Ist das ihre Mutter? – Statt Augen glänzen Knöpfe in ihrem Gesicht. Auch die Nachbarn, die Coraline in dieser anderen, irgendwie bunteren Welt mit atemberaubenden Zirkusnummern unterhalten, wirken befremdlich. Nur allmählich merkt Coraline, dass ihre Wunschwelt ein bedrohliches Eigenleben entwickelt.

Im diesjährigen Kooperationsprojekt von enercity und dem Jungen Schauspiel sind wieder Jugendliche aus Hannover die Hauptakteure auf und auch hinter der Bühne. Die junge Regisseurin Hanna Müller wird die schwerelose Traumwelt von »Coraline«, dem Bestseller-Jugendbuch von Neil Gaiman, mit der märchen- und symbolhaften Formsprache des Zirkus zum Leben erwecken: Die jungen Akteure trainieren mit Zirkuschoreografen der lokalen Zirkusszene, um als Akrobaten, Jongleure, Tuchartisten und Kuriositätentruppe für »Coraline« eine unvergessliche Zirkusshow auf die Bühne des Ballhof Eins zu bringen.

Regie: Hanna Müller
Bühne: Anna Sörensen
Kostüm: Nina Gundlach
Dramaturgie: Vivica Bocks
Musik: Martin Engelbach, Lars Ehrhardt
Puppenspiel: Oscar Olivo
Zirkuschoreographie: Svenja Dunkel, Hanno Palte

Ort:

Ballhof Eins

Termine:

So, 12.2.2012, 19:30 |
Fr, 24.2.2012, 19:30 |
So, 11.3.2012, 19:30 |

Staatsfeind Kohlhaas

István Tasnádi nach Heinrich von Kleist

Kohlhaas ist mit einer Koppel Pferde unterwegs zur Leipziger Messe. An der Grenze zu Sachsen wird er mit der Begründung aufgehalten, er habe keinen Passierschein. Kohlhaas versichert, sich sofort darum zu kümmern, doch man zwingt ihn, zwei seiner besten Pferde als Pfand zu hinterlassen. In Sachsen erfährt Kohlhaas, dass für eine Passforderung keine rechtliche Grundlage bestand. Als er seine Pferde zurückfordern will, muss er feststellen, dass sie in einem erbarmungswürdigen Zustand sind und sein Knecht halb totgeschlagen wurde. Kohlhaas erhebt Klage, doch sein Gegner ist einflussreich. Er muss erleben, wie ihm der juristische Weg zu seinem Recht verstellt wird. Bald geht es ihm nicht mehr um den materiellen Verlust, sondern nur noch um seinen Glauben an das Recht überhaupt. Als er diesen verliert, wird aus dem rechtschaffenen Rosshändler einer der entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.
Dreihundert Jahre nach seiner öffentlichen Hinrichtung schuf Heinrich von Kleist dem Staatsfeind ein literarisches Denkmal. In seiner preisgekrönten Theaterfassung erzählt uns István Tasnádi die Geschichte noch einmal neu – aus der Sicht der beiden geschändeten Pferde.

Der 1970 in Budapest geborene István Tasnádi studierte Theaterwissenschaft an der Universität Veszprém. Er war Mitbegründer und Dramaturg am Bárka Theater in Budapest, bevor er 2001 seine Arbeit als Hausautor und künstlerischer Kodirektor der international renommier­ten Theatergruppe Krétakör begann. Sein literarisches Werk umfasst über 30 Stücke und Drehbücher. 1999 wurde sein bekanntestes Stück »Staatsfeind Kohlhaas« mit dem Preis für das beste ungarische Nachwuchsdrama ausgezeichnet.

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Moritz Müller

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 15.2.2012, 19:30 |
Mi, 14.3.2012, 19:30 |
Fr, 30.3.2012, 19:30 |

Die Verlobung in Santo Domingo
oder my sweet Haiti

nach Heinrich von Kleist

Die bildmächtigen Film- und Theaterproduktionen des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó sind feste Größen auf den europäischen Festivals. Seine letztjährige Inszenierung »Eszter Solymosi von Tiszaeszlár« (eingeladen zum Budapester Herbstfestival 2011) setzte den Startpunkt der Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Hannover, die wir in dieser Spielzeit fortsetzen: Die Cumberlandsche Bühne verwandelt sich in einen Dschungel. Ort und Zeit: Haiti 2011. Eine europäische Theatertruppe ist angereist, um hier an diesem Originalschauplatz Heinrich von Kleists Novelle »Die Verlobung von Santo Domingo« zur Aufführung zu bringen. Doch während der Arbeit an diesem Stoff ergreift der Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung Besitz von der Gruppe selbst: Kleists virtuoses Spiel mit der Angst vor dem Fremden, mit Täuschungen, Unlesbarkeiten, Identitäten, Liebesbegehren, Misstrauen und Verrat. Unverhofft finden sich die Beteiligten in einer Situation wieder, die sie mit sich selbst bekannt macht.

Regie: Kornél Mundruczó
Bühne und Kostüme: Márton Agh
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Musik: Ascher Goldschmidt

Ort:

Cumberlandsche Bühne

Termine:

Do, 29.3.2012, 20:00 |
Fr, 30.3.2012, 20:30 |

Ursprung der Welt

von Soeren Voima

Gyges und Kandaules, dicke Freunde von Kindheit an, haben zusammen studiert, jetzt betreiben sie eine Werbeagentur. Weder Geld noch Frauen konnten ihre Freundschaft bisher erschüttern. Als Kandaules von einem Kurztrip in sein persisches Herkunftsland völlig überraschend mit einer vollverschleierten Ehefrau zurückkehrt, brechen Gräben auf. Kandaules mag den entsetzten Freund nicht verlieren; seiner frisch vermählten Gattin Nyssia aber will er – trotz eigener Aufgeklärtheit – Überzeugung und Bur­ka auch nicht wegnehmen. So ersinnt er einen folgenschweren Plan: Im Schlafzimmer versteckt, soll Gyges Nyssia ohne Schleier sehen, um Kan­daules’ Liebesglück begreifen zu können. Und tatsächlich – beim Anblick der jungen Frau begreift und vergisst Gyges alles. Dass er dabei selbst gesehen wird, führt in die Katastrophe.

Hüllenlose Werbung und westliche Hemmungslosigkeit stehen gegen Burka und Ehrenmord. Hausautor Soeren Voima, von dem bereits Bearbeitungen von Grimmelshausens »Simplicissimus« und Stefan Zweigs »Sternstunden der Menschheit« auf dem Spielplan waren bzw. sind, spitzt in seiner Über­tragung den altgriechischen Mythos von der entschleierten Frau in die grausam aberwitzige Banalität des Heute zu.

Die Geschichte der Freunde Gyges und Kandaulis ist uralt. Schon Herodot erzählt sie in seinen Historien im 5. Jahrhundert v. Chr. Seither hat sie unzählige Variationen erfahren. 1854 schrieb Friedrich Hebbel die Tragödie »Gyges und sein Ring«, in deren Zentrum er den Widerspruch zwischen der aufgeklärten Haltung Kandaulis' und seiner Missachtung gegenüber den tradierten Werten seiner geliebten Frau Rhodope sieht.

Soeren Voima, geboren 1970, von dem in der letzten Spielzeit Bearbeitungen von Grimmelshausens »Simplicissimus« und Stefan Zweigs »Sternstunden der Menschheit« zu sehen waren, greift den Mythos von der entschleierten Frau in »Ursprung der Welt« noch einmal auf und transponiert ihn ins Heute.

Regie: Tina Lanik
Bühne und Kostüme: Stefan Hageneier
Musik: Rainer Jörissen
Choreographie: Wesley D'Alessandro

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Do, 8.3.2012, 19:30 | letzte Aufführung! |

Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends

von Peter Licht

Die Lebenslage ist zufriedenstellend, die Gemütslage entspannt. Geld ist da, Gesundheit vorhanden, Liebe auch. Doch etwas bringt alles aus dem Gleichgewicht: Dem Sofa fehlt ein Bein. Die Apokalypse entzündet sich an einem mangelhaften Einrichtungsgegenstand, der die innere Krise zum endzeitlichen Anschlagsszenario steigert. Die Welt gerät ins Schlingern. PeterLicht, Dichter, Musiker und Künstler, dessen Hit »Sonnendeck« den Sommer 2001 prägte, gewann mit diesem Text auf dem Ingeborg-Bach­mann-Wettbewerb den 3sat- sowie den Publikumspreis. Ein modernes Märchen - tragisch, absurd und urkomisch.

Regie: Jakob Weiss
Bühne: Andrea Wagner
Kostüme: Maria Anderski

Kartenbuchungen für Schulklassen bei Christine Klinke| Tel. 0511.9999 2855
Workshops vereinbaren Sie mit Bärbel Jogschies | Tel. 0511.9999 2851

Ort:

Cumberlandsche Galerie

Termine:

Mi, 29.2.2012, 20:00 |
Do, 15.3.2012, 20:00 |
Do, 22.3.2012, 20:00 |

FAMILIENSPEZIAL: Bärenwunder

Klecks-Theater zu Gast

Parallel zur 17-Uhr-Vorstellung im Schauspielhaus zeigen wir in der Cumberlandschen Galerie das Kinderstück »Bärenwunder« (ab 5). Interessierte Eltern können »Kasmir und Karoline« zum halben Preis besuchen, während ihre Kinder nebenan »Bärenwunder« sehen.

Die Kinderbetreuung bis zum Vorstellungsende im Schauspielhaus übernimmt das Theater. MEHR INFORMATIONEN UNTER (0511) 9999 1111

Ort:

Cumberlandsche Galerie

Termin:

So, 25.3.2012, 17:00 |

Der Silbersee

Ein Wintermärchen von Georg Kaiser
mit Musik von Kurt Weill

Kurt Weill und Georg Kaiser, zwei der erfolgreichsten Bühnenkünstler ihrer Zeit, schufen Anfang der 1930er Jahre ein Werk, das bis heute jeglicher Genreklassifikation trotzt. Gleichzeitig Oper und Schauspiel, mit einer (wie schon in Weills "Dreigroschenoper") aufregenden musikalischen Mischung aus populären Stilen wie Chanson und Tango, romantisch-sinfonischen Klängen und den berühmten Weillschen Chorälen, ist diese Zeitoper ein waghalsiger Grenzgang. Sie changiert zwischen E- und U-Musik, zwischen Märchen und gesellschaftspolitischer Versuchsanordnung, die eine Utopie der Menschlichkeit auf den Prüfstand stellt.
Sie leben in Hütten am Silbersee. Sie sind arbeitslos und haben kaum zu essen. So beschließen fünf Slumbewohner, in der Stadt einen Lebensmittelladen zu überfallen. Nachdem sie dort nicht mehr erbeutet haben als die für den Abfall aussortierten Waren, wird ihr Anführer Severin auf der Flucht auch noch vom Polizisten Olim angeschossen. Den jedoch plagen plötzlich Gewissenbisse, als er Severins wertloses Diebesgut – eine einzige Ananas – erblickt. Ein wundersam auftretender Bote, der Olim einen Lotteriegewinn überreicht, verschafft ihm die Möglichkeit, seine mitleidvollen Regungen in tatsächliche Hilfe umzusetzen. Doch sein Versuch, einen Gesetzesbrecher mit finanziellen Mitteln zum guten Menschen zu bekehren, gestalten sich weit schwieriger als zunächst gedacht. Erst nach lebensbedrohlichen Krisen finden sich Severin und Olim freundschaftlich vereint, aber völlig verarmt am Silbersee wieder. Ihren Selbstmord vereitelt nur eine magische Schlusswendung, da der See überraschend zufriert und sie so in eine andere Zukunft trägt.

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Reinhild Blaschke
Kostüme: Anne Buffetrille
Video: Bert Zander
Musikalische Leitung: Thomas Posth
Dramaturgie: Volker Bürger

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 11.2.2012, 19:30 |
Di, 21.2.2012, 19:30 |
Do, 1.3.2012, 19:30 |