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Schauspiel Hannover

Kontakt

Schauspiel Hannover
Niedersächsische Staatstheater Hannover
Prinzenstr. 9
D-30159 Hannover

Telefon: +49 (0)511-9999 00

 

Kassen im Opernhaus und im Schauspielhaus
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10–19.30 Uhr (Vorverkauf bis 18.30 Uhr), Samstag 10–14 Uhr (im Opernhaus bis 18 Uhr)
An den Kassen können auch alle Programmhefte aktuell laufender Produktionen erworben werden.
Abendkasse: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn (kein Vorverkauf)

Telefonischer Kartenverkauf
Montag bis Freitag 10–18 Uhr, Samstag 10–14 Uhr
Theater

Räuber-Ratten-Schlacht

Eine deutsche Tragödie: Friedrich Schiller, Gerhart Hauptmann, Heiner Müller

Premiere: 21. März 2019

Am Anfang steht der Verrat. Es ist der Verrat des einen Bruders am anderen. Ihm folgt der Brudermord. Ausgehend von dieser Urszene entfaltet sich Heiner Müllers Gewaltreigen Die Schlacht. Szenen aus Deutschland. Die Spaltung Deutschlands in zwei feindliche Brüder. In der Folge die gegenseitige Abhängigkeit des Politischen und Privaten: Verrat, Selbstmord, Freiheit sind Kategorien des Alltags und der Historie. Sie begegnen uns permanent im Kleinen und prägen darin die Epoche. Die kühl sezierende Sprache Müllers schafft ein Panoptikum der Groteske und des Absurden, das den Faschismus in den Strukturen der sittlichen Bürgerlichkeit, der soldatischen Ehre und der Ökonomie als Form menschlicher Vertierung offenbart. Von der Partikelsammlung Die Schlacht ausgehend, führen Szenen zu Schillers Die Räuber und Hauptmanns Die Ratten. Im Nebeneinander der verschiedenen Sprachen und Zeiten bildet sich ein Motivkreis aus Verrat, Bruder- und Kindsmord, Kannibalismus, Revolution und Bürgerlichkeit, Opportunismus und Vorteilsnahme. Das im Idealismus entworfene Menschenbild findet womöglich seine schreckliche Konsequenz im Faschismus. Das Nebeneinander der Stücke als Versuch dem deutschen Wesen auf den Grund zu sehen.

Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Lena Schmid
Musikalische Leitung: Sven Michelson
Dramaturgie: Johannes Kirsten
Tanz

Hikikomori

Uraufführung: 04. April 2019

Seit geraumer Zeit ist ein sonderbares und stark anwachsendes Phänomen zu beobachten, dem der japanische Psychologe Tamaki Saito den Namen »Hikikomori« gab. Es bezeichnet Menschen, die sich vor dem Leben verstecken, sich zurückziehen in ein Zimmer und über Monate, sogar Jahre, das Haus nicht mehr verlassen und stattdessen in digitale Parallelwelten abtauchen. Menschliche Begegnungen und Berührungen finden nicht mehr statt. Im Gegenteil: Sie sind mit Angst besetzt. Hikikomori bezeichnet ein Krankheitsbild, aber die Welt, die uns umgibt, macht uns alle zunehmend zu Hikikomoris. Die Isolation wächst. Sie wird als Unabhängigkeit gefeiert. Wir sitzen in Räumen, die optimal auf uns zugeschnitten sind, wie bereits auch unser Blick auf die Wirklichkeit durch Google und Facebook optimal zugeschnitten ist. Unsere Wahrnehmung wird auf unsere individuellen Wünsche reduziert, Nachrichten passen sich unseren Bedürfnissen an. Der Ausschluss des Unerwarteten, Überraschenden, Wildwuchernden gelingt immer besser. Eine Verkümmerung.

Landerer&Company untersucht die Folgen dieser Lebensoptimierung, die alles Störende ausschließt und entwirft einen Gegenentwurf voller Körperlichkeit und der Schönheit und Komplexität menschlicher Begegnung und sinnlicher Wahrnehmung. Nach Lucky ist Hikikomori die zweite Kooperation des Schauspiel Hannover mit Landerer&Company.

Künstlerische Leitung und Choreografie: Felix Landerer
Musik: Christof Littmann
Bühne: Melanie Huke / Ulrike Glandorf
Kostüme: Birgit Klötzer
Dramaturgie: Rania Mleihi
Management und Produktionsleitung: Achim Bernsee / Selina Glockner

Koproduktion mit Landerer&Company
Theater

Es war einmal … das Leben

inspiriert durch die Zeichentrickserie von Albert Barillé

Die Geschichte war und ist ein Welterfolg. In 26 Folgen erzählt die 1987 erstmals gesendete Zeichentrickserie Es war einmal … das Leben von den Vorgängen im menschlichen Körper und prägte eine ganze Generation. Die Zelle stand am Anfang, dann folgten Die Geburt, Immunsystem, Knochenmark, Blut, bis zur letzten Folge Lebenszyklus. Anfang und Ende, Werden und Vergehen – und dazwischen das Leben. Das Bestechende der Serie ist die Anschaulichkeit, mit der die biologischen Abläufe erzählt wurden. Der Körper, organisiert wie eine Gesellschaft. Konflikte und Krisen im Moment

der Krankheit. Der Einbruch von Viren und Bakterien, der nur mit dem Zusammenwirken aller Abwehrkräfte gestoppt werden kann. Dramatik pur. Aber wie entsteht daraus Theater?

Die Serie Es war einmal … das Leben wird Ausgangspunkt einer theatralen Untersuchung des polnischen Theatermachers Łukasz Twarkowski über die Prozesse in unserem Körper und über den Unterschied des Körperverständnisses der 80er Jahre und heute. Denn wie der jüngste Fall der beiden chinesischen Babys zeigt, deren Erbgut durch die CRISPR-Methode verändert wurde, sind die Möglichkeiten, ins Leben einzugreifen und es zu modifizieren heute ungleich höher. Niemand ist berufener so einen Theaterabend anzugehen, als der 1983 geborene und in Wrocław lebende Videokünstler und Regisseur, der in seinen Arbeiten bildende Kunst und Theater kombiniert. Seine Arbeiten bestechen durch eine beeindruckende Visualität an der Grenze zwischen Theater und Videoclip.

Regie: Łukasz Twarkowski
Bühne: Fabien Lédé
Kostüm: Svenja Gassen
Musikalische Leitung: Bogumił Misala
Video: Jakub Lech
Choreografie/Kampftrainer: Paweł Sakowicz
Dramaturgie: Marcin Cecko / Johannes Kirsten
Theater

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

Gangsterspektakel in 17 Bildern von Bertolt Brecht

Chicago zu Zeiten der Prohibition: Der Gangsterboss Arturo Ui kommt mitsamt Gefolgschaft in die Stadt. Sein Ziel: die Übernahme des kompletten Blumenkohlmarktes von Chicago. Sein Timing: perfekt, befindet sich der Gemüsemarkt doch gerade in einer schwerwiegenden Absatzkrise. Doch entgegen Uis Annahme lehnen die Unternehmer sein Hilfsangebot ab. Der anerkannte Politiker Dogsborough traut ihm nicht und möchte die Stadt auf anderem Wege durch die Krise bringen. Ui gibt nicht auf. Mit Charme, Manipulationen und den richtigen Kontakten gelingt es ihm, immer mehr Einfluss zu gewinnen. Die Bewohner werden langsam misstrauisch, setzen sich jedoch nicht zur Wehr: Denn plötzlich brennt der Speicher des Ui-kritischen Gemüsehändlers Hook, plötzlich werden innerhalb kürzester Zeit viele Leichen gefunden. Arturo Ui verspricht Schutz in diesen unruhigen Zeiten, und zwar nicht nur in Chicago. Die Vorstadt Cicero steht als nächste auf seiner Eroberungsliste. Arturo Uis Aufstieg hat gerade erst begonnen.

Bereits 1941 im finnischen Exil, schrieb Bertolt Brecht sein episches Theaterstück Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. In der satirischen Parabel erzählt er anhand der Hauptfigur die Machtergreifung und -ausdehnung Adolf Hitlers. Auch politische Weggefährten und historische Ereignisse fließen in die Handlung ein. Die »große historische Gangsterschau« ist allerdings weit mehr als die literarische Verarbeitung eines schrecklichen Einzelfalls. Sie zeigt, dass Faschismus immer und überall auftreten kann – und dass er aufzuhalten ist.

Regie: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Patricia Talacko
Musikalische Leitung: Peer Baierlein
Chorleitung: Florian Lohmann
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Familienprogramm

Das Sams

Familienstück von Paul Maar

»Am Sonntag schien den ganzen Tag die Sonne. Am Montag kam Herr Mon zu Besuch. Am Dienstag hatte Herr Taschenbier Dienst. Am Mittwoch war Mitte der Woche. Am Donnerstag hatte es den ganzen Tag gedonnert und am Freitag bekam er frei. Und am Samstag …«, – da trifft Herr Taschenbier auf das Sams. Und weil es für Herrn Taschenbier so leicht zu erraten ist, wie das heißt, was da singend auf dem Markt sitzt, folgt das Sams ihm von nun an auf Schritt und Tritt. Anfänglich ist Herr Taschenbier genervt von seiner neuen Begleitung: Das Sams ist frech und laut, liebt Reime, frisst Stuhlbeine und alles, was ihm unter den Rüssel kommt und trägt einen Taucheranzug. Bis er etwas am Sams entdeckt: Es besitzt Wunschpunkte. Doch Vorsicht: Man muss genau und exakt wünschen! Und so erlebt Taschenbier die kuriosesten Dinge: ein Eisbär ist plötzlich in seinem Zimmer, er hat auf einmal sehr viel Geld, bekommt ein schickes Auto, landet auf einer einsamen Insel... und verliebt sich in seine neue Kollegin Frau März. Das passt dem Sams allerdings gar nicht und auch die Wunschpunkte werden immer weniger…

Regisseur Tom Kühnel verknüpft in seiner Sams-Fassung die ersten drei Teile der beliebten Bücher von Paul Maar – und schickt das Sams und seinen Papa Taschenbier auf eine turbulente Wunsch-Reise.

Regie: Tom Kühnel
Bühne: Maria-Alice Bahra
Kostüme: Daniela Selig
Musikalische Leitung: Christian Decker
Dramaturgie: Anna-Katharina Müller
Theater

Die Nacht von Lissabon

von Erich Maria Remarque

Im Hafen von Lissabon starrt ein Mann auf ein Schiff, das für ihn die Rettung sein könnte. Da bietet ihm ein Unbekannter zwei Schiffspassagen an, unter einer Bedingung: Er muss zuhören, wenn der Unbekannte die Geschichte seines Lebens erzählt. Also hört er zu. Der Unbekannte, der sich Josef Schwarz nennt, war 1939 aus einem Konzentrationslager nach Frankreich geflohen. Seine Frau Helen und seine Identität hatte er in Nazi-Deutschland zurück lassen müssen. Als ihn der »Emigranten-Koller« einholte, wagte er den mörderischen Weg zurück nach Deutschland, traf Helen in Osnabrück wieder. Durch Krieg, Angst und Ungewissheit waren sie einander fremd geworden. Helens Bruder, ein hoher Nazioffizier, jagte ihn, er musste erneut fliehen. Aber Helen ließ ihn kein zweites Mal allein gehen. Die gemeinsame Flucht entwickelte sich zu einer Reise, auf der die beiden Exilanten zu sich selbst und ihrer Liebe fanden. In Lissabon angelangt, begeht die krebskranke Helen Selbstmord. Für Josef Schwarz hat die Flucht nach Amerika ihren Sinn verloren. Am Ende der Nacht verschenkt Schwarz die Papiere, die ihn und seine Frau retten sollten, an den Mann, der ihm eine Nacht lang zuhörte…

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Tine Becker
Kostüme: Tine Becker
Musik: Lars Wittershagen
Dramaturgie: Kerstin Behrens
Theater

Iggy - Lust for Life

von Sascha Hawemann und Johannes Kirsten

Weiß noch jemand, dass das berühmteste Album des Ausnahmekünstlers Iggy Pop Lust for Life in West-Berlin aufgenommen wurde? Dass David Bowie das Album produzierte und darauf Klavier spielte? Dass beide durch die Nächte der geteilten Stadt zogen? Das alles ist lange her, aber die Songs des Albums, vor allem die beiden Hits The Passenger und Lust for Life sind absolut zeitlos. »I am a passenger / And I ride and I ride / I ride through the city’s backside / I see the stars come out of the sky / Yeah, they’re bright in a hollow sky / You know it looks so good tonight«

Iggy Pop, 1947 in Michigan geboren, kämpft nach der Auflösung seiner Band The Stooges 1974 mit Alkohol- und Drogenabhängigkeit. David Bowie nimmt den Freund 1976 kurzerhand mit nach West-Berlin. Diese Berliner Zeit der beiden Musiker ist von Legenden umrankt. Sascha Hawemanns Projekt Iggy – Lust for Life will dieser Zeit nachspüren. Eine Reise ins Berlin der 70er. Eine Reise zum Godfather of Punk in West-Berlin. Eine Reise zu Kunst, Politik und Sex dieser eigentümlich freien und unfreien Stadt. Auf den langen S-Bahn-Fahrten durch die Stadt entsteht The Passenger. Irgendwann steigt Iggy Pop am Wannsee aus, um den anderen Verrückten zu besuchen, der sich dort erschossen hat und begraben liegt. Iggy Pop meets Kleist und wir reisen durch die Zeit.

Iggy – Lust for Life wird ein Abend mit Live-Musik, ein Abend über Lust und Leben, ein Roadmovie, eine Reise. »I am a passenger«

Regie: Sascha Hawemann
Bühne: Alexander Wolf
Kostüme: Ines Burisch
Musikalische Leitung: Tim Golla
Video: Clemens Walter
Dramaturgie: Johannes Kirsten
Theater

Mephisto

nach dem Roman von Klaus Mann

»IM PARKETT RISS MAN MUND UND AUGEN AUF. MAN VERSCHLANG DIE GESTEN DER DREI MENSCHEN DORT OBEN IN DER LOGE ALS DAS AUSSERORDENTLICHES SCHAUSPIEL, ALS ZAUBERHAFTE PANTOMIME, DEREN TITEL LAUTET: DER SCHAUSPIELER VERFÜHRT DIE MACHT.«

Deutschland 30er Jahre. Der Schauspieler, von dem hier die Rede ist, heißt Höfgen, Hendrik Höfgen, ein Ausnahmetalent – von vielen bewundert, von vielen beneidet, von einigen verachtet. Die Macht – in persona des dicken Fliegergenerals und seiner Frau –, mit einer besonderen Affinität zur prunksüchtigen Inszenierung einer ganzen Nation, hält ihn sich als ihr Paradepferd, obwohl oder gerade, weil Höfgen nicht einer der ihren ist. Das lässt sie glänzen und ihn tanzen, während seine Kollegen ins Exil oder Gefängnis getrieben werden. Manche von ihnen kann er retten. Er ist gefährdet. Das weiß er. Durch seine politische Positionierung in früheren Jahren und durch seine sexuelle Neigung. Das wahre Wesen des Mephistopheles – Höfgens Lebensrolle – sei ihnen, den Mächtigen, erst durch sein Spiel so richtig vor Augen getreten, sagen sie und lachen. Sie tätscheln ihn und verachten ihn, schließlich ist er nur ein Schauspieler, ein käuflicher, so scheint es, dazu. Im Moment seines größten Erfolges, in jenem Moment in der Loge, weiß Höfgen: »Jetzt habe ich einen Flecken auf der Hand, den bekomme ich nie mehr weg – Jetzt habe ich mich verkauft – Jetzt bin ich gezeichnet.«

KLAUS MANN (1906 –1949) Der Publizist und Autor, Sohn von Katja und Thomas Mann, widmete sich von 1933 an primär dem antifaschistischen Widerstand, den er – rastlos zwischen verschiedenen Orten und Ländern pendelnd – aus dem Exil organisierte. Gequält von Schreibblockaden, Heroinsucht und politischer Desillusionierung, nahm er sich 1949 das Leben. Stets betonte er, dass er bei seinem Mephisto nicht am Einzelfall, sondern am Exemplarischen des Karrieristen interessiert war. Das Buch ist eine Abrechnung mit einem Künstler, der das Land nicht verließ und glaubte, seine Karriere in totalitären Zeiten als artistisch-politischen Hochseilakt meistern zu können.

Regie: Milan Peschel
Bühne: Nicole Timm
Kostüme: Magdalena Musial
Musikalische Leitung: Daniel Regenberg
Video: Jan Speckenbach
Theater

Extrem laut und unglaublich nah

nach dem Roman von Jonathan Safran Foer

Oskar ist neun Jahre alt und lebt in einem Penthouse in der Nähe des Central Park in New York. Gutbürgerlich, wohlbehütet. Der 11. September 2001 ändert sein Leben dramatisch. Beim Anschlag auf das World Trade Center kommt sein Vater ums Leben. Am Abend vorher saß er noch an Oskars Bett und las ihm eine Gutenachtgeschichte vor. Oskar kann das nicht verstehen. In der Kleiderkammer des Vaters findet er in einer Vase einen geheimnisvollen Schlüssel. Er steckt in einem Briefumschlag, der mit »Black« beschriftet ist. Im New Yorker Telefonbuch gibt es 472 Menschen mit diesem Namen. Aber vielleicht ist »Black« auch gar kein Name. Auf seiner Suche nach dem passenden Schloss durchstreift der frühreife und schrecklich schlaue Junge seine Stadt. Oskar begegnet vielen Menschen mit traurigen Geschichten und langsam breitet sich auch seine eigene Familiengeschichte vor ihm aus. Oskar ahnt, dass er sich selbst nur begreifen kann, wenn er weiß, woher er kommt.

Nach Alles ist erleuchtet ist Extrem laut und unglaublich nah der zweite große Roman des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer. Mit großer Komik und einem Faible für absurde Situationen schafft er es, sich einem ganz und gar nicht komischen Kapitel der jüngsten Geschichte zu widmen. Kunstvoll verwebt er die Zeiten der Großelterngeneration vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Oskars heutigen Erlebnissen und wurde von der Presse dafür zu Recht gefeiert.

Mina Salehpour inszeniert diese Geschichte im Bühnenturm des Schauspielhauses und lässt dafür das Publikum auf der Bühne Platz nehmen.

Regie: Mina Salehpour
Bühne: Andrea Wagner
Kostüme: Maria Anderski
Musikalische Leitung: Sandro Tajouri, Tom Schneider
Dramaturgie: Lars-Ole Walburg
Familienprogramm

In 80 Tagen um die Welt

Familienstück nach Jules Verne | ab 6

»Ich wette mit Jedem, der Lust dazu hat, um zwanzigtausend Pfund, dass ich die Reise um den Erdball in längstens achtzig Tagen machen werde«, verkündet der Brite Phileas Fogg bei einer Partie Whist den anwesenden Gentlemen im Reform Club London. Einen Handschlag und 20 Minuten später sitzen er und sein Diener Passepartout im Zug von England nach Ägypten – bereit für das größte Abenteuer ihres Lebens. Durch Indien, China und die USA hetzen die Zwei, auf Postbooten, Eisenbahnen, Handelsfahrzeugen, Schlitten und Elefanten, in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit. Den beiden immer auf den Fersen: Detektiv Fix, der Fogg für einen Bankräuber hält und nur darauf wartet, ihn in den Knast zu bringen. Unterwegs kämpfen die Reisenden gegen Indianer, staunen über verrückte Bräuche, retten ein Fräulein in Nöten und heuern kurzzeitig beim Zirkus an.
In 80 Tagen um die Welt ist ein turbulentes Roadmovie, ein Reisespektakel sondergleichen, das Fest einer Welt ohne (Reise-)Beschränkungen. Wir zelebrieren mit unserem diesjährigen Familienstück die Vielfalt des Planeten und die Grenzenlosigkeit der Fantasie – zahllose temporeiche musikalische Einlagen garantiert!

JULES VERNE (1828 – 1905) gilt heute als einer der Begründer der Science-Fiction. Zu seinen berühmtesten Werken zählen Reise zum Mittelpunkt der Erde, Von der Erde zum Mond, Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer und In 80 Tagen um die Welt. Letzteres wurde noch zu Lebzeiten Vernes von ihm selbst für die Bühne bearbeitet. Außer der Theaterfassung entstanden seit der Fertigstellung des Romans 1873 unzählige Verfilmungen, Hörspiele und sogar Brett- und Computerspiele.

Regie: Tilo Nest
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Anne Buffetrille
Musikalische Leitung: Matthias Trippner
Dramaturgie: Janny Fuchs
Theater

Der schwarze Obelisk

Geschichte einer verspäteten Jugend von Erich Maria Remarque

1923 ist Ludwig Bodmer Grabsteinverkäufer in Werdenbrück. Das Geschäft geht gut, trotzdem befindet er sich in schwieriger Finanzlage, denn das Geld verliert von Stunde zu Stunde an Wert. Ludwig legt sich ein Arsenal an Schwindeleien zurecht, um den Alltag zu überstehen: Mahlzeiten zahlt er mit längst abgeschafften Essensmarken; statt im Varieté Eintritt zu zahlen, beobachtet er seine freizügige Nachbarin am Fenster; auf Alkohol lässt er sich einladen. – Die durch den Weltkrieg verpasste Jugend will nachgeholt werden! Am Wochenende arbeitet Ludwig als Organist in einem Irrenhaus und lernt dort Geneviève Terhoven kennen. Sie ist schön und persönlichkeitsgespalten, die meiste Zeit über nennt sie sich Isabelle. Das Mädchen, so scheint ihm, hat mehr verstanden von der Welt als die sich moralisch auflösende Gesellschaft vor dem Eingangstor zur Anstalt. Hier zieht es bereits auf: das erste nationalistische Donnergrollen. Und während Ludwigs Kameraden gespannt Hitlers Reden im Radio verfolgen, auf den Straßen erst Vereinzelte, dann ganze Gruppen das Deutschlandlied singen, es scheinbar beliebige Festnahmen gibt, entschließt er sich zu gehen.

Nach seinen erfolgreichen Bühnenadaptionen von Im Westen nichts Neues und Die Nacht von Lissabon vervollständigt Lars-Ole Walburg mit Der schwarze Obelisk seine Remarque-Trilogie. Erschienen auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, gilt auch dieses Werk als wichtige Antikriegsliteratur. Alle drei Inszenierungen werden in dieser Spielzeit im Repertoire zu sehen sein.

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Nina Gundlach
Musikalische Leitung: Lars Wittershagen
Dramaturgie: Kerstin Behrens
Theater

Macbeth

nach William Shakespeare von Heiner Müller

Nur zwei Mal scheint die Sonne den Nebel zu durchdringen und vorübergehend Tag werden zu lassen. Schicksalsschwestern haben dem verdienstvollen Krieger Lord Macbeth den Thron verheißen. Doch die Erfüllung lässt auf sich warten und so hilft Macbeth nach, angestachelt von seiner Frau, der Lady Macbeth. Sie morden den amtierenden König im Schlaf und setzen sich an die Spitze des Staates. Doch das vergossene Blut färbt auf das Leben des Königspaars ab. Hatte es sich zunächst durch die gemeinsame Tat in besonderer Weise vereint gesehen, wird ihre Liebe durch die Geister der Toten zerstört. Auch muss das Paar erkennen, dass der Mord sinnlos war, denn es gab einen zweiten Teil der Prophezeiung. Er galt den Söhnen von Macbeths einstigem Kampfgefährten Banquo. Sie seien es, die Macbeth nachfolgen würden. Tatsächlich bleibt das Königspaar kinderlos. Macbeth begreift, dass er keine Dynastie begründen wird und kämpft fortan blindwütig um den Machterhalt. Er vergisst alles, was ihm einst wichtig war, nur einer Gewissheit folgt er: Er will sich nicht für andere beschmutzt haben. Wenn sein Geschlecht keine Zukunft hat, soll keines eine haben. Er ist die Welt und seine Lebensspanne soll die ihre sein: »Ich habe die Sonne langsam satt, ich will, dass diese Welt ihr Ende hat.«

Macbeth ist das schwärzeste aller Dramen Shakespeares. Kein anderes erzählt so konsequent von der zerstörerischen Verführung durch Macht und von der Unmöglichkeit für den Menschen, sich ihr zu entziehen.

Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Börkur Jónsson
Kostüme: Karen Briem
Sounddesign und Komposition: Gabriel Cazes
Komposition und Live-Musik: Bendik Giske
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Theater

Trutz

nach dem Roman von Christoph Hein

Der deutsche Schriftsteller Rainer Trutz und der russische Wissenschaftler Waldemar Gejm geraten in den Malstrom der Gewalten des 20. Jahrhunderts. Nach gelungener Flucht vor den Nazis kommen Trutz und seine Frau voller Hoffnung auf ein besseres Leben in der Sowjetunion an. Hier lernen sie die Gejms kennen. Ein Kind wird geboren, Maykl. Auch die Gejms haben einen Sohn, Rem. Waldemar Gejm macht die beiden Kinder zu Probanden in seiner Forschung zur Mnemotechnik, der Lehre von Ursprung und Funktion des Gedächtnisses. Die beiden Kinder sind gelehrige Schüler. Doch der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 ändert schlagartig alles für die deutschen Emigranten. Plötzlich werden sie auch hier verfolgt. Trutz wird im Gulag erschlagen, seine Frau stirbt in der Verbannung und auch Gejm fällt der Willkür des stalinistischen Systems zum Opfer. Er wird deportiert. Seine Forschung erregte Anstoß. Nur Maykl und Rem überleben. Beide werden wegen ihrer Fähigkeit, nichts zu vergessen, im Verlaufe ihres Lebens immer wieder Probleme mit der Macht bekommen. Erst im vereinigten Deutschland begegnen sie sich wieder. Vielleicht gilt ja doch der letzte Satz des Romans: »Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.«

Der 1944 geborene und in Ostdeutschland aufgewachsene Autor Christoph Hein hat einen Roman über das Wirken von Ideologien, über das Hoffen auf ein besseres Leben jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung, über Lügen und Verbrechen und das Problem, all das zu erinnern und zu erzählen, geschrieben.

Regie und Bühne: Dušan David Pařízek
Kostüme: Kamila Polívková
Dramaturgie: Johannes Kirsten
Theater

Die Edda

neu erzählt von Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason

»EHRFURCHT ERBIETE ICH ALLEN HEILIGEN GESCHLECHTERN, / DEN MÄCHTIGEREN UND DEN MINDEREN KINDERN HEIMDAHLS. / DU WILLST, WALVATER, DASS ICH WOHL ERZÄHLE DIE URGESCHICHTE DER WELT, / DIE ICH AM BESTEN KENNE.«

Es sind die Fragen der Fragen, die sich die Menschheit seit Jahrtausenden stellt: Wo kommt eigentlich alles um uns herum her? Wie hängt alles miteinander zusammen? Warum ist die Welt, wie sie ist? Heute gibt die Wissenschaft auf vieles eine Antwort. Manche dieser Antworten muten dabei nicht weniger erstaunlich und unwahrscheinlich an, als die alten Mythen, mit denen sich Menschen an unterschiedlichsten Enden der Welt, Antworten zu geben versuchten. Eine der ältesten Erzählungen dieser Art ist die nordische Edda. In ihr lösen sich Götter- und Heldengeschichten ab, werden grundlegende Wahrheiten in symbolischer Verhüllung formuliert.

In einer Zeit, in der wir allerorten nach Orientierung suchen und gleichzeitig den großen allgemeingültigen Erzählungen und Ideologien misstrauen, bekommen die alten Mythen in ihrer Heterogenität, ihrer tiefen Widersprüchlichkeit, ihrem zuweilen derben Humor eine ganz existentielle Bedeutung. Die isländischen Theaterschaffenden Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason machen sich jetzt mit dem Hannoveraner Ensemble daran, die Edda bildgewaltig und überbordend ins Heute zu überführen und zu erzählen.

THORLEIFUR ÖRN ARNARSSON (geb. 1978) wird sich gemeinsam mit dem Autor MIKAEL TORFASON (geb. 1974) in den Stoff der Edda begeben, ihn neu lesen, überschreiben und versuchen, in die Tiefe eines gegenwärtigen Gefühls, in das Unbewusste unserer Gesellschaft vorzudringen, das sich aus den alten Geschichten speist, die sich in den verschiedensten Kulturkreisen aufs Verblüffendste ähneln. Bereits 2015 widmeten sie sich der isländischen Saga Njala. Der am Borgarleikhus Reykjavík entstandene Abend erhielt den höchsten isländischen Theaterpreis in zwölf Kategorien.

Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Karen Briem
Musikalische Leitung: Gabriel Cazes
Dramaturgie: Judith Gerstenberg / Johannes Kirsten
Theater

Der Auftrag

Erinnerung an eine Revolution von Heiner Müller

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – die Werte der Französischen Revolution sollen auch in die entfernten Kolonien hinausgetragen werden. Der Export einer Idee, für alle, überall. Die drei Emissäre der Revolution Debuisson, Galloudec und Sasportas haben den Auftrag, auf der Insel Jamaika eine Sklavenrevolte anzustiften. Die Drei könnten unterschiedlicher nicht sein: Debuisson ist bürgerlicher Sohn von Sklavenhaltern, Galloudec ein Bauer aus der Bretagne und Sasportas ein schwarzer Revolutionär, der die Herrschaft der Kolonialherren am eigenen Leib erfahren hat. Als in Frankreich Napoleon die Macht übernimmt, beginnt eine neue Zeit. Das Trio gerät in Streit, ob der Auftrag nach wie vor gültig ist. Heiner Müller schrieb Der Auftrag 1979. Als Vorlage diente ihm die Erzählung Das Licht auf dem Galgen von Anna Seghers. Entstanden ist ein Stück über Verrat und das Scheitern von Utopien.

Regie: Tom Kühnel / Jürgen Kuttner
Bühne: Jo Schramm / Anna Sörensen
Kostüme: Ulrike Gutbrod
Musik: Hannes Gwisdek / Peter Bartz / Moritz Bossmann / Boris Nielsen (Die Tentakel von Delphi)
Dramaturgie: Johannes Kirsten
Aufführungen / Oper Staatsoper Hannover Hannover, Opernplatz 1
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Theater Theater in der List Hannover Hannover, Spichernstr. 13
Aufführungen / Festival Intern. Fredener Musiktage Freden, Schillerplatz 6
Aufführungen / Theater UHU-Theater Hannover Hannover, Böhmerstr. 8
Aufführungen / Aufführung Commedia Futura Hannover, Seilerstr. 15 F
Aufführungen / Aufführung die hinterbuehne Hannover, Hildesheimer Str. 39a
Aufführungen / Konzert Richard Wagner-Verband Hannover e.V. Burgdorf, Uetzer Str. 60G
Aufführungen / Konzert C.Bechstein Centrum Hannover Hannover, Königstr. 50a
Aufführungen / Theater TANZtheater INTERNATIONAL Tanz und Theater e.V. Hannover, Roscherstr. 12
Aufführungen / Theater THEATER an der GLOCKSEE Hannover, Glockseestr. 35

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