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Staatsoper Hannover

Die Staatsoper Hannover gehört zu den weltbesten Opern.
Der Prachtbau wurde 1845 bis 1852 nach einem Entwurf von Hofbaumeister Georg Friedrich Laves erbaut. Er diente zunächst als königliches Hoftheater, da dem König das Schlosstheater zu klein geworden war. Das spätklassizistische Gebäude mit seinen beiden großen Seitenflügeln besitzt zur Georgstraße hin einen Vorbau, auf dem sich die in Stein gemeißelten Abbilder von Dichtern und Komponisten tummeln.
Das Opernhaus brannte 1943 aus und wurde 1948 im historischen Stil wieder aufgebaut. Im Zuge einer General-Sanierung erhielt es 1985 eine völlig neue Akustik. In den Jahren 1996 bis 1998 und zuletzt 2012 wurde die Bühnentechnik erneuert.

Kontakt

Staatsoper Hannover
Niedersächsische Staatstheater Hannover
Opernplatz 1
D-30159 Hannover

Telefon: +49 (0)511-9999 1111
Fax: +49 (0)511 9999 1999

 

Kassen im Opernhaus und im Schauspielhaus
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10–19.30 Uhr (Vorverkauf bis 18.30 Uhr), Samstag 10–14 Uhr (im Opernhaus bis 18 Uhr)
An den Kassen können auch alle Programmhefte aktuell laufender Produktionen erworben werden.
Abendkasse: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn (kein Vorverkauf)

Telefonischer Kartenverkauf
Montag bis Freitag 10–18 Uhr, Samstag 10–14 Uhr
Oper

Die Gezeichneten

Oper von Franz Schreker

Premiere: 06. April 2019

Oper in drei Aufzügen (1913-15)
Text vom Komponisten

Das Bürgertum der Stadt Genua ist in Aufruhr: Seit einigen Wochen verschwinden unter ungeklärten Umständen junge Frauen. Ihr Schicksal, ihr Verbleib: ein Rätsel – doch Schlimmes steht zu befürchten. Die Genueser ahnen nicht, dass hinter diesen Begebenheiten »die Acht« stehen – eine Clique männlicher Sprösslinge von acht bedeutenden Adelshäusern der Stadt. Zügellos leben diese ihre sexuellen Gelüste aus unter dem Motto »Die Schönheit sei Beute des Starken«, töten ihre Opfer, nachdem sie ihre Gier gestillt haben. Ihr Refugium ist eine abgeschiedene Grotte auf einer der Stadt vorgelagerten Insel. Unbeobachtet und ungehindert können sie dort ihre Triebe ausleben, denn das Eiland gehört dem einen unter ihnen, der sich nicht an den Verbrechen beteiligt: Alviano Salvago hat diese Insel namens Elysium mit immensem finanziellen Aufwand zu einem Hort absoluter Schönheit und Harmonie gestalten lassen – als Ausgleich zu seiner eigenen körperlichen Hässlichkeit. Als Alviano von den Machenschaften seiner Standesgenossen erfährt, teilt er ihnen mit, dass er die Insel den Bürgern der Stadt zu übereignen gedenke, und bringt damit Ereignisse ins Rollen, die er nicht mehr kontrollieren kann.

Für seine Schenkung muss er den Podesta der Stadt, den höchsten Vertreter des Bürgertums, treffen – und so kommt es zu einer verhängnisvollen Begegnung mit dessen Tochter Carlotta. Als sie Alviano darum bittet, ihn malen zu dürfen, glaubt er zunächst, sie treibe ein spöttisches, verächtliches Spiel mit ihm, dem Entstellten. Doch sie versichert ihm, als Künstlerin interessiere sie nichts mehr als die Darstellung der Seele und in ihm habe sie eine faszinierende Schönheit entdeckt. Nicht nur ist sie damit die erste Frau, die nicht aufgrund seiner Hässlichkeit vor ihm zurückschreckt, sondern sie weist auch noch die Avancen von Graf Tamare ab, diesem Abbild strotzender Männlichkeit und Anführer der »Acht«.

Das Libretto zu seiner zu Lebzeiten erfolgreichsten Oper »Die Gezeichneten« schrieb Franz Schreker ursprünglich als »Tragödie des hässlichen Mannes« zur Vertonung für seinen Kollegen Alexander von Zemlinsky – doch je länger er daran arbeitete, desto mehr wünschte er sich, den Stoff selbst vertonen zu können. Dieser Wunsch ging in Erfüllung und gab Schreker die Gelegenheit, mit subtilster Instrumentation seine gesamte, leidenschaftlich farbige Klangpalette auszubreiten. Sein Fantasie-Genua inspirierte ihn zu sensualistischer Erotik im Kolorit, seine italienisch-belcantohaften Gesangslinien zeigen Menschen, die gezeichnet sind von leidenschaftlicher Lebenslust und inbrünstiger Lebensgier, von der Unterdrückung von Verlangen und vor allem von dem Bewusstsein der eigenen Fragilität und existentiellen Lebensbedrohung angesichts dieser Zerrissenheit. Immer stärker erhitzt und überdreht sich der erotische Reigen der Protagonisten Alviano, Carlotta und Tamare, bis sie in den Abgrund der Vernichtung und des Wahnsinns taumeln – ein Psychothriller, dessen Uraufführung sich 2018 zum hundertsten Mal jährt.

Musikalische Leitung: Mark Rohde
Inszenierung: Johannes von Matuschka
Bühne: Christof Hetzer
Kostüme: Florence von Gerkan
Licht: Elana Siberski
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Christopher Baumann
Oper

Ein Sommernachtstraum

Oper von Benjamin Britten

Oper in drei Akten (1960)
Text von Benjamin Britten und Sir Peter Pears
Nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare (1595)

Paare im Liebeswahn, in einer Nacht zwischen Traum und Realität, zwischen Begehren, großen Gefühlen und phantastischem Verwirrspiel: Hermia und Lysander lieben sich und wären gerne ein Paar. Helena und Demetrius eigentlich auch. Zumindest hätte Helena das gerne, obgleich Demetrius in Hermia verliebt ist. Oberon und Titania, Elfenkönig und Elfenkönigin, sind längst Eheleute, aber wieder einmal uneins. Bis sich jedoch alle in Eintracht zusammenfinden, durchleben sie eine Nacht zwischen Rausch, Traum und Wirklichkeit, die ihre Gefühle gehörig durcheinander bringt. Ort der Handlung ist ein Wald nahe Athen, in dem sich das Liebespaar Hermia und Lysander auf der Flucht vor Hermias Vater verstecken. Dieser hat für seine Tochter als Gatten Demetrius vorgesehen, der auf der Suche nach seiner Angebeteten ebenfalls durch den nächtlichen Wald irrt. Verfolgt wird er wiederum von der verliebten Helena. Doch der Wald ist ein Zauberwald, und über den umherirren den Liebespaaren schweben Waldgeister und Elfen. Deren König Oberon hat sich mit seiner Gemahlin Titania zerstritten. Aus Rache beauftragt er Puck, eine Blume zu besorgen, deren Nektar Zauberkraft besitzt: Auf die Augenlider eines Schlafenden getropft, verliebt sich dieser beim Aufwachen in dasjenige Wesen, welches sich ihm als erstes zeigt. Ursprünglich als Strafe für Titania gedacht, wendet Puck den Zaubernektar auch auf die Liebespaare an. Während Titania unter Einfluss des Nektars für den von Puck in einen Esel verwandelten Handwerker Bottom entbrennt, verlieben sich Demetrius und Lysander am nächsten Morgen in Helena. Oberon hat schließlich Mitleid und erlöst alle aus ihren Wirren – alle bis auf Demetrius, so dass sich dieser mit Helena glücklich zu einem Paar findet. Was bleibt, ist die Frage, ob das abgründige Verwirrspiel um Liebe und Begehren dieser Sommernacht Wirklichkeit oder doch nur Traum war.

Im August 1959 entschloss sich Benjamin Britten, bis heute neben Henry Purcell Englands bedeutendster Komponist, für sein Musikfestival im ostenglischen Aldeburgh eine abendfüllende Oper zu schreiben. Mit der Wahl der Vorlage entschied er sich für einen Stoff, der bereits andere Komponisten zu Bearbeitungen anregte, etwa Felix Mendelssohn Bartholdy oder Henry Purcell, auf die Britten in seiner Komposition auch Bezug nimmt. Die Uraufführung fand ein Jahr später unter der Leitung des Komponisten in Aldeburgh statt. Britten hielt sich in seiner Oper nah an der Komödie Shakespeares. Hauptschauplatz ist auch bei ihm der Zauberwald. Dessen phantastische Atmosphäre überträgt Britten in einen überaus farbenreichen Orchesterklang, der die nächtliche Welt zwischen Traum und Wirklichkeit schillernd entfaltet, zugleich aber zwischen Menschen- und Feenreich unterscheidet. Um das Überirdische der Feenwelt zu veranschaulichen, aber auch als Reverenz an den barocken Komponisten Purcell schrieb Britten die Partie des Feenkönigs Oberon für einen Countertenor.

Musikalische Leitung: Cameron Burns
Inszenierung: Michiel Dijkema
Bühne: Florian Parbs
Kostüme: Claudia Damm
Licht: Elana Siberski
Einstudierung Kinderchor: Heide Müller
Dramaturgie: Klaus Angermann

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Oper

Fausts Verdammnis

Oper von Hector Berlioz

Légende-dramatique in vier Teilen (1846)

Ein regelrechtes »Faust-Fieber« herrschte Anfang des 19. Jahrhunderts in Paris. Mehrere Übersetzungen der Goethe’ schen Tragödie ins Französische erschienen, darunter die des jungen Gérard de Nerval, über die sich auch Goethe lobend geäußert haben soll. Die Pariser Theater rissen sich um das Werk, wobei man freilich mit der Vorlage sehr frei verfuhr und das Phantastische des Stücks betonte, was von deutscher Seite häufig als Sakrileg an einem nationalen Denkmal gebrandmarkt wurde. Goethe selber nahm die Umarbeitungen offenbar entspannt zur Kenntnis, als er 1829 bemerkte: »Die Franzosen mussten es umbilden und an die Sauce noch ein starkes Gewürz und starke Ingredienzien verschwenden.« Auf den Punkt brachte es ein französischer Zeitungsartikel, in dem zu lesen war: »Wir lieben eine rasche Handlung, einzelne und ergreifende Szenen, einen klaren Dialog, und ungeschminkt nennen wir alles langatmig, was sich nicht auf dem kürzesten Weg dem Ziel zubewegt. Auf der anderen Seite des Rheins kann das Drama ohne Nachteil eine Abhandlung werden – die Zuschauer harren der Lösung mit philosophischer Geduld.«

Wenngleich diese Worte nicht auf Berlioz’ »Dramatische Legende« »Fausts Verdammnis« gemünzt sind, so lesen sie sich doch fast wie eine Rechtfertigung derselben. Auch Berlioz war von dem »wunderbaren Buch« fasziniert, als er 1829 seine »Huit scènes de Faust« publizierte, acht nur lose verbundene Szenen aus Goethes »Faust I«, mit denen Berlioz allerdings wenig Erfolg hatte, sodass er das Werk zurückzog, zumal er auch von Goethe keinen Zuspruch erhielt, nachdem dieser von seinem Komponistenfreund Carl Friedrich Zelter ein unvorteilhaftes Gutachten der Komposition erhielt. Dennoch ließ Berlioz der Stoff nicht los, und so begann er 1845 die Arbeit an einem abendfüllenden »Faust«-Werk, in das er die »Huit scènes« einarbeitete. »Opéra de concert« lautete der Untertitel zunächst und deutete darauf hin, dass Berlioz von Anfang an nicht an eine szenische Aufführung dachte. Später hieß es dann »Légende-dramatique«, was aber ebensowenig auf eine Oper im herkömmlichen Sinne schließen lässt. In der Tat ist »Fausts Verdammnis« eine merkwürdige Mischform zwischen Grand Opéra, Oratorium, Kantate und dramatischer Sinfonie, die aus einer Folge von charakteristischen Tableaus in sprunghafter und keineswegs zwingender Dramaturgie besteht. Überdies wird aus dem Goethe’schen Sucher und Utopisten Faust ein Byron’ scher Melancholiker, und Mephisto ist kein göttlicher Antagonist, sondern ein mit Geistern, Sylphen und Irrlichtern jonglierender Gaukler und Trickbetrüger, der Faust im Rahmen eines bizarren Rituals in die Hölle befördert, bevor Marguerite in einer berückenden Verklärung gen Himmel entschweben darf.

»Fausts Verdammnis« ist ein faszinierendes Hybrid, das sich Berlioz’ Vertrauen in die Macht der Musik und seinem Misstrauen gegenüber den theatralen Möglichkeiten seiner Zeit verdankt. Doch gerade der utopische und experimentelle Zug dieses imaginären Theaters ist eine Herausforderung, die vermeintlichen Grenzen auch heutiger szenischer Mittel immer wieder zu überschreiten.

Musikalische Leitung: Mark Rohde
Inszenierung und Videokonzept: Marie-Eve Signeyrole
Bühne: Fabien Teigné
Kostüme: Yashi
Licht: Sascha Zauner
Tanz

Nevermore. Ein Abend für Edgar Allan Poe

Choreographien von Mauro Bigonzetti und Jörg Mannes

Musik von Stefan Johannes Hanke u.a.

Mauro Bigonzetti und Jörg Mannes tauchen ein in die unheimliche Welt des Edgar Allan Poe und widmen ihren gemeinsamen Ballettabend diesem Meister des Geheimnisvollen und Makabren.

Im frühen 19. Jahrhundert schrieb Edgar Allan Poe Gothic Novels und Gedichte – kurze Texte, die bis heute ihre Wirkung nicht verloren haben. Ohne Filmtricks oder Computer-Animation, allein durch die Kraft der Sprache lässt der amerikanische Autor Visionen entstehen, die uns in ihren Bann ziehen. Viele seiner literarischen Motive haben ihren Ursprung in Poes tatsächlichem Leben, das tragische Züge hatte und voller Geheimnisse war. Seine Phantasien sind geprägt von Bildern und Obsessionen, die der Schriftsteller im Alkohol- oder Drogenrausch erfahren haben mag. Aber gerade die dunklen Seiten seines Wesens, die aus seinem Werk sprechen, die Fehlstellen in seiner Biographie und sein mysteriöser Tod haben Poe in den Augen späterer Generationen eine besondere Aura verliehen.

Unübersehbare Zeichen deuten in den Geschichten von Anfang an auf das Schlimmste hin, doch nichts kann Poes Protagonisten davon abhalten, ihren Weg zu gehen. Sie verstricken sich tiefer und tiefer in wahnhafte Vorstellungen. Ob eingesperrt in einem finsteren Verlies oder in ihren marternden Visionen, sie verlieren nach und nach ihren klaren Verstand. Immer bohrender werden die Gedanken, immer quälender die Ängste, immer perfider die Martern. Poes Figuren werden selbst schuldig und gehen in unaufhaltsamem Sog ihrem Ende entgegen – in den Tod oder Irrsinn.

»Nevermore« – Nimmermehr – ist die immer gleiche Antwort des Raben in Poes berühmtem Gedicht »The Raven (Der Rabe)«, das Mauro Bigonzetti seinem Ballett zugrunde legt. Mysteriös und voller dunkler Bilder schafft es eine spukhafte Atmosphäre. Jedes Geräusch, jede Bewegung erscheint bedeutungsvoll. Der nächtliche Besuch des großen schwarzen Vogels treibt das aufgewühlte Gemüt und den überreizten Zustand eines Trauernden zum Äußersten. Bis er schließlich seiner Einbildungskraft zum Opfer fällt.

Jörg Mannes ist fasziniert von Edgar Allan Poes Kosmos des Unheimlichen. Ihr zwanghaftes Handeln wird von den Urängsten der Menschen genährt. Willkür von außen und die Abgründe im Inneren des Einzelnen bewirken ein Ausgeliefertsein an das Unausweichliche, den Sog ins Bodenlose. Die Kurzgeschichte »Die Maske des Roten Todes« gibt den Rahmen für Bilder und Figuren aus Poes Œuvre, die Mannes zu einer getanzten Welt zwischen Faszination und Obsession fügt.

Für die Musik zu Jörg Mannes´ »Grotesque & Arabesque« wurde ein Kompositionsauftrag an Stefan Johannes Hanke vergeben, der in Hannover an der Jungen Oper bereits mit »Der Teufel mit den drei goldenen Haaren« und mit »Oh, wie schön ist Panama« in Erscheinung trat.

Carlo Cerri, der seit Jahren mit Mauro Bigonzetti zusammenarbeitet, schuf unter anderem die Bühnenbilder und das Lichtdesign für »La Piaf« (2011) und »Der Prozess« (2015), die der international renommierte italienische Choreograph für das Ballett der Staatsoper kreierte.

Leitungsteam Nevermore
Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Choreographie: Mauro Bigonzetti
Bühne: Carlo Cerri
Kostüme: Heidi de Raad

Leitungsteam Grotesque & Arabesque
Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Choreographie: Jörg Mannes
Bühne: Carlo Cerri
Kostüme: Heidi de Raad
Licht: Susanne Reinhardt
Dramaturgie: Brigitte Knöß

Ballett der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Oper

Die Zauberflöte

Wolfgang Amadeus Mozart

Oper in zwei Aufzügen

Rasant beginnt sie, diese Oper aller Opern: Prinz Tamino gerät in die Fänge einer gefährlichen Schlange, fällt relativ unheldenhaft in Ohnmacht und wird von drei mysteriösen Damen gerettet. Doch als Tamino erwacht, ist von ihnen nichts mehr zu sehen; statt ihrer kommt Papageno des Wegs, dem erfrischend gleich-gültig ist, dass Tamino von fürstlichem Geblüt ist. Ebenso wenig geniert er sich, den Sieg über die Schlange für sich in Anspruch zu nehmen – was die drei Damen aus ihrer Deckung lockt. Solche Taten für sich zu reklamieren, stünde Papageno – der lediglich ein Vogelfänger im Dienste ihrer Herrin, der sternflammenden Königin, sei – nicht an, befinden sie. Doch wird ihm eine Chance auf Wiedergutmachung eingeräumt: Er solle im Auftrag der Königin Tamino zur Seite stehen bei der Aufgabe, ihre von Sarastro entführte Tochter Pamina zu retten. Unversehens geraten also der Prinz und der Vogelfänger als ungleiches Duo in ein großes Abenteuer, bei dem sich immer neue Rätsel auftun: Gut und Böse prallen aufeinander, und nicht immer ist klar, wer welcher Seite zuzurechnen ist. Mehr als einmal sind der Prinz und der Vogelfänger bei den Prüfungen des Sarastro dem Tode nahe. Selbst Pamina gerät in Not: Taminos standhafte Stummheit in einer der Prüfungen bringt die an dessen Liebe zweifelnde junge Frau an den Rand des Selbstmords; Papageno hingegen wünscht sich einen Strick bei der Aussicht, ein entsagungsreiches und vor allem gefährtinnenloses Leben führen zu müssen. Schwerwiegende Entscheidungen müssen die Figuren für sich und ihr Leben treffen, während sie zwischen den Polen von Gut und Böse, von Pflichterfüllung und Freiheit hin und her gerissen werden. »Die Zauberflöte« sei neben Shakespeares »Hamlet« und Leonardos »Mona Lisa« das dritte große Rätselwerk unserer Kultur, beschreibt der Schweizer Germanist Peter von Matt die große Faszination dieses Werkes, zu der die Musik maßgeblich beiträgt – schließlich bestimmt sie in Form der titelgebenden Zauberflöte und eines Glockenspiels die Handlung mit.

Mozarts und Schikaneders Oper ist eine umfassende Mischung musikalischer Stile – vom volksliedhaften Ton des Papageno hin zur virtuosen Koloraturarie der Königin der Nacht, von den sakralen Chorklängen der Anhänger Sarastros zu den innig-puren Melodien der Arien Paminas. Gleichzeitig schwebt das Werk zwischen Kasperletheater und Zauberoper, zwischen spektakulärer Maschinenoper und rührendem Volkstheater, zwischen Märchen, Mythos und moralisch-freimaurerisch geprägtem Mysterienspiel. All dies trägt Tamino, Papageno und Pamina durch die Höhen und Tiefen der Handlung – doch geht diese über das Bestehen von Prüfungen hinaus. Dank der Musik Mozarts kommen sie am Ende dem einen großen Rätsel ein Stück weit auf die Spur: Wer bin ich?

Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Inszenierung: Frank Hilbrich
Bühne: Stefan Heyne
Kostüme: Julia Müer
Licht: Susanne Reinhardt
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Christopher Baumann
Musical

West Side Story

Musical von Leonard Bernstein

Musical in zwei Akten 1957

Das traurige Schicksal zweier Liebender steht im Zentrum von Bernsteins erfolgreichstem Broadway-Musical. In Anlehnung an William Shakespeares zeitlose Tragödie »Romeo und Julia« handelt »West Side Story« von der unglücklichen Liebe zwischen der Puerto-Ricanerin Maria und dem Amerikaner Tony. Während sich in Shakespeares Vorlage die Liebesgeschichte zwischen den Kindern zweier miteinander verfeindeter Veroneser Familien entspinnt, siedelt Arthur Laurents die Geschichte in einem New Yorker Stadtteil der 1950er-Jahre an: Die amerikanischen Jugendlichen, die Jets, stehen den aus Puerto Rico eingewanderten Jugendlichen, den Sharks, feindselig gegenüber. Allen Widrigkeiten zum Trotz verliebt sich Tony in die kürzlich in Amerika eingetroffene Maria. Das Liebespaar erträumt sich eine gemeinsame Zukunft, in der alle Vorurteile überwunden sind. Umso grausamer ist die Konfrontation mit der Realität, in der Fremdenhass, Aggression und Gewaltbereitschaft vorherrschen. Feindschaft wie Rachgier führen letzten Endes in die Katastrophe und fordern drei Menschenleben: Riff wird von Marias Bruder Bernardo, dem Anführer der Sharks, im Zweikampf erstochen, Tony übt Vergeltung, indem er Bernardo tötet. Als Opfer einer Intrige wird Tony am Ende des Stückes vor Marias Augen erschossen. Erst als ihre Trauer um den Geliebten in Mitleidlosigkeit umzuschlagen droht, erkennen die Jugendlichen die Folgen ihrer sinnlosen Gewalt.

Bis zum heutigen Tag erfreuen sich Bernsteins Melodien »Maria«, »Tonight« und » America« größter Popularität und sind im Gedächtnis seiner Fans ebenso fest verankert, wie die charakteristischen Tanzschritte der rivalisierenden Straßengangs. Der Regisseur und Choreograph Jerome Robbins, der Leonard Bernstein für die Komposition des Musicals begeistern konnte, gilt als Initiator des gesamten Projekts, in dem sich Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel auf höchstem Niveau ergänzen. Bernstein sprach sich dafür aus, die tragische Liebesgeschichte auf dem Hintergrund der Rassenproblematik zu entfalten und wählte als musikalischen Fingerabdruck für die Jets die Stilrichtung des Progressive Jazz, den er mit den lateinamerikanischen Rhythmen der Sharks kontrastierte bzw. im Fall der Zusammenkünfte zwischen Maria und Tony kombinierte. Meisterhaft gelang der Wechsel zwischen heiteren und tragischen Szenen, in denen das Schicksal der Jugendlichen verhandelt wird. Wenngleich die Geschichte im New York der 1950er-Jahre spielt, so ist die Brisanz von Ressentiments zwischen ethnisch unterschiedlichen Gruppen sowie ein aus Chancenlosigkeit, Frust und Ablehnung resultierendes Gewaltpotential unter Jugendlichen für unsere heutige Gesellschaft nicht von der Hand zu weisen.

Musikalische Leitung: Joseph R. Olefirowicz
Inszenierung: Matthias Davids
Choreographie: Simon Eichenberger
Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Susanne Hubrich
Licht: Susanne Reinhardt
Dramaturgie: Steffi Mieszkowski

Songs in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln und deutschen Dialogen
Aufführungen / Theater Schauspiel Hannover Hannover, Prinzenstr. 9
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Theater Theater in der List Hannover Hannover, Spichernstr. 13
Aufführungen / Festival Intern. Fredener Musiktage Freden, Schillerplatz 6
Aufführungen / Theater UHU-Theater Hannover Hannover, Böhmerstr. 8
Aufführungen / Aufführung Commedia Futura Hannover, Seilerstr. 15 F
Aufführungen / Aufführung die hinterbuehne Hannover, Hildesheimer Str. 39a
Aufführungen / Konzert Richard Wagner-Verband Hannover e.V. Burgdorf, Uetzer Str. 60G
Aufführungen / Konzert C.Bechstein Centrum Hannover Hannover, Königstr. 50a
Aufführungen / Theater TANZtheater INTERNATIONAL Tanz und Theater e.V. Hannover, Roscherstr. 12
Aufführungen / Theater THEATER an der GLOCKSEE Hannover, Glockseestr. 35

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