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Staatsoper Hannover

Die Staatsoper Hannover gehört zu den weltbesten Opern.
Der Prachtbau wurde 1845 bis 1852 nach einem Entwurf von Hofbaumeister Georg Friedrich Laves erbaut. Er diente zunächst als königliches Hoftheater, da dem König das Schlosstheater zu klein geworden war. Das spätklassizistische Gebäude mit seinen beiden großen Seitenflügeln besitzt zur Georgstraße hin einen Vorbau, auf dem sich die in Stein gemeißelten Abbilder von Dichtern und Komponisten tummeln.
Das Opernhaus brannte 1943 aus und wurde 1948 im historischen Stil wieder aufgebaut. Im Zuge einer General-Sanierung erhielt es 1985 eine völlig neue Akustik. In den Jahren 1996 bis 1998 und zuletzt 2012 wurde die Bühnentechnik erneuert.

Kontakt

Staatsoper Hannover
Niedersächsische Staatstheater Hannover
Opernplatz 1
D-30159 Hannover

Telefon: +49 (0)511-9999 1111
Fax: +49 (0)511 9999 1999

 

Kassen im Opernhaus und im Schauspielhaus
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10–19.30 Uhr (Vorverkauf bis 18.30 Uhr), Samstag 10–14 Uhr (im Opernhaus bis 18 Uhr)
An den Kassen können auch alle Programmhefte aktuell laufender Produktionen erworben werden.
Abendkasse: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn (kein Vorverkauf)

Telefonischer Kartenverkauf
Montag bis Freitag 10–18 Uhr, Samstag 10–14 Uhr

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Staatsoper Hannover

Oper

Die Krönung der Poppea

Oper von Claudio Monteverdi

Premiere der Inszenierung: 07. Juni 2019

Oper in einem Prolog und drei Akten (1642)
Text von Giovanni Francesco Busenello

»Verehrt mich, betet mich an und nennt mich euren Herrscher« – so weist im Prolog von Claudio Monteverdis letzter Oper der kindliche Gott Amor selbstbewusst die beiden Göttinnen des Schicksals und der Tugend zurecht, die kurz vorher in einen Streit darüber geraten waren, welche von ihnen die Mächtigere sei, und die dabei den Verfall ihrer Macht eingestehen mussten. Um seinen Anspruch auf den Chefsessel im Olymp zu unterstreichen, führt Amor sogleich ein menschliches Experiment durch, das beweisen soll, dass die Welt nach der Pfeife seiner Launen tanzt. In einer Welt, in der moralische Grundsätze ihre Bedeutung verloren haben, findet Amor einen Gleichgesinnten – wie er selbst ein herrschsüchtiges Kind, das verehrt und angebetet werden möchte, das sich gegen ältere Autoritäten auflehnt und seine Launen frei und skrupellos auszuleben sucht: der römische Kaiser Nero. Obwohl mit Ottavia verheiratet, hat er sich unsterblich in die wunderschöne Poppea verliebt, die nun ihrerseits ihre alte Liebe Ottone zurückweist, weil sie nicht nur scharf auf Nero, sondern auch auf die kaiserliche Macht ist. Und weil sich auch die eifersüchtige Ottavia nicht gerade zimperlich im Umgang mit Menschenleben erweist und sich mit Ottone gegen Poppea verschwört, findet man schnell einen Grund, sie und alle Widersacher loszuwerden. Nur Neros Lehrer Seneca, der Philosoph und Vertreter einer stoischen, leidenschaftslosen und rationalen Weltsicht, versucht als einzige moralische Instanz in das Geschehen einzugreifen und seinen Zögling auf die rechte Bahn zurückzuführen. Doch seine hehren Grundsätze von einem vernunftbestimmten und gerechten Herrschertum verhallen als leere Worthülsen in einem Raum entfesselter Leidenschaften.

Als eine der bedeutendsten Opernschöpfungen des 17. Jahrhunderts ist »Die Krönung der Poppea« die Apotheose einer skrupellosen Liebe jenseits von Gut und Böse, einer Liebe, für die moralische Prinzipien keine Gültigkeit mehr haben. In ihrer Ambivalenz, in der der Konflikt zwischen Moral, Vernunft und einer Leidenschaft, die auf ihrem Recht beharrt, letztlich ungelöst bleibt, erweist sich die bis heute nicht verblasste Modernität dieser Oper, die erstmals in der Musikgeschichte nicht mythologische Gestalten auf die Bühne bringt, sondern leibhaftige Menschen. Die Abkehr von allegorischen Bedeutungen und moralischen Belehrungen und die Hinwendung zum Einzelschicksal und zum individuellen Handeln in seiner Triebhaftigkeit findet seine Entsprechung in der ausdifferenzierten musikalischen Gestaltung, die das Innenleben der Personen in seinen feinsten Schwankungen nachvollzieht. Dadurch wird das Spannungsverhältnis zwischen Machtstrukturen und der Utopie einer grenzenlosen Freiheit betont, die letztlich doch ungreifbar bleibt, weil der Weg dorthin über Leichen führt.

Musikalische Leitung: Howard Arman
Inszenierung: Ingo Kerkhof
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Stephan von Wedel
Licht: Susanne Reinhardt
Dramaturgie: Klaus Angermann

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

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Oper

Unterwelt

Partizipative App-Oper auf Grundlage des Orpheus-Mythos

Premiere: 29. Juni 2019

»Rheingold – Der Film«, »Stress!«, »Herr der Fliegen«, »Oliver Twist« – die Liste an Produktionen der Staatsoper Hannover, des Balletts und der Jungen Oper, die mit Jugendlichen aus der Landeshauptstadt entstanden sind, ist beeindruckend. Und sie wäre nicht komplett ohne »Culture Clash: Die Entführung«, in der 2008 gut 90 Jugendliche in einer »Rap-Oper« die Bühne des Opernhauses stürmten. 2019 ist die Zeit reif für eine Neuauflage. Denn nun heißt es »App« statt »Rap«, wenn rund 100 Jugendliche den Ur-Mythos der Musik neu interpretieren: die Geschichte von Orpheus und Euridike.

Euridike, die Frau von Orpheus, stirbt, aber der berühmte Sänger findet sich nicht damit ab. Er muss sie retten – und begibt sich auf eine wagemutige Reise: Tatsächlich gelingt es ihm dank der Musik, die der Legende nach selbst Steine zum Weinen bringt, in die Unterwelt vorzudringen und die Götter zu erweichen – er darf Euridike tatsächlich nach Hause führen. Doch ist der Rückweg an eine große Vertrauensforderung gekoppelt: Orpheus darf sich zu seiner geliebten Euridike nicht ein einziges Mal umdrehen.

Junge Menschen aus Hannover, Opernsänger der Staatsoper, ein Schauspieler und das Niedersächsische Staatsorchester Hannover finden sich zusammen, um den Ur-Stoff der Oper mithilfe von Apps in die digitale Kultur des 21. Jahrhunderts zu übertragen. Denn diese Programme für Smartphones, Computer und Tablets bieten inzwischen nicht nur Kommunikationsmöglichkeiten wie etwa Facebook oder WhatsApp, sondern sind in die Welt der Musik vorgedrungen: Hier lassen sich klassische Instrumente imitieren, neuartige Klänge produzieren und vorhandenes Bild- und Tonmaterial manipulieren.

Was also bedeutet Abschied im 21. Jahrhundert, im digitalen Zeitalter mit all seinen Möglichkeiten? Welche neuen Formen des Erinnerns und des Austauschs ermöglichen Soziale Netzwerke und virtuelle Identitäten? Heißen sie uns in der Ära digitaler Unsterblichkeit willkommen? Welches Potential, welche Versprechungen – seien sie nun falsch oder wahr – schlummern unter den Touchscreens mit ihren jederzeit verfügbaren Erinnerungen und Gefühlen zum »Anfassen«, Tippen, Klicken, Wischen?

»Unterwelt« taucht unter die Oberfläche: Die Apps, Instrumente, Körper und Stimmen werden zum Interface zur Welt der Musik, zu »Schlüsseltechnologien«, um die Unterwelt der verlorenen Dinge, Tiere, Menschen, Gefühle zu eröffnen, zu bereisen und zu erforschen – und herauszufinden, was den Menschen wie einst Orpheus die Kraft gibt, Hindernisse zu überwinden und den Blick hoffnungsvoll nach vorn zu richten. Dabei zeigt gerade der Clash von Digitalem und Analogem, Klassischem und Zukünftigem, Oper und Performance, wie zeitlos ein Mythos wie die Orpheus-Sage von Menschen aus allen Jahrhunderten erzählt.

Musikalische Leitung: Cameron Burns
Inszenierung: Martin G. Berger / Jonas Egloff
Choreographie: Bettina Stieler
Bühne: Sarah-Katharina Karl
Kostüme: Silke Bornkamp
Licht: Holger Klede
Intercation Design: Roman Rehor
Projektleitung: Sabine Busmann
Dramaturgie: Christopher Baumann

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Oper

Oedipus Rex* / Psalmensinfonie*

konzertante Aufführung von Igor Strawinsky

»Oedipus rex«
Opern-Oratorium (1926–27/48)
Libretto von Jean Cocteau nach der Tragödie »Oidipus tyrannos« von Sophokles, lateinisch von Jean Daniélou

»Psalmensinfonie«
für Chor und Orchester (1930 / 48)

»Die wahre Tradition ist nicht Zeuge einer abgeschlossenen Vergangenheit; sie ist eine lebendige Kraft, welche die Gegenwart anregt und belehrt.« So bekannte Igor Strawinsky 1939 in einer Harvard-Vorlesung zur musikalischen Poetik. Die lebendige Kraft der Tradition durchzieht sein ganzes, epochales Œuvre mit all seinen die Musikwelt mitunter irritierenden Wandlungen: von der spätromantisch schillernden Farbigkeit eines »Feuervogel« über den elektrisierenden Jahrhundertskandal des »Sacre du Printemps« und seine neoklassizistische Phase bis zur Aneignung zwölftöniger Verfahren im Spätwerk.

Die Tradition als lebendige Kraft prägt auf besondere Weise auch die zwei Hauptwerke seiner neoklassizistischen Phase: das »Opern-Oratorium« »Oedipus Rex« und die »Psalmensinfonie«. In beiden Werken vertont Strawinsky geradezu archaische Texte – hier den Oedipus-Mythos in der Dramatisierung des Sophokles aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, dort alttestamentarische Psalmtexte aus etwa derselben Zeit. In beiden Werken entscheidet sich Strawinsky nicht für den historischen Originaltext (hier griechisch, dort hebräisch), sondern für die Übertragung ins Lateinische. »Welche Freude bereitet es, Musik zu einer Sprache zu schreiben, die seit Jahrhunderten unverändert besteht und fast rituell wirkt!«, konstatierte er. Die Übersetzung des »Oedipus«-Librettos von Jean Cocteau durch den jungen Jesuiten und späteren Kardinal Jean Daniélou und die Wahl der spätantiken lateinischen Vulgata für die Psalmen folgen demselben Impuls: den gesungenen Text in die Distanz der überzeitlichen, abstrakten Lehrsprache zu stellen.

In »Oedipus rex« verstärkt eine anti-psychologische Dramaturgie diese Distanz. Ein Sprecher präsentiert in der jeweiligen Landessprache die Episoden vorab: Die Götter strafen die Stadt Theben mit der Pest. Das Orakel hat deren Ursache benannt – der Mörder des früheren Königs Laius lebe immer noch in der Stadt. So schwört König Oedipus, den Mann zu finden. Als Jokaste, Laius’ Witwe und nun Oedipus’ Gattin, erzählt, wie Laius ums Leben gekommen ist, begreift Oedipus, dass er selbst dessen Mörder ist. Jokaste ihrerseits erkennt, dass sie mit Oedipus nicht nur den Mörder ihres früheren Gatten, sondern zugleich ihren eigenen, verloren geglaubten Sohn geheiratet hat. Ihr erscheint Selbstmord als einziger Ausweg; Oedipus blendet sich und verlässt Theben für immer. – Durch die objektivierende Distanziertheit erhält auch Strawinskys Tonsprache eine neue Intensität und Härte: mit einem von Bläsern dominierten Orchester, rhythmischen Ostinati und dem häufig deklamierenden Herrenchor des thebanischen Volkes. Und doch kennt »Oedipus rex« auch opernhafte Elemente, die gerade im Kontrast zu den rituellen Passagen ihre besondere Ausdruckskraft gewinnen.

Von starker Ausdruckskraft ist auch Strawinskys »Psalmensinfonie« – eines der wenigen geistlichen Werke des Komponisten, der russisch-orthodox sozialisiert wurde, doch zeitlebens mit dem Katholizismus sympathisierte. Die Verse aus den Psalmen 38, 39 und 150 thematisieren menschliches Flehen und Bitten ebenso wie Zuversicht und das Lob Gottes. Dem entspricht ein farbenreiches musikalisches Spektrum von polyphon-nüchterner Strenge bis zum religiösen Überschwang des »großen Halleluja«. Durchsichtig und hell wirkt der Klang des Orchesters, in dem Geigen, Bratschen und Klarinetten fehlen. »Man kann über Strawinskys Fähigkeit zur Erneuerung nur staunen«, lobte Francis Poulenc. »Ich grüße Sie, Jean-Sébastien Strawinsky.«

Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Licht: Holger Klede
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Swantje Köhnecke

In lateinischer Sprache mit deutschen Übertiteln

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Oedipus Rex* / Psalmensinfonie*

Oper

Die Gezeichneten

Oper von Franz Schreker

Oper in drei Aufzügen (1913-15)
Text vom Komponisten

Das Bürgertum der Stadt Genua ist in Aufruhr: Seit einigen Wochen verschwinden unter ungeklärten Umständen junge Frauen. Ihr Schicksal, ihr Verbleib: ein Rätsel – doch Schlimmes steht zu befürchten. Die Genueser ahnen nicht, dass hinter diesen Begebenheiten »die Acht« stehen – eine Clique männlicher Sprösslinge von acht bedeutenden Adelshäusern der Stadt. Zügellos leben diese ihre sexuellen Gelüste aus unter dem Motto »Die Schönheit sei Beute des Starken«, töten ihre Opfer, nachdem sie ihre Gier gestillt haben. Ihr Refugium ist eine abgeschiedene Grotte auf einer der Stadt vorgelagerten Insel. Unbeobachtet und ungehindert können sie dort ihre Triebe ausleben, denn das Eiland gehört dem einen unter ihnen, der sich nicht an den Verbrechen beteiligt: Alviano Salvago hat diese Insel namens Elysium mit immensem finanziellen Aufwand zu einem Hort absoluter Schönheit und Harmonie gestalten lassen – als Ausgleich zu seiner eigenen körperlichen Hässlichkeit. Als Alviano von den Machenschaften seiner Standesgenossen erfährt, teilt er ihnen mit, dass er die Insel den Bürgern der Stadt zu übereignen gedenke, und bringt damit Ereignisse ins Rollen, die er nicht mehr kontrollieren kann.

Für seine Schenkung muss er den Podesta der Stadt, den höchsten Vertreter des Bürgertums, treffen – und so kommt es zu einer verhängnisvollen Begegnung mit dessen Tochter Carlotta. Als sie Alviano darum bittet, ihn malen zu dürfen, glaubt er zunächst, sie treibe ein spöttisches, verächtliches Spiel mit ihm, dem Entstellten. Doch sie versichert ihm, als Künstlerin interessiere sie nichts mehr als die Darstellung der Seele und in ihm habe sie eine faszinierende Schönheit entdeckt. Nicht nur ist sie damit die erste Frau, die nicht aufgrund seiner Hässlichkeit vor ihm zurückschreckt, sondern sie weist auch noch die Avancen von Graf Tamare ab, diesem Abbild strotzender Männlichkeit und Anführer der »Acht«.

Das Libretto zu seiner zu Lebzeiten erfolgreichsten Oper »Die Gezeichneten« schrieb Franz Schreker ursprünglich als »Tragödie des hässlichen Mannes« zur Vertonung für seinen Kollegen Alexander von Zemlinsky – doch je länger er daran arbeitete, desto mehr wünschte er sich, den Stoff selbst vertonen zu können. Dieser Wunsch ging in Erfüllung und gab Schreker die Gelegenheit, mit subtilster Instrumentation seine gesamte, leidenschaftlich farbige Klangpalette auszubreiten. Sein Fantasie-Genua inspirierte ihn zu sensualistischer Erotik im Kolorit, seine italienisch-belcantohaften Gesangslinien zeigen Menschen, die gezeichnet sind von leidenschaftlicher Lebenslust und inbrünstiger Lebensgier, von der Unterdrückung von Verlangen und vor allem von dem Bewusstsein der eigenen Fragilität und existentiellen Lebensbedrohung angesichts dieser Zerrissenheit. Immer stärker erhitzt und überdreht sich der erotische Reigen der Protagonisten Alviano, Carlotta und Tamare, bis sie in den Abgrund der Vernichtung und des Wahnsinns taumeln – ein Psychothriller, dessen Uraufführung sich 2018 zum hundertsten Mal jährt.

Musikalische Leitung: Mark Rohde
Inszenierung: Johannes von Matuschka
Bühne: Christof Hetzer
Kostüme: Florence von Gerkan
Licht: Elana Siberski
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Christopher Baumann

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Oper

Der fliegende Holländer

Oper von Richard Wagner

Romantische Oper in drei Aufzügen WWV 63 (1843 / 60)

Das Meer: aufgepeitschte Wellen, sprühende Gischt, brausender Wind, ein Klang von Abenteuer; der Mensch auf seinen Schiffen, jederzeit der Katastrophe des Schiffbruchs in der unbezähmbaren Naturgewalt der See ausgesetzt. Der Holländer: Er hat sich in die Stürme geworfen, Flauten und unberechenbaren Luftströmen getrotzt, um seine Ziele in den fernen Häfen der Welt zu erreichen – und im Moment größter Not, in der jeder vernünftige Mensch die Segel gestrichen hätte und umgekehrt wäre, hat er sich über das menschlich Mögliche erhoben, das Schicksal, die Natur und Gott herausgefordert. Der Lohn für seine Hybris ist ein Fluch, der es ihm nur noch alle sieben Jahre gestattet, an Land zu gehen und Erlösung zu suchen. Nur eine Frau, die ihm auf ewig Treue schwört, kann ihn von seiner Unbill befreien. Bis dahin trägt er den unsteten Rhythmus des Meeres, den Klang der Katastrophe – womöglich bis ans Ende aller Tage – in sich.

Senta: könnte sie die Erlösung des Holländers sein? Der Klang ihrer Sehnsucht entspringt dem endlosen Rattern der Spinnräder – an Land, bei den Frauen, die auf die Heimkehr ihrer seefahrenden Männer warten, auf Geschenke aus fernen Landen. Obsessiv träumt sich Senta einen Mann wie den Holländer herbei, der diesem monotonen Rauschen der Räder ein eigenes, gewaltiges Rauschen entgegensetzen kann – einen Mann, wie es der Förster Erik niemals sein kann: Seine Liebesbekundungen gegenüber Senta, die diese einst wohl erwiderte, sind wie ein lauer Wind über Wiesen und Wälder. Sieben Jahre sind seit dem letzten Landgang des Holländers verstrichen. Das Schicksal führt ihn mit Sentas Vater Daland zusammen. Dieser – ganz Geschäftsmann – wittert seine Chance auf Reichtümer, wenn er Senta zur Heirat mit dem Unbekannten bewegen kann. Und tatsächlich: als sich der Holländer und Senta begegnen, tritt zum ersten Mal Stille in die Herzen der beiden Suchenden. Doch ist es der stille Einklang zweier Herzen, die ihre Bestimmung gefunden haben – oder die unheilvolle Stille im Auge des Sturms, dem Unheil folgen wird?

Das Tosen der Wellen, der durch die Segel heulende Wind: All dies ist in der Ouvertüre zu Richard Wagners Der fliegende Hollander zu hören – fast zu spüren –, wenn die Hörner des Orchesters ihr Signal in die tremolierenden Streicherwogen hinausrufen. Wagner selbst war wenige Jahre vor Entstehen der Oper knapp einem Unglück entkommen bei seiner Überfahrt von Riga via England nach Paris: »Diese Seefahrt wird mir ewig unvergeßlich bleiben; sie dauerte drei und eine halbe Woche und war reich an Unfällen. Dreimal litten wir von heftigstem Sturme, und einmal sah sich der Kapitän genöthigt, in einem norwegischen Hafen einzulaufen. Die Durchfahrt durch die norwegischen Scheeren machte einen wunderbaren Eindruck auf meine Fantasie; die Sage vom fliegenden Holländer, wie ich sie aus dem Munde der Matrosen bestätigt erhielt, gewann in mir eine bestimmte, eigenthümliche Farbe, die ihr nur die von mir erlebten Seeabenteuer verleihen konnten.«

Musikalische Leitung: Ivan Repušić
Inszenierung: Bernd Mottl
Bühne: Friedrich Eggert
Kostüme: Doey Lüthi
Licht: Elana Siberski
Choreographie: Anastasiya Bobrykova

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Der fliegende Holländer

Musical

West Side Story

Musical von Leonard Bernstein

Musical in zwei Akten 1957

Das traurige Schicksal zweier Liebender steht im Zentrum von Bernsteins erfolgreichstem Broadway-Musical. In Anlehnung an William Shakespeares zeitlose Tragödie »Romeo und Julia« handelt »West Side Story« von der unglücklichen Liebe zwischen der Puerto-Ricanerin Maria und dem Amerikaner Tony. Während sich in Shakespeares Vorlage die Liebesgeschichte zwischen den Kindern zweier miteinander verfeindeter Veroneser Familien entspinnt, siedelt Arthur Laurents die Geschichte in einem New Yorker Stadtteil der 1950er-Jahre an: Die amerikanischen Jugendlichen, die Jets, stehen den aus Puerto Rico eingewanderten Jugendlichen, den Sharks, feindselig gegenüber. Allen Widrigkeiten zum Trotz verliebt sich Tony in die kürzlich in Amerika eingetroffene Maria. Das Liebespaar erträumt sich eine gemeinsame Zukunft, in der alle Vorurteile überwunden sind. Umso grausamer ist die Konfrontation mit der Realität, in der Fremdenhass, Aggression und Gewaltbereitschaft vorherrschen. Feindschaft wie Rachgier führen letzten Endes in die Katastrophe und fordern drei Menschenleben: Riff wird von Marias Bruder Bernardo, dem Anführer der Sharks, im Zweikampf erstochen, Tony übt Vergeltung, indem er Bernardo tötet. Als Opfer einer Intrige wird Tony am Ende des Stückes vor Marias Augen erschossen. Erst als ihre Trauer um den Geliebten in Mitleidlosigkeit umzuschlagen droht, erkennen die Jugendlichen die Folgen ihrer sinnlosen Gewalt.

Bis zum heutigen Tag erfreuen sich Bernsteins Melodien »Maria«, »Tonight« und » America« größter Popularität und sind im Gedächtnis seiner Fans ebenso fest verankert, wie die charakteristischen Tanzschritte der rivalisierenden Straßengangs. Der Regisseur und Choreograph Jerome Robbins, der Leonard Bernstein für die Komposition des Musicals begeistern konnte, gilt als Initiator des gesamten Projekts, in dem sich Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel auf höchstem Niveau ergänzen. Bernstein sprach sich dafür aus, die tragische Liebesgeschichte auf dem Hintergrund der Rassenproblematik zu entfalten und wählte als musikalischen Fingerabdruck für die Jets die Stilrichtung des Progressive Jazz, den er mit den lateinamerikanischen Rhythmen der Sharks kontrastierte bzw. im Fall der Zusammenkünfte zwischen Maria und Tony kombinierte. Meisterhaft gelang der Wechsel zwischen heiteren und tragischen Szenen, in denen das Schicksal der Jugendlichen verhandelt wird. Wenngleich die Geschichte im New York der 1950er-Jahre spielt, so ist die Brisanz von Ressentiments zwischen ethnisch unterschiedlichen Gruppen sowie ein aus Chancenlosigkeit, Frust und Ablehnung resultierendes Gewaltpotential unter Jugendlichen für unsere heutige Gesellschaft nicht von der Hand zu weisen.

Musikalische Leitung: Joseph R. Olefirowicz
Inszenierung: Matthias Davids
Choreographie: Simon Eichenberger
Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Susanne Hubrich
Licht: Susanne Reinhardt
Dramaturgie: Steffi Mieszkowski

Songs in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln und deutschen Dialogen

West Side Story bewerten:

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Bewertungen & Erfahrungsberichte West Side Story

Aufführungen / Theater Schauspiel Hannover Hannover, Prinzenstr. 9
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Theater Theater in der List Hannover Hannover, Spichernstr. 13
Aufführungen / Theater UHU-Theater Hannover Hannover, Böhmerstr. 8
Aufführungen / Aufführung THEATER an der GLOCKSEE Hannover, Glockseestr. 35
Fr, 31.5.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung THEATER an der GLOCKSEE Hannover, Glockseestr. 35
Sa, 1.6.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung Commedia Futura Hannover, Seilerstr. 15 F
Aufführungen / Aufführung die hinterbuehne Hannover, Hildesheimer Str. 39a
Aufführungen / Tanz TANZtheater INTERNATIONAL Tanz und Theater e.V. Hannover, Roscherstr. 12
Aufführungen / Theater THEATER an der GLOCKSEE Hannover, Glockseestr. 35

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