Spielzeit 2017/18

Die Zauberflöte

Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere: 13. Januar 2018, Opernhaus

Oper in zwei Aufzügen

Rasant beginnt sie, diese Oper aller Opern: Prinz Tamino gerät in die Fänge einer gefährlichen Schlange, fällt relativ unheldenhaft in Ohnmacht und wird von drei mysteriösen Damen gerettet. Doch als Tamino erwacht, ist von ihnen nichts mehr zu sehen; statt ihrer kommt Papageno des Wegs, dem erfrischend gleich-gültig ist, dass Tamino von fürstlichem Geblüt ist. Ebenso wenig geniert er sich, den Sieg über die Schlange für sich in Anspruch zu nehmen – was die drei Damen aus ihrer Deckung lockt. Solche Taten für sich zu reklamieren, stünde Papageno – der lediglich ein Vogelfänger im Dienste ihrer Herrin, der sternflammenden Königin, sei – nicht an, befinden sie. Doch wird ihm eine Chance auf Wiedergutmachung eingeräumt: Er solle im Auftrag der Königin Tamino zur Seite stehen bei der Aufgabe, ihre von Sarastro entführte Tochter Pamina zu retten. Unversehens geraten also der Prinz und der Vogelfänger als ungleiches Duo in ein großes Abenteuer, bei dem sich immer neue Rätsel auftun: Gut und Böse prallen aufeinander, und nicht immer ist klar, wer welcher Seite zuzurechnen ist. Mehr als einmal sind der Prinz und der Vogelfänger bei den Prüfungen des Sarastro dem Tode nahe. Selbst Pamina gerät in Not: Taminos standhafte Stummheit in einer der Prüfungen bringt die an dessen Liebe zweifelnde junge Frau an den Rand des Selbstmords; Papageno hingegen wünscht sich einen Strick bei der Aussicht, ein entsagungsreiches und vor allem gefährtinnenloses Leben führen zu müssen. Schwerwiegende Entscheidungen müssen die Figuren für sich und ihr Leben treffen, während sie zwischen den Polen von Gut und Böse, von Pflichterfüllung und Freiheit hin und her gerissen werden. »Die Zauberflöte« sei neben Shakespeares »Hamlet« und Leonardos »Mona Lisa« das dritte große Rätselwerk unserer Kultur, beschreibt der Schweizer Germanist Peter von Matt die große Faszination dieses Werkes, zu der die Musik maßgeblich beiträgt – schließlich bestimmt sie in Form der titelgebenden Zauberflöte und eines Glockenspiels die Handlung mit.

Mozarts und Schikaneders Oper ist eine umfassende Mischung musikalischer Stile – vom volksliedhaften Ton des Papageno hin zur virtuosen Koloraturarie der Königin der Nacht, von den sakralen Chorklängen der Anhänger Sarastros zu den innig-puren Melodien der Arien Paminas. Gleichzeitig schwebt das Werk zwischen Kasperletheater und Zauberoper, zwischen spektakulärer Maschinenoper und rührendem Volkstheater, zwischen Märchen, Mythos und moralisch-freimaurerisch geprägtem Mysterienspiel. All dies trägt Tamino, Papageno und Pamina durch die Höhen und Tiefen der Handlung – doch geht diese über das Bestehen von Prüfungen hinaus. Dank der Musik Mozarts kommen sie am Ende dem einen großen Rätsel ein Stück weit auf die Spur: Wer bin ich?

Musikalische Leitung: Valtteri Rauhalammi
Inszenierung: Frank Hilbrich
Bühne: Stefan Heyne
Kostüme: Julia Müer
Licht: Susanne Reinhardt
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Christopher Baumann

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 13.1.2018, 19:30 | Premiere |
Di, 16.1.2018, 19:30 |
Fr, 19.1.2018, 19:30 |
Do, 25.1.2018, 19:30 |
Sa, 27.1.2018, 19:30 |
So, 11.2.2018, 18:30 |
Fr, 9.3.2018, 19:30 |

Wilhelm Tell

Oper von Gioachino Rossini (konzertante Aufführung)

Oper in vier Akten

Apfelschuss und Rütlischwur mag man als Erstes mit dem legendären Schweizer Nationalhelden assoziieren, der sich gegen die Habsburger zur Wehr setzte und für die Unabhängigkeit der späteren Eidgenossenschaft eintrat. Tatsächlich nimmt Rossinis Vertonung der Tell-Geschichte, die sich aus Vaterlandsliebe, Freiheitsgedanken und Naturidyll speist, eine musikhistorische Sonderstellung ein: schenkt man einer Anekdote Glauben, so haben sowohl Giacomo Meyerbeer als auch Giuseppe Verdi ihre jeweilige Ausgabe der epochalen Partitur stets mit sich geführt – steckte diese doch voller musikdramatischer Novitäten.

In dieser Grand opéra griff Rossini mit dem 1291 geleisteten Schwur der Vertreter der drei Ur-Kantone (Uri, Schwyz und Unterwalden) eine historische Begebenheit auf, die auch schon bei Friedrich Schiller mit der Legende des Armbrustschützen verwoben ist. Im Gegensatz zu Schillers Drama erweist sich Rossinis Tell als eine von Beginn an politische Figur; bereits im ersten der zahlreichen überwältigenden Chortableaus nimmt er die Außenseiterposition ein, drückt seine Sorge um das Wohl seiner Heimat aus, während das Volk munter feiert. Selbstverständlich eint der sichere Schütze im Verlauf des Stücks die Massen, die seinem Aufruf zum Aufruhr gegen die Besatzer zunächst teils zögerlich, teils ängstlich, aber am Ende fest entschlossen Folge leisten und mutig für den Befreiungsschlag zur Waffe greifen.

Als Handlungsträger stattete Rossini den im Laufe des Stücks in Aktion tretenden Chor mit einer mitreißenden Musik aus, die in ihrer Wirkung dem berühmten Galopp der Ouvertüre in nichts nachsteht. Um das passende Lokalkolorit der Schweizer Bergwelt einzufangen, ließ sich Rossini von den sogenannten »ranz des vaches« inspirieren; die traditionellerweise von Kuhhirten gesungenen Melodien sind bei ihm Inbegriff des gefährdeten Heimatidylls und stehen im scharfen Kontrast zu den leitmotivisch eingesetzten Hornfanfaren des verhassten Landvogts Gessler. Konsequent verfolgte Rossini das dramaturgische Prinzip, die politischen Missstände in der Natur zu spiegeln: So tost im vierten Akt ein Gewittersturm eindrucksvoll über den Vierwaldstätter See, als der gefangene Tell zu seiner Exekution gebracht werden soll. Nachdem der spätere Nationalheld den Tyrannen Gessler erschossen hat, legt sich auch das Unwetter, und der See erstrahlt in friedlichem Glanz. Stürmisch wurde auch die Uraufführung in Paris begangen – das Publikum spendete enthusiastisch Beifall.

Musikalische Leitung: Lorenzo Da Rio
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Licht: Holger Klede
Dramaturgie: Steffi Mieszkowski

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termin:

Sa, 6.1.2018, 19:30 |

Salome

Oper von Richard Strauss

Drama in einem Akt 1905
Text vom Komponisten nach dem Drama »Salomé« von Oscar Wilde (1892) in der Übersetzung von Hedwig Lachmann

»Mit Schmutz befasse ich mich nicht!«, antwortete einst ein älterer Mitarbeiter des Bayreuther Festspielhauses auf die Frage, ob er das kurze Zeit vorher in Dresden uraufgeführte Musikdrama »Salome« von Richard Strauss kenne. Vamp, Femme fatale, erotisches Monstrum – solche Klischees bestimmen bis heute das Bild der Titelfigur, die zum Inbegriff der männermordenden, in sexuellen Abirrungen befangenen Bestie und gleichzeitig zum Symbol einer décadence wurde, der die verzweifelte Suche nach sinnlichen Sensationen zum Selbstzweck und damit zur Bestätigung eines emotionalen Vakuums geraten ist. Als Ziel moralischer und religiöser Entrüstung und als Objekt der Begierde gleichermaßen hat es die judäische Königstochter zu einer Prominenz gebracht, die sich in den künstlerischen Gestaltungen ihrer Geschichte über die Jahrhunderte widerspiegelt. Salome wurde so zur Legende, in der sich eher die aktuellen Konflikte der jeweiligen Zeit niederschlugen, als dass es sich um die Überlieferung eines historisch verbürgten Ereignisses handelte, ja die Figur rückte damit erst ins Zentrum des Interesses. Aber erst durch Oscar Wildes 1892 entstandenen Einakter wurde die Prinzessin zur Symbolgestalt eines morbiden und nach Schönheit und Luxus gierenden Fin de Siècle – und zum Sprachrohr der Sehnsucht nach Sinnlichkeit inmitten einer in Konventionen erstarrten und faulenden Gesellschaft. Die Parallelität der Herodes-Welt zur bürgerlichen Gegenwart um 1900 hat denn auch manchen zeitgenössischen Herodes in dem Stück einen Auswuchs abgrundtiefer Verkommenheit erblicken lassen, was scheinbar noch durch den Lebenswandel des Autors bestätigt wurde.

Nach seinen zwei Opernerstlingen gelang Strauss mit »Salome« der große Wurf, mit dem er Theatergeschichte geschrieben hat. Die Sprache Wildes, die geradezu nach Musik schreit, eröffnete Strauss neue, weit über Wagner hinausgehende Ausdrucksmittel. In der »Salome« wird die Gesangsstimme zu einem Teil des Orchesters, und die Musik liefert ein Psychogramm der Bühnenfiguren; das eigentliche Drama vollzieht sich im Inneren dieser Figuren. Denn ungeachtet des üppigen Orchesterklangs ist Strauss’ »Salome« kein Werk oberflächlicher orientalischer Prachtentfaltung und bunter Exotismen. Der Komponist verwahrte sich gegen die »exotischen Tingeltangeleusen mit Schlangenbewegungen«, wie er sie zu Lebzeiten in vielen Inszenierungen sehen musste, und betonte stattdessen die Keuschheit und Würde der Hauptfigur. Den Dirigenten gab er den Rat, die Musik so zu dirigieren, als wäre es »Elfenmusik« von Mendelssohn. In einem der vielleicht am meisten missverstandenen Werke der Operngeschichte gilt es, das innere Drama der jungen Prinzessin, die aus einer deformierten Welt ausbrechen will, an die sie letztlich doch gekettet ist, neu zu entdecken.

Musikalische Leitung: Ivan Repušić
Inszenierung: Ingo Kerkhof
Bühne: Anne Neuser
Kostüme: Inge Medert
Licht : Elana Siberski
Choreographie : Mathias Brühlmann
Dramaturgie: Klaus Angermann

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 22.12.2017, 19:30 |
So, 7.1.2018, 16:00 |
Sa, 3.2.2018, 19:30 |

West Side Story

Musical von Leonard Bernstein

Musical in zwei Akten 1957

Das traurige Schicksal zweier Liebender steht im Zentrum von Bernsteins erfolgreichstem Broadway-Musical. In Anlehnung an William Shakespeares zeitlose Tragödie »Romeo und Julia« handelt »West Side Story« von der unglücklichen Liebe zwischen der Puerto-Ricanerin Maria und dem Amerikaner Tony. Während sich in Shakespeares Vorlage die Liebesgeschichte zwischen den Kindern zweier miteinander verfeindeter Veroneser Familien entspinnt, siedelt Arthur Laurents die Geschichte in einem New Yorker Stadtteil der 1950er-Jahre an: Die amerikanischen Jugendlichen, die Jets, stehen den aus Puerto Rico eingewanderten Jugendlichen, den Sharks, feindselig gegenüber. Allen Widrigkeiten zum Trotz verliebt sich Tony in die kürzlich in Amerika eingetroffene Maria. Das Liebespaar erträumt sich eine gemeinsame Zukunft, in der alle Vorurteile überwunden sind. Umso grausamer ist die Konfrontation mit der Realität, in der Fremdenhass, Aggression und Gewaltbereitschaft vorherrschen. Feindschaft wie Rachgier führen letzten Endes in die Katastrophe und fordern drei Menschenleben: Riff wird von Marias Bruder Bernardo, dem Anführer der Sharks, im Zweikampf erstochen, Tony übt Vergeltung, indem er Bernardo tötet. Als Opfer einer Intrige wird Tony am Ende des Stückes vor Marias Augen erschossen. Erst als ihre Trauer um den Geliebten in Mitleidlosigkeit umzuschlagen droht, erkennen die Jugendlichen die Folgen ihrer sinnlosen Gewalt.

Bis zum heutigen Tag erfreuen sich Bernsteins Melodien »Maria«, »Tonight« und » America« größter Popularität und sind im Gedächtnis seiner Fans ebenso fest verankert, wie die charakteristischen Tanzschritte der rivalisierenden Straßengangs. Der Regisseur und Choreograph Jerome Robbins, der Leonard Bernstein für die Komposition des Musicals begeistern konnte, gilt als Initiator des gesamten Projekts, in dem sich Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel auf höchstem Niveau ergänzen. Bernstein sprach sich dafür aus, die tragische Liebesgeschichte auf dem Hintergrund der Rassenproblematik zu entfalten und wählte als musikalischen Fingerabdruck für die Jets die Stilrichtung des Progressive Jazz, den er mit den lateinamerikanischen Rhythmen der Sharks kontrastierte bzw. im Fall der Zusammenkünfte zwischen Maria und Tony kombinierte. Meisterhaft gelang der Wechsel zwischen heiteren und tragischen Szenen, in denen das Schicksal der Jugendlichen verhandelt wird. Wenngleich die Geschichte im New York der 1950er-Jahre spielt, so ist die Brisanz von Ressentiments zwischen ethnisch unterschiedlichen Gruppen sowie ein aus Chancenlosigkeit, Frust und Ablehnung resultierendes Gewaltpotential unter Jugendlichen für unsere heutige Gesellschaft nicht von der Hand zu weisen.

Musikalische Leitung: Joseph R. Olefirowicz
Inszenierung: Matthias Davids
Choreographie: Simon Eichenberger
Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Susanne Hubrich
Licht: Susanne Reinhardt
Dramaturgie: Steffi Mieszkowski

Songs in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln und deutschen Dialogen

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 16.12.2017, 19:30 |
Do, 21.12.2017, 19:30 |
Sa, 23.12.2017, 19:30 |
Mi, 27.12.2017, 19:30 |
Fr, 29.12.2017, 19:30 |
So, 31.12.2017, 19:30 |
Fr, 2.3.2018, 19:30 |

La Traviata

Oper von Giuseppe Verdi

Libretto von Francesco Maria Piave, nach dem Drama »La Dame aux Camélias« (1852) von Alexandre Dumas d. J., nach seinem gleichnamigen Roman (1848)

»sola! Abbandonata!« – »Allein und verlas­sen«: Das sind die Worte, mit denen Violetta Valéry sich selbst beschreibt, nachdem ihr zum ersten Mal in ihrem Leben eine Liebes­erklärung unter die Haut gegangen ist. Al­lein und verlassen – tatsächlich ist das The­ma der Einsamkeit von Anfang an ebenso bestimmend für Verdis Oper wie die Krank­heit und der Tod. Denn die Liebe scheint in diesem Werk eine monologische zu sein: Kein wirkliches Liebesduett findet zwischen Violetta und Alfredo statt, auch in der be­haupteten Idylle des zweiten Aktes erleben wir die Figuren in ihrer Glücksbeschreibung nur getrennt voneinander. Befremdlich schnell lässt Violetta sich außerdem auf die Forderung Giorgio Germonts ein, seinen Sohn aus moralischen Gründen zu verlassen. Ja, fast wirkt es, als exerziere Violetta am eige­nen Leib ein Liebesmartyrium, das eine leb­bare Liebe gar nicht erlaubt. Violetta führt uns den Prozess einer Entmaterialisierung vor, an deren Ende nicht nur ihr Tuberkulose­tod, sondern vielmehr ihre Stilisierung zum Engel steht; einem Engel, der für die Idee der Liebe gestorben ist. »Die Lungenwunde ist nur ein Sinnbild, Sinnbild einer emotionalen Wunde«, hatte Franz Kafka anlässlich seiner Tuberkulose­erkrankung in sein Tagebuch notiert. Wie sehr auch Giuseppe Verdi an einer Fokus­sierung auf die »emotionale Wunde« interes­iert war – und wie sehr er sich damit von Alexandre Dumas’ handfester Milieuschilde­rung entfernte –, zeigt schon die Ouvertüre: Von gläserner, fragiler transparenz, einem Röntgenbild vergleichbar, nimmt sie das Todesmotiv des dritten Aktes vorweg und sug­geriert somit von Anfang an den tödlichen Ausgang des Werks. Die Sekundreibungen offenbaren bereits hier den schmerzhaften Konflikt, der in Violetta gärt. Verdi macht keinen Hehl daraus, dass seine Bearbeitung der Dame aux camélias eine musikalische Seelenbeschreibung, eine Reise ins innere von Violetta Valéry ist. Folgerichtig geht auch das »Außen« im laufe der Oper immer mehr verloren. Die Chöre, die Gesellschaft, die »Anderen«, mutieren zu Chimären, die nur noch aus der Ferne zu Violetta dringen. Die Kontaktaufnahme mit der Welt ist miss­lungen; Violettas einzig wirklicher Partner ist der Gesang.

Musikalische Leitung: Gregor Bühl
Inszenierung: Benedikt von Peter
Bühne: Katrin Wittig
Kostüme: Geraldine Arnold
Licht: Susanne Reinhardt
Choreinstudierung: Dan Ratiu
Dramaturgie: Sylvia Roth

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Di, 9.1.2018, 19:30 |
Fr, 12.1.2018, 19:30 |

Der Liebestrank

Oper von Gaetano Donizetti

Komische Oper in zwei Akten (1832)
Libretto von Felice Romani

Sie verjüngt die Alten, kuriert die Kranken, verleiht den Ängstlichen Mut, lässt die Schwachen erstarken und beseitigt »alle Mängel der Natur«. Die gepriesene Wunderdroge aus Donizettis Opera buffa sorgt auf der Handlungsebene für allerlei Verwirrung und inspirierte den Belcanto-Komponisten zu einer seiner erfolgreichsten Opern. Die kurzweilige musikalische Komödie weiß die Zuschauer bereits ab den ersten Klängen der Ouvertüre zu begeistern und steht Rossinis Barbier von Sevilla hinsichtlich ihrer Virtuosität und Komik in nichts nach.

Der naive, aber bedingungslos liebende Nemorino verzehrt sich ohne jede Aussicht auf Erfolg nach der schönen, gebildeten Gutsbesitzerin Adina. Er hört von dem sagenumwobenen Liebestrank, der Isoldes Hass auf Tristan in zärtliche Gefühle zu wandeln vermochte. Eine hervorragende Gelegenheit für den reisenden Quacksalber Dulcamara, um dem unglücklich Verliebten eine Flasche Bordeaux anzudrehen, mit der Behauptung, es handele sich hierbei um den berühmten Trank. Nemorinos Heiterkeit, sein aufkeimendes Selbstbewusstsein, das mit einer gespielten Gleichgültigkeit Adina gegenüber einhergeht, verunsichert die bislang distanzierte Schöne. Um den sonst so Anhänglichen zu provozieren, schenkt Adina dem protzigen Sergeant Belcore ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit und willigt sogar in eine baldige Heirat ein. Zeitgleich erfährt die gesamte weibliche Dorfbevölkerung – mit Ausnahme Adinas –, dass der bislang verschmähte Nemorino inzwischen reich geerbt hat. Als der Unwissende plötzlich von zahllosen Damen umgarnt wird, regt sich in Adina Eifersucht, und nach einiger Überwindung gesteht auch sie ihm gegenüber ihre tief empfundene Zuneigung. Nemorino kann sein Glück kaum fassen. Dulcamara hat rasch eine passende Erklärung zur Hand: Allein sein Liebestrank hat das Paar vereint! Der Liebestrank stammt, wie auch Lucia di Lammermoor, Don Pasquale und Die Regimentstochter, aus der zweiten Schaffensphase Donizettis. Aubers Oper Le philtre als Vorlage für dramaturgischen Aufbau wie Figuren heranzuziehen, erwies sich als ebenso gute Wahl wie Vincenzo Bellinis Librettisten Felice Romani für die Erstellung des Textbuches zu verpflichten.

Gaetano Donizettis komische Oper sprüht geradezu vor kompositorischen Einfällen: bewusster Einsatz von Koloraturen zur Illustration eines vermeintlich kapriziösen Wesens, von Pauken und Trompeten untermalte Überheblichkeit, eine im Parlando- Stil verdeutlichte Geschwätzigkeit des nimmermüden Dulcamara. Die bekannteste Nummer, Nemorinos Romanze »Una furtiva lagrima«, Ausdruck seiner Melancholie sowie seiner Liebessehnsucht, zählt zu den Glanznummern eines jeden lyrischen Tenors. Donizetti beweist einmal mehr seine Erfindungsgabe in der Verquickung seines Melodienreichtums mit gewitzter, musikalischer Charakterisierung, die sich in eine psychologisch fein ausgesponnene Handlung einfügt.

Musikalische Leitung: Daniel Klein
Inszenierung: Tobias Ribitzki
Bühne: Florian Parbs
Kostüme: Rebekka Zimlich
Licht: Elana Siberski
Choreinstudierung: Dan Ratiu
Dramaturgie: Steffi Mieszkowski

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Di, 30.1.2018, 19:30 |
Sa, 10.2.2018, 19:30 |
Mi, 14.2.2018, 19:30 |

Hänsel und Gretel

Märchenoper von Engelbert Humperdinck

Libretto von Adelheid Wette

Das bekannte Märchen der Brüder Grimm als große Oper: Humperdincks erfolgreichstes Werk erfreut seit über hundert Jahren groß und klein. Und seit 1964 öffnet sich jedes Jahr um Weihnachten herum der Vorhang für die Inszenierung von Steffen Tiggeler, die mittlerweile Kultstatus erlangt hat. Auch in diesem Jahr müssen die armen Kinder des Besenbinderehepaares wieder in den Wald, um Beeren zu sammeln. Dabei verirren sie sich und geraten in die Fänge der Hexe, die sie mästen und braten will. Geschickt gelingt es aber Hänsel und Gretel, im letzten Augenblick die Hexe selbst in den Ofen zu stoßen. Und dann erleben die Kinder eine Überraschung... Ihre große Beliebtheit verdankt die idyllische Märchenoper nicht zuletzt der Mischung aus spätromantischer Orchestersprache und schlichten Volksliedern wie »Suse, liebe Suse« oder »Ein Männlein steht im Walde«.

Musikalische Leitung: Siegmund Weinmeister
Inszenierung: Steffen Tiggeler
Kinderchor: Dan Ratiu

Ort:

Opernhaus

Termine:

Do, 14.12.2017, 11:00 |
Do, 14.12.2017, 18:00 |
Fr, 15.12.2017, 11:00 |
Fr, 15.12.2017, 18:00 |
So, 17.12.2017, 18:30 |
Mo, 18.12.2017, 11:00 |
Mo, 18.12.2017, 18:00 |
Mo, 25.12.2017, 18:30 |
Sa, 30.12.2017, 19:30 |

Manon Lescaut

Oper von Giacomo Puccini

Nach der eher bescheidenen Resonanz, die seine beiden Opernerstlinge Le Villi und Edgar fanden, stürzte sich Puccini für seine dritte Oper auf einen Stoff, dessen Wahl seinem Verleger Giulio Ricordi höchst riskant erschien. Denn die 1731 publizierte Geschichte des Chevalier Des Grieux und der Manon Lescaut von Abbé Prévost diente schon 1884 Jules Massenet als Sujet seiner Oper Manon, die sehr populär war. Puccini lief somit Gefahr, mit dem bereits als Opernkomponist etablierten Massenet in Konkurrenz zu treten, und Ricordi beschwor seinen Schützling deshalb, von dem Plan abzulassen. Puccini war jedoch von der Geschichte so begeistert, dass er sich schließlich durchsetzte, wobei er demonstrativ auf Distanz zu seinem Kollegen ging, dessen Werk er vorwarf, es behandle das Thema auf typisch französische Weise »mit Puder und Menuett«. Puccini aber strebte nach »verzweifelter Leidenschaft«; er wollte eine italienische Manon schaffen mit glutvollen Melodien und dramatischem Furor. Der Erfolg der Uraufführung 1893 in Turin gab Puccini Recht. Mit Manon Lescaut gelang ihm der internationale Durchbruch, und von vielen wurde Puccini seither als Erbe des alten Verdi gefeiert.

Im Mittelpunkt steht die fatale Liebesbeziehung zwischen dem Adeligen Des Grieux und der jungen Manon Lescaut, die von ihrer Familie ins Kloster geschickt wird. Als Des Grieux erfährt, dass Manons Reisebegleiter, der alternde Lebemann Geronte, die Entführung des jungen Mädchens plant, kommt er diesem zuvor und brennt seinerseits mit Manon durch. Doch Manon liebt auch den Luxus, den ihr Des Grieux auf Dauer nicht bieten kann, und so kehrt sie zu Geronte zurück, allerdings ohne Des Grieux vergessen zu können. Der Zwiespalt zwischen Liebe und Reichtum wird ihr zum Verhängnis, als sie ein zweites Mal mit Des Grieux fliehen will, beim Einsammeln der Juwelen aber erwischt und als Diebin verhaftet wird. Vor ihrer Deportation nach Übersee erhält der verzweifelte Des Grieux die Einwilligung des Schiffskapitäns, Manon begleiten zu dürfen. Im fremden Land angekommen, sind die beiden Liebenden verelendet und erneut auf der Flucht durch die Wüste. Manon ist zu Tode erschöpft, und als Des Grieux kein Wasser findet, stirbt sie.

Musikalische Leitung: Ivan Repušić
Inszenierung: Olivier Tambosi
Bühne: Frank Philipp Schlößmann
Kostüme: Gesine Völlm
Licht: Susanne Reinhardt
Choreinstudierung: Dan Ratiu
Dramaturgie: Klaus Angermann

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termin:

Di, 9.1.2018, 19:30 |

Don Carlo

Oper von Giuseppe Verdi

Oper in vier Akten (1867/1884)
Libretto von François Joseph Pierre Méry und Camille Du Locle

Verdis fast zwanzig Jahre umfassende Arbeit an seinem »Don Carlo« zeugt nicht zuletzt vom großen Interesse des Komponisten an der Komplexität der von ihm geschaffenen Figuren, an den vor allem in Schillers Vorlage propagierten humanistischen Idealen und den damit verbundenen politischen Dimensionen von Stoff und Handlung.
Denn das Spanien unter Philipp II. wird in Verdis Oper zum Sinnbild eines totalitären Staates, die Inquisition zum Urbild eines Systems der Spitzel und Denunzianten. Private Gefühle haben in dieser Ordnung keinerlei Chance auf Entfaltung, sondern werden rücksichtslos politischen Interessen untergeordnet. Ein offenes Wort ist schlichtweg lebensgefährlich. Über allem und jedem schwebt das Damokles-Schwert der Inquisition. Selbst der König wird innerhalb der festgefügten Machtordnung zum ausführenden Organ, am Ende überantwortet er sogar den eigenen Sohn dem Scharfrichter.
Ein derartiges System aber kann nur zur Deformation der in ihm lebenden Menschen führen. Begrifflichkeiten wie »Wahrheit« und »Lüge« verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung, wenn »Wahrheit« den sicheren Tod und »Lüge« Schutz bedeuten kann. Der Bedrohung einer fortwährenden Bespitzelung gewahr, ändert sich notgedrungen auch das Verhalten der Menschen untereinander. Niemand traut seinem Gegenüber. Wer der eigenen zerbrechlichen Sicherheit gefährlich erscheint, wird denunziert und eliminiert. Freiheit, Liebe und Vertrauen sind die großen Utopien, denen sich jeder nur dann hingibt, wenn er sich unbeobachtet fühlt: Don Carlo träumt den Traum einer utopischen Liebe zu Elisabeth, Posa träumt von der Freiheit Flanderns – und selbst der scheinbar gefühllos agierende König Philipp sehnt sich nachts, allein und unbeobachtet, nach Liebe und menschlicher Wärme. Verdis Musik gesteht selbst dem über Leichen gehenden Herrscher eine ehrlich empfundene Sehnsucht zu, auch hier scheinen Begrifflichkeiten wie »Wahrheit« und »Lüge« nur mehr oberflächlich zu greifen. Gerade die in den Jahren 1882 – 84 entstandene, in Mailand uraufgeführte vieraktige Fassung des »Don Carlo« betont die klaustrophobische Ausweglosigkeit des die ganze Atmosphäre des Stückes im Verborgenen beherrschenden, letztlich gesichtslosen Machtapparates. Die Oper beginnt und endet im Kloster von San Yuste am Grab Karls V., Carlos Großvater. Und auch die Musik kehrt am Ende der Oper zurück zum Beginn, an dem ein unsichtbarer, bedrohlich wirkender Chor von der Bedeutungslosigkeit des Einzelnen und von angstvoller Unterwerfung spricht, der sich auch die Machthaber nicht entziehen können: »Karl der Fünfte ist nur noch Staub und Asche. Und seine stolze Seele zittert jetzt vor den Füßen des Herrn!«

Musikalische Leitung: Mark Rohde
Inszenierung: Christof Nel
Bühne: Roland Aeschlimann
Kostüme: Ilse Welter
Choreinstudierung: Dan Ratiu

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 28.1.2018, 18:30 |
Mi, 31.1.2018, 19:30 |
Fr, 9.2.2018, 19:30 |

Staatsoper Hannover

Niedersächsische Staatstheater Hannover

Opernplatz 1
D 30159 Hannover

Telefon: +49 (0)511-9999 00
Fax: +49 (0)511 9999-2980

Schauspielhaus
Prinzenstr. 9
30159 Hannover
Tel.: 0511 9999 00 (Zentrale)

ballhof eins
Ballhofstr. 5
30159 Hannover

ballhof zwei
Knochenhauerstraße 28
30159 Hannover

Cumberlandsche Galerie
Prinzenstraße 9
30159 Hannover