STAATSOPER HANNOVER - OPER

Spiezeit 2009/10

Il viaggio a Reims

Die Reise nach Reims
Oper von Gioacchino Rossini

Dramma giocoso in un atto (1825)
Libretto von Giuseppe Luigi Balocchi

Premiere am 10. April 2010

Zwölf Personen aus ganz Europa sitzen fest und kommen einfach nicht weiter! Stattdessen pflegen sie ihre Spleens und Neurosen, wie etwa die schon in jungen Jahren verwitwete Gräfin von Folleville, die sich voll und ganz der Haute couture verschrieben hat und einen Nervenzusammenbruch erleidet, als sie erfahren muss, dass ihr gesamtes Gepäck mit all den darin befindlichen Designer-Modellen bei einem Verkehrsunfall vernichtet wurde. Die polnische Marquise Melibea hingegen, »Witwe eines italienischen Generals, der am Hochzeitstag bei einem feindlichen Überraschungsangriff starb«, hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Sie wird sowohl von dem russischen General Graf von Libenskof als auch von dem spanischen Admiral Don Alvaro heftigst umworben. Stammen die beiden Herren im Hinblick auf ihre geographische Herkunft von zwei weit entfernten Polen des europäischen Kontinents, so sind sie doch in ihren geradezu pubertären Anfällen von Eifersucht kaum voneinander zu unterscheiden. Da äußert sich die zarte Leidenschaft des englischen Oberst Lord Sidney für die berühmte römische Improvisationskünstlerin Corinna wesentlich leiser, oder – um es genau zu sagen – gar nicht! Denn der arme Lord ist so schüchtern, dass er sich nicht ermannen kann, der Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Der mit Corinna befreundete Literat und Wissenschaftler Don Profondo wiederum interessiert sich nicht für Frauen, sondern für absurde Antiquitäten – vom Schwert des sagenhaften keltischen Königs Fingal bis zur Ritterrüstung von König Arthus. Kein Kostverächter ist hingegen der französische Offizier Belfiore, der allen Frauen, besonders aber der modeversessenen Gräfin Folleville, den Hof macht.

Wem angesichts all dieser Absurditäten schon der Kopf schwirrt, den wird die rasante und quirlige Musik dazu vollends schwindlig machen. Denn was vom Handlungsaufbau her fast wie ein Stück von Beckett oder Ionesco wirkt, hat kein anderer als der Meister der Opera buffa, Gioacchino Rossini, in Noten gesetzt. Mit »Il viaggio a Reims« schrieb er seine letzte italienische Oper und schuf damit Krönung und Abschluss zugleich: Mit der Meisterschaft seines in 15 Jahren und über 30 Werken erworbenen Könnens zog Rossini in der ihm eigenen humorvollen Weise Bilanz, nicht zuletzt über die Gattung Oper an sich. Zugleich aber empfahl er sich damit für seinen neuen Wirkungsort Paris. Denn der Anlass der Uraufführung war ein ganz besonderer: die Krönung von Charles X. am 29. Mai 1825 in Reims! Genau dahin wollen denn auch die Protagonisten der Oper so dringend und doch erfolglos abreisen. Und indem Rossini die besonderen Umstände nutzte und die Stars des Théâtre Italien in einer Oper vereinte, schrieb er einmal mehr eine Oper über die Oper, in der sich die Wirklichkeit von Opernallüren und Diven-Gehabe auf ganz eigentümliche Weise mit der Fiktion der seltsam »gefangenen«, spleenigen Reisenden verwob.

Musikalische Leitung: Gregor Bühl
Inszenierung: Matthias Davids
Bühnenbild: Marina Hellmann
Kostüme: Leo Kulaš
Chor: Dan Ratiu
Dramaturgie: Ulrich Lenz

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Do, 8.4.2010, 18:30
Sa, 10.4.2010, 19:30 | Premiere
Do, 15.4.2010, 19:30
Sa, 17.4.2010, 19:30
Di, 20.4.2010, 19:30
Fr, 30.4.2010, 19:30
Fr, 7.5.2010, 19:30
So, 9.5.2010, 18:30
Mi, 2.6.2010, 19:30
Mi, 23.6.2010, 19:30

Anatevka

Musical von Jerry Bock

Musical in zwei Akten (1964)
Buch von Joseph Stein nach dem Roman Tewje der Milchiger von Scholem Alejchem
Gesangstexte von Sheldon Mayer
Orchestration von Donald John Walker
Deutsch von Rolf Merz und Gerhard Hagen

Tradition ist alles in dem kleinen Dörfchen Anatevka. Tevje, der Milchmann, ist fest davon überzeugt, dass die Welt in Ordnung ist, so lange alles seinen geregelten Gang geht. Doch seine Töchter sehen das anders und beginnen, die altbewährten jüdischen Bräuche zu unterlaufen: Nicht die pragmatische Heiratsvermittlerin Jente soll die Ehen schmieden, sondern allein die Liebe: Zeitel verlobt sich ohne Einwilligung des Vaters mit einem armen Schneider, Hodel verliebt sich in einen revolutionären Studenten und Chava taucht mit dem Christen Fedja unter. Wie sehr Tevje auch hadert und vorwurfsvoll das Gespräch mit seinem Gott sucht - aufhalten kann er das Fortschreiten des Neuen nicht.

Aber da ist noch etwas anderes, das Tevjes heile Welt bedroht und seinen Himmel zunehmend schwärzer färbt. Das Leben in Anatevka wird durch antisemtische Hetzparolen zerstört, die Gewalt gegen Juden nimmt zu, Pogrome werden initiiert, an deren Ende die Vertreibung aus der Heimat steht. "Vielleicht", so meint Tevje, als er Abschied nimmt von seinem Anatevka, "tragen wir deshalb immer einen Hut auf dem Kopf."

Niemand hätte vor der Uraufführung 1964 damit gerechnet, dass die Dramatisierung jiddischer Geschichten nach Scholem Alejchem (1859-1916) für die Musicalbühne so begeistert aufgenommen werden würde. Doch die Mischung aus augenzwinkernder Chuzpe und ernsthaftem historischem Hintergrund, die Lebenswärme der Figuren, die farbig instrumentierte, von chassidischer Folklore inspirierte Musik und natürlich Songs wie "Wenn ich einmal reich wär", brachten Anatevka zahlreiche Auszeichnungen und einen langanhaltenden Erfolg auf den Bühnen dieser Welt ein. Ein packendes, melancholisch-heiteres Stück über die Auflösung einer jüdischen Dorfgemeinschaft, über das Abschiednehmen, aber auch über die Liebe zum Leben und den Kampf darum. Denn schließlich geht es allen Figuren in Anatevka wie Marc Chagalls berühmtem Geiger auf dem Dach, der sich auch in schwindelerregenden Lebenssituationen neuen Mut erspielt: "Jeder versucht, einen schönen Ton zu kratzen, ohne sich dabei das Genick zu brechen."

Musikalische Leitung: Toshiaki Murakami / Lutz de Veer
Inszenierung: David Mouchtar-Samorai
Bühne: Heinz Hauser
Kostüme: Urte Eicker
Choreographie: Otto Pichler
Chor: Dan Ratiu
Dramaturgie: Sylvia Roth

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 27.3.2010, 19:30
Do, 27.5.2010, 19:30
Sa, 5.6.2010, 19:30

Idomeneo

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

Dramma per musica in tre atti (1781)
Libretto von Giambattista Varesco nach dem Libretto von Antoine Danchet
für die Tragédie-lyrique Idoménée (1712) von André Campra
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Auf der Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg gerät Idomeneo, König von Kreta, in einen heftigen Seesturm und schließt, um sein Leben zu retten, einen Pakt mit Poseidon: Wenn der Meeresgott die Winde beruhige, würde Idomeneo ihm den ersten Menschen opfern, der ihm an Land begegne. Doch der erste Mensch, den Idomeneo trifft, ist sein Sohn Idamante. Damit bricht für den kretischen König der Sturm, dem er nur knapp entronnen ist, im eigenen Innern los: Kann Poseidon wirklich von ihm verlangen, den eigenen Sohn zu morden? Wem ist er mehr zu Gehorsam verpflichtet – den Göttern oder seiner väterlichen Liebe? Lassen sich die Götter überlisten? Wer sind sie, dass sie grausamer sind als die Menschen selbst?

Vom Meer und seinen überbordenden emotionalen Wellen werden außer Idomeneo auch die anderen Figuren des Werkes herumgeworfen: Der junge Idamante, der sich zum ersten Mal in seinem Leben verliebt hat und an der harschen Zurückweisung durch den Vater fast zerbricht; die trojanische Prinzessin Ilia, die zu den Kriegsgefangenen gehört und ausgerechnet den Sohn des Feindes, Idamante, liebt; und die Emigrantin Elettra, die die ganze Rachsucht ihrer blutigen Atridenfamilie zu repräsentieren scheint und dabei doch vor allem gegen ihre bodenlose Einsamkeit kämpft. Keine dieser Figuren wagt es, die eigene Verzweiflung mitzuteilen, alle tragen ihre seelischen Nöte mit sich selbst aus. Erst am Ende beruhigen sich die Stürme der Gefühle, und die Liebe siegt – die Liebe zweier junger Menschen, die sich mit ihrer rückhaltlosen Hingabe füreinander über die brachiale Autorität der alten Welt hinwegsetzen und damit den herrschenden egoistischen Mächten ein Ende bereiten.

Im Herbst des Jahres 1780 begann Wolfgang Amadeus Mozart die Arbeit an seiner Oper, die der Münchner Hof beauftragt und ihm dafür das Sujet um den Krieger Idomeneo vorgeschrieben hatte. Mit großer Leidenschaft und unkonventionellem Blick näherte sich der Komponist diesem alten mythischen Stoff und schmiedete ihn in intensiver Auseinandersetzung mit dem Librettisten zu einem packenden musikalischen Drama. Es entstand eine Oper, die die starre Nummerndramaturgie aufbricht und sich einem fließend durchkomponierten Ganzen nähert, eine Oper, die Orchesterklänge zu Gehör bringt, die in ihrer Abgründigkeit bereits den Don Giovanni und das Requiem vorwegnehmen – eine Oper, die in ihrer Musik unaufhörlich und kraftvoll das Meer entfesselt, von dem im Libretto die Rede ist.

Musikalische Leitung: Martin Haselböck / Toshiaki Murakami
Inszenierung: Philipp Himmelmann
Bühne: Elisabeth Pedross
Kostüme: Petra Bongard
Chor: Dan Ratiu
Dramaturgie: Sylvia Roth

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 12.3.2010, 19:30
Fr, 19.3.2010, 19:30
Mi, 24.3.2010, 19:30

Macbeth

Giuseppe Verdi

Melodramma in quattro atti (1847)
Libretto von Francesco Maria Piave, Ergänzungen von
Andrea Maffei, nach The Tragedy of Macbeth (1606)
von William Shakespeare
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Macbeth mordet den Schlaf. Seinen eigenen und den der anderen. Ein unstillbares inneres Begehren treibt ihn, ein Begehren nach der absoluten Macht, nach dem Königsthron von Schottland. Die Prophezeiung der Hexen hat dieses Begehren nicht erst wecken müssen, die schamlos bösen Wesen haben lediglich benannt, was längst vorhanden war. In dem Moment jedoch, in dem der Wunsch gesprochenes Wort ist, drängt er zur Verwirklichung. Und damit bricht sich eine unaufhaltsame mörderische Dynamik Bahn. Macbeth bringt König Duncan um, und auch Banco, der zu viel weiß, muss aus dem Weg geräumt werden. Gemeinsam mit seiner Frau bildet Macbeth ein sich komplementär ergänzendes Täterpaar, dessen Motor nichts anderes ist als innere Leere. Liebe scheint es in dieser Verbindung nicht zu geben, sexuelles Verlangen entsteht nur beim Gedanken an die Macht. Doch der private Zustand des Paares wird zum politischen: Der Terror, den Macbeth und die Lady verbreiten, greift in immer weiteren Kreisen um sich, bis das ganze Land davon erfasst ist. Am Ende liegt die Welt zerbrochen, »tutto è finito«. Macbeth hat nicht nur den Schlaf gemordet, sondern auch die Zukunft.

»Macbeth ist mir lieber als meine anderen Opern«, hatte Giuseppe Verdi bereits 1847, im Jahr der Komposition, seinem Schwiegervater Antonio Barezzi gestanden. Tatsächlich hat er sich mit diesem Werk innerhalb seines frühen Schaffens in einer Entschiedenheit artikuliert, die einem künstlerischen Durchbruch gleichkommt. Bereits in den heftigen Auseinandersetzungen mit dem Librettisten Francesco Maria Piave, dessen Arbeit Verdi zutiefst kritisierte, hatte er seine Anschauungen genauer formuliert als je zuvor. »Poche parole, stile conciso.« – »Wenig Worte, knapper Stil«, lautete seine lapidare Forderung nach Klarheit von schärfster Brutalität. Die direkte Expressivität, der ungeschliffene Ausdruck, den Verdi für den Macbeth-Stoff suchte, gipfelte in der berühmten Äußerung: »Ich will, dass die Lady hässlich ist, mit rauher, erstickter, hohler Stimme. Es darf absolut nicht gesungen werden.« Ein Plädoyer zugunsten der ungeschönten, authentischen Darstellung, das sich nicht auf eine bloße ästhetische Stellungnahme reduziert, sondern den Inhalt der gesamten Oper umreißt: In Macbeth zielt Verdi auf den Abgrund im Menschen. Folgerichtig verlieren auch die Hexen ihren Status als Fabelwesen und werden zur Personifikation des verdrängten Bösen. Verdi entlässt den Menschen nicht aus seiner Verantwortung, nein, er benennt den Urheber der self-fulfilling prophecy: Das Individuum selbst ist es, das sich sein Schicksal strickt.

Musikalische Leitung: Lutz de Veer
Inszenierung: Frank Hilbrich
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Olaf Habelmann
Chor: Dan Ratiu
Dramaturgie: Sylvia Roth

Chor und Extrachor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Ort:

Opernhaus

Termine:

Do, 25.3.2010, 19:30
So, 28.3.2010, 16:00
Mi, 31.3.2010, 19:30
So, 11.4.2010, 18:30
Mi, 14.4.2010, 19:30
Fr, 23.4.2010, 19:30
Sa, 8.5.2010, 19:30

Rigoletto

Oper von Giuseppe Verdi

Die Uraufführung von Verdis Rigoletto 1851 in Venedig begründete den Weltruhm des Komponisten. Mit seiner Mischung aus packender Dramatik und bestrickender Melodienseligkeit eroberte das Werk die Opernwelt im Sturm. Den Titelhelden, Hoffnarr des Herzogs von Mantua, ereilt das Schicksal, vor dem er sich mit allen Mitteln zu schützen suchte: Der Herzog entführt Rigolettos Tochter Gilda. Der Rache des Vaters fällt in tragischer Verwicklung nicht der feudale Verbrecher, sondern die geliebte Tochter zum Opfer.

Musikalische Leitung: Ivan Repušić
Inszenierung: Karsten Wiegand
Bühnenbild: Bärbl Hohmann
Kostüme: Moritz Junge
Dramaturgie: Albrecht Puhlmann
Chor: Dan Ratiu
Abendspielleitung: Charles Ebert

Ort:

Opernhaus

Termine:

Do, 29.4.2010, 19:30 | Wiederaufnahme
Di, 4.5.2010, 19:30
Mi, 12.5.2010, 19:30
So, 16.5.2010, 16:00
Di, 25.5.2010, 19:30
Sa, 29.5.2010, 19:30
So, 6.6.2010, 18:30

Erwin, das Naturtalent

Musiktheater von Mike Svoboda

Libretto von Manfred Weiß
nach Motiven von Volker Kriegels Erzählung Erwin mit der Tröte
für alle ab 10 Jahren

Auf einer paradiesischen Insel irgendwo im blauen Ozean ist Erwin zu Hause: Jeden Tag feiert er mit seinen Freunden, den Dschanglkings, eine Party. Er liebt Kokosnüsse, seine Hängematte und das Mädchen Rosa, und er singt für sein Leben gern unter der Dusche. Doch als ein Audiologe auf die Insel kommt, wird alles anders. Professor Hoggins hört Erwin singen, entdeckt dessen Naturtalent und verspricht ihm ein neues, aufregendes Leben in der Ferne. Da rollt Erwin seine Hängematte zusammen und verlässt die Insel gemeinsam mit dem Professor. Eine glänzende Karriere steht ihm bevor: ein Star, von den Mädchen geliebt, von den Massen umjubelt. Doch bald fehlen die alten Freunde. Erwin vermisst Rosa, der Rummel wird erst lästig, dann unerträglich: Die Insel ruft, und Erwin pfeift auf Karriere, Berühmtsein, Scheinwerfer und kreischende Fans. Er will Rosa und die Dschanglkings wiedersehen und endlich wieder Olanna-Schnitzel aus dem Urwald essen.

Mike Svoboda wurde selbst auf einer Insel mitten im Pazifik geboren, wuchs in Chicago auf und lebt seit einigen Jahren in Deutschland. Heute ist er, der 2008 mit dem Praetorius-Preis des Landes Niedersachsen in der Kategorie »Musikinnovation« ausgezeichnet wurde, nicht einfach »nur« gefragter Posaunist und Komponist. Svoboda ist tatsächlich ein »Musikinnovator«, der mit Witz und Kreativität außergewöhnliche Projekte ins Leben ruft. Die unterschiedlichsten Komponisten prägten ihn – von Karlheinz Stockhausen, Peter Eötvös und Helmut Lachenmann bis hin zu Frank Zappa. Erwin, das Naturtalent – modernes Märchen und bissige Satire auf den medialen Hype der Starkultur zugleich – ist ein fetziges und freches, von Jazz, Pop, Musical und Avantgarde inspiriertes Musiktheater.

Musikalische Leitung: Andrea Sanguineti
Inszenierung: Heidi Mottl
Bühne und Kostüme: Friedrich Eggert
Chreographie: Sabine Bartosch
Chor: Andrea Sanguineti
Dramaturgie: Dorothea Hartmann

Extrachor und Jugendchor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Ort:

Ballhof eins

Termine:

Do, 11.3.2010, 19:30
Do, 22.4.2010, 19:30
Mi, 5.5.2010, 18:00

Der Kaiser von Atlantis

oder die Tod-Verweigerung
Viktor Ullmann

Spiel in einem Akt (1943)
Text von Peter Kien

Lange hat Kaiser Overall von Atlantis sich vor der Welt verkrochen, jetzt kehren seine Lebensgeister zurück und münden in einen Schrecken erregenden Plan: Der »große, segensreiche Krieg aller gegen alle« ist es, den Overall verkünden lässt. Glorreicher Anführer dieses monströsen Feldzugs soll der Tod persönlich sein – doch der Tod weigert sich, mit Overall zu kollaborieren, er will selbst entscheiden, wann er wem das Leben raubt. Schon kurze Zeit später bekommt Overall zu spüren, dass der Sensenmann am längeren Hebel sitzt: Man meldet die eigentümliche Nachricht, dass das Sterben gestorben sei. Weder schwer verwundete Soldaten noch standrechtlich erschossene Widerständler seien umzubringen, der Tod trete einfach nicht ein. Overalls Pläne sind damit durchkreuzt, sein Krieg ist entwaffnet und ad absurdum geführt. Denn welchen Sinn hat eine Schlacht ohne Tote?

1942 wurde der tschechische Komponist Viktor Ullmann, Schüler von Arnold Schönberg und Assistent von Alexander Zemlinsky, ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er über zwanzig Opern für die von der SS ins Leben gerufenen »kulturellen Vorzeigeprojekte« schrieb. Darunter auch Der Kaiser von Atlantis, ein Werk, das 1943 zu einem Libretto des ebenfalls inhaftierten Peter Kien entstand, jedoch nach der Generalprobe verboten wurde. Zu eindeutig waren die Parallelen zwischen dem größenwahnsinnigen Kriegstreiber Overall und der menschenverachtenden Politik Adolf Hitlers, zu offensichtlich die Bezüge zwischen dem Untergang des sagenumwobenen Atlantis und der Situation des Deutschen Reiches. Mit ihrem schlicht als »Spiel in einem Akt« bezeichneten Stück hatten Ullmann und Kien eine Moritat geschrieben, wie sie zynischer und desillusionierender nicht seinkonnte. Hoffnung ist in dieser Oper nur noch als Zerrbild existent – in der absurden Gestalt des streikenden Todes. In den wenigen Momenten, in denen der schützende Zynismus abgelegt wird, bricht die wahre Verzweiflung der Autoren durch. Dann etwa, wenn der Harlekin am Ende der Oper die Frage stellt: »Bin ich noch ein Mensch?«

Ullmann hatte durch sein künstlerisches Schaffen versucht, auch im KZ ein Mensch zu bleiben, doch Rettung gab es für ihn nicht. 1944 wurden er und Peter Kien in Auschwitz ermordet, Der Kaiser von Atlantis kam erst 1975 zur Uraufführung. Mit dieser Oper, in der Stilelemente der Commedia dell‘Arte, des Kabaretts und des Jazz auf Versatzstücke der geistlichen Kantate und des Chorals treffen, ist uns ein Zeitdokument erhalten, das die Gräueltaten der Nationalsozialisten auf so scharfe und zugleich unpathetische Weise karikiert, dass es bis heute ins Mark trifft.

Musikalische Leitung: Toshiaki Murakami
Inszenierung: Stefan Otteni
Bühne und Kostüme: Anne Neuser
Choreographie: Emma Jane Morton
Chor: Dan Ratiu
Dramaturgie: Dorothea Hartmann

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

© Video Viktor Ullmann

Ort:

Ballhof eins

Termine:

Mi, 17.3.2010, 19:30
So, 28.3.2010, 19:30
So, 11.4.2010, 19:30

My Fair Lady

Frederick Loewe

Musical in zwei Akten (1956)
Buch und Gesangstexte von Alan Jay Lerner,
nach dem Stück Pygmalion (1912)
von George Bernard Shaw
Deutsch von Robert Gilbert

Wenn Eliza Doolittle eines weiß, dann wo ihr Mundwerk sitzt. Ob frei Schnauze oder frei von der Leber weg – sie redet halt nun mal gern. Und davon abgesehen gehört Kommunikation auch zu ihrem Geschäft, denn als Straßenverkäuferin kriegt man die Ware nur mit viel Worten an den Mensch. Nun kommt da aber einer daher, der es wagt, Elizas Sprache zu kritisieren, zu korrigieren, zu analysieren, zu zensieren: Higgins nennt er sich, Professor. Auf seinem Sockel thront die reine Hochsprache, die angeblich nicht nur die Türen zum perfekten Ausdruck, sondern auch zum sozialen Aufstieg öffnet. Obwohl sie sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, beginnen die von Higgins ebenso arrogant wie unaufgefordert geäußerten Behauptungen in Eliza zu gären. Es ärgert und reizt sie zugleich, sich auf ein Experiment einzulassen, in dessen Zentrum die Wette steht, ob sie dank bestechend klarer Artikulation als Dame in nobler Gesellschaft bestehen kann. Festgeschnürt an der Kandare heißt es nun, Tag und Nacht Vokale zu kauen, Konsonanten zu spucken und Umgangsformen zu schlucken.Dabei sind die fürchterlichsten Hürden die Blüten, die nirgends so grün grünen wü ün Spünüen.

Der antike Mythos des Künstlers Pygmalion, der sich die ideale Frau aus Stein formt, um sie schließlich zum Leben zu erwecken, stand Pate für George Bernard Shaws Stück Pygmalion, das wiederum als Vorlage für das 1956 entstandene Musical von Frederick Loewe diente. Bei Shaw und Loewe ist der Künstler zum fanatischen Wissenschaftler mutiert, der seine Disziplin, die Phonetik, für göttlich hält – meint er doch, damit Menschen neu erschaffen zu können. Ein unerschütterlicher Glaube an die Bildung scheint sich hier zu positionieren. Nicht mehr die Kleider machen die Leute, nein, die Sprache kreiert den Menschen. Doch die Botschaft greift tiefer, denn letztlich entpuppt sich auch die Sprache als austauschbare Äußerlichkeit: Was das Wesen eines Menschen ausmacht, ist auch bei Shaw und Loewe der innere Kern.

My Fair Lady, eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten, beinhaltet mehr als das Märchen, das den Aufstieg vom schmutzigen Blumenmädchen in die High Society dekliniert. Auch wenn der soziale Sprengstoff im 21. Jahrhundert entschärft ist, birgt das Werk genügend andere explosive Fragen: Bleibt ein Mensch er selbst, auch wenn er sich freiwillig umformen lässt? Welchen Idealbildern streben wir nach? Und was opfern wir, um diesen Bildern gerecht zu werden? Vielleicht mehr als nur die Farben unseres Dialekts. Vielleicht unsere Individualität.

Musikalische Leitung: Siegmund Weinmeister
Inszenierung: Bernd Mottl
Bühnenbild: Friedrich Eggert
Kostüme: Nicole von Graevenitz
Choreographie: Otto Pichler
Chor: Dan Ratiu
Dramaturgie: Sylvia Roth

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 13.3.2010, 19:30
Do, 18.3.2010, 19:30
So, 21.3.2010, 16:00
Fr, 16.4.2010, 19:30

'Wir spielten für und um unser Leben' - Musik in Theresienstadt II

Coco Schumann - Eine Jazzlegende im Ballhof

Ein Abend mit Coco Schumann, Mitglied der legendären »Ghetto-Swingers« in Theresienstadt. »Ich bin Musiker. Ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZler, der Musik macht. Ich habe viel zu sagen. Die Richtung ist klar: Back to the roots, in jene Welt, in der meine Seele zu Hause ist, in den Swing. Wer den Swing in sich hat, ob er im Saal steht oder auf der Bühne, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren.« (Coco Schumann)

Coco Schumann, einer der wenigen noch aktiven Jazzmusiker in Deutschland, die bereits in den 30ern ihre ersten musikalischen Erfahrungen sammelten, erzählt aus seinem Leben und bringt gemeinsam mit seiner Band den Ballhof Eins zum Swingen.

Mit dem Coco Schumann Quartett
Moderation Dorothea Hartmann

Ort:

Ballhof Eins

Termin:

Di, 16.3.2010, 19:30

Poetry Slam 'Zungenbrecher'

Niedersachsens größter Poetry Slam!

Das gab es hier noch nie: Erstmals im Opernhaus wetteifern Dichter und Dichterinnen aus ganz Deutschland live und rasant um die Gunst des Publikums! Poetry Slam heißt der Wettbewerb, bei dem es Zungenbrecher, Textstakkatos und Silbensaltos hagelt und das Publikum über den besten Beitrag des Abends entscheidet!

Poetry Slam ist eine literarische Wettbewerbsform, bei der DichterInnen mit selbst verfassten Texten innerhalb eines Zeitlimits gegeneinander antreten. Die Textform ist frei wählbar: Ob Geschichte, Gedicht, A Capella-Rap, dadaistisches Lautpoem oder gänzlich improvisiert – allein das gesprochene Wort zählt. Gestandene Autoren messen ihre Werke mit den Ergüssen von Jungspunden, zarte Mädchen brüllen den Club zusammen und harte Kerle rühren zu Tränen: all dies kann passieren. Das Publikum bildet die Jury und entscheidet darüber, wessen Beitrag am Mitreißendsten war.

Es geht darum, literarisches Talent zu beweisen, etwas zu sagen zu haben, vortrefflich erzählen zu können oder fantastisch zu performen. Gut, Literatur kann man nicht bewerten. Aber wir tun's trotzdem.

Dabei sind: Sebastian 23 (Bochum), Philip Scharrenberg (Stuttgart), Julius Fischer (Leipzig), Florian Cieslik (Köln), Nora Gomringer (Bamberg), Marlene Stamerjohanns (Wilhelmshaven), Tobias Kunze (Hannover), Kersten Flenter (Hannover), Henning Chadde (Hannover), Jan Egge Sedelies (Hannover).

Preise: 7 Euro / erm. 4 Euro. (auch für Besucher der vorangehenden Vorstellung von »My Fair Lady«)

Ort:

Opernhaus

Termin:

So, 21.3.2010, 19:30

Tanzstadt Hannover II - Plakatieren verboten

Oster-Tanz-Tage 2010

Ausstellungseröffnung

Ort:

Laves-Foyer

Termin:

Fr, 26.3.2010, 18:00 | Ausstellungseröffnung

Parlando bei Laves 23:

Swantje Gostomzyk im Gespräch mit Monika Walerowicz

Einmal im Monat lädt Pressesprecherin Swantje Gostomzyk auf das Sofa im Laves-Foyer. Vorgestellt werden Mitglieder des Ensembles im persönlichen Gespräch über ihre Arbeit in Hannover, über Oper und Tanz. Wie sind sie hierher gekommen? Was begeistert sie, was treibt sie an? Der Termin zum Kennenlernen!

Ort:

Laves-Foyer

Termin:

Mi, 21.4.2010, 19:30

Niedersächsische Staatstheater Hannover GmbH

Opernhaus

Opernplatz 1
30159 Hannover

Telefon: +49 (0)511-9999 00
Fax: +49 (0)511 9999-2980

Schauspielhaus
Prinzenstr. 9
30159 Hannover
Tel.: 0511 9999 00 (Zentrale)

ballhof eins
Ballhofstr. 5
30159 Hannover

ballhof zwei
Knochenhauerstraße 28
30159 Hannover

Cumberlandsche Galerie
Prinzenstraße 9
30159 Hannover