Schloss Ambras

Schloss Ambras liegt weithin sichtbar oberhalb von Innsbruck in Tirol und zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt. Seine kulturhistorische Bedeutung ist untrennbar mit der Persönlichkeit Erzherzog Ferdinands II. (1529-1595) verbunden, der als echter Renaissancefürst die Künste und Wissenschaften förderte. Er begründete die bereits zu seinen Lebzeiten weltberühmten Ambraser Sammlungen und ließ dafür eine eigens konzipierte Museumsanlage errichten – eine Art Urform heutiger Museen.

Die Präsentation im Unterschloss versucht, das Museum des Erzherzogs zu rekonstruieren: seine Kunst- und Wunderkammer, die Rüstkammern sowie das Antiquarium.

Im Hochschloss befindet sich die außergewöhnliche Porträtgalerie der Habsburger mit über 200 Bildnissen, unter anderem von Künstlern wie Lukas Cranach, Tizian, van Dyck und Velázquez.

Im Erdgeschoß des Hochschlosses ist die Sammlung spätmittelalterlicher Bildwerke untergebracht.

Sonderausstellung

DRESDEN & AMBRAS: Kunstkammerschätze der Renaissance

Eine Ausstellung des Grünen Gewölbes und der Sammlung in Schloss Ambras

Do, 14.6.2012 | Eröffnung

Do, 14.6.2012 - So, 23.9.2012

Splash!

Das Bad der Philippine Welser

Fr, 30.3.2012 - Sa, 30.6.2012

Das Bad von Schloss Ambras wird traditioneller Weise mit Philippine Welser (1527–1580), der nicht standesgemäßen Ehefrau von Erzherzog Ferdinand II., in Verbindung gebracht. Als eine der wenigen erhaltenen privaten Badeeinrichtungen aus dem 16. Jahrhundert stellt es ein einzigartiges Kulturdenkmal dar. Der Schwitzraum mit dem Ofen für die Wassererwärmung und das Wannenbad mit dem 1,5 m tiefen, verzinnten Kupferbecken zeugen von der hoch entwickelten Badekultur in der frühen Neuzeit. Im Zuge der Recherchen zur Ausstellung konnten neue Erkenntnisse über die raffinierte technische Ausstattung von Wasserleitungen und Ofenbau gewonnen werden. Das holzvertäfelte Ankleidezimmer ist mit Fresken von Diana im Bade und dem Jungbrunnen geschmückt. Bildliche Darstellungen von Badeszenen aus dem Bereich der Mythologie sowie solche aus dem Alltagsleben sind Beispiele für das in der Renaissance aufgekommene Interesse am nackten Körper. Wannenbäder wurden gerne mit Musik, Speis und Trank kombiniert und dokumentieren damit, dass „Wellness“ – wenn auch nicht unter diesem Begriff – bereits vor 500 Jahren hoch geschätzt wurde. Neben den neu adaptierten Baderäumen sowie ausgewählten Gemälden und Graphiken werden auch kostbare Accessoires und Hygieneartikel wie ein perlenbesetzter Badehut, Kämme aus Schildpatt, kunstvoll geschnitzte Zahnstocher, Ohrlöffelchen, Zungenspatel und anderes mehr gezeigt.

Gebadet wurde aber nicht nur zur Reinigung und zum Vergnügen, sondern auch zu Heilzwecken. Anwendungen mit Schröpfköpfen, Zahnbehandlungen, Aderlass und Trinkkuren wurden zumeist im Bad durchgeführt. Philippine Welsers Arzneimittelbuch sowie ihr rekonstruierter und neu angelegter Kräutergarten geben Einblick in die damalige Volksmedizin, in der sich alte Traditionen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Aberglauben mischten. Dementsprechend zeigt die Ausstellung beispielsweise historische chirurgische Instrumente und eine Sehbrille neben Alraunen und einem Bezoar.

Zu Objekten aus den Sammlungen von Schloss Ambras und den Beständen des Kunsthistorischen Museums, Wien kommen Leihgaben aus dem Apothekenmuseum Winkler in Innsbruck, dem Archäologischen Museum Hall sowie der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol.

Sammlungen

Die Rüstkammern

Erzherzog Ferdinand II. war der erste, der seine Rüstkammern als Sammlung nach einem klaren Konzept aufbaute. Sein Ziel war es, die historische Rolle der Habsburger hervorzuheben und an die hervorragenden Taten berühmter Personen zu erinnern. Wie noch niemand vor ihm erwarb er ganz systematisch Rüstungen, Waffen und Porträts von berühmten Feldherren. Zum ersten Mal in der Geschichte des Sammlungswesens überhaupt berücksichtigte er bei der Präsentation auch ästhetische Gesichtspunkte wie Licht und Farben. Sensationell neu war auch sein bebildertes Inventar - der erste Museumskatalog der Geschichte.

Die heutige Aufstellung versucht die Zielsetzung Erzherzog Ferdinands anschaulich zu machen, ist aber nicht ident mit der ursprünglichen Präsentation. Zu den Highlights gehören unter anderem seltene Turnierharnische, Prunkrüstungen für höfische Feste, Rüstungen berühmter Feldherrn und nicht zuletzt auch Ferdinands II. Türkenkammer, die einerseits die Furcht vor den Türken und andererseits die Begeisterung für den Orient im 16. Jahrhundert dokumentiert.

Die Kunst- und Wunderkammer

Die Kunst- und Wunderkammern der Renaissance sind enzyklopädische Universalsammlungen, die das gesamte Wissen der Zeit erfassen. Die Sammlung enthält daher nicht nur herausragende Kunstwerke wie das Tödlein, sondern auch wissenschaftliche Gegenstände wie den Aufsatz mit Kompass, Objekte aus fernen Ländern wie die „Ryukyu-Schale", rare Produkte der Natur, Porträts von Menschen, die als „Wunder" galten wie der Haarmensch, und nicht zuletzt auch faszinierende Spiele und ungewöhnliche Musikinstrumente.

Die Ambraser Sammlung ist die einzige am Ort erhaltene manieristische Kunstkammer und daher von unschätzbarem Wert. Die heutige Aufstellung folgt den Intentionen Erzherzog Ferdinands soweit als möglich. Er hatte seine Sammlung in 18 deckenhohen Kästen präsentiert. Objekte, die aus demselben Material - z.B. Elfenbein, Holz, Koralle - gefertigt waren, wurden unabhängig von Herkunft und Thema jeweils in einem Kasten vereint. Die Kästen selbst waren innen ausgemalt, und die jeweilige Farbe bildete so mit den Materialien eine farbästhetisch gelungene Einheit: z.B. Gold vor Blau, Holz vor Rot, Stein vor Grün.

Die Habsburger Porträtgalerie

Die Porträtgalerie umfasst mehr als 200 Bildnisse, u.a. Gemälde von Lukas Cranach, Tizian, Anton van Dyck und Diego Velázquez. Die meisten Habsburger und zahlreiche andere Herrscher sind mit Porträts vertreten - u.a. Kaiser Maximilian I., Kaiser Karl V., König Philipp II. von Spanien, die junge Maria Theresia und Sultan Süleiman der Prächtige. Eine Besonderheit sind die zahlreichen Kinderporträts wie etwa das Rubens zugeschriebene Bildnis der dreijährigen Eleonora Gonzaga.

Keine andere Familie hat die Geschichte Europas über die Jahrhunderte so sehr geprägt wie die Habsburger. Vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert stellten sie viele Kaiser und Könige und waren mit fast allen bedeutenden europäischen Dynastien verwandt oder verschwägert. Die Porträtgalerie bietet nicht nur einen Rundgang durch die Geschichte eines europäischen Herrscherhauses, sondern verschafft zugleich einen einzigartigen Überblick über die höfische Porträtmalerei von der Spätgotik bis zum Klassizismus.

Die Porträtgalerie befindet sich im Hochschloss, wo zur Zeit Ferdinands II. die Wohnräume lagen.

St. Nikolauskapelle

Die wechselhafte Geschichte der St. Nikolauskapelle von Schloss Ambras reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Das heutige Erscheinungsbild der Kapelle geht aber auf das 19. Jahrhundert zurück, als der Statthalter von Tirol, Erzherzog Karl Ludwig (1832–1896), die schadhaften Wandmalereien des 16. Jahrhunderts abschlagen ließ und eine allgemeine Neugestaltung in Auftrag gab. Mit ihrer künstlerisch wertvollen Gestaltung durch August von Wörndle (1867) stellt die Kapelle im Schloss ein wichtiges Bindeglied vom Mittelalter über die Renaissance bis zur jüngeren Vergangenheit dar.

Im Kapellenvorraum wird der Kapellenschatz präsentiert: bis ins 14. Jahrhundert zurückgehende Ablassbriefe, wertvolle gotische Skulpturen, kostbares Augsburger Kirchensilber und seltene, reich bestickte Messgewänder aus dem 16. Jahrhundert.

Die Kapelle soll nicht nur musealen Zwecken dienen: Neben Taufen und Hochzeiten lässt die Pfarrgemeinde Amras auch die für viele Jahre unterbrochene Tradition einer jährlichen Sankt-Nikolaus-Messe wieder aufleben.

Der Spanische Saal

Der Spanische Saal zählt zu den schönsten freistehenden Saalbauten der Renaissance. Er wurde 1569–1572 nach den Vorstellungen Erzherzog Ferdinands II. als Festsaal errichtet. Die Gestaltung des 43 m langen Saales ist bestimmt von 27 ganzfigurigen Porträts der Tiroler Landesfürsten, von Graf Albrecht I. von Tirol bis zu Erzherzog Ferdinand II. Sie stehen vor einem landschaftlichen Hintergrund, wodurch der Raum – in Entsprechung der gegenüberliegenden Fenster – nach beiden Seiten geöffnet scheint. Die Frieszone der Nord- und Ostwand zeigt stuckgerahmte, gemalte Ochsenaugen, wobei das Innere des Kreises in illusionistischer Art Himmel und Wolken wiedergibt. Auch hier wird eine architektonische Entsprechung zu den Ochsenaugenfenstern der Süd- und Westwand angestrebt.

Bestimmend für den festlichen Gesamteindruck des Saales sind auch die aus verschiedenen Holzarten zusammengesetzten Türen und die zum Teil vergoldete und ebenfalls intarsierte Holzkassettendecke.

Im Saal finden heute Veranstaltungen statt, u.a. Konzerte der Innsbrucker Festwochen Alter Musik.

Schloss Ambras

Schlossstraße 20
A-6020 Innsbruck

Telefon: +43 (0)1 525-244802 Info-Hotline
E-Mail: info.ambras@khm.at

Öffnungszeiten:
Täglich von 10 bis 17 Uhr.
Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahren.