Schloss Ambras

Schloss Ambras liegt weithin sichtbar oberhalb von Innsbruck in Tirol und zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt. Seine kulturhistorische Bedeutung ist untrennbar mit der Persönlichkeit Erzherzog Ferdinands II. (1529-1595) verbunden, der als echter Renaissancefürst die Künste und Wissenschaften förderte. Er begründete die bereits zu seinen Lebzeiten weltberühmten Ambraser Sammlungen und ließ dafür eine eigens konzipierte Museumsanlage errichten – eine Art Urform heutiger Museen.

Die Präsentation im Unterschloss versucht, das Museum des Erzherzogs zu rekonstruieren: seine Kunst- und Wunderkammer, die Rüstkammern sowie das Antiquarium.

Im Hochschloss befindet sich die außergewöhnliche Porträtgalerie der Habsburger mit über 200 Bildnissen, unter anderem von Künstlern wie Lukas Cranach, Tizian, van Dyck und Velázquez.

Im Erdgeschoß des Hochschlosses ist die Sammlung spätmittelalterlicher Bildwerke untergebracht.


Sammlungen

Neuaufstellung der Türkenkammer

Schloss Ambras besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen von Gegenständen osmanischer Herkunft aus dem 16. Jahrhundert, die von Erzherzog Ferdinand II. in der „Türkenkammer“ – einem eigenen Raumabschnitt innerhalb der Rüstkammern – präsentiert wurden. Die Sammlung, die der Erzherzog zusammentrug, entsprach einer an europäischen Fürstenhöfen dieser Zeit weit verbreiteten „Türken-mode“ und umfasste orientalische und orientalisierende, in Europa gefertigte Objekte.

Im 16. Jahrhundert war das Osmanische Reich eine ständige Be-drohung für das christliche Abendland. Dennoch brachte man ihm auch größte Bewunderung aufgrund der hervorragenden technischen Kriegsführung und seiner Kunst und Kultur entgegen. Es war diese Ambivalenz aus Furcht und Faszination, die europäische Fürsten wie Erzherzog Ferdinand II. dazu bewog, eine eigene erlesene Sammlung an „Turcica“ anzulegen. Die dort präsentierten Gegenstände waren eine Reminiszenz an die kriegerischen Auseinandersetzungen zwi-schen Habsburgern und Osmanen, deren Reich sich bis an die habs-burgischen Grenzen ausdehnte. Auch Erzherzog Ferdinand II. selbst führte 1556 eine militärische Expedition gegen den „Hauptfeind der Christenheit“ in Ungarn an. Unter seinem Kommando konnten die eingeschlossene Festung Sziget mit Proviant versorgt und die Belage-rer zurückgedrängt werden. Die Beutestücke aus diesem Feldzug und Gegenstände aus dem Türkenkrieg von 1566 fanden Aufnahme in seine „Türkenkammer“. Kostbare Sättel, Pfeile, Köcher und Reflex-bögen finden sich darin ebenso wie Säbel, Schilde und Helme. Andererseits gibt es auch Ausrüstungsstücke, die in Europa gearbeitet wurden: Sie wurden meist bei Turnieren, die im Rahmen von höfi-schen Festen veranstaltet wurden und der Kriegspropaganda dienten, verwendet. So sind in Ambras zahlreiche Gegenstände für das „Husarische Turnier“ erhalten geblieben, unter anderem eine Serie von Maskenvisieren, die der Physiognomie von Husaren und Mauren („Mohren“) nachempfunden sind. Die Husaren verkörperten dabei als christliche Ritter das Abendland und fochten gegen die Mauren, die das Morgenland und die zu unterliegende Partei symbolisierten.

Eine besondere Rarität hingegen ist eine Serie von Ledermosaiken, die kürzlich an der Universität für angewandte Kunst Wien, Institut für Konservierung und Restaurierung, untersucht und restauriert wurden. Sie zählen zu den einzig erhaltenen original osmanischen Objekten dieser Art und sind im ältesten Inventar der Ambraser Sammlungen von 1596 identifiziert. Somit stellen die Ambraser Ledermosaike einen wesentlichen und äußerst kostbaren Bestand des Museums dar.

Dank der großzügigen Unterstützung, die wir im Rahmen des im Dezember 2013 veranstalteten Fundraisingkonzerts Drei Kön´ge wandern aus Morgenland (Georg Lehner, Bariton, und Wolfgang Praxmarer, Laute) für die Neueinrichtung der Ambraser „Türken-kammer“ erhielten, konnten neue Spezialvitrinen, die den aktuellsten konservatorischen, sicherheitstechnischen und ästhetischen Standards entsprechen, angeschafft und damit der erste Teilabschnitt der „Türkenkammer neu“ abgeschlossen werden.

Ausstellungsgestaltung: Gerhard Veigel
Ausstellungsgrafik: Lothar Bienenstein

Die Post ist da!

Postmeisterporträts der Bordogna von Taxis

Das Kunsthistorische Museum Sammlungen Schloss Ambras verdankt Carlos Tasso de Saxe-Coburgo e Bragança eine großzügige Schenkung von zehn Postmeisterporträts aus dem Hause Taxis-Bordogna. Sie zeigen Mitglieder dieser Familie aus der Zeit vom frühen 16. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert. Darunter befinden sich auch die künstlerisch herausragenden Bildnisse von Lorenz I. Bordogna von Taxis aus dem Umkreis des lombardischen Malers Giovanni Battista Moroni (um 1525 – 1578) sowie das Bruststück der Maria Anna Taxis-Bordogna und Valnigra von Johann Baptist von Lampi (1751–1830), einem an den Fürstenhöfen des Frühklassizismus, so etwa in Dresden, Wien und St. Petersburg, gefeierten Porträtisten.

Der Name Taxis ist untrennbar mit der Geschichte des Post-, Transport- und Kommunikationswesens verbunden, im 18. Jahrhundert galt die Familie sogar als die „Erfinderin der Post“. Die aus Bergamo stammenden Taxis verstanden es zunächst, als Kuriere und Boten in Diensten der Päpste und der Republik Venedig ein neuartiges, effizientes Transportnetz zu etablieren. Aus der weiten Verzweigung der Familie ergab sich die Möglichkeit zum Aufbau eines europaweit tätigen Unternehmens. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte die durch Heirat entstandene Seitenlinie der Bordogna von Taxis ihren Firmensitz in Brixen, Bozen und Trient. Aufgrund ihres wirtschaftlichen und organisatorischen Geschicks waren die Angehörigen der Familie eng mit dem Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II., dem Begründer der Ambraser Sammlungen, verbunden und nahmen auch aktiv am Innsbrucker Hofleben des Renaissancefürsten teil. Wir treffen sie u. a. beim mystisch-ausgelassenen Ritus zu Ehren des antiken Weingottes in der Ambraser Bacchusgrotte sowie bei den Feierlichkeiten der 1580 von Ferdinand II. ausgerichteten Hochzeit seines Kämmerers Johann Lipsteinsky von Kolowrat.

Die Präsentation der Porträts von Mitgliedern der Familie Bordogna von Taxis wird durch kulturhistorisch relevante Leihgaben aus dem umfangreichen Familien- und Postarchiv der Freiherren und Grafen von Taxis-Bordogna (heute im Tiroler Landesarchiv) sowie durch solche aus dem Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg bei Kremsmünster bereichert. Zusammen mit Objekten aus den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums in Wien machen sie die Entwicklung und Geschichte des historischen Post- und Transportwesens in Tirol für den Besucher anschaulich erlebbar.

Die neue Dauerausstellung konnte dank der großzügigen Unterstützung der Österreichischen Post AG als Hauptsponsor realisiert werden. Sie wird in dem zur ältesten Bausubstanz des Ambraser Hochschlosses zählenden „Palas“ des Nordtraktes gezeigt. Die Temperierung dieses Teilbereichs im 1. Stock des Hochschlosses ermöglicht künftig auch die Besichtigung im Winter. Die Temperierung wurde durch die großzügige, langjährige Unterstützung des Innsbruck Tourismus und durch Zuwendungen des Landes Tirol ermöglicht.

Die Rüstkammern

Erzherzog Ferdinand II. war der erste, der seine Rüstkammern als Sammlung nach einem klaren Konzept aufbaute. Sein Ziel war es, die historische Rolle der Habsburger hervorzuheben und an die hervorragenden Taten berühmter Persönlichkeiten zu erinnern. Wie noch niemand vor ihm erwarb er ganz systematisch Rüstungen, Waffen und Portraits von berühmten Feldherren. Zum ersten Mal in der Geschichte des Sammelwesens berücksichtigte er bei der Präsentation auch ästhetische Gesichtspunkte wie Licht. Die Voraussetzung einer solchen Präsentation war die Einbeziehung des Publikums, zu dessen Freude und Belehrung der fürstliche Sammler alle Aspekte der Repräsentation seines Hauses entfaltete.

Die Aufstellung entspricht nicht mehr der ursprünglichen, insbesondere was die Menge aber auch die Raumabfolge anlangt. Sie ist in der Absicht entstanden, die ursprüngliche Zielsetzung anhand von einzelnen Exponaten aus der Sammlung Erzherzog Ferdinands anschaulich zu machen.

Der erste Saal thematisiert das Ritterspiel im 15. und 16. Jahrhundert sowie die Heldendarstellung. Der zweite Saal ist Ferdinands Selbstdarstellung gewidmet, war er doch leidenschaftlicher Veranstalter von höfischen Festen. Die dritte Rüstkammer enthält im Wesentlichen Gebrauchswaffen aus dem 17. Jahrhundert aus den Beständen des österreichischen Kaiserhauses. Die Decke des Saales zeigt auf Öl gemalte Allegorien der Sternbilder umgeben vom Band der Tierkreiszeichen und in den Zwickeln die vier Elemente.


Die Kunst- und Wunderkammer

Die Ambraser Sammlung von Erzherzog Ferdinand II. ist für die Geschichte des Sammelwesens ebenso wie als einzig am Ort erhaltene manieristische Kunstkammer von unschätzbarem Wert.

Die jetzige Aufstellung folgt den Intentionen des Landesfürsten und berücksichtigt dabei alte Inventare, welche die Gegenstände und ihre Anordnung beschreiben. Das älteste davon wurde 1596 anlässlich des Todes Ferdinands II. 1595 angefertigt.

Kunst- und Wunderkammern sind in der Renaissance als Universalsammlungen entstanden, die das gesamte Wissen der Zeit erfassen wollten. Die Sammler sahen sich als gottgleiche Schöpfer einer Welt im Kleinen. Ferdinand entwickelte für seine Sammlung eine besondere Art der Präsentation, bei der Objekte aus demselben Material unabhängig von ihrer Herkunft in ursprünglich 18 deckenhohen Kästen in der Mitte des Raumes gezeigt wurden.

Die Sammlung enthält neben der spätmittelalterlichen Skulptur aus Birnbaumholz, dem „Tödlein“ oder Drechselarbeiten aus Elfenbein nicht nur künstlerisch und handwerklich herausragende Stücke, sondern auch wissenschaftliche Gegenstände, Objekte aus fernen Ländern, etwa die „Ryukyu Schale“, sowie Musikinstrumente. Auch rare, exotische und außergewöhnliche Stücke der Natur und Porträts von Menschen die als „Wunder“ galten – wie etwa jene der Haarmenschen – wurden gesammelt.

Das Antiquarium diente zur Aufstellung antiker Skulpturen. In seinen Öffnungen sind 85 halbkreisförmige Nischen eingetieft, die mit Bildnisköpfen berühmter Persönlichkeiten des antiken Roms und mythologischen Darstellungen ausgestattet sind.


Glassammlung Strasser

Die Sammlung Strasser ist eine der weltweit bedeutendsten Glassammlungen. Sie wurde in mehr als 50-jähriger Sammeltätigkeit von Prof. Rudolf Strasser angelegt und umfasst insgesamt über 300 kostbare Gläser von der Renaissance bis zum Klassizismus aus den wichtigsten europäischen Glaserzeugungsgebieten wie Venedig, Hall, Innsbruck, Böhmen und Schlesien.

Im Jahr 2004 hat Rudolf Strasser seine Sammlung dem Kunsthistorischen Museum übereignet. Rund 60 Gläser werden seit März 2013 in der neu aufgestellten Wiener Kunstkammer gezeigt; der weitaus größere Teil der Sammlung ist jedoch als neu eingerichtete Dauerausstellung in Schloss Ambras zu bewundern. Hier erzählen die transparenten, farbigen sowie aufwendig dekorierten Pokale, Kelche, Stangengläser und Humpen die Geschichte und die Technik der Glaskunst.

Kaum ein Ort ist für die Präsentation besser geeignet als Schloss Ambras. Der Begründer der Ambraser Sammlungen, Erzherzog Ferdinand II. (1529 – 1595), besaß in Innsbruck eine eigene Hofglashütte und bezog darüber hinaus auch wertvolle Gläser aus der Glashütte in Hall, aus Böhmen und aus dem seit der Renaissance für die Glasherstellung berühmten Murano. Viele dieser Gläser sind heute noch in der Kunst- und Wunderkammer von Schloss Ambras erhalten.

Die Habsburger Porträtgalerie

Schloss Ambras ist wie kein anderer Ort für die Unterbringung der „Habsburger Porträtgalerie“ geeignet, legte doch Erzherzog Ferdinand II. neben seiner berühmten Kunst- und Wunderkammer und den Rüstkammern auch eine umfangreiche Porträtsammlung an. Teil dieser Sammlung waren Porträts berühmter Persönlichkeiten, die durch ihre Leistungen oder durch ihre Herkunft eine besondere Rolle in der Geschichte gespielt haben. Darüber hinaus hat sich auch in anderen Habsburger Residenzen wie Graz und Wien sowie in den kaiserlichen Schlössern eine große Anzahl von dynastischen Bildern erhalten, von denen eine bedeutende Auswahl heute ebenfalls in Ambras gezeigt wird.

Die Habsburger Porträtgalerie umfasst die Zeitspanne vom 14. bis 18. Jahrhundert, eine Zeit also, in der die Habsburger wie kaum eine andere europäische Herrscherdynastie die Geschicke Europas mitbestimmt haben und mit den wichtigsten Herrscherhäusern verwandt oder verschwägert waren. So findet man hier nicht nur Porträts der Habsburger wie Kaiser Maximilian I., Kaiser Karl V., König Philipp II. von Spanien und der jungen Maria Theresia, sondern auch von Mitgliedern anderer Herrschergeschlechter etwa Königin Elisabeth I. von England, der Wittelsbacher, Medici, Valois, u. a. m.

Der Rundgang durch die Galerie gestaltet sich als eine Reise durch die europäische Geschichte. Die Porträts spiegeln jedoch nicht nur die Heirats- und Bündnispolitik der Herrscherhäuser wieder, sondern auch die Kunst- und Kulturgeschichte der Epoche ihrer Entstehung. Eine weitere Besonderheit sind die vielen Kinderporträts, etwa das Peter Paul Rubens zugeschriebene Bild der dreijährigen Eleonora Gonzaga. Berühmte Maler standen im Dienst der Herrscherfamilien; so sieht man in Ambras Meisterwerke von Lucas Cranach d. J., Giuseppe Arcimboldo, Jakob Seisenegger, Hans von Aachen, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Diego Velázquez und anderen. In ihrem Umfang von rund 200 Bildern und ihrer künstlerischen Qualität ist die Habsburger Porträtgalerie in Schloss Ambras der National Portrait Gallery in London oder der historischen Porträtsammlung in Schloss Versailles ebenbürtig.

Aufgrund der Ausstellung „Habsburg Splendour“, die derzeit in den USA auf Tour ist, sind einige wichtige Kunstwerke der Sammlung in den kommenden Monaten nicht zu sehen.


Sammlung Gotischer Skulpturen

Vom Innenhof ausgehend gelangt man in den Erdgeschoß des Bergfrieds, der am Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Gemeinsam mit Teilen des Nordtrakts und der Kapelle gehört der Bergfried zum mittelalterlichen Bauabschnitt des Schlosses. Er diente als Wehrturm und bei Belagerung als sicherer Zufluchtsort.

Die gotischen Skulpturen stammen fast zur Gänze aus der Zeit Kaiser Maximilians I. Im 19. Jahrhunderts wurden die teils gefassten, teils roh belassenen Figuren gesammelt und ab 1880 im Schloss ausgestellt. Dabei stellt die Sammlung Tiroler, vom süddeutschen Kunstraum beeinflusste Werke, jenen aus dem niederösterreichischen Raum gegenüber. Das Hauptwerk ist der imposante Georgsaltar der im Auftrag Maximilians gefertigt wurde. Dieser Flügelaltar mit freistehenden Figuren wurde allansichtig gearbeitet, was auf die Raumfassung der Renaissance hinweist. Die Flügel des Altars zeigen die Heiligen Christophorus, Katharina, Barbara und Florian.

Schloss Ambras

Schlossstraße 20
A 6020 Innsbruck

Telefon: +43 (0)1 525-244802 Info-Hotline
E-Mail: info.ambras@khm.at

Öffnungszeiten:
Täglich von 10 bis 17 Uhr.
Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahren.