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Schauspielhaus

Das Staatstheater Kassel – Ein Theater mit Tradition

Das Staatstheater Kassel versteht sich mit seinen rund 500 festen Mitarbeitern als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt. 30 Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater, dazu die Sinfonie-, Sonntags-, Kammer-, Familien-, Schüler- und Sonderkonzerte bilden Jahr für Jahr das große Angebot. Darüber hinaus sorgt ein umfangreiches theater- und konzertpädagogisches Programm für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.

Kontakt

Schauspielhaus
Staatstheater Kassel
Friedrichsplatz 15
D-34117 Kassel

Telefon: +49 (0)561-10 94 - 0
E-Mail: info@staatstheater-kassel.de

Schauspiel

Moskitos

Lucy Kirkwood

Premiere: 30. August 2018

Shiva tanzt. Über sich den stahlblauen Himmel der Schweiz, unter sich, tief in der Erde, ein System aus Tunneln, die einen gigantischen Ring formen. Shiva tanzt, der indische Gott der Zerstörung, dessen zärtliche Gesten dem Kosmos die Auslöschung verheißen. Eine Statue im Herzen des Europäischen Kernforschungszentrums in Genf; und zu den Füßen des Hindu-Gottes der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. Hier jagen Forscher Trillionen von Partikeln durch die Betonröhren und lesen in den Kollisionen und Detonationen die geheime Schrift des Universums. Und so wie die Teilchen ineinanderprallen und Energien freisetzen, die Chaos und Ordnung, Zerfall und Schöpfung erzählen, so prallen zwei Schwestern aufeinander, Jenny und Alice, und dies ist ihre Geschichte: über einen zu genialen Sohn, über dem das Schicksal des ins quantenphysikalische Nirvana entschwundenen Vaters schwebt, eine Großmutter, einst brillante Physikerin, deren Geist aber unter den Fliehkräften der Demenz in Auflösung ist, über die tödlichsten Wesen der Welt, die Moskitos, und ein junges Mädchen, dem das Internet zur Rache dient. Und schließlich Jenny und Alice, Emotion und Ratio, die Angst vor der Wissenschaft und deren Faszination. Die Welt, wie wir sie erleben, ist nicht die Welt, wie sie ist, unsere Sinne erzählen nur Märchen, die uns zu Idioten machen – und gleichzeitig, das ahnte bereits Sokrates: Je mehr wir wissen, desto mehr Fragen produzieren wir und also desto weniger wissen wir. Das gilt für das Teilchen, das die Welt im Innersten zusammenhält, ebenso wie für die Menschen um uns herum. Denn Shiva tanzt.

Inszenierung: Thomas Bockelmann
Bühne: Mayke Hegger
Kostüme: Claudia González Espíndola
Sounddesign: Heiko Schnurpel
Video: Jan Peters
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen
Licht: Brigitta Hüttmann
Choreinstudierung: Maria Radzikhovskiy

Romeo und Julia

William Shakespeare

Premiere: 08. September 2018

Sie sind das bekannteste Liebespaar der Theatergeschichte. Ihre Liebe gilt als Inbegriff der heiß-kalten Leidenschaft, die größtes Glück und inniges Einverständnis mit dem eigenen Sterben vereint; zwei sehr gegensätzliche Zustände, die sich hochschaukeln, die am Ende fast zwangsläufig auf den Tod zusteuern. Romeo ist unglücklich verliebt in Rosalind und seine Freunde versuchen mit allerhand derbem Spott, ihn seiner Melancholie zu entreißen. Julia ist unter Druck, weil ihre Eltern sie fürsorglich und möglichst bald mit einem Prinzen verheiraten wollen. Und die Familien der beiden, die Montagues und die Capulets, pflegen eine rachsüchtige Familienfehde. Als Romeo und seine Freunde sich auf dem Maskenball bei den Capulets einschleusen, sieht er Julia zum ersten Mal – und sieht sie nicht, denn alle Gäste sind maskiert. Und dennoch: Beide trifft Amors Pfeil wie ein Blitz und sie sind verloren. Shakespeare, der weder die Liebe der Romantik noch unsere heutige Psychologie kannte, spielt in seinem Stück virtuos mit den literarischen Vorbildern. Die Liebe, die Shakespeare schildert, bezieht ihre Kraft durchaus noch aus dem literarischen Genre der mittelalterlichen Liebesdichtung, die dadurch ihre Schönheit erzielt, dass die Liebe umso heißer besungen wird, je unmöglicher sie faktisch ist. Und doch beschreibt er, rasend modern, wie sich die beiden Menschen aus ihren gesellschaftlichen Festlegungen herausarbeiten, wie ihr individuelles Gefühl ihnen die Kraft verleiht, die familiär und gesellschaftlich bestimmenden Ordnungen zu sprengen, den Diskurs über Freund und Feind, Mann und Frau, Schein und Sein, wie Wachs hinwegzuschmelzen. Kein Wunder, dass das tödlich endet.

Inszenierung: Johanna Wehner
Bühne: Benjamin Schönecker
Kostüme: Ellen Hofmann
Musik und musikalische Einstudierung: Felix Johannes Lange
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Oskar Bosman
Theater

Eines langen Tages Reise in die Nacht

von Eugene O'Neill

Niemand spricht es aus, aber die Sucht steckt tief in den Grundmauern des Hauses und lastet wie ein Fluch auf der Familie Tyrone. Mary Tyrone, gerade aus einer Entzugsklinik heimgekehrt, hat sich wegen ihrer Morphiumsucht behandeln lassen. Ihr Ehemann James Tyrone, ehemaliger gefeierter Schauspieler, ist habsüchtig, der älteste Sohn James trinkt und sein jüngerer Bruder Edmund, das Alter Ego des Autors, ist schwindsüchtig. Idylle und Lebenslügen treffen aufeinander, die Söhne lieben ihre Eltern, können sie aber nicht achten und machen sie für ihr Unglück verantwortlich. Als Edmund eine Tuberkulose- Diagnose erhält, bricht die sorgsam erhaltene Fassade langsam auf. Schließlich hat die Familie schon ein Kind an den Geiz des Vaters verloren. Eine Familiengeschichte ohne großes Drama, ohne gewaltsame Handlung und trotzdem liegt diesem Stück ein tiefes Unbehagen zugrunde, trotz des anfänglichen Sonnenscheins eines Augusttages, trotz der fröhlichen Bemühungen der ganzen Familie. Jeder kämpft gegen jeden, jeder ist an dem anderen schuldig geworden. Und jedes Familienmitglied ist abhängig. Ein Tag in der Familie Tyrone von acht Uhr morgens bis Mitternacht: Eugene O´Neill bediente sich für sein psychologisch-analytisches Drama an der eigenen Biografie und erschuf eine Familientragödie im antiken Sinne.

Inszenierung: Markus Dietz
Bühne: Ines Nadler
Kostüme: Henrike Bromber
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Brigitta Hüttmann
Theater

Ein Sommernachtstraum

von William Shakespeare

»Sei wie zu deinem Hund, verjag mich, schlag mich, vergiss mich, tritt mich, nur erlaube mir, Unwürdig, wie ich bin, dir nachzulaufen.«

Die süßesten Sachen, im Übermaß genossen, sagt Lysander, führen zu Überdruss und Ekel. So kann ein Traum die Welt eines Menschen einstürzen und eine neue für einen anderen entstehen lassen. Hermia liebt Lysander und Lysander liebt Hermia, aber ihr Vater möchte sie mit Demetrius verheiraten. Die bedrohten Liebenden fliehen in den Wald vor Athen; ein zweites Paar, von Anfang an überzeugt, niemals zusammenzufinden, folgt ihnen: Helena, die Demetrius liebt, der aber seinen Anspruch auf Hermia geltend machen will. Das Begehren aller vier wechselt in zerstörerischer Schnelligkeit immer wieder seine Richtung; die geliebte Person wird abstoßend, das Ungeliebte zum Ideal. Oberon und sein Gehilfe Puck bringen ein Liebeszaubermittel ins Spiel, das die Gefühle bis zum Wahnsinn steigert und zu Identitätszweifeln führt.

So ist die Sommernacht kein Paradies der wahren Liebe, in der Vernunft und Moral durch Leidenschaft und Begehren ersetzt werden, sondern vielmehr eine Hölle, die die vier jungen Menschen sich selbst geschaffen haben. Doch selbst die Götter dieser Welt, Titania und Oberon, sind in dieser Hölle gefangen, in der die Jahreszeiten umgekehrt werden und in der Götter menschliche Konflikte austragen. Jeder Protagonist wird dem anderen zum Ungeheuer, die Menschlichkeit wird abgelegt und Bestien treten hervor. Doch endet der Traum, wenn der Tag anbricht, und können Ordnung und Zivilisation den Paaren Heilung bringen? Denn die Verwandlungskraft der Liebe scheint zu gewaltig, um sie kontrollieren zu können und bringt auch zweifelhafte Wandlungen hervor …

Mit dem SOMMERNACHTSTRAUM inszeniert Laura Linnenbaum zum zweiten Mal am Staatstheater Kassel und untersucht in der raffinierten, mythenbesetzen Komödie den Wechsel von Licht und Schatten in unseren heutigen selbstzerstörerischen Leidenschaften und den ständig oszillierenden Selbstwert im Blick des Anderen.

Inszenierung: Laura Linnenbaum
Bühne: Daniel Roskamp
Kostüme: Ulrike Obermüller
Musik: Christoph Iacono
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Licht: Oskar Bosman
Theater

Die Orestie

von Aischylos

Erinnyen, Kinder der Nacht, die einmal begangene Gewalt immer und immer wieder rächen; Krieg, der stets neuen Krieg hervorbringt – wie lässt sich diese Spirale durchbrechen? In der Form der antiken Tragödie konnten die Bürger Athens solche Fragen gefahrlos durchspielen und dadurch die Folgen von menschlichem Handeln erleben – angesichts der Bedrohung durch allgegen-wärtige Kriege und der Erfordernis, sich als Gemeinschaft politisch klug zu verhalten, von unschätzbarem Wert.

Aischylos, der älteste der drei großen Tragiker, beschreibt in der ORESTIE die Überwindung des Atridenfluches, der auf Krieg stets neuen Krieg zeitigt. Bei den Dionysien des Jahres 458 v. Chr. hat er mit seiner dramatischen Neuformulierung des Mythos eine ungeheuere Wirkung erzielt.

Der Krieg um Troja ist zu Ende. Agamemnon, König von Mykene, kehrt nach zehn Jahren siegreich zurück. Doch seine Gattin Klytaimnestra bereitet nicht ein Fest vor, sondern ihre Rache. Agamemnon hatte nämlich auf Geheiß der Götter für seinen militärischen Erfolg ihre gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert. Klytaimnestra, die sich im Einklang mit göttlichem Recht fühlt, erschlägt ihren Gatten mit der Axt – gemeinsam mit ihrem Geliebten Aigisthos. Orest, Agamemnons Sohn, kehrt aus der Fremde nach Hause und beschließt, zusammen mit Elektra, seiner Schwester, seinerseits Rache zu üben. Er tötet Aigisthos und seine herbeieilende Mutter Klytaimnestra – und wird darauf von den Erinnyen, den Rachegöttinnen, heimgesucht. Die Göttin Athene – als Schutzgöttin der Stadt Athen zu Aischylos‘ Zeit mit überstrahlender Glaubwürdigkeit in diesem Götter- und Menschenzwist ausgestattet – schlägt am Ende ein gerichtsförmiges Verfahren vor, bei dem über Orests Strafe entschieden werden soll. Er wird freigesprochen. Damit ist die Wirkungsmacht des Fluches gebrochen.

Inszenierung: Johanna Wehner
Musik: Ole Schmidt
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Brigitta Hüttmann
Aufführungen / Theater Staatstheater Kassel Schauspielhaus Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Theater Staatstheater Kassel TIF Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Konzert Göttinger Symphonie Orchester Göttingen, Godehardstraße 19-21
Aufführungen / Theater BAC Theater Bad Arolsen Bad Arolsen/Wetterburg, Amselweg 50
Aufführungen / Konzert Arolser Barock-Festspiele Bad Arolsen, Große Allee 24
Touristik-Service Bad Arolsen
Aufführungen / Musical tic: Theater im Centrum Kassel, Akazienweg 24
Aufführungen / Theater Hessisches Landestheater Marburg GmbH Marburg, Am Schwanhof 68-72