STAATSTHEATER KASSEL - SCHAUSPIELHAUS

Spielzeit 2017/18

Ein Sommernachtstraum

von William Shakespeare

Premiere: 17. März 2018, Schauspielhaus

»Sei wie zu deinem Hund, verjag mich, schlag mich, vergiss mich, tritt mich, nur erlaube mir, Unwürdig, wie ich bin, dir nachzulaufen.«

Die süßesten Sachen, im Übermaß genossen, sagt Lysander, führen zu Überdruss und Ekel. So kann ein Traum die Welt eines Menschen einstürzen und eine neue für einen anderen entstehen lassen. Hermia liebt Lysander und Lysander liebt Hermia, aber ihr Vater möchte sie mit Demetrius verheiraten. Die bedrohten Liebenden fliehen in den Wald vor Athen; ein zweites Paar, von Anfang an überzeugt, niemals zusammenzufinden, folgt ihnen: Helena, die Demetrius liebt, der aber seinen Anspruch auf Hermia geltend machen will. Das Begehren aller vier wechselt in zerstörerischer Schnelligkeit immer wieder seine Richtung; die geliebte Person wird abstoßend, das Ungeliebte zum Ideal. Oberon und sein Gehilfe Puck bringen ein Liebeszaubermittel ins Spiel, das die Gefühle bis zum Wahnsinn steigert und zu Identitätszweifeln führt.

So ist die Sommernacht kein Paradies der wahren Liebe, in der Vernunft und Moral durch Leidenschaft und Begehren ersetzt werden, sondern vielmehr eine Hölle, die die vier jungen Menschen sich selbst geschaffen haben. Doch selbst die Götter dieser Welt, Titania und Oberon, sind in dieser Hölle gefangen, in der die Jahreszeiten umgekehrt werden und in der Götter menschliche Konflikte austragen. Jeder Protagonist wird dem anderen zum Ungeheuer, die Menschlichkeit wird abgelegt und Bestien treten hervor. Doch endet der Traum, wenn der Tag anbricht, und können Ordnung und Zivilisation den Paaren Heilung bringen? Denn die Verwandlungskraft der Liebe scheint zu gewaltig, um sie kontrollieren zu können und bringt auch zweifelhafte Wandlungen hervor …

Mit dem SOMMERNACHTSTRAUM inszeniert Laura Linnenbaum zum zweiten Mal am Staatstheater Kassel und untersucht in der raffinierten, mythenbesetzen Komödie den Wechsel von Licht und Schatten in unseren heutigen selbstzerstörerischen Leidenschaften und den ständig oszillierenden Selbstwert im Blick des Anderen.

Inszenierung: Laura Linnenbaum
Bühne: Daniel Roskamp
Kostüme: Ulrike Obermüller
Musik: Christoph Iacono
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Licht: Oskar Bosman

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Do, 15.3.2018, 19:30 | Voraufführung |
Sa, 17.3.2018, 19:30 | Premiere |
Fr, 23.3.2018, 19:30 |
Fr, 6.4.2018, 19:30 |

Merlin oder Das wüste Land

von Tankred Dorst

Am Ende von Tankred Dorsts Helden- und Weltepos kehren die heidnischen Gottheiten in das zerfallende, von Toten übersäte Reich des Königs Artus zurück: Die Utopien sind gescheitert. Von den Menschen heißt es retrospektiv: »Die wenigen Spuren ihrer Existenz blieben rätselhaft.«

Und doch hatte alles so schön begonnen: Merlin, der Zauberer, Scharlatan und Moralist, dessen Imagination den jungen und phantasielosen König Artus und seine kriegerischen Freunde verführte, die Tafelrunde zu gründen. Merlin, Sohn des Teufels, der blutige Schlachten und schaurig-schöne Romanzen inszeniert, in einer Welt, die ein fabelhaftes Mittelalter neben der nüchternen Gegenwart aufleben lässt. Merlin, der weise Clown, der aus Unsinn Sinn schaffen möchte und dem gelegentlich das Gegenteil besser von der Hand geht.
Tankred Dorst hat in seinem großen Text eine mythische Geschichte Europas von nahezu faustischer Dimension geschaffen, in dem der Traum eines friedlichen Zusammenlebens der europäischen Reiche ebenso kraftvoll auflodert, wie er am Ende wehmütig verglüht. Schuld am ganzen Untergang – ach, wenn es doch so einfach auch in der richtigen Welt wäre – ist die Liebe: Artus liebt Ginevra, Ginevra liebt Artus, sie sind ein perfektes Königspaar – doch als der »größte Ritter der Welt« Sir Lancelot auftaucht, verliebt sich Ginevra in ihn und er in sie. Ihre geheime Liebe irrlichtert durch die Zeiten, sie übersteht Schlachten, Politik und Verrat. Sie richtet aber auch das Artusreich symbolhaft und innerlich zugrunde wie der Wurmfraß den Apfel.

Inszenierung: Marco Štorman
Bühne: Demian Wohler
Kostüme: Bettina Werner
Musik: Moritz Löwe
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Oskar Bosman

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 28.3.2018, 19:30 |
Sa, 7.4.2018, 19:30 |
Fr, 13.4.2018, 19:30 |

eternal prisoner

Tanztheater: Zwei Stücke von Tom Weinberger und Johannes Wieland

Die Welt um uns verändert sich rasant. Was heute noch politisch deplatziert scheint, ist morgen bereits salonfähig, begleitet von Aggressionsformen eines neuen Populismus. Die Welt, die Gesellschaft steht Kopf, aber natürlich ist das eine Frage der Perspektive; wohin gehen wir? Oder sollte die Frage nicht besser lauten: Wohin wollen wir gehen? eternal prisoner – ein choreografisches, politisches Statement zum Status quo der Welt. Nicht mehr und nicht weniger. Leistet Widerstand und brecht aus! ETERNAL PRISONER – ein choreografisch-politisches Statement zum Status Quo der Welt:

Johannes Wieland analysiert in seinem Stück die Mechanismen von Selbstverwirklichung, während Tom Weinberger eine Landschaft choreografisch durchmisst, in der Begegnungen möglich werden. Er erforscht den unmittelbaren Akt des menschlichen Zusammenkommens in all seiner Intimität und Absurdität, aber auch die Zärtlichkeit und den Wahnsinn. So entsteht ein vielgestaltiger performativer Makrokosmos, dessen Struktur und Dynamik sich stets verändern.

wir alle lieben den frieden! wir alle lieben die gerechtigkeit! und vor allem lieben wir uns selbst! ich bin mir am nächsten. diese botschaft entspinnt sich als politisches statement und findet seine entsprechung in immer neuen eskalationsstufen egozentrischer charaktere und politischer macht. wir versuchen uns in den verschachtelten realitäten des hier und jetzt zu positionieren, sich einzurichten – gesellschaftlich, politisch und sozial. aber wie reagieren wir, wenn wir überfordert sind? geben wir auf oder kämpfen wir? (Johannes Wieland)

Inszenierung: Johannes Wieland / Tom Weinberger
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüme: Angelika Rieck
Soundediting: Donato Deliano / Matan Daskal
Dramaturgie und Produktionsleitung: Dr. Thorsten Teubl
Licht: Brigitta Hüttmann

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 10.3.2018, 19:30 |
Mi, 21.3.2018, 19:30 |

Ein idealer Mann

von Oscar Wilde

»Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.«

Brillant! Funkelnd! Witzig! Die neue Unsterblichkeit heißt Carpe diem. Alles fließt, wir sind flüssig, Tempo, Tempo, Freud lass nach, es lebe Epikur! Was sind schon die alten Fabriken aus Stahl und Beton: Silicon Valley, Brazilian Waxing, E-Mobility und der Teufel trägt schon lange nicht mehr bloß Prada. Ja, wer glaubt, Oscar Wilde wäre ein Mann des 19. Jahrhunderts, der irrt. Keiner hat wie er mit so viel schockierender Raffinesse unsere Welt gezeichnet, in der wir alle sein dürfen, was wir sein wollen – und niemand hat so maliziös den Drogenrausch unserer immer obszöneren Individualität beschrieben. DER IDEALE MANN ist eine glänzende Komödie über Leute, die das Spiel spielen, eine Kriminalstory über das Verhältnis von Wahrheit und Phantasma, psychologisch elegant wie Hitchcock und Tarantino, von einem Wortwitz, gegen den Twitter eine lahme Ente ist, und ein Tanz in den Halbschattenseiten unserer ach so aufgeklärten Zeiten. Der IDEALE MANN ist der Traum von einem Politiker, einem der Integren, Aufrichtigen, Engagierten, ja, von dem alle genau diese Rolle verlangen! Dessen Perfektion gar die Basis der Liebe der Frau ist, die er (leider?) aufrichtig liebt – und den seine Vergangenheit einholt, in Gestalt einer Vampirlady, die ihre Lust daran hat, die smartphone-glatten Spiegel zu zerstören. Eine Satire über moderne Ritter von der insgeheim traurigen Gestalt, über Erpressung, Korruption und prächtige Outfits, über moderne Frauen, die viel mehr über die Spielregeln der Freiheit wissen als die Zauberlehrlinge der Schöpfung – und einen Magier an diesem Königshof des Virtuellen: den Dandy. Den Mann, der (wenn keiner ihn beobachtet) sehr fleißig daran arbeitet, dass alle in ihm den Narren sehen, dessen Beruf die Eleganz ist: weil er an das Moralische der echten Schönheit glaubt; der weiß, dass in diesen geschmacklosen Zeiten nur exquisite Gleichgültigkeit die Maske des schlauen Menschen ist.

Inszenierung: Sarantos Zervoulakos
Bühne: Christian Kiehl
Kostüme: Su Bühler
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen
Licht: Oskar Bosman

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

So, 25.3.2018, 18:00 |
So, 1.4.2018, 19:30 |
Do, 12.4.2018, 19:30 |
So, 22.4.2018, 19:30 |

Heisenberg

von Simon Stephens

Wenn man ein Teilchen beobachtet, kann man entweder seinen Ort oder seine Geschwindigkeit genau messen. Der jeweils andere Wert verschwimmt. So lässt sich grob die Heisenberg’sche Unschärferelation zusammenfassen, die der deutsche Physiker Werner Heisenberg 1927 im Rahmen der Quantenmechanik formulierte. Dass auch in Beziehungen der forschende oder liebende Blick gelegentlich die scheinbar offensichtlichen Tatsachen übersieht; davon handelt die Geschichte von Alex, einem älteren Metzger, der seine Ruhe liebt, und Georgie, einer um einiges jüngeren Frau, die ihn eines Tages in einem Bahnhofscafé auf den Nacken küsst. Eine Verwechslung? Georgie überrumpelt Alex mit immer neuen Versionen ihrer Biografie. Sie sei Killerin, nein, Kellnerin. Sie sei nie verheiratet gewesen, habe keine Kinder. Ihr fast erwachsener Sohn lebe in Amsterdam. Für den scheuen Alex erscheint sie wie ein Wirbelsturm, gleichzeitig anziehend und gefährlich. Einerseits stört sie seinen akribisch geregelten Alltag, andererseits bemerkt er, dass ihm diese Störung nicht unwillkommen ist: eine Liebesbeziehung, die in ständig überraschenden Wendungen davon erzählt, dass ein Leben in jedem Augenblick eine Abzweigung ermöglicht, dass das Normale mitnichten normal ist, das Verrückte dagegen ganz logisch – kurzum, dass Menschen flirrende Wesen sind und ein Leben einfach nicht zu vermessen ist.

Inszenierung: Thomas Bockelmann
Bühne und Kostüme: Mayke Hegger
Musik: Heiko Schnurpel
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Oskar Bosman

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Fr, 23.2.2018, 19:30 |
So, 25.2.2018, 18:00 |
Do, 1.3.2018, 19:30 |
Fr, 9.3.2018, 19:30 |
Do, 22.3.2018, 19:30 |
So, 13.5.2018, 19:30 |

Prinz Friedrich von Homburg

von Heinrich von Kleist

»Das Kriegsgesetz, das weiß ich wohl, soll herrschen, jedoch die lieblichen Gefühle auch.«

»Kann ein denkender Mensch den Überzeugungen eines anderen trauen?« fragte im Sinne der Aufklärung 1799 Heinrich von Kleist in einem Brief seinen Mentor Ernst Martini, kurz vor seinem Austritt aus der preußischen Armee. »Ich sage ein denkender Mensch, und schließe dadurch alle Fälle aus, in welchem ein blinder Glaube sich der Autorität eines anderen unterwirft.« Kleist, aufgewachsen als Adliger und Offizierssohn, Preuße und Patriot, legte in seinem Leben alles an Rang und Namen ab und wurde zum Schriftsteller.
Sein letztes Drama Prinz Friedrich von Homburg von 1809 beginnt wieder bei Kleists Auseinandersetzung mit seiner Offizierslaufbahn: Der Prinz von Homburg, der sich in seinen Träumen als Kriegsheld und bekränzter Sieger sieht, steht vor einer entscheidenden Schlacht für den brandenburgischen Kurfürsten. Mit seinen Träumen beschäftigt, missachtet er dessen Befehl, greift zu früh in die Schlacht ein – und geht siegreich hervor. Der Kurfürst jedoch unterwirft ihn dem Kriegsrecht und verurteilt ihn zum Tode. Angesichts eines rein existenzvernichtenden und wenig ruhmvollen Todes, verfällt der Prinz in Angst, so dass er nur noch um sein Leben fleht. Seine Anwälte, die Prinzessin Natalie und seine Offiziere stehen kurz vor einer Meuterei, als der Kurfürst dem Prinzen eine schreckliche Freiheit gewährt: bei seinen Überzeugungen zu bleiben und zu sterben oder diese aufzugeben, um sein Leben zu retten. Sollen Gesetz und Autorität herrschen oder darf ein Untertan auch seinen eigenen Ansichten folgen?
Im 19. Jahrhundert war der intuitiv handelnde und unberechenbar träumende Soldat ähnlich fremd wie Kleist seinem Jahrhundert. Der Prinz begreift die Konsequenzen seines Handelns erst, als es schon zu spät ist. Bis zum Schluss bleibt Homburg ein Träumer, der den Glauben an den gerechten Fürsten, der sich von seinem Untertan eine Lektion in Menschlichkeit erteilen lässt, in die Wirklichkeit mitnehmen will.

Inszenierung: Schirin Khodadadian
Bühne: Philipp Nicolai
Kostüme: Ulrike Obermüller
Musik: Katrin Vellrath
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Licht: Brigitta Hüttmann

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 3.3.2018, 19:30 |
So, 11.3.2018, 19:30 |
Di, 27.3.2018, 19:30 |
Sa, 28.4.2018, 19:30 |

Die Ratten

Tragikomödie von Gerhart Hauptmann

Die Ratten bewohnen die alte Mietskaserne – vom Speicher, in dem der ehemalige Theaterdirektor Hassenreuter seinen Fundus lagert, bis in die ärmlichen Wohnungen darunter. Die Ratten sind die düstere Begleitmusik zu Hauptmanns Stück, in dem er in beinahe expressionistischer Diktion von der Putzfrau Henriette John erzählt, die sich, traumatisiert vom frühen Tod ihres Kindes, sehnlichst ein weiteres wünscht – und als die hochschwangere polnischstämmige Pauline Piperkarcka berichtet, dass sie nicht weiß, wie sie mit Kind ihr Leben schaffen will, bietet Frau John ihre Hilfe an: sie könne das Kind aufziehen und es vor der Welt und auch vor ihrem auswärts arbeitenden Mann als eigenes ausgeben. Das Kind kommt auf dem Dachboden besagter Mietskaserne zur Welt, Frau John nimmt es von Herzen in ihre Obhut – doch nach kurzer Zeit packt Piperkarcka die Reue. Sie bekommt Angst, die Behörden könnten sie belangen, weil sie das Kind nicht gemeldet hat. Frau John fürchtet nun, »ihr« Kind wieder zu verlieren und versucht das mit allen Mitteln zu verhindern. Sie beauftragt ihren Bruder Bruno Mechelke, die Konkurrentin einzuschüchtern und verstrickt sich zunehmend in Lügen, in die am Ende alle verwickelt sind. Auch Theaterdirektor Hassenreuter, für den Frau John den Fundus putzt. Der allerdings selbst etwas zu verbergen hat, denn er gibt nicht nur einigen Schauspielschülern oben unter dem Dach Unterricht, sondern trifft sich dort auch mit einer Geliebten. Dachboden und Sozialwohnung, Oben und Unten; bei Hauptmann sind sie gleichermaßen prekär. Denn obwohl bei Hassenreuter der gepflegte Idealismus des Künstlertums hochgehalten wird, scheitert doch auch er an den düsteren Gegebenheiten seiner unmittelbaren Realität. Die Ratten sind eben überall.

Inszenierung: Maik Priebe
Bühne und Kostüme: Susanne Maier-Staufen
Musik: Ole Schmidt
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Oskar Bosman

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

So, 15.4.2018, 19:30 |

Tschick

von Wolfgang Herrndorf

Es sind Sommerferien! Die Mutter des 14-jährigen Maik fährt zum jährlichen Entzug, sein Vater auf »Geschäftsreise«, die ganze Klasse ist eingeladen: Die Jahrgangsschönste feiert Geburtstagsparty. Und Maik allein zuhaus – mit Pool, gefüllter Hausbar und 200 Euro Taschengeld. Da kreuzt Tschick auf, in einem geklauten Lada. Tschick ist der Neue in der Klasse, ein Proll aus der Hochhaussiedlung, seine Schulleistungen schwanken je nach Alkoholpegel ...

Und Maik steigt ein. Zuerst wollen die beiden Tschicks Familie besuchen (Richtung Walachei), aber schon bald fahren sie einfach drauflos, als Soundtrack die einzig verfügbare Kassette: Richard Clayderman.

Tschick ist die Geschichte einer Reise durch ein vertrautes fremdes Land, durch deutsche Orte mitten im Nirgendwo. Tschick und Maik lernen Familienverhältnisse kennen, die ihnen bisher unbekannt waren – und vor allem erfahren sie, was Freundschaft heißt. Denken wir ein bisschen an Huckleberry Finn? Ein Lada im Thüringer Wald ersetzt ein Floß auf dem Mississippi …?

Wolfgang Herrndorf (geb.1965) hatte 2010 mit dem Roman »Tschick« seinen größten Bucherfolg; 2011 erhielt er dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis. Für »Sand«, seinen Trottelroman (eigene Bezeichnung!), bekam Herrndorf 2012 den Preis der Leipziger Buchmesse. Nachdem bei ihm ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden war, setzte Herrndorf im August 2013 seinem Leben selbst ein Ende.

Empfohlen ab 14 Jahre

Inszenierung: Philipp Rosendahl
Bühne und Kostüme: Brigitte Schima
Musik: Thorsten Drücker
Dramaturgie: Dieter Klinge

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mo, 19.3.2018, 12:00 |
Fr, 20.4.2018, 18:00 |

Die Räuber

von Friedrich Schiller

Wie kommt ein Mensch zur Gewalt? »Wann wird einmal ein Philosoph auftreten, der sich in die Tiefe des menschlichen Herzens hinablässt und jeder Handlung bis zur Empfängnis nachspürt?«, fragte 1775 der politisch verfolgte Schriftsteller Schubart anlässlich einer Anekdote über zwei Brüder, die sich dem Bösen zuwenden. Er inspirierte dadurch den Medizinstudenten an der herzoglichen Militärakademie Friedrich Schiller zu seinem ersten Stück. DIE RÄUBER wurden 1782 im liberalen Mannheim mit tumultartigem Jubel aufgenommen – für den 23-jährigen Schiller, der unerlaubt zur Uraufführung gereist war, ein prägendes Erlebnis.

Zwei Brüder: Der Erstgeborene, Karl Moor, Lieblingssohn des Vaters, führt in Leipzig ein wildes Studentenleben. Der andere, Franz, fühlt sich von Natur und Gesellschaft benachteiligt und sinnt darauf, diesen Unterschied auszugleichen. Er liest dem Vater gefälschte Briefe vor, die von Exzessen Karls berichten – und unterschlägt Karls Bitten an den Vater, ihm zu verzeihen. Graf Moor enterbt daraufhin seinen geliebten Sohn. Empört über diese Ungerechtigkeit, schart Karl eine Bande aus jungen Radikalen um sich: als Räuber wollen sie alle Demütigung in der Sprache der Gewalt zurückzahlen. Franz dagegen versucht in der Zwischenzeit, nicht nur das väterliche Erbe zu erhalten, indem er das Altern seines Vaters beschleunigt, sondern auch Amalia, die Geliebte Karls, zu erobern – erst durch List, schließlich mit Gewalt.

Zwei Menschen, zwei Welten: die Geschichte einer bewaffneten Rebellion in der Anarchie der Wälder; die Intrige im väterlichen Schloss, die das Familiendrama in Gang setzt. Vermutlich erstmals in der Aufführungsgeschichte dieses Stückes werden sich die Regisseure Philipp Rosendahl und Markus Dietz jeweils mit einer dieser Welten auseinandersetzen.

Inszenierung: Markus Dietz / Philipp Rosendahl
Bühne und Kostüme Höfische Welt: Mayke Hegger
Kostüme Räuber-Welt: Katharina Faltner
Musik: Marco Mlynek
Dramaturgie: Michael Volk / Annabelle Leschke
Licht: Brigitta Hüttmann

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Fr, 2.3.2018, 19:30 |

Die Orestie

von Aischylos

Erinnyen, Kinder der Nacht, die einmal begangene Gewalt immer und immer wieder rächen; Krieg, der stets neuen Krieg hervorbringt – wie lässt sich diese Spirale durchbrechen? In der Form der antiken Tragödie konnten die Bürger Athens solche Fragen gefahrlos durchspielen und dadurch die Folgen von menschlichem Handeln erleben – angesichts der Bedrohung durch allgegen-wärtige Kriege und der Erfordernis, sich als Gemeinschaft politisch klug zu verhalten, von unschätzbarem Wert.

Aischylos, der älteste der drei großen Tragiker, beschreibt in der ORESTIE die Überwindung des Atridenfluches, der auf Krieg stets neuen Krieg zeitigt. Bei den Dionysien des Jahres 458 v. Chr. hat er mit seiner dramatischen Neuformulierung des Mythos eine ungeheuere Wirkung erzielt.

Der Krieg um Troja ist zu Ende. Agamemnon, König von Mykene, kehrt nach zehn Jahren siegreich zurück. Doch seine Gattin Klytaimnestra bereitet nicht ein Fest vor, sondern ihre Rache. Agamemnon hatte nämlich auf Geheiß der Götter für seinen militärischen Erfolg ihre gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert. Klytaimnestra, die sich im Einklang mit göttlichem Recht fühlt, erschlägt ihren Gatten mit der Axt – gemeinsam mit ihrem Geliebten Aigisthos. Orest, Agamemnons Sohn, kehrt aus der Fremde nach Hause und beschließt, zusammen mit Elektra, seiner Schwester, seinerseits Rache zu üben. Er tötet Aigisthos und seine herbeieilende Mutter Klytaimnestra – und wird darauf von den Erinnyen, den Rachegöttinnen, heimgesucht. Die Göttin Athene – als Schutzgöttin der Stadt Athen zu Aischylos‘ Zeit mit überstrahlender Glaubwürdigkeit in diesem Götter- und Menschenzwist ausgestattet – schlägt am Ende ein gerichtsförmiges Verfahren vor, bei dem über Orests Strafe entschieden werden soll. Er wird freigesprochen. Damit ist die Wirkungsmacht des Fluches gebrochen.

Inszenierung: Johanna Wehner
Musik: Ole Schmidt
Dramaturgie: Michael Volk
Licht: Brigitta Hüttmann

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 24.2.2018, 19:30 |
So, 29.4.2018, 19:30 |

Frühstück bei Tiffany

von Truman Capote

»Holly Golightly, auf Reisen.« Eine Cartier-förmig gedruckte Karte am Briefkasten, die von nun an ihren Entdecker wie eine Melodie quält: »Holly Golightly, Travelling.« Kurz darauf trifft unser mittelloser Erzähler auf jenes Mädchen, dem Truman Capote in einer Hausflurnotiz eine der prägnantesten Signaturen der Weltliteratur widmete – alle Leichtigkeit und Traurigkeit einer Suche nach dem Zuhause. Was für Holly diesem at home am nächsten kommt, ist nun Tiffany, Inbegriff des Juweliers an der 5th Ave., wo zu frühstücken das Allerbeste wäre beim Duft nach Silber und Krokodilleder, um das »rote Elend« zu überwinden. Leider konnte man bei Tiffany noch nie frühstücken, auch nicht zu Capotes Zeiten ...

Capote schuf 1958 eine Ikone der Moderne. Holly ist Design, das sie liebevoll stylt (als Kunst-Objekt aber auch diversen Männern anbietet), sie ist Wild Thing wie ihr namenloser Kater: je mehr du es zu lieben suchst, desto mehr entfernt es sich, bis du nur noch in den Himmel schaust. Entwaffnend weltklug, unbekümmert bis zum Illegalen, progressiv in ihrer Sicht auf die Liebe! Capotes Anspielungen waren Hollywood 1961 zu viel, das Audrey Hepburn zwar zu der Holly erhob, aber eben in klassischer Romanze. Der berühmten Kuss des Erzählers und Hollys, er steht nicht im Roman. Denn der Erzähler ist gay, wie Holly leichthändig erahnt – wer keine Pferde mag, mag auch keine Mädchen. Subtil erzählt Capote auch von den verspielten Allianzen eigenwilliger Frauen zu Homosexuellen.

Und schenkte uns in Holly eine Ikone der Offenheit und Humanität.

Selber zu selten, selbst nicht selten bedroht. Ein »Weißer Engel« – wie auch der Cocktail heißt, den Capote vielsagend ironisch seinem Alter Ego zu Beginn des Romans servieren lässt.

Da ist die, die gemeint ist, bereits seit Jahren verschwunden.

Inszenierung: Anna Bergmann
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Claudia González Espíndola
Sounddesign: Heiko Schnurpel
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen
Licht: Brigitta Hüttmann

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

So, 4.3.2018, 18:00 |
Fr, 20.4.2018, 19:30 |
Fr, 4.5.2018, 19:30 |

Mechthild Großmann und die lautten compagney Berlin

Die Abenteuer des Don Quichote
Ein Hörstück nach Miguel Cervantes

Ein Hörstück nach Miguel de Cervantes (1547–1616) mit Mechthild Großmann

»Nach drei ohne Unterlass durchrittenen Tagen und Nächten war ich meines Reiters und seines Abenteuergeistes tüchtig müde. Auch aus der letzten Schenke des Herzens hatte man uns hinaus geworfen, und so trabten wir wieder eine dieser öden Landstraßen entlang, mitten in der spanischen Provinz, auf der Suche nach neuen Windrädern.«

Zum 400. Todestag seines Schöpfers Miguel de Cervantes steigt der Ritter von der traurigen Gestalt wieder in den Sattel. Aber diesmal ergreift sein Pferd Rosinante das Wort. Gelingt es ihr, den Phantasten und seinen treuen Begleiter Sancho Panza in die Realität zurück zu holen? Was aber tun, wenn die phantastische Welt der singenden Windmühlen und glucksenden Weinschläuche doch die wirkliche ist? Gemeinsam mit der Schauspielerin Mechthild Großmann und einer Vihuela, dem spanischen Vorläufer der Gitarre, begibt sich die lautten compagney auf eine akustische Reise in die abenteuerliche Welt der spanischen Renaissance.

Termin:

Do, 8.3.2018, 19:30 |

Schauspielhaus

Staatstheater Kassel

Friedrichsplatz 15
D 34117 Kassel

Telefon: +49 (0)561-10 94 - 0
E-Mail: info@staatstheater-kassel.de