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tif - Theater im Fridericianum

Das Staatstheater Kassel – Ein Theater mit Tradition

Das Staatstheater Kassel versteht sich mit seinen rund 500 festen Mitarbeitern als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt. 30 Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater, dazu die Sinfonie-, Sonntags-, Kammer-, Familien-, Schüler- und Sonderkonzerte bilden Jahr für Jahr das große Angebot. Darüber hinaus sorgt ein umfangreiches theater- und konzertpädagogisches Programm für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.

Kontakt

tif - Theater im Fridericianum
Staatstheater Kassel
Friedrichsplatz 15
D-34117 Kassel

Telefon: +49 (0)561-10 94 - 0
E-Mail: info@staatstheater-kassel.de

Theater

Michael Kohlhaas

nach Heinrich von Kleist

Premiere: 07. September 2018

»Das Schwert, wisse, das du führst, ist das Schwert des Raubes und der Mordlust, ein Rebell bist du und kein Krieger des gerechten Gottes, und dein Ziel auf Erden ist Rad und Galgen, und jenseits die Verdammnis, die über die Missetat und die Gottlosigkeit verhängt ist.

Martin Luther
Michael Kohlhaas


Michael Kohlhaas, rechtschaffener Pferdehändler aus Brandenburg, reist nach Sachsen, um einige seiner Tiere zu verkaufen. Auf sächsischem Gebiet wird er jedoch im Namen des Junkers von Tronka aufgehalten – er müsse einen Passierschein vorweisen. Diesen könne er sich in Dresden abholen, als Pfand müsse er dem Junker allerdings zwei Rappen überlassen.In Dresden entpuppt sich die Forderung des Junkers als Akt der Willkür ohne Rechtsgrundlage. Zu seinem Entsetzen findet Kohlhaas nach seiner Rückkehr seine Rappen in völlig desolatem Zustand vor – sie wurden zur Feldarbeit eingesetzt, Kohlhaas’ Knecht misshandelt und verjagt. Vor dem zuständigen Gericht in Dresden erhebt Kohlhaas Klage gegen den Junker Wenzel von Tronka. Er scheitert. Zu groß ist der Einfluss von Verwandten Tronkas in mächtigen Positionen. Damit beginnt eine höchst verwickelte Geschichte um einen Rechtsstreit, der durch Kohlhaas’ Rachefeldzug zur Eskalation von Gewalt führt.
Ist er ein Rebell? Oder ein passionierter Querulant, der ein ihm korrupt erscheinendes System bekämpft, in dem Willkür und Vetternwirtschaft statt Recht und Ordnung herrschen? Heinrich von Kleist konzipierte die Novelle als literarischen Beitrag zu den Bemühungen der preußischen Reformer im frühen 19. Jahrhundert, die der Auffassung waren, durch Befolgen und Umsetzen von liberalen Grundsätzen ließe sich eine Revolution vermeiden. Zugleich aber schrieb er – ob bewusst oder unbewusst – für ein anderes Publikum. Denn Kohlhaas liefert ein Modell für zukünftige Aufstände, Rebellionen, Revolutionsversuche und zeigt, dass es möglich ist, das Gewaltmonopol des Staates zu durchbrechen.

Inszenierung: Janis Knorr
Bühne und Kostüme: Michael Lindner
Dramaturgie: Petra Schiller
Theater

Unterwerfung

nach dem Roman von Michel Houellebecq

Ein Aufschrei ging durch das Land, welchem wir das schöne Wort »Feuilleton« verdanken: Die rechten Schriftsteller seien zurück, ein Spiel mit dem Feuer, abstruse Rassismen – »Unterwerfung« von Michel Houellebecq sei ein gefährliches Buch! Im Jahr 2022: Ein Muslimbruder wird der Präsident Frankreichs und alle Intellektuellen der Grande Nation haben der Islamisierung zugestimmt, nur um Marine le Pen zu verhindern. Voilà, der Protagonist, ein impotenter Ästhet, weiß wie Brie und Chablis, lebt sich prächtig ein in der schariaschönen neuen Welt der Polygamie. Sacrebleu! Was hat Houellebecq denn da geschrieben? In seinem Roman, der am Tag nach den Attentaten auf Charlie Hebdo punktgenau erschien? Eine Dystopie? Eine Satire? Ein Polit-Thriller? Nun, vor allem eine zärtliche Analyse seines Protagonisten, eines ebenso traurigen wie komischen Europäers. Und seines Schwanengesangs im Sexshop. Eines Spezialisten für die Dekadenzliteratur des 19. Jahrhunderts, der es nur noch als Last empfindet, die perfekte Rolle im Leben zu spielen. Der einsehen muss, dass er in einer wütenden Welt lebt, in der die Segnungen der gut ausgebildeten Großstädter nicht automatisch von allen geliebt werden. Dem es kalt wird in der von Gott und Göttern leeren Welt der Postmoderne. Der auf einmal zum Anti-Helden der Demokratie wird, an der er so pflichtbewusst wie lethargisch festhält wie an einer gescheiterten Ehe. Warum der Roman zu so viel Empörung führte? Man regt sich ja gerne über das beim anderen auf, was man an sich selbst nicht mag … Houellebecq mag die Prügelei im Parlament der Ideologen sehr amüsiert haben. Leider, und das ist nun der Humor dieses großen Literaten, sind heute die Tragödien halt viel lustiger als die Farcen ...

Inszenierung: Gustav Rueb
Bühne und Kostüme: Susanne Priebs
Musik: David Rimsky-Korsakow
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen
Theater

dass alles zum besten steht, hätten sie sagen müssen

Stückentwicklung

Irgendwann im Irgendwo liegt Utopia, ein großer Weltraumbahnhof, oder ein intergalaktischer Schrottplatz. Ein Nicht-Ort (Non-Lieux) im Wortsinne, wie man ihn heute kennt von U-Bahnstationen, Hotellobbies, Einkaufspassagen. Einerseits unwirtlich, nur zur Durchreise bestimmt, gegen das Persönliche imprägniert wie mit Teflon – andererseits sind diese Transitbereiche auch Spielplatz großer Geschichten gewesen: der geschäftige Zauber der Grand Hotels, Hollywood-Romanzen auf Flughäfen, Agentenstories zwischen den Gleisen...

Jener »Non-Lieux« zwischen Tristesse und Glamour ist vor allem eins: eine Plattform, von der man aus in die diversen Fantasie-Zielorte abfahren kann. Denn während die Utopie noch eine Anbindung an die Realität haben muss (gerade wenn sie politisch sein will), sind die Fantasien völlig frei davon, muss Nimmerland nicht real sein oder Das Ferne Land, Phantásien oder Hogwarts... Obwohl man über diese Orte die Wahrheit sagen oder lügen kann, auch wenn sie nicht existieren. Offenbar ist wahr oder falsch keine Frage der Existenz... Immanuel Kant und jedes Kind wissen das!

Und folglich beginnt die Geschichte wie sie immer endet: im Weltraum, im Vakuum der Utopie, mit den Gestalten der Kinderbücher. Menschen, die vergessen haben, dass sie Bastian Balthasar Bux waren oder Peter Pan. Oder die vielleicht niemals Momo waren und sich jetzt an etwas erinnern müssen, was sie nie vergessen haben, nämlich wie es ist, ein Prinz Mio zu sein.

Was ist geschehen? Wie sind sie hergekommen? Wer ist der Feind? Hat das Böse, haben Capitän Hook, Ritter Cato, Das Nichts aus den Büchern gesiegt? Oder ist es in Wahrheit die Postmoderne, die sich als der ultimative Schurke erwiesen hat, mit dem Fluch des Gilles de Rais de Leuze, dass die großen Geschichten zu Ende sind... Sind alle dort diejenigen, die sie scheinen oder nicht scheinen? Müssen sich alte Feinde verbünden, um die verunglückte Raumkapsel, gestrandet auf Utopia, wieder flott zu kriegen?

Inszenierung: Philipp Rosendahl
Bühne und Kostüme: Katharina Faltner
Musik: Marco Mlynek
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen
Theater

Die Netzwelt

von Jennifer Haley

In naher Zukunft hat sich das menschliche Leben fast vollständig in die zur Realität parallel existierende Netzwelt verlagert. Perfektioniert hat dieses System der Geschäftsmann Sims mit seinem virtuellen »Refugium«. In diesem exklusiven Club können sich die Mitglieder mit einer virtuellen Identität ihre sexuellen Wünsche und dunklen Sehnsüchte erfüllen. Das Einzigartige: Das von Sims paradiesisch gestaltete Haus ist ein (wahrer) Traum für Pädophile, da die angebotenen virtuellen Lustobjekte Kinder sind. Begehen die Kunden mit ihren Avataren in der digitalen Welt ein reales Verbrechen? Die Ermittlerin Morris schickt ihren Agenten Woodnut in die Netzwelt, gleichzeitig verhört sie Sims. Dieser beharrt auf der reinen Simulation und dem Einverständnis aller Beteiligten. Außerdem hätten die Fantasien, die die Kunden des Refugiums ausleben, keinen Einfluss auf das Leben in der Wirklichkeit. Woodnut verstrickt sich immer mehr in dem verführerischen Elysium, besonders als er Iris kennenlernt, ein bezauberndes neunjähriges Mädchen, das Sims hörig zu sein scheint. Der Kampf um das virtuelle Mädchen wird zu einem Stellvertreterkrieg um Ethik und die Freiheit, die eigene Obsession auszuleben, der in beiden Welten zu katastrophalen Folgen führt.

Müssen unsere Fantasien begrenzt werden? Welche Konsequenzen haben virtuelle Vorgänge für unsere Realität? Können sie eine Erkenntnis schaffen, die unsere sinnlich erfahrbare Wahrnehmung übersteigt? Jennifer Haley schildert eine Zukunft, die mehr und mehr zu unserer Gegenwart wird. Sie zeigt den schmalen Grat auf, der zum Abgrund werden kann, zwischen der grenzenlosen Freiheit und der moralischen Verantwortung.

Inszenierung: Markus Dietz
Bühne und Kostüme: Mayke Hegger
Video: David Worm
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Aufführungen / Theater Staatstheater Kassel Schauspielhaus Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Theater Staatstheater Kassel TIF Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Konzert Göttinger Symphonie Orchester Göttingen, Godehardstraße 19-21
Aufführungen / Theater BAC Theater Bad Arolsen Bad Arolsen/Wetterburg, Amselweg 50
Aufführungen / Konzert Arolser Barock-Festspiele Bad Arolsen, Große Allee 24
Touristik-Service Bad Arolsen
Aufführungen / Musical tic: Theater im Centrum Kassel, Akazienweg 24
Aufführungen / Theater Hessisches Landestheater Marburg GmbH Marburg, Am Schwanhof 68-72