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Das Erdbeben in Chili
HEINRICH VON KLEIST
„Eine große prächtige Residenz, zugleich Handels- und Hafenstadt, wird ungewarnt von dem furchtbarsten Unglück betroffen. Die Erde bebt und schwankt, das Meer braust auf, die Schiffe schlagen zusammen, die Häuser stürzen ein, Kirchen und Türme darüber her, der königliche Palast zum Teil wird vom Meere verschlungen, die geborstene Erde scheint Flammen zu speien: denn überall meldet sich Rauch und Brand in den Ruinen. Sechzigtausend Menschen, einen Augenblick zuvor noch ruhig und behaglich, gehen miteinander zugrunde, und der glücklichste darunter ist der zu nennen, dem keine Empfindung, keine Besinnung über das Unglück mehr gestattet ist.“ So beschreibt Goethe in »Dichtung und Wahrheit« das Erdbeben von Lissabon aus dem Jahr 1755, das in Europa die Philosophen und Theologen der Aufklärung, aber auch die Schriftsteller erschütterte und ihr Weltbild in Frage stellte. Neben Voltaires »Candide oder der Optimismus« ist Kleists Erzählung, geschrieben 1807 vor dem Hintergrund der Französischen Revolution, rückgreifend auf das ähnlich verheerende Erdbeben in Santiago de Chile von 1647, die wohl radikalste Auseinandersetzung mit diesem historischen Weltbildbruch.
Ein junger Spanier, Jeronimo Rugera, der in St. Jago, der Hauptstadt Chilis, als Hauslehrer des Edelmannes Henrico Asteron angestellt war, hat sich in dessen Tochter Donna Josephe verliebt und ist des Hauses verwiesen worden. Die Tochter, die seine Liebe erwidert, wird vom Vater in ein Karmeliterkloster geschickt, wo das Liebespaar seine Beziehung heimlich fortsetzt. Donna Josephe wird schwanger und kommt auf den Stufen der Kathedrale nieder. Aufgrund der Schändung des Klosters werden beide eingekerkert und Donna Josephe zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Während Donna Josephe sich auf dem Weg zu ihrer öffentlichen Hinrichtungsstätte befindet und Jeronimo im Gefängnis den Entschluss fasst, sich das verhasste Leben zu nehmen, beginnt die Erde zu beben und legt die Stadt und ihre staatlichen, kirchlichen und juristischen Institutionen in Trümmer. Donna Josephe mit ihrem Sohn und Jeronimo entkommen dem Chaos und fliehen vor die Tore der Stadt in die Natur, wo sie sich glücklich unter anderen Flüchtlingen wiederfinden. Nach der Katastrophe herrscht ein fast paradiesischer Zustand, alle Standesgrenzen scheinen aufgehoben. Als bekannt wird, dass in der Stadt ein Dankgottesdienst abgehalten wird, entschließen sich beide, mit ihrem Sohn daran teilzunehmen und gehen in eine neue, unerhörte Katastrophe.
Ort:
Halle Kalk
Termine:
Sa, 4.2.2012, 19:30 |



Mo, 6.2.2012, 19:30 |



Di, 7.2.2012, 19:30 |



Do, 9.2.2012, 19:30 |



Fr, 10.2.2012, 19:30 |



Sa, 11.2.2012, 19:30 |



Mi, 22.2.2012, 19:30 |



Do, 23.2.2012, 19:30 |



Fr, 24.2.2012, 19:30 |


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