Centraltheater Skala Spinnwerk

Centraltheater

Spielzeit 2010/11

Vatermord

von Arnolt Bronnen

Premiere: Do, 16.09., 21.00 Uhr, Centraltheater Hinterbühne

Deutschland einig Vaters Land? Die Geschichte der Väter ist zunächst deren Geschichte als Söhne. Söhne von Familienvätern, Übervätern, geistigen Vätern, abwesenden Vätern, Ersatzvätern ... Und es ist eine Geschichte, in der diese Väter nicht selten getötet werden: mit Händen, Waffen, Worten, Blicken, in Gedanken, im ödipalen Reflex, in den politischen Arenen – und auch in der Kunst.

Jede neue Generation erlebt zwangsweise ihre Abgrenzung gegenüber dem Alten, jedes Ich seine Abnabelung. In der unweigerlichen Konkurrenzgeste steckt die Gewalt der unerklärten Liebe, die Frage nach der Anerkennung von Autorität und natürlich die Fiktion, alles anders machen zu können. So begründet sich im Kleinen wie im Großen eine Ideengeschichte des symbolischen Vatermordes, der auch seine real Toten fordert. Deutschland als Vaterland denken meint, seine geistige Vaterschaft, den Totentanz der Väter, eine Art Revue erleben.

Für Arnolt Bronnen war Deutschland ein biografisches Minenfeld. Mehr als das Kind seiner Eltern war er ein Kind seiner Zeit, in der sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit pathetischer Erregtheit zahlreiche Jugendbewegungen formieren. Ihr privater Schrei nach Zukunft versteht sich als ästhetisch-politisches Programm. Sie rufen eine neue Zeit aus, die im Ersten Weltkrieg schnell altert und im Zweiten aus „Wandervögeln“ „Hitlerjungen“ rekrutiert. Bronnen selbst vollzieht seinen symbolischen Mord am jüdischen Vater, indem er sich für seinen „Ariernachweis“ kurzerhand zum Sohn eines anderen erklärt. Im literarischen VATERMORD verbaut er dem Jungen Walter den erträumten Zukunftshorizont durch häusliche Enge, in der die Verdrängung des Vaters so gewaltig und die beruflichen Erwartungen an den Sohn so erdrückend sind, dass die Befreiungsschläge tödliche Wunden reißen.

Anja Nioduschewski

mit Günther Harder, Marek Harloff, Okka Hungerbühler, Janine Kreß, Thomas Lawinky, Lenja Raschke, Berndt Stübner

Regie: Robert Borgmann
Bühne: Susanne Münzner
Kostüme: Janina Brinkmann
Musikalische Leitung: Frank Raschke
Dramaturgie: Anja Nioduschewski

Hinweis: Die Inszenierungen DIE RÄUBER und VATERMORD werden im Repertoire jeweils einzeln zu sehen sein, immer wieder aber auch in einer Langen Nacht hintereinander gespielt! Bitte beachten Sie diesbezüglich unsere besonderen Angebote, allen voran das Kombiticket für die direkt aufeinanderfolgenden Vorstellungen im Laufe eines Abends!

Ort:

Centraltheater Hinterbühne

Termine:

Do, 16.9.2010, 21:00 | Premiere | Tickets online
Sa, 18.9.2010, 21:00 | Tickets online
Fr, 1.10.2010, 19:30 | Tickets online
So, 31.10.2010, 19:30 | Tickets online

Die Räuber

von Friedrich Schiller

Premiere: Do, 16.09., 18.00 Uhr, Centraltheater

Neben Goethes FAUST ist Schillers DIE RÄUBER das deutsche Drama. Die Uraufführung 1782 war ein Skandal und machte den 22jährigen Autor über Nacht berühmt. Bis heute gilt Schillers Karl Moor als Inbegriff des deutschen Revolutionärs. Sein Aufstand gegen die Obrigkeit ist eine Rebellion der Jugend gegen die Generation der Väter, und damit gegen das herrschende System. Karls Fehler: Es ist eine Revolte für das Volk, aber nicht durch das Volk. Nicht politische Veränderung, sondern materieller Egoismus ist die Maxime seiner Räuberbande. Statt die existierenden Ungerechtigkeiten zu bestrafen, „das stockende Geld in Umlauf bringen, das Gleichgewicht der Güter wieder herstellen“, beherrscht Anarchie ihr Tun. Ernüchtert vom eigenen Scheitern, zieht Karl Resümee: „Zwei Menschen wie ich, könnten den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrunde richten.“ Statt persönlicher Freiheit und der Vision einer neuen politischen Ordnung, steht am Ende die Sehnsucht nach der Rückkehr in die alte Ordnung. Im Verhalten der Brüder Karl und Franz Moor wird Schillers Kritik an der Aufklärung evident. Er stellt die Frage, welcher Mensch – und weiterführend welche Gesellschaft – ohne Kategorien wie Moral, Schuld oder Gewissen bestehen kann.

Michael Billenkamp

mit Manolo Bertling, Maximilian Brauer, Artemis Chalkidou, Marina Frenk, Andreas Keller, Guido Lambrecht, Peter René Lüdicke

Regie: Martin Laberenz
Bühne: Susanne Münzner
Kostüme: Peter Schickart
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Hinweis: Die Inszenierungen DIE RÄUBER und VATERMORD werden im Repertoire jeweils einzeln zu sehen sein, immer wieder aber auch in einer Langen Nacht hintereinander gespielt! Bitte beachten Sie diesbezüglich unsere besonderen Angebote, allen voran das Kombiticket für die direkt aufeinanderfolgenden Vorstellungen im Laufe eines Abends!

Ort:

Centraltheater

Termine:

Do, 16.9.2010, 18:00 | Premiere | Tickets online
Sa, 18.9.2010, 18:00 | Tickets online
Do, 23.9.2010, 19:30 | Tickets online
Fr, 29.10.2010, 19:30 | Tickets online
Sa, 30.10.2010, 19:30 | Tickets online

Jedermann

von Hugo von Hofmannsthal

Premiere: Do, 07.10., 19.30 Uhr, Centraltheater

Von Hofmannsthals modernes deutsches Mysterienspiel bringt allegorische Gestalten auf die Bühne: Tod, Teufel, Versuchung, Geld, Glaube.

Der Tod ist die Rache Gottes an JEDERMANN, weil dieser ihn durch seinen Lebensstil beleidigt. Der Teufel versucht, ihn in die Hölle zu schicken. Der eilig wiedergefundene Glaube rettet JEDERMANN in den Himmel. Gott gelingt es, den sittlich verkommenen JEDERMANN eine Stunde vor seinem überraschenden Tod wieder auf den Pfad der Tugend, Demut und Gottesfurcht zurückzuführen. Dem christlichen Verständnis nach – JEDERMANN ist tot, seine Seele gerettet –, ist der Kampf um die verwirrte Seele also klar entschieden.

Von Hofmannsthals 1910 entstandenes, in mitteldeutscher Manier schüttelnd gereimtes Spiel vom Sterben des reichen Mannes wurde vor allem bekannt durch imposante Freilichtaufführungen im Rahmen der Salzburger Festspiele – und so zum wichtigsten deutschen Moralitäten-Spiel überhaupt. Der Stoff geht zurück auf den englischen EVERYMAN des 16. Jahrhunderts und ältere Quellen. Für von Hofmannsthal war er der Versuch, mit dem Theater das Chaos zu ordnen, in der Verwirrung seiner Gegenwart die Übersicht zu behalten.

Unsere Gegenwart ist womöglich noch komplizierter geworden. JEDERMANN ist ein anderer. Der Mythos aber erzählt das komplette Bild des Menschen, also auch unser Bild heute: das Bild des Menschen im Gespräch mit sich selbst, mit seiner Vergangenheit und Zukunft. Mit seinem Ende. So lässt sich von Hofmannsthals JEDERMANN verstehen als philosophisches Experiment. Als Menschenversuch, der durch die Radikalität seines Spielansatzes hervorsticht.

Uwe Bautz

mit Rosalind Baffoe, Friederike Bernhardt, Edgar Eckert, Sarah Franke, Manuel Harder, Matthias Hummitzsch, Andrej Kaminsky, Hagen Oechel, Barbara Trommer

Regie: Jürgen Kruse
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Sebastian Ellrich
Dramaturgie: Uwe Bautz

Ort:

Centraltheater

Termine:

Do, 7.10.2010, 19:30 | Premiere | Tickets online
Sa, 9.10.2010, 19:30 | Tickets online
So, 24.10.2010, 19:30 | Tickets online

Der Zauberberg

nach dem Roman von Thomas Mann

Do, 28.10., 19.30 Uhr, Centraltheater

Was heißt das: Überleben? Wann erobert Leben Gipfel, wann stürzt man ab? Oben und Unten, Berg – und Tal; beide Blickrichtungen können den Ungeübten schaudern machen. Bergsteiger müsste man sein! Alpinist! Ausgerüstest mit Haken, Seilen und ordentlichem Proviant! Der Weg ist steinig, und steil. Und gefährlich. Dauernd ändert sich das Wetter – zum Beispiel!

Der Star-Biologe Richard Dawkins unterwirft seine Thesen zum WUNDER DER EVOLUTION (DER GIPFEL DES UNWAHRSCHEINLICHEN) dem naturgeschichtlichen Bild der Kletterpartie. Bei Dawkins erklimmen die Arten die Gipfel der Unwahrscheinlichkeiten, oder eben nicht (das Wahrscheinliche bleibt im Tal …). Die artistische Dimension solcher Naturgeschichte, dieses „Theater der Evolution“, wie es der Philosoph Sloterdijk in seinem Buch DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN (2009) nachfolgend benennt, ist menschlich, gesellschaftlich und theologisch eine erhebliche, wenn auch mit einer Verspätung von Hunderten von Millionen Jahren. Ihr gegenüber steht die naturgeschichtliche Erfahrung des Aussterbens.

Möglicherweise liegt es nahe, das Über in Überleben wie das Über in Übermensch auf die Dimension der wachsenden Unwahrscheinlichkeiten zu beziehen. Hier, im Zwischenbereich, wollen wir nun unser Basislager zur Besteigung des Mann’schen ZAUBERBERGS aufschlagen. Und nehmen wir an – durchaus mit Thomas Mann –, dass die Unwahrscheinlichkeiten dem Gipfel zustrebend noch wachsen werden.

Manns artifizieller Jahrhundertroman beobachtet den Menschen an der Natur-Kultur-Schwelle des vorhergegangenen Jahrhunderts. Er wollte eine kurze, heitere Novelle über Davos schreiben. Herausgekommen ist ein Roman über das Sterben. In ihm bewegen wir uns atemlos auf die Katastrophe zu. Wir: die Kranken, Hungrigen, Todeslüsternen, wir gierigen Kleingeister. Wie im Fieber – werden wir kurz wach, blind vom Schnee, irgendein Paradies im träumerischen Kopfbild, und wir gehen los.

Uwe Bautz

mit Rosalind Baffoe, Manolo Bertling, Maximilian Brauer, Artemis Chalkidou, Janine Kreß, Guido Lambrecht, Thomas Lawinky, Ingolf Müller-Beck, Peter René Lüdicke, Birgit Unterweger

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Steve Binetti
Dramaturgie: Uwe Bautz

Ort:

Centraltheater

Termine:

Do, 28.10.2010, 19:30 | Premiere | Tickets online
Sa, 30.10.2010, 19:30 | Tickets online

Die Nacht, die Lichter

Von Clemens Meyer

„Die Nacht ist fast vorbei, und wir laufen durch die Straßen, und ich blicke auf die Lichter und dann auf sie, aber meistens auf die Lichter, denn sie ist genauso schön wie früher, als wären wir immer noch fünfzehn, sechzehn … und irgendwie ist ein Teil von damals noch in ihr, und wir laufen durch die leeren Straßen und bleiben vor Schaufensterscheiben stehen und erzählen so dies und das.“ Da ist die Stadt. Da ist die Nacht. Im Aufflackern der halbblinden Neonreklame eine Gestalt. Im nächsten Moment ist sie verschwunden. Nur noch ein Hund trottet träge um die nächste Ecke. Stille. Ein Bahndamm. Der letzte Zug aus der Hauptstadt rattert vorbei. In den erleuchteten Fenstern vereinzelt Reisende. Vierundzwanzig Bilder in der Sekunde. Will man eine Stadt verstehen, dann muss man sich ihr vom Rand her nähern. Erst da, wo die Städte ausfransen, begegnet man jener Wirklichkeit, wie sie in den Hochglanzzentren kaum wahrzunehmen ist; einer Wirklichkeit, wie sie Clemens Meyer immer wieder in seinen Erzählungen fasst und uns nahebringt. Es sind Menschen in Hotels, auf der Reise oder in der Einsamkeit daheim. Menschen in Zwischenwelten, die scheinbar verloren durchs Leben straucheln, auf der ewigen Suche nach dem kleinen Glück, nach Liebe, nach Hoffnung. Menschen, wie sie Clemens Meyer meisterhaft in seinem preisgekrönten Erzählband „Die Nacht, die Lichter“ beschreibt.

Johannes Kirsten

mit Anna Blomeier, Martin Brauer, Artemis Chalkidou, Edgar Eckert, Manuel Harder, Andreas Keller, Hagen Oechel

Regie: Sascha Hawemann
Bühne: Wolf Gutjahr
Kostüme: Hildegard Altmeyer
Licht: Carsten Rüger
Dramaturgie: Johannes Kirsten

Ort:

Centraltheater

Termine:

Fr, 17.9.2010, 19:30 | Tickets online
Fr, 15.10.2010, 19:30 | Tickets online

Schwarztaxi

Leipzig. Bosestraße 1. Vor dem Centraltheater. Ein Auto steht bereit, Sie steigen ein: in eine Inszenierung der dritten Art.

Sie spielen mit? In Ihrem eigenen Stück. In einer fremden Geschichte. Bei einer Autofahrt ins Unbekannte, zu den peripheren Orten Ihrer Stadt oder denen Ihrer eigenen Neugier.

Mit „Schwarztaxi“ inszeniert das Centraltheater Leipzig vom Auto aus: als theatrales Roadmovie und als Projektion hinter der Windschutzscheibe.

Drei Zuschauer finden im Fond des Autos Platz, zwei Schauspieler auf den Vordersitzen. Die Fahrt führt durch die Straßen von Leipzig, aus dem Zentrum heraus und in die Außenbezirke, an Orte, die „auf dem Weg“ liegen.

Die Stadt wird zur Kulisse einer bizarren Geschichte, die sich während der Fahrt auf den Vordersitzen entspinnt: Ein Mann und eine Frau – wohin sie fahren, ist unklar. Klar ist nur, dass es da ein paar ungelöste Probleme gibt und der Sprengstoff hier nicht unbedingt im Kofferraum liegt. Passanten werden unerwartet zu Akteuren. Sind es unschuldige Mitbürger? Komplizen? Schauspieler? Alles, was im Bildausschnitt der Scheibe hängen bleibt, scheint bedeutsam zu sein und Erzählung zu werden. Und wenn sich irgendwann unterwegs die inszenierte Fahrt und die Wirklichkeit der Stadt nicht mehr so deutlich trennen lassen, spätestens dann sollten Sie sich fragen, ob Sie in diesem Auto tatsächlich nur Zuschauer sind.

Wir ERFAHREN mit Ihnen unsere Stadt.
Es gelten die Regeln der Straße.
Doch keine Fahrt gleicht der anderen.
Stück für Stück und Film für Film: Ihr exklusives Roadmovietheater.

Anja Nioduschewski

mit: Lore Richter, Hagen Oechel / Cordelia Wege, Manuel Harder / Sylvia Habermann, Andreas Keller / Sylvia Habermann, Hagen Oechel / Birgit Unterweger, Sebastian Grünewald

Regie: Sebastian Hartmann, Pernille Skaansar

Ort:

Centraltheater

Termine:

Mo, 20.9.2010 - Di, 21.9.2010, 20:00 | Tickets online
Mo, 20.9.2010 - Di, 21.9.2010, 22:30 | Tickets online
Mo, 27.9.2010 - Mi, 29.9.2010, 20:00 | Tickets online
Mo, 27.9.2010 - Mi, 29.9.2010, 22:30 | Tickets online
Mo, 4.10.2010, 20:00 | Tickets online
Mo, 4.10.2010, 22:30 | Tickets online
Mi, 6.10.2010, 20:00 | Tickets online
Mi, 6.10.2010, 22:30 | Tickets online
Mo, 11.10.2010 - Di, 12.10.2010, 20:00 | Tickets online
Mo, 11.10.2010 - Di, 12.10.2010, 22:30 | Tickets online
Mo, 18.10.2010 - Mi, 20.10.2010, 20:00 | Tickets online
Mo, 18.10.2010 - Mi, 20.10.2010, 22:30 | Tickets online
Mo, 25.10.2010, 20:00 | Tickets online
Mo, 25.10.2010, 22:30 | Tickets online
Mi, 27.10.2010, 20:00 | Tickets online
Mi, 27.10.2010, 22:30 | Tickets online

Paris, Texas

nach dem Film von Wim Wenders
Drehbuch von Sam Shepard und Wim Wenders

„Paris, Texas“ (1984) ist Wim Wenders’ bester und bedeutendster Film. Er verhalf ihm zum endgültigen internationalen Durchbruch und wurde zum Synonym des deutschen Autorenfilms. Ein Welterfolg, der Bands wie Texas und Travis ihren Namen gab. Als Roadmovie definierte er das Genre neu, seine Ästhetik war stilbildend und wird bis heute in Musikvideos und Werbung zitiert. Das Centraltheater zeigt „Paris, Texas“ als Uraufführung. „Paris, Texas“, das ist der Prolog zu einer tragischen Liebesgeschichte, gleichzeitig ist es der Epilog zu einem großen Familiendrama. Vier Jahre nachdem Travis Frau und Kind verlassen hat, vier Jahre nachdem er glaubte, in einem Albtraum aus Eifersucht, Alkohol und Liebe zu verbrennen, taucht er in der Wüste wieder auf – sprachlos und ohne Erinnerung an die Vergangenheit. Nur mühsam und mit Hilfe seines Bruders und des 7-jährigen Sohnes Hunter findet Travis ins Leben zurück. Getrieben von dem Wunsch, seine Frau Jane wieder¬zufinden, macht er sich gemeinsam mit Hunter auf die Suche nach ihr. Er findet sie schließlich in einer Peepshow … Dass Wenders sein Meisterwerk genau in diesem Raum zwischen den emotionalen Extremzuständen – zwischen dem Zusammenbruch der Familie und der Vereinigung von Mutter und Kind – verortet, macht den besonderen Reiz von „Paris, Texas“ aus. Wenders zeigt nicht die Konfrontation, nicht den Kampf, sondern die Erschöpfung und die Desillusion, die Leere und das Schweigen seiner Protagonisten. „Paris, Texas“ ist ein Blick in die amerikanische Seele – die europäische Antwort auf den American Way of Life, die die unendliche Weite des Landes nicht als Freiheit, sondern als Einsamkeit begreift.

Michael Billenkamp

mit Rosalind Baffoe, Maximilian Brauer, Yusuf El Baz, Manuel Harder, Heike Makatsch, Hagen Oechel, Peter René Lüdicke, Birgit Unterweger

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Susanne Münzner
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Steve Binetti
Licht: Voxi Bärenklau
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Ort:

Centraltheater

Termine:

Mi, 22.9.2010, 19:30 | Tickets online
Sa, 2.10.2010, 19:30 | Tickets online
So, 17.10.2010, 19:30 | Tickets online

Publikumsbeschimpfung

Peter Handke

„Sie werden kein Schauspiel sehen“, so Peter Handke in seiner Vorrede, „Sie werden kein Spiel sehen. Sie werden hier nichts sehen, was Sie nicht schon gesehen haben.“ Ein Theater ohne Handlung, ein Theater ohne Geschichten? Ausgerechnet heute, wo wir uns zwischen Twin Towers und Topmodels mehr denn je nach großen Tragödien sehnen, nach gestürzten Helden, nach großen Liebesgeschichten, nach festen Werten und Koordinaten für unser Leben. Das Theater liefert diese Bilder, diese Vorlagen, nach denen sich der Einzelne sehnt und mit denen er sich identifiziert. Was bliebe von einem Theater übrig, das kein Spiel mehr ist, in dem Figuren keine Figuren, sondern nur noch Sprecher sind?

Das ist, was bleibt: Eine überflutende Improvisationsschleuder, die permanent mit unser aller Überforderung spielt und die Publikum wie Schauspieler andauernd zu Komplizen macht. „Publikumsbeschimpfung“ wird heute, 40 Jahre nach der Uraufführung, auf anderer Ebene zum Tabubruch, ist dauerndes Herstellen, Verwerfen und Wiederherstellen des wahren Moments. Was uns berauscht und was uns Lachen macht, ist die Große Lüge, die neben der Großen Wahrhaftigkeit steht. Sie bedeutet Komödie: Sinnlichkeit, Erotik, Spaß, Emotion und Leidenschaft. Timing. Die Große Überflutung.

„Sie werden sehen, was Sie sonst nicht gehört haben.“ Ein Spiel mit Wahrnehmung und Illusion, mit der Bilderflut der medialen Gesellschaft: Zeigen, was hinter dem Schein und zwischen den Zeilen ist, was scheinbar jeder kennt, aber tatsächlich nie wahrgenommen hat.

Michael Billenkamp

Mit Maximilian Brauer, Guido Lambrecht, Thomas Lawinky, Peter René Lüdicke
Kind: Nora Dubilier / Florentine Zimmermann

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Sebastian Hartmann
Licht: Björn Salzer-Tondorf

Dauer: 2 Stunden 45 Minuten

Ort:

Centraltheater Hinterbühne

Termin:

Fr, 24.9.2010, 19:30 | Tickets online

Als wir träumten

Clemens Meyer
Für die Bühne bearbeitet von Armin Petras und Carmen Wolfram

Sie träumen vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft, von einer richtigen Liebe und davon, dass irgendwo ein besseres Leben wartet. Rico, Mark, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, in einem Viertel, dessen Mittelpunkt die Brauerei ist. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie randalieren, sie fliehen vor den Glatzen, ihren Eltern und der Zukunft. Sie kämpfen mit Fäusten um Anerkennung und schlagen die Zeit tot. Sie saufen, sie klauen, sind cool und fertig und träumen vom eigenen Leben. Alle ihre Fluchtversuche enden auf den Fluren des Polizeireviers Südost. Leidenschaftlich, wild und mutig verspielen sie ihr Leben in einer aussichtslosen Rebellion.
Verlag S. Fischer

Clemens Meyer, geb. 1977 in Halle/Saale, lebt in Leipzig. Nach dem Abitur arbeitete er als Bauhelfer, Möbelträger und Wachmann. Von 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2001 gewann er den MDR-Literaturwettbewerb. „Als wir träumten“ wurde 2006 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und zum Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen. Clemens Meyer erhielt unter anderem den Förderpreis zum Lessing-Preis 2007 und den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 für „Die Nacht, die Lichter“.

Die Uraufführung nach dem Roman des Leipzigers Clemens Meyer feierte im April 2008 Premiere am Schauspiel. „Als wir träumten“ ist ein Stück über Leipzig – und für Leipzig. Für das Centraltheater ist es ein weiterer Ausgangspunkt, sich mit der Stadt zu beschäftigen, sich mit ihr zu identifizieren. Darum nimmt das Centraltheater Leipzig die Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater wieder in sein Programm auf, um auch künftig die Zusammenarbeit mit Leipziger Künstlern zu intensivieren.

mit Anika Baumann, Maria Doubs, Hanna Eichel, Marlène Meyer-Dunker, Anja Schneider, Berndt Stübner, Birgit Unterweger

Regie: Armin Petras
Bühne: Ulrike Bresan, Bernd Schneider
Kostüm: Ulrike Bresan, Bernd Schneider
Licht: Jörn Langkabel
Dramaturgie: Birgit Rasch, Carmen Wolfram

Dauer: 1 Stunde 50 Minuten

Ort:

Centraltheater

Termin:

So, 26.9.2010, 19:30 | Tickets online

Das Fest

Von Thomas Vinterberg / Morgens Rukov

Helge, erfolgreicher Geschäftsmann und Hotelier, hat zu seinem 60. Geburtstag geladen. Die ganze Familie und viele Freunde sind gekommen. Trotz des Selbstmords der Tochter Linda, der nur kurze Zeit zurückliegt, beginnt der Abend wie wahrscheinlich die meisten Familienfeste: Begrüßung, Smalltalk, Scherze. Doch dann hält der älteste Sohn Christian die Tischrede, ganz im Sinne der Familientradition. In dieser erhebt er schwere Vorwürfe gegen seinen Vater, der ihn und seine Zwillingsschwester im Kindes- und Jugendalter regelmäßig sexuell missbraucht habe. DAS FEST geht zunächst weiter, als wäre nichts geschehen, doch am Ende des Abends wird nichts mehr sein wie zu Beginn. Die beklemmende Geschichte erzählt von der Halbwertszeit der Lebenslüge sowie von der reinigenden und gleichzeitig zerstörenden Kraft der Wahrheit. „Die Familie gewinnt immer.“ (Thomas Vinterberg) Familie überdauert die Verbrechen, die sie begeht. Familie kennt kein Erbarmen. Sie ist als tragisches System seit Erfindung der Tragödie auf der Bühne anwesend. Vinterbergs modernes Königsdrama hat es allerdings als eins der ganz wenigen zeitgenössischen Stücke zu dauernder, sehr erfolgreicher Präsenz auf den Spielplänen gebracht. Was sicher auch daran liegt, dass uns allen die komischen Rituale und Illusionen über „Familie“ so sehr vertraut sind. So wie die Angst vor dem Tabubruch: Was passiert, wenn einer nicht länger mitmacht?

Uwe Bautz

mit Natalia Belitski, Manolo Bertling, Jele Brückner, Sarah Franke, Sebastian Grünewald, Ellen Hellwig, Matthias Hummitzsch, Dieter Jaßlauk, Guido Lambrecht, Ingolf Müller-Beck, Nikolaus Okonkwo, Lore Richter, Melanie Schmidli, Albrecht Schuch, Berndt Stübner

Regie: Martina Eitner-Acheampong
Bühne: Jan Steigert
Kostüme: Yvette Schuster
Musikalische Leitung: Matthias Flake
Licht: Jan Bregenzer
Dramaturgie: Uwe Bautz

Ort:

Centraltheater

Termine:

Mi, 13.10.2010, 19:30 | Tickets online
Sa, 16.10.2010, 19:30 | Tickets online

Centraltheater & Skala | Schauspiel Leipzig

Centraltheater

Bosestraße 1
04109 Leipzig

Telefon: +49 (0)341 12 68 - 168
Fax: +49 (0)341 12 68 - 169
E-Mail: besucherservice@schauspiel-leipzig.de

Kassenöffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10-19 Uhr, Samstag 10-13 Uhr.