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Centraltheater

Spielzeit 2011/12

Von morgens bis mitternachts

Von Georg Kaiser

Premiere: 09. Februar 2012, Centraltheater

Der kleine Bank-Kassierer in Georg Kaisers „Von morgens bis mitternachts“ braucht genau so lange, wie der Titel verspricht – um eine ganze Welt zu durchforsten und herauszufinden, ob da draußen „etwas von Wert“ sei. Am Morgen noch sitzt er gefangen hinter den Gittern seines Kassenraums und die laufenden Geldgeschäfte sind ihm bedeutungslose Routine. Aber urplötzlich erscheint ihm Geld in neuem Licht: Die geheimnisvolle fremde Dame, deren Wechsel vom Direktor in Frage gestellt wurde, schlägt den Kassierer so in Bann, dass er mit 60.000 Mark durchbrennt, um mit der Fremden ins aufregende Leben zu entfliehen. Die Dame weist ihn zwar zurück; mit seinem plötzlichen Reichtum ist ihre Liebe schon einmal nicht käuflich, doch für den Kassierer startet eine eintägige Passion. Wofür denn überhaupt lohnt sich „der volle Einsatz“? In Form eines wilden, zügellosen Stationendramas durchmisst Kaiser zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Spektrum existenzialistischer Prüfungen und konfrontiert den Modernen Menschen mit sich selbst.

Georg Kaiser ist einer der bedeutendsten Vertreter des literarischen Expressionismus. Gemeinsam mit Gerhart Hauptmann beherrschte Kaiser die Spielpläne der Weimarer Republik. Die namenlosen, überhöhten Figuren sowie die Aufteilung der Handlung auf verschiedene Stationen sind bei Von morgens bis mitternachts typisch für das expressionistische Drama. Gemäß dessen Programmatik ersehnt der Mensch die eigene „Menschheitsdämmerung“, in der er in wahrer Leidenschaft physisch mit der „Welt“ verschmilzt und das „Eigentliche“ zu finden im Stande ist. Mit dem Pathos dieser Erkenntnis spielt der Stoff vor dem Hintergrund der Sinn- und Finanzkrise unserer Tage mit der Fremdheit und der Ohnmacht unserer alltäglichen Überforderung. Eine Hoffnung: Leben jetzt – ohne Gestern – als wäre es der letzte Tag. Als Spiel.

Uwe Bautz

mit Mareike Beykirch, Günther Harder, Carolin Haupt, Zenzi Huber, Matthias Hummitzsch, Andreas Keller, Guido Lambrecht, Birgit Unterweger

Regie: Christiane Pohle
Bühne: Maria-Alice Bahra
Kostüme: Sara Kittelmann
Musik: Ernst Surberg
Dramaturgie: Uwe Bautz

Ort:

Centraltheater

Termine:

Do, 9.2.2012, 19:30 | Premiere | Tickets online |
Sa, 11.2.2012, 19:30 | Tickets online |
Fr, 17.2.2012, 19:30 | Tickets online |

Der Traum von Hollywood

Clemens Meyer

Es gibt strahlende Gewinner und traurige Verlierer. Es gibt die, die ungestraft davonkommen, und die, die buckeln müssen. Der neue Clemens Meyer am Centraltheater: Ende der letzten Spielzeit feierte sein aktuellster Text in der Bosestraße Uraufführung. Zwei Geschichten treffen hier aufeinander: Der Kneiper Elvisthilo im Leipziger Osten und seine russlanddeutsche Frau Katharina, die ihn mit Kai betrügt, dem besten Freund ihres Sohnes Oleg, der gerade aus dem Afghanistaneinsatz heimkehrt. Auf der anderen Seite des Atlantiks die durch Öl reich gewordene Familie Hadley mit dem Vater Jasper und dessen alkoholsüchtigem Sohn Kyle, der sich in die Sekretärin Lucy verliebt. Seine mannstolle Schwester Marylee liebt vergeblich Kyles besten Freund Mitch, der seinerseits natürlich Lucy verfallen ist. Zwei Familien aus sehr verschiedenen Milieus, deren Schicksale Meyer beschleunigt und aufeinanderprallen lässt. Der Leipziger Autor erzählt einmal mehr in großen Bildern, zwischen Traum und Wirklichkeit, von der Sehnsucht nach dem jeweils ANDEREN LEBEN.

„Ein überraschender, eigenwillig drängender und welthaltiger Text, den Meyer vorstellt. Sascha Hawemann hat dazu packende Bilder und punktgenau gearbeitete Szenen gefunden, nicht ohne sardonische Ironie und nicht ohne ein bemerkenswert aufspielendes Ensemble. Man muss jetzt nach Leipzig fahren und dieses Stück anschauen!“ (nachtkritik.de)

Ab sofort in einer neuen, gekürzten Version!

Johannes Kirsten

mit Manolo Bertling, Martin Brauer, Edgar Eckert, Sarah Franke, Andreas Keller, Katharina Knap, Janine Kreß, Christian Kuchenbuch, Ingolf Müller-Beck

Regie: Sascha Hawemann
Bühne: Wolf Gutjahr
Kostüme: Hildegard Altmeyer
Licht: Carsten Rüger
Dramaturgie: Johannes Kirsten

Ort:

Centraltheater

Termin:

Fr, 10.2.2012, 19:30 | Tickets online |

Nackter Wahnsinn - Was ihr wollt

Nach Shakespeare | Anderen | Hartmann

William Shakespeare hat in seiner klugen Komödie WAS IHR WOLLT die Frage, ob wir alle nur in der Verstellung zum eigenen Wesenskern vorzudringen im Stande sind, spielerisch elegant mit einem klaren „Jein“ beantwortet. Seine Gestrandeten, Liebespaare und kommentierenden Witzfiguren probieren alle immer sich selbst – im Gegenüber – aus. Ihre „Rolle“ komponiert das unbekannte Ich.

Was macht ein Schauspieler? Er verstellt sich in Menschen hinein, die man dann „Figur“ nennt. Er spielt seine Rolle, mehr oder weniger überzeugend, denen vor, die das für bare Münze nehmen sollen. Damit leistet er entfremdete Arbeit, kapitalisiert also seine sogenannte Kunst und scheitert damit zwangsläufig irgendwann unter tosendem Beifall an sich selbst, denn er ist ja in Wirklichkeit ein Anderer. Der Künstlertod auf der Bühne beweist einmal mehr, dass der Kapitalismus zuallererst vom Kapitalismus selbst besiegt wird. So weit Karl Marx, Das Kapital. Und er beweist nebenbei, dass der einzig angemessene Ausdruck des mit dem Herrschaftssystem Schritt halten könnenden Kapitalismusmenschen der Schauspieler sein muss.

Während dies Scheitern im wirklichen(?) Leben wenig Komisches an sich hat, lacht der Zuschauer beim Künstlertod Tränen. All das zeigt, dass es allein auf die Rolle ankommt, die wir spielen – egal ob wir „da oben“ oder „da unten“ sitzen. Die Rolle zu spielen ist schwer. Noch schwerer ist, ihr zu entgehen. Wenn irgendwo da draußen ein Selbst ist, das mir gehört und sich zu verwirklichen lohnt: Wo ist dieses Selbst hin? Kommt es eines Tages wieder? Was in uns ist es dann, das fühlt, liebt und am Ende stirbt? Also sind all das nur Rollen, die mich jemand zu spielen zwingt?
Ob der Schauspieler sich selbst oder den Anderen zu spielen vorgibt, beide Zustände sind gefährliche Hochseilakte waghalsiger Artisten, die entweder an sich oder am Dargestellten verzweifeln müssen, weil sie eben immer nur das Andere erlangen können, das also, was sie gar nicht wollen. Wie im richtigen Leben besteht die Identität des Künstlers damit im permanenten Rollenwechsel (siehe oben). Dazwischen aber liegt jeweils der Verrat des jeweils Anderen, und damit sind wir bei der wahren Erotik des Theaters angekommen.

Ein Schauspielerensemble probiert Shakespeares WAS IHR WOLLT. Das ist naturgemäß nackter Wahnsinn und muss scheitern, wenn alle allen anderen einschließlich sich selbst ein X für ein U vormachen wollen. Aber: Aus dem Geist der feudalen Unterhaltungsschleuder „Revuetheater“ findet der Künstler als Vorreiter des kapitalistischen Rollenspiels doch die Gelegenheit, sein Tun angemessen zu reflektieren und die Kunst-Kampfzone weidlich auszuweiten. Als humorvolles Gegenstück zur Reise nach innen mit Fanny und Alexander von Bergman. Hartmann, Shakespeare, Andere und das Ensemble bastardisieren lustvoll das Scheitern und den Triumph von Theater als Satyrspiel: Eine Eröffnung.

mit: Manolo Bertling, Susanne Böwe, Maximilian Brauer, Artemis Chalkidou, Edgar Eckert, Sarah Franke, Manuel Harder, Matthias Hummitzsch, Andrej Kaminsky, Thomas Lawinky, Hagen Oechel, Barbara Trommer, Birgit Unterweger, Cordelia Wege

Regie und Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Steve Binetti
Chorleitung: Walter Zoller
Licht: Lothar Baumgarte
Dramaturgie: Uwe Bautz

Ort:

Centraltheater

Termin:

Sa, 18.2.2012, 19:30 | Tickets online |

Penthesilea

Von Heinrich von Kleist

Ein romantischer Albtraum ist dieses Stück. Bildgewaltig und gewalttätig wuchern darin die Gefühle, so monströs, dass man sich fragt, wie Heinrich von Kleist sie in Form halten konnte, wo doch alles darin außer sich gerät. Am Ende ist der mythenumwobene Kriegsschauplatz vor den Mauern von Troja ein unkontrollierbares Schlachtfeld der Liebe geworden. Liebe, die allen politischen Widerständen zum Trotz ihre Blicke quer durch die Schlachtreihen sendet. Liebe, die die Liebenden schließlich selbst überfordert. Denn der griechische Kriegsheld Achill und die Amazonenkönigin Penthesilea entpuppen sich als blutige Anfänger des Gefühls. Schon als das Amazonenheer überraschend vor Troja auftaucht, sind Trojaner und Griechen hochgradig verwirrt: Die waffenbewehrten Frauen interessieren sich weder für das eine noch das andere Kriegslager; bis die griechischen Söldner begreifen, dass sie die Kriegsbeute der Amazonen sind – zeugungsfähige Männer, die den Fortbestand des Frauenstaates gewährleisten sollen. Als dann in rasendem Kampf die Liebe zwischen Penthesilea und Achill ausbricht, alle Staatsdoktrinen der Amazonen wie der Griechen durchbricht und die beiden Liebenden aus ihren feindlichen Formationen heraustreten, um ihren privaten Anspruch auf Glück geltend zu machen, da wächst der politische Druck aus den eigenen Lagern so sehr, dass die beiden, die gerade begonnen hatten, „ich“ zu sagen, gar nicht mehr wissen, was sie fühlen: Denn den anderen ganz „sein“ zu nennen, hieße in der Logik dieses Krieges, ihn zu besiegen, zu vernichten. Und so werden zwei Menschen, die das Schicksal ihres Volkes gegen das eigene tauschen wollen, zum Schicksal des anderen.

Anja Nioduschewski

mit Friederike Bernhardt, Günther Harder, Marek Harloff, Leonard Hugger, Andreas Keller, Katharina Knap, Guido Lambrecht, Lenja Raschke, Laura Sundermann, Birgit Unterweger

Regie: Robert Borgmann
Bühne: Robert Borgmann
Mitarbeit Bühne: Peter Schickart
Kostüme: Janina Brinkmann
Dramaturgie: Anja Nioduschewski

Ort:

Centraltheater

Termin:

So, 12.2.2012, 18:00 | Tickets online |

Die WildeWeiteWeltSchau

Von und mit Rainald Grebe

Ich hab Heu gemacht in Kasachstan
Ich war in Mexico City
Ich war Schneeschippen auf dem Kilimandscharo
Ich hab Zebras zugeritten
Und jetzt was soll ich sagen
Was soll ich sagen?
Ich hab mich gut erholt
Lonely Planet ...


Den Lonely Planet in der Tasche, ist Rainald Grebe für sein neues Projekt am Leipziger Centraltheater auf Reisen gegangen. Afrika, Asien, Grönland, Paraguay – und immer wieder Deutschland, immer auf der Suche nach … ja, wonach eigentlich? Wem begegnet man auf Reisen? Und wie erzählt man davon? Vielleicht war Grebe gar nicht weg. Vielleicht hat er sich alles nur ergoogelt, hat in Phnom Penh nur per Street View rückwärts eingeparkt! Kopfreisen, Zeitreisen, reale Reisen vermischen sich … Man bereist das ehemalige Deutsch-Ostafrika und fällt mit seiner Mastercard vollautomatisch in koloniale Muster zurück. Stromausfall und Dauerhitze lassen jedes Nachdenken über Kunst und Wellness im Alten Europa verblassen. Was bleibt von Nietzsche, Faust und unseren schönen Fahrradwegen, wenn die Klamotten am Körper kleben, das Essen noch lebt und die Fähre zu sinken droht? Die Leipziger Tourismusmesse wird zur Völkerschau, zur WILDEWEITEWELTSCHAU. Auf dem Schreibtisch explodiert der Leuchtglobus. Aus seinen Reisenotizen hat Rainald Grebe einen Abend gesampelt – mit Liedern, Tänzen, Dias und wilden Tieren.

Johannes Kirsten

mit Anna Blomeier, Martin Brauer, Rainald Grebe, Manuel Harder, Andreas Keller, Youngjune Lee, Melanie Schmidli, Jens-Karsten Stoll, Jeanny Gloria Tjakaurua, Klaus-Dieter Werner

sowie: Kai Andreadakis, Thomas Becher, Jacqueline Biedermann, Mostafa Bijaouane, Christoph Busse, Gesine Creutzburg, Gert Drehmann, Katja Fiedler, Benno Göschick, Sven-Sebastian Hubel, Alena Jurk, Davina Kelm, Matej Kowar, Frank Lückert, Judith Mark, Sven Rogowski, Maria-Teresa Rölke, Lydia Roscher, Sophie Sachsenröder, Metod Scholze, Matthias Vialon, Matej Zieschwauck

Regie: Rainald Grebe
Musikalische Leitung: Jens-Karsten Stoll
Bühne: Jürgen Lier
Kostüme: Kristin Hassel
Dramaturgie: Johannes Kirsten
Licht: Carsten Rüger

Ort:

Centraltheater

Termin:

Mi, 15.2.2012, 19:30 | Tickets online |

Publikumsbeschimpfung

Peter Handke

„Sie werden kein Schauspiel sehen“, so Peter Handke in seiner Vorrede, „Sie werden kein Spiel sehen. Sie werden hier nichts sehen, was Sie nicht schon gesehen haben.“ Ein Theater ohne Handlung, ein Theater ohne Geschichten? Ausgerechnet heute, wo wir uns zwischen Twin Towers und Topmodels mehr denn je nach großen Tragödien sehnen, nach gestürzten Helden, nach großen Liebesgeschichten, nach festen Werten und Koordinaten für unser Leben. Das Theater liefert diese Bilder, diese Vorlagen, nach denen sich der Einzelne sehnt und mit denen er sich identifiziert. Was bliebe von einem Theater übrig, das kein Spiel mehr ist, in dem Figuren keine Figuren, sondern nur noch Sprecher sind?

Das ist, was bleibt: Eine überflutende Improvisationsschleuder, die permanent mit unser aller Überforderung spielt und die Publikum wie Schauspieler andauernd zu Komplizen macht. „Publikumsbeschimpfung“ wird heute, 40 Jahre nach der Uraufführung, auf anderer Ebene zum Tabubruch, ist dauerndes Herstellen, Verwerfen und Wiederherstellen des wahren Moments. Was uns berauscht und was uns Lachen macht, ist die Große Lüge, die neben der Großen Wahrhaftigkeit steht. Sie bedeutet Komödie: Sinnlichkeit, Erotik, Spaß, Emotion und Leidenschaft. Timing. Die Große Überflutung.

„Sie werden sehen, was Sie sonst nicht gehört haben.“ Ein Spiel mit Wahrnehmung und Illusion, mit der Bilderflut der medialen Gesellschaft: Zeigen, was hinter dem Schein und zwischen den Zeilen ist, was scheinbar jeder kennt, aber tatsächlich nie wahrgenommen hat.

Michael Billenkamp

mit Maximilian Brauer, Guido Lambrecht, Thomas Lawinky, Peter René Lüdicke
Kind: Nora Dubilier / Florentine Zimmermann

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Sebastian Hartmann
Licht: Björn Salzer-Tondorf

Dauer: 2 Stunden 45 Minuten

Ort:

Centraltheater Hinterbühne

Termin:

So, 19.2.2012, 18:00 | Tickets online |

Fanny und Alexander

nach dem Drehbuch von Ingmar Bergman

Es ist Bergmans Opus magnum und sollte sein letzter Film sein. Ein Vermächtnis an das Kino, eine Hommage an die eigene Kindheit und an seine große Liebe: das Theater. Bergman selbst bezeichnete „Fanny und Alexander“ als die Essenz seines Schaffens. Ein psychologisches Meisterwerk über die großen Fragen und Themen unserer Existenz: Es ist der bedingungslose Gang in das Innere der menschlichen Seele und die schonungslose Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit in der Auseinandersetzung mit Leben und Tod, Glauben und Atheismus, Liebe und Hass.

Das Bühnenbild von Sebastian Hartmann ist inspiriert von Neo Rauch, unter Verwendung seines Werkes „Die Lage“ (2006) und mit freundlicher Unterstützung des Künstlers, der Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin und David Zwirner, New York.

Michael Billenkamp

Mit Bergmans Epos über die Geschichte der Theaterdynastie Ekdahl führt Sebastian Hartmann das mit „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ in der ersten Spielzeit erarbeitete und als „Leipziger Handschrift“ titulierte Spielprinzip weiter fort.

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Sebastian Hartmann
Mitarbeit Bühne: Clementine Pohl
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Video: Christopher Bauder
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Ort:

Centraltheater

Termine:

Sa, 4.2.2012, 19:30 | Tickets online |
So, 26.2.2012, 18:00 | Tickets online |

Der Zauberberg

nach dem Roman von Thomas Mann

Was heißt das: Überleben? Wann erobert Leben Gipfel, wann stürzt man ab? Oben und Unten, Berg – und Tal; beide Blickrichtungen können den Ungeübten schaudern machen. Bergsteiger müsste man sein! Alpinist! Ausgerüstest mit Haken, Seilen und ordentlichem Proviant! Der Weg ist steinig, und steil. Und gefährlich. Dauernd ändert sich das Wetter – zum Beispiel!

Der Star-Biologe Richard Dawkins unterwirft seine Thesen zum WUNDER DER EVOLUTION (DER GIPFEL DES UNWAHRSCHEINLICHEN) dem naturgeschichtlichen Bild der Kletterpartie. Bei Dawkins erklimmen die Arten die Gipfel der Unwahrscheinlichkeiten, oder eben nicht (das Wahrscheinliche bleibt im Tal …). Die artistische Dimension solcher Naturgeschichte, dieses „Theater der Evolution“, wie es der Philosoph Sloterdijk in seinem Buch DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN (2009) nachfolgend benennt, ist menschlich, gesellschaftlich und theologisch eine erhebliche, wenn auch mit einer Verspätung von Hunderten von Millionen Jahren. Ihr gegenüber steht die naturgeschichtliche Erfahrung des Aussterbens.

Möglicherweise liegt es nahe, das Über in Überleben wie das Über in Übermensch auf die Dimension der wachsenden Unwahrscheinlichkeiten zu beziehen. Hier, im Zwischenbereich, wollen wir nun unser Basislager zur Besteigung des Mann’schen ZAUBERBERGS aufschlagen. Und nehmen wir an – durchaus mit Thomas Mann –, dass die Unwahrscheinlichkeiten dem Gipfel zustrebend noch wachsen werden.

Manns artifizieller Jahrhundertroman beobachtet den Menschen an der Natur-Kultur-Schwelle des vorhergegangenen Jahrhunderts. Er wollte eine kurze, heitere Novelle über Davos schreiben. Herausgekommen ist ein Roman über das Sterben. In ihm bewegen wir uns atemlos auf die Katastrophe zu. Wir: die Kranken, Hungrigen, Todeslüsternen, wir gierigen Kleingeister. Wie im Fieber – werden wir kurz wach, blind vom Schnee, irgendein Paradies im träumerischen Kopfbild, und wir gehen los.

Uwe Bautz

mit Rosalind Baffoe, Manolo Bertling, Maximilian Brauer, Artemis Chalkidou, Matthias Hummitzsch, Janine Kreß, Guido Lambrecht, Ingolf Müller-Beck, Peter René Lüdicke, Birgit Unterweger

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Sebastian Hartmann
Bühnenbildmitarbeit: Clementine Pohl
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Steve Binetti
Licht: Carsten Rüger
Dramaturgie: Uwe Bautz

Ort:

Centraltheater

Termin:

Fr, 24.2.2012, 19:30 | Wiederaufnahme | Tickets online |

Pension Schöller

Schwank von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby

PENSION SCHÖLLER ist der berühmteste deutsche Schwank. Uraufgeführt 1890 in Berlin, ist er nicht nur brillante Verwechslungskomödie, er ist auch ein Stück deutsche Zeitgeschichte. In ihm spiegelt sich ein Deutschland im Aufbruch wider. Tempo und Beschleunigung sind Schlagworte einer ganzen Epoche und stehen als Synonym für das nervöse Zeitalter. In Berlin schießen Konsum- und Vergnügungstempel aus dem Boden und ziehen scharenweise gelangweilte Großgrundbesitzer aus der Provinz an. Auch sie wollen am Geschwindigkeitsrausch teilhaben und den tagtäglichen Irrsinn der Metropole erleben, um am heimischen Stammtisch damit prahlen zu können.

Philipp Klapproth ist einer von ihnen, will sich aber nicht mit dem Standardprogramm für Berlin-Touristen begnügen. Deshalb soll ihm sein Neffe Alfred Zugang zu einer Soiree in diesen neuen Irrenanstalten verschaffen, über die er schon so viel gelesen hat. Aber Alfred hat keine Ahnung, wie er seinem Onkel auf die Schnelle zu einer Einladung verhelfen soll. Sein Freund Kissling hat die rettende Idee: Schöller! Der veranstaltet regelmäßig Abendgesellschaften mit seinen Pensionsgästen, Alfred brauche seinem Onkel doch nur zu versichern, dass es sich bei diesen um lauter Bekloppte handle, denn „wie schwer ist es schon im gewöhnlichen Leben, zu unterscheiden, wer verrückt ist und wer nicht“.

Der Plan geht auf und Klapproth amüsiert sich prächtig zwischen dem abenteuersüchtigen Großwildjäger Bernhardy, der verknöcherten Schmonzettenschreiberin Krüger, dem schießwütigen Major a. D. Gröber oder dem angehenden Mimen mit Sprachfehler Eugen Rümpel. Verrückten, weiß Klapproth, darf man niemals widersprechen, also verspricht er ihnen das Blaue vom Himmel. Er kann ja nicht ahnen, dass ihn die illustre Gesellschaft schon bald auf seinem Landgut besuchen wird – um nun ihn an den Rand des Wahnsinns zu bringen …

Michael Billenkamp

mit Maximilian Brauer, Edgar Eckert, Sarah Franke, Eva-Maria Hofmann, Matthias Hummitzsch, Andrej Kaminsky, Janine Kreß, Ingolf Müller-Beck, Hagen Oechel, Linda Pöppel, Peter René Lüdicke, Holger Stockhaus, Barbara Trommer, Birgit Unterweger

Regie: Sebastian Hartmann
Bühne: Clementine Pohl
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Lothar Baumgarte
Choreographie: Silvia Zygouris
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Ort:

Centraltheater

Termin:

Sa, 25.2.2012, 19:30 | letzte Aufführung! | Tickets online |

Centraltheater & Skala | Schauspiel Leipzig

Centraltheater

Bosestraße 1
D-04109 Leipzig

Telefon: +49 (0)341 12 68 - 168
Fax: +49 (0)341 12 68 - 169
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Kassenöffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10-19 Uhr, Samstag 10-13 Uhr.