Theater im Pfalzbau         Ring 2013 Halle - Ludwigshafen    

Ring 2013
Halle - Ludwigshafen

Richard Wagner durchbrach mit seinem „Ring des Nibelungen“ in revolutionärer Manier die angestaubten Opernkonventionen seiner Zeit. Seine Kritik an einer immer brutaler werdenden industrialisierten Welt, am schonungslosen Machtkampf der gesellschaftlichen Gruppierungen kleidete er, ganz Künstler des 19. Jahrhunderts, in das mythologisch-entrückte Kunstgewand einer vorzeitlichen Götter- und Phantasiewelt.

Zugleich wurde die Oper zur großen Sinfonie, das Orchester zum ebenbürtigen Protagonisten einer musikalischen Erzählweise ohne Arien und Rezitative, welche als Relikte einer überholten Gesellschaftsordnung gegen die Idee eines „Kunstwerkes für alle“ standen. Längst ist das Musiktheater Wagners wieder in die elitäre Welt der angestammten Kunsttempel eingezogen.

Dies hat Karl-Heinz Steffens, Künstlerischer Leiter der Oper Halle und Chefdirigent der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz, und den Regisseur und Ludwigshafener Theaterintendanten Hansgünther Heyme inspiriert ein Projekt ins Leben zu rufen, dass die beiden Städte Halle und Ludwigshafen für die nächsten Jahre künstlerisch eng verbindet: Eine Aufführung von Richard Wagners Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ als Kooperation der Oper Halle, des Theaters im Pfalzbau Ludwigshafen am Rhein und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Während die Sängerbesetzung übergreifend für beide Spielstätten ausgewählt wird, bleiben die beiden Orchester in ihrer jeweiligen Heimatstadt. Der Starschuss des Projektes fällt mit dem „Rheingold“ im November 2010 und mündet im Frühjahr 2013, anlässlich des 200. Geburtstages Richard Wagners, in einer Gesamtaufführung des „Rings“ – beide Orchester, beide Städte. Eine deutsch-deutsche Unternehmung!

Zum Werk
Richard Wagners Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen” ist in jeder Hinsicht ein Werk der Superlative. Vier Opern mit über 16 Stunden Musik zu einem Stoff, der mit seinen mythologischen und philosophischen Bezügen einen Meilenstein der abendländischen Musik- und Geistesgeschichte darstellt. Ein zeitloses Drama über das Werden und Vergehen der Welt, das von Themen handelt, die auch heute noch allesamt unser Leben bestimmen: Von der Versündigung an der Natur, von der Verletzung allen Rechts, von der Enge aller herrschenden, brutalen Moral – von der Angst vor der uns nicht mehr beherrschbaren Zukunft.
Wir stellen Ihnen hier Wagners Operntetralogie vorm, geben einen inhaltichen Einblick in die vier Opernabende und berichten nicht zuletzt aus dem Leben ihres Schöpfers Richard Wagner.

Ein Kooperationsprojekt der Bühnen Halle, dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Der Ring des Nibelungen

Bühnenfestspiel in drei Tagen und einem Vorabend.

Musikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens
Inszenierung und Ausstattung: Hansgünther Heyme

Das Rheingold

Vorabend zum Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“

Musikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens
Inszenierung und Ausstattung: Hansgünther Heyme

Ensemble:
Wotan - Gérard Kim
Donner - Ásgeir Páll Ágústsson
Froh - Kammersänger Nils Giesecke
Loge - Paul McNamara
Alberich - Gerd Vogel
Mime - Ralph Ertel
Fasolt - Alexander Vassiliev
Fafner - Christoph Stegemann
Fricka - Ulrike Schneider
Freia - Anke Berndt
Erda - Julia Faylenbogen
Woglinde - Ines Lex
Wellgunde - Sophie Klußmann
Floßhilde - Sandra Maxheimer
Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz


Kultur ist
Vor-Schein
Auf der fernsichtreichen
Höhe der Zeit

Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung. (178)

„Das Rheingold“, der sogenannte Vorabend zu Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“, gilt gemeinhin als der leichtgewichtigste Teil. Wagner-Kenner nehmen diese Welt der Götter, Fabel- und Fantasiewesen natürlich mit einem großen Faszinosum hin, Wagner-Debütanten hingegen, die Hansgünther Heyme mit seiner Interpretation nun insbesondere zu erreichen beabsichtigt, mögen all diese bemerkenswerten, um nicht zu sagen merkwürdigen Figuren zunächst Rätsel aufgeben.

Letzteren sei mit folgenden Worten George Bernard Shaws, der bereits im Jahre 1898 eine brillante, allerdings auch nicht unumstrittene Analyse des Werkes unter dem Titel „The Perfect Wagnerite“ publizierte, Mut zugesprochen: „Vorerst einmal: der ‚Ring‘ mit all seinen Göttern und Riesen und Zwergen, mit den Wasserjungfrauen und Walküren, der Tarnkappe, dem magischen Ring, dem verzauberten Schwert und dem wunderbaren Schatz ist ein Drama der Gegenwart und nicht eines aus ferner und sagenhafter Vorzeit.“ Dass diese Ansicht nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, wird von Wagner selbst untermauert, der in seinem Aufsatz „Erkenne dich selbst“ das Zentralsymbol des „Rings“ als „Börsenportefeuille“ und „schauerliches Bild“ der Weltherrschaft des Geldes interpretiert. Und schon sind wir mitten im Heute angelangt.

Zu Beginn des „Rheingold“ herrscht noch das goldene Zeitalter, die Rheintöchter umhegen das Rheingold, an dem sie sich verzückt erfreuen, frei von Spekulation oder Gewinnsucht. Der Friede wird gestört und gefährlich bedroht, als der Zwerg Alberich zu ihnen gelangt, der mit einer gehörigen Portion „brutaler Energie“ ausgestattet ist, wie Shaw es ausdrückt. Das Verrückte ist, dass die Rheintöchter den Raub des Goldes womöglich verhindern könnten, würden sie auf Alberichs Hunger nach Liebe eingehen. Doch sie denken nicht daran, spielen mit seinem Verlangen und vergessen verhängnisvollerweise dabei, dass sie seine Gier damit auf ein anderes Gut lenken, das Gold nämlich. Denn was bleibt ihm noch, nachdem er von ihnen nur Hohn und Spott erntet? Da ihm ihre Liebe versagt bleibt, kann er der Liebe auch abschwören und so zumindest in den Besitz des Goldes kommen. Indem das Gold in die Hände Alberichs gelangt, findet das goldene Zeitalter ein jähes Ende, denn er macht sich sogleich daran, die Macht des Goldes zu nutzen. Er errichtet sich ein kleines Imperium, macht sich seine Artgenossen gefügig und spannt ihre Arbeitskraft für seine Zwecke ein: er bereichert sich, indem er diejenigen, die für ihn arbeiten, skrupellos aussaugt. In Cosimas Tagebüchern gibt es einen Nachweis, demzufolge Wagner „in Alberich und seiner das ganze Nibelungenvolk schindendenden unterirdischen Fabrik den dämonischen Geist des Industriezeitalters chiffrieren wollte.“ (Dieter Borchmeyer)

Hätte es Wagner dabei belassen, wäre der Untergang der Welt nur eine Frage der Zeit; doch in Wotan stellt er ihm einen Antipoden gegenüber, einen so genannten Gott, der Höheres im Sinn hat und nicht nur von sinnlichen Begierden getrieben wird. Er begreift, dass der Zustand der Welt nur unter Kontrolle gehalten werden kann, wenn eine für alle verbindliche soziale Ordnung hergestellt wird. Dementsprechend etabliert Wotan ein Rechtssystem bestehend aus Vorschriften und Verträgen, dessen Einhaltung durch ein aufwändiges Regelwerk gewährleistet werden soll. Nun, da der Katalog an Gesetzen einmal besteht, ist Wotan als Gesetzgeber jedoch auch selbst daran gebunden, will er nicht seine Autorität und die Achtung vor sich selbst verlieren. Doch genau das tut er – er verstößt gegen seine eigenen Gesetze. Er raubt Alberich durch eine List und mit Hilfe von Loge das Gold und rechtfertigt diesen Diebstahl vor sich selbst mit dem moralischen Anspruch, nicht anders zu können als dem Bösen die Macht zu entreißen. In Wahrheit braucht er das Gold, um Frickas Schwester Freia loszukaufen, die er den Riesen Fasolt und Fafner überlassen musste als Pfand. Fasolt und Fafner wollen sich allerdings nun nicht mehr nur mit dem Gold zufrieden geben, zu sehr ist ihnen Freia ans Herz gewachsen. Am Ende wird Wotan nicht nur das Gold, sondern auch Alberichs Tarnkappe und schließlich den Ring los. Aus Raffgier und Neid erschlägt Fafner den eigenen Bruder. Dies zeigt, welch verheerende Wirkung der gerade eben erst erlangte Reichtum hat. Fafner weiß nichts Besseres zu tun, als sich mit seiner Beute aus dem Staub zu machen. Sein Leben ist künftig der Bewachung des Schatzes geweiht und somit wird er zum Sklaven seines errungenen Besitzes.

Was bleibt, ist die Klage der Rheintöchter über das verlorene Gold, ist der Glanz des neu errichteten Walhall, ist die – trotz aller Kratzer, die er sich selbst zugefügt hat – hoffnungsvolle Vision Wotans, dass die Urmutter Erda ihm ein Geschlecht von Helden gebären wird, das die Welt und ihn selbst erlösen werde…

Termin:

So, 3.3.2013, 18:00 | Oper Halle |

Die Walküre

Wenn man den Titel des Werkes beim Wort nimmt, so legt er den Schluss nahe, dass Wagner Wotans in freier Liebe gezeugte Tochter Brünnhilde als Hauptfigur der “Walküre” betrachtet. Neben acht weiteren Walküren sowie den Zwillingen Sieglinde und Siegmund ist Brünnhilde Ausdruck des göttlichen Ehebruchs Wotans, denn es liegt nahe, dass diese außerehelichen Kinder von mindestens drei verschiedenen, vermutlich sogar noch mehr Müttern stammen.

Dass Fricka, die zu allem Überfluss auch noch Hüterin der Ehe ist, auf die Affären Wotans mit scharfer Gereiztheit reagiert, ist durchaus nachvollziehbar. Schlimmer noch allerdings ist der Verstoß Wotans gegen dieses Bündnis, denn schließlich ist auch die Ehe nichts anderes als ein Vertrag, dem Wotan zuwiderhandelt. Und schon gerät seine Macht ins Wanken, die er doch Verträgen verdankt, die er selbst geschmiedet hat.

Was für ein Übergang, den Wagner mit der „Walküre“ beschreitet: Er führt ein in die tragische und von Verbrechen gezeichnete Menschenwelt, während er zuvor im „Rheingold“ noch eine märchenhafte, mythische Welt der Götter und Riesen und Zwerge hat aufleben lassen. Wotan ist dabei das Bindeglied, der zwar Gott genannt werden mag, der sich jedoch in seinem Streben und Verlangen als zutiefst menschlich zeigt, getrieben von seiner Sehnsucht nach Liebe einerseits und von seiner Machtgier andererseits. Beides zu vereinbaren ist sein Dilemma. Dieses Dilemma zeigt sich auch im Verhalten seinen Kindern gegenüber, die letztendlich Wotans höherem Plan gehorchen müssen: Seine Tochter Sieglinde lässt er einem Stamm von Waldbewohnern in die Hände fallen, der sie zu einem späteren Zeitpunkt wiederum dem Stammesführer Hunding zur Frau gibt. Ihren Zwillingsbruder Siegmund lehrt er die Kunst des Überlebenskampfes, bis er auch ihn seinem Schicksal überlässt, das ihn ausgerechnet zu seiner Zwillingsschwester Sieglinde führt. Beide erkennen nicht nur einander, sondern auch ihre tiefe Liebe zueinander, die über die reine Geschwisterliebe hinausgeht. Dadurch wird Fricka auf den Plan gerufen, die Wotan zur Lösung dieses Konfliktes in die Pflicht ruft: Seinen Sohn Siegmund habe er zu opfern. Und wen anderes als die Walküre Brünnhilde könnte Wotan diese Tat begehen lassen? Sie, die seine Lieblingstochter ist, verkörpert seinen wirklichen Willen, sein wahres Selbst, wie er glaubt. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass sich Brünnhilde seinem Willen wiedersetzen würde – als sich Siegmund weigert, fügsam seinen Platz unter den Helden in Walhall einzunehmen und Sieglinde nie wieder zu sehen, sichert ihm Brünnhilde für den Kampf mit Hunding den Schutz ihres Schildes zu. Wotan bleibt daher nichts anderes übrig, als die eigentlich verhasste Tat selbst zu vollbringen und den eigenen Sohn zu töten.

Und nicht nur das: er muss überdies Brünnhilde, die zumindest noch Sieglinde und deren ungeborenes Kind retten konnte, für ihren Ungehorsam bestrafen. Denn indem sie sich für die Liebe entschieden hat, entzweite sie sich nicht nur mit dem Vater, sondern stellt in ihrer Emanzipation und rebellischen Kraft auch eine Gefahr für den gesetzgebenden Staat dar. Die grausame Strafe Wotans zeugt davon, dass ihm Brünnhilde das Herz gebrochen hat: Er versenkt sie in tiefen Schlaf und gebietet Loge, sie mit einem Feuerring zu umschließen. Er nimmt Abschied mit den Worten: „Denn nur einer freie die Braut, / der freier als ich, der Gott (…) Wer meines Speeres / Spitze fürchtet, / durchschreite das Feuer nie!“

Musikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens
Inszenierung und Ausstattung: Hansgünther Heyme

Termin:

Di, 5.3.2013, 18:00 | Oper Halle |

Siegfried

Ursprünglich lag es Wagner fern, einen ganzen vierteiligen Zyklus zu schaffen; zunächst hatte er nur die Absicht, eine „große Heldenoper“ mit dem Titel „Siegfrieds Tod“ zu erarbeiten: Aus dieser Idee entwickelte sich „Die Götterdämmerung“, der Schlussteil des „Rings“.

Dabei blieb es jedoch nicht, denn schon bald entschloss sich Wagner, als er sich im Züricher Exil befand, mit dem Titel „Der junge Siegfried“ ein Stück über die Jugend des Helden voranzustellen, das er letztendlich schlicht „Siegfried“ nannte. Wagner sieht in diesem seinen Helden den „von uns gewünschten, gewollten Menschen der Zukunft“, ja bezeichnet ihn gar als den „schönsten meiner Lebensträume“. Und in der Tat lässt er ihn als Helden par excellence auftreten, der alles mit sich bringt, was einen wahren Helden auszumachen hat, allem voran seine „die menschliche Normalität sprengende Herkunft“, wie Dieter Borchmeyer hervorhebt: Nicht nur, dass er in zweiter Generation von einem Gott abstammt, denn immerhin ist Wotan sein Großvater, er ist darüber hinaus aus der inzestuösen Verbindung von Siegmund und Sieglinde hervorgegangen.

Auf Grund dieser heiklen Zeugungsumstände verwundert es wenig, dass Sieglinde ihren Sohn in aller Verborgenheit zur Welt brachte. Da sie ausgerechnet bei Alberichs Bruder Mime Zuflucht gesucht hatte und bei Siegfrieds Geburt starb, wurde ihr Sohn von jenem halbmenschlichen, mythischen Wesen großgezogen. Dieser Held, der sich durch überbordende Kräfte auszeichnet, muss sich im Kampf mit einem Untier messen, mythologisch nicht selten in Gestalt eines Drachen verkörpert, und sich so einer „rituell-obligaten, heroischen Initialleistung“ (Dieter Borchmeyer) unterziehen. In seiner Unverwundbarkeit beweist er sich wiederum als Held, dem überdies bei dieser Gelegenheit jener unermessliche Schatz in die Hände fällt, den Fafner als Drache wie seinen Augapfel gehütet hatte. Mit den Worten „Was ihr mir nützet weiß ich nicht“, nimmt Siegfried Tarnhelm und Ring an sich, meuchelt auf die Schnelle seinen ungeliebten, auf den Schatz spekulierenden Ziehvater Mime, der ihn ohnehin nach der Drachentötung vergiften wollte, macht das Gold unzugänglich, auf das auch Alberich längst ein Auge geworfen hat, und sich selbst auf zur nächsten Heldentat: Die Befreiung und Eroberung der Walküre Brünnhilde wartet auf ihn, die von ihrem Vater Wotan in eine Art Dornröschenschlaf versetzt worden war und nur durch einen Helden wie Siegfried erlöst werden kann.

Siegfried, der weder Vater noch Mutter kannte und von seinem Ziehvater Mime niemals menschliche Nähe erfahren hatte, macht sich nun sehnsuchtsvoll und unerschrocken, wie ein Märchenheld, auf zur schlafenden Walküre. Unbefangen und vor allem unverdorben durch das Gold, das ihn nicht weiter interessiert hat, ist er dazu berufen, auch diese Gefahr zu bestehen, den Feuerring zu überwinden, der ihn von Brünnhilde trennt, und das Wunder der erwachenden Liebe zu erfahren – und mit einem Mal zu wissen, was es heißt, Furcht zu empfinden. Auch Brünnhilde empfindet diese Angst beim Anblick dieses „ganz und gar unreifen Mannes, der ihr als exemplarischer Inbegriff jedes Mannes gegenübertritt“, wie Dieter Schickling ausführt. Womöglich ahnen beide schon zu diesem Zeitpunkt, dass sie den Urzustand ihrer so eruptiv erwachten jungen Liebe, den sie wie eine glückliche Insel erleben, auf der „Natur und Liebe alles – Macht und Besitz noch nichts sind“ (Dieter Borchmeyer), nicht lange werden genießen können. Vorerst jedoch fallen sie, nachdem sie ihrer beider Furcht erst einmal überwunden haben, laut Richard Wagner „wie zwei Tiere“ übereinander her und er fügt hinzu: „Da ist kein Zweifel, keine Sünde.“

Musikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens
Inszenierung und Ausstattung: Hansgünther Heyme

Termine:

Fr, 26.10.2012, 18:00 | Theater im Pfalzbau Ludwigshafen |
So, 28.10.2012, 16:00 | Theater im Pfalzbau Ludwigshafen |
Do, 7.3.2013, 18:00 | Oper Halle |

Die Götterdämmerung

In der „Götterdämmerung“ spitzt sich zu, was symptomatisch für die Siegfried-Figur ist, seitdem diese mit Hoffnungen beladene Lichtgestalt in die Welt geworfen wurde: In seiner kraftstrotzenden Unschuld wird Siegfried nicht von seinem eigenen Willen gelenkt, er ist vielmehr das willige Werkzeug anderer, die ihn zu vermeintlichen Heldentaten anstiften. Denn wieso hätte er überhaupt darauf aus sein sollen, Fafner in Gestalt des ungeheuerlichen Drachen zu besiegen, da ihn doch der von diesem bewachte Schatz nicht weiter interessiert?

Mime bzw. Alberich haben in diesem Falle die Fäden gezogen und so geht es weiter. Immer neue Heldentaten werden ihm eingeflüstert, da er von Wotan zum Erlöser der Welt ausersehen ist. Doch in der „Götterdämmerung“ zeigt sich, dass Siegfried nur das letzte und ebenfalls gescheiterte Projekt des Gottes ist. Gleich im Vorspiel drängt sich ohnehin die Frage auf, weshalb sich Siegfried getrieben fühlt, Brünnhilde nach der ersten Liebesnacht sofort wieder zu verlassen: „Zu neuen Taten, teurer Helde, wie liebt‘ ich dich – ließ ich dich nicht?“ formuliert Brünnhilde wehmütig das ungewisse Ziel des Geliebten, der wie ein „herkulisches Unschuldslamm“ (Friedrich Dieckmann) seiner heldischen Bestimmung folgt. In bestem Wissen und Gewissen, mit einem Treue- und Liebesschwur im Herzen verirrt sich Siegfried geradewegs in die Zivilisation und gerät in die Falle dessen, der ihn sogleich verführt, den Schwur zu brechen: „Der Gegenspieler Siegfrieds ist Hagen, eine Figur, die an düsterer Wucht alle früheren und zeitgenössischen Ausformungen, den Hagen des Nibelungenliedes wie den Hebbels, weit überragt. Wagners theatralisch-dichterische Gestaltungskraft triumphiert in der Figur des neiderzeugten Halb-Alben wie vielleicht nirgends sonst.“ Der von Thomas Mann in solch unheilvollen Farben beschrieben wird, ist Alberichs Sohn und von diesem „zu zähem Hass erzogen“, um mit Wagner zu sprechen. Um in den Besitz des Ringes zu gelangen und damit den Vater zu rächen, ersinnt Hagen eine heimtückische Intrige: Mit Siegfrieds Hilfe soll Brünnhilde mit Gunther vermählt werden, die den Ring als Liebespfand am Finger trägt. Ein Zaubertrank lässt Siegfried seine Liebe zu Brünnhilde vergessen und in Leidenschaft zu Gutrune entbrennen – und so bedeutet die Liebe, die Siegfried das Fürchten gelehrt hat, letzten Endes seinen Tod. Denn Brünnhilde, für die die Liebe zu Siegfried alles ist, muss mit ansehen, wie sich der Mann, der sie zu lieben behauptete, anschickt eine andere zu heiraten.

Soeben noch hat sie den Ring, der für sie zum Symbol für ihre Liebe wurde, ihrer Schwester Waltraute gegenüber glühend verteidigt: „Siegfrieds Liebe wahrt mir der Reif!“ Wie könnte sie daher Wotans Bitte nachkommen und den Rheintöchtern den Ring zurückgeben, um Walhalls Niedergang zu verhindern? Und wie hätte sie ahnen sollen, dass mit den Worten der Schwester „Der Welt Unheil haftet sicher an ihm“ auch ihr eigenes Unheil und das von Siegfried gemeint sein würde? Sie selbst besiegelt es hasserfüllt, indem sie Hagen verrät, wie Siegfried zu verwunden ist. Letzterer merkt von der Schlinge, die sich immer fester um seinen Hals zusammenzieht, nichts und geht schließlich in strahlendem Leichtsinn zugrunde. Zu spät durchschaut Brünnhilde Hagens List, spät genug folgt sie nun doch noch dem Rat der Schwester und gibt den Ring der Natur zurück, auf dass er von seinem Fluch befreit werde. Indem sie die alten Götter, deren Macht und Gesetze fehlschlugen, den Flammen preisgibt, erfüllt sie überdies den Willen Wotans, der schließlich den Weg von der Zerstörung zur Selbstzerstörung gehen musste.

Den ursprünglichen Gedanken Richard Wagners, der hinter diesem gewaltigen Totenopfer steht, hat er selbst in seinem berühmten Dresdner Flugblatt mit dem Titel „Die Revolution“ im Jahre 1848 formuliert: „Zerstören will ich die bestehende Ordnung der Dinge, welche die einige Menschheit in feindliche Völker, in Mächtige und Schwache, in Berechtigte und Rechtlose, in Reiche und Arme teilt, denn sie macht aus allen nur Unglückliche. Zerstören will ich die Ordnung der Dinge, die Millionen zu Sklaven von Wenigen und diese Wenigen zu Sklaven ihrer eigenen Macht, ihren eigenen Reichtums macht. Zerstören will ich diese Ordnung der Dinge, die den Genuss trennt von der Arbeit, die aus der Arbeit eine Last, aus dem Genuss ein Laster macht, die einen Menschen elend macht durch den Mangel und den anderen durch den Überfluss.” Allerdings wird von den Menschen, die die Katastrophe überleben, nicht viel mehr gesagt, als dass sie beim Anblick der im Feuer zu Grunde gehenden Trümmer ergriffen sind. Doch stellt Carl Dahlhaus nicht zu Unrecht die Frage: „Ist die Ergriffenheit angesichts des Untergangs einer alten Welt zugleich Bewusstsein des Aufgangs einer neuen?“

Musikalische Leitung: Karl-Heinz Steffens
Inszenierung und Ausstattung: Hansgünther Heyme

Termine:

Fr, 30.11.2012, 18:00 | Theater im Pfalzbau Ludwigshafen |
So, 2.12.2012, 16:00 | Theater im Pfalzbau Ludwigshafen |
Sa, 23.2.2013, 18:00 | Oper Halle |
Sa, 9.3.2013, 18:00 | Oper Halle |

Theater im Pfalzbau
Berliner Straße 30, 67059 Ludwigshafen
Telefon: +49 (0)621-504 25 - 51
www.theater-im-pfalzbau.de

Oper Halle
Universitätsring 24
D-06108 Halle (Saale)
Tel.: +49 (0)345-5110 777
PER E-MAIL:
www.buehnen-halle.de