Festung Luxemburg

L 1343 Luxembourg


Während nahezu neun Jahrhunderten war Luxemburg eine befestigte Stadt. Sie erhielt sogar den Beinamen "Gibraltar des Nordens" aufgrund der mächtige Festung.
1443 nahm Philipp der Gute die Stadt Luxemburg durch einen nächtlichen Überraschungsangriff ein. Damit begann eine Zeit der Fremdherrschaft durch die Franzosen, die Burgunder, die spanischen bzw. die österreichischen Habsburger. Während dieser Zeit wurde die Festung kontinuierlich ausgebaut und den militärischen Erfordernissen der Zeit angepasst.
Die Festung Luxemburg bestand am Ende aus drei Festungswällen, auf einer Fläche von 180 ha (Fläche der Stadt: ca. 120 ha). Im Innern der Festung gab es eine Vielzahl von Bastionen, im Zentrum 15 und außerhalb noch einmal 9 Forts. Ein Netz von 23 km unterirdischer Galerien (Kasematten) war verbunden mit über 40.000 m² vor Angriffen gechützten Räumen.

Als Folge des "Londoner Vertrages" aus dem Jahr 1867, wurde das Großherzogtum zum ewig neutralen Staat erklärt, und die Festung bis 1883 geschleift. Wobei oftmals Teile der Festung einfach gesprengt wurden, die brauchbaren Materialien von Anwohnern fortgeschafft und der verbliebene Rest mit Erde zugeschüttet. Dabei beschloss man, einige Bauwerke als Wahrzeichen der Stadt der Nachwelt zu erhalten. Die Stadt konnte ohne die Festungsmauer in den Folgejahren wachsen.

Ruine des Schlosses & "Huelen Zant" am Bockfelsen
Im Jahre 963 erwarb der Ardenner Graf Siegfried den Bock-Felsen durch ein Tauschgeschäft mit der Trierer Abtei St. Maximin. Mit dem darauf erbauten Schloß beginnt auch die Geschichte der Stadt und des Landes Luxemburg. Der Felsvorsprung, auf dem Siegfried seine Burg errichtete, spielte eine militärstrategisch wichtige Rolle. Auf drei Seiten vom Alzette-Tal umgeben und nur von Westen her zugänglich war der Felsen leicht zu verteidigen.
Im Bock-Felsen befinden sich die archäologische Krypta sowie die Bock-Kasematten, die ehemaligen unterirdischen Befestigungsanlagen. Die ersten Kasematten entstanden 1644 zur Zeit der spanischen Fremdherrschaft. Der eigentliche Ausbau der insgesamt 23 km langen unterirdischen Galerien erfolgte 40 Jahre später durch den französischen Militäringenieur und Festungsbauer Vauban und im 18. Jahrhundert durch die Österreicher. Die Befestigungsgänge waren auf verschiedenen Ebenen angelegt und reichten bis 40 m Tiefe hinab. Nach der Schleifung 1867 blieben 17 km der Kasematten erhalten. Seit 1933 sind die Bock- und Petruss-Kasematten für Besichtigungen zugänglich.

Chemin de la Corniche
Die Corniche, auch “der schönste Balkon Europas” genannt, verläuft auf den von Spaniern und Franzosen im 17. Jahrhundert errichteten Wällen entlang des Alzette-Tales. Der Weg zieht sich vom Bock-Felsen bis zum unteren Teil der Heiliggeist-Zitadelle, den sogenannten Rondellen.
Bis 1870 war die Corniche an steil abfallenden Stellen mit Treppen versehen; erst nach der Schleifung wurden diese eingeebnet. Auch ein Großteil der mit Schießscharten versehenen Schutzmauern musste weichen und gab somit den Ausblick frei auf das Tal der Alzette, den Stadtteil Grund und das Rham-Plateau.

Rhamplateau
Das Rham-Plateau, zu drei Seiten von der Alzette umspült, war bereits früh besiedelt. Seit dem 15. Jahrhundert wurde es durch den Bau der dritten Ringmauer in den geschützten Teil der Stadt Luxemburg eingebunden. Unter französischer Herrschaft ließ Vauban Ende des 17. Jahrhunderts fünf Militärkasernen errichten. Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind in diesen Gebäuden soziale Einrichtungen untergebracht. Von der Vorderseite des Rham-Plateaus aus hat man einen schönen Ausblick auf die militärischen Bauten und Befestigungen des Heiliggeist-Plateaus sowie auf die sogenannte Corniche.

Heilig-Geist-Zitadelle
Im Jahre 1234 wurde das Heiliggeist-Kloster auf dem gleichnamigen Platz gegründet. Durch den Bau der dritten Ringmauer im 14. Jahrhundert wurde das Plateau in den befestigten Teil der Stadt eingegliedert; seinen militärischen Charakter erhielt es im 16. Jahrhundert während der ersten spanischen Fremdherrschaft. Die endgültige Form des Heiliggeist-Felsens geht auf die Jahre 1685 bis 1687 zurück, als der französische Festungsbaumeister Vauban den Standort der Zitadelle ausbaute und die Wälle und Bollwerke zu Bastionen verstärkte.

Fort Thüngen (Drei Eicheln)
Das Fort Thüngen entstand 1732 und wurde nach dem österreichischen Festungskommandanten Freiherr von Thüngen benannt. Es wurde um das ungefähr 50 Jahre zuvor von Vauban angelegte Verteidigungswerk “Redoute du Parc” herum angelegt. Das Fort war von einem tiefen Graben umgeben und konnte von Obergrünewald aus durch einen 169 m langen unterirdischen Felsengraben erreicht werden. 1836 wurde das Fort von den Preußen erweitert und 1860 nochmals verstärkt.
Das Fort wurde in den Jahren 1870 und 1874 abgerissen. Einzig die drei runden Türme, die sogenannten "Drei Eicheln", und die 1991 wieder freigelegten Grundmauern des Forts blieben erhalten. Hier befinden sich heute das “Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean” nach den Plänen des sino-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei sowie das Festungsmuseum.

Plateau Bourbon
Das Plateau Bourbon, nach dem ehemaligen Fort Bourbon benannt, wurde jahrhundertelang zur Befestigung der Stadt genutzt. Zahlreiche Festungswerke des mittleren und äußeren Gürtels der sogenannten Diedenhofener Front (beispielsweise Fort Bourbon, Fort Elisabeth, Avancée Thionville, Fort Wallis, Fort Wedell) waren auf dem Plateau angelegt.