BALLETT MANNHEIM

Spielzeit 2011/12

Three to One

Robert Glumbek | Brian McNeal | Luis Eduardo Sayago
Dreiteiliger Ballettabend

Premiere: 21. April 2012, Schauspielhaus

Drei Choreografen, drei Kulturen, ein Tanzensemble. Luis Eduardo Sayago, Brian McNeal und Robert Glumbek sind Choreografen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, haben aber eines gemeinsam: Sie alle sind oder waren Tänzer am Nationaltheater Mannheim. Betrachtet man das Mannheimer Ballettensemble sticht die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Tänzern und Choreografen hervor. Sie ist geprägt von der kulturellen Vielfalt des Ensembles und dem Zusammentreffen verschiedener Generationen. Gemeinsam tanzen frisch ausgebildete Tänzer mit erfahrenen Ensemblemitgliedern, die von Anfang an beim Kevin O'Day Ballett Nationaltheater Mannheim dabei waren. Zur Jubiläumsspielzeit gibt der Ballettdirektor drei langjährigen Wegbegleitern die Gelegenheit, einen eigenen Ballettabend zu gestalten.

Der Venezolaner Luis Eduardo Sayago hat bereits mehrere Choreografien im kleinen Format entwickelt, bei jeder Choreografischen Werkstatt war er mit eigenen Stücken präsent. Seine Werke, die oft von einer unbeschwerten Ironie geprägt sind, fanden großen Zuspruch beim Publikum. Seine Choreografie Cien años de perdón, die im Rahmen der Choreografischen Werkstatt 2006 entstand, wurde auf einem Gastspiel gezeigt. 2011 brachte das Luna Negra Dance Theater sein Stück Solo una Vez in Chicago zur Premiere. In dieser Spielzeit schafft er sein erstes Ensemblestück im Schauspielhaus.

Der US-Amerikaner Brian McNeal bringt mit seiner neuen Choreografie die Energie und Dynamik seiner Heimatstadt New York auf die Bühne – einer Stadt die niemals schläft.
In der Spielzeit 2010/2011 war McNeal schon einmal als Choreograf für eine große Produktion tätig. Für den dreiteiligen Ballettabend Bang on it! entwickelte er mit Dis-Ex eine Choreografie, die man „in so geschliffener Dynamik von einem Debütanten kaum erwartet“ (Die Rheinpfalz).

Für den polnisch-kanadischen Tänzer und Choreografen Robert Glumbek ist Mannheim so etwas wie ein künstlerischer Hafen. Von 2002 bis 2004 arbeitete er als Tänzer und Ballettmeister am Nationaltheater. Seitdem kehrt er immer wieder zurück, um spannungsreiche Choreografien zu entwickeln, die den Tänzern des Ensembles auf den Leib geschneidert sind. 2009 und 2010 tanzte er neben Luches Huddleston Jr. und Ballettdirektor Kevin O'Day in der von ihm mitentwickelten Produktion Full Bloom.

Choreografie: Robert Glumbek / Brian McNeal / Luis Eduardo Sayago
Bühne und Kostüme: Jürgen Kirner
Licht: Damian Chmielarz

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Sa, 21.4.2012 | Premiere |

I'm with the Band

Kevin O'Day

Wenn Ballettdirektor Kevin O'Day, der New Yorker Komponist John King und eine Gruppe von Musikern aus Mannheim und Umgebung zusammenkommen, um ein neues Stück zu machen, ist vieles denkbar: spielerisch wird aus den unterschiedlichsten Stilen geschöpft, mischen sich urbane Rhythmen mit Referenzen anderer musikalischer Traditionen.
Seit über 15 Jahren verfolgen Kevin O'Day und John King einen Weg, der Tanz und Musik herausfordert und dabei zwei gleichberechtigten Partnern viel Eigenständigkeit und Freiheit lässt. John King arbeitete mit der Tanzlegende Merce Cunningham, schuf mehrere Opern, Hörspiele und Auftragskompositionen unter anderem für das Kronos Quartet, Red {an orchestra} und Ethel. Konsequent verfolgt und verfeinert er eine Methode, die der New York Observer einmal folgendermaßen beschrieb: „Vielleicht ist es letzten Endes der Zuhörer, der dem Stück oder den Stücken von John King Leben einhaucht. Aber es ist die Vorgabe des Komponisten, die so etwas möglich macht und jemanden wie John King gibt es selten.“

Der Ausspruch I'm with the band mag eine Methode sein, mit der sich schon mancher Zutritt in überfüllte Clubs und Konzerte erschlichen hat. Mit einem Augenzwinkern bezieht sich Kevin O'Day auf diesen Trick. Gehören wir nicht alle zur Band? Beim Wort genommen, geht es um das Zusammenwirken von Musik und Tanz und die besondere Atmosphäre, die dadurch entsteht, dass all dies vor und mit einem Publikum geschieht. In der zehnten Spielzeit der Ballettsparte unter der Direktion von Kevin O'Day, ist I’m with the band mehr als ein einfaches Geburtstagsständchen. Es ist Live-Konzert und Tanzstück, ein Feiern des Musikmachens, des Tanzens und des Zusammenseins.

Choreografie: Kevin O'Day
Musik: John King
Bühne und Kostüme: Thomas Mika
Licht: Mark Stanley

Ort:

Opernhaus

Termin:

So, 19.2.2012, 19:30 |

Garden of Other

Dominique Dumais

Die Magie, die Ungewissheit und die ungeheure Freiheit im Moment des Begegnens stehen im Mittelpunkt von Dominique Dumais’ neuem Ballett Garden of Other. Jede Begegnung schafft ihre eigene Geschichte, die manchmal eine unfertige, unvollendete bleiben muss und ein anderes Mal eine Wende, ein Weiterleben oder eine schicksalhafte Fügung verheißt. Momente des Aufeinander-Treffens können Ausdruck größter Konzentration sein, sie können alles bedeuten oder unerkannt verstreichen, in einer endlos scheinenden Fülle von Möglichkeiten.

Tanz ist ohne die vertrauensvolle Begegnung mit dem Anderen nicht möglich. Das gilt für die Tänzer untereinander, die sich im Fluss der Choreografie berühren, halten, stützen und heben. Und es gilt für die Begegnung mit dem Publikum, dem sie sich mit ganzem Körper aussetzen und präsentieren. Im Tanz kann Begegnung auch eine konkrete Bedeutung haben, wenn der Choreograf sogenannte meeting points bestimmt. Diese Koordinaten besagen, wann ein Tänzer mit einem anderen Tänzer, einer bestimmten Stelle in der Musik oder einer Lichteinstellung zusammentreffen soll. Doch selbst wenn man diese Begegnungen zunächst rein räumlich definiert, entstehen daraus im Moment ihrer Aufführung unweigerlich assoziative Verknüpfungen – Bilder, die von Beziehungen zwischen Menschen handeln.

Zusammen mit ihrem Ensemble und den künstlerischen Partnerinnen Tatyana van Walsum (Bühne und Kostüme) und Bonnie Beecher (Licht) ergründet Dominique Dumais das Geheimnis der Begegnung: Sie setzt verschiedene Figuren in die offene Umgebung des Garden of Other und lässt deren Wege einander kreuzen. In diesem Prozess keimen Geschichten auf, wachsen Beziehungen aus Begegnungen, verflechten sich Szenen und Landschaften zu einem vielfältig-verzweigten Geschehen.

Choreografie: Dominique Dumais
Bühne und Kostüme: Tatyana van Walsum
Licht: Bonnie Beecher
Musik: Anna-Maria Hefele / Peter Hinz / Emiliano Trujillo

Ort:

Opernhaus

Termin:

Fr, 2.3.2012, 20:00 | letzte Aufführung! |

Résonances Chopin

Dominique Dumais

Valses, Études, Préludes, Nocturnes – die kleinen Formen für Klavier sind bei Frédéric Chopin hochexpressive Charakterstücke mit bis dahin unerhörten technischen Herausforderungen und neuem Farb- und Ausdrucksreichtum.

Für die Choreografin Dominique Dumais ist es die Faszination des klaren, fast kristallinen Ausdrucks und der nuancenreichen Stimmungen, die sie Klavierwerke Chopins für ein Ballett aussuchen ließ: Als würden die kurzen Klavierstücke das wesentliche Moment eines Gefühls destillieren oder Miniaturerzählungen darstellen. Die Choreografie spielt mit den Resonanzen – daher der Titel –, die sich zwischen der Musik und der Körperlichkeit des Tanzes, zwischen dem Sichtbaren, dem Sinnlichen und dem Gefühlten entwickeln.

Zur Zeit Chopins steht das Klavier im Mittelpunkt der Salon- und Hausmusik und ist als Soloinstrument Medium für den individuellen Gefühlsausdruck und Forum für bedeutende Virtuosen. Das Ballett Résonances Chopin werden die Pianisten Nóra Emödy und Randolf Stöck (im Wechsel) solistisch begleiten. Sie sind Teil des Geschehens in dem von Tatyana van Walsum geschaffenen Bühnenraum. Die intime Atmosphäre dieses Raums wird durch zahlreiche Ausblicke und Öffnungen mit der Weite des Außen verbunden. Hier begegnen sich Personen zunächst wie zufällig, bevor sie in ein immer dichteres Gewebe von Beziehungen eintreten.

Musik: Frédéric Chopin

Choreografie: Dominique Dumais
Lichtdesign: Bonnie Beecher
Bühne und Kostüm: Tatyana van Walsum

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 29.2.2012, 19:30 |
Do, 8.3.2012, 19:30 |
Do, 15.3.2012, 20:00 |

Romeo und Julia

Kevin O’Day

Die Liebe selbst habe an Romeo und Julia mitgeschrieben, urteilte Gotthold Ephraim Lessing 1767 in seiner Hamburgischen Dramaturgie über William Shakespeares Tragödie. Im bunten Treiben eines Marktplatzes und eines Festes in der italienischen Frührenaissance lässt Shakespeare seine Handlung atmosphärisch beginnen. Aber die Liebesgeschichte seiner jungen Protagonisten währt nur wenige Tage. Ihr Bekenntnis zueinander, gegen die Feindschaft ihrer Familien und gegen die Unnachgiebigkeit gesellschaftlicher Konvention, hat keine Zukunft. Nach einer unglücklichen Verkettung von List und Missverständnis finden Romeo und Julia den Tod.

Dieser Stoff hat seit Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder Ballettmeister und Choreografen zu Handlungsballetten angeregt. 1938 schuf Sergej Prokofjew in enger Zusammenarbeit mit einem Librettisten und einem Choreografen seine Ballettmusik, die bis heute in verschiedenen Choreografien zum Repertoire gehört und Romeo und Julia zu einem der populärsten Ballette gemacht hat.

Romeo und Julia handelt von der Bedingungslosigkeit der Liebe. Und es handelt vom Vertrauen, Grenzen überwinden zu können, und vom Selbstvertrauen, darin unverwundbar zu sein. Überall stoßen die jungen Liebenden an Schranken, einige klar definiert, andere subtil wirksam, manche kaum wahrnehmbar, weil sie schon verinnerlicht sind. In diesem Korsett scheint die sie umgebende Gesellschaft zu funktionieren. Aber der Einzelne wird verletzlich, wenn er sich ganz in die Grenzen zu fügen versucht. Verletzungen und Angst sind der Nährboden für Intoleranz. Romeo und Julia wagen den Ausbruch und streben nach der Versöhnung ihrer Familien. Ihre Hingabe und Kühnheit imponiert. Für Kevin O’Day ist die Frage, wie die Kraft der Liebe und der Drang nach Freiheit ein festes Gefüge erschüttern können, Ausgangspunkt seines Balletts.

Nach Hamlet für das Stuttgarter Ballett erarbeitet der Mannheimer Ballettdirektor nun das erste Handlungsballett für sein Ensemble am Nationaltheater. In seinem Schaffen haben immer wieder Pas de deux einen herausragenden Stellenwert, sei es als kleine autarke Form, sei es in Szenen für Paare, lyrisch oder dramatisch, fragil oder athletisch oder mit all den Nuancen dazwischen. Mit Romeo und Julia hat er den idealen Stoff gefunden, um aus der Intensität dieser konzentrierten Form den Handlungsbogen für ein Liebesdrama zu entwickeln.

Choreografie: Kevin O'Day
Musik: Sergej Prokofjew
Musikalische Leitung: Alois Seidlmeier
Bühne und Kostüme: Jean-Marc Puissant
Licht: Mark Stanley

Ort:

Opernhaus

Termin:

Sa, 17.3.2012, 19:30 |

Rilke

Dominique Dumais

Nach ihren eindringlichen Studien Résonances Chopin (2008) und Frida Kahlo (2010) widmet sich Dominique Dumais einer weiteren beeindruckenden Künstler-Persönlichkeit und dessen Schaffen. Mit komplexen Lyrik- und Prosawerken schuf Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) Systeme von virtuoser Sprachkraft mit tief beeindruckenden poetischen Bildern. Rilke war ein Beobachter, ein Schauender, der Erfahrenes und Erlebtes in hoch komplexe literarische Gebilde verwandeln konnte. In Werken wie dem Stunden-Buch, den Duineser Elegien oder den Sonetten an Orpheus mischen sich biografische Erkenntnisse mit Theoretischem, Assoziativem und Fiktivem. Viele seiner Schöpfungen bewahren sich eine rätselhafte sprachliche Anziehungskraft, kreisen um Liebe, Leben, Tod, die Beziehungen von Menschen und die Vielheit der Dinge, die in den erstaunlichsten Konstellationen miteinander verbunden werden. Geprägt wurde die Arbeit des Lyrikers durch zahlreiche Reisen sowie Begegnungen mit bedeutenden Künstlern seiner Zeit. Nachhaltig beeinflussten ihn Freundschaften oder Liebesverhältnisse mit beeindruckenden Künstlerinnen wie Lou Andreas-Salomé, Paula Modersohn-Becker oder Clara Westhoff, die seine Ehefrau wurde. Enge Beziehungen unterhielt er darüber hinaus mit Persönlichkeiten wie Auguste Rodin oder Paul Valéry.

Als junge Choreografin las Dominique Dumais Rilkes Briefe an einen jungen Dichter, die sie als wertvollen Ratgeber für jeden angehenden Künstler empfand. Seine immer noch aktuellen und hoch sensiblen Arbeiten ließen sie seitdem nicht mehr los. Mit Rilke nähert sie sich dem Werk des heimatlosen, getriebenen Dichters und der unruhigen Epoche, in der er lebte. Sie nutzt die Auseinandersetzung mit dem Kosmos des Schriftstellers als Ausgangspunkt für eine neue Choreografie, die seine bildgewaltigen Verse im Tanz unmittelbar erlebbar macht.

Choreografie: Dominique Dumais
Musikalisches Konzept: Günther Albers
Bühne und Kostüme: Tatyana van Walsum
Licht: Bonnie Beecher

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 5.2.2012, 16:00 |
Fr, 17.2.2012, 19:30 |
Do, 23.2.2012, 19:30 |
Sa, 24.3.2012, 20:00 |
Fr, 30.3.2012, 20:00 |

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