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SCHAUSPIEL MANNHEIM

Spielzeit 2011/12

Michael Kohlhaas

Heinrich von Kleist

Premiere: 25. Februar 2012, Schauspiel Mannheim

„Fiat iustitia, et pereat mundus“ – „Es geschehe Recht, selbst wenn darüber die Welt zugrunde gehen sollte“. Heinrich von Kleists Novelle über einen historischen Fall von Selbstjustiz im 16. Jahrhundert hat nichts von seiner Aktualität verloren. Durch herrschaftliche Willkür um seine Habe gebracht, kämpft der Pferdehändler Kohlhaas auf eigene Rechnung und ohne Rücksicht auf Verluste gegen die Mächtigen an. Nachdem er wiederholt scheitert, seine Forderung juristisch durchzusetzen, entledigt er sich aller juristischen und gesellschaftlichen Regeln und nimmt das Recht in die eigene Hand. Rigoros in der Wahl seiner Mittel, aber unbeirrbar in seiner Forderung nach Genugtuung löst Kohlhaas eine Kettenreaktion der Gewalt und Zerstörung aus, der seine eigene Familie und schließlich ganze Städte zum Opfer fallen.Kleist schrieb seine Novelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts und lässt darin das Rechtsempfinden der alten Gesellschaft gegen die Philosophie der Aufklärung antreten. In der Figur des Michael Kohlhaas selbst wogt der Kampf der Zivilisation: „Einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“, verkörpert er die Unvereinbarkeit des Universalen mit dem Ehrempfinden des Einzelnen. Sein Widerstand ist durch und durch individualistisch und beruft sich doch auf das Naturrecht. Kohlhaas wird zum Terrorist und meint, wie alle Terroristen, das Recht auf seiner Seite zu haben. Aber seine Taten widerlegen seine Motive: Er häuft Verbrechen auf Verbrechen. Am Ende erhält er Recht und verliert gleichzeitig seinen Kopf auf dem Henkersblock der selben Gerichtsbarkeit. Im letzten Satz seiner Novelle mahnt Kleist an das Erbe des Widerstands: „Vom Kohlhaas aber haben noch einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.“

Inszenierung: Simon Solberg
Kostüme: Claudia Irro
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Sa, 25.2.2012, 19:00 | Premiere |
So, 26.2.2012, 16:00 |
So, 4.3.2012, 17:00 |
Mo, 5.3.2012, 10:00 |
Fr, 23.3.2012, 19:30 |

Nie war der Schatten

Alejandro Tantanian

Premiere: 15. März 2012, Schauspielhaus

Der argentinische Regisseur Alejandro Tantanian hat am Nationaltheater bereits drei Inszenierungen herausgebracht. Seine erste Arbeit für Mannheim entstand 2007 in enger Zusammenarbeit mit seinen argentinischen Schauspielern für die 14. Internationalen Schillertage. 2009 und 2010 inszenierte er mit dem Ensemble des Nationaltheaters erst die Romanadaption von Franz Kafkas Amerika und dann Brechts und Weills Dreigroschenoper. Tantanian, der in Argentinien auch als Chansonsänger erfolgreich ist, inszeniert mit einer hohen Musikalität und adaptierte in der Vergangenheit verschiedene Werke der Weltliteratur für die Bühne. In der Spielzeit 2011/2012 wird Alejandro Tantanian im Studio des Nationaltheater Mannheim inszenieren.

Inszenierung: Alejandro Tantanian
Dramaturgie:Jan-Philipp Possmann

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Do, 15.3.2012, 20:00 | Premiere |
Mo, 19.3.2012, 20:00 |
Di, 20.3.2012, 20:00 |

Iphigenie auf Tauris

Johann Wolfgang Goethe

Premiere: 24. März 2011, Schauspielhaus

„Das Land der Griechen mit der Seele suchend;
Und gegen meine Seufzer bringt die Welle
Nur dumpfe Töne brausend mir herüber“
Iphigenie, 1. Aufzug, 1. Auftritt

Iphigenie ist Priesterin im Tempel der Diana. Vor Jahren hat es sie auf die Insel Tauris verschlagen. Dort trifft sie unverhofft auf ihren Bruder Orest und will mit ihm das Land verlassen, doch König Thoas versucht, sie festzu­halten und zu heiraten. Goethe vollendete Iphigenie auf Tauris während seiner italienischen Reise, mit der er sich seinen politischen Geschäften am Hof und dem oberflächlichen gesellschaftlichen Leben in Weimar zu entziehen suchte. Goethe verbindet in seinem Drama italienische, orientalische und deutsche Motive. Der „Wilde“, hier verkörpert von Thoas, dem Skythen, gilt wech­selweise als Hoffnungsträger oder Barbar. Doch wer sind hier die eigentlichen Barbaren? Eine ältere Frau, die ihren Mann ermorden lässt? Ein Sohn, der seine Mutter erschlägt? Ein Vater, der seine Tochter opfert? Ein Land, das gegen ein anderes Land in den Krieg zieht? Ein Alleinherrscher, der das rituelle Menschenopfer pflegt? Eine junge Frau, die um der eigenen Integrität willen das Leben anderer aufs Spiel setzt? Weder religiöse Argumente als Rechtfertigung für herrschaftliche Ziele noch Kriegszüge zum Erhalt und Zugewinn von Macht und Reich tum sind uns heute fremd. Doch wo sich engagieren und wo sich heraushalten? Am Ende des Dramas fährt Iphigenie nach Hause, aber wie wird es mit der Bevölkerung auf Tauris weitergehen? Was wird mit den Gestrandeten an den Küsten der Insel passieren? Und was, wenn man sich nirgendwo mehr zu Hause fühlt?

Zuletzt inszenierte Lisa Nielebock, die unter anderem in Bochum als Hausregisseurin arbeitete, am Nationaltheater Medea, nun kehrt sie mit Iphigenie nach Mannheim zurück.

Inszenierung: Lisa Nielebock
Bühne und Kostüme: Sascha Groß
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 24.3.2012, 19:30 | Premiere |
So, 25.3.2012, 20:00 |

Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

F.K. Waechter

Ab 8 Jahren

Der Knecht ist in einer Glückshaut geboren. Das muss so sein, wie wäre er sonst gerade dem Tod vom Messer gesprungen? Frohgemut macht er sich auf. „Wenn das so weiter geht, wird noch die Königstochter meine Frau“, fan­tasiert er glücklich. Das kommt prompt dem König zu Ohren, der sich seinen Schwiegersohn aber anders vorgestellt hat. Der Knecht mit der Königstochter? Das muss verhindert werden, finden auch die beiden Berater des Königs, der Prälat und der Minister. Mit vereinten Ideen geben sie dem Knecht Aufgaben, an denen er eigentlich scheitern müsste. Doch seine Glückshaut führt ihn immer wieder zurück zu seiner geliebten Königstochter. Ist das Geschick, Schicksal oder steckt hinter allem des Teufels Großmutter?

F. K. Waechter (1937 – 2005) war Zeichner und Schriftsteller und arbeitete für Kinder und für Erwachsene. Jedes Schubladendenken war ihm zuwider. Waechters Werk ist riesig. Werbung und Plakate hat er gestaltet, für Titanic, Twen, Pardon und Welt im Spiegel gearbeitet. Gemeinsam mit Henscheid, Gernhard, Poth und Bernstein hat er die Neue Frankfurter Schule gebildet, die progressive SatireWerkstatt der 1968 er. Wiederholt be­kam er den Deutschen Jugendbuchpreis. Er wurde mit dem BrüderGrimmPreis des Landes Berlin und dem ASSITEJ­Preis für seine Theaterarbeit ausgezeichnet.

Marcelo Diaz, seit vielen Jahren dem Mannheimer Publikum als Meister der poetischen Komödie bekannt, inszenierte zuletzt Das Lied von Rama am Schnawwl.

Inszenierung: Marcelo Diaz
Bühne: Christian Thurm
Kostüme: Eva Roos
Musik: Markus D. Reyhani
Dramaturgie: Anne Richter

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Mi, 8.2.2012, 11:00 |
Do, 9.2.2012, 11:00 |
Fr, 10.2.2012, 11:00 | letzte Aufführung! |

Eine Enthandung in Spokane

Carmichael ist auf der Suche nach seiner Hand. Vor langer Zeit hatten ein paar Jugend­liche ihn in Spokane, Washington, mittels eines darüber rollenden Zuges „enthandet“. Zum Abschied winkten sie ihm mit der abge­schnittenen Hand noch einmal zu. Getrieben von dem Gedanken sie zurückzuerlangen, reist Carmichael durch Amerika und findet Hand um Hand, doch seine eigene bleibt un­entdeckt. Immer wieder sitzt er Betrügern auf, die ihm vorgaukeln, die Extremität gefunden zu haben, um sich ein paar schnelle Dollar zu verdienen. So auch Marilyn und Toby. Das junge Paar hofft auf Carmichaels Belohnung. Doch Carmichael wittert den Schwindel und die beiden versuchen sich aus ihrer unvorteil­haften Lage zu winden, indem sie erneut lü­gen. Unvermutet ist auch Mervyn, der Rezepti­onist des Hotels, in die Geschichte verwickelt und als auch noch Carmichaels Mutter anruft, kommt es zum Showdown in dem kleinen Hotel in der amerikanischen Provinz … Eine Enthandung in Spokane ist eine schwarze Komö­die, die bitterböse mit den Klischees amerika­nischer B­Movies spielt.

Martin McDonagh, geboren 1970 in London, ist ein britischer Dramatiker und Filmregisseur mit irischen Wurzeln. Seine Stücke, wie zum Beispiel die beiden Trilogien The Leenane Trilogy und The Aran Islands Trilogy machten ihn als Autor bekannt und werden weltweit in­szeniert. Für seinen Kurzfilm Six Shooter erhielt McDonagh 2006 einen Oscar in der Ka­tegorie „Best Short Film“. 2008 inszenierte er seinen ersten Spielfilm: Brügge sehen … und sterben?, der ihm eine Oscar­Nominierung und den BAFTA Award einbrachte.

Regie: Cilli Drexel
Bühne: Rebekka Zimlich
Dramaturgie: Jan-Philipp Possmann

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

So, 12.2.2012, 20:00 |
Mi, 22.2.2012, 20:00 |
Mo, 27.2.2012, 20:00 |
So, 4.3.2012, 20:00 |

Die Katze auf dem heißen Blechdach

Tennessee Williams

Nach Tod eines Handlungsreisenden, der Geschichte eines bankrotten „Selfmademan“, bis vor einem Jahr am Nationaltheater zu sehen, kommt nun mit Die Katze auf dem heißem Blechdach ein Selfmademan ganz anderen Kalibers ins Spiel. Die Rede ist von dem schwerreichen Big Daddy, der die zentrale Frage stellt, ob man mit etwas anderem als der Lüge leben könne. Spielort ist eine Farm in den Südstaaten Amerikas. Big Daddy feiert seinen vierundsechzigsten Geburtstag. Er muss bald sterben, weiß es aber nicht. Während der ältere Sohn Cooper, ein angesehener Anwalt, mit seiner schwangeren Frau Mae und den fünf Kindern scheinbar Halt im Leben gefunden hat, ist dem Jüngeren, Brick, der Lebenssinn verloren gegangen. Brick, ein ehemaliger Leistungssportler, nun Schwerstalkoholiker, gibt seiner Frau Maggie die Schuld am Selbstmord seines Freundes Skipper. Cooper und Mae kämpfen nun mit unverhohlenen Seitenhieben auf die kinderlose Ehe Bricks um das Erbe. In einer Aussprache zwingt Big Daddy seinen jüngeren Sohn, der Lebenslüge ins Gesicht zu sehen. Brick sagt dem Vater daraufhin die Wahrheit über dessen Krebserkrankung. Da verkündet Maggie ihr Geburtstagsgeschenk für Big Daddy, die Erfüllung seines Traumes: ein Baby von Brick. Maggie, die „Katze“, entschließt sich, vom Blechdach zu springen, bevor sie sich die Pfoten verbrennt.

Nina Gühlstorff, die bisher vorwiegend Uraufführungen inszenierte und zuletzt verschiedene Stadtprojekte realisierte, widmet sich in Mannheim mit Tennessee Williams erstmalig einem amerikanischen Realisten.

Inszenierung: Nina Gühlstorff
Bühne: Markus Karner
Kostüme: Marouscha Levy
Dramaturgie: Jan-Philipp Possmann

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termin:

Mi, 7.3.2012, 20:00 | letzte Aufführung! |

Der andere Ort

Sharr White

DER ANDERE ORT, das ist der Ort an dem Juliana Smithon, Neurologin und Wissenschaftlerin, jahrelang mit ihrem Mann Ian, einem Onkologen, und ihrer Tochter Laurel lebte. Doch nun gerät ihr Leben aus den Fugen: Sie befürchtet, an einem Gehirntumor erkrankt zu sein. Szenen aus ihrem gegenwärtigen Leben mit Ian mischen sich mit der Vergangenheit und immer wiederkehrenden Erinnerungen von einem Kongress in St. Thomas auf den Virgin Islands, wo sie einen Vortrag über ein neu entwickel­tes Medikament halten sollte. Während ihres Vortrags erweckte eine junge Frau im gelben Bikini ihre Aufmerksamkeit. Unter all den anderen Anzugträgern stach sie merkwürdig hervor. In diesem intelligent konstruierten Stück nimmt Sharr White den Zuschauer mit auf die Suche nach der geheimnisvollen Unbekannten im gelben Bikini – erst in der letzten Szene bekommt man den Schlüssel zu Julianas Schicksal … Was ist Realität und was passiert nur in Julianas Kopf? Langsam entwirrt sich ihr Geheimnis: Verzerrte Wahrheit und bruchstückhafte Erinnerungen kollidieren in einem Strandhaus an der windgepeitschten Küste von Cape Cod.

Sharr White wuchs in Orange County in Kalifornien auf. Er schrieb unter anderem folgende Stücke: Sunlight, Six Years und zuletzt Annapurna. DER ANDERE ORT wurde am The Lark Play Development Center in New York entwickelt und hatte im März 2011 Weltpremiere Off-Broadway am MCC Theater in New York. 2006 erhielt Sharr White das New York Foundation for the Arts Stipendium, 2009 den Skye Cooper New American Play Prize für Sunlight und 2010 den Playwrights First Award für DER ANDERE ORT.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Janine Werthmann
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Mo, 6.2.2012, 19:30 |
Do, 1.3.2012, 20:00 |

Nora oder Ein Puppenhaus

Henrik Ibsen

Nora, ihr Mann, der Rechtsanwalt, und die drei Kinder: das ist eine Familie wie aus dem Bilderbuch oder aus der Werbung – für Bau­sparverträge und rechtsdrehendes Joghurt. Das Glück ist groß und kurz davor noch grö­ßer zu werden. Der Rechtsanwalt steht kurz vor der Beförderung, die Familie kurz vor dem gesellschaftlichen Maximalaufstieg, die familiäre Finanzlage kurz vor der Totalent­spannung. Die Mehrung des Glücks ist nahe, das Wunderbare fast schon da. Dann betreten drei Unglückliche das Wohn­zimmer des Glücks und aus Noras Vergangen­heit taucht ein Geheimnis auf, das alles kaputt zu machen droht: das ganze schöne Glück. Nora ist eine Arbeiterin des Glücks. Dieses Glück war zu Ibsens Zeit ein ausschließlich von Männern definiertes, in dem Frauen zwar als Glücksarbeiterinnen, nicht aber als Subjekte vorzukommen pflegten. Heute scheint sich die Definitionsgewalt des geglückten Lebens verstreut und multipliziert zu haben, ist vom Männlichen über das Weibliche ins Totale übergegangen. Bilder und Verheißungen des Glücks sind überall und nirgends, ziehen uns das Geld aus den Taschen und scheinen gleichzeitig unser größtes Kapital zu sein – für eine Zukunft, die undenkbar ist, aber be­stimmt glücklich zu sein hat. Man arbeitet wirklich hart daran. Und der Übergang von der Glücksarbeiterin zur Sexarbeiterin ist ebenso fließend wie der Übergang von den GlücksarbeiterInnen zu den FaschistInnen des Glücks. Für uns alle. Die Regisseurin Cilli Drexel inszenierte in Mannheim zuletzt Der Menschenfeind und supernova (wie gold entsteht).

Inszenierung: Cilli Drexel
Bühne: Thimo Plath
Kostüme: Nico Zielke
Dramaturgie: Ewald Palmetshofer

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

So, 12.2.2012, 19:00 |
Fr, 9.3.2012, 19:30 |

supernova (wie gold entsteht)

Philipp Löhle

Sie haben auf das Gold geschworen – Michl, Henning und Wolf – damals, als sie noch Kinder waren. Sie haben geschworen, dass sie es teilen, falls es einer der drei finden sollte. Und tatsächlich: Jahrzehnte später ist da plötzlich Gold im Nordschwarzwald. Ein kleiner Klumpen, der eine Lawine an Ereignissen auslöst. Zum einen ist da Friedrich, der Zwölffachpraktikant. Weil Friedrich nicht ganz so erfolgreich ist wie beispielsweise seine Immobilienmaklerinnen-Freundin Laura, und weil dort, wo Gold ist, ja noch mehr Gold sein muss, beginnt er mal den Schwarzwald umzugraben. Seinem kometenhaften Aufstieg wird nicht nur so mancher Bauernhof weichen müssen, sondern der Schwarzwald selbst – Baum für Baum.
Zum anderen ist da Emma. Noch vor dem Gold findet sie tief in ihrem Inneren einen Gedanken, der sich ganz und gar nicht zu Geld machen lässt, ihr Leben aber gehörig aus der Bahn wirft. Emma wird ebenfalls graben – in sich selbst und in der Geschichte eines Aufstandes, der in Mannheim seinen Anfang nahm.

Philipp Löhle schreibt nach Herr Weber und die Litotes, uraufgeführt im Rahmen von 4 x 4, sein zweites Auftragswerk für Mannheim. Es inszeniert die Hausregisseurin Cilli Drexel, die in der letzten Spielzeit NORMA und Amphitryon auf die Bühne gebracht hat.

Inszenierung: Cilli Drexel
Bühne: Christina Mrosek
Kostüme: Julia Borchert

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Do, 9.2.2012, 19:30 | Wiederaufnahme |
Do, 16.2.2012, 19:30 |
Sa, 3.3.2012, 20:00 |

BITCHFRESSE - Ich rappe also bin ich

Eine szenische Spurensuche

Beats, Rhymes and Life – Hip Hop gilt als authentischer Ausdruck des harten Lebens auf Deutschlands Straßen. Aber im Rap-Business wird auch nur mit Papier bezahlt. Scheinbar harte Jungs werden mit Gangsterimage zu Ghetto-Rap-Superstars aufgebläht, und wollen doch nur ihrer Mama ein Haus kaufen – denn „Mama vertraut meinem Rap“. Das eigene Leben inszeniert zwischen Ghetto-Credibility, Gewalt und Geschäft. Eine szenische Spurensuche im Hip Hop; einer globalen Bühne des Pop, die Wirklichkeit schafft und in Szene setzt.

Robert Teufel, seit der Spielzeit 2009/2010 Regieassistent am Nationaltheater Mannheim, entwickelt mit den beiden Schauspielern Matthias Thömmes und Sascha Tuxhorn einen Abend, der sich mit Identitätskonstruktionen im Hip Hop beschäftigt und die Ergebnisse der Auseinandersetzung, auch musikalisch, auf die Bühne bringen wird.

Inszenierung: Robert Teufel
Bühne und Kostüme: Linda Johnke
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp / Jan-Philipp Possmann

Ort:

Casino Werkhaus

Termine:

Sa, 3.3.2012, 20:00 |
So, 18.3.2012, 20:00 |

Regina oder Die Eichhörnchenküsse

Dietmar Dath

Im Mannheimer Zentrum für biologische Ver­haltensforschung tobt ein erbitterter Macht­kampf um Prof. Regina Jordis. Die brillante Wis­senschaftlerin wird von ihren Mitarbeitern geliebt und gefürchtet und von der Behörden­ beauftragten argwöhnisch kontrolliert. Denn Regina erforscht, nicht immer auf lega­lem Weg, wie soziale Anpassung funktioniert. Die Metamykoplasmen, eine Bakterienart, so glaubt sie, hindere die Menschen daran, frei zu denken und zu sprechen. Der Therapeut im Team, Dr. Hartmut Uhlich, der von seiner Freundin wegen Regina verlassen wurde, hält die „Bakterientheorie der enschenbeglü­ckerin“ für so gefährlich, dass er alle ihre For­schungsergebnisse vernichten will. Denn was wäre, wenn Regina recht hat und es „diese Krankheit namens Gehorsam und Anpassung an Gruppen“ tatsächlich gibt. Und wenn man diese Bakterien nur töten müsste, um endlich frei denken zu können?In Dietmar Daths Stück, das in der nahen Zukunft spielt, geht es um Leben und Tod, die Freiheit der Wissenschaft und des Menschen, um Eichhörnchenküsse und einen toten Jun­gen, der spricht.

Der Schriftsteller und Übersetzer Dietmar Dath, geboren 1970, war Redakteur der Spex und der FAZ. Zuletzt erschienen von ihm die Romane Die Abschaffung der Arten (2008), Sämmtliche Gedichte (2009) und der Gedicht­ band Gott ruft zurück (2011). Seinen Roman Waffenwetter inszenierte André Bücker 2009 im Studio.

Inszenierung: André Bücker
Bühne und Kostüme: Jan Steigert
Dramaturgie: Ingoh Brux
Licht: Damian Chmielarz

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Fr, 2.3.2012, 20:00 |
So, 25.3.2012, 20:00 |

Ein Sommernachtstraum

William Shakespeare

„Ihr alle schier
Habet nur geschlummert hier
Und geschaut in Nachtgesichten
Eures eignen Hirnes Dichten“
Puck, Epilog ans Publikum

Hermia soll Demetrius heiraten, doch sie ist verliebt in Lysander und flieht mit ihm in die Natur. Der eifersüchtige Demetrius jagt dem Paar nach, wird dabei aber selbst verfolgt von Helena, seiner einstigen Verlobten, die er jetzt kalt abserviert. Zwischen Büschen und Bäumen treffen die vier jungen Leute aufein­ander und plötzlich weiß niemand mehr, wen er eigentlich begehrt und wer ihn betrügt. Doch auch unter den Waldbewohnern ist nichts mehr wie es war: König Oberon und seine Frau Titania streiten um einen indischen Edelknaben. Liebesneid bringt die bisher scheinbar geord­nete Welt der Natur ins Wanken, die Jahreszei­ten geraten durcheinander, die Bäche treten über und verwüsten die Felder. Es entfaltet sich ein Stück zwischen Traum und Wachheit, Sinnlichem und Übersinnlichem, Triebhaftem und Romantischem. Und nicht nur die Hand­werker verweisen in ihrem berühmten „Theater im Theater“ auf Sein und Schein und stellen damit den Mimesis­Charakter der dramati­schen Illusion überhaupt in Frage.

Inszenierung: Georg Schmiedleitner
Bühne und Kostüme: Florian Parbs
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

So, 5.2.2012, 19:00 |
Di, 6.3.2012, 19:00 |
Di, 27.3.2012, 19:00 |
Sa, 31.3.2012, 19:00 |

Die Dreigroschenoper

Bertolt Brecht und Kurt Weill

Ein Stück mit Musik

Bertolt Brechts Dreigroschenoper ist das weltweit wohl populärste deutsche Theaterstück des Zwanzigsten Jahrhunderts. Schon nach seiner Uraufführung im Berlin des Jahres 1928 pfiffen die krisengebeutelten Berliner auf der Straße die Melodien von Kurt Weill, die Moritat von Mackie Messer oder das Lied der Seeräuber Jenny. Berühmt sind mittlerweile auch Mackies Abschiedsworte:
„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Der Dreigroschenoper gelang es, die weltweiten sozialen und ökonomischen Zerfallsprozesse des Zwanzigsten Jahrhunderts exemplarisch und dabei bitterböse unterhaltsam in Szene zu setzen.

Die beiden Kriminellen, Peachum und Mackie Messer, betreiben ihr Geschäft wie gewiefte Unternehmer. Peachum schickt sein Bettlerheer auf Beutezug und kassiert ab. Als Mackie mit seiner Tochter durchbrennt, verrät Peachum ihn an die Polizei. Doch Mackie nutzt seinen Charme bei den Frauen, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er ist der neue Mensch, er bewegt sich in der Welt des wirtschaftlichen und moralischen Verfalls, wo jeder jeden ans Messer liefert, wie ein Fisch im Wasser. Die Krise ist seine eigentliche Heimat.

In Argentinien, wo die Krisen seit Jahrzehnten zum Tagesgeschäft gehören und der Crash der Landeswährung 2002 die aktuelle Weltfinanzkrise vorwegnahm, erlebte der Regisseur Alejandro Tantanian Brechts Stück immer schon als Fabel auf seine eigene, argentinische Lebenswelt. Nach seiner Amerika-Inszenierung in der letzten Spielzeit wird er nun mit dem Ensemble des Nationaltheaters den Versuch eines globalen Brechts für die Krisen des 21. Jahrhunderts wagen.

Inszenierung: Alejandro Tantanian
Bühne und Kostüme: Oria Puppo
Musikalische Leitung: Joe Völker
Dramaturgie: Jan-Philipp Possmann

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Di, 7.2.2012, 19:00 |
Sa, 17.3.2012, 19:00 |

Bunny

Jack Thorne

Katie ist ein Teenager in Luton, England. In einem rasanten Monolog erzählt sie von einem scheinbar normalen Nachmittag: Als ihr Freund Abe in einen Kampf gerät, wird sie in ein unvergessliches Abenteuer hineingeschleudert.
Während Katie die Ereignisse bilanziert, thematisiert sie gleichzeitig permanent ihren eigenen Bewusstseinsstrom, reflektiert über sich und ihr Verhältnis zu ihrem schwarzen Freund Abe, über ihre Familie, ihre Zukunft und darüber, dass sie ständig über all dies nachdenkt... Dabei präsentiert sie dem Zuschauer ihr eigenes kleines Rechtssystem von Überwachen und Strafen, das sich in Handlungen äußert, welche die Mitmenschen in Katies Umgebung bestrafen soll, sie selbst als Ausführende bleibt jedoch unerkannt. Am Ende steht sie vor einer Entscheidung: Soll sie weiterhin nach diesem System verfahren und einen Verrat begehen?

Die Premiere ist die dritte in einer Reihe von fünf deutschsprachigen Erstaufführungen amerikanischer und britischer Autoren in der Spielzeit 2011/2012 unter dem Motto: Die Achse der Guten: neues amerikanisches und britisches Drama.

Regie, Bühne und Kostüme: Nicole Schneiderbauer
Video: Regina Hess
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

Ort:

Schauspiel Mannheim, Studio

Termine:

Sa, 4.2.2012, 20:00 |
Fr, 10.2.2012, 20:00 |
So, 26.2.2012, 20:00 |
Fr, 9.3.2012, 20:00 |
Sa, 17.3.2012, 20:00 |

Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen zu Kapitalismus und Sozialismus mit Schlüssel zur Heiligen Schrift

Tony Kushner

Der Titel des Stücks ist inspiriert von George Bernard Shaws Wegweiser für die intelligente Frau zum Sozialismus und Kapitalismus und Mary Baker Eddys Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift. Anknüpfend an diese Werke des 19. Jahrhunderts schaut das Stück auf das Leben des pensionierten Hafenarbeiters Gus Marcantonio, der vom 21. Jahrhundert verwirrt und niedergeschlagen ist. Es geht um ein zentrales Thema unserer Zeit: Haben Arbeiter ein Recht darauf, sich gewerkschaftlich zu organisieren und ist dies gut für die Gesellschaft? Im Sommer 2007 lädt Gus seine Schwester und seine drei Kinder (die ihre Ehepartner, ExEhepart­ner, Geliebten und andere mitbringen) nach Brooklyn in sein Haus zu einer höchst unüblichen Familienvereinigung ein. Sie sollen darüber abstimmen, ob er Selbstmord begehen soll. Die Familie ist aufgebracht und es kommt zur familiären Abrechnung. Bisher unausgetragene und schwelende Konflikte werden nun offen ausgetragen. Mit Humor und Leidenschaft verhandelt das Stück die Bedeutung von Verbundenheit und Zugehörigkeit – zu einer Familie, einer Gemeinde, einer Gruppe, einer Ideologie, einer Ehe – und was passiert, wenn diese Beziehungen fehlen. In diesem Familiendrama kollidieren aufgebrachte Emotionen mit jahrzehntelangen unausgesprochenen Ressentiments. iHo ist ein Stück über Gewerkschaften, über Kommunismus, Marxismus und Sozialismus. Und es handelt von Verzweiflung, Tod und Sex. Was ist ein Menschenleben wert im Kapitalismus?

Regie: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Ingoh Brux

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Sa, 11.2.2012, 19:00 |
Mi, 15.2.2012, 19:00 |
Di, 28.2.2012, 19:00 |
So, 18.3.2012, 18:30 |
Do, 29.3.2012, 19:00 |
Fr, 30.3.2012, 19:00 |

CHIHUAHUA

Jan Neumann

Andi, ein mit sich und der Welt äußerst unzufriedener Fernsehregisseur, träumt davon, auszusteigen und ein durch und durch politisch korrektes Leben zu führen. Als sein kauziger Großvater stirbt und ihm überraschend einen alten Bauernhof kurz vor der polnischen Grenze vererbt, glaubt er, seinen Traum endlich verwirklichen zu können. Aber seine Familie hält wenig von Andis Plänen: die Freundin will keinesfalls aufs Land ziehen, die einsame Tante nicht alleine bleiben und der Vater fühlt sich in der Erbfolge übergangen, hatte er doch gehofft mit dem Erlös des Hauses seinen eigenen Lebenstraum in der Südsee zu verwirklichen. Gemeinsam setzen sie alles daran, Andis Weltverbessereridyll zu zerstören. Schließlich droht auch noch die Errichtung eines CO2-Endlagers in direkter Nachbarschaft. Andi lässt sich nicht unterkriegen und sieht seine Chance gekommen, endlich zu kämpfen. Aber wofür eigentlich und gegen wen?

CHIHUAHUA ist eine Komödie über die verzweifelte Suche nach dem „wahren“ Leben und der Unmöglichkeit sich aus der Umarmung der Gesellschaft zu befreien. Der frühere Mannheimer Hausautor Jan Neumann hat nach Königs Moment ein weiteres Auftragswerk für das Nationaltheater geschrieben und wird auch die Urauffühung im Schauspielhaus inszenieren.

Inszenierung: Jan Neumann
Dramaturgie: Jan-Philipp Possmann
Bühne und Kostüme: Daniel Angermayr

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Fr, 10.2.2012, 19:30 |
Do, 15.3.2012, 20:00 |

Malaga

Lukas Bärfuss

Vera und Michael stehen kurz vor der Scheidung. Keine gute Voraussetzung also für eine Diskussion, wer sich am bevorstehenden Wochenende um ihre siebenjährige Tochter Rebekka kümmern soll. Michael muss zu einem wichtigen Ohrenheilkunde-Kongress nach Innsbruck und Vera will mit ihrem neuen Liebhaber Paul für ein Wochenende nach Malaga. Der Babysitter, der sich um die Tochter kümmern sollte, ist dummerweise erkrankt, aber Vera hat für Ersatz gesorgt: Alex, der Sohn einer entfernten Bekannten von Vera und angehender Filmstudent in New York, wird auf Rebekka aufpassen – eine Tatsache, die Michael nur schwer akzeptieren kann, doch es gibt keine andere Möglichkeit. Letzten Endes verreisen Vera und Michael. Jeder erhofft sich an seinem Ort das große Glück. Doch als die beiden nach drei Tagen zurückkommen, ist Rebekka verschwunden. In Abwesenheit der Eltern ist ein Unglück passiert und nun liegt das Kind schwer verletzt und nicht ansprechbar im Krankenhaus. Stattdessen tritt ein fanatischer Alex auf, der sich darüber beklagt, dass man ihn nicht zu Rebekka lasse, um die letzte Szene ihres gemeinsamen Films zu drehen.

In seinem Stück Malaga, das als Komödie beginnt und als Tragödie endet, erzählt Lukas Bärfuss eine große Geschichte über Schuld, Verantwortung und Schicksal. Lukas Bärfuss hat 2009 mit Hundert Tage einen preisgekrönten Roman vorgelegt und zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Dramatikern der letzten Jahre.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Linda Johnke
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

Ort:

Schauspiel Mannheim, Studio

Termine:

So, 5.2.2012, 20:00 |
Di, 21.2.2012, 20:00 |
Mi, 21.3.2012, 20:00 |

Der Besuch der alten Dame

Eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt

Die kleine Stadt Güllen ist fast vollständig bankrott, die Bevölkerung verarmt. Doch Rettung naht: Claire Zachanassian kehrt nach Jahren im Ausland in ihre Heimatstadt zurück. Sie hat es durch diverse Verheiratungen, unter anderem mit einem Ölmulti, zu unermesslichem Reichtum gebracht und ist Inhaberin eines multinationalen Konzerns. Die Stadt hofft auf eine großzügige Geldspende. Doch die Milliardärin wartete fünfundvierzig Jahre auf ihre Rache. Sie fordert Gerechtigkeit: den Mord an ihrem ehemaligen Geliebten Ill, der sie einst schwängerte und sitzen ließ. Im Gegenzug bietet sie der Stadt eine Milliarde. Die Güllener lehnen zunächst entrüstet ab, erliegen jedoch bald der Verführung des Geldes. Zachanassian wartet. Ill stirbt. Dürrenmatts tragische Komödie ist ein Stück über Macht und Menschlichkeit, Recht und Rache und fragt, inwieweit gesellschaftliches Handeln durch Geld korrumpierbar wird.
Wann vergisst eine Gesellschaft alle Moral und wird käuflich?

Es inszeniert André Bücker, der am Nationaltheater schon bei Friedrich Dürrenmatts Die Physiker und bei Waffenwetter, nach dem Roman von Dietmar Dath, Regie führte.

Musikalische Leitung: Joe Völker
Inszenierung: André Bücker
Bühne und Kostüme: Jan Steigert
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Sa, 4.2.2012, 20:00 | Wiederaufnahme |
Sa, 18.2.2012, 19:30 |
Mo, 5.3.2012, 20:00 |
Sa, 10.3.2012, 20:00 |

Die ganze Welt

Theresia Walser / Karl-Heinz Ott

Regina und Richard haben die Einladung ihrer jungen Nachbarn abgewimmelt. Früher waren sie auf den Partys immer die Letzten. Jetzt verbringen sie ihre Abende lieber allein zu Hause. Doch dann steht das aufdringliche Paar vor der Tür. Dolf erzählt ausführlich von Krankheit und Eheproblemen. Tina detailversessen von ihrem Seitensprung und den Kindern. In aufgeheizter Stimmung wird auch das Privateste noch ans Licht gezerrt. Schließlich läuft der Abend aus dem Ruder. Richard lädt zum Partnertausch ein und Tina wird handgreiflich …

Zwei Paare, zwei Generationen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen stehen sich gegenüber. Während Dolf und Tina meinen alles bereden zu müssen, weil sie, wie Tina sagt, sonst Krebs bekäme, glaubt Regina, dass „wer reden muss, ein Problem hat“. Was ist Wahrheit und was Realität? Und wie viel abgrundtiefe Bosheit liegt im offenen Wort, wie viel Rücksichtnahme und Mitgefühl in einer Lüge? Um diese Fragen kreist Theresia Walsers und Karl-Heinz Otts doppelbödiges Spiel.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Fr, 24.2.2012, 20:00 |
Mi, 28.3.2012, 20:00 |

Ein bißchen Ruhe vor dem Sturm

Theresia Walser

Als Theresia Walser den Auftrag der neuen Schauspieldirektion erhielt, zum Start des neuen Schauspielteams ein Stück zu schreiben, konnte keiner der Beteiligten ahnen, dass das Eröffnungsdramolett bei Publikum und Kritikern eine derart große Resonanz finden und sich im Laufe der Spielzeit zu einem begehrten Repertoirestück entwickeln würde. Offensichtlich traf die satirische Kritik am modernen Regietheater einen besonderen Nerv. Darüber hinaus haben gleich zu Anfang einige Theater Interesse angemeldet Ein bißchen Ruhe vor dem Sturm ebenfalls zu zeigen. Theresia Walser hat daraufhin das Stück zu einem abendfüllenden Drama erweitert, das jetzt zu Beginn der zweiten Spielzeit von Burkhard C. Kosminski seine zweite Premiere erfährt.

Die Grundkonstellation ist freilich geblieben:
Drei Schauspieler warten auf ihren Auftritt in einer Talkshow. Der berühmte Franz Prächtel und der prominente Peter Söst sind eingeladen, weil sie gerade als Hitler im Film reüssierten. Der junge Ulli Lerch hat den Goebbels gespielt. Während sie über ihre Figuren und die Darstellbarkeit des Bösen streiten, wird die Schauspielkunst und das Theater an sich ihr Thema. Was auf der Bühne stattfinden darf, wird schließlich zum unfreiwillig komischen Glaubenskrieg. Theresia Walser hat ein amüsantes Kurzdrama über egomanische, engagierte und ehrgeizige Schauspieler geschrieben, die, bekanntermaßen, auch grandiose Selbstdarsteller sind.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Sabine Blickenstorfer
Dramaturgie: Ingoh Brux

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Do, 23.2.2012, 19:30 |
Do, 22.3.2012, 20:00 |

Gespräche mit Astronauten

Felicia Zeller

Sie sind billiger als Billiglohnkräfte und haben keinerlei Rechte. Sie heißen Olanka, Anjuschka, Olga, Irina und kommen aus Ländern wie der Schlamparei, Mogelei, Stohlen, Rostland oder Ukulele. Das Land ihrer Träume heißt Knautschland. Dorthin kommen sie in der Hoffnung auf ein besseres, schöneres, aufregendes Leben. Sie sind die Dienstmägde der Globalisierung und nennen sich „Au Pair“. „Au Pair“ bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Was das heißt, diktieren allerdings die anderen. Gegen Kost und Logis erhalten die jungen Frauen eine Lektion nach der anderen im Ökospießertum der ehemals Linksbewegten. Felicia Zeller stapelt, was da an unterschiedlichen Lebenshaltungen und Bedürfnissen aufeinander prallt, zu einem kakofonen babelschen Turm. Die Ausflüchte genervter Au Pairs werden überflutet von den Wortkaskaden gestresster Powerfrauen, unterbrochen von dem Geschrei tyrannischer Kinder ... Einzig die Väter sind in diesem virtuosen Zellerschen Wortschwall nicht hörbar, schweben im All oder kommen gegen halb zehn oder heute vielleicht später oder gar nicht mehr.

Felicia Zeller wurde 1970 in Stuttgart geboren. Sie lebt heute als freie Autorin und Medienkünstlerin in Berlin und erhielt die unterschiedlichsten Stipendien, Förder- und Autorenpreise. Sie schreibt Theatertexte, unter anderem Bier für Frauen, Club der Enttäuschten und deutsches hysterisches museum, macht Kurzfilme, Werke auf Neuen Medien und Leseperformances. Ihr erster Prosaband Einsam Lehnen am Bekannten erschien 2008. Für Kaspar Häuser Meer erhielt Felicia Zeller den Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen 2008.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp

Ort:

Schauspiel Mannheim

Termine:

Fr, 17.2.2012, 20:00 |
Mi, 21.3.2012, 19:30 |

Norma

Reto Finger

In der Dönergasse hupen die Autos, als wäre Hoffenheim Deutscher Meister geworden. Vor „NORMA“ stehen die Menschen Schlange. Es gibt Radlerhosen für 6.99 Euro und Dosenbier für 39 Cents zu kaufen. Drei Inder spielen im Bombenloch Cricket. Zwei alte Türken schauen ihnen zu. Eigentlich heißt das Bombenloch Swansea-Platz, aber alle sagen nur Bombenloch. Ein lottriges Flugzeug sucht den Mannheimer Flughafen, und auf dem Balkon schräg gegenüber, im Zentralinstitut für seelische Gesundheit, schreit einer um sein Leben. Es riecht ganz fürchterlich nach Schokolade, aber alle tun so, als würden sie es nicht riechen. Rund um das Quadrat H5 treffen sich Menschen, scheinbar zufällig. Eine aufrechte Kassiererin, ein verliebter Filialleiter, ein arbeitsloser Tontechniker, eine sterbenskranke Hausfrau, ihr besorgter Ehemann und ein maßloser Säufer. Bis plötzlich ein Schuss fällt.

Der Schweizer Dramatiker Reto Finger, ehemaliger Hausautor am Nationaltheater, hat zwei Jahre in H7/2 gewohnt und schreibt ein Stück über Mannheim.
Die neue Hausregisseurin Cilli Drexel hat in Mannheim zuletzt Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen und Ewald Palmetshofers hamlet ist tot. keine schwerkraft inszeniert.

Inszenierung: Cilli Drexel
Bühne: Kathrin Younes
Kostüme: Janine Werthmann
Dramaturgie: Stefanie Gottfried

Ort:

Schauspiel Mannheim, Studio

Termin:

So, 11.3.2012, 20:00 |

NATIONALTHEATER MANNHEIM

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