SCHAUSPIEL MANNHEIM
Spielzeit 2010/11
Gespräche mit Astronauten
Felicia Zeller
Uraufführung: 24. September 2010
Sie sind billiger als Billiglohnkräfte und haben keinerlei Rechte. Sie heißen Olanka, Anjuschka, Olga, Irina und kommen aus Ländern wie der Schlamparei, Mogelei, Stohlen, Rostland oder Ukulele. Das Land ihrer Träume heißt Knautschland. Dorthin kommen sie in der Hoffnung auf ein besseres, schöneres, aufregendes Leben. Sie sind die Dienstmägde der Globalisierung und nennen
sich „Au Pair“. „Au Pair“ bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Was das heißt, diktieren allerdings die anderen. Gegen Kost und Logis erhalten die jungen Frauen eine Lektion nach der anderen im Ökospießertum der ehemals Linksbewegten. Felicia Zeller stapelt, was da an unterschiedlichen Lebenshaltungen und Bedürfnissen aufeinander prallt, zu einem kakofonen babelschen Turm. Die Ausflüchte genervter Au Pairs werden überflutet von den Wortkaskaden gestresster Powerfrauen, unterbrochen von dem Geschrei tyrannischer Kinder ... Einzig die Väter sind in diesem virtuosen Zellerschen Wortschwall nicht hörbar, schweben im All oder kommen gegen halb zehn oder heute vielleicht später oder gar nicht mehr.
Felicia Zeller wurde 1970 in Stuttgart geboren. Sie lebt heute als freie Autorin und Medienkünstlerin in Berlin und erhielt die unterschiedlichsten Stipendien, Förder- und
Autorenpreise. Sie schreibt Theatertexte, unter anderem Bier für Frauen, Club der Enttäuschten und deutsches hysterisches museum, macht Kurzfilme, Werke auf Neuen
Medien und Leseperformances. Ihr erster Prosaband Einsam Lehnen am Bekannten erschien 2008. Für Kaspar Häuser Meer erhielt Felicia Zeller den Publikumspreis bei
den Mülheimer Theatertagen 2008.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Lydia Kirchleitner
Musik: Hans Platzgumer
Dramaturgie: Katharina Blumenkamp
Ort:
Schauspiel Mannheim
Termin:
Fr, 24.9.2010 | Uraufführung
Herr Schuster kauft eine Straße
Ulrike Syha
Uraufführung: 25. September 2010
Georg Schuster, ein Krimiautor, der früher „auch mal kritische, gesellschaftsrelevante Kunst“ machen wollte, und seine Frau Valerie, eine gut verdienende Bauingenieurin, haben deren Mutter Karin, eine Altachtundsechzigerin, sowie Valeries Schwester Vera, eine Soziologin mit Forschungsschwerpunkt „Politischer Aktivismus“ und „Ziviler Ungehorsam“, zu Gast. Noch warten alle auf den Vater, einen Le Corbusier-Forscher und Karins Ex-Mann. Vera widmet sich im Kopf ihren eigenen Problemen und ist, wie sie sagt, eigentlich gar nicht hier. Man kann es ihr nicht verdenken, denn gestritten wird viel, über Politisches und Privates. Valerie hatte letztes Jahr ein Verhältnis mit ihrem Chef, wovon alle wissen, auch wenn es offiziell nie erwähnt wird. Und Georg macht sich an das lettische Au Pair Luize heran – oder ist es umgekehrt? Der Haushalt ist linksliberal, und gefällt sich dabei. Doch trotz gekonnt ausgeübter Dialogkultur braucht es manchmal ein Spielbrett, um sich daran festzuhalten. In diesem Fall heißt das Spiel Monopoly. „Sein Ziel ist es, alle anderen in die Insolvenz zu treiben“, sagt Karin. Die Figuren des Stückes strampeln hilflos-komisch wie die Figuren auf dem Spielbrett. Wie ausbrechen? Wie sich engagieren, wenn Kapitalismus, säkularer Humanismus und liberale Demokratie sinnlos erscheinen? „Euch fehlt die soziale Härte“, meint Karin. Und Georg ist, wie immer, für einen „Themenwechsel.“ „Global denken, lokal handeln“ stößt in dieser Vorgarten-Szenerie mit japanischem Tischgrill an ihre Grenzen. Oder ist es vielleicht der Tanz auf
dem Vulkan?
Herr Schuster kauft eine Straße schrieb Ulrike Syha als Auftragswerk für das Nationaltheater Mannheim. In der Spielzeit 2009/2010 war sie Hausautorin am Nationaltheater, wo ihr Stück Fracht (Nautisches Denken
I-IV) zur Aufführung kam.
Regie führt Mirja Biel, die nach Inszenierungen in Hamburg, Osnabrück, Göttingen und Bremen zum ersten Mal am Nationaltheater arbeitet.
Inszenierung: Mirja Biel
Bühne: Anke Niehammer
Dramaturgie: Stefanie Gottfried
Ort:
Schauspiel Mannheim
Termin:
Sa, 25.9.2010 | Uraufführung
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