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Nationaltheater Mannheim

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Nationaltheater Mannheim
Mozartstr. 9
D-68161 Mannnheim

Telefon: +49 (0)621 1680 0
E-Mail: Nationaltheater.kasse@mannheim.de

Theater

Ansichten eines Clowns

frei nach dem Roman von Heinrich Böll

Premiere: 30. März 2019

Ein gescheiterter Rebell ist er, dieser Hans Schnier, der sich als tourender Clown selbst ins Abseits verfrachtet. Halb überzeugt, halb trotzig fristet er sein Nomadendasein in bundesdeutschen Hotelzimmern – lieber das, als Industriellensohn sein und seine Kinder katholisch erziehen lassen, wie seine große Liebe Marie es wollte. Schnier ist einer, der das Glück nur als Außenstehender zu ertragen scheint.

Heinrich Böll zählt zu den wichtigsten Intellektuellen der Nachkriegszeit. »Ansichten eines Clowns«, seine Abrechnung mit der konservativen, christlich geprägten BRD der 1950er Jahre, wurde zum internationalen Erfolg. Besondere Popularität genießt Böll bis heute in Russland, wo die orthodoxe Kirche noch immer eng mit dem Staat verknüpft ist. Für den russischen Regisseur Maxim Didenko ist es vor allem der Blick des Clowns auf die Wirklichkeit, die Bölls Betrachtung der Welt so einzigartig macht. Aus der Kunstform der Clownerie, die anarchisch und wahrhaftig zugleich ist, entwickelt er eine neue performative Sprache zwischen Tragik und Komik. »Ansichten eines Clowns« ist seine erste Regiearbeit in Deutschland.

Regie: Maxim Didenko
Bühne & Kostüme: Maria Tregubova
Choreografie: Dina Khuseyn
Musik & Komposition: Vladimir Rannev
Video: Oleg Mykhaylov
Licht: Damian Chmielarz
Theater

Der Würgeengel

frei nach dem Film von Luis Buñuel

Premiere: 05. April 2019

Eine Abendgesellschaft feiert, es wird spät. Die Gäste beschließen, über Nacht zu bleiben. Am nächsten Morgen stellen sie fest, dass sie das Haus nicht mehr verlassen können. Eine unsichtbare Wand trennt sie von der Außenwelt. Die gemeinsame Zwangslage sorgt bald für das Zusammenbrechen aller Konventionen, die äußere Grenze beschleunigt die innere Entgrenzung. Als der Spuk schließlich vorüber ist, wird zum Dank eine Messe gefeiert. Doch als der Priester die Kirche verlassen will, stößt auch er gegen eine unsichtbare Wand ... In skurrilen Situationen und surrealen Bildern führt Buñuels Meisterwerk aus dem Jahr 1962 die »bessere Gesellschaft« und ihre Moral vor und macht zugleich deutlich: Wer andere aussperrt, sperrt sich selbst ein.

Anna-Elisabeth Frick studierte Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Ihre Inszenierung »Die Unerhörte« wurde 2016 beim Körber Studio für Junge Regie in Hamburg ausgezeichnet. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Sprechtheater, Bildender Kunst, Tanz und Musik.

Regie: Anna-Elisabeth Frick
Bühne & Kostüme: Mariam Haas / Martha-Marie Pinsker
Choreografie: Berit Jentzsch
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Anna-Sophia Güther
Theater

Hoppla, wir leben!

Ernst Toller

Premiere: 27. April 2019

Politische Revue

1927. Acht Jahre nach der gescheiterten Revolution in Deutschland wird Karl Thomas aus der Psychiatrie entlassen. Die Welt hat sich weitergedreht, nur für Karl ist der Aufstand noch nicht vorbei. Aber sein Idealismus interessiert niemanden mehr. Hin- und hergerissen zwischen Resignation und Wut will Karl die Ungerechtigkeiten des Systems nicht hinnehmen. Er plant ein Attentat auf den Wirtschaftsminister Kilman, einen ehemaligen Mitstreiter, der in der Zwischenzeit durch Verrat vom Revolutionär zum erfolgreichen Politiker aufgestiegen ist. Nur mit den Faschisten hat er nicht gerechnet: Karl gerät zwischen die Fronten der politischen Lager. In seinem von ihm selbst als »politische Revue« bezeichneten Stück von 1927 nimmt Ernst Toller, ein Weggefährte von Erwin Piscator, die krisengeschüttelte Weimarer Republik scharf und humorvoll zugleich in den Blick. Regisseurin Katrin Plötner bezieht das Stück auf unsere Gegenwart, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht und die politischen Gräben tiefer werden. Katrin Plötner inszenierte unter anderem am Münchner Residenztheater, am Schauspiel Frankfurt und am Staatstheater Darmstadt.

Regie: Katrin Plötner
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Lili Wanner
Musik: Markus Steinkellner
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Kerstin Grübmeyer
Theater

Wie der Soldat das Grammofon repariert

nach dem gleichnamigen Roman von Saša Stanišić

Inszenierte Ausstellung
von und mit dem Mannheimer Stadtensemble

Der introvertierte Alexander verbringt eine glückliche Kindheit in einer malerischen Stadt an der Drina im Bosnien-Herzegowina der 90er-Jahre. Er liebt seinen Großvater, der an den Sieg des Kommunismus glaubt. Und er ist begabt für das Erfinden wahnwitziger Geschichten, in denen scheinbar nebensächliche Begebenheiten des Alltags eine wichtige Rolle spielen. Mit dem abrupten Tod des Großvaters, der mit dem Ausbruch des Krieges zusammenfällt, endet die glückliche Zeit in Višegrad. Über der Stadt, in der Christen und Muslime als Nachbarn friedlich zusammen lebten, bricht eine Welle der Gewalt herein. Sie hält auch Einzug in die Erzählungen Alexanders. Gemeinsam mit seiner Familie flieht er nach Deutschland – dort erweisen sich seine Geschichten als überlebensnotwendig. Der Autor Saša Staniši musste als Sohn einer Bosniakin und eines Serben selbst als Vierzehnjähriger dem Krieg entkommen und fand in Heidelberg ein neues Zuhause. Das Mannheimer Stadtensemble untersucht seinen in Teilen autobiografischen Roman »Wie der Soldat das Grammofon repariert« auf aktuelle Schnittstellen im Hier und Jetzt und sammelt in Mannheim weitere Geschichten über neue und alte Heimaten, Flucht und Ankommen und das Zusammenleben in einer von vielen Kulturen geprägten Stadt.

Regie: Beata Anna Schmutz
Bühne & Kostüme: Barbara Lenartz
Biografische Texte: Lea Langenfelder
Skulpturenpark Texte: Nina Alerić
Video: Karolina Serafin
Zeichnung: Dominika Alkhodaej
Sound: Friedrich Byusa Blam
Theater

Meine geniale Freundin

nach den Romanen von Elena Ferrante

Seit der gemeinsam verbrachten Kindheit in einem armen Viertel von Neapel sind Lila und Elena Freundinnen und werden es bis ins hohe Alter bleiben: die unzähmbare Tochter eines Schuhmachers, die Neapel nie verlassen wird, und die introvertierte Pförtnertochter, die gegen den Willen ihrer Eltern studiert und schließlich Schriftstellerin wird. Elena Ferrantes vierbändige Saga, die seit 2013 die internationalen Bestsellerlisten anführt, spannt einen Bogen über mehr als sechs Jahrzehnte, in deren Verlauf die beiden Frauen die erste Liebe entdecken, glückliche und unglückliche Ehen führen, Erfüllung im Beruf finden und Niederlagen einstecken müssen. Mit ihrer Schilderung einer ungewöhnlichen Freundschaft erzählt Ferrante auch davon, wie sich Frauen in einer von Männern dominierten Welt ihren Platz erst erkämpfen müssen. Für die Süddeutsche Zeitung zählt das Epos »zu den erstaunlichsten, ambitioniertesten und überzeugendsten literarischen Projekten des jungen 21. Jahrhunderts«. Am Nationaltheater Mannheim inszeniert Felicitas Brucker die ersten beiden Teile der »Neapolitanischen Saga«, Teil III und IV sind als Fortsetzung für die Spielzeit 2019/2020 geplant.

Felicitas Brucker war von 2009 bis 2014 Hausregisseurin am Schauspielhaus Wien und inszenierte u. a. in Basel, Freiburg, Hannover und am Maxim Gorki Theater Berlin.

Regie: Felicitas Brucker
Bühne: Viva Schudt
Kostüme: Katrin Wolfermann
Musik: Mark Badur
Licht: Wolfgang Schüle
Dramaturgie: Annabelle Leschke / Anna-Sophia Güther
Ausflug

TECHNOSEUM: Tiefergelegt

Interaktiver Audiowalk von hannsjana

Gemeinsam mit dem Publikum begibt sich das Künstlerinnenkollektiv hannsjana auf Marder-Jagd im TECHNOSEUM. Die tierischen Tunerinnen und Tuner werden zu Vorbildern für gesellschaftliche Veränderungsprozesse und kreative KFZ-Mechanik. Ein humorvolles und musikalisches Hörspiel navigiert die Zuschauerinnen und Zuschauer vorbei an technischen Funktionsweisen, feministischen Geschichten und politischen Chancen des Tunings – hin zu einer Performance, die glamourös und aufgemotzt von Technik und Angeberei erzählt.

Das Künstlerinnenkollektiv hannsjana erarbeitet seit 2011 Performances, Audiowalks und künstlerische Vermittlungsformate für kulturelle Phänomene. In ihren Arbeiten schaffen hannsjana unbeschwerte Zugänge zu exklusiven Orten und komplexen Themen, sinnlich und einladend zugleich.
Theater

Endstation Sehnsucht

Tennessee Williams

Deutsch von Helmar Harald Fischer

Blanche DuBois hat alles verloren, was man nur verlieren kann: Das Elternhaus, den Job und ihren guten Ruf. Geblieben sind ihr nur die Fassade des einstigen Wohlstands und das krampfhaft aufrecht erhaltene Selbstbild der Tochter aus gutem Hause. Blanche flieht zu ihrer Schwester Stella und deren Mann Stanley Kowalski, die in einfachen Verhältnissen leben. Für die Nöte und Sehnsüchte Blanches ist in Stanleys Weltbild kein Platz. Und Blanche kann ihre Verachtung für den proletarischen »Polacken« ebenfalls nicht verbergen. Blanches Traumwelt kollidiert mit Stanleys brutalem Realismus und wird zum Albtraum mit katastrophalem Ausgang. »Endstation Sehnsucht« wurde 1947 am Broadway uraufgeführt und ist ein moderner Klassiker. Die berühmte Verfilmung von Elias Kazan mit Marlon Brando und Vivian Leigh in den Hauptrollen prägt unser Bild des Stücks bis heute. Hausregisseur Christian Weise untersucht in seiner Inszenierung Blanches Forderung nach »Magie« als utopischen Moment und vorprogrammierten Absturz zugleich.

Regie: Christian Weise
Bühne & Kostüme: Paula Wellmann
Musik: Falk Effenberger
Choreografie: Michael Bronczkowski
Licht: Robby Schumann
Dramaturgie: Sascha Hargesheimer
Theater

Female Fantasies

Szenisches Projekt von Jennifer Peterson

»Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.« (Tolstoi, Anna Karenina)

Die Regisseurin Jennifer Peterson entwirft mit den Schauspielerinnen Sophie Arbeiter und Viktoria Miknevich einen Abend über eine Frau, die aufgehört hat zu schlafen, um endlich wieder

Regie: Jennifer Peterson
Bühne & Kostüme: Marina Schutte
Theater

Der Steppenwolf

nach dem Roman von Hermann Hesse

Als einsamer »Steppenwolf« stellt sich Harry Haller als Untermieter in einem ordentlichen Haushalt vor. Er sehnt sich nach einem bürgerlichen Leben, das er gleichzeitig verachtet. Sich abwechselnd hinter Büchern und in billigen Kneipen versteckend, steht er kurz vor dem Selbstmord, bis er seiner Seelenverwandten Hermine begegnet. Mit ihr träumt Harry sich in eine Welt voller Begierde, Lust und Tanz. Eines Nachts betritt er zufällig das »Magische Theater«: Zwischen Traum und Realität lernt er dort nicht nur eine neue Sinnlichkeit, sondern auch ihm bisher verborgen gebliebene Facetten seiner Persönlichkeit kennen. Hesses 1927 entstandener Roman avancierte zur Pflichtlektüre der Flower-Power-Bewegung und der 68er-Generation. Bis heute ist er einzigartig in seiner Verbindung von Gesellschaftskritik und der Erforschung der zerrissenen menschlichen Seele. Dominik Günther arbeitet seit 2005 als freier Regisseur, u. a. am Thalia Theater Hamburg und am Badischen Staatstheater Karlsruhe.

Regie: Dominik Günther
Bühne & Kostüme: Sandra Fox
Komposition & Musikalische Leitung: Leo Schmidthals
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Ouldooz Pirniya
Theater

Findet uns das Glück?

Stefan Otteni & Ensemble

Theaterabend über das Zusammenleben

»Warum muss ich immer kämpfen? Überholen uns die Insekten? Ist die Welt voll von geheimen Botschaften? Bin ich schön? Ist es gefährlich, von einem anderen Leben zu träumen?« Rund 300 Fragen veröffentlichte das Schweizer Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss in seinem Buch »Findet mich das Glück?«. Auf die meisten dieser Fragen lassen sich gar keine Antworten finden, vielmehr produzieren sie weitere Fragen, wie diese: Wie geht das richtige Leben? Und kann man auch allein glücklich werden oder nur mit anderen zusammen?

Der Regisseur Stefan Otteni entwickelt mit dem Schauspielensemble einen Theaterabend, bei dem es nicht nur um das ganz persönliche Glück geht, sondern auch um die Frage, wie wir zusammen leben wollen und können – als Paare, Nachbarn, Kollegen, als Gesellschaft. Noch nie waren die Chancen, glücklich zu werden, so groß wie heute. Warum fällt uns glücklich sein dennoch so schwer? Zwischen Aufführung, Versammlung und Gesellschaftsspiel und mit viel Musik entsteht eine neue Theaterform, die das Publikum mit einbezieht. Am Ende findet uns vielleicht das Glück – gemeinsam.

Stefan Otteni ist Regisseur und Schauspieler. 2017 erarbeitete er mit syrischen Geflüchteten in der irakischen Stadt Sulaymaniyah ein Stück auf Arabisch, Kurdisch und Persisch.

Regie: Stefan Otteni
Bühne: Peter Scior
Kostüme: Ayse Özel
Licht: Wolfgang Schüle
Dramaturgie: Kerstin Grübmeyer
Kinderprogramm

Die Konferenz der Vögel

Nach Farid ud-Din Attar

Die Vögel aller Welt haben sich in einer Konferenz versammelt: Seht, in dieser unserer Zeit gibt es kein Land ohne Herrscher. Warum hat unser Land keinen König? Wir müssen unbedingt einen König haben! Wo es kein König gibt, herrscht Unordnung und Unzucht!

Diesen Wunsch hörend, tritt der Wiedehopf hervor und berichtet von dem König aller Vögel, dem Simurgh, der auf dem entfernten Berg Oaf im Kaf Gebirge lebt.

Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Doch der Weg zum Simurgh ist beschwerlich und die Vögel bringen zahlreiche Ausreden hervor, warum sie vor der anstrengenden Reise durch die sieben Täler nicht antreten können. Mit skurrilen Anekdoten und bildreichen Argumenten treiben die Vögel dem Simurgh entgegen, doch am Ende der Reise erblicken sie nicht den Simurgh ...

»Die Konferenz der Vögel« ist ein persisches Versepos aus dem 12. Jahrhundert von Farid ud-Din Attar. Heute ist die Frage nach Machtführern und Entscheidungsträgern ohne Zweifel aktuell und der Wiedehopf erscheint als umstrittener Aktivist. Die Inszenierung lädt die Zuschauer*innen ein Teil der Konferenz zu werden und macht die Diskussionen, die keine Lösung bringen, unmittelbar spürbar. Das Ende bringt Optimismus: Es gibt keinen Erlöser, die Verantwortung für eine bessere Welt liegt bei jedem einzelnen. »Wir müssen etwas tun!«

Regie: Carlos Manuel
Bühne und Kostüme: Fred Pommerehn
Musik: Mathias Hinke
Dramaturgie: Lisa Zehetner
Schauspiel

Die Räuber

Friedrich Schiller

1781 schreibt der junge Schiller ein vor Dramatik, Gefühlen und Freiheitsdrang berstendes Stück über den Konflikt zweier ungleicher Brüder. Franz und Karl Moor wollen sich für das ihnen vermeintlich zugefügte Unrecht an der Welt rächen – natürlich mit Gewalt, die alle Übrigen mit in den Abgrund reißt. In Schillers Erstling wird eines der ältesten Motive der Weltliteratur aktiviert: das der verfeindeten Brüder. Aber auch die »Räuberpistole«, der Widerstand gegen die absoluten Herrscher, die »gerechte Gewalt« sind starke, bis heute aktuelle Themen. Schillers Drama ist seit seiner Uraufführung 1782 mit dem Nationaltheater Mannheim verbunden wie kein anderes Stück. Zum Auftakt der Spielzeit 2018/19 und zum Beginn der neuen Schauspielintendanz stellt sich Mannheims künftiger Hausregisseur Christian Weise dem großen Klassiker. Schillers gefühlsgewaltiges und zorniges Idealisten-Drama dient ihm als Vorlage für eine Inszenierung, die Mythen unserer westlichen Kultur befragt. Was ist unsere Vorstellung einer »Leitkultur«? Und was tragen »Die Räuber« dazu bei? In einer Mischung aus Show, Performance und Pop, die sich aller dem Theater zur Verfügung stehenden Mittel bedient, spürt Christian Weise den Räubern in uns nach.

Nach Inszenierungen u. a. am Maxim Gorki Theater Berlin und am Staatstheater Stuttgart stellt Christian Weise sich mit »Die Räuber« als neuer Hausregisseur am Nationaltheater Mannheim vor.

Regie: Christian Weise
Bühne & Kostüme: Jana Findeklee / Joki Tewes
Musik: Falk Effenberger
Licht: Nicole Berry
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Schauspiel

Mitwisser

Enis Maci

Drei Verbrechen stehen im Zentrum von Enis Macis poetischer Kartografie einer verrohenden Welt: In Port St. Lucie, einem amerikanischen Albtraum aus Altenheimen und Golfplätzen am Rand der Sümpfe, gerät die Party des Teenagers Taylor Hadley im Haus seiner verreisten Eltern außer Kontrolle. Am anderen Ende der Welt, im türkischen Koruyaka, wird Nevin Yildirim Opfer eines Verbrechens. Der Täter ist ein Verwandter. Nevin fordert Rache, doch auf die Justiz ist kein Verlass. Wie weit darf sie gehen? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Impuls und blindem Affekt? Dinslaken im Ruhrgebiet: Arbeit ist rar und außer Fußball eint die Menschen wenig. Zwischen stillgelegten Kohlezechen wuchern Unkraut und Parallelgesellschaften. Hier entschließt sich Nils Donath zum denkbar radikalsten Bruch mit der westlichen Kultur.

Enis Maci, in dieser Spielzeit Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, beschreibt mit sprachlicher Wucht das Ungeheure neben dem Alltäglichen. Sie richtet den Blick auf den Nährboden der Gewalt: die Mitwisser. Der Regisseur Nick Hartnagel inszenierte u. a. am Schauspiel Hannover und war mit zwei Uraufführungen beim Heidelberger Stückemarkt vertreten.

Regie: Nick Hartnagel
Bühne & Kostüme: Yassu Yabara
Mitarbeit Kostüme: Jana Donis
Musik: Toben Piel
Licht: Björn Klaassen
Dramaturgie: Sascha Hargesheimer
Familienprogramm

1001 Nacht oder die Macht des Erzählens

Musikalisches Familienstück

Eine fantastisch erzählte Geschichte reißt uns mit: Man möchte immer weiter zuhören, doch dann überwältigt einen der Schlaf und man muss bis zum nächsten Abend warten, um zu erfahren, wie es weitergeht. Und selbst wenn die eine Geschichte zu Ende ist, fängt die nächste, noch viel spannendere erst an. Es ist deswegen auch kein Wunder, dass Gemeinschaften vor allem dann entstehen, wenn Geschichten erfunden, ausgetauscht und weitergegeben werden. Gut möglich, dass auch heute wieder junge Menschen auf den Dächern der Stadt sitzen, auf den Fluss schauen und den Gestalten aus »1001 Nacht« begegnen: dem buckligen Sänger, der Tochter des Sultans, dem verzauberten Affen und vielen, vielen mehr…

Das deutsch-russisch-ukrainische Theaterkollektiv subbotnik besteht aus dem Musiker und Komponisten Kornelius Heidebrecht, dem Regisseur und Bühnenbildner Martin Kloepfer und dem Schauspieler und Autor Oleg Zhukov. In ihrer Theatersprache verbinden sie Live-Hörspiel mit Live-Musik und Performance. In ihrer Version von »1001 Nacht«, jener berühmten Geschichtensammlung mit indischen, persischen und arabischen Wurzeln, feiern sie mit bekannten Narrationen, neuen musikalischen Kompositionen und großen Bildern die Macht des Erzählens.

Regie, Bühne, Kostüme & Musik: subbotnik – Kornelius Heidebrecht, Martin Kloepfer, Oleg Zhukov
Licht: Robby Schumann
Dramaturgie: Sascha Hargesheimer / Lisa Zehetner
Theater

Judas

Monolog von Lot Vekemans

Deutsch von Eva Pieper und Christine Bais

»Denn dieser sollte ihn verraten: einer der zwölf«, heißt es über Judas, den Mann, der als Verräter von Jesus Christus zu trauriger Berühmtheit gelangen sollte. Aber kennen wir die ganze Wahrheit? Vielleicht ließe sich die Geschichte auch anders erzählen, als Dienst eines Freundes nämlich, der Jesus half, seinen Plan in die Tat umzusetzen: zu sterben und damit unsterblich zu werden. Zwei Freunde und ein Deal – und die angenommene Bestechungsgabe, dreißig Silberlinge.

In Lot Vekemans Monologstück schildert Judas die Ereignisse aus seiner Sicht. Er ist ein Selbstdarsteller, ein moderner Performer, der uns überzeugen möchte. Musste er nicht den Messias verraten, um Gottes Heilsplan durchzusetzen? Denn konnte nicht erst der Opfertod Jesu die Menschheit erlösen? War alles Vorbestimmung oder doch freier Wille oder gar eine Verkettung unglücklicher Zufälle? Lot Vekemans ist eine der wichtigsten Stimmen der niederländischen Gegenwartsdramatik. Ihre Stücke werden auch in Deutschland mit großem Erfolg gespielt.

Regie: Philipp Rosendahl
Bühne & Kostüme: Marina Schutte
Musik: Thorsten Drücker
Licht: Damian Chmielarz
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Theater

Der Fluch der Tantaliden

Mythologische Rap-Oper von Dlé

Ein Ausflug in die griechische Antike, einmal anders erzählt: Der größenwahnsinnige König Tantalos macht Eintopf aus seinem eigenen Sohn. Zur Strafe werden seine Nachkommen von den Göttern verflucht. Damit nimmt das Morden seinen Lauf. Erschlagene Liebhaber, Rachepläne und Götterzorn bieten reichlich Stoff für die Bühne – und eine Steilvorlage für ein Hiphop-Album. Das Rap-Trio Dlé erzählt die Geschichte vom Tantalidenfluch als bühnentaugliche Familiensaga im Schnelldurchlauf. Und beim Berliner Plattenlabel Kreismusik gibt es den passenden Soundtrack zum Stück. Die musikalischen Einflüsse des Trios, von den Beastie Boys über Battle-Rap bis hin zum Bossa Nova, sind dabei so vielfältig wie die Todesursachen in der griechischen Mythologie.

Der Regisseur und Schauspieler Florian Hertweck bringt die Geschichte als Konzert, große Tragödie und Hochenergie-Hörspiel auf die Studio-Bühne. »Der Fluch der Tantaliden« ist so ein grandioses Mischwesen, dass es höchstselbst aus irgendeinem griechischen Labyrinth stammen könnte.

Regie, Bühne & Kostüme: Florian Hertweck
Musik: Dlé
Licht: Björn Klaassen
Toneinrichtung: Naomi Kreutzberg / Erik Laros
Dramaturgie: Annabelle Leschke
Schauspiel

Istanbul

Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın E. Şipal

Liederabend mit Songs von Sezen Aksu

Stellen wir uns vor, das Wirtschaftswunder hätte in der Türkei und nicht in Deutschland stattgefunden. Statt der türkischen Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen, wären Mannheimerinnen und Mannheimer nach Istanbul ausgewandert, um dort zu arbeiten und zu leben. Wie hätten sie sich zurecht gefunden in einer ihnen fremden Welt? An welche Sitten und Gebräuche hätten sie sich gewöhnen müssen, und hätten sie das überhaupt gewollt? Wäre ihnen das neue Land jemals zur Heimat geworden?

In Szenen auf Deutsch und Songs auf Türkisch erzählt der Liederabend »Istanbul« von Regisseurin Selen Kara und Akın Emanuel ipal, in der Spielzeit 2016/2017 Hausautor am Nationaltheater Mannheim, die Geschichte der Gastarbeiter andersherum: Klaus Gruber, ein Arbeiter aus Mannheim, sucht in Istanbul eine Zukunft für sich und seine Familie. Aber das Ankommen in der Fremde ist gar nicht so einfach. Zum Glück vermögen die wundervoll-traurigen Lieder von Sezen Aksu, der Göttin der türkischen Popmusik, das Heimweh zu lindern.

Idee & Konzept: Selen Kara / Torsten Kindermann
Fassung: Selen Kara / Akin E. Şipal
Text: Akin E. Şipal / Selen Kara / Torsten Kindermann
Regie: Selen Kara
Musikalische Leitung: Torsten Kindermann
Bühne: Thomas Rupert
Aufführungen / Ballett Nationaltheater Oper Mannheim Mannnheim, Mozartstr. 9
Aufführungen / Theater Theater im Pfalzbau Ludwigshafen Ludwigshafen, Berliner Str. 30
Aufführungen / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 93
Aufführungen / Theater Theatergemeinde Volksbühne Heidelberg Heidelberg, Theaterstraße 10
Aufführungen / Konzert SWR Symphonieorchester Stuttgart, Neckarstraße 230
Aufführungen / Konzert D. Radio Philharmonie Kaiserslautern Kaiserslautern, Fruchthallstr. 1
Aufführungen / Theater Badisches Staatstheater Karlsruhe Karlsruhe, Baumeisterstr. 11
Aufführungen / Konzert Dt. Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Ludwigshafen, Heinigstraße 40
Aufführungen / Konzert Kirchheimer Konzertwinter Kirchheim, Oberer Waldweg 7
Aufführungen / Aufführung Nibelungen Festspiele Worms, Von-Steuben-Str. 5
Aufführungen / Theater Theater- und Spielberatung Baden-Württemberg e.V. Heidelberg, Bienenstr. 5
Aufführungen / Konzert Weingartner Musiktage Junger Künstler Weingarten, Wiesenstr. 30
Aufführungen / Theater Theater Baden-Baden Baden-Baden, Goetheplatz 1

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