BAYERISCHES STAATSBALLETT MÜNCHEN

Spielzeit 2011/12

Goldberg-Variationen / Gods and Dogs

Ballette von Jerome Robbins und Jiří Kylián

Premiere: 22. April 2012, Nationaltheater

Musik von Johann Sebastian Bach / Jiří Kylián (Konzept) / Dirk Haubrich und Ludwig van Beethoven

2008 kreierte Jiří Kylián dieses geheimnisvolle, fast mystische Ballett für vier Paare für das NDT mit fast dem identischen Team aus Komponisten, Bühnenbildner und Projektionsdesignern, das auch „Zugvögel“ in München realisierte. „Gods and Dogs“, eine rätselhafte Doppelfigur, die aus dem Reich der Pharaonen stammt, ist ein weiterer Schritt in den aktuellen Kosmos des tschechischen Choreographen, der von sich sagt: „Mich interessieren die Grenzen zwischen Normalität und Verrücktheit, zwischen Gesundheit und Krankheit und die Normen, die beides definieren. In jedem Moment seines Lebens kann man der einen oder anderen Kategorie zugeordnet werden. Aber der genaue Moment, an dem man ultimativ über die unsichtbare Grenze ins dunkle Reich von krankhafter Verrücktheit gestoßen wird, entzieht sich unserer Wahrnehmung.“

Die Goldberg-Variationen haben in den letzten Jahrzehnten die unterschiedlichsten Choreographen zur Auseinandersetzung gereizt, die zu verschiedenen gültigen Lösungen gefunden haben. Aber unbestritten ist, dass Jerome Robbins’ Arbeit von 1971 die Krone gebührt. „Ein tänzerisches Jubelstück“, schrieb Horst Koegler nach der Uraufführung, „die Choreographie als freie Raum- und Bewegungsparaphrase, die Musik umspielend, mit ihr wetteifernd... Demonstration einer nur sich selbst verpflichteten Tanzphilosophie, eine Anleitung, Tanz sehen zu lernen...“ Robbins’ unverwechselbare Aneignung und zwanglose Variierung des klassischen Bewegungskanons, sein Gespür für Struktur und sein Aufgehen in Bachs musikalischem Kosmos - die physische Vollkommenheit des Balletts transzendiert zum metaphysischen Ereignis

Goldberg-Variationen
Musik: Johann Sebastian Bach
Choreographie: Jerome Robbins
Kostüme: Joe Eula
Licht: Thomas Skelton

Gods and Dogs
Musik: Jiri Kylián, Dirk Haubrich
Choreographie: Jiri Kylián
Bühne: Jiri Kylián
Kostüme: Joke Visser
Licht Kees: Tjebbes
Projektionen: Tatsuo Unemi, Daniel Bisig

Ort:

Nationaltheater

Termine:

So, 22.4.2012, 19:30 | Ballettwoche |
Do, 26.4.2012, 19:30 | Ballettwoche |
Mi, 30.5.2012, 19:30 |
Fr, 8.6.2012, 19:30 |
Sa, 23.6.2012, 19:30 |
Mo, 2.7.2012, 19:30 |

Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere

Nacho Duato

„Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“ ist eine choreographische Reflexion über den künstlerischen Schaffensprozess selbst, eine Szenenfolge, die die Vielfalt und den Reichtum im Werk Johann Sebastian Bachs spiegelt und mit existentiellen Situationen aus dem Leben des Komponisten in Beziehung setzt.
Der Wechsel von Szenerie und Kostümen entspricht zusammen mit schnellen und langsamen tänzerischen Phrasen dem Wechsel der Stimmungen und der Atmosphäre in den ausgewählten musikalischen Werken Bachs.

„Vielfältigkeit“, der erste Teil, changiert durch alle Register choreographischer Raffinesse. „Formen von Stille und Leere“ beruht überwiegend auf Auszügen aus der „Kunst der Fuge“. Eher mystisch und spirituell betont er die Nähe des Todes, wie sie untrennbar mit Bachs Musik verbunden ist.

Musik: Johann Sebastian Bach
Licht: Brad Fields
Choreographie: Nacho Duato
Kostüme: Ismael Aznar, Nacho Duato
Bühne: Jaffar Chalabi

Ort:

Nationaltheater

Termine:

Mo, 6.2.2012, 19:30 |
Di, 7.2.2012, 19:30 |

Dornröschen

Marius Petipa | Peter I. Tschaikowsky

Peter I. Tschaikowskys Dornröschen, von Marius Petipa 1890 in St. Petersburg choreographiert, bildet den Höhepunkt der klassischen Ära des russischen Balletts. Bis heute zählt das Werk, in unterschiedlichen Inszenierungen, aber immer unter Wahrung der choreographischen Substanz, zu den Juwelen im Repertoire der großen internationalen Ballettkompanien. Für die Premiere am 2. Dezember 2003 hat Ballettdirektor Ivan Liška das Werk, das seit 1976 auch in München heimisch ist, neu inszeniert, in Peter Farmers überarbeiteter Ausstattung von 1976. Diese ist mit ihrer exquisiten Farbdramaturgie, ihren gemäldehaften Bühnenbildern und den erlesenen Kostümen kaum zu übertreffen. Im neuen Lichtdesign von Christian Kass hat alles noch glanzvollere Ausdruckskraft gewonnen.

Ziel der Arbeit von Ivan Liška, der sich damit zum ersten Mal der Neuinszenierung eines Klassikers widmete, war es, die kostbare choreographische Überlieferung von Marius Petipa mit Sorgfalt zum Leben zu erwecken und gleichzeitig die Figuren – Prinzessin Aurora, den Prinzen, König und Königin, den Hofstaat, Feen und Märchengestalten – in jugendlichem Elan als lebendige Menschen zu zeigen.

Das Ballett verleiht dem berühmten Märchen eine tiefe symbolische Dimension, die sich schon in der Wahl der Namen der Helden der Geschichte zeigt: Dornröschen heißt Aurora – die Morgenröte – und ihr Prinz hat den Namen Desiré, der Ersehnte. Schönheit, zum Leben erweckt durch die Liebe, besiegt die dunklen Elemente der Hässlichkeit und der Verfallenheit an ein böses Schicksal. Prinzessin Aurora wird bei ihrer Taufe von der bösen Fee Carabosse verflucht und soll an ihrem 16. Geburtstag an einem Spindelstich sterben. Aber die Fliederfee mildert den Fluch: Aurora wird nach hundertjährigem Schlaf erweckt vom heroischen Prinzen Desiré. Das Hochzeitsfest, der letzte Akt des Balletts, führt in freudigem Reigen einen ganzen Märchenkosmos zusammen, an dessen Ende kein Zweifel bleibt, dass Prinz und Prinzessin hinfort ewig glücklich sein werden.

Dornröschen, entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen Peter I. Tschaikowsky und Marius Petipa, dem wohl bedeutendsten Choreographen des 19. Jahrhunderts, ist eines der (nicht allzu zahlreichen) Kunstwerke, das auf Grund seiner formalen Vollkommenheit, seines hochentwickelten choreographischen und musikalischen Ausdrucks den verwöhnten Kenner fasziniert und gleichzeitig, dank seiner märchenhaften Unmittelbarkeit und seinem theatralischen Glanz, auch ein breitestes Publikum zu faszinieren vermag.

Choreographie: Marius Petipa
Musik: Peter I. Tschaikowsky
Inszenierung und neue Choreographie: Ivan Liška
Licht: Christian Kass
Künstlerische Beratung: Irina Jacobson

Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
Bayerisches Staatsorchester

Dauer: 2 Stunden 50 Minuten (1 Pause)

Ort:

Nationaltheater

Termine:

So, 19.2.2012, 17:00 |
Mo, 20.2.2012, 19:30 |
Fr, 2.3.2012, 19:30 |
Sa, 3.3.2012, 19:30 |
Mi, 4.4.2012, 19:30 |
Mo, 9.4.2012, 18:00 |
Do, 12.4.2012, 19:30 |

BallettFestwoche 2012

So, 22.4.2012 - So, 29.4.2012 | Festival

Birmingham Royal Ballet

Gastspiel

Das Birmingham Royal Ballet scheint eine reichlich wirre Geschichte hinter sich zu haben, wenn man die unterschiedlichen Compagnie-Titel und die Reihe der Direktoren verfolgt, die seine Vorgänger trugen. Tatsächlich aber hat es eine höchst stringente Tradition. Es geht hervor aus dem jeweils kleineren, zweiten, doch nie zweitrangigen Ensemble der großen nationalen Company Englands, dem Sadler’s Wells Ballet, das seit 1956 mit Königlicher Charta als Royal Ballet den Ruf einer der fünf bedeutendsten Ballettcompagnien der Welt besitzt.

Die zweite Compagnie diente als Entwicklungsreservoire für Tänzer und Choreographen, John Cranko und Kenneth MacMillan, um nur zwei große Choreographen zu nennen, schufen ihre ersten Arbeiten für diese Truppe. Nach dem Umzug ins Hippodrome Theatre in Birmingham, das nun als feste Heimat und Operationsbasis dienen sollte, damals noch unter der Direktion von Peter Wright, erhielt die Compagnie ihren heutigen Titel, abgekürzt BRB. Seit 1995 steht David Bintley als Direktor an der Spitze des Ensembles.

Das Repertoire ist in vielem dem des Bayerischen Staatsballetts vergleichbar, wobei jedoch eine deutliche Orientierung an der nationalen Tradition zu sehen ist: Präsentation der großen historischen Werke des klassischen Balletts und gleichzeitig des bedeutendsten internationalen Repertoires; daneben kreatives Zentrum für Neues, hier vielleicht gezähmt durch den Auftrag, die Kunstform Ballett durch Gastspiele allen Regionen und allen Bevölkerungsschichten Englands zu vermitteln, was avantgardistischem Wagemut natürliche Grenzen setzt.

Das Programm in München stellt die denkbar glücklichste Ergänzung unserer Spielzeit-Konzeption dar. Ein Werk von Ninette de Valois, der Begründerin dessen, was man heute als Englische Tradition versteht, eröffnet den Abend: „Checkmate“ von 1937. Wann wäre je etwas von de Valois in Deutschland zu sehen gewesen? Hier könnte eine Schule historischen Sehens ansetzen.

Ashtons Sommernachtstraum-Version „The Dream“ von 1964 ist ein großartiges Beispiel für seine Fähigkeit, im Rahmen eines relativ kurzen, einaktigen Werkes eine Geschichte zu entfalten und durchaus erschöpfend zu erzählen.

Daneben ein aktuelles Werk von David Bintley. Kreiert 2007, präsentier es 10 Tänzer zu hinreißender Jazzmusik und zeigt Bintley auf der Höhe seiner klassischen, musikalisch fließenden Bewegungssprache. Das Ballett ist witzig und in seiner unangestrengt-lockeren Weise ein Beispiel für die Souveränität, mit der der Engländer Unterhaltung und künstlerischen Anspruch verbindet.

Dieser Abend mit zwei Meisterwerken der englischen Ballettgeschichte und einem Beispiel für die vielgesichtige Gegenwart des englischen Balletts, wird sicherlich die Gemüter kontinentaler Besucher auch kontrovers erhitzen. Das Phänomen so ganz unterschiedlicher Beurteilungen der nationalen Traditionen, das zwischen der europäisch-kontinentalen und der angelsächsisch-amerikanischen Kritik zu beobachten ist, wird sich hier vermutlich ebenfalls beobachten lassen. Und wird dem Symposium zu diesem Thema im Rahmen von Ballett extra zusätzlichen Stoff geben.

CHECKMATE
Musik: Arthur Bliss
Choreographie: Ninette de Valois
Bühne und Kostüme: E. McKnight

Uraufführung am 15. Juni 1937 beim Sadler’s Wells Ballet im Théâtre des Champs-Elysées, Paris

TAKE FIVE
Choreographie: David Bintley
Musik: The Dave Brubeck Quartet, transkribiert von Colin Towns
Bühne und Kostüme: Jean-Marc Puissant
Licht: Peter Mumford

Uraufführung am 22. Juni 2007 beim Birmingham Royal Ballet in Truro/England

THE DREAM
Musik: Felix Mendelssohn-Bartholdy (arrangiert von John Lanchbery)
Choreographie: Frederick Ashton
Bühne und Kostüme: Peter Farmer

Uraufführung am 2. April 1964 beim Royal Ballet im Royal Opera House Covent Garden, London
Solisten und Ensemble des Birmingham Royal Ballet
The Royal Ballet Sinfonia
Musikalische Leitung: N.N.

Termine:

Di, 24.4.2012, 20:00 | Ballettwoche |
Mi, 25.4.2012, 20:00 | Ballettwoche |

Illusionen - wie Schwanensee

Zum Zeitpunkt der bevorstehenden Münchner Premiere im April 2011 wird die Uraufführung von John Neumeiers Illusionen – wie Schwanensee fünfunddreißig Jahre zurückliegen. Aber niemand, der damals in Hamburg dabei war, wird das Ereignishafte vergessen haben, das den Abend unvergleichlich auszeichnete. Wenn auch niemand ahnen konnte, dass aus dieser glücklichen Anfangszeit eines jungen Ballettdirektors, den August Everding 1973 an die Alster geholt hatte, eine bis heute währende jahrzehntelange Ära werden sollte, die die Deutsche Ballettszene prägte und noch prägt. Was war das Besondere? Zunächst die theatralische Gewalt und Überzeugungskraft, mit der sich ein nachvollziehbares Drama vor unseren Augen abspielte und die nicht unerheblich von der Ausstattung Jürgen Roses ausging. Das Drama eines unglücklichen Königs, den man sofort als den Bayernkönig Ludwig II. erkannte. Darin aber verwoben – das Wort muss gesagt sein: auf geniale Weise – die sorgfältige Rekonstruktion eines balletthistorischen Gipfelpunktes, des zweiten Aktes von Schwanensee in der Choreographie von Lew Iwanow. Und des berühmten „Schwarzer-Schwan-Pas de deux“. Womit auch der wesentliche choreographische Beitrag von Marius Petipa zur definitiven St. Petersburger Schwanensee-Version gerettet war, der unser Bild von Tschaikowskys mythischem Werk bis heute mitbestimmt.

Man kann die Münchner Einstudierung der Illusionen – wie Schwanensee nun als ein längst fälliges Heimkehren des Werkes an die Stätte sehen, an der es seinen Ausgang nimmt. Nicht nur ist das Münchner Nationaltheater der Ort, an den die tragische Hauptfigur sich zurückzieht vor den unbarmherzigen Forderungen des Tagesgeschäfts. Der Ort, wo der König sich in die theatralische Wirklichkeit einer Schwanensee-Aufführung flüchtet, in der er sich Erlösung von seinen existentiellen Qualen ersehnt. Auch die unvollendeten Mauern des Schlosses von Herrenchiemsee finden sich wieder, ein Bild seiner nicht zu stillenden Sehnsucht nach Vollendung.

Keine der ihn umwerbenden Frauen kann ihm Erfüllung bedeuten; der Tod und der ständig präsente „Mann im Schatten“ werden eins im atemberaubenden Schlussbild, das die existentiell-tragische Dimension menschlichen Liebes-Verlangens in ihrer ganzen Unerfüllbarkeit erfasst.

Choreographie und Inszenierung: John Neumeier
Musik: Peter I. Tschaikowsky
Bühne und Kostüme: Jürgen Rose
Musikalische Leitung: Michael Schmidtsdorff

Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
Bayerisches Staatsorchester

Ort:

Nationaltheater

Termine:

Sa, 10.3.2012, 19:00 |
Mo, 12.3.2012, 19:00 |
Fr, 16.3.2012, 19:00 |
Mo, 19.3.2012, 19:00 |
Do, 22.3.2012, 19:00 |
Fr, 27.4.2012, 19:00 | Ballettwoche |

Steps & Times

Frederick Ashton | Kenneth MacMillan

Musik von Igor Strawinsky, Johannes Brahms, Johann Strauß und Gustav Mahler

Ein Abend der Superlative im Understatement: Zwei herausragende Chef d’oeuvres ihrer Choreographen, ihrer Zeit, ihrer Gattung. „Scènes de ballet“ schuf Frederick Ashton 1948 für das noch junge Royal Ballet. Er betrachtete das Werk bis zum Ende seines Lebens als sein eigentliches Meisterstück. 25 Minuten konzentrierte Choreographie: strukturierte Bewegung im gestalteten Raum zu Rhythmus / Melodie / Harmonie von Strawinskys bittersüßer Musik. Ein Solistenpaar, dazu 12 Tänzerinnen, 4 Tänzer. „Es hat“, meint Ashton selbst, „eine distanzierte, kompromisslose Schönheit, die sagt: ich bin hier, ich bin schön, aber ich bemühe mich nicht im Geringsten, Ihnen zu gefallen.“ Das Bühnen- und Kostüm-Design von André Beaurepaire ist trotzig wie die Musik: Die Damen in kurzem modernem Tutu, geometrisch-ornamentalem Oberteil, blitzenden Schmuck um Hals und Kopf. Verstehen wir, was man „englische Choreographie“ nennen könnte, wenn wir uns in dieses Werk verlieben?

Kenneth MacMillans „Das Lied von der Erde“: fast zwanzig Jahre später, 1965, entstanden, gedacht für’s Royal Ballet, kreiert für’s Stuttgarter Ballett - und damit aufgeladen mit der Emotionalität eines noch ganz jungen Ensembles, das konfrontiert ist mit den genialen Abgründen des musikalischen Spätwerks von Gustav Mahler. „...allüberall und ewig blauen licht die Fernen. Ewig...“ Ein Werk, das Tod und Hoffnung und Leben tief und groß im Tanz reflektiert. Bühnenbild und Kostüme aufs Höchste abstrahiert.

Zwischen diesen beiden Gipfelwerken zwei Miniaturen von Ashton, leicht und kostbar wie Diamanten, die eine Rubinkette unterbrechen. Sein walzerseliges Zurückträumen in die Zeiten von Anna Pavlova und ihrem modernen Pendant, Isadora Duncan. „Nach Art von Isadora Duncan“ - das heißt: barfüßig, ekstatisch, pathetisch, tief gefühlvoll; kürzeste Darstellungen von Revolution, Verzückung, Gewalt, Kraft und Seligkeit. Und „Frühlingsstimmen“? Ein Pas de deux, der seinen musikalischen Titel interpretiert – übermütig hingeworfen in Gala-Laune vom größten Choreographen Englands - nicht mehr und nicht weniger.

Ort:

Nationaltheater

Termine:

Do, 29.3.2012, 19:30 |
Fr, 30.3.2012, 19:30 |
So, 1.4.2012, 18:00 |
Sa, 28.4.2012, 19:30 | Ballettwoche |

Mein Ravel: Wohin er auch blickt... / Daphnis und Chloé

Braucht es überhaupt ein Wort der Erläuterung zu einem Uraufführungsabend, der eine Reihe derart überwältigend großer Kompositionen von Maurice Ravel vereinigt? Dennoch mögen drei Aspekte hervorgehoben werden, die man zur Charakterisierung des programmatischen Profils dieser Premiere erwähnen kann:

Zum einen, dass erstmals seit über 50 Jahren der Generalmusikdirektor der Oper die musikalische Leitung einer Ballettpremiere übernimmt. Es ist Kent Nagano, der damit nach Georg Solti und Rudolf Kempe wieder eine Ballett-Premiere dirigiert. Ohne die Leistungen der hervorragenden Dirigenten zu schmälern, die über Jahrzehnte in München Ballettabende dirigiert haben, bedeutet das doch eine besondere Anerkennung der künstlerischen Qualität und eine Zeichen setzende Wertschätzung der Arbeit des Bayerischen Staatsballetts. Kent Nagano, der übrigens seine Theaterkarriere auch als Repetitor für Ballett begonnen hat, ist ein außergewöhnlicher Kenner dieser Kunstform und ihrer Bedingtheiten und von der Zusammenarbeit können fürs Bayerische Staatsballett neue Inspirations-Impulse ausgehen.

Dann bildet das Programm auch eine Fortsetzung des Erinnerns an die „Ballets Russes“, deren 100 jähriges Jubiläum mit dem bis heute wunderbar erfolgreichen Abend Shéherazade, Les Biches, Once Upon An Ever After gefeiert wurde. Maurice Ravel komponierte vielfach für Serge Diaghilews skandal- und erfolgverwöhnte Truppe. Daphnis und Chloé selbst war eine Auftragskomposition für diese Compagnie, die, choreographiert von Mikhail Fokine, 1912 Premiere hatte.

Ein weiteres Zeichen setzt die Verpflichtung des jungen australischen Choreographen Terence Kohler für die Neuinterpretation des antiken Mythos von Daphnis und Chloé, deren von Piraten gefährdete Liebe mit Hilfe des Gottes Pan zum Sieg geführt wird. Kohler, dessen Bewegungssprache ganz bewusst dem klassischen Ballett verbunden bleibt, hat andererseits die Frische und Originalität, diese Tradition nicht zu zerstören, sondern sie zu transformieren und sich auf geistreiche Weise mit ihr auseinanderzusetzen. Kohlers Engagement als „resident choreographer“ des Bayerischen Staatsballetts unterstreicht die Bedeutung, die Ivan Liška dem jungen Australier beimisst.

Für einen Abend, der nicht unwesentlich von der Konzentration auf hohe musikalische Substanz geprägt ist, liegt auch die erneute Verpflichtung des Choreographen Jörg Mannes nahe. Sein abendfüllendes Ballett Der Sturm fürs Bayerische Staatsballett hat sich durch einen exquisiten musikalischen Anspruch ausgezeichnet, durch den Mut zu einer eigenen Form des Erzählens, die auf kühne Weise Abstraktion und Konkretion nebeneinander stellt. Der Hannoveraner Ballettdirektor hat sich nun zusammen mit Kent Nagano eine musikalische Trias zusammengestellt – mit dem Klavierkonzert für die linke Hand als Zentrum – an der sich seine szenische Phantasie entzünden kann. Wohin sie schweifen wird, bleibt vorerst sein Geheimnis.

Daphnis und Chloé
Choreographie: Terence Kohler
Musik: Maurice Ravel
Bühne und Kostüme: Jordi Roig

Wohin er auch blickt...
Choreographie: Jörg Mannes
Musik: Maurice Ravel
Bühne: Tina Kitzing
Kostüme: Lenka Radecky
Licht: Christian Kass
Dramaturgie: Brigitte Knöß

Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
Bayerisches Staatsorchester

Dauer: 2 Stunden 10 Minuten, 1 Pause

Ort:

Nationaltheater

Termine:

Fr, 10.2.2012, 19:30 |
Sa, 11.2.2012, 19:30 |
Mi, 15.2.2012, 19:30 |
Do, 16.2.2012, 19:30 |
Fr, 24.2.2012, 19:30 |
So, 29.4.2012, 19:30 | Ballettwoche |

Der Widerspenstigen Zähmung

John Cranko nach William Shakespeare

Grotesk-komische Verkleidungs- und Verstellungsposse und gleichsam tiefenpsychologisches Wandlungsdrama in einer abendfüllenden Choreographie von John Cranko. Eine etwas andere Variante der Romeo und Julia-Erzählung, in der die widerspenstige Katharina und der Rohling Petrucchio am Ende doch noch als zärtlich Liebende zueinander finden.

Choreographie: John Cranko
Bühne und Kostüme: Jürgen Rose

Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
Bayerisches Staatsorchester

Dauer: 2 Stunden 30 Minuten (1 Pause)

Ort:

Nationaltheater

Termine:

Do, 17.5.2012, 16:00 |
So, 20.5.2012, 18:00 |
Fr, 25.5.2012, 19:30 |
Mo, 28.5.2012, 18:00 |
Sa, 16.6.2012, 19:30 |

Das Mädchen und der Messerwerfer | AfterLight | Las Hermanas

Ballette von Simone Sandroni, Russell Maliphant und Kenneth MacMillan

Musik von u.a. Eric Satie und Frank Martin

Simone Sandroni gehört zu den zeitgenössischen Choreographen, die wie Sidi Larbi Cherkaoui oder Russell Maliphant sowohl für die freie Szene als auch für klassische Ensembles choreographieren. Symptomatisch für seinen schnellen, physisch betonten Stil, der unter anderem von Kampftechniken beeinflusst ist, sind Reaktion - Gegenreaktion als Prinzip. Sandroni versetzt die Tänzer in ständige lauernde Alarmbereitschaft, die einen hohen Grad an Konzentration und Energie freisetzt. Dem kommt das Thema des Gedichtzyklus' "Das Mädchen und der Messerwerfer" von Wolf Wondratschek aus dem Jahr 1997 entgegen. Ein Mädchen, verloren und unbehaust, selbstbewusst und stolz, vertraut dem Mann, der jeden Abend die Messer auf sie wirft, ihr Leben an. Angesichts der Gefahr verdichten sich Fühlen und Denken.

Der englische Choreograph Russell Maliphant, gebürtiger Kanadier, Jahrgang 1961, absolvierte sein Studium an der Royal Ballet School in London, bevor er zeitgenössische Tanzformen studierte. Er arbeitete als Tänzer mit den wichtigsten und stilbildenden Ensembles der zeitgenössischen englischen Szene – DV8 Physical Theatre, Michael Clark Company, Laurie Booth u.a. Aber auch mit Ensembles wie dem Lyon Opera Ballet oder der Batsheva Company aus Tel Aviv gab es viele gemeinsame Projekte. 2003 begann seine fruchtbare und dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Weltstar Silvie Guillem, für die er zahlreiche international überaus erfolgreiche Kreationen schuf, Soli und Duos, in der er selbst ihr Partner ist. Russell Maliphant ist ein typischer Choreograph des zeitgenössischen London, der in seiner Biographie und seiner Arbeit Tradition und Avantgarde vereint und selbst immer wieder neue Wege geht. Im Rahmen dieses Abends zeigen wir ein Solo, das aus seiner Auseinandersetzung mit den Ballets Russes und inspiriert von der Person Nijinskys am Sadler's Wells entstand.

Der Geniestreich des noch jungen Choreographen Kenneth MacMillan übersetzt 1963 Lorcas "Bernarda Albas Haus" in 25 Minuten konzentriertesten Tanz. Frank Martins Konzert scheint wie für MacMillans Strukturierung der Geschichte komponiert. Der englische Choreograph erweiterte die Ausdrucks- und Bewegungsmöglichkeiten des klassischen Balletts und formte das in die Katastrophe führende Geschehen kühn und beklemmend zu einem choreographischen Meisterwerk des 20.Jahrhunderts.

Ort:

Prinzregententheater

Termine:

Mo, 9.7.2012, 19:30 |
Di, 10.7.2012, 19:30 |

Bayerische Staatsoper

Max-Joseph-Platz 2
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-21 85-19 20 oder +49 (0)89-21 85 19 20