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Residenztheater

Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands und zeigt mit seinem großen Ensemble unter der Intendanz von Martin Kušej internationale Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska.

Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

Kontakt

Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89 2185 1940
Fax: +49 (0)89 2185 2185
E-Mail: tickets@residenztheater.de

Bewertungschronik

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Theater

Dantons Tod

von Georg Büchner

Premiere: 30. Oktober 2020

«Dantons Tod», 1835 vom erst zweiundzwanzigjährigen Georg Büchner nach umfangreichen Studien in nur fünf Wochen niedergeschrieben, basiert auf historischen Quellen und Dokumenten der Französischen Revolution, deren Maxime der «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» unser aller Verständnis moderner europäischer Demokratien geformt hat. Büchner erzählt aber nicht vom triumphalen Anfang, dem bis heute gefeierten Sturm auf die Bastille, als der Kampf dem Volk galt, sondern fokussiert auf wenige Tage gegen Ende der sogenannten Schreckensherrschaft der Jakobiner im Frühjahr 1794. Die ehemaligen Weggefährten Danton, Epikureer und Melancholiker, und Robespierre, Tugendterrorist und Dogmatiker, stehen einander als ideologische Gegner gegenüber. Die Revolution bedeutet nur noch Terror der Guillotine, dem die Revolutionäre selbst zum Opfer fallen. In einem Brief notiert Büchner: «Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem grässlichen Fatalismus der Geschichte.»

«Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!»

«Dantons Tod», das einzige Werk des Dichters, Mediziners und Revolutionärs, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde, kreist um immer gültige Fragen: nach der Notwendigkeit und Legitimität von Gewalt zur Verfolgung politischer Ziele, nach der individuellen Gestaltungsmöglichkeit im Räderwerk des Daseins, nach der (Nicht-)Existenz Gottes, nach der (Un-)Möglichkeit von Liebe, nach der Einsamkeit des Menschen (angesichts des Todes) – und ist nichts weniger als eine poetische Untersuchung der Conditio humana.

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Inszenierung: Sebastian Baumgarten
Bühne: Thilo Reuther
Kostüme: Jana Findeklee, Joki Tewes
Komposition und Sounddesign: Christoph Clöser
Klavierimprovisation: Philipp Weiß
Licht: Gerrit Jurda
Video: Chris Kondek
Dramaturgie: Constanze Kargl

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Theater

Der Kreis um die Sonne

von Roland Schimmelpfennig

Uraufführung: 14. November 2020

«Ein Fest oder eine Vernissage, vielleicht auch die Eröffnung einer Kneipe – oder ist das doch einfach nur eine Party bei irgendjemand zuhause? Vielleicht hat jemand Geburtstag oder jemand hat eine Prüfung bestanden? Es ist eng hier drin, zu voll, viel zu voll, man kommt kaum durch den Flur, man kommt kaum in die Küche, jemand hat Husten, jemand sagt, ich werde diese Erkältung seit Wochen nicht los, jemand hält eine Rede, jemand lächelt jemandem heimlich zu, zwei küssen sich zum letzten Mal, zwei küssen sich zum ersten Mal, jemand wartet auf einen Anruf, jemand weint, jemand lacht, jemand singt ein Lied, alle singen ein Lied. Es wird bald hell. Schon? Tatsächlich, die Sonne geht auf. Ja? Nein? Und plötzlich ist alles anders. Als habe sich ein Schatten vor die Sonne geschoben.» Roland Schimmelpfennig

Roland Schimmelpfennig, einer der renommiertesten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker*innen, beschreibt in präzisen, poetisch verdichteten Miniaturen und Momentaufnahmen lose Begegnungen, beiläufige Gesten und Konversationssplitter seines Figurenpanoramas und entwirft das kaleidoskopartige Bild einer Gesellschaft, die aufgrund einer Pandemie plötzlich zum Stillstand kommt. Über raffinierte Zeitsprünge, markante Brüche bzw. klug konstruierte Übergänge folgen wir unterschiedlichsten Figuren nach dieser Erschütterung in eine disparate und dissonante Zeit der sozialen Isolation, der Hilflosigkeit, der Angst und der Verzweiflung. Wir begleiten sie bei ihrem verzweifelten Versuch, trotz noch mangelnder Deutungsroutinen und zwangsläufiger Fehleinschätzungen eine Kartografie der Krise zu erstellen.

Hausregisseurin Nora Schlocker wird mit «Der Kreis um die Sonne» erstmals ein Stück Roland Schimmelpfennigs zur Uraufführung bringen.

Inszenierung: Nora Schlocker
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Nevena Glušica
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Constanze Kargl

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Jugendprogramm

Gott

von Ferdinand von Schirach

Premiere 20. November 2020

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Elisabeth Gärtner, pensionierte Architektin, hat nur noch einen Wunsch: Sie will sterben. Ihr geliebter Ehemann ist vor drei Jahren an Krebs gestorben und ohneihn macht für sie das Leben keinen Sinn mehr. Ein Medikament, dass ihr erlaubt, selbstbestimmt in den Tod zu gehen, wird ihr verweigert. Jetzt soll vor dem Ethikrat grundsätzlich über ihren Fall entschieden werden. Juristische, medizinische und theologische Sachverständige streiten leidenschaftlich über die Frage: Hat der Mensch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? Dürfen Ärzt*innen beim Suizid helfen? Und wem gehört eigentlich unser Leben? Uns? Dem Staat? Gott?

In seinem hochaktuellen neuen Stück «Gott» setzt sich der Autor und Jurist Ferdinand von Schirach mit dem kontrovers diskutierten Thema der Sterbehilfe auseinander. Wie schon in seinem Erfolgsstück «Terror» spielt auch in «Gott» das Publikum wieder eine zentrale Rolle. Denn am Ende der fiktiven Sitzung des Ethikrates entscheiden Sie, ob dem Wunsch von Frau Gärtner entsprochen werden soll oder nicht.

Inszenierung: Max Färberböck
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Lili Wanner
Licht: Monika Pangerl
Dramaturgie: Michael Billenkamp

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Theater

Das Erdbeben in Chili

nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleists Novelle, die auf das Erdbeben von Santiago de Chile im August 1647 Bezug nimmt, ist von kristallener Schönheit und irritiert als poetisch verdichtete, verstörende Vision aktueller Debatten in Zeiten der Pandemie. Schon mit dem ersten Satz versetzt Kleist die Leser*innen ins Epizentrum der Katastrophe. Verstörte Überlebende sind mit der Deutung des Erdbebens beschäftigt, doch die perspektivischen, interessensabhängigen Schilderungen von Ohnmacht, Schutzlosigkeit und Tod münden in keiner sinnstiftenden Narration. Der Erzähler weiß von Plünderungen im rechtslosen Raum zu berichten, aber auch von Opferbereitschaft, Mut und Selbstlosigkeit. Und dem trügerischen Idyll des verloren geglaubten Paradieses, in das sich Überlebende flüchten und das keine gesellschaftlichen Schranken kennt, folgen Diffamierung, Verfolgung und Lynchjustiz.

«Die Mechanik von Schuld und Sühne wird in neuen Deutungsmustern fortwährend weitererzählt. Die auf der ganzen Welt grassierende Epidemie verbreitet das Gefühl, die tödliche Gefahr ihres Auftretens müsse, wenn nicht mit uns allen, dann doch mit der Lebensweise bestimmter Menschen, Völker oder Nationen zu tun haben. Ob das Virus durch den unlauteren Verzehr von exotischen Tieren auf den Märkten in Wuhan zu den Menschen kam oder eine gezielte Züchtung des Impfbefürworters Bill Gates sei – die Anhängerschaft von Verschwörungstheorien wächst schnell und hält wider besseren Wissens an ihrem Glauben fest. Und manchmal bedarf es nur eines einzigen Satzes, um eine Gemeinschaft in einen gewalttätigen Mob zu verwandeln.» Ulrich Rasche

Ulrich Rasche, der dem Münchner Publikum seit seiner «Räuber»-Inszenierung bestens bekannt ist und aufgrund seiner formstrengen Sprechchöre und spektakulären Bühnenkonstruktionen als einer der außergewöhnlichsten Regisseur*innen seiner Generation gilt, wird Kleists «Das Erdbeben in Chili» in Szene setzen.

Inszenierung und Bühne: Ulrich Rasche
Komposition und Musikalische Leitung: Nico van Wersch
Kostüme: Romy Springsguth
Video: Florian Seufert
Chorleitung: Jürgen Lehmann
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Constanze Kargl

Altersempfehlung: ab 15 Jahren

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Theater

Einer gegen alle

nach dem gleichnamigen Roman von Oskar Maria Graf

für die Bühne bearbeitet von Alexander Eisenach

Georg Löffler, Bauernsohn aus dem Inntal, desertiert nicht nur von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, sondern steigt auch aus seinem früheren Leben aus. Sein Neuanfang gerät zur Odyssee durch die junge Weimarer Republik, in der er keinen Platz finden kann: Als obdachloser Streuner in Oberbayern, als anonymer Flaneur in München, als Juwelendieb und Bankräuber im Vogtland versucht er, seine Identität und Herkunft hinter sich zu lassen – und mordet brutal alle, die sich ihm auf seiner Flucht in den Weg stellen. Ist «Girgl» vom Krieg traumatisiertes Opfer der Umstände, ein früher vereinzelter Vorläufer marodierender Nationalsozialisten, oder der vermeintliche linke Revolutionär, nach dem die Polizei fahndet?

«Man sagt, wenn sich die Zwanzigerjahre aus einem Menschenleben winden, fangen die Reibungen an zwischen natürlichem Denken und dunklem Trieb», schreibt Oskar Maria Graf in einer Erzählung. In vielen seiner Werke hat er die politischen Wirren der Zeit vor hundert Jahren geschildert und wie kein*e andere*r persönlich-biografische Erlebnisse mit den objektiven Ungerechtigkeiten der gesellschaftlichen Realität verbunden. Der Regisseur und Autor Alexander Eisenach nimmt den Roman als Ausgangspunkt einer Expedition durch Grafs Werk und betrachtet aus heutiger Perspektive eine Zeit, in der sich im Ringen um eine neue Normalität politische Extremismen Bahn brechen.

Inszenierung: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Claudia Irro
Musik: Sven Michelson
Licht: Georgij Belaga
Live-Video: Oliver Rossol
Dramaturgie: Katrin Michaels

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

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Theater

Lulu

von Frank Wedekind

Über zwanzig Jahre lang arbeitete der Münchner Dramatiker Frank Wedekind an der von ihm sogenannten Monstretragödie, die aufgrund der harschen Zensur zu seinen Lebzeiten keine Aufführung in München erlebte. Zu anrüchig, zu lüstern. Wedekind schuf mit Lulu eine Schlange, geschaffen, um «zu locken, zu verführen» – und um zu morden. Für ihre Liebhaber scheint Lulu Projektionsfläche – was Mann wünscht, er findet es in ihr. Und mehr: Lulus Verführungen treiben ihre Liebhaber*innen in München und Paris reihenweise in den Tod, bis sie sich schließlich in den Londoner Gassen ihrem eigenen Tod in die Arme wirft.

«Als ich mich im Spiegel sah, hätte ich ein Mann sein wollen …
Mein Mann!»

Bereits im Prolog teilt Wedekind uns allerdings den Namen eines noch gefährlicheren Raubtiers mit, das dieses Stück bevölkert: «Verehrtes Publikum!» Denn nicht nur für die Männer in ihrer Welt ist Lulu ein Wert, etwas, das sich anhand des eigenen Lustgewinns bemessen lässt. Auch vor dem Publikum muss sie sich fortwährend dem objektivierenden Blick aussetzen. Auch für Publikum und Regisseur ist Lulu Projektionsfläche, auf der sich Frauenbilder sezieren lassen. Wer also steckt hinter diesen beiden erotischen Silben? Diese Frage ergründet der Regisseur Bastian Kraft, indem Lulu nur mit Lulu spricht. Gespielt von drei Schauspielerinnen, verhandelt Lulu in einem vielstimmigen Dialog mit sich selbst ihre eigene Geschichte. Sie übernimmt hiermit ihr Schicksal. Der lineare Handlungsverlauf löst sich auf, und ihren Liebhabern begegnet Lulu, indem sie die Männer selbst spielt. So verschiebt sich die Macht des Begehrens in das erotische Spannungsfeld verschwimmender Geschlechtergrenzen. Und die Lust an der Travestie zeigt kein Frauenbild, sondern Lulus Blick auf die Männerbilder, die Wedekind in diesem Stück zeichnet.

Bastian Krafts multimediale Bearbeitungen verdichten literarische Klassiker auf ihr Kernpersonal, dem sie eine neue Erzählperspektive und Stimme geben, und haben ihn an die wichtigsten Bühnen des deutschsprachigen Raums geführt. Mit «Lulu» wird er nun in München seine intensive Beschäftigung mit Videokunst auf der Bühne fortsetzen, wobei es ihm gelingt, trotz formaler Zugriffe stets die Schauspieler*innen in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen, wofür er vielfach ausgezeichnet worden ist.

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Inszenierung: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüme: Dagmar Bald
Musik: Arthur Fussy
Licht: Monika Pangerl
Video: Kevin Graber
Dramaturgie: Bendix Fesefeldt

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Jugendprogramm

Die drei Musketiere

nach Alexandre Dumas

Die drei Musketiere, die eigentlich vier sind, treten auf und denken über ihr Alleinsein nach. Kann man die berühmte Formel «Einer für alle, alle für einen» mathematisch erklären? Wer ist eigentlich «der eine»? Und wer sind überhaupt «alle»? Sie verwandeln sich in ihre eigenen Diener und Pferde, stellen Dumas’ Geschichte nach – und vor allem infrage. Die Musketiere kämpfen um Leib und Leben, die Schauspieler spielen sich um Kopf und Kragen.

In seinem 1844 veröffentlichten Abenteuerroman «Die drei Musketiere» konfrontiert uns Alexandre Dumas mit einigen literarischen Unstimmigkeiten, die der italienische Regisseur Antonio Latella, seit 2017 Theaterintendant der Biennale Venedig, zum Anlass nimmt, ein Duell mit dem Stoff auszutragen. In der Tradition der Commedia dell’Arte fordern die Schauspieler ihn mit Worten, Waffen und viel italienischer Anarchie zum Kampf. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

«Freundschaft ist heute eher eine Bequemlichkeit, keine Notwendigkeit mehr im eigentlichen Sinn. Früher war sie fast wichtiger als die Beziehung zum eigenen Partner. Wenn ‹Alle für einen und einer für alle› gilt, wer ist dieser eine? Und wer sind alle, die für den einen sind? Gibt es den einen, für den alle bereit wären zu sterben? Wer ist das? In der heutigen Zeit ist es genau so, dass ich einer bin und gleichzeitig alle, und gleichzeitig einer, dem es nicht gelingt, alle zu sein. Wir wollen, aber können nicht alle gleich sein, und einander gleich sein ist auch nicht gleich ein Ganzes. Es gelingt uns nicht, ein Ganzes zu sein.» Antonio Latella

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Inszenierung, Raum und Musik: Antonio Latella
Kostüme: Simona D'Amico
Licht: Gerrit Jurda
Choreografie und Kampftraining: Francesco Manetti
Dramaturgie: Carmen Bach

Übernahme der Inszenierung des Theater Basel

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2 Gespräch

Resi ruft an

Die Schauspieler*innen des Residenztheaters spielen, lesen und erzählen kurze Szenen aus den aktuellen Stücken, Ausschnitte aus Lyrik und Literatur – für Sie ganz persönlich und live am Telefon.

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30.04.20, 08:38, jen: Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Residenztheaters geht kaum noch.

Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Residenztheaters geht kaum noch.

Theater

Leonce und Lena

nach Georg Büchner

Die Geschichte ist scheinbar schnell erzählt: Ein Prinz und eine Prinzessin aus benachbarten Königreichen flüchten vor einer arrangierten Ehe, verlieben sich inkognito ineinander und versuchen, mit einer List ihren Lebensweg selbst zu bestimmen – nur um am Schluss festzustellen, dass sie ihrem vorbestimmten Schicksal in die Arme geflüchtet sind. So weit, so klar.

Ein Shakespeare’scher Klamauk könnte das sein, eine Parodie auf Goethes «Werther» und das monarchische System, eine Studie über Jugend und Langeweile. Bei der genaueren Lektüre stellt man aber fest, dass seltsame Lücken, Risse und Leerstellen zwischen den Textzeilen klaffen – und auch die Figuren selbst voller unverfugter Abgründe sind, in die man als Leser*in, Schauspieler*in oder Regisseur ständig hineinfällt und an deren Boden die großen Menschheitsfragen funkeln: wer, weshalb, wohin.

«Wie ist mir eine Stimme doch erklungen Im tiefsten Innern, Und hat mit Einemmale mir verschlungen All mein Erinnern.»

Georg Büchners «Leonce und Lena» beginnt als scheinbar klassische Verwechslungskomödie, endet aber als seltsames Traumspiel über Sinn und Unsinn des Daseins, den Zweifel an der Wirklichkeit und die Sehnsucht, sich in einen Automaten zu verwandeln. Es ist ein Freiflug ins Nichts, voller Traurigkeit und doppeltem Sinn, zwischen dessen Kalauern und Wortspielen sich kristallklare Sätze von unschuldiger Weisheit verstecken.

Hausregisseur Thom Luz macht «Leonce und Lena» zum Ausgangspunkt eines Streifzugs durch Büchners heiter-verzweifelten Kosmos und bahnt sich einen eigenen Weg durch das Spiegellabyrinth zwischen Thron- und Tanzsaal und dem Irrenhaus.

Dem royalen Lustspiel folgen im Lauf der Spielzeit Büchners Dramen um den Proletarier Woyzeck und die französischen Revolutionäre in «Dantons Tod» und führen die Auseinandersetzung mit seinen poetischen Existenzfragen in anderen Milieus und inszenatorischen Handschriften fort.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Inszenierung und Bühne: Thom Luz
Musikalische Leitung: Mathias Weibel
Kostüme und Licht: Tina Bleuler
Dramaturgie: Katrin Michaels

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Theater

Der eingebildete Kranke oder das Klistier der reinen Vernunft

von PeterLicht nach Molière

«Der eingebildete Kranke», Molières fünfte Komödie, die sich mit der Ärzteschaft und den von ihr praktizierten Heilmethoden beschäftigt, besitzt eine in der Theatergeschichte einzigartige makabre Komponente: Molière, in der Uraufführungsinszenierung 1673 selbst der eingebildete Kranke und bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, erlitt auf offener Bühne einen Blutsturz und starb wenige Stunden später.

Im Zentrum steht Argan, der sich nicht nur einbildet, krank zu sein, sondern es tatsächlich ist: Er leidet an Hypochondrie. So kann und will er sich nicht anders zu seinem sozialen Umfeld ins Verhältnis setzen als über sein Leid, um das er in tyrannischer Selbstbespiegelung kreist. Der Kölner Autor und Musiker PeterLicht schreibt mit «Der eingebildete Kranke» seine vierte Molière-Neudichtung: Gewohnt sprachverspielt seziert er sowohl den Individual- als auch den Gesellschaftskörper und bricht das letzte Tabu neoliberaler Selbstoptimierer – das der Sterblichkeit.

«Argan ist ein Hyperperformer der Empfindsamkeit. Er neigt der Unsterblichkeit zu, das heißt, er will immer weiter das tun, was ihm als Lebewesen vorgegeben ist zu tun, nämlich LEBEN, wie sollte es auch anders sein? Er ist ein LEBEwesen, bei ihm gibt es keinen Tod, sondern nur die ANGST vor dem Tod. Der Tod ist abgeschafft. Aber leider ist es nicht klar, ob sie wirklich gelang, die Abschaffung. Argan hat den Tod ersetzt durch Strategien zur Vermeidung des Todes. Also zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, was ja das Gleiche. Es gibt eine einfache Gleichung: Solange man gesund ist, ist man noch nicht tot. So viel immerhin wissen wir. Obwohl … » PeterLicht

Claudia Bauer setzt ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit PeterLicht fort und bringt mit «Der eingebildete Kranke» zum dritten Mal ein Stück des Autors zur Uraufführung. Ab 18. April 2020 wird auch «Tartuffe oder das Schwein der Weisen» am Residenztheater zu sehen sein.

Inszenierung: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Peter Licht
Arrangements und Musikalische Leitung: Henning Nierstenhöfer
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Constanze Kargl

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Theater

Amphitryon

Lustspiel von Heinrich von Kleist nach Molière

ab 12 Jahren

1807 erscheint Heinrich von Kleists «Amphitryon», erst zweiundneunzig Jahre später kommt das Stück zur Uraufführung. Als Grundlage dient Kleist Molières gleichnamige Komödie von 1668, die er zu einem Lustspiel umarbeitet – zu einem Kleist’schen Lustspiel, wohlgemerkt. Dem Stoff liegt der antike Mythos um die Geburt des Halbgottes Herkules zugrunde. So komisch die Geschichte auch sein könnte – vom Gott Jupiter, der in Menschengestalt auf die Erde kommt und Amphitryons Frau Alkmene während dessen Abwesenheit verführt und mit ihr ein Kind zeugt, wie auch diejenige von Amphitryons treuem Diener Sosias, der Merkur in Gestalt seiner selbst bei seiner Rückkehr zu Hause antrifft –, die angerichtete Verwirrung ist mit den Mitteln der Vernunft nicht zu begreifen und stürzt die unschuldig Betroffenen in eine tiefe Bewusstseinskrise. Während Sosias stoisch die Aberkennung von Namen, Ehebett und Kleidung bis hin zum eigenen Körper erträgt und die Erlösung abwartet, fällt Amphitryon, der selbst von seiner geliebten Frau Alkmene nicht mehr als dieser erkannt wird, ins Bodenlose.

«So muss ich auf mich selbst Verzicht jetzt leisten?»

Was bleibt von uns übrig, wenn uns die Identität aberkannt, unsere Selbstgewissheit aufgelöst wird – und gar das eigene Augenlicht uns Lügen straft? Durch ein göttliches Spiel steht nichts weniger als die Beglaubigung des eigenen Ich in Zweifel und ermächtigt nur die Götter selbst, mit der Aufklärung desselben die Ordnung der Welt wiederherzustellen. Kleist beschreibt in seinem Lustspiel die zeitlose menschliche Zerbrechlichkeit, indem er sie der Zerstörung durch die Aberkennung des Menschseins aussetzt.

In der Inszenierung von Hausregisseurin Julia Hölscher spiegelt sich die zerrissene Selbstsuche der Protagonist*innen in einem gekonnten Verwirrspiel zwischen Lust, Ernüchterung, Selbstbehauptung und Verlorenheit wider. Am 23. Januar 2020 folgt ihre neue Arbeit für das Residenztheater, «Der starke Stamm».

Inszenierung: Julia Hölscher
Bühne: Paul Zoller
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Martin Gantenbein
Licht: Tobias Löffler, Cornelius Hunziker
Dramaturgie: Sabrina Hofer, Stefanie Hackl

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Online

Resi liest vor

«Gullivers Reisen» von Jonathan Swift

Stechen Sie in See und entdecken Sie mit Jonathan Swifts Gulliver und dem Ensemble des Residenztheaters ferne Länder! In einer Marathonlesung mit täglichen Podcast-Folgen widmet sich das Residenztheater diesem Klassiker der Weltliteratur.

Die neuen Folgen werden jeweils um 12 Uhr hier veröffentlicht.

Der fiktive Reisebericht des Arztes und Kapitäns Lemuel Gulliver von seinen phantastischen Begegnungen und Abenteuern durch fremde Länder ging als fabulierte und meisterhaft vielschichtige Satire auf die zeitgenössische Politik und Gesellschaftsstrukturen in die Geschichte ein und ist heute, mehr als 300 Jahre später, aktueller denn je. Jeden Tag führen uns die Schauspieler*innen des Residenztheaters durch ein neues Kapitel, das die meisten von ihnen unter den unterschiedlichsten Umständen, aus Schlaf- Wohn- oder Esszimmern, mit den ihnen verfügbaren technischen Hilfsmitteln eingelesen und aufgezeichnet haben.

Jonathan Swift. Gullivers Reisen. Aus dem Englischen übersetzt von Hermann J. Real und Heinz J. Vienken.
(c) Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Ditzingen

Ton: Nikolaus Knabl
Musik: Camill Jammal

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Residenztheater

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Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

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Aufführungen / Theater Münchner Kammerspiele München, Falckenbergstraße 1
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Musical Hofspielhaus
Fr, 30.10.2020, 19:30 Uhr
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a

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