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Residenztheater

Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands und zeigt mit seinem großen Ensemble unter der Intendanz von Martin Kušej internationale Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska.

Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

Kontakt

Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89 2185 1940
Fax: +49 (0)89 2185 2185
E-Mail: tickets@residenztheater.de

Theater

Der Spieler

von Fjodor M. Dostojewskij

Premiere: 14. Dezember 2018

Mit dem "Spieler" setzt Dostojewskij alles auf eine Karte. Spielsüchtig eilt er rastlos, von Schulden nahezu aufgefressen, zwischen Russland und dem Westen, seiner schwerkranken Frau und einer jungen Geliebten hin und her. Als die Gläubiger nicht mehr aufzuhalten sind, borgt er sich vom Verleger Stellowski 3000 Rubel und sichert ihm dafür in etwas mehr als einem Jahr einen fertigen Roman zu. Sollte der nicht fristgerecht fertig sein, sind in den darauffolgenden neun Jahren die Rechte aller bereits vollendeten und noch folgenden Werke völlig an Stellowski abzutreten. Ein Teufelspakt, auf den er sich erst einen Monat vor Fristende der Vertragsschuld besinnt. In nur 26 Tagen entsteht "Der Spieler", fiebrig einer Stenografin diktiert. Später wird diese seine zweite Frau, "Der Spieler" weltberühmt, Dostojewskij seine Spielsucht überwinden und sich endgültig in die Weltliteratur einschreiben.

So kann man den fiebrigen „Spieler“ als befreienden biographischen Wendepunkt lesen. Zugleich zeigt sich in der literarischen Teufelsaustreibung ein sich auflösendes Ich, das mit atemlosen Schritten der Moderne und ihren Extremen zueilt. Der Text folgt dem jungen Hauslehrer Alexej Iwanowitsch und seiner russischen Enklave zu den deutschen Spieltischen und wirbelt ähnlich einer Roulettekugel durch die Hotelzimmer, in denen auf den Tod einer Erbtante, neues Geld und die Herzen der Frauen gewartet wird. Alle sind sie Heimatlose, die zwischen Spiel und Trieb, Liebe und Hass, Geld und Gier warten, im Herzen der Finsternis, das hier "Roulettenburg" heißt.

Regie: Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald B. Thor
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Angela Obst
Theater

Marat/Sade

von Peter Weiss

Als Autor und Regisseur lädt Marquis de Sade zum grotesken Revolutionstheater und ruft die Geister der Französischen Revolution herauf. Deren Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind bereits wenige Jahre nach der Revolution für immer verloren. Radikaler Individualismus steht auf der Tagesordnung. Die Freiheit des Einzelnen geht auf Kosten anderer und die Brüderlichkeit scheint zum Nationalismus verkommen. Die Darstellung der Ermordung des wichtigsten Wortführers für die Rechte des einfachen Volkes, Jean Paul Marat, kommentiert de Sade mit seiner eigenen Erfahrung gegenüber einer Revolution, die "zu Ende geführt" wurde "von Kaiser Napoleon". Während der extreme Sozialist Marat und der skeptische Individualist de Sade noch über die Notwendigkeit sozialer Umwälzung debattieren, lässt de Sade dreimal die Mörderin Marats, Charlotte Corday, auftreten. Die ehemalige Landadlige und ihr Liebhaber, der girondistische Abgeordnete Duperret, eröffnen als konservative Patrioten den Totentanz der Restauration. Denn längst will auch das Volk sein Stück vom Kuchen und fordert: "Marat wir wollen keine Tüten kleben/ Marat wir wollen im Wohlstand leben."

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Uraufführung, die Peter Weiss am 29. April 1964 über Nacht als Theaterautor weltberühmt gemacht hat, stellen sich die Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit und politischer Bewusstheit immer wieder neu. Peter Weiss' Drama, von Tina Lanik inszeniert, ist geschichtsphilosophische Reflexion und Theaterspektakel zugleich und dank seiner radikalen Offenheit bis heute kontrovers.

Regie: Tina Lanik
Bühne + Kostüme: Stefan Hageneier
Musik: Cornelius Borgolte
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Andrea Koschwitz
Theater

Antigone

von Sophokles

Der Bürgerkrieg, der ein Bruderkrieg war, ist vorüber. Nachdem sich Eteokles und Polyneikes, die Söhne des Ödipus, im Kampf um die Macht gegenseitig erschlagen haben, hat Kreon den Thron besetzt. Das Zwei­deutige der Geschichte ist dem neuen Macht­haber unheimlich. Um sich Geltung zu verschaffen, erlässt er ein Gesetz, demzufolge der eine Bruder bestattet werden soll, der andere nicht. Kreons politisches Schicksal hängt fortan an der Geltung dieses Gesetzes. Antigone fordert diese heraus, in­dem sie den verfemten Bruder zweimal bestattet. Da sie ihren Tod im Namen einer höheren Ordnung von vornherein in Kauf nimmt, sind Kreons Gesetze und Sanktionen machtlos gegen sie. Die Frage da­nach, wann und unter welchen Umständen Gesetze Gültigkeit beanspruchen können, stellt Antigone radikal. Es ist die Frage nach Freiheit und Gebun­denheit. Die Ordnung, die Kreon mit allen Mitteln erhalten wollte, wird Antigones Tod nicht überleben: "Lass keinen neuen Morgen leuchten!", sagt der Herrscher am Ende von Hans Neuenfels‘ Neufassung der Übersetzung von Ernst Buschor. Weil er sich keinen vorstellen kann.

Hans Neuenfels, dessen Arbeitsbiographie seit langem von einer intensiven Beschäftigung mit der griechischen Klassik geprägt ist, kehrt mit dieser Inszenierung nach sechzehn Jahren ans Residenz­theater zurück.

Regie: Hans Neuenfels
Bühne: Katrin Connan
Kostüme: Michaela Barth
Licht: Stefan Bolliger
Dramaturgie: Sebastian Huber
Kinderprogramm

Alice im Wunderland

von Lewis Carroll für alle ab 6 Jahren

für die Bühne bearbeitet von Christina Rast und Götz Leineweber

Alice war es leid, still zu sitzen und warf ein- oder zweimal einen Blick in ein Buch, aber nirgends waren darin Bilder abgedruckt. "Und was nützen Bücher ohne Bilder?" Alice reist durch ein Kaninchenloch in eine Welt, in der die Sprache alles sein kann, ein Irrgarten bestehend aus Haarspalterei und Widerrede. Hinrichtungen sind nur ein Spaß, aber wehe, wenn dir jemand ins Wort fällt. Nicht die Gurgel schneidet die Herzkönigin dir durch, sondern die Antwort ab. Gefeiert wird der Ungeburtstag, Katzen verschwinden lächelnd, die andere Seite des Pilzes macht dich größer, mit Zeit lässt sich nicht reden und alles, alles ist vielleicht nur ein Kartenspiel, nichts weiter, einmal durchgepustet fliegt es in alle Richtungen davon. Es bleibt die finale Frage, ob man Wörter wirklich etwas anderes heißen lassen kann. "Wer bist du?", fragt die blaue Raupe und Alice antwortet: „Das weiß ich nicht genau. Also beim Aufstehen wusste ich noch, wer ich war. Aber seither muss ich mehrmals jemand anderes geworden sein."

Charles Lutwidge Dodgson, der sich in Variation seiner beiden Vornamen Lewis Carroll nannte, führte ein wahrhaft bürgerliches Leben, aber in seinen Geschichten schillert er in tausend Farben und wechselt spurlos die Gestalt. Im Alltag zumeist gediegen, gutmütig und eigensinnig, blühte er unter Kindern auf. Sie wurden die Gefährten seiner Phantasie und so schrieb er auch "Alice" zuerst für ein geliebtes Kind gleichen Namens als Weihnachtsgeschenk 1864. Wie sehr er damit die Welt verändern sollte, hätte er selbst in seinen kühnsten Träumen nie geglaubt.

Christina Rast gründete gemeinsam mit zwei Kollegen 2003 am Schauspielhaus Zürich die Spielstätte bunk r! (heute: Kammer) und inszeniert seither an Theatern im gesamten deutschsprachigen Raum und gerne auch für Kinder. "Alice im Wunderland" ist ihre erste Arbeit in München und eine Fortsetzung der großen Kinderstücke am Residenztheater.

Der Einheitspreis für Kinder beträgt 8 Euro und kann online, telefonisch unter 089/2185 1940 bzw. an der Tageskasse am Marstallplatz 5 erworben werden. Online-Buchung der Kinderkarten: Wenn Sie im Saalplan einen Platz anklicken, haben Sie unten unter "Verkaufsart" die Möglichkeit, den Preis von "Internet" in "Kinder/Schülerkarte" zu ändern. Ermäßigung für Schulklassen gibt es nur bei den Vormittagsvorstellungen.

Regie: Christina Rast
Bühne: Franziska Rast
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik Felix Müller
Licht: Benjamin Schmidt
Choreographie: Ruben Reniers
Video: Katja Moll
Dramaturgie: Götz Leineweber
Theater

Der nackte Wahnsinn
(Noises Off)

von Michael Frayn

Regisseur Lloyd Dallas ist mit seinen Nerven am Ende. In nicht mal 24 Stunden wird die Theaterpremiere der Komödie "Nackte Tatsachen" stattfinden, und die Schauspieler versagen. Oder haben sie sich gegen ihn verschworen? Gut, die Probenzeit war kurz für diesen solide gebauten Tür-auf-Tür-zu-Reigen aus Zufällen, Verwechslungen, Koinzidenzen, es geht um Steuerhinterziehung, Immobiliendeals, Quickies und Familienzusammenführung, kurz: ein Potpourri menschlicher Leidenschaften.

Dafür braucht es auf der Bühne Tempo, Timing und Texttreue: "Sardinen rein, Sardinen raus. Das ist Farce. Das ist Theater. Das ist Leben." Die Mechanik der Komödie muss geschmiert sein, nicht verrostet. Wo liegt das Problem? Vielleicht darin, dass seine Schauspieler Menschen sind, nicht Maschinen, verliebt der eine, verlassen der nächste, einer alkoholabhängig und fast taub, eine fast blind, dafür unterbelichtet. Alle miteinander zum Schreien menschlich, mithin nicht perfekt. Lloyd, ganz Künstler, sieht seine Schöpfung von Renegaten untergraben: "Und Gott sprach: Stopp. Und sie stoppten. Und Gott sah, dass es schrecklich war."

Die Generalprobe ist endlich holprig überstanden, doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Das Stück beginnt noch einmal – es ist Zeit vergangen, das Ensemble ist inzwischen auf Tour, und wir sehen ihm diesmal von der Hinterbühne aus zu, sehen die Arbeit, den Schweiß, die Wunden und die Wunder, die zusammen den ephemeren Moment des Theaters schaffen. Die Inszenierung weist mittlerweile einigen Verschleiß auf, die amourösen Verwicklungen fordern ihren Tribut, Spielverabredungen sind längst Verhandlungssache, doch auf magische Weise gibt es keine Toten, sondern den erlösenden Schlussvorhang. Und dann sehen wir das Stück ein drittes Mal, die Spieler nunmehr "ein Haufen hilflos taumelnder Körper" – nimmt das denn nie ein Ende?

Nein. Das hört nicht auf. Gespielt wird, solange es den Menschen gibt. Nichts kann ihn davon abbringen. Michael Frayn benutzt in seiner berühmten Komödie das Spiel im Spiel, die literarische Figur der mise en abyme, und lässt uns durch diese (unendlich fortsetzbare) Entgrenzung über Wahrheit und Fiktion, Kunst und deren Produktion nachdenken und das Spiel und dessen kostbaren Freiheitsmoment feiern. Im "Nackten Wahnsinn" ist weder den Augen noch der Sprache zu trauen, rasant wird zwischen Spiel und Spiel gewechselt, Spieler und Figuren stolpern über die Bretter, die die Welt bedeuten, auf denen die Dinge selbst ein Eigenleben zu führen scheinen, die Semantik in Aufruhr ist und sich schließlich doch immer alles fügt, verfugt mit Tränen, Blut, Küssen und einem Schuss Magie. Martin Kušej macht seine letzte Inszenierung während seiner Intendanz im Residenztheater zu einer großen Liebeserklärung: an das Theater, an die Kunst, an den Menschen.

Regie: Martin Kušej
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Heide Kastler
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Angela Obst
Schauspiel

Don Juan

von Molière

Ein spanischer Adliger, gleichermaßen mit sexuellem Appetit, intellektueller Finesse und moralischer Un­bekümmertheit gesegnet, streunt mit seinem geistig etwas schwerfälligen Diener durch Sizilien und reißt Frauen auf. Das ist manchmal mühseliger, manchmal ein Fingerschnippen, doch wirklich unangenehm wird es, wenn die Frauen ihn nicht ziehen lassen wollen oder bewaffnete Brüder haben. Noch unangenehmer kann es werden, die Statue eines Toten zum Essen einzuladen. Dabei ist sein Credo doch offenkundig: "Ich habe einen natürlichen Hang, mir bei allem, was mich anzieht, kei­ne Schranken zu setzen."

Don Juan heißt der vitale Freigeist und ist, neben Faust, das Paradigma der männlichen Gier in der europäischen Literatur. Ursprünglich, 1630 bei Tirso de Molina, noch ein rhetorisch unauffälliger, sexuell umso aktiverer, ja brutaler Frauenaufreißer, wird er durch unzählige (Um-­) Deutungen und Fortschreibungen mythisiert und dä­monisiert, aber auch destabilisiert und verbürgerlicht. So hat noch jede historische Epoche den Don Juan be­kommen, der ihr gebührt.

Molières Adaption zielt auf den freien Radikalen, dessen Normverstöße aus großer Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftspolitischen, moralischen und religiösen Kodizes gespeist sind. Don Juan gerät hier zum ver­führerischen Atheisten, der an Mathematik statt ans Jenseits glaubt, zum ephemeren Verschwender und Verbraucher, der Gott und König verlacht und über­haupt alle Väter, die auf den (irdischen und himmli­schen) Thronen sitzen. Regisseur Frank Castorf wendet sich somit einmal mehr einer ewig rastlosen "sexuellen Großmacht" (Brecht) zu, dem die Frauen wie Stern­schnuppen zufliegen und die Erde beklemmend eng ist.

Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Gerrit Jurda
Live-Kamera: Josef Motzet + Jaromir Zezula
Dramaturgie: Angela Obst
Theater

Don Karlos

von Friedrich Schiller

Spanien im 16. Jahrhundert. Die Inquisition wütet. Zwar regiert Philipp II. mit harter Hand dies Reich, in dem die Sonne niemals untergeht, doch seinen Sohn, Don Karlos, hat er nicht im Griff. Der Vater enthält ihm jegliche Liebe vor, heiratet zusätzlich die seinem Sohn versprochene Elisabeth von Valois und macht sie – um des Friedens willen – zur Königin ganz Spaniens. Und zur Stiefmutter des Sohnes. Don Karlos berät sich mit seinem Jugendfreund, dem Marquis von Posa, der in ihn dringt, für seine Interessen zu kämpfen und dazu die vergebliche Liebe nutzt. Es entspinnt sich eine Serie von Intrigen, die Friedrich Schiller in "Don Karlos" alle auserzählt. Dazu gehören – neben den Liebesverwirrungen – die Pläne und Strategien der Karrieristen der Macht, Herzog von Alba und Pater Domingo. Eine destruktive Mischung, in der ausgerechnet der Marquis von Posa eine zentrale Rolle spielt.

Friedrich Schiller schrieb mit Unterbrechungen diesen Vater-Sohn-Konflikt mit weltgeschichtlicher Auswirkung von 1783 bis 1787. Uraufgeführt zwei Jahre vor der großen Revolution, wechselte er dabei mehrfach die ästhetische Gestalt, vom bürgerlichen Trauerspiel zum Ideendrama. Gerade in der Figur des Posa rechnet Schiller mit der Aufklärung ab und zeigt, wie brüchig der Idealismus schon immer gewesen ist, wie gefährlich gerade hehre Ziele sind. Die folgenden Jahre werden seine Haltung nur bestärken. "Don Karlos" nimmt in seinem Werk eine Scharnierstellung ein: zwischen Sturm und Drang und der Weimarer Klassik. Es ist auch Nachricht aus einer Zeit, die noch nicht so einen schmalen Begriff von Politik hatte, dass sie ihr die Liebe nicht zurechnete.

Regie: Martin Kušej
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Bert Wrede
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Götz Leineweber
Theater

Tartuffe

von Molière

Als ein höchst gefährliches Dokument sahen Klerus und weltliche Macht Molières Stück "Tartuffe", als es in der Hochzeit des Absolutismus 1664 uraufgeführt wurde. Es entlarvt immer noch die zerstörerischen Kräfte, die jeder Meinungsdiktatur innewohnen. Der wohlhabende Pariser Bürger Orgon verfällt Tartuffe. Er nimmt den Habenichts in sein Haus auf und verspricht ihm die Hand seiner Tochter, obwohl Mariane bereits glücklich verlobt ist. Tartuffe hingegen versucht, Orgons Frau zu verführen. Erst als der Hausherr selbst Zeuge der Machenschaften seines vermeintlichen Freundes wird, versucht er, ihn aus dem Haus zu jagen. Aber Tartuffe ist entschlossen, sich aus seiner Machtlosigkeit zu befreien. Er setzt Orgon und seine ganze Familie unter Druck, indem er seinen Anspruch auf deren Besitz wahrnimmt. Kein Wunder, dass "Tartuffe" in der Zeit König Ludwigs XIV. sein Publikum entsetzte. Schon zu Molières Zeiten verbargen sich hinter den komödiantischen Masken seiner Protagonisten Orgon und Tartuffe gänzlich unkomische, makabre Charaktere. Beide sind zum Äußersten bereit – der gesellschaftlich Mächtige in seiner Hoffnung auf Absolution, der Underdog in seiner Gewaltbereitschaft. Das Stück demaskiert nicht nur die Bigotterie der Besitzenden, sondern es zeigt auch, wie die Täuschung – damals wie heute – als ideales Instrument, ja, als Waffe eingesetzt werden kann.

Regie: Mateja Koleznik
Bühne: Raimund Orfeo Voigt
Kostüme: Alan Hranitelj
Licht: Gerrit Jurda
Choreographie: Matija Ferlin
Dramaturgie: Götz Leineweber
Theater

Die Räuber

von Friedrich Schiller

In Franz Moor tritt der moderne Mensch als Schöpfer seiner selbst auf. "Es ist kein Gott!“ ist sein Trinkspruch und wer es wagt, sich ohne Vorbehalte seines Verstandes zu bedienen, der bestimmt die Grenzen seiner Entwicklungsmöglichkeiten selbst. In Karl Moor begegnen wir dem modernen Menschen als dem Hüter universaler Rechte. Dass die Welt nicht so eingerichtet ist, wie er sich das vorstellt, rechtfertigt ihren Untergang. Die beiden ungleichen Brüder, die um das Erbe ihres Vaters und die Liebe einer Frau konkurrieren, scheitern letztlich am Einspruch der Realität. In dem Augenblick, in dem für den Räuber Karl der Widerspruch zwischen seinem harmonischen Ideal von Ich und Welt einerseits und den blutigen Taten auf dem Weg zu dessen Verwirklichung andererseits unerträglich wird, geraten bei Franz, dem neuen Grafen Moor, die Träume außer Kontrolle und er fällt dem Wahnsinn anheim.

Als Friedrich Schiller im Jahr 1781 sein erstes Stück am Mannheimer Nationaltheater einreichte, hatte der damalige Intendant einen guten Tipp für den unbekannten Jungautor. Er schlug ihm vor, sein Gegenwartsstück zu historisieren, zeitlich zurückzuversetzen, und zwar in das ausgehende 15. Jahrhundert. Es sei ein solch doppelter Fall von absoluter Gesetzlosigkeit in der Jetztzeit nur schwer vor- und darstellbar. (Außerdem mag Herr Dalberg im Mannheimer Intendanzbüro sich wohl daran erinnert haben, dass wenige Jahre zuvor ein anderer vielversprechender Autor mit einem Stoff aus dieser Zeit großen Erfolg gehabt hatte: Johann Wolfgang Goethe hatte in "Götz von Berlichingen“ den Übergang zur bürgerlichen Gesellschaft der Neuzeit als Hintergrund für sein Drama gewählt und seinen Helden wirkungsvoll an den modernen Verhältnissen scheitern lassen.)

Schiller wies das Ansinnen des Theaterleiters zurück: "Zu aufgeklärt“ redeten seine Figuren bereits, das historische Kostüm sei ihnen nachträglich nicht mehr anzupassen. Und tatsächlich sind "Die Räuber“ eine Auseinandersetzung mit den zwei radikalsten Formen der Moderne gleichzeitig: einerseits mit dem rein instrumentellen Rationalismus, dem die Welt ein Nullsummenspiel und ein Ermordeter nicht mehr ist als ein Nicht-Geborener. Und dem moralischen Rigorismus andererseits, der die Welt mit Gewalt nach dem eigenen Bilde umbauen will. Räuber sind sie bei Schiller beide.

Ulrich Rasche, der zum ersten Mal in München arbeitet, spannt die Figuren in das Räderwerk eines gewaltigen Maschinentheaters ein, "um die Seele bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen", wie Schiller in seiner Vorrede zu "Die Räuber“ schreibt.

Regie + Bühne: Ulrich Rasche
Komposition: Ari Benjamin Meyers
Mitarbeit Bühne: Sabine Mäder
Kostüme: Heidi Hackl
Theater

Junk

von Ayad Akhtar

"Es ist kein Zufall, dass Donald Trump durch Schulden an die Macht gekommen ist. Es ist kein Zufall, dass Donald Trump nichts von dem ist, was er vorgibt zu sein. Dafür gibt es tiefe strukturelle Gründe, die meiner Meinung nach in der Geschichte der US-Wirtschaft in den späten 1970ern und 80ern liegen." (Ayad Akhtar)
Das neue Stück des "Geächtet"-Autors Ayad Akhtar spielt im "Goldenen Zeitalter der Schulden", der freak economy der Achtziger Jahre, als das Geld seine letzten Bindungen an die Realität verlor und endgültig seinen illusionären Charakter offenbarte. Aus den alten Opferungen hervorgegangen wurde es wieder – Religion. "Junk" ist ein rasant erzählter Wirtschaftskrimi um den Investment-Banker Robert Merkin, dem es gelingt, feindliche Übernahmen angeschlagener Unternehmen aus Krediten zu finanzieren, die er mit dem Vermögen des übernommenen Unternehmens zu tilgen gedenkt. Er bezahlt den Kauf des Unternehmens also mit dessen eigenen Schulden und verdient anschließend an seiner Zerschlagung. Das Stück zeigt den Abwehrkampf eines Stahl-Unternehmers gegen eine solche Übernahme und gleichzeitig den Jäger als Gejagten, dem die Staatsanwaltschaft bereits im Nacken sitzt. Insofern Geld keinen Wert darstellt, sondern ein Versprechen, dreht sich in "Junk" alles um die "Kluft zwischen angenommenem Wert und wirklichem Wert, zwischen Sprache und Bedeutung, zwischen Erscheinung und Wirklichkeit" (Ayad Akhtar).

Regie: Tina Lanik
Bühne + Kostüme: Stefan Hageneier
Theater

Macbeth

von William Shakespeare

Ein Mann auf dem Hochplateau der Gesellschaft, mit Ehrgeiz, genügend Begabung und liebender Ehefrau bedacht, um ein maßvoll besonderes Leben zu führen. Macbeth heißt dieser Mann, er hat König Duncan von Schottland in der Schlacht den verräterischen Than von Cawdor und die Norweger vom Hals geschafft. Sein Weg kann nur nach oben führen, wenn er keine großen Fehler macht, die Zeit wird es fügen. Doch dann trifft er drei Hexen, die ihm eine Beförderung und den Königstitel prophezeien – und als die Beförderung auf der Stelle eintrifft, wird aus dem Spuk eine mörderische Karriereanleitung. Lady Macbeth setzt alle geschlechtsspezifischen Manipulationsstrategien ein, ihren zaudernden Mann in die Spur des Aufstiegs zu bringen, und eines der gequältesten Killerliebespaare der Literaturgeschichte wird geboren: Denn der erste Mord ist nicht krönender Abschluss, sondern Beginn einer blutigen Kette, die Macbeth Glied für Glied zusammenfügt, bis er sterbend sie schließt und in einsamem Höllengelächter die „Geburtsstunde des europäischen Nihilismus“ (Peter von Matt) bezeugt.

Regie: Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald B. Thor
Mitarbeit: Bühne Thomas Bruner
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Angela Obst
Theater

Faust

von Johann Wolfgang Goethe

Weiter, immer weiter. Zu den Sternen, tief unter die Erde, durch alle Ozeane. Durch alle Leiber, alle Worte. Mehr, immer mehr. Mehr Geld, mehr Sex. Mehr Schmerz, mehr Lust, mehr Vergessen. Stillstand ist der Tod. Das sind wir. Und Faust ist einer von uns.

Nachdem Generationen von Lesern in ihm den tatkräftigen Titan lobten, der die Fesseln von Glauben, Tradition und Natur abstreift und mit seinem Schicksal zugleich die Welt in die Hand nimmt, erkennen wir heute, dass Faust sich verirrt hat – und wir uns mit ihm.

In seinem pathogenen Hunger nach dem ultimativen Kick, seiner Sucht nach pausenloser Bewegung und seiner Negation jeglicher Grenzen steht Faust paradigmatisch für die Hybris des Menschen, der sich im selbst entfesselten Ereignissturm zu verlieren droht. Der Pakt mit Mephisto ist Ausgangspunkt für die Flucht in die Zukunft, das Versprechen lautet Unsterblichkeit. Faust reist, nach Katastrophen dürstend und sie mit Heilsversprechen verwechselnd, zu den Endpunkten der Zivilisation, wo die Luft nach Blut schmeckt und das Auge friert. Das einzige Wesen, das ihn retten könnte, wird er zerstören. Und der Himmel bleibt stumm.

Regie: Martin Kušej
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Heidi Hackl
Musik: Bert Wrede
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Angela Obst
Dramaturgische Mitarbeit: Albert Ostermaier
Aufführungen / Theater Münchner Kammerspiele München, Falckenbergstraße 1
Aufführungen / Festival Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Konzert Regensburger Domspatzen Regensburg, Reichsstraße 22
Aufführungen / Konzert Le Nuove Musiche München München, Gollierstr. 28
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Kammermusik Pianistenclub München e.V. im Gasteig München München, Rosenheimer Str. 5
So, 16.12.2018, 19:30 Uhr
Aufführungen / Konzert Münchner Symphoniker München, Schornstraße 13
Di, 18.12.2018, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater Neue Werkbühne München München, Heßstraße 82
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper Nationaltheater München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Ausweichspielstätte: Werner-Heisenberg-Allee 11 / ab 2012: Schwanthalerstraße 13 E
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Haimhauser-/Ecke Ursulastraße
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Aufführung Studiobühne Bayreuth Bayreuth, Röntgenstr. 2
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater Regina Backes München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Minni Oehl Company München, Augustenstr. 85 a
Aufführungen / Theater OBERANGER THEATER München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater Vollmarhaus Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater DT - Die Tanzschule am Deutschen Theater Auch online sind wir der tanztipp.de! München, Schwanthalerstrasse 13
Aufführungen / Theater Theatergemeinde Augsburg e.V. Augsburg, Karolinenstr. 21
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater THETA e.V., Verein zur Förderung der freien Theater- und Tanzkultur in München München, Hans-Sach-Str. 12
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater S'ensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Jazz Jazzclub Unterfahrt München, Einsteinstraße 42
Aufführungen / Theater Bel Etage Theater im Drugstore München, Feilitzschstrasse 12
Aufführungen / Tanz TANZWERKSTATT EUROPA JOINT ADVENTURES München, Emil Geis Str. 21
Aufführungen / Theater fastfood theater opera players München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater i-camp / neues theater münchen München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater Teamtheater Comedy München, Am Einlaß 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Aufführung BMW Welt München, Am Olympiapark 1
Aufführungen / Konzert Nymphenburger Sommer Das Kammermusikfest München, Schloss Nymphenburg Eingang 19
Aufführungen / Konzert Bayerische Philharmonie München, Bäckerstraße 46
Aufführungen / Konzert Münchner MotettenChor e.V. München, Nußbaumstraße 1
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Schwanthalerstrasse 13
Aufführungen / Theater Galli Theater und Trainings Emine Akman München, Schleissheimerstr.60
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17