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Residenztheater

Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands und zeigt mit seinem großen Ensemble unter der Intendanz von Martin Kušej internationale Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska.

Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

Kontakt

Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89 2185 1940
Fax: +49 (0)89 2185 2185
E-Mail: tickets@residenztheater.de

Bewertungschronik

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Schauspiel

Das Vermächtnis (The Inheritance)

aus dem Amerikanischen von Hannes Becker frei nach dem Roman «Howards End» von E.M. Forster

Deutschsprachige Erstaufführung: 22.1.2022

New York City in den letzten Monaten der Präsidentschaft Barack Obamas. Während der Autor Toby Darling der Premiere seines Theaterstücks entgegenfiebert, verbringt sein Partner Eric Glass Zeit mit seinem Bekannten Walter. Die Gespräche mit dem 55-Jährigen führen Eric in eine Vergangenheit, die er als schwuler Mann Anfang dreißig nur vom Hörensagen kennt: die verheerende Aidsepidemie, welche die LGBTQ-Community von Beginn der 1980er-Jahre an erschütterte. Dabei ist in Walters Erzählungen immer wieder von einem alten malerischen Landhaus die Rede. Welche Rolle dieser Ort für Walter und seinen Partner Henry Wilcox gespielt hat, kann Eric nicht ahnen. Im Herbst 2016 verfolgt Erics Freundeskreis fassungslos die Wahlniederlage Hillary Clintons gegen den Republikaner Donald Trump. Amerika wandelt sich. Plötzlich scheinen Freiheiten, für welche die vorangegangene Generation von Aktivist*innen gekämpft hat, nicht mehr selbstverständlich. Eric muss sich fragen, wer er ist und sein will.

Mit seinem mehrfach ausgezeichneten Theaterstück «Das Vermächtnis» gelingt dem international gefeierten amerikanischen Dramatiker Matthew Lopez ein Meisterwerk des Storytelling: ein Bühnenepos in zwei Teilen, Beziehungs- und Gesellschaftsdrama, überreich an Figuren, ein Sittenbild, so komisch wie tragisch. Er übernimmt darin Motive aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Roman «Howards End», transferiert diese ins New York der 2010er-Jahre und erzählt temporeich die berührende Geschichte einer Wahlfamilie und schwulen Community, die vor der Frage steht, ob sie bereit ist, das Vermächtnis der jüngeren Geschichte anzunehmen. Lopez' Stück verneigt sich vor den Schicksalen der Vergangenheit und entwirft ein utopisches Bild gemeinsamer Verantwortung und gegenseitigen Respekts. Dabei steht es in der Tradition von Tony Kushners «Engel in Amerika», das in dieser Spielzeit ebenfalls am Residenztheater zu sehen sein wird.

Inszenierung und Bühne: Philipp Stölzl
Kostüme: Kathi Maurer
Musik: Ingo Ludwig Frenzel
Licht: Gerrit Jurda
Mitarbeit Bühne: Franziska Harm
Dramaturgie: Ewald Palmetshofer

Übersetzt von Hannes Becker

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Teil 1 und Teil 2 werden sowohl als Doppelvorstellung als auch einzeln an aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt.

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Kindertheater

Die Biene im Kopf

von Roland Schimmelpfennig

Premiere: 26.1.2022

Wendig, kurzweilig und voller Leichtigkeit erzählt Autor Roland Schimmelpfennig von einem Kind, das im familiären und im schulischen Umfeld schutzlos durchs Leben geht. Die leeren Bierflaschen der Eltern mehren sich, in der Schule ist es der Außenseiter und auf dem Nachhauseweg wird es von den anderen Kindern schikaniert. Doch das Kind verwandelt sich in eine Biene und rettet sich mit seiner ganzen Vorstellungskraft in eine andere, freie Welt. Es meistert so mit den Mitteln der Poesie die schwierigsten Herausforderungen des Lebens. «Die Biene im Kopf» ist die Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit des Residenztheaters mit dem renommierten Dramatiker Roland Schimmelpfennig, dessen Stücke «Der Riss durch die Welt» und «Der Kreis um die Sonne» in den vorangegangenen Spielzeiten am Residenztheater uraufgeführt wurden. Das Kinderstück «Die Biene im Kopf» ist eine Produktion des «Klub Xtra».

Für alle Vorstellungen im Januar ist «Die Biene im Kopf» zu Gast in der Grundschule an der Sankt-Martin-Straße München.

Altersempfehlung: ab 6 Jahren

Bei Interesse an einer Aufführung in Ihrer Schule wenden Sie sich bitte an resi.alle@residenztheater.de.

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Schauspiel

Der Drang

Volksstück von Franz Xaver Kroetz

Premiere: 11.2.2022

Franz Xaver Kroetz' Stücke sind immer beides: Skandal und normal. Sie erzählen vom Volk und seinen Abgründen, also eigentlich dem ganz normalen Leben. So auch im Volksstück «Der Drang», das in der Urfassung «Lieber Fritz» bereits 1975 als «Sexualkomödie» für Furore sorgte.

Kroetz erzählt aus dem Leben des Friedhofsgärtnerpaars Hilde und Otto, bei denen es im Bett so frustrierend ist wie beim Kranzbinden für die Beerdigungen. In die triste Idylle kommt Fritz, Hildes Bruder. Er saß wegen Exhibitionismus im Gefängnis, hat sadistische Neigungen, die er jetzt mit Pillen zu unterdrücken sucht. Er findet Arbeit, Bett und Verständnis bei den beiden. Otto, der bei seiner Frau sexuell nicht findet, was er braucht, erregt sich am Anderssein des Schwagers, will ihn zur Wiederholungstat provozieren. Fritz widersteht auch Mitzi, einer vereinsamten Mitarbeiterin, die ihn bedrängt. Abgewiesen und sexuell bedürftig finden Mitzi und Otto zueinander, «lassen die Sau raus» und machen das, was sie Fritz als Perversion unterstellen. Ehefrau Hilde ist eifersüchtig und entwickelt andere Gelüste: Mordgelüste.

Ist es die Lust am Verbotenen, die Neugier aufs Anderssein, oder sind es schlicht Vorurteile, die einerseits faszinieren und andererseits Abwehr hervorrufen? Hassen und lieben, Opfer wie Täter*in sein, ist dieser allgemeine Drang die (un-)heilige Ambivalenz der Gerechten?

Nach «Agnes Bernauer» steht mit «Der Drang» ein weiteres Stück von Franz Xaver Kroetz auf dem Spielplan des Residenztheaters.

Inszenierung: Lydia Steier
Bühne und Kostüme: Blake Palmer
Musik: Dennis DeSantis
Video: Jonas Alsleben
Licht: Benjamin Schmidt
Dramaturgie: Constanze Kargl

2 Stunden 05 Minuten

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

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Schauspiel

Graf Öderland

Eine Moritat in zwölf Bildern von Max Frisch

Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2021

Ein Hauswart, erschlagen – ohne Grund, ohne Motiv, einfach so: Durch den Arbeitsalltag vom Leben entfremdet, greift der Kassierer einer Bank zur Axt und mordet. Diese Tat erschüttert Staatsanwalt Martin nachhaltig. Im Mörder und dessen Tat sieht er sein eigenes Gefangensein in einer bürgerlichen Existenz gespiegelt. Schlagartig nimmt ihn eine Urangst gefangen, die ihn zur Flucht in die mythische Welt eines mysteriösen Alter Ego treibt: in die Welt von Graf Öderland. Als Graf Öderland beginnt Martin mit der Axt in der Hand einen Feldzug gegen den gesellschaftspolitischen Status quo. Innerhalb kürzester Zeit wird er zum Befreiungshelden, hinter dem sich Benachteiligte und Unzufriedene zu einer großen Anhänger*innenschaft formieren. Tief unten in der Kanalisation kommt es zur Revolte gegen die herrschende Elite. Doch am Ende entpuppt sich, was anfangs als gesellschaftlicher Befreiungsschlag erschien, als ein verzweifeltes und brutales Ringen um die eigene innere Freiheit nach dem Motto: «Ich will nicht die Macht! Ich möchte leben!»

Max Frisch bezeichnete «Graf Öderland» als sein liebstes Stück. Vor dem Hintergrund sich neu formierender Protestbewegungen gegen vermeintliche Einschränkungen der persönlichen Freiheit und unpopuläre Entscheidungen seitens der Regierungen lädt sich die Figur des Grafen neu auf. Ist er Befreiungsheld oder machthungriger Despot ohne jegliche politische Vision?

Stefan Bachmann hat «Graf Öderland» – eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2021 – als bildgewaltigen, albtraumartigen Trip inszeniert. Die Figuren purzeln von einer surrealistischen Situation in die nächste, ohne Halt – sie werden zu Spielbällen ihres inneren Erlebens, ihrer radikalen Fantasien und ihrer verdrängten Sehnsüchte.

Geige/E-Geige: Julia Bassler
Inszenierung: Stefan Bachmann
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Esther Geremus
Komposition und Musikalische Leitung: Sven Kaiser
Licht: Roland Edrich
Körperarbeit: Sabina Perry
Dramaturgie: Barbara Sommer

Eine Koproduktion von Residenztheater und Theater Basel

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Die Träume der Abwesenden

Eine Trilogie («Leas Hochzeit» – «Heftgarn» – «Simon») von Judith Herzberg

«Meine Erinnerungen drehen sich um die Zukunft. Ich erinnere mich an alles, was noch geschehen wird.»

Judith Herzberg zeichnet in ihrer Trilogie mit feinem Humor und leichter Hand das Porträt einer jüdischen Großfamilie aus Amsterdam zwischen den 1970er-Jahren und der Jahrtausendwende. Es ist eine Chronik der Gefühle und verwickelten Beziehungen. In einem Reigen über drei Generationen hinweg wird geheiratet, werden Kinder gezeugt, finden Trennungen statt, wird sich neu verliebt – und wieder geheiratet. Nach außen hin führen die Familienmitglieder und ihre Freund*innen das alltägliche Leben ihrer Zeitgenoss*innen, und wenn sie sich bei Hochzeiten oder Begräbnissen treffen, wird geredet, getanzt, geliebt und gestritten. Doch ganz beiläufig und unvermittelt zeigen sich hinter der fröhlichen Fassade Einblicke in ein verwundetes Seelenleben. Es sind die Geschichten von Überlebenden des Holocaust und ihrer Nachkommen, in deren Körper sich die Traumata der Verfolgung und Shoah tief eingeschrieben haben. Sich von der Vergangenheit zu lösen, scheint unmöglich, und wie ein unsichtbares Vermächtnis werden die Bilder und Erinnerungen von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Aber trotzdem geht ihr Leben weiter, sie tanzen, lieben, heiraten aufs Neue und bleiben dabei unentwegt auf der Suche nach einem Neuanfang.

Die Lyrikerin und Dramatikerin Judith Herzberg, geboren 1934 in Amsterdam, überlebte als Kind den Holocaust bei einer «Kriegsmutter» auf dem Land. Sie wurde für ihr literarisches Werk mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem höchsten Preis für niederländische Literatur. Stephan Kimmig ist ein langjähriger künstlerischer Wegbegleiter von Judith Herzberg und ihrem groß angelegten Schreibprojekt. Für «Die Träume der Abwesenden», Stephan Kimmigs erste Arbeit am Residenztheater, hat sie darüber hinaus den Monolog «Die Linkshändigen» zur Verfügung gestellt, der im Rahmen der Trilogie uraufgeführt wird.

Inszenierung: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Choreografie: Bahar Meriç
Musik: Nils Strunk
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Michael Billenkamp, Almut Wagner

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Cyrano de Bergerac

nach Edmond Rostand

Der historische Cyrano de Bergerac lebte als Dandy, Duellist und Dichter, früher aufklärerischer Philosoph und Science-Fiction-Autor im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Berühmter als seine eigenen Werke machte ihn jedoch das Stück des neuromantischen Dramatikers Edmond Rostand von 1897, in dem die Hauptfigur seinen Namen trägt und wie das historische Vorbild als dichtender Musketier bei den Gascogner Kadetten dient. Die wahrscheinlich zweitberühmteste Nase der Weltliteratur nach der Pinocchios scheint hingegen eine Erfindung des Autors zu sein, genauso wie das fatale Dreiecksverhältnis, das die Handlung des Stücks bestimmt: Cyrano liebt Roxane, traut sich seiner Hässlichkeit wegen aber nicht, der Angebeteten seine Leidenschaft zu gestehen. Stattdessen wird er Ghostwriter seines Regimentskollegen Christian de Neuvillette, den Roxane seines schönen Äußeren wegen liebt, der aber eben keine schönen Briefe schreiben kann. Und so entspinnt sich eine virtuelle Fernbeziehung, die in Wirklichkeit eine Ménage-à-trois ist.

Der italienische Regisseur Antonio Latella und sein Co-Autor und Dramaturg Federico Bellini nehmen sich nach den «Drei Musketieren», die weiter über die Bühnen des Residenztheaters galoppieren, des zweiten großen Klassikers über ruhmreiche Fechter an. Sie machen Rostands Stück zum Ausgangspunkt einer Recherche über das Wesen des Theaters und der Liebe, in der statt der über fünfzig Figuren der Vorlage nur zwei Darsteller auf der Bühne stehen. Die beiden Männer müssen die Geschichte nun ohne das Objekt ihrer Begierde erzählen und haben somit auch keine Muse, die ihre Verse befeuern könnte.

«Alles spielt sich in einem Theater ab – wie die erste Szene bei Rostand – und darüber wird auch durchaus ironisch diskutiert: Wo gibt es in dieser Gesellschaft einen Raum, um frei zu agieren und man selbst zu sein – ob nun mit oder ohne Nase? Es geht um die Beziehung von Kunst und Macht und die Unmöglichkeit, die wahre Liebe zu finden. Es gibt hier nur eine Liebe, die aus Worten besteht. Das Wort aber ist ein Spielzeug der List und hat mit Wahrheit wenig zu tun. Cyrano macht die Bühne zu einem politischen Handlungsraum und zum Schauplatz eines Kampfs, in dem Worte als Waffen gebraucht werden. Denn im Freiraum der Bühne sind verbale Angriffe und Schmähtiraden gegen alles und jede*n erlaubt, ob sie sich nun reimen oder nicht.» Federico Bellini

Inszenierung: Antonio Latella
Bühne: Giuseppe Stellato
Kostüme: Graziella Pepe
Musik: Franco Visioli
Licht: Barbara Westernach
Choreografie und Kampftraining: Francesco Manetti
Dramaturgie: Federico Bellini, Katrin Michaels

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Erinnerung eines Mädchens

von Annie Ernaux / Aus dem Französischen von Sonja Finck

In ihrer 2016 erschienenen autobiografischen Erzählung «Erinnerung eines Mädchens» unternimmt die französische Autorin Annie Ernaux den Versuch, einem zutiefst prägenden Ereignis in ihrem Leben auf die Spur zu kommen. Was ist ihr, der damals achtzehnjährigen jungen Frau, im Sommer 1958 widerfahren? Zwischen Erinnerungsbruchstücken, Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und jahrzehntealten Fotografien unternimmt die Autorin eine nahezu forensische Analyse des Geschehenen, seiner Auswirkungen und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sexuellen Doppelmoral, die Männern und Frauen gänzlich unterschiedliche Formen der «Freiheit» zuzusprechen respektive zu verwehren pflegt. «Erinnerung eines Mädchens» zeigt die schmerzhafte Auseinandersetzung der fast Achtzigjährigen mit sexueller Scham, Ohnmacht und Selbstermächtigung und ist – kurz vor dem Beginn der #MeToo-Bewegung erschienen – ein berührendes und zutiefst politisches Dokument vom Ende des Schweigens.

«Sie ist berauscht von ihrer Freiheit, dem Ausmaß ihrer Freiheit.»

Annie Ernaux, 1940 in der Normandie geboren, zählt zu den bedeutendsten französischen Schriftsteller*innen der Gegenwart. In ihrem Werk untersucht sie mit schonungslosem Blick Unterdrückungs- und Emanzipationsstrukturen von Klasse, Herkunft und Geschlecht. Ihre literarische Methode der Autofiktion ist fixer Bezugspunkt des soziologischen und schriftstellerischen Werks klassensensibler, politischer Autor*innen wie etwa Didier Eribon und Édouard Louis.

Die italienische Regisseurin Silvia Costa wird sich mit «Erinnerung eines Mädchens» dem Münchner Publikum vorstellen.

Inszenierung und Bühne: Silvia Costa
Komposition und Mitarbeit Regie: Ayumi Paul
Kostüme: Rebekka Stange
Mitarbeit Bühne: Anna Schöttl
Licht: Barbara Westernach
Dramaturgie: Ewald Palmetshofer

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Gott

von Ferdinand von Schirach

Elisabeth Gärtner, pensionierte Architektin, hat nur noch einen Wunsch: Sie will sterben. Ihr geliebter Ehemann ist vor drei Jahren an Krebs gestorben und ohneihn macht für sie das Leben keinen Sinn mehr. Ein Medikament, das ihr erlaubt, selbstbestimmt in den Tod zu gehen, wird ihr verweigert. Jetzt soll vor dem Ethikrat grundsätzlich über ihren Fall entschieden werden. Juristische, medizinische und theologische Sachverständige streiten leidenschaftlich über die Frage: Hat der Mensch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? Dürfen Ärzt*innen beim Suizid helfen? Und wem gehört eigentlich unser Leben? Uns? Dem Staat? Gott?

In seinem hochaktuellen neuen Stück «Gott» setzt sich der Autor und Jurist Ferdinand von Schirach mit dem kontrovers diskutierten Thema der Sterbehilfe auseinander. Wie schon in seinem Erfolgsstück «Terror» spielt auch in «Gott» das Publikum wieder eine zentrale Rolle. Denn am Ende der fiktiven Sitzung des Ethikrates entscheiden Sie, ob dem Wunsch von Frau Gärtner entsprochen werden soll oder nicht.

Inszenierung: Max Färberböck
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Lili Wanner
Sound: Michael Gumpinger
Licht: Monika Pangerl
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Der Kreis um die Sonne

von Roland Schimmelpfennig

«Ein Fest oder eine Vernissage, vielleicht auch die Eröffnung einer Kneipe – oder ist das doch einfach nur eine Party bei irgendjemand zuhause? Vielleicht hat jemand Geburtstag oder jemand hat eine Prüfung bestanden? Es ist eng hier drin, zu voll, viel zu voll, man kommt kaum durch den Flur, man kommt kaum in die Küche, jemand hat Husten, jemand sagt, ich werde diese Erkältung seit Wochen nicht los, jemand hält eine Rede, jemand lächelt jemandem heimlich zu, zwei küssen sich zum letzten Mal, zwei küssen sich zum ersten Mal, jemand wartet auf einen Anruf, jemand weint, jemand lacht, jemand singt ein Lied, alle singen ein Lied. Es wird bald hell. Schon? Tatsächlich, die Sonne geht auf. Ja? Nein? Und plötzlich ist alles anders. Als habe sich ein Schatten vor die Sonne geschoben.» Roland Schimmelpfennig

Roland Schimmelpfennig, einer der renommiertesten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker*innen, beschreibt in präzisen, poetisch verdichteten Miniaturen und Momentaufnahmen lose Begegnungen, beiläufige Gesten und Konversationssplitter seines Figurenpanoramas und entwirft das kaleidoskopartige Bild einer Gesellschaft, die aufgrund einer Pandemie plötzlich zum Stillstand kommt. Über raffinierte Zeitsprünge, markante Brüche bzw. klug konstruierte Übergänge folgen wir unterschiedlichsten Figuren nach dieser Erschütterung in eine disparate und dissonante Zeit der sozialen Isolation, der Hilflosigkeit, der Angst und der Verzweiflung. Wir begleiten sie bei ihrem verzweifelten Versuch, trotz noch mangelnder Deutungsroutinen und zwangsläufiger Fehleinschätzungen eine Kartografie der Krise zu erstellen.

Hausregisseurin Nora Schlocker wird mit «Der Kreis um die Sonne» erstmals ein Stück Roland Schimmelpfennigs zur Uraufführung bringen.

Inszenierung: Nora Schlocker
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Nevena Glušica
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Constanze Kargl

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Was der Butler sah

von Joe Orton
Aus dem Englischen von René Pollesch

«Es gibt hier keine privilegierte Klasse. Der Wahnsinn ist demokratisch und nach diesem System behandeln wir auch.»

In der Nervenklinik des Psychiaters Dr. Prentice geht es zu wie im Irrenhaus. Alles beginnt mit einem Bewerbungsgespräch, während dessen Dr. Prentice der Sekretärin Geraldine mehr als #MeToo-verdächtige Annäherungsversuche macht. In flagranti ertappt werden sie von seiner Frau, die allerdings eine eigene Affäre zu vertuschen sucht. Es entspinnt sich eine atemberaubende Jagd von sechs Figuren nach passenden Kleidungsstücken, passenden Ausreden und dem passenden Geschlecht, bei der beinahe ein Polizist ermordet wird und alles mit Winston Churchills Penis endet.

Was wie eine furios boulevardeske Verwechslungskomödie wirkt, in der kein Klischee und kein Seitensprung ausgelassen werden, entpuppt sich schnell als eine bitterböse Farce, in der bürgerliche Moralvorstellungen unterwandert und Tabus gebrochen werden. Orton, der in den 1950er- und 1960er-Jahren in Großbritannien offen schwul lebte, schreibt aber nicht nur über queere Themen, sondern spottet auch wortwitzig über die zwanghafte Pathologisierung von Lebensentwürfen jenseits der gesellschaftlichen Norm. Mit seinem bissigen Stil und dunklen Humor zählt er zu den einflussreichsten britischen Dramatiker*innen des 20. Jahrhunderts.

Bastian Kraft, der in der Spielzeit 2019/2020 mit «Lulu» eindrucksvoll zeigte, wie sich audiovisuelle Technik und lustvolles Spiel miteinander verbinden lassen, wird einmal mehr überkommene Geschlechterrollen aufbrechen und Ortons Stoff in ein neues Gewand kleiden.

Inszenierung: Bastian Kraft
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Inga Timm
Musik: Polly Lapkovskaja
Licht: Hannes Gambeck
Video: Jonas Alsleben
Dramaturgie: Constanze Kargl

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Dekalog

nach dem gleichnamigen Drehbuch von Krzysztof Kieślowski und Krzysztof Piesiewicz

«Was, im Innersten, ist richtig und was ist falsch? Was ist Lüge und was ist Wahrheit? Was ist redlich und was ist unredlich? Und was für eine Einstellung sollte man dazu haben?», fragten sich der Filmregisseur Krzysztof Kieślowski und der Anwalt Krzysztof Piesiewicz, als sie 1983 mit der Entwicklung des international gefeierten Filmzyklus «Dekalog» begannen, der in zehn Episoden jeweils ein biblisches Gebot in der säkularen Gegenwart beleuchtet. In einem gesellschaftlichen Panorama erzählen sie von universellen, zutiefst privaten undpersönlichen Situationen, «die fiktiv sind, aber in jedem Leben eintreten können»: Momente, in denen plötzlich Lebensentwürfe infrage und das Verhältnis zu den Mitmenschen radikal auf die Probe gestellt werden. Die ökonomische Rezession, die soziale Spaltung und die sich formierende Protestbewegung sind dabei genauso Hintergrund des Geschehens wie die Abwesenheit einer Gottheit, die den Menschen angesichts der großen Rätsel des Lebens beiseitestehen könnte.

«Ich habe niemanden, den ich fragen kann, was ich tun soll.»

Der spanische Opern- und Schauspielregisseur Calixto Bieito, seit 2017 Künstlerischer Leiter des Teatro Arriaga in Bilbao, kehrt mit seiner Version des «Dekalog» ans Residenztheater zurück. Er entwickelt aus dem Filmstoff eine neue Erzählweise, die das Verhältnis zwischen tradierten Werten und aktueller Realität, zwischen Kunst und Wirklichkeit neu untersucht und im Geiste Kieślowskis die moralische Unruhe der Jetztzeit befragt.

Inszenierung: Calixto Bieito
Bühne: Aída Leonor Guardia
Kostüme: Ingo Krügler
Licht: Michael Bauer
Video: Sarah Derendinger
Dramaturgie: Bettina Auer, Katrin Michaels
Musikalische Einstudierung: Lukas Siebert, Matthias Störmer

Aus dem Polnischen von Beata Prochowska

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

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Schauspiel

Herz aus Glas

nach dem gleichnamigen Drehbuch von Herbert Achternbusch

«Wird die Zukunft im Untergang der Fabriken ebenso eine Notwendigkeit erkennen, wie uns die Burgen ein Zeichen notwendiger Wandlung sind?»

Das Steigen der Meere, das Sterben der Wälder und sogar die beiden Weltkriege soll der Waldprophet Mühlhiasl, der angeblich im 16. Jahrhundert in der Gegend von Straubing gelebt hat und als bayerischer Nostradamus in die Sagenwelt des Bayerischen Waldes eingegangen ist, vorhergesagt haben. Der Dramatiker, Autorenfilmer und Poet Herbert Achternbusch bedient sich dieser Legende, um von einer Gesellschaft zu erzählen, der zur Wahrung ihres Wohlstands jedes Mittel recht ist: Denn vom Ruhm des teuren Rubinglases der ortsansässigen Manufaktur lebt das ganze Dorf – nur, dass der soeben verstorbene Glasmeister die geheime Rezeptur mit ins Grab genommen hat. Der eilends zur Abhilfe einbestellte Kuhhirte Hias bestätigt die ihm zugeschriebenen hellseherischen Fähigkeiten, indem er zur Stelle ist, bevor überhaupt nach ihm gerufen wurde. Angetrieben von seinen düsteren Prophezeiungen einerseits und vom tyrannischen Glashüttenherrn Goldfinger andererseits, gerät das ganze Dorf in Aufruhr und ist bald bereit, dem Reichtum den Seelenfrieden zu opfern.

«Herz aus Glas», 1976 von Werner Herzog verfilmt, vereint ein dörfliches Gesellschaftsporträt mit einer zivilisatorischen Großansicht im Geist der sich damals organisierenden Umweltbewegungen: Achternbusch erzählt von der Industrialisierung als einer Menschheitsepoche, die letztendlich von Egoismus angetrieben wird und ihre fadenscheinige Rechnung ohne die gewaltigen Kräfte der Natur gemacht hat – eine Sichtweise, die aktuelle Prognosen nur unterstreichen. Die Regisseurin Elsa-Sophie Jach adaptiert Achternbuschs Drehbuch für die Bühne und gibt damit ihr Debüt in München

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Schauspiel

Lulu

von Frank Wedekind
in einer Bearbeitung von Bastian Kraft

Über zwanzig Jahre lang arbeitete der Münchner Dramatiker Frank Wedekind an der von ihm sogenannten Monstretragödie, die aufgrund der harschen Zensur zu seinen Lebzeiten keine Aufführung in München erlebte. Zu anrüchig, zu lüstern. Wedekind schuf mit Lulu eine Schlange, geschaffen, um «zu locken, zu verführen» – und um zu morden. Für ihre Liebhaber scheint Lulu Projektionsfläche – was Mann wünscht, er findet es in ihr. Und mehr: Lulus Verführungen treiben ihre Liebhaber*innen in München und Paris reihenweise in den Tod, bis sie sich schließlich in den Londoner Gassen ihrem eigenen Tod in die Arme wirft.

«Als ich mich im Spiegel sah, hätte ich ein Mann sein wollen …
Mein Mann!»

Bereits im Prolog teilt Wedekind uns allerdings den Namen eines noch gefährlicheren Raubtiers mit, das dieses Stück bevölkert: «Verehrtes Publikum!» Denn nicht nur für die Männer in ihrer Welt ist Lulu ein Wert, etwas, das sich anhand des eigenen Lustgewinns bemessen lässt. Auch vor dem Publikum muss sie sich fortwährend dem objektivierenden Blick aussetzen. Auch für Publikum und Regisseur ist Lulu Projektionsfläche, auf der sich Frauenbilder sezieren lassen. Wer also steckt hinter diesen beiden erotischen Silben? Diese Frage ergründet der Regisseur Bastian Kraft, indem Lulu nur mit Lulu spricht. Gespielt von drei Schauspielerinnen, verhandelt Lulu in einem vielstimmigen Dialog mit sich selbst ihre eigene Geschichte. Sie übernimmt hiermit ihr Schicksal. Der lineare Handlungsverlauf löst sich auf, und ihren Liebhabern begegnet Lulu, indem sie die Männer selbst spielt. So verschiebt sich die Macht des Begehrens in das erotische Spannungsfeld verschwimmender Geschlechtergrenzen. Und die Lust an der Travestie zeigt kein Frauenbild, sondern Lulus Blick auf die Männerbilder, die Wedekind in diesem Stück zeichnet.

Bastian Krafts multimediale Bearbeitungen verdichten literarische Klassiker auf ihr Kernpersonal, dem sie eine neue Erzählperspektive und Stimme geben, und haben ihn an die wichtigsten Bühnen des deutschsprachigen Raums geführt. Mit «Lulu» wird er nun in München seine intensive Beschäftigung mit Videokunst auf der Bühne fortsetzen, wobei es ihm gelingt, trotz formaler Zugriffe stets die Schauspieler*innen in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen, wofür er vielfach ausgezeichnet worden ist.

Inszenierung: Bastian Kraft
Bühne: Peter Baur
Kostüme: Dagmar Bald
Musik: Arthur Fussy
Licht: Monika Pangerl
Video: Kevin Graber
Dramaturgie: Bendix Fesefeldt

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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2 Gespräch

Resi ruft an

Die Schauspieler*innen des Residenztheaters spielen, lesen und erzählen kurze Szenen aus den aktuellen Stücken, Ausschnitte aus Lyrik und Literatur – für Sie ganz persönlich und live am Telefon.

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30.04.20, 08:38, jen Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Resi

Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Residenztheaters geht kaum noch.

Theater

Der eingebildete Kranke oder das Klistier der reinen Vernunft

von PeterLicht nach Molière

«Der eingebildete Kranke», Molières fünfte Komödie, die sich mit der Ärzteschaft und den von ihr praktizierten Heilmethoden beschäftigt, besitzt eine in der Theatergeschichte einzigartige makabre Komponente: Molière, in der Uraufführungsinszenierung 1673 selbst der eingebildete Kranke und bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, erlitt auf offener Bühne einen Blutsturz und starb wenige Stunden später.

Im Zentrum steht Argan, der sich nicht nur einbildet, krank zu sein, sondern es tatsächlich ist: Er leidet an Hypochondrie. So kann und will er sich nicht anders zu seinem sozialen Umfeld ins Verhältnis setzen als über sein Leid, um das er in tyrannischer Selbstbespiegelung kreist. Der Kölner Autor und Musiker PeterLicht schreibt mit «Der eingebildete Kranke» seine vierte Molière-Neudichtung: Gewohnt sprachverspielt seziert er sowohl den Individual- als auch den Gesellschaftskörper und bricht das letzte Tabu neoliberaler Selbstoptimierer – das der Sterblichkeit.

«Argan ist ein Hyperperformer der Empfindsamkeit. Er neigt der Unsterblichkeit zu, das heißt, er will immer weiter das tun, was ihm als Lebewesen vorgegeben ist zu tun, nämlich LEBEN, wie sollte es auch anders sein? Er ist ein LEBEwesen, bei ihm gibt es keinen Tod, sondern nur die ANGST vor dem Tod. Der Tod ist abgeschafft. Aber leider ist es nicht klar, ob sie wirklich gelang, die Abschaffung. Argan hat den Tod ersetzt durch Strategien zur Vermeidung des Todes. Also zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, was ja das Gleiche. Es gibt eine einfache Gleichung: Solange man gesund ist, ist man noch nicht tot. So viel immerhin wissen wir. Obwohl … » PeterLicht

Claudia Bauer setzt ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit PeterLicht fort und bringt mit «Der eingebildete Kranke» zum dritten Mal ein Stück des Autors zur Uraufführung. Ab 18. April 2020 wird auch «Tartuffe oder das Schwein der Weisen» am Residenztheater zu sehen sein.

Inszenierung: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Peter Licht
Arrangements und Musikalische Leitung: Henning Nierstenhöfer
Licht: Tobias Löffler
Dramaturgie: Constanze Kargl

Altersempfehlung: ab 15 Jahren

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© Hupfeld
Schauspiel

Urteile (revisited) - Nach dem Prozess

Ein dokumentarisches Theaterprojekt über die Opfer des NSU in München von Christine Umpfenbach und Azar Mortazavi

Vom 21. Oktober bis zum 7. November 2021 werden unter dem Titel «Kein Schlussstrich!» bundesweit Theaterprojekte gezeigt, die sich mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) beschäftigen. Denn auch zehn Jahre nach dessen Selbstenttarnung sind die Hintergründe des NSU-Komplexes nach wie vor ungeklärt. Das Stück «Urteile», das am 10. April 2014 im Marstall uraufgeführt wurde und als erstes Stück im deutschsprachigen Raum aus Perspektive der Hinterbliebenen der Mordopfer erzählt, wird deshalb von Christine Umpfenbach mit einer neuen Besetzung in Form eines Reenactment und als Fortführung ins Jetzt wieder auf die Bühne gebracht.

Am 29. August 2001 wurde Habil Kılıç in seinem Obst- und Gemüseladen in München-Ramersdorf ermordet. Als Tatmotiv galt «organisierte Kriminalität». Am 15. Juni 2005 wurde Theodoros Boulgarides in seinem Geschäft im Münchner Westend erschossen. Die Zeitungen titelten über das siebte Opfer: «Türkenmafia schlug wieder zu.» Anstatt trauern zu dürfen, wurden die betroffenen Familien von Sicherheitsbehörden, Medien, aber auch von ihrem unmittelbaren Umfeld jahrelang zu Unrecht verdächtigt. Das Stück thematisiert, was die Hinterbliebenen in München bis zur Selbstenttarnung der Täter*innen im November 2011 erleben mussten. Erweitert wird diese Fragestellung für «Urteile (revisited) – Nach dem Prozess» um eine Betrachtung aus dem Jahr 2021: Wie denken und fühlen die Betroffenen über die Ereignisse und den Prozess heute?

Die Regisseurin und Autorin Christine Umpfenbach ist bekannt für ihre dokumentarischen Theaterprojekte. Ihr letztes Stück «9/26 – Das Oktoberfestattentat» wurde für den Mülheimer Dramatikerpreis 2021 nominiert. 2013 hat sie gemeinsam mit der Soziologin Tunay Önder mit Journalist*innen, Rechtsanwält*innen und Politiker*innen gesprochen, vor allem aber mit den Verwandten, Freund*innen und Arbeitskolleg*innen der Opfer. Mit ihrer Recherche legen sie ein exemplarisches Fehlverhalten offen, das seine Ursache unter anderem im strukturellen Rassismus in Behörden, Medien und im Alltag hat.

Inszenierung: Christine Umpfenbach
Recherche: Tunay Önder
Bühne und Kostüme: Evi Bauer
Musik: Azhar Naim Kamal
Licht: Monika Pangerl
Dramaturgie: Michael Billenkamp

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Es waren ihrer sechs

frei nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Neumann

Als 1945 der Roman «Es waren ihrer sechs» des nach Los Angeles emigrierten Autors Alfred Neumann erscheint, löst er in Deutschland eine heftige öffentliche Kontroverse aus. Basierend auf einem Zeitungsartikel aus dem «Time Magazine» über die Flugblattaktionen und die Hinrichtung der Mitglieder der Weißen Rose entwickelte Neumann aus dem Leben und Wirken der Widerstandskämpfer*innen ein «freies Spiel der Fantasie», wie er es nannte: «Es geht nicht um die Geschwister Scholl. Es geht nicht einmal um die von mir geschaffenen Geschwister Möller, deren Name und Sprache und Nationalität getrost ausgewechselt werden können. Es geht nur um die Gestaltung einer ewigen Idee.»

Der polnische Regisseur Michał Borczuch und der Dramaturg und Autor Tomasz Śpiewak nehmen diese «ewige Idee» vom jugendlichen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftssysteme zum Ausgangspunkt ihrer Bearbeitung des Romans. Es ist der Versuch, sowohl die Gedankenwelt von Neumanns Protagonist*innen als auch das reale Wirken der Weißen Rose zu rekonstruieren. Borczuchs Abend ist eine Versuchsanordnung an der Schnittstelle von Theater und Film, die sich über die Stationen Jugend, Verfassen der ersten Flugblätter, Verhaftung, Gefängnis und Hinrichtung Neumanns Figuren annähert. Darüber hinaus sucht Borczuch, in jeder der Stationen eine Brücke in unsere Gegenwart und zu heutigen jugendlichen Protestformen zu schlagen.

Nach dem filmischen Inszenierungseinblick für das Digitalformat «Resi sendet» im Frühjahr 2021 entwickelt Michał Borczuch seine Arbeit für die analoge Premiere im Marstall nochmals weiter. Borczuchs Regiehandschrift zählt zu den markantesten der gegenwärtigen polnischen Theaterszene. In seinen Arbeiten spielt er mit dem Grenzbereich zwischen Authentizität und Fiktion sowie der gegenseitigen Einflussnahme von Leben und Theater. «Es waren ihrer sechs» ist seine erste Arbeit in München.

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Schauspiel

Die Wolken, die Vögel, der Reichtum

von Thom Luz nach Motiven von Aristophanes

Verschwinden, zerrinnen, verduften und abzwitschern – die Komödien von Aristophanes handeln von allem, was auf dieser Welt flüchtig ist: Leben, Glück, Besitz, Wissen, Zuversicht und Vernunft. Sie erzählen vom komplizierten Menschsein, vom Problem der korrekten Verteilung von Eigentum, von Gier, verdrehter Rhetorik und der ewigen Unvereinbarkeit von Theorie und Praxis. Im Phrontisterion, der Denkfabrik des Sokrates, wird an der Herstellung des Wahren und Guten geforscht und gearbeitet – und heimlich am Sockel des Weltbilds gesägt. Wer hat denn bewiesen, dass wirklich Zeus für Regen und gottgewollte Regentschaft zuständig ist? Für die Technik, das schwache Argument zum starken zu machen – und umgekehrt, sind die Philosoph*innen und schrägen Vögel, die im Wolkenkuckucksheim nach dem Ursprung und dem Zweck der Welt fahnden, berühmt und berüchtigt. Und genau deshalb steht auch eines Tages ein neuer Schüler auf der Flucht vor der Schuldenlast vor der Tür.



«Man könnte zusammenfassen: In den letzten 2400 Jahren scheint sich die Welt kaum verändert zu haben. Unser Leben gleicht heute wie damals einem hastig erzählten verworrenen Witz, und die wahren Gewinnerinnen aller Kämpfe und Kriege sind zum Schluss einzig die Wolken am Himmel, von denen man seit Sokrates weiß, dass ihnen unsere menschlichen Dramen eigentlich egal sind und die deswegen seit Beginn der Zeit das tun, was sie am besten können: vorüberziehen. Der einzige Trost ist, dass Sokrates' Schierlingsbecher in Wirklichkeit ein Füllhorn ist: Es ist genug Gift für alle da.» Thom Luz

Thom Luz, Hausregisseur am Residenztheater, ausgewiesener Wolkenexperte sowie Spezialist für flirrende, flüchtige und vielschichtige Inszenierungen, entwickelt aus drei Komödien des Aristophanes einen neuen musikalischen Theaterabend. Schwerpunkte: Gier, Geiz und Gesang.

Inszenierung und Bühne: Thom Luz
Musikalische Leitung: Mathias Weibel
Kostüme und Licht: Tina Bleuler
Dramaturgie: Katrin Michaels, Almut Wagner

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Residenztheater

Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands und zeigt mit seinem großen Ensemble unter der Intendanz von Martin Kušej internationale Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska.

Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

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Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Tumblingerstraße 29
Aufführungen / Theater Münchner Kammerspiele München, Falckenbergstraße 1
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Tanz JOINT ADVENTURES München München, Zielstattstraße 10 a
Ereignisse / Festival Opernfestival Gut Immling 25.6. bis 14.8.2022
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a

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