MÜNCHNER STADTMUSEUM
SONDERAUSTELLUNGEN
Mode sprengt Mieder - Silhouettenwechsel
Fr, 22.1.2010 - So, 16.5.2010, 00:00
Die Mode ist durch ihre Sprengkraft für das Phänomen von zahlreichen Silhouetten verantwortlich. Das Schnürmieder fungiert durch sein Gerüst als Hilfsmittel der Mode, die weiblichen Silhouetten zu verwandeln und zu modellieren. Das Korsett formt, betont und prägt den Frauenkörper und das Verhalten. Das Mieder spielt trotz seiner Ambivalenz, trotz treuer Anhängerinnen und vehementer Gegnerinnen Jahrhunderte lang eine Hauptrolle auf dem gesellschaftlichen Parkett der Damenmode. Spannend sind daher auch die Zeiten, in denen sich die Damenmode tatsächlich von der Schnürung befreit.
In der Ausstellung werden in mehreren Stationen verschiedene Moden gegenübergestellt, die jeweils einen extremen Silhouettenwechsel zur Folge hatten. Das Münchner Stadtmuseum zeigt eine bunte und breit gefächerte Schau, welche die Sinnlichkeit von Mode in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert mit zahlreichen originalen Damenkleidern, Schnürmiedern, Korsetts, Modekupfern, Modefotografien, Gemälden, Plakaten sowie Puppen.
1. Station: Schnürmieder im Rokoko (1770 - 1785)
Die Damenmode treibt in dieser Zeit üppige Blüten, indem die barocke Silhouette durch Schnürmieder und Reifrock hervorgerufen wird. Das beträchtliche Gewicht der Kleider und die Steifheit des Fischbeinstäbchen-Stützwerks prägen Haltung und Gestik der Frau. Das Schnürmieder ist vor allem ein pädagogisches Werkzeug in Sachen Anstand und Haltung, ein Vormund des Körpers. Gegen die Schnürleiber gibt es von Seiten der Ärzte und Philosophen (Rousseau) jedoch teils heftige Kritik. Durch die französische Revolution wird das Modediktat des Ancien Regime schließlich gestürzt.
2. Station: Die luftigen Chemisenkleider des Directoire und Empire (1790 - 1810)
Bereits um 1780 kommt aus England der Anstoß zu einer bürgerlichen Mode, die den Reifrock, das Korsett und das gepuderte Haar allmählich ablösen soll. Auch die französischen Umstürzler von 1789 sehen in der an die Antike angelehnten Mode ihre freiheitlichen Ideale verwirklicht. Das wahrhaft revolutionäre aber ist das Fehlen der Schnürmieder und Korsetts; hat man doch in der französischen Mode seit über 200 Jahren nicht auf diese unbequemen und Figur beherrschenden Körperstützen verzichten können. Diese plötzliche Liberalisierung der Damenkleidung stößt im gesellschaftlichen Kontext oftmals auf heftige Ablehnung. Die Beseitigung der entstellenden Gerüste wie Reifrock und Korsett öffne der Unmoral Tür und Tor, so lautet die Sorge der Gesellschaft. Um 1815 kommen die Chemisenkleider im Stil der Antike endgültig aus der Mode.
6. Station: Schick und schlank im Sechziger Jahre Look (1960 - 1968)
Die Sechziger stehen im Zeichen der Jugend, die sich ihrer selbst bewusst wird: Frechheit, Spott und Freiheit heißt das Motto! Bereits Ende der Fünfziger Jahre entwirft die Engländerin Mary Quant ein kurzes Hemdkleidchen in Sack-Linie, das in krasser Ablehnung zur Wespentaille steht. Es geht um den neuen selbstbewussten Frauentypus, der das Leben selbst bestimmt, die Freiheiten auslebt und der Berufstätigkeit nachgeht. Kleidung soll funktional und bequem, darf aber auch verspielt und Aufsehen erregend sein. André Courrèges ist es, der den Minirock in die Haute Couture einführt. Durch eine Mischung aus Weltraum-Look und Op-Art-Mode kreiert er seinen unvergleichlichen Stil. Die neuen Stoffe aus Chemiefasern bieten viele neue Möglichkeiten, den im Trend liegenden futuristischen und synthetischen Stil des Minimalismus in der Mode zu verwirklichen. 1964 landet ein bis dahin völlig unbekanntes Gesicht mit blondem Bubikopf auf dem Titel eines Modemagazins. Das Bild des spindeldünnen Mädchens macht weltweit Furore. Mit schlaksigen, langen Gliedern und kindlich naivem Gesichtsausdruck präsentiert sie den neuen Look der Sechziger Jahre in perfekter Weise. Eine kritische Entwicklung in Sachen extrem schlanker Vorbilder bleibt nicht aus, denn die normale Durchschnittsfrau kann bei Twiggys Maßen unmöglich mithalten. Durch die Ablegung des Korsetts wird das Schlankheitsdiktat demnach keineswegs reduziert, sondern bleibt Schönheitsideal.
Ausblick 2010
Wie geht die Mode heutzutage mit den Körperformen um: wo nimmt sie etwas weg, wo fügt sie etwas hinzu, wo engt sie ein, wo lässt sie locker? Das Thema Schnürung übt nach wie vor eine Faszination auf die Modemacher und das Publikum aus und kehrt regelmäßig auf die Laufstege und in die Modejournale zurück. Zweifellos dominiert nicht nur eine einzelne Modesilhouette den Bekleidungsmarkt, denn den Kombinationsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist was gefällt! Der Ausblick 2010 wird gestaltet und umgesetzt von der Deutschen Meisterschule für Mode München.
Publikation
Zur Ausstellung erscheint beim Hirmer Verlag ein gleichnamiges Katalogbuch mit 144 Seiten, 69 Farbtafeln, 86 überwiegend farbigen Abbildungen, 24 x 28 cm, Klappenbroschur, Gestaltung von Katja Durchholz, zum Preis von 19,50 €.
Ort:
Münchner Stadtmuseum
Non plus ultra!
Circus. Kunst. München
Fr, 30.10.2009 - So, 21.3.2010
Das Maß der Manege mit 13 Metern Durchmesser ergibt sich aus den Galoppsprüngen eines mittelgroßen Pferdes. Das Pferd muss im Takt bleiben, damit die Kunstreiterin ihre Kunst- Productionen elegant vorführen kann. Innerhalb dieses Rahmens, dessen Maß sich bis heute international durchgesetzt hat, zeigen Artisten, Dompteure und Clowns ihre circensische Kunst. Angekündigt auf Werbezetteln und Plakaten seit über 200 Jahren als 'Non plus ultra!' versuchen die Künstler der Manege immer wieder neue Höhepunkte zu erreichen.
Wir haben München als kulturgeographischen Ort gewählt, um uns in der Weite der Thematik nicht zu verlieren. Von hier aus erschließen sich die international agierenden Circusunternehmen des 19. Jahrhunderts. Ciniselli aus Petersburg, Sidoli aus Bukarest, Renz aus Berlin, Sarrasani aus Dresden, Knie aus der Schweiz und Barnum & Bailey aus New York kommen nach München, weil die Circusdirektoren wissen, dass hier ausverkaufte Vorstellungen möglich sind.
1919 schlägt der Circus Krone in München sein festes Winterquartier auf. Carl und Ida Krone erwerben den Platz an der Marsstraße und errichten ein Circusgebäude mit über 3000 Plätzen und Stallungen für ihre Tiere. 2009 jährt sich ihre Entscheidung für München. 90 Jahre Circus Krone: Auch das ist ein Anlass für diese Ausstellung und Publikation.
Der moderne Circus entsteht gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Schau-lust, die über Jahrhunderte auf den Jahrmärkten von herumziehenden Gauklern bedient wird, bringt unternehmungslustige Schausteller dazu, Equilibristen und Kraftakrobaten, Kunstreiter und Dompteure innerhalb eines Programms und unter einem Dach auftreten zu lassen. Aus den Kenntnissen ehemaliger Bereiter und ehemaliger Menageriebetreiber sowie aus der Erfahrung der Pantomimen des komischen Fachs heraus entstehen unter dem Circuszelt die klassischen Disziplinen der Kunst in der Manege: Equitation, Akrobatik, Tierp2907ädagogik und Clownerie. Anhand ausgewählter Bilddokumente wird diese circensische Entwicklung in der Ausstellung angedeutet.
Die 'Kunst-Productionen', ein im Circus des 19. Jahrhunderts allgemein üblicher Terminus technicus, sind frei von politischen, ethnischen und religiösen Überlegungen. In der Manege herrscht bis heute gegenseitige Toleranz und eine hoher Grad an Akzeptanz gegenüber der künstlerischen Leistung des anderen. Aus dieser Perspektive kann die Manege gleichsam als Metapher einer kosmopolitischen Gesinnung dienen. Zahlreiche Artistenplakate in der Ausstellung belegen diese multikulturelle Seite der Circuswelt.
Die Methodik von Ausstellung und Buch zielt auf eine Würdigung der circensischen 'Kunst- Productionen'. Es geht hier nicht darum, die Schattenseiten des Circuslebens, die es zweifellos gibt, in den Vordergrund zu stellen. Wichtiger war es uns, auf den anspruchsvollen Rahmen, die circusspezifische Ästhetik, auf die Höchstleistungen der Artistik, die enge Partnerschaft unter Akrobaten und auf den freundschaftlichen und sorgfältigen Umgang mit den Tieren hinzuweisen.
Hinter den Kulissen tragen vom Sattlermeister bis zum Requisiteur viele zum Gelingen eines Programms bei. Sie arbeiten wie die Artisten präzise und zuverlässig. Und sie wagen – wenn auch modern ausgestattet - die althergebrachte Lebensform des Gaukler- und Vagantentums. Der Circus ist auch heute noch eine Welt für sich.
Dr. Helmut Bauer
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch mit 600 farbigen Abbildungen auf 256 Seiten.
Ort:
Münchner Stadtmuseum
Halt! “Die Klappe” – Mechanisches Theater, Göttingen
Die Schenkung Vornholt, Köhler, Schütz
Fr, 12.2.2010 - So, 30.1.2011
Im Jahr 2009 konnte von der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei eine bedeutende Schenkung angebahnt werden, die nun erstmals in einer Überblicksausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Das mechanische Theater „Die Klappe“, Göttingen, repräsentierte in den 1960er Jahren mit pantomimischen Szenenprogrammen zu elektronisch verfremdeten Klang- und Musikcollagen das moderne Figurentheater der Bundesrepublik Deutschland. Mit den auf reine Materialeigenschaften, Mechanik und Bewegung konzentrierten Figuren und mobilen Plastiken orientierte sich die Bühne künstlerisch an den Figurenexperimenten am Bauhaus in Weimar 1920 – 1933 sowie an der kinetischen Kunst. 1963 gastierte sie mit „akustisch-motorischen Szenen für Marionetten“ im Beiprogramm der documenta 3 in Kassel, die dieser Kunstrichtung mit Vertretern wie Jean Tinguely, Harry Kramer, Günther Uecker und Otto Piene zum Durchbruch verhalf.
Der künstlerische Nachlass des 1957 von Alfred F. Köhler und anderen in Göttingen gegründeten Theaters verkörpert den avantgardistischen Umbruch im westdeutschen Figurentheater der Nachkriegszeit und führt die produktiven Wechselwirkungen von darstellender und zeitgenössischer bildender Kunst vor Augen.
Ort:
Münchner Stadtmuseum / Slg. Puppentheater & Schaustellerei
FORUM 019: Andreas Gefeller – Photographs
Fr, 5.2.2010 - Mo, 12.4.2010
Andreas Gefeller beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der Topografie überwiegend urbaner Räume. Seit seiner im Jahr 2002 begonnenen Serie Supervisions fängt er diese bevorzugt aus der Vogelperspektive ein, zeigt öffentliche Orte wie Parkplätze und Grünanlagen, aber auch Büroetagen und das Innere von Plattenbauten wie von einem körperlosen Kameraauge erfasst. Der Blick erinnert an Aufnahmen der Luftaufklärung, an die Satellitenbilder aus Google Earth oder an jene gottähnliche Perspektive, die der Spieler in Computerspielen einnimmt. Verheißen diese Bildgenres immer auch Übersicht, Erkenntnisgewinn oder Kontrolle, so wird in Gefellers Fotografien dieses Versprechen brüchig, verirrt sich das Auge doch schnell in der Überfülle der dargebotenen Details oder verliert sich in der Abstraktheit des topografischen Ornaments.
Die omnipotente Sicht erweist sich bei Gefeller zudem als Konstruktion. Was wie der Blick aus großer Höhe erscheint, ist tatsächlich aus geringer Distanz aufgenommen. Die Bilder sind digitale Montagen aus hunderten von Einzelfotos. In einem aufwendigen Prozess schreitet Gefeller die Areale Stück für Stück ab, schießt alle paar Meter ein Foto und scannt so akribisch, Aufnahme neben Aufnahme setzend, die Oberfläche unserer Lebenswelt. Die Einzelbilder werden anschließend am Rechner zu großformatigen Tableaus zusammengefügt, die trotz ihrer minutiösen Detailgenauigkeit fast abstrakt anmuten. Menschen oder Ereignisse sind in diesen Fotografien nicht zu sehen – sie kommen nur mittelbar vor als Spuren, die sich in die Oberflächen der Orte eingeschrieben haben. So bleibt von den Besuchern einer Berliner Fanmeile am Tag des Fußball-WM-Finales 2006 neben einer verlassenen Bierbank nur noch ein Haufen Müll und Papierfetzen übrig, der sich, gleich einer All-Over-Struktur, über die Bildfläche ausbreitet (ohne Titel [Berlin, 9.7.2006])
In jüngerer Zeit hat Gefeller seine Kamera mitunter um 180 Grad geschwenkt und den Blick senkrecht in den Himmel gerichtet. So entstehen unter anderem Fotografien von Raumdecken, die sich mit ihrer gerasterten Verschalung und dem Gewirr von Kabelsträngen und Versorgungsschächten fast vollständig in autonome Bildkompositionen auflösen. Betont wird so die jeder Fotografie eigene Flächigkeit und Abstraktheit, die im reflexhaften Schluss vom Foto auf seinen Referenten gemeinhin übergangen wird. Der Kurzschluss zwischen Abbild und Vorbild funktioniert hier nicht mehr widerstandslos. Konkrete Orte werden zu abstrakten Mustern, zu ornamentalen Arrangements, deren Entsprechung in der alltäglichen Lebenswelt erst entziffert werden muss. Umso deutlicher wird dabei, dass man es in Gefellers Fotografien mit einer eigenständigen, hybriden Bildwirklichkeit zu tun hat, die multiple Standpunkte und unterschiedliche Zeitlichkeit in einem Bild vereint. Seine Fotografien zeigen das Paradoxon einer fiktiven, dabei doch der Wirklichkeit abgewonnenen Ansicht.
Andreas Gefeller (geb. 1970) studierte Fotografie an der Universität Essen. 2001 wurde er in die Deutsche Fotografische Akademie berufen. Seine mehrfach ausgezeichneten Arbeiten waren in den vergangenen Jahren in zahlreichen maßgeblichen Ausstellungen zur zeitgenössischen Fotografie vertreten.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten von Martin Hochleitner, Roland Nachtigäller und Ernest W. Uthemann im Hatje Cantz Verlag erschienen.
Künstlergespräch: 5. Februar 2010 um 15:00 Uhr.
Parallel zeigt die Landesgalerie Linz Fotografien von Andreas Gefeller vom 11. Februar bis 18. April 2010.
Homepage des Künstlers: andreasgefeller.com
Ort:
Münchner Stadtmuseum/Sammlung Fotografie
Bin im Orkus. Ein Tagebuch aus Matsch
FigurenTheaterForum München
Do, 22.10.2009 - So, 30.5.2010
Werkstatt im Rahmen des internationalen figurentheaterfestivals BILDER LEBEN 2009 unter der Leitung von Gyula Molnàr (Ungarn / Italien) und Francesca Bettini (Italien)
mit Gigio Brunello (I), Paolo Colombo (I), Alexandra Kaufmann (D), Eva Kaufmann (A/D), Silke Kruse (D), Philippe (Flop) Lefebvre (F), Hartmut Liebsch (D), Joachim Torbahn (D) u.a.
Gyula Molnàr, geboren 1950 in Budapest, ist einer der wichtigsten Akteure der europäischen Figurentheaterszene seit den 1980er Jahren. Für die Puppentheatersammlung realisiert er mit befreundeten Künstlern aus Frankreich, Italien und Deutschland eine Installation, die den Inszenierungsprozess des Stückes "Kasperls Wurzeln" für die Kulturhauptstadt Linz 2009 begleitet und abbildet. "Der Raum ist eine Werkstatt, in der einige Kreaturen das Licht der Welt erblicken und mit ihren ersten Schritten einer möglichen Geschichte entgegen gehen. Die Wände sind die Seiten eines Tagebuches, aus denen man die Entwicklung eines Theaterstückes lesen kann."(Molnàr)
Mittel der bildenden Kunst und des Figurentheaters treffen sich in den Bildern der Ausstellung, die die Familiengeschichte der ungarischen Puppen- und Schauspielerfamilie Molnàr mit griechischen Mythen und mit dem Mythos Kasperl verweben. Aus Theatertexten, Puppenschnittmustern, Zeitungen, objets trouvés und Kriegstagebüchern des Großvaters aus dem Ersten Weltkrieg entsteht nur für diesen Raum ein einzigartiges Kunstwerk, das lebendiges Theaterleben und museale Präsentation verbindet. Für die Besucher öffnet sich ein dreidimensionales Skizzenbuch, das sie betreten können, ein "Tagebuch aus Matsch".
Unterstützt von les producteurs anonymes und vom Kulturreferat der LH München
Ort:
Münchner Stadtmuseum, Puppentheatersammlung
Max Scheler: Von Konrad A. zu Jackie O. – Fotografien aus Deutschland, China und USA
Fr, 21.5.2010 - So, 12.9.2010
Mit Max Scheler (1928-2003), Sohn des gleichnamigen Philosophen, ist einer der prägenden Vertreter der internationalen Reportagefotografie wiederzuentdecken. Durch Herbert List zur Fotografie gekommen wurde er von Robert Capa als "Junior"-Mitglied in die legendäre Fotogruppe "Magnum" aufgenommen. Als freier Bildjournalist war Scheler für viele internationale Illustrierte wie "Life", "Picture Post", "Paris Match", "Epoca" oder die "Münchner Illustrierte" tätig. Ab 1959 war er für den "Stern" als Reporter bedeutender zeitgeschichtlicher Ereignisse unterwegs. Mit Rolf Gillhausen gründete er später das Magazin "Geo" und betreute es bis 1980 als Bildchef, danach
arbeitete er in derselben Position für "Merian" bis 1992. Außerdem betreute er als Nachlaßverwalter das Archiv von Herbert List, das sich heute im Münchner Stadtmuseum in der Sammlung Fotografie befindet. In der Ausstellung mit 150 Fotografien kommentieren die Motive aus Deutschland die Jahre des Wirtschaftswunders, den politischen Aufbruch der Bundesrepublik und
die Teilung Deutschlands. Während die Bilder aus China von Krise, Umbruch und kultureller Fremde erzählen, begegnen uns die Vereinigten Staaten in den Arbeiten von Max Scheler als vielschichtiges und widersprüchliches Phänomen: hoch entwickelt und dennoch provinziell; demokratisch fortschrittlich und zugleich rassistisch und ungerecht. Es sind Bilder, die über die Zerrissenheit der großen Nation beredte Auskunft geben.
Guido Mangold – Fotografien 1958 bis heute
Fr, 21.5.2010 - So, 12.9.2010
Die Ausstellung präsentiert ca. 80 Aufnahmen des in München ansässigen Guido Mangold, der zu den renommiertesten deutschen Landschafts- und Magazin-Fotografen nach 1945 zählt. Mangold hatte nach einer Ausbildung als Konditor 1957-59 bei Otto Steinert an der Werkkunstschule Saarbrücken und der Folkwang Schule Essen Fotografie studiert. In der Folgezeit hat er im Auftrag für die Illustrierten und Zeitschriften „Quick“, „twen“, „Jasmin“ und „Geo“ gearbeitet. Neben früheren Industrielandschaften sind die Porträts der amerikanischen und deutschen Künstler wie George Segal, Joseph Beuys oder Georg Baselitz zu sehen. Landschaftskompositionen, die während der zahlreichen Reisen in Europa, Asien und Amerika entstanden sind, beschließen den Parcours. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
DAUERAUSSTELLUNGEN
Das Münchner Stadtmuseum lädt Sie auf einen Rundgang durch kulturelle Gegenwart und Historie ein.
Typisch München!
Mit der neuen Dauerausstellung erfüllt das Münchner Stadtmuseum einen von Einheimischen und Besuchern lange gehegten Wunsch. Erstmals wird die Kulturgeschichte Münchens von der Gründung bis zur Gegenwart in einem Rundgang zusammengeschlossen, der auf insgesamt 2.400 Quadratmetern Ausstellungsfläche über drei Etagen des Museums führt. Zu sehen sind die bedeutendsten Werke, die das Münchner Stadtmuseum seit seiner Gründung 1888 gesammelt hat. Zur baulichen Realisation des Unternehmens wurde das Münchner Zeughaus jetzt grundlegend saniert und mit moderner Museumstechnik ausgestattet. Es handelt sich um einen vorbildlichen Akt der Denkmalspflege, durch den sich das Gebäude würdig und seiner historischen Bedeutung angemessen in das neue Ensemble am St.-Jakobs-Platz mit Jüdischen Gemeindezentrum und Jüdischen Museum einfügt.
"Typisch München!" zeigt ausschließlich Werke aus den eigenen Beständen. Die Ausstellung gibt einen umfassenden Einblick in die hochwertigen und vielfältigen Sammlungsbereiche des Münchner Stadtmuseums: Graphik, Plakate und Gemälde, Möbel, Skulptur, Kunsthandwerk, Mode, Volkskunde, Fotografie, Film, Musik und Volksvergnügungen. Im Hinblick auf eine "best-of"-Auswahl wurden die Bestände für die Ausstellung wissenschaftlich neu bearbeitet, restauratorisch betreut und in den jeweiligen stadthistorischen Kontext gestellt.
Im Zentrum von "Typisch München!" steht das Phänomen einer kommunalen Emanzipation, in der sich die Stadt von ihrer durchwegs höfisch dominierten Geschichte verabschiedet, um ein städtisches Selbstbewusstsein gerungen und den Ruf der "heimlichen Hauptstadt" der Bundesrepublik erworben hat. Die Dauerausstellung zeigt, wie dieser Prozess eigentlich erst seit dem 19. Jahrhundert, im Grunde seit der 700-Jahrfeier von 1858 bis heute wirksam ist.
Das Münchner Stadtmuseum stellt drei Fragen: Was ist typisch München, seit wann und vor allem warum. Unter diesen Prämissen wird die Stadtgeschichte in fünf Epochen gegliedert und chronologisch in den neuen Ausstellungsarealen präsentiert.
Bei der Dauerausstellung "Typisch München!" handelt es sich um eine der größten Unternehmungen, die das Münchner Stadtmuseum jemals veranstaltet hat. Sie bildet einen Beitrag, der weit hinaus über den aktuellen Anlass der 850-Jahrfreier gültig bleibt und der Landeshauptstadt München nachhaltig zur Zierde gereichen wird.
Das Münchner Stadtmuseum wird für die neue Dauerausstellung großzügig unterstützt durch:
Bayerische Landesstiftung
Herrenmodehaus Hirmer GmbH & Co.KG
Edith-Haberland-Wagner-Stiftung
Renate und Falk Strascheg Stiftung
Kulturstiftung der Stadtsparkasse München
The Linde Group
Nationalsozialismus in München
Chiffren der Erinnerung
München als Ausgangspunkt der Entstehung des Nationalsozialismus, als Machtzentrum der NSDAP und "Haupstadt der Bewegung", Zeugnisse der Verfolgung und des Widerstands.
München war 1919/1920 der Gründungsort der NSDAP und bis 1945 Sitz ihrer Reichsleitung. Hier starteten Hitler und andere maßgebliche Akteure des NS-Regimes ihre politische Laufbahn. Seit 1933 trug München den Titel "Hauptstadt der Deutschen Kunst" und seit 1935 "Hauptstadt der Bewegung". Hier wurden rassistische und militärische Angriffsprogramme entworfen, die Ausschaltung der politischen Opposition und unliebsamer Kunstrichtungen betrieben, mit Dachau eines der ersten Konzentrationslager errichtet und die systematische Verfolgung des Judentums in Gang gesetzt. Wer Widerstand leistete, wurde verfolgt, gefoltert oder hingerichtet.
Die Ausstellung
Die Abteilung hebt München als Ausgangsort der Entstehung des Nationalsozialismus und Parteizentrum ebenso hervor wie Münchens Verflechtung als Kunst- und Feststadt bei der ästhetischen Programmierung und Verharmlosung des NS-Regimes und als Medien- und Rüstungsstandort. Ein weiterer Akzent ist auf München als Ausgangs- und Aktionsort von Verfolgung und Widerstand gesetzt.
Die Darstellung ist ganz auf München konzentriert und beginnt mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und endet 1945. Das Konzept orientiert sich an der Frage, was diese Stadt von anderen Städten in Bezug auf den Nationalsozialismus unterscheidet.
Die neue Abteilung versteht sich als Teil einer Erinnerungslandschaft, zu der andere Informationsstätten, wie demnächst das Jüdische Museum auf dem Jakobsplatz und ein NS-Dokumentationszentrum gehören werden. Sie ist als Informationsgrundstock gedacht, der durch weitere Ausstellungsangebote und Diskussionsveranstaltungen in der Stadt vertieft werden sollte.
Bild: Katalogtitelseite; Gouache von Ernst Vollbehr, "Feierlichkeiten an der Feldherrnhalle 9. November 1933", © Münchner Stadtmuseum
Sammlung Fotografie
die neue Schausammlung stellt in abgesteckten Zeitfenstern unterschiedliche Bildthemen und -gattungen aus der Sammlung vor. (siehe auch aktuelle Sonderausstellungen)
Sammlung Puppentheater / Schaustellerei
Durch die Kulturgeschichte des Puppenspiels Münchner Theater und durch eine Ausstellung von Marionetten aus aller Welt werden Sie hier geführt. Die Abteilung Schaustellerei mit einem Überblick über die Geschichte der Jahrmarkts- und Volksvergnügungen schließt sich daran an. Dort sind Höhepunkte aus über 180 Jahren Oktoberfest versammelt, unter anderem ein komplettes Horror-Panoptikum.
Sammlung Musik
2000 Musikinstrumente aus Afrika, Amerika,Asien und Europa und der Sonderbereich mechanische Musikinstrumente mit großem Stern-Orchestrion werden hier präsentiert. In regelmäßig organisierten Konzerten und Matineen kommen Teile der Ausstellungsstücke mit Spitzenkompositionen der jeweiligen Jahrhunderte zum Einsatz.
Veranstaltungen zu den Ausstellungen
Hier finden Sie Informationen zum aktuellen Veranstaltungsprogramm des Münchner Stadtmuseums:
MÜNCHNER STADTMUSEUM
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Telefon: +49 (0)89-233 22370
Fax: +49 (0)89-233 25033
E-Mail:
stadtmuseum@muenchen.de
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag geschlossen.
Eintritt
EUR 4,-; ermäßigt EUR 2,-; Familienkarte EUR 6,-; Jahreskarte EUR 20,-;
an Sonn- und Feiertagen freier Eintritt (außer Kino und Sonderausstellungen mit erhöhten Eintrittpreisen)
Kombikarte der städtischen Museen München
Der Erwerb einer Eintrittskarte berechtigt zu 50% Ermäßigung auf die aktuellen Eintrittspreise der drei städtischen Museen. Dieses Angebot gilt am Tag des Kartenkaufes und an den zwei darauffolgenden Öffnungstagen (gilt nicht für Kino und bereits ermäßigte Preise).
Beteiligte Museen: Museum Villa Stuck, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Jüdisches Museum München.
Verkehrsverbindungen
S/U-Bahn Marienplatz oder Sendlinger Tor
Das Münchner Stadtmuseum ist eine Einrichtung der Landeshauptstadt München.