Städtische Bühnen Münster
Für die letzte Saison unter Intendant Wolfgang Quetes nach nunmehr 7 Jahren haben sich die Städtischen Bühnen Münster als Motto gesetzt, viele wichtige Werke der literarischen und musikliterarischen Weltkultur, die aus unterschiedlichen Gründen in Münster noch nie oder seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen und zu hören waren, in einem abschließenden Spielplan zusammenzufassen.
So gibt es in der Spielzeit 2011/2012 unter anderem Friedrich Schillers "Wallenstein", Claudio Monteverdis "Die Heimkehr des Odysseus", Benjamin Brittens "Peter Grimes" und noch eine ganze Reihe weiterer bedeutender Werke von Aischylos bis Carl Maria von Weber zu sehen und zu erleben.
Mit der Produktion "Oberon" - mit Musik von Carl Maria von Weber und Sprechszenen von William Shakespeare und Christoph Martin Wieland - soll ein programmatischer Schlusspunkt der Zusammenarbeit von Oper und Schauspiel gesetzt werden.
Spielzeit 2011/12
Finissage: ... quien me quita lo bailado!
Ein Tanzabend von Daniel Goldin
Premiere: 26. Mai 2012, Großes Haus
Der Titel entstand am 8. Juni 2011, einem schwarzen Tag für Daniel Goldin, als er morgens die Nachricht erhielt, dass der spanische Schriftsteller und Überlebende des KZ Buchenwald Jorge Semprún am Vortag verstorben war. Mittags bekam er die Mitteilung, dass alle Verträge der Mitglieder des Tanztheater Münsters unter seiner 16-jährigen Leitung nicht verlängert werden. Die spanische Redewendung "Que me quiten lo bailado" (eigentlich - "dass man mir das getanzte nimmt") hatte J. Semprún in einem Interview verwendet, um eine vorläufige Bilanz zu seinem eigenen Leben zu ziehen. Damals vom Interviewpartner mit dem Satz übersetzt "Was ich gelebt habe, nimmt mir keiner". Mit dem Zusatz Finissage möchte Daniel Goldin den Abschluss seines choreographischen Wirkens in Münster betonen.
Am 13. September 1996 eröffneten Daniel Goldin und sein Tanztheaterensemble mit dem Stück "Papirene Kinder" die erste Spielzeit des neu gewählten Intendanten Thomas Bockelmann. Mit "Cancionero - Liederbuch", seiner ersten Uraufführung in Münster, legte er den Grundstein für ein umfangreiches Repertoire an den Städtischen Bühnen. Jedes Jahr entstanden zwei weitere Uraufführungen, unter anderem auch so erfolgreiche Kooperationen mit dem Schauspiel, Musiktheater oder Sinfonieorchester, wie z.B. "Hamletmaschine" nach Heiner Müller, "L'Enfant et les Sortilèges" von Maurice Ravel oder der Erik Satie-Abend "(t)SchLU(ü)S(ß)S!?!..." 2004 verlängerte die Stadt Münster den Vertrag mit Daniel Goldin und es folgten acht weitere Jahre unter der Intendanz von Wolfgang Quetes. Gastspiele in das In- und Ausland bis nach Los Angeles machten das Tanztheater über die Grenzen Münsters hinweg bekannt. Ausstellungen, Festivals und Kooperationen wie z.B. 2010 mit dem Folkwang Tanzstudio ergänzten die Arbeit des Ensembles in der Stadt Münster. International bekannte Tanzpädagogen waren regelmäßige Gäste. Zuletzt lud Daniel Goldin die große Pionierin des deutschen Ausdruckstanzes Susanne Linke ein, mit seiner Kompanie eine Choreographie zu erarbeiten. Die besondere Qualität des Ensembles liegt zum Einen an der außerordentlichen Handschrift von Daniel Goldin, mit der er die Arbeit der Kompanie prägte, zum Anderen aber auch an den über 60 Tänzerinnen und Tänzern, die mit ihrer Persönlichkeit, technischem Können und Leidenschaft für den Tanz einen großen Anteil am Erfolg haben. Am 12. Juni 2012 fällt nach der letzten Vorstellung des Tanztheaters Münster dann zum letzten Mal der Vorhang für alle Beteiligten.
Mit "Finissage: ... quien me quita lo bailado!" setzen sich die Tänzer noch ein Mal mit den über 30 Choreographien auseinander, versuchen einen Zugang zu alten Stücken zu finden und sie in einen neuen Kontext zu setzen. Dazu lädt das Tanztheater ehemalige Tänzer für die Vorstellungen ein, die die Arbeit des Tanztheaters auf besondere Weise geprägt haben, ein letztes Mal in Münster aufzutreten. Weitere Gäste sind die Sängerin Kathrin Mander und der ehemalige Generalmusikdirektor Rainer Mühlbach, die die künstlerische Arbeit begleitet haben und die beim letzten großen Finale für Münster dabei sein werden.
Choreographie: Daniel Goldin
Bühnenbild: Matthias Dietrich
Kostüme: Gaby Sogl
Lichtgestaltung: Daniel Goldin
Ort:
Großes Haus
Termine:
Sa, 26.5.2012, 19:30 | Premiere |



Mi, 30.5.2012, 19:30 |



Fr, 1.6.2012, 19:30 |



So, 3.6.2012, 18:00 |



Do, 7.6.2012, 18:00 |



Sa, 9.6.2012, 19:30 |



Di, 12.6.2012, 19:30 |


Das Ende vom Geld - Ein Todes-Experiment
von Urs Widmer
Premiere: 13. Juni 2012, Kleines Haus
"Die Mächtigen der Wirtschaftswelt treffen sich in Davos - zu einer Zeit, in der die Gier ins Finanzwesen zurückkehrt, als hätte es die schockierende Krise nie gegeben. Es ist schwer, einen Wertewandel zu schaffen. Doch es gibt eine Lösung. Es war eine kurze optimistische Phase, die nach dem Ausbruch der Finanzkrise die politische Phantasie beflügelt hat. Sie ist vorbei. Teilte nicht jedermann noch vor Jahresfrist die Hoffnung, dass der Kollaps des Finanzmarktes weltweit einen moralischen und politischen Ruck auslösen würde? Dass vor allem die Matadoren des Finanzmarkts wieder zur Vernunft kommen und Mitverantwortung für die Welt jenseits ihres eigenen Kontos übernehmen würden? Die Hoffnung trog, die Ernüchterung hat uns wieder. Nach einer Schamfrist ist die Gier an Europas größtem Finanzplatz zurück. Als hätte es den Schock nie gegeben, als hätte sich die finanzielle Krise nicht in vielen Ländern sogar zur "sozialen Tragödie" (Joseph Stiglitz) ausgewachsen, spielen sie unbekümmert ihr Spiel weiter. Mögen Götter und andere höhere Gewalten die Sintflut geschickt haben, eine moralische Reinigung hat sie nicht bewirkt." Soweit ein Auszug aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung im Januar 2011 zum Weltwirtschaftstreffen in Davos.
Der Schweizer Dramatiker und Schriftsteller Urs Widmer stellte schon 1996 mit seinem Drama "Top Dogs" die Wirtschaftswelt auf den Prüfstand des Theaters. In seinem neuesten Stück verhandelt er das Thema noch globaler: Das aktuelle Weltwirtschaftsforum in Davos ist gerade zu Ende gegangen. Die illustren Teilnehmer - Banker, Unternehmer, Minister, Professor und Bischof, die NGO-Delegierte, die Geliebte des Bankers und ein Chinese - wollen das Hotel verlassen und abreisen. Ein letztes Glas Champagner soll den Erfolg des Gipfels krönen. Doch ein Schneesturm schneidet Davos von der Welt ab, und die Hotelhalle verwandelt sich in eine Hölle. Was mit leichten, witzigen Dialogen beginnt, mündet in einer Apokalypse, in der nicht nur die Herrschaft des Geldes endet, sondern auch die Zeit stehen zu bleiben scheint.
Regie: Kirsten Uttendorf
Bühne und Kostüme: Karin Fritz
Dramaturgie: Justus Wenke
Ort:
Kleines Haus
Termine:
Mi, 13.6.2012, 19:30 | Premiere |



Fr, 15.6.2012, 19:30 |



Di, 19.6.2012, 19:30 |



So, 24.6.2012, 18:00 |



Di, 3.7.2012, 19:30 |



So, 8.7.2012, 18:00 |


Oberon
Romantische Feenoper in drei Aufzügen von Carl Maria von Weber
Premiere: 17. Juni 2012, Großes Haus
Dichtung von William Shakespeare, Christoph Martin Wieland
und James Robinson Planché, Bühnenfassung von Wolfgang Quetes
Das Elfenkönigspaar Oberon und Titania ist über einen indischen Knaben in Streit geraten. Beide wollen sich erst versöhnen, wenn ein Menschenpaar gefunden ist, das auch in Todesgefahr einander treu bleibt. Für ihren Versuch wählen sie den Ritter Hüon von Bordeaux, Paladin des Kaisers Karl des Großen, und Rezia, Tochter des Kalifen von Bagdad. Durch einen Zauberspruch sollen die beiden zusammengeführt werden. Oberon überreicht Hüon ein Zauberhorn, das diesen auf seiner gefährlichen Reise vor allen Gefahren schützen soll. In einem Traum erscheint Rezia der Ritter Hüon. Sie erhofft sich von ihm Rettung vor der Verheiratung mit ihrem Vetter Babekan. Tatsächlich kommt Hüon auf das Fest und tötet im Duell den Bräutigam. Mit Hilfe des Zauberhorns gelingt ihm und Rezia die Flucht nach Ascalon, doch da versucht Titania Oberons Pläne zu durchkreuzen: Sie lässt Puck einen Sturm entfesseln, durch den Hüons Schiff kentert. Rezia und Hüon werden an den Strand einer einsamen Insel gespült. Die Kette ihrer harten Liebesprüfungen ist damit noch lange nicht beendet ...
Aufgrund des sensationellen Erfolgs mit dem "Freischütz" war Carl Maria von Weber innerhalb kürzester Zeit zu einem international anerkannten Komponisten geworden, doch blieb er finanziell weiterhin auf seine Einkünfte als Dirigent und auf die Vergabe von Auftragswerken angewiesen. Aufgrund einer schweren Lungentuberkulose musste Weber befürchten, seine Familie beinahe mittellos zurückzulassen. Da ereilte ihn 1822 plötzlich aus London der Auftrag, eine Oper für das Covent Garden Theatre zu komponieren. Der Autor James Robinson Planché hatte nach Shakespeares "Sommernachtstraum" ein Libretto mit neuen, wenig geglückten Sprechtexten verfasst, das Weber befremdete. Dennoch nahm er den Auftrag an und versuchte, sich den Gegebenheiten des englischen Theaters anzupassen, beschloss aber, für eine deutsche Fassung Umarbeitungen vorzunehmen. Die Aufführungsserie in London brachte trotz mäßiger Kritiken den erhofften finanziellen Erfolg. Aber Weber hatte sich gesundheitlich übernommen. Völlig entkräftet starb er in London. Die Bühnenfassung von Wolfgang Quetes ersetzt die meisten Sprechtexte von Planché durch die originalen von Shakespeare. Überdies führt sie den Dichter Wieland, der das Epos "Oberon" geschrieben hat, als Erzähler ein.
Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann
Regie: Wolfgang Quetes
Bühnenbild: Heinz Balthes
Kostüme: José Manuel Vázquez
Licht: Matthias Hönig
Dramaturgie: Jens Ponath / Wilfried Harlandt
Ort:
Großes Haus
Termine:
So, 17.6.2012, 18:00 | Premiere |



Di, 19.6.2012, 19:30 |



Fr, 22.6.2012, 19:30 |



So, 24.6.2012, 18:00 |



Do, 5.7.2012, 19:30 |



So, 8.7.2012, 17:00 |


Meine liebe Cosima oder: Schicksalsakkord
Ein Schauspiel mit Musik von Eberhard Streul
Uraufführung: 23. Juni 2012 , Kleines Haus
Der Dirigent Hans von Bülow, der seine musikalischen Talente bedingungslos in den Dienst Richard Wagners stellt und die epochale Uraufführung von "Tristan und Isolde" dirigiert, muss erleben, wie der von ihm bewunderte Komponist bedenkenlos seine Frau Cosima ausspannt. In den Sommermonaten 1864 spitzt sich die prekäre Situation am Starnberger See dramatisch zu, und auch der Bayernkönig Ludwig II. wird involviert. Tragikomisch verdichten sich die Szenen von Eifersucht, Verzweiflung und Raserei, die von überirdischen "Tristan"-Klängen begleitet werden. Im Hintergrund steht Cosimas Vater Franz Liszt, der die Tochter an Wagner verliert und seinen einsamen Tod in Bayreuth stirbt ... - Eberhard Streuls neues Stück erzählt von der wohl bizarrsten "Menage à trois" der Musikgeschichte, mit Musik von Wagner und Liszt.
Ort:
Kleines Haus
Termine:
Sa, 23.6.2012, 19:30 | Uraufführung |



Sa, 30.6.2012, 19:30 |



Mi, 4.7.2012, 19:30 |


Ritter, Dene, Voss
Stück von Thomas Bernhard
Ausgangspunkt des Stückes von Thomas Bernhard ist eine Notiz des Autors, die Ilse Ritter, Kirsten Dene und Gert Voss als "intelligente Schauspieler" preist; und in einer Anmerkung zu dem Stück heißt es: "Während der Arbeit ... waren meine Gedanken hauptsächlich auf meinen Freund Paul und auf dessen Onkel Ludwig Wittgenstein konzentriert gewesen."
Dene ist wie ihre jüngere Schwester Ritter Schauspielerin, deren Zugehörigkeit zum Theater in der Josefstadt gekauft wurde vom Großvater, lebenslang, ohne Spielverpflichtung. Die beiden Schwestern treffen ihren zwischen Genie und Geisteskrankheit schwankenden, durch und durch unausstehlichen Möchtegern-Philosophen Ludwig Worringer zum wiederholten Male zum Mittagessen in ihrer Industriellenvilla in Wien, in der sich nach dem Tode der Eltern nichts verändert hat. Ludwig lebt in der psychiatrischen Anstalt Steinhof. Seine Schwester Dene opfert sich für ihren Bruder: Sie tippt seine Aufzeichnungen ins Reine und hofft mit Unterstützung des Doktor Frege, ihren Bruder diesmal zu heilen. Jedoch stehen dieser lobenswerten Absicht ungünstige Bedingungen entgegen: In dem seit dreißig Jahren unveränderten Haus wird dem Philosophen sein bisheriger Werdegang vom gehassten Kind zum abgelehnten Philosophen immer wieder deutlich; zum anderen hält er nicht die elterliche Villa, sondern die Anstalt in Steinhof für sein Zuhause, denn für sein Denken gilt die Maxime: "Immer an der Grenze der Verrücktheit / niemals diese Grenze überschreiten / aber immer an der Grenze der Verrücktheit / verlassen wir diesen Grenzbereich / sind wir tot." Die Geschwister reden ununterbrochen - über das Theater ("Künstlern helfen ist Unsinn. Die Künstler sollen sich selbst helfen. Dadurch wird ja aus den jungen Künstlern nichts, weil ihnen andauernd geholfen wird."), die Anstalt, über Geld, unfähige Ärzte und über das Essen.
Wäre nicht ihre unfreiwillige Komik, die Bernhardschen Figuren würden an ihrem Überdruss ersticken. Und so ist dieses Bernhard-Stück trotz aller Zynismen heiter, liebenswürdig, ja überraschend versöhnlich.
Regie: Gerd Leo Kuck
Bühnenbild und Kostüme: Kerstin Bayer
Dramaturgie: Wilfried Harlandt
Termine:
Mi, 23.5.2012, 19:30 |



Fr, 25.5.2012, 19:30 |



Do, 31.5.2012, 19:30 |



So, 3.6.2012, 19:30 |



Do, 14.6.2012, 19:30 |


Roméo et Juliette
Oper in fünf Akten von Charles Gounod
Libretto von Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré
Aufführung in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Eine Aufführung von Hector Berlioz' dramatischer Symphonie "Roméo et Juliette" im Jahre 1839 begeisterte den französischen Komponisten Charles Gounod derart, dass er den Plan zu einer eigenen Oper nach Shakespeares Liebestragödie fasste. Seinen Handlungsentwurf ließ er dann aber zwanzig Jahre lang in der Schublade ruhen. Erst nach dem Welterfolg seiner Oper "Faust" 1859 fühlte er sich den Herausforderungen der Shakespeareschen Dramaturgie gewachsen. 1867 wurde die Oper im Pariser Théâtre Lyrique unter großem Beifall uraufgeführt. Eine wahre Fülle musikalischer Kostbarkeiten wie die vier großen Liebesduette oder die Walzer-Arie "Je veux vivre dans le rêve" machen das Werk zu einer der schönsten französischen Opern. Gounod verzichtet in ihr auf die typischen großen Tableaus und die Opulenz der "Grand Opéra", setzt vielmehr ganz auf die Innigkeit des "Drame lyrique". Seine Librettisten greifen auf Shakespeares Originaltext zurück, um möglichst viel von dessen Geist zu bewahren. Ihr Textbuch stellt einen der frühesten Versuche in der Operngeschichte dar, mit einem literarischen Meisterwerk nicht ausbeuterisch umzugehen.
Ein besonderer Reiz der Neuinszenierung besteht in einer dramaturgischen Verknüpfung mit der Schauspielinszenierung. Eine Gegenüberstellung beider Werke macht die Unterschiede erlebbar, wie sie sich aus den Besonderheiten von Sprech- und Musiktheater ergeben. So hat zum Beispiel Romeo in der Oper - anders als in Shakespeares Stück - bei Julias Erwachen in der Gruft noch nicht das Bewusstsein verloren, so dass ein letzter Dialog möglich ist: Das emotional überwältigende Duett überführt die Handlung in einen utopischen Raum, wie ihn nur die Oper beschwören kann.
Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann
Regie: Igor Folwill
Bühnenbild: Manfred Kaderk
Kostüme: Ute Frühling
Dramaturgie: Indra Schiller
Opernchor / Extrachor der Städtischen Bühnen Münster
Sinfonieorchester Münster
Ort:
Großes Haus
Termine:
Mi, 20.6.2012, 19:30 |



Fr, 6.7.2012, 19:30 |


Wallenstein
Ein dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller
"Wallenstein" heißt eines der faszinierendsten Kapitel der europäischen Geschichte, das Schicksal eines seine Zeit herausfordernden, in vieler Hinsicht modern anmutenden, aber auch sehr widerspruchsvollen Mannes: ein Feldherr, der den Krieg verabscheut; ein Stratege, der keine Schlachten führen will, um die Stärke seines Heeres politisch einzusetzen; vor allem aber ein genialer Ökonom, der nicht nur den Krieg, sondern auch seine Macht zu finanzieren weiß; ein Magnat, dem sein unermesslicher Reichtum zum Verhängnis wird. Wallenstein forderte seine Zeit heraus, weil er ein in vieler Hinsicht widerspruchsvoller Mann war. Daher wirkt er sehr heutig, sein Aufstieg und Fall sind von zeitlosem Interesse.
So hat sich auch Friedrich Schiller zuerst mit der "Geschichte des Dreißigjährigen Krieges" (1791-1793) allgemein beschäftigt, ab Dezember 1796 begann er mit der dramatischen Gestaltung der Fabel, die er in drei Teile aufteilte: das Vorspiel "Wallensteins Lager", den ersten Teil "Die Piccolomini" und den zweiten Teil "Wallensteins Tod". Zu Beginn stellt Schiller die Figur Wallenstein im Jahre 1634 vor. Dieser ist durch seine bedeutenden militärischen Leistungen zum Herzog und zum "Generalissimus" des habsburgischen Kaisers Ferdinand II. aufgestiegen. Inzwischen ist der Feldherr dem Kaiser jedoch zu mächtig geworden, der Wiener Hof plant seine Absetzung. Unter der Soldateska im Lager schwelt bereits der Gegensatz zwischen kaisertreuen Soldaten und den Anhängern Wallensteins. Im Offizierskorps zeigt sich der Gegensatz zwischen den Anhängern des Kaisers und Wallensteins besonders deutlich in den Grafen Piccolomini. Während Octavio vom Kaiser mit der Überwachung Wallensteins betraut und insgeheim bereits zu Wallensteins Nachfolger bestimmt worden ist, versteht sich sein Sohn Maximilian als bedingungsloser Anhänger des Feldherrn; zudem ist er verliebt in dessen Tochter Thekla. Die Generäle drängen ihren Feldherrn zu einem Separatfrieden mit den Schweden, doch Wallenstein zögert wegen der schlechten Sternenkonstellation. Aufgrund des Treuegelöbnisses der Generäle zu Wallenstein erkennt Octavio den Verrat des Feldherrn. Er gibt sich seinem Sohn Maximilian als kaisertreu zu erkennen und fordert ihn auf, sich zu entscheiden. Angesichts günstiger astrologischer Voraussagen und der Erkenntnis, dass das Haus Habsburg ihn fallen lässt, wendet sich Wallenstein vom Kaiser ab und schließt mit den Schweden Frieden. Doch unter Octavios Einfluss wenden sich die besten Truppen des Feldherrn von ihm ab. Max wählt den Schlachtentod in den Reihen der Kaiserlichen, Thekla sucht den Tod am Grab des Geliebten, und Wallenstein wird ermordet.
Nach "Mutter Courage" ist dieses Stück eine weitere Auseinandersetzung mit den Wirrnissen des Dreißigjährigen Krieges, der mit dem Westfälischen Frieden zu Ende ging.
Regie: Wolfgang Quetes
Bühnenbild: Manfred Kaderk
Kostüme: Anke Drewes
Dramaturgie: Wolfgang Türk
Ort:
Kleines Haus
Termine:
Mi, 30.5.2012, 18:30 |



So, 10.6.2012, 17:00 |



Do, 14.6.2012, 19:00 |



So, 1.7.2012, 18:00 |



Fr, 6.7.2012, 19:00 |


Peter Grimes
Oper in drei Akten und einem Vorspiel von Benjamin Britten
Dichtung nach George Crabbe von Montagu Slater
Aufführung in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
In dem kleinen englischen Küstenort Boroughs steht der Fischer Peter Grimes vor Gericht. Weil bei einem mysteriösen Unglück auf See sein Lehrjunge ums Leben kam, ist er der fahrlässigen Tötung angeklagt. Voller Argwohn gegen den Außenseiter Grimes verfolgt die Dorfgemeinschaft den Prozess, der aus Mangel an Beweisen mit einem Freispruch endet. Doch Grimes weiß, dass die Verdächtigungen gegen ihn damit nicht aufhören. Seelische Unterstützung findet er nur bei der verwitweten Lehrerin Ellen Orford, die an seine Unschuld glaubt und sich dafür einsetzt, dass ihm noch einmal ein Lehrjunge aus dem Armenhaus zugewiesen wird. Die Gerüchte und Verleumdungen im Dorf reißen nicht ab. Als Ellen Spuren von Misshandlung am Hals des Jungen entdeckt, stellt sie Grimes zur Rede und gerät mit ihm in Streit. Beim Versuch, der aufgebrachten Dorfgemeinschaft zu entgehen, drängt Grimes den neuen Lehrjungen durch die Hintertür seiner Hütte auf die Klippe, von der dieser in den Tod stürzt. Grimes bleibt nur die Flucht. Der drohenden Lynchjustiz der Dorfgemeinschaft entzieht er sich, indem er sich im Meer ertränkt.
Benjamin Britten und Montagu Slater wurden zu ihrer Oper durch George Crabbes Gedichtsammlung "The Borough" inspiriert, in der das Leben eines Fischerdorfes in Ost-Suffolk geschildert wird. Bei Crabbe ist Peter Grimes ein Fischer und Verbrecher, der nacheinander drei Lehrjungen tötet. Britten und Slater haben aus ihm einen weit ambivalenteren Charakter geformt. Die Frage von Verbrechen und Schuld bleibt in ihrem Werk auf irritierende Weise ungeklärt. Die Oper erzähle - so der Komponist - den "Kampf des Einzelnen gegen die Masse", und sie zeige, dass ein Individuum desto bösartiger werde, je boshafter die Gesellschaft sei. Unübertroffen sind Brittens orchestrale Schilderungen des Meeres, die zu Seelenbildern werden. Über sie sagte der Komponist: "Es hat nichts mit dem Meer zu tun, es hat mit den Leuten im Dorf zu tun. Oder nein, diese Leute sind überall gleich; wo sie auch sind."
Musikalische Leitung: Fabrizio Ventura
Regie: Andreas Baesler
Dramaturgie: Jens Ponath
Ort:
Großes Haus
Termine:
So, 27.5.2012, 17:00 |



Sa, 2.6.2012, 19:30 |


Projekt des TheaterJugendOrchesters: Hilfe, Hilfe, die Globolinks
Kinderoper von Gian-Carlo Menotti
Eine Kooperation der Städtischen Bühnen Münster mit der Westfälischen Schule für Musik und dem Sinfonieorchester Münster
Deutsch von Kurt Honolka
Unheimliche Außerirdische überfallen die Erde. Die Globolinks sind aus den Tiefen des Weltalls gekommen, um jeden Menschen zu einem Globolink zu machen, denn wer von einem Globolink berührt wird, der verliert die Sprache und wird langsam selbst zum Globolink. Es gibt nur ein Mittel, die Globolinks zu vertreiben: Musik.
Bei einer Buspanne im Wald hört eine Schulklasse diese Nachricht im Radio, als die Globolinks schon auf sie zukommen und sich mit Hilfe der Autohupe auf Distanz halten lassen. Zum Glück hat Emily ihre Geige mitgenommen und wird losgeschickt, um Hilfe zu holen. Allein mit ihrer Geige macht sich sie sich auf den Weg durch den Wald, während die Gefahr im Bus für die Kinder immer größer wird.
Das TheaterJugendOrchester-Projekt findet 2012 zum 12. Mal statt. Die Reihe begann im Oktober 2000 mit dem Kurt Weill-Abend "also wolves have heart attacks". In der Folgezeit standen Werke wie Bernsteins "Trouble in Tahiti", Hindemiths Sketch "Hin und zurück", Spolianskys Kabarettoper "Rufen Sie Herrn Plim!", Menottis Thriller "Das Medium", Haydns Oper "Il mondo della luna", der französische Opernabend mit "Die verlassene Ariadne" und "Der arme Matrose" von Darius Milhaud sowie "Des Messers Tränen" von Bohuslav Martinu und ein Doppelabend mit Ernst Kreneks "Der Diktator" auf dem Programm. In den letzten Jahren kamen in der Reihe Viktor Ullmanns "Der zerbrochene Krug", Richard Strauss' Oper "Des Esels Schatten", Gounods "Der Arzt wider Willen", "Der Kaiser von Atlantis" von Viktor Ullmann sowie "Das Traumfresserchen" von Wilfried Hiller auf die Bühne.
Die Idee dieses bundesweit ersten Jugendorchesterprojekts an einem Stadttheater überzeugte von Beginn an Publikum und Kritik gleichermaßen: Der Berufswunsch 'Musiker' geht oft einher mit einer eher vagen Vorstellung vom Orchester- und Theateralltag. Die Kluft zwischen Ausbildung und Praxis ist groß, da es selten die Möglichkeit gibt, vor der Berufswahl einen konkreten Einblick in die Arbeit des Orchestermusikers zu bekommen. Unter Anleitung von Orchestermusikern des Sinfonieorchesters Münster können begabte junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten unter professionellen Bedingungen an einer Produktion mitwirken. Diese 'Theaterführung mit Auftrittspflicht' wird zu einem spannenden Experiment: Der Blick hinter die Kulissen und auf den magischen Ort Bühne verbindet sich mit konzentrierter und sorgfältiger Arbeit, ohne die eine Produktion nicht gelingen kann.
Musikalische Leitung: Peter Meiser
Musikalische Einstudierung: Peter Meiser / Rita Stock-Herbst
Regie: Markus Kopf
Ausstattung: Jaqueline Schienbein
Dramaturgie: Nicole Tharau / Michael Jezierny
Ort:
Kleines Haus
Termine:
So, 27.5.2012, 17:00 |



Sa, 2.6.2012, 15:30 |



Sa, 16.6.2012, 17:00 |


Balletto and Friends
Ballettgala mit internationalen Gastsolisten
Zum 3. Mal kommen für "balletto and friends" Stars der Ballettszene und internationale Gastsolisten nach Münster. Mit frischem Wind präsentieren sie die Vielseitigkeit modernen und klassischen Balletts. Diesmal dabei: Tänzer und Tänzerinnen aus Venezuela, Cuba, Japan, USA, der Ukraine, Spanien und der Slowakei. Mit Carolina Boscán, Preisträgerin beim "Prix de Lausanne" konnte erneut ein Star gewonnen werden, der auf den großen Bühnen Europas zuhause ist. Gezeigt werden fulminate Highlights aus Don Quixote, ausdrucksstarke Pas de Deux aus Giselle oder Schwanensee sowie im zweiten Teil moderne und neoklassische Choreografien.
Ort:
Kleines Haus
Termin:
Do, 24.5.2012, 19:30 |


Die Banditen
Operette von Jacques Offenbach
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
Deutsch von Wolfgang Quetes
"Hört, hört, die Stiefel, sie trappen, sie trappen ..." Die Stiefel der Carabinieri sind bei den Patrouillen durch die Wälder von Mantua schon von weitem zu hören. Für die Banditen um den Räuberhauptmann Falsacappa stellt die Polizei daher keine ernsthafte Bedrohung dar. Dank Offenbachs hinreißender Räuberpistole "Les Brigands" gibt es in Frankreich bis heute die Redewendung: "arriver comme les carabiniers" mit der Bedeutung: kommen, wenn alles zu spät ist. Trotz der Ineffizienz der Carabinieri laufen die Geschäfte der Banditen nicht gut. Gründe dafür liefert nicht zuletzt Falsacappas eigene Tochter Fiorella. Sie lässt immer wieder hübsche junge Männer, die zwecks Eintreibung von Lösegeld entführt wurden, auf freien Fuß - eine "professionelle Schwäche", wie ihr strenger Vater meint. Als der vor kurzem von den Räubern überfallene Bauer Fragoletto um ihre Hand bittet, verlangt Falsacappa, dass der Kandidat sein bisheriges Leben aufgibt und seine Eignung als Bandit unter Beweis stellt. Diese Prüfung besteht Fragoletto bravourös: Er nimmt einen Kabinettskurier gefangen, über den die Banditen an eine interessante Information gelangen: Eine spanische Delegation kommt nach Mantua, um vor der bevorstehenden Heirat der Prinzessin von Granada mit dem Herzog die millionenschwere Rückzahlung von Staatsschulden entgegenzunehmen. Falsacappas Plan liegt auf der Hand: Mit seiner Bande die spanische Reisegesellschaft abfangen und das Geld selber kassieren!
Offenbach schrieb diese Opéra-bouffe im Jahr 1869. Sie wurde zu seinem letzten satirischen Meisterstück. Die bürgerliche Ordnung scheint durch eine Bande gesetzloser Banditen zersetzt, doch erweist sich die Welt der Banditen selbst als angekränkelt von Biederkeit und kleinlich-bourgeoiser Berechnung. Aus der überzeitlichen Einsicht, dass auch in jedem Banditen ein Spießer steckt, schöpft diese anarchische Komödie ihren sprühenden Witz und ihre beißende Komik, die verblüffende Parallelen zu unserer heutigen Welt der Banken und Finanzmärkte aufweist.
Musikalische Leitung: Thorsten Schmid-Kapfenburg
Regie: Wolfgang Quetes
Bühnenbild: Manfred Kaderk
Kostüme: Anke Drewes
Chordirektor: Karsten Sprenger
Dramaturgie: Wilfried Harlandt
Ort:
Großes Haus
Termin:
Di, 22.5.2012, 19:30 |


Für mich soll's rote Rosen regnen
Von James Edward Lyons
Musikalisch-seelisches Portrait der Hildegard Knef
Musikalische Arrangements von William Ward Murta
"Für mich soll's rote Rosen regnen,
mir sollten sämtliche Wunder begegnen;
die Welt sollte sich umgestalten
und ihre Sorgen für sich behalten.
Und heute sage ich still: Ich sollt'
mich fügen, begnügen,
ich kann mich nicht fügen,
kann mich nicht begnügen,
will immer noch siegen,
will alles - oder nichts" ...
Man schreibt das Jahr 1975: Hildegard Knef ist auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere, doch privat in einer tiefen Krise. Der 50-jährige deutsche Weltstar, dem Krebs-Tod knapp entronnen, doch vom Ehemann gerade verlassen und unter Geldmangel leidend, sitzt vor seiner Schreibmaschine und blickt in den Spiegel der eigenen Vergangenheit. Da trifft die "Knef" die junge "Hilde": zwei Frauen, eine Person. Sie streiten sich, fallen sich ins Wort, eine Achterbahn der Gefühle beginnt. Schonungslos rechnet die Knef mit sich selbst ab. "Wer war glücklich, dass du gelebt hast?"
In über 30 Chansons, sowie Gedichten und Passagen aus ihren Erinnerungsbüchern lässt James Edward Lyons das Leben der Knef von den dramatischen Kriegserlebnissen über die Trümmerzeit in Berlin, den Wiederaufschwung der Bundesrepublik mit dem Skandal um die Sünderin bis zum Broadway mit seinen über 600 Vorstellungen der Silk Stockings lebendig werden. Arbeitswut und physische Erschöpfung, maßlose Sehnsucht und ein rastloses Leben führen die Knef in die körperliche und seelische Katastrophe. Nur mit ihrem unerschrockenen Mut und dem unbändigen Willen holt sie sich wieder zurück ins Leben. Und am Ende macht Eins und eins in diesem Fall nicht zwei, sondern eins.
Regie: Katrin Herchenröther
Bühnenbild und Kostüme: Tina Toeberg
Musikalische Leitung: Robert Kretzschmer
Dramaturgie: Wilfried Harlandt
Ort:
Kleines Haus
Termine:
Fr, 25.5.2012, 19:30 |



Mi, 6.6.2012, 19:30 |


Rebel Dance Company: Pinky's Dream
Tanztheater
In einer Welt nie dagewesener Kommunikationsmöglichkeiten scheitert oft das Wichtigste: Eine dauerhafte gelingende Beziehung aufzubauen. Das Stück zeigt die unterschiedlichsten dramatischen, skurillen und auch komischen Facetten des alle Zeit bewegenden und wichtigsten Themas der Kommunikation.
Choreographie: Günther Rebel, Wagner Moreira, Bruno De Carvalho, Katharina Szöke, Jens Siebeneicher in Zusammenarbeit mit den Tänzern
Ort:
Kleines Haus
Termine:
So, 3.6.2012, 18:00 |



So, 17.6.2012, 18:00 |


Mutter Courage und ihre Kinder
Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg von Bertolt Brecht
Musik von Paul Dessau
"Mutter Courage" spielt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Die Marketenderin Anna Fierling, genannt die Courage, zieht mit ihren drei Kindern Eilif, Schweizerkas und der stummen Kattrin durch die Wirren und über die Schauplätze des Krieges, stets bemüht, ihren Kopf zu retten und dennoch am Krieg ihren Teil mitzuverdienen. Ihr Motto lautet: "Mitmachen und sich dabei raushalten." Dafür wechselt sie die Fahne, wie es gerade die Not gebietet, und hat am Ende dennoch verloren. Sie zieht weiter, aber ohne ihre Kinder, denn die hat ihr der Krieg genommen - eines nach dem anderen.
"Was eine Aufführung von Mutter Courage", schrieb Bertolt Brecht einmal, "hauptsächlich zeigen soll: Daß die großen Geschäfte in den Kriegen nicht von den kleinen Leuten gemacht werden. Daß der Krieg, der eine Fortführung der Geschäfte mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer. Daß er darum bekämpft werden muss."
Für den Umgang mit den Theaterstücken Brechts bleiben zwei Möglichkeiten: entweder an den Stempeln und tradierten Meinungen festhalten oder aber sich neu mit ihnen auseinandersetzen und prüfen, ob seine Stücke tatsächlich unsere Verhältnisse nicht mehr unmittelbar betreffen und daher als historisch anzusehen sind, oder ob sie eben doch als "zeitlos gegenwärtig" gelten müssen. Und so lässt sich sagen, dass "Mutter Courage", das den Nährboden des Krieges und damit das Gewinnstreben aller Beteiligten zeigt, angesichts der heutzutage ins Monströse wachsenden Rüstung und des wie nie zuvor blühenden Waffenhandels von höchster Aktualität ist, die wirklich nicht zu wünschen ist.
Regie: Hannes Hametner
Bühne und Kostüme: Giovanni de Paulis
Musik: Jürgen Grözinger / Antonis Anissegos
Dramaturgie: Wilfried Harlandt
Ort:
Großes Haus
Termin:
Di, 26.6.2012, 19:30 |


Das Missverständnis
Von Albert Camus
"Daß der Mensch in einer ungerechten oder gleichgültigen Welt sich selbst und seine Mitmenschen erretten kann, wenn er sich an die einfachste Aufrichtigkeit, das treffende Wort hält", heißt es bei Albert Camus. Andernfalls kann es zur Katastrophe kommen, zum "Missverständnis", das tödlich endet. Camus schrieb dieses Drama über einen, der die Wahrheit verbirgt, 1941 im besetzten Frankreich. Die Uraufführung fand 1944 in Paris statt.
Jan kehrt nach langen Jahren der Abwesenheit als wohlhabender Mann in sein Heimatdorf zurück, in dem seine Mutter und seine Schwester einen Gasthof betreiben. Er wünscht sich, von den Verwandten wie der verlorene Sohn, von dem schon die Bibel erzählt, mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Doch dieser Wunsch erfüllt sich nicht. Als Gast kommt er in die Herberge, verrät seine Identität nicht, und wird von den beiden Frauen nicht erkannt. Martha, die Schwester, und seine Mutter haben es - wie schon bei vielen Gästen zuvor, die sie gemeinsam beherbergt und dann umgebracht haben - nur auf Jans Geld abgesehen. Mit dem Geld der Herbergsgäste wollen sie das "Schattenland" verlassen und in das glückverheißende "Sonnenreich" am Meer gehen. Sie leben in einer Welt, die nach eigenen Regeln und Gesetzen funktioniert, in der Probleme und Sehnsüchte auf ganz spezielle Weise verhandelt werden. So erkennen sie den Sohn und Bruder nicht; Jan wiederum findet das richtige Wort nicht, um seine Identität preiszugeben. So endet die von ihm initiierte Komödie tragisch ...
Albert Camus zeichnet seine Figuren als Gefangene in einem sinnlosen, absurden Geflecht aus Sehnsüchten, Träumen, Missverständnissen, Umständen und Zufällen. Es ist das Stück eines Extremsfalls, das Drama einer Grenzsituation und ist bis heute aktuell: die Schwierigkeit, die Unmöglichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation. Camus zeichnet eine Welt, in der Schweigen und Lügen dominieren, Ungerechtigkeit und Unaufrichtigkeit an der Tagesordnung sind. Beraubt aller Illusionen und Freuden, fühlt sich der Mensch als Fremder, heimatlos. Er lebt in der Verbannung ohne Ausweg - eine absurde Welt.
Regie: Wolfram Mehring
Bühne: Cornelia Brunn
Kostüme: Maja Scholl-Lemcke
Dramaturgie: Nicole Tharau
Ort:
Kleines Haus
Termine:
Di, 22.5.2012, 19:30 |



Sa, 26.5.2012, 19:30 |



Sa, 2.6.2012, 19:30 |



Sa, 16.6.2012, 19:30 |



So, 24.6.2012, 18:00 |



Do, 5.7.2012, 19:30 |


Nabucco
Dramma lirico in vier Teilen von Giuseppe Verdi
Libretto von Temistocle Solera
Zwei erfolglose Opern hatte Verdi bis 1840 geschrieben. Nach dem Tod seiner Frau und seiner beiden Kinder wollte er keine einzige Note mehr zu Papier bringen. Doch ein Mailänder Impresario spielte dem zurückgezogen lebenden Verdi ein Textbuch von Temistocle Solera zu, dessen biblische Geschichte ihn zunehmend faszinierte. Besonders der Text des Gefangenenchores "Va, pensiero" ("Flieg, Gedanke") reizte den Komponisten und veranlasste ihn, wieder zur Feder zu greifen. Die Uraufführung im März 1842 am Teatro alla Scala in Mailand wurde zu einem glänzenden Erfolg; Verdi galt fortan als führender Komponist Italiens. Später sagte er über "Nabucco": "Dies ist die Oper, mit der in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt."
Vor den Stadtmauern Jerusalems stehen die feindlichen Truppen Nabuccos, des Königs von Babylon (der in der Bibel Nebukadnezar heißt). Fenena, seine Tochter, hat Ismaele, den Neffen des Königs von Jerusalem, aus babylonischer Gefangenschaft befreit und lebt seither in gegenseitiger Liebe mit ihm unter den Hebräern. Doch auch Fenenas Schwester Abigaille ist in Ismaele verliebt. Als sie herausfindet, dass sie nicht die leibliche Tochter Nabuccos und damit auch nicht rechtmäßige Thronerbin ist, stacheln sie Machtstreben, Eifersucht und Rachedurst dazu an, die Krone Nabuccos gewaltsam an sich zu reißen und die Ermordung Fenenas sowie aller Hebräer zu veranlassen. Nabucco verfällt in Wahnsinn. In größter Todesangst um seine geliebte Tochter Fenena wendet er sich an Jehova, den Gott seiner Feinde ...
Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann
Regie: Ansgar Haag
Bühne: Bernd Dieter Müller
Kostüme: Annette Zepperitz
Chorleitung: Donka Miteva
Dramaturgie: Jens Ponath
Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Spieldauer ca. 150 Minuten inkl. Pause
Ort:
Großes Haus
Termin:
Mo, 28.5.2012, 18:00 | letzte Aufführung! |


La Traviata
Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi
Libretto nach Alexandre Dumas von Francesco Maria Piave
Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
"Lasst uns genießen! Vergänglich und flüchtig sind die Freuden der Liebe; sie sind eine Blume, die erblüht und verwelkt, derer man länger sich nicht erfreuen kann ... Alles auf Erden ist sinnlos, was nicht Genuss ist!" Violetta Valéry, die Kameliendame, singt diese Sätze in dem berühmten Trinklied "Libiamo", einem der Welt-Hits in Verdis "La Traviata". Im Wechsel ihrer Liebschaften, zwischen Festen und Spielsälen, versucht sie rastlos, tiefere Gefühle zu verdrängen. Das mahnende Bewusstsein ihrer unheilbar fortschreitenden Lungenkrankheit betäubt Violetta im Rausch des Vergnügens. Dann aber begegnet ihr der junge Alfred Germont, der ihr aufrichtig seine Liebe erklärt. Mit einer der wunderbarsten Melodien Verdis singt er von "jener Liebe, die der Pulsschlag des ganzen Universums ist" - ein musikalisches Thema, das die Oper durchzieht. Als Violetta es zum ersten Mal hört, weist sie Alfred zurück: "Nur Freundschaft kann ich Euch bieten: Lieben kann ich nicht ...", doch schenkt sie ihm zum Abschied eine Kamelie, mit der Bitte, sobald diese verwelkt sei, zu ihr zurückzukehren. Kaum ist Alfred gegangen, erwacht in Violetta das Gefühl der Liebe zu ihm.
Welch ungeheure, das Leben umstürzende Kraft die Liebe ist, zeigt "La Traviata" mit beispielloser Intensität. Und ebenso die Katastrophe ihrer Zerstörung durch gesellschaftliche Konventionen und familiäre Zwänge: Nachdem Violetta und Alfred beschließen, auf dem Land ein neues Leben zu beginnen, schreitet Alfreds Vater ein, der die sozial anrüchige "Halbweltdame" in seiner Familie nicht duldet. Hinter dem Rücken seines Sohnes setzt er Violetta solange unter Druck, bis sie Alfred einen Abschiedsbrief schreibt und in die Verhältnisse zurückkehrt, denen sie entronnen war. An ihnen geht sie schließlich zugrunde. "La Traviata" bedeutet wörtlich: die "auf Abwege Geratene". Mit dieser 1853 uraufgeführten, heute populärsten aller Opern Verdis ergreift der Komponist einmal mehr bedingungslos Partei für eine gesellschaftlich geächtete Liebe.
Musikalische Leitung: Fabrizio Ventura
Regie: Axel Kresin
Bühnenbild: Manfred Kaderk
Kostüme: Anke Drewes
Dramaturgie: Jens Ponath
Ort:
Großes Haus
Termin:
Sa, 30.6.2012, 19:30 |


Romeo und Julia
Tragödie von William Shakespeare
Shakespeares 1595/96 entstandene, erste bedeutende Tragödie "Romeo und Julia" ist neben "Hamlet" das wohl bekannteste Drama des großen elisabethanischen Theaters. Den Stoff einer unbedingten Liebe, die sich im Konflikt mit der Gesellschaft zerstört, entnahm Shakespeare der Novellenliteratur der italienischen Renaissance.
Shakespeare hat mit seiner traurig-zufälligen Fabel von Romeo und Julia einen Liebesmythos geschaffen, der zu einem Urbild der Liebe in der Folgezeit wurde. Zwei junge Menschen finden sich in der Fähigkeit, sich dem ganz großen Gefühl hinzugeben, und in dem Willen, ihre Liebe gegen alle Widerstände der Außenwelt durchzusetzen. Doch die Welt ist grausam für wahre Liebende. Das Scheitern des absoluten Gefühls in einer engstirnigen und hasserfüllten Umgebung erscheint ebenso zufällig wie folgerichtig. Die Geschichte einer Leidenschaft, einer Liebe, die sich nicht leben lässt, wird so zu einer Geschichte des Todes. Im Aufgehen der absoluten Liebe zueinander ist auch schon ihr Untergang beschlossen. Romeos und Julias Liebe erfüllt sich in einer einzigen Nacht und wird durch den Tod unsterblich.
George Tabori urteilt über Shakespeare u. a.: "Wir haben entdeckt, dass Shakespeare der größte Spezialist der Liebe ist, tiefer und weiter, höher und niedriger, sprühender in seiner Lyrik oder erbarmungsloser in seinem Realismus, ein mächtiger Heiler des Verlorenen und Zerstörer von Illusionen ..."
Ein besonderer Reiz für die Zuschauer besteht darin, dass sie dreieinhalb Monate später - ebenfalls im Großen Haus der Städtischen Bühnen Münster - Charles Gounods Opern-Fassung dieser Liebestragödie sehen und deren Besonderheiten mit Shakespeares Original vergleichen können.
Regie: Markus Kopf
Bühnenbild: Manfred Kaderk
Kostüme: Ursina Zürcher
Dramaturgie: Indra Schiller
Ort:
Großes Haus
Termin:
Sa, 7.7.2012, 19:30 |


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