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Morgenland Festival Osnabrück 2020:
Balkans Beyond Brass

Morgenland ONLINE EDITION:
18. bis 27. Juni 2020

Die Konzerte der Online-Edition im Juni sind kostenfrei.

Morgenland LIVE:
2. bis 6. Dezember 2020 an verschiedenen Konzertorten in Osnabrück


In dieser besonderen Zeit, die von uns allen auf intensive Weise Rücksichtname und Solidarität verlangt, freue ich mich ganz besonders, Ihnen unser diesjähriges Programm präsentieren zu können. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir uns für zwei Versionen entschieden: Im Juni ist zunächst eine Online-Edition und im Dezember, sofern hoffentlich möglich, eine Live-Edition zu erleben. Beide Formate stehen unter dem Motto BALKANS BEYOND BRASS.

Nachdem wir im vergangenen Jahr das 15. Festivaljubiläum mit vielen wunderbaren Künstlerinnen und Künstlern feiern konnten, die uns bisher eng verbunden haben, beschreiten wir in diesem Jahr neue Wege. Wieder steht Morgenland für den musikalischen Blick nach Osten, jenseits von Klischees. „Orient" und „Balkan" scheinen das gleiche Schicksal zu teilen, wenn es um musikalische Klischees geht.
Ähnlich wie der Vordere Orient ist auch der Balkan geprägt von einer Vielfalt ethnischer und kultureller Einflüsse und zeigt sich als geheimnisvolles Gesicht Europas. Beeinflusst vom Byzantinischen Reich und einer über 400-jährigen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich, von der Musik der Sepharden und Roma ist der Balkan ein wahrer Schnittpunkt von Ost und West in der Musik. So führt das Festivalprogramm BALKANS BEYOND BRASS auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise zu ungehörten musikalischen Schätzen: von orthodoxen Gesängen bis bulgarischer Hochzeitsmusik, von der Musik der Roma und Sepharden aus Moldawien bis zu uralten Gesängen Serbiens.

Die MORGENLAND ONLINE EDITION wird im ursprünglichen Festivalzeitraum vom 18. bis 27. Juni auf unserem YouTube-Kanal stattfinden. Unsere Musikerinnen und Musiker spielen in ihren Heimatländern und werden Sie mit Konzerten und Hintergrundinformationen aus Sarajevo, Belgrad, Thrakien, Budapest und Thessaloniki begeistern. Freuen Sie sich auf Divna Ljubojević & Melódi sowie Bojana Nikolić & Serbian Voices aus Belgrad, Amira Medunjanin, Merima Ključo & Jelena Milušić aus Sarajevo, Savina Yannatou aus Thessaloniki und viele mehr!

Entdecken Sie mit uns den unbekannten Balkan, entdecken Sie BALKANS BEYOND BRASS – ab 18. Juni online und vom 2. bis 6. Dezember 2020 live an verschiedenen Osnabrücker Konzertorten.

Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Michael Dreyer
Festivalleiter

Kontakt

Morgenland Festival Osnabrück 2020:
Balkans Beyond Brass
Lohstraße 45a
D-49074 Osnabrück

Telefon: +49 176 2324 3555
E-Mail: info@morgenland-festival.com

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Morgenland Festival Osnabrück 2020: Balkans Beyond Brass

Nataša Mirković © Laurent Ziegler
Konzert

Nataša Mirković & Osnabrücker Jugendchor

Nataša Mirković
Osnabrücker Jugendchor


Der Osnabrücker Jugendchor ist seit vielen Jahren ein kreativer Partner des Morgenland Festival Osnabrück. Gemeinsame Projekte führten in den Iran (Premiere der Bach’schen Johannes-Passion), Irak, Kasachstan, Kirgisistan, in die Türkei, in den Libanon, nach Syrien und Jordanien.

Die bosnische Sängerin Nataša Mirković wird in einem Workshop Chortraditionen aus dem Balkan präsentieren und mit den jungen SängerInnen erarbeiten. Gemeinsam gestalten die Sänger und Sängerinnen einen Prolog in der Kunsthalle Osnabrück am Vorabend der offiziellen Eröffnung.

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Theodosii Spassov Folk Quintet © Aleksandar Nishkov
Konzert

Theodosii Spassov Folk Quintet

Eröffnung

Theodosii Spassov, Kaval
Peyo Peev, Gadulka
Ivan Georgiev, Gaida
Petar Mlanov, Tambura
Genaddiy Rashkov, Tupan


Das Theodosii Spassov Folk Quintet bestreitet den zweiten Teil der Eröffnung des 16. Morgenland Festival Osnabrück. Im ersten Teil spielen Mehdi Aminian & Friends. Tickets können nur für beide Konzerte zusammen erworben werden.

Bulgarische Musik ist sowohl für seine außergewöhnlichen Rhythmen als auch für seine besonderen mikrotonalen Harmonien berühmt. Wer einmal mit bulgarischer Musik in Berührung gekommen ist, den lässt sie wohl nie wieder los. Der in Bulgarien als Genie gefeierte Theodosii Spassov hat einen völlig neuen Stil auf der Kaval (eine Hirtenflöte aus Holz und eines der ältesten Musikinstrumente Europas) entwickelt. Spassov ist tief in der bulgarischen Tradition verwurzelt und führte die Kaval als Instrument im Jazz und als Soloinstrument mit Orchester ein. Seine eigene Stücke vereinen gekonnt traditionelle bulgarische Volksmusik mit Jazz und klassischer Musik. Ob als Solist, im Zusammenspiel mit seinem Folk Quintet oder mit verschiedenen Ensembles und Symphonieorchestern gastiert Spassov weltweit.

Das Morgenland Festival präsentiert das Theodosii Spassov Folk Quintet, bestehend aus Theodosii Spassov (Kaval und Gesang), Peyo Peev, dem unübertroffenen Virtuosen auf der Gadulka (ein traditionelles bulgarisches Streichinstrument mit drei Saiten), Ivan Georgiev an der Gaida (bulgarische Sackpfeife), Petar Mlanov an Tambura (traditionelles bulgarisches Zupfinstrument mit vier oder acht Saiten) und Gitarre - Mlanov wuchs in den Rhodopen auf, ein architektonisch wie ethnographisch einzigartiges Gebiet Bulgariens, wo er verschiedene instrumentale Techniken und Stile entdeckte - und dem grandiosen Perkussionisten Genaddiy Rashkov an der Tupan (traditionale bulgarische zweifellige Basstrommel).

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Mehdi Aminian © Andreea Tanase
Konzert

Mehdi Aminian & Friends

Eröffnung

Maria Cassandra Hausi, Gesang (Rumänien)
Hristina Beleva, Gadulka (Bulgarien)
Mehdi Aminian, Ney, Setar, Gesang (Iran)
Ahmad Al Khatib, Oud (Palästina)
Emmanuel Hovhannisyan, Duduk (Armenien)
Nora Thiele, Perkussion (Deutschland)


Mehdi Aminian & Freude eröffnen das 16. Morgenland Festival Osnabrück. Das Theodosii Spassov Folk Quintet wird den zweiten Teil des Konzertes bestreiten. Tickets können nur für beide Konzerte zusammen erworben werden.

Mehdi Aminians Initiative Roots Revival umfasst bereits eine Reihe von Projekten, die MusikerInnen unterschiedlichen kultureller Hintergründe zusammenbringt, um verschiedene Genres akustischer Musik, beeinflusst von neuen sozio-kulturellen Phänomenen und Ideen, in einen Dialog mit zeitgenössischer Musik zu setzen. In Kooperation mit dem Morgenland Festival entstand sein Projekt "Timbres of Middle-East-Europe", das den Verbindungen der Musik des Balkans und des Vorderen Orient nachspürt. Das Programm ist inspiriert vom musikalischen Reichtum der Balkan-Region Maramureș, ein Teil von Nord-Transsylvanien, der an die Ukraine grenzt.

Roots Revival vereint Musik und akademischen Anspruch. Die Auswahl der MusikerInnen ist das Ergebnis eines intensiven Rechercheprozesses. Die MusikerInnen treffen jeweils zum ersten Mal aufeinander und arbeiten dann unter der Leitung des Kurators Mehdi Aminian zusammen an einem vorgegebenen Thema. Roots Revival will jungen professionellen MusikerInnen mit authentischen musikalischen Hintergründen die Gelegenheit bieten, sich auszutauschen und mit anderen Kulturen zu experimentieren und zu leben. Im Mittelpunkt steht dabei die Betonung unserer gemeinsamen Wurzeln als Menschen.

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Bogdan Văcărescu © Sarah Emma Smith
Konzert

Bogdan Văcărescu & Unicorn Frequency

Bogdan Văcărescu, Violine
Iinigo Mikeleiz Berrade, Akkordeon
Peter Michales, Gitarre
Dave Kelbie, Gitarre
Paul Moylan, Bass
Simon Roth, Perkussion


Ein Rezensent nannte den in Rumänien geborenen Londoner Violinisten Bogdan Văcărescu einen „geschickten Zauberkünstler, der seine Finger blitzschnell bewegt und den Bogen noch schneller“. Văcărescus technische Virtuosität erwecke den Eindruck, es spielten mindestens zwei Geiger gleichzeitig, meint ein Kollege. Văcărescu versprüht beim Musizieren eine Begeisterung, die direkt auf das Publikum überspringt. So verspricht auch dieses Konzert mit seinem Ensemble Unicorn Frequency eine abenteuerliche Reise zu werden. Mit fantastischer klassischer Technik ausgestattet verbindet Văcărescu elegische rumänische Melodien mit Perlen russischer Roma-Musik, ungarische Volkslieder mit den schleppenden Rhythmen bulgarischer Tänze, freie Improvisation und Jazz. Das Programm präsentiert Musik aus Rumänien, Serbien, Ungarn, Bulgarien und Italien. Ein Fokus liegt dabei auf der Musik Grigoras Dinicus. Dinicu (1889-1949) war einer der wichtigsten Violinisten und Komponisten Rumäniens und hat überall in Europa und den USA klassische und traditionelle rumänische Musik aufgeführt. Jascha Heifetz bezeichnete Dinicu einst als den größten Geiger, den er je gehört habe.

Unicorn Frequency wurde 2018 von Bogdan Văcărescu gegründet. Das Ensemble versammelt einige der hochkarätigsten Musiker der englischen Musikszene.

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Konzert

Ivo Papasov Wedding Band

Ivo Papasov, Klarinette
Maria Karafizieva, Gesang
Matyo Dobrev, Kaval
Ateshghan Yuseinovc, Gitarre
Nesho Neshev, Akkordeon
Vasil Mitev, Tasteninstrumente und Gadulka (gestrichenes Saiteninstrument)
Salif Ali, Perkussion


Bei den meisten von uns ruft die Bezeichnung "Wedding Band" wahrscheinlich Stirnrunzeln oder sogar Schaudern hervor, denn in Westeuropa ist darunter etwas völlig anderes zu verstehen als in Osteuropa. Besonders in Bulgarien ist die Hochzeitskapelle eigentlich das wichtigste an der gesamten Hochzeitsfeier – wichtiger noch als das Brautpaar! Das gilt umso mehr, wenn es sich um die Band der Klarinettenlegende Ivo Papasov handelt. Mit seiner Hochzeitsmusik, einer Mischung aus bulgarischer Volksmusik, zeitgenössischen Elementen und Jazz prägte er sowohl die bulgarische Musiklandschaft als auch die Weltmusikszene und ergänzte beides um neue Facetten, lange bevor Balkanbands in den 80er Jahren die Charts stürmten. Geboren ist Papasov in Kardschali, einer Stadt im Süden Bulgariens, unweit der Grenzen zu Türkei und Griechenland. Von diesen Wurzeln rührt vielleicht auch seine Passion für Grenzüberschreitungen her. Der Sohn einer Roma-Familie aus der Türkei ließ sein herausragendes Talent schon erkennen, als er als Neunjähriger anfing, Klarinette zu spielen. Was ihn neben der absoluten Kontrolle über sein Instrument so einzigartig macht, ist seine unermüdliche Neugier und Improvisationsgabe. "Ich fing an zu improvisieren, weil mich die Grenzen der bulgarischen Musik einengten", sagt Papasov – und Bulgarien hat wohlgemerkt eine der abwechslungsreichsten und komplexesten Musiktraditionen der Welt, sowohl was ihre Melodien und Harmonien als auch ihre Rhythmen angeht...

Die Musiker der Band passen perfekt zu Papasovs wildem musikalischen Ideenreichtum und meistern die Übergänge zwischen unprätentiösem traditionellen und anspruchsvollen Stil mit grandioser Souveränität. Auf komplex verschachtelte Passagen folgen spritzige Soli aller Musiker, und nie scheint einer von ihnen Luft holen zu müssen. Auch wir als Publikum dürfen uns auf ein atemberaubendes Vergnügen freuen.

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Merima Ključo © Marko Ercegović
Konzert

Merima Ključo – The Sarajevo-Haggadah: Music of the Book

Die charismatische Akkordeonistin und Komponistin Merima Ključo begeistert weltweit mit ihrem musikalischen Können und kühnen Kompositionen. In ihrem Werk 'The Sarajevo Haggadah' bedient sie sich musikalischer Traditionen aus Spanien, Italien, Österreich und Bosnien-Herzegowina, um die jahrhundertelange, wundersame Reise eines schmalen jüdischen Gebetsbuches, der Haggadah, zu erzählen: Geschaffen von Künstlern im Spanien des 15. Jahrhunderts führte ihr Weg bis ins Bosnien der Jahrhundertwende, wo sie unter glücklichen Umständen aus den Flammen gerettet wurde. Den visuellen Hintergrund für die musikalische Reise liefert der Videokünstler Bart Woodstrup, der auf subtile Weise die bildlichen Darstellungen in der Sarajevo-Haggadah mit der bewegten Geschichte des Buches selbst verbindet.

Die Schriftstellerin Geraldine Brooks beschreibt in ihrem historischen Roman People of the Book, die Haggadah sei so wundervoll illustriert, damit auch ein taubes Kind sie lesen und verstehen könne. Beflügelt von Brooks Roman schrieb Merima die Musik, während Woodstrup die unterschiedlichen Texturen der Illustrationen – und auch die Flecken und Alterspuren des Buches – wortwörtlich "illuminiert" und ihnen mit einer ganzen Palette digitaler Techniken Leben einhaucht. Seine Animationen bestehen nahezu vollständig aus den Bildern des Buches, die er jedoch auf abstrakte Weise arrangiert.

Die Geschichte der Sarajevo-Haggadah (Haggadah ist das hebräische Wort für Erzählung und bezieht sich auf jenen Text, der in der ersten Nacht des jüdischen Pessach rezitiert wird, darunter auch die Geschichte des Auszugs aus Ägypten) war im Bosnien der Nachkriegszeit durchaus bekannt. Die Belagerung von Sarajevo war die längste Belagerung einer Hauptstadt in der Geschichte der modernen Kriegsführung. Sie erstreckte sich über 1425 Tage und dauerte damit fast vier Jahre (ein Jahr länger als die Belagerung von Leningrad). In der Nacht vom 25. auf den 26. August 1992 wurde die Nationalbibliothek in Sarajevo, Symbol der multikulturellen Geschichte und Identität von Sarajevo und Bosnien, von Kanonen der Bosnisch-Serbischen Armee heftig beschossen. Das imposante Gebäude aus dem 19. Jahrhundert brannte bis auf seine Grundmauern nieder und mehr als 80 Prozent der Bestände gingen verloren. Ungefähr drei Millionen Bücher fielen den Flammen zum Opfer, darunter hunderte Originaldokumente aus dem Osmanischen Reich und der Österreich-Ungarischen-Monarchie. Auch unzählige andere Artefakte wurden zerstört. Es handelte sich um einen vorsätzlichen Angriff auf die kulturelle Identität eines Volkes. Es entstand sogar ein neues Wort zur Beschreibung dieser Tragödie: Kulturzid. Dieses Konzert und Merimas Musik sind lebendige Beispiele dafür, dass uns Musik dabei helfen kann, Unterschiede zu überwinden, die unsere verschiedenen Identitäten bedingen.

Merima Ključo – The Sarajevo-Haggadah: Music of the Book bewerten:

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Marin Bunea Ensemble, © Diana Bunea
Konzert

Marin Bunea Ensemble

Marin Bunea, Violine
Adam Stânga, Trompete
Petar Ralchev, Akkordeon
Andrei Druță, Panflöte
Sergiu Diaconu, Cobză
Ion Croitoru, Bass


Marin Bunea lädt dazu ein, in die musikalische Welt der Lăutari, der Roma-Musiker aus Moldavien, einzutauchen. Lăutari kommt von lăută, dem rumänischen Wort für Laute. Traditionell spielten die Mitglieder solcher Gruppen ihre muzica lăutărească auf Saiteninstrumenten. Der Violinist Marin Bunea entstammt einer alten Dynastie von Lăutari und ist auch außerhalb von Moldawien hochangesehen. Als Experte für das alte Repertoire und den speziellen Stil der Lăutari hält er ihre Tradition lebendig. Die Lăutari waren für ihre unvergleichbare Virtuosität, ihre einzigartigen Auftritte und ihr umfangreiches und vielfältiges Repertoire aus allen damaligen gängigen Genres bekannt. Marin Bunea faszinierten an den legendären Musikern nach eigener Aussage seit früher Jugend ihre technische Gewandtheit, stilistische Finesse und unheimliche Kunstfertigkeit. Diese Musik scheint direkt aus Marins Adern auf seine Violine überzugehen.

Die Musik der Lăutari variiert stilistisch in Rumänien und Moldawien von Region zu Region. Sie lebt von Improvisation und dem Geschick der Musiker. Auch der große rumänische Komponist George Enescu war, wie er selbst anmerkte, stark von der muzica lăutărească beeinflusst. Als er sie im Kindesalter hörte, sei seine Liebe zur Musik entflammt. Später inspirierte sie seine eigenen Kompositionen. Marin Buneas Ensemble hat eine Reihe renommierter Instrumentalisten vorzuweisen, etwa Adam Stânga an der Trompete, der selbst als Spross einer Familie von Lăutari deren Tradition aufrechterhält und für seinen leichten, sanften und dennoch durchdringenden Ton bekannt ist; am Akkordeon den Bulgaren Petar Ralchev, der als Begründer eines einzigartigen Stils gilt; an der Panflöte – ein Instrument, das seit dem 17. Jahrhundert in der Musik der Lăutari verwendet wird – Andrei Druță, der gekonnt Tradition und Moderne verbindet; Ion Croitoru, ein namhafter Virtuose am Kontrabass, bekannt für satten Klang, präzise Tongebung und seine durch die Lăutari inspirierten reichen Harmonien; nicht zuletzt Sergiu Diaconu an der Cobză, einer gezupften Kurzhalslaute. Sergius Spiel ist voll und rund und bildet einen fantastischen Kontrapunkt zu Marins Geigenspiel.

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Markus Schäfer, © Jonas Kaffine
Konzert

Hommage à Dinu Lipatti

Markus Schäfer, Tenor
Mihai Ungureanu, Klavier


Dinu Lipatti wurde im März 1917 in Bukarest geboren. In seinem kurzen Leben – er erlag mit 33 Jahren einem Hodgkin-Lymphom – brachte er es zu weltweitem Ruhm als "Prinz der Pianisten”. Mit seiner herausragenden Begabung, seinem außergewöhnlich klaren Spiel und seinen bestechenden Interpretationen gewann Lipatti rasch die Anerkennung und Bewunderung der musikalischen Koryphäen seiner Zeit. Er war einer der vielversprechendsten Pianisten seiner Generation, tat sich als Dirigent hervor und strebte eine Komponistenkarriere an. Sein berühmter Taufpate und Lehrer George Enesco sagte über ihn: "Ich halte es für wichtig, bei all seinem Ruhm als Pianist nicht seine Qualitäten als Komponist aus den Augen zu verlieren". Der heutige Abend ist daher dem Komponisten Lipatti gewidmet, dessen 70. Todesjahr wir 2020 begehen. Während seiner Karriere als Pianist vernachlässigte er niemals das Komponieren, das für ihn Herausforderung und Notwendigkeit gleichermaßen war. Seine frühen Arbeiten weisen eine Nähe zur Neo-Romantik und Neo-Klassik auf, zudem war er stark von der Rumänischen Schule (George Enesco, Mihail Jora, Filip Lazar) beeinflusst. In seiner Spätphase wandte er sich besonders zwei Strömungen zu – der rumänischen und der zeitgenössischen Musik –, und brachte sie in seinen Kompositionen miteinander in Dialog. Wäre Lipatti beschieden gewesen, all seine musikalische Intelligenz und sein kreativen Potenzial voll auszuschöpfen, er wäre wohl einer der größten Musiker des 20. Jahrhunderts geworden.

In ihrer Lipatti-Biografie nehmen die beiden Musikwissenschaftler Dragos Tanasescu und Grigore Bargauanu Lipattis Kompositionen genauer unter die Lupe:

"Lipattis Spätwerk enthält zwei Liederzyklen. Diese beiden von poetischen Quellen inspirierten Zyklen bilden strukturell, formal und motivisch eine Einheit. Die Qualität der Gedichte ist mit zurückhaltender Sensibilität eingefangen. Der erste der beiden Zyklen greift Gedichte von Verlaine auf und besteht aus fünf Liedern für Tenor und Klavier (1941). In der Raffinesse und Inspiration der Musik spiegelt sich die große Kunstfertigkeit des Komponisten wider. Der Gesangspart besteht je nachdem, was der Text fordert, aus Rezitativen mit freiem improvisatorischen Charakter, und schlichten Melodien. Die impressionistische Harmoniebegleitung ist eng mit der Singstimme geführt, mal vorwegnehmend, mal parallel, mal wie ein Echo der Gesangstimme. Gelegentliche chromatische Passagen greifen die jeweilige Stimmung der Gedichte auf. Der zweite Zyklus, "Quatre Mélodies“ für Tenor und Klavier (1945), widmet sich Gedichten von Rimbaud, Éluard und Valéry. Die Lieder sind einfach und konzis, das Rezitativ nahezu gesprochen, die Begleitung schlicht."

Die Fantasie für Klavier solo (1940) ist das tiefgründigste unter Lipattis Klavierkompositionen und markiert eine qualitative Zäsur in Lipattis Werk. Lipatti plante, sie zu einer Symphonie auszuarbeiten. Im Programm ist der vierte der fünf Teile der Fantasie, das Allegretto Cantabile, dessen subtiler rumänischer Einschlag und die ruhige Entwicklung der Melodie mit seiner klassischen Umsetzung harmonieren.

George Enescu (1881-1955) war eine der größten musikalischen Figuren des 20. Jahrhunderts, und dennoch ist er heute, 65 Jahre nach seinem Tod, außerhalb Rumäniens weitgehend unbekannt und sein Werk in seinem enormen Einfluss unterschätzt. Seine komplexen und anspruchsvollen Kompositionen verlangen ihren Interpreten nicht nur bei der Entschlüsselung der Partituren einiges ab. Kennzeichnend für den rumänischen Komponisten ist sein sehr persönlicher Umgang mit Klang sowie seine spezifische Art, orchestrale Texturen zu verbinden und jede einzelne Stimme in einer Komposition hervorzuheben. Auf dem Programm stehen seine "Sieben Lieder von Clément Marot für Gesang & Klavier, op. 15". Dieser neo-klassizistische Liederzyklus basiert auf einer Reihe von Liebesgedichten von Clément Marot. Stilistisch variieren die Lieder zwischen schlichter Einfachheit und unumwundenem Impressionismus. Der Liederzyklus wurde 1908 uraufgeführt.

Die rumänische Komponistin Violeta Dinescu wurde 1953 in Bukarest geboren und lebt heute in Deutschland. 1972 nahm sie ihr Kompositionsstudium bei Myriam Marbe am Konservatorium Ciprian Porumbescu auf, wo sie 1977 das Staatsexamen mit Auszeichnung und Diplomen in Komposition, Klavier und Pädagogik absolvierte. Sie begann, an der Musikschule George Enescu in Bukarest Musikgeschichte, Ästhetik, Kontrapunkt, Harmonielehre und Klavier zu unterrichten. 1980 trat sie dem Rumänischen Komponistenverband bei. Seit 1986, lehrt sie an den Musikakademien in Heidelberg, Frankfurt und Bayreuth, 1996 trat sie die Professur für Musiktheorie und angewandte Komposition an der Universität Oldenburg an, wo sie seitdem auch zu einem wöchentlichen internationalen Komponisten-Colloquium einlädt, zu dessen Gästen Mauricio Kagel, Krzysztof Penderecki, Stefan Niculescu, Aurel Stroe, Jean-Luc Darbellay und Graham Waterhouse zählten. Im Programm hören wir den Liederzyklus "Mein Auge ist zu allen sieben Sphären zurückgekehrt" (2017) auf Texte von Dantes "Das Paradies". Das Werk wurde von Jenny Abel in Auftrag gegeben und wird in seiner Gesamtheit im Rahmen des Morgenland Festival Osnabrück uraufgeführt.

Der deutsche Tenor Markus Schäfer feierte als Liedinterpret große Erfolge in New York (Lincoln Center), Wien, bei den Schubertiaden in Feldkirch und Schwarzenberg, in der Wigmore Hall in London und auf dem Heidelberger Frühling. Seine CD-Aufnahmen sind mehrfach preisgekrönt (u.a. Grammy für die Matthäus-Passion mit Nikolaus Harnoncourt). Seit 2008 ist Markus als Professor für Gesang an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover tätig.

Der rumänische Pianist Mihai Ungureanu war erst 16 Jahre alt, als er mit einer Darbietung von Liszts erstem Klavierkonzert debütierte. Seit 1981 gastiert Ungureanu mit den wichtigsten Symphonieorchestern Rumäniens und tourt als Solist sowie in verschiedenen Kammermusikformationen weltweit. Mit Markus Schäfer arbeitet er seit 2017 zusammen.

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Ähnlich wie der Vordere Orient ist auch der Balkan geprägt von einer Vielfalt ethnischer und kultureller Einflüsse und zeigt sich als geheimnisvolles Gesicht Europas. Beeinflusst vom Byzantinischen Reich und einer über 400-jährigen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich, von der Musik der Sepharden und Roma ist der Balkan ein wahrer Schnittpunkt von Ost und West in der Musik. So führt das Festivalprogramm BALKANS BEYOND BRASS auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise zu ungehörten musikalischen Schätzen: von orthodoxen Gesängen bis bulgarischer Hochzeitsmusik, von der Musik der Roma und Sepharden aus Moldawien bis zu uralten Gesängen Serbiens.

Die MORGENLAND ONLINE EDITION wird im ursprünglichen Festivalzeitraum vom 18. bis 27. Juni auf unserem YouTube-Kanal stattfinden. Unsere Musikerinnen und Musiker spielen in ihren Heimatländern und werden Sie mit Konzerten und Hintergrundinformationen aus Sarajevo, Belgrad, Thrakien, Budapest und Thessaloniki begeistern. Freuen Sie sich auf Divna Ljubojević & Melódi sowie Bojana Nikolić & Serbian Voices aus Belgrad, Amira Medunjanin, Merima Ključo & Jelena Milušić aus Sarajevo, Savina Yannatou aus Thessaloniki und viele mehr!

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Ereignisse / Festival Summerwinds Münsterland Münster, Fürstenbergstr. 14
Ereignisse / Festival MünsterlandFestival Greven, Airportallee 1
Ereignisse / Wettbewerb Neue Stimmen Wettbewerb Güthersloh Gütersloh, Carl-Bertelsmann-Str. 256
Ereignisse / Kundgebung QUERDENKEN-341 und QUERDENKEN-711
Sa, 7.11.2020, 13:00 Uhr
Ereignisse / Kulturveranstaltung LWL-Freilichtmuseum Detmold
Fr, 4.12.2020, 09:00 Uhr
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kurhaus Bad Hamm Hamm, Ostenallee 87

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