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Erik-Bosgraaf, © Paul und Menno de Nooijer
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summerwinds münsterland

Summerwinds Münsterland. Internationales Holzbläser Festival
24. Juni bis 2. September 2022


Wieder durchweht das internationale Holzbläserfestival Summerwinds Münsterland den Nordwesten Nordrhein-WWestfalens. Vom 24. Juni bis zum 2. September 2022 präsentieren wir, die GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit, in Kooperation mit mehr als 50 Partnern in der Region an attraktiven Spielorten hochkarätige Konzerte aus Klassik, Crossover, Weltmusik. In diversen, traditionellen und originellen, Ensemblekonstellationen sind Vielfalt, Farbigkeit und Innovationsreichtum der Holzbläserszene zu erleben.

Ein Festival, das die Holzblasinstrumente in den Fokus nimmt, ist in Europa einzigartig. Und für alle ist etwas Besonderes dabei. Wir bieten Programme mit Musik von der Renaissance bis heute mit international renommierten Solist:innen und Ensembles, mit Big Names, aber auch Rising Stars, die Preisträger großer Wettbewerbe sind, und mit solchen Interpret:innen, die als Geheimtipp gelten. Reine Holzbläser- und gemischte Kammermusik-Ensembles, bunt besetzte Bands sowie Orchester mit Solist eröffnen die reichen Klangwelten der „woodwinds“. In herkömmlichen und experimentellen Besetzungen kommen die klassischen Holzblasinstrumente – Blockflöte und Flöte, Oboe, Klarinette, Saxophon und Fagott – auf die Bühne. Aber auch die chinesische Sheng und die Bawu, die irische Flöte, die litauische Birbyne und die Ney sind in originellen Line-ups zu erleben.

Klein und fein, immer besonders – auch die Summerwinds-Spielorte sind eine Reise wert: das typisch münsterländische Wasserschloss oder das „Westfälische Versailles“, der umgenutzte Gutshof oder das klassizistische Herrenhaus, barocke und zeitgenössische, atmosphärisch und akustisch besonders schöne Kirchen, Klosteranlagen, die als spirituelles oder kulturelles Zentrum genutzt werden, das moderne Kunst-, Heimat- oder Themenmuseum, das Theater. Wer die Konzerte besucht, lernt auch die Region, ihre Gegenwart und ihre Geschichte, Land und Leute kennen.

Nicht mehr geschmäht, wird sie heute geliebt und gerockt: die Blockflöte. So eröffnet der beliebte BlockBuster auch 2022 das Summerwinds-Festival. Vom 24. bis 26. Juni steht in Münster die Blockflöte im Zentrum. Abendkonzerte präsentieren weltweit gastierende Solisten und Ensembles aus den Niederlanden. Tagsüber wird die lichtdurchflutete Bürgerhalle der Bezirksregierung am Domplatz zur „Messehalle“. Hier bieten namhafte Blockflötenbauer und -firmen ihre Instrumente an, Musikalienhandlungen all das, was man rund um die Blockflöte braucht. Es gibt Workshops und Konzerte mit ausgewählten Laien- und Nachwuchsensembles.

Lassen Sie sich in diesem Sommer von unsrer Musik durchwehn! Herzlich lade ich Sie zu sanften Brisen und musikalischen Stürmen im Münsterland ein.

Susanne Schulte
Intendantin, Leiterin der GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit

Kontakt

summerwinds münsterland
Veranstalter: GWK - Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit e.V.
Fürstenbergstraße 14
A-48147 Münster

Telefon: (0)251 / 591 30 41
Fax: (0)251 / 591 65 40
E-Mail: gwk@lwl.org

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Konzert

François Lazarevitch & La Fonte Barockorchester, Fabrizio Ventura

Paris!

La Fonte Barockorchester
Farizio Ventura, Leitung
François Lazarevitch, Traversflöte
Daniel Glowotz, Moderation


François-Joseph Gossec (1734–1829): Symphonie op. 5 Nr. 3 D-Dur, „La Pastorella“
François Devienne (1759–1803): Konzert für die Traversflöte Nr. 6 D-Dur
Johann Friedrich Klöffler (1725–1790): Symphonie périodique No. 23 D-Dur
Joseph Haydn (1732–1809): Symphonie Nr. 87 A-Dur Hob. I:87, „Pariser Symphonie“

Es gibt etwas zu entdecken: die Fürst zu Bentheimsche Musikaliensammlung Burgsteinfurt und die Paris-connection der Grafen zu Bentheim und Steinfurt im 18. Jahrhundert. Mit diesen das reiche, international geprägte Musikleben im damaligen Westfalen – und das jüngst von Fabrizio Ventura gegründete Westfälische Barockorchester „La Fonte“.

Zusammen mit François Lazarevitch, einem der führenden Barockflötisten unserer Zeit, und La Fonte lässt der ehemalige Generalmusikdirektor der Stadt Münster, der regelmäßig als Dirigent u.a. bei den Festwochen der Alten Musik Innsbruck und den Händel Festspielen Göttingen tätig ist, die alten Quellen sprudeln. An ihrem Ursprungsort wecken die Spezialist:innen für Alte Musik die faszinierende Burgsteinfurter Sammlung zu neuem Leben.

Auch am Bentheim-Steinfurtschen Hof herrschte im 18. Jh. der Pariser Geschmack, was sowohl die Bagno Konzertgalerie als auch die Zusammenstellung der Musikbibliothek der Fürsten bezeugt. Sie enthält in Drucken und Handschriften Noten u. a. von konzertanten Sinfonien, Kompositionen für mehrere Solisten und Orchester. Wurden diese am Hofe aufgeführt, so trumpften die Grafen Karl und sein Sohn Ludwig, Könner auf dem Modeinstrument jener Zeit, selber als Solisten an der Traversflöte auf.

Solist in La Fontes „Paris!“ ist François Lazarevitch. Weltweit ist der Flötist und Leiter der Musiciens de Saint-Julien für seine einfallsreichen Interpretationen traditioneller französischer Musik und die Raffinesse seiner Phrasierungs- und Verzierungskunst bekannt.

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Konzert

Ney Trio

Sema

Murat Cakmaz, Ney
Markus Conrad, Gitarre
Jaime Moraga Vasquez, Perkussion


Sufitänze als Weltmusik

Mitreißende Grenzgänge zwischen Orient und Okzident, meditative Begegnungen zwischen Tradition und Moderne. Im Vordergrund dieser originellen Weltmusik: Ney und Duduk. Murat Cakmaz ist einer der gefragtesten Neyspieler in Europa und einer der wenigen überhaupt, die die Rohrflöte der Sufis virtuos beherrschen.

Für die Ney hat Cakmaz eine spezielle Spieltechnik entwickelt, mit der er sowohl westliche als auch östliche Klänge erzeugen kann. Mit dem Perkussionisten Jaime Moraga Vasquez, der in klassischer wie Neuer Musik und Jazz-Improvisation erfahren ist, und Markus Conrad, der an der Gitarre Jazz, Blues und Weltmusik ausdrucksstark vereint, präsentiert er ein originelles Programm in einem außergewöhnlichen Trio-Sound.

Uralte Sufistücke, zu denen die Derwische den Sema, ihren Drehtanz tanzen, haben sich die Drei auf ihre Weise „gedreht“. Ungerade Rhythmen, zarte, leise, poetische Klänge, jazzige Improvisationen und Eigenkompositionen, all dies in ihrer ganz eigenen Weltmusik-Sprache: Ob auch das Trio damit in die Drehbewegung gerät, die, nach den Sufis, das ganze Universum durchzieht, von der kleinsten Zelle bis zu den Sternen, vom Augenblick der Schöpfung bis zum Blutkreislauf des Menschen?

Ziel der Sufis ist es, Gott, dem Geliebten, durch die Liebe nah zu sein, ihn in Gedanken und Taten zu lieben, die eigenen Wünsche zurückzulassen. „Sufismus bedeutet, nichts zu besitzen und von nichts besessen zu werden.“ (Abu Nasr as-Sarradsch)

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Jerusalem Duo
Konzert

Subtilu-Z & Jerusalem Duo

Rock You

Subtilu-Z: Laurynas Vaitkus, Tenor-Birbynė, Pipe
Tautvydas Jurkša, Akkordeon, Keytar
Žygimantas Baltrūnas, Akkordeon, Klavier
Vytautas Švažas, Drums, Percussion

Special Guest:
Jerusalem Duo:
Andre Tsirlin, Saxophon
Hila Ofek, Harfe


Eigenkompositionen, Cover von Popsongs und populären Jazz-Nummern

„Rock you“ – Subtilu-Z rockt dich wie ein Hurricane: volle Power und intensiv, dabei raffiniert und subtil, mit dem gewissen Etwas: „Z“. Dazwischen sanfte Lüftchen und Sonnenuntergang in allen Rots. Subtilu-Z packt mit einem originären Sound, der seine Heimat in Litauen und zugleich eine vielfältige Herkunft hat, aus Rock und Jazz und Funk, aus Fusion, Modern Folk, Volksmusik.

Schon die Besetzung ist einzigartig, wobei nicht zuletzt Laurynas Vaitkus mit seiner Birbynė den besonderen Klang ausmacht. Das litauische Volksinstrument ist eine Art Klarinette, ein Einfachrohrblattinstrument mit einem Rohr aus Holz, Grifflöchern und einem Schallbecher aus Kuhhorn. Ihr Timbre erscheint wie eine Mischung aus Klarinette, Saxophon, Trompete und Oboe.

Souverän lässt sich Subtilu-Z inspirieren, vom Leben, das die Viere zuhause und medial umgibt, dem sie auf Reisen und den Konzertreisen begegnen, die sie durch Europa, die USA und China führen. Immer sind die Eigenkompositionen wie die Cover-Versionen – von Disclosure bis zu den Scorpions, von Trompetern wie Nils Wülker, Ibrahim Maalouf oder Roy Hargrove – und die für das Quartett geschriebenen Stücke „the sound of inner space“: „Unser Leben ist farbenreich, voller Energie, Tatkraft, Melancholie, Träumen und Traurigkeiten. Unser Kopf formuliert all das, gibt ihm musikalisch Gestalt.“ Oder, wie Giora Feidman zu Laurynas Vaitkus einmal sagte: „Dein Instrument ist das Mikrophon deiner Seele.“

Special Guest des Abends und kongenialer Partner für elektrisierende Improvisationen ist das israelische Jerusalem Duo: Andre Tsirlin am Saxophon und Hila Ofek, Enkelin Giora Feidmans, an der Harfe (vgl. auch Doppelkonzert Duo Ventus & Jerusalem Duo in Senden).

www.subtilu-z.com/ | www.jerusalemduo.com/

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Konzert

Dianto Reed Quintet

Alborada

Dianto Reed Quintet:
María González Bullón, Oboe
María Luisa Olmos Ros, Klarinette
Erik Steven Rojas, Bassklarinette
Ovidi Martí Garasa, Saxophon
María Losada Burgo, Fagott


Jean-Philippe Rameau (1683–1764): La Triomphante
Enrique Granados (1867–1916): Oriental, aus: Doce danzas españolas
Manuel de Falla (1876–1946): El amor brujo
Ton ter Doest (1964*): Circus Muziek (1990)*
Robert Schumann (1810–1856): Waldszenen, op. 82*
Traditional: Katalanisches Lied „El cant dels ocells”
Xoan Montes Capón (1840–1899): Negra sombra
Julio Medaglia (1938*): El Porsche Negro, aus: Belle-Époque in Sud-America
Paquito D’Rivera (1948*): Alborada & Vals Venezolano, aus: Aires Tropicales
*ausgewählte Sätze

Alborada – „Morgenständchen“ könnte über den Auftritten des jungen Dianto Reed Quintet stehn. Denn für die Spanier:innen, die in Amsterdam studieren und als Ensemble jüngst wichtige niederländische Preise gewonnen haben, geht derzeit die Sonne auf. Dianto ist Newcomer und auf dem Sprung in eine internationale Karriere. Mit dem Gastspiel bei Summerwinds geben die temperamentvollen Fünf ihr Deutschland-Debut.

Dianto Reed ist ein cutting-edge Quintett: innovativ und top ausgebildet, mit starker Bühnenpräsenz, Energie und Individualität. So wie sein großes Vorbild Calefax, das die Gattung „Rohrblattquintett“ mit ihrem speziellen, mannigfaltigen Sound vor rund 40 Jahren allererst – in Amsterdam – erfunden hat und das Kritiker preisen als „ein klassisches Ensemble mit Pop-Mentalität“.

Dianto ist ein Wort aus dem Esperanto, der einzigen existierenden Plansprache, die aus diversen natürlichen Sprachen konstruiert und ähnlich universal ist wie die Musik. Der Ensemblename weist weist auf die Nelke als die typisch mediterrane Blume, damit auf die südliche Herkunft der Gruppe und zugleich auf ihre allerhöchsten Ambitionen, ist doch die Nelke die Blume des Göttervaters Zeus. Dessen Freiheit und Souveränität nehmen die Diantos bei der Gestaltung ihrer Programme für sich in Anspruch. „Alborada“ ist ein spanisch-lateinamerikanisch gefärbtes Esperanto, das begeistert und überrascht: Die Rohrblättler:innen lösen die musikalischen Sätze zum Teil aus ihrem Ursprungszusammenhang heraus und mixen sie kontrast- und spannungsreich neu nach ihrem eigenen Gusto. Dazu kommt – sie spielen auswendig und im Stehen – eine Choreographie, die die Musik und ihre Kontraste noch stärker macht. So steigt in „Alborada“ der Tag mit all seinen Möglichkeiten auf, den schwarzen Schatten der Melancholie und dem Rasen des schwarzen Porsche, orientalischem Tanz, Walzer und Tango, romantischen Waldszenen und einem Liebeszauber.

www.diantoreedquintet.com

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Konzert

Five Sax

In Time

Five Sax:
Michał Knot, Damiano Grandesso, Alvaro Collao Leon, Joel Diegert, Charles Hon Sun Ng - Saxophon


Igor Stravinsky (1882–1971): Russischer Tanz, aus: Petruschka
Kurt Weill (1900–1950): Die Dreigroschenoper*
Leonard Bernstein (1918–1990): West Side Story*
Rune Tonsgaard Sørensen (1983*): Shine You No More
Enrique Granados (1867–1916): Berceuse
Chick Corea (*1941): Children’s Songs*
Astor Piazzolla (1921–1992): Fuga y Misterio
Richard Galliano (*1950): Tango pour Claude
Astor Piazzolla: Michelangelo 70
Grigoraș Dinicu (1889–1949): Hora Martisoare
*Auswahl

Mit den Rhythmen der Welt sind sie aufgewachsen, die Five Sax aus Polen und Italien, den USA, Chile und Hong Kong. Gefunden haben sie sich im so hippen wie altehrwürdigen Wien, wo sie klassisches Saxophon studierten und sich ihren Lebensunterhalt zu Beginn mit ihrer Musik verdienten – als Straßenband in der Altstadt. Dazu kamen Preisgelder. Denn bei zahlreichen Wettbewerben wurden die Musiker ausgezeichnet, sie alle sind auch hervorragende Solisten mit ausgeprägter Persönlichkeit. Spontaneität und Souveränität, der Witz und die Direktheit des Straßenmusikers zeichnen die Five Sax aus, und selbstverständlich ihr superbes Können, mit dem sie auch in großen Konzertsälen Europas und Asiens, Süd- und Nordamerikas glänzen.

In time – Musik ist eine Zeit-Kunst. Sie arbeitet in der Zeit, mit Zeit. Jedes Stück erschafft seine eigene Zeit, gestaltet Zeit durch Tondauer, Metrum, Rhythmus, Tempo. Durch perfektes Timing, mit Feeling und Puls, die von heute sind, tun sich die fünf Saxer von den drei Kontinenten hervor.

Mit „In Time“ stellt die klassische Band den musikalischen Rhythmus aus. Extrem rhythmisch geprägte, langsam-sanfte und ruppig-schnelle Stücke der Klassik, die sich u. a. an Volksmusik inspirieren, Tango Nuevo und Jazz stehen auf dem Programm. Speziell für das Saxophonquintett arrangiert, überrascht Bekanntes und Altes klingt ausgefallen aktuell.

www.fivesax.com

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Konzert

Linos Ensemble

Quintette plus

Linos:
Kersten McCall, Flöte
Kai Frömbgen, Oboe
Rainer Müller-van Recum, Klarinette
Frank Forst, Fagott
Sibylle Mahni, Horn
Konstanze Eickhorst, Klavier


Ludwig van Beethoven (1770–1827): Quintett Es-Dur op. 16, für Klavier, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn
Gustav Holst (1874–1934): Quintett As-Dur op. 14, für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn
Maurice Thiriet (1906–1972): Lais et Virelais, für Oboe, Klarinette, Fagott
Wolfgang A. Mozart (1756–1792): Quintett Es-Dur KV 452, für Klavier, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn

Famose Gestaltungskraft, Perfektion und Wagnis, Klarheit und Enthusiasmus, Sanglichkeit, Schönheit: seit mehr als 40 Jahren begeistert das Linos Ensemble Publikum und Kritik.

1977 benannten die Musiker:innen ihr neues Ensemble nach Linos, dem mythischen Sänger. Der hatte, wie sein Bruder Orpheus, den Vater beerbt: Apollon, den Gott der Kunst, vor allem des Gesangs, den Gott des Lichtes, des Maßes und der Heilung. Linos’ Mutter war Kalliope, die Schönstimmige, die älteste und weiseste der Musen. Und die „Sänger:innen“ schlossen sich W. Furtwängler an: „Ich kämpfe gegen das Konstruierte, das Ungestaltete, das Abgestorbene in der Kunst.“ Diesen „Gründungsgestus von erfrischender Neugier, unkonventionellem Impetus und Traditionskritik“ (Stuttgarter Nachrichten) hat sich das Linos Ensemble bis heute erhalten.

Mit Holst und Thiriet bringt Linos Metamorphosen Alter Musik im 20. Jh. auf die Bühne. Der französische Neoklassiker greift mit seinen „lais“ freie lyrische Formen, mit den „virelais“ eine populäre Lied- und Tanzform des Mittelalters auf. Der Engländer Holst „barockisiert“, etwa mit einem volksliedhaften Thema, das er in einer Suite von Tänzen im Schlusssatz seines Quintetts variiert. Mozart dagegen experimentiert. So erfand er mit KV 452 das Genre des Quintetts für Klavier und Bläser. Unentwegt geht es darin zwischen ihnen hin und her: „hinspielen, übernehmen, zurückspielen, wieder übernehmen, anders weitergeben. Das sind ganz große Momente …“ (H. J. Schellenberger). Tritt der junge Beethoven mit seinem Quintett in Wettstreit mit Mozart? Trotz Anklängen an Mozarts Opern findet er einen neuen Ton. Schroff setzt er Akzente, bringt das Klavier raumgreifend-kraftvoll mit den Bläsern in Dialog, als wären sie Klanggruppen eines Orchesters.

www.linos-enmseble.de

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Konzert

Duo Revelio

Revelare

Anissa Baniahmad, Flöte
Jesse Flowers, Gitarre


Johann Sebastian Bach (1685–1750): Sonata e-Moll, BWV 1034°
Fernando Sor (1778–1839): Variations Brillantes über Mozarts „Die Zauberflöte“ für Gitarre solo
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Klaviersonate Nr. 10 C-Dur, KV 330*
Máximo Diego Pujol (*1957): Suite Buenos Aires
Heitor Villa-Lobos (1887–1959): Aria, aus: Bachianas Brasileiras Nr. 5, W389
Astor Piazzolla (1921–1992): Histoire du Tango
*Arr. Jesse Flowers

Ob es sich nach dem Revelio-Zauber in „Harry Potter“ benannt hat, der verborgene Dinge, Botschaften, Lebewesen sichtbar macht und das wahre Äußre solcher Menschen enthüllt, die ihre Gestalt verzaubert haben? Lateinisch revelare heißt „enthüllen, offenbaren“, und das Duo Revelio offenbart, was sich in den Noten verbirgt: die Musik, seine Musik. Ein guter Zauber, der bezaubert.

Anissa Baniahmad und Jesse Flowers studierten u.a. an der Universität der Künste Berlin und wurden solistisch und als Duo Revelio mehrfach, auch international, ausgezeichnet. Flowers ist seit kurzem Professor an der Akademie für Tonkunst Darmstadt.

Aus dem Norden erklingen Bach und Mozart, aus dem Süden Variationen des Spaniers Sor über „Das klinget so herrlich“ aus der „Zauberflöte“ und eine sanfte Kantilene aus den Bachianas Brasileiras, in denen Villa-Lobos Bach’sches und brasilianische Volksmusik verschmilzt. Ergreifend das Andante in Bachs Flötensonate, eine innig-lyrische Melodie mit langem Bogen, ausgelassen der Schlusssatz. Fröhlicher noch als im Original kommt Mozarts erster Satz seiner Klaviersonate C-Dur auf Flöte und Gitarre daher, wie eine italienische Arie das Andante, das Finale marschartig, voller dynamischer Gegensätze.

Sind dazu Piazzolla und Pujol das heutige argentinische Pendant? Piazzolla lässt die Geschichte des Tangos revuepassieren, von der Tanzmusik der 1880er Jahre bis zu seinem eigenen Tango Nuevo, mit dem er, von Bach, vom Jazz und der klassischen Moderne beeinflusst, den Tango revolutionierte. Eine Generation später zeigt sich sein Landsmann Pujol vom Neuen Tango und argentinischer Folklore geprägt, wenn er die Viertel seiner Heimatstadt Buenos Aires herbeizaubert: das heitere Pompeya, wo die klassischen Tangos entstanden, das ruhige Palermo der Mittelklasse, das historische San Telmo, das quirlige Business Distrikt Microcento.

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Konzert

Los Temperamentos

Tanze das Leben – Entre dos Tiempos

Los Temperamentos:
Felipe Maximiliano Egaña Labrín, Traversflöte
Swantje Tams, Freier Gesang, Blockflöte
Marina Kakuno u. Alice Vaz, Barockvioline
Néstor Fabián Cortés Garzón, Barockvioloncello
Hugo Miguel de Rodas Sanchez, Erzlaute/Barockgitarre
Nadine Remmert, Cembalo
Miguel Angel Altamar de la Torre, Perkussion


Henry Purcell (1659–1695): The Fairy Queen: Bird’s Prelude | Chaconne of Chinese Man and Women
Anonym aus Peru: Cachua La Despedida | Tonada La Brujita | Tonada El Conejo (Kodex Martínez Compañón, 18. Jh.)
Anonym Trad. aus Mexiko: Son La Candela
Georg Philipp Telemann (1681–1767): Fantasie Nr. 8 TWV 40:9, aus: 12 Fantasien für Flauto traverso solo
Benedetto Giacomo Marcello (1686–1739): Ciaccona, aus: XII Suonate a Flauto Solo, op.2
Diverse Komponisten: Variationen über „La Folia“
Anonym Trad. aus Venezuela: Polo Margariteño
Anonym aus Peru: Bayle de danzantes con pifano y tamboril | Bayle del Chimo a violin y bajo | Cachua „Niño il mijor“ | Cachua „Dennos Lecencia“ (Kodex Martínez Compañón, 18. Jh.)

Temperamentvoll wie kaum ein andres Ensemble spielt Los Temperamentos zum Tanz zwischen den Zeiten und Welten auf – mit affektreich-effektvoller Barockmusik aus Lateinamerika und Europa. Die Tänze sind fremd und vertraut zugleich: bailes und danzas, Cachua und Tonada, Polo oder Son und Chaconne.

Bestens ausgebildet an der Hochschule für Künste Bremen, sind die Virtuos:innen aus Südamerika und Deutschland auch musikhistorisch topinformiert. Ihr Spezialgebiet neben dem europäischen Barock: die neue Musik, die im 17. und 18. Jh. in Übersee aus der Verschmelzung der Musik der spanischen Missionare mit der der Inkas entstand. Baltasar Jaime Martínez Compañón, damals Bischof von Trujillo in Peru, hat sie in Handschriften – zusammen mit Aquarellen, die das Leben in seiner Diözese abbilden – gesammelt und zu einem Kodex gebunden.

Entre dos tiempos, zwischen zwei Zeiten: der Zeit der Ruhe im Vertrauten und der des Vorstoßes ins Fremde, der Zeit des Hasses und jener der Liebe, der Trauer oder der Freude, des Gebens, des Aufnehmens oder Nehmens. Alles hat seine Zeit. Und wir sind immer im Zwischen, im Für-und-Wider der Gedanken, im Hin-und-Her der Emotionen, im Nebeneinander der Kulturen, aus dem ein fruchtbares Miteinander erwachsen kann. Immer ist Bewegung, es gibt keinen Stillstand. Immer sind wir in Bewegung, und im schönsten Fall ist das Leben ein Tanz.

www.lostemperamentos.de

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Konzert

Blaž Sparovec & c/o chamber orchestra

GO EAST

Blaz Sparovec, Klarinette
c/o chamber orchestra


Grażyna Bacewicz (1909–1969): Konzert für Streichorchester
Krzysztof Penderecki (1933–2020): Sinfonietta Nr. 2
Andrzej Panufnik (1914–1991): Altpolnische Suite für Streichorchester
Mátyás Seiber (1905–1960): Concertino für Klarinette und Streicher
Béla Bártok (1881–1945): Rumänische Volkstänze

Blaž Šparovec, einer der international führenden jungen Klarinettist:innen, trifft sich mit dem c/o chamber orchestra aus Berlin, in dem Individualist:innen aus zwölf Ländern miteinander spielen – ohne Dirigenten. „c/o“ steht für chamber orchestra und care of, „in Obhut von“: „Ein Komponist schreibt Noten auf Papier, doch das Geschriebene wird erst Musik, wenn wir Interpret:innen es zum Leben bringen – jeder und jede und alle gemeinsam, in jeder Aufführung aufs Neue, wie zum ersten Mal.“

Go East, nach Osten, auf Entdeckungstour: Grażyna Bacewicz, eine der bedeutendsten polnischen Komponist:innen, hatte 1948 mit ihrem expressiv-neoklassizistischen Konzert international Erfolg. Selbstbewusst-festlich der Beginn, im Andante eine innige Melodie über mysteriös-schillerndem Grund, das Vivo schäumt über vor Lebensfreude und Kraft. Betörend die Klarinette zu Beginn von Pendereckis 2. Sinfonietta (1994), im Scherzo kämpft sie heftig mit den Streichern, wie Freund:innen, die sich miteinander amüsieren. In der Serenade kommt Ruhe auf, die Bewegung fast zum Stillstand, und der Abschied beginnt: eine lange Elegie, unendlich melancholisch, unheimlich schön. Unterm Druck des Sozialistischen Realismus, aber auch, weil er bewunderte, wie Warschaus Altstadt nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden war, schrieb Panufnik 1950 seine „Altpolnische Suite“. Bis dato war frühe Musik aus Polen fast vergessen, das Erbe in den Verwüstungen der Geschichte großenteils vernichtet worden. Panufnik komponierte aus alten polnischen Tänzen eingängige Musikstücke im Stil des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Concertino des ungarischen Komponisten Mátyás Seiber ist ein Bravourstück für Klarinette, das schneller beginnt, als man hören kann, mit irren Läufen in Klarinette und Orchester. Dann schräge Einfachheit, die ins Ohr geht, neckisch-foppend das Scherzo und das Finale ein brausendes Fest. Dessen Nachklang: die Rumänischen Tänze Bártoks, bunte Miniaturen, volksmusikalisch inspiriert, hüpfend, elegant, aufgeräumt, stürmisch.

www.blaz-sparovec.com | www.co-chamberorchestra.com

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Konzert

Brendan Mulholland & Augustin Charlier

Daffodils

Brendan Mulholland Wooden, Flute
Augustin Charlier, Gitarre


New Irish Folk

Irish Folk von heute, der Altes wahrt: eine Tradition, die lebendig ist. Vom Land aus erobert er die Städte der Welt und wird nicht nur von Iren, sondern in internationalen Ensembles gemacht. So trifft sich Brendan Mulholland aus Nordirland in Bocholt mit Augustin Charlier, seinem Gitarrenpartner, wenn er auf dem Kontinent spielt.

Brendan Mulholland gilt als einer der Besten auf der traditionellen irischen Flöte. Er tritt in ganz Europa, Asien und den USA, von Belfast bis Washington, Moskau und Seoul, mit verschiedenen Ensembles und Größen der Szene auf und er ist ein gefragter Lehrer. Mit elf begann er, Musik zu machen, so kennt er die traditionelle Musik Irlands durch und durch. Zunächst lernte er Pipe, bis ihn die irische Flöte elektrisierte, eine Querflöte aus Holz mit sechs Löchern, meistens hat sie auch noch Klappen.

Geprägt ist Brendan Mulholland durch die Landschaft des County Antrim an der Nordwestküste Irlands, wo er geboren wurde und heute lebt, in dem kleinen Dorf Glenavy unweit von Belfast und nah Lough Neagh, dem größten See der Insel.

Augustin Charlier kommt aus Nouzonville, einem Dorf in Nordfrankreich nahe der belgischen Grenze, das malerisch am Zusammenfluss von Maas und Goutelle im Naturpark der Ardennen liegt. Nachdem er zwanzig Jahre in Rockbands gespielt hatte, entdeckte er die Folkgitarre für sich. Von der Standardstimmung E-H-G-D-A-E stieg er auf DADGAD um, eine offene Stimmung, die der britische Folkgitarrist Davey Graham in den 1960ern entwickelt hatte und die im keltischen – irischen, schottischen und bretonischen – Folk verbreitet ist. Neue Klang- und Ausdrucksmöglichkeiten, von denen er noch immer begeistert ist, eröffneten sich ihm. Heute spielt er mit internationalen Kolleg:innen in verschiedenen Ensembles für traditionelle Irish Music.

www.brendanmulholland.com

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Konzert

Jana Semeradova & Erich Traxler

Solo für die Prinzessin

Jana Semerádová, Traversflöte
Erich Traxler, Cembalo


Jean-Marie Leclair (1697–1764): Sonate G-Dur
Anonym: Princess Royal
Georg Friedrich Händel (1685–1759): Passacaglia, aus: Suite g-Moll, HWV 432
G. F. Händel | Michel Blavet (1700–1768): Gavotte: „The Harmonious Blacksmith” | Menuett (arr. Michel Blavet)
G. F. Händel: Sonate e-Moll, op. 1 HWV 379
G. F. Händel | Michel Blavet: Gavotte d´Handel dans Otho, HWV 1719
G. F. Händel: Suite d-Moll HWV 428
Jean-Marie Leclair: Sonate e-Moll
G. F. Händel: Chaconne A-Dur, aus: Parnasso in festa

Allerfeinstes nur für die Prinzessin! Anmutig und galant dargeboten von Jana Semerádová und Erich Traxler, den international gastierenden Barock-Spezialisten aus Prag und Wien.

Graziöse Rokokomelodien, quirlige Ornamentik – war es das, was Prinzessin Anne, Princess Royal und Prinzessin von Oranien (1709–1759), an den Barockmeistern Händel und Leclair so liebte? In London hatte die älteste Tochter König Georgs II. von Großbritannien Cembalounterricht bei Händel. Elf Jahre lang arbeitete der gefeierte Komponist und exzellente Tastenvirtuose mit der begabten jungen Frau. Gewiss studierte sie auch seine populären Cembalosuiten in französischen Tanzformen ein. Für ihre Hochzeit mit Wilhelm IV., Prinz von Oranien komponierte er 1734 die Serenade „Parnasso in festa“, setzte die Chaconne daraus für Cembalo, was man dann wiederum für Flöte und Cembalo bearbeitete.

Nach Heirat und Umzug engagierte Prinzessin Anne in Den Haag den Komponisten und Geigenvirtuosen Jean-Marie Leclair. Seine Solosonaten für Violine oder flûte allemande widmete er allen „Menschen mit gutem Geschmack“, das 4. Buch aber explizit Anne, der exzellenten Cembalistin, die die Sonaten wohl selbst auch begleitete. Kantable Melodie, Energie und Tempo, lebendig variierte Ornamentik. Sensible Rhetorik und Virtuosität: man meint, Kichern zu hören, Tränen der Trauer und Seufzer der Lust.

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Konzert

Konstantin Manaev & Signum Saxophone Quartett

Bachianas

Konstantin Manaev, Violoncello
Signum Saxophone Quartet:
Blaž Kemperle, Sopran
Hayrapet Arakelyan, Alt
Alan Lužar, Tenor
Guerino Bellarosa, Bariton


Johann Sebastian Bach (1685–1750): Orchestersuite Nr. 1 C-Dur, BWV 1066 (arr. für Saxophonquartett von SIGNUM); Ouverture, Menuett I und II, Bourreé I und II
Johann Sebastian Bach: Cello-Suite Nr. 3 C-Dur, BWV 1009
Johann Sebastian Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur, BWV 1048 (arr. für Cello und Saxophonquartett von SIGNUM); Allegro – Adagio, Allegro
Alberto Ginastera (1916–1983): Argentinian Dances (arr. für Saxophonquartett von SIGNUM); Danza del viejo boyero, Danza de la moza donosa, Danza del gaucho matrero
Heitor Villa-Lobos (1887–1959): Bachianas Brasileiras Nr. 5 (arr. für Cello und Saxophonquartett von SIGNUM)
Astor Piazzolla (1921-1992): Le Grand Tango (arr. Für Cello und Saxophonquartett von Miha Ferk)

Intellekt und Intuition – bei den Saxern von Signum sind sie eins. Wie bei Konstantin Manaev, der mit sechs Cello lernen wollte, weil Bachs 1. Suite ihn gepackt hatte, als seine Mutter sie auf dem Klavier spielte. In seinen „Bachianas“ feiert das Quintett Bach mit adaptierten Werken des Barockmeisters und von Komponisten, die sich auf ihn beziehen.

Leicht hebt Signum mit Bachs 1. Orchestersuite an. Damals eröffnete sie die Konzerte mit dem Collegium Musicum, die der Thomaskantor im Leipziger Kaffeehaus Zimmermann als Konzertmeister leitete: Unterhaltung vom Feinsten. Seine Cellosuiten waren für Pablo Casals „die Quintessenz“ von Bachs Schaffen und „Bach selbst die Quintessenz der Musik“. Manaev huldigt ihm mit der 3. Cellosuite. Bewegend die Sarabande, bizarr burlesk die Gigue. Zum Ruhme Gottes hat Bach, wie alles andre, auch sein 3. Brandenburgisches Konzert geschrieben, das in seinen vielfältigen Dreierelementen die Dreifaltigkeit des christlichen Gottes erinnert. Doch auch die, die nicht glauben, erhebt diese Musik; rauschhaft das Allegro am Schluss mit Sechzehntelläufen, Achteldreiklängen.

Villa-Lobos verbindet in seinen „Bachianas“ Bachsche Polyphonie mit der Folklore seiner brasilianischen Heimat.

Piazzolla revolutionierte mit dem Tango Nuevo den argentinischen Tango, indem er von Bachs Kontrapunkt, anderen „Klassikern“ und vom Jazz lernte. Das zeigt sein Grand Tango aufs Schönste, der im Finale mit Doppelgriffen und Glissandi höchste Anforderungen an den Cellisten stellt.

signum-saxophone.com | www.konstantinmanaev.com

In Kooperation mit dem Kreis Coesfeld, der Gemeinde Nordkirchen und den Schlosskonzerten Nordkirchen | www.kreis-coesfeld.de | www.nordkirchen.de | www.schlosskonzerte-nordkirchen.de

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Konzert

Ortega Quero, Lefevre, Barragan, Koch & Treutler

Stefan Heucke: Holzbläsersonaten – Uraufführung

Ramon Ortega Quero, Oboe
Marceau Lefevre, Fagott
Pablo Barragan, Klarinette
Daniela Koch, Flöte
Annika Treutler, Klavier
Stefan Heucke, Moderation


Stefan Heucke (*1959): Vier Sonaten für Holzbläser und Klavier op. 114

Mit fünf der führenden Interpret:innen ihrer Generation hat Stefan Heuckes vierteiliger Sonatenzyklus für Holzbläser Weltpremiere. Das Konzert wird von dem Komponisten moderiert.

Schon früh hatten sie sich über Wettbewerbserfolge einen Namen gemacht: die österreichische Flötistin Daniela Koch, der spanische Oboist Ramón Ortega Quero, sein Landsmann, der Klarinettist Pablo Barragán, der französische Fagottist Marceau Lefèvre und die deutsche Pianistin Annika Treutler, die in jungen Jahren auch den GWK-Förderpreis bekam. Als Solist:in gibt jede:r der Fünf Konzerte mit bedeutenden Orchestern, spielt international Rezitals und Kammermusikabende, hat eine Solostelle in einem namhaften Orchester oder unterrichtet an einer Hochschule.

Durch ein Corona-Stipendium des Landes NRW konnte Stefan Heucke im Herbst 2020 den langgehegten Plan eines Zyklus von vier Sonaten für Holzbläser realisieren. Jede Sonate stellt das Charakteristische des jeweiligen Instrumentes heraus: Die Flöte ist beweglich, hell und brillant, die Oboe melancholisch, sie kann aber auch energisch und durchdringend sein. Die Klarinettensonate fällt aus dem Gesamt heraus, insofern sie aktuelle biografische Umstände bestimmen, die Tatsache, dass im pandemischen Lockdown viele Künstler:innen von Verzweiflung ergriffen wurden. Ihr liegt Cesar Bresgens (1913–1988) Lied „O du stille Zeit“ zugrunde, das dramatisch bis ins Dämonische variiert wird. Die Fagott-Sonate spielt die Gegensätze, die das Fagott so reizvoll charakterisieren, aus: elegisch, majestätisch oder bizarr.

Der Komponist Stefan Heucke

Stefan Heucke hat in bisher mehr als 120 Kompositionen eine unverwechselbare und zugängliche Musik-Sprache auf der Höhe unserer Zeit entwickelt. Er charakterisiert sie als „integrativ tonal“. Denn er bricht nicht mit der europäischen Überlieferung, sondern schreibt sie kritisch fort, indem er in seinem Werk die Grenzen zwischen traditionell tonal gebundener und Neuer Musik auflöst. Heucke komponiert subjektiv-emotional und zugleich intellektuell-konstruktiv. Ohne simple Verstehensangebote zu machen, ist er auf Kommunikation mit den Hörenden aus.

Heuckes Werke werden seit 1996 bei Schott Music International verlegt und von renommierten Orchestern und Solist:innen im In- und Ausland aufgeführt. Mehrfach wurde der freie Komponist ausgezeichnet, zuletzt mit dem Hans Werner Henze-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe.

In seinem integrativen Stil kombiniert Heucke die Zwölfton-Kompositionstechniken der Moderne mit der tonalen Harmonik, dem klassisch-europäischen Tonsystem. Er steht in der Tradition der motivischen Arbeit von Bach, Beethoven und Brahms und schreibt in den überkommenen Gattungen. Dabei entwickelt er die alten Formen weiter, indem er sie ausdehnt und überschreitet. Auch aus ausgewählten Werken der Musikgeschichte gewinnt er motivisch-thematisches Material, das er in seiner Weise zitiert und transformiert. So sind seine Werke immer auch Musik aus und über Musik. Konkrete Inhalte kommen in sie hinein über Libretti, die für ihn verfasst werden, über Anklänge an bekannte Choralverse oder Lieder und über literarische Texte, die er aufnimmt.

Immer wieder thematisiert der „Nachgeborene“ das größte Menschheitsverbrechen, das bekanntlich von Deutschland ausging, in seinem Werk, sowohl textlich wie in der musikalischen Struktur. Ebenso behandelt er die großen existenziellen Fragen. Dabei bleibt er jedoch nicht in Negativität stecken, in den Dunkelheiten des Ich, des Menschen, des So-ist-es-und-so-wird-es-immer-Sein oder eines Es-ist-alles-Umsonst.

Den Destruktionen und Dekonstruktionen, den Gebrochenheiten, Enttäuschung und Depression, der metaphysischen Obdachlosigkeit sowie den Zweifeln am Menschen überhaupt, der Verzweiflung, die eine:n im Blick auf die Menschheitsgeschichte und die Gegenwart überkommen und lähmen könnte, stellt der Komponist sein offenes Trotzdem entgegen:

Symbolisch und hochkomplex stiftet Stefan Heucke in seinen Werken Zusammenhang und Sinn, ohne sich in metaphysischen Trost hinein- oder in die Vergangenheit zurückzuschreiben, in die heile Welt tonaler Harmonie, Eingängigkeit und unproblematischer Verständlichkeit. Stattdessen lässt er die Gegensätze miteinander kommunizieren, ohne ihre Widersprüchlichkeit in der Integration zu schleifen. Immer hält er Spannung und Bruch aufrecht und in den Hörenden das Bewusstsein, dass der Sinn, den sie in seiner Musik mitfühlend und aktiv mitdenkend erfahren, immer von ihm und ihnen gemeinsam gemacht wird. So wie der Frieden.

ramonortegaquero.com | pablobarragan.es | www.danielakoch.com | www.annikatreutler.de | stefanheucke.de

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Meisterkurs

Meisterkurs Kai Frömbgen

Zelenkas Triosonaten

Meisterkursleitung
Kai Frömbgen Dozent


Kai Frömbgen ist Professor für Oboe an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Er war Solooboist der Bamberger Symphoniker und in derselben Position beim Lucerne Festivalorchestra unter der Leitung von Claudio Abbado. Seit 2012 ist er Mitglied des Chamber Orchestra of Europe und seit 2015 spielt er im Linos Ensemble. Von 2014 bis 2018 war er Professor an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, 2018 wurde er nach Hannover berufen.

Der Meisterkurs richtet sich an fortgeschrittene Oboenstudent:innen.

Prof. Kai Frömbgen erarbeitet und spielt mit den Teilnehmer:innen die Triosonaten Nr. 1, Nr. 2, Nr. 4 und Nr. 5 von Jan Dismas Zelena.

Es können maximal 8 Studierende an dem Kurs teilnehmen. Zum Abschluss werden die Stücke gemeinsam mit dem Dozenten in einem öffentlichen Konzert in der Musikhochschule Münster aufgeführt.

Bewerbungsschluss: Freitag, 03.06.2022
Kostenbeitrag: 200 € für aktive Teilnahme, 80 € für passive Teilnahme
Bewerbung: Sie bewerben sich mit Ihrem Lebenslauf und Ihren Kontaktdaten per E-Mail bei der veranstaltenden GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit. Geben Sie im Betreff bitte „Meisterkurs“ an.
Bewerbungsadresse: buero.gwk@lwl.org

Nach Eingang der Bewerbungen wählt Kai Frömbgen die Kursteilnehmer:innen aus.

Bei Bedarf können private Übernachtungsmöglichkeiten angeboten werden.

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Konzert

Tabea Debus & Alon Sariel

Sounds Familiar

Tabea Debus, Blockflöten
Alon Sariel, Laute


Joh. Sebastian Bach (1685-1750): Partita, BWV 1006*
Georg Philipp Telemann (1681-1767): Fantaisie pour la Basse de Violle Nr. 1, TWV 40:26*
Johann Sigismund Weiss (1690-1737): Siciliano
Silvius Leopold Weiss (1687-1750): Fantasia in c-Moll
Joh. Sigismund Weiss (1690-1737): Sarabanda
Heinr. Ignaz Franz von Biber (1644-1704): Violin Passacaglia aus den Rosenkranz-Sonaten*
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788): Sonate für Harfe in G-Dur, Wq. 139 / H 563*
Georg Philipp Telemann: Fantasia per il Flauto senza Basso Nr. 11 (TWV 40:12)
Carl Heinr. Biber (1681-1749): Presto*
Joh. Sebastian Bach: Sinfonia, BWV 156* | Suite, BWV 997
* arr. von Tabea Debus und/oder Alon Sariel

„Aus der Seele muss man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel“, schrieb C. P. E. Bach, und „die Musik müsse vornehmlich das Herz rühren“. Das subjektive Empfinden stellte er damit gegen das barocke Regelwerk und dessen objektive Strukturen, die angebliche „Verkopftheit“ der Kompositionen seines Vaters Johann Sebastian. Sounds familiar – klingt bekannt: Ein klassischer Vater-Sohn, ein Generationenkonflikt? Doch die Hochachtung blieb, auch wenn C.P.E., nicht sein Vater, zu Lebzeiten „der Bach“ war und ein Star.

Sie spielen aus der Seele: Tabea Debus und Alon Sariel, mehrfach ausgezeichnete, international renommierte Solist:innen. Sie haben ihre Lieblingsstücke von Komponisten aus drei großen Musikerfamilien des 18. Jhs versammelt und, wo nötig, für ihre Instrumente bearbeitet, fantasievoll und gekonnt, klangprächtig und spannungsreich.

Silvius Leopold Weiss galt zu seiner Zeit als der beste Lautenvirtuose Europas. Nicht nur für seine Technik, auch für seine Improvisationskunst – er improvisierte mit J. S. Bach um die Wette – bewunderte man ihn. Kein Wunder, dass seine Fantasie mustergültig wurde und heute zum Standardrepertoire von Laute und Gitarre gehört. Ein Höhepunkt der Gattung auch Telemanns Fantasien, die der Patenonkel C.P.E. Bachs für Gambe bzw. Flöte solo schrieb. Die Oboensonaten von Joh. Sigismund Weiss, dem jüngeren Bruder Silvius Leopolds, klingen mit Blockflöte ebenso frisch wie die galanten Melodien der Harfensonate C.P.E. Bachs. Ein muntres Verwirrspiel der Emotionen. Innig H. Ignaz Franz von Bibers Passacaglia, ursprünglich der Violine-solo-Abschluss seiner Rosenkranz-Sonaten zu Ehren der Gottesmutter Maria. Ein Ohrwurm, die absteigende Viertonreihe im Bass. Die Passacaglia heißt auch „Schutzengelsonate“: Wie dieser den Menschen im Leben so begleitet das Bassmotiv die Melodie in ihrem Lauf. Gute-Laune-Musik, das Presto von Carl Heinr. Biber, Ignaz Franzens weniger berühmtem Sohn. Französische Leichtigkeit in der E-Dur Partita von Bach Senior, melancholische Tiefe und heitere Gelassenheit in c-Moll. Ist Joh. Sebastian wirklich so weit weg von seinem Sohn? Wollte doch auch er, außer zur Ehre Gottes, „zur Rekreation des Gemüths“ musizieren. Wo aber „dieses nicht in Acht genommen wird, da ists keine eigentliche Musik, sondern ein teuflisch Geplärr und Geleier.“

www.tabeadebus.com | www.alon-sariel.com

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Konzert

Abschlusskonzert Meisterkurs

Zelenka!

Kai Frömbgen und Meisterschüler:innen, Oboe
Hana Hasegawa, Fagott
Yu Pei, Cembalo


Jan Dismas Zelenka (1679–1745): Triosonaten Nr. 1. F-Dur, Nr. 2 g-Moll, Nr. 4 g-Moll, Nr. 5 F-Dur, ZWV 181

Technisch anspruchsvoll bis zum Äußersten, kompositorisch eigenwillig, bisweilen extravagant, und bei extremer Virtuosität immer höchst musikantisch und expressiv: Zelenkas Triosonaten gehören zu den allerschönsten überhaupt und zum Außergewöhnlichsten, was das europäische Barock zu bieten hat. Die Sonaten, die der Böhme für zwei Oboen und Generalbass schrieb, sind lang und kompliziert, doch niemals verkopft. Ihr Rhythmus nimmt mit und drängt, kompliziert laufen die beiden Oboenstimmen über dem Generalbass gegeneinander. Das schafft Spannung, suspense. Manchmal drängt sich das Fagott aus der Bassbegleitung heraus zu den zwei hohen melodieführenden Oboen – dann hat die Triosonate vier Stimmen.

In einem Meisterkurs in der Musikhochschule Münster hat Kai Frömbgen mit hochbegabten jungen Oboist:innen Triosonaten des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka erarbeitet. Zum Abschluss des Kurses führt der international gefragte Solist und Kammermusiker, Professor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, die Barockwerke mit den Meisterschüler:innen auf.

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Konzert

Davit Sarukhanyan, Karl Figueroa & Tatiana Verbeke

Doppelkonzert A: B&B

Davit Sarukhanyan, Klarinette
Karl Figueroa, Violoncello
Tatiana Verbeke, Klavier


Johannes Brahms (1833–1897): Trio a-Moll op. 114
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Trio B-Dur op. 11, „Gassenhauer-Trio“

Ein Opus 11 und ein Opus 114 – und die quirligen Jungen aus Armenien, Chile und Russland, die sich an den Hochschulen in Münster und Essen kennen lernten, fühlen sich in das Werk des alten Brahms ebenso gut ein wie in das Beethovens, der, als er das „Gassenhauer“-Trio schrieb, nur etwas älter war als sie.

Hat Beethoven seine Variationen auf den Hit aus der Joseph Weigl-Oper „L’amore marinaro“ (Der Korsar) später so manches Mal wohl als Jugendsünde bereut, so scheint der 58-jährige Brahms in a-Moll zurückzublicken, wunderbar träumend, mit abgeklärter Sehnsucht und Herzensfülle.

Subtile, dabei spannungsvolle Stimmführung bei Brahms, Schimmer später Leidenschaft im Allegro, ein intimes Adagio, zu Beginn des graziösen Andante ein verhaltener Wiener Walzer, gefolgt von einem gezähmten Ländler, dem Volkstanz, aus dem der Walzer entsprang. Im Allegro osteuropäische Rhythmen in muntrem Wechsel und ein leidenschaftliches Aufbäumen als Schluss, das mitreißt. Brahms hatte eigentlich aufhören wollen zu komponieren. Doch als er 1891 mit dem famosen Klarinettenvirtuosen Mühlfeld „Fräulein Klarinette“ entdeckte, komponierte er im Stillen in der Sommerfrische von Bad Ischl dieses berührende Trio.

Stolz und befreit, mit Schwung und Feuer, dabei mäßig schnell der erste Satz von Beethovens Trio. Im Adagio expressiv-zarte Melodik. Das Finale beginnt mit dem Gute-Laune-Thema des Schlagers aus der Weiglschen Oper, den die Spatzen in Wien um 1800 von den Dächern pfiffen. Dann folgen Beethovens Variationen – und machen charmant und leicht aus dem Popsong hohe, zugleich höchst unterhaltsame Kunst.

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Konzert

Andreea Chira & Pavel Efremov

Doppelkonzert B: Länder & Styles

Andreea Chira, Panflöte
Pavel Efremov, Akkordeon


Claude Debussy (1836–1910): Syrinx. La Flûte de Pan
Franz Liszt (1811–1886): Ungarische Rhapsodie Nr. 2
Jean-Baptiste Arban (1825–1889): Der Karneval von Venedig
Béla Bártok (1881–1945): 6 Rumänische Volkstänze
Astor Piazzolla (1921–1912): Adios Nonino
Joaquín Rodrigo (1901–1999): Adagio aus: Concierto de Aranjuez
Chick Corea (1941–2021): Spain
Chira/Efremov: Rumänische Volkssuite

Genie trifft Folk, ein Schauprogramm auf famose Interpreten. Pawel Efremov und Andreea Chira zeigen, wie große Komponisten sich an Volksmusik inspirierten und dass Panflöte und Akkordeon aus ihr zwar stammen, doch in der Kunstmusik längst eine Heimat haben. Ihre zweite.

Das überrascht nicht, sind der Moldawier, der in Deutschland, und die Rumänin, die in Wien und Italien lebt, doch mit Volksmusik ebenso wie mit der klassischen Tradition aufgewachsen. Mit Hits der Klassik, die weit über die Gattungsgrenze hinaus strahlen, reisen sie musikalisch durch Zeiten, Länder und Styles.

Das farbige Programm eröffnet Andreea Chira mit Debussys „Syrinx“ und evoziert damit den alten Me too-Mythos Ovids: Der Waldgott Pan stellt der Nymphe Syrinx nach. Um ihm zu entfliehen, gibt sie sich auf und lässt sich von Diana in Schilfrohr verwandeln. Aus diesem Rohr bastelt sich der Gott eine Flöte, um auf ihr sein Trauerlied zu blasen: mythischer Zauber, feinste Poesie – und erst danach dann die Fragen nach dem Geschlechterverhältnis, nach den Quellen und Mythen der Kreativität, vielleicht … Der Trip der Virtuos:innen endet im Heute, mit der rumänischen Volkssuite in der Fassung von Chira-Efremov: der Sound von Land, Landschaft und Metropole, Extremen, die sich finden. Die beiden sind sich einig: „Das ist verrückt.

www.andreeachira.com

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Konzert

Palisander Recorder Quartet

Achtung, Tarantel! – Beware the Spider!

Palisander Recorder Quartet:
Lydia Gosnell, Caoimhe de Paor, Miriam Monaghan, Teresa Wrann


Italienische und spanische Tarantellas
Athanasius Kircher (1602–1680): Antidotum Tarantulae
Tarquinio Merula (1595–1665): Canzon Seconda „La Lusignola“
Maddalena Casulana (ca. 1544–ca.1590): Il Vostro Dipartir
Antonio Vivaldi (1678–1741): La Notte RV 439
Robert Johnson (1583–1633): The Temporiser
Toby Young (*1990): Recorder Revolution!
Luzzascho Luzzaschi (ca. 1545–1607): Troppo ben può
Dick Koomans (*1957): Der Jogger
Tiburtio Massaino (ca. 1550–1608): Ego pro te rogavi Petre
Delyth Naya (*1999): Kagura Suite for Recorders
William Byrd (1543–1623): In Fields Abroad
John Dowland (1563–1626): The Frog Galliard
Cipriano de Rore (1515–1565): Anchor che col Partire
Agnes Dorwarth (*1953): Articulator V

Sprühend, dynamisch, charakter- und temperamentvoll, hoch virtuos und sympathisch: Palisander ist ein junges Blockflötenquartett der internationalen Extraklasse und mit den höchsten Auszeichnungen geehrt. Spannungsreich und fantasievoll verbinden die Wahl-Londonerinnen in ihren Programmen Alte und zeitgenössische Musik und machen staunen über die Vielseitigkeit der Blockflöte, die Schönheit, Differenziertheit und Fülle ihres Klangs.

Wie von der Tarantel gestochen! Die Redensart geht auf die alte Erklärung des 17. und 18. Jhs für Tarantismus zurück, eine Form der Hysterie, deren Symptome Tanzwut und Wahnsinn, Schreien, Stupor und Melancholie waren. Man glaubte, ein Spinnenbiss habe sie verursacht, die Kranken seien einer Vergiftung erlegen, für die es medizinisch kein Heilmittel gab. Was half, war allein Musik. So rief man Musiker zu den Kranken ins Haus oder auf den Marktplatz und sie probierten so lange, bis sie die heilende Melodie gefunden hatten: „Wenn ein gebissener Mensch ohne Bewegung und Verstand da liegt: so versucht ein Instrumental-Musikus verschiedene Stücke, und sobald er dasjenige trifft, dessen Ton und Melodie mit der Natur des Kranken übereinkommt, so sieht man, dass derjenige anfängt, einige leichte Bewegungen zu machen. Er regt anfangs die Finger nach dem Takte, hierauf die Arme und die Füße, nach und nach aber den ganzen Körper. Endlich steht er auf, fängt an zu tanzen, und seine Lebhaftigkeit und Stärke vermehrt sich alle Augenblicke. Man hat Leute gesehen, welche sechs Stunden getanzt haben, ohne einmal auszuruhen.“ (Historie alter Zeiten und Völker, G. C. Walther. Dresden/Leipzig 1747) Daher kommt die Tarantella, ein wilder Volkstanz, der zugleich Symptom und Remedium der Krankheit ist.

Palisander durchlebt den Tarantismus in all seinen Symptomen – auf der Suche nach der Melodie, die dem Quartett das Leben rettet.

www.palisanderrecorders.com

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Konzert

Thomas Dobler’s New Baroque & Daniel Schnyder

Händel Reloaded

Daniel Schnyder, Sopransaxophon, Flöte
Caroline Lambelé, Violine
Thomas Dobler, Vibraphon, Percussion
Miquel Angel Cordero, Kontrabass


Händel-Bearbeitungen und Stücke von Thomas Dobler und Daniel Schnyder

Was ist das? Es macht Spaß, klingt bekannt, nach Barock. Beizeiten poppig, ist es dennoch nicht Mainstream. Kein Jazz, auch keine Weltmusik. Eine Mélange ganz eigener Art, phantasievoll, originell und ganz von heute – von den Musiken des Barock und des 21. Jahrhunderts inspiriert: das „Neue Barock“ des Quartetts um Thomas Dobler und Daniel Schnyder.

„Meine Musik bewegt sich frei zwischen den Welten“, so der Komponist, Saxophonist und Flötist Daniel Schnyder, der aus der Schweiz stammt und in New York lebt. Weltweit führende Klassik- und Jazzformationen geben Stücke bei ihm in Auftrag. Genau solche Weltenwanderer sind Thomas Dobler, der die Jazzabteilung der HEMU Musikhochschule in Lausanne leitet, Caroline Lambelé und Miquel Angel Cordero. In Schnyder haben sie einen kongenialen Partner.

„Händel Reloaded“ macht sich vor allem Highlights aus Händels „Messias“ zu eigen. Die barocken Themen, ganze Passagen zitiert Thomas Dobler’s New Baroque, mischt sie auf, entfesselt sie: mit Klängen aus Mittelalter und Renaissance, arabo-andalusischen Skalen oder afrokubanischen Rhythmen, Poppigem, Jazz. Heraus kommt eine spannungsreich-farbige Suite: Spiegel unsrer globalisierten Welt, Unterhaltung mit Anspruch, Botschaft der Freiheit. Essentiell wichtig dabei: die Improvisation, aus der Inspiration des unwiederholbaren Augenblicks. Ob sie „von oben“ kommt? Für Schnyder geht aus ihr Sinn „durch Zufall (hervor), nach einem chaotischen Prinzip. Das ist ein natürlicher Prozess – wie wenn ein Fluss fließt.

www.thomasdoblervibraphone.com | www.danielschnyder.com

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1 Konzert

Kebyart Ensemble

Memories

Kebyart Ensemble:
Pere Méndez, Sopran
Víctor Serra Alt Robert Seara, Tenor
Daniel Miguel, Bariton


Igor Strawinsky (1882–1971): Suite de Pulcinella (Bearb. Kebyart)
Florent Schmitt (1870–1978): Quatuor pour saxophones op. 102
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), Fanny Mendelssohn (1805–1847): Lieder ohne Worte (Auswahl, bearb. Kebyart)
Jörg Widmann (1973*): 7 Capricci für Saxophonquartett
Joan Pérez-Villegas (1994*), Federico García Lorca (1898–1936): Sólo e misterio. Aus: Canciones antiguas españolas

„Memories“ – Erinnerungen, an- und erregend evoziert von einem der jüngsten und vielversprechendsten Saxophonquartette Europas. Als Rising Star der ECHO, des Zusammenschlusses großer europäischer Konzerthäuser, legte Kebyart gerade eine erfolgreiche Europatournee in ihren renommierten Sälen hin.

Der Ensemblename, das Kofferwort „Kebyart“ – aus art für „Kunst“ und kebyar für „plötzlich aufflackern, aufplatzen“ –, steht für die Aufführungsästhetik der vier Katalanen. Er kommt von Gamelan Gong Kebyar, dem Namen des prominentesten zeitgenössischen Musikstils auf Bali, der auf die explosiven Kontraste in Klangfarbe, Dynamik und Tempo dieser Musik weist. Die aber sind nur möglich, wenn alle Spielenden zu einer einzigen Einheit verschmelzen – so wie die Kebyarts.

Kebyart hat Werke von der Romantik bis heute, die Vergangenes bewahren, indem sie es innovativ verarbeiten, auf dem Programm. Beschwingt, verspielt Strawinskys „Pulcinella“, eine neoklassizistische Ballettmusik. Darin nimmt er Pergolesis Vertonung eines Commedia dell’arte-Librettos auf und mit Pulcinella den Charakter des Hanswurst oder Kaspar dieses Volkstheaters. „Pulcinella“, so Strawinsky, „war meine Entdeckung der Vergangenheit, die Epiphanie, durch die mein späteres Werk möglich wurde. Selbstverständlich war es ein Blick zurück – die erste von vielen Liebesaffären in jene Richtung –, aber es war auch ein Blick in den Spiegel.“

Florent Schmitts expressives Saxophonquartett ist bahnbrechend für die Gattung und inspirierend für andere Komponisten, seine Klangsprache so individualistisch wie mitreißend und komplex. Er hat das Quartett 1941 für Marcel Mule (1901–2001) geschrieben, der als erster ein Ensemble aus vier Saxophonen gebildet hatte. Um dieses Stück zu spielen „muss man fast wie ein Chamäleon sein – und total flexibel. Im Bruchteil einer Sekunde muss man manchmal von robustem, dabei sanftem Spiel wechseln zu lyrisch-extrovertiertem Gesang“ (Kebyart).

„Mit den Fingern singt“, wie Fanny Mendelssohn sagen würde, Kebyart die „Lieder ohne Worte“ der Mendelssohn-Geschwister. Ihre expressiv-liedhaften, scheinbar schlichten und eingängigen Klavierstücke bezaubern auch auf vier Saxophonen. „7 Capricci“ hat Jörg Widmann für Kebyart geschrieben, sieben „Launen“, die sich in Musik artikulieren, welche geräusch- oder choralhaft ist, Walzer und Zirkusmusik anspielt. Der Dichter und Musiker F. G. Lorca bearbeitete für die Theatergruppe La Barraca spanische Volkslieder; eines davon, „Sólo e misterio“, hat der junge mallorquinische Komponist Pérez-Villega für Saxophonquartett arrangiert.

www.kebyart.com

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Konzert

Duo Ventus

Doppelkonzert A: Luftschlösser

Duo Ventus:
Michaela Hansen, Flöte
Louise Anine Mogensen, Klarinette


Robert Muczynski (1929–2010): Duos für Flöte und Klarinette
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Nr. 1, Aria, aus: Duos WoO 27*
André Jolivet (1905–1974): Andantino, aus: Sonatine für Flöte und Klarinette
Carl-Nielsen (1865-1931): Humoreske, aus: Fantasiestücke für Oboe*
Jan Hansen (1966*): Nightpiece
Traditional: Schwedische Volkslieder*
Béla Bártok (1881–1945): Nr. 138, Dudelsack-Musik, aus: Mikrokosmos*
Charles Koechlin (1867–1950): Aus: Sonatine Modale
Antonio Vivaldi (1678–1741): Allegro und Larghetto aus: Sonata G-Dur, RV 70*
Johan Söderholm (1992*): Uraufführung
Jürg Wyttenbach (1935–2021): Serenade
*(arr. Jan Hansen)

Luftschlösser und ein attraktives Showcase: Mit seinem bunten Programm für eine rare Besetzung lässt das international preisgekrönte Duo Ventus hören, wie vielfältig und exquisit ein „Wind-Duo“ klingen kann.

„Ist der Bau von Luftschlössern nicht bewilligungspflichtig?“, fragt der Komponist Jürg Wyttenbach. Sind sie „erdbebensicher und halten sie überhaupt der Realität, z. B. dem Ozonloch, stand?“ Oder Corona, dem Krieg?, möchte man ergänzen. Lustvoll lässt uns das Duo Ventus auch mit Wyttenbachs Serenade erfahren, wie wir alle in einem einzigen großen, immer gefährdeten Atem sind. Und gibt die Freude am Musikmachen und -hören, die der Schweizer in seinem „Luftschloss“ als theatralische Aktion inszeniert und die das schwedisch-dänische Duo so ansteckend vorführt, nicht Kraft für den Alltag, die Realität, die uns nur zu oft den Atem nimmt?

Mit Bearbeitungen für Flöte und Klarinette lassen die Virtuosinnen frischen Wind durchs woodwinds-Repertoire wehn und, so feinsinnig wie kraftvoll, in Originalwerken für ihre Besetzung minimalistische, oder aber arabeske Luftschlösser erstehen. Und wollte Jolivet „der Musik ihre ursprüngliche Funktion als Magie und Anrufung zurückgeben“, so bezaubert Muczynski, der herausragendste Neoklassizist der USA, mit ungeraden Rhythmen und einer transparenten Architektur, mit Melodien, die lyrisch sind oder durchwirkt vom Blues.

ventusmusic.dk

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Konzert

Jerusalem Duo

Doppelkonzert B: #Rainbow

Jerusalem Duo:
André Tsirlin, Saxophon
Hila Ofek, Harfe


www.jerusalemduo.com/

Antonio Vivaldi (1678–1741)
La Folia
Bela Kovac (1962*)
Sholem Alekhem/rov Feidman
George Harrison (1943–2001)
Something
Traditional
Sof-Sof
Harold Arlen (1905–1986)
Over the Rainbow
Susan McDonald (1960*)
Sabre Dance
Amit Weiner (1982*)
Ancient Echoes of Psalms

„Musik für die ganze Mischpoke“ wollen sie machen, die so farbig und frei wie der Regenbogen ist. Mit „#Rainbow“ sprechen Hila Ofek und André Tsirlin unsere irdische und himmlische Sehnsucht an. War der Regenbogen in alten Kulturen Brücke zwischen Göttern und Menschen und symbolisiert er im Alten Testament die Zusage Gottes an die Menschen, so steht er heute auch für Diversität und Toleranz, für einen gesellschaftlichen Aufbruch zum Guten. Der Regenbogen ist Hoffnungssymbol. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie posteten Millionen unterm Hashtag „Rainbow“ Fotos von Regenbogen-Darstellungen, die ihnen im öffentlichen Raum begegneten: ihr Statement für Verständigung und Frieden.

In seinem ganz individuellen, fein differenzierten und hochdynamischen Sound spielt das vielfach ausgezeichnete Jerusalem Duo ein Regenbogen-Programm aus Klassik, Klezmer und Pop. Vivaldis fetzige Folia, das „Wahnsinns“-Stück, ruft das ganze Spektrum menschlicher Gefühle auf, sodann grüßt – „Der Friede sei mit dir!“ – der ungarische Klarinettist Béla Kovács den rov, den Meister des Klezmer, Giora Feidman, mit dem das Jerusalem Duo häufig auf Tour geht. Der Evergreen „Somewhere Over the Rainbow“ verführt noch immer zum Träumen. Und Harfe und Stimme des alttestamentarischen Königs David tönen durch Weiners Stück, das, für Hila Ofek und André Tsirlin geschrieben, die spirituelle Kraft der Musik in der alten jüdischen Kultur erinnert. „Nicht was, sondern wie wir spielen, darauf kommt es an.“ Nämlich dass die Musik spreche und singe – indem das Jerusalem Duo selbst zum tönenden kli des zemer wird: zu einem Gefäß des Regenbogen-Lieds.

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Konzert

Il Giratempo

Arianna’s Tale – Ariadnes Geschichte

Laila Salome Fischer, Mezzosopran
Max Volbers, Blockflöte
Magnus Mehl, Jazz-Saxophon
Anne Suse Enßle, Dulzian
Shen-Ju Chang, Viola da Gamba
Vanessa Heinisch, Theorbe, Barockgitarre
Manuel Dahme, Claviorganum


Werke aus Renaissance und Frühbarock von u.a. Claudio Monteverdi, Palestrina (1525–1594), Cipriano de Rore (1515/16–1565), Marco Uccelini (1603/10–1680) und Jazzimprovisation

Il Giratempo: das sind exzeptionelle Zeitenwanderer und -wandler, die historische Aufführungspraxis – „Puristisch können wir auch!“ – mit jazziger Improvisation und innovativen Programmideen verbinden. „Arianna’s Tale“ erzählt Ariadnes Geschichte neu, nach Claudio Monteverdi, aber dennoch frei.

Weil Theseus sie verlassen hat, will Ariadne sterben; Laila Salome Fischer singt ihr „Lasciatemi morire“, lass mich sterben. Das berühmte Lamento, das Monteverdi der sagenhaften Königstochter in seiner (verschollenen) Oper „L’Arianna“ vor 400 Jahren in den Mund legte, bewegt noch heute.

Ariannas Klage ergänzt Il Giratempo mit improvisierten Erinnerungen an selige Tage. Das Ensemble beschwört die Heldentaten des Theseus, die Schönheit des Meeres, auf das Arianna schaut und – aus dem die Rettung kommt. Denn Bacchus, der Gott des Weines und des Rausches, geht an Land und verliebt sich in die Tränenüberströmte. Amor und Venus sekundieren: Der Gott der Liebe schießt Arianna seinen Pfeil mitten ins Herz; Venus, die Göttin der Schönheit und des Verlangens, ermuntert sie, die neue Liebe zu leben. Und Jupiter öffnet dem Paar seinen Himmel. „Über jedes Sehnen hinaus gesegnet ist das Herz, das einen Gott hat, der es tröstet.“

Im Geist von Jazz und Barock, von einer frühbarocken Bassgruppe famos begleitet, erfinden der Blockflötist Max Volbers und der Jazz-Saxer Magnus Mehl virtuose Diminutionen über alte Madrigale. Eine originäre Giratempo-Klangwelt bricht auf und stürmt sämtliche Himmel.

giratempo.de

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Konzert

Trio Étoiles

Piazzolla & Gershwin

Sarah Kober, Sopransax
Vanja Sedlak, Baritonsax
Vadym Palii, Klavier


Astor Piazzolla (1921–1992):
Adios nonino
La muerte del Ángel
Oblivion
Grand Tango
Bordel
Café
George Gershwin (1898–1937):
Porgy & Bess Suite
Astor Piazzolla
Jahreszeiten

Eine Besetzung, die es sonst in Deutschland so nicht gibt, ein Trio ausgezeichneter Solist:innen, das wunderschön klingt und erfolgreich nach den Sternen greift: Piazzolla und Gershwin. Zwei amerikanische Genies, die die Musik revolutionierten, indem sie ganz eigene Musiksprachen als multikulturelle Mélange erfanden, Genregrenzen und anerkannte Werturteile souverän übergingen. Konzertanter Tango, Tango Nuevo, und Symphonischer Jazz entstanden so. Die strotzen vor Kraft und singen voller Poesie, gehen in den Körper und zerreißen die Herzen – ganz unmittelbar als Kammermusik mit dem Trio Étoiles.

Kinder von Einwanderern aus St. Petersburg und der argentinischen Hauptstadt, wuchsen Gershwin und Piazzolla in bescheidenen Verhältnissen im Schmelztiegel New York auf, Astor, als Rückwanderer, auch in Buenos Aires. Dort spielte er in Kabaretts und Bordellen auf dem Bandoneon traditionellen Tango. Zugleich liebte er Bach, Strawinsky, Bartók und den Jazz. Und er komponierte – in der klassischen Tradition. Erst in Paris wurde er zu dem „Piazzolla“, der mit seinem Tango Nuevo die Konzertsäle der Welt erobern sollte. Die große Lehrerin Nadia Boulanger stieß ihn auf sein Tango-Erbe: „Du Idiot! Merkst Du nicht, dass dies der echte Piazzolla ist, nicht jener andere? Du kannst deine gesamte andere Musik wegschmeißen!“

Kam Piazzolla vom Tango, so Gershwin, als Pianist klassisch ausgebildet, mit der jüdischen Musiktradition vertraut, vom Jazz und vom Schlager der Tin Pin Alley in Manhatten. Dort war er bei einem Musikverlag angestellt gewesen, um Interessenten die neuesten Songs des Hauses auf dem Klavier vorzuspielen und zu verkaufen, bevor er seinen Durchbruch als Komponist schaffte mit eigenen Songs und seinem neuen Symphonic Jazz. So schrieb er mit „Porgy and Bess“ eine Oper, in der er die zeitgenössische symphonische Kultur mit dem Jazz, mit Spiritual und Blues und Einflüssen der jüdischen Kultur zu seinem eigenen Personalstil verschmolz. Sein „Summertime“ zählt zu den am häufigsten gespielten Liedern überhaupt.

www.trioetoiles.de

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Konzert

Passo Avanti

Vom Suchen und Finden – Begegnung mit Mozart

Alexander von Hagke, Klarinetten, Flöten
Julia Bassler, Violine
Lucas Campara Diniz, Gitarren
Eugen Bazijan, Cello


Wolfgang A. Mozart (1756–1791): Ouvertüre zu: Die Hochzeit des Figaro, Lied der Trennung
Alexander von Hagke (*1975): Reigen der Elfen: Kanon, Andante con moto
Wolfgang A. Mozart: Eine kleine Gigue
Leopold Mozart (1719–1787): Menuett F-Dur
Alexander von Hagke: Summer in Skåne
Wolfgang A. Mozart: Drei Knäbchen, jung, schön, hold und weise
Alexander von Hagke: Der Seeteufel
Wolfgang A. Mozart: Fantasie d-Moll
Alexander von Hagke: Vom Suchen und Finden
Wolfgang A. Mozart: Die Zufriedenheit | Allegretto aus der Sonate Nr. 11
Johann Sebastian Bach (1685– 1750): Musette

Mozart re-arrangiert, Mozart re-komponiert. Mozart gesucht mit Passo Avanti ist Passo Avanti gefunden mit Mozart. Bestens ausgebildet in Klassik und Jazz, übersetzt das originell besetzte Quartett bekannte Stücke in eine moderne Klangsprache.

In Mozart sehen die vier Virtuos:innen einen der wachsten und neugierigsten Menschen. Ohne Einflussangst hat er die musikalischen Stile, die vor ihm waren, aufgesogen und, wie im Spiel, verwandelt, etwas Höchsteigenes und Neues daraus gemacht. Warum er so progressiv war? „Durch eine beständige intellektuelle und emotionale Suche, durch die Auseinandersetzung mit sich selbst“, ist Passo Avanti überzeugt. Das Ensemble tut es ihm gleich und spielt die Musik des Freigeistes so, „wie sie heute gespielt werden könnte“: Es geht frei mit ihr um und macht, passo avanti, einen Schritt mit ihr nach vorn.

„Sinnästhetisch“ und virtuos verarbeitet Passo Avanti Mozartsche Lieder sowie Kleinode für Klavier und die turbulente Ouvertüre der „Hochzeit des Figaro“. Jedes Stück ist für das Quartett ein vitaler Organismus, den es, wohldurchdacht und experimentierfreudig zugleich, weiterlebt – mit fundierter Improvisationskunst und einem Groove, der infiziert. Nichts wirkt dabei aufgesetzt, alles fließt vollkommen natürlich. Die Mozart-Metamorphosen ergänzen die Kompositionen Alexander von Hagkes. Im Dialog mit dem Klassiker sind sie entstanden, in einer eigenen Klangsprache, sensibel, beweglich, welthaltig und offen.

passoavanti.de

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Konzert

Carion

CPH22 – Kopenhagen 2022

Dóra Serres, Flöte
Egils Upatnieks Oboe Egīls Šēfers, Klarinette
David M.A.P. Palmquist, Horn
Niels Anders Vedsten Larsen, Fagott


David M.A.P. Palmquist (1979): Ich träumte einen Traum. Fantasie auf dänische Volksweisen
Terry Riley (1935): In C
Renāte Stivriņa (*1985): Copenhagen 22
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Kopenhagen Suite (arr. David M.A.P. Palmquist)
Carl Nielsen (1865–1931): Quintett op. 43

Auf der Bühne weder Notenständer noch Stuhl. Denn das dänisch-lettische Weltspitze-Bläserquintett stellt, was es musikalisch darbietet, zugleich auch choreographisch dar. So spielt Carion musikalische Strukturen nicht allein in seinen Interpretationen lebendig und konturiert heraus, sondern macht das, was man hört, auch anschaulich erlebbar durch Bewegungen, Schritte, Formationen. Hier hört das Auge mit. Das ist einzigartig.

CPH22, das ist der Code des Kopenhagener Flughafens, von dem aus Carion, dessen Homebase und musikalische DNA die dänische Hauptstadt ist, zu seinen Konzerten in der ganzen Welt aufbricht. 2022 erweist das Quintett mit „CPH22“ der „grünen Metropole“, dem Multi-Kulti-Schmelztiegel im Norden und zugleich dem dänischen Komponisten Carl Nielsen zum 100. Geburtstag seines berühmten Bläserquintetts die Ehre: „Wir haben gelernt, gleichzeitig unsere Wikinger-Wurzeln zu schätzen und die Moderne zu feiern, mit vielfältigen internationalen Einflüssen, die uns bereichern und unsere kulturelle Identität stärken.“

„Ich träumte einen Traum“ ist eine farbige Fantasie auf alte dänische Volksweisen, u.a. der Wikinger, die heute im kulturellen Bewusstsein noch immer präsent sind, geschrieben vom Carion-Hornisten Palmquist, dessen Arrangements von der internationalen Kritik hoch gelobt werden. Einer der Väter der Minimal Music, Terry Riley, at 1964 „In C“ geschrieben, kein „fertiges“ Werk, sondern 53 Phrasen mit einer minimalen Spielanleitung. Die Aufführenden entscheiden selbst, wie oft und wie sie eine Phrase spielen und wann sie zur nächsten wechseln, dieweil einer durchgängig ein C in Achteln spielt. Das ist der Puls – das darüber klangschön und zugänglich. Speziell für Carion hat die Lettin Renāte Stivriņa ein Cityportrait geschrieben: In „Copenhagen 22“ nimmt die nordische Hemisphäre globale Einflüsse kreativ in sich auf, so wie Kopenhagen.

100 Jahre zuvor schrieb Nielsen sein Opus 43, nachdem er Mozarts Quintett für Klavier und vier Bläser, das Freunde gerade probten, gehört hatte – durchs Telefon. Offiziell wurde es 1922 in Kopenhagen mit dem Kobenhavns Blaeskvintet uraufgeführt. Mit seiner reichen Melodik, den vitalen Harmonien ist es wohl noch immer eines der schönsten Stücke der Kammermusik für Bläser. Deshalb huldigt auch Carion der Inspirationsquelle Nielsens und stellt seinem Bläserquintett eine launige Mozart-Kopenhagen-Suite voran.

Kopenhagen 2022 ist wie „CPH22“: Leben. Und dies als PS noch mit Nielsen: „Musik ist Leben: sobald eine einzelne Note in der Luft oder im Raum erklingt, ist sie das Resultat von Leben und Bewegung. Darum ist Musik der sensibelste Ausdruck des Lebenspulses.“

carion.dk/de/haus

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Konzert

Oslo Kammerakademi

HARMONIE!

David Friedemann Strunck, Oboe und künstlerische Leitung
Boris Fatualev, Oboe
Pierre Xhonneux, Klarinette
Signe Sõmer, Klarinette
Steinar Granmo Nilsen, Horn und Naturhorn
Niklas Sebastian Grenvik, Horn und Naturhorn
Alessandro Caprotti, Fagott
Jon Halvor Lund, Fagott
Cécile-Laure Kouassi, Kontrabass


Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Serenade Es-Dur, KV 375
Johan Kvandal (1919–1999): Nachtmusik, op. 57. Nonet für Bläseroktett und Kontrabass (1981)
Ketil Hvoslef (*1939): Retour à la Nature (2014)
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Parthia. Oktett Es-Dur, op. 103

Norwegen trifft Beethoven und Mozart „in Harmonie“, mit einer der führenden „Harmoniemusiken“ in Europa, der Oslo Kammerakademi. Das Ensemble benutzt historische Blechblasinstrumente, was seinen authentischen Klang bei historischem Repertoire ausmacht und Werken, die heute entstehen, das spezielle Timbre verleiht.

Zu Mozarts Zeit stellten sich die Höfe in Europa sog. Harmoniemusiken zusammen, mobile Ensembles aus Bläsern und einem Bass, die zur Unterhaltung spielten: bei Open-Air-Events, zum Festessen und bei Partys im Palast, in nächtlichen Gassen auch für die Bürger:innen. Dafür wurden Auszüge aus Opern und Symphonien „auf die Harmonie gesetzt“. Als sich die Besetzung etablierte, entstand für Harmonieensemble auch berückende Originalmusik, die aufhorchen und zuhören lässt.

So ergänzte Schlaukopf Mozart sein Sextett KV 375 um zwei Oboen, damit die 1782 gegründete Harmoniemusik des Kaisers in Wien es spielen konnte, und nannte es Serenade, Nachtmusik. 1981 zitiert Johan Kvandal, einer der beliebtesten norwegischen Komponisten, der seine tonale, neoklassisch-romantische Tonsprache mit norwegischem Akzent versieht, Mozarts Serenade. Nicht nur mit dem Titel seiner effektvoll-mitreißenden „Nachtmusik“ greift er sie auf, sondern variiert in ihr sogar ein Thema aus KV 375 und eröffnet rhythmisch ähnlich. Im letzten Satz klingt in Hornkaskaden Beethovens Parthia schwungvoll durch. Diese Partita ist, trotz der hohen Opuszahl ein Jugendwerk des Bonners. Auch wegen ihr prophezeite Haydn Ludwig, er werde einer „der größten Tonkünstler in Europa“ werden. Stimmungsvoll-berührend innerhalb einer klaren Form Ketil Hvoslefs „Retour à la Nature“. Diese „Rückkehr zur Natur“, für die Oslo Kammerakademi geschrieben, ist von den Naturhörnern des Ensembles und wohl auch von dem Aufklärungsphilosophen Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) inspiriert, der in seiner „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ schrieb: „(…) der Mensch ist von Natur aus gut (…). Man bewundere die menschliche Gesellschaft, soviel man will, es wird deshalb nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen notwendigerweise dazu bringt, sich in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen, außerdem sich wechselseitig scheinbare Dienste zu erweisen und in Wirklichkeit sich alle vorstellbaren Übel zuzufügen.“ Stellen die Naturhörner im Kontrast zu den modernen, zivilisierten Holzblasinstrumenten wohl das Ursprünglich-Wilde und, nach Rousseau, Gute dar?

www.oslokammerakademi.com

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Konzert

Ensemble 87

La Camorra

Krisztián Palágyi, Akkordeon
Sergey Markin, Klavier
Xenon Saxophon Quartett:
Lukas Stappenbeck, Sopran
Anže Rupnik, Alt
Álvaro Arias, Tenor
Benjamin Reichel, Bariton


Astor Piazzolla (1921–1992): La Camorra I | Milonga del Angel
Vladimir Zubitsky (*1953): Omaggio ad Astor Piazzolla, für Akkordeon solo
Astor Piazzolla: La muerte del Angel, für Saxophon Quartett | Contrabajissimo | La camorra II | Ressurreccion del Angel
Alberto Ginastera (1916–1983): Danzas Argentinas op. 1, für Klavier solo
Astor Piazzolla: La Camorra III

Piazzolla lässt es nicht los, das Ensemble 87: die Melancholie und Erotik, das Eruptive und Raue seines Tango Nuevo, die abrupten Wechsel ins Lyrische, Sentimentale, die herzzerreißenden Melodien. Rhythmus, Stolz und Vitalität. Der Argentinier revolutionierte den „schmutzigen“ Tango der Bars und Bordelle im Hafenquartier von Buenos Aires, indem er ihn mit Klassik und Jazz zu etwas ganz Neuem verschmolz. Nach einem kleinen Anlauf nahm er mit seinem Tango Nuevo die Konzertsäle der Welt im Sturm.

Es zündet, wenn das Ensemble 87, übrigens in weltweit einmaliger Besetzung, mit Piazzolla den Lebensbogen spannt: vom wundersamen Engel, den der Himmel schickt, bis in die Unter- und Halbwelt der New Yorker Clankriminellen. In zumeist eigenen Arrangements verweben die Jungs aus Russland, Slowenien, Spanien, Ungarn und Deutschland „La Camorra“ und die „Suite del Angel“ kunstvoll. Virtuos erzählen sie die Geschichte des Engels, der aus den Wolken herabsteigt und die sanfte Milonga tanzt, um die Seelen der porteños, der Menschen in Buenos Aires, zu betören und zu retten. In einem brutalen Kampf (Saxophonquartett solo) wird er ermordet; sein Tod ist ein Aufschrei. Dann aber feiert, verwandelt und schön, in „Resurreccion“ das Milongathema Auferstehung – und mit ihm der strahlende Engel.

Coole Soli kommentieren Piazzolla. Die „Ommagio“ des Akkordeonvirtuosen Zubitsky schreibt den Tango Nuevo auf ukrainische Art fort. Ginastera, Landsmann Piazzollas und Kreole wie er, konnte den alten Tango nicht leiden und griff auf andere Traditionen zurück. In seinen Argentinischen Tänzen für Klavier wird die Pampa hörbar. Schräg und torkelnd tanzt der alte Ochsenhirte, anmutig das schöne Mädchen, und der gesetzlose Cowboy rast in bissig-brachialem Jubel, fuchsteufelswild.

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Konzert

Ensemble Folk Baroque

Barock und folkig

Sebastian Schmidt, Blockflöte
Tabea Seibert, Blockflöte
Elias Conrad, Laute


Marco Uccellini (1603–1680): Aria sopra la Bergamesca
Jacob van Eyck (1590–1657): Engels Nachtegaeltje
Johann Joachim Quantz (1697–1773): Triosonate C-Dur
Anonymous: Greensleeves to a Ground
Signore Detri (18. Jh.): Sonate c-Moll
Henry Purcell (1659–1695): Chaconne
Traditional aus Schottland: Miss McLeod’s Reel
Georg Philipp Telemann (1681–1767): Triosonate F-Dur, TWV 42:F7
John Dowland (1563–1626): The Frog Galliard
Nicola Matteis (1650–1714): Ground after the Scotch Humour
Arcangelo Corelli (1653–1713): Sonate in F-Dur, op. 5 Nr. 10
Antonio Vivaldi (1678 – 1741): Triosonate g-Moll „La Follia“, RV63

Sie gehen sofort in die Beine, ihre Melodien stimmen die Herzen hoch: populäre grounds, ostinate, wiederkehrende Basslinien, über denen sich die Oberstimmen frei entfalten, sowie Volkslieder und Volkstänze, derer sich auch große Komponisten bedienten. Obendrein hat Folk Baroque berühmte Sonaten aus dem europäischen Barock auf dem Programm. So ist spätestens mit „Barock und folkig“ klar: Kunst- und Volksmusik sind kein Entweder-Oder, weil sie in unsterblichen Kompositionen verschmelzen und wenn die Traditionals so famos gespielt werden wie das, was gemeinhin als Kunstmusik gilt – von dem Preisträger-Ensemble Folk Baroque.

Es ist was los bei Folk Baroque. Die italienische Bergamesca: Uccellini schreibt eine Arie, die abgeht, auf diesen humoristisch-schnellen bäuerlichen Tanz. Van Eyck sammelte die Straßen- und Hausmusik seiner Zeit in seinem „Lusthof der Flöte“. Lustvoll-lustig lässt Folk Baroque seine „Englische Nachtigall“ ihr Sololied singen. Der Galliard: ein Springtanz im Dreier mit fröhlich-lebhaftem Nachtanz, von Dowland aber melancholisch verschattet. Miss McLeod’s Reel: ein schneller Tanz im zwei Halbe-Takt von der Isle of Skye und Raasay. Die Chaconne: ein langsamer Tanz im Dreivierteltakt und eine Variationsform mit sich wiederholtender Bassmelodie und festem harmonischen Schema. Die Chaconne von Purcell ist schwer, innig. Die Romanesca: das verbreitete melodisch-harmonische Modell liegt auch dem Folk Song und Evergreen „Greensleeves“ zugrunde. Und die Folia, ein populäres Melodie-, Harmonie und Rhythmusmuster, wird mit Vivaldi und Folk Baroque übermütig ausgelassen, in der Tat verrückt.

Darüberhinaus beliebte Sonaten und Triosonaten, galant und gar nicht melancholisch die von Quantz, auch bei Corelli kein Satz in Moll und ein wunderschönes Adagio, wobei Signore Detri, das One-Hit-Wunder, gerade in der Tonart c-Moll packt. „Luftige Unbeschwertheit“ wollte Telemann in seiner Triosonate erreichen: Zu solcher Leichtigkeit, bemerkt er, brauche es Meisterinterpreten. Wie die des Ensembles Folk Baroque.

www.sebastianschmidt.eu | www.tabeaseibert.de | www.eliasconrad.com

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Konzert

Open Chamber Berlin & Wu Wei

East Meets West

Wu Wei, Sheng Sheng
Erhu Martin Ripper, Blockflöten, Bahu
Catherine Aglibut, Barockvioline
Annette Rheinfurth, Violone
Christoph Sommer, Theorbe, Barockgitarre


Pierre Phalese (1510–1573): Pavane | Galliarde | Saltarello
Heinrich Schmelzer (1623–1680): Sonata a tre
Tarquinio Merula (1595–1665): La Cattarina
Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704): Preludio, aus: Mysteriensonate Nr. 1
Chinesisches Traditional: Jaos Tanzlied
Dario Castello (1602–1631): Sonata Quarta Improvisation
Nicolaus Bruhns (1665–1697): Sinfonia, aus: Hemmt Eure Tränenflut
Dario Castello: Sonata decima
Improvisation
Chinesisches Traditional: Der Fluss
Antonio Vivaldi (1678–1741): La Follia
Chinesisches Traditional: Drachentanz

Open Chamber: der Name weist auf das offene Zimmer, den Probenraum mit Flügeltür, die offen steht, sperrangelweit, einladend, in der Musikmetropole und Vielvölker-Weltstadt Berlin. Open Chamber: der Name ist auch Programm. Denn exzellente Virtuos:innen treffen sich dort, um „offene Kammermusik“ zu machen – Musik, die Schwellen und Grenzen übertritt, Konventionen übersteigt. Sie kommt aus der Tradition ebenso wie aus dem Heute, aus hoher Könnerschaft und Wissen ebenso wie aus dem Geist der Freiheit und der Improvisation, den man zu allen Zeiten schätzte. Die Jahrhunderte, die Kulturen und die Sprachen der Interpret:innen, der Klang ihrer Instrumente verschmelzen in solch offener Kammermusik zu einem Neuen. Mit dem Sheng-Virtuosen Wu Wei ist, was entsteht, ein Drittes aus Ost und West, das man noch niemals gehört hat. „Was verbindet“, so die Initiatorin Catherine Aglibut, „ist der Wunsch nach Authentizität, emotionaler Tiefe und musikalischer Relevanz“.

Open Chamber sind Spezialist:innen für Alte Musik, die als Mitglieder renommierter Ensembles für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts vielfach ausgezeichnet wurden und weltweit gastieren.

„East Meets West“ ist Alte Musik aus Europa und China – aus der Open Chamber auf historischen Instrumenten des Westens, auch der chinesischen Rohrblattflöte Bahu, und Wu Wei auf der Mundorgel inspiriert und kunstvoll „ihr eigenes Ding“ machen. Die „liebliche Chineser Orgel“ erregte schon im 18. Jh. auch in Europa Aufsehen. Jetzt tut sie es mit Wu Wei, dem international bekanntesten Sheng-Virtuosen, der sich virtuos zwischen Alter und Neuer Musik, Jazz-Improvisation, Minimal Music und klassischer chinesischer wie europäischer Musik bewegt. Als Solist tritt er weltweit mit den größten Orchestern und berühmten Dirigenten auf.

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Konzert

Maximilian Krome, Rie Koyama & Enikö Bors

Schattenspiele

Maximilian Krome, Klarinette
Rie Koyama, Fagott
Enikö Bors, Klavier
Gotthard Odermatt, Moderation


Vincent d´Indy (1851–1931): Trio B-Dur, op 29 für Klarinette, Cello (Fagott), Klavier
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847): Konzertstück Nr. 2 d-Moll, op. 114
Gotthard Odermatt (1974*): Schattenspiele, op 36. Trio für Klarinette, Fagott und Klavier (Uraufführung)
Michail Iwanowitsch Glinka (1804–1857): Trio pathétique d-Moll für Klarinette, Fagott und Klavier

Hell-Dunkel im Extrem und alles dazwischen, reiche Melodik, üppige Harmonien, farbige Rhythmen – dabei ein brandneues Werk, das Freude und Sinn macht, existenziell anspricht und Anspruch hat.

„Das Wichtigste: dass die Musik in irgendeiner Form das Herz berührt. Das ist für mich das Wesentliche. (…) Dabei steht für mich nicht die Stilfrage im Vordergrund, ob nun etwas ‚moderner‘ oder ‚weniger modern‘ daherkommt“, so der namhafte Schweizer Komponist Gotthard Odermatt. Auch in den „Schattenspielen“, die er Enikö Bors, quasi als ihr musikalisches Portrait, gewidmet hat, verfolgt er diesen „Herz-Ansatz“. Mit Rie Koyama, die mehr als zwanzig nationale und internationale Wettbewerbe gewann, und Maximilian Krome, der 2020 mit seinem franz ensemble den Opus Klassik bekam, bringt die mehrfach ausgezeichnete Pianistin Odermatts kontrastreich-bezauberndes Trio zur Uraufführung. Gotthard Odermatt selbst wird in das Stück und seine Entstehung einführen.

Zuvor d’Indys Riesenwerk in B-Dur – ein „Schlachtschiff“, mit dem der Mittdreißiger auch als Pianist schwer beeindruckte und das nicht nur im Klavier brilliert. Ein Wechselspiel der Stimmungen und Atmosphären aus einem Thema, das alle Sätze durchzieht und im Finale gleißend-strahlend zum Höhepunkt kommt. In einer Pirouette mit Anlauf endet dagegen Mendelssohns Trio. Trotz d-Moll ist es unbeschwert-heiter – wie ein perfekter Sommerabend, so licht. Hochpathetisch in derselben Tonart dagegen Glinkas Trio. Der spätere „Vater der russischen Musik“ schrieb es in Mailand, wo er sein chronisches Brustleiden mit Ärzten und Kampferpflastern kurieren wollte und Komposition studierte. Vor allem ging er täglich in die Oper und sog den Belcanto sowie Donizettis und Bellinis Pathos ein. Ob er nicht nur krank, sondern auch unglücklich war? „Ich kenne die Liebe nur durch den Schmerz, den sie bringt“, steht in der Handschrift seines Trios. Gegen das unruhige Anfangsmotiv, das im Laufe des Stückes immer leidenschaftlicher und erregter wird, setzt der 28-Jährige andere Motive, schwelgerisch, wunderschön, wehmütig-elegisch. Der Schluss ein dramatischer Triumph. Eine erfolgreiche Selbsttherapie?

www.maximiliankrome.de | www.rie-koyama.com | www.enikoebors.com

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Konzert

Nieuw Amsterdams Klarinet Kwartet

Wunderhorn

Sergio Hamerslag, Klarinette, Es-Klarinette
Bart de Kater, Klarinette, Bassethorn
Tom Wolfs, Klarinette, Bassethorn
Jesse Faber, Bassklarinette


Gustav Mahler (1860–1911):
Nachtmusik I, aus: Sinfonie Nr. 7 (arr. Bram Faber)
Ging heut morgen übers Feld, aus: Lieder eines fahrenden Gesellen (arr. Jesse Faber)
Trauermarsch, aus: Sinfonie Nr. 5 (arr. Jesse Faber)
What the Wild Flowers Tell Me, aus: Sinfonie Nr. 3, bearb. von Benjamin Britten (arr. Jesse Faber)
Gustav Mahler/Bram Faber: Mahlers Walzerfolge
Gustav Mahler/Radek Fedyk: Gustavski Kuckuck
Gustav Mahler: Rondo burlesk, aus: Sinfonie Nr. 9 (arr. Marijn van Prooijen)
Ich bin der Welt abhanden gekommen, aus: Rückert-Lieder (arr. Bram Faber)
Gustav Mahler/Bram en Jesse Faber: Kann der Gustav kochen?

Allerfeinste Klarinettenkunst! Dazu Spielfreude, echt musikantisch, Delikatesse und Charme, der einnimmt, außerdem Humor. Doch noch mehr Tiefgang. Kein Wunder also, dass das Nieuw Amsterdams Klarinet Kwartet in den Niederlanden ein Liebling des Publikums ist und auch auf internationalen Bühnen begeistert aufgenommen wird.

Aber dürfen die Viere das denn: Mahlers Musik auch ein wenig als „die ihre“ betrachten, weil die Klarinette in seinem Werk eine so wichtige Rolle einnimmt? Darf und kann man Mahlers Musik – mit all ihrem Reichtum an Farben, Stimmungen und Gefühlen, ihren Erregtheiten und Downs, ihren Steigerungen, Höhepunkten und Kippmomenten, ihren Extremen – überhaupt auf vier Klarinetten übertragen? Ja! Denn auf diesen „Wunderhörnern“ entsteht etwas Anderes, Neues, das einen eigenen Kunstcharakter hat.

So muss man bei „Ging heut morgen übers Feld“ nicht von Mahlers unglücklicher Liebe wissen, als er dies „Lied eines fahrenden Gesellen“, Text und Musik, schrieb. Man versteht ja das große Ja zum Leben, das der Liedrefrain „Wird’s nicht eine schöne Welt?“ explizit ausspricht, auch in den bloßen Klängen der Klarinetten. Man sieht ja das Funkeln der Welt, wie „alles Ton und Farbe gewann im Sonnenschein“, wenn man das Strahlen der Wunderhörner hört. Und desillusioniert erwacht man mit dem Klarinettenquartett aus dem Traum von der schönen Welt, der erfüllten Liebe, auch ohne den Text des Liedes: „Nun fängt auch mein Glück wohl an? Nein, nein, das ich mein’, Mir nimmer, nimmer blühen kann!“

Das neue Amsterdamer Klarinettenquartett übersetzt Sätze aus Sinfonien und Lieder Mahlers für seine „Wunderhörner“ und macht freie Remixes aus seinen Musiken – muntere Kuckuckskinder, leckere Gerichte.

www.nakk.nl

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Konzert

Sebastian Manz & Sebastian Studnitzky

The Bernstein Story

Sebastian Manz, Klarinette, Bassklarinette
Sebastian Studnitzky, Klavier, Live-Elektronik


Sebastian Manz (*1986): Le Cauchemar de Stravinsky
Igor Strawinsky (1882–1971): Aus: Drei Stücke für Klarinette solo
Leonard Bernstein (1918–1990): Sonate für Klarinette und Klavier*
Sebastian Manz, Sebastian Studnitzky (*1972): Melancolenny, nach Bernsteins Klarinettensonate
Leonard Bernstein: Chichester Psalms*
Steve Reich (*1936): New York Counterpoint, für Klarinette und Tape
Sebastian Studnitzky: Auriel | Axis
Leonard Bernstein: Prélude, Fugue and Riffs*
*arr. Manz bzw. Studnitzky

„Gewagt, ganz klar“, kommentiert der Star-Klarinettist Sebastian Manz die „Bernstein Story“, die er mit dem renommierten Jazzpianisten Sebastian Studnitzky in New York City „geschrieben“ hat. Doch gewagt ist hier gewonnen, das Experiment geglückt.

Cool, gekonnt, ernsthaft und frei – die „Bernstein Story“ ist kein konventionelles Crossover, sondern ein souveränes Spiel der Topvirtuosen mit ausgesuchten Werken Leonard Bernsteins, in dem Neues im Feeling und Spirit der 2020er entsteht. Die musikalischen Ideen „Lennys“ werden improvisierend ausgeweitet, „ausgeweidet“ (Studnitzky), auseinandergenommen, neu zusammengesetzt, mit elektronischen Sounds und Loops verfremdet. Studnitzkys „Auriel“ und „Axis“ mischen Klavier solo mit Elektrosounds. In Reichs „New York Counterpoint“ lässt Manz die Klarinette solo über einem sphärischen elektronischen Klangteppich singen und beaten: Minimal Music, die den Puls und die nervösen Vibes Manhattans suggeriert, während „Melancolenny“ nach Bernsteins Klarinettensonate von tiefer Melancholie zu manischem Ausgelassensein aufsteigt. „Strawinskys Albtraum“ und zwei seiner Stück für Soloklarinette eröffnen das Programm, hat sich Bernstein doch ausdrücklich auf ihn bezogen.

www.sebastianmanz.com

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Konzert

Jaan Bossier Quartet

Echo

Jaan Bossier, Klarinette, Bassklarinette, Komposition
Megumi Kasakawa, Bratsche
Gwen Cresens, Akkordeon
Axel Ruge, Kontrabass


Neue Weltmusik aus Klezmer und Klassik, Flamenco und Experiment

Artistische Läufe, solistisch oder unisono zu viert, Ausgelassenheit, die den Atem nimmt, und Ruppigkeit, Leidenschaft bis zum Wahnsinn. Oder Leid, Zärtlichkeit, Melancholie, die Trauer um Vergänglichkeit, die Macht von Gewalt. Alles ist rhythmisch komplex, harmonisch überraschend, mit schönsten Melodien natürlich, die das Herz zerreißen, äußerst fein verziert oder rasant umspielt: Das Jaan Bossier Quartett macht kunstvollste Weltmusik von heute. Sie spricht, streichelt, schreit in einer ureigenen Sprache, die allerdings alle verstehen. Sie nimmt und reißt mit. Sie ist aus Klezmer und Flamenco, Klassik und experimentellen Formen geboren, aus Anteilnahme und Zeitgenossenschaft wie aus der Stille des Lauschens nach innen.

Jaan Bossier komponiert und arrangiert für das originell besetzte Quartett. Dabei versteht er sich zuvorderst als einen, der hört. Auf die andern und auf sich selbst. Seine Kolleg:innen sind so offen und vielseitig wie er, und solche Könner. Sie bringen ihr Eigenstes mit ins Spiel. „Ich möchte, dass die Versatzstücke unterschiedlicher Kulturen aufeinanderprallen und sich vereinigen in meiner Musik“, kommentiert der Klarinettenvirtuose sein Komponieren. Und: „Ich lerne am meisten durch Zuhören – hört genau zu und lasst eure innere Stimme singen.“

Die Figur der Nymphe Echo, und die „15 spanischen Volkslieder“, mit denen der Dichter Federico Garcia Lorca in den 1920-ern durch Bars in Andalusien tingelte, inspirierten Bossier. Darunter das, schaut man heute nach Osten, dramatisch aktuelle „De profundis“: „Die hundert Liebenden / schlafen für immer / unter der trockenen Erde. / Andalusien hat / lange rote Straßen. / Córdoba, grüne Olivenbäume / um hundert Kreuze aufzustellen / die an sie erinnern. / Die hundert Liebenden / schlafen für immer.“ Das Jaan Bossier Quartett wendet den alttestamentarischen Schrei des 13. Psalms, der „aus der Tiefe, de profundis, der Schuld“ um Vergebung bittet und schon mehr als 2.000 Jahre zum Himmel geht, in einen leidenschaftlichen Appell an unsere Menschlichkeit.

www.jaan-bossier.com

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Konzert

14 Berliner Flötisten

Zauberflöten

Die 14 Berliner Flötisten
Andreas Blau, Leitung


Georg Friedrich Händel (1685–1759): Einzug der Königin von Saba
Joh. Sebastian Bach (1685–1750): 3. Brandenburgisches Konzert
Maurice Ravel (1875–1937): Le Tombeau de Couperin
Richard Strauss (1864–1949): Serenade Es-Dur op. 7
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847): Scherzo, aus: Ein Sommernachtstraum
Georges Bizet (1838–1875): Suite Arlésienne
Claude Debussy (1862–1918): Claire de Lune
Leonard Bernstein (1918–1990): America, aus: West Side Story
Grigoras Dinicu (1889–1949): Hora Staccato

Sommermusiken im neuen Kleid, hell und pastellig und frisch. Freude pur. Berühmte Werke der Klassik, von denen man gewiss so manches im Ohr hat: Mit einem der ausgefallensten Ensembles überhaupt sind sie nun neu zu entdecken.

Die 14 Berliner Flötisten haben unterhaltsame Standards, von der Serenade bis zum hochvirtuosen Schaustück, für ihre Besetzung bearbeitet. Sie entführen mit ihnen in eine Klangwelt, die in ihrer Brillanz überrascht und durch sinfonische Komplexität überzeugt, in ihrer Farbigkeit aber verzaubert. Der Sound der Flöten ist orchestral, kommen zu den Piccolo- und großen Flöten, den Alt-, Tenor- und Bassflöten, die man aus dem normalen Orchester kennt, doch noch die ganz tiefen Kontrabass- und Subkontrabassflöten hinzu. Die hört und sieht man sonst kaum, echte Blickfänger, zum Staunen.

Andreas Blau, seinerzeit Soloflötist der Berliner Philharmoniker, versammelte 1996 – die Mauer war gefallen, Deutschland wiedervereinigt – Flötist:innen aus den bedeutenden Ost- und West-Berliner Symphonie- und Opernorchestern zu einem Ensemble, das die Welt noch nicht gehört hatte. Auch nach über 25 Jahren sind Die 14 Berliner Flötisten heute noch immer ein Ausnahmeorchester: 14 Magier mit „Zauberton, / Weil, holde Flöte durch dein Spielen, / Selbst wilde Tiere Freude fühlen“ (Mozart).

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Konzert

Xenon Saxophone Quartet & Nordwestdt. Philharmonie

Soundtracks

Nordwestdeutsche Philharmonie Gábor Hontvári, Leitung
Xenon Saxophone Quartet: Lukas Stappenbeck, Sopran
Anže Rupnik, Alt
Álvaro Arias, Tenor
Benjamin Reichel, Bariton


Erich Wolfgang Korngold (1897–1957): The Sea Hawk: Main Title, Reunion & Finale
Alan Silvestri (*1950): Back to the Future
Guillermo Lago (Willem van Merwijk) (*1960): Ciudades: Cordoba, Sarajevo, Addis Abeba, für Saxophonquartett und Orchester – Uraufführung
Jerónimo Giminéz (1854–1923): La boda de Luis Alonso: Intermezzo
Pedro Iturralde (*1929): Pequeña Czardas, für Saxophonquartett und Orchester
Elmer Bernstein (1922–2004): Die glorreichen Sieben
John Williams (*1932): Indiana Jones: Raiders March | E.T.: Flying Theme | Schindler’s Liste: Main Theme | Superman: Love Theme and Superman March
Danny Elfman (*1953): Spiderman: Music from Spiderman (Main Theme) (arr. John Wasson)
John Williams: Star Wars: Princess Leia’s Theme | Imperial March

Soundtracks zu den Kino-BlockBustern der Welt mit dem preisgekrönten jungen Dirigenten Gábor Hontvári und der Nordwestdeutschen Philharmonie, einem der drei Landesorchester Nordrhein-Westfalens.

Abenteuer-Musik: ein veritabler „Fluxkompensator“, der den inneren Beamer anwirft. Da rast Marty McFly mit der Zeitmaschine von Doc Brown – ihr Fluxkompensator macht’s möglich – back to the future, in die Zukunft zurück. Die glorreichen Sieben reiten und reiten und retten das mexikanische Dorf. Herzzerreißend sehnt sich E. T. nach Hause zurück, und Harrison Ford jagt als Indiana Jones nach der Bundeslade, im Krieg der Sterne befreit er als Han Solo Prinzessin Leia. Verbrecher werden von Spider- und Superman bestraft, und Forrest Gump wartet auf der Bank auf seinen Bus. Und wartet … Oder macht sich, gegen die berühmten Stories, jeder seine eigenen Filme zu diesen Musiken, erfindet sich jede frei ihre eigenen Stories dazu?

Mitten in den Filmmusiken flirrende Soundtracks zu Städten, die dem niederländischen Komponisten Guillermo Lago am Herzen liegen. Er hat seine „Ciudades“ original für Saxophonquartett komponiert, dann im Auftrag von Summerwinds für Saxophonquartett und Orchester umgeschrieben. So entführen das mehrfach ausgezeichnete Xenon Quartett und das philharmonische Orchester von der westfälischen Waldbühne nach Cordoba, Sarajevo, Addis Abeba. Und mit dem berühmten rumänischen Czardas Itturaldes – in den heißen Süden, nach Spanien.

www.xenonquartet.com | www.nwd-philharmonie.de

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Konzert

Theo Plath & Sinfonietta Köln

Con Spirito

Sinfonietta Köln Cornelius Frowein, Leitung
Theo Plath, Fagott


Johann Christian Bach (1735–1782): Sinfonie D-Dur, op. 18, Nr. 4
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Konzert B-Dur für Fagott und Orchester, KV 191
Arvo Pärt (*1935): Fratres. Version für Streicher und Schlagwerk (1991)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Sinfonie D-Dur, KV 385, „Haffner Sinfonie“

Wer spielte das Fagott-Konzert von Mozart temperamentvoller, sanglicher und eleganter, wer spielte es expressiver und farbiger als Theo Plath, einer der faszinierendsten Fagottist:innen seiner Generation. Unvermittelte Registerwechsel, große Intervallsprünge, spielerische Läufe und weite Melodiebögen hat der 18-jährige Mozart für das noch immer als Solist unterschätzte Fagott, das „sich im Kirchensaale mit Majestät hören“ lässt (Schubart, 1784), komponiert. Zehn Jahre bevor er sein Fagottkonzert schrieb, hatte das Wolferl mit dem „Londoner Bach“ in London musiziert und sein Vater ihm empfohlen, von Joh. Christian zu lernen. Der „Vater und Erfinder“ der Wiener Klassik hatte großen Einfluss auf den jungen Mozart. Es verkehrt die Genese, wenn man sagt, Bachs D-Dur-Sinfonie klänge „mozartisch“.

Kaum größer könnte ein Kontrast sein: minimalistische Klangflächen, Muster aus Dreiklängen, die statisch wirken und ineinanderfließen, bei Arvo Pärt. Der Este komponiert nach seinem „Tintinnabuli“-Prinzip, das auf Beschränkung auf das ihm Wesentlichste, den Klang, auf Entfaltung der Obertöne aus ist. Er wolle „Unendlichkeit und Keuschheit“ erreichen. Was das sei, könne er nicht erklären, „man muss es wissen, man muss es fühlen, man muss es suchen, man muss es entdecken, man muss es ersehnen – der ganze Rest kommt von allein. Dann wird man Ohren bekommen, um zu hören, und Augen, um zu sehen.“

Seine D-Dur-Sinfonie, schrieb Mozart dem Vater 1783, „muss gewiss guten Effekt machen“. Er hatte sie zur Feier der Erhebung des Salzburgers Sigmund Haffner in den Adelsstand geschrieben: einen feurig-noblen ersten Satz, bezaubernd-graziös, in Melodie schwelgend der zweite langsame, ein stürmisch-festliches Finale, zu spielen „so geschwind als es möglich ist“.

Intensiv, äußerst klangsinnlich, rhythmisch und dynamisch konturiert, strahlend das Spiel der Sinfonietta Köln unter Cornelius Frowein. Con spirito – inspiriert, spirituell und feurig, klingen die sechsten Summerwinds aus.

www.sinfonietta-koeln.de | www.theoplath.de

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Erik-Bosgraaf, © Paul und Menno de Nooijer
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summerwinds münsterland

Veranstalter: GWK - Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit e.V.

Summerwinds Münsterland. Internationales Holzbläser Festival
24. Juni bis 2. September 2022


Wieder durchweht das internationale Holzbläserfestival Summerwinds Münsterland den Nordwesten Nordrhein-WWestfalens. Vom 24. Juni bis zum 2. September 2022 präsentieren wir, die GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit, in Kooperation mit mehr als 50 Partnern in der Region an attraktiven Spielorten hochkarätige Konzerte aus Klassik, Crossover, Weltmusik. In diversen, traditionellen und originellen, Ensemblekonstellationen sind Vielfalt, Farbigkeit und Innovationsreichtum der Holzbläserszene zu erleben.

Ein Festival, das die Holzblasinstrumente in den Fokus nimmt, ist in Europa einzigartig. Und für alle ist etwas Besonderes dabei. Wir bieten Programme mit Musik von der Renaissance bis heute mit international renommierten Solist:innen und Ensembles, mit Big Names, aber auch Rising Stars, die Preisträger großer Wettbewerbe sind, und mit solchen Interpret:innen, die als Geheimtipp gelten. Reine Holzbläser- und gemischte Kammermusik-Ensembles, bunt besetzte Bands sowie Orchester mit Solist eröffnen die reichen Klangwelten der „woodwinds“. In herkömmlichen und experimentellen Besetzungen kommen die klassischen Holzblasinstrumente – Blockflöte und Flöte, Oboe, Klarinette, Saxophon und Fagott – auf die Bühne. Aber auch die chinesische Sheng und die Bawu, die irische Flöte, die litauische Birbyne und die Ney sind in originellen Line-ups zu erleben.

Klein und fein, immer besonders – auch die Summerwinds-Spielorte sind eine Reise wert: das typisch münsterländische Wasserschloss oder das „Westfälische Versailles“, der umgenutzte Gutshof oder das klassizistische Herrenhaus, barocke und zeitgenössische, atmosphärisch und akustisch besonders schöne Kirchen, Klosteranlagen, die als spirituelles oder kulturelles Zentrum genutzt werden, das moderne Kunst-, Heimat- oder Themenmuseum, das Theater. Wer die Konzerte besucht, lernt auch die Region, ihre Gegenwart und ihre Geschichte, Land und Leute kennen.

Nicht mehr geschmäht, wird sie heute geliebt und gerockt: die Blockflöte. So eröffnet der beliebte BlockBuster auch 2022 das Summerwinds-Festival. Vom 24. bis 26. Juni steht in Münster die Blockflöte im Zentrum. Abendkonzerte präsentieren weltweit gastierende Solisten und Ensembles aus den Niederlanden. Tagsüber wird die lichtdurchflutete Bürgerhalle der Bezirksregierung am Domplatz zur „Messehalle“. Hier bieten namhafte Blockflötenbauer und -firmen ihre Instrumente an, Musikalienhandlungen all das, was man rund um die Blockflöte braucht. Es gibt Workshops und Konzerte mit ausgewählten Laien- und Nachwuchsensembles.

Lassen Sie sich in diesem Sommer von unsrer Musik durchwehn! Herzlich lade ich Sie zu sanften Brisen und musikalischen Stürmen im Münsterland ein.

Susanne Schulte
Intendantin, Leiterin der GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit

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Bewertungen & Berichte summerwinds münsterland

Ereignisse / Festival MünsterlandFestival Greven, Airportallee 1
Ereignisse / Festival Morgenland Festival Osnabrück Osnabrück, Lohstraße 45a
Ereignisse / Wettbewerb Neue Stimmen Wettbewerb Güthersloh 26. bis 30.6.2022
Konzerte / Konzert Nordwestdeutsche Philharmonie Herford, Stiftbergstraße 2
Ereignisse / Festival lichtsicht Bad Rothenfelde Bad Rothenfelde
Ereignisse / Festival Kulturwiesen UG (haftungsbeschränkt)
Fr, 12.8.2022, 20:00 Uhr
Ereignisse / Kulturveranstaltung Kurhaus Bad Hamm Hamm, Ostenallee 87

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