Salzburger Festspiele 2018

Fr, 20.7.2018 - Do, 30.8.2018

Oper 2018

Die Zauberflöte

Wolfgang A. Mozart

Eine deutsche Oper in zwei Aufzügen KV 620 (1791)
Libretto von Emanuel Schikaneder

Neuinszenierung

In deutscher Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

Zauberoper, Singspiel, Maschinenkomödie, Freimaurerritus mit ägyptischen Mysterien, heroisch-komische Oper? Die Zauberflöte wird so viel gehört, so häufig aufgeführt, beredet, bezweifelt und befragt wie kaum ein anderes Werk der Operngeschichte. Selten wurde die Rätselhaftigkeit und Vielgestalt eines Werkes derart mantrisch beschworen. Und ebenso selten war ein Werk trotz dieser Diskussionen so unangefochten erfolgreich –und das seit über 200 Jahren.

Singspiele in märchenhaftem Ambiente waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an den Wiener Vorstadtbühnen en vogue. Auch Die Zauberflöte steht in dieser Tradition: der temperamentvolle Einstieg in die Handlung mit spektakulärer Verfolgungsjagd von Prinz und Ungeheuer, eine Liebesgeschichte, an deren Anfang der Auftrag steht, eine entführte Prinzessin zu befreien, und in der mit der Königin der Nacht und Sarastro zwei Antagonisten um das Gute und Böse in der Welt zu ringen scheinen, „lustige Figuren“ wie Papageno, der wie ein Rousseau’sches Naturwesen durch alle Prüfungen hindurchstolpert und sich dabei nicht nur seinen Platz im Gefüge dieser Oper, sondern auch in den Herzen der Zuschauer eroberte. Und nicht zuletzt die Zauberflöte, ein magisches Instrument als „Titelfigur“, das gemeinsam mit dem ebenso wundersamen Glockenspiel Schicksal spielt. Der vielbegabte Künstler und geschäftstüchtige Impresario Emanuel Schikaneder, dessen Theater auf der Wieden für seinen eindrucksvollen Verwandlungs- und Maschinenzauber bekannt war, ließ sich bei der Arbeit am Libretto von Christoph Martin Wielands Märchensammlung Dschinnistan inspirieren. Auch spiegelt sich in Mozarts Werk die Faszination der Zeit für antike Mysterien. Deren Initiationsrituale, in denen Prüfungen und die Konfrontation mit dem Tod integraler Bestandteil waren, inspirierte nicht zuletzt die Freimaurer für ihre Einweihungszeremonien. Mozart, selbst Mitglied einer Loge, waren sie wohlbekannt.
Ob der Text durch das Einfließen heterogener Stoffquellen einer nur bedingt logischen Dramaturgie folgt oder Mozart und Schikaneder gerade durch die Verbindung von Märchenelementen, Mysterienspiel und Aufklärungsgedanken eine eigene, in sich schlüssige Dramaturgie geschaffen haben, sei dahingestellt. Je nach Blickwinkel ändert sich die Perspektive auf diese schillernde Oper. Denn wer verkündet in diesem Werk die „Weisheitslehren“, die als Märchentugenden ebenso wie als Freimaurermaximen gelesen werden können? Drei rätselhafte Damen sind es, die im ersten Aufzug von Tamino „Mut und Standhaftigkeit “, „Tapferkeit“ sowie „Lieb und Bruderbund“ fordern. Von „Freundschaft“ sprechen Pamina und Papageno. Sarastro demgegenüber beansprucht dieselben, also keineswegs neuen Begriffe für sich und seine Philosophie. Drei Knaben, deren Zugehörigkeit zur Königin der Nacht oder zu Sarastro im Unklaren bleibt, geben Tamino ihre jugendliche Weisheit mit auf den Weg. Ihr Rat ist es, den er sich „ewig ins Herz gegraben“ wünscht. Nach ihrem Erscheinen weitet Mozart im Finale des ersten Aktes den Tonartenkosmos rasant – als ob er den unschuldigen Blick auf die Märchenwelt, mit ihrem klaren Gegensatz von Gut und Böse, verunsichern wollte, indem er ihr eine zunehmend komplexer werdende Welt gegenüberstellt. Nun stehen alle Figuren auf dem Prüfstand, schließlich sogar das humanistische Ideal der Aufklärung an sich.
Am Ende siegt in der Zauberflöte die Liebe – und das Rätsel. Ihre erzählerische Kraft nämlich findet sich gerade im Überbordenden und in der Fantasie, mit der die beiden Autoren ihre „deutsche Oper“ ausgestattet haben. Gerade das Überblenden von scheinbar Märchenhaftem mit vermeintlich von der Vernunft Erhelltem lässt uns in der Schwebe – wie die drei Knaben, die als kindlich Unwissende und märchenhaft Wissende die Protagonisten durch die Geschicke leiten. Der Dichotomie von Gut und Böse setzen sie die Urteilskraft des Herzens entgegen und liefern so einen weiteren Schlüssel zur Lösung des Rätsels Zauberflöte.
Ina Karr

Constantinos Carydis, Musikalische Leitung
Lydia Steier, Regie
Katharina Schlipf, Bühne
Ursula Kudrna, Kostüme
Olaf Freese, Licht
Ina Karr, Dramaturgie

Matthias Goerne, Sarastro
Mauro Peter, Tamino
Albina Shagimuratova, Die Königin der Nacht
Christiane Karg, Pamina
Ilse Eerens, Erste Dame
Paula Murrihy, Zweite Dame
Geneviève King, Dritte Dame
Adam Plachetka, Papageno
Maria Nazarova, Papagena
Michael Porter, Monostatos
Tareq Nazmi, Sprecher
Bruno Ganz, Erzähler
Wiener Sängerknaben, Drei Knaben

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Großes Festspielhaus)

Termine:

Fr, 27.7.2018, 19:00 | |
Di, 31.7.2018, 19:30 | |
Sa, 4.8.2018, 19:00 | |
Di, 7.8.2018, 19:00 | |
Mi, 15.8.2018, 19:00 | |
Fr, 24.8.2018, 19:00 | |
Do, 30.8.2018, 18:00 | |

Salome

Richard Strauss

Musikdrama in einem Aufzug (1905)
Libretto vom Komponisten nach dem Schauspiel Salomé (1893) von
Oscar Wilde
in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann

Neuinszenierung

In deutscher Sprache mit Übertiteln

„Als aber der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen. Und sie gefiel Herodes so sehr, dass er schwor, ihr alles zu geben, was sie sich wünschte. Da sagte sie auf Drängen ihrer Mutter: Lass mir auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes herbringen.“ Das Ereignis, das zur Enthauptung Johannes’ des Täufers führt, wird in den Evangelien des Matthäus und des Markus in knappen Sätzen erzählt. Die Stieftochter des galiläischen Tetrarchen Herodes ist hier noch namenlos, und ihre ungeheure Forderung entspringt nicht dem eigenen Willen, sondern dem ihrer Mutter Herodias, die den unbequemen Propheten hasst. Was Salome (ihr Name ist erstmals aus dem fünften Jahrhundert überliefert) zum Mythos machen wird, ist allerdings klar benannt: das Sich-zur-Schau-Stellen im Tanz, zugleich die Faszination des Schauenden und die Macht, die das Betrachtete über ihn ausübt. Es scheint, als hätten die Künstler, allen voran die Maler, die Nüchternheit der biblischen Schilderung jahrhundertelang als nie versiegende Anregung empfunden, der Geschichte sinnliche Konkretheit zu verleihen und sie in den schillerndsten Farben auszuschmücken.
Eine literarische Hochkonjunktur erlebte Salome im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts: als Femme fatale und Inbild pervertierter Lust. Den Höhepunkt bildet Oscar Wildes in französischer Sprache verfasste, den Geist des Fin de Siècle atmende Tragödie Salomé. Die ursprüngliche Blickkonstellation erweiternd, spinnt Wilde ein ganzes Netz von obsessiven und unerwiderten Blicken zwischen den Figuren, als Ausdruck oder Quelle von Begehren. Kann man sich dem Blick entziehen, wie Jochanaan glaubt, der Salome verbieten will, ihn anzusehen „mit ihren Goldaugen unter den gleißenden Lidern“? Lässt sich der Blick verleugnen, um einzig dem Wort zu vertrauen? Wildes Tragödie entfaltet sich zwischen den Polen von Auge und Ohr, Körperlichkeit und Geistigkeit, Klang und Wort, Schauen und Erkennen.
Als Richard Strauss 1903 begann, eine gekürzte deutsche Übersetzung des skandalumwitterten Stücks zu vertonen, sah er sich vor die Herausforderung gestellt, diese Gegensätze im Medium der Musik zu vermitteln – oder auch zu relativieren. Als Komponist fand Strauss nach den symphonischen Dichtungen mit Salome nun auch im Bereich der Oper zu einer eigenständigen Sprache: Der bis dahin ungeahnte Reichtum an Klangfarben ist nur eines ihrer unverwechselbaren Merkmale.

Der italienische Regisseur Romeo Castellucci, ein profunder Erforscher der Kraft des Sehens, verstanden auch als das, wovon wir gesehen werden, wird die Verborgenheiten dieser „Tragödie des Blickes“ ergründen. Als Künstler, der über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügt, Bilder hervorzubringen, in denen das Wissen des Unbewussten pulsiert, nähert er sich Salome, indem er den Schauplatz des theatralen Geschehens als Ausgangspunkt nimmt. Durch einen Eingriff in das klassische Bild der Felsenreitschule mit ihren aus dem Gestein des Mönchsbergs gehauenen Arkaden wird der Eindruck des Erstickens suggeriert. Man könnte ihn als objektives Korrelat zu dem Gefühl von Bedrängung betrachten, das die Protagonistin von allen Seiten umgibt und das die Musik sowie das Fangenspiel der Worte in ihren Wiederholungen das gesamte Libretto hindurch erfüllt.
Die für Salzburg konzipierte Inszenierung macht die Figur der Salome zum Angelpunkt, verwandelt sie in die Flamme, die alles Anwesende belebt und die im Tanz der sieben Schleier emporlodert und sich verbraucht. Der Tanz bildet den Höhepunkt, eine Manifestation von Stärke und ein letztes Aufzucken, das den Zuschauer berührt.
In einem szenischen Bild, in dem erhabene neben gewöhnlichen Elementen existieren, stellt Castelluccis Regie weniger die Sehnsucht nach der Kopftrophäe des Jochanaan in den Vordergrund als das Abschneiden, das Wegschneiden; nicht das Objekt der Begierde, das immer schon verloren ist, sondern die berührende Einsamkeit einer Frauenfigur, an der wir Anteil nehmen. Und hier stürzt der Akt des Ansehens durch seine endgültige Unterbindung in den Abgrund des Begehrens.
Christian Arseni, Piersandra Di Matteo

Franz Welser-Möst, Musikalische Leitung
Romeo Castellucci, Regie, Bühne, Kostüme und Licht
Cindy Van Acker, Choreografie
Silvia Costa, Künstlerische Mitarbeit
Piersandra Di Matteo, Dramaturgie
Alessio Valmori, Mitarbeit Bühne
Marco Giusti, Mitarbeit Licht

John Daszak, Herodes
Anna Maria Chiuri, Herodias
Asmik Grigorian, Salome
Gábor Bretz, Jochanaan
Julian Prégardien, Narraboth
Avery Amereau, Ein Page der Herodias
Matthäus Schmidlechner, Erster Jude
Mathias Frey, Zweiter Jude
Patrick Vogel, Dritter Jude
Jörg Schneider, Vierter Jude
David Steffens, Fünfter Jude
Tilmann Rönnebeck, Erster Nazarener
Neven Crnić*, Zweiter Nazarener
Henning von Schulman, Erster Soldat
Dashon Burton, Zweiter Soldat

Wiener Philharmoniker
*Teilnehmer des Young Singers Project – unterstützt von der KÜHNE-STIFTUNG

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Felsenreitschule)

Termine:

Sa, 28.7.2018, 20:00 | |
Mi, 1.8.2018, 20:00 | |
Do, 9.8.2018, 20:00 | |
So, 12.8.2018, 15:00 | |
Fr, 17.8.2018, 20:00 | |
Di, 21.8.2018, 20:00 | |
Mo, 27.8.2018, 20:00 | |

Pique Dame

Peter Iljitsch Tschaikowski

Oper in drei Akten op. 68 (1890)
Libretto von Modest Iljitsch Tschaikowski und dem Komponisten nach der gleichnamigen Novelle (1833) von Alexander Sergejewitsch Puschkin

Neuinszenierung

In russischer Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

Nach der Premiere am 5. August findet eine Gala-Soiree zu Ehren der Künstlerinnen und Künstler in der Salzburger Residenz statt. Der Reinerlös fließt in die Jugendarbeit der Salzburger Festspiele.

Ohne Alexander Puschkin ist die russische Literatur undenkbar. Sie nährt sich von Puschkin, sie atmet Puschkin. Während seiner kurzen Lebenszeit – er wurde nur 38 Jahre alt – produzierte er in höchster Geschwindigkeit die wunderbarsten Gedichte, Erzählungen und Dramen. Wie ein Magier griff er ins Innerste der russischen Sprache ein, um sie zu verwandeln. Zu seinen Lebzeiten fühlte sich die Öffentlichkeit von ihm provoziert, jeglichen Schwulst, jede Affektiertheit und Theatralik lehnte er ab. Genauigkeit, Schlichtheit und Wahrhaftigkeit waren das, was er suchte. Nach seinem Tod erschien die literarische Welt in einem vollkommen anderen Licht.
In seinen letzten Lebensjahren musste er unter zunehmend widrigen Umständen arbeiten. Er hatte mit drückender Schwermut und massiven Geldnöten zu kämpfen. 1837 wird Alexander Puschkin durch andauernde Intrigen, die vom Zarenhof ausgingen, in den Duelltod gedrängt.

Seine schmale Novelle Pique Dame schrieb er 1833, wie er selbst sagt, innerhalb weniger Tage und „in kalter Wut“ nieder – knapp, scharf umrissen und psychologisch fokussiert. Mehr als 50 Jahre später griff Peter Iljitsch Tschaikowski, von seinen Zeitgenossen zum „Byron unserer Tage“ erklärt, gemeinsam mit seinem Bruder Modest nach diesem Stoff. Zum dritten Mal nach Eugen Onegin und Mazeppa entzündete sich Tschaikowski an einem Puschkin-Text.
Tschaikowski identifiziert sich völlig mit der Hauptfigur Hermann, dem Außenseiter, wohl weil er selbst in seiner gesellschaftlichen Position als Homosexueller zutiefst um dessen Nöte weiß. Tschaikowski komponiert seine Ängste, seine Einsamkeit, sein Aufbegehren, seine Verzweiflung, seine Sehnsucht, seine Suche nach dem Sinn in der Existenz zu einer Parabel, die die Frage nach jeder Existenz stellt, die mehr sein will als ein hingenommenes Dasein, als ein Zufall, als ein Spiel unbekannter Mächte.

Sankt Petersburg im späten 18. Jahrhundert. Beim Kartenspiel wird von der Geschichte einer Gräfin berichtet, die in ihrer Jugend am französischen Hof als „Vénus moscovite“ umschwärmt worden war und mit drei magischen Karten auf mysteriöse Weise Spiel um Spiel gewann. Schlagartig gerät der Protagonist Hermann in den Sog des Geheimnisses dieser drei Spielkarten. Als Sohn eines deutschen Einwanderers ist er fremd in Sankt Petersburg und nur lose angebunden – ein Außenseiter, ein „seltsamer Mensch“, wie man sagt. Schon hochgradig für Lisa – die Enkeltochter der Gräfin – entflammt, gerät er nun endgültig außer sich. Es ist, als würde sich ihm die Nachtseite der Welt gänzlich zuneigen und andere Gesetzmäßigkeiten in Gang setzen. Das Spiel mit den Karten, so wird er bald erfahren, ist lebensgefährlich; der höchste Einsatz ist die eigene Seele.

Obwohl Tschaikowskis Pique Dame in der Zeit der Aufklärung angesiedelt ist, fällt kein strahlendes Licht in diese finstere Welt. Die Tage der Aristokratie sind gezählt; sie sind düster und kalt. Man versucht, sich mit Spielen und Ritualen die Zeit zu vertreiben, die nicht mehr zu vertreiben ist. In dieser Erstarrung, in dieser Leere treffen zwei unangepasste, einsame Menschen aufeinander, die von anderen Kräften, von anderen Träumen angetrieben werden. Aber es geht ihnen nicht besser als allen anderen. Auch sie verfehlen ein geglücktes Leben. Puschkin hatte die beiden noch in die Alltagswirklichkeit entlassen und ihnen wenigstens ein jämmerliches Leben im Wahnsinn oder im Stand der Ehe zugebilligt. Bei Tschaikowski endet das Spiel für Hermann und Lisa tödlich.
Yvonne Gebauer

Mariss Jansons, Musikalische Leitung
Hans Neuenfels, Regie
Christian Schmidt, Bühne
Reinhard von der Thannen, Kostüme
Stefan Bolliger, Licht
Yvonne Gebauer, Dramaturgie

Brandon Jovanovich, Hermann
Vladislav Sulimsky, Graf Tomski / Plutus
Igor Golovatenko, Fürst Jelezki
Evgenia Muraveva, Lisa
Oksana Volkova, Polina / Daphnis
Hanna Schwarz, Gräfin
Stanislav Trofimov, Surin
Gleb Peryazev, Narumow
Margarita Nekrasova, Gouvernante
Julia Suleymanova, Chloe

Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
Wolfgang Götz, Leitung Kinderchor
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Großes Festspielhaus)

Termine:

So, 5.8.2018, 20:00 | |
Fr, 10.8.2018, 19:30 | |
Mo, 13.8.2018, 19:00 | |
Sa, 18.8.2018, 20:00 | |
Mi, 22.8.2018, 19:00 | |
Sa, 25.8.2018, 19:00 | |

L'italiana in Algeri

Gioachino Rossini

Dramma giocoso in zwei Akten (1813)
Libretto von Angelo Anelli, nach seinem Libretto für die gleichnamige Oper (1808) von Luigi Mosca

Wiederaufnahme

In italienischer Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

Mustafà verlangt es dringend nach einem zweiten Frühling in Sachen Liebe. Doch keine Frau in geografischer Reichweite taugt dazu, am wenigsten seine Gattin Elvira. Zu anbiedernd und ergeben sind ihm die islamischen Frauen. Der Sinn steht ihm nach temperamentvoller Exotik, genauer: nach den Reizen einer attraktiven Italienerin. Eine solche muss ihm der Korsarenhauptmann Haly beschaffen, innerhalb von sechs Tagen, sonst droht Pfählung. Als „Bei“ hat Mustafà in Algier das Sagen, cholerisch ist er obendrein – Haly weiß um den Ernst der Lage. Ein Glück also, dass unweit gerade ein italienisches Schiff an den Klippen zerschellt. Unter den Schiffbrüchigen befindet sich Isabella, die auf der Suche nach ihrem geliebten Lindoro ist und von Haly sogleich zum künftigen Stern von Mustafàs Harem auserkoren wird. Isabella, resolut und unbekümmert, bringt das – anders als ihren Reisebegleiter und Verehrer Taddeo – nicht so schnell aus der Fassung. Die erste Begegnung mit Mustafà macht ihr augenblicklich klar, mit welchen Waffen sie am leichtesten die Oberhand gewinnen wird: Koketterie und Schmeichelei. Mustafà weiß bald nicht mehr, wie ihm geschieht.
Siegessicherer Machismo verträgt sich schlecht mit emanzipierter Weiblichkeit: L’italiana in Algeri (1813) – die erste von Rossinis „reifen“ Buffa-Opern (der Komponist war 21) – schöpft das komische Potenzial dieses Zusammentreffens ausgiebig aus, und zwar unter interkulturellen Vorzeichen. Wie alle „Türkenopern“ spiegelt Angelo Anellis Libretto, das ursprünglich für den Komponisten Luigi Mosca entstand, natürlich selbst einen (vor)urteilenden Blick auf das Fremde wider. Bei der Adaption des Librettos für Rossini erfuhr Mustafàs Charakter einige Veränderungen, die von der Musik noch verstärkt wurden: weg von einer konventionellen Buffo-Karikatur hin zu einem Mann, der – ähnlich wie Falstaff – bei aller Verblendung und Selbstgefälligkeit in seinen amourösen Bedürfnissen wahrhaftig und nicht bloß lächerlich erscheint. An den Facettenreichtum der weiblichen Protagonistin kommt er freilich nicht heran: Voller Energie und Tatkraft ist Isabella, gewitzt und mutig, aber auch fähig zu inniger Liebe und sogar zu patriotischem Pathos, als es darum geht, Lindoro, dem sie als Mustafàs Sklaven wiederbegegnet, und die anderen gefangenen Italiener zur riskanten Flucht zu motivieren.
Den grotesken Gegenpol zu Isabellas großem Rondo „Pensa alla patria“ bilden Szenen, die ganz der Welt des Karnevalesken verhaftet sind, allen voran die verrückte Zeremonie der Aufnahme Mustafàs in den Kreis der „Pappataci“. Damit Isabellas Befreiungsplan gelingt, muss Mustafà zuerst zu phlegmatischer Gleichgültigkeit bekehrt werden: Als Pappataci gelobt er, sich um nichts anderes zu kümmern als um Essen, Trinken und Schlafen.
Dass L’italiana in Algeri das Publikum heute noch wie vor 200 Jahren zu rasender Begeisterung hinreißen kann, liegt an der Art und Weise, wie Rossini die Ereignisse musikalisch in Szene setzt. Als wesentlich für den Witz der Oper erkennt der Musikologe Paolo Gallarati den dialektischen Wechsel zwischen „dramma“ und „ludus“ (Spiel), zwischen „realistischen“ Abschnitten, deren Gesang den Text flexibel und nuanciert verlebendigt (Mozart ist als Vorbild unüberhörbar), und jenen irrwitzigen Rossini’schen Ensembles der Verblüffung, der Verwirrung, des Erschreckens etc., in denen die Subjekte plötzlich zu Objekten, die Menschen zu Marionetten werden, weil ihnen die Kontrolle über die Situation und das eigene Tun entglitten ist. Hier übernimmt – wie am Ende des berühmten Finales von Akt I – „reine“ Musik mit ihren abstrakten, geometrischen Gesetzen das Kommando und wird zugleich zum klingenden Abbild innerer Turbulenz. „Organisierten und vollständigen Wahnsinn“ nannte Stendhal diese Musik treffend. Rossinis surreale ludische Ensembles geben sich ganz der „physischen Freude an Rhythmus und Klang“ (Luigi Rognoni) hin. Die Wirkung auf den Zuhörer ist soghaft. Doch mag angesichts der Auflösung des Individuums, die Rossini hier vornimmt, auch die bange Frage aufblitzen, wie sicher unsere Sicherheiten denn eigentlich sind …
Christian Arseni

Jean-Christophe Spinosi, Musikalische Leitung
Moshe Leiser, Patrice Caurier, Regie
Christian Fenouillat, Bühne
Agostino Cavalca, Kostüme
Christophe Forey, Licht
Christian Arseni, Dramaturgie

Cecilia Bartoli, Isabella
Ildar Abdrazakov, Mustafà
Edgardo Rocha, Lindoro
Alessandro Corbelli, Taddeo
José Coca Loza, Haly
Rebeca Olvera, Elvira
Rosa Bove, Zulma

Philharmonia Chor Wien
Walter Zeh, Choreinstudierung
Ensemble Matheus

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Haus für Mozart)

Termine:

Mi, 8.8.2018, 19:30 | |
Sa, 11.8.2018, 19:30 | |
Di, 14.8.2018, 15:00 | |
Do, 16.8.2018, 15:00 | |
So, 19.8.2018, 19:30 | |

L’incoronazione di Poppea

Claudio Monteverdi

Opera musicale in einem Prolog und drei Akten (1642/43)
Libretto von Giovanni Francesco Busenello

Neuinszenierung

In italienischer Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

Kurz vor seinem Tod komponierte Claudio Monteverdi (1567–1643) mit der sinnlichen Liebesgeschichte L’incoronazione di Poppea eine der bemerkenswertesten Opern aller Zeiten. Erstmals basierte die Handlung einer Oper nicht wie in der Renaissance üblich auf Mythen, Legenden oder erfundenen Begebenheiten, sondern auf historischen Ereignissen. Wie sein Zeitgenosse William Shakespeare brachte Monteverdi glaubwürdige Figuren auf die Bühne, mit menschlichen Schwächen und Leidenschaften. Zu diesem Zweck etablierte Monteverdi auch die sogenannte seconda pratica, in der die Musik zur Dienerin des Textes wurde und sich vom Libretto leiten ließ. Handlung und Gefühl traten auf diese Weise in den Vordergrund.
Opern erzählen vom Sinn der Liebe und des Lebens und von der Bedeutung des Todes. Mit L’incoronazione di Poppea präsentiert Monteverdi eine sehr eigenwillige Auslegung dieses Leitsatzes. Das Libretto knüpft zwar an historische Figuren und Ereignisse an, doch die grausame Realität tritt in der Oper in den Hintergrund, um wollüstige Leidenschaft vorzuführen und den Triumph einer Gesellschaft, die sich nicht um Moral schert, in der Tugend bestraft und Habsucht belohnt wird in einem scheinbaren Sieg der Liebe. Giovanni Francesco Busenello erzählt in seinem Libretto, wie Poppea mit allen Mitteln nach dem Thron strebt und danach, Nerones Frau zu werden. Kaiserin Ottavia wird betrogen und aus dem Weg geräumt; auf Poppeas Drängen zwingt Nerone Seneca zum Selbstmord; nach einem missglückten Mordanschlag auf Poppea wird Ottone ins Exil verbannt und Ottavia auf dem Meer ausgesetzt, nachdem ihre Mitwirkung an dem Mordplan aufgedeckt wurde. Die Oper endet mit Poppeas Krönung zur Kaiserin. Ihre Gier nach dem Thron hat alle Hindernisse überwunden.

In den Büchern kann man den entsetzlichen Fortgang der Geschichte nachlesen. Dem mordlustigen Nero war bereits seine Mutter zum Opfer gefallen. Kurz nach Poppaeas Krönung tötete er mit Fußtritten das gemeinsame Kind in ihrem Leib; Poppaea erlag den dabei erlittenen Verletzungen. Am Ende zwang man Nero zum Selbstmord, und wenig später übernahm der aus dem Exil heimgekehrte Otho die Macht in Rom.

Mit der unmoralischen Geschichte über Tyrannei und Intrige hält Monteverdi seinen Zeitgenossen einen Spiegel vor, den er aber in das gefällige Gewand der herrlichsten Barockmusik kleidet. Eine solche Geschichte kann nur in einer degenerierten Gesellschaft spielen, nicht unter zivilisierten Menschen. In der Lesart von Jan Lauwers ist aus dem Spiegelbild längst Realität geworden. In einer Epoche, die von Exzessen und Identitätskrisen geprägt ist, in der alles jederzeit verfügbar ist, spielt die Vernunft keine Rolle mehr. Mit der Aufklärung, dem Zeitalter der Vernunft, wurde Gott für tot erklärt, die Götter wurden von ihrem Sockel geholt.
Jan Lauwers, der vor mehr als 30 Jahren zusammen mit Grace Ellen Barkey das Kunstkollektiv Needcompany begründete, überträgt seinen unverwechselbaren Ansatz – in dem er Text, Bewegung, bildender Kunst und Musik eine je eigenständige Rolle zuweist – diesmal auf das Genre Oper. In Lauwers’ Interpretation büßen die Götter als Krüppel für ihre Schuld, und die Akteure gehen buchstäblich über die Leichen ihrer Sünden, Handlungen und Mordtaten. Machtgier, Intrige, Grausamkeit, Brutalität und Manipulation triumphieren auf dem Hintergrund barocker Schönheit.
Das gemeinsame Projekt von Jan Lauwers & Needcompany und William Christie & Les Arts Florissants legt den Fokus auf den menschlichen Körper und die physische Präsenz der Sänger. Der Barockmusikspezialist William Christie ist seit Jahren mit der Oper wohl vertraut. „Indem sie den Sieg des Zynismus und des Bösen zeigt“, sagt er, „spiegelt L’incoronazione di Poppea auf verstörende und zugleich faszinierende Weise die Widersprüche und Schwächen der menschlichen Seele. Für mich erwächst dieses Gefühl ganz unmittelbar aus Monteverdis Partitur, und um es dem heutigen Publikum näherzubringen, müssen wir seine Musik so respektieren, wie er sie niedergeschrieben hat.“
Elke Janssens, Übersetzung: Eva Reisinger

William Christie, Musikalische Leitung
Jan Lauwers, Regie, Bühne und Choreografie
Lemm&Barkey, Kostüme
Ken Hioco, Licht
Elke Janssens, Dramaturgie

Sonya Yoncheva, Poppea
Kate Lindsey, Nerone
Stéphanie d’Oustrac, Ottavia
Carlo Vistoli, Ottone
Renato Dolcini, Seneca
Ana Quintans, Virtù / Drusilla
Marcel Beekman, Nutrice
Dominique Visse, Arnalta
Lea Desandre, Amore / Valletto
Alessandro Fischer, Lucano / Soldato I / Tribune
David Webb, Liberto / Soldato II / Tribune
Virgile Ancely, Mercurio / Console II / Famigliare

Needcompany
Sarah Lutz, Solotänzerin
Mélissa Guérin, Solotänzerin
Tänzer und Tänzerinnen des BODHI PROJECT sowie der SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance
Les Arts Florissants

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Haus für Mozart)

Termine:

So, 12.8.2018, 18:30 | |
Mi, 15.8.2018, 15:00 | |
Sa, 18.8.2018, 20:30 | |
Mo, 20.8.2018, 20:30 | |
Mi, 22.8.2018, 20:30 | |
Di, 28.8.2018, 20:30 | |

The Bassarids

Hans Werner Henze

Opera seria mit Intermezzo in einem Akt (1966)
Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Simon Kallman nach Die Bakchen (406 v. Chr.) des Euripides

Neuinszenierung

In englischer Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

Ein Mann (ist er ein Scharlatan oder ein Halbgott?) kehrt an seinen Geburtsort zurück und bringt die Hierarchie der Werte durcheinander. Eine der glanzvollsten Städte Griechenlands stürzt durch ihn in Anarchie. Niemand kann ihm widerstehen. Nicht einmal der junge König, sein Cousin. Der Mann ist gekommen, um sich zu rächen, mithilfe der Maßlosigkeit und des betörenden Rausches. Dieser Sturm, diese Seuche, mit anderen Worten diese neue Religion, kann nur im Ruin Genugtuung finden. Freiheit und Lüsternheit sind die verführerischen Fallen, die der Mann auslegte und die die Stadtbewohner bezauberten. Am Schluss wird er inmitten eines Trümmerhaufens seinen Gott anflehen, er möge seiner Mutter (die bei seiner Geburt gestorben ist) das ewige Leben gewähren.

Man könnte die Geschichte auch folgendermaßen erzählen: Ein junger König kommt an die Macht. Sein Großvater ist der Gründer der reichen und angesehenen Stadt. Der junge König, düster und streng, erklärt nach einigen Tagen des Stillschweigens, dass er von nun an jeden Kontakt mit Frauen ablehne und dem Genuss von Wein und Fleisch entsage. Er missbilligt außerdem alle Andachtsbekundungen am Grab seiner Tante – der Schwester seiner Mutter –, die von einigen verehrt wird, weil sie einem Kind aus der Liaison mit einem Gott das Leben schenkte. Der junge König ist aber nur dem Schein nach stark. Tatsächlich ist er schwach und einsam. Und von seiner Mutter besessen. Das Auftauchen des Mannes (ist er ein Scharlatan oder ein Halbgott?), seines Vetters, stellt für ihn die Begegnung mit seinem negativen Spiegelbild dar. Er wird ihm nicht lange widerstehen können. Der junge König begibt sich auf einen qualvollen Todespfad und verlangt, seine Mutter in ihrer lustvollen Ekstase zu beobachten.

Dieser Mann (ist er ein Scharlatan oder ein Halbgott?) wird Dionysos genannt. Der junge König, der seinem Großvater Kadmos nachfolgt, heißt Pentheus. Die beiden Cousins, Dionysos und Pentheus, geraten in einem tödlichen Zweikampf aneinander. Der Zweikampf ist jedoch ein ungleicher. Einzig der junge König glaubt, dass er sich mit Dionysos messen könne. Aber niemand kann ihm widerstehen. Auch nicht Agaue, Pentheus’ Mutter, die als eine der ersten die Stadt verlässt, um auf dem Berg ausschweifende Gelage – Bacchanale – zu feiern. Sie ist es, die wie in Trance den Körper ihres Sohnes zerstückeln und ihm den Kopf abschlagen wird. Pentheus, der sich auf Anraten von Dionysos als Frau verkleidet hat, ist nur mehr ein Objekt in den Händen dieses Mannes (ist er ein Scharlatan oder ein Halbgott?).

Pentheus und Agaue, Dionysos und Semele – zwei Söhne und zwei Mütter. Zwischen inzestuöser Begierde und unerträglicher Trauer schwankend, verbindet die beiden verfeindeten Cousins die zwanghafte, außergewöhnliche Liebe zu ihren Müttern, die von den anderen missbilligt und verwünscht wird; eine wahnhafte Leidenschaft, die zur Vernichtung führt.

Hans Werner Henzes Oper wurde 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Durch ihren musikalischen Reichtum, ihre evokative Kraft und dramaturgische Originalität zählt sie zu den bedeutendsten Opern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Für die Salzburger Neuproduktion behält Regisseur Krzysztof Warlikowski die Uraufführungsfassung mit dem Intermezzo „Das Urteil der Kalliope“ bei, eine mise en abyme der Begierden des Pentheus und seiner Mutter, die oft gestrichen wird.

Die Bakchen des Euripides – auf die sich Henzes Oper bezieht – zählt zu den letzten Werken des großen griechischen Dramatikers. Er beendete die Arbeit wohl erst kurz vor seinem Tod – im Jahre 406 vor Christus. Eine hartnäckige Legende überdauerte die Jahrhunderte: Euripides sei im Exil in Makedonien von den Hunden des König Archelaos I. getötet und aufgefressen worden. Dieser schreckliche Tod erinnert ganz offensichtlich an jenen von Pentheus – sowie an Aktaion, der von seinen eigenen Hunden zerfleischt wurde. Pentheus sah, was er nicht sehen durfte – so wie Aktaion, der im Wald die nackte Diana mit ihren Jungfrauen überraschte. Euripides offenbarte in seinem Drama einen Teil des düsteren Wesens der menschlichen Leidenschaften: Über so viel Weitblick waren die Götter verärgert und übten Rache …
Christian Longchamp

Kent Nagano, Musikalische Leitung
Krzysztof Warlikowski, Regie
Małgorzata Szczęśniak, Bühne und Kostüme
Felice Ross, Licht
Denis Guéguin, Video
Claude Bardouil, Choreografie
Christian Longchamp, Dramaturgie

Sean Panikkar, Dionysus
Russell Braun, Pentheus
Willard White, Cadmus
Nikolai Schukoff, Tiresias / Calliope
Károly Szemerédy, Captain / Adonis
Tanja Ariane Baumgartner, Agave / Venus
Claudia Boyle, Autonoe / Proserpine
Anna Maria Dur, Beroe

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Huw Rhys James, Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Felsenreitschule)

Termine:

Do, 16.8.2018, 19:30 | |
So, 19.8.2018, 15:00 | |
Do, 23.8.2018, 19:30 | |
So, 26.8.2018, 19:30 | |

Der Prozess

Gottfried von Einem

Neun Bilder in zwei Teilen op. 14 (1953)
Libretto von Boris Blacher und Heinz von Cramer nach dem gleichnamigen Roman (1925) von Franz Kafka

Konzertante Aufführung

In deutscher Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

Ein Bankangestellter erhält eines Morgens einen Haftbefehl, der ihn – so teilt man ihm – nicht daran hindern soll, seinem alltäglichen Leben nachzugehen. Nie erfährt er, welcher Schuld das „Gericht“ ihn anklagt. Obwohl er nur mit dessen untersten Instanzen in Berührung kommt, beherrscht der Prozess, der gegen ihn geführt wird, seine Existenz in immer bedrohlicherer Weise. Er sucht Hilfe bei Personen, die nichts ausrichten können oder, schlimmer noch, selbst mit jener ungreifbaren, machtvollen Organisation verstrickt sind.
Als Gottfried von Einem 1949 mit der Arbeit an seiner zweiten Oper, basierend auf Kafkas Der Prozess, begann, war durch die jüngste Geschichte – und akut durch die McCarthy-Ära – die irreale Situation der Hauptfigur Josef K. für viele ein erschreckendes Stück näher in die Erfahrungswirklichkeit gerückt. Doch nicht nur dies machte die literarische Vorlage in Einems Augen für eine Oper interessant: Die realistisch geschilderte Alltagswelt wird in Kafkas Roman kontinuierlich von einer metaphysischen, die Ereignisse gleichwohl bestimmenden Schicht durchdrungen. Diese zweite Schicht konnte in einer Oper jenseits der gesungenen Worte durch die Musik unmittelbar spürbar gemacht werden.
Die neun Szenen schildern Josef K.s Begegnungen und Konfrontationen mit verschiedenen Figuren und bilden auch in musikalischer Hinsicht geschlossene Formeinheiten, deren jeweiliger Charakter vor allem durch den Rhythmus geprägt wird. Einem betonte, er habe im Prozess versucht, sich „kompositorisch nur der einfachsten musikalischen Sprachmittel zu bedienen“. In dieser konsequenten, doch niemals monotonen Einfachheit liegt die Radikalität und in der musikalischen Evokation der unheimlichen Doppelbödigkeit Kafkas die Faszination dieses Werks. Wie bereits Einems überaus erfolgreiche Erstlingsoper Dantons Tod (1947) wurde auch Der Prozess bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt: am 17. August 1953.

HK Gruber, Musikalische Leitung

Michael Laurenz, Josef K.
Jochen Schmeckenbecher, Der Aufseher / Der Geistliche / Der Fabrikant / Ein Passant
Matthäus Schmidlechner, Der Student / Der Direktor-Stellvertreter
Jörg Schneider, Titorelli
Lars Woldt, Der Untersuchungsrichter / Der Prügler
Johannes Kammler, Willem / Der Gerichtsdiener / Der Advokat
Tilmann Rönnebeck, Franz / Kanzleidirektor / Albert K.
Ilse Eerens, Fräulein Bürstner / Die Frau des Gerichtsdieners / Leni / Ein buckliges Mädchen
Anke Vondung, Frau Grubach

ORF Radio-Symphonieorchester Wien

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Felsenreitschule)

Termin:

Di, 14.8.2018, 19:30 | |

Les Pêcheurs de perles

Georges Bizet

Oper in drei Akten (1863)
Libretto von Eugène Cormon und Michel Carré

Konzertante Aufführungen

In französischer Sprache
mit deutschen und englischen Übertiteln

„Wir haben niemals etwas Süßeres, etwas Mystischeres gehört“, schrieb ein Kritiker nach der Pariser Uraufführung von Les Pêcheurs de perles im Oktober 1863 über jene Melodie, die den Namen Bizet auch ohne Carmen fest im musikalischen Gedächtnis der Nachwelt verankert hätte. Von Nadir und Zurga in Terzen und Sexten intoniert, beschwört sie jenen Zauber herauf, den der Anblick einer jungen Priesterin im Tempel einst auf die beiden Männer ausübte: Beide entbrannten in Liebe, doch um ihrer Freundschaft willen gelobten sie einander, dieser Liebe zu entsagen.
Nach langer Trennung feiern Zurga, der von den Fischern gerade zum „König“ ernannt wurde, und Nadir ein Wiedersehen. Noch ahnen sie nicht, wer die verschleierte Frau ist, die nach altem Brauch ausgewählt wurde, um während der jährlichen Perlenfang-Expedition für die Fischer zu beten und böse Geister fernzuhalten. Als Nadir in ihr die niemals vergessene „Göttin“ aus dem Tempel erkennt und Leïla – so ihr Name – seine Liebe erwidert und damit einen strengen Eid bricht, den ihr der Hohepriester des Brahma abforderte, schweben die beiden bald in tödlicher Gefahr.
Die Librettisten wählten als Schauplatz der Dreiecksgeschichte zunächst Mexiko, dann Ceylon, womit sie an den Erfolg von Félicien Davids „indischer“ Oper Lalla-Roukh (1862) anknüpften. Für die Musik bedeutete die Einladung zu Exotismus freilich keinerlei Verpflichtung zu ethnografischer Authentizität. Fremdartiges Kolorit reichte aus, und Bizet verlieh es seiner Partitur so gekonnt wie reizvoll. Vor allem aber bildet Les Pêcheurs de perles ein frühes Zeugnis seiner eminenten musikdramatischen Begabung, die nicht dem Pathos seines Lehrers Gounod anhängt. Obwohl die Oper heftige Leidenschaften und dramatische Konfrontationen kennt, gilt für sie bereits, was Nietzsche später an Carmen rühmte: „Diese Musik […] kommt leicht, biegsam, mit Höflichkeit daher. Sie ist liebenswürdig, sie schwitzt nicht.“

Patrick Fournillier, Musikalische Leitung

Aida Garifullina, Leïla
Javier Camarena, Nadir
Plácido Domingo, Zurga
Stanislav Trofimov, Nourabad

Philharmonia Chor Wien
Walter Zeh, Choreinstudierung
Mozarteumorchester Salzburg

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Großes Festspielhaus)

Termine:

Do, 23.8.2018, 19:00 | |
So, 26.8.2018, 15:00 | |

Oper für Kinder:
Die Zauberflöte

Eine Neuproduktion der Salzburger Festspiele für Kinder
Spielfassung von Aki Schmitt und Tomo Sugao nach Motiven von Wolfgang A. Mozart und Emanuel Schikaneder

Es ist wieder so weit: Wie jeden Sommer lädt Sarastro zu einem großen Fest in sein Schloss. Auch Pamina, die leidenschaftlich gerne tanzt, lässt es sich nicht nehmen, auf den Ball zu gehen. Ihr fehlt nur noch ein Tanzpartner. Könnten Papageno und Papagena ihr vielleicht bei der Suche helfen? Mit ihren faszinierenden Zauberinstrumenten scheinen sie für alle Probleme ein Lösung zu finden. Basierend auf Mozart und Schkaneder kreieren Tomo Sugao und Aki Schmitt eine Neuproduktion der Zauberflöte für Kinder ab ca. 6 Jahren. Das junge Publikum ist eingeladen, gemeinsam mit Pamina in eine fantastische Welt einzutauchen und mit ihr die magische Kraft der Musik zu entdecken.

Aki Schmitt, Musikarrangement
Tomo Sugao, Regie
Tomo Sugao, Aki Schmitt, Dialogfassung
Julia K. Berndt, Bühne und Kostüme
Giedrė Šlekytė, Musikalische Leitung

Teilnehmer des Young Singers Project
Salzburg Orchester Solisten

Alter: ab ca. 6 Jahren
Sprache: Deutsch
Dauer: ca. 60 Minuten

Einheitspreis: € 36,–
Kinder & Jugendliche: € 21,–

Vor den Aufführungen findet der Einführungsworkshop Spiel und Spaß mit Mozart statt
Einheitspreis: € 5,–

Ort:

A-5020 Salzburg, Max-Reinhardt-Platz (Große Universitätsaula)

Termine:

Fr, 27.7.2018, 15:00 | |
So, 29.7.2018, 15:00 | |
Mo, 6.8.2018, 15:00 | |
Mi, 8.8.2018, 15:00 | |
Sa, 11.8.2018, 15:00 | |
Mi, 15.8.2018, 15:00 | |
So, 19.8.2018, 15:00 | |
So, 26.8.2018, 16:00 | |

Operneinführungen für Kinder:
Die Zauberflöte

Spiel und Spaß mit Mozart

In den Einführungsworkshops zur Kinderoper Die Zauberflöte lernen die Kinder die Figuren und die Handlung des Stücks, aber auch die Inszenierung spielerisch kennen. Sie ermöglichen es den jungen und jüngsten Besuchern der Salzburger Festspiele, die Oper aktiv zu entdecken.

Monika Sigl-Radauer, Leitung

Alter: ab ca. 6 Jahren
Sprache: Deutsch
Dauer: ca. 45 Minuten
Einheitspreis: € 5,–

Ort:

A-5020 Salzburg, Max Reinhardt-Platz (Hörsaal 101)

Termine:

Fr, 27.7.2018, 13:30 | |
So, 29.7.2018, 13:30 | |
Mo, 6.8.2018, 13:30 | |
Mi, 8.8.2018, 13:30 | |
Sa, 11.8.2018, 13:30 | |
Mi, 15.8.2018, 13:30 | |
So, 19.8.2018, 13:30 | |
So, 26.8.2018, 14:30 | |

Abschlussaufführung Operncamp:
Hugo von Hofmannsthal - Jedermann für Kinder

Hugo von Hofmannsthals Jedermann ist das Herzstück der Salzburger Festspiele. „Die ganze Stadt hält den Atem an bei diesem Spiel, sogar die Kinder spielen Jedermann“, berichtete Max Reinhardt in den 1930er Jahren. In der Tat ahmten diese aus reiner Freude das Spiel vom Sterben des reichen Mannes nach. Sie eroberten sich die Bühne auf dem Domplatz, um das nachzuspielen, was sie während der Proben heimlich beobachtet hatten.

So wie damals erleben die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen des Jedermann-Camps das Original auf dem Domplatz und präsentieren nach einer intensiven Arbeitswoche ihr eigenes Spiel mit viel Chorgesang. Um in den Szenen des Teufels die richtige Atmosphäre zu erzeugen, wird eine kleine Gruppe begeisterter Perkussionisten und Schlagwerker gesucht. Bitte rasch melden!

Dauer: ca. 50 Minuten

Eintritt frei
Kostenlose Zählkarten ab 7. Juli im Salzburger Festspiele SHOP · KARTEN / TICKETS, Hofstallgasse 1

Ort:

A-5020 Salzburg, Anton-Neumayr-Platz 2 (republic)

Termin:

Sa, 21.7.2018, 17:30 |

Abschlussaufführungen Operncamps:
Wolfgang A. Mozart - Die Zauberflöte für Kinder

Mozarts Zauberflöte ist das bekannteste Singspiel der Musikgeschichte, das seit jeher Groß und Klein in seinen märchenhaften Bann zieht. Gemeinsam begleiten wir den tapferen Prinzen Tamino in das rätselhafte Reich Sarastros, um seine Pamina zu befreien. Dabei lernen wir wundersame Wesen und bezaubernde Melodien kennen, mit deren Hilfe es Tamino gelingt, jede noch so gefährliche Prüfung zu meistern.

In unserem Camp wirst du Teil dieser Geschichte: Trällere als Königin der Nacht die höchsten Töne, hilf Papageno, seine Vögel zu fangen, oder spiele im Camp-Orchester die Zauberflöte.

Dauer: ca. 50 Minuten

Eintritt frei
Keine Zählkarten erforderlich

Ort:

A-5020 Salzburg, Mirabellplatz 1 (Universität Mozarteum Großes Studio)

Termin:

Sa, 28.7.2018, 16:00 |

Abschlussaufführung Operncamp:
Peter Iljitsch Tschaikowski - Pique Dame für Kinder

In Pique Dame entführt uns Peter I. Tschaikowski ins düstere Sankt Petersburg des späten 18. Jahrhunderts. Die Oper enthält alles, was man für eine spannende Geschichte braucht: eine unglückliche Liebe, ein tragisches Ende — und ein finsteres Geheimnis, mit dem sich angeblich jedes Kartenspiel gewinnen lässt. Im alles entscheidenden Spiel soll das Geheimnis der drei Karten zum Gewinn und damit zu großem Reichtum verhelfen. Die Karten werden aufgedeckt: Drei, Sieben …

Gemeinsam entdecken wir die romantische Musik Tschaikowskis, erarbeiten eine eigene Fassung der Oper und lauschen im Großen Festspielhaus der Generalprobe von Pique Dame mit den Wiener Philharmonikern.

Dauer: ca. 50 Minuten

Eintritt frei
Keine Zählkarten erforderlich

Ort:

A-5020 Salzburg, Mirabellplatz 1 (Universität Mozarteum Großes Studio)

Termin:

Sa, 4.8.2018, 16:00 |

Abschlussaufführungen Operncamps:
Hans Werner Henze - The Bassarids für Kinder

Der griechische Gott Dionysos lädt zum Partyhighlight des Jahres ein. Obwohl König Pentheus den Besuch verbietet, singen, tanzen und feiern wir die ganze Nacht. Viel zu spät erkennen wir Dionysos’ wahres Gesicht. Dass dieses Fest mit einem grausamen Mord endet, lässt nur die Musik erahnen.

Ein großes Orchester, zwei Chöre, Bühnenmusik und Sängersolisten benötigt Hans Werner Henze für sein mächtiges Bühnenfest in The Bassarids, das er mit einer faszinierenden Klangsprache gestaltet. Uns erwarten viele Aufgaben — und vielleicht auch ein ganz anderes Schicksal am Ende dieser wilden Partynacht.

Dauer: ca. 50 Minuten

Eintritt frei
Keine Zählkarten erforderlich

Ort:

A-5020 Salzburg, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5 (ARGEkultur)

Termin:

So, 12.8.2018, 16:00 |

SALZBURGER FESTSPIELE

KARTENBÜRO

Herbert von Karajan Platz 11
A 5010 Salzburg

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