Salzburger Pfingstfestspiele 2018

Fr, 18.5.2018 - Mo, 21.5.2018

L'italiana in Algeri

Gioachino Rossini

Dramma giocoso in zwei Akten (1813)
Libretto von Angelo Anelli, nach seinem Libretto für die gleichnamige Oper (1808) von Luigi Mosca

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Neuinszenierung

Mustafà, der Bey von Algier, hat seine Frau gründlich satt und beschlossen, sie durch exotische Reize zu ersetzen: Eine attrak­tive Italienerin muss her. Prompt verschaffen ihm seine Piraten die schiffbrüchige Isabella, die auf der Suche nach ihrem Geliebten Lindoro ist. Eine Zukunft als Stern von Mustafàs Harem? Die resolute Isabella lässt sich nicht so leicht aus der Fassung bringen, und schon die erste Begegnung mit dem sexhungrigen Bey bestätigt sie in ihrer bewährten Strategie: Koketterie und Schmeichelei als Waffe. Mustafà weiß bald nicht mehr, wie ihm geschieht. Das Zusammentreffen von selbstgefälligem Machismo und emanzipatorischer Unbotmäßigkeit bildet das Zentrum dieser ebenso spaßigen wie irrwitzigen Handlung, in der zwei fremde Kulturen einander auch mit seltsamen Ritualen überrumpeln. So folgt der Zwangsbeglückung mit einem ­dubiosen orien­talischen Ehrentitel die Aufnahme in einen ­italienischen Ess-, Trink- und Schlaforden. Der eigentliche Witz aber liegt in der Musik: In L’italiana in Algeri (1813) entfaltet sich das ­komische Genie Rossinis erstmals in voller Blüte, am un­widerstehlichsten in jenen Momenten, wo die Figuren — wie am Ende von Akt I — vor lauter Verwirrung erstarren und zu Marionetten werden, zu Rädchen in einer elektrisierenden Maschinerie aus Rhythmus und Klang: „Organisierten und vollständigen Wahnsinn“ nannte Stendhal diese Musik treffend.

Jean-Christophe Spinosi, Musikalische Leitung
Moshe Leiser, Patrice Caurier, Inszenierung
Christian Fenouillat, Bühnenbild
Agostino Cavalca, Kostüme
Christophe Forey, Licht
Christian Arseni, Dramaturgie
Walter Zeh, Choreinstudierung

Cecilia Bartoli, Isabella
Peter Kálmán, Mustafà
Edgardo Rocha, Lindoro
Alessandro Corbelli, Taddeo
José Coca Loza, Haly
Rebeca Olvera, Elvira
Rosa Bove, Zulma

Philharmonia Chor Wien
Ensemble Matheus

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Haus für Mozart)

Termine:

Fr, 18.5.2018, 19:00 | Premiere |
So, 20.5.2018, 19:00 |

Geistliche Matinee

Jérémie Rhorer, Musikalische Leitung
Genia Kühmeier, Sopran
Andrè Schuen, Bariton
Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Markus Hinterhäuser, Klavier
Chor des Bayerischen Rundfunks


ANTON BRUCKNER Pange lingua für sechsstimmigen Chor D-Dur WAB 33
JOHANNES BRAHMS Ein deutsches Requiem op. 45
„Londoner Fassung“ für Soli, Chor und Klavier zu vier Händen (1869)

Im Gasthof zum Roten Igel konnten sie sich immerhin auf ­Geselchtes mit Knödeln einigen, davon abgesehen sind sie als die großen Antipoden des Konzertsaals ihrer Zeit in die Musikgeschichte eingegangen: Johannes Brahms auf der Seite der sogenannten „Konservativen“; Anton Bruckner für die fortschrittliche, an Wagner orientierte Gruppierung der „Neudeutschen“. 1868 waren die erbitterten stilistischen ­Grabenkämpfe zumal zwischen ihren Wiener Anhängern zwar noch nicht entbrannt, aber die Weichen dafür bereits gestellt. Verblüffend, dass beide Komponisten als Chorleiter gearbeitet hatten und auf ganz verschiedenen Pfaden zu geistlichen Kompositionen gelangt waren: Der zweifelnde Hamburger Protestant etwa vollendete 1868 Ein deutsches Requiem nach selbst zusammengestellten Bibeltexten. Nicht die sündige Seele des Verstorbenen steht da im Zentrum wie bei der ­lateinischen Totenmesse, sondern der Trost für die Hinter­bliebenen. Und in der von Brahms selbst erstellten, intimeren Fassung für Solisten, Chor und Klavier zu vier Händen tritt das Wort noch mehr in den Vordergrund. Der fromme Katholik Bruckner hingegen hatte nicht nur in drei großen Messen, sondern auch zahlreichen weiteren Werken Gott gehuldigt: Seine Motetten zählen zur ergreifendsten Chormusik des 19. Jahrhunderts.

Ort:

A-5020 Salzburg, Schwarzstraße 26 (Stiftung Mozarteum)

Termin:

Sa, 19.5.2018, 11:00 |

La Périchole

Jacques Offenbach

Opéra bouffe (1868/1874)
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der Komödie La Carosse du Saint-Sacrement (1829) von Prosper Mérimée.

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Konzertante Aufführung

Paris 1868. Das Rossini-Fieber lag Jahrzehnte zurück, doch für die Begeisterung, in die der italienische Komponist das Publikum damals mit seinen komischen Opern versetzt hatte, sorgte im Second Empire nun ein zum Franzosen gewordener Deutscher: Jacques Offenbach befand sich am Gipfel seines Ruhms, und die Pariser konnten sich nicht sattsehen und satthören an Orphée aux enfers oder La Belle Hélène. La Périchole ging aus Offenbachs Erfolgspartnerschaft mit den Librettisten Meilhac und Halévy hervor und ist unter seinen Meisteroperetten vielleicht die charmanteste. An funkelndem Witz, satirischer Schärfe und unbändiger Fröhlichkeit mangelt es nicht, doch schlägt gerade dieses Werk verstärkt auch empfindsame Töne an — denn das ­Sujet hat seine tragischen Seiten. Als der Vizekönig von Peru zwecks Erkundung der Volksmeinung ­wieder einmal inkognito (wie er meint) in Lima umherstreift, entflammt er für die verarmte Straßensängerin Périchole, lädt sie zu sich an den Hof ein und hat noch anderes mit ihr vor: Périchole lässt sich überreden und verfasst einen Brief, in dem sie sich schweren Herzens von ihrem geliebten Gefährten Piquillo verabschiedet. „Welche Leidenschaft kann man erwarten, wenn man sich liebt, doch vor Hunger stirbt?“, heißt es in ihrer Briefarie, mit der schon Offenbachs Lieblingssängerin Hortense Schneider die Zuhörer zu Tränen rührte.

Marc Minkowski, Musikalische Leitung
Salvatore Caputo, Choreinstudierung

Aude Extrémo, La Périchole
Benjamin Bernheim, Piquillo
Laurent Alvaro, Don Andrès de Ribeira
Lea Desandre, Mastrilla/Frasquinella

Les Musiciens du Louvre
Le Chœur de l’Opéra National de Bordeaux
und andere

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Haus für Mozart)

Termin:

Sa, 19.5.2018, 19:00 |

Orchesterkonzert

Daniel Barenboim, Musikalische Leitung
András Schiff, Klavier
Staatskapelle Berlin


GIOACHINO ROSSINI Ouvertüre zum Melodramma tragico Semiramide
EDVARD GRIEG Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16
PETER ILJITSCH TSCHAIKOWSKI Symphonie Nr. 1 g-Moll op. 13 – „Winterträume“

„Dieser nichtsnutzige Peter! Nun hat er die Jurisprudenz mit dem Dudelsack vertauscht!“ So schimpfte Peter Iljitsch Tschaikowskis Onkel über seinen jungen Neffen, als dieser sich auf die Musik verlegte, anstatt weiter die Rechtsschule zu besuchen und Beamter zu werden. In Sankt Petersburg entzweiten sich damals die musikalischen Geister: hier die ­Anhänger einer akademischen Ausbildung westlich-konservativen Zuschnitts, dort die Mitglieder des „Mächtigen Häufleins“, die nationalrussisch komponieren wollten und zugleich von Berlioz und Liszt begeistert waren. Tschaikowskis zauberhafte Erste Symphonie, uraufgeführt 1868, spiegelt die Kontroverse wider, ist sie doch absolute Musik und auch wieder nicht: Ihr assoziativer Untertitel lautet „Winterträume“, die ­ersten beiden Sätze tragen Überschriften wie „Träumerei ­einer winterlichen Reise“ und „Düsteres Land, nebliges Land“.

Im selben Jahr entstand jenes Klavierkonzert, mit dem ­Edvard Grieg einen dezidiert nordischen Ton in die Musikwelt einbrachte: Hatten sich Komponisten wie Haydn oder Mozart von der Volksmusik des Alpenlandes oder Pannoniens inspirieren lassen, schöpfte er aus den urwüchsigen Klängen seiner Heimat Norwegen — ein Programm, wie geschaffen für András Schiff, Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin.

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Großes Festspielhaus)

Termin:

So, 20.5.2018, 11:00 |

Arienrezital – Hommage an Manuel García

Javier Camarena, Tenor
Gianluca Capuano, Musikalische Leitung
Les Musiciens du Prince – Monaco


GIOACHINO ROSSINI • Arien aus Ricciardo e Zoraide
und aus Il barbiere di Siviglia
MANUEL GARCÍA • Arien aus El poeta calculista
sowie weitere Arien von Rossini, García
und anderen Komponisten

Der Spanier Manuel del Pópulo Vicente Rodríguez García (1775—1832) faszinierte die Massen. Als Sänger glänzte er mit einem außerordentlichen Stimmumfang, denn sein Repertoire umfasste Baritonpartien wie Mozarts Don Giovanni ebenso wie die diffizilen Tenorrollen in Rossinis Opern, weshalb er den Grafen Almaviva sowohl in Le nozze di Figaro als auch im Barbiere di Siviglia bewältigte — und es heißt, er habe das hohe C sogar mit Bruststimme erreichen können. Als Komponist wusste er sich nicht allein Bravouropern auf den Leib zu schreiben, sondern beeindruckte mit seinen Werken auch namhafte Kollegen; und als Impresario brachte er 1825 die italienische Oper erstmals nach New York. Der Mensch hinter dem Künstler neigte aber offenbar zu heftigen Gefühlsaus­brüchen, die er auch als Darsteller eindringlich reproduzieren konnte, etwa als Titelheld in Rossinis Otello. Als strenger Gesangslehrer und Vater hat García eine regelrechte Vokaldynastie begründet: Seine Töchter und zugleich Schülerinnen, die tragisch früh ver­storbene Maria Malibran und Pauline Viardot, wurden zu zwei der bedeutendsten Opernstars ihrer Zeit; sein Sohn Manuel García gab als Pädagoge in Paris und London den Belcanto weiter. Generationen später reiht sich Javier Camarena in diese große Tradition ein — und feiert den Rossini-Interpreten García mit einer Hommage.

Ort:

A-5020 Salzburg, Schwarzstraße 26 (Stiftung Mozarteum)

Termin:

So, 20.5.2018, 15:00 |

Solistenkonzert Maxim Vengerov

Maxim Vengerov, Violine / Musikalische Leitung
Camerata Salzburg


MAX BRUCH Konzert für Violine und Orchester g-Moll op. 26
CAMILLE SAINT-SAËNS Introduction et Rondo capriccioso für Violine und Orchester a-Moll op. 28
CAMILLE SAINT-SAËNS Havanaise für Violine und Orchester E-Dur op. 83
PETER I. TSCHAIKOWSKI Serenade für Streichorchester C-Dur op. 48

Der grillenhafte Charme des Rondo capriccioso und die kubanischen Reize der Havanaise verzaubern wie eh und je — kaum zu glauben, dass diese Stücke heute nahezu vergessen sind! „Das Solo eines Konzerts muss wie eine dramatische Rolle angelegt und behandelt werden“, war Camille Saint-Saëns überzeugt und schrieb unter vielen anderen Werken auch brillante Musik für Meisterinstrumentalisten: In ihr zeigte sich dieser geradezu universell begabte, in allerlei künstle­rischen und wissenschaftlichen Disziplinen tätige Franzose besonders originell und experimentierfreudig.

Nicht immer weiß auch die Nachwelt noch zu schätzen, was einst gefeierte Künstler geschaffen haben. Saint-Saëns’ drei Jahre jüngerer Zeitgenosse Max Bruch etwa entwickelte sich vom berühmten Wunderkind zum hoch geachteten Komponisten, doch ist der gebürtige Kölner heute fast nur noch mit seinem Ersten Violinkonzert präsent — mit jenem 1868 ­vollendeten, an Melodien reichen Virtuosenstück, dessen ­internationaler Erfolg Bruch selbst gar nicht mehr recht war, weil er seine späteren Werke überstrahlte. Tschaikowskis schwelgerische Streicherserenade zählt seit ihrer Uraufführung zu seinen größten Triumphen: Sogar der notorisch selbstkritische Komponist war in diese „aus innerem Zwang“ entstandene Schöpfung „schrecklich verliebt“.

Ort:

A-5020 Salzburg, Schwarzstraße 26 (Stiftung Mozarteum)

Termin:

Mo, 21.5.2018, 11:00 |

Festkonzert

Daniel Barenboim, Musikalische Leitung
Cecilia Bartoli, Mezzosopran
Rolando Villazón, Tenor
Jonas Kaufmann, Tenor
Staatskapelle Berlin


GIOACHINO ROSSINI Auszüge aus dem dritten Akt des Dramma per musica Otello ossia Il moro di Venezia
RICHARD WAGNER Vorspiel zu Die Meistersinger von Nürnberg WWV 96
RICHARD WAGNER „Am stillen Herd“, Lied des Stolzing aus Die Meistersinger von Nürnberg WWV 96
RICHARD WAGNER Tanz der Lehrbuben aus Die Meistersinger von Nürnberg WWV 96
RICHARD WAGNER „Morgendlich leuchtend“, Preislied des Stolzing aus Die Meistersinger von Nürnberg WWV 96
RICHARD WAGNER Vorspiel und Liebestod für Orchester aus Tristan und Isolde WWV 90

Bei der Komposition des Lohengrin, so behauptete Richard Wagner, seien ihm „zu höchster Pein“ Melodien aus Rossinis Guillaume Tell im Kopf herumgespukt, weshalb ihm nichts mehr eingefallen wäre. Erst mit dem Trällern von Beethovens Neunter hätte er sich davon befreien und zu seiner Erfindungsgabe zurückfinden können. — „Diese Musik muss man mehrmals hören“, räumte Gioachino Rossini ein, nachdem er eine Vorstellung von Wagners Tannhäuser besucht hatte, „aber ich gehe nicht wieder hin …“

Die beiden Genies feuerten Sottisen aufeinander ab — doch ihr einziges Treffen, 1860 in Paris, wurde ein freundschaftlich-geistreicher, sogar heiterer Gedankenaustausch. Wagner zeigte sich nicht zuletzt vom Otello beeindruckt — und resümierte die Begegnung mit den Worten, der „Schwan von Pesaro“ sei von allen Musikern, die er in Paris getroffen habe, „der einzig wirklich Große“ gewesen. Musikalisch sind die beiden einander wohl nie näher gekommen als im besonders packenden, praktisch durchkomponierten dritten Akt des Otello. Umgekehrt lassen bei Wagner Ouvertüren, Vorspiele oder der an die Transzendenz rührende Liebestod noch die alten Konventionen fühlen, um sie zugleich zu überschreiten. Rossini und Wagner: ein mu­sikalisches Gipfeltreffen zweier Antipoden in Starbesetzung.

Ort:

A-5020 Salzburg, Hofstallgasse 1 (Großes Festspielhaus)

Termin:

Mo, 21.5.2018, 18:00 |

SALZBURGER FESTSPIELE

KARTENBÜRO

Herbert von Karajan Platz 11
A 5010 Salzburg

Telefon: +43-662-8045-500
Fax: +43-662-8045-555
E-Mail: info@salzburgfestival.at

(Titelbild: Horatio McCulloch (1805–1867), Loch Katrine, 1866, oil on canvas, © Perth & Kinross Council)