STAATSOPER STUTTGART
Spielzeit 2009/10
Parsifal
RICHARD WAGNER
Premiere 28.03.2010 | Opernhaus
In einer Welt, in der die Natur vom Kollaps bedroht ist, sucht ein junger Mensch nach Antworten ... Endzeitstimmung und Sinnfragen sind es, die den katalanischen Regisseur Calixto Bieito in seiner Interpretation von Richard Wagners "Parsifal" beschäftigen werden.
Die Fabel des reinen Toren, welche Richard Wagner Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Epos entnommen hat, verbindet er in seinem letzten Werk mit einer Vielzahl christlicher Motiv-Entlehnungen zu einer "Kunstreligion". Im Vordergrund des orchestralen "Bühnenweihfestspiels" von 1882, das mit den Reliquien des Pokals von Arimathia und der Lanze des Longinus spielt, steht aber vor allem die Geschichte des Amfortas: Seine Wunde, die ihm im "Genitalbereich" (Wapnewski) von seinem Widersacher Klingsor durch die Verführung Kundrys zugefügt wurde, lässt die Gralsgesellschaft in Lethargie verharren. Parsifal soll Amfortas von seinem Leiden erlösen und erfährt von den "Ersten und Letzten Dingen" einer Welt, die das Sinnlich-Menschliche zu verbannen sucht.
Mit "Parsifal" widmet sich Manfred Honeck nach "Lohengrin" seiner zweiten Wagner-Partitur und arbeitet erstmals mit Calixto Bieito zusammen. Nach "Der fliegende Holländer", "La fanciulla del West" und "Jenufa" legt der renommierte katalanische Regisseur mit dieser Fabel des reinen Toren seine vierte Stuttgarter Opernarbeit vor.
Musikalische Leitung: Manfred Honeck
Regie: Calixto Bieito
Bühne: Susanne Gschwender
Kostüme: Mercè Paloma
Chor: Michael Alber
Dramaturgie: Xavier Zuber
In Deutsch mit Übertitel
Ort:
Opernhaus
Termine:
So, 28.3.2010 | Premiere
Do, 1.4.2010
Mo, 5.4.2010
So, 11.4.2010
So, 25.4.2010
Pinocchios Abenteuer
JONATHAN DOVE
Ab 8 Jahren (Klasse 2)
Familienoper in zwei Akten
"Es war einmal ein Stück Holz..." Die 2008 entstandene Oper für Groß und Klein greift die unvergessliche Geschichte von Carlo Collodi auf. Aus einem kichernden Stück Holz schnitzt Meister Geppetto eine quietschlebendige Holzpuppe, die sich nichts sehnlicher wünscht als ein richtiger Junge aus Fleisch und Blut zu werden. Doch Mensch sein ist verzwickt und mit allerlei unliebsamen Pflichten verbunden, und die Blaue Fee bemerkt sofort, wenn Pinocchio schwindelt. Dann fängt nämlich seine Nase an zu wachsen. Bis sich Pinocchios großer Traum endlich erfüllt, treibt ihn seine unbändige Neugier von einer Gefahr in die nächste. Doch kaum ist er ein echter Junge geworden, trauern wir da nicht alle heimlich um die spitzbübische Holznase?
Musikalische Leitung: David Parry
Regie: Markus Bothe
Choreographie: Ivo Bärtsch
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Justina Klimczyk
Licht: Rainer Janson
Chor: Michael Alber, Simon Zimmermann
Dramaturgie: Barbara Tacchini
Ort:
Opernhaus
Termine:
Sa, 13.3.2010
So, 14.3.2010
Pelléas et Mélisande
CLAUDE DEBUSSY
Debussy sah 1893 die Uraufführung von PELLÉAS UND MÉLISANDE, ein Schauspiel des Symbolisten Maeterlinck. Das Stück, das Debussy in seiner Oper von 1902 fast ungekürzt vertonte, konzentriert sich auf die Entfaltung der affektiven Konflikte zwischen Golaud, seiner Frau Mélisande und seinem Halbbruder Pelléas. Der äußere Rahmen des Geschehens wird durch das Erscheinen der rätselhaften Mélisande abgesteckt: wie sie in die Familie ihres Mannes aufgenommen wird, in das Zentrum von deren ungelösten Konflikten gerät und daran zugrunde geht. Manches lädt ein, im geheimnisvollen Familiensitz Allemonde das Modell einer antiautoritären Gesellschaftsstruktur zu sehen. Verbote gibt es nicht. Selbst Golauds Heirat mit einer anderen als der ihm zugedachten Frau wird verständnisvoll gutgeheißen. Die bürgerliche Familienstruktur weicht einer kommunenartigen Lebensform mit wechselnden oder gleichzeitigen Partnern. Doch an die Befreiung von einem verbindlichen Gesellschaftsrahmen knüpft sich Orientierungslosigkeit: Sie produziert bei allen Mitgliedern - vor allem den Halbbrüdern - eine Konfliktunfähigkeit, die sich auch darin zeigt, dass die Lösung vom Elternhaus nicht gelingt. Als sich der Eifersuchtskonflikt zuspitzt, verharren sie in passiver Lähmung, bis die verdrängten Verletzungen außer Kontrolle geraten. Und das Paar Pelléas und Mélisande stirbt weniger an einer gesellschaftlich verbotenen Liebe, als dass es aus einer je unterschiedlich bedingten Unfähigkeit zur Liebe in den Tod geht.
Die Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito entstand 2003 für die Staatsoper Hannover und gastierte beim Edinburgh Festival und den Wiener Festwochen.
Musikalische Leitung: Peter Schrottner
Inszenierung und Dramaturgie: Jossi Wieler und Sergio Morabito
Szenische Leitung: Aurelia Eggers
Bühne und Kostüme: Kazuko Watanabe
In Französisch mit deutschen Übertiteln
Ort:
Opernhaus
Termine:
Fr, 26.3.2010
Mi, 31.3.2010
So, 18.4.2010
Do, 29.4.2010
Turandot
GIACOMO PUCCINI
Puccinis letzte Oper greift auf einen Märchenstoff zurück. Die Geschichte handelt von der stolzen Prinzessin Turandot, die sich der Verheiratung zu entziehen sucht, indem sie den Bewerbern drei Rätsel stellt – dramatisch verstärkt durch ihre Forderung, dass derjenige, der die Antworten nicht findet, sterben muss. Der Komponist der großen Emotionen stellte hier den Versuch, eine für seine Zeit und im Vergleich zu seinen früheren Opernwerken völlig neue Mann-Frau-Beziehung zu entwickeln, in den Mittelpunkt – seine Titelheldin ist nicht die klassische Frauenfigur der Oper, die in der Liebe zu einem Mann den Opfertod stirbt, wie Mimi oder Tosca, sondern die beiden Hauptpersonen Turandot und Calaf finden sich in ihrer Liebe als zwei gleichstarke Menschen wieder.
Ob der Komponist seinem eigenen musikalischen Anspruch letztlich ganz gerecht geworden wäre, wissen wir nicht, denn er konnte die Oper nicht selbst beenden – er starb kurz vor Vollendung des 3. Aktes. Fertig gestellt wurden das Finale und das Schlussduett vom Komponisten Franco Alfano im Auftrag des Ricordi-Verlages und nach Skizzen von Puccini: die Komposition bleibt daher fragmentarisch – wie es mit Turandot und Calaf weitergeht, bleibt offen.
Musikalische Leitung: Juraj Valcuha / David Parry
Regie: Nicolas Brieger
Szenische Neueinstudierung: Lars Franke
Bühne: Hermann Feuchter
Kostüme: Jorge Jara
Licht: Wolfgang Göbbel
Chor: Michael Alber
Dramaturgie: Juliane Votteler
In Italienisch mit deutschen Übertiteln
Ort:
Opernhaus
Termine:
Fr, 12.3.2010
Do, 18.3.2010
So, 21.3.2010
Eugen Onegin
PJOTR IL JITSCH TSCHAIKOWSKI
Lyrische Szenen in drei Akten
Text von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Konstantin Stepanowitsch Schilowski.
Nach dem gleichnamigen Roman in Versen von Aleksandr Puschkin
Tatjana: „Ich lese viel!"
Onegin: „Wahrlich, Lektüre bietet unerschöpfliche Nahrung für Geist und Herz, aber wir können nicht immer mit einem Buch sitzen!"
Mit seinen "lyrischen Szenen in drei Akten", uraufgeführt 1879 mit einem Studentenensemble am "kleinen" Moskauer Maly Theater, verlässt Tschaikowski den für die Oper seiner Zeit typischen "Großen Stil": "Ich brauche keine Zaren, Zarinnen, Volksaufstände, Schlachten, Märsche… ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf den Konflikten beruht, die ich selber erfahren oder gesehen habe, die mich im Innersten berühren können." Ein solch intimes Drama fand er in den Alltagskatastrophen des russischen Provinz- und Großbürgertums, die Puschkins Versroman "Eugen Onegin" (1833) versammelt. Tschaikowski zeigt in seiner gleichnamigen Oper die Ausbruchsversuche von vier jungen Menschen in einer überalterten Welt. Ausgangspunkt für seine Bearbeitung ist die berühmte Briefszene der Tatjana. In ihrer Identifikation mit den Heldinnen der Briefromane wirft sie zugleich alle Spielregeln des Genres über den Haufen, indem sie als Frau einem Mann ihre Liebe erklärt. Doch Onegin, ein in die Provinz verirrter Frauenheld, weist sie zurück. Jahre später erkennt er, dass er sein Lebensglück versäumt hat. Aber nun ist es Tatjana, die ihn zurückweist.
Der französische Dirigent Marc Soustrot gibt mit dieser Produktion sein Staatsoperndebüt. Für die Regie ist Waltraud Lehner verantwortlich, die in der vergangenen Spielzeit bereits "Idomeneo" inszenierte.
Musikalische Leitung: Oliver von Dohnányi / Marc Soustrot
Regie: Waltraud Lehner
Bühne: Kazuko Watanabe
Kostüme: Werner Pick
Licht: Reinhard Traub
Chor: Johannes Knecht
Dramaturgie: Sergio Morabito
Ort:
Opernhaus
Termine:
Fr, 19.3.2010
Mo, 22.3.2010
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