LISZT-MUSEUM

Vom Liszt-Haus zum Liszt-Museum

In Kooperation zwischen Klassik Stiftung Weimar und Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar hat sich das Liszt-Haus in der Marienstraße 17 in ein Liszt-Museum verwandelt. Die Stiftung ist weiterhin Besitzer und Betreiber des Museums. Zusätzlich zu den historischen Räumen im ersten Obergeschoss stellt sie nun die Räume des Erdgeschosses für eine Dauerausstellung zu Verfügung. Die Hochschule für Musik entwickelte das inhaltliche Konzept für die Ausstellung und trug die Kosten für die Realisierung. Die Bauhaus-Universität Weimar übernahm die Planung und Leitung des Umbaus und der Ausstellungsgestaltung.

So wird die historische Wohnung Liszts im Obergeschoss ab dem 16. Juli 2006 im Erdgeschoss durch ein zeitgemäßes, ansprechendes Informationsangebot ergänzt, das den Besuchern ein ebenso umfassendes wie lebendiges Bild des Musikers vermittelt. Ausgangspunkt des Ausstellungskonzepts ist dabei die außergewöhnliche Vielseitigkeit Liszts. Es existiert kaum ein Betätigungsfeld im Bereich der Musik, in dem Liszt nicht aktiv und erfolgreich war, sei es als Komponist, als Pianist, als Dirigent, als Pädagoge oder als Organisator. Damit war er nicht nur eine zentrale Musikerpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts, sondern beeinflusste nachfolgende Generationen bis heute.

Erster Raum: Liszt als Weltbürger

Der erste Raum gibt zunächst einen Überblick zur bewegten Biographie des Weltbürgers Liszt. Auf einer überdimensionalen Europakarte lassen sich seine wichtigsten Lebensstationen sowie die intensive Reisetätigkeit und die europaweiten Kontakte Liszts nachvollziehen. Eingebettet in die Landkarte sind Abgüsse seiner Lebend- und Totenmaske, deren Originale zum Bestand des Goethe-Nationalmuseums gehören. An der gegenüberliegenden Wand findet sich eine Darstellung der wichtigsten Ereignisse aus Politik, Gesellschaft, Technik und Kunst, die in die Lebenszeit Liszts fallen und ihn teilweise stark prägten. So nahm er etwa mit regem Interesse an den Entwicklungen in der Literatur und den bildenden Künsten teil und war ein genauer Beobachter der politischen Umbrüche seiner Zeit. Nicht zuletzt profitierte er auch von den technischen Fortschritten, indem beispielsweise die Neuerungen im Klavierbau seine virtuose Spieltechnik überhaupt erst ermöglichten.

Zweiter Raum: Der junge Liszt

Im zweiten Raum werden drei Wirkungsbereiche Liszts vorgestellt, die sein Leben vor allem in jüngeren Jahren prägten. An einer Wand entdeckt man den Dirigenten Liszt, dessen innovativer Dirigierstil nicht immer auf Wohlwollen stieß, wie es die Karikaturen und die Berichte von Zeitgenossen belegen. Eine weitere Wand ist dem organisierenden Liszt gewidmet, der sich nicht nur um die Wiederbelebung der Weimarer Kunst Gedanken machte, sondern der auch neue Konzertformen wie die Veranstaltung von Festwochen erprobte und sich aktiv an der Gründung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins als einem Forum für zeitgenössische Musik beteiligte. An der dritten Wand lassen sich zahlreiche Dokumente zu dem Betätigungsfeld finden, das wohl die meisten mit dem Künstler verbinden: Liszt als gefeierter Klaviervirtuose.

Die Reproduktion eines Gipsabgusses von Liszts rechter Hand beantwortet die Frage nach möglichen anatomischen Besonderheiten. Eine Video-Projektion in der Raummitte, bei der man einem Pianisten beim Spielen über die Schulter schauen kann, veranschaulicht die spieltechnischen Finessen der Liszt-Werke, und Ausschnitte aus Spielfilmen zeigen, wie sehr der ungeheure Starkult um Liszt selbst Regisseure des 20. Jahrhunderts fasziniert hat. An der Fensterseite stehen – fast wie ein Publikum im Raum – mehrere originale Porträtbüsten Liszts, die den Musiker in verschiedenen Phasen seines Lebens darstellen. Sie geben nicht nur einen Einblick in die umfangreiche Liszt-Sammlung der Klassik Stiftung Weimar, sondern offenbaren ganz verschiedene Facetten der Person Franz Liszt, ihrer Rezeption und nicht zuletzt der ihr entgegengebrachten, großen Verehrung.


Dritter Raum: Liszts späte Jahre

Die zwei Tätigkeitsfelder, die insbesondere Liszts späte Jahre in Weimar prägten, werden im letzten Raum des Rundgangs thematisiert. Hier in der Hofgärtnerei scharte er nicht nur Schüler aus aller Welt um sich und unterrichtete sie gemeinsam in der Art eines heutigen „Meisterkurses“, auch dem Komponieren galt nun erneut seine besondere Aufmerksamkeit. Das umfangreiche und vielseitige kompositorische Œuvre Liszts ist einerseits in seiner Gesamtheit auf einer Wand visuell und akustisch erfahrbar und wird andererseits an den drei anderen Wänden anhand einzelner spezifischer Aspekte verdeutlicht. Hierzu zählen Liszts Begriff von Programmmusik und seine Bearbeitungspraxis ebenso wie seine Vorwegnahme von Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts. Das Reisekruzifix Liszts, das von der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurde, steht für die Religiosität in seinem kompositorischen Schaffen. Hörstationen mit Werken späterer Komponisten, die Bezug auf Liszt nehmen, sowie Liszt-Interpretationen verschiedener Pianisten der letzten 100 Jahre verdeutlichen Liszts Fortwirken bis in die Gegenwart.

Grenzüberschreitende Klanginstallation

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie neben einer wissenschaftlichen auch eine künstlerische Annäherung an das Phänomen Liszt enthält. Die Klanginstallation im Eckraum des Erdgeschosses wurde eigens für das Liszt-Museum konzipiert und vom Studio für elektroakustische Musik (SeaM) an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT realisiert. Eine vierzehn Meter lange Klaviersaite durchspannt das Gebäude vom Keller bis zum Dach und erzeugt Klänge, die in der Installation verarbeitet werden. Dabei entsteht ein dreidimensionaler Klangraum, der in Verbindung mit einer computergesteuerten Videoprojektion zu erleben ist.

Das Kunstwerk setzt sich mit der Zerrissenheit Liszts zwischen religiöser Askese und öffentlicher Zurschaustellung auseinander, welche in den Kontrast zwischen Innen- und Außenraum übersetzt wird: Eine Lichtfaser, die parallel zur Klaviersaite verläuft, leuchtet durch die Fenster nach draußen, die Saite selbst wird durch die Temperatur auf dem Dach in ihrem Schwingungsverhalten beeinflusst. Der vertikale Durchstoß durch das Gebäude und die angedeutete Verlängerung in den Himmel symbolisieren Liszts Tendenz zur Grenzüberschreitung.


Historischer Salon im 1. Stock

Im 1. Stock des Liszt-Museums ist der Salon Franz Liszts nahezu unverändert erhalten geblieben. Das ehemalige Weimarer Sommerdomizil des Komponisten in den Jahren 1869 bis 1886 ist als historisches Interieur konzipiert. Eine in den ungarischen Nationalfarben gehaltene Portiere, die Liszt von ungarischen Freunden bekommen hatte, teilt das Wohn- und Arbeitszimmer. Der vordere Teil des Raums wird durch den Konzertflügel, den die Firma Bechstein im Jahr 1869 Franz Liszt zur Verfügung stellte, und das Ibach-Klavier bestimmt.

Im hinteren Teil dominieren der Schreibtisch und ein Bildnis Ludwig van Beethovens den Raumeindruck. Persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke prägen die Atmosphäre. Verschiedene Porträts zeigen den berühmten Musiker in unterschiedlichen Lebensphasen. So ist Liszt in einem über dem Klavier befindlichen Gemälde als 58-Jähriger porträtiert, während ihn die Büste im einstigen Dienerzimmer im Alter von 27 Jahren zeigt.

Durch das kleine Schlafzimmer gelangt man in das Speisegemach. In den Wandvitrinen zeugen verschiedene Erinnerungsstücke von den Konzertreisen Liszts, die ihn durch ganz Europa führten. Zu sehen sind beispielsweise verschiedene Taktstöcke, ein silberner Lorbeerkranz und einige Medaillen.

Im angrenzenden Dienerzimmer ist ein sogenanntes stummes Klavier ausgestellt. Der Besucher erlebt im ursprünglichen Ambiente die Wohnsituation des Komponisten, während er zugleich die ausgestellten Korrespondenzen studieren kann, die Liszt mit zahlreichen europäischen Musikern führte.


Liszt-Museum: Geschichte und Architektur

Das Museum erinnert an den vielseitigen Künstler Franz Liszt, der auf besonderen Wunsch von Maria Pawlowna 1848 als Hofkapellmeister nach Weimar berufen wurde. Er revolutionierte nicht nur die Technik des Pianospiels, sondern sorgte auch dafür, dass Werke zeitgenössischer Komponisten wie beispielsweise Hector Berlioz in Weimar zur Aufführung kamen. Unterstützt von Großherzog Carl Friedrich und seiner Gattin Maria Pawlowna gelang es Liszt, auch einige Werke des damals aufgrund seiner Teilnahme an den Dresdener Barrikadenkämpfen steckbrieflich gesuchten Richard Wagner in Weimar aufzuführen. 1850 brachte die Hofkapelle unter der Leitung Liszts die Uraufführung von Wagners Lohengrin auf die Weimarer Bühne.

In seiner ersten Weimarer Zeit von 1848 bis 1861 hatte Liszt zusammen mit Carolyne von Sayn-Wittgenstein in der so genannten Altenburg gewohnt und dort einen Kreis von Musikinteressierten um sich versammelt. Nach einem inszenierten Skandal verließ er 1858 sein Amt und 1861 die Stadt.

Rückkehr nach Weimar
Nach einem achtjährigen Aufenthalt in Rom kehrte er auf Einladung Großherzogs Carl Alexander zeitweilig nach Weimar zurück. Die obere Etage des ehemaligen Gärtnerhauses (heutiges Liszt-Museum) wurde ihm zur Verfügung gestellt. Hier unterrichtete er seine internationale Schülerschar an drei Nachmittagen der Woche. Seine Sonntagsmatineen fanden besondere Beachtung. Vorwiegend weilte Liszt während dieser Zeit im Sommer in Weimar, während er in den verbleibenden Monaten in Rom und Budapest lebte.

Unmittelbar nachdem Franz Liszts 1886 in Bayreuth gestorben war, verfügte Großherzog Carl Alexander, daß die Wohnung unverändert bleiben sollte. Bereits im Mai 1887 wurde in diesen Räumen im 1. Stockwerk das ursprüngliche Liszt-Museum eingeweiht. Die langjährige Haushälterin, Pauline Apfel, führte in den ersten Jahren die Gäste durch das Haus. Im Jahr 1953 übernahm die Vorgängerin der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen das Haus sowie den Nachlaß des Künstlers.

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