Schiffbau         Pfauen    

Schauspielhaus Zürich | Schiffbau

Spielzeit 2017/18

Meet Me

von Liv Heløe

Schweizer Erstaufführung: 16. November 2017, Schiffbau/Matchbox

„You really should do something.
You look like a loser.
You have no chance if you don’t change.“

Shaya und Feda scheinen wieder festen Boden unter den Füssen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Sie wollen die Vergangenheit und das Erlebte hinter sich lassen und neu anfangen. Doch der Alltag in der Flüchtlingsunterkunft ist trostlos. Shaya und Feda wehren sich dagegen, die Tage ziellos verstreichen zu lassen. Sie stossen aber auf Widerstand und bleiben ausgegrenzt. La’lia hat Arbeit und eine Wohnung und ist dennoch auf der Suche. Alle drei haben Wünsche für die Zukunft. La’lia borgt Shaya Geld, damit er etwas aus sich macht. Er kauft sich damit eine Sonnenbrille. Dieser Moment des Glücks währt nicht lange. Zweifel und Selbstvorwürfe hindern ihn daran, La‘lia wiederzutreffen, obwohl er sich nach ihr sehnt. Sein schlechtes Gewissen steht ihm im Weg. Als Shaya dennoch über seinen Schatten springt und zu ihr geht, erwartet La’lia ihn mit einer neuen Herausforderung.

Die norwegische Dramatikerin Liv Heløe arbeitete 15 Jahre als Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin. Seit dem Abschluss eines Dramatikerstudiums 2003 arbeitet sie hauptberuflich als Autorin für Theater und Rundfunk. Für ihre Arbeit erhielt sie bereits zahlreiche Preise, u. a. 2006 den National Ibsen Award sowie 2010 den Hedda-Preis für ihr Stück „Man ist auch der, der man werden kann“. „MEET ME“ wurde 2016 mit dem 2. Preis des Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg sowie dem Kathrin-Türks-Preis ausgezeichnet und war auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendtheaterpreis.

„Liv Heløe setzt mit dem Unspektakulären, Leisen und auch Poetischen einen unaufdringlich eindrücklichen Kontrapunkt gegen die politische Aufgeregtheit dieser Tage.“ (Jurybegründung Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg)

Enrico Beeler ist seit 2009/10 Hausregisseur am Jungen Schauspielhaus und prägt dessen künstlerisches Profil. In dieser Spielzeit sind auch seine Inszenierungen „Shut up“ und „Malala – Mädchen mit Buch“ zu sehen.

Regie: Enrico Beeler
Bühne: Marc Totzke
Kostüme: Cornelia Koch
Musik: Dominik Blumer
Bewegung: Buz

Ort:

Schiffbau/Matchbox

Termine:

Fr, 24.11.2017, 19:00 |
Sa, 25.11.2017, 18:30 |
Mo, 27.11.2017, 18:30 |
Di, 28.11.2017, 18:00 |
Do, 30.11.2017, 18:00 |
Fr, 1.12.2017, 19:00 |
Mo, 4.12.2017, 18:30 |
Di, 5.12.2017, 19:00 |
Do, 7.12.2017, 18:30 |

Beute Frauen Krieg

Ein Zyklus im Schiffbau
nach „Die Troerinnen“ und „Iphigenie in Aulis“ von Euripides

Premiere: 02. Dezember 2017, Schiffbau/Halle

Der Krieg hat noch nicht begonnen, als der griechische Heerführer Agamemnon seine Tochter Iphigenie als Preis für göttlichen Seewind opfert. Nach Kriegsende wird Polyxena, die einzige noch lebende Jungfrau aus dem trojanischen Königshaus, als jugendfrisches Geschenk für blutige Heldentaten geschlachtet.
Der sagenhafte trojanische Krieg, eingerahmt durch zwei Mädchenopfer, forderte in zehn Jahren erbitterter Kämpfe unzählige Tote. Am Ende wird ganz Troja durch eine feige List der griechischen Feinde in einer einzigen Nacht brutal vernichtet. Übrig bleiben die Beutefrauen, gequält durch den Verlust der Heimat, der Männer und der Kinder, vielfach erniedrigt durch Schändung am eigenen Leib. Schutzlos sind sie der Gewalt und Willkür der Sieger ausgeliefert. Ihre Peinigungen sind Kollateralschäden des Krieges, ihre Zukunft ist die Sklaverei. Vor rund 2500 Jahren mahnte Euripides pointiert-verspielt an, was bis heute einfache und entsetzliche Wahrheit ist: Der Krieg ist gegenwärtig und schafft unschuldige Opfer und erbarmungsloses Leid.

In ihrer dritten Arbeit in der Schiffbau-Halle überträgt Regisseurin Karin Henkel („Elektra“, „Die zehn Gebote“) den antiken Diskurs im mehrteiligen Bühnenbild von Muriel Gerstner in einen zeitlos kreisenden Zyklus um Beute, Frauen und Krieg.

Regie: Karin Henkel
Bühne: Muriel Gerstner
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Arvild J. Baud

Ort:

Schiffbau/Halle

Termine:

Fr, 1.12.2017, 19:00 | Voraufführung |
Sa, 2.12.2017, 19:00 | Premiere |
Mo, 4.12.2017, 19:00 |
Do, 7.12.2017, 19:00 |
So, 10.12.2017, 18:00 |
Di, 12.12.2017, 19:00 |
Mi, 13.12.2017, 19:00 |
Sa, 16.12.2017, 19:00 |
Di, 19.12.2017, 19:00 |
Fr, 22.12.2017, 19:00 |
Do, 28.12.2017, 19:00 |
Mi, 3.1.2018, 19:00 |
Do, 4.1.2018, 19:00 |

Jakob von Gunten

nach dem Roman von Robert Walser

„Jakob von Gunten“ ist als Gegenentwurf zum heutigen Lebensoptimierungs- und Effizienzwahn gleichermassen heiter wie beunruhigend. Walsers Antihelden sind ausnahmslos einsame Menschen, die permanent ihre eigene Welt erfinden müssen, weil die Welt, so wie sie ist, nichts für sie bereithält.“ Barbara Frey

„Man lernt hier sehr wenig, es fehlt an Lehrkräften und wir Knaben vom Institut Benjamenta werden es zu nichts bringen, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein“, beginnt Robert Walsers fiktiver Tagebuchroman aus der Perspektive des Internatszöglings Jakob von Gunten, erschienen im Jahr 1909. Der Ort der Handlung ist eine Dienerschule, in welcher die Entwicklung der Schüler nicht gefördert, sondern verhindert wird. Die Lehrer schlafen, sind tot, scheintot oder versteinert, ausser dem monströsen Vorsteher Herrn Benjamenta und seiner leidenden Schwester Fräulein Benjamenta. Der Grundsatz des Instituts lautet „Wenig, aber gründlich!“. Jakob von Gunten ist intelligent und stammt aus bürgerlichen Verhältnissen, jedoch verfolgt er stoisch das Ziel, eine „reizende, kugelrunde Null“ zu werden. Er führt ein sonderbares Doppelleben, ein geregeltes und ein ungeregeltes, hochmütig und demütig zugleich, ein ernsthafter Spieler, der seine Traumvisionen nicht von der Realität trennt. Am Ende dieses avantgardistischen, verstörenden Anti-Bildungsromans bleiben nur der Vorsteher des sich auflösenden Instituts – einem entthronten König gleich – und Jakob von Gunten übrig. Fräulein Benjamenta ist an Lieblosigkeit gestorben und die anderen Eleven haben ihre Anstellung als Diener erhalten. Herr Benjamenta, der sich selbst als bedrohlichen Unmenschen bezeichnet, fühlt sich in der Gegenwart von Jakob zum ersten Mal lebendig und fleht ihn an, mit ihm in die Welt hinaus zu ziehen. Zuletzt reiten der Herr und sein Zögling Seite an Seite in die Wüste, ins Nichts und der Erzähler fragt: „Und wenn ich zerschelle und verderbe, was bricht und verdirbt dann? Eine Null.“

Der dritte und meistdiskutierte Roman des herausragenden Schweizer Schriftstellers und gesellschaftlichen Aussenseiters Robert Walser (1878–1956) wurde in 25 Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt. Walser war mit seiner scharfsinnigen Beschreibung von Entfremdung und Wertnihilismus seiner Zeit voraus.

Barbara Frey, die Walsers Leidenschaft teilt, das Gigantische im Detail aufzuspüren, wird den Roman erstmals in Zürich auf die Bühne bringen.

Regie: Barbara Frey
Bühne und Kostüme: Bettina Meyer
Musik: Iñigo Giner Miranda

Ort:

Schiffbau/Box

Termine:

Sa, 25.11.2017, 20:15 |
Mo, 27.11.2017, 20:15 |
Do, 7.12.2017, 20:15 |

Rechnitz (Der Würgeengel)

von Elfriede Jelinek

In „Rechnitz (Der Würgeengel)“ haben die Boten das Wort. Sie berichten – mal im Rückblick wie Zeugen, mal live wie bei einer Mauerschau – von einem Massaker und seinen Folgen, geschehen in den letzten Kriegstagen 1945 an der österreichisch-ungarischen Grenze. Die Gräfin Margit von Batthyany hatte auf Schloss Rechnitz die lokalen SS- und Gestapo-Männer zu einem so genannten Gefolgschaftsfest eingeladen. Zeitgleich wurde eine Massenerschiessung beim nahe gelegenen „Kreuzstadel“ vorbereitet. 180 jüdische Zwangsarbeiter, die für die Deportation ins Landesinnere zu entkräftet waren, wurden schliesslich von einer Gruppe Festgäste erschossen. Schon wenige Tage später brannte Schloss Rechnitz und die Gräfin floh vor der Roten Armee mit zwei Begleitern, dem SS-Ortsgruppenführer Podezin und dem Schlossverwalter Oldenburg. Ihr Ziel: die Schweiz, namentlich die Villa Favorita am Luganer See, wo Margits Bruder Heini Thyssen lebte, mit den Nazis Geschäfte machte und Kunst sammelte. Die Boten bleiben zurück und mit ihrem Wissen allein, in Umkehrung von Bunuels Film „Der Würgeengel“, wo es die (Dienst-)Boten sind, die die Herrschaft im Stich lassen.

Elfriede Jelinek lässt in ihrem Stück viele Quellen ineinander fliessen. Es sprechen Zeitzeugen, wie sie in den Rechnitz-Prozessen der Nachkriegsjahre ausgesagt haben; Dorfbewohner und ehemalige Dienstboten, wie sie in dem Dokumentarfilm „Totschweigen“ aussagen bzw. sich ausschweigen; antike Boten, die aus den „Bakchien“ entsprungen sein könnten; ein aufgeklärter deutscher Bote von heute, der über unseren „Sündenstolz“ nachdenkt; schliesslich spricht der „Kannibale von Rotenburg“, ein Menschenfresser von heute. In der Aufführung des Schauspielhauses steht eine Botin stellvertretend für alle. Eine Zofe ohne Herrin? Die Herrin als Zofe?

Regie: Leonhard Koppelmann
Raum/Licht: Nadia Schrader
Kostüme: Agnes Raganowicz
Licht: Sascha Haenschke
Dramaturgie: Roland Koberg
Regieassistenz: David Koch

Ort:

Schiffbau

Termin:

Do, 21.12.2017, 20:30 |

Schauspielhaus Zürich

Schiffbau

Schiffbaustrasse 4
CH 8005 Zürich

Telefon: +41 (0)44 258 77 77
Fax: +41 (0)44 259 77 77
E-Mail: theaterkasse@schauspielhaus.ch

Öffnungszeiten Theaterkasse Pfauen (Rämistrasse 34):
Montag bis Samstag 11–19 Uhr

An der Theaterkasse im Pfauen-Foyer können Sie Karten für alle Veranstaltungen des Schauspielhauses erwerben, für den Pfauen wie für den Schiffbau.