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Sinnesfreuden - Hendrik ter Brugghen „Zecher“

Alte Pinakothek

Hendrick ter Brugghen (1588–1629) zählt zu den bedeutendsten Vertretern der „Utrechter Caravaggisten“, die in Rom im frühen 17. Jahrhundert einen Stil entwickelten, der von den dramatischen und lebensnahen Bildern des Italieners Michelangelo Merisi da Caravaggio inspiriert ist. Die mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung restaurierte und neugerahmte Halbfigur eines trunkenen Zechers entstand 1627, als ter Brugghen auf dem Höhepunkt seiner Karriere stand. Als einziges Werk des Künstlers in der Sammlung steht es im Fokus einer den „Sinnesfreuden“ gewidmeten All Eyes On Präsentation, die es gemeinsam mit Werken von ter Brugghens Utrechter Malerkollegen Gerard van Honthorst zeigt. (Bild: Hendrik ter Brugghen, Der Zecher, 1627 Leinwand, 71,3 x 60 cm © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Foto: Sibylle Forster / Nicole Wilhelms )
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Alte Meister in Bewegung

Alte Pinakothek

Neupräsentation der Sammlung Für die aktuelle Präsentation der Sammlung sind rund zweihundert Gemälde umgezogen. In den Sälen der Oberen Galerie begegnen sie sich jetzt in ungewohnten Zusammenhängen: Dialogische Konstellationen und thematische Gruppen laden dazu ein, die vertrauten Meisterwerke neu zu entdecken. Erstmals in der Geschichte der Alten Pinakothek wird die traditionelle Ordnung der Galerie, die chronologischen und geographischen Gesichtspunkten folgt, in weiten Teilen des Rundgangs hinterfragt. Viele Hauptwerke, die zuvor stets räumlich getrennt waren, sind nun über Stil- und Epochengrenzen hinweg zu Nachbarn geworden. Ihr außergewöhnliches Zusammentreffen bringt ungeahnte Parallelen zum Vorschein, lenkt den Blick auf selten thematisierte Verbindungen und charakteristische Eigenheiten. Dabei eröffnen sich frische Perspektiven auf die Gemälde und ihre Schöpfer:innen, auf die Inhalte und die Form der Darstellungen sowie auf die Zusammenhänge ihrer Entstehung.
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Eleganz, Schauspiel und Natur

Alte Pinakothek

Die Malerei des 18. Jahrhunderts ist in der Alten Pinakothek vor allem mit Werken französischer und venezianischer Künstler präsent, die bereits in ihrer Zeit europaweit gefragt waren. Das gilt besonders für François Boucher sowie für Canaletto, Francesco Guardi und Giovanni Battista Tiepolo; Gemälde von Nicolas Lancret und Jean-Baptiste Pater bezeugen das einflussreiche Wirken von Antoine Watteau. Wie außergewöhnlich reich und vielfältig die Kunstproduktion im Europa des 18. Jahrhunderts war, wird jedoch erst deutlich, wenn man den Blick über Frankreich und Venedig hinaus richtet und auch das Schaffen der Künstlerinnen und Künstler anderer Regionen berücksichtigt. In der hier eingerichteten Sammlungspräsentation treten selten gezeigte Werke von deutschen und niederländischen Künstlern mit Gemälden aus Frankreich und Italien in einen vielstimmigen Dialog. Die Präsentation konzentriert sich auf drei Themenfelder, die sowohl hinsichtlich der zeitgenössischen künstlerischen Prämissen als auch in Bezug auf den kulturhistorischen Wandel während des Zeitalters der Aufklärung besonders aussagekräftig sind: Porträts, vor allem Selbstbildnisse; Feste und galante Szenen; Landschaften und Stadtansichten. Die intensive Reflexion der Vernunft- und Gefühlskompetenz des Menschen, seiner Freiheit und seines Verhältnisses zur Gesellschaft, das neue Geschichtsbewusstsein, die Wiederentdeckung der Natur und die Erforschung der Naturgesetze – all diese Aspekte prägten das 18. Jahrhundert und spiegeln sich in den Inhalten der ausgewählten Gemälde. Eine historisch gewachsene museale Sammlung vermittelt darüber hinaus besonders eindringlich, dass sich die europäische Kunst des 18. Jahrhunderts durch die Parallelität zahlreicher, teils widersprüchlicher künstlerischer Ansätze auszeichnet.
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Mythos München 72

Staatliche Münzsammlung München

Jeder kennt sie, jeder hat sie, die 10-DM-Sonderprägungen zu den XX. Olympischen Sommerspielen in München. 100 Millionen Stück wurden geprägt und verkauft und damit zu einem großen Teil die Münchner Wettkampfstätten bezahlt. Aber auch die antike Stadt Elis münzte extra Silberstücke aus, um den berühmten Zeustempel in Olympia zu finanzieren. Das war für uns ein Anlass zu fragen: Welche Gemeinsamkeiten, aber auch welche Unterschiede gibt es zwischen den antiken Olympischen Spielen und denen in München? Die Ausstellung „Mythos München '72“ zeigt zahlreiche Leihgaben von Künstlern und Museen aus ganz Deutschland. Die Objekte werfen Schlaglichter auf die modernen und antiken Spiele. Von besonderem Interesse ist die Genese der 10-DM-Sonderprägungen. Vier Künstlerwettbewerbe wurden veranstaltet, um die Motive zu finden. Zahlreiche namhafte Medailleurinnen und Medailleure reichten Entwürfe ein, überliefert als Zeichnung, in Gips oder als Fotografie. Entscheiden Sie selbst, ob die Jury damals den richtigen Vorschlag prämiert hat.
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Tune. Sound and beyond live at Haus der Kunst

Haus der Kunst

Mit Caterina Barbieri, William Basinski, Galya Bisengalieva, Christelle Oyiri (Crystallmess), Beatrice Dillon, JJJJJerome Ellis, Emiranda, Okkyung Lee, Lolina, Kali Malone, Mechatok, Jason Moran, Stephen O’Malley, Lucy Railton, Toxe und Wolfgang Voigt . Für Tune, die Serie kurzer Sound Residencies im Haus der Kunst, sind die Künstler*innen eingeladen, Live-Performances, Filmvorführungen und Installationen zu präsentieren. Bereits 2021 galt unsere besondere Aufmerksamkeit Künstler*innen, die mit Klang verwobene Geschichten erzählen und aus der linearen Zeit heraustreten. 2022 wird die Reihe fortgesetzt, im Dialog mit den aktuellen Ausstellungen wird es um Textur und Gestalt des Klangs gehen sowie um verschiedene Arten der Performance. Tune ist zwischen den Bereichen Sound, Musik und visueller Kunst angesiedelt. Die eingeladenen Künstler*innen bewegen sich zwischen verschiedenen Genres, Zeitaltern und Einflüssen. Ihre Praktiken sind fokussiert, sei es bei mikrotonalen Kompositionen oder beim Erkunden der vielfältigen Ansätze, ein Instrument zu spielen. Die Werke untersuchen die feineren Details: Wie sich Klang mit Zeit verbindet, wie Strukturen entstehen und sich auflösen. Das Programm präsentiert Klangcollagen und erzählerische Werke, Wände aus urwüchsigem Klang, kunstvoll komponierte Songs und Improvisation. So wie Fujiko Nakayas Nebelskulpturen die Außenmauern traumartig umgeben, werden diese Klangarbeiten flüchtige Momente des Schwebens zwischen Klarheit und Opakheit erzeugen.
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Archiv Galerie. Historische Dokumentation

Haus der Kunst

In 2020 wurde für die Archiv Galerie eine neue Dokumentation zur Geschichte des Haus der Kunst konzipiert. Eingerichtet in einem zentral gelegenen Ausstellungsraum stellt die Archiv Galerie das sichtbare Gedächtnis der wechselvollen Geschichte des Haus der Kunst dar. 1937 als „Haus der Deutschen Kunst“ eröffnet, war das Gebäude eines der ersten architektonischen Vorzeigeprojekte des NS-Regimes und ein zentraler Ort von Kunst und Propaganda.
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Tony Cokes. Fragments, or just Moments

Haus der Kunst

Die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers Tony Cokes in Deutschland markiert zugleich die erste umfassende Zusammenarbeit des Haus der Kunst mit dem Kunstverein München und ist Ergebnis eines intensiven Dialogs zwischen dem Künstler, den Institutionen und ihren Archiven. Cokes wird die beiden in unmittelbarer Nähe gelegenen Ausstellungsorte auch historisch verknüpfen und ortsspezifische Werke mit dem Titel „Some Munich Moments 1937-1972“ sowohl in den Institutionen als auch im öffentlichen Raum zwischen den beiden Institutionen präsentieren. Tony Cokes (geb. 1956, Richmond, Virginia, USA) ist mit seinem Werk in den letzten Jahren zu einem markanten Gradmesser unserer Gegenwart geworden. Seit mehr als drei Jahrzehnten untersucht er die Ideologie und Affektpolitik von Medien und Popkultur sowie ihre Auswirkungen auf Gesellschaften. Ausgehend von der Erfahrung der visuellen Ausbeutung afro-amerikanischer Gemeinschaften in Film, Fernsehen, Werbung und Musikvideos hat Cokes eine einzigartige Form des Videoessays entwickelt, die repräsentative Bilder radikal ablehnt. Diese schnell bewegten Arbeiten entstehen aus vorgefundenem Textmaterial aus unterschiedlichen Quellen und Popmusik. In der konstanten Reibung zwischen Diskurs und Affekt und der Collage aus kulturellen Referenzen verändert sich das Lesen über strukturellen Rassismus, Kapitalismus, Kriegsführung und Gentrifizierung hin zu einer körperlichen und öffentlichen Erfahrung. Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
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Tune. Ihor Okuniev

Haus der Kunst

Land ist eine neue Klangarbeit des ukrainischen Multimedia-Künstlers Ihor Okuniev, die für den Terrassensaal des Haus der Kunst in Auftrag entstanden ist. Die Arbeit besteht aus zwei Teilen: Der erste wird von August 2022 bis Dezember 2022 zu sehen sein, der zweite von Dezember 2022 bis April 2023. Für seine künstlerische Praxis in den Bereichen Fotografie, Video und Audio lässt sich Okuniev von der faszinierenden Natur sowie den Bräuchen und Traditionen seines Heimatlandes inspirieren. Das Land hat in der ukrainischen Kultur einen hohen Stellenwert und zählt zu ihren wichtigsten Symbolen. Land ist eine eindringliche und atmosphärische Schilderung der Zerstörung, die seit dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine angerichtet wurde. Abgebrannte Wälder, Ruinen von Häusern und zerstörte Panzerfahrzeuge lösen sich in der Umgebung auf, während das Land die Spuren des Krieges absorbiert. Seit dem 1. März 2022 engagiert sich Okuniev in einer Freiwilligenorganisation, die in verschiedene Regionen der Ukraine reist, um lebenswichtige Güter zu liefern und den Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser zu helfen. Dabei ist er selbst Zeuge der erschütternden Verwüstungen geworden. Die fünf Tonebenen der Komposition unterscheiden sich in Klang und Stil, generieren aber zusammen ein Narrativ. Langgezogene Drone-Klänge erzeugen eine bedrückende Leere, während Instrumentenklänge in die Komposition und um sie herum schweben, losgelöst und verloren. Der Schlussteil steht symbolisch für die Sonne, den Beginn von etwas Neuem. Okuniev schildert seine Erinnerung daran, wie die Sonne über einem zerstörten Hochhaus oder einem zerstörten Haus in einem Dorf aufgeht und die Ruinen beleuchtet.
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Joan Jonas

Haus der Kunst

„Ich denke es ist notwendig, an die Grenzen zu gehen. Was mir Angst macht, zieht mich an“ Joan Jonas Die wegweisende Künstlerin Joan Jonas (*1936, New York City, USA) hat durch ihr konstantes Experimentieren mit Performance, Video und Installation die Grenzen der Kunst in den letzten fünf Jahrzehnten immer wieder verschoben und neue Wahrnehmungsmodi erprobt. Sie hat zahlreiche Generationen an Künstler*innen beeinflusst und dauerhafte Beziehungen untereinander etabliert. Das Haus der Kunst zeigt die bisher umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland, die Jonas’ Ansatz der transnationalen Zusammenarbeit reflektiert und ihre dynamische Praxis der Transformation zwischen Medium und Zeit entlang wiederkehrender Themen nachzeichnet. Jonas gehörte zu den Begründer*innen der Performance, als diese in den 1960er und 1970er Jahren nach ihrem Studium der Skulptur und Kunstgeschichte in New York aufkam. Jonas’ Schaffen ist von einem Interesse an der sozialen Funktion von Narration und Ritus für Gemeinschaften geprägt, neben frühen Untersuchungen medial vermittelter, geschlechtlicher Zuschreibungen. Seit den 2000er Jahren beschäftigt sich die Künstlerin im Zuge des Klimawandels vermehrt mit dringenden ökologischen Fragestellungen, und stellt dabei nicht-menschliche Lebensformen und -räume in den Fokus ihrer künstlerischen Betrachtung. Entsprechend Jonas’ prozessualer und zyklischer Arbeitsweise, in der sie bestehende Performances oder Installationen aufgreift, fortschreibt und medial verschiebt, verfolgt die Werkschau am Haus der Kunst keine chronologisch-lineare Struktur. Sie fächert sich prismatisch auf, um die inhaltlichen und formalen Verknüpfungen zwischen Jonas’ Arbeiten unterschiedlicher Zeitperioden aufzuzeigen. Der Eingangsbereich des Haus der Kunst wird von dem Video Wolf Lights (2004/5) beleuchtet. Das Werk zeigt exemplarisch, wie Jonas Techniken des Films und Theaters kombiniert, um Herrschafts­strukturen zu verhandeln. In der Mittelhalle wird erstmals in Europa ihr jüngstes Werk Rivers to the Abyssal Plain (2021) präsentiert. Es steht für Jonas’ gegenwärtige Beschäftigung mit dem vielfältigen Ökosystem des Ozeans und ihren künstlerischen Umgang mit Forschung. Das Verhältnis zwischen Natur und künstlerischer Schöpfung bestimmt auch die im Zentrum der Ausstellung stehende multimediale Installation Reanimation (2010/2012/2013). Die Installation wurde auf der documenta 13 uraufgeführt und stellt in vier Videoprojektionen erhabene Aufnahmen isländischer und norwegischer Gletscher dem Akt des Zeichnens im Schnee gegenüber. Die Ausstellung versammelt weitere historische Schlüsselwerke, die einen Wendepunkt in Jonas’ Schaffen markieren. Die Installation Stage Sets (1976) formuliert einen erweiterten, dynamischen Skulpturbegriff und begründete Jonas’ Praxis der Übersetzung von performativen Aufführungs- in manifeste Ausstellungsformate. Juniper Tree (1976/1994) bildet das erste Werk Jonas’, das gänzlich aus einer lang tradierten, kollektiven Erzählung abgeleitet wurde. Lines in the Sand (2002) zeugt von ihrem Interesse an der Umschreibung mythologischer Narrative vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Drei Werke aus der Serie My New Theater (1997–2006) erinnern an ein minimalistisches Objekt, eine Guckkastenbühne und eine Camera obscura. Sie vereinen damit Jonas’ grundsätzliche Verhandlung von Raum, Illusion und Rahmung in der Bildproduktion. Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei Performances von Jonas: Mirror Piece I & II (1969/2018), in der Jonas das wiederkehrende Motiv des Spiegels in ihr Werk einführte, um Machtstrukturen des Blickes und geschlechtliche Rollenbilder zu thematisieren. Die Performance schlägt damit den Bogen zu zahlreichen Werken der Ausstellung. In der europäischen Erstaufführung von Out Takes: What the Storm Washed In (2022) vereint Jonas Videoaufnahmen mit Live-Musik, Text und Performance. Die musikalische Komposition stammt von Ikue Mori. Kuratiert von Andrea Lissoni und Julienne Lorz mit Elena Setzer. Die Ausstellung wurde von der Künstlerin und dem Haus der Kunst in Zusammenarbeit mit der Tate Modern, London, entwickelt. Die bisher umfassendste Werkschau in Deutschland war ursprünglich für 2018 geplant.
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Cy Twombly im Museum Brandhorst

Museum Brandhorst

Das Museum Brandhorst in München verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen von Werken des US-amerikanischen Künstlers Cy Twombly (1928 – 2011). Ihm ist die Ausstellung im gesamten Obergeschoss des Museums gewidmet. Zu den Highlights des einzigartigen Bestandes zählt neben dem Rosensaal der Lepanto-Zyklus mit einem eigens dafür geschaffenen Raum. Die Ausstellung im Obergeschoss spannt einen umfassenden Bogen von den Frühwerken Cy Twomblys bis zu seinen letzten Arbeiten. Aufgeladene, abstrakte Formen, malerische Gesten und Annäherungen an das Schreiben sind wiederkehrende Motive im Œuvre Twomblys. Die auf zumeist weißen, oft verschmutzt wirkenden Bildgründen aufgetragenen krakeligen Linien lassen dabei an New Yorker Graffiti ebenso denken wie an Inschriften und Einritzungen römischer Ruinen. Diese und weitere Anspielungen auf seine Wahlheimat Italien und die mediterrane Kultur sind als Topoi in seinen Werken zu finden. Der „Lepanto“-Zyklus Der monumentale „Lepanto“-Zyklus (2001) ist ein Hauptwerk Cy Twomblys, bestehend aus zwölf Gemälden, die dauerhaft im Lepanto-Saal im Museum Brandhorst ausgestellt werden. Der Saal wurde nach den Wünschen des Künstlers eingerichtet. Ungewöhnliche Farbakkorde in einer breiten Palette von Gelb-, Rot-, Türkis- und Aquamarintönen bestimmen die Dramatik der Bildfolge, die eine der symbolträchtigsten Seeschlachten der Geschichte thematisiert: Am 7. Oktober 1571 besiegte die Heilige Liga, eine Allianz aus spanischen, venezianischen und päpstlichen Truppen die Flotte der Osmanen bei Lepanto (dem heutigen Naupaktos) am Golf von Korinth. Die Bilder sind in abwechselnder Folge von Einzelmotiven und Serien gestaltet: Das erste, vierte, achte und zwölfte Gemälde erscheinen wie Blicke auf Bootsrümpfe aus der Vogelperspektive, die durch die Farbigkeit zugleich den Eindruck von Flammen oder klaffenden Wunden erwecken. In den drei dazwischenliegenden Sequenzen deutet sich die Dramaturgie einer Schlacht an: Von der gespannten Ruhe vor Beginn der Auseinandersetzung über die Farbexplosionen im Zentrum bis hin zu den rot eingefärbten Tafeln am Ende. Bei Twombly entfällt eine Parteinahme: die Schiffe formen keine gegnerischen Flotten, sie kämpfen und siegen nicht, sie verbrennen nur und versinken in den meerblauen Lasuren.
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Future Bodies from a Recent Past

Museum Brandhorst

Die Ausstellung macht ein bisher wenig beachtetes Phänomen in der Kunst und insbesondere der Skulptur erlebbar: die wechselseitige Durchdringung von Körper und Technologie. Mit über 100 Werken und mehreren raumgreifenden Installationen von rund 60 Künstler:innen – vornehmlich aus Europa, den USA und Japan – widmet sie sich den großen technologischen Einschnitten seit dem Zweiten Weltkrieg und nimmt deren Einfluss auf unsere Vorstellungen von Körpern in den Blick. Die zeitgenössische Kunst ist geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Körper und Technologie. In vielen Kunstwerken der vergangenen Jahre bildet sich ab, wie wir uns und unsere Umgebung in der hoch technologisierten und vernetzten Gegenwart erleben. Doch dies lässt sich bis weit in das 20. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Nachkriegszeit war gezeichnet von einem rasanten technologischen Wandel, der immer schon ideologisch instrumentalisiert wurde. Er stillte ebenso das Bedürfnis nach Neuem wie nach der Überwindung der Kriegstraumata. Gleichzeitig wurde Technologie zum Kristallisationspunkt für die Sorge vor globaler Bedrohung und für die Angst vor Veränderungen oder gar Kontrollverlust. In diesem breiten Spektrum von Zukunftseuphorie bis kritischer Distanznahme bewegte sich auch in der Skulptur die Auseinandersetzung mit neuen Technologien, die gleichermaßen Mittel der Emanzipation wie der Überwachung und (Fremd-)Steuerung sein können und das Verständnis von Körpern zutiefst beeinflussen. Auf zwei Etagen des Museums präsentiert „Future Bodies from a Recent Past“ nun erstmals einen strukturierten Bezugsrahmen für diese Erzählung, die von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart reicht. Dabei wird deutlich, dass sich die Skulptur in besonderer Weise dafür eignet, diese Veränderungen aufzugreifen und zu reflektieren. Denn sie ist nicht nur an sich schon ein Körper im Raum und damit eine Projektionsfläche für unsere eigene Körperlichkeit. Sie teilt ihre Materialien und Produktionsweisen auch mit der uns umgebenden Welt. Diese Durchlässigkeit für Einflüsse von außen zeigt sich auch in den Werken der Ausstellung. Sie unternimmt eine Reise durch Formen und Ausdrucksweisen in der Skulptur, die sich in den letzten 70 Jahren so stark gewandelt hat wie wohl nie zuvor in ihrer langen Geschichte. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie seit den 1950er-Jahren verändert? Sind die Grenzen noch klar zu ziehen? Wo beginnen und wo enden unsere digitalen Verlängerungen wie Computer oder Handy? Was bedeutet dies für unsere Vorstellungen von Körperlichkeit und Materialität? Und welche gesellschaftlichen Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf unser (kollektives) Selbstverständnis? Mit diesen Fragen laden wir Sie auf einen Rundgang durch die Ausstellung ein. Künstler:innen der Ausstellung: Genpei Akasegawa, Paweł Althamer, Nairy Baghramian, Joachim Bandau, Matthew Barney, Alexandra Bircken, Louise Bourgeois, Robert Breer, John Chamberlain, Barbara Chase-Riboud, Shu Lea Cheang, Jesse Darling, Stephanie Dinkins, Aleksandra Domanović, Melvin Edwards, Bruno Gironcoli, Robert Gober, Felix Gonzalez-Torres, Nancy Grossman, Lynn Hershman Leeson, Eva Hesse, Judith Hopf, Rebecca Horn, Tishan Hsu, Edward Ihnatowicz, Arthur Jafa, Motoharu Jōnouchi, KAYA, Kiki Kogelnik, Shigeko Kubota, Tetsumi Kudo, Yayoi Kusama, Nicola L., Mark Leckey, Sarah Lucas, Bruce Nauman, Senga Nengudi, Kiyoji Ōtsuji, Tony Oursler, Nam June Paik, Eduardo Paolozzi, Friederike Pezold, Julia Phillips, Walter Pichler, Seth Price, Carol Rama, Germaine Richier, Niki de Saint Phalle, Hans Salentin, Ashley Hans Scheirl, David Smith, Alina Szapocznikow, Takis, Atsuko Tanaka, Paul Thek, Jean Tinguely, Hannsjörg Voth, Franz West
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Max Beckmann - Departure

Pinakothek der Moderne

Aufbruch und Reise als existentielle Grunderfahrungen stehen erstmals im Mittelpunkt einer Max Beckmann gewidmeten Ausstellung. Sein Leben war geprägt durch tragische Erfahrungen von Krieg und Entwurzelung, von Transit und Exil, aber auch von mondänen Urlaubsreisen, von Freiheitsdrang und Reisesehnsucht - inspiriert durch Lektüre und Mythos. Seinem ersten Triptychon verlieh Beckmann den vieldeutigen Titel DEPARTURE, der namensgebend für diese groß angelegte monografische Sonderausstellung ist. Etwa 70 Leihgaben aus bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa und den USA, unter anderem die Triptychen Departure (Museum of Modern Art, New York) und Argonauten (National Gallery of Art, Washington D.C.), darüber hinaus Meisterwerke aus dem Saint Louis Art Museum sowie u.a. dem Städel Museum, Frankfurt am Main, der Hamburger Kunsthalle, dem Von der Heydt-Museum Wuppertal oder dem Museum der bildenden Künste Leipzig, zeigen die enorme Bandbreite der Bildmotive und -ideen des Reisens und ergänzen den größten europäischen Gemäldebestand Beckmanns, der sich in der Sammlung Moderne Kunst befindet. Mithilfe der 2015 erfolgten Schenkung der Familiennachlässe des Malers an das Max Beckmann Archiv der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen können erstmals auch zahlreiche unbekannte Materialien und Dokumente wie Fotoalben, Einreisepapiere, Ansichtskarten und Filme präsentiert werden. Sie ermöglichen einen neuen und aktuellen Blick auf den prominenten Künstler und die Privatperson Max Beckmann und damit eine in dieser Zusammenschau nur in München realisierbare Ausstellung. Befreiung und Lust, Sehnsucht und Melancholie, Sorge und Angst: Diese ambivalenten Empfindungen äußerer und innerer Aufbrüche prägen unsere Zeit der rastlosen Bewegung, des weltumspannenden Arbeitsmarkts, der Kriege, Vertreibung und Migration. Als die Pandemie das Reisen vorübergehend unmöglich machte, rückte seine Bedeutung mit Nachdruck in unser Bewusstsein. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeuteten Situationen des Aufbrechens nicht nur Genussmomente, sondern existenzielle, durch zwei Weltkriege und zahllose Krisen ausgelöste Notwendigkeiten, die auch mit dem Verlust von Heimat, Familie und Sprache einhergingen. Max Beckmann zählte zu den bildenden Künstler:innen, die in ihrem Werk sowohl freud- wie auch leidvolle Erfahrungen des Reisens auf unvergleichliche Weise thematisiert haben. Aus den Besonderheiten der motivischen und materiellen Quellen heraus wurde gemeinsam mit der Gestalterin Juliette Israël eine spezifische Ausstellungsszenografie entwickelt. Kuratiert von Oliver Kase und Christiane Zeiller mit Sarah Louisa Henn (Bild: Max Beckmann, Departure, 1932-35 Öl auf Leinwand, Triptychon, Mittelbild 215,3 x 115,2 cm, Seitenbilder 215,3 x 99,7 cm Museum of Modern Art, New York © 2022. Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence)
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Mix & Match. Die Sammlung neu entdecken

Pinakothek der Moderne

Schrittweise Öffnung von 25 Räumen bis September 2022 Ausstellungseröffnung: 15.9.2022 Zum 20-jährigen Jubiläum der Pinakothek der Moderne präsentiert sich die Sammlung Moderne Kunst neu auf 3.600 qm Ausstellungsfläche mit rund 350 Werken von mehr als 150 Künstler:innen. Unter dem programmatischen Ausstellungstitel MIX & MATCH begegnen sich Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Videokunst erstmals in epochen- und medienübergreifenden Themenräumen. Kunstwerke aus 120 Jahren eröffnen in unkonventionellen Gegenüberstellungen lebendige Perspektiven auf zentrale Fragestellungen unserer Gegenwart. Seit der Eröffnung der Pinakothek der Moderne 2002 haben sich nicht nur die Sammlungsbestände vergrößert und erweitert. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche und Krisen überdenkt die Institution Museum vielfach ihre Kernaufgaben und Ausstellungspraxis. Im Zuge von Globalisierung und Vernetzung besteht der Wunsch nach einer Revision des eurozentristischen und nordamerikanischen Kanons. Das Bewusstsein für eine Kunstgeschichte der Wieder- und Neuentdeckungen ist geweckt. Die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen während der vergangenen zwanzig Jahre haben für die Sammlung Moderne Kunst nicht nur eine willkommene Verjüngung und Internationalisierung mit sich gebracht, sondern auch eine bewusste Erweiterung der ehemals ausschließlichen Gemäldesammlung um die Bereiche Skulptur, Installation, Fotografie und Zeitbasierte Medien. Ein Meilenstein für die Ausweitung der fotografischen Bestände um die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war 2010 die Angliederung der Stiftung Ann und Jürgen Wilde. Die jüngst aufgenommene Kooperation mit der Written Art Collection verbreitert das Spektrum der Sammlung um Kulturräume des Nahen und Mittleren Ostens sowie Ostasiens. Der neue Sammlungsrundgang beleuchtet Inhalte, die für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts von zunehmender Relevanz sind – wie sozialer Zusammenhalt, Migrationsbewegungen, neue Formen der Arbeit oder Umweltfragen. Aber auch kunsthistorisch traditionsreiche Gattungen und Motive wie der Akt, das Selbstporträt oder Naturbilder bis hin zu ästhetischen Konzepten des Anti-Akademischen oder des Spirituellen werden von Künstlerinnen und Künstlern neu befragt. Als gattungs- und epochenübergreifende Präsentation folgt MIX & MATCH sowohl der interdisziplinären Gründungsidee der Pinakothek der Moderne als auch dem Bewusstsein für Diversität und Wandel in unserer unmittelbaren Gegenwart. Entsprechend ist MIX & MATCH auch keine statische Präsentation. Empfindliche Werke auf Papier oder textile Arbeiten werden in regelmäßigen Abständen ausgewechselt. Durch diese Umhängungen entstehen neue Dialoge und es können deutlich mehr Exponate aus den reichen Sammlungsbeständen gezeigt werden; einige von ihnen sind bislang noch nie präsentiert worden. Ein wiederholter Besuch ist daher lohnenswert. Unter den Künstler:innen des Jubiläumsjahres sind: Herbert Achternbusch, Bas Jan Ader, Etel Adnan, Siegfried Anzinger, Ida Applebroog, Joannis Avramidis, Monika Baer, Lewis Baltz, Georg Baselitz, Bernd & Hilla Becher, Max Beckmann, Laurenz Berges, Benjamin Bergmann, Joseph Beuys, Aenne Biermann, Karl Blossfeldt, Alighiero Boetti, André Butzer, Heinrich Campendonck, Lovis Corinth, David Claerbout, Robert Delaunay, Rineke Dijkstra, Peter Doig, César Domela, Carroll Dunham, Tracey Emin, Dan Flavin, Max Ernst, Omer Fast, Lee Friedlander, Otto Freundlich, Franz Gertsch, Rupprecht Geiger, Carl Grossberg, Katharina Grosse, Andreas Gursky, Hans Hartung, Haubitz + Zoche, Florence Henri, Jenny Holzer, Axel Hütte, Alexej Jawlensky, Asger Jorn, Wassily Kandinsky, On Kawara, Mike Kelley, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Jochen Klein, Oskar Kokoschka, Helmut Kolle, Käthe Kollwitz, Germaine Krull, Marie-Jo Lafontaine, Bo Christian Larsson, Maria Lassnig, Wilhelm Lehmbruck, Eva Leitolf, Zoe Leonard, Carl Lohse, August Macke, René Magritte, Mark Manders, Franz Marc, Henri Matisse, Jonathan Meese, Stephan Melzl, Olaf Metzel, Giorgio Morandi, Otto Mueller, Nicholas Nixon, Henrik Olesen, Martin Parr, Beate Passow, A. R. Penck, Paul Pfeiffer, Pablo Picasso, Adrian Piper, Sigmar Polke, Carl Theodor Protzen, Neo Rauch, Franz Radziwill, Albert Renger-Patzsch, Germaine Richier, Gerhard Richter, August Sander, Christian Schad, Josef Scharl, Oskar Schlemmer, Michael Schmidt, Bernard Schulze, George Segal, Friedrich Seidenstücker, Tschabalala Self, Gino Severini, Renée Sintenis, Thomas Steffl, Norbert Tadeusz, Rosemarie Trockel, Luc Tuymans, Andy Warhol, Jeff Wall, Fritz Winter, Amelie von Wulffen u. v. m. Am Abend des 14. September 2022 feiern wir im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Pinakothek der Moderne die Öffnung aller Räume. Die Neueinrichtung der Säle wurde durch zahlreiche „Raumpatenschaften“ ermöglicht. Ihnen gilt ein herzlicher Dank für die großzügige Unterstützung. Gefördert durch: Allianz; Atoss Software AG; Karin und Roland Berger; Deutsche Invest Capital Partners; DJE Kapital AG; Herbert Schuchardt Stiftung; International Patrons of the Pinakothek e.V.; Martina und Florian Kurz; PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.; Ragaller Gruppe Deutschland; Dr. Helmut Röschinger; Theo Wormland Stiftung; VHV Stiftung; Adelhaid Winterstein; Written Art Collection
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Vive le Pastel! Pastellmalerei von Vivien bis La Tour

Alte Pinakothek

Pastelle waren im 18. Jahrhundert äußerst beliebt. Besonders in Frankreich entstanden zahlreiche dieser Werke, deren Farben trocken, mit Hilfe von Stiften, aber flächendeckend aufgetragen wurden und die sich daher weder der Malerei noch der Zeichnung zuordnen lassen. Pastelle dieser Zeit faszinieren bis heute - mal aufgrund ihrer Naturnähe und Unmittelbarkeit, mal aufgrund der Virtuosität ihrer Ausführung, und immer aufgrund ihrer kostbaren Fragilität. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verfügen über einen Bestand herausragender Pastelle, die zwischen 1700 und den 1750er-Jahren entstanden sind: Auftragswerke Kurfürst Max Emanuels stehen neben späteren Erwerbungen und Dauerleihnahmen, Joseph Vivien und Maurice Quentin de La Tour sind ebenso vertreten wie Rosalba Carriera und Jean-Étienne Liotard. Die Ausstellung vereint zum ersten Mal die in der Alten Pinakothek präsentierten Arbeiten mit jenen, die gewöhnlich in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim gezeigt werden. Wichtige Entwicklungslinien werden so nachvollziehbar. Vor allem aber lassen sich die unterschiedlichsten Effekte entdecken, die mit dieser besonderen Form des Farbauftrags erzielt wurden, und es wird verständlich, warum die Technik vorzugsweise in Porträts Einsatz fand.
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(Gegen-)Entwürfe. Mounira Al Solh, Yael Bartana, Walid Raad

Pinakothek der Moderne

Wie können Kriegsgeschehen künstlerisch verarbeitet werden? Wie lassen sich ihre Nachwirkungen darstellen? Wie kann der Ohnmacht und Sprachlosigkeit begegnet werden? Die Sammlung Fotografie und Zeitbasierte Medien wirft gemeinsam mit der Written Art Collection einen schlaglichtartigen Blick auf künstlerische Positionen des Mittleren und Nahen Ostens, die sich mit der Realität von Kriegen auseinandersetzen. Während Mounira Al Solh in ihrem Atelier in Form eines One-Take-Videos ihre Verweigerung zum Ausdruck bringt, über den Krieg zu sprechen, und dabei doch scheitert, lässt Yael Bartana im Warschauer Stadtteil Muranów ein Kibbuz im Maßstab 1:1 im Stil der 1930er Jahre errichten. In der Videoarbeit erinnert Bartana mithilfe der Propagandasprache sozialistischer Dokumentarfilme an den zionistischen Traum, nach welchem starke und schöne Frauen und Männer trotz aller Widrigkeiten weiter Häuser bauen und ihren gemeinschaftlichen Verpflichtungen nachgehen. Walid Raad gewährt wiederum Einblicke in das Tagebuch seines Vaters, das dieser während der andauernden libanesischen Kriege führte und dabei Auskunft etwa über die Preisentwicklung für Baumaterialien gibt, aber auch über das Aussehen jener Bomben, die um sein Haus herum einschlugen. Die Künstler:innen untersuchen, wie sich Kriege auf Körper und Geist auswirken, und geben in ihrer Unterschiedlichkeit individuelle Antworten auf kollektive Fragen. Gefördert von der Written Art Collection.
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Roman Ondak - Measuring the Universe

Pinakothek der Moderne

Erstmals nach 15 Jahren ist eine Performance des Künstlers Roman Ondak (*1966) wieder zu erleben, die speziell für die Pinakothek der Moderne entstanden ist. Das Konzept von „Measuring the Universe“ („Das Universum vermessen“) ist einfach: Die Körpergröße der Museumsbesucherinnen und -besucher wird auf der Wand festgehalten – in der Art, wie Eltern das Wachstum ihrer Kinder markieren, um ihnen ein Gefühl für die Dimension der Zeit zu vermitteln. Eine alltägliche, eigentlich private Handlung rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit und verwandelt sich in eine öffentliche und kollektive Aktion. Im Ausstellungszeitraum entsteht eine Zeichnung an der Wand, die immer dichter und schwärzer wird. Am Ende werden alle Menschen gleichzeitig präsent sein, obwohl sie auch alle wieder gegangen sind. „Measuring the Universe“ ist ein Bild unseres Lebens auf dieser Welt – ein Bild von der Bedeutung, aber auch von der Bedeutungslosigkeit des einzelnen Menschen in Masse und Zeit. Unterstützt durch legero united, the shoemakers
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Jenna Sutela. HMO Nutrix

Haus der Kunst

In ihren Skulpturen, Videos und ihrer Musik arbeitet Jenna Sutela (1983, Turku, Finnland) mit biologischen und computergestützten Systemen, wie dem menschlichen Mikrobiom oder künstlichen neuronalen Netzen. Sutelas prozesshafte Arbeiten stützen sich auf die neueste wissenschaftliche Forschung und reflektieren deren gesellschaftspolitische Konsequenzen. Neben Hard- und Software verwendet die Künstlerin auch Wetware – organische Materie durch die Linse der Informatik betrachtet – um die Welt jenseits der menschlichen Wahrnehmung zu erkunden. HMO Nutrix, 2022 ist ein Springbrunnen mit synthetisch hergestellter Muttermilch. Er wird von Milchpumpen angetrieben und mit biomimetischem Kehlkopfgesang animiert, der das Geräusch von sprudelnder Flüssigkeit nachahmt. Die Künstlerin beschreibt die Skulptur als einen „Live-Milk-Feed“. Die Arbeit reflektiert über Körperflüssigkeiten, die menschliche und nicht-menschliche Lebensformen verbinden. Konkret nutzt die Künstlerin spezielle Zucker aus der Muttermilch, Humane Milch-Oligosaccharide (HMOs), welche wie kleine Lebewesen die Darmbakterien von Säuglingen ernähren und die Entwicklung ihres Nervensystems positiv zu beeinflussen scheinen. In naher Zukunft könnte ihre bewusstseinsverändernde Wirkung auch für Bakterientherapien eingesetzt werden, und die Muttermilch aus dem Labor erleichtert gleichberechtigten Zugang zu dieser symbiotischen Verbindung zwischen Gehirn, Darm und Brust. Wissenschaftler*innen bezeichnen den Darm aufgrund seiner symbiotischen mikrobiellen Kulturen auch als das zweite Gehirn. Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn kann als eine Art des fühlenden Bewusstseins jenseits des Denkens beschrieben werden. Der menschliche Körper ist demnach durch die Nährstoffe und Organismen in seinen Flüssigkeiten mit anderen Körpern und seiner Umgebung verbunden. HMO Nutrix, 2022 fördert eine Verbindung unter und zwischen den Arten; vielleicht auch zwischen organischen und synthetischen Wesen. Produziert in Zusammenarbeit mit der Schering Stiftung Berlin. Kuratiert von Sarah Johanna Theurer. HMO Fountain, 2022 eröffnet das Symposium zu der Ausstellung „Fujiko Nakaya. Nebel Leben“. Die Skulptur ist zudem eingebettet in die Veranstaltung Technobodies – ein langes Wochenende mit öffentlichen Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und dem Museum Brandhorst konzipiert wurden. Technobodies legt den Fokus auf den Einfluss neuer Technologien auf die bildende Kunst und Musik. Ausgehend von Diskursen der 1960er- und 1970er-Jahre, untersucht Technobodies die heutigen Beziehungen menschlicher Körper zu Technologie(n). Während des Symposiums wird Sutela ein Video präsentieren, das den Rechercheprozess zu der Arbeit HMO Nutrix beleuchtet. Das Bildmaterial, poetische Darstellungen einer Simulation des mikrobiellen Ökosystems des menschlichen Darms, wurde an der Universität Kopenhagen aufgenommen. Das Video ist eine Zusammenarbeit von Sutela mit Diakron/Primer (Kopenhagen).
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Jan Erbelding. Still No Guides

Haus der Kunst

„Nicht verstehen können, was sich so oft entzieht und was fasziniert und die ganze Zeit, bis zum Bruch und auch nach dem Bruch, der kein wirklicher Bruch sein wird, noch immer eigentlich. Dem erstmal freundlich begegnen, neugierig. Verstehen wollen, beobachten wollen, spüren wollen was Sprache macht, welcher Weltentwurf entsteht, was sich anderes aufbaut. Im Denken die eigenen Grenzen spüren, tasten. Fühler:in. Diese Grenze einfach versetzen. Was nicht gedacht werden kann oder nur noch nicht gedacht werden kann. Dafür die Aufmerksamkeit aufbringen. Sich aufs Unbekannte hin öffnen, auf die Leere. Sich einfach drüber-raus katapultieren, schreibend, denkend träumend. Oder Musik. Singen. Tanzen. Oder was auch immer. Pflanzen. Substanzen. Atmen. Schlafen. Malen. In der Wahrheit leben wollen und ganz in der Welt sein. Konkrete Arbeit an Realität. Drüberraussteigen wollen. Inkonsistenzen. Still no guides. Selber Welt werden. Eine Sprache suchend finden vielleicht, für das Unbekannte vielleicht, das noch nicht gedachte vielleicht, die Utopie.“ Jan Erbelding ist Autor, Fotograf und Objektkünstler. Seine meist textbasierte künstlerische Praxis vermittelt sich durch Performances, Rauminstallationen und eigene Publikationen. Persönliche Erfahrungen und Ideen verbindet Erbelding mit historischen Fakten und Figuren, literarischen Referenzen sowie gesellschaftspolitischen Kommentaren zu poetischen Erzählungen. Für das Haus der Kunst verfasste der Münchner Künstler eine neue Textarbeit, die sich um das Leben und Wirken der französischen Philosophin Simone Weil dreht. Gesprochene Fragmente des Textes sind in dieser raumfassenden Installation über Lautsprecher zu hören und stehen im Dialog mit dem gedruckten Text, der in einem Bücherregal aufbewahrt wird. In der poetischen wie narrativen Installation Still No Guides (2022) werden die Besucher einem Zusammenspiel verschiedener Wahrnehmungsebenen ausgesetzt, von Hören, Sehen, Fühlen und Lesen. Besucher*innen werden dazu eingeladen, Innezuhalten und sich in das von Jan Erbelding erzählte Leben und Werk von Simone Weil einzufühlen. Kuratiert von Luisa Seipp und Damian Lentini
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Dumb Type

Haus der Kunst

Das Haus der Kunst präsentiert eine neue ortsspezifische Ausstellung des japanischen Kollektivs Dumb Type. Das 1984 von Studierenden der Kyoto City University of Arts gegründete Kollektiv Dumb Type setzt in seinen vielfältigen Installationen und Performances häufig Bilder aus dem Cyberpunk ein, um eine hochgradig „informatisierte“ Konsumgesellschaft zu kritisieren, die durch die unaufhörliche Datenflut und technologische Entwicklung gleichzeitig passiv und stumm geworden ist: Individuen, die „mit Informationen überschüttet werden, ohne etwas zu begreifen“ (Teiji Furuhashi). Durch diese Perspektive auf Kommunikation − oft arbeiten sie in mehreren Sprachen, reden in bedeutungslosen Lauten oder versuchen, indirekt mittels Technologie zu kommunizieren − haben sich Dumb Type stets gegen das Schubladendenken gewehrt. Dies gilt sowohl für die Akteur*innen der Gruppe als auch für ihre Arbeit, über bis dahin unumstößliche Kategorien wie Nationalität, Geschlecht oder Ableismus hinweg. Im Zentrum der umfangreichen Arbeit von Dumb Type steht die ständige Auseinandersetzung mit der Verschränkung des technologischen Fortschritts und des Körpers. Die visionären Performances und Installationen von Dumb Type stützen sich auf die Tradition von Künstler*innekollektiven wie Jikken Kōbō (1951-57), Gutai (1955-72) und Hi-Red Center (1963-64). Zudem wenden sie die konfrontativen Strategien des Butoh- oder Angura-Theaters an. Nicht zuletzt deshalb sind Dumb Type stets an der Spitze der Debatten über Identität und Sexualpolitik in Japan und auf der ganzen Welt. Sie konfrontieren das Publikum direkt mit Tabuthemen wie Identitätsbildung, der Allgegenwärtigkeit von Überwachungs- und Kommunikationstechnologien oder dem Trauma, das durch globale Gesundheitskrisen wie HIV/AIDS hervorgerufen wird (eine Krankheit, die 1995 auf tragische Weise das Leben eines ihrer Gründer, Teiji Furuhashi, forderte).
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Carsten Nicolai. transmitter / receiver – the machine and the gardener

Haus der Kunst

Carsten Nicolai (geb. 1965, Berlin, Deutschland) ist Teil einer Generation von Künstler*innen, die intensiv im Bereich des Übergangs zwischen Musik, Kunst und Wissenschaft wirkt. Nicolai konzentriert sich mit seinen Skulpturen auf Klang als unsichtbares, aber physisches Material und macht auf subtile Weise für Gehör und Augen nicht wahrnehmbare Phänomene wie Zeit, Strahlung oder Magnetismus erfahrbar. Für sein musikalisches Oeuvre verwendet er das Pseudonym Alva Noto. Die Installation am Haus der Kunst ist inspiriert von japanischen Zen-Gärten, von denen oft gesagt wird, dass sie das ganze Universum in Miniaturform enthalten. Sie erlauben so den Menschen, Muster und abstrakte Sprache in der Natur zu beobachten. Unter Einbeziehung visueller und akustischer Medien schafft Nicolai einen solchen Garten und die Voraussetzungen für eine zufällige Komposition: Elektromagnetische Wellen, die von der historischen Antenne auf dem Dach des Haus der Kunst empfangen werden, erzeugen gemeinsam mit vom Künstler entworfenen Instrumenten eine hypnotisierende Klanglandschaft. Ähnlich einer Nebelkammer aus der frühen experimentellen Teilchenphysik, in der Wissenschaftler*innen Strahlung nachweisen konnten, lädt das Werk die Besucher*innen ein, ihre eigenen Körper als Magnetfeld in einem Raum voller Frequenzen wahrzunehmen.

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