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ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution, denn es ist ein Ort, der die originären Aufgaben des Museums erweitert.

Es ist ein Haus aller Medien und Gattungen, ein Haus sowohl der raumbasierten Künste wie Malerei, Fotografie und Skulptur als auch der zeitbasierten Künste wie Film, Video, Medienkunst, Musik, Tanz, Theater und Performance. Das ZKM wurde 1989 mit der Mission gegründet, die klassischen Künste ins digitale Zeitalter fortzuschreiben. Deshalb wird es gelegentlich auch das »elektronische bzw. digitale Bauhaus« genannt – ein Ausdruck, der auf den Gründungsdirektor Heinrich Klotz zurückgeführt wird.

In seiner Arbeit vereinigt das ZKM Forschung und Produktion, Ausstellungen und Aufführungen, Sammlung und Archive, Vermittlung und Veranstaltungen. Durch interdisziplinäre Verbindungen dieser Arbeitsfelder kann das ZKM als agile Organisation die Entwicklung der Kunst und Medien des 20. und 21. Jahrhunderts präsentieren wie produzieren.

Symposien und andere Formate theoretischer Diskurse zwischen Kunst, Philosophie, Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Politik ergänzen das Programm des ZKM, um die Auswirkungen von Medialisierung, Digitalisierung und Globalisierung auf die Gesellschaft zu untersuchen.

(Foto: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe / ARTIS Uli Deck)

Kontakt

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien
Lorenzstraße 19
D-76135 Karlsruhe

Telefon: +49 (0) 721 - 8100-0
E-Mail: info@zkm.de

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Ausstellung

Critical Zones

Horizonte einer neuen Erdpolitik

Lange blieben die Reaktionen der Erde auf unser menschliches Handeln unbeachtet, doch spätestens mit der Protestbewegung Fridays for Future ist die Klimakrise in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Gedankenausstellung »CRITICAL ZONES« lädt dazu ein, sich mit der KRITISCHEN Lage der Erde auf vielfältige Art und Weise zu befassen und neue Modi des Zusammenlebens zwischen allen Lebensformen zu erkunden.

Mittlerweile ist sich jede/r der existentiellen Bedrohung unserer (gemeinsamen) Lebensbedingungen auf dem Planeten Erde bewusst, doch nur sehr wenige besitzen eine Vorstellung davon, wie sie mit dieser neuen KRITISCHEN Situation umgehen sollen. Die BürgerInnen vieler entwickelter Länder wirken desorientiert; fast so, als würde man von ihnen verlangen, auf einem neuen Terroir – einer neuen Erde – zu landen, deren Reaktionen auf ihr Wirken sie lange ignoriert haben.

Die Erde als Netz aus KRITISCHEN ZONEN
Wir möchten folgende Hypothese aufstellen: Der beste Weg zur Kartierung dieser neuen Erde besteht darin, sie als ein Netz von KRITISCHEN ZONEN zu betrachten. Von verschiedensten Lebensformen im Laufe der Zeit erschaffen, bilden diese KRITISCHEN ZONEN eine nur wenige Kilometer dünne Oberfläche. Jene Lebensformen hatten die ursprüngliche Geologie der Erde völlig verändert, bevor die Menschheit sie in den letzten Jahrhunderten noch einmal verwandelte.

Im Laufe der Jahre haben WissenschaftlerInnen zahlreiche OBSERVATORIEN zur Untersuchung dieser KRITISCHEN ZONEN eingerichtet. Sie haben uns die komplexe Zusammensetzung und die extreme Zerbrechlichkeit dieser dünnen Haut der Erde vor Augen geführt, in der alle Lebensformen – auch die Menschen – zusammenleben müssen. Sie haben die Geowissenschaften auf vielfältige Weise erneuert, auf Wegen, die auch die Zustimmung Alexander von Humboldts gefunden hätten.

Eine neue Hinwendung zum IRDISCHEN
Zunehmend erkennen WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen, AktivistInnen, PolitikerInnen und BürgerInnen, dass sich die Gesellschaft nicht allein an den Bedürfnissen der Menschheit orientieren darf, sondern wieder IRDISCH werden muss, wenn sie keine Bruchlandung hinlegen möchte. Das Projekt »Moderne« befindet sich seit Langem in vollem Gange, ohne Rücksicht auf die Grenzen des Planeten. Plötzlich jedoch gibt es eine allgemeine Hinwendung zur Erde und eine neue Aufmerksamkeit dafür, wie Lebewesen sie bewohnen könnten. In der POLITIK geht es nicht mehr nur darum, dass Menschen allein und ausschließlich für sich selbst Entscheidungen treffen, vielmehr ist POLITIK zu einem wesentlich komplexeren Unterfangen geworden. Neue Formen der Bürgerschaft und neue Arten der Aufmerksamkeit und Fürsorge für Lebensformen sind notwendig, um einen gemeinsamen Grund zu schaffen.

Die Ausstellung als OBSERVATORIUM DER KRITISCHEN ZONEN
Über einen Zeitraum von mehreren Monaten veranstaltet das ZKM eine Ausstellung, die im kleinen Maßstab das Modell einer neuen Räumlichkeit sowie die Vielfalt der Beziehungen zwischen den dort lebenden Lebensformen simuliert. Sie dient als OBSERVATORIUM DER KRITISCHEN ZONEN, in dem sich die BesucherInnen mit der neuen Situation vertraut machen können. Diese besondere Kombination aus Gedankenexperiment und Ausstellung wurde von Bruno Latour und Peter Weibel im Rahmen ihrer bisherigen Zusammenarbeit am ZKM entwickelt. »Iconoclash« im Jahr 2002, »Making Things Public« im Jahr 2005 und »Reset Modernity!« im Jahr 2016 bilden die drei vorherigen »Gedankenausstellungen«, die sich aus ihrer intensiven, inzwischen zwanzig Jahre währenden Arbeitsbeziehung ergaben.

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Digital

Berechenbar – Unberechenbar

Das ZKM in der Digitalen Kunsthalle des ZDF

In der Digitalen Kunsthalle des ZDF bewegen sich BesucherInnen durch das virtuelle ZKM und können dort computergenerierte Kunstwerke entdecken.

Ist das Universum ein riesiger Computer? Die Frage ist nicht neu: Konrad Zuse, Pionier der Informatik, beschrieb 1969 das Universum als einen großen zellulären Automaten. Seiner Meinung nach ist es als ein diskretes Rechensystem vorstellbar, das aus Zellen besteht, die sich nach vorgegebenen Regeln entwickeln, indem sie die Zustände anderer Zellen an ihrem Ort berücksichtigen. Zelluläre Automaten können Funktionen berechnen und algorithmische Probleme lösen. Zuse nannte seine Hypothese »Rechnender Raum«; dieser könne das Universum als eine Kombination vieler kleiner Computer (in diesem Fall das Äquivalent zu den zellulären Automaten) modellieren, die sich zu einem großen Computer addierten. Auch Seth Lloyds »programmiertes Universum« schlägt vor, dass das Universum ein einziger riesiger Quantencomputer ist. Die Ausstellung nimmt diese Ideen der Berechenbarkeit der Realität auf.

Mit der Entwicklung von Berechnungen und grafischen Benutzeroberflächen stellt sich heraus, dass die Realität nicht nur als rechnergestütztes System beschrieben werden kann, sondern dass Mengen von »ausführbaren Dateien« neue virtuelle Realitäten erzeugen können. Diese Fähigkeit der Computer fasziniert Künstlerinnen und Künstler, die sich seit einem halben Jahrhundert mit generativer Ästhetik beschäftigten.

Während die Berechenbarkeit von Umgebungen heute klar zu sein scheint, ist die Frage, ob das Selbst berechnet werden kann, noch nicht bejaht worden, obwohl das Versprechen der künstlichen Intelligenz bereits das denkende Subjekt zu reproduzieren droht. Trotz der Tatsache, dass die heutigen Computer nicht in der Lage sind, menschliches Denken zu simulieren, so dass das Selbst noch nicht berechenbar ist, wirkte diese Erkenntnis als starkes Stimulans für spekulative Fiktion.

Im Mittelpunkt der Sammlung des ZKM | Karlsruhe steht die Medienkunst: Eine Kunstform, die sich durch das Medium definiert, mit dem sie geschaffen, verbreitet und rezipiert wird. Die in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entstandenen Apparate computerverwandter Disziplinen wie Automatenkunde, Kybernetik, Informations- und Kommunikationstechnologien und künstliche Intelligenz haben den Medienbegriff allmählich erweitert und den Computer zu einem der wichtigsten Werkzeuge und Medien der bildenden Kunst gemacht.

»Berechenbar – Unberechenbar« zeigt softwarebasierte digitale Kunstwerke in einer computergenerierten Umgebung. Eine digitale Kopie eines Lichthofs am ZKM | Karlsruhe wird von mehreren zellulären Automaten bevölkert, die vollständig algorithmisch generiert werden. Die Trägerstruktur der Ausstellung reflektiert, genau wie die Kunstwerke, die sie zeigt, ihren Apparat und ihr Medium: den Computer.

Impressum
Lívia Nolasco-Rózsás (Kurator/in)Teresa Retzer (Kurator/in)
Ausstellungsteam
Programmierung zellulärer Automaten: Christian Lölkes
3D Model ZKM: Thomas Schwab
Videoaufnahme (Vladimir Bonačić, GF E 32 – NS): Jule Heinzmann, ZKM | Videostudio

Kooperationspartner
Die Ausstellung ist aus der Kooperation des ZDF und des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe entstanden.

Eintritt frei

Digitale Kunsthalle zdfkultur: digitalekunsthalle.zdf.de

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Ausstellung

CRAWLERS

Alexander Schubert

»CRAWLERS« ist ein anonymes Kollektiv sozialer Bots, die Daten von BenutzerInnen sammeln und ein unheimliches paralleles soziales Netzwerk aus verzerrten Wahrheiten und gestohlenen persönlichen Informationen aufbauen.

Die Bots agieren in den sozialen Netzen unter versteckten Accounts und verhalten sich wie Menschen: Sie interagieren mit den Personen in ihrer Freundesliste, senden Kommentare und vernetzen sich kontinuierlich, um alle erhältlichen Daten der befreundeten Profile zu sammeln. Aus diesen Daten heraus werden für die gecrawlten Profile der echten Menschen neue verfremdete Accounts auf einer Spiegel-Website generiert. Die Freundinnen und Freunde der Bot-Gruppe erhalten eine Einladung, das eigene virtuelle Alter Ego online zu untersuchen. Die Spiegelprofile wirken realitätsnah, aber verzerrt – nichts ist korrekt, alles wurde transformiert und verfälscht. Es ist eine digitale Parallelwelt, ein dunkler, illegaler Ort mit unheimlichen Parallelen.

Das Konzept der Arbeit befasst sich mit dem allgegenwärtigen Verhalten von Undercover-Bots. Alexander Schubert sensibilisiert für die permanenten und allgegenwärtigen Praktiken automatisierten Datendiebstahls im Netz und reflektiert die Einwirkung technischer AkteurInnen auf unsere digitalen Identitäten. Um die personenbezogenen Informationen der Profile zu verändern und zu erweitern, werden aktuelle Methoden der Künstlichen Intelligenz angewendet. Sogenannte Deep-Learning-Modelle sind in der Lage, Halbwahrheiten und scheinbar kohärente Alternativwelten zu erzeugen.

Das Werk »CRAWLERS« läuft kontinuierlich auf mehreren Servern und kann online besucht werden. Die Spiegelprofile und die nachverfolgbaren Aktivitäten der Bots werden im Rahmen einer Installation im ZKM präsentiert.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Projekts »Das intelligente Museum« statt und wird gefördert im Programm »Kultur Digital« der Kulturstiftung des Bundes.


Zum digitalen Werk »CRAWLERS«: crawl3rs.net/

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© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Gestaltung: Demian Bern Die Sammlung des ZKM
Ausstellung

Writing the History of the Future

Die Sammlung des ZKM

In einer außergewöhnlichen Zusammenstellung präsentiert das ZKM die Hauptwerke seiner weltweit einzigartigen Medienkunstsammlung.

Das 20. Jahrhundert erlebte eine radikale Transformation des Bildes durch die apparativen Medien. Beginnend mit dem Skandal der Fotografie, der darin bestand, dass Bilder sich quasi selbst herstellen, haben die Medien den »Gesamtcharakter der Kunst verändert« (Walter Benjamin). Fotografie, Film, Fernsehen, Video, Computer und Internet haben das Verhältnis von Künstler, Werk und Betrachter sowie unsere Vorstellung des Schöpferischen neu bestimmt. Die Ausstellung »Writing the History of the Future« macht beispielhaft den Wandel der Kunst angesichts der sich verändernden apparativen Produktions-, Rezeptions- und Distributionstechnologien deutlich. Sie zeigt auch, wie KünstlerInnen mediale und soziale Praktiken vorwegnehmen, die erst Jahre später für die gesamte Gesellschaft selbstverständlich werden. Sie schreiben, wie der Titel der Ausstellung sagt, die Geschichte der Zukunft.

Eine neue Geschichte der Kunst

Das 30-jährige Bestehen des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ist der Anlass, mit seiner Sammlung, die als eine der wichtigsten Medienkunstsammlungen der Welt gilt, die Geschichte der Kunst im 20. und 21. Jahrhundert neu zu erzählen. Die Ausstellung zeigt mit über 500 Objekten erstmals die Vielfalt der Künste im medialen Wandel. Sie umfasst Fotografie, Grafik, Malerei und Skulptur ebenso wie computerbasierte Werke, Film, Holografie, Kinetische Kunst, Op-Art, Sound Art, visuelle Poesie und Videokunst.

Durch die alle Gattungen und Medien übergreifende Perspektive eröffnet die Ausstellung auf über 6.000 qm einen neuen Blick auf die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Diese Epoche rasanten technologischen Wandels durch elektronische und digitale Informations- und Kommunikationstechnologien leitete eine nie gekannte Demokratisierung von Kunst und Kultur ein. »Writing the History of the Future« macht nachvollziehbar, wie das Versprechen der Fotografie, die Abbildung der Welt zu individualisieren, in den 1960er-Jahren von den AktivistInnen der Videokunst nochmals eingelöst wurde. Mit der plötzlich verfügbaren Videotechnik bildeten sie Welten ab, die weder im Fernsehen noch von der Filmindustrie gezeigt wurden und entwickelten eine Ästhetik, die noch heute unsere visuelle Kultur beeinflusst. Mit der Verbreitung der Computertechnik in den 1950er-Jahren wandelte sich unsere Vorstellung des Schöpferischen, begann die Automatisierung und Algorithmisierung der Künste. Der zeichenverarbeitende Apparat provozierte Diskussionen wie sie heute im Hinblick auf die Künstliche Intelligenz aufs Neue geführt werden. Elektronische Medien veränderten auch die Wahrnehmung und die Erzeugung des Klangs im 20. Jahrhunderts. Bisher illegitime Klänge und Geräusche wurden zu einem Medium der bildenden Kunst, zur Sound Art.

Die Ermächtigung des Betrachters: Der Weg zu den partizipativen Künsten

Die Ausstellung macht deutlich, wie grundlegend Apparate das Verhältnis zum Kunstwerk verändert haben – sowohl im Hinblick auf die Produktion als auch auf die Rezeption. Die Erzeugung von Kunst konzentriert sich nicht mehr allein auf das Subjekt des Künstlers bzw. der Künstlerin, sondern inkludiert diverse Aktanten, seien es Apparate oder Menschen. Durch die Entwicklung der partizipativen, interaktiven und performativen Künste, von bewegten Bildern zu den bewegten BetrachterInnen, entstehen seit den 1960er-Jahren »offene Werke«, welche die BesucherInnen einer Ausstellung nicht allein zum Betrachten, sondern zum Handeln auffordern.

Die Sammlungspräsentation, für die aus 9.500 Werken ausgewählt wurde, zeichnet sich durch ihre gattungsüberschreitende Inszenierung aus. Sie zeigt den Wandel der Gattung Porträt, der Darstellung des Körpers, des Landschaftsbildes und der Architektur vom Gemälde zur interaktiven Computerinstallation. Sie zeigt die Aktualisierung des Urmedium Schrifts sowie der Kunst als Format des kollektiven und individuellen Gedächtnisses unter den Bedingungen der Informationstechnologie. Die Ausstellung präsentiert somit eine Kunst radikaler Zeitgenossenschaft, d.h. eine Kunst, in der KünstlerInnen die Gegenwart mit den technischen Medien ihrer Zeit reflektieren. Sie bietet eine einmalige Gelegenheit, mit zum Teil raumgreifenden Installationen und zahlreichen Inkunablen der Medienkunst, einen umfassenden Überblick über die eigentliche Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert jenseits von Malerei und Skulptur zu gewinnen.

Die Ausstellung als Erlebnis- und Denkraum

»Writing the History of the Future« ist nicht allein eine Sammlung von Objekten, sondern auch eine Versammlung von Subjekten. Lounges laden ein, sich zusammenzusetzen und über das Gesehene mit Freunden und Familie auszutauschen, im Ackerspace treffen sich Interessierte zu Workshops und Seminaren. Im BÄM-Lab, dem Maker-Space des ZKM wird gemeinsam experimentiert.

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Ausstellung

zkm_gameplay. the next level

»zkm_gameplay. the next level« ist die Computerspielplattform des ZKM. Sie lädt zum informativen und kreativen Austausch ein – und natürlich zum Spielen. Die Ausstellung richtet sich an GamerInnen jeden Alters, aber auch an BesucherInnen, die bislang kaum Erfahrung mit Computerspielen haben.



Medium der digitalen Gesellschaft

Dass das Computerspiel sich zu einem Leitmedium entwickelt hat, ist heute keine gewagte These mehr. Der gesellschaftliche und ästhetische Stellenwert des interaktiven und multimedialen Mediums ist nicht mehr zu übersehen. Das Computerspiel hat sich von seinen Ursprüngen als Laborexperiment und Spielzeug gelöst und ist »das« Medium der digitalen Gesellschaft geworden, zwischen Pop-Kultur, Unterhaltung und Kunst.

Mit der Eröffnung der Ausstellung »Die Welt der Spiele« im Herbst 1997 war das ZKM eine der ersten Kunstinstitutionen weltweit, die der Videospielkultur eine dauerhafte öffentliche Plattform im Kunstkontext gaben. Seitdem hat das ZKM die Spielepräsentation in einer Reihe von unterschiedlichen Ausstellungen immer wieder neu gestaltet.

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Ausstellung

We=Link: Sideways

Online-Präsentation

Die in dieser Online-Ausstellung präsentierten Werke erstrecken sich über drei Jahrzehnte der Netzkunstpraxis, vom wohl ersten Kunstwerk der Internet-Ära der Thing BBS von 1991 bis zur aktuellsten Produktion, welche sich noch während der Ausstellungseröffnung fortlaufend weiterentwickelt. »We=Link: Sideways« zeigt 22 Werke von 28 KünstlerInnen und Künstlerkollektiven, von Netzkunst-Pionieren bis Millennials.

Die Ausstellung umfasst das erste von Künstlern betriebene Bulletin Board System, einem Vorgänger der im Folgenden immer beliebter werdenden sozialen Netzwerke, sowie diverse Ausdrucksformen künstlerischer Strategien und kritischer Technologien, die darauf abzielten, ein kommerzielles Monopol von Netzwerkinfrastrukturen und –protokollen zu durchbrechen, die intrinsische Logik von Netzwerksicherheit und Überwachung sowohl durch provokante Haltungen als auch durch scherzhafte Anspielungen zu enthüllen, und kommerzielle oder institutionelle Verfahrensweisen zu unterbrechen oder sie sich wiederanzueignen. Gleichzeitig hat die experimentelle Natur der Netzkunst fortwährend ihre variierenden ästhetischen Aussagen weiterentwickelt, einhergehend mit den neuen Möglichkeiten und Herausforderungen sich rasant verändernder Technologien.

Zwei Werke unter der Schirmherrschaft von SUNRISE / SUNSET werden zu Schwellenmomenten jeden Tages die Ausstellungswebsite und die Websites mehrerer Partnerinstitute übernehmen, durch direkten Eingriff basierend auf lokalen Zeitzonen und Umweltdaten; dabei enthüllen sie die intrinsische Logik von Lokalität in Globalität, und die disruptive und transformative Natur des Netzwerks.

Die Ausstellung enthält ebenfalls eine seltene Kollektion von Artefakten früher chinesischer Internetkultur aus ihren formgebenden Jahren in den späten 1990ern und frühen 2000ern. Im amateurhaften Enthusiasmus und der selbsterklärten Autonomie zeichnet sich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Pioniergeist ihrer Vorgänger ab.

Während der sechsmonatigen Ausstellungszeit wird eine Reihe von zugehörigen Programmen und Performances organisiert.

»We=Link: Sideways« ist die zweite Ausgabe des »We=Link«-Programms, einer Plattform zur Präsentation von Online-Kunst. Sie wurde ursprünglich vom Chronus Art Center Ende Februar 2020 als Reaktion auf den Ausbruch der Covid-19-Pandemie konzipiert.

Besuchen Sie die digitale Ausstellung: http://we-link.chronusartcenter.org/

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Foto © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Franz J. Wamhof
Ausstellung

Christa Sommerer & Laurent Mignonneau. The Artwork As a Living System

Die interaktiven Installationen der Ausstellung erzählen von fast 30 Jahren künstlerischen Schaffens des österreichisch-französischen Künstlerduos Christa Sommerer und Laurent Mignonneau.

Seit Anfang der 1990er-Jahre entwickeln Christa Sommerer und Laurent Mignonneau an der Schnittstelle von Realität und Virtualität, Naturwissenschaft, Technologie und Kunst komplexe interaktive Installationen, die sich mit den Möglichkeiten künstlichen Lebens auseinander setzen. In ihren Werken simulieren sie evolutionäre Wachstumsprozesse, die durch die direkte Interaktion mit dem Publikum ausgelöst werden. Arbeiten wie »Interactive Plant Growing« (1992) oder »Portrait on the Fly« (2016), die sich in der Sammlung des ZKM | Karlsruhe befinden, schaffen scheinbar lebende Systeme, bei denen die Berührung von realen Pflanzen oder die Bewegung vor einem Bildschirm Transformationen im digitalen Raum erzeugt. Die Ausstellung »The Artwork As a Living System«, die mit 14 Medieninstallationen ein Überblick über das Gesamtwerk des österreichisch-französischen Künstlerduos aus fast 30 Jahren liefert, ist eine Koproduktion des ZKM mit dem LABoral Centro de Arte y Creación Industrial in Gijón, Spanien und der OÖ Landes-Kultur GmbH. Zur Ausstellung erscheint eine wissenschaftliche Publikation in der Leonardo-Buchreihe in Zusammenarbeit mit MIT Press.

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© Jean-Remy, Foto: Sebastian Donath
Ausstellung

Talking Tubes

Installation von Jean-Remy

In einer Welt, wo jeder mit jedem und alles mit allem vernetzt ist, wollen die »Talking Tubes« den Wert und die Kraft des direkten Dialogs bewusst machen.

»Talking Tubes« ist eine akustische Installation aus Metall, Industriemüll und Feuerwehrschläuchen, mit einem Beleuchtungskonzept aus Spargeltöpfen, Waschtrommeln und Mistgabeln.

Durch sie werden aphoristische Dialoge über das Reden und Schweigen wiedergegeben – gesprochen von Jan Josef Liefers und Anna Loos.

Ihr Schöpfer Jean-Remy, geboren 1952 in Brüssel, ist Schweizer Staatsbürger und wohnhaft in Berlin.

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© BarabásiLab
Ausstellung

BarabásiLab. Hidden Patterns

Die Ausstellung »BarabásiLab. Hidden Patterns« stellt die Tätigkeit des Physikers und Netzwerkwissenschaftlers Albert-László Barabási und seines Forschungslabors vor. Der Fokus der Ausstellung liegt hierbei auf der Entwicklung der Netzwerk-Visualisierung innerhalb der letzten 20 Jahre, die sich anhand der Projekte des BarabásiLabs ablesen lässt.

Die aktuelle Welt produziert so viele Daten pro Tag wie zuvor nicht in Jahrzehnten. Das Wissen der Welt verdoppelt sich alle zwei Jahre. Um diese Datenmenge bewältigen zu können, bedarf es einer neuen Wissenschaft: die Visualisierung von kennzeichnenden Knoten und Netzen, von Parametern und Mustern.

Das innovative und interdisziplinäre Feld der Netzwerkforschung ermöglicht die Analyse verschiedenster kultureller und sozialer Phänomene. Unsichtbare, verborgene Verbindungen und sich stets wiederholende Muster innerhalb Natur, Gesellschaft, Sprache und Kultur können somit nicht nur erforscht, sondern auch sichtbar gemacht werden. Barabásis Netzwerkansatz verspricht eine umfassende, universelle Methode, die es erlaubt, viele Phänomene mit wissenschaftlicher Präzision zu beleuchten.

Im Rahmen der Ausstellung können BesucherInnen einen umfassenden Einblick in die unter anderem sehr aktuellen Anwendungsbereiche der Netzwerkwissenschaft gewinnen. Die Netzwerkdiagramme und -strukturen werden in vielfältiger Weise und mittelst modernster Technik visualisiert, sodass die wissenschaftlichen und zugleich höchst ästhetischen Beiträge von Prints und Skizzen, über Videos bis hin zu realen und virtuellen Datenskulpturen reichen.

»BarabásiLab. Hidden Patterns« ist eine Zusammenarbeit mit dem Ludwig Museum, Budapest, wo die Ausstellung vom 10. Oktober 2020 bis zum 17. Januar 2021 gezeigt wird.

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© Chiharu Shiota. Connected to Life, VG Bild-Kunst, Bonn, 2021, Installationsansicht. Foto: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Felix Grünschloß
Installation

Chiharu Shiota. Connected to Life


Kunst in ihrer besten Form vermag mit einem einzigen Statement ein visuelles Zeichen zu setzen, das einen bestimmten Zeitzustand einfängt. Die Installation »Connected to Life« »in Zeiten des Todes, wie ich hinzufügen möchte« (Peter Weibel) der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota ist ein solches Kunstwerk.

Eine Reihe miteinander verbundener Betten, die im Foyer des ZKM | Karlsruhe in der Luft schweben, erinnert an die schockierenden Bilder aus Krankenhauskorridoren. Die Zeugnisse menschlicher Verletzlichkeit und Elends verlangen nach einem Mahnmal, das dem Leid der schwer kranken und letalen Opfer des Covid-19-Virus gewidmet wird, aber ebenso dem Opfer all jener, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bereit sind, ihre eigene Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um das Leben anderer zu retten. Die mit roter Farbe gefüllten Plastikschläuche erinnern an Adern, durch die das lebenswichtige Blut und Sauerstoff fließen. Die Installation steht außerdem für die Hoffnung, dass menschliches Mitgefühl und Wissenschaft uns dabei helfen können, einen Weg aus der Corona-Pandemie zu finden und deren Folgen zu überwinden.

Die Auswirkungen der Pandemie auf das öffentliche Leben, private Kontakte und den Kultursektor sind greifbar: geschlossene Museen, Theater und Konzerthallen ohne Besucher:innen, Selbstständige, die auf finanzielle Unterstützung warten und buchstäblich um ihre Existenz kämpfen. Die Pandemie legt (teils altbekannte) Schwachstellen des Gesundheitssystems bloß, Krankenhäuser auf der ganzen Welt arbeiten an der Grenze der Belastbarkeit. Noch immer steigen weltweit die Todeszahlen, und neue Mutanten erschweren die Viruseindämmung zusätzlich. Die Eingangshallen kultureller Institutionen wie des ZKM sind normalerweise Orte der Begegnung und des Dialogs, wo Besucher:innen, Student:innen, Beschäftigte, Schulklassen und Künstler:innen sich tummeln und austauschen. Wäre die Pandemie nicht, wären sie Orte der Lebendigkeit – doch nun herrscht dort Stille. Mit ihrer großflächigen, für das Foyer des ZKM entworfenen Installation »Connected to Life« zeigt die bekannte japanische Künstlerin Chiharu Shiota ihr Geschick, Angst mit Milde, Monumentales mit Intimem zu verbinden. Die Arbeit besteht aus über 50 von der Decke herabhängenden Betten, die stufenförmig bis zum Boden reichen. Die Farbe fließt durch die Schläuche wie das Blut durch den menschlichen Körper – ein Symbol für den Fluss des Lebens, der für die vielen Todesopfer des Coronavirus so plötzlich endete. Doch indem die Installation uns metaphorisch daran erinnert, dass »die Welt heute ein Krankenhaus ist« (Peter Weibel), trägt sie auch eine Leichtigkeit in sich, die der Thematik ihre Schwere nimmt.

Chiharu Shiota schöpft ihre Inspiration häufig aus persönlichen Erlebnissen oder Gefühlen, die sie auf universelle menschliche Anliegen wie Leben, Tod oder Beziehungen ausdehnt. Konzepte wie Erinnerung und Bewusstsein definiert sie neu, indem sie alltägliche Objekte wie Schuhe, Schlüssel, Betten, Stühle und Kleider zusammenstellt und diese in riesige Geflechte aus Wollfäden einwebt. In ihren Installationen geht sie dem Gefühl der »Präsenz in der Abwesenheit« auf den Grund, und ihre Skulpturen, Zeichnungen, Performance-Videos, Fotografien und Leinwandbilder repräsentieren nicht greifbare Emotionen. 2008 erhielt Shiota den »Art Encouragement Prize« vom japanischen Minister für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie. Zahlreiche internationale Institutionen auf der ganzen Welt stellten ihre Arbeiten aus, darunter das Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa, Wellington, NZ (2020); das Mori Art Museum, Tokio, JP (2019); der Gropius Bau, Berlin (2019); die Art Gallery of South Australia, Adelaide, AU (2018); der Yorkshire Sculpture Park, UK (2018); das Power Station of Art, Shanghai, CN (2017); und die K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (2015). 2015 repräsentierte Shiota Japan bei der 56. Biennale di Venezia, IT. Im Rahmen der Bayreuther Festspiele 2021 (25.07.– 25.08.2021) und der Reihe »Diskurs Bayreuth« schuf die Künstlerin eine Installation im Festspielpark, eine Auftragsarbeit zum Thema »Götterdämmerung«. Die Künstlerin wurde 1972 in Osaka, Japan geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

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© Soun-Gui Kim
Ausstellung

Soun-Gui Kim: Lazy Clouds

Die Ausstellung »Soun-Gui Kim: Lazy Clouds« im ZKM | Karlsruhe ist die erste umfassende Einzelausstellung der koreanisch-französischen Künstlerin Soun-Gui Kim in Deutschland.

Ausgehend von den 1970er Jahren wird in der Präsentation ein umfassender Überblick über das Werk der Künstlerin bis zur Gegenwart gegeben, das von der Dekonstruktion der Malerei, über Fotografie bis hin zu Video und multimedialer Kunst reicht. Ihre Arbeiten zeichnen sich dabei immer wieder durch einen hohen partizipativen Charakter aus und sind von vergleichenden Studien der östlichen und westlichen Kultur und Philosophie sowie der Auseinandersetzung mit Sprache beeinflusst.

Soun-Gui Kim wurde 1946 in Buyeo, Korea, geboren. 1971 schloss sie ihr Studium im Fachbereich Kunst an der Seoul National University ab. Schon damals interessierte sie sich für die Dekonstruktion der Malerei, für großangelegte Performances und Videoarbeiten im öffentlichen Raum. Nach ihrem Studium erhielt Soun-Gui Kim ein Stipendium der französischen Regierung, das ihr ermöglichte, nach Frankreich zu kommen und dort zu arbeiten. Wenige Jahre später, 1974, übernahm sie eine Professur an der École Supérieure des Beaux-Arts in Marseille.

Im Jahr 1982 führen Soun-Gui Kims Reisen in verschiedenste Länder der Welt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Kultur und der Kunst des Ostens und Westens. Während ihres Aufenthalts in New York verkehrte sie mit renommierten Videokünstler:innen wie Nam June Paik, Ko Nakajima, Ira Schneider und Frank Gillette. Mit zunehmendem Interesse an Video und Multimedia organisierte sie die Veranstaltungsreihe »Soun-Gui Kim and Her Invitees: Video and Multimedia« (1986), an der Nam June Paik, John Cage und andere teilnahmen. Seit den späten 1980er Jahren gewinnen vor allem Fragen, die mit der Ausbreitung des globalen Kapitalismus und den strukturellen Veränderungen der Gesellschaft durch das Internet zusammenhängen, für sie an Wichtigkeit. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin auf dem Land in Frankreich nahe Paris und widmet sich dort in Einklang mit der Natur und ihrer Umgebung, ihren Kunstprojekten, die Philosophie, Kunst und Technologie miteinander vereinen.

Der Titel der Ausstellung »Soun-Gui Kim: Lazy Clouds« referiert auf ein Gedicht und einen in Frankreich veröffentlichten Gedichtband der Künstlerin. Gleichzeitig steht er allerdings auch exemplarisch für ihren persönlichen Lebensentwurf. Völlig konträr zum kapitalistisch orientierten Produktivitäts- und Leistungsregime, basiert dieser auf dem Konzept der Muße als künstlerisches, kreatives und philosophisches Prinzip. Wie die Wolken, die am Himmel vollkommen frei stets neue Formen finden, widmet sich Soun-Gui Kim ihrer Kunst, spielerisch, fernab von vorgegebenen Mustern und Formalitäten.

Die Ausstellung im ZKM | Karlsruhe wird in Zusammenarbeit mit dem National Museum of Modern and Contemporary Art (MMCA) in Seoul realisiert, wo sie unter gleichem Titel im Jahr 2019 zu sehen war.

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Plakatmotiv © Zoltán Szmolka. Ausschnitt abgebildetes Werk © Alicja Kwade
Ausstellung

Spatial Affairs

Die Ausstellung »Spatial Affairs« im Ludwig Múzeum Budapest untersucht künstlerische Reaktionen auf die Fragen nach Räumlichkeit und räumlicher Wahrnehmung, insbesondere in Zeiten computergenerierter virtueller Realität.

Die innere Konsistenz des Raumes, seinen philosophischen und ontologischen Status, seine Bindung und Beziehung zur Realität in Frage zu stellen ist seit langem eine latente Strömung in der bildenden Kunst. Diese manchmal leidenschaftliche, manchmal eher geheimnisvolle Verbundenheit mit derartigen ontologischen Angelegenheiten mag auf Kosten bestimmter anderer Aspekte vonstatten gegangen sein – zum Beispiel der Narrativität –, doch die Beziehung hat sich als hartnäckig erwiesen.

Genau wie ihre Beendigung undenkbar ist, so wurde auch die Frage nach dem Raum und seiner Verstrickung mit der Realität durch die Vermehrung immaterieller Sphären immer wieder neu gestellt, die zu legitimen Paralleldimensionen unserer Wahrnehmung, unseres Ausdrucks, unserer Erfahrung, unseres Wissens, unserer Kommunikation und unserer Analyse werden. Mit dem Aufkommen generativer Bilder wird das Nachdenken darüber nur noch relevanter.

Die Faszination von Computern beruhte schon immer auf der Tatsache, dass diese programmierbaren Maschinen in der Lage sind, gegenständliche und ungegenständliche Bilder zu erzeugen, die sich zu einer ganzen virtuellen Realität zusammenfügen können. Die Erfindung des Computers definierte die räumliche Wahrnehmung und die Idee von Immersion neu; sie verstärkte die strukturelle Neigung des Geistes, seine Umgebung zu analysieren und alternative Sphären zu projizieren und zu produzieren.

Die Ausstellung »Spatial Affairs« untersucht künstlerische Reaktionen auf diese Fragen, einschließlich Ansätze vor und nach der Ausbreitung des Computers, von der frühen Avantgarde über die Konzeptkunst bis hin zu zeitgenössischen Positionen. Sie weist auf die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem algorithmisch Geschaffenen und dem greifbar Realen hin. Sie versteht das Virtuelle als Handlung, unabhängig von ihrer materiellen Vermittlung.

In »Spatial Affairs« verflüchtigt sich die binäre Beziehung zwischen dem Realen und dem Virtuellen, dem Existierendem und dem Möglichen in eine Mehrdimensionalität, die den Dualismus überwindet und zu explodierten Achsen komplexer und multiplizierter Raumvorstellungen führt.

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© Dmitri Cherniak
Ausstellung

CryptoArt

It's Not About Money

Kubus: Screen
Eintritt frei

Seit 2014 ist es möglich, digitale Bilder mit Hilfe der Blockchain-Technologie zu zertifizieren und auf diese Weise Unikate herzustellen, so genannte NFTs (Non-Fungible Tokens). Doch erst seit diesem Jahr, nachdem eine Reihe digital zertifizierter Bilder für mehrere Millionen Dollar verkauft wurden, nimmt eine breitere Öffentlichkeit Notiz von dieser Entwicklung.
Das ZKM erwarb bereits 2018 eine Reihe von NFTs und zeigt nun auf dem Kubus-Screen eine Auswahl von Werken aus der eigenen NFT-Sammlung sowie von privaten Leihgebern.

Die Blockchain-Technologie – ursprünglich entwickelt, um mithilfe kryptographischer Verfahren ein digitales Äquivalent zu Bargeld zu erschaffen – verändert die Ökonomie der digitalen Kunst. Digitale Werke, die jederzeit und unendlich kopierbar sind, können nun in Unikate oder limitierte Serien verwandelt werden. Die Logik der Verknappung und die Regeln des traditionellen Kunstmarktes werden in die digitale Welt übertragen. Darüber hinaus eröffnet die Technik jedoch auch neue Möglichkeiten. Sogenannte »Smart-Contracts«, die in die Blockchain eingebettet sind, können beispielsweise dafür sorgen, dass Künstler:innen bei jedem Weiterverkauf eines ihrer Werke automatisch einen bestimmten Prozentsatz des Verkaufspreises auf ihr Kryptowährungs-Konto überwiesen bekommen. Dadurch, dass jede Information der Blockchain dezentral, von tausenden von Computern beglaubigt werden, sind alle Vorgänge transparent und unveränderbar.


Die Anfänge

Die ersten NFTs lassen sich auf das Jahr 2014 datieren. Im Mai 2014 verkaufte der Künstler Kevin McCoy auf der Rhizome-Konferenz »Seven on Seven« im New Museum, New York, auf der Bühne ein GIF und veröffentlichte die Übertragung des Eigentums auf der Namecoin-Blockchain. Zusammen mit Anil Dash gründete er »Monegraph«, die erste Plattform, die Blockchain-Technologie nutzte, um digitale Objekte zu authentifizieren. Im gleichen Jahr enstand in Berlin das digitale Kunstregister »ascribe«, 2015 gründete der Künstler Harm van den Dorpel dann die »left gallery«, die seitdem digitale, in der Blockchain zertifizierte Werke anbietet.

Es wurde jedoch nicht nur im Kunstkontext mit NFTs experimentiert. Im Februar 2016 wurde das Handy-Spiel »Spells of Genesis« (SoG) veröffentlich, dessen Spielkarten in die in BitCrystals-Blockchain eingeschrieben waren. Im September des gleichen Jahres enstand die Plattform »Rare Pepe Wallet« , auf der seitdem Varianten des Internet-Memes »Pepe the Frog« in den Kryptowährungen Counterparty oder PepeCash gehandelt werden.



Ende 2016 schließlich entstanden die bis heute bekanntesten NFTs: John Watkinson entwickelte einen Pixel-Art-Charaktergenerator, der nach einem Zufallsprinzip eine Auswahl von Merkmalen (Sonnenbrillen, Hautfarben, Haartypen, etc.) kombinierte und generierte auf diese Weise 10.000 »CryptoPunks«, kleine Porträts in einer Größe von 24 x 24 Pixel. Watkinson und Hall entwickelten ein technisches Verfahren, das es ermöglichte, eine Referenz auf ein digitales Bild zusammen mit „Marktplatzfunktionen“ auf der Ethereum-Blockchain einzuschreiben. Auf die »CryptoPunks«, die seit Juni 2017 gehandelt werden, folgten im November 2017 die »CryptoKitties« von Guile Gaspar (Dapper Labs), die nicht nur gesammelt, sondern „gezüchtet“ werden konnten.

An den »CryptoPunks« lässt sich die Dynamik der neuen digitalen Ökonomie beispielhaft zeigen: Kostete der erste Punk im Juni 2017 nur eine Transaktionsgebühr, die 10–20 US-Dollar betrug, wurde im März 2021 ein Bild aus der Serie für etwa 7.500.0000 US-Dollar verkauft.


Das Krypto-Lab

Das ZKM begann sich mit dem Thema Blockchain anlässlich der Ausstellung »Open Codes. Leben in digitalen Welten« zu befassen. Das von dem Software-Entwickler und Künstler Daniel Heiss konzipierte »Krypto-Lab« versuchte, die Blockchain-Technologie durch Workshops, Vorträge und Ausstellungen allgemeinverständlich zu erklären.

Im Kontext dieses Projekts erwarb das ZKM »CryptoPunks«, »CryptoKitties« sowie das Werk »event.listeners« von Harm van den Dorpel.


On-chain

Das ZKM konzentriert sich seitdem beim Sammeln von NFTs auf eine spezielle Form, die eine weitere Dimension der Blockchain erkundet. Während die Käufer:innen eines NFTs normalerweise nur ein Zertifikat erwerben, das auf eine Datei verweist, die nicht in der Blockchain abgespeichert ist, sondern auf Webservern oder dem IPFS (InterPlanetary File System), gibt es NFTs, bei denen das Werk selbst in der Blockchain hinterlegt sind – genauer gesagt, der Code, der das Werk generiert.

Diese NFTs sind „on chain“. Somit liegt die gesamte Information, die benötigt wird, um das Werk darzustellen – der Algorithmus – für immer unabänderlich und öffentlich zugänglich in der Ethereum-Blockchain vor. Die Werke gesichert, zumindest so lange die Ethereum-Blockchain existiert.

Auch hier waren die Schöpfer der »CryptoPunks« John Watkinson und Matt Hall wegweisend: 2019 schufen sie die ersten generativen On-Chain-Werke: die »Autoglyphs«. Das ZKM zeigt drei der »Autoglyphs« derzeit in der Ausstellung »Writing the History of the Future« neben den Werken jener digitalen Pioniere, die für Watkinson und Hall Vorbild waren, A. Michael Noll und Kenneth C. Knowlton. Die besondere Herausforderung bei der Erstellung von On-Chain-NFTs ist, dass der Umfang des Programms beschränkt ist. Ähnlich wie bei der Demo-Szene, die dieses Jahr auf die Liste des immateriellen Erbes der UNESCO aufgenommen wurde, entwickeln die Programmier:innen eine Meisterschaft, mit geringsten Mitteln möglichst komplexe Bilder und Animationen zu erschaffen.


Nachhaltigkeit

Im Dezember 2020 machte der Künstler Memo Atken mit seinem Artikel „The Unreasonable Ecological Cost of CryptoArt“ auf die hohen Energiekosten der Blockchain-Technologie aufmerksam.

Der hohe Stromverbrauch vieler Blockchains, unter anderem von Ethereum, auf der die meisten NFTs verortet sind, entsteht vor allem durch einen speziellen Baustein der Technologie, der als »Proof of Work« (PoW) bezeichnet wird.

Dieser spezielle Beglaubigungsmechanismus erfordert enorme parallele Rechenleistung für das Verlängern der Blockchain durch neue Blöcke. Je nach Studie und Methodik wird etwa der jährliche Verbrauch, z. B. von Bitcoin, mit 30 bis 75 Terawattstunden angegeben. Damit ist er vergleichbar mit dem Stromverbrauch von Dänemark oder der gesamten künstlichen Beleuchtung in Deutschland. [1]

Weltweit arbeiten Entwickler:innen nun an der Entwicklung von Beglaubigungsmechanismen, die auf anderen technischen Verfahren basieren und dadurch weitaus weniger klimaschädlich wären. Man geht davon aus, dass der Energieverbrauch von Blockchains, die statt »Proof of Work« beispielsweise auf Verfahren wie »Proof of Stake« oder »Proof of Authority« setzen, um 99 Prozent reduziert werden könnte.

Das ZKM beobachtet die Entwicklung alternativer Blockchains und pausiert derzeit mit dem Ankauf von NFTs auf der Ethereum-Blockchain.

[1] Fabian Retz, »Blockchain & das Klima. Warum die nationale Blockchain- Strategie Innovations- und Klimapolitik zusammenbringen sollte«, Stiftung Neue Verantwortung, 2019, www.stiftung-nv.de/sites/default/files/blockchain_und_das_klima.pdf, abgerufen am: 04.04.2021.

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Gespräch

Digiloglounge Digital

Soziale Gerechtigkeit im Netz

Online
Kosten: Kostenfrei

Im Rahmen der Diskussionsreihe »Digiloglounge Digital« spricht Sabine Faller mit Expert:innen über Themen der Digitalisierung – dieses Mal über soziale Gerechtigkeit im Netz!

Der gemeinsame Dialog steht im Fokus des Forschungsverbunds »digilog@bw«. Anhand aktueller Themen rund um den digitalen Wandel entwickeln wir Ideen zur Mitgestaltung und laden anhand von Veranstaltungen, Gesprächen und Workshops zum gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren ein.

Die Veranstaltung ist Teil der #digiloglounge-Gesprächsreihe. Einmal im Monat geben Expert:innen von digilog@bw einen Einblick in ihre digitalen Forschungsthemen und beantworten Fragen im ZKM-Livestream!

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Gespräch

Mein Algorithmus und Ich

Daniel Kehlmann im Gespräch mit Raphaela Edelbauer, Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Michael Resch und Peter Weibel

Online
Eintritt frei


Es wird viel über Künstliche Intelligenz und ihre Gefahren gesprochen, aber wie fühlt es sich tatsächlich an, mit einem hochentwickelten Programm umzugehen? Was erlebt man, und was lässt sich daraus folgern?

Im Februar 2020 reiste Daniel Kehlmann von New York ins Silicon Valley, wo man ihn eingeladen hatte, gemeinsam mit einer Künstlichen Intelligenz eine Kurzgeschichte zu verfassen. In »Mein Algorithmus und Ich« erzählt er von dieser Reise und von seiner experimentellen »Zusammenarbeit« mit dem Algorithmus. Anlass genug, um am ZKM darüber zu berichten und im Gespräch mit ZKM-Vorstand Peter Weibel, dem Karlsruher Literaturwissenschaftler Hansgeorg Schmidt-Bergmann, dem Direktor des Höchstleistungsrechenzentrums Stuttgart Michael Resch und der jungen Wiener Autorin Raphaela Edelbauer die literarischen, philosophischen, technischen und auch unterhaltsamen Seiten des Projektes auszuloten.

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Gespräch

#meetdigilog

Online
Kosten: Kostenfrei
Ohne Anmeldung, auf dem Instagram Account @ZKMKARLSRUHE

Seien Sie live dabei, treffen Sie unsere Wissenschaftler:innen und teilen Sie Ihre Gedanken und Ideen direkt im Chat. Erhalten Sie praktische Tipps sowie spannendes Wissen rund um die Digitalisierung!

Der gemeinsame Dialog steht im Fokus des Forschungsverbunds »digilog@bw«. Anhand aktueller Themen rund um den digitalen Wandel entwickeln wir Ideen zur Mitgestaltung und laden anhand von Veranstaltungen, Gesprächen und Workshops zum gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren ein.

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Gespräch

Digitaler Salon

Florian Rötzer im Gespräch mit Catrin Misselhorn

Online
Eintritt frei

Emotionale künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft. Künstliche Systeme sollen mitfühlend sein und Empathie in uns auslösen. Doch wie erkennen und verarbeiten künstliche Systeme menschliche Emotionen? Können sie echte Gefühle und Empathie empfinden? Führt die Entwicklung schmerzempfindlicher Roboter in der Biorobotik zur Auflösung der Grenze hin zu biologischen Organismen? Haben wir auch moralische Pflichten gegenüber Robotern, die unser Mitgefühl rühren?

Gast im Digitalen Salon ist Frau Prof. Dr. Catrin Misselhorn, die Philosophie an der Georg-August Universität Göttingen lehrt. Sie forscht derzeit über philosophische Probleme der künstlichen Intelligenz, Roboter- und Maschinenethik, integrative Philosophie der Wissenschaft, Kunst und Technik, der ethischen Bewertung von Technologien (ELSI) und der Empathie im ethischen, ästhetischen und technischen Kontext. Im Gespräch wird es um den Umgang der Menschen mit intelligenten und autonomen Systemen und von diesen mit den Menschen gehen. Frau Misselhorn hat zuletzt das Buch »Künstliche Intelligenz und Empathie. Vom Leben mit Emotionserkennung, Sexroboter & Co« geschrieben. Dort diskutiert sie die ethischen und technischen Aspekte an anschaulichen Beispielen aus der Praxis und gibt einen Überblick über neue Tendenzen der emotionalen Künstlichen Intelligenz, sozialen Robotik und Biorobotik.

Das Gespräch findet in deutscher Sprache statt.

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@ IMWI
Musik

The Morning Line plays

Werke von Studierenden der Hochschule für Musik Karlsruhe

Vorplatz

Von Anfang Mai bis Ende Juni werden Werke von Studierenden des Instituts für Musikinformatik und Musikwissenschaft (IMWI) der Hochschule für Musik Karlsruhe über »The Morning Line« präsentiert.

Das Institut für Musikinformatik und Musikwissenschaft (IMWI) der Hochschule für Musik Karlsruhe erforscht das Verhältnis von Musik, Computer und Mensch. Die Auseinandersetzung mit aktuellen Technologien erfolgt dabei im Zuge künstlerischer Praxis, theoretischer Reflexion und durch Forschung und Entwicklung.

Die Studierenden widmen sich unter anderem der Entwicklung sensorbasierter Musikinstrumente, der Kompositions- und Aufführungspraxis elektronischer Musik und Computermusik, Live Coding, sowie der Komposition für Film und Games. Das ComputerStudio stellt dem IMWI hierfür eine umfangreiche räumliche und technischen Ausstattung bereit.

»The Morning Line« besteht aus 41 Lautsprechern und 12 Subwoofern, die über eine zentrale Kontrolleinheit gesteuert werden. Er wurde vom Künstler Matthew Ritchie sowie den Architekten ArandaLasch und der Advanced Geometry Unit (AGU) von ARUP speziell für die Wiedergabe raumgreifender elektroakustischer Kompositionen konzipiert. Die Installation ist ein überdimensionaler, für Besucher:innen zugänglicher Klangkörper. Das einzigartige Soundsystem wurde von Tony Myatt und dem Music Research Centre of York University entworfen.


Elina Lukijanova
»Mutismusoper« (2015 – 2021), 21'27''

»Mutismus« steht für psychogenes Schweigen. Im Schutz der Anonymisierung vertrauten mir Schriftsteller:innen ihre Stimme als musikalisches Rohmaterial an.

Opern dagegen nutzen nach wie vor sexualisierte Gewalt als dramaturgisches Mittel, stilisieren sie zu einem Narrativ, während, frei von Metaphern, Menschen ohne Sprachrohr die sexuelle Selbstbestimmung real genommen wird. Dem gegenüber verstehe ich hier den Begriff »-oper« als meinen Versuch, das Bestehende, das Nicht-Überstandene abzubilden.


Johannes Biedermann, Andres Kaufmes
»[ˈpɔllən]« (2021), 12'

»[ˈpɔllən]« stellt in 12 Minuten den jährlichen Pollenflug-Zyklus dar. Acht verschiedene Pflanzen werden durch Klangtexturen repräsentiert, deren Intensität sich im Laufe des Stückes verändert. Jede Minute steht für einen Monat des Jahres.

Gemeiner Hasel (Corylus avellana), Sal-Weide (Salix Caprea), Hänge-Birke (Betula pendula), Waldkiefer (Pinus sylvestris), Roggen (Secale cereale), Große Brennnessel (Urtica dioica), Beifuß (Artemisia vulgaris), Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisifolia)


Jia Liu
»Ringstudie II/b« (2021), 13'25''

Das autonome Pitch-Following Feedback System von »Ringstudie II/b« wurde für die 41 eigenständigen Audiokanäle von »The Morning Line« adaptiert. Auf jedem Kanal ist der Klang eines Sinus-Oszillators zu hören, welcher der Frequenz eines anderen Kanals folgt. Inspiriert von der Knoten- und Graphentheorie führt die Kontrolle der Signalfluss-Topologie zum Aufbau verschiedener Rückkopplungsstrukturen und charakteristischem Systemverhalten aufgrund der Ungenauigkeit des Pitch-Following Algorithmus.


Jacqueline Julianna Butzinger
»Permutations on Distorted Steel« (2021), 8'16''

»Permutations on Distorted Steel« ist eine mit »SuperCollider« realisierte Mehrkanal-Komposition, welche die Obertonstrukturen von metallischen Klängen durch die Linse der Fast-Fourier-Transformation (FFT) betrachtet. Die Künstlerin nutzt die dynamische Fourier-Transformation, um einen ‚strukturellen Bauplan‘ des harmonischen Spektrums eines metallischen Klangs zu erhalten und verwendet das resultierende Frequenzreservoir als Grundlage der Komposition.


Tim Offenhäußer
»Floating Transitions« (2021), 11'11''

In »Floating Transitions« werden sinusartige Töne mit verschiedenen Zusammensetzungen an Obertönen durch den Raum bewegt. Dadurch vermischen sich die Klänge und erzeugen interessante Schwebungen. Über einen längeren Zeitraum ändern sich verschiedene Parameter, wodurch langsame, fast unmerkliche Veränderungen in den Räumen des Klang-Pavillons hörbar werden. Jeder Raum hat ein eigenes Thema. Hohe und tiefe Töne, lange und kurze Töne, verzerrte und saubere Obertöne werden langsam ins Gegenteil gekehrt.


Jakob Schreiber
»Ode an die Reparatur / Teile eines Ganzen« (2021), 9'35''

‚Reparatur‘ impliziert die Vorstellung und das Ziel des Funktionierens im Gegensatz zur Dysfunktion. »Ode an die Reparatur / Teile eines Ganzen« geht der Frage nach, ob sich ‚intakt‘ und ‚kaputt‘ gegenseitig ausschließen, oder ob es sich nicht vielmehr um ein Kontinuum zwischen zwei Polen handelt. Worin bestehen die Verbindungen zwischen den Einzelteilen und was passiert, wenn Elemente wegfallen? Wie viele Fragmente dürfen fehlen, sodass das Werk oder die Maschine weiterhin funktioniert?

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Ausstellung virtuell

Spatial Affairs. Worlding

A tér világlása

Online
Eintritt frei

Konzipiert als Teil der Ausstellung »Spatial Affairs«, präsentiert im Ludwig Museum - Museum of Contemporary Art – in Budapest, ist »Spatial Affairs. Worlding – A tér világlása« eine forschende Online-Umgebung, eine virtuelle Multi-User-Ausstellung, die von kriechenden Kunstwerken bevölkert wird, in der die Avatare der Besucher:innen mit sich bewegenden Körpern der Internetkunst und browserbasierten Projekten koexistieren.

Die Kunstwerke und Besucher:innen, die die virtuelle Welt der Ausstellung bewohnen, sind rechnerische, biologische und geologische Körper ohne Organe. Die Wände und Böden sind technische Wesen: Jede:r und alles ist aus demselben digitalen Gewebe geformt. »Spatial Affairs. Worlding – A tér világlása« wurde vom post-kritischen niederländischen Designstudio »The Rodina« entworfen und ist von Konrad Zuses Theorie des »Rechnenden Raums« (1969) inspiriert. Diese beschreibt ein Universum, das aus einer Fülle von lebenden und sich entwickelnden Automaten besteht – diskrete Computersysteme, die aus Zellen bestehen und sich zu einem großen, sich selbst reproduzierenden zellulären Automaten addieren.

Ein solches sich ständig weiterentwickelndes Ökosystem fordert die eigene Ontologie als willkürlich, performativ und prozessual, als binärcodebasierte und doch im Wesentlichen pluralistische virtuelle Umgebung. Die Grenzen zwischen Subjekt und Umgebung lösen sich auf; alle Entitäten werden zu Agenten, auch wenn sie ohne die Kraft der Materie handeln. »Worlding« bezieht sich auf einen ständigen Prozess des Aufdeckens noch unentdeckter Falten im digitalen Raum, die zu weiteren Spekulationen, Thesen, Geschichten und Spielen führen, die sich wiederum als born-digital internet-based works of art manifestieren. Die multiple, generative Räumlichkeit dieser Umgebung wird durch die organische Klanglandschaft des Künstlers Enrico Boccioletti aus sich ständig verändernden Texturen verstärkt. Diese sind aus Streuungen komponiert, die wiederum aus Aufnahmen der elektromagnetischen Strahlung von Festplatten und dem Brummen von Stimmen entstehen.

Diese Umgebung ist die Antwort von »The Rodina« auf die Fragen der Kurator:innen, wie der Inhalt einer Online-Ausstellung in ein räumliches und responsives Erlebnis verwandelt werden kann: Was, wenn Kunstwerke durch Avatare repräsentiert werden und man ihnen im virtuellen Raum begegnen kann? Was passiert, wenn die Ausstellung zum Ökosystem wird und das erzeugt, was Zuse einen »Computer-Kosmos« nennt? Konzipiert als Ausstellung und aktive Plattform, wird die virtuelle Umgebung eine Reihe von Gesprächen, Führungen und Veranstaltungen beherbergen und als Katalysator für Diskussionen rund um die von »Spatial Affairs« aufgeworfenen Fragen dienen.

»Spatial Affairs. Worlding – A tér világlása« ist eine Koproduktion von ZKM | Karlsruhe und EPFL Pavilions, Eidgenössische Technische Hochschule, Lausanne, im Rahmen des internationalen praxisorientierten Forschungsprojekts BEYOND MATTER.

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ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution, denn es ist ein Ort, der die originären Aufgaben des Museums erweitert.

Es ist ein Haus aller Medien und Gattungen, ein Haus sowohl der raumbasierten Künste wie Malerei, Fotografie und Skulptur als auch der zeitbasierten Künste wie Film, Video, Medienkunst, Musik, Tanz, Theater und Performance. Das ZKM wurde 1989 mit der Mission gegründet, die klassischen Künste ins digitale Zeitalter fortzuschreiben. Deshalb wird es gelegentlich auch das »elektronische bzw. digitale Bauhaus« genannt – ein Ausdruck, der auf den Gründungsdirektor Heinrich Klotz zurückgeführt wird.

In seiner Arbeit vereinigt das ZKM Forschung und Produktion, Ausstellungen und Aufführungen, Sammlung und Archive, Vermittlung und Veranstaltungen. Durch interdisziplinäre Verbindungen dieser Arbeitsfelder kann das ZKM als agile Organisation die Entwicklung der Kunst und Medien des 20. und 21. Jahrhunderts präsentieren wie produzieren.

Symposien und andere Formate theoretischer Diskurse zwischen Kunst, Philosophie, Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Politik ergänzen das Programm des ZKM, um die Auswirkungen von Medialisierung, Digitalisierung und Globalisierung auf die Gesellschaft zu untersuchen.

(Foto: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe / ARTIS Uli Deck)

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Ausstellungen / Museum Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Mannheim, C5
Ausstellungen / Messe Art Karlsruhe Rheinstetten, Messeallee 1
Ausstellungen / Museum Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Mannheim, Zeughaus C5
Ausstellungen / Galerie GALERIE Supper Karlsruhe, Ebertstraße 14
Ausstellungen / Museum Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe Karlsruhe, Erbprinzenstr. 13
Ausstellungen / Museum Staatliche Kunsthalle Baden-Baden Baden-Baden, Lichtentaler Allee 8a
Ausstellungen / Museum Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts Baden-Baden Baden-Baden, Lichtentaler Allee 8
Ausstellungen / Museum Kunsthalle Mannheim Mannheim, Friedrichsplatz 4
Ausstellungen / Museum Museum für Aktuelle Kunst Sammlung Hurrle Durbach Durbach, Vier Jahreszeiten - Almstr. 49

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