SPRENGEL-MUSEUM HANNOVER
Das im Jahr 1979 eröffnete Sprengel Museum Hannover zählt mit seiner umfangreichen Sammlung und dem vielfältigen Wechselausstellungsprogramm zu den bedeutendsten Museen der Kunst des 20. Jahrhunderts und 21. Jahrhunderts.
Aufbauend auf der Sammlung Dr. Bernhard Sprengels, der Schwerpunkte im Bereich des deutschen Expressionismus und der französischen Moderne gelegt hat, ist der Bestand in den vergangenen 26 Jahren um die wesentlichen Epochen zeitgenössischer Kunst erweitert worden; seit 1994 existiert die Abteilung Fotografie und Medien. Mit ca. 25 Wechselausstellungen im Jahr, zahlreichen Symposien und Vortragsreihen, einem umfangreichen didaktischen Programm und dem seit 1993 im Hause verankerten Kurt Schwitters Archiv bietet das Sprengel Museum Hannover ein lebendiges Forum für Kunst und Wissenschaft.
AKTUELLE SONDERAUSSTELLUNGEN
Vom Leben gezeichnet – Leidenschaft in der Grafik der Moderne
Mi, 2.6.2010 - So, 15.8.2010
Die Ausstellung Vom Leben gezeichnet - Leidenschaft in der Grafik der Moderne konzentriert den Blick auf grafische Werke des 20. Jahrhunderts, die Einbrüche und Höhenflüge einzelner Lebensläufe nachzeichnen und am Rand der Zeitgeschichte Momentaufnahmen einer conditio humana der Moderne festhalten.
Im Schutz der intimen Grafik kondensieren flüchtige Lebensgefühle zu leidenschaftlichen Motiven. Roy Lichtensteins Frontfrau alarmiert mit ihrem Sirenengesang die Popkultur, Jim Dine verleiht den Leiden Dorian Grays in schrillen Illustrationen aktuelle Relevanz oder Robert Mapplethorpe inszeniert das Ende der freien Liebe als sinnliches Stigma.
Kritisch befragt die Auswahl die Ambivalenz einzelner Leidenschaften. Politische Macht kann gesellschaftliche Ohnmacht erzwingen, Lebenslust in Überdruss umkippen oder individuelle Lebensangst sich zu Todesmut verkehren. Die Bildauswahl soll polare Bezüge offenlegen, Dimensionen des Verständnisses ausloten und nicht zuletzt Grenzerfahrungen aufzeigen.
Abb.: Jime Dine, Red design for Satin heart, 1968
Radierung in Rot, aus der Mappe The Picture of Dorian Gray, 1968
Sprengel Museum Hannover
© VG Bild-Kunst Bonn, 2009; Foto: Michael Herling/Aline Gwose
»Spectrum« - Bahman Jalali
Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen
Sa, 29.5.2010 - Sa, 21.8.2010
Die Jury des »Spectrum« Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen hat entschieden, den Preis an den iranischen Fotografen Bahman Jalali zu vergeben. Der in Teheran lebende Jalali wird ihn im Frühling 2011 anlässlich der Eröffnung einer Retrospektive im Sprengel Museum Hannover entgegen nehmen. Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Künstlerpublikation.
Abb.: Bahman Jalali
aus: WAR SLIDE SHOW, Khorramshahr. A City that was Destroyed, 1982
b/w slide show
© Bahman Jalali, 2007
Lutz Dammbeck. Re_Re-Education
Mi, 19.5.2010 - So, 26.9.2010
Von der bildenden Kunst kommend entdeckte Lutz Dammbeck (*1948) in den frühen 1970er Jahren den Animationsfilm als Experimentierfeld und Ausdrucksmittel. 1982 begann er, unter Einbeziehung unterschiedlichster Medien (Bild-, Text- und Körpersprache/Tanz), mit dem ‚Herakles-Konzept’ – ein sich permanent fortschreibendes Gesamtkunstwerk, Archiv und Collage zugleich, an dem die Arbeit bis heute fortdauert.
Dammbeck sieht sich dabei als ein Monteur, der Fotografien, Zeitungsausschnitte und Archivalien unterschiedlichster Art sammelt, bearbeitet und zu einer „Archäologie der Erinnerung“ zusammenfügt. Dabei macht er die ihn seit Anfang der 1980er Jahre vorrangig interessierenden Baupläne der Moderne und Gegenmoderne lesbar und erinnert an die dort eingeschriebenen Utopien, Wünsche und Intentionen. Neben Raum füllenden Installationen und Collagen entstand so auch eine Reihe von international erfolgreichen Experimental- und Dokumentarfilmen.
Im Raum für Fotografie wird nun ein Teil dieser Filme in einer eigens für den Raum entwickelten Installation gezeigt, die zum mehrmaligen, vergleichenden, analytischen Sehen der bewegten Bilder einlädt. Ausgewählt sind Filme, die das Verhältnis zwischen bildender Kunst, Geisteswissenschaften, Technologieentwicklung und Populärkultur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts thematisieren.
Eine Publikation ist in Vorbereitung.
Mit freundlicher Unterstützung der NordMedia Fonds GmbH.
Abb.: Lutz Dammbeck, Overgames, 2010 (Still)
© Dammbeck-Production / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Anna Blume und ich. Zeichnungen von Kurt Schwitters
Sa, 15.5.2010 - Sa, 4.9.2010
Die Ausstellung bietet erstmals die Gelegenheit, einen wesentlichen, bisher kaum beachteten Teil des künstlerischen Schaffens von Kurt Schwitters (1887–1948) in allen Facetten kennenzulernen und das bekannte Bild vom Merzkünstler zu erweitern. Ein großer Teil der zirka hundert ausgewählten, überraschend vielfältigen Blätter war noch nie ausgestellt. Sie stammen aus dem Nachlass des Hannoverschen Künstlers und lassen entscheidende künstlerische Wendepunkte und stilistische Entwicklungen nachvollziehen: Schwitters’ Weg zur Abstraktion um 1917, die anschließenden dadaistischen Experimente sowie zentrale Fragestellungen, die den Maler sowohl von abstrakten Kompositionen als auch von Landschaftsbildern beschäftigt haben. Es zeigt sich, dass das Studium der Natur für den Merzkünstler nicht nur eine geliebte Fingerübung war, sondern zeitlebens eine wichtige Inspirationsquelle und ein gewünschtes Korrektiv darstellte. Reiseskizzen und Porträtstudien bestimmen sein zeichnerisches Werk der Exilzeit in Norwegen und England ab 1937.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover, und dem Kunstmuseum Bern. Es erscheint ein einführender, reich illustrierter Katalog im Hatje Cantz Verlag.
Abb.: Aq. 21. Anna Blume und ich., 1919 Aquarell, Farbstift auf Papier, © Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Hannover
Liebesgeschichten. Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Werken von Munch und Nolde bis Picasso
So, 25.4.2010 - So, 15.8.2010
Die Liebe ist ein sozialer Tatbestand und ein elementares Thema der bildenden Künste. Die Ausstellung »Liebesgeschichten« ist ein Streifzug durch Geschichten von Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Bildern zwischen 1900 und 1960.
Unter dem Topos der Zweisamkeit werden Werke von Edvard Munch und Emil Nolde einander gegenüber gestellt. Künstler wie Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller behandelten das Thema als Facette eines utopistischen Lebensentwurfes, während Otto Dix, George Grosz und Christian Schadt in ihrem künstlerischen Schaffen den Verlust paradiesischer Unschuld unter den gesellschaftlichen Bedingungen der 1920er und 1930er Jahre zum Ausdruck brachten. Liebe und Kunst verschmelzen in den Werken von Pablo Picasso und Henri Laurens zu Allegorien und Archetypen der Liebe. Künstler des Surrealismus wie Paul Klee, Joan Miró und Hans Bellmer liefern den Betrachter in Gemälden und Grafiken den Tag- und Nachtträumen der Liebe aus. Schließlich zeugen Werke von Ernst Wilhelm Nay und Henry Moore, die Aspekten der Nähe und Begegnung gewidmet sind, von existentiellen Fragen zum Thema der Liebe in den 1950er Jahren.
Die Ausstellung öffnet den Blick auf die Vielfalt und Bedeutung der Motive, die Künstler für dieses seltsame Spiel gefunden haben, das in unseren Köpfen umgeht.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen.
Private Gruppenführungen können bei Frau Pfeifer, Telefon: 0511/ 168 4 46 46 oder E-Mail gebucht werden.
Öffentliche Führungen:
Di, 18.30 und So, 11.15 Uhr und 14 Uhr
jorma foth. fragen und antworten an frau stadt
So, 30.5.2010 - So, 8.8.2010
Eine Installation für Kinder und Erwachsene
Für den Museumsplatz entwickelt der junge Künstler Jorma Foth eine Installation, die sich mit Stadt auseinander setzt. Die Stadt wird von ihm als ein riesiger Spielplatz begriffen, der vor allem durch bestimmte Ereignisräume geprägt ist.
So entsteht vor Ort eine Stadtmauer, die überwunden werden muss, oder eine kleine, an ein römisches Amphitheater angelehnte Spielstätte, in der man tatsächlich auftreten kann. Kurze Textsequenzen zum Spielen werden bereitgelegt. Aus Pappen, Kartons, Klebestreifen, Schnüren, Tüten und anderen recycelten Materialien werden Häuser gebaut, dabei können auch die großen und kleinen Besucher des Museums mitwirken und eigene Ideen und Vorstellungen von Architektur und Stadtplanung entwickeln. Jorma Foth bezieht sich hier auf den französischen Architekten, Künstler und Theoretiker Yona Friedmann (*1923). Architektur soll in seinem Sinne dem Einzelnen die Möglichkeit geben, seinen Lebensraum individuell zu gestalten und auch jederzeit wieder zu verändern. Zentrale Aspekte sind Improvisation, Intuition, soziales Miteinander und Kreativität. Yona Friedmann hat für die UN und die UNESCO gearbeitet und war 2002 auf der documenta vertreten.
Im Sommer 2010 wird für eine bestimmte Zeit eine Künstlerwerkstatt mit Jorma Foth in der Ausstellung eingerichtet.
Jorma Foth (*1983) hat an der Städelschule in Frankfurt studiert. Seine Arbeiten haben einen großen performativen Charakter und beschäftigen sich mit dem urbanen Raum.
DIE SAMMLUNG
Das von der Architektengruppe Peter und Ursula Trint, Köln, und Dieter Quast, Heidelberg, entworfene, 1979 eröffnete und 1992 durch einen zweiten Bauabschnitt erweiterte Museum wird von einem Konzeptionsprinzip des Dialoges zwischen"Öffnung und Schließung", zwischen "öffentlichem Bereich und Kunstaura" getragen. Mit seinem offenen Charakter ist das Museum zu einem Ort der Begegnung und Kommunikation geworden.
Eine großzügige Schenkung sorgte für den Startschuss: 1969 übergab Dr. Bernhard Sprengel seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst der Stadt Hannover und stiftete zusätzlich einen namhaften Betrag zum Bau des Museums. Die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen kamen überein, den Bau und den laufenden Betrieb des Museums gemeinsam zu tragen. Das Sprengel Museum Hannover vereint neben der Sammlung Sprengel Werke des 20. und 21. Jahrhunderts aus dem Besitz des Landes Niedersachsen und der Stadt Hannover.
Die Zusammenführung dieser wichtigen Bestände macht das Sprengel Museum Hannover zu einem der bedeutendsten Zentren moderner Kunst. Keine enzyklopädisch aufgebaute Sammlung, sondern die Gliederung nach Schwerpunkten prägt den Kunstbestand des Museums. Die Sammlung umfasst Werke des deutschen Expressionismus ebenso, wie die des französischen Kubismus bis hin zur Abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg und Strömungen wie Minimal Art, Informel, Nouveau Réalisme, Konzeptkunst und Postminimal Art. Als ein wichtiger Sammlungsschwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren der Bereich Fotografie und Medien entwickelt.
Die Bildung von Schwerpunkten bzw. Werkgruppen macht den besonderen Charakter der Sammlung aus. Eindrucksvolle Akzente setzen die Werkgruppen von Pablo Picasso, Fernand Léger, Max Ernst, Emil Nolde, Paul Klee und Max Beckmann sowie die Schenkung Niki de Saint Phalle.
Mit der großen Kurt-Schwitters-Sammlung und dem in seiner Art einmaligen "Kabinett der Abstrakten" von El Lissitzky werden Höhepunkte der Kunst der 1920er und 1930er Jahre vorgestellt. Kleinere Werkgruppen von Hans Arp und Lyonel Feininger, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Keith Sonnier und James Turrell machen in beispielhafter Weise künstlerische Entwürfe des 20. Jahrhunderts sichtbar.
Die Klassische Moderne, zu der die Malerei und Plastik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt, bildet den Sammlungsschwerpunkt des Sprengel Museum Hannover. Wichtige Künstlergruppierungen (Die Brücke, Der Blaue Reiter), Stilströmungen (Kubismus, Surrealismus) und Persönlichkeiten (Dix, Boccioni) werden umfangreich und mit herausragenden Einzelwerken vorgestellt. Eine besondere Attraktion der Sammlung sind die von Künstlern gestalteten Räume. Das wiedererrichtete "Kabinett der Abstrakten" von El Lissitzky und die Rekonstruktion des MERZbaus von Kurt Schwitters stellen zwei herausragende, dabei jedoch ganz unterschiedliche Konzepte vor, einen Raum künstlerisch zu gestalten. Mit dem neu eingerichteten Raum von James Turrell, der vier verschiedene Lichtinstallationen zeigt, findet dieser Schwerpunkt seine Fortsetzung in der Kunst der Gegenwart.
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
D-30169 Hannover
Telefon: +49(0)511 168 - 4 38 75
Fax: +49(0)511 168 - 4 50 93
E-Mail:
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
Öffnungszeiten
Montag geschlossen
Dienstag 10 - 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr
Sammlungen & Wechselausstellungen
Montag geschlossen
Dienstag 10 - 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr
Kinderforum
Samstag 14 - 18 Uhr
Sonntag 10 - 13 Uhr und 14 - 18 Uhr
Feiertagsregelungen
Karfreitag geschlossen
Ostersonntag und –montag 10 - 18 Uhr
1. Mai 10 - 18 Uhr
Himmelfahrt 10 - 18 Uhr
Pfingstsonntag und –montag 10 - 18 Uhr
3. Oktober 10 - 18 Uhr
Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester geschlossen
Neujahr 13 - 18 Uhr (freier Eintritt)