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Theater Bielefeld

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Theater Bielefeld
Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld
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D-33602 Bielefeld

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Theater am Alten Markt, TAMZWEI und TAMDREI: Alter Markt 1, Bielefeld
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Theater

Hecheln. Ein Trip ins Textile

Tobias Rausch & Marc Sinan
Ein spartenübergreifender Abend mit SchauspielerInnen, SängerInnen und MusikerInnen

Uraufführung: 18. Mai 2018, Theater am Alten Markt

Leinenweberei lohnt sich schon lange nicht mehr. Jetzt also Stoffe für kugelsichere Westen. Oder Verlagerung der Produktion ins Ausland. Oder Spezialisierung auf Nischenmärkte für Adelsfamilien. Wer nicht ganz vorne dran ist, bleibt auf der Strecke. – Schicksal? 30 Jahre hat sie für das Mode-Unternehmen genäht. Und plötzlich soll Schluss sein. Der ganze Betrieb wird dicht gemacht. – Pech? Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Früher gab es zwei Kollektionen pro Saison. Wer jetzt nicht doppelt so viel anbietet, hat keine Chance. Das Tempo wird immer atemloser. – Zufall? Seit ihrer Entstehung ist die Textil- und Bekleidungsindustrie unter Veränderungszwang. Die ungeheuren Kräfte des Weltmarkts entladen sich in den Biographien von allen: Unternehmern, Händlern, Angestellten. Sie hinterlassen Spuren und Narben, sie öffnen die Wege für Karrieren und unverhofftes Glück.

Gibt es ein Gesetz der Geschichte? Oder ist alles Zufall? Hat der Einzelne sein Schicksal in der Hand? Oder sind wir Teil eines globalen Spiels, in dem manche Glück, manche Pech haben?

Die Kulturstiftung des Bundes fördert im Fonds Doppelpass das gemeinsame Projekt STOFF des Theaters Bielefeld mit »recherchepool«.

TIPP: Das Projekt STOFF wird online von einem Magazin begleitet. Unter www.stoff-magazin.com gibt es Einblicke in die Recherchen und Beiträge zu verschiedenen Themen rund um Stoff, Textilien und Mode: Reportagen, Firmen- und Designerportraits, Interviews, Berichte,... Die Inhalte des Onlinemagazins stammen zum einen von den direkt Beteiligten des Projekts, zum anderen von Studierenden der Universität Bielefeld, Forschenden und Gastautoren.

Mit freundlicher Unterstützung der Hanns-Bisegger-Stiftung
Musical

Frühlings Erwachen (Spring Awakening)

Musical von Duncan Sheik (Musik) und Steven Sater (Buch und Songtexte)

Premiere: 18. Mai 2018, Stadttheater

Eine Produktion mit Musicalprofis und Jugendlichen aus der Region

»Mama, du kannst doch nicht annehmen, dass ich immer noch an den Storch glaube?« fragt die 16-jährige Wendla, aber sie bekommt keine zufriedenstellende Aufklärung von ihrer Mutter. 1891 erschien Frank Wedekinds Pubertätsschocker Frühlings Erwachen, zu einer Zeit, in der man in deutschen Kleinstädten nicht über das Making-of des Erwachsenwerdens sprach. Frank Wedekind erzählt von einer Clique von Jugendlichen, die mit dem Kopf durch die Wand wollen – und an den längst erstarrten Moralvorstellungen ihrer Eltern und Lehrer zerbrechen. Die Sehnsucht nach Freiheit wird greifbar als kollektiver Hilferuf einer ganzen Generation nach Akzeptanz.

Sexueller Missbrauch, psychische Überforderung, ungewollte Schwangerschaft und der Selbstmord von Schulversagern sind auch heute gesellschaftliche Realität. Duncan Sheik und sein Librettist Steven Sater modellieren die drastische Dramaturgie des provokativen Klassikers in ihrem 2006 am Broadway erschienenen Musical nach: Die Dialoge im Wedekind-Stil werden konterkariert durch einfühlsame Rocksongs, für die die Figuren teilweise aus ihrer Rolle heraustreten und zu dem werden, was sie eigentlich sind: Jugendliche von heute.

Die Neuproduktion des Theaters Bielefeld macht die Besonderheit des Sujets zum Prinzip und betreibt Nachwuchspflege im besten Sinne: Auf der Bühne werden junge Leute aus Bielefeld und Umgebung agieren, die mit Profidarstellern zu einem authentischen Ensemble verschmelzen.

Musikalische Leitung: William Ward Murta
Inszenierung: Christian Müller
Bühne und Kostüme: Zahava Rodrigo
Choreografie: Isabelle von Gatterburg
Theater

Weißes Gold

Anne Jelena Schulte // Im Rahmen von STOFF

Premiere: 25. Mai 2018, TAM DREI

Hunderttausende Kriegs- und Armutsflüchtlinge aus ganz Europa ließen sich locken vom Ruf des »Weißen Goldes«, wie man die Baumwolle in Argentinien nannte. In der Hoffnung auf ein besseres Leben setzten sie über, um fortan unter der subtropischen Sonne der Provinz Chaco Baumwolle zu kultivieren.

Die Autorin Anne Jelena Schulte hat den Chaco besucht, Familiengeschichten gesammelt und den Baumwollanbau im Zeichen der modernen Agrarindustrie dokumentiert. So hart das Leben für viele kleinere Bauen dort ist: Der Traum vom weißen Gold, das nicht nur Geld, sondern auch Frieden und Geborgenheit versprach, lebt fort.

Die Kulturstiftung des Bundes fördert im Fonds Doppelpass das gemeinsame Projekt Stoff des Theaters Bielefeld mit »recherchepool«.

TIPP: Das Projekt STOFF wird online von einem Magazin begleitet. Unter www.stoff-magazin.com gibt es Einblicke in die Recherchen und Beiträge zu verschiedenen Themen rund um Stoff, Textilien und Mode: Reportagen, Firmen- und Designerportraits, Interviews, Berichte, ... Die Inhalte des Onlinemagazins stammen zum einen von den direkt Beteiligten des Projekts, zum anderen von Studierenden der Universität Bielefeld, Forschenden und Gastautoren.

Inszenierung: Christian Schlüter
Ausstattung: Jürgen Höth
Dramaturgie: Anne Vogtmann
Theater

Jakob Lenz

Wolfgang Rihm

Premiere: 09. Juni 2018, Stadttheater

Kammeroper // Text von Michael Fröhling frei nach Georg Büchners Lenz
Altersempfehlung ab 14

Jakob Lenz irrt durchs Gebirge. Getrieben von inneren Stimmen stürzt er sich ins eisige Wasser. Um sich zu töten? Oder doch nur, um zu baden, wie er später gegenüber Pfarrer Oberlin behauptet?

1778 nahm der sozial engagierte Pfarrer Oberlin den Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz bei sich auf, Autor von Dramen wie Der Hofmeister oder Die Soldaten. Gemeinsam mit dem Philosophen Christoph Kaufmann hoffte Oberlin, Lenz’ Anfällen paranoider Schizophrenie etwas entgegensetzen zu können. Der zunehmende geistige Verfall des Sturm-und-Drang-Dichters, wie ihn Oberlin in seinen Notizen schilderte, inspirierte schon den jungen Georg Büchner zu seiner Novelle Lenz, die wiederum den erst 25-jährigen Wolfgang Rihm zu einer Kammeroper anregte.

Der unaufhaltsame Sog der seelisch-geistigen Verstörung und der musikalischen Ausdruckswucht zieht den Zuhörer direkt in die zerrüttete Psyche des Dichters. Zu den realen Figuren, Lenz, Oberlin und Kaufmann, gesellen sich sechs Stimmen – Projektionen des inneren Zustands von Lenz, seiner Ängste und Träume, aber auch Stimmen der Umwelt. Ununterscheidbar überlagern sich Wirklichkeit und Halluzination; Lenz’ psychisches Erleben verschmilzt mit dem ihn umgebenden Klang. Für Lenz gibt es keinen Ausweg aus seinem verstörenden Wahrnehmungsstrom, für ihn bleibt nur noch die Zwangsjacke. Seit der Uraufführung 1979 entwickelte sich Rihms jugendliches Meisterwerk zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Opern des 20. Jahrhunderts.

Musikalische Leitung: Gregor Rot
Inszenierung: Nadja Loschky
Bühne: Ulrich Leitner
Kostüme: Irina Spreckelmeyer
Dramaturgie: Anne Christine Oppermann
Theater

Es kommt der Tag

Carmen Priego. Monolog mit Musik

Uraufführung: 15. Juni 2018, TAM DREI

Ist ein Mädchen, das mit einem Jungen schläft, eine Hure? Wer hat das zu entscheiden? Wen geht es etwas an? Wer hat die Deutungshoheit über sie? Wie unter einem Brennglas beschreibt der dramatische Monolog der deutsch-spanischen Autorin und Schauspielerin Carmen Priego die inneren und äußeren Reaktionen eines Mädchens im Ringen um Selbstbestimmung und Respekt. Alban Hauser setzt in seinen melodiös bis geräuschhaften Kompositionen auf das große Klangspektrum des Bassethorns. Die Loopstation rhythmisiert und verwebt Text und Musik.

Komposition und Livemusik: Alban Hauser
Inszenierung: Nick Westbrock
Dramaturgie: Anne Christine Oppermann
Theaterpädagogik: Martina Breinlinger
Theater

past forward

Gerhard Bohner / Lali Ayguadé / Overhead Project / Simone Sandroni

Gerhard Bohner gilt als einer der Pioniere des zeitgenössischen Tanzes. In den 70er-Jahren, zur gleichen Zeit wie Pina Bausch und Johann Kresnik, begann er nach neuen choreografischen Ausdrucksformen fernab der Ballettästhetik zu suchen und die Grenzen des Tanzes auszuloten. Im Zentrum von past forward steht ein spätes Werk Bohners, das 1990 unter dem Titel Angst und Geometrie seine Premiere feierte. 28 Jahre später wagt sich TANZ Bielefeld an die Rekonstruktion des Stückes. Hinzu kommen die Arbeiten dreier zeitgenössischer Choreografen, die in einen schöpferischen Dialog mit Bohners Schaffen treten.

Individuell gehen Lali Ayguadé, das Choreo grafenduo Overhead Project und Simone Sandroni mit den Themen und Formen, die in Angst und Geometrie vorkommen, um: Mal greifen sie die strengen Bewegungsprinzipien auf, mal durchbrechen sie diese, mal setzen sie auf Reduktion und Klarheit, mal lassen sie die TänzerInnen ihre Ausdrucksmöglichkeiten spielerisch erforschen. Aus den unterschiedlichen Choreografiesprachen entsteht ein vielschichtiger Abend, der ein Stück Tanzgeschichte aufleben lässt und gleichzeitig Verbindungslinien zu den internationalen Strömungen im zeitgenössischen Tanz sichtbar macht.
Kinderprogramm

Orlando Paladino

Joseph Haydn
ab 12

Dramma eroicomico in drei Akten // Text von Nunziato Porta nach Carlo Francesco Badini

Welch großen Effekt in Baumrinden geschnitzte Herzchen und Liebesschwüre doch haben können! Als Ritter Orlando anhand der Schnitzereien erkennt, dass seine angebetete Angelica einen anderen liebt, verfällt er in rasende Eifersucht. Rachsüchtig verfolgt er das Liebespaar, seinerseits wiederum verfolgt von dem cholerischen Krieger Rodomonte. Eine wilde Hatz beginnt. Denn während Angelicas Geliebter Medoro einem Kampf nun ganz und gar nichts abgewinnen kann, wäre es für Rodomonte die Erfüllung eines lang gehegten Traums, sich endlich mit dem rasenden Orlando zu duellieren. Gut, dass Angelica auf die zauberkräftige Unterstützung der Fee Alcina zählen kann. Doch bei so tiefsitzendem Liebeswahnsinn muss selbst Alcina die Hilfe der Unterwelt in Anspruch nehmen, um Orlando wieder zur Besinnung zu bringen. Letztendlich steht aber der allgemeinen Erkenntnis nichts im Wege, dass, wer glücklich sein will, am besten nur den liebt, der ihn auch liebt. Sicher ist sicher!

Basierend auf dem fantastischen Ritterepos Orlando Furioso von Ludovico Ariosto nimmt Joseph Haydns 1782 uraufgeführter Orlando Paladino blinde Liebe wie pathetisches Heldentum liebevoll auf die Schippe. Edle wie hasenfüßige Ritter, reizende, aber wehrhafte Damen, grauenerregende Monster und allerlei Zauberei – mit frischer Melodik und parodistischem Sinn verbindet Haydn diese heroischen, komischen und empfindsamen Elemente zu einer unkonventionellen, romantischen Fantasy-Oper. Ein Feuerwerk an absurd-komischen Ideen und musikalischem Witz!

Musikalische Leitung: Merijn van Driesten
Inszenierung: Felicitas Brucker
Bühne: Marlene Lockemann
Kostüme: Viva Schudt
Dramaturgie: Anne Christine Oppermann

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Oper

Das Rheingold

Richard Wagner

Wotan hat bei den beiden Riesen Fasolt und Fafner eine neue Götterburg bestellt, ohne aber die Finanzierung dieses umfangreichen Bauauftrags sicherzustellen. Da erreicht die Kunde vom verschwundenen Rheingold Götter wie Riesen: Dem Nibelung Alberich ist es nicht nur gelungen, das begehrte Edelmetall vom Grund des Rheines zu stehlen, sondern auch einen Ring daraus zu schmieden, der ihm laut alter Weissagung Macht über die ganze Welt verleiht. Den Preis dafür – künftig auf Liebe und Lust zu verzichten – ist er nach erotischem Misserfolg bei den Rheintöchtern durchaus bereit zu zahlen. Quasi als Funktionstest für den Ring knechtet er erstmal die Nibelungen, die fortan für ihn im Bergwerk schuften und Gold abbauen müssen.

Was mit einem Planungsfehler begann, entpuppt sich als eine Art Ursünde, die fortan das Geschehen wie ein schlechtes Omen prägt. Wotan und sein windiger Berater Loge können Alberich das Gold nebst Ring zwar abjagen, doch quittiert der betrogene Nibelung dies mit einem Fluch, und der fordert alsbald gravierende Opfer.

Machtsysteme, die auf Lügengebäuden basieren, fördern Verhaltensweisen und Mechanismen zutage, die zugleich urmenschlich und zerstörerisch sind. Angesichts des aktuellen Zustandes der Welt nehmen wir uns die Freiheit, Wagners Rheingold einmal als in sich geschlossenen Kosmos isoliert zu betrachten. Nur wenige Opern des über Generationen gepflegten Repertoires weisen so zeitlose wie treffende Anknüpfungspunkte zu unserer Zeit auf wie Richard Wagners 1854 vollendeter »Vorabend« zum Ring des Nibelungen.

Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic
Inszenierung: Mizgin Bilmen
Bühne: Cleo Niemeyer
Kostüme: Alexander Djurkov Hotter
Kinderprogramm

Anne und Zef

Monique Krüs
ab 12

Oper in einem Akt von Monique Krüs. Libretto von Ad de Bont nach dem gleichnamigen Schauspiel.

Anne Frank trifft auf Zef Bunga. Das jüdische Mädchen, das sich in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nationalsozialisten versteckt hielt, und der Junge von heute, der gerade aus Blutrache erschossen wurde. Zwei viel zu früh beendete Leben treffen in einem surrealen Raum aufeinander, befragen sich, finden sich sympathisch, erzählen sich ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und was wirklich geschah. Die Kammeroper der niederländischen Komponistin und Sängerin Monique Krüs schöpft gewissermaßen die Kernkompetenz der Gattung Oper aus: Eine fiktive Situation zu schaffen, die für grausame Realität und süße Utopie Raum gibt und beides durch Musik emotional erlebbar macht.

Musikalische Leitung: Wilko Jordens
Inszenierung: Michael F. Britsch
Bühne und Kostüme: Sarah Knaus
Theater

Der Menschenfeind

Molière

Alceste kann nicht anders, er sagt, was er denkt. Das ist nicht ohne Tücke, lügen doch alle anderen ständig. Sei es aus Höflichkeit, Angst, Nachsicht, Dummheit, Unkenntnis oder Professionalität. Ein Herz, das keine Unterschiede kennt, ist Alceste zu groß, er will der sein, der er ist. Ein Freund für alle ist ihm kein Freund, deshalb verstößt er Philinte. Gegen Orante prozessiert er, weil er dessen Gedichte hasst. Einen Verteidiger lehnt er ab, da er sich auf die Wahrheit verlassen will. Dem Richter zu schmeicheln kommt ihm nicht in die Tüte. Ausgerechnet dieser radikale Idealist verliebt sich in Célimène. Die strahlende Salonlöwin, leichtfertige wie verführerische Königin des Gossip und Mittelpunkt der Gesellschaft, lästert über jeden und verscherzt es sich mit niemandem. Alceste sieht sich als ihr Retter und träumt von einem zurückgezogenen gemeinsamen Leben. Er macht den Beziehungsfehler Nummer eins: Er glaubt zu wissen, wie sie »wirklich« ist und will ihr helfen, sich zu ändern.

Worauf kommt es eigentlich an: auf Überzeugung oder Manieren? Und wann wird Meinung zum Vorurteil? Wann ist es besser, nicht laut zu denken? Ist Small Talk überflüssig oder überlebensnotwendig? In Zeiten eines beliebigen Umgangs mit Fakten scheint Molières Gesellschaftskomödie wie aus dem Diskurshimmel herabgefallen. Ihre schwebenden Wortduelle bringen dem verbissenen Ringen um Wahrheit in einer verlogenen Welt Leichtigkeit und Gedankenschärfe zurück.

Inszenierung: Mareike Mikat
Bühne und Kostüme: Simone Manthey
Kostüme: Anna Sörensen
Dramaturgie: Dariusch Yazdkhasti
Musical

John & Jen

Andrew Lippa & Tom Greenwald

Ein neues Musical - Musik von Andrew Lippa. Gesangstexte von Tom Greenwald. Buch von Andrew Lippa und Tom Greenwald. Deutsch von Timothy Roller.

Kaum jemandem ist man ungefragt so eng verbunden wie seiner Schwester oder seinem Bruder. Geschwisterbeziehungen haben zweifellos ihre eigene Dynamik: Im gemeinsamen Aufwachsen ist man gleichzeitig größter Konkurrent und engster Verbündeter, ein Sparringpartner für die zukünftigen Höhen und Tiefen des Lebens. Und wie verändert sich die Perspektive, wenn man später selbst die Elternrolle übernimmt? Auf witzige und bewegende Weise untersucht das Kammermusical familiäre Konstellationen und begleitet die Geschwister John und Jen auf ihrem Entwicklungsweg zu eigenständigen Personen.

Musikalische Leitung: William Ward Murta
Inszenierung: Nick Westbrock
Bühne und Kostüme: Mareen Biermann
Dramaturgie: Anne Christine Oppermann
Theater

Die Orestie

Aischylos

Die erste vollständig erhaltene Tragödien-Trilogie des Theaters handelt vom Ende eines Fluchs und beginnt mit einer ausweglosen Familientragödie. Auf Schuld folgt Vergeltung, aus Vergeltung wird weitere Schuld, so schreibt sich das Schicksal seit Generationen fort. Um Glück für den Trojanischen Krieg zu erflehen, hatte König Agamemnon die Tochter Iphigenie geopfert. Seine Frau Klytaimnestra kann die Tat nicht verwinden und tötet ihn nach seiner siegreichen Wiederkehr hinterrücks, um die Tochter zu rächen. Die Stadt stöhnt unter ihrer und ihres Geliebten Willkürherrschaft – bis der verschollene Sohn Orest zurückkehrt und beide erschlägt, um den Vater zu rächen. Fortan hetzt Orest atemlos durch das Land, verfolgt von den Erinnyen, den Rachegöttinnen, die Vergeltung für den Muttermord fordern: »Zahlen musst du, Schlag um Schlag, Mord um Mord, Recht um Recht, Schuld um Schuld«. Doch dann ereignet sich das Ungeheuerliche. Die kluge Göttin Athene schafft es, den Menschen vom Wahnsinn des wechselseitigen Mordens zu erlösen. Sie besänftigt die Erinnyen, ersetzt individuelle Rache durch eine geordnete Rechtsprechung und lehrt Menschen und Götter das Prinzip der Verzeihung.

In einer gesellschaftlichen Umbruchsituation beschreibt der Dichter Aischylos mit der Orestie die Hoffnung auf einen fundamentalen Wandel des europäischen Denkens von Blutschuld und Rache zu Vergebung. Und er beschreibt den Gründungsmythos der Demokratie.

Inszenierung: Tim Tonndorf
Inszenierung und Musik: Robert Hartmann
Bühne und Kostüme: Anna Bergemann
Dramaturgie: Anne Vogtmann
Theater

Heisenberg

Simon Stephens

Eine ungewöhnliche Begegnung. Er: ledig, Metzger, Musikliebhaber, Tagebuchschreiber, liebt Gewohnheiten und alles Planbare. Wann er das letzte Mal Sex hatte, lässt sich dagegen eher in Jahren als in Monaten ausdrücken. Sie: Killerin, nein, Kellnerin, nein, Sekretärin ... ist schwer einzuordnen, weil sie wie ein Wasserfall redet, aber selten die Wahrheit sagt. Ihre Lebensgeschichte von der kinderlosen Witwe jedenfalls ist erstunken und erlogen, die von der Mutter eines verlorenen Sohns, der 19-jährig in die USA ausgewandert ist, könnte schon eher stimmen. Aber genau weiß man das bei dieser Frau nie. Georgie Burns ist unberechenbar, überschwänglich und von entwaffnender Unverschämtheit, Alex Priest introvertiert und nüchtern. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein, was sie verbindet, ist ihre Einsamkeit.

Simon Stephens mag Überraschungen und sein neuestes Stück ist voll davon. Ausgehend von Werner Heisenbergs Unschärferelation erzählt er eine Liebesgeschichte, die durch ihre unerwarteten Wendungen alle Kategorien über den Haufen wirft. Irrationale Handlungen erscheinen plötzlich vernünftig, gesicherte Tatsachen ungültig, moralische Urteile obsolet. Nachdem alle Züge Richtung goldene Zukunft abgefahren sind, ist Platz für Großzügigkeit und eine zärtliche, unmögliche Liebesgeschichte: »Ob das wohl das Seltsamste ist, was Menschen je in der Geschichte der Welt angestellt haben?«

Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne und Kostüme: Anna Bergemann
Dramaturgie: Katrin Enders
Theater

Chiffren

Dawn King

Justine sucht einen neuen Job. Bewerbungen unter Chiffre ... Das könnte der Anfang gewesen sein. »Man wird Ihnen eine Menge persönliche Fragen stellen, über Ihre Vergangenheit, Ihre Karriere, politische Ansichten, Sexualität, Drogen und Alkoholkonsum.« Justine hat kein Problem damit. Ihr Leben war bisher eher langweilig. Der Geheimdienst bietet ihr ungeahnte Möglichkeiten, denn die Welt steckt voller geheimer Zeichen. Ein scheinbar harmloses Telefongespräch über falsches Essen in einem Chicken-House kann sich als Verabredung von Terroristen herausstellen. Informanten müssen gewonnen werden, notfalls mittels Erpressung. Verschlüsselte Berichte, in Coladosen unter Parkbänken deponiert, erreichen so verabredungsgemäß ihren Adressaten. Doch spätestens als Justine in der Galerie ihrer Schwester Kerry den verheirateten Künstler Kai kennenlernt, wird auch ihr Privatleben zum Tarnungssystem. Sie treffen sich heimlich in Bars, in die ihre Freunde nicht gehen und checken unter falschem Namen im Hotel ein, um unerkannt eine Nacht miteinander zu verbringen. Dass Justine sich über ihren Beruf in Schweigen hüllt, verleiht ihr den Reiz des Geheimnisvollen. Als sich Kai von seiner Frau trennen will und Justines Arbeitgeberin die Beendigung der Affäre verlangt, scheint das System zu kollabieren.

Die preisgekrönte Autorin Dawn King hat mit Chiffren ein Verwirrspiel von atemberaubender Komplexität geschaffen, das weit mehr ist als eine simple Spionagegeschichte – berührt es doch den Kern dessen, was wir Identität und Wahrheit nennen.

Inszenierung: Bernhard Mikeska
Bühne: Steffi Wurster
Kostüme: Hannah Petersen
Sounddesign: Tobias Vethake
Theater

Väter und Söhne

Iwan Turgenjew

Flirrende Hitze im Mai: Auf seinem Landgut sieht Nikolaj mit gespannter Erwartung der Ankunft seines Sohnes Arkadij entgegen, der in Petersburg sein Examen bestanden hat. Was Arkadij nicht weiß – Nikolaj ist nochmal Vater geworden. Das zwanzig Jahre jüngere Dienstmädchen Fenitschka wohnt nun im Herrenhaus. Schließlich ist Nikolaj nicht nur verliebt, sondern auch liberal. Als Arkadij eintrifft, bringt er seinen Freund Bazarow mit. Sie beide seien Nihilisten, erklärt er stolz. Und schon ist die schönste Diskussion im Gange über phrasendreschende Nichtstuer, das Nützlichkeitsprinzip, Kulturfeindlichkeit, den korrupten Staat, überkommene Vorstellungen und den Fortschritt. Einen Monat später: Anna, eine junge Witwe, ist mit ihrer jüngeren Schwester Katja zu Besuch. Wieder wird diskutiert, über die Liebe diesmal. Bazarow glaubt nicht an sie, Anna möchte das mit ihr verbundene Risiko nicht eingehen. Unterdessen ist es August geworden: Nikolajs Landgut soll mit Annas Hilfe reformiert werden. Bazarow zieht es nach einem Besuch bei seinen Eltern aufs väterliche Landgut des Freundes zurück, doch die Lebensansichten beider Nihilisten sind längst nicht mehr dieselben. Abschied ist angesagt – wie sich herausstellen wird, für immer. Oktober: Mit der Doppelhochzeit von Nikolaj mit Fenitschka und Arkadij mit Katja bahnen sich die nächsten Konflikte an. Anna bleibt allein, denn die leidenschaftlichste Liebe ist immer die abwesende.

Brian Friels Dramatisierung von Turgenjews Roman ist ein lebenspralles Panorama über einen Generationenkonflikt von zeitloser Gültigkeit – voller Wildheit, Wehmut und Humor.

Inszenierung: Michael Heicks
Bühne: Michael Heicks
Kostüme: Franziska Gebhardt
Musik: Vivan Bhatti
Dramaturgie: Anne Vogtmann
Theater

Michael Kohlhaas

Heinrich von Kleist

Michael Kohlhaas habe, schreibt Kleist, »bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers gelten können«. Und weiter: »Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder.« Was muss Ungeheuerliches passieren, dass sich ein Mensch so wandelt? Bei jenem Kohlhaas beginnt alles völlig unspektakulär. Er will zwei seiner Pferde verkaufen, als er an einer Zollschranke – auf Geheiß des neuen Burgherrn Wenzel von Tronka – plötzlich einen Passierschein vorweisen soll und angewiesen wird, die Pferde als Pfand zurückzulassen und sich die nötigen Papiere zu besorgen. Die zuständige Behörde weiß allerdings nichts von einer neuen Verordnung, und so tritt Kohlhaas, mit dem deutlichen Gefühl, hereingelegt worden zu sein, den Rückweg zur Tronkenburg an, wo er seine Pferde in einem erbärmlichen Zustand vorfindet.

Voller Empörung lässt er sie erneut zurück und strengt eine Klage an. Diese wird abgewiesen, da Wenzel von Tronkas Verwandtschaft bis in Regierungskreise reicht. Aber Kohlhaas gibt nicht nach. Er verfasst eine Bittschrift an den Landesherrn, die seine Frau persönlich überbringen will. Als sie jedoch schwer verletzt von der Reise zurückkommt und wenig später an den Folgen stirbt, sind alle Dämme gebrochen. Kohlhaas veräußert seinen Besitz und schart eine bewaffnete Truppe um sich, die brandschatzend und mordend durchs Land zieht. Er will Gerechtigkeit – um jeden Preis.

Kleists vor 200 Jahren entstandene Novelle mit ihrer explosiven Gemengelage aus tief erfahrenem Unrecht, Verzweiflung, ohnmächtiger Wut, Gewaltbereitschaft und Fanatismus ist von herausfordernder Aktualität.
Show

Die große Rocko Schamoni Show

2017 ist das Jahr der Menschheit.

Und was gäbe es Zwingenderes für den King, als sich ganz diesem Thema zu widmen? In seinen Texten, in seinen Songs, auf der Bühne und im Publikum: überall wuselt es von Menschen. Überhaupt – die Texte: Rocko Schamoni liest aus einem Buch, das es noch nicht gibt: Dummheit als Weg. Eine kleine Enzyklopädie der menschlichen Dummheit, ein Attestieren des Unvermögens an sich selbst und an allen anderen auch gleich noch. Anhand von vielen Beispielen, Geschichten und Dialogen wird diagnostiziert und endgültig bewiesen: Der Mensch ist alles Mögliche, aber in erster Linie dumm und an dieser allumfassenden Dummheit wird die Welt zu Grunde gehen. Das Buch zur Lesung wird während der Tour laufend weiter geschrieben – so das Publikum denn Anlass dazu bietet.

Dann die Musik: ein Skypekonzert mit dem Orchester Mirage, das in Hamburg sitzt und via ISDN per Kabel mit dem King verbunden ist. Und ein Musiker auf der Bühne der gleichzeitig Schlagzeug und Gitarre spielt und dazu singt: Tex Matthias Strzoda. Große vergessene Songs wunderbarer zum Teil ebenfalls vergessener Künstler werden zum Leben erweckt. Und eigene Songs werden dem Publikum zum direkten Vergessen übergeben.

King Rocko Schamoni arbeitet für Theater, Film und Fernsehen, tourt regelmäßig durch die Republik und besitzt eine eingeschworene Fangemeinde als Musiker, Autor, Humorist, Schauspieler und so weiter. 1988 erschien seine erste LP Vision. Es folgte ein Plattenvertrag bei einer großen Firma und diverse weitere Tonträger-Veröffentlichungen.1989 gründeten Rocko Schamoni, Schorsch Kamerun und Kaiser Walter im Hamburger den »Pudel Klub«. Nach seinem Roman-Debüt Risiko des Ruhms folgte 2004 sein langanhaltender Bestseller Dorfpunks sowie weitere Bücher. Mit Jacques Palminger und Heinz Strunk hat Rocko Schamoni mehrere Studio-Braun-Theaterstücke inszeniert, unter anderem Dorfpunks und Fleisch ist mein Gemüse. Im November 2012 kam der Studio-Braun-Film Fraktus in die Kinos. Mit Helge Schneider drehte er 2012 den Film 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse. 2015 erschien sein Orchester-Album Die Vergessenen und 3 Farben Braun – Das Studio-Braun-Buch.
Theater

Die Kommune

Thomas Vinterberg

reiheit, Gleichheit, Basisdemokratie! Am Ende von aufwändigen Bewerbungsgesprächen gibt es sie: Die Kommune. Neun zauberhafte, nackte, tolerante, sexwillige, kluge und politisch aktive Menschen. Gelebte Utopie! Doch der Traum vom idealen Leben lässt sich nicht so leicht realisieren, weil es eben Menschen sind, die dieses Leben leben. Und weil Erik, Gründungsmitglied der Kommune und langjähriger Lebensgefährte von Anna, sich irgendwann in die zwanzig Jahre jüngere Emma verliebt. Sie soll einziehen. Kann das gut gehen?

Der Regisseur und Autor Thomas Vinterberg wuchs selbst in einer Kommune auf. Sein Stück beschreibt die Abgründe einer Gemeinschaft und ist gleichzeitig eine große Liebeserklärung an eine Zeit, in der die Menschen dem Wagnis größtmöglicher Freiheit auf der Spur waren.

Inszenierung: Michael Heicks
Bühne und Kostüme: Timo Dentler, Okarina Peter
Dramaturgie: Katrin Enders
Theater

Ellbogen

Fatma Aydemir

Romanadaption

Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Sie fiebert ihrem 18. Geburtstag entgegen und hofft, dass ihr Leben bald endlich richtig losgeht. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen und sich ihr keine einzige befriedigende Lebensperspektive zu eröffnen scheint. Tagsüber sitzt sie in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme und schreibt aussichtslose Bewerbungen am Fließband. Nachmittags absolviert sie den Praxisteil in der Bäckerei ihres Onkels für 3,50 Euro die Stunde. Abends trifft sie ihre besten Freundinnen, sie takeln sich auf und ziehen um die Häuser. Hazal glaubt weder ihren Eltern, noch dem Gequatsche ihrer Lehrer. Am wenigsten aber glaubt sie an sich selbst. Doch so kann das nicht weitergehen. Hazal will kein »Opfer« mehr sein. Und dann passiert es, an ihrem 18. Geburtstag, mitten in der Nacht, in einer U-Bahn Station, einfach so wird sie zum Täter. Und bereut nichts.

Mit Ellbogen legt die 1986 in Karlsruhe geborene Fatma Aydemir ein fulminantes Romandebüt über ein junges Mädchen hin, das ihren Platz auf der Welt sucht und dabei auf die schiefe Bahn gerät. Eine transkulturelle Coming-of-Age-Geschichte.

Inszenierung: Dariusch Yazdkhasti
Bühne und Kostüme: Okarina Peter, Timo Dentler
Dramaturgie: Viktoria Göke
Theater

Arsen und Spitzenhäubchen

Joseph Kesselring

Abby und Martha Brewster sind mit Abstand die liebenswertesten Damen, die im rauen Stadtteil Brooklyn zu finden sind. Dessen ist sich ihr Neffe Mortimer sicher. Jedermann steht die Tür ihrer großen Villa offen, immerzu werden Köstlichkeiten serviert und für jedes Problem haben die Schwestern ein offenes Ohr. Selbstverständlich eilt Mortimer also zu ihnen, nachdem er seiner Liebsten einen Heiratsantrag gemacht hat. Die Tanten sind außer sich vor Freude. Selbst Teddy, Mortimers geisteskranker Bruder, der sich für Präsident Roosevelt hält, unterbricht für einen Moment die Ausgrabung seines Panamakanals im Keller. Doch dann entdeckt Mortimer eine Leiche und seine heile Welt gerät ins Wanken. Seine Tanten – Mörderinnen? Sein verrückter Bruder – der Totengräber? Schlimmer noch, die Schwestern versuchen nicht einmal, ihre Tat zu verbergen. Stolz erzählen sie von ihrem Hobby, einsame ältere Herren von ihrer irdischen Malaise zu befreien und von Teddy im Keller begraben zu lassen. Der zwölfte ist es heute! Hurra! Mortimer hat alle Hände voll zu tun, die Tanten vom nächsten Opfer und die Polizei von den Tanten fern zu halten. Doch die Familie wäre nicht vollständig, stünde nicht plötzlich der steckbrieflich gesuchte Bruder Jonathan vor der Tür. Im Gepäck führt er, natürlich, eine Leiche. Bald gerät Mortimer selbst ins Fadenkreuz des familiären Irrsinns.

Kesselrings morbide und hochnotkomische Kriminalgroteske über die Abgründe des kleinen Bürgers feierte 1941 am Broadway Premiere und wurde zum Kassenschlager; drei Jahre später trug der gleichnamige Film mit Cary Grant als Mortimer endgültig zur Unsterblichkeit der Komödie bei.

Inszenierung: Henner Kallmeyer
Bühne und Kostüme: Franziska Gebhardt
Dramaturgie: Viktoria Göke
Theater

Paare. Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit

Johann Buchholz

ab 14

»Als ich vor Jahren den Keller meiner Berliner Mietwohnung ausräumte, fand ich einen Karton mit Unterlagen eines Therapeuten, der dort früher gelebt hatte. Auf einer Patientenakte stand: ›Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit‹. Es war die Akte eines Paares. […] Wenn Filme oder Märchen mit der Hochzeit enden, denke ich: Da beginnt das Dilemma doch erst! Die Therapie ist für mich die Konzentration dieser Verrücktheit.«
Johann Buchholz

Der Filmregisseur Johann Buchholz hat diese und weitere (fiktive) Akten zu szenischen Miniaturen verarbeitet. Unterschiedliche Regisseure nehmen sich jeweils eine Szene vor, fast das gesamte Schauspielensemble ist dabei. Es entsteht ein Reigen schneller Beziehungsminiaturen, die Liebe als dauerhaften Irrsinn zeigen und als dringend therapiebedürftig! Zwei Menschen, eine Couch, drei Minuten. Das Publikum schlüpft in die Rolle des Therapeuten und muss dabei vor allem eines können: zuhören. Mit atemberaubender Geschwindigkeit jagen wir in das Herz der deutschen Gefühlsgegenwart. Denn die Zeiten, in denen unglückliche Dauersingles von einer Affäre in die nächste stolperten, sind vorbei. Wir wollen zusammenbleiben!

Inszenierung: Michael Heicks, Henner Kallmeyer, Mareike Mikat, Christian Schlüter, Dariusch Yazdkhasti
Bühne: Michael Heicks
Kostüme: Franziska Gebhardt
Dramaturgie: Dariusch Yazdkhast
Theater

#Heldinnen

Henrike Iglesias

Jessica Jones, Malala Yousafzai, Sophie Scholl, Oma Sigrid, Katniss Everdeen, Tuğçe Albayrak, oder doch eher Jeanne d’Arc? Wer sind unsere Heldinnen und was wollen wir von ihnen? Haben wir selbst Heldinnen-Potential? Müssen wir dann ein Cape tragen oder wird es auch ohne gehen?
Die Performerinnen von »Henrike Iglesias« treffen auf Schauspielerinnen des Theaters Bielefeld. In einem 6-wöchigen Laboraufenthalt werden sie miteinander probieren, voneinander lernen und gemeinsam eine Performance entwickeln, die knallt und hoffentlich auch ein bisschen wehtut. Im Zentrum stehen dabei Heldinnen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Frauenbilder und Heldentaten kommen auf den Prüfstand.

Henrike Iglesias ist ein Berliner Autorinnen-/Performerinnenkollektiv und wurde 2012 von Anna Fries, Laura Naumann, Marielle Schavan und Sophia Schroth in Hildesheim gegründet. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich von Pop bis Politik, über Persönliches zurück zum Populären.

Inszenierung: Laura Naumann, Marielle Schavan, Sophia Schroth
Bühne und Kostüme: Mascha Mihoa Bischoff
Dramaturgie: Franziska Betz
Aufführungen Theater Münster Münster, Neubrückenstraße 63
Aufführungen / Aufführung Theater Osnabrück Osnabrück, Domhof 10/11
Aufführungen / Konzert Westfälische Kammerphilharmonie Gütersloh, Kurfürstenstraße 7
Leitung: Malte Steinsiek
Aufführungen / Aufführung Theaterlabor Bielefeld, Hermann-Kleinewächter-Str. 4