Das Museum Folkwang
Das 1902 von Karl Ernst Osthaus in Hagen gegründete Museum Folkwang ist das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Europa. Nach der Verlegung seiner wichtigsten Bestände von Hagen nach Essen im Jahre 1922 konnte es seine Sammlungstätigkeit auf höchstem Niveau fortsetzen, so dass es heute zu den bekanntesten Museen der klassischen Moderne zählt. Das Museum verdankt seinen Ruf den herausragenden Sammlungen zur deutschen und französischen Malerei des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne sowie der Kunst nach 1945. Bedeutend sind auch die Bestände der Grafischen Sammlung sowie die 1978 gegründete Fotografische Sammlung, die heute zu den angesehensten ihrer Art in Europa zählt. Dem Museum Folkwang organisatorisch angegliedert ist das Deutsche Plakat Museum, das mit über 350.000 Plakaten zu den größten Sammlungen in Europa gehört. Neben den großen Publikumsausstellungen, die international Aufsehen erregen, konzentriert sich die Aktivität des Museums heute vor allem auf die Kunst der Gegenwart.
Neubau Museum Folkwang
Im August 2006 gab Prof. Dr. h.c. mult. Berthold Beitz, Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, bekannt, dass die Stiftung als alleinige Förderin die Mittel für den Neubau des Museum Folkwang zur Verfügung stellt.
Die Krupp-Stiftung setzt mit dieser Entscheidung die über Jahrzehnte gewährte großzügige Unterstützung in einzigartiger Weise fort.
Aus einem von der Stadt Essen ausgelobten internationalen Architekturwettbewerb ging im März 2007 David Chipperfield Architects als Sieger hervor. Das Gebäude wird von der Neubau Museum Folkwang Essen GmbH, einem Unternehmen der Wolff Group, errichtet und 2010, wenn Essen und das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas sind, eingeweiht.
Der Neubau von David Chipperfield Architects ergänzt den denkmalgeschützten Altbau des Museum Folkwang, bewahrt dessen Autonomie und setzt sein architektonisches Prinzip mit einem Ensemble von sechs Baukörpern und vier Innenhöfen, Gärten und Wandelhallen fort. Die öffentlich zugänglichen Bereiche schließen sich auf einer Ebene ohne Niveauunterschiede den bestehenden Ausstellungsräumen an. Eine großzügige Freitreppe führt von der Bismarckstraße in den neuen Eingangsbereich, der als offener Innenhof mit Café und Restaurant sowie einer Museumsbuchhandlung konzipiert ist und durch eine Glasfassade zur Straße hin geschützt ist. Das neue Museum Folkwang bietet eine abwechslungsreiche Raumfolge mit viel natürlichem Licht für die Ausstellungsbereiche, sowie Bibliothek und Lesesaal, Multifunktionssaal für Vorträge und Veranstaltungen, Depots und Restaurierungswerkstätten. Der Neubau orientiert sich zur Essener Innenstadt und bildet im Zusammenspiel mit dem benachbarten Kulturwissenschaftlichen Institut einen neuen städtebaulichen Akzent.
Ausstellungen
Hacking the City
Interventionen in urbanen und kommunikativen Räumen
Sa, 17.7.2010 - So, 26.9.2010
Das Museum Folkwang beteiligt sich an der mehrteiligen Ausstellung Mapping the Region der RuhrKunstMuseen mit dem Projekt Hacking the City.
Hacking the City ist ein experimentelles Ausstellungsprojekt des Museum Folkwang für den öffentlichen Raum in der Stadt Essen. Eingeladen werden Bildende Künstler, Kommunikationsguerilleros, Web-Designer, Street-Artisten und Musiker, um auf die veränderten Strukturen von Öffentlichkeit, Mobilität und Kommunikation in der Stadt zu reagieren. Dabei gelten nicht nur die städtischen (Außen-)Räume als Aktions- und Handlungsorte, sondern ebenso die des World Wide Web und die der darin agierenden sozialen Gemeinschaften.
Wie werden Formen öffentlichen Handelns, demokratischer Kultur und Praktiken des Widerstandes künstlerisch artikuliert? Wer „hackt“ eigentlich heute „wen“?
Der aus der Computerpraxis stammende Begriff des „Hacking“ wird dabei hinsichtlich seiner übertragbaren Facetten als „kulturelles Hacking“ und Kunst des strategischen Handelns verstanden.
Hierzu gehören Strategien des „Adbusting“ ebenso wie die des „Fakes“, des Hinzufügens und Entfernens, der Irritation und Störung, Formen der Performance, verdeckte Ermittlungen und versteckte Aktionen.
Während in den 1990er Jahren zahlreiche erfolgreiche Hacker-Attacken die Verletzbarkeit ökonomischer und politischer Strukturen des Netzes und ihren Einfluss auf die Gesellschaft in den Vordergrund rückten, formiert sich heute ein zunehmender Diskurs über Sichtbarkeits- und Unsichtbarkeits-, Ankündigungs- und Verweigerungsstrategien. Hacking the City ist daher nicht zuletzt auch eine Geschichte über das Scheitern am und im öffentlichen Raum.
Kuratorin: Sabine Maria Schmidt, Museum Folkwang
www.hackingthecity.org
A Star Is Born.
Fotografie und Rock seit Elvis
Fr, 2.7.2010 - So, 10.10.2010
Die Fotografische Sammlung des Museum Folkwang zeigt von Juli bis Oktober 2010 unter dem Titel A Star Is Born. Fotografie und Rock seit Elvis eine große Sonderausstellung mit rund 300 Ausstellungsobjekten, darunter Fotografien, Plattencovern, Zeitschriften und Autogrammkarten aus einem Zeitraum von rund 60 Jahren.
Gezeigt werden Werke von Ron Galella, Annie Leibovitz, Mark Seliger, Richard Avedon, Daniel Kramer, Mick Rock, Jerry Schatzberg u.a., die an der Mythenbildung von internationalen Stars wie Elvis Presley, Little Richard, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Frank Zappa, David Bowie oder Bands wie den Rolling Stones und den Beatles bis hin zu den White Stripes und Coldplay entscheidend Anteil haben. Stars auf beiden Seiten der Kamera prägen das Bild der Rockmusik. Glamour-Porträts, journalistische Dokumente von Live-Auftritten, PR -Material aus den Studios der Plattenfirmen, wie auch Fotografien, die den Kult um Instrumente und Soundtechniken belegen, vervollständigen die erste große Ausstellung zu diesem Thema in Deutschland.
Die Ausstellung bietet an drei Stationen die Möglichkeit die Musik im thematischen Kontext zu hören. Der Audioguide zur Ausstellung enthält eine Text / Musik-Collage mit Interviews, Statements und weiteren Musikstücken.
Fernsehbilder und Videoaufnahmen der Stars ergänzen in einem eigenen Raum und auf verschiedenen Screens das vielfältige Material der Ausstellung.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch mit vielen überraschend neuen Bildern (dt./engl., 335 S., 30 Euro im Museum Folkwang) in der Edition Folkwang/Steidl.
Der Audioguide enthält eine Text / Musik-Collage mit Interviews, Statements und Musikstücken: kostenfrei am Empfangscounter im Foyer erhältlich.
Das im Entschwinden erfaßte
Videokunst im Museum Folkwang
Sa, 5.6.2010 - So, 1.8.2010
Die Auswahl der Werke der Ausstellung geht auf die Anfänge der Videokunst in der Sammlung Folkwang zurück. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde erstmals und einzigartig ein Videostudio in einem Museum eingerichtet, in dem junge Künstler direkt produzieren konnten. Zudem fanden seit den 1970er Jahren verschiedene Ausstellungen und Videofestivals statt. Mit regelmäßigen thematischen Screenings unter dem Titel Video Folkwang werden auch seit diesem Jahr wieder regelmäßig junge Videoproduktionen vorgestellt.
Die Aufarbeitung dieses Sammlungsbestandes ist ein längerfristiges Projekt. Hierzu gehören nicht nur die Digitalisierung und Restaurierung zahlreicher U-matic-Bänder und anderer Abspielformate, sondern ebenso die Konservierung und Beschaffung älterer Abspielgeräte. Nicht zuletzt spiegelt die Ausstellung unsere jüngere Mediengeschichte wider, die sich seit den letzten vier Jahrzehnten rasant und unabewendbar verändert.
In der hiesigen Ausstellung werden mehrere Arbeiten gezeigt, die im Videostudio Folkwang produziert wurden, so von Ulrike Rosenbach Frauenkultur - Kontaktversuch von 1977. Erstmals seit 1981 ist die Installation 100 Intellektuelle beten einen Öltank an von Marcel Odenbach zu sehen, die damals entstand. Neben Klassikern der Videokunst (Nam June Paik, Klaus vom Bruch und Jean-Francois Guiton) werden Neuerwerbungen von aktuellen Künstlern wie Deimantas Narkevicius, Kimsooja, Michal Rovner, Jana Sterbak und Gästen wie Romeo Grünfelder oder Patrick Borchers zu entdecken sein. Der poetische Titel und das Thema der Ausstellung umfassen die verschiedenen Facetten des Mediums, dessen Bilder zeitlich und flüchtig sind und dessen museale Bewahrung eine Herausforderung ist. Das Moment des „Entschwindens“ ist zugleich Metapher und Leitmotiv der Videoarbeiten.
Die Digitalisierung der Sammlung wird gefördert mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen. Für die nähere Zukunft ist eine Publikation zur Videosammlung ebenso geplant wie weitere Sammlungspräsentationen.
Um auch zukünftig Videokunst auf "alten Geräten" zeigen zu können, sucht das Museum Folkwang derzeit hochwertige und voll funktionsfähige Röhrenfernseher. Wer spenden möchte, wende sich bitte ab dem 24. Mai 2010 an die Kuratorin Sabine Maria Schmidt unter der e-mail Adresse:
sabine.maria.schmidt@museum-folkwang.essen.de.
Bild: Jean-François Guiton
Die Fußnote, 1985, DVD, Farbe, Ton, 5:00 Min. © Jean-François Guiton
Wolf Kahlen. VideoTapes 1969–2010
Sa, 5.6.2010 - So, 1.8.2010
Wolf Kahlen gehört zu den „wiederentdeckten“ Pionieren der Videokunst. Mit dieser Ausstellung, die in Berlin, Essen, Karlsruhe und Warschau gastiert, wird der 1940 in Aachen geborene Künstler erstmals umfassend präsentiert. Der Begriff „wiederentdeckt“ relativiert sich schnell vor dem Hintergrund seines kontinuierlichen Schaffens. Bereits 1969 entstand Kahlens erste Fernsehskulptur, sein konzeptuelles Frühwerk aus den 70er Jahren thematisiert ein grenzüberschreitendes Medienverständnis. In vielen Werken bearbeitet Kahlen direkt das Fernsehgerät und schafft „bandlose“, häufig materiell fragile Skulpturen. In den 80er Jahren reiste Kahlen mehrfach in den Himalaya und nach Ostasien, wo vor allem in Tibet und der Mongolei zahlreiche dokumentarische Filme entstanden sind. Diese sind heute nicht nur von künstlerischem, sondern ebenso hohem ethnologischen Wert.
1985 gründete der Medienbildhauer die „Ruine der Künste“ in Berlin, 2005 das eigene Künstlermuseum „Wolf Kahlen Museum- Intermedia Arts Museum“ in Bernau bei Berlin.
Die Retrospektive des in Berlin ansässigen Videokünstlers ist als zweiteilige„Einraum-Ausstellung“ konzipiert, in der das gesamte Werk als „video on demand“ abrufbar ist. In einem Raum erlebt der Betrachter das Werk über großformatige Projektionen, zusätzlich kann er via Computer das eigene Sichtungsverhalten bestimmen.
Flankierend zu den Videofilmen werden drei bedeutende Videoskulpturen des Berliner Künstlers vorgestellt, die eine Schnittstelle zur parallel verlaufenden Ausstellung „Das im Entschwinden Erfasste“ bilden.
Die Arbeit „S.C.H.A.F.E.“ für sechs Monitore aus dem Jahre 1975 wurde im Rahmen der Ausstellung „Record > Again. 40jahrevideokunst.de – Teil 2“ restauriert und digitalisiert. Sie wurde 1976 zum letzten Mal öffentlich aufgeführt.
Die Videoskulptur „Platon’s Höhle“ aus dem Jahr 1999 besteht aus vier Monitoren, die aus unterschiedlichen Jahrzehnten stammen und ineinander verschachtelt sind. Nicht identifizierbare, bewegte Schatten fliehen über die Glasscheiben und werfen einen halbkreisförmigen Lichtbogen.
„Chörten Digital“ ist eine Videoskulptur über den buddhistischen Ritus des Umkreisens tibetischer Tempel.
Zur Ausstellung erscheint die umfassende Publikation „Wolf Kahlen. VideoTapes 1969 – 2010“, hrsg. von Wolf Kahlen unter Mitwirkung zahlreicher Autoren, 487 S. mit zahlreichen Abb., Edition Ruine der Künste Berlin.
Bild: Wolf Kahlen: Chörten Digital, 2005
Videoprojektion auf Röhrenmonitore, ohne Ton, 60 Min.
© Wolf Kahlen, Berlin
Sammlung Museum Folkwang
Das Museum Folkwang verdankt seinen Ruf den herausragenden Sammlungen zur Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne sowie der Kunst nach 1945 und der Fotografie. Der Schwerpunkt der bedeutenden Bestände liegt auf der deutschen und französischen Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Wegbereiter der Moderne sind durch herausragende Bilder von Cézanne, Gauguin und van Gogh vertreten, aber auch die deutsche Romantik (C. D. Friedrich, Carus) sowie Courbet, Daumier, Manet und Renoir sind mit Meisterwerken präsent. Die zahlreichen Werke der deutschen Expressionisten und des Blauen Reiters sind von einzigartiger Qualität. Aus den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sind vor allem die großformatige amerikanische Farbfeldmalerei (Newman, Rothko, Reinhard, Stella) und das deutsche Informel (Nay, Schumacher, Thieler) zu nennen.
Neben der Malerei und der umfangreichen Grafischen Sammlung wurde 1978 als weiterer bedeutender Sammlungsbestand die Fotografische Sammlung eingerichtet, die seitdem als eigene Abteilung des Museums existiert. Die Sammlung der Malerei und Skulptur umfasst heute ca. 550 Bilder und 250 Plastiken, die Grafische Sammlung ca. 12.000 Arbeiten auf Papier, die Fotografische Sammlung über 50.000 Fotografien und mehrere Künstlernachlässe.
Eine Besonderheit der Sammlung ist der große, etwa 1300 Objekte umfassende Bestand an antiker und außereuropäischer Kunst und an europäischem und außereuropäischem Kunstgewerbe von 4.000 v. Chr. bis ins 19. Jahrhundert. Hier liegt ein noch ungehobener Schatz, der bislang nur in kleinen Ausschnitten präsentiert werden konnte.
Dem Museum Folkwang organisatorisch angegliedert ist das Deutsche Plakat Museum, das mit ca. 340.000 Plakaten die größte Sammlung ihrer Art in Europa darstellt. Sie dokumentiert die Entwicklung des deutschen Plakates im europäischen Kontext. Das Deutsche Plakat Museum wird im bis 2010 fertig gestellten Neubau räumlich dem Museum Folkwang zusammengeführt.
Regelmäßige Veranstaltungen im Museum Folkwang
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Telefon: +49 201 8845 444
Fax: +49 201 8845 330
E-Mail:
info@museum-folkwang.essen.de
Öffnungszeiten Sammlung:
Di bis So 10 bis 18 Uhr
Fr bis 22.30 Uhr
Mo geschlossen
Öffnungszeiten Sonderausstellungen:
Di bis So 10 bis 20 Uhr
Fr bis 24.00 Uhr
Mo geschlossen