MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik

Fr, 19.3.2010 - So, 28.3.2010

UTOPIE [VERLOREN]
ORCHESTERKONZERTE · KAMMERMUSIK
MUSIKTHEATER · PERFORMANCE · INTERMEDIA
SONIC ARTS LOUNGE


Utopie: der Nicht-Ort und der gute Ort. Die Gegenwart scheint in hohem Maß von Mutlosigkeit geprägt. Reaktion dominiert über Aktion, blanker Pragmatismus und Krisenmanagement über Vision und Perspektive. Im Westen wird allenthalben das Ende der Ideologien ausgerufen. Das Reden über Utopie und Ideale wird fast zum Tabu. Und doch nährt umgekehrt der Verlust an Utopie die Sehnsucht nach Orientierung und Veränderung. Kunst kann, indem sie uns mit uns selbst konfrontiert, ein Labor der Überschreitung, des neuen Denkens, der Kreation jenseits des Bekannten sein. Kunst ermöglicht die Erfahrung des Erhabenen, der Ahnung des Anderen, des Noch Nicht, des Nicht Mehr, des Unfassbaren. Vor allem Musik mit ihrem Anspruch auf Autonomie und Abstraktion hat das Potential, den Keim der Utopie zu wahren und aufgehen zu lassen.

Unter dem dialektischen Motto Utopie [verloren] untersucht die neunte Ausgabe von MaerzMusik mit exemplarischen Werken, zahlreichen Uraufführungen und Neuproduktionen Musik als Ort utopischen Denkens und utopischer Praxis, von Erinnerung und Hoffnung, aber auch als Ort der Reflektion über Verlust und Scheitern, Resignation und Verfall, Tod und Jenseits.

Seien Sie herzlich eingeladen, die nicht gefahrlose, erregende Reise zu den [verlorenen] Inseln musikalischer Utopie anzutreten, wo Musik als Kraftfeld des Neuen, des Unerhörten, des Unerprobten und der Überschreitung zu befragen ist.

Salvatore Sciarrino: Luci mie traditrici

MAERZMUSIK 2010 | ERÖFFNUNG

Oper in zwei Akten (1998)
Text von Salvatore Sciarrino nach „Il tradimento per l’onore“
von Giacinto Andrea Cicognini, 1664
mit einer Elegie von Claude Le Jeune, 1608

Anna Radziejewska (La Malaspina), Mezzosopran
Otto Katzameier (Il Malaspina), Bariton
Kai Wessel (L’Ospite), Kontratenor
Simon Jaunin (Il Servo), Tenor
Antonio Paucar, Performer, Falkner

Klangforum Wien
Beat Furrer, Leitung


Rebecca Horn, Regie/Bühne/Kostüme
Andreas Fuchs, Licht
Dirk Schulz, Video
Kate de Marcken, Musikalische Assistenz/Korrepetition
Grégory Moulin, Korrepetition

Mit Luci mie traditrici, einem der beeindruckendsten Musiktheaterwerke des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino, eröffnet MaerzMusik 2010, das Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele.

Die Oper Luci mie traditrici wurde unter dem Titel „Die tödliche Blume“ im Jahr 1998 in Schwetzingen uraufgeführt. Seither hat sie eine Reihe von weiteren Inszenierungen erlebt. Eine Neuinszenierung in der Regie und Ausstattung von Rebecca Horn präsentierten die Salzburger Festspiele im Jahr 2008. Diese einzigartige und äußerst erfolgreiche Inszenierung mit der Sopranistin Anna Radziejewska, dem Bariton Otto Katzameier, dem Countertenor Kai Wessel und dem Bariton Simon Jaunin, ist nun auch bei MaerzMusik zu erleben.

In den Funktionen Regie/Bühne/Kostüm ist der international bekannten Künstlerin Rebecca Horn, die sich nach dem bedauerlichen Tod des ursprünglichen Regisseurs der Produktion Klaus Michael Grüber kurzerhand entschloss, auch die Regie zu übernehmen, in ihrer ersten Operninszenierung eine höchst eindringliche szenische Umsetzung gelungen. In ihrer farblich schattenhaften Tönung entspricht die Bühne, in deren Hintergrund zwei große, speziell für diesen Zweck geschaffene Bildarbeiten per Video fast unmerklich verändert und ineinander überblendet werden, in wunderbarer Weise der lamentosen Homogenität des musikalischen Materials, mit dem Salvatore Sciarrino, verteilt auf die acht Szenen, die Unmöglichkeit der erfüllten Liebe klagend besingt. Liebe und Tod, Schönheit und Verfall sind in Luci mie traditrici unauflöslich miteinander verknüpft (Max Nyffeler). Die Stimmen der Sänger sind in subtilster Weise mit den feinen instrumentellen Linien des Orchesters verschmolzen, so dass sich im Verlauf des etwa 70minütigen Werkes so etwas wie eine immer spannungsvollere Zustandsbeschreibung der zur Katastrophe drängenden Liebe vollzieht.

Salvatore Sciarrino widmet sich in Luci 'mie traditrici' dem historisch überlieferten Mord des Fürsten Carlo Gesualdo von Venosa an seiner ungetreuen Gattin und ihrem Liebhaber im Jahr 1590. Dieser „Ehrenmord“ des Fürsten Gesualdo, der als visionärer, fast experimenteller Komponist der Renaissance höchsten Rang in der Musikgeschichte einnimmt, ist Gegenstand des frei erzählten Theaterstücks „Il tradimento per l’onore“ von Giacinto Andrea Cicognini aus dem Jahr 1664, an dem sich Sciarrino orientierte.

In der Besetzung mit Schlagzeug, Bläsern und Streichern schafft Sciarrino ein klanglich raffiniertes Umfeld für die Stimmen der Protagonisten. Der gläsern durchsichtige Instrumentalklang dient den Vokalpartien als Hallraum und Aura. Die Leidenschaft der Liebenden und das Verbrechen, alles spielt sich in leisesten Tönen, in Flüstern, im Schatten und in der Aussparung ab und baut doch höchste Spannung auf, die sich schließlich im Stich des Dolches, wenngleich im vierfachen Pianissimo, entlädt.

Eine Produktion der Salzburger Festspiele 2008.
MaerzMusik | Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

Künstlergespräch So 21.3. 12.30 Uhr

www.klangforum.at (Klangforum Wien)
www.rebecca-horn.de (Rebecca Horn)

Ort:

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termine:

Fr, 19.3.2010, 20:00 | Tickets
Sa, 20.3.2010, 20:00 | Tickets
So, 21.3.2010, 20:00 | Tickets

John Butcher Group

SONIC ARTS LOUNGE

John Butcher, Saxophone/Recordings
Chris Burn, Klavier
Clare Cooper, Harfe/Guzheng
John Edwards, Kontrabass
Gino Robair, Perkussion/Drums
dieb 13, Turntables
Thomas Lehn, Synthesizer


John Butcher Group: somethingtobesaid (2008) DE
Komposition für sieben Musiker

Die John Butcher Group gründete sich 2008 speziell für ein Konzert beim Huddersfield Contemporary Music Festival. Das Stück somethingtobesaid wurde von Graham McKenzie, dem künstlerischen Leiter des Festivals, in Auftrag gegeben. Zur John Butcher Group gehören John Butcher (Saxophone/Recordings), Chris Burn (Klavier), Clare Cooper (Harfe/Guzheng), John Edwards (Kontrabass), Adam Linson (Kontrabass/Electronics), Gino Robair (Perkussion/Drum), dieb 13 (Turntables) und Thomas Lehn (Synthesizer) – zum Teil langjährige Kollegen, zum Teil ganz neue Begegnungen – Musiker aus England, Österreich, den USA und Deutschland.

Somethingtobesaid ist eine Komposition, welche die persönlichen instrumentalen Qualitäten und improvisatorischen Fähigkeiten der Musiker miteinander verbindet. Formal geht es um Veränderungen und Differenzen bei vorgegeben Strukturen und Spielanweisungen sowie um das Verhältnis individueller Freiheiten und Verantwortlichkeiten der Improvisation.

Wie können Vorgaben einer einzelnen Person, eines Komponisten, mit den bei der Improvisation üblichen musikalischen Methoden, in denen Details schnell entwickelt werden, in eine Interaktion gebracht werden?

John Butcher begibt sich gleichsam auf eine Suche nach dem Ideal einer kollektiven Improvisation.

Eine Produktion von Huddersfield Contemporary Music Festival, mit Unterstützung von Réseau Varèse – European Network for the Creation and Promotion of New Music, gefördert durch das Programm Culture 2000 der Europäischen Union

www.johnbutcher.org.uk (John Butcher Group)

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termin:

Sa, 20.3.2010, 22:00 | Tickets

Lucia Ronchetti & Nicola Sani

MUSIKTHEATER | KÜNSTLERGESPRÄCH

Lucia Ronchetti & Nicola Sani
Lydia Rilling, Moderation


(in englischer Sprache)

In Zusammenarbeit mit Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und Istituto Italiano di Cultura Berlino

www.luciaronchetti.com (Lucia Ronchetti)

Eintritt frei

Ort:

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termin:

So, 21.3.2010, 11:00

Salvatore Sciarrino & Beat Furrer

MUSIKTHEATER | KÜNSTLERGESPRÄCH

Salvatore Sciarrino & Beat Furrer
Lydia Rilling, Moderation


In Zusammenarbeit mit Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und Istituto Italiano di Cultura Berlino

Eintritt frei

Ort:

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termin:

So, 21.3.2010, 12:30

Quartetto Prometeo

STREICHQUARTETT

Quartetto Prometeo
Giulio Rovighi, Violine | Aldo Campagnari, Violine
Carmelo Giallombardo, Viola | Francesco Dillon, Violoncello


Giacinto Scelsi: Streichquartett Nr. 4 (1964)
Barbara Monk Feldman: Streichquartett Nr. 1 Desert Scape (2004) UA
György Kurtág: 6 Moments musicaux für Streichquartett op. 44 (2005)
Salvatore Sciarrino: Streichquartett Nr. 8 (2009) DE/AW
AW Aldeburgh Festival, MaerzMusik | Berliner Festspiele, Società del Quartetto di Milano, Ultima Oslo Contemporary Music Festival

Das renommierte italienische Quartetto Prometeo spielt in der historischen Sophienkirche in Berlin-Mitte Streichquartette von Giacinto Scelsi, Salvatore Sciarrino, György Kurtág und Barbara Monk Feldman.

Mit ihrem kompositorischen Schaffen haben die Italiener Scelsi und Sciarrino wie auch der ungarische Komponist György Kurtág und die kanadische Komponistin Barbara Monk Feldman je ganz unterschiedliche, individuelle musikalische Sprachen gefunden, die sich oft radikal der traditionellen Denkart und Kategorisierung entgegenstellen und damit der zeitgenössischen Musik neue, oft ungeahnte Horizonte eröffnen. So löst der erst in den 1980er Jahren entdeckte und zunächst kontrovers diskutierte Giacinto Scelsi (1905–1988) in seinem eigenwilligen und großartigem Streichquartett Nr. 4 (1964) die Quartettformation gleichsam in 16 Saiten auf und durchmisst einen mikrotonalen Raum, in dem er das Tonmaterial „vereinzelt“ und jeden Klang neu artikuliert. Barbara Monk Feldman (*1950) variiert in „Desert Scape“ (2004) auf faszinierende Art und Weise Klangfarbe und Stimmung des Streichquartetts als Metapher für Transformationen der Natur und für die Vielfalt einer Wüstenlandschaft, in der der Wind die Stille bricht und Zeit zur Ewigkeit wird. Mit seinen 6 Moments musicaux für Streichquartett op. 44 (1999-2005), uraufgeführt anlässlich seines 80. Geburtstages, schuf György Kurtág (*1926), neben György Ligeti, der bedeutendste ungarische Komponist nach 1945, eine Suite, die im Rückgriff auf eigene Kompositionen, über eine Musik reflektiert, die frei und spielerisch wie konzentriert und vergeistigt zugleich ist. Einzigartige musikalische Texturen, jenseits bekannter Stile und „Ismen“, prägen schließlich auch die Kompositionen von Salvatore Sciarrino (*1947). Sein jüngst für das Quartetto Prometeo komponierte Streichquartett Nr. 8, ein Auftragswerk von Aldeburgh Festival, MaerzMusik, Società del Quartetto di Milano und Ultima Oslo Contemporary Music Festival, wird in Deutschland bei MaerzMusik erstaufgeführt.

In Zusammenarbeit mit Aldeburgh Festival, Ultima Oslo Contemporary Music Festival, Società del Quartetto di Milano

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Sophienkirche

Termin:

So, 21.3.2010, 16:00 | Tickets

Lucia Ronchetti: Der Sonne entgegen

MUSIKTHEATER

Kammerensemble Neue Musik Berlin
Vokalsolisten
Timo Kreuser, Musikalische Leitung


Steffi Hensel, Text
Michael von zur Mühlen, Regie
Elisabetta Benassi, Video
Lothar Baumgarte, Licht/Bühne
Thomas Seelig, Klangregie/Live-Elektronik

Lucia Ronchetti: Der Sonne entgegen
Musiktheater für 14 Stimmen, Blechblasensemble und
Live-Elektronik (2007, rev. 2009) UA der Neufassung

Eine Autorenproduktion in Zusammenarbeit mit MaerzMusik | Berliner Festspiele und Sophiensaele, gefördert durch Hauptstadtkulturfonds, Kunststiftung NRW, NRW KULTURsekretariat/Fonds Experimentelles Musiktheater, Deutscher Musikrat, Initiative Neue Musik Berlin, Berliner Künstlerprogramm des DAAD und Istituto Italiano di Cultura Berlino
Auftragswerk Fonds Experimentelles Musiktheater | UA Gelsenkirchen, 12.5.2007
Der Sonne entgegen ist eine dramatische Reflektion für 14 Gesangssolisten, Blechblasensemble und Live-Elektronik über das Phänomen der Entortung und Entwurzelung in unserer neuen, hyper-kommunikativen Welt.
Die Intention der italienischen Komponistin Lucia Ronchetti und der Dramaturgen ist es, ein Musiktheater zu schaffen, das den traditionellen Gedanken von Solisten und Hauptcharakteren aufgibt zu Gunsten einer sich verwandelnden und fluktuierenden Gemeinschaft, aus der einzelne Personen hervortreten und sich wieder verflüchtigen.

In fragmentarischen, assoziativ zusammenhängenden und zugespitzten Situationen wird von vielfältigen Verwandlungen der 14 Darsteller erzählt. Sie erscheinen als Europäer, die sich in einem scheinbar paradiesischem Urlaub auf einer exotischen Inselblase befinden, als Flüchtlinge in der Wüste gegenüber einer unüberwindlichen Grenze, als Staatenlose oder als "Überlebende" in der ersten Welt und als ungehörte Intellektuelle in einem komplexen Diskurs über Verlust von Territorien und Migration. Immer wieder kippt die Szenerie um ins Surreale, etwa, wenn eine Eiskunstläuferin mühelos über alle Grenzen hinweg durch den Raum gleitet, oder der Chor der Toten Zeit und Geschichte aus überzeitlicher Perspektive alptraumhaft beschreibt. Das Ensemble agiert als Sänger und Schauspieler zugleich, erzeugt Geräusche und Klänge mit Stimmen, Körpern wie Objekten und bleibt meist a-capella, klanglich ohne stützendes Fundament und fragil.
Als Vision und negativer „deus ex machina“ erscheinen die Blechbläser, in einem apokalyptischen Moment, als gewaltiger und emotionaler Sturm. Dies wird gleichsam zu einem meta-historischen Ereignis und ruft Assoziationen einer Sintflut hervor – das Remake der biblischen Geschichte und ein Zustand, in dem alles kompliziert, unverbunden und unlösbar scheint. Ein Sturm, der Darsteller, Musiker und Publikum mit sich fort reißt.

www.luciaronchetti.com (Lucia Ronchetti)
www.kammerensemble.de (Kammerensemble Neue Musik Berlin)
www.dersonneentgegen.org (Der Sonne entgegen)

Eintritt: Einheitspreis € 15,–

Ort:

Sophiensaele

Termine:

So, 21.3.2010, 20:00 | Tickets
Mo, 22.3.2010, 20:30 | Tickets

Felix Kubin + ensemble Intégrales

SONIC ARTS LOUNGE

Felix Kubin, Komposition/Konzept/Elektronik
Tobias Levin, Mix

ensemble Intégrales
Burkhard Friedrich, Komposition/Saxophon
Ninon Gloger, Klavier
Steve Heather, Drums/Perkussion
Barbara Lüneburg, Violine (Geist)


Felix Kubin + ensemble Intégrales:
Echohaus
Live-Konzert für 6 Räume, Kopfhörerensemble und Elektronik (2010) UA

Echohaus, ein Konzert für 6 Räume, Kopfhörerensemble und Elektronik, geht auf eine Idee des Hamburger Komponisten und Künstlers Felix Kubin zurück, die in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Burkhard Friedrich, dem ensemble Intégrales und dem Popmusikproduzenten Tobias Levin entwickelt wurde.

Das Projekt war zunächst als reine Studioproduktion geplant. Um einen lebendigen „cinematografischen“ Klang mit ungewöhnlichen Lautstärkeverhältnissen und mechanischen Detailvergrößerungen zu erreichen, wurde eine spezielle Aufnahmetechnik entwickelt, bei der die Musiker über Kopfhörer miteinander verbunden in getrennten Räumen spielen.

Die Musik zu Echohaus entstand aus kompositorischen Skizzen und Spielanweisungen, die in enger Zusammenarbeit mit den Interpreten erweitert wurden. So entwickelte sich ein Hybrid aus Neuer Musik, Filmmusik und Improvisation, Melodie und Geräusch, notierter und improvisierter Musik, Tonband- und Live-Konzert. Die natürlichen Reflektionen der Räume und das Mischpult sind Teil des Orchesters.

Die Premiere der Live-Aufführung bei MaerzMusik in den Sophiensaelen simuliert die Aufnahmesituation im Studio: auch hier sind die Spieler auf verschiedene Räume verteilt und über Kopfhörer miteinander verbunden. Das Publikum kann zwischen den Räumen hin- und herwandern, sich den Interpreten nähern und dadurch bestimmte Details der Musik vergrößert wahrnehmen. Die Gesamtheit aller Stimmen ist hingegen nur in Abwesenheit der Spieler erfahrbar: als unsichtbares Orchester in einem Abhörraum, in dem alle akustischen und elektronischen Signale zusammenlaufen, so dass dort der Eindruck eines Tonbandkonzerts entsteht.

In Zusammenarbeit mit Sophiensaele
Mit Unterstützung der Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung

www.felixkubin.com (Felix Kubin)
www.ensemble-integrales.com (ensemble Intégrales)

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Sophiensaele

Termine:

So, 21.3.2010, 22:00 | Tickets
Mo, 22.3.2010, 22:00 | Tickets

Elisabetta Benassi | Lucia Ronchetti: Weltall

AUSSTELLUNG | ERÖFFUNG

Elisabetta Benassi, Video
Lucia Ronchetti, Musik


Elisabetta Benassi | Lucia Ronchetti: Weltall
Video-Szene aus Der Sonne entgegen (2010)

Öffnungszeiten Di 23.3. – So 28.3. 12.00–18.00 Uhr

Berliner Künstlerprogramm des DAAD
in Kooperation mit MaerzMusik | Berliner Festspiele

Eintritt frei

Ort:

Galerie Mario Mazzoli

Termin:

Mo, 22.3.2010, 16:30 | Tickets

Trio Accanto | Susanne Otto

DIETER SCHNEBEL 80

Susanne Otto, Stimme
Kirsten Harms, Violine
Helmut Menzler, Violoncello

Trio Accanto:
Yukiko Sugawara, Klavier
Marcus Weiss, Saxophon
Christian Dierstein, Schlagzeug


Dieter Schnebel: Bachmann-Gedichte I / II
für Altstimme und Kammerensemble (2003/2009) UA/AW

Zu Ehren des Komponisten Dieter Schnebel, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, wird bei MaerzMusik das erweiterte Trio Accanto gemeinsam mit der Sängerin Susanne Otto einen abendfüllenden Zyklus auf späte Gedichte von Ingeborg Bachmann aufführen.

Der erste Teil der Bachmann-Gedichte für Altstimme und Kammerensemble von Dieter Schnebel entstand im Frühjahr 2003 im Auftrag der Schwester und des Sohnes der Dichterin und wurde anlässlich des 30. Todestages von Ingeborg Bachmann im Oktober 2003 in Wien uraufgeführt. Als Vorlage dienten Dieter Schnebel die erstmals im Jahr 2000 veröffentlichten Gedichte Terra nova, Verzicht, Immer wieder Schwarz und Weiß und Auflösung. Es sind die letzten Gedichte der nachgelassenen Sammlung Ich weiß keine bessere Welt und es sind einzigartige Liebesgedichte von Ingeborg Bachmann.

Dieter Schebel: „In meiner musikalischen Umsetzung werden die Texte in engräumig kreisenden melodischen Linien quasi psalmodiert. Vor- und Zwischenspiele in ausgreifenden textlosen Melismen bilden seismografische Erregungskurven. Ein Saxofon, Symbol des schwarzen Geliebten, folgt in engem Abstand imitierend der Singstimme, hat aber auch eigene melodische Ausbrüche. Das verhalten jazzartige Idiom des Instruments wird durch Schlagzeug ergänzt. Die Klavierbegleitung ist weitgehend akkordisch, oft choralartig, schafft eine besondere Stimmung; zusammen mit dem Gesang und den beiden anderen Instrumenten die eines archaischen Liebesrituals.“

Die Bachmann-Gedichte II führen die Beschäftigung Dieter Schnebels mit den Gedichten Ingeborg Bachmanns weiter und es ist uns eine ganz besondere Freude, die neuen Vertonungen bei MaerzMusik uraufführen zu können.
www.trio-accanto.de (Trio Accanto)

In Zusammenarbeit mit Universität der Künste Berlin

Eintritt: Einheitspreis € 15,–

Ort:

Universität der Künste Berlin, Joseph-Joachim-Konzertsaal

Termin:

Mo, 22.3.2010, 19:00 | Tickets

QuerKlang - Experimentelles Komponieren in der Schule

SCHULE MACHEN: QUERKLANG

Uraufführungen von Gruppen-Kompositionen von und mit Robin Hayward, Hector Moro, Leah Muir, Ana Maria Rodriguez / SchülerInnen und LehrerInnen der Evangelischen Schule Berlin Mitte, Neumark-Grundschule, Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium, Evangelische Schule Berlin-Zentrum / StudentInnen der UdK Berlin
Daniel Ott / Iris ter Schiphorst / Stefan Roszak / Kerstin Wiehe, Leitung


"QuerKlang“ – Experimentelles Komponieren in der Schule, ist ein Projekt, das eine Lücke im konventionellen Musikunterricht füllt. Anstatt sich nur passiv mit Musik auseinanderzusetzen, komponieren Schüler im Klassenverbund und führen ihre Kompositionen selber auf. Das Konzept von „QuerKlang“ erlaubt es, dass die Schüler hierfür keine musikalische Vorbildung brauchen.

Begleitet und angeleitet von professionellen Komponisten sowie Musikstudierenden der Universität der Künste entstehen experimentelle Stücke, die – je nach ästhetischer Entscheidung der jeweiligen Klasse – zum Teil völlig ohne traditionelle Instrumente auskommen. Gieskannen, Fahrräder, Zeitungspapier, Megafone, kein Gegenstand ist vor den jungen Klangforschern sicher. Geprägt durch den unterschiedlichen musikalischen Hintergrund der Schüler entstehen Stücke, die durch ihre Vielschichtigkeit überraschen und mit großem Ernst und Eifer entwickelt und uraufgeführt werden.

Das Projekt „QuerKlang“ geht nun schon in die vierte Runde und die Uraufführungen der Kompositionen im Rahmen von MaerzMusik haben sich zu einem kleinen Highlight des Festivals entwickelt.

Ein Projekt der Universität der Künste Berlin / klangzeitort, K&K Kulturmanagement & Kommunikation / Kulturkontakte e.V. und MaerzMusik | Berliner Festspiele, gefördert durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

www.kultkom.de (K&K Kulturmanagement & Kommunikation)

Eintritt frei

Ort:

23.3. Kammermusiksaal der Philharmonie
28.3. Haus der Kulturen der Welt

Termine:

Di, 23.3.2010, 18:00 | Tickets
So, 28.3.2010, 18:00 | Tickets

Arditti String Quartet

STREICHQUARTETT

Arditti String Quartet
Irvine Arditti, Violine | Ashot Sarkissjan, Violine
Ralph Ehlers, Viola | Lucas Fels, Violoncello


Brian Ferneyhough: Dum Transisset I–V after Christopher Tye (2006/2007)
James Clarke: Streichquartett Nr. 2 (2009) DE/AW
AW Huddersfield Contemporary Music Festival und MaerzMusik | Berliner Festspiele
Olga Neuwirth: in the realms of the unreal (2009) DE/AW
AW Cité de la Musique Paris, MaerzMusik | Berliner Festspiele, steirischer herbst – musikprotokoll, Casa da Música Porto
Hugues Dufourt: Dawn Flight (2008)

Das Arditti String Quartet, eines der weltweit bedeutendsten Streichquartette, ist mit seinen hervorragenden Interpretationen zeitgenössischer Musik eines der wichtigsten Wegbegleiter Neuer Musik geworden. Zahlreiche Werke sind diesem Quartett gewidmet und wurden von ihm uraufgeführt. Bei der diesjährigen Ausgabe von MaerzMusik erleben wir mit dem Arditti String Quartett Streichquartette von Hugues Dufourt und Brian Ferneyhough sowie jüngste Werke von Olga Neuwirth und James Clarke in der deutschen Erstaufführung.

Dawn Flight (Flug in der Dämmerung), benannt nach einem Bild des britischen Malers und Graphikers Stanley William Hayter aus dem Jahr 1959, ist ein großformatiges Werk des französischen Komponisten Hugues Dufourt, das über die Gattung des Quartetts neu reflektiert, über die Grundformen von Bewegung und innermusikalische Zusammenhänge wie ihrer unmittelbaren Erfahrung. Es ist eine Beschreibung energetischer Zustände, die sich in variierten Gesten entladen, sich ambivalent verzahnen und einzigartige Farbigkeit gegenüber einer melancholischen Grundstimmung entfalten. Brian Ferneyhough greift in Dum Transisset I–IV auf eine Reihe polyphoner Stücke des Renaissancekomponisten Christopher Tye zurück. Sie bilden den Ausgangspunkt für kontrastreiche und komplexe Neuerfindungen, die das historische Material zwar durchscheinen, dennoch das Werk mit dem „leicht verwirrten und bangen Versuch, Tye-Stoffe als Heilmittel gegen den Ausbruch von Chaos zu empfehlen“, verklingen lassen.

Musikalische Komplexität wie klare und kommunikative Formen und Strukturen bestimmen auch die Werke von James Clarke. „Theorien und Erklärungen folgen der Musik nach wie eine Seemöwe dem Schleppnetzfischer“, so Clarke. „Für mich ist Komponieren ein Akt des Reisens und Entdeckens, den Klängen, Ideen, Verbindungen zu Leibe zu rücken. Es ist vor allem höchst logisch und genau. Es legt keine Theorie aus.“

Eine gewissermaßen ebenso „absolute“ und innerhalb des gegenwärtigen Kunstschaffens höchst bedeutsame Musiksprache findet die österreichische Komponistin Olga Neuwirth. Bei MaerzMusik – „Utopie [verloren]“ hören wir ihr neues Streichquartett in the realms of the unreal.

Mit Unterstützung von Institut français d’Allemagne

www.ardittiquartet.com (Arditti String Quartet)

Eintritt: € 20,– | 15,– | 12,–

Ort:

Kammermusiksaal der Philharmonie

Termin:

Di, 23.3.2010, 19:00 | Tickets

Michael Pisaro: A wave and waves | Wandelweiser Ensemble

SONIC ARTS LOUNGE

Wandelweiser Komponisten Ensemble
Florian Goltz / Wim Thoben, Musikinformatik


Michael Pisaro:
A wave and waves (Performance Version, 2006/2010) UA

Eine Koproduktion von Elektronisches Studio der TU Berlin – Fachgebiet Audiokommunikation und MaerzMusik | Berliner Festspiele in der Reihe Neue Musik multimedial | TU Berlin im ohrenstrand.net, gefördert durch Netzwerk Neue Musik und Land Berlin

www.timescraper.de (Edition Wandelweiser)

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Technische Universität Berlin, WellenFeld H 104

Termin:

Di, 23.3.2010, 20:00 | Tickets

William Kentridge | François Sarhan: Telegrams from the Nose

MUSIKTHEATER

François Sarhan, Musik
William Kentridge, Video

Ictus Ensemble
Georges-Elie Octors, Leitung
François Sarhan, Sprecher
Alex Fostier, Ton


William Kentridge | François Sarhan:
Telegrams from the Nose (2008)

Der Bildende Künstler William Kentridge und der junge Komponist François Sarhan betreiben in der lakonischen Musik-Film-Performance Telegrams from the Nose (2008) eine drastische Dekonstruktion sowjetischer Polit-Mythen. Russland inmitten einer großen künstlerischen und sozialen Revolution und zugleich am Beginn eines fatalen und totalitären Machtregimes durch Stalin.

Telegrams from the Nose ist inspiriert von Nicolai Gogols Erzählung „Die Nase” (1836), Dmitri Schostakowitschs gleichnamiger Oper (1928) und von Daniil Kharms, ein Surrealist, Dichter und Dramatiker der frühen Sowjet-Ära, der Opfer von Stalins Verbrechen wurde, sowie von den letzten Worten Fjodor Bukharin, eines Mannes, der ebenso dem Terror des Diktators zum Opfer fiel.

Für Sarhan ist die fehlende Nase gleichsam ein Symbol der Sowjetunion nach dem Russischen Futurismus. „Nase [verloren]“ könnte man hier gewissermaßen dem Motto der diesjährigen MaerzMusik „Utopie [verloren]“ an die Seite stellen.

In zwölf „Telegrammen“ schaffen François Sarhan und William Kentridge gemeinsam mit dem Ictus Ensemble unter der musikalischen Leitung von Georges-Elie Octors eine multimediale Mixtur von Musik, Video und Installation, die an einstige Utopien der Kunst erinnert und ihre Zerschlagung neu thematisiert.

In Zusammenarbeit mit Staatliche Museen zu Berlin – Neue Nationalgalerie
Mit Unterstützung von Réseau Varèse – European Network for the Creation and Promotion of New Music, gefördert durch das Programm Culture 2000 der Europäischen Union und Institut français d’Allemagne

www.ictus.be (Ictus Ensemble)

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Neue Nationalgalerie

Termine:

Mo, 22.3.2010, 18:00 | Tickets
Mo, 22.3.2010, 22:00 | Tickets

Staatskapelle Weimar | Heinz Holliger

ORCHESTER

Staatskapelle Weimar
Heinz Holliger, Leitung


Simon Böckenhoff / Rico Graupner / Egor Poliakov / Daniel Schulz /
Thomas Seelig / Clemens Wegener, Audio-Designer
Markus Danne / Martin Felderhoff, Technik

Luigi Nono: A Carlo Scarpa architetto, ai suoi infiniti possibili für Orchester (1984)
Heinz Holliger: 'Tonscherben Orchester-Fragmente' in memoriam David Rokeah [1916–1985] (1985)
Bernd Alois Zimmermann: Stille und Umkehr Orchesterskizzen (1970)
Thomas Kessler: Utopia für großes Sinfonieorchester mit multipler Live-Elektronik (2009)

Unter der musikalischen Leitung des Dirigenten, Musikers und Komponisten Heinz Holliger wird die Staatskapelle Weimar im Rahmen von MaerzMusik, das Festival für aktuelle Musik, das in diesem Jahr unter dem dialektischen Motto „Utopie [verloren]“ steht, in der Philharmonie Werke präsentieren, die direkt oder indirekt Musik als Ort utopischen Denkens thematisieren, als Ort der Erinnerung und Hoffnung – aber auch als Ort der Reflektion über Verlust, Resignation, Verfall und Tod.

Einer der größten Utopisten der Musik des 20. Jahrhunderts war der italienische Komponist Luigi Nono. A Carlo Scarpa architetto, ai suoi infiniti possibili per orchestra a microintervalli (1984) ist eine Komposition „in memoriam“ an den venezianischen Architekten Carlo Scarpa (1906–1978). Das meist ruhige, von Pausen durchzogene Werk basiert auf den Tonhöhen C und Es, die Initialen Carlo Scarpas. Bei aller Reduktion schafft Nono durch mikrointervallische Abstufungen, Schwebungen, Registerwechsel, Klangfarben und Lautstärken hier einen weiten Kosmos äußerst komplexer musikalischer Ereignisse an der Grenze der Wahrnehmbarkeit.

Heinz Holligers Tonscherben (1985), ebenso eine Komposition „in memoriam“, ist dem israelischen Dichter-Freund Holligers David Rokeah (1916–1985) gewidmet. Es sind neun kleine und kleinste Orchester-Fragmente, die eine Art Mobile darstellen, innerhalb dessen die Miniaturen teilweise austauschbar sind. Wie der Titel bereits andeutet, so dominieren splittrige, aufgebrochene, scharfkantige Formen und Klänge neben fließenden Lineamenten und flächigen Bewegungen die Komposition. Ein geheimnisvoller Trauermarsch, verdeutlicht die Möglichkeit, mit Musik Unsagbares zur Sprache zu bringen.

Stille und Umkehr (1970) ist die letzte Orchesterkomposition, die Bernd Alois Zimmermann vor seinem Tod schrieb. Es ist ein Stück über die Auflösung. Einem unverrückbaren Tempo und strenger Dynamik steht hier ein eigenmächtiger, individueller „Blues-Rhythmus“ gegenüber, der die Orchesterskizzen ins Unspezifische führt, in die Entropie.

Im zweiten Teil des Konzerts macht die Staatskapelle mit Utopia (2009) von Thomas Kessler klangräumlich erfahrbar, dass ein Orchester mehr ist als ein kollektives Zusammenwirken professioneller Musiker. Verteilt im Raum verfügt jeder einzelne Musiker über einen Computer und Verstärker, um den Instrumentalklang live-elektronisch zu verfremden. Kessler betrachtet seine Komposition gleichsam als „utopischen“ Gegenentwurf zu einer musikalischen Welt, in der individuelle Merkmale und differenzierte Qualitäten zu Gunsten eines homogenen und vereinheitlichenden Gesamtklangs aufgegeben wurden.

Eine Koproduktion von pèlerinages Kunstfest Weimar und MaerzMusik | Berliner Festspiele
Mit Unterstützung von Ernst von Siemens Musikstiftung, Pro Helvetia, Schweizerische Botschaft in Berlin, R+V Allgemeine Versicherung AG, Kanton Basel-Stadt und Kanton Basel-Landschaft, Schering Stiftung, Stiftung Berliner Philharmoniker. Kompositionsauftrag der Stadt Basel

19.00 Uhr | Südfoyer | Einführungsveranstaltung
Wolfgang Korb im Gespräch mit Thomas Kessler

www.nationaltheater-weimar.de (Staatskapelle Weimar)
www.heinzholliger.com (Heinz Holliger)
www.kessler-thomas.com (Thomas Kessler)

Eintritt: € 30,– | 20,– | 10,–

Ort:

Philharmonie

Termin:

Mi, 24.3.2010, 20:00 | Tickets

Collegium Novum Zürich | S. Cambreling | J. Nied

ENSEMBLE

Collegium Novum Zürich
Sylvain Cambreling, Leitung
Johannes Nied, Kontrabass


Experimentalstudio des SWR, Live-Elektronische Realisation
André Richard / Michael Acker / Thomas Hummel / Gregorio Karman, Klangregie

Georg Friedrich Haas: '…und…' für Kammerensemble und Elektronik (2008), UA der revidierten Fassung
Klaus Ospald: 'Così dell’uomo ignara…' für Kammerensemble und Live-Elektronik (2009)
Klaus Huber: Neues Werk für Kontrabass, 18 Instrumente und Live-Elektronik (2010) UA/AW
AW MaerzMusik | Berliner Festspiele, Collegium Novum Zürich und Experimentalstudio des SWR

Max Nyffeler im Gespräch mit Klaus Huber und André Richard
Der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas fasziniert immer wieder durch eine Musik, die dicht, konzentriert und voller rätselhaft leuchtender Klangwelten ist. Spezielle Obertonreihen und mikrotonale Reibungen führt er zu subtiler Farbigkeit. Seine Komposition ... und ..., geschrieben für das Collegium Novum Zürich 2008, wird bei MaerzMusik in einer revidierten Fassung uraufgeführt.

Ebenso für das Ensemble und das Experimentalstudio komponierte Klaus Ospald Così dell’uomo ignara .... Es ist das dritte Stück eines vierteiligen Zyklus des Komponisten, das inspiriert ist von „La ginestra, o il fiore del deserto“ („Der Ginster oder die Blume der Wüste“), dem 24. Gesang der 1836 erschienenen Gedichte von Giacomo Leopardi und es thematisiert die Übermacht der Natur gegenüber der Vergänglichkeit des Menschen.

Eine ganz außerordentliche Premiere stellt die Uraufführung des neuen Werkes von Klaus Huber dar. Die Komposition für Kontrabass, 18 Instrumente und Live-Elektronik wird die erste sein, in der Klaus Huber Elektronik in das Werk einbezieht. Und es wird wohl kaum überraschen, dass Huber auch diesem Medium meisterhaft gegenübertritt. Mit gewohnt offener und freier Geisteshaltung, erscheint es als Teil seines engagierten „Nachdenkens über das Verhältnis der zeitgenössischen Musiksprachen zur realen, unvollkommenen Welt“. Brian Ferneyhough: „Seine musikalische Kunst ist humanistisch im doppelten Sinn: einerseits im Sinn der Treue zu traditionellen Konzepten des handwerklichen Könnens, andererseits im Sinn der beharrlichen Ansprüche, die er (zu Recht) an die Musik als die letzte visionäre Vermittlerin eines hohen ethischen Bestrebens stellt.“

www.collegium-novum.ch (Collegium Novum Zürich)

Mit Unterstützung von Pro Helvetia und Schweizerische Botschaft Berlin

18.00 Uhr Ausstellungsfoyer | Einführungsveranstaltung

Eintritt: € 20,– | 15,– | 12,–

Ort:

Kammermusiksaal der Philharmonie

Termin:

Do, 25.3.2010, 19:00 | Tickets

Heather O’Donnell | Frederic Rzewski

SONIC ARTS LOUNGE

Heather O’Donnell, Klavier

Alvin Curran: Inner Cities 11(Aglio Olio Peperoncino Blues) (2003)
Frederic Rzewski: The People United Will Never Be Defeated! (1975)
36 Variationen über „¡El pueblo unido jamás será vencido!“

El pueblo unido – „Das vereinte Volk“ ist eines der bedeutendsten Lieder der Neuen Folklore-Bewegung in Chile. Es wurde im letzten Regierungsjahr von Salvador Allende komponiert und wurde nach dem Putsch 1973, der den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten stürzte, zu einem Symbol des Widerstands gegen die Diktatur Augusto Pinochets. Der Komponist des Liedes Sergio Ortega musste ins Exil gehen.

¡El pueblo unido, jamás será vencido! – „Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden!“ wurde Ausruf des Freiheitskampfes der sozialistischen Linken und aller unterdrückten Völker. Das Lied erlangte ebensolche Bedeutung wie die Internationale.

Der amerikanische Komponist Frederic Rzewski schrieb 1975, zwei Jahre später, das Klavierwerk The People United Will Never Be Defeated!, das aus 36 Variationen über dieses Kampflied besteht. Freilich stand auch hier die politische Botschaft im Mittelpunkt. Zugleich aber wurde es ein polystilistisches Werk auf höchstem musikalischen Niveau und damit eines der wichtigsten Zeitdokumente der frühen Postmoderne.

Alvin Curran ist früher Wegbegleiter Frederic Rzewskis. Gemeinsam mit Richard Teitelbaum gründeten beide 1966 das legendäre und damals einzigartige elektronische Live-Musik- und Improvisations-Ensemble „Musica Elettronica Viva“.

Inner Cities 11. Aglio Olio Peperoncino Blues (2003) von Alvin Curran, Teil eines Zyklus von zwölf Stücken, ist seinem Freund Frederic Rzewski gewidmet, „who in a recent email suggested that these three humble foods were all one needed for lasting life: garlic, olive oil, and hot chili peppers“, so Curran scherzhaft.

Die großartige amerikanische Pianistin Heather O’Donnell zu Gast bei MaerzMusik wird uns mit ihren unverwechselbaren Interpretationen der Werke in der Neuen Nationalgalerie durch einen überaus spannenden und interessanten Abend führen.

In Zusammenarbeit mit Staatliche Museen zu Berlin – Neue Nationalgalerie

www.heatherodonnell.info (Heather O’Donnell)
www.alvincurran.com (Alvin Curran)

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Neue Nationalgalerie

Termin:

Do, 25.3.2010, 22:00 | Tickets

Beat Furrer: Wüstenbuch

MUSIKTHEATER

Tora Augestad, Sopran
Hélène Fauchère, Sopran
Sébastien Brohier, Bariton
Isabelle Menke, Schauspielerin
Vokalsolisten des Ensemble XXI / Rachid Safir, Einstudierung

Klangforum Wien
Beat Furrer, Leitung


Christoph Marthaler, Inszenierung
Duri Bischoff, Bühnenbild
Sarah Schittek, Kostümbild
Ute Vollmar, Dramaturgie
Ursula Degen, Licht Design
Gerhard Alt, Regiemitarbeit/Produktionsleitung

Musiktheater (2010) DE/AW
Nach Texten von Händl Klaus, Ingeborg Bachmann, Antonio Machado und Lukrez sowie Papyrus Berlin 3024
AW Theater Basel, MaerzMusik | Berliner Festspiele und Wiener Festwochen

Die Wüste ist ein Ort des Fremden. Sie ist Sinnbild einer unfasslichen Leere, Metapher für den Tod und das Nichts und immer wieder Projektionsfläche für die Angst vor dem Verlust der Erinnerung. Zahlreiche Autoren haben sich mit dem Phänomen Wüste in ihren Texten auseinander gesetzt. Ingeborg Bachmanns dem „Todesarten-Projekt“ entnommene „Wüstenbuch-Fragmente“ sind hierfür eindrückliche Beispiele. Beat Furrer und Händl Klaus haben sie zu Teilen in ihren textlichen Entwurf ihres neuen Musiktheaters Wüstenbuch einfließen lassen.

Beat Furrer: „Drei Personen auf einer Reise durch das heutige Ägypten; auf der Suche nach dessen Ursprüngen begegnen sie der eigenen Wüste als Erinnerungslosigkeit, den Phantasmagorien ihrer eigenen Erinnerung und schließlich, in der letzten Szene, auf einer sehr elementaren Ebene: einem Abglanz einer Utopie des Menschseins, einer gerechten Gesellschaft: ‚Es wird geschwiegen, ohne Aufenthalt und Furcht. (…) Wir haben aus einem Teller gegessen. Wir haben geteilt und nicht gebetet, nichts zurückgeschickt, keine Bohne stehengelassen, nichts weggenommen, nicht vorgegriffen, nicht nachgenommen.‘ (Ingeborg Bachmann) … Die Musik schafft eine Perspektive auf die Textfragmente und lässt diese gleichsam in ihrer Fremdheit zur Sprache kommen.“

Weitere Säulen des Librettos bilden Texte von Händl Klaus, Antonio Machado und Lukrez sowie der altägyptische Papyrus 3024, in dem ein Unbekannter seine Sehnsucht nach dem Tod niederschrieb. Der Papyrus wird in der neuen Übertragung von Jan Assmann verwendet, der in seinem Aufsehen erregenden Buch „Tod und Jenseits im Alten Ägypten“ zahlreiche Totentexte sammelte und so einen entscheidenden Beitrag über das Verhältnis der Alten Ägypter zum Tod, über die Gleichzeitigkeit von Todesritual und vitaler Lebensfeier lieferte.

Wüstenbuch, ein Musiktheater für kleines Orchester, Sing- und Sprechstimmen, in einer Inszenierung des Regisseurs Christoph Marthaler, der bereits die Musiktheaterwerke Fama (2005) und invocation (2003) von Beat Furrer szenisch umsetze, ist ein Auftragswerk von Theater Basel, MaerzMusik | Berliner Festspiele und Wiener Festwochen, und wird bei MaerzMusik in Deutschland erstaufgeführt.

Eine Koproduktion von Theater Basel, MaerzMusik | Berliner Festspiele und Wiener Festwochen, gefördert aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes, mit Unterstützung von Pro Helvetia. In Zusammenarbeit mit Schaubühne am Lehniner Platz

19.00 Uhr | Einführungsveranstaltung
Marie Luise Maintz im Gespräch mit Beat Furrer und Jan Assmann

www.klangforum.at (Klangforum Wien)

Eintritt: € 38,– | 26,– | Voraufführung € 20,–

Ort:

Schaubühne am Lehniner Platz

Termine:

Fr, 26.3.2010, 20:30 | Voraufführung | Tickets
Sa, 27.3.2010, 15:00 | Tickets
Sa, 27.3.2010, 20:00 | Tickets
So, 28.3.2010, 20:00 | Tickets

Konzerthausorchester Berlin | Roland Kluttig

ORCHESTER

Konzerthausorchester Berlin
Roland Kluttig, Leitung


Nikolai Obuchow: Le Livre de Vie: Preface (1915–1926)
hans w. koch: stele für n. o. (2010) UA/AW, AW Kunststiftung NRW
John McGuire: Marking Time für Orchester (2009) UA/AW, AW Kunststiftung NRW
Edgard Varèse: Arcana für großes Orchester (1925/27, rev. 1960)

Das Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Roland Kluttig wird im Rahmen von MaerzMusik 2010 unter dem Motto „Utopie [verloren]“, ein äußerst interessantes Konzert geben. Neben dem einzigartigen Orchesterwerk Arcana (1925/27, rev. 1960) von Edgard Varèse (1883–1965), einer der bedeutendsten großen Visionäre der Musik der Moderne, werden Le Livre de Vie: Préface (1915–1926) des russischen Komponisten Nikolai Obuchow und Uraufführungen von hans w. koch und John McGuire zu erleben sein.

Nikolai Obuchow (1892–1954) gehörte zur Avantgarde der 1920er Jahre. Le Livre de Vie (Buch des Lebens), ein utopischer Entwurf eines Gesamtkunstwerks und zugleich liturgisches Ritual wurde sein Schaffensschwerpunkt. Die über 800 eng beschriebenen Seiten, inspiriert von der Offenbarung des Johannes, das Mysterium-Projekt Alexander Skrjabins weit übertreffend, blieben jedoch aufführungstechnisch sehr problematisch und unvollendet. Eine orchestrierte Fassung der Einleitung wurde dennoch 1926 von Kussewizki uraufgeführt und wird mit dem Konzerthausorchester bei MaerzMusik präsentiert.

hans w. koch komponierte mit stele für n.o. (2010) eine Hommage an den musikalischen Mystiker Nikolai Obuchow und greift dessen Idee einer Zwölfton-Musik auf, die, ohne Dopplungen, in fünf Oktavlagen über 200 Millionen Möglichkeiten von Akkorden ergeben würde.

Die Werke des amerikanischen Komponisten John McGuire, der in den 1960ern sowohl in Kalifornien als auch in Deutschland u.a. bei Karlheinz Stockhausen studierte, beschreiben unterschiedliche Aspekte einer Synthese aus Minimalismus und Serialismus. Marking Time (2009) unterteilt das Orchester und lässt es antiphonisch und in unterschiedlichen Tempi agieren. Dynamische Höhepunkte innerhalb dieses Zusammenspiels bilden die strukturelle Gliederung des Werks und „markieren die Zeit“. Marking Time und stele für n.o. sind Kompositionsaufträge der Kunststiftung NRW.

In Zusammenarbeit mit Konzerthaus Berlin, mit Unterstützung von Kunststiftung NRW

19.00 Uhr Werner-Otto-Saal | Einführungsveranstaltung
Volker Straebel im Gespräch mit hans w. koch und John McGuire

www.konzerthausorchester.de (Konzerthausorchester)

Eintritt: € 30,– | 20,– | 10,–

Ort:

Konzerthaus Berlin, Großer Saal

Termin:

Fr, 26.3.2010, 20:00 | Tickets

Heaven And

SONIC ARTS LOUNGE

Tony Buck, Schlagzeug
Steven Heather, Schlagzeug
Martin Siewert, Gitarre
zeitblom, Bass


Heaven And
Bye And Bye I’m Going To See The King (2010) UA

anschließend
FILM: No.12 Heaven and Earth Magic (1957–1962)
Harry Smith, Regie

Heaven And entstand eher zufällig: Ursprünglich trafen sich der in Berlin lebende Australier Tony Buck, Perkussionist Steve Heather, Gitarrist und Elektroniker Martin Siewert sowie Keyboarder/Bassist zeitblom für Aufnahmen zu einem Hörspiel. Mit im Studio war auch Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten, der gleich für das gemeinsame Projekt ihres ersten Debütalbums Sweeter As The Years Roll By (2008) als Gastsänger angeheuert wurde.

Heaven And verbindet hier Elemente aus den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen der letzten fünf Jahrzehnte. Es klingen diverse Stile an, beispielsweise Psychedelic, Jazz-Trance oder Gitarrenklänge wie man sie von den so genannten ‚Americana‘-Bands hört. Manchmal scheint es wie ein Update der stoischen Krautrock-Monster aus den frühen 70ern, so der Musikkritiker Ralf bei der Kellen, „wobei der Bass den eines Holger Czukay in puncto Minimalismus bei weitem überbietet“. Zuweilen manisch und explodierend, wild und „hippiehaft“ chaotisch. Heaven And schicken ihre Hörer auf eine verstörende Achterbahnfahrt der Stile: Blues, Postrock, Heavy Metal, Free Jazz, Noise …

Doch hat man von den Musikern Martin Siewert (guitars, lap steel, electronics, keyboards), Tony Buck (drums, percussion), Steve Heather (drums, marimba, percussion) und zeitblom (bass, keyboards) bislang nicht einen klischeehaften Ton gehört, so Ralf bei der Kellen. „Sie bedienen sich der im 21. Jahrhundert zum Klischee verkommenen musikalischen Formen und füllen sie mit neuen Ideen – mit ihren Ideen.“ Ihre Musik ist intensiv und kompromisslos. Alles was musikalisch vorstellbar ist, kann hier geschehen.

Bei MaerzMusik, das Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele, präsentieren Heaven And erstmals die Musik ihres neuen Albums Bye And Bye I’m Going To See The King. Selten ist man so gespannt!

www.myspace.com/heavenand (Heaven And auf MySpace)

In Zusammenarbeit mit Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termin:

Fr, 26.3.2010, 22:00 | Tickets

Ensemble ascolta | Johannes Schöllhorn

ENSEMBLE

Ensemble ascolta
Markus Schwind, Trompete | Andrew Digby, Posaune
Martin Homann, Schlagzeug | Boris Müller, Schlagzeug
Erik Borgir, Violoncello | Hubert Steiner, Gitarre
Florian Hölscher, Klavier
Johannes Schöllhorn, Leitung


Isabel Mundry: Das Rohe und das Geformte III (2010) UA/AW
Saskia Bladt: V erschütt er ung (2010) UA/AW
Johannes Schöllhorn: Hero und Leander II (2008) UA/AW
Meng-Chia Lin: Tulisan II (2009) UA/AW
Eduardo Moguillansky: Neues Werk (2010) UA/AW
Beat Furrer: Neues Werk (2010) UA/AW

Eine glückliche Fügung brachte sieben hervorragende Musiker zusammen, die sich entschlossen als Ensemble ascolta mit einer Konzentration auf Blech- und Schlagzeuginstrumente innerhalb der Ensemblelandschaft neue Wege zu beschreiten. Zahlreiche Werke, die inzwischen für das Stuttgarter Ensemble geschrieben wurden, bezeugen die Einzigartigkeit dieser kammermusikalischen Formation, deren Spannweite von der klassischen Moderne über theatralische Konzepte bis hin zum Grenzbereich zwischen Neuer Musik und Rock reicht. Die ungewöhnliche Besetzung mit Trompete, Posaune, Schlagzeug, Violoncello, Gitarre und Klavier fordert neue musikalische Inventionen geradezu heraus. MaerzMusik, das Festival für aktuelle Musik, präsentiert mit dem Ensemble ascolta unter der musikalischen Leitung von Johannes Schöllhorn in der historischen Sophienkirche ein reines Uraufführungskonzert, ermöglicht durch gemeinsame Kompositionsaufträge und gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung. Neue Werke von Isabel Mundry (*1963), Saskia Bladt (*1981), Johannes Schöllhorn (*1962), Meng-Chia Lin (*1978), Beat Furrer (*1954) und Eduardo Moguillansky (*1977), Komponisten und Komponistinnen, die in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis einander begegneten, zeigen die ästhetische Mannigfaltigkeit und die künstlerischen Möglichkeiten außergewöhnlicher Instrumentierungen und geben zugleich Einblick in das jüngste kompositorische Schaffen zweier Generationen.

Die Uraufführungen sind gemeinsame Kompositionsaufträge von MaerzMusik | Berliner Festspiele und Ensemble ascolta

www.ascolta.de (Ensemble ascolta)

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Sophienkirche

Termin:

Sa, 27.3.2010, 16:00 | Tickets

Mela Meierhans: Rithaa - Ein Jenseitsreigen

MUSIKTHEATER

ensemble dialogue
Kamilya Jubran, Gesang/Oud | Leslie Leon, Mezzosopran
Anna Spina, Viola | Claudia Eigenmann, Violoncello
Cristin Wildbolz, Kontrabass | Meinrad Haller, Klarinetten
Diane Eaton, Horn/Alphorn | Anita Kuster, Posaune/Alphorn
Françoise Rivalland, Perkussion/Santur
Mela Meierhans, Leitung


Sandra Gysi / Ahmed Abdel Mohsen, Film
Thea van Woland / Haytham Nawar, Visual Arts
Charlotte Frisch, Choreographie
Ina Boesch, Dramaturgie
Julia Wolf, Regieassistenz
Hebba Sherif / Maysoon Mahfoudh, Wissenschaftliche Beratung
Martin Müller / David Buser, Licht/Bühne/Technik
Regina Lorenz, Kostüme
Johanna Schweizer / Ursula Freiburghaus, Projektleitung

Arabische Klagegesänge und Trauerrituale
Jenseitstrilogie Teil II (2010) UA/AW
Ein Musiktheater mit Kamilya Jubran
AW Gare du Nord Basel
Texte von Al-Khansa, Judith Butler, Birago Diop, Salman Masalha, Hassan Najmi

Zwar sind kulturübergreifende Musikprojekte zunehmend angesagt, doch häufig enden sie in klischiertem Exotismus. Nicht so bei der in Berlin lebenden Schweizer Komponistin Mela Meierhans. Wenn sie sich an solche Grenzüberschreitungen wagt, reiben sich musikalische Welten elektrisierend aneinander. So schuf sie 2006 mit Tante Hänsi, dem ersten Teil ihrer Jenseitstrilogie über Totenklagen, aufgeführt bei MaerzMusik 2007, ein Werk, in dem sie artifiziellen Gesang mit Schweizer Jodel kontrastierte – ein Ohrenöffner für beide Genres. In Rithaa – Ein Jenseitsreigen geht sie einen Schritt weiter. In diesem zweiten Teil der Trilogie lässt sie nicht nur zeitgenössische europäische Musik auf zeitgenössische arabische Musik treffen, sondern komponiert – in Zusammenarbeit mit der palästinensischen Komponistin Kamilya Jubran – einen sensiblen Austausch zwischen Orient und Okzident. Das Fundament der kompositorischen Begegnung sind Tonreihen, hergeleitet aus den Buchstaben des lateinischen und arabischen Alphabets. Da es noch immer häufig Sache der Frauen ist, Tote zu beklagen, steht im Zentrum von Rithaa, das sich arabischen Klagegesängen und Trauerritualen widmet, die Frauenstimme. Genau genommen drei Sängerinnen: die im arabischen Raum vor allem als Sängerin bekannte Kamilya Jubran, die Berliner Mezzo-Sopranistin Leslie Leon sowie Nawal Noah, eine ägyptische Klagefrau, die aber nicht auf der Bühne präsent ist, sondern in einer Filmprojektion (von Sandra Gysi und Ahmed Abdel Mohsen). Die drei Frauen stehen für verschiedene Klangtraditionen, in ihren Stimmen vermischt sich die arabische mit der europäischen Musikwelt. So vielfältig das Tonreich, so babylonisch das Sprachengewirr. Basierend auf Texten zeitgenössischer arabischer Dichter, der legendären vorislamischen Poetin Al-Khansa sowie der amerikanischen Philosophin Judith Butler rezitieren und singen die drei Frauen auf Arabisch, Deutsch und Englisch. Musikalisch werden sie unterstützt vom ensemble dialogue, für die Konzeption des Raumes sind verantwortlich Martin Müller (Licht/Bühnenbild), Charlotte Frisch (Choreografie), Thea van Woland (Visual Arts). In Auftrag gegeben wurde nach dem Teil I nun auch der Teil II der Jenseitstrilogie vom Gare du Nord, Bahnhof für Neue Musik in Basel. Die Durchführung wird als Koproduktion des Gare du Nord mit dem Festival MaerzMusik und in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia Kairo realisiert. Gefördert wird Rithaa – Ein Jenseitsreigen durch die Kulturstiftung des Bundes und die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Eine Koproduktion von Gare du Nord/Bahnhof für Neue Musik Basel und MaerzMusik | Berliner Festspiele, gefördert durch Kulturstiftung des Bundes und Pro Helvetia
In Zusammenarbeit mit Haus der Kulturen der Welt und Pro Helvetia Kairo

www.meierhans.info (Mela Meierhans)
www.kamilyajubran.com (Kamilya Jubran)
www.meierhans.info/ensemble_dialogue (Ensemble dialogue)

Eintritt
€ 20,– | 15,– | 12,– | Voraufführung € 15,–

Ort:

Haus der Kulturen der Welt

Termine:

Sa, 27.3.2010, 18:00 | Voraufführung | Tickets
So, 28.3.2010, 20:00 | Tickets
Mo, 29.3.2010, 20:00 | Tickets

Ensemble Musica Universalis | Marc Busnel

SLOW LISTENING

Ensemble Musica Universalis
Marc Busnel, Leitung


Antoine Brumel | Clemens Goldberg:
Et Ecce Terrae Motus – Es bebte die Erde (2010) UA
Utopische Musik im Angesicht des Untergangs
Eine Raum-Klang-Aufführung von Teilen der Messe von Antoine Brumel (um 1500) nach dem Verfahren des „Slow Listening“

Um das Jahr 1500 erlebte Europa einen ähnlich radikalen Umbruch aller Werte wie heute. Der Mensch setzte sich ins Zentrum, blickte zurück auf eine verlorene metaphysische Ordnung und erschuf sich selbst neue Räume und eine neue Zeitwahrnehmung. Es entstand die erste 12-stimmige Messe der Musikgeschichte, mit kreisenden Klängen um den Menschen im Zentrum, ein grandioses, einzigartiges Werk. Antoine Brumel schuf diesen musikalischen Kosmos auf der Basis von sieben Tönen, die nach dem Tod Jesu am Ostermorgen noch vor der Auferstehung an das Erdbeben erinnern, das den Tod Gottes begleitete.

Im Rahmen von MaerzMusik, des Festivals für aktuelle Musik, das sich in diesem Jahr mit dem Thema [verlorener] Utopien auseinandersetzt, findet mit hervorragenden Gesangssolisten unter der Leitung von Marc Busnel im großen Saal des Radialsystem V die Premiere einer einzigartigen Raum-Klang-Aufführung statt, die diese historische Musik neu erfahrbar macht. Et Ecce Terrae Motus – Es bebte die Erde von Antoine Brumel und Clemens Goldberg, eine „Utopische Musik im Angesicht des Untergangs“, leitet das Publikum auf einen Stationenweg der vom Menschen verursachten und der natürlichen Katastrophen von der Gegenwart bis in das Jahr 1500. Mit Bildern und Texten sowie Teilen der Messe von Antoine Brumel erlebt der Hörer die Fragen der Kunstwerke als seine heutigen Fragen. Kann die magische Musik der Messe über das Erdbeben am Ostermorgen die Frage nach einem Überleben im Angesicht des Untergangs beantworten?

Eine Produktion der Goldberg Stiftung in Zusammenarbeit mit MaerzMusik | Berliner Festspiele und Radialsystem V, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

www.clemensgoldberg.de (Clemens Goldberg)

Eintritt: Einheitspreis € 15,–

Ort:

Radialsystem V

Termine:

Sa, 27.3.2010, 22:00 | Tickets
So, 28.3.2010, 11:30 | Tickets

Bernhard Leitner: HörSaal

INSTALLATION | ERÖFFNUNG

Bernhard Leitner:
HörSaal. Eine Wellenfeld-Installation (2010) UA

Florian Goltz, Audio-Informatik

HörSaal ist eine ortsspezifische, ortsgebundene Ton-Raum-Arbeit. Das Instrumentarium dafür ist das im Vorlesungsraum H104 der TU Berlin eingebaute Wiedergabesystem mit 832 Audiokanälen. Es ist ein in dieser Größenordnung einmaliges Instrument, um mit der Technik der Wellenfeldsynthese komplexe weiträumige Szenarien zu erfinden und zu gestalten.

Im Gegensatz zu einer konzertartigen Benutzung des Raumes mit seinen streng ausgerichteten Sitzreihen (für eine Vorlesung), ist HörSaal als frei begehbare Ton-Raum-Komposition konzipiert. Mit der Wellenfeldsynthese lässt sich das Schallfeld einer Klangquelle an jeder beliebigen Position des Raumes herstellen. Die Arbeit HörSaal setzt dies ästhetisch in einen dynamischen Ton-Raum und in einen statischen Ton-Raum um.

Im dynamischen Teil (Verwehter Raum) werden Klänge zwischen mehreren abstrakten Orten im Raum bewegt. Diese Bewegung wird mit einer zweiten Bewegung zwischen anderen abstrakten Orten überlagert. Beide werden wiederum mit einer dritten, vierten und fünften Ebene verschiedenartiger Bewegungsstrukturen im Raum überschichtet. Das komplexe Raumgewebe suggeriert ein freies Wehen, obwohl es eine exakte und keine aleatorische Gestalt darstellt.

Im statischen Hör-Raum (Inselwelt) erwandert der/die Hörende verschiedene Orte im Raum, die visuell-installativ ausgewiesen sind. Aus einem diffusen Klang im gesamten Raum, der sich aus über zehn verschiedenen Sprachspuren (Kanälen) aufbaut , tritt man in genau vermessene Klang-Orte hinein, um in diesen ganz individuellen Hör-Räumen die Klangwelt gesprochener Worte bedeutender Physiker wie Planck, Schrödinger, Einstein zu erleben.

Bernhard Leitner

Eine Koproduktion von TU Berlin | Elektronisches Studio – Fachgebiet Audiokommunikation und MaerzMusik | Berliner Festspiele

Eintritt frei

Ort:

Technische Universität Berlin, WellenFeld H 104

Termine:

So, 28.3.2010, 16:00 - 19:00
Mo, 29.3.2010, 15:00 - 19:00
Di, 30.3.2010, 15:00 - 19:00

Arabische Musik

SONIC ARTS LOUNGE

In Zusammenarbeit mit Haus der Kulturen der Welt

Eintritt: Einheitspreis € 12,–

Ort:

Haus der Kulturen der Welt

Termin:

So, 28.3.2010, 22:00 | Tickets

MaerzMusik

Berliner Festspiele

Schaperstraße 24
D-10719 Berlin

Telefon: +49 (0)30 254 89-218
Fax: +49 (0)30 254 89-114
E-Mail: maerzmusik@berlinerfestspiele.de

Künstlerische Leitung: Matthias Osterwold
Organisationsleitung: Ilse Müller