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Schauspielhaus Bochum

In Bochum steht ein Schauspielhaus. Groß und stolz. Das schönste Theater der Welt, sagt man in Bochum. Die Adresse ist fürstlich: Königsallee. Der Eindruck von außen: ein Schiff, abfahrbereit der Stadt entgegenblickend.

Seit jeher bedeutet die Bühne die Welt, und deshalb soll die Welt auch hinein in dieses Theater. Sie darf es sprengen, ausdehnen, bis sich die weißen Säulen am Portal biegen, so wie in unserem neuen Signet: die Welt im schönsten Theater der Welt, zu Hause.
Und umgekehrt auch: ein Theater, das sich den Fragen der Welt stellt.

Aufbruch und neue Vielfalt verspricht die Spielzeit 2018/2019. Ein Aufbruch von sattsam bekannten Sichtweisen und Konventionen. Und ein Aufbruch in eine neue Zeit für das Schauspielhaus Bochum, in der kulturelle, politische und soziale Vielfalt
sein Gesicht prägen – so, wie sie es mit der Welt ja auch tun und mit unserer Heimat, dem Ruhrgebiet.

Kontakt

Schauspielhaus Bochum
Königsallee 15
D-44789 Bochum

Telefon: +49 (0)234 / 3333-5555
Fax: +49 (0)234 / 3333-5512

 

THEATERKASSE:
Königsallee 15
44789 Bochum
Tel. 0234 / 33 33 55 55
Email tickets@schauspielhausbochum.de
Bewertungschronik

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Bewertungen & Berichte Schauspielhaus Bochum

© Birgit Hupfeld
Schauspiel

Lorenzaccio

von Alfred de Musset und George Sand
Fassung von Nora Schlocker und Susanne Winnacker

Premiere: 26.5.2022

1835 schreibt Alfred de Musset aus Enttäuschung über die Französische Revolution das Stück Lorenzaccio, inspiriert durch den Text Gabriel der Schriftstellerin George Sand. Er siedelt es im Florenz des Jahres 1536 an, in dem Alessandro, ein Spross aus einer Seitenlinie der Medicis, von Papst Clemens VII. und Kaiser Karl V. zum Fürsten über die Stadt gemacht wurde, der sich mit Hilfe deutscher Söldner an der Macht hält und, selbst ohne Ambitionen, politisch eine Marionette von Papst und Kaiser ist. Man sieht eine Stadt in Dekadenz versinken, Klerus und Adel sich in kleinen Intrigen und idiotischen Ausschweifungen verbrauchen und das Volk leiden, darben und resignieren.

Lorenzo de Medici, der rechtmäßige Fürst dieser Stadt, ein Liebhaber der Künste, ein Mäzen und ein nachdenklicher, zaudernder Mensch, empfindet es als einzige Aufgabe seines Lebens, den amtierenden Fürsten Alessandro zu töten, um der Republik zu neuem Leben und zu neuer Blüte zu verhelfen. Als er es schließlich tatsächlich über sich bringt, dieses Attentat zu begehen, ist es ein Alleingang, der ohne Echo bleibt.

Die jungen Studenten, die seine Tat als Fanal sehen und eine Revolution versuchen, sind als Bewegung zu schwach, das System demgegenüber ist korrupt, innerlich ausgehöhlt und absolut unempfindlich gegenüber dieser Tat eines einzelnen Menschen; die jungen Revolutionäre werden schlicht niedergemetzelt, das System richtet sich unverzüglich wieder auf, und es ändert sich – nichts.

Das Stück ist aktuell, denn es spiegelt eine Situation, in der Gemeinschaft „von oben“ verordnet wird, Korruption überall die drängenden Probleme zudeckt. Die Frage ist, was der Jugend bleibt, welche Welt und Chancen wir ihnen überlassen.

Regie: Nora Schlocker

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Schauspiel

Der große Gatsby

nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald
in einer Bearbeitung von Angela Obst und Marvin L.T. Müller

Premiere: 29.5.2022

Groß, größer, Gatsby. Innerhalb kürzester Zeit hat es Gatsby vom mittellosen Kriegsveteranen zum steinreichen Millionär gebracht. Er schmeißt die größten Partys, alle Welt schart sich um ihn. Doch niemand weiß, wer er wirklich ist – allerorten wimmelt es vor Gerüchten. Als Nick Carraway neben Gatsbys Anwesen zieht, setzt er langsam das Bild eines Mannes zusammen, der einzig und allein von einer verzweifelten Obsession getrieben ist: seine Jugendliebe, die aus reichem Hause stammende Daisy, zurückzugewinnen. F. Scott Fitzgeralds berühmtester Roman aus den goldenen 1920er Jahren, dem Jazz Age, erzählt von leerem Geld, der Gier nach Halt und den in Gin ertränkten Träumen einer vom Weltkrieg zerrütteten Generation. Mit ihrer Erfahrung der erlebten Katastrophe und der fiebrigen Ahnung einer nächsten wirft diese nervöse Transit-Zeit steile Schlagschatten auf unsere Gegenwart, in der wir jegliches Gefühl dafür verloren haben, zu wissen, was wird. Nur der nächste Gin ist sicher.

Regie: Zita Gustav Wende
Bühne: Sophia Profanter
Kostüm: Tanja Maderner
Dramaturgie: Angela Obst, Marvin L. T. Müller

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Schauspiel

Hoffen und Sehnen / Umut ve Özlem / Nadzieja i tęsknota

Sommertheater / Auftragswerk

Uraufführung: 18.06.2022

Halil will eigentlich sterben, Minka will unbedingt leben – und wie! Sie möchte in das Dorf ziehen, aus dem ihre Mutter kommt. Halil ist einmal zurückgegangen. Und dann ist er wiedergekommen – zurück vom Zurück. Auf dem Platz vor dem Schauspielhaus Bochum treffen Halil und Minka aufeinander. Und beginnen, ihre Geschichte zu erzählen. So wie später auch der junge Levni und seine kleine Schwester Sefa oder Bartosz und Irka. Der kauzige Bartosz, der an einem Haus baut, von dem niemand weiß, wo es steht, selbst seine Frau Irka nicht.

Daneben treten auf – in Person: die Stadt Bochum, die Hoffnung und die Sehnsucht. Und es spricht ein vielstimmiges, selten einstimmiges Erzähl-Kollektiv: der Chor der Zugewanderten. Auch sie werden aufgefordert, ihre Geschichten zu erzählen. Aber was genau? Von der Arbeit im Bergbau, vom Leben in der Stadt, von der Familie, den Kindern? Wirklich die ganze Geschichte? Kritische Stimmen werden laut, die da sagen: Ich entblöße mich nicht! Interessiert es euch denn überhaupt? Die ganze lange Geschichte? Damit sie wieder da rein und dort wieder rausgeht. Ihr wollt, dass es euch gefällt, aber es soll meine Geschichte bleiben, nicht zu eurer werden! Dabei ist allein das Paradies der Ort, an dem es egal ist, wo du herkommst. Über das Wir und das Ihr geht es streitlustig zu in diesem Bochum-Spiel der vielen Perspektiven.

Das Ensemble aus Schauspieler*innen des Theaters und Bochumer*innen wird dabei musikalisch von einer Live-Band unterstützt. Der Theatervorplatz ist die ganz große Bühne für alle und das Schauspielhaus-Gebäude die Kulisse.

Auf der Basis von Gesprächen mit Bochumer*innen mit polnischem oder türkischem Background schreibt der Theaterautor Akın Emanuel Şipal im Auftrag des Schauspielhauses das Stück Nadzieja i tęsknota / Umut ve Özlem / Hoffen und Sehnen. Die Regisseurin Liesbeth Coltof, die auch Die unendliche Geschichte inszeniert hat, bringt es auf die Bühne. Als Abschluss der Saison 2021/2022 wird Hoffen und Sehnen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen Ende Juni 2022 gezeigt werden. Eine Vorstellung für die ganze Stadt: offen, berührend, unterhaltsam. Ein Sommer-Theater-Erlebnis!

Regie: Liesbeth Coltof
Bühne: Guus van Geffen
Kostüm: Carly Everaert
Musik: Johan Leenders
Musiker: Daniel Brandl, Lukas Meile
Lichtdesign: Jan Hördemann
Dramaturgie: Dorothea Neweling

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Schauspiel

Baroque

von Lies Pauwels

Wie fühlt es sich an, das Gewicht dieser Welt zu tragen? Eine Gruppe aus Mitgliedern des Bochumer Ensembles sowie gecasteten Performer*innen stellt sich mit ihren Körpern und ihren Gefühlen der Schaulust des Publikums. Sie wollen mehr gesehen werden, mehr sein, mehr zeigen. Manchmal auch am liebsten verschwinden. Wir blicken von 2022 aus auf den Barock und durch ihn hindurch auf die Zukunft.

Politische Umschwünge, andauernde Kriege, ökonomische Krisen, Seuchen, existenzielle Ängste, Endzeitstimmung, Unterwerfung der Natur, Fortschrittsglaube und Fortschrittsfurcht. Klingt das nach 16. und 17. Jahrhundert, auch bekannt als Zeit des Barock, oder nach jetzt? Leben wir nicht gerade in der Verschwendung – von Ressourcen und Konsumgütern – und stehen doch mit der Welt am Abgrund? Die Zeiten berühren sich, stellen einander in Frage, verschmelzen.

Es gab Zeiten, da war ein dicker Körper ein Symbol für Wohlstand, Erfolg und Macht. Es gab Zeiten, in denen Regieren bedeutete, eine Show zu veranstalten. Es gab Zeiten, da gab es den Begriff Depression noch nicht mal, und trotzdem war den Menschen die Welt bereits zu viel. Wird es Zeiten geben, in denen wir die Welt vor uns selbst gerettet haben werden?

Baroque – das ist Lebenslust, Fülle, Verausgabung. Eine Zeit der Paradoxe: Weltsucht und Weltflucht. Glaube und Zweifel. Lust an der Verschwendung und Angst vor der Leere.

Mit dieser Inszenierung kehrt die belgische Ausnahmeregisseurin Lies Pauwels nach ihrem Überraschungserfolg Der Hamiltonkomplex in der Spielzeit 2018/2019 ans Schauspielhaus Bochum zurück. In Anlehnung an eine Epoche, deren Merkmale sie bezeichnend für eine Beschäftigung mit unserer heutigen Zeit findet, tragt die Aufführung den Titel Baroque. Lies Pauwels ist berühmt dafür, wie sie in ihren unvergleichlichen Stücken nicht-professionelle Darsteller* innen und Schauspieler*innen auf der Bühne zusammenbringt. Mit ihrem intensiven – durchaus auch barocken – Bildertheater, ihren selbstverfassten Texten und hochemotionalen Soundtracks aus Pop und Klassik lenkt sie unseren Blick auf eine außergewöhnliche Weise auf aktuelle gesellschaftliche Themen.

Konzept, Text, Regie: Lies Pauwels
Bühne, Kostüm: Johanna Trudzinski
Lichtdesign: Wolfgang Macher
Dramaturgie: Felicitas Arnold, Vasco Boenisch

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Schauspiel

Nicht wie ihr

Dies ist die Geschichte des Starfußballers Ivo Trifunović. Über den Fußball sagt er: „Die Frage ist nicht, ob man Fußball liebt, sondern ob man Fußball braucht.“ Ivo braucht ihn, und er hat es geschafft: Chelsea, Real Madrid, HSV, Everton, österreichische Nationalmannelf, EM, WM, Champions League. Aktuell ist es nicht ganz klar, wie es mit seiner Karriere weitergeht, immerhin ist er 27. Zwischen Trainings- und Regenerationseinheiten, endlosen Besprechungen, dem Mental-Blabla der Fitnessheinis, wütenden Trainern und verfressenen Funktionären langweilt Ivo sich und wartet – bei 100.000 Euro in der Woche – auf das nächste Spiel. Ivos Familie kommt aus Serbien, er selbst ist in Wien aufgewachsen. Er liebt seine bosnische Oma und seine Kumpels aus den Käfigen, in denen alles angefangen hat. Und natürlich liebt er seine Frau Jessy und die zwei Kinder. Als er einmal mit seinem Bugatti vor einem Hotel auf Jessy wartet, sieht er Mirna. Mirna, die Göttin seiner Jugend, der Schwarm aller Jungs. Sie verabreden sich, und ab sofort kann Ivo an nichts anderes mehr denken und hört heimlich die Songs der Playlist durch, die Mirna ihm nach ihrem ersten Date geschickt hat.

Eingebettet in die Namen realer Spitzenfußballer und Vereine und vor der Kulisse realer Sportereignisse tauchen wir in die Gedankenwelt dieses fiktiven Ivo Trifunović ein. Er teilt uns seine Sicht auf die Welt mit, das heißt auf den Fußball, auf die Liebe und die Familie. Und auf die Frage von Zugehörigkeit und Ausgrenzung.

Nicht wie ihr bietet in einer unterhaltsamen, direkten Sprache eine sehr spezielle Perspektive auf das (Macho-)Geschäft Fußball. Nicht im Theater, sondern in Vereinsheimen von Bochumer Fußballvereinen wird diese Aufführung nach dem gleichnamigen Roman von Tonio Schachinger gezeigt werden. Ganz sicher nicht nur vor Fußballfans!

Regie: Malte Jelden
Bearbeitung: Malte Jelden, Dorothea Neweling
Bühne: Malte Jelden
Kostüm: Sophia Deimel
Dramaturgie: Dorothea Neweling

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© Birgit Hupfeld
Schauspiel

Die Hermannsschlacht - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht

Treffen sich Hermann und Varus im Teutoburger Wald. Sagt der eine: „Time to say goodbye!“ Darauf der andere: „I will survive!“ Doch Hermann ironisch: „Knock knock knockin’ on heaven’s door!“ Was man dann noch hörte, war ein leises Bang Bang. Und Varus bites the dust. – Was waren das für Zeiten, als Hermann der Cherusker 9 n. Chr. die Römer aus Germanien vertrieb. Ein deutscher Mythos. Ein Bochumer Mythos: Die Hermannsschlacht, das patriotische Heldendrama, von Claus Peymann 1982 an der Königsallee zeitkritisch in Szene gesetzt. Heute versammeln sich im Schauspielhaus die Mitglieder der Frohsinn Singing Society aus Bochum-Wattenscheid, um gleich mehrere spektakuläre Hermann-Jubiläen zu feiern. Ein heiter-geselliger Abend auf den legendären Spuren von Arminius, Ventidius, Thusnelda und den Original-Sandalen von Gert Voss. Sing Hallelulja!

Die Hermannsschlacht – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie gehört in die Reihe von charmant-persiflierenden Musiktheaterabenden, die die Regisseurin Barbara Bürk und der Musiker, Schauspieler und Regisseur Clemens Sienknecht erfinden und in denen sie klassische Dramen, Romane oder Mythen nostalgisch und schräg nachspielen und nacherzählen. So entstand am Deutschen Schauspielhaus Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2016. Es folgten Adaptionen von Anna Karenina, Madame Bovary und den Nibelungen. Am Schauspielhaus Bochum widmen sie sich mit Pop-Songs und neuen Texten in einer ganz besonderen Jubiläumsshow der viel diskutierten Hermannsschlacht von Heinrich von Kleist, dem Stück Weltliteratur, das wohl wie kein zweites mit dem Bochumer Theater verbunden ist.

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne, Kostüm: Anke Grot
Lichtdesign: Wolfgang Macher
Dramaturgie: Vasco Boenisch

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Schauspiel

Mit anderen Augen

Ein musikalischer Abend über das Sehen
von Selen Kara und Torsten Kindermann

Mit anderen Augen ist eine berührende Theatercollage aus Songs, Texten, Bildern, Klängen und Sinneseindrücken, die auf poetische Weise eintaucht in die Welt der Blindheit. Wir leben in einer Gesellschaft der Sehenden. Von „Auf Wiedersehen“ über den blinden Alarm bis zur Liebe auf den ersten Blick ist unsere Sprache voller Metaphern des Sehens. Häufig werden Erkenntnis und Rationalität mit Licht und Sehen verknüpft, Unmündigkeit und Irrationalität hingegen mit Bildern der Blindheit und Dunkelheit. Die Welt der Blindheit ist vielen von uns vollkommen unbekannt, wir sprechen selten bis nie darüber, auch, weil wir nicht betroffen sind – oder Angst davor haben.

Und so ist unser Leben auf das Sehen aufgebaut. Doch was geschieht, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt wird. In welchem Raum befinden sich blinde oder sehbehinderte Menschen? Was bedeutet Zeit für sie? Was erzählen Töne, Geräusche? Kann man mit den Ohren sehen? Diesen und anderen Fragen geht Mit anderen Augen nach.

In diesem musikalischen Abend lenken Texte von blinden und sehbehinderten Menschen und die Lyrics der live gesungenen Songs unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Wahrnehmung weg vom Visuellen hin zu anderen Sinnen wie dem des Hörens. Nicht als Ersatz, vielleicht als Gewinn. Mit anderen Augen spürt mit musikalischen und akustischen Mitteln dem Sehen und Nichtsehen nach und schafft sinnlichemotionale Erfahrungen. Die acht Spieler*innen und Musiker befinden sich in einem Raum, der sich zwischen Dunkelheit, Unschärfe, hellem Licht und dem Verzicht auf starke Farben bewegt. Die Inszenierung unternimmt den Versuch, die Aufführung auch für nicht sehende Zuschauer*innen erfahrbar zu machen, auch mit Hilfe von Audiodeskription. Mehr als sehenswert!

Regie: Selen Kara
Musikalische Leitung: Torsten Kindermann

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Schauspiel

Wer hat meinen Vater umgebracht

Édouard Louis ist jung und zornig und erhebt seine Stimme gegen jede soziale Ungerechtigkeit. Sein Credo als Schriftsteller lautet: „Literatur muss kämpfen, für all jene, die selbst nicht kämpfen können.“ Louis weiß, wovon er spricht. Als Jugendlicher verlässt er sein Zuhause, weil er die Enge nicht länger erträgt, die Ablehnung und Gewalt, die er von seinen Eltern, vor allem seinem Vater, erfährt. Er beginnt ein neues Leben als junger schwuler Mann in Paris, macht aus seiner Lebensgeschichte einen Roman, das wütende Dokument einer Selbstbefreiung: Das Ende von Eddy. Er wird der Shootingstar der Literatur- und Intellektuellenszene Europas. Aber er ist nicht fertig mit der Geschichte seiner Familie – die auch die Geschichte einer Generation und eines Landes ist. Als Kind hat Louis miterlebt, wie sein Vater nach einem Arbeitsunfall Opfer der Sozialkürzungen wurde und nur noch als Straßenfeger arbeiten konnte. Richtete sich Louis’ Wut in seinem ersten Buch gegen seine Eltern, ist er in Wer hat meinen Vater umgebracht voller Mitgefühl für seinen Vater und versteht nun dessen Wutausbrüche und Verzweiflung. Seine Rückkehr zu ihm wird zu einer tief bewegenden Hommage an den eigenen Vater und dessen gescheiterte Träume.

Und mehr als das. Es ist das Porträt von Menschen, die als Schwächste in der Gesellschaft keinen Platz haben. Menschen, die übersehen und zurückgelassen werden, von Sozialpolitiker*innen, von den Herrschenden, über Jahrzehnte hinweg. Édouard Louis rechnet ab: mit einem System und seinen Entscheidungsträgern. „Ich will, dass diese Namen ebenso unvergesslich werden wie Shakespeares Richard III. oder Jack the Ripper.“

Der junge polnische Regisseur Mateusz Staniak bringt diesen emotionalen und dringlichen Stoff in einer Region auf die Bühne, die mit dem Ende des Bergbaus und dem Beginn der postindustriellen Zeit mit ähnlichen gesellschaftlichen Fragen konfrontiert ist. „Das Kernproblem unseres politischen Systems ist, dass es immer noch auf Erfahrungen von privilegierten Menschen basiert, für die Begriffe wie ,Armut‘ und ,nichts haben‘ völlig abstrakt sind“, sagt er. „Daraus folgen Stigmatisierung von Menschen und der Verlust ihrer Würde. Sie erzeugen einen Domino-Effekt, der zu Entfremdung und Hoffnungslosigkeit führt. Unsere Aufgabe ist es, die unterdrückende Macht zu verstehen, die durch die ungleiche Verteilung von Wissen und Besitz entsteht.“ Wer hat meinen Vater umgebracht ist sein Regiedebüt in Deutschland.

Based on the book: Qui a tué mon père
Copyright ã 2018, Edouard Louis. All rights reserved

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Schauspiel

Schande (Disgrace)

nach J. M. Coetzee
aus dem Englischen von Reinhild Böhnke

Im Mittelpunkt von J. M. Coetzees Roman Schande (Disgrace) von 1999 steht eine Figur, die lange selbstverständlich im Besitz der höchsten (aufmerksamkeits-)ökonomischen Macht war und mittlerweile unter heftigem Beschuss steht: ein älterer, weißer, heterosexueller, privilegierter Mann. David Lurie, alleinstehender gelangweilter Professor für Kommunikationswissenschaft und Experte für englische Romantik an einer Universität in Kapstadt, findet sich aufgrund einer Affäre mit einer Studentin plötzlich vor einem internen Untersuchungsausschuss wieder, verliert seine Stelle und steht vor dem Nichts. Er zieht aufs Land, zu seiner Tochter Lucy, die auf sich allein gestellt versucht, eine Farm zu bewirtschaften. Dort schreibt er an einer Oper über Byron und wird zunehmend zum „Hunde-Mann“, der in einer Tierklinik angesichts des Verbrennens der Tierkadaver über die nicht nur menschliche Würde nachdenkt. Hier draußen in der Provinz ist die Machtkonstellation eine andere als die, von der David Lurie bisher profitiert hat, jedoch wiederum eine asymmetrische: Lucy als Weiße, lesbische Frau, Nachkommin der Kolonialisten, ist umgeben von den aufstrebenden Schwarzen Männern der postkolonialen südafrikanischen Gesellschaft. Ihr Angestellter Petrus hat nachbarliches Land gekauft und gewinnt zunehmend an ökonomischer Potenz, während für Lucy fraglich ist, wie lange sie noch finanziell überleben wird. Eines Tages wird sie vergewaltigt, ohne dass ihr Vater ihr helfen kann. Petrus kennt die Täter – doch Lucy und ihr Vater haben gänzlich gegensätzliche Ansichten darüber, was nun zu tun ist …

Coetzees Roman spielt etwa fünf Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid in Südafrika und fängt in der umfassenden Krise seiner Hauptfigur die Umbruchsituation einer (post-kolonialen) Gesellschaft ein, in der sich alte Gewissheiten auflösen und neue noch in Verhandlung sind. Dabei sind die asymmetrischen Zuschreibungen permanent fluid, in Bewegung: Wer bestimmt und steht für die (neue) Ordnung, die Norm, wer nicht? Wer ist Täter*in, wer Opfer? Woraus konstituiert sich eine Identität? Ohne den Preis zu verleugnen, der gezahlt wird von allen Seiten, spürt der Text der Frage nach, wie im menschlichen Fallen die Suche nach Würde beginnen kann.

Regie: Oliver Frljić
Bühne: Igor Pauška
Kostüm: Nicole Timm
Musik: Daniel Regenberg
Lichtdesign: Bernd Felder
Dramaturgie: Angela Obst, Dorothea Neweling

Im Rahmen von Zehn X Freiheit – eine Veranstaltung des Regionalverband Ruhr in Kooperation mit den RuhrBühnen

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Schauspiel

Peer Gynt

nach Henrik Ibsen

aus dem Norwegischen von Christian Morgenstern
unter Verwendung eines Interviews mit der ghanaischen Autorin Ama Ata Aidoo und eines Abgesangs auf den westlichen Dramenkanon von Anne Rietmeijer

Ich. Ein schmales Wort, ständig verfolgt, begehrt, aufgeladen, konstruiert, determiniert. Und immer auf der Flucht. Wer ist das: Ich?

Peer Gynt, einer der prominentesten (Traum-)Reisenden der europäischen Literatur, ist ein unsterbliches altes Kind, Legenden entsprungen. Von Henrik Ibsen wird er durch Zeiten und Welten geschickt, um sich selbst, seinen Kern zu finden. Die Flucht, die Peer von seinem norwegischen Dorf aus antritt, dem sozialen Nichts davoneilend, um endlich ein Jemand zu werden, Kaiser am besten, führt ihn zu Trollen und Kranken, zu Affen und Sklaven, durch die Wüste und aufs Meer. Einen Lebensentwurf nach dem anderen streift er ab wie die Schlange die Häute, nach jedem Scheitern ersteht er an neuem Ort wieder auf. Ein ruheloser Weltdurchquerer, (fast) unsterblicher Ego-Shooter ist er, festgelegt nur in seinem unverbrüchlichen Credo: Um mich muss es sich drehen, mein ganzes Leben. Seine Reise – ein großer Budenzauber, ein verzweifeltes Erlebnis-Zapping, eine Ansammlung von hybriden Ich-Entwürfen und Gesten des Menschenverschleißes, die um ein schwarzes Loch kreisen: Wer ist Peer?

In Peer Gynt steckt das – männlich geprägte – Prinzip einer marktliberalen Welt, die in jeden Winkel grapscht, alles auf seinen Mehrwert prüft, zum eigenen Vorteil benutzt und dann verwirft. Doch zugleich handelt Ibsens Phantasmagorie von einem sozial Deklassierten, der sich in verschwenderischen Lügen und Wegwerfgesten dem Gesetz seiner Welt anpasst und einen Umweg nach dem andren nimmt, um zur Erkenntnis zu kommen – denn "das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist" (Heinrich von Kleist).

Der tschechische Regisseur Dušan David Parízek, der zuletzt am Schauspielhaus Bochum Iphigenie nach Euripides und Elfriede Jelinek inszenierte, entwirft mit Peer Gynt eine Studie männlicher soziopathischer Machtstrukturen, aus denen sich ein fehlerhaftes System speist: die Welt, in der wir leben.

Regie, Bühne: Dušan David Pařízek

Dauer: 2h, keine Pause
Sprache: deutsch mit englischen Untertiteln

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© Birgit Hupfeld
Schauspiel

Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich

nach David Foster Wallace

Mit Corona kam auch die boomende Kreuzfahrtschifffahrt vorläufig zum Erliegen. Doch inzwischen wird wieder um die verunsicherte Kundschaft geworben: „Bleiben Sie unter sich: Rundumsorglos – an Bord und an Land.“

Für manche klingt das mehr wie eine Drohung. Eine siebentägige Luxuskreuzfahrt in der Karibik zum Beispiel – für David Foster Wallace kann es keine kürzere Definition für die Hölle geben. Im Auftrag von Harper’s Magazine ging der berühmte US-Autor Mitte der Neunziger an Bord der Zenith und stach von Key West aus in See. Ein Selbsterfahrungstrip besonderer Güte. Und ein grandioser Reisereport, der seit Jahren auf den Bestsellerlisten steht: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich.

Wallace begibt sich in die kundigen Hände der Schiffscrew, deren Slogan „Your Pleasure is our Business“ (Ihr Vergnügen ist unser Geschäft) bisweilen einen drohenden Unterton annimmt. Er kämpft gegen die Angst, von einer ungemein effizienten Unterdruck-Toilette entsorgt zu werden. Er nimmt am Wettbewerb um die schönsten Männerbeine teil. Er beobachtet 500 amerikanische Leistungsträger*innen beim Ententanz. Und er hört erwachsene Menschen am Info-Counter fragen, ob man beim Schnorcheln nass wird, ob die Crew ebenfalls an Bord schläft oder um welche Uhrzeit das Mitternachtsbüffet eröffnet wird.

Eine Woche lang macht Wallace alles mit, was das Bordleben für den erholungsbedürftigen Urlauber bereithält. Umgeben von Jubel, Trubel und Heiterkeit, wird er selber zunehmend stiller und beginnt, sich in seiner Kabine einzuigeln. So gerät diese Reise übers Meer auch zu einer berührenden Reise zu sich selbst. Doch man muss sich den Dingen stellen und vor allem dem, was für andere Menschen die schönste Zeit des Jahres bedeutet.

David Foster Wallaces so komische wie einfühlsame Beobachtungen über das Leben an Bord einer schwimmenden Hochzeitstorte, über eigentümliche Reisegenoss*innen, unvergessliche Landgänge, den Terror des Amüsierzwangs sowie die eignen Zweifel und Ängste nannte die FAZ ein

„Meisterstück der literarischen Reportage“ und Harald Schmidt schlicht „ein grandioses Buch“. Jetzt als großes Schauspieler-Solo. Leinen los – oder will doch noch jemand zu Hause bleiben?

aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay
Bearbeitung von Vasco Boenisch

Regie: Tamo Gvenetadze

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Schauspiel

Das Gespenst der Normalität

von Saara Turunen

Ein Mann, so hellhaarig und hellhäutig, dass man ihn am liebsten als Albino bezeichnen würde, liest eine Traueranzeige vor. So beginnt das Stück. Der „Albino“ wird von einer Frau gespielt. Seine Identität passt in keine Schublade. In der letzten Szene werden wir seine Beerdigung sehen, in der er offen fragt, warum niemand so schöne Dinge wie in der Trauerrede zu ihm gesagt habe, als er noch am Leben war.

Figuren wie er tauchen auf und ab und wieder auf in dem sonderbaren Szenenreigen Das Gespenst der Normalität der finnischen Autorin und Regisseurin Saara Turunen. Der Titel ist inspiriert von Luis Buñuels Film Das Gespenst der Freiheit. Wo der Film die gesellschaftliche Freiheit in surrealistischen Episoden untersucht, bohrt sich das Theaterstück in unsere Vorstellungen vom Normalen und Alltäglichen. Es erzählt von der Sehnsucht nach dem Gewohnten, aber auch von der Bedrohlichkeit des Andersseins, der Angst, sich von der Menge abzuheben.

Minimalistische Szenen, ruhig, manche ganz ohne Sprache, versehen mit einem feinen Humor, fügen sich nahtlos aneinander und entwickeln einen fast filmischen Sog: eine Familie beim Fernsehen, eine kleine Hochzeitsfeier, eine Frau, die Vokabeln lernt, eine Frau beim Paartherapeuten, Schulkinder im Chorunterricht oder junge Männer in einem Nachtclub. Doch diese Idyllen haben feine Risse: Die Welt ist in diesem Stück ein Durchgangszimmer, in dem jede und jeder zu Hause und auch wieder fremd ist. Diese Menschen haben Wünsche und Ängste; sie wollen dazugehören, nicht auffallen, sich frei entfalten oder andere in ihre Schranken weisen. Saara Turunen, Jahrgang 1981, erzählt hiervon in einer ganz eigenen Theatersprache, die eine Entdeckung im deutschsprachigen Theater ist. Sie verfremdet das Gewöhnliche, indem sie eine absurde Welt aus traumartigen Bildern erschafft. Fast so, als wären die skurrilen Melancholiker aus den Filmen von Roy Andersson oder Aki Kaurismäki in die klaustrophobischen Kunst-Tableaus einer Theateraufführung von Susanne Kennedy geraten. Wie das aussieht? Jedenfalls alles andere als normal.

Die finnische Originalversion entstand 2016 am Q-teatteri in Helsinki und dem Tampereen Teatterikesä.

Aus dem Finnischen von Stefan Moster

Regie: Saara Turunen
Bühne: Milja Aho
Kostüm: Laura Haapakangas, Liisa Pesonen
Sounddesign: Tuuli Kyttälä
Choreografie: Janina Rajakangas
Lichtsesign: Erno Aaltonen
Dramaturgie: Dorothea Neweling

Koproduktion mit Turunen Company. Unterstützt von Arts Promotion Centre Finland, Alfred Kordelin Foundation, The Finnish Cultural Foundation, Goethe Institut Finnland & TINFO - Theatre Info Finland

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Schauspiel

Iwanow

von Anton Tschechow

Neuübersetzung aus dem Russischen von Angela Schanelec, nach einer Interlinearübersetzung von Elena Sinanina

Iwanow kennt sich selbst nicht mehr. Nach dem Studium war er voller Tatkraft, wollte sich sozial engagieren, für Reformen eintreten, die Rückständigkeit der Provinz bekämpfen. Nun ist alle Energie verpufft, und er weiß nicht, warum und wohin. Vor fünf Jahren hat er Anna geheiratet, eine reiche Jüdin, die aus Liebe zu ihm alles aufgegeben hat, ihren Glauben, ihr Erbe, ihre Beziehung zu den Eltern. Anna ist an Tuberkulose erkrankt, aber Iwanow hat kein Geld für die Kur, ist verschuldet, und es fehlt ihm jegliche Kraft, etwas daran zu ändern. Um sich abzulenken, besucht er seinen alten Freund und Gläubiger Lebedew. Dessen Tochter Sascha ist jung, leidenschaftlich, freidenkend. Sie ist davon überzeugt, dass ihre Liebe zu Iwanow ihn wieder aufrichten wird. Raus aus der Enge!

Ein Jahr nach Annas Tod soll die Hochzeit stattfinden. Doch Gerüchte machen die Runde. Man glaubt, Iwanow habe seine Frau durch sein rücksichtsloses Verhalten ins Grab gebracht und heirate die reiche Sascha nur, um sein verschuldetes Gut wieder hochzubringen. Iwanow selber findet sich unerträglich, lachhaft. Er will alle Pläne abblasen. Doch als auch dieser Versuch scheitert, bleibt ihm nur noch eine letzte Möglichkeit, um nicht auch noch das Leben Saschas zu zerstören…

Regie: Johan Simons
Neuübersetzung: Angela Schanelec
Interlinearübersetzung: Elena Sinanina
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Sofia Dorazio Brockhausen
Musik: Benjamin van Dijk
Lichtdesign: Bernd Felder
Dramaturgie: Angela Obst

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Schauspiel

Antigone. Ein Requiem / Die Politiker

von Thomas Köck / Wolfram Lotz

Wer übernimmt in diesem Land eigentlich die Verantwortung?

An die Strände werden Leichen gespült, dorthin, wo sich die Bürger*innen sonst sonnen. Zahllose unverwandte, anonyme, fremde Körper. Der Chor fragt sich, wen diese Toten etwas angehen. Etwa ihn selbst, die Bürger*innen, oder Kreon, den Herrscher? Das Fundament der heimischen Demokratie ist fragil, weiß der Chor. Möglicherweise wird es einstürzen angesichts zu vieler fremder Leichen? Kreon zumindest will von ihnen nichts wissen, es sind nicht seine Toten. Aber Antigone fühlt sich verantwortlich: Sie packt die Körper aus den eilig herbeigeschafften Säcken und schleift sie in die Stadt. Die Diskussion um den Umgang mit den herangespülten Namenlosen, nicht Identifizierbaren, spaltet Theben. Nicht der tote Bruder steht im Zentrum dieser „Rekomposition“, wie Autor Thomas Köck sein Stück antigone. ein requiem bezeichnet. In seiner Bearbeitung des antiken Stoffes von Sophokles entwickelt sich der Konflikt zwischen Kreon und Antigone zu einem Diskurs über Menschenrechte, Werte und politische Praxis. Denn Kreon sieht keine Verantwortung an dem Schicksal dieser Toten. Vielmehr steht ihm der Sinn nach einer neuen, neoliberal geprägten Zeit, die den Staat aus seiner sozialen Verantwortung entbindet und Macht bei ihm bündelt. Auch Autor Wolfram Lotz stellt die Frage nach der Erwartungshaltung an unsere „Volksvertreter“. Sein großes Sprachgedicht Die Politiker sammelt all die hohen und hohlen Ansprüche, die wir an „die Politiker“ stellen. In Wortkaskaden ergießt sich das, was sie können, müssen, dürfen, sollen, nicht sollen und nicht dürfen und überhaupt nicht dürfen, über uns und bohrt sich immer tiefer ins Gehör und ins Gehirn. Und ins Privatleben. Denn am Ende sind wir auch Politiker*innen unserer selbst.

Lotz’ Text, ausdrücklich verfasst zur Kombination mit anderen Theaterstücken, verbindet sich an diesem Abend mit Köcks Antiken-Neukomposition. Zwei zeitgenössische Autoren in einem spannenden Dialog über die Rolle jeder*s Einzelnen im großen politischen Gesellschafts-Spiel.

Regie: Franz-Xaver Mayr
Bühne: Michela Flück
Kostüm: Korbinian Schmidt
Musik: Matija Schellander
Dramaturgie: Vasco Boenisch

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Installation

Another Woman

Die niederländische Filmemacherin Nanouk Leopold, bekannt durch Filme wie Brownian Movement und Oben ist es still, entwickelt zusammen mit dem Künstler Daan Emmen eine neue Filminstallation eigens für die Räumlichkeiten des Oval Office. Sie arbeiten seit 2009 unter dem Namen Leopold Emmen zusammen.

Für das Oval Office schaffen sie ein physisches und räumliches Filmerlebnis. Simultan auf mehreren Projektflächen zeigt das Künstlerpaar Momentaufnahmen menschlicher Beziehungen, die sich in den Augen der Zuschauer*innen auf unterschiedliche Weise zusammensetzen. Ausgehend von einem universellen Thema – dem Ende einer alten Beziehung und dem Beginn einer neuen – gibt die Installation Raum, die Möglichkeiten einer kinematografisch und räumlich gestalteten Erzählung zu erkunden.

In ruhigen Bildern entstehen zwischen der Schauspielerin und Sängerin Sandra Hüller, dem Performer und Theatermacher Gillis Biesheuvel und der Choreografin und Tänzerin Meg Stuart intime Momente voller Schmerz und Leichtigkeit.

Kurator Oval Office: Tobias Staab

Di – So, 16:00 – 21:00

Eintritt frei

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Kindertheater

Ton

von Barbara Kölling
Für Menschen ab 2 Jahren

Alles beginnt mit der Erde, diesem riesigen Erdklumpen! Aus Erde entstehen die Dinge. Man kann sie formen, gestalten. Ist das ein Klumpen oder ein Kopf? Die Schauspielerin Karin Moog und die Musikerin Maika Küster entwickeln gemeinsam Bilder und Klänge. In ihrer Ton- und Klangwerkstatt entstehen Wesen mit einem eigenen Kopf. Es wird geformt und gestaltet, gematscht und gelacht. Und genauso schnell, wie alles entsteht, kann es auch wieder vergehen. In diesem Stück für Menschen ab 2 Jahren spielen der Ton und die Töne miteinander, es klingt und tönt, es wird geknetet und geformt. „Es sind die Kinder, die mich zu einer gewissen Abstraktion in der Arbeit geführt haben. Interessanterweise vor allem die kleinen Kinder. Gleichzeitig entsteht gerade im Kontakt mit kleinen Kindern der Wunsch, auf ihre absolute Offenheit zu reagieren, ihnen behutsam und ebenso wach zu begegnen. Wahrnehmen mit allen Sinnen und mit dem gesamten Körper.“ Barbara Kölling

Regie: Barbara Kölling
Bühne: Ingrid Pons i Miras
Kostüme: Lasha Iashvili
Musik: Maika Küster
Lichtdesign: Bernd Kühne
Dramaturgie: Cathrin Rose

Mit: Maika Küster, Karin Moog

Gefördert durch Neue Wege. Kommunale Theater & Orchester in NRW

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Gespräch

Ein Gast. Eine Stunde

Norbert Lammert im Gespräch mit Joachim Gauck

Bundestagspräsident a. D. Norbert Lammert lädt zum Gespräch ins Schauspielhaus. Diesmal zu Gast: Bundespräsident a. D. Joachim Gauck. Der evangelische Theologe war in der DDR u. a. Pastor und Kirchenfunktionär und engagierte sich im Neuen Forum. Nach der Wende wurde er der erste Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen („Gauck-Behörde“). Von 2012 bis 2017 war er Bundespräsident der Bundesrepublik.

Ein Gast, seine Biografie und eine gute Stunde Zeit. In der Reihe Ein Gast. Eine Stunde lädt Bundestagspräsident a. D. Norbert Lammert zum Gespräch ins Bochumer Schauspielhaus. Jeweils eine Persönlichkeit aus Kultur, Wirtschaft oder Politik berichtet von prägenden Ereignissen in ihrem Leben und diskutiert mit dem Gastgeber gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Norbert Lammert zählt zu den angesehensten Vertretern der deutschen Politik und ist über Parteigrenzen hinweg als profilierter Denker und Redner angesehen. Der bekennende Bochumer ist daneben Theater-, Musik- und Literaturliebhaber. Bisher waren u. a. Herta Müller, Wolf Biermann, Igor Levit und Wolfgang Clement zu Gast.

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Kinderprogramm

Gorilla Club

Gastspiel / Für Menschen ab 4 Jahre

Kleine und große Liebhaber*innen von deutschem Indie-Pop aufgepasst! Im Juni wird der Vorplatz des Theaterreviers gerockt! Die Band GORILLA CLUB kommt nach Bochum, um die neuen Songs aus ihrem letzten Album OK COOL zu spielen. Euch erwartet „progressive, unspießige, geile Musik für Kinder und die Leute um sie herum” (Björn vom GORILLA CLUB).

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Schauspiel

Whatever the fuck you want

Ausgewählt durch die Drama Control

Bringt eure kreativsten Ideen und Träume ins Rampenlicht! Ob eine Szene, ein Stück, ein Film, ein Konzert, eine Lesung oder ein völlig neues Format: Alles wird möglich. Die Auswahl der Performances erfolgt durch die Drama Control, den Jugendaufsichtsrat des Theaterreviers.

Alle Infos zum Mitmachen unter www.theaterrevier.de

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Schauspielhaus Bochum

In Bochum steht ein Schauspielhaus. Groß und stolz. Das schönste Theater der Welt, sagt man in Bochum. Die Adresse ist fürstlich: Königsallee. Der Eindruck von außen: ein Schiff, abfahrbereit der Stadt entgegenblickend.

Seit jeher bedeutet die Bühne die Welt, und deshalb soll die Welt auch hinein in dieses Theater. Sie darf es sprengen, ausdehnen, bis sich die weißen Säulen am Portal biegen, so wie in unserem neuen Signet: die Welt im schönsten Theater der Welt, zu Hause.
Und umgekehrt auch: ein Theater, das sich den Fragen der Welt stellt.

Aufbruch und neue Vielfalt verspricht die Spielzeit 2018/2019. Ein Aufbruch von sattsam bekannten Sichtweisen und Konventionen. Und ein Aufbruch in eine neue Zeit für das Schauspielhaus Bochum, in der kulturelle, politische und soziale Vielfalt
sein Gesicht prägen – so, wie sie es mit der Welt ja auch tun und mit unserer Heimat, dem Ruhrgebiet.
THEATERKASSE:
Königsallee 15
44789 Bochum
Tel. 0234 / 33 33 55 55
Email tickets@schauspielhausbochum.de

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Bewertungen & Berichte Schauspielhaus Bochum

Aufführungen / Konzert Tonhalle Düsseldorf Düsseldorf, Ehrenhof 1
Aufführungen / Varieté Varieté et cetera Bochum Bochum, Herner Str. 299
Konzerte / Konzert Duisburger Philharmoniker Duisburg, König-Heinrich-Platz
Ereignisse / Festival Mülheimer Theatertage 7. bis 26.5.2022
Ereignisse / Tanz Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Wuppertal, Kurt-Drees-Straße 4
Aufführungen / Theater Theater im Depot Dortmund Dortmund, Immermannstr. 29
Aufführungen / Theater Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr Mülheim an der Ruhr, Dimbeck 2a
Aufführungen / Theater Consol Theater Gelsenkirchen Gelsenkirchen, Bismarckstr. 240
Aufführungen / Theater Theater Dortmund Dortmund, Theaterkarree 1 -3
Aufführungen / Theater Theater an der Ruhr Mülheim an der Ruhr, Akazienallee 61
Aufführungen / Theater Theater Duisburg Duisburg, Opernplatz
Aufführungen / Theater Ringlokschuppen Ruhr Mülheim an der Ruhr, Am Schloß Broich 38
Aufführungen / Theater Theater und Philharmonie Essen Essen, Opernplatz 10
Aufführungen / Schauspiel Theater- und Konzertbüro Mülheim an der Ruhr
So, 22.5.2022, 18:00 Uhr
Aufführungen / Schauspiel Theater- und Konzertbüro Mülheim an der Ruhr
Mi, 25.5.2022, 19:30 Uhr
Aufführungen / Schauspiel Theater- und Konzertbüro Mülheim an der Ruhr
Do, 26.5.2022, 18:00 Uhr
Aufführungen / Varieté GOP Varieté Essen GmbH & CO. KG
Mo, 6.6.2022, 11:00 Uhr
Aufführungen / Kabarett Mein_EinkaufsBahnhof,
Sa, 11.6.2022, 08:00 Uhr
Aufführungen / Theater Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel, Europaplatz 10
Aufführungen / Theater TheaterTotal Bochum, Hunscheidtstr. 154

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