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Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.
Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

Kontakt

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Neue SchauSpielHaus GmbH
Kirchenallee 39
D-20099 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.2 48 71-3
E-Mail: kartenservice@schauspielhaus.de

Bewertungschronik

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Bewertungen & Berichte Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

1 Stream

Ab jetzt

Komödie von Alan Ayckbourn

Am 25.4. und 1.5. ab 18 Uhr als Stream für 24 Stunden online

Der Komponist Jerome arbeitet besessen an einem großen zeitgenössischen Werk zum Thema „Liebe“. Sein Arbeitsprinzip ist das Sampeln und Modulieren von Alltagsgeräuschen und Sprachfetzen. Alle Räume seiner Wohnung sind mit Mikrofonen bestückt, um ununterbrochen alle Geräusche aufzeichnen zu können. Doch Jerome hat ein Problem: Seit seine Frau und Tochter ihn – nicht zuletzt wegen seines künstlerischen Abhörwahns – verlassen haben, ist sein Schaffen in eine ernste Krise geraten. Ihm fehlt jede Inspiration. Zumindest die geliebte Tochter, so Jerome, müsse er ab und an sehen, um wieder kreativ arbeiten zu können. Bisher allerdings hegen sowohl das Jugendamt als auch seine Ex berechtigte Zweifel an der sozialen Kompetenz des Künstlers. Sie weigern sich, Besuche seiner Tochter zu bewilligen. Also mietet Jerome eine Schauspielerin, die seine neue Verlobte und eine perfekte Hausfrau spielen soll…

Zurück in die Zukunft. Alan Ayckbourns 1988, vor der digitalen Revolution, geschriebene Komödie ist Science Fiction von gestern. Gemessen an dem, was uns seither an häuslicher Technik umgibt, ist es teilweise anrührend naiv. Als theatrale Versuchsanordnung zum Thema Mensch und Maschine, erlebtem Gefühl und reproduzierbarer Geste, entfaltet sie allerdings immer noch eine kaum überbietbare Situationskomik. Höhepunkt dabei ist der immer wieder um- und fehlprogrammierte Roboter GOU 300 F. Ursprünglich zum Babysitten gedacht, später aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogen, leidet der hochkomplexe Androide an chronischer Unterbeschäftigung, da es eben kein Kind mehr zu betreuen gibt. Die mütterliche Maschine füllt diesen Leerlauf im Beschäftigungsprogramm selbständig und irrwitzig auf, indem er/sie/es in ihren/seinen mechanisierten Sprach- und Handlungsformeln Verhaltensmuster der menschlichen Umgebung kopiert. Während Jerome also all seine Lebens-und Liebesgeräusche aufzeichnet, um daraus das perfekte Kunstwerk zu komponieren, eine Schauspielerin sich bei dem Versuch, seine perfekte Geliebte zu spielen, in ihn verliebt, wird all dies wiederum von einem dysfunktionalen Roboter kopiert und karikiert…

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Hannah Petersen
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Holger Stellwag
Dramaturgie: Christian Tschirner

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30.04.20, 08:41, jen Toller Online-Spielplan mit technisch aufwendigen Produktionen und Mitschnitten.

Toller Online-Spielplan mit technisch aufwendigen Produktionen und Mitschnitten.

Schauspiel

Antiope

von Anne Jelena Schulte

Uraufführung: 18.4.2024

In Theben herrscht die Reinheit. Antiopes Vater, König Nykteus, erlaubt nur das Schöne, selbst schwitzen wird bestraft, alle Widersprüche sind verbannt. Antiope muss fort, sie sucht die Freiheit. Im Wald, im Wilden, Ungeordneten, im Unbeherrschten findet sie sie und wird gefunden: von einem Satyr, Wesen zwischen Mensch und Tier. Oder ist der Satyr vielleicht ein Gott, Zeus? Oder ist Zeus vielleicht Epopeus, König von Sykion? Oder ist Epopeus vielleicht ein ganz anderer? So oder so: Antiope wagt es, sich vom totalitären System ihres Vaters zu lösen, was brutale Rache gegen Mensch und Natur auslöst. Blind vor Hass lässt Nykteus den Wald roden, Antiope, inzwischen schwanger, muss bestraft werden. Nach Nykteus plötzlichem Tod übernimmt sein Bruder Lykos den Thron und potenziert die Totalität des Reinen zur Blutherrschaft. Antiopes Tante Dirke wird zu ihrer Peinigerin, fängt sie, sperrt sie weg, foltert sie. Erst als Antiopes Söhne, die Zwillinge Amphion und Zethos, erwachsen sind, gelingt ihr die Flucht aus der Folterkammer der Tante.

Die Autorin Anne Jelena Schulte hat für das SchauSpielHaus Hamburg einen Text geschrieben, der sich auf die Suche macht nach der verlorenen Geschichte Antiopes, dieser Frau, die immer schon da war, aber nie eine Stimme hatte. Denn mit Euripides‘ verlorenem Drama »Antiope« ging nicht nur ein Stück Literatur verloren, sondern auch ein wichtiges Puzzlestück in der großen antiken Geschichte um die Stadt Theben. Anne Jelena Schulte schließt diese Lücke und fragt in ihrem vielstimmigen, hoch-musikalischen Text, welche Gefahr von einer Frau ausgeht, die ihrem Willen zur Freiheit, zur Selbstbestimmung, zur Eigenheit folgt und wie Emanzipation möglich werden kann, allen Widerständen zum Trotz. Henry Morten Oehlert wird mit seiner Inszenierung von »Antiope« erstmalig im RangFoyer des SchauSpielHaus Hamburg inszenieren.

Regie: Henry Morten Oehlert
Kostüme: Maja Beyer
Musik und Komposition: Merlin Gebhard

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten

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Musik

NEW HAMBURG: Songs For Joy - Die Gala

Konzept, Musik und Inszenierung: Jacques Palminger und Carsten »Erobique« Meyer

Premiere: 29.5.2024

Im Herbst 2006 stand eine Anzeige in allen Berliner Zeitungen: „Lieben Sie Musik? Schreiben Sie gerne? Schicken Sie uns Ihre Texte!“. Im Gorki Theater freuten sich Carsten »Erobique« Meyer und Jacques Palminger über die eingesandten Gedichte, die sie in ihrem mobilen Musikstudio in nur zwei Wochen vertonten. Dabei entstanden so schöne Songs wie »Wann strahlst du?«.

Die gute Nachricht: im Mai 2024 gibt es »Songs For Joy« in Hamburg!

»Songs For Joy« könnte auch »Ihr Song« heißen, sogar werden: Sie bringen den Text zu Papier, der schon immer zum Soundtrack Ihres Lebens passt, auch wenn die Tonspur noch fehlt, und schicken ihn an unser Team. Und es passiert, was im Leben selten vorkommt, sofortige Wunscherfüllung: Der Text wird umgehend vertont und eingespielt von zwei der größten Spezialisten für musikalische Rohdiamanten – mit Unterstützung von Musiker*innen der Veddel und aufgenommen in der zu einem offenen Tonstudio ausgebauten Immanuelkirche. Man kann vorbeikommen, dabei sein und mitsingen etc. Am Ende des Projekts stehen eine große Show und die Produktion einer Platte.

Präsentiert werden die neuen Lieder auf der »Songs For Joy«-Gala am 29/5 & 30/5 auf der Großen Bühne des SchauSpielHauses. Hier werden die neuen Songs das erste Mal zu hören sein, aber auch Top-Hits der »Songs-For-Joy«-Geschichte.

Machen Sie mit! Schicken Sie uns Ihre Songs, Gedichte und Texte!

Texte an: songsforjoy@schauspielhaus.de.

Wichtig: Schreiben Sie Ihren vollständigen Namen dazu und wie wir Sie erreichen können. Wir können nur Texte von Menschen verwenden, zu denen wir Kontakt haben. Alle Texte werden gelesen! Aber natürlich können wir nicht alle Texte vertonen. Aus einer Einsendung erwächst also kein Anspruch darauf, dass die Texte verwendet werden.

Konzept, Musik und Inszenierung: Carsten »Erobique« Meyer , Jacques Palminger

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Schauspiel

Der Morgenstern

Theateradaption des Romans »Morgenstjernen« von Karl Ove Knausgård / in der Bearbeitung von Armin Kerber

Es ist unerträglich heiß in Bergen, und die Nächte sind fast so hell wie der Tag. Plötzlich taucht ein neuer Stern am Himmel auf. Strahlend wie die Sonne, weiß wie der Mond, unterbricht er das Leben der Menschen. Außergewöhnliche Ereignisse beginnen sich zu häufen. In einem OP erwacht ein Toter zum Leben, ein satanistischer Ritual-Mord erschüttert die Stadt, Verstorbene werden gesichtet, der dunkle Wald entwickelt eine seltsame Anziehungskraft und über allem scheint verheißungsvoll der neue helle Morgenstern. Nur was bedeutet er, dieser unbekannte Himmelskörper?

Aus Momenten des alltäglichen Lebens und ihren rätselhaften Unterbrechungen entwickelt Karl Ove Knausgård ein Panorama der westlichen Zivilisation und ihrer Krise. Unsicherheit und Angst greifen um sich. Hat Gott etwas damit zu tun, wenn die Grenze zwischen Leben und Tod zu verschwimmt? Oder ist der Morgenstern doch ein Zeichen für den Aufstieg des Teufels? Der Einbruch des Unerklärlichen macht die dunklen Seiten hinter den gesicherten Existenzen der Einwohner*innen Bergens sichtbar: Sucht, Gewalt, Einsamkeit und Abhängigkeit. Und während sie noch über den Glauben, das Leben und den Tod philosophieren, bahnt sich ein Ende an.

Im einzigartigen Knausgård-Sound, der den norwegischen Schriftsteller und seine autobiografischen Bücher weltberühmt werden ließ, verbindet der diesmal rein fiktionale Roman „Der Morgenstern“ auf brillante Weise Essay und detaillierte Alltagsbeschreibung, Horror und grotesken Humor. Viktor Bodo inszeniert die Bühnenfassung von Armin Kerber als multiperspektivisches Ensemblestück der Gleichzeitigkeit und öffnet die sichergeglaubten Wände der Stadt für das Ungewisse.

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Jane Zandonaí
Licht: Rebekka Dahnke
Kostüme: Krisztina Remete
Musik: Klaus von Heydenaber
Video: Bors Ujvari
Dramaturgie: Ludwig Haugk , Anna Veress
Musik: Klaus von Heydenaber

Dauer: 3 Stunden - Eine Pause

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Schauspiel

Société Anonyme

von Stefan Kaegi / Rimini Protokoll

Licht an, Bühne frei! Im Theater treten Menschen ins Licht, damit das Publikum ihnen zuschauen und sich mit ihnen identifizieren kann. Aber was ist mit jenen, die das Rampenlicht scheuen? Wohin mit den Anliegen, die den Schutz der Anonymität brauchen, wie die Demokratie die Urne? Wie lässt sich die Intimität von Gesprächen nach dem Lichterlöschen ins Theater überführen? Mit geschlossenen Augen gelingt das Zuhören besser. Ob bei der Beichte, im Darkroom, im Aktiengeschäft, in Chatforen, am Telefon oder bei Stromausfall: Ohne Licht und Gesicht entsteht Raum für eine Seite der Gesellschaft, die den Glamour scheut.

In »Société Anonyme« gewährt die Dunkelheit Geschichten und Erzählenden Schutz vor Scham, Furcht und Bewertung. Von Darkweb bis Telefonseelsorge, hinter dem Schleier des Hijab oder der verdunkelten Scheibe einer Limousine, bei Whistleblowern und der Hackergruppe Anonymous … In der Dunkelkammer entwickelt sich das Bild einer anderen Stadt.

Nach »Welt-Klimakonferenz« kommt Stefan Kaegi von Rimini Protokoll zurück ans Deutsche SchauSpielHaus, um mit unsichtbaren Darsteller*innen und technisch ausgeklügelter, raumgreifender Audiotechnik das Publikum in die unterbelichteten Bereiche Premieren des Zusammenlebens mitzunehmen. Es heißt gemeinhin: „What you see is what you get.“ Aber seit Mackie Messer ist auch klar, was dabei verpasst wird: „Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Hinweis: Dem Thema des Abends entsprechend berichtet das Stück unter anderem von rassistischen und ableistischen Diskriminierungserfahrungen, sexueller, psychischer und physischer Gewalt sowie von Suchtverhalten. Die Veranstaltung findet im Dunkeln statt und ist empfohlen für Menschen ab 18 Jahren.

Konzept und Regie: Stefan Kaegi
Musik: Arvild Baud
Raum: Aljoscha Begrich
Dramaturgie: Aljoscha Begrich, Ludwig Haugk
Mitarbeit Recherche: Morín Alejandra González Mena

Die Veranstaltung findet im Dunkeln statt und ist empfohlen für Menschen ab 18 Jahren

Dauer: 2 Stunden - Keine Pause

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Schauspiel

Die Schattenpräsidentinnen Oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten.

von Selina Fillinger / Deutsch von Nico Rabenald

Ein Tag extremer Herausforderungen in der Stabsstelle des Präsidenten: internationale Krisensitzungen, ein handfester Presseskandal, der eingedämmt werden muss, einander überlagernde Termine, die unverschiebbar sind und ein anstehender Wahlkampf. Alle Hände voll zu tun also für die Büroleiterin, die Pressechefin, die Sekretärin und die First Lady, zumal der Präsident selbst ausfällt. Zu allem Überfluss schlagen im Büro noch auf: die schwangere Geliebte des Chefs aus der Provinz und seine aus der Haft entlassene Schwester mit Drogenproblemen und eine investigative Journalistin mit Heißhunger auf brisante Details.

Wenn es stimmt, dass Komödien dazu da sind, die Fehler im System zuzuspitzen, um die Wirklichkeit zu erhellen, dann ist die Farce der US-amerikanischen Autorin Selina Fillinger ein Paradebeispiel für dieses Genre. Aber ihr Broadway-Debüt treibt nicht nur die groteske Überforderung des Politikbetriebs auf die Spitze, sondern ist zugleich ein Angriff auf das Patriarchat mit den Mitteln der Farce.

Die Komödie für sieben Frauen bringt Claudia Bauer zur deutschsprachigen Erstaufführung. Sie inszeniert regelmäßig am Münchner Residenztheater, am Schauspiel Leipzig, am Volkstheater Wien. Ihre Arbeiten wurden mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Für ihren gefeierten Jandl-Abend »humanistäää« erhielt sie 2022 den NESTROY-Preis.

Regie: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Peer Baierlein
Licht: Susanne Ressin
Video: Riccarda Russo
Dramaturgie: Christian Tschirner, Ludwig Haugk

Dasuer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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2 Schauspiel

Coolhaze

von Studio Braun

„Du kannst heute nichts mehr erfinden. Du kannst nur weiter entwickeln und neu kombinieren. Deshalb ist Coolhaze das größte Experiment aller Zeiten!“

Heinrich von Kleists Geschichte des Michael Kohlhaas, dem Rosshändler aus Brandenburg, dem widerrechtlich zwei Pferde erst gepfändet und dann zerschunden, dem der Knecht halb und die Frau ganz totgeschlagen werden und der vom ehrbaren Kaufmann zum rachsüchtigen Wutbürger mutiert, ist die perfekte Grundlage für ein größenwahnsinniges Filmprojekt. Dem selbsternannten Regie-Genie Florian von Richthofen schwebt dabei ein Action-Musical mit erotischen Horrorszenen vor, ein politisch brisantes Fantasy-Abenteuer, Blockbuster und Avantgardefilm zugleich – nicht weniger als der ultimative Genre-Mix 2020. Aus Brandenburg wird New York City, aus Pferden Motorräder, aus Kohlhaas: Coolhaze. Als dieser zwei Bikes nach New Jersey überführen will, werden sie vom korrupten Cop Coby Burner konfisziert. Binnen kürzester Zeit führt der Rechtsstreit zu einem gnadenlosen Feldzug auf den Straßen New Yorks.
Am Filmset werden keine Kosten und Mühen gescheut. Eine Jazz-Bigband peitscht im Stil der großen Actionfilm-Soundtracks die Handlung voran. Für die Hauptrolle konnte von Richthofen den beliebten Kinostar Charly Hübner gewinnen. Gedreht wird mit aufwendigster Technik und von Richthofen versucht die Beteiligten zu Höchstleistungen zu treiben. Doch die Atmosphäre am Set ist vergiftet. Die Frage ist nicht, ob es zum Showdown kommt, sondern wann. Und wo. Und zwischen wem. Und wem noch. Und wie oft.

Regie: Studio Braun
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Dorle Bahlburg
Licht: Rebekka Dahnke
Musik: Sebastian Hoffmann, Studio Braun
Musikalische Leitung: Sebastian Hoffmann
Video: Jan Speckenbach
Animation: Luis August Krawen
Dramaturgie: Bastian Lomsché

Dauer: 2 Stunden, Keine Pause

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Schauspiel

Effi Briest - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk
nach Theodor Fontane

„Effi Briest schaukelt mit Elektra, Medea, Penthesilea und deren drei Schwestern Nora, Lulu und Franziska im Kirschgarten und spielt Verstecken. Ihre couragierte Mutter, Lady Macbeth, kündigt Geert von Innstetten an, der im Biberpelz und seidenen Schuhen erscheint und um Effis schmutzige Hände anhält. Geert, der unlängst eine Liebelei mit Sara Sampson hatte, zieht nach der Hochzeit mit Effi in Bernarda Albas Haus nach Damaskus oder Andorra. Effi wird schwanger, die heilige Johanna wird geboren und Fräulein Julie und Hedda Gabler werden die Zofen. Die schöne Aussicht, die Hoffnung auf Glaube und Liebe, auf glückliche Tage, endet mit zerbrochenen Krügen: Effi beginnt mit dem Revisor Crampas eine Affaire Rue de Lourcine. Was folgt, ist ein Totentanz, ein böses Frühlings Erwachen aus dem Sommernachtstraum.“ (Clemens Sienknecht)

»Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie« war zum Berliner Theatertreffen 2016 eingeladen.

Barbara Bürk und Clemens Sienknecht erhielten den Theaterpreis Hamburg 2016 in der Kategorie "Herausragende Inszenierung / Dramaturgie" für »Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie«.

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 2 Stunden - Keine Pause

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1 Schauspiel

Die acht Oktavhefte

von Franz Kafka / in einer Fassung von Thom Luz

„Jeder Mensch trägt ein Zimmer in sich. Diese Tatsache kann man sogar durch das Gehör nachprüfen“, notiert Franz Kafka 1916 „nach zweijährigem Nichtschreiben“ in ein kleines Schulheft im Oktavformat. Zwei Sätze wie gemacht für den Schweizer Theaterregisseur Thom Luz, um daraus eines seiner musikalischen Bühnenkunstwerke entstehen zu lassen. Kafkas »Die acht Oktavhefte« versammeln Tagebucheinträge, Gedankenfetzen, Briefentwürfe und Prosaskizzen, in denen schon viele Spuren seiner berühmten Erzählungen zu finden sind. Dieses Material bildet den Erzählraum eines Theaterabends, der Kafkas Werkmassiv zwischen Verfolgung und Stillstand, ständiger existentieller Bedrohung und hellem Witz der Verzweiflung überraschend neu zusammensetzt.

Thom Luz, der in dieser Spielzeit erstmals am SchauSpielHaus Hamburg inszenieren wird, „bringt sein Publikum immer wieder zum Staunen. Sein Theater ist eines der flüchtigen Phänomene, und somit eines, das die Zeit selbst erlebbar macht. Es ist von Geistern, Nebeln, Kerzenflackern und immer wieder von betörender Musik bewohnt. Ein Theater, das der schwerfälligen Bühnenmaschinerie und dem altmodischen Klavier leichtfüßigen Zauber abringt“, so die Jurybegründung des Schweizer Theaterpreises, mit dem Thom Luz 2019 geehrt wurde. Mit seinen Arbeiten war er bereits mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Regie: Thom Luz
Konzeptionelle Mitarbeit: Stephan Müller
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme und Licht: Tina Bleuler
Musikalische Leitung: Mathias Weibel
Dramaturgie: Ludwig Haugk

Dauer: 2 Stunden, Keine Pause

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Schauspiel

Die gläserne Stadt

von Felicia Zeller / nach »Der Revisor« von Nikolai Wassiljewitsch Gogol

Russland 1835, in einer Stadt, in der es gut läuft: Wirtschaft und Politik sind produktiv durch Korruption miteinander verflochten, eine Hand wäscht die andere und so kommen die kommunalen Würdenträger*innen in Gogols Komödie glänzend zurecht. Doch plötzlich kündigt sich der unbestechliche staatliche Revisor zur Buchprüfung an und im Eldorado der dubiosen Übereinkünfte bricht blanke Panik aus. Als ein Unbekannter im Hotel absteigt, beginnt ein grotesker Wettbewerb in Bestechung …

Deutschland heute, in einer Stadt, in der es gut läuft: Trotz milliardenschwerer Skandale gelingt es nachhaltig, das Bild einer seriösen Verwaltung aufrechtzuerhalten, man belehrt gern andere über „Good Governance“ und lässt selbst Milliarden im Nebel verschwinden. Was wäre, wenn das Verborgene offengelegt würde?

Der ukrainische Dichter Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809-1852) wurde durch seine Stücke und Novellen mindestens genauso berühmt wie durch seinen Humor, der für Generationen von Autor*innen ein unerreichtes Vorbild blieb. Mit ihrem Erfolgsstück »Der Fiskus« konnte die Theaterautorin Felicia Zeller bereits Erfahrungen darin sammeln, die absurde Welt der Wirtschaftskriminalität zur politischen Komödie zu verarbeiten. Für das Deutsche SchauSpielHaus schreibt sie auf der Grundlage von Gogols »Revisor« ein neues Stück. Auch wenn sich die Parameter, Mentalitäten und Tricks geändert haben, bleibt Gogols absurde Systemanalyse ein explosiver Ausgangspunkt für den Regisseur und bekennenden Gogol-Verehrer Viktor Bodo, der aus dramatischen Situationen emotionale und fantasievolle Funken zu schlagen vermag wie kaum ein anderer.

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Zita Schnabel
Kostüme: Ilka Giliga
Musik: Klaus von Heydenaber
Sounddesign: Gábor Keresztes
Video und Spezialeffekte: Bors Ujvári
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Anna Veress, Ludwig Haugk

Dauer: 2 Stunden 40 Minuten, inkl. einer Pause

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Schauspiel

Im Namen der Brise

von Christoph Marthaler mit Texten von Emily Dickinson

Gerade einmal sieben von Emily Dickinsons mehr als 1700 Gedichten wurden zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Und auch nach dem Tod der amerikanischen Dichterin 1886 konnte nur durch eine Mischung aus Zufall und Glück verhindert werden, dass ihr Nachlass verbrannt und der Menschheit damit eine Welt vorenthalten worden wäre. Denn Gedichte von Emily Dickinson sind mehr als Beschreibungen, dessen was ist, sie bauen mit einfachen, kleinen Bewegungen etwas Neues. Die winzigen Ausschnitte der sichtbaren Welt, die sie aus den Fenstern ihres Hauses in Amherst/Massachusetts beobachtete, verwandelte Dickinson in einzigartige Weltliteratur. In seiner neuen Arbeit begegnet Christoph Marthaler Emily Dickinson und knüpft damit an den Hölderlin-Abend »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« an. »Im Namen der Brise« ist der zweite Teil einer kleinen kammermusikalischen Trilogie im MalerSaal über drei Autor*innen aus verschiedenen Jahrhunderten und entgegengesetzten Himmelsrichtungen, mit denen Christoph Marthaler sich auf seine ganz eigene Weise verbunden fühlt.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Musik: Fee Aviv Dubois
Klavier: Bendix Dethleffsen
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Malte Ubenauf

Dauer: 1 Stunde, 55 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Orlando

von Virginia Woolf / in der Übersetzung von Melanie Walz

»Orlando» wird in einem Gedankenblitz geboren. Sich befreit fühlend nach mühsamer Arbeit für eine Zeitung, schreibt Virginia Woolf, sei ihr sofort diese aufregende Idee in den Kopf gekommen: Eine Biografie, die um 1500 beginnt und sich bis zum gegenwärtigen Tag fortsetzt, genannt »Orlando«. Das Modell ist Woolfs Geliebte Vita Sackville-West, nur mit einem Wechsel (change) von einem Geschlecht zum anderen.

In kurzer Zeit entsteht ein Jahrhundertwerk mit wunderbar experimentellen Beziehungen, eine Feier der*des Anderen und der Liebe, jenseits der engen Grenzen des Ich und seiner Festlegung auf Identität, Gender. Orlando ist ein fluides Geschöpf in unausgesetzter Metamorphose, dessen Verwandlung mit dem Frau-Werden keineswegs ihr Ende findet. In ihrem neuen Körper durchläuft sie mit dem Wechsel der Zeiten, der Kleider und Moden, der Moral und der Denkweisen der Jahrhunderte weitere Transformationen.

»Orlando. Eine Biografie», wie die Autorin ihr Buch nennt, wird mit ausschweifender Furchtlosigkeit und rückhaltloser Bejahung des Lebens geschrieben, gelebt, gefühlt. Überzeugt von der Kraft der Kunst und dem Wunder des Schreibens gräbt sich Virginia Woolf durch die Erfindung einer am Ende vierhundertjährigen Lebensgeschichte. Dabei ist »Orlando. Eine Biografie« nicht zuletzt eine superintelligente, unaggressive Verspottung gesellschaftlicher Regeln und Gesetze, Konventionen und Automatismen. Auch die Literatur wird in ihrer Sprödigkeit und Moralität zur Zielscheibe von Woolfs lustvoller Kritik. Der Roman setzt den Entschluss in die Tat um, sich alles zu erlauben, und unternimmt den groß angelegten und ungeschützten Versuch, Kunst und Leben zu verbinden. Neben dem Gefühl steht immer der Rausch der Reflexion und des Denkens.

Regie führen wird der vielfach ausgezeichnete Regisseur Jossi Wieler, der erstmals nach 25 Jahren wieder am Deutschen SchauSpielHaus inszeniert. 1994 wurde er für seine im MalerSaal entstandene Inszenierung von Elfriede Jelineks »Wolken.Heim.« zum Regisseur des Jahres gewählt. Seine Schauspielarbeiten wurden zu internationalen Festivals eingeladen, in Tokio inszenierte er mit japanischen Theaterensembles. 2002 erhielt er den »Konrad-Wolf-Preis« der Berliner Akademie der Künste, 2005 den »Preis der deutschen Kritik« sowie 2009 den Nestroy-Preis.

Regie: Jossi Wieler
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Anja Rabes
Licht: Annette ter Meulen
Musik: Friederike Bernhardt
Dramaturgie: Ralf Fiedler

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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1 Schauspiel

ANTHROPOLIS II: Laios

von Roland Schimmelpfennig

In Theben hebt nach dem Ende des Pentheus und der Machtübernahme durch Labdakos, einem weiteren Enkel von Kadmos, eine Zeit voller Gewaltexzesse an. Schließlich wird Laios, der Sohn des Labdakos, aus dem Exil zurückgeholt und inthronisiert. Doch kommt er nicht allein, der junge Chrysippos aus Pisa begleitet ihn. Ist er der Grund für die Kinderlosigkeit des neuen Königspaares Laios und Iokaste oder ist es doch der Orakelspruch der Seherin Pythia? Schon taucht die nächste Kreatur vor den Toren der Stadt auf: die Sphinx, ein Tierwesen aus Löwe, Frau und Vogel, das die Stadt singend und rätselhaft in den mörderischen Wahnsinn treibt. In einem hochpoetischen und multiperspektivischen Monolog, der die verschiedenen Charaktere und Mythenvarianten über den Vater des Ödipus zu Wort kommen lässt, geht die Inszenierung der Frage nach, was das Paar Laios und Iokaste trotz des religiösen Verbotes dazu bewogen haben könnte, einen Nachkommen zu zeugen. Wie viel Verantwortung tragen die Eltern am Schicksal ihres Kindes Ödipus, das sie gleich nach der Geburt im Gebirge verschwinden lassen wollten? Wie viel Schuld wird von Generation zu Generation weitervererbt und wie viel Freiheit bleibt dem einzelnen, sich daraus wieder zu befreien?

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Annette ter Meulen
Video: Voxi Bärenklau
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

ANTHROPOLIS IV: Iokaste

von Roland Schimmelpfennig/ Aischylos/ Euripides

Von den Grenzen der Diplomatie handelt der Konflikt zwischen den Brüdern Eteokles und Polyneikes. Nach der Selbstblendung ihres Vaters Ödipus werden sie mit der Macht beauftragt. Polyneikes beschuldigt seinen Bruder, sich nicht an die Verabredung des jährlichen Regierungswechsels gehalten zu haben und droht, die Stadt Theben mithilfe von Verbündeten in einem Angriffskrieg einzunehmen. Die Mutter Iokaste zwingt die beiden an den Verhandlungstisch: Rede vor Rache. Sie appelliert an die menschliche Autonomie und die Freiheit der Wahl. Was aber, wenn subjektives Gerechtigkeitsempfinden und Recht nicht deckungsgleich sind wie im Falle von Polyneikes, der sich um den Thron geprellt sieht? Diplomatie erfordert die Fähigkeit zum Verzicht. Doch klebt das „Nicht Weichen Wollen“ geradezu symptomatisch an der Familie des Ödipus. Weder er noch sein Vater Laios haben sich den Vortritt gelassen, als sie einander an der Wegkreuzung gegenüberstanden. Eteokles rückt vom Machtanspruch ebenso wenig ab wie Polyneikes. Und die kleine Antigone wird später selbst unter Todesandrohung auf einem ordentlichen Premieren Begräbnis ihres Bruders bestehen.

Inspiriert ist »Iokaste« von der Mythenbearbeitung des Euripides unter dem Titel »Die Phoenissen« und der ungefähr 60 Jahre älteren Tragödie »Sieben gegen Theben« von Aischylos. Der Text »Iokaste« dreht die Schraube weiter ins Hier und Jetzt. Moderne Krisenherde lassen sich nicht durch militärische Interventionen löschen. Seit dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Krieges im Februar 2022 ist dieser Stoff des mörderischen Bruderkonfliktes und des Scheiterns der Diplomatie von erschreckender Aktualität.

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Jeeps

von Nora Abdel-Maksoud

Was bisher Schicksal war, wird Lotterie. Die 400 Milliarden Euro, die hierzulande jährlich zu erben sind, können nun gewonnen werden. Echtes Losglück statt bloße Eierstocklotterie lautet die Gesetzesnovelle in der neuesten Farce von Nora Abdel-Maksoud, nominiert für den Mülheimer Dramatikpreis 2022. Machte man Ernst damit, so würde mit der ungeheuren Geldmenge auch gewaltige politische und wirtschaftliche Macht neu verteilt, Ungleichheit zwar nicht abgeschafft, aber doch Gerechtigkeit hergestellt sein … ein Stück weit. Angesiedelt wird das neue Amt für die Erbschaftslotterie gleich neben dem Jobcenter. Arme und junge Erben (ohne Erbe) sehen sich jetzt wieder. Auf dem Amt (eine Verlosungsshow ist in Vorbereitung) treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Frauen, bewaffnet mit einer Pistole. Sie drohen, den lang ersparten Geländewagen des gesichtsblinden Mitarbeiters in die Luft zu jagen. Die eine, Hartz-IV-Empfängerin, wurde beim Pfandflaschensammeln erwischt und will nicht einsehen, dass ihr Pfanderlös abgezogen wird. Die andere, Tochter eines gerade Verstorbenen, möchte das Los mit „ihrem“ Erbe ausgehändigt bekommen.

Wer reich geboren wurde, will nicht auf das Geld verzichten, und wer nur die Grundsicherung bekommt, hat nun die Chance, endlich reich zu werden. Neue, harte Verteilungskämpfe beginnen, ausgetragen (wie immer bei Nora Abdel-Maksoud) mit viel bitterbösem Witz. Mit »Jeeps« kratzt die Autorin am empfindlichen Bedürfnis nach sozialer Sicherheit, dem wunden Punkt einer Gesellschaft, in der Klassenunterschiede höchst wirksam selektiv sind, ständig jedoch verleugnet werden. Mit bissiger Zuspitzung und Präzision seziert Abdel-Maksoud unser Denken und Handeln auf Basis von Kontoständen, Testamentseröffnungen und gefühlten Bedrohungen.

Regie, Bühne und Kostüme: Heike M. Goetze
Dramaturgie: Ralf Fiedler, Ludwig Haugk
Musik: Thomas Seher
Licht: Annette ter Meulen

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause

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Comedy

Siegfried & Joy: Las Vegas in Hamburg

Aufgeladen mit glühender Energie und angestauter Euphorie der letzten Monate stürmen die Königstiger der Zauberszene die Bühne und lassen mit ihrer neuen Show die Gesichter wieder erstrahlen! Mit neuen Tricks und Stories, aber mit unverändertem Charme und Witz und der Liebe für Magie feiern die beiden Berliner Disco-Magier ihre neue Show.

Wir präsentieren diese Veranstaltung zusammen mit dem Centralkomitee in Hamburg-St. Georg. Das Centralkomitee ist eine Comedy- und Kleinkunstbühne auf dem Steindamm 45. Ein Blick ins Programm und Vorbeischauen lohnt sich! www.centralkomitee.de/tickets

Dauer: 1 Stunde 30 Minuten

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Schauspiel

Hamlet - Zeit aus den Fugen

nach William Shakespeare

Eine Kooperation mit der Theaterakademie Hamburg

»Hamlet« ist ein Einschnitt in der dramatischen Arbeit Shakespeares‘ - und vielleicht auch in der menschlichen Geschichte, worin das Juwel »Hamlet« eine neue Dimension eröffnet. Bis dahin verfasste Shakespeare historische Dramen und Komödien von hochwertiger Qualität, die aber auf keine Weise an die Werke heranreichen, die nun folgen und jenseits aller bis dato bekannten Genres angesiedelt sind: King Lear und Der Sturm. Nicht allein „das Psychologische“ ist das Neue; das Stück als Ganzes mit allen Verästelungen und seiner ganzen politischen Aufladung erzeugt Resonanz (über Jahrhunderte) als Modell für komplexe psychische und historische Prozesse. Warum? Wie ist das möglich?

Eine der Voraussetzungen erkennt der Psychoanalytiker Jacques Lacan im Kontakt mit dem Tod. »Hamlet« ist das Drama der Begegnung mit dem Tod. Tatsächlich sterben Shakespeares Vater und sein Sohn Hamnet vor Niederschrift des Stücks, nebenbei mehren sich beunruhigende Anzeichen des Endes des halbwegs friedlichen Elisabethanischen Zeitalters. – Es ist andererseits ein kaum noch strittiges Merkmal der westlichen Kultur, dieser Begegnung um jeden Preis und nahezu blindwütig (oder konsumberauscht) auszuweichen. Und vielleicht hat deshalb »Hamlet« die widersprüchlichsten und auch verschrobensten Interpretationen der Literaturgeschichte provoziert, weil sich kaum jemand mit der Erfahrung größter Verunsicherung im Herzen des Dramas konfrontiert: Hamlets Auseinandersetzung mit dem toten Vater, seinen „Sünden“ und seiner Größe, mit Obszönität und Idealisierung: Der aus dem Reich zwischen Leben und Tod aufgetauchte Vatergeist gebietet seinem Sohn, die Rechnung zu begleichen, die er selbst nicht bezahlt hat… In Frage also steht das Erbe, was es wert ist und wofür man noch eintreten kann…

Was für eine großartige Vorlage also für die diesjährige Abschlussarbeit der Schauspielstudent*innen der HfMT – kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben, eine letzte Infragestellung. Inszenieren wird »Hamlet – Zeit aus den Fugen« die in Paris lebende Regisseurin Catherine Umbdenstock.

Regie: Catherine Umbdenstock
Bühne: Malte Knipping
Kostüme: Jana Sophia Schweers
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Ralf Fiedler

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Schauspiel

ANTHROPOLIS III: Ödipus

von Sophokles/Roland Schimmelpfennig

Das bekannteste Rätsel aller Zeiten wird von Ödipus gelöst. Auf die Frage der Sphinx, welches Wesen nur eine Stimme hat und manchmal zwei Beine, bisweilen drei, manchmal vier und umso schwächer ist, je mehr Beine es hat, antwortet Ödipus: „der Mensch“. Das Zeitalter des Anthropozän hat auf mythischer Ebene angefangen. Die Sphinx ist tot. Doch jetzt, da die Rätsel gelöst sind, beginnen die Probleme. Ödipus, dem gerade prophezeit worden ist, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde, erhält zum Dank für seinen Triumph die Herrschaft in Theben. Eine beispiellose Entscheidung der Stadt, einem Fremden die Macht zu überlassen. Zunächst scheint seine „vernünftige“ Regentschaft dem Bürgerbegehren recht zu geben. Unter seiner Regierung prosperiert die Stadt. Doch unwissend schlittert er immer tiefer in sein Schicksal hinein. Mit seiner Mutter Iokaste zeugt er vier Kinder: die Söhne Eteokles und Polyneikes und die Töchter Antigone und Ismene. Dann bricht eine Pestepidemie in Theben aus. Das ist die Stunde der Rückkehr der Religion. Apollon, die Priesterin und der Seher Teiresias holen zum Gegen schlag aus. Der Aufklärer Ödipus führt den ersten Indizienprozess der Weltliteratur gegen sich selbst. Doch wehrt er sich in einem letzten Akt der Selbstermächtigung gegen das Vermächtnis einer absoluten Wahrheit. Vergeblich?

Mit »Ödipus« hat Sophokles ein Meisterwerk der Literaturgeschichte geschrieben. Bis heute inspiriert die Tragödie zu zahlreichen Neudeutungen des Macht- und Wahrheitskomplexes, dem eine Gesellschaft unterliegt.

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Holger Stellwag
Musik: Jörg Gollasch
Sprechtraining Chöre: Alexander Weise
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 1 Stunde, 45 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Johanna

nach »Die Jungfrau von Orleans« von Friedrich Schiller

Hexe oder Heilige, so lauten die unversöhnlichen Urteile der Jeanne d’Arc Überlieferungen. Mit nur 17 Jahren bricht Johanna auf, um eine schon verloren geglaubte Welt wieder ins Lot zu bringen. Ihre Reise endet auf dem Scheiterhaufen, hunderte Jahre später wird sie wiederum heiliggesprochen. Seitdem wird ihr Mythos politisch aufgeladen: als Ikone eines mutigen Idealismus, als Beispiel für einen fatalen Fanatismus oder als heilbringende Heldin. Johanna ist vieles. Immer wieder dient sie dabei als Bild für all jene jungen Frauen, die scheinbar im Alleingang den Status Quo herausfordern, sei es nun den des Patriarchats, der ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse oder der Klimapolitik.

In Schillers „romantischer Tragödie“ führt Johanna das französische Heer gegen England durch ihren festen Glauben – und mit Gewalt – schließlich zum Sieg. Während bei Schiller Johanna ihr Handeln mit Gott legitimiert, sieht Leonie Böhm hinter dem Mythos Johanna einen Menschen, der sich zwischen Ohnmacht und Allmacht, Zweifel und Wunder, eigenen Visionen und fremden Projektionen ständig transformiert, immer auf der Suche nach Haltung und in der unendlichen Hoffnung auf Veränderung.

Gemeinsam mit dem Ensemble begibt Leonie Böhm sich mit »Johanna« auf die Suche nach neuen Glaubenssätzen, die uns helfen alte Systeme zu durchbrechen und über uns selbst und unsere bisherigen Gewissheiten hinauszuwachsen.

Live Musik: Fritzi Ernst
Regie: Leonie Böhm
Bühne: Zahava Rodrigo
Kostüme: Lena Schön, Helen Stein
Musikalische Leitung: Fritzi Ernst
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Helena Eckert

Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich

Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, Keine Pause

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1 Schauspiel

Macbeth

von William Shakespeare

Macbeth ist ein loyaler schottischer Feldherr, der sich für seinen König in jede Schlacht wirft. Niemals käme er auf die Idee, selber der Erste sein zu müssen, wären da nicht Stimmen, die ihm genau diesen Gedanken einflüstern. Oder sind diese Stimmen – „fair is foul and foul is fair“ – seine eigenen? Macbeth verlernt zu unterscheiden: Tag und Nacht, Traum und Wirklichkeit, gut und böse. In seinem späten, dem „schottischen Stück“, erzählt Shakespeare von angstgesteuertem Machtstreben und Machterhalt um jeden Preis. Die Konsequenzen sind Mord, Verderben, Paranoia, Einsamkeit. Der schreckhafte Macbeth wird selbst zum größten Schreckgespenst.

Nach ihrer viel beachteten Inszenierung »Richard the Kid & the King«, die weiterhin im Repertoire zu sehen ist, widmet sich Karin Henkel Shakespeares anderem exemplarischen Monster.

Kristof Van Boven erhielt für seine Darstellung des Macbeth den Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares.

Regie: Karin Henkel
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Kostümmitarbeit: Tabea Harms
Licht: Holger Stellwag
Musik: Friederike Bernhardt, Matti Gajek
Dramaturgie: Roland Koberg
Dramaturgiemitarbeit: Finnja Denkewitz

Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, inkl. einer Pause

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Schauspiel

Anna Karenina - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht nach Lew Tolstoi

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Ob das so stimmt, oder ob nicht vielleicht sogar das Gegenteil der Fall ist, lässt uns der russische Schriftsteller Lew Tolstoi in seinem Jahrtausend-Werk »Anna Karenina« ergründen. Die Protagonistin des Romans ist eine der drei namhaften Ehebrecherinnen des 19. Jahrhunderts, die im Verstoß gegen gesellschaftliche Gepflogenheiten an ihrer leidenschaftlichen Liebe zu einem anderen als ihrem Ehemann zugrunde gehen muss.

Clemens Sienknecht und Barbara Bürk setzen ihre Serie des menschlichen Scheiterns fort. Die dritte Folge ihrer hochgeschätzten Radioshow »Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur« widmen sie dieses Mal der Titelheldin aus Russland, die es ziemlich genau 20 Jahre vor Effi Briest und ungefähr 20 Jahre nach Emma Bovary mit eben dergleichen Geschichte zu eben demselben Weltruhm gebracht hatte.

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Licht: Björn Salzer
Ton: Finn Corvin Gallowsky, Katja Haase
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 2 Stunden, Keine Pause

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Schauspiel

ANTHROPOLIS V: Antigone

von Sophokles/ Roland Schimmelpfennig

Mit Antigone, dieser unbeugsamen Rebellin gegen männliche Ordnungswut, ist das Ende der Herrscherdynastie der Labdakiden erreicht. Hier schließt sich der Kreis, und nicht zufällig stammen die berühmtesten Zeilen über den Anthropos aus dieser Tragödie des Sophokles: „Gewaltig ist vieles, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch.“

Roland Schimmelpfennig überträgt die »Antigone« in eine zeitgemäße poetische Sprache, die den weiblichen Widerstand gegen den mächtigen Staat Theben und seine Politik äußerst gegenwärtig erscheinen lässt.

Antigones Onkel Kreon, der ewige zweite Mann im Staat, ist nach vielen Jahren des Stellvertreterdaseins endlich an die Macht gekommen. Gerade konnte der Angriffskrieg von Theben abgewendet werden, da droht Kreon schon an seiner ersten Amtshandlung zu scheitern: Er muss ein Urteil fällen über die Nichte Antigone, die ihr ethisches Gebot höher wertet als das Gesetz des Staates. Doch Kreon ist der Überzeugung, dass Moral ein schlechter politischer Ratgeber sei. Er verurteilt Antigone zu einer Strafe, die barbarischer nicht sein könnte: Sie soll bei lebendigem Leib eingemauert werden. Die Humanität wird der Gesetzestreue geopfert. Erneut kollabiert das System der Stadt in einem Akt der Gewalt, die sich durch die Oberfläche ihres schönen Scheines Bahn bricht.

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Annette ter Meulen
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sybille Meier, Christian Tschirner
Mitarbeit Kostüme: Theresa Heiß
Körperarbeit: Valentí Rocamora i Torà

Dauer: 1 Stunde, 25 Minuten

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Schauspiel

Matthias Brandt & Jens Thomas: DER HORLA

Wort-Musik-Collage nach einer Erzählung von Guy de Maupassant

Ein Mann beginnt unter seltsamen Erscheinungen zu leiden. Er sieht Dinge, hört Geräusche, die außer ihm niemand wahrnimmt. Immer mehr steigert er sich in die Vorstellung hinein, dass ein furchtbares, unbekanntes Wesen von ihm Besitz ergreift. Das Unsichtbare wird zur Obsession, bis er eines Tages vor der Erkenntnis steht: „Ich kann nicht mehr wollen, aber jemand will für mich.“

»Der Horla« ist die bekannteste phantastische Novelle Maupassants, ein frühes Meisterwerk der psychologischen Horrorliteratur. Jens Thomas und Matthias Brandt knüpfen hier an ihre gemeinsame Arbeit in »Psycho« an und nehmen Maupassants Novelle zur Vorlage für ihre neueste Zusammenarbeit.

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Schauspiel

ANTHROPOLIS I: Prolog / Dionysos

von Euripides / Roland Schimmelpfennig

Prolog:
Die Geschichte der Stadt Theben beginnt mit einem zweifachen Mord. Nachdem Kadmos vergeblich seine von Zeus entführte Schwester Europa auf dem Kontinent gesucht hat, wendet er sich an das Orakel von Delphi. „Vergiss die Schwester“, lautet die Antwort, „treibe eine Kuh vor dir her und dort, wo sie sich niederlässt, gründe eine Stadt.“ Kadmos hetzt die Kuh so lange vor sich her, bis sie tot zusammenbricht in der Nähe einer Quelle, die wiederum von einem Drachen bewacht wird. Den erschlägt Kadmos, bricht ihm die Zähne aus und sät sie in die Erde. Sofort wachsen aus den Zähnen bewaffnete Drachenmänner, Krieger, die sich gegenseitig niedermetzeln – nur fünf überleben das Massaker. Mit ihnen gründet Kadmos die Stadt Kadmeia, später das siebentorige Theben genannt. Von Anfang an ist die Gewalt der Zivilisationsgeschichte eingeschrieben. Schon die ersten zivilisatorischen Maßnahmen zur Gründung dieser Urstadt der westlichen Welt zeigen sich als Tötungsdelikte. Die Vernichtung des Tieres und des Tierwesens ist quasi die Voraussetzung, um überhaupt als Gesellschaft im urbanen Raum existieren zu können. Wie aber lassen sich die Gewaltakte stoppen, die die Grundfeste der Menschenstadt von Generation zu Generation aufs Neue erschüttern?

Dionysos:
Die Geschichte von der Geburt des Dionysos aus dem Schenkel des Zeus klingt mehr als bizarr. Kein Wunder, dass sie niemand glauben will in Theben, nachdem Dionysos’ irdische Mutter Semele, eine Tochter des Kadmos, so schändlich verbrennen musste. Angeblich hat der Erzeuger Zeus den Fötus aus dem Feuer geholt und in seinem Bein ausgetragen. Inzwischen ist Theben zu einer reichen Stadt angewachsen, und Kadmos hat den Thron an seinen Enkel Pentheus abgetreten. Da taucht Dionysos auf und behauptet, ihm stünde religiöser Kultstatus zu. Doch der auf Maß und Regeln getrimmte Pentheus verweigert ihm den Glauben. Dionysos stürzt daraufhin das Ordnungssystem des Patriarchen in eine tiefe politische und moralische Krise. Er schickt die Frauen auf einen Trip und verbreitet unter ihnen Wahnsinn und Raserei. Der Rausch endet grausam und blutig. Dionysos triumphiert über die Ungläubigen der Stadt. Er scheint eine kollektive Lust am gewaltsamen Untergang freigelegt zu haben, die dem Konstrukt „Stadt“ in seinen verdrängten Positionen innewohnt.

Mit den »Bakchen« hat Euripides seine letzte und radikalste Tragödie geschrieben. Die Übertragung und Bearbeitung der »Bakchen« unter dem neuen Titel »Dionysos« verschärft die Konflikte zwischen Untergangsphantasien und Vernunftdenken, Ordnungswahn und Lust am Chaos zu heutigen Fragestellungen einer Stadtgesellschaft. Wieviel Spannungszustände sind wir noch bereit auszuhalten?

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Wicke Naujoks
Licht: Annette ter Meulen
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Sybille Meier

Dauer: 2 Stunden 50 Minuten, inkl. einer Pause

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Schauspiel

Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten

von Christoph Marthaler mit Texten von Friedrich Hölderlin

„Wie war denn ich? War ich nicht wie ein zerrissen Saitenspiel? Ein wenig tönt ich noch, aber es waren Todestöne.“
Hölderlin, »Hyperion«

Es gibt neben dem Dichtergenie und neben dem Wahnsinnigen auch einen fast alltäglichen Hölderlin, der mit den Widersprüchen des Daseins kämpft, der sein Leben nicht im Griff hat und in seiner Verzweiflung Dinge zu Papier bringt, die uns in ihrer schlichten wenn auch manchmal paradoxen Einfachheit auf eine fast selbstverständliche Weise ansprechen und fesseln. Kein hoher Ton, keine Huldigung an das alte Griechenland und seine Götter und Held*innen sondern profanes Leiden, Ratlosigkeit und Überanstrengung sind dann seine Themen, trübe, voller Selbstzweifel und angewidert von den dumpfen Verhältnissen und stumpfen Mitmenschen und der Einsicht, selber auch nicht unbedingt besser zu sein. Auf der B-Seites des Lebens macht Hölderlin z. B. die Erfahrung, dass eine junge Dame (nicht Diotima), es ablehnt ihn zu heiraten. Er notiert dies sofort auf dem gleichen Blatt, auf dem er gerade noch eine seiner bedeutendsten Hymnen (»Mnemosyne«) entworfen hat:, „Und ledig soll ich bleiben“, und schickt gleich eine kleine Drohung an die Unwillige hinterher: „Leicht fanget aber sich, in der Kette, die es abgerissen, das Kälblein.“

Oder gegen die ihm nicht unbekannte Euphorie des Dichters, die Gefahr abzuheben und den Boden unter den Füßen zu verlieren, schreibt er: „Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe“, nämlich dann, wenn man die Nüchternheit verliert, die für jeden unterschiedlich die „Grenze deiner Begeisterung“ markiert. Hölderlins Werk, zumindest ab 1794, beschäftigt sich intensiv auch mit profanen Lebensfragen, die ihn ganz persönlich quälten. Er war nicht nur der heroisch leidende Dichter, er war auch einfach eine arme Kreatur, die litt, „weil sich ein Traum sich mir nicht erfüllte“ und die sich fragte, „was ist mir fehlgeschlagen?“. Hölderlin wusste, dass seine Oden, seine Hymnen und Gesänge zwar sehr ernst waren, aber so ernst auch wieder nicht. Das Leben selbst jedenfalls war noch viel ernster als etwa sein perfekt gelungenes Gedicht wie »Hälfte des Lebens«. Und seine dichterische Hochbegabung war immer nur ein schwacher Trost, zumal wenn Goethe und Schiller mit allerlei unverschämten Invektiven in konzertierter Aktion versuchten ihn kleinzuhalten, womit sie ihn zwar als ernsthaften Konkurrenten anerkannten, aber auch an seinem gesellschaftlichen und ökonomischen Ruin beteiligt waren, den er allerdings hauptsächlich seiner „geizigen“ Mutter zu verdanken hatte, die ihn von dem ihm eigentlich zustehenden Erbe fernhielt. Selbst als er nach seinem Rausschmiss aus dem Bankhaus Gontard in Frankfurt und der damit verbundenen Trennung von seiner Geliebten zu seinem besten Freund Isaac von Sinclair nach Bad Homburg zog, musste er feststellen, dass er dessen vermeintlich reine und exklusive Zuneigung, die starke homoerotische Züge trug, mit einem ganzen Haufen „auffallender Gestalten“ zu teilen hatte, die Sinclair (Alabanda im »Hyperion«) ihm lange verschwiegen hatte. „Mir war wie eine Braut, wenn sie erfährt, dass ihr Geliebter insgeheim mit einer Dirne lebe.“

Die B-Seite des Lebens bringt immer wieder ungeahnte Höhepunkte hervor. Das sieht man in der Musikindustrie, wo die eigentlichen Meisterwerke oft auf der B-Seite zu finden sind, und genauso schon bei Hölderlin, der schrieb, zur „wahrsten Wahrheit“ gehöre auch der Irrtum. Und der auch dem „Inferioren“ und sogar dem „Barbarischen“ einen legitimen Platz zugestand, zumindest in der Sprache der Poesie, die ihm gleichzeitig zuwider war. „Ich kann meine Sprache nicht mehr ertragen, ich wollte lieber ein Ton sein, im Himmelsgesang.“

Im profanen Scheitern, in den kleinen und großen Fehlschlägen, aber auch in Hirn zermarternden Denkanstrengungen, denen kein Paradox fremd ist, bewegen sich »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« in Christoph Marthalers Hölderlinbetrachtung, tapfer, ergeben und verschwindend, übergehend in Töne, in Musik. Sie wirken wie Illustrationen der Klagen des Dichters, aber sie sind keine Illustrationen, sie sind einfach. „Wir wohnen hier unten einsam und arm, wie der Diamant im Schacht.“

Um diese so gegenwärtige Erfahrung der sozialen Distanz und der Abkapselung selbst zu machen, brauchen wir keine Corona bedingte Isolation, wir brauchen nur ein bisschen Hölderlin. Oder anders ausgedrückt: Die Coronaregeln formulieren ein Extrem, das für Hölderlin ein ganz unvermeidlicher Teil moderner Tragik ist. „Das ist das Tragische bei uns, dass wir ganz still in irgendeinen Behälter eingepackt, vom Reich der Lebendigen hinweggehen, nicht, dass wir in Flammen verzehrt, die Flammen büßen, die wir nicht zu bändigen vermochten.“

Ich glaube, Christoph Marthalers freundlicher Sarkasmus und Friedrich Hölderlins „in die Höhe Fallen“ passen ganz gut zusammen, und auch ein „zerrissen Saitenspiel“ ist zu schönen Tönen fähig.

(Carl Hegemann, Hamburg, 29/11/2020)

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Annette ter Meulen
Idee und künstlerische Beratung: Carl Hegemann
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Viola da Gamba: Martin Zeller
Klavier und Clavichord: Bendix Dethleffsen

Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich und der Akademie der Künste Berlin / gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, Keine Pause

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Lesung

Poetry Slam Städtebattle: Hamburg vs. München

Kampf der Künste

Jeder Ort hat seine Geschichten. Manche haben tausende, manche die eine ganz besondere. Und weil das so ist, veranstaltet Kampf der Künste den »Poetry Slam Städtebattle«.

Ein Kampf zwischen zwei Welten, die am Ende das Gleiche wollen: Erzählen, wie es ist, zu Hause zu sein. Erzählen, wie es ist, genau danach zu suchen; Geschichten zu erzählen von all den kleinen Momenten und Gedanken, von den Nachhausewegen und langen Nächten, vom Scheitern und von der Liebe, vom Taumeln und vom Aufstehen. Dass sich das überall anders anfühlen kann, beweisen unsere Poet*innen regelmäßig.

Und im April treffen mal wieder zwei ganz besondere Welten aufeinander:
Hamburg trifft auf München, die Schiffe und der Hafen auf die Stadt in den Voralpen, „Moin“ trifft auf „Servus“, das Wasser auf die Wies'n und natürlich: die besten Slammer*innen aus beiden Städten aufeinander.

Und obwohl wir natürlich vom Kämpfen sprechen, von gegeneinander und von besser und noch besser – dieses Battle ist vor allem eines: Ein Abend voller Geschichten aus der Stadt, voller Freude aufeinander und Freude daran, dass es am Ende immer nur darum geht, sich zu erzählen, wie das eigentlich so ist, die Herzen in den Gassen schlagen zu hören, voll Wörter im Kopf und Geschichten im Bauch.

1 Stunde 30 Minuten

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Online

Virtueller Rundgang

Besuchen Sie das Schauspielhaus auf einem 360°-Rundgang im Internet.

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Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Neue SchauSpielHaus GmbH

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.
Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

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Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen / Theater Thalia Theater Hamburg Hamburg, Alstertor 1
Aufführungen / Theater Thalia in der Gaußstraße Hamburg Hamburg, Gaußstraße 190
Aufführungen / Theater The English Theatre of Hamburg Hamburg , Lerchenfeld 14
Aufführungen / Ballett Hamburg Ballett John Neumeier Hamburg, Caspar-Voght-Straße 54
Aufführungen / Theater Kampnagel Hamburg, Jarrestraße 20
Ereignisse / Festival Internationales Musikfest Hamburg 26.4. bis 16.6.2024
Aufführungen / Theater Theater Itzehoe Itzehoe, Theodor-Heuss-Platz 1
Aufführungen / Oper Opernloft Junges Musiktheater Hamburg e.V. Hamburg, Van-Der-Smissen-Straße 4
Aufführungen / Theater Theater das Zimmer Hamburg, Washingtonallee 42
Aufführungen / Kabarett Theaterschiff Hamburg Hamburg, Holzbrücke 2 / Nikolaifleet
Aufführungen / Theater Altonaer Theater Hamburg, Museumstraße 17
Aufführungen / Theater monsun.theater Hamburg Hamburg, Friedensallee 20
Aufführungen / Theater Komödie Winterhuder Fährhaus Hamburg, Hudtwalckerstraße 13
Aufführungen / Oper Opernloft im Alten Fährterminal Altona
So 21.4.2024, 18:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung Die Burg - Theater am Biedermannplatz Hamburg, Biedermannplatz 19
Aufführungen / Theater VB Thalia Hamburg, Maike-Harder-Weg 19
Aufführungen / Operette Hamburger Engelsaal Hamburg, Valentinskamp 40 - 42
Aufführungen / Theater Pantheater Haseldorf, Deichreihe 29
Aufführungen / Theater Galli Theater Hamburg Hamburg, Behringstraße 26-28

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