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Literatur+Sprache | Lesung

Vom Eros frischer Druckfarbe

Lausitz Festival

Judith Schalansky im Gespräch mit Thoralf Czichon Die Essays in Judith Schalanskys neuestem Buch »Marmor. Quecksilber. Nebel. Woraus die Welt gemacht ist« sind Paradestücke gedanklicher Beweglichkeit. Die Autorin verknüpft winzige Details mit großen Zusammenhängen. Den Naturwissenschaften begegnet sie mit Poesie, Diffusem mit Klarheit. Drei Materialien in drei unterschiedlichen Ag-gregatzuständen – eben Marmor, Quecksilber und Nebel – nimmt sie zum Ausgangspunkt faszinierend eigenwilliger Reflexionen über Welt, Wahrnehmung und Kunst. Freimütig setzt sich die Autorin über Gattungsgrenzen hinweg, um uns an den assoziativen Gedankenströmen ihrer geistsprühenden Essays teilhaben zu lassen. Ihre neuesten Texte bilden den Ausgangspunkt dieses Abends, der seinerseits zwischen Gespräch und Lesung zu mäandern beabsichtigt. Im Austausch mit Thoralf Czichon, dem jungen Literatur-YouTuber (»LiteraturNews«) und seit dieser Saison Dramaturg Literatur des Lausitz Festivals, ist eine Wort-, Bild- und Sprechkünstlerin zu erleben, für die Bücher elementare Gedächtnisträger menschlicher Kultur sind, medial gebundene Zeitkapseln und dazu noch visuell-haptische Kunstwerke mit hohem emotionalem Wert. Schalansky, gelernte Buchgestalterin und u. a. Herausgeberin der im Verlag Matthes & Seitz verlegten Buchreihe »Naturkunden«, ist in der DDR aufgewachsen. Wollte sie als Kind auf Reisen gehen, musste sie sich über Bücher in die weite Welt hinaus-träumen. Noch heute blickt sie vom Cockpit der Bibliothek – ihrem heiligen Recherchezentrum – wie durch ein Facettenauge holistisch auf unsere Welt und kartografiert etwa entlegene Flecken, die sie selbst nie bereisen wird (»Atlas der abgelegenen Inseln«) oder spürt endgültig verlorenen und verschollenen Dingen nach (»Verzeichnis einiger Verluste«). Auszug aus möglichen Gesprächsthemen: Eine Enzyklopädie für das 21. Jahrhundert, die Sehnsucht nach unentdeckten Landstrichen, waghalsige künstlerische Ideen, die Schifffahrt des Mittelalters, griechische Mythologie, die Erotik frischer Druckfarbe.
Literatur+Sprache | Lesung

Das weiße Leintuch

Lausitz Festival

Lesung mit Corinna Harfouch und Hideyo Harada aus Antanas Škėmas gleichnamigem Roman »Das weiße Leintuch« ist ein Meilenstein der modernen Literatur in Litauen. Im New Yorker Exil entstanden, erzählt Antanas Škėma auf Basis seiner eigenen Biografie das Leben des litauischen Exilanten Antanas Garšva. Im New York der frühen 50er Jahre verdingt er sich als Liftboy im größten Hotel der Stadt. Sein tägliches Auf und Ab im Fahrstuhl kommt ihm selbst vor wie die Arbeit des Sisyphos (was Škėma die Bezeichnung »litauischer Camus« eintrug). Die stupide Repetition des Immergleichen, dazu die reizüberflutende Scheinwirklichkeit der amerikanischen Megacity, zehren an den Nerven des ohnehin neurasthenischen Garšva, der sich doch als Dichter sieht, geboren, um Verse für die Ewigkeit zu hinterlassen.  In expressionistischem und assoziativem Stil, durchsetzt von episodischen Rückblenden in die eigene Kindheit und Jugend, dem Erwachen der ersten Liebe und ihrem notwendigen Verlust, der politischen Indoktrination in der eigenen Heimat, schließlich der Auswanderung, eröffnet sich nicht nur das präzise, facettenreiche Psychogramm eines Getriebenen und Irrenden, sondern zugleich ein höhnisch verzerrtes Mosaik des von Ideologien beherrschten 20. Jahrhunderts: vom sozialistischen Kaunas in Litauen bis zum geistentleerten, kapitalistisch durchhöhlten New York der Nachkriegsjahre, unter dessen glanzvoller Oberfläche durch Škėmas gnadenlos skalpierenden Blick der triefende Eiter sichtbar wird. Die Übersetzerin Claudia Sinnig hat diese feinkomponierte Tirade in all ihrer Schroffheit, Verzweiflung und sprachlichen Sprengkraft übertragen und Škėma damit zum ersten Mal überhaupt eine deutsche Stimme verliehen. Für deutsche Leserinnen und Leser eine späte, echte Neuentdeckung.  Bei der Lesung nimmt auch Musik einen wichtigen Platz ein. Die Pianistin Hideyo Harada spielt Klavierstücke von Bach über Mozart, Chopin und Schumann bis zu Čiurlionis und Bartók.  Die Zittauer Buchhandlung Buchkrone am Markt stellt zur Veranstaltung einen Büchertisch, wo »Das weiße Leintuch« in der Ausgabe des Guggolz-Verlags käuflich erworben werden kann. Video-Empfehlung: »Das weiße Leintuch« von Antanas Škėma – vorgestellt von Thoralf Czichon I LiteraturNews Der neue Dramaturg Literatur des Lausitz Festivals, Thoralf Czichon, betreibt neben seinem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und seiner Teilzeitarbeit in einer kleinen inhabergeführten Wiener Buchhandlung auch den sehr sehenswerten Literatur-Blog LiteraturNews auf YouTube. In einer kürzlich aufgenommenen Episode liest er selbst aus dem Roman »Das weiße Leintuch« von Antanas Škėma, den er uns in der Veranstaltung mit Corinna Harfouch und Hideyo Harada am 1. September im Kulturforum Görlitzer Synagoge noch näherbringen möchte. Und er spricht in diesem Video über das Werk, das ihn so fasziniert und begeistert.
Literatur+Sprache | Lesung

Die Puppe

Lausitz Festival

Wiederentdeckung eines Meisterwerks: Lesung aus Bolesław Prus' Gesellschaftsroman Der legendäre polnisch-britische Autor Joseph Conrad (»Herz der Finsternis«) stellte seinen polnischen Kollegen Bolesław Prus (1847–1912) auf eine Stufe mit dem eminenten englischen Romancier Charles Dickens. Zumindest in Deutschland hat Prus das wenig genützt: Von seinem 1200-Seiten-Werk »Die Puppe« (1890) nahm man westlich von Oder und Neiße kaum Notiz. In Polen dagegen hat Bolesław Prus längst seinen Platz in der Literaturgeschichte. Das ihm zu Ehren errichtete Denkmal am Warschauer Königsweg misst beinahe vier Meter.  Die deutsche Ahnungslosigkeit in Sachen Prus hat der Schweizer Kampa-Verlag dank einer hoch gelobten, 2024 erschienenen Neuübersetzung des Werks durch Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein mit einem Paukenschlag beendet. Neu zu entdecken ist in ihrer kongenialen Übertragung die polnische Antwort auf »Anna Karenina« von Leo Tolstoi. Prus entfaltet ein unendlich reiches Gesellschaftspanorama Warschaus im ausgehenden 19. Jahrhundert zwischen aufstrebendem Bürgertum und Aristokratie und liefert glanzvolle Milieustudien.  Warum dieser historische Stoff heute (wieder) so aktuell scheint, dass »Die Puppe« nach mehreren Verfilmungen aus dem 20. Jahrhundert in diesem Jahr eine weitere polnische Kinofassung erfährt und Netflix an einer Serie dazu arbeitet, aber auch, warum »Lalka« (so der Originaltitel) ein literarischer Solitär ist, der bis heute Maßstäbe setzt: darüber sprechen Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein an diesem Abend im stimmungsvollen Gartensaal des Barockschlosses Altdöbern mit Thoralf Czichon, Literatur-Dramaturg des Lausitz Festivals. Ins vielstimmige Kolorit des Romans entführt die Lesung ausgewählter Passagen.  Eine Kooperation zwischen dem Verein der Freunde des Rohkunstbau e. V. und dem Lausitz Festival Unser Tipp: Zeitgleich zur Veranstaltung läuft im Schloss Altdöbern der 31. Rohkunstbau »Die Kunst des Überschreitens«, kuratiert von Christoph Tannert, mit Arbeiten von 16 zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen. Seit 2022 finden die Ausstellungen des 1994 gegründeten Rohkunstbau im Schloss Altdöbern statt. Im Zuge der Kooperation besteht die Möglichkeit, um 18:00 Uhr an einer exklusiven einstündigen Kuratorenführung durch die Ausstellung teilzunehmen. Beim Kauf der Lesungstickets kann die Führung bequem dazugebucht werden – in unserem Reservix-Shop. (Bild: Bolesław Prus I Bildquelle: Wikipedia: Wilhelm Feldman (1868–1919) – Biblioteka Narodowa © gemeinfrei)
Literatur+Sprache | Lesung

Tristan

Lausitz Festival

Schauplatz der Novelle »Tristan« von Thomas Mann ist das Sanatorium Einfried. Hier treffen fragiles Künstlertum und kraftstrotzende Bürgerlichkeit aufeinander. Die zarte Frau Klöterjahn, Gattin eines ebenso wohlhabenden wie ordinären norddeutschen Großkaufmanns, soll in milder Bergluft einen als geringfügig betrachteten Luftröhrenschaden kurieren, der seit der Geburt ihres fabelhaft gesunden Sohnes und Familienstammhalters ihre Gesundheit beeinträchtigt. Die schöne junge Mutter befreundet sich mit einem feinsinnigen Dichter namens Detlev Spinell. Dieser lässt sie voller Anbetung spüren, was sie entbehrt und sich doch nicht einzugestehen wagt. Während die übrigen Kurgäste eine Schlittenfahrt unternehmen, bleiben die beiden zurück und vertiefen sich im Salon, ausgestattet im Empirestil, in den Klavierauszug von Wagners »Tristan und Isolde« ... In motivisch-künstlerischer Vorwegnahme seines späteren Meisterwerks »Der Zauberberg« reflektiert Thomas Mann, dessen Geburtstag sich im Juni zum 150. Mal jährt, in dieser vergleichsweise frühen Novelle aus dem Jahr 1903 in parodistischer Manier den schmerzlichen Gegensatz zwischen dem gemeinen, triumphierenden Leben und der Schönheit. Beim Lausitz Festival wechselt die Szene für »Tristan« vom Empire zur Moderne, in das Haus Schminke. Die Vorgaben vom Eigentümer und Bauherrn der Fabrikantenvilla, Fritz Schminke, an den ausführenden Architekten Hans Scharoun, Meister der klassischen Moderne, waren so knapp wie prosaisch: »Ein modernes Haus für zwei Eltern, vier Kinder und gelegentlich ein bis zwei Gäste.« An diesem Abend, darauf dürfen sich Literaturliebhaber:innen freuen, empfängt der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz als Protagonist und Gastgeber der Lesung im Wohnzimmer des architektonischen Kleinods Haus Schminke einen größeren Kreis von Besuchern. Sichern Sie sich Ihren Platz! Lesung: Hans-Jürgen Schatz

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