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Theater Bremen
Theater der freien Hansestadt Bremen GmbH
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D-28203 Bremen

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Theater

Nathan der Weise

Ein Weichmacher für den Glaubenspanzer
von Gintersdorfer/Klaßen nach Lessing

Premiere: 07. September 2018, Kleines Haus

„Seit den Attentaten in Frankreich erwähne ich, wenn ich mich irgendwo vorstelle, dass ich Jüdin bin. Ich tue es aus Solidarität, weil Juden in Europa wieder angegriffen werden.“ (Gila Lustiger) — Die Diskussionen verstummen nicht, ob eine Religion (Islam) zu einer Nation (BRD) gehört oder nicht. Es ist, als ob die alttestamentarische Einheit von Volk, Nation, Territorium, Glaube und Prophet in vielen Köpfen noch nicht überwunden ist. Glauben ist nicht nur rituelle Prax­is, sondern auch Denksystem, philosophisches Welterklärungsmodell, das nach innen als Sinn- und Identitätsstifter fungiert. Nach außen wirkt Religion wie ein Zeichen, das Rückschlüsse über die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen zulässt. Nathan nimmt sich viel Zeit, zwischen diesem Innen und Außen zu vermitteln. Um ins Gespräch zu kommen, wird spekulativ argumentiert, denn die Innenwelt des Gegenübers ist unbekannt. Und genau dieses Spekulative überführen Gintersdorfer/Klaßen in ihr Diskurstheater zu Lessings aufklärerischem Werk. Angehörige der drei großen Schriftreligionen machen den Versuch, die uns trennende, von Herkunft und Religion geprägte Identität in körperliche Exerzitien aufzuweichen, bis die reale oder nur vorgestellte Differenz schmilzt.

Konzept und Regie: Monika Gintersdorfer
Konzept und Ausstattung: Knut Klaßen
Kostüme: Marc Aschenbrenner
Dramaturgischer Berater: Peter Ott
Dramaturgische Betreuung: Anne Sophie Domenz
Licht: Christian Kemmetmüller
Theater

Love you, Dragonfly

von Fritz Kater

Premiere: 14. September 2018, Kleines Haus

Sechs Versuche zur Sprache des Glaubens

„Geschichten zu erzählen ist eine zutiefst menschliche und würdevolle Art, schwierigen Situationen Sinn zu verleihen.“ (Simon Stephens) — Liebe. Familie. Fortschritt. Gott. Freiheit. Leben. Große Worte, mit denen der Autor die Szenen seines Stückes überschreibt. Große Themen, die er damit anreißt und die sich in den lose zueinandergefügten und nebeneinanderstehenden Szenen widerspiegeln. Geschichten durch acht Jahr­zehnte hindurch, verbunden durch Figuren, deren Schicksale von den realen Härten des Lebens ins Zauberhafte übergehen und umgekehrt: der Erfinder eines Goldprozessors, dem eine Explo­sion die Körperteile abreißt und der sich in eine goldene Statue verwandelt; der Mann, der einen afrikanischen Jungen adoptiert, der zum Mörder wird; der 1942 verratene Kriegsdeserteur; der NVA-Soldat, der sich in den Westen träumt. Geschichten von der schillernden Sehnsucht nach Gold, Geld und Leben und der großen Frage, an was man glaubt und für wen man sein Herz spenden würde. Unter dem offenen Pseudonym Fritz Kater schreibt Arm­in Petra­s seit Jahren Thea­terstücke. "Love you, Dragonfly" wurde 2016 am Theater Bonn uraufgeführt. Nun inszeniert der Regisseur den Autor selbst.

Regie: Armin Petras
Bühne: Peter Schickart
Kostüme: Patricia Talacko
Musik: Phillip Poisel
Licht: Norman Plathe-Narr
Videodesign: Rebecca Riedel
Dramaturgie: Simone Sterr
Theater

Mr. Robot

nach Motiven der gleichnamigen Serie

Elliot liest Menschen. Er hackt sich in sämtliche Accounts von Menschen, die sich selbst und andere belügen, gräbt so tief, bis er genug kompromittierendes Material erbeutet hat. Er will die Welt vor dem Bösen schützen und verliert dabei nicht nur seinen Glauben an das Gute, sondern auch den Bezug zur Wirklichkeit. Doch für Elliot muss sich etwas ändern, denn er hat das Gefühl, dass alle Menschen um ihn herum eine Lüge leben. Das tun sie meist aber wissentlich, um überhaupt zu leben. Ist das nicht völlig nachvollziehbar? Hat die Lüge nicht auch etwas Schönes, Versöhnliches? Wirkt sie nicht auch befreiend, weil sie als das Nachspielen einer Fiktion des Anderen verstanden werden kann? Die Geschichte von Elliot kann dazu inspirieren, die eigene Lüge weiterleben zu wollen oder die Sehnsucht wecken, die Welt zu verändern und nach einem nicht-alltäglichen Selbst zu suchen. Aber was ist mit dem nie versöhnlichen, aber lebenswerten Weg des Dazwischen? Eine Musical-Fiktion.

Regie: Felix Rothenhäusler
Bühne: Kathatrina Pia Schütz
Kostüme: Elke von Sivers
Musik: Matthias Krieg
Licht: Christian Kemmetmüller
Dramaturgie: Marianne Seidler
Theater

Amour

von Alize Zandwijk

Allein in Deutschland gibt es weit über eine Million Demenzkranke, Tendenz steigend. In einer Welt, die auf Wachstumsraten schaut, stellt Demenz eine gegenläufige Bewegung dar: Erinnerungen erlöschen aus dem Bewusstsein. Als fragende, herantastende Annäherung an das Thema Alzheimer verstehen Samir Akika und Alize Zandwjik ihre mit Amour betitelte erste Zusammenarbeit. Was bedeutet es, die Kon­trolle über Körper und Geist zu verlieren und auf eine mehr oder weniger bewusste Art und Weise unseren Mitmenschen ausgeliefert zu sein? Und was bedeutet das für all jene, die dies beobachten müssen? Gibt es in der Mitte unserer Gesellschaft Platz für Menschen, bei denen Informationen nicht oder auf andere Weise haften bleiben? Wer kümmert sich und wie tut man das überhaupt? Und was spielt der Humor für eine Rolle in dem Ganzen? All diese Fragen stellen sich nicht zuletzt, weil beim Thema Alzheimer die schicksalhafte Schranke zwischen „gesund“ und „krank“ sinnbildlich wird: Wie gehen wir damit um, dass wir nicht wissen können, wie es sich anfühlt, zu vergessen, wer wir sind?

Choreografie: Alize Zandwijk, Samir Akika
Bühnenbild: Thomas Rupert
Licht: Christopher Moos
Dramaturgie: Viktorie Knotková
Theater

Knausgård IV: Leben

Theaterprojekt nach den Romanen
von Karl Ove Knausgård

Deutsch von Paul Berf und Ulrich Sonnenberg
von Abt / Kindermann / Knotková / Schuboth / Sondermann

„Alle halten mich für eine Art Idiotin im täglichen Leben und eine Tyrannin im geistigen, und die Meinen halten sich für Opfer meines Schreibens, ohne zu sehen, dass ich täglich kniend diene, wer weiß, wozu! Ich habe schreckliche Lust zu schreiben. Bis zur Verzweiflung.“ (Marina Zwetajewa) — Regisseur Frank Abt folgt mit seinem Team in einem auf insgesamt sechs Abende angelegten Projekt Schilderungen des modernen Alltags von Karl Ove Knausgård. Für jeden Teil des autobiografischen Romanzyklus wird eine besondere Form gesucht, die Bilder für Knausgårds Sprache entwickelt und zugleich auf die Kraft des schlichten Erzählens setzt. Das radikale Vaterporträt in „Knausgård I: Sterben“ wurde in der vergangenen Spielzeit bereits ergänzt durch die kompromisslose Suche nach Nähe und Beziehung in „Knausgård II: Lieben“. Im dritten Teil kommt eine Welt zum Vorschein, in der Kinder und Erwachsene parallele Leben führen. Im vierten Teil wird die Zeit des Aufbruchs ins Erwachsenenleben verhandelt. Alle Teile kann man als einzelne Abende oder als eine Serie erleben.

Regie: Frank Abt
Bühne und Kostüme: Susanne Schuboth
Dramaturgie: Viktorie Knotková
Theater

Ein Haus in der Nähe einer Airbase

von Akın Emanuel Şipal

„Ich kam in Deinen Garten doch einst so hoffnungsvoll! Wie kommt’s, dass arm und leer nun ich ihn verlassen soll?“ (Dschalaluddin Rumi) — Eine deutsche Familie mit türkischen Wurzeln kehrt nicht mehr aus den Sommerferien zurück. Die Eltern entscheiden sich, gegen den Willen der Tochter, ihren Lebensmittelpunkt in die Südtürkei zu verlagern. Das Ferienhaus in Adana soll von jetzt an dauerhaft Heimat sein. Die Mutter eröffnet eine psychotherapeutische Praxis, der Vater möchte Solarpanels verkaufen. Die Tochter lernt einen amerikanischen Soldaten der nahegelegenen Airbase kennen, von der aus der sogenannte IS bombardiert wird. Immer wieder wird der Versuch der Familie, Alltag zu leben, menschlich und wirtschaftlich anzukommen, von den politischen Ereignissen durchkreuzt. Der gescheiterte Militärputsch, der syrische Bürgerkrieg, die Angst, die das Leben bestimmt. Doch es gibt Dinge, die wie immer sind: Die Orangenernte und die in der Sonne leuchtenden Steine historischer Stätten. „Ein Haus in der Nähe einer Airbase“ ist ein Stückauftrag an den jungen Autor Akın Emanuel Şipal. Seine politische Familiengeschichte ist die sensible Erzählung einer Rückkehr, die zum Neubeginn wird.

Regie: Frank Abt
Ausstattung: Susanne Schuboth
Musik: Nihan Devecioglu
Video: Elisa Gómez Alvarez, Rebecca Riedel
Licht: Joachim Grindel
Dramaturgie: Viktorie Knotková
Soufflage: Elisabeth Weber
Liederabend

Istanbul

Ein Sezen Aksu-Liederabend von Akin E. Sipal, Selen Kara und Torsten Kindermann

Ausgehend von eigenen Familienerfahrungen und Fragen, die sie sich zum Thema Heimat und Ankommen stellen, haben sich Regisseurin Selen Kara und Musiker Torsten Kindermann für eine Drehung der Perspektive, für eine Utopie der Gastarbeitergeschichte, entschieden.

Stellen wir uns vor: Das Wirtschaftswunder fand nach dem Zweiten Weltkrieg in der Türkei statt. Es waren deutsche Gastarbeiter, welche halfen, die Türkei wiederaufzubauen; statt Bremen war Istanbul die Stadt, welche die Neuankömmlinge willkommen hieß.
Mit einem deutschsprachigen Ensemble und einer deutsch-türkischen Band setzt sich das Team diesem Gedankenspiel aus. Der junge Autor Akın E. Sipal hat Texte entworfen, welche die Lieder von Sezen Aksu und die von Torsten Kindermann und Selen Kara formulierten Ideen zu einer tragikomischen Geschichte verwoben haben. Auf Deutsch wird von der Lebenssituation der Auswanderer erzählt und auf Türkisch die Sehnsucht nach Glück und Heimat besungen. Im Zentrum stehen hierbei die Lieder von Aksu, der Königin des türkischen Pop, welche drei Generationen der türkischen Gesellschaft weltweit begleiten.

Musikalische Leitung: Torsten Kindermann
Regie: Selen Kara
Text & Fassung: Akin E. Sipal
Bühne: Thomas Rupert
Kostüme: Emir Medic
Licht: Frédéric Dautier
Dramaturgie: Viktorie Knotková
Aufführungen / Konzert Glocke Vokal Bremen Bremen, Domsheide 6-8
Aufführungen / Theater Kleines Haus Bremen Bremen, Am Goetheplatz 1-3
Aufführungen / Konzert Bremer Philharmoniker Bremen, Plantage 13
Aufführungen / Aufführung Oldenburgisches Staatstheater Oldenburg, Theaterwall 28
Schauspiel - Kinder- und Jugendtheater Oper, Operette Musical - Tanzensemble MS Schrittmacher