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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

Kontakt

Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

 

Spielstätten

Kammer 1
Maximilianstraße 26-28, 80539 München

Kammer 2
Falckenbergstraße 1, 80539 München

Kammer 3
Hildegardstraße 1, 80539 München

Dachkammer
Falckenbergstraße 1, 80539 München
Schauspiel

Jedem das Seine

EIN MANIFEST / VON MARTA GÓRNICKA
Schauspiel

Für ihre erste Arbeit an den Münchner Kammerspielen bringt die polnische Regisseurin Marta Górnicka ein von ihr arrangiertes Libretto aus verschiedenen Stimmen feministischer Bewegungen zur Uraufführung, darunter neue Texte von Katja Brunner. Dabei spricht sie aus der Perspektive einer jungen, politisch aktiven Polin, in deren Land zur Zeit längst erkämpfte Frauenrechte wieder in Frage gestellt werden. Górnicka ruft die „Womens Convention Munich 2018“ aus und setzt die existierende Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in den Kontext eines größeren globalen Ungleichgewichts, dessen Wurzeln tief liegen. Der weitaus ältere, jedoch von den Nationalsozialisten missbrauchte Ausdruck „Jedem das Seine“ steht dabei beispielhaft für faschistische Strukturen. In ihrer Inszenierung kreiert Marta Górnicka (wie schon häufig zuvor in ihren Arbeiten) eine Gemeinschaft, die sich in diesem Fall zusammensetzt aus SchauspielerInnen des Kammerspiele-Ensembles und anderen MünchnerInnen mit verschiedenen Hintergründen. Kraftvoll, zaghaft, wütend, klagend spricht ein Chor und spricht ein Einzelner zu seinem Publikum. Marta Górnickas Inszenierungen sind international auf vielen Festivals vertreten, ihre letzte Inszenierung „Hymn to Love“ gastierte jüngst beim Spielart-Festival in München.

Inszenierung: Marta Górnicka
Choreografie: Anna Godowska
Bühne: Robert Rumas
Kostüme: Sophia May
Musik: Polina Lapkovskaja
Licht: Charlotte Marr
Übersetzung: Andreas Volk
Dramaturgie: Johanna Höhmann

In Koproduktion mit demMaxim Gorki Theater
Theater

No Sex

Von Toshiki Okada

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

Inszenierung Toshiki Okada
Bühne Dominic Huber
Kostüme Tutia Schaad
Musik Kazuhisa Uchihashi
Licht Pit Schultheiss
Dramaturgie Tarun Kade, Makiko Yamaguchi
Theater

Miranda Julys Der erste fiese Typ

Schauspiel nach dem Roman von Miranda July

Cheryl Glickman, Anfang 40, alleinstehend und erfolgreich, leidet. Sie hat Schluckbeschwerden. Und einen Kloß im Hals, der einfach nicht verschwinden will. Philip, ihr Kollege und seit jeher ihr „Liebhaber in Gedanken“, hat ihr deswegen einen Chromatherapeuten empfohlen. Und da wird sie ihm zuliebe auch hingehen. Auch wenn sich schließlich herausstellt, dass der über 60-jährige Philip eine andere liebt. Und – diese andere erst 16 ist. Eines Tages zieht Clee, die grad 20-jährige Tochter ihrer Chefs, bei Cheryl ein. Clee hängt vor allem ab: Sie mag Fernsehen, Chips und Cola Light. Zunächst heißt es, sie bleibe nur für ein paar Tage. Doch dann breitet sie sich lust- und gewaltvoll in Cheryls Leben aus.
Gemeinsam mit den Schauspielerinnen Maja Beckmann und Anna Drexler, der Sängerin Brandy Butler und der jungen Videokünstlerin Rebecca Meining inszeniert Hausregisseur Christopher Rüping den Erstlingsroman von Miranda July, Sprachrohr moderner Großstadtbewohnerinnen, ihrer Befindlichkeiten und (sexuellen) Neurosen. „Jede Zeile eine Überraschung: Wie Miranda July über Männer und Frauen schreibt, ist hochmodern und raubt einem schlicht den Atem.“ schrieb der „Der Spiegel“ über „Der erste fiese Typ“, den „The Guardian“ unter die 10 eindringlichsten Liebesromane neben Tolstois „Anna Karenina“ wählte.

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Rebecca Meining
Licht: Christian Schweig
Musik: Brandy Butler
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Theater

Der Vater

von August Strindberg

1887 – Strindbergs „Der Vater“ wird in Kopenhagen uraufgeführt. Nicht erst in diesem Stück formuliert der schwedische Dramatiker seine Skepsis gegenüber einer aufkommenden, in seinen Augen in ihren Forderungen zu weitreichenden, feministischen Bewegung. Er stellt einen Vater ins Zentrum seiner Handlung: zunächst der Herr im Haus, der qua Recht und Tradition über die Finanzen, aber auch die Erziehung seiner Tochter entscheidet, ist er schließlich der große Verlierer – aufgerieben an den Ansprüchen der Frauen an ihn und jenen einer (patriarchalen) Gesellschaft an sein Mann-Sein. Schließlich treibt ihn der (vermeintliche) Komplott seiner Frau in den Wahnsinn. Heute erscheint uns Strindbergs Drama über das scheinbare Heraufdämmern des Endes des Patriarchats bzw. eines Patriarchen am Ende bei aller Meisterschaft der inneren Dramatik auf den ersten Blick vor allem als reaktionär. Oder aber: wie der Wahn eines in eine neue Rolle gestürzten und mit den Bewegungen der Zeit hilflos überforderten Autoren. 2018 – „Angry White Men“ allerorten. Breite Gesellschaftsschichten stellen Emanzipationsbewegungen, die unumkehrbar schienen, in Frage. Salonfähig ist, über den „Gender-Wahn“ herzuziehen, diskriminierte Identitätsweisen und Daseinsformen als dekadentes Establishment zu brandmarken und die Sehnsucht nach einem „Take back control“ zu schüren. Fakt ist aber auch, dass sich zahllose Feuilleton-Serien ernsthaft mit Männern als dem heute schwachen und benachteiligten Geschlecht beschäftigen oder aber der überwiegende Anteil der Selbstmorde, aber eben auch Attentate und Amokläufe von Männern begangen werden. Was kann vor diesem zeitgenössischen Hintergrund Strindbergs „Der Vater“ noch an Wahrhaftigkeit produzieren? Kann es gelingen, sich dem Drama unvoreingenommen zu nähern und es in den Dienst zu nehmen für ein gemeinsames, offenes, auch verstörendes und verunsicherndes Nachdenken über das Mensch-Sein heute?

Inszenierung: Nicolas Stemann
Theater

Judas

von Lot Vekemans

JUDAS handelt von einem Mann, dessen Name für Verrat steht. Ein Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden... Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: Er inszeniert einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde. Lot Vekemans

Inszenierung: Johan Simons
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Henriette Müller
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Maarten Schumacher
Dramaturgie: Julia Lochte
Theater

Trüffel Trüffel Trüffel

Lustspiel von Eugène Labiche

Wenn du schon nichts davon verstehst, dann sag wenigstens nichts.“ (Monaco Franze) – In „A bissel was geht immer“, der ersten Folge der legendären Fernsehserie von Helmut Dietl, geht der Kriminalkommissar Franz Münchinger mit seiner Frau und ihren sich gebildet gebenden Münchner FreundInnen in die Oper. Um den Schnöseln ihre soziale Arroganz heimzuzahlen, belauscht Franz den Chefkritiker der Süddeutschen Zeitung und erfährt dabei, dass dieser einen heftigen Verriss schreiben wird. Beim Abendessen schwingt er sich dann zu einer großen Rede darüber auf, was für ein Reinfall diese Operninszenierung gewesen sei. Die standesbewusste Gesellschaft snobbt den als Banause erscheinenden Franz ab und seine Frau vergeht vor Scham. Doch als die Kritik erscheint, hat der Underdog einen kleinen Sieg davongetragen.
Klassenunterschiede und die mit ihnen einhergehenden sozialen Codes sind bestes Komödienmaterial, das wusste auch schon der französische Vielschreiber Eugène Labiche im 19. Jahrhundert. Eines seiner über 175 Lustspiele ist „La poudre aux yeux“, übersetzt „SAND IN DEN AUGEN“. Es handelt von zwei kleinbürgerlichen Ehepaaren, die sich hinsichtlich ihres Standes im übertragenen Sinne Sand in die Augen streuen. Ihre Kinder haben sich ineinander verliebt und nun spielen die Eltern einander aus Sozialscham Großbürgerlichkeit vor: Sie leben über ihre Verhältnisse, reden hochgestochen und bestellen eine Unzahl getrüffelter Gerichte. Und – sie gehen in die Oper, immer wieder „Rigoletto“. FAKE IT, UNTIL YOU MAKE IT. Aber es klappt nicht, der Schwindel fliegt auf und zurück bleibt vor allem eine Menge Trüffel.

Der Regisseur Felix Rothenhäusler, der an den Kammerspielen bisher Reinhard Jirgls Science-Fiction- Sprachspielepos „Nichts von euch auf Erden“ und Ryan Trecartins Beschleunigungspartitur „The Re’Search“ inszeniert hat, knüpft mit „Trüffel Trüffel Trüffel“ an seine Studienarbeit „Die Affäre in der Rue de Lourcine“ an, ebenfalls von Eugène Labiche, die über acht Jahre lang das Publikum mit minimalen Mitteln zu maximalem Lachen bringen konnte, zuletzt am Theater Bremen, wo Felix Rothenhäusler seit 2012 Hausregisseur ist. Die Neuübersetzung von „La poudre aux yeux“ übernimmt Tobias Haberkorn, nicht nur Übersetzer von „The Re’Search“, sondern auch von „Rückkehr nach Reims“, dem autobiografischen Essay des französischen Soziologen Didier Eribon, der das Klassenthema 2016 auf die politische Agenda zurückgebracht hat.

Inszenierung: Felix Rothenhäusler
Theater

Die Attentäterin

In einer Fassung von Amir Reza Koohestani, nach dem Roman von Yasmina Khadra

65% aller „erfolgreichen“ Selbstmordattentate werden von Frauen verübt. Doch von allen Selbstmordattentaten überhaupt sind es nur 15 %, für die Frauen verantwortlich sind. Weibliche suicide bombers geben der Forschung Rätsel auf: Toten sie wie die Männer im Namen eines Landes, einer Religion, eines Anführers? Sind es womöglich romantische Grunde wie die Liebe zu einem Mudschahed, die Frauen in den „altruistischen Suizid“ treiben? Oder kämpfen sie auch für ihr Geschlecht und gegen die fast immer patriarchal organisierten Gesellschaften, in denen sie meist leben und die Frauen oftmals nur einen sehr eng bemessenen Entfaltungsspielraum zumessen? Der 1978 in Schiras im Iran geborene Regisseur und Autor Amir Reza Koohestani, der seit vielen Jahren seine mit der „Mehr Theatre Group“ in Teheran erarbeiteten Stücke auf Gastspielen in Europa zeigt, inszeniert zum zweiten Mal an den Kammerspielen. Nach seiner identitätspolitisch versierten und poetisch aufgeladenen Inszenierung von „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud inszeniert er nun den Roman „Die Attentäterin“ des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra. Mit seinem 2005 erschienenen Buch verursachte er eine kleine literarische Sensation, indem er sich nicht mit der Unfassbarkeit des Grauens abfand, sondern die terroristische Psyche zu verstehen suchte.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Bamdad Afshar
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Sima Djabar Zadegan
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

Schauspiel

Nach dem Roman von Kamel Daoud

Der Roman „Der Fremde“ von Nobelpreisträger Albert Camus, erschienen 1942, erzählt die Geschichte des Franzosen Meursault, der einen Algerier erschießt, weil die Sonne ihn so blendete. Dieser von Meursault getötete Mann hatte bei Camus weder Name noch Geschichte, er tauchte nur auf ein paar Seiten auf, um Camus zur Entfaltung seiner existentialistischen Philosophie zu dienen. Der algerische Journalist Kamel Daoud ändert das nun und gibt dem Opfer einen Namen. In seinem Roman „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ erzählt er die Geschichte des „Fremden“ noch einmal – aus der Perspektive des Opfers. Daouds Erstlingsroman hat sowohl in Deutschland als auch in Algerien und Frankreich hohe Wellen geschlagen. Auf welchem Fundament beruhen westeuropäische Kunst und Werte und auf wessen Kosten werden sie gelebt? Nun kommt noch eine weitere Perspektive, ein weiterer Kontext hinzu: Der aus dem Iran kommende international renommierte Regisseur Amir Reza Koohestani verlässt für seine erste Produktion an den Kammerspielen die rein postkoloniale Perspektive und sucht über sie hinausgehend allgemeine Prinzipien von Unterdrückung, Wiederaneignung und Selbstbehauptung darzustellen. Mit Hilfe von SchauspielerInnen mit iranischen, libanesischen, lettischen, bulgarischen, schweizerischen und deutschen Wurzeln setzt er Daouds Roman in ein multiperspektivisches Sprachpanorama.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani

u.a. in Farsi, arab. und dt. Sprache, mit dt./engl. Übertiteln
Theater

Ekzem Homo

von und mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern aus'm Biermoos

Der Einzug von Gerhard Polt 1979 mit „Kehraus“ in den Werkraum der Münchner Kammerspiele und vor allem die Erfolgsproduktion „München Leuchtet“ (1984), der weitere folgten, knüpfte an die Tradition an, sogenannte „Kleinkünstler“ einzuladen, die große Bühne zu bespielen. War es in den zwanziger Jahren Karl Valentin, so standen mit Gerhard Polt, Otto Grünmandl, Dieter Hildebrandt, Gisela Schneeberger und der Biermösl Blosn Künstler außergewöhnlicher Güte auf der Bühne, die sich mit ihren hochpolitischen Revuen in der Stadt positionierten. Nach dem Hausmusikabend „Fein sein, beinander bleibn“ von den Geschwistern Well wird nun mit „Ekzem Homo“ eine neue Revue von und mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern in das Schauspielhaus ziehen.

„Es ist schön, wenn auf der Bühne erst etwas entsteht, was man nicht vorher geschrieben oder geplant hat. Und da sind wir froh, dass der Chef, der Johan Simons, die Regie übernimmt. Da bin ich jetzt schon gespannt, wie der Johan einen Jodler inszeniert.“ (Christoph Well)

Inszenierung: Johan Simons
Bühne und Kostüme: Sina Barbra Gentsch
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Matthias Günther
Theater

Trommeln in der Nacht

von Bertolt Brecht

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet. Und entschließt sich, die Aufständischen zu verlassen und mit seiner Frau nach Hause zu gehen.
Nach „Der Spieler“, „Hamlet“ und zuletzt „Miranda Julys Der erste fiese Typ“ inszeniert Christopher Rüping, Hausregisseur der Kammerspiele, Brechts Geschichte aus einer bewegten Zeit. Dass die Uraufführung vor fast 100 Jahren an den Kammerspielen stattfand, ist dabei mehr als nur ein Detail.

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Licht: Christian Schweig
Musik: Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Juliet & Romeo

Inszenierung: Trajal Harrell

In dem 2002 entstandenen Comic „Y: The Last Man“ von Brian K Vaughan und Pia Guerra vernichtet eine Plage alle Träger des Y-Chromosoms: Alle 3,7 Milliarden Männer auf der Erde sterben! Da die überwiegende Mehrzahl der Flugzeug-Piloten männlich ist, startet kein Flugzeug mehr. Die meisten Milliardenvermögen und Ländereien sind plötzlich herrenlos, 85% der Regierungen und 100% der Moscheen, orthodoxen Synagogen und katholischen Kirchen sind auf einmal ohne Leitung. Die Vereinigten Staaten haben keine Bodentruppen mehr, während Israel dank seiner vielen weiblichen Armeeangehörigen zur Weltmacht aufsteigt. Mit den Männern stirbt auch der Rock’n’Roll, The Who, U2 und Radiohead sind Vergangenheit.

Dieser FANTASIE EINER WELT GANZ OHNE MÄNNER stellt der US-amerikanische Choreograf Trajal Harrell das Bild einer ausschließlich von Männern bewohnten Welt entgegen. In seiner ersten Arbeit mit dem Ensemble eines deutschen Stadttheaters wird Harrell an den Kammerspielen ausprobieren, was es heißt, für einen Moment eine reine Männergemeinschaft entstehen zu lassen. Wenn es wirklich nur Männer gäbe, würden sie sich dem steinzeitlichen Pfauengebaren und dem pubertär- sexuellen Kräftemessen überlassen? Oder würde nicht doch ihre MÄNNLICHE ZÄRTLICHKEIT UND STÄRKE, würde nicht vielleicht doch die UTOPISCH-ANTIKE VISION VIRILER LIEBESGEMEINSCHAFTEN das männliche Miteinander prägen? Auf der Grundlage von Shakespeares „Romeo und Julia“ wird „Juliet & Romeo“ ausschließlich von Männern dargestellt.

Harrell ist bekannt als leidenschaftlicher Kämpfer für die individuelle Freiheit und für die Unüberschaubarkeit der Welt. Seine Mittel sind SCHÖNHEIT, GLAMOUR, LÄSSIGKEIT, sein Ausdrucksmittel ist der Tanz. Das berühmte Hammer- Museum in Los Angeles beschreibt Harrells Stil als „bahnbrechend, weil er das große Drama und Gefühl in den Zeitgenössischen Tanz zurückbrachte.“ Tatsächlich durchzieht ein tragischer Grundton Harrells Arbeit, deren wichtigster Bezugspunkt neben dem strengen Geist des frühen Modernen und Postmodernen Tanzes vor allem die New Yorker Voguing-Szene der 60er und 70er Jahre ist. Seit einigen Jahren integriert er auch das japanische Butoh in seine Stücke und arbeitet über die skulpturalen und reliefartigen Eigenschaften des dreidimensionalen Raums. DER VERZWEIFELTE UND BERAUSCHEND SCHÖNE KAMPF UM ANERKENNUNG, den all jene kämpften und nach wie vor kämpfen, die ihr homosexuelles und queeres Sein gleichberechtigt mit anderen Lebensentwürfen leben wollen, ist die Quelle, aus der Harrells Choreografien schöpfen. Wie überleben junge Menschen, die nichts als ihre Liebe leben wollen, in einer von traditioneller Männlichkeit und Gewalt geprägten Welt? Und wie entdecken und behaupten sie ihre Sehnsucht gegen die Verachtung und gegen den Schmerz?

Inszenierung: Trajal Harrell
Bühne: Erik Flatmo
Kostüme: Trajal Harrell
Licht: Stefane Perraud
Musik: Trajal Harrell
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Nachts, als die Sonne für mich schien

von Uisenma Borchu

Mit ihrem Spielfilmdebüt „Schau mich nicht so an“ sorgte die junge Münchner Filmemacherin Uisenma Borchu 2016 für Aufsehen und gewann den Bayerischen Filmpreis. Wider die Skepsis der Geldgeber und Filmförderer hatte sich dieser freie, ästhetisch detailverliebte und feministische Film durchgesetzt. „Wann soll man radikal sein, wenn nicht im ersten Film?“ sagte Borchu in einem „Spiegel“-Interview über ihr Erstlingswerk. Anders als in dem Spielfilm thematisiert sie an den Kammerspielen in ihrer ersten Theaterarbeit nun ihre eigene Lebensgeschichte: „Ich bin als kleines Mädchen mit der transsibirischen Eisenbahn aus der Mongolei in Ost-Berlin am Bahnhof angekommen. Wir haben Grenzen passiert, neue Sprachen gehört – FREMDE GESICHTER, WOHIN ICH AUCH SCHAUTE. Damit sollte ein neues Leben beginnen – eine erwünschte mongolische Familie in der DDR. Aber nur wenig später: Eine unerwünschte mongolische Familie in der BRD. Ich habe meinen Vater damals gefragt, ob wir nun auch Deutsche seien. Er antwortete: ‚DU KANNST SEIN, WER DU WILLST, ABER DAVOR MUSST DU WISSEN, WER DU BIST.’ Wir haben also unser mongolisches Reich in eine 60qm-Wohnung gequetscht. Ich habe damals meine Familie angeschaut, meinen Vater, und habe in uns nur Ausländer gesehen, so wie ich es von außen gelernt hatte.“

Uisenma Borchu wird sich für ihre Inszenierung aus ihrer erwachsenen, gegenwärtigen Perspektive ihrer ostdeutschen Vergangenheit zuwenden. Ihr wichtigster Partner dabei ist ihr Vater Borchu Bawaa, ein Maler. Ihn wird sie bitten, für die Inszenierung ein Bild ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu malen. Wie sieht er heute, als alter Mann, die ersten Jahre in Deutschland? Und wie unterscheidet sich der Blick des Vaters auf die Vergangenheit und die ausländerfeindliche Gewalt in der Gesellschaft von Uisenma Borchus eigenen Erinnerungen? Ist die Zeit, ist die Vergangenheit wieder einzuholen? Kann Verdrängtes durch Aussprache erlöst werden? Und kann man dadurch dem Rätsel, wer man ist, auf die Spur kommen? „Du kannst sein, wer du willst, aber davor musst du wissen, wer du bist.“

Inszenierung: Uisenma Borchu
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Veronika Schneider
Video: Sven Zellner
Licht: Pit Schultheiss
Musik: Daniel Murena
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Theater

On the Road

Nach dem Roman von Jack Kerouac

Jack Kerouac, alias Sal Paradise, steht im strömenden Regen nahe New York an der Straße und will, dass seine Reise in den Westen endlich beginnt. Aber es kommt kein Bus, kein Auto hält an, er muss unverrichteter Dinge zurück in die Stadt. Auf diesen ersten erfolglosen Aufbruch folgt dann doch eine jahrelange Reise, eine ruhelose, drogenbeschleunigte Irrfahrt auf der Suche nach etwas, das er selber nicht kennt. Zwischen Aufbruch und Ankunft ballen sich seine Sehnsucht nach Freiheit und die Illusion von Bewegung – irgendwo in den Zwischenräumen und Haltestellen. Unterwegs.
Ende der 1940er Jahre „improvisiert“ Jack Kerouac, die Bebop-Soli eines Charlie Parkers im Ohr, seinen autobiographischen Roman „On the Road“ auf einer 36 Meter langen Butterbrotpapierrolle und zeichnet so die Anfänge der Beat-Generation: das Bild einer Gruppe junger Schriftsteller, die sich als NOTORISCHE HERUMTREIBER GEGEN DEN ZEITGEIST verbünden. Sie kennen die Schrecken des Weltkriegs und der Atombombe und fühlen sich vom Konformismus erdrückt, der das Amerika des Kalten Kriegs beherrscht. Wie Springteufel jagen sie ohne Geld kreuz und quer durch Amerika, immer der Erleuchtung und der Erlösung hinterher. Ihre Suche nach Glück und wahrer Liebe ist einer Sehnsucht geschuldet, die sich an Leerstellen aufreibt. „Irgendwo unterwegs, das wusste ich, gab es Mädchen, Visionen, alles; irgendwo auf dem Weg würde mir die Perle überreicht“, verspricht sich Sal Paradise. Aber das GLÜCK DER FREIHEIT bleibt als Schimäre auf Papier gebannt.
Dennoch wird „On the Road“ zum Kult, zum literarischen Anstoß umfassender gegenkultureller Bewegungen, bis hin zum Beatnik-Chic. Warum? Gegen welchen bürgerlichen Mief würde sich eine Generation heute verbünden? Wen treibt es weiter mit diesem unstillbaren Lebenshunger und wohin? Nach Westen wie Goldschürfer oder in die Traumfabrik Hollywood?

Der Regisseur David Marton, der in den vergangenen zwei Spielzeiten an den Kammerspielen ein Opernhaus gründete und darin u.a. „La Sonnambula“ und „Figaros Hochzeit“ zur Aufführung brachte, spürt mit seiner Truppe von SchauspielerInnen und MusikerInnen den Sehnsüchten einer Clique nach, die Freiräume schafft und doch gegen Wände läuft. Die Rhythmen des Bebop verweben die JazzmusikerInnen auf der Bühne mit Kerouacs eigenartig musikalischem Textfluss zu Klangflächen, die Wort und Musik verknüpfen. David Martons Musiktheater führt so in die Geschichten der GlückssucherInnen und ihrer Reise in die Zwischenräume des Lebens hinein.

Inszenierung: David Marton
Bühne: Amber Vandenhoeck, David Marton
Kostüme: Pola Kardum
Licht: Henning Streck
Dramaturgie: Christine Milz
Theater

Tiefer Schweb

Ein Auffangbecken von Christoph Marthaler

Bisher hatten die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsbehörde der Bodenseeregionen (ZVB) den unerwarteten Anstieg des Antragsvolumens als temporäres Phänomen abgehakt. Stets waren sie ruhig und sachlich geblieben, sogar noch dann, als das beunruhigende Gerücht von einem „Tag X“ in Umlauf geriet. Als dieser schließlich mit offiziellem Datum besiegelt wurde, fand man die Büros der Behörde auf einmal verwaist. Alle Angestellten waren verschwunden, kurzfristig abgetaucht in unbekannter Mission. Oder einfach: „Tiefer Schweb“ – wie man an den Ufern des Bodensees zu sagen pflegt, anlässlich solch rätselhafter Fälle und in Anspielung auf die Bezeichnung des tiefsten und unergründeten Areals des Binnenmeers. Hier nämlich im Dreiländereck, wo die Grenzen Österreichs, der Schweiz und Deutschlands so eng verlaufen, dass man in Zeiten des freien Personenverkehrs innerhalb von Sekunden drei Staaten besuchen konnte, haben sich die Beamten mit ihren Angehörigen an einen geheimen Ort zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Vorkehrungen zu treffen für den unausweichlich bevorstehenden Moment der Wahrheit.

Christoph Marthaler, der mit seinen eigenwilligen und poetischen Musiktheaterabenden das Publikum für sich einzunehmen weiß, kehrt mit dieser Inszenierung nach vielen Jahren zurück nach München.

Inszenierung: Christoph Marthaler
Konzeption: Christoph Marthaler, Malte Ubenauf, Ueli Jäggi Bühne Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Jürgen Tulzer
Musikalische Leitung: Jürg Kienberger
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Theater

The Re'Search

von Ryan Trecartin

„I Participate“ – um an der beschleunigten Gegenwart teilhaben zu können, braucht es ein gehöriges Maß Selbstperformance. Ansonsten geht man schnell unter zwischen hyperaktuellen Statusupdates, Schreckensnachrichten und „next-big-things“. „Do we need more cameras?“ Die neuen Menschen der (virtuelle) Realität gewordenen Marktforschungsstudie „The Re’Search“ tun alles für mehr Aufmerksamkeit. Mit dem Selbstmord drohen. Mit Technologie verschmelzen. Sich die Liebe schwören. Verzweiflung, Lust, Sehnsucht.
Mit seinen collageartig überformten Hochgeschwindigkeitsvideos reflektiert der amerikanische Künstler Ryan Trecartin spielerisch das Zeitalter des Internets und ist dadurch innerhalb kürzester Zeit zu einem der gefragtesten Künstler seiner Generation geworden mit großen Ausstellungen in Venedig, Berlin und New York. Mit „The Re’Search“ hat er ein Sprachkunstwerk aus der (nahen) Zukunft geschaffen, bevölkert von Identitäten, die die engen Grenzen von Gender-, Klassen- und Rassengrenzen hinter sich gelassen haben. Felix Rothenhäuslers Adaption ist die erste Inszenierung eines Textes von Ryan Trecartin im Theater. Spielerisch und manchmal utopisch.
Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn ist der von Jonas von Ostrowski gestaltete Raum mit einer Lichteinrichtung von Matthias Singer für das Publikum geöffnet.

Inszenierung: Felix Rothenhäusler
Theater

Wartesaal

Nach dem Roman „Exil“ von Lion Feuchtwanger

Hoffentlich geht es bald vorüber, denken derzeit viele Menschen mit Blick auf die Trump-Präsidentschaft, die Erfolge rechtspopulistischer Parteien und die „Flüchtlingskrise“. Sie befinden sich in einer Art ohnmächtigem Wartezustand. Wie handelnd tätig werden, wenn die Krisen der Zeit weit über den Einzelnen hinausreichen? Der Münchner Schriftsteller Lion Feuchtwanger wird aktiv, indem er zwischen 1930 und 1939 die „Wartesaal-Trilogie“, bestehend aus den Romanen „Die Geschwister Oppermann“, „Erfolg“ und „Exil“, schreibt. Ohne zu wissen, was die Zukunft bringen wird, gelingt es ihm, das Leben unter dem Nazi-Regime auf geradezu unheimliche Art und Weise plastisch zu machen. Feuchtwanger zeigt Menschen, die zu handeln versuchen, ohne die unaufhaltsam heraufziehende Katastrophe abwenden zu können. Nur sich selbst können sie retten, wenn überhaupt. Der Regisseur Stefan Pucher, der in der Spielzeit 2015/16 T.C. Boyles Roman „América“ an den Kammerspielen inszenierte, stellt in „Wartesaal“ den Zustand des Exils in den Mittelpunkt. Wie einen Halt finden, wenn es die Heimat nicht mehr gibt? Wenn der Übergang einfach nicht vorübergeht.

Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Live-Video: Ute Schall
Video: Ute Schall
Licht: Stephan Mariani
Musik: Christopher Uhe
Dramaturgie: Malte Ubenauf, Tarun Kade
Theater

Der Kirschgarten

Von Anton Tschechow

Eine Bestandsaufnahme vorweg: Der Kirschgarten ist Schönheit. Ist Vehikel der Tradition und Selbstvergewisserung. Er ist von unschätzbarem immateriellen Wert. Einst war die Ernte der Kirschen auch materiell einträglich und knallharte Währung gewesen. Der Kirschgarten sicherte der Familie um die Gutsbesitzerin Ljubow Ranjewskaja ihr Einkommen und eine herausgehobene Stellung. Aber ihr Wohlstand ist in Gefahr. Die Kirschdevisen versiegen. Auch ihre kultur- und ideentreibende Dominanz verkümmert. Und andere wollen jetzt teilhaben. Der Kaufmann und gesellschaftliche Emporkömmling Lopachin etwa, der frisches Geld hat wie Heu und das große Geschäft wittert. Oder aber all die Land(durch) streichenden ohne festen Wohnsitz, die Ansprüche geltend machen. Gemeinsame Sache zu machen, scheint indes keine Option. Die vermeintlichen Mauern zwischen ihnen sind unüberbrückbar: Alle halten an ihren Selbstentwürfen, an ihrer Version der / von Geschichte und Vision für den Kirschgarten fest.

Hausregisseur Nicolas Stemann inszeniert nach „Der Kaufmann von Venedig“ und der Jelinek-Uraufführung „Wut“ nun Tschechow – und kehrt damit gewissermaßen zu seinen Anfängen zurück: Seine Abschlussarbeit an der Theaterakademie in Hamburg 1997 hieß „TerrorSpiel“ – nach „Die Möwe“ von Anton Tschechow.

Inszenierung: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Licht: Jürgen Tulzer
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Theater

América

nach dem Roman von T.C. Boyle

Als vor über einem Jahr die Entscheidung fiel, den von der paranoiden Angst einer US-amerikanischen Grenzgemeinde vor Verdrängung durch illegale Einwanderer aus Mexiko erzählenden Roman T. C. Boyles (1995) an den Kammerspielen zu inszenieren, sah sich Europa noch weit entfernt von den Migrationsbewegungen der Jahre 2015 und 2016. Heute hingegen, da die Frage nach der Bewältigung eines mehrere Millionen Menschen betreffenden Exodus die EU und deren Gesellschaften zersplittert, ergeben sich auf einmal deutliche Parallelen zu den in Boyles „América“ verhandelten Phänomenen. Ein Umstand, der den Intentionen des amerikanischen Autors möglicherweise nur teilweise entspricht. Denn als dieser vor über 20 Jahren die Geschichte eines mexikanischen Einwandererpaares und deren gleichermaßen unfreiwillige wie folgenschwere Begegnung mit den Bewohner_innen einer vornehmen Wohnsiedlung südlich von Los Angeles veröffentlichte, ging es ihm nicht in erster Linie um künstlerische Reaktionen auf eine aktuelle gesellschaftliche Notlage. Vielmehr suchte Boyle nach einer Möglichkeit, sich exemplarisch mit solchen menschlichen Urängsten auseinanderzusetzen, die angesichts eingebildeter Bedrohungen entstehen und gerade deshalb alle Vernunft außer Kraft zu setzen vermögen. In einem fast surrealen Szenario, in dem grenzenloser Überlebenswille auf hysterische Abschottung trifft, geraten in Boyles Erzählung die Lebensrealitäten aller Beteiligten ins Wanken. Und verschieben sich zu einem Bild, für das eine berühmte christliche Wortreihe folgendermaßen umgeschrieben werden könnte: Glaube, Liebe, Panik.

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Video: Meika Dresenkamp
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Schauspiel

Hellas München

Ein Projekt von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris

In keiner anderen Stadt Deutschlands wohnen so viele GriechInnen wie in München. Viele kamen in den 1960ern als „Gastarbeiter“ oder auf der Flucht vor der Militärdiktatur. In den letzten Jahren stieg, in Folge der andauernden Wirtschaftskrise, die Zahl der in Deutschland lebenden GriechInnen erstmals wieder an. Zahlreiche junge GriechInnen zählen zur Generation der „Working Poor“ – qualifizierte Frauen und Männer, die sich mit mies bezahlten Jobs durchschlagen müssen. Ist das, was in Griechenland zur traurigen Normalität geworden ist, auch in München für viele Alltag? Das Regieteam Azas / Tsinikoris begibt sich auf die Suche nach den vielfältigen griechischen Communities in München und entwirft ein Bild der Münchnerisch-Griechischen Geschichte, jenseits von Klischees. Geschichten von MünchnerInnen aus Griechenland.

Inszenierung: Prodromos Tsinikoris, Anestis Azas
Bühne: Eleni Stroulia
Kostüme: Eleni Stroulia
Musik: Panos Manouilidis, Panos Manouilidis
Dramaturgie: Christine Milz, Martin Valdés-Stauber

IN DEUTSCH UND GRIECHISCH, MIT ÜBERTITELN
Theater

Point of no Return

Ein Projekt von Yael Ronen und Ensemble
Performance

„Liebe auf den ersten Fick. Ersten Klick. Ersten Blick. Erstmal nicht?“ (Neon) Was suchst du, wo stehst du jetzt, an welchem Punkt steht die Gesellschaft? Die Webseite der Kontaktbörse Tinder titelt: „Every Connection can change your life!“. Genauso gut: Every decision can change your life. „Point of no Return“ bezeichnet jene einschneidenden Momente, an denen etwas nicht mehr rückgängig zu machen ist. In der Geschichtswissenschaft beispielsweise gilt er als der Zeitpunkt, an dem eine historische Entwicklung unwiderruflich ihren Lauf nimmt. Gleichzeitig lässt sich dieser Moment auf vielen Ebenen erforschen: Was bedeutet dieser „Point of no Return“ auf der individuellen Ebene, in seiner politischen oder technologischen Dimension – ein utopischer oder dystopischer Moment? Yael Ronen, die mit eigenwilligen Themen, leichten wie aufwühlenden Inszenierungen am Berliner Maxim-Gorki Theater auf sich aufmerksam machte und bereits mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, arbeitet nun erstmals an den Münchner Kammerspielen und begibt sich gemeinsam mit dem Ensemble auf die Suche nach dem „Point of no Return“ und macht ihn zum Gegenstand für das Theater.

Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Theater

Die Selbstmord -Schwestern“ / The Virgin Suicides

nach dem Roman von Jeffrey Eugenides

„The Virgin Suicides“ (dh. „Die Selbstmord -Schwestern“) ist der Erstlingsroman des US-amerikanischen Autors Jeffrey Eugenides, der ihn über Nacht berühmt machte. Als dann auch noch Sofia Coppola den Text kongenial verfilmte, war gewiss: hier reiht sich ein Autor souverän in die Reihe der großen Romanciers Amerikas ein. Nach vielen Jahren des kategorischen Neins zu einer etwaigen Dramatisierung des Stoffes – der Roman erschien 1993 – stimmten nun Eugenides und die Filmemacherin erstmalig einer Bühnenadaption zu.
Eine biedere und manisch prüde Familie in Nordamerika: fünf Schwestern und ihre Eltern. Das Einfamilienhaus ist wie eine geschlossene Welt ohne Ausgang. Alle Kinderwünsche und Jugendträume scheitern an der kühlen Irrationalität der Eltern, zerschlagen sich an deren verbissenem und perfidem Glauben. Jeder Regung, jedem Werden und Erblühen der Pubertierenden sind Kontrolle und Regeln vorangestellt. Unter Beobachtung einer Schar von Jungen des Ortes, für die die Schwestern zusehends zur fixen, alles vereinnahmenden Attraktion werden, wollen nun die Mädchen nicht nur in ihren Träumen der Enge entfliehen. Die Eltern aber bestrafen jeden Versuch des Ausbruchs, sie halten ihre Töchter drakonisch unter Verschluss und in ihrer Welt gefangen. Nur durch das Fenster im Kinderzimmer sind die fünf Mädchen bald mit der Außenwelt verbunden, bis alles Leben in ihnen erstickt und bis es sie in den Tod treibt. Susanne Kennedy – sie gehört dem zukünftigen künstlerischen Team an der Volksbühne Berlin unter der Intendanz von Chris Dercon an – kehrt nach ihren Inszenierungen „Fegefeuer in Ingolstadt“ und „Warum läuft Herr R. Amok?“ an die Münchner Kammerspiele zurück. In „Die Selbstmord-Schwestern“ führt sie ihre künstlerische Strategie der Voice Over-Technik fort und untersucht den Blick, dem die Mädchen der Lisbon-Familie ausgeliefert sind, aus der Perspektive und Erinnerung der mittlerweile gealterten Männer. Sie erzählen die Geschichte der fünf Töchter und geben ihnen eine Stimme.

Inszenierung: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Rodrik Biersteker
Licht: Stephan Mariani
Sound: Richard Janssen
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Theater

Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech

von Toshiki Okada

Der japanische Regisseur und Autor Toshiki Okada untersucht in seiner Trilogie „Hot Pepper, Air Conditioner and The Farewell Speech“ die zeitgenössische japanische Arbeitswelt. In den letzten Jahren versuchte die japanische Regierung durch Privatisierungen das stagnierende Wirtschaftswachstum wiederzubeleben und gegen die erstmals in der Geschichte des Landes wachsende Arbeitslosigkeit anzugehen. Bisher ohne dauerhaften Erfolg. Okada begegnet der wirtschaftlich-politischen Realität, indem er liebe- und humorvoll die Menschen hinter den Statistiken zeigt: Die vom Verlust ihrer Jobs bedrohten Leiharbeiter unterhalten sich vor allem über das Lokal für die Abschiedsfeier ihrer entlassenen Kollegin (und vielleicht auch die eigene). Die Festangestellten nutzen ihre Arbeitspause für erotische Annäherungen im Gespräch über die Temperatur der Klimaanlage. Und die entlassene Mitarbeiterin selbst bedankt sich ausufernd für die zugestandene (Arbeits-)Zeit. Niemand spricht offen aus, was er / sie denkt und doch wird es sichtbar. Besonders in den choreografisch analysierten Körpern der Sprechenden. Toshiki Okada, einer der wichtigsten zeitgenössichen Künstler Japans, adaptiert seine zuerst 2009 mit der „chelfitch“-Kompanie geschaffene und durch die ganze Welt gereiste Inszenierung in seiner ersten Regiearbeit in Europa mit dem Ensemble der Kammerspiele.

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: PERRET SCHAAD
Licht: Christian Schweig
Dramaturgie: Tarun Kade
Theater

Das Erbe

Eine Assoziation zum NSU von Olga Bach, Ersan Mondtag und Florian Seufert

„Sei gerecht“ (Franz Kafka, In der Strafkolonie) – Seit nunmehr vier Jahren werden am Oberlandesgericht München die Morde der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ verhandelt. Noch ohne einen Abschluss. Doch auch wenn dieser tatsächlich einmal erfolgen sollte: Könnte die Verurteilung der Schuldigen eine Art kathartische Reinigung der Gesellschaft herbeiführen? Weisen die zahllosen, ihre Deutung erwartenden Indizien nicht vielmehr darauf hin, dass der Prozess selbst nur ein Detail in den wild wuchernden Verstrickungen einer eben nicht abschließend zuzuordnenden Schuld ist?

„Das Erbe“ assoziiert ausgehend von diesem Thema der Schuld eine Gemeinschaft, die der Gegenwart entfremdet ist und die alle Antworten immer in der Vergangenheit sucht. In Olga Bachs Text verständigt sich diese Gemeinschaft ausschließlich über ihr gemeinsames kulturelles Erbe, über das Archiv der deutschen Kulturgeschichte. Muss dieses Erbe gewaltsam geopfert werden für die Möglichkeit eines neuen Anfangs? Der Regisseur Ersan Mondtag, mit den Inszenierungen „Tyrannis“ und „Die Vernichtung“ (ebenfalls ein Text von Olga Bach) zuletzt zweimal in Folge zum Berliner Theatertreffen eingeladen, lässt in „Das Erbe“ mit düster-romantischer Bildgewalt die Vergangenheit zur Zukunft werden. „Die Schuld ist immer zweifellos“.

Inszenierung: Ersan Mondtag
Text: Olga Bach
Bühne: Rainer Casper
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Florian Seufert
Licht: Rainer Casper
Musik: Max Andrzejewski
Dramaturgie: Tarun Kade
Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Konzert Le Nuove Musiche München München, Gollierstr. 28
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Konzert Regensburger Domspatzen Regensburg, Reichsstraße 22
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Film Neue Celluloid Fabrik / Jürgen Kleinig
Mi, 27.6.2018, 19:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung Neue Werkbühne München GmbH München, Heßstraße 82
Aufführungen / Oper Staatstheater am Gärtnerplatz München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Oper Münchener Biennale München, Ludwigstr. 8
Internationales Festival für neues Musiktheater
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München, Max-Joseph-Platz 2
Nationaltheater
Aufführungen / Aufführung Deutsches Theater München München, Ausweichspielstätte: Werner-Heisenberg-Allee 11 / ab 2012: Schwanthalerstraße 13 E
Aufführungen / Aufführung Tom Patrick´s Isarwichtl München, Heimeranstr. 51
Aufführungen / Kabarett Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Till Hofmann
Aufführungen / Aufführung Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Aufführung Theaterfestival SPIELART München München, Ludwigstr. 8
Aufführungen / Aufführung theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Oper Staatsheater am Gärtnerplatz München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Haimhauser-/Ecke Ursulastraße
Aufführungen / Aufführung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Aufführung Studiobühne Bayreuth Bayreuth, Röntgenstr. 2
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Regina Backes
Aufführungen / Aufführung Minni Oehl Company München, Augustenstr. 85 a
Aufführungen / Aufführung OBERANGER THEATER München München, Oberanger 38
Aufführungen / Aufführung Vollmarhaus Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Tanz DT - Die Tanzschule am Deutschen Theater München, Schwanthalerstrasse 13
Auch online sind wir der tanztipp.de!
Aufführungen / Performance t-u-b-e München, Einsteinstr. 42
galerie für radiophone kunst, installationen und audio-performances im EINSTEIN München, www.t-u-b-e.de
Aufführungen / Aufführung Bayrisches Volkskunsttheater München München, Pfanzeltplatz 12
im Gasthaus zur Post
Aufführungen / Oper Internat. Musikfestival Halfing, Gut Immling
Chiemgau Gut Immling Unsere Oper e. V.
Aufführungen / Tanz El Corazón, Tangoschule München, Lachnerstr. 38
Maja
Aufführungen / Aufführung Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Aufführung S'ensemble Theater Augsburg, Bergmühlstraße 34
Kulturfabrik
Aufführungen / Aufführung Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Aufführung Münchner Volkssänger-Bühne e.V. München, Nederlinger Str. 78
im Theater Gut Nederling
Aufführungen / Aufführung Münchner Volkstheater München, Brienner Str. 50
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Aufführung Jazzclub Unterfahrt München, Einsteinstraße 42
Aufführungen / Aufführung Bel Etage Theater München, Feilitzschstrasse 12
im Drugstore
Aufführungen / Tanz TANZWERKSTATT EUROPA München, Emil Geis Str. 21
JOINT ADVENTURES
Aufführungen / Aufführung fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
opera players impro a la turka
Aufführungen / Aufführung i-camp / neues theater münchen München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Augsburg, Barfüßerstraße 4
Kresslesmühle GmbH
Aufführungen / Aufführung Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Aufführung Teamtheater Comedy München, Am Einlaß 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Theater MÜNCHNER GALERIE THEATER München, Geigenbergerstr. 37
Theaterensemble
Aufführungen / Aufführung Landgraf München, Pfanzeltplatz 12
Bayrisches Volkskunsttneater
Aufführungen / Aufführung BMW Welt München, Am Olympiapark 1
Aufführungen / Konzert Nymphenburger Sommer München, Schloss Nymphenburg Eingang 19
Das Kammermusikfest
Aufführungen / Aufführung Bayerische Philharmonie München, Bäckerstraße 46
Aufführungen / Konzert Münchner MotettenChor e.V. München, Nußbaumstraße 1
Aufführungen / Aufführung Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Konzert Münchner Orchesterverein Wilde Gungl e. V. Mühldorf, Herzog-Friedrich-Straße 6a
Symphonieorchester Wilde Gungl München
Aufführungen / Aufführung Galli Theater und Trainings München, Schleissheimerstr.60
Emine Akman