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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

Kontakt

Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

 

Spielstätten

Kammer 1
Maximilianstraße 26-28, 80539 München

Kammer 2
Falckenbergstraße 1, 80539 München

Kammer 3
Hildegardstraße 1, 80539 München

Dachkammer
Falckenbergstraße 1, 80539 München
Theater

Macbeth

von William Shakespeare

Premiere: 07. Dezember 2018

Mit „Macbeth“ inszeniert Amir Reza Koohestani nach „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ und „Die Attentäterin“ zum ersten Mal an den Münchner Kammerspielen ein zentrales Stück des westlichen Theaterkanons. Vor nun über 400 Jahren schrieb Shakespeare die Tragödie um ein Königsmörder-Paar auch als Propagandastück, das die Stellung des damaligen Königs (und damit auch die eigene) bestätigen sollte. Koohestani nimmt dies als Ausgangspunkt einer Reflexion über gegenwärtige Erwartungen an das Theater: Können auch heute durch fiktionale Geschichten politische Machtverhältnisse gestärkt oder hinterfragt werden? Welche Geschichten müssen und welche dürfen erzählt werden? Wie unschuldig oder gefährlich ist die Kunst, wie wirkmächtig sind ihre Erzählungen? In Annäherung an Fragen von politischer Dimension betrachtet Koohestani immer auch deren Konsequenz für die Menschen. Obwohl sie in diesem Gefüge der Macht gefangen sind, müssen sie sich dennoch mit den Konsequenzen der eigenen Taten konfrontieren: unsicher, überzeugt, euphorisch, traumatisiert. In privaten Gesprächen und intimen Momenten erzeugt er ein aktuelles politisches Panorama, welches zugleich den Alltag der Menschen in den Fokus nimmt. „Und wenn wir scheitern?“ – fragt der schlaflose Macbeth seine Frau und Komplizin – „Dann scheitern wir“.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Polly Lapkovskaja
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Mehdi Moradpour
Dramaturgie: Helena Eckert
Co-Video: Phillip Hohenwarter
Theater

Kill the Audience

von Rabih Mroué

Uraufführung: 12. Dezember 2018

Mit dem „Viet Nam Diskurs“ schrieb Peter Weiss ein politisch-agitatorisches Stück gegen den Vietnamkrieg. Die Inszenierung des Stücks 1968 an den Münchner Kammerspielen richtete sich direkt an die Zuschauer*innen: Was bedeutet es, einem politischen Stück beizuwohnen? Die Aufforderungen des Stücks wörtlich nehmend sammelten die Schauspieler*innen am Ende des Stücks Geld für den Vietcong. Es folgte eine veritable Auseinandersetzung zwischen Regisseur und Jungstar Peter Stein und Intendant August Everding. Selbst als die Sammlung von Geld untersagt wurde, warfen die Zuschauer* innen Münzen auf die Bühne. Doch was ist mit diesem Geld geschehen? Wurden damit Waffen gekauft, um aus dem Theater heraus real politisch einzugreifen? Regisseur Rabih Mroué geht diesen Spuren nach. 50 Jahre nach dem damaligen Konflikt erforscht Mroué am gleichen Ort (im damaligen Werkraum) die Rolle der Zuschauer*innen. Kann es überhaupt noch ein Publikum geben, wenn das Theater zur Straße wird? Verschwindet es, wenn die Bühne genutzt wird zur offenen politischen Auseinandersetzung? „Kill the Audience“ ist die dritte Arbeit von Rabih Mroué an den Münchner Kammerspielen. Nach „Ode to Joy“ (2015) feierte „Rima Kamel“ (2017) im Rahmen einer Werkschau des Künstlers an den Kammerspielen Premiere.

Inszenierung: Rabih Mroué
Ausstattung: Bettina Katja Lange, Rabih Mroué
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Tanz

The very moment

Anna Konjetzky

Premiere: 20. Dezember 2018

Das neue Tanzstück der Münchner Choreografin Anna Konjetzky holt den fragilen und uneffizienten Körper auf die Bühne und thematisiert unseren gesellschaftlichen Umgang mit ihm. Wie in einem Spiel treten fünf Tänzer* innen gegeneinander an. Sie testen ihre Grenzen, arbeiten gegen krampfende Muskeln, gehen mit Balanceverlust um, geraten aus dem Tritt, fallen, geben auf und beginnen erneut. Inspiriert von einschlägigen Youtube-Videos, angefangen beim torkelnden Besoffenen bis zum entkräfteten Marathonläufer, löst das Ensemble Stürze aus ihren Kontexten, analysiert und kommentiert deren körperliche Verläufe.

Tanz: Sahra Huby, Sooyeon Kim, Maxwell McCarthy, Quindell Orton, Robin Rohrmann
Choreografie, Raum: Anna Konjetzky
Musik: Brendan Dougherty
Video: René Liebert
Licht: Wolfgang Eibert
Dramaturgie: Sarah Israel
Produktionsleitung: Rat&Tat Kulturbüro
Theater

Ekzem Homo

von und mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern aus'm Biermoos

Der Einzug von Gerhard Polt 1979 mit „Kehraus“ in den Werkraum der Münchner Kammerspiele und vor allem die Erfolgsproduktion „München Leuchtet“ (1984), der weitere folgten, knüpfte an die Tradition an, sogenannte „Kleinkünstler“ einzuladen, die große Bühne zu bespielen. War es in den zwanziger Jahren Karl Valentin, so standen mit Gerhard Polt, Otto Grünmandl, Dieter Hildebrandt, Gisela Schneeberger und der Biermösl Blosn Künstler außergewöhnlicher Güte auf der Bühne, die sich mit ihren hochpolitischen Revuen in der Stadt positionierten. Nach dem Hausmusikabend „Fein sein, beinander bleibn“ von den Geschwistern Well wird nun mit „Ekzem Homo“ eine neue Revue von und mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern in das Schauspielhaus ziehen.

„Es ist schön, wenn auf der Bühne erst etwas entsteht, was man nicht vorher geschrieben oder geplant hat. Und da sind wir froh, dass der Chef, der Johan Simons, die Regie übernimmt. Da bin ich jetzt schon gespannt, wie der Johan einen Jodler inszeniert.“ (Christoph Well)

Inszenierung: Johan Simons
Bühne und Kostüme: Sina Barbra Gentsch
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Matthias Günther
Theater

Trommeln in der Nacht

von Bertolt Brecht

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet. Und entschließt sich, die Aufständischen zu verlassen und mit seiner Frau nach Hause zu gehen.
Nach „Der Spieler“, „Hamlet“ und zuletzt „Miranda Julys Der erste fiese Typ“ inszeniert Christopher Rüping, Hausregisseur der Kammerspiele, Brechts Geschichte aus einer bewegten Zeit. Dass die Uraufführung vor fast 100 Jahren an den Kammerspielen stattfand, ist dabei mehr als nur ein Detail.

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Licht: Christian Schweig
Musik: Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

No Sex

Von Toshiki Okada

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Tutia Schaad
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Tarun Kade, Makiko Yamaguchi
Performance

Morning in Byzantium

Trajal Harrell

Das Leben ist vergänglich. Eine falsche Bewegung - und alles könnte vorbei sein. Wie für Eurydike, die von ihrem geliebten Orpheus aus dem Totenreich geführt wird. Beide wissen, wenn er den Blick zu ihr wendet, werden sie nie wieder zusammen sein können. Wie für die Rosen, die ein Gärtner voller Hingabe umsorgt, wissend dass ihre Blüte zerbrechlich und vorübergehend ist. Wie für den Protagonisten des Abends, der bereits so viel erfahren und gesehen hat und nun lustvoll den dritten Frühling seines Lebens begeht. Während sich „Juliet & Romeo“ in der ersten Arbeit des amerikanischen Choreografen Trajal Harrell an den Münchner Kammerspielen noch beinahe jugendlich für den Tod entschieden, ist in „Morning in Byzantium“ das Ende zwar eine Möglichkeit, doch die Entscheidung klar: für das Leben!

Bühne: Erik Flatmo, Trajal Harrell
Kostüme: Trajal Harrell
Licht: Stéfane Perraud
Soundtrack: Trajal Harrell
Dramaturgie: Tarun Kade
Schauspiel

Dionysos Stadt

Christopher Rüping

10 Stunden Theater über die Probleme von Menschen, die vor 2500 Jahren gelebt haben? Die sich an Prometheus, Achill, Kassandra, Elektra und Odysseus abarbeiten? Die Macht der Götter, der Fluch der Atriden, unauflösliche Konflikte, nicht enden wollende Kriege. Doch die nicht ganz so alten Griechen wollen nicht länger Opfer des Schicksals sein, von äußeren Zwängen determiniert werden, die ständig und unausweichlich über sie hineinbrechen. Sie treten in Konflikt mit den Göttern und der Welt der Mythen, beginnen zu hadern, auch wenn jeder Ausweg zunächst der Falsche zu sein scheint, schuldbeladen und fatal. Heute haben die Menschen andere Probleme, oder? Aber die erste Demokratie der Welt, die im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen entstand, verhandelte diese Themen im Theater, das Volksfest und -versammlung zugleich war: ein Kult der kollektiven Emanzipation. Das damalige Publikum in Athen eignete sich in Tragödien, Komödien und Satyrspielen die alten Stoffe an, machte sie erlebbar und überwindbar. Hausregisseur Christopher Rüping und die Schauspielerinnen und Schauspieler der Münchner Kammerspiele vergegenwärtigen nun ihrerseits die Figuren, Texte und politischen Umstände des griechischen Dramas und nähern sich den Fragen und Konflikten der Antike aus zeitgenössischer Perspektive.

Live-Musik: Matze Pröllochs
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Susanne Steinmassl
Musik: Jonas Holle, Matze Pröllochs
Licht: Christian Schweig
Dramaturgie: Valerie Göhring, Matthias Pees Host und Environment Felix Lübkemann
Theater

Die Wiederholung. Histoire(s) du théâtre (I)

von Milo Rau & International Institute of Political Murder

In einer Nacht im April 2012 kommt Ihsane Jarfi vor einem Homosexuellen-Club im belgischen Lüttich mit einer Gruppe von jungen Männern ins Gespräch. Zwei Wochen später wird er an einem Waldrand tot aufgefunden. Er ist stundenlang gefoltert und gewaltsam ermordet worden. Das Verbrechen erschüttert und verunsichert die ganze Stadt. Milo Rau rekonstruiert den Fall nun – gemeinsam mit Schauspielern und Laien – auf der Theaterbühne. Gemeinsam mit den vier Schauspieler*innen Sara De Bosschere, Sébastien Foucault, Johan Leysen und Tom Adjibi, sowie dem Lageristen Fabian Leenders und der Hundesitterin Suzy Cocco begibt sich Milo Rau auf die Spur eines Kapitalverbrechens. In der Form eines allegorischen Kriminalspiels suchen sie nach den grundlegenden Emotionen der tragischen Erfahrung: Verlust und Trauer, Lüge und Wahrheit, Unheil und Furcht, Grausamkeit und Schrecken. Es geht um den Glanz und die Abgründe des Lebens und des Schauspiels. So entsteht ein Manifest für ein demokratisches Theater des Realen.

Text: Milo Rau und Ensemble
Recherche und Dramaturgie: Eva-Maria Bertschy
dramaturgische Mitarbeit: Stefan Bläske, Carmen Hornbostel
Bühne und Kostüme: Anton Lukas
Video: Maxime Jennes / Dimitri Petrovic
Lichtdesign: Jurgen Kolb
Sounddesign und technische Leitung: Jens Baudisch
Schauspiel

Jedem das Seine

EIN MANIFEST / VON MARTA GÓRNICKA
Schauspiel

Für ihre erste Arbeit an den Münchner Kammerspielen bringt die polnische Regisseurin Marta Górnicka ein von ihr arrangiertes Libretto aus verschiedenen Stimmen feministischer Bewegungen zur Uraufführung, darunter neue Texte von Katja Brunner. Dabei spricht sie aus der Perspektive einer jungen, politisch aktiven Polin, in deren Land zur Zeit längst erkämpfte Frauenrechte wieder in Frage gestellt werden. Górnicka ruft die „Womens Convention Munich 2018“ aus und setzt die existierende Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in den Kontext eines größeren globalen Ungleichgewichts, dessen Wurzeln tief liegen. Der weitaus ältere, jedoch von den Nationalsozialisten missbrauchte Ausdruck „Jedem das Seine“ steht dabei beispielhaft für faschistische Strukturen. In ihrer Inszenierung kreiert Marta Górnicka (wie schon häufig zuvor in ihren Arbeiten) eine Gemeinschaft, die sich in diesem Fall zusammensetzt aus SchauspielerInnen des Kammerspiele-Ensembles und anderen MünchnerInnen mit verschiedenen Hintergründen. Kraftvoll, zaghaft, wütend, klagend spricht ein Chor und spricht ein Einzelner zu seinem Publikum. Marta Górnickas Inszenierungen sind international auf vielen Festivals vertreten, ihre letzte Inszenierung „Hymn to Love“ gastierte jüngst beim Spielart-Festival in München.

Inszenierung: Marta Górnicka
Choreografie: Anna Godowska
Bühne: Robert Rumas
Kostüme: Sophia May
Musik: Polina Lapkovskaja
Licht: Charlotte Marr
Übersetzung: Andreas Volk
Dramaturgie: Johanna Höhmann

In Koproduktion mit demMaxim Gorki Theater
Theater

Judas

von Lot Vekemans

JUDAS handelt von einem Mann, dessen Name für Verrat steht. Ein Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden... Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: Er inszeniert einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde. Lot Vekemans

Inszenierung: Johan Simons
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Henriette Müller
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Maarten Schumacher
Dramaturgie: Julia Lochte
Theater

Die Attentäterin

In einer Fassung von Amir Reza Koohestani, nach dem Roman von Yasmina Khadra

65% aller „erfolgreichen“ Selbstmordattentate werden von Frauen verübt. Doch von allen Selbstmordattentaten überhaupt sind es nur 15 %, für die Frauen verantwortlich sind. Weibliche suicide bombers geben der Forschung Rätsel auf: Toten sie wie die Männer im Namen eines Landes, einer Religion, eines Anführers? Sind es womöglich romantische Grunde wie die Liebe zu einem Mudschahed, die Frauen in den „altruistischen Suizid“ treiben? Oder kämpfen sie auch für ihr Geschlecht und gegen die fast immer patriarchal organisierten Gesellschaften, in denen sie meist leben und die Frauen oftmals nur einen sehr eng bemessenen Entfaltungsspielraum zumessen? Der 1978 in Schiras im Iran geborene Regisseur und Autor Amir Reza Koohestani, der seit vielen Jahren seine mit der „Mehr Theatre Group“ in Teheran erarbeiteten Stücke auf Gastspielen in Europa zeigt, inszeniert zum zweiten Mal an den Kammerspielen. Nach seiner identitätspolitisch versierten und poetisch aufgeladenen Inszenierung von „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud inszeniert er nun den Roman „Die Attentäterin“ des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra. Mit seinem 2005 erschienenen Buch verursachte er eine kleine literarische Sensation, indem er sich nicht mit der Unfassbarkeit des Grauens abfand, sondern die terroristische Psyche zu verstehen suchte.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Bamdad Afshar
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Sima Djabar Zadegan
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

La Sonnambula

Nach der Oper von Vincenzo Bellini und Felice Romani

„From time to time, it’s time to leave“, singt Andreas Spechtl von Ja, Panik auf seinem Solo-Album „Sleep“ (siehe Konzert am 22.01., Kammer 2). Den müden Kopf ablegen. Ausschlafen. Endlich. Nur was, wenn der Schlaf nicht mehr die abseitige Insel der Seligen ist, sondern der Lärm der Welt hinüberschwappt? Wo Ruhe finden, wenn nicht einmal der Schlaf mehr sein Versprechen hält?

Ein Ensemble aus Rastlosen, das die Heimat verlassen und sich der Musik übereignet hat, begibt sich in die nur vermeintlich stille Welt des Schlafes, die der italienische Komponist Vincenzo Bellini vor fast 200 Jahren für ein wachträumendes Mädchen namens Amina erschaffen hat. Mit „La Sonnambula“ und dem ungarischen Regisseur David Marton, der seit vielen Jahren Oper und Theater miteinander in Kontakt bringt, machen sich die Musiker auf in die schlummernde Welt, in der zwar niemand Ruhe vor dem Lärm findet, aber in der vielleicht Musik der Betriebsamkeit etwas entgegnen kann. David Martons Opernhaus-Projekt seine erste Inszenierung – eine Ahnung ploppt auf, und sei es nur ein Ton, der nicht verklingen will. Für einen Moment.

Inszenierung: David Marton
Theater

Tiefer Schweb

Ein Auffangbecken von Christoph Marthaler

Bisher hatten die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsbehörde der Bodenseeregionen (ZVB) den unerwarteten Anstieg des Antragsvolumens als temporäres Phänomen abgehakt. Stets waren sie ruhig und sachlich geblieben, sogar noch dann, als das beunruhigende Gerücht von einem „Tag X“ in Umlauf geriet. Als dieser schließlich mit offiziellem Datum besiegelt wurde, fand man die Büros der Behörde auf einmal verwaist. Alle Angestellten waren verschwunden, kurzfristig abgetaucht in unbekannter Mission. Oder einfach: „Tiefer Schweb“ – wie man an den Ufern des Bodensees zu sagen pflegt, anlässlich solch rätselhafter Fälle und in Anspielung auf die Bezeichnung des tiefsten und unergründeten Areals des Binnenmeers. Hier nämlich im Dreiländereck, wo die Grenzen Österreichs, der Schweiz und Deutschlands so eng verlaufen, dass man in Zeiten des freien Personenverkehrs innerhalb von Sekunden drei Staaten besuchen konnte, haben sich die Beamten mit ihren Angehörigen an einen geheimen Ort zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Vorkehrungen zu treffen für den unausweichlich bevorstehenden Moment der Wahrheit.

Christoph Marthaler, der mit seinen eigenwilligen und poetischen Musiktheaterabenden das Publikum für sich einzunehmen weiß, kehrt mit dieser Inszenierung nach vielen Jahren zurück nach München.

Inszenierung: Christoph Marthaler
Konzeption: Christoph Marthaler, Malte Ubenauf, Ueli Jäggi Bühne Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Jürgen Tulzer
Musikalische Leitung: Jürg Kienberger
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Theater

Wartesaal

Nach dem Roman „Exil“ von Lion Feuchtwanger

Hoffentlich geht es bald vorüber, denken derzeit viele Menschen mit Blick auf die Trump-Präsidentschaft, die Erfolge rechtspopulistischer Parteien und die „Flüchtlingskrise“. Sie befinden sich in einer Art ohnmächtigem Wartezustand. Wie handelnd tätig werden, wenn die Krisen der Zeit weit über den Einzelnen hinausreichen? Der Münchner Schriftsteller Lion Feuchtwanger wird aktiv, indem er zwischen 1930 und 1939 die „Wartesaal-Trilogie“, bestehend aus den Romanen „Die Geschwister Oppermann“, „Erfolg“ und „Exil“, schreibt. Ohne zu wissen, was die Zukunft bringen wird, gelingt es ihm, das Leben unter dem Nazi-Regime auf geradezu unheimliche Art und Weise plastisch zu machen. Feuchtwanger zeigt Menschen, die zu handeln versuchen, ohne die unaufhaltsam heraufziehende Katastrophe abwenden zu können. Nur sich selbst können sie retten, wenn überhaupt. Der Regisseur Stefan Pucher, der in der Spielzeit 2015/16 T.C. Boyles Roman „América“ an den Kammerspielen inszenierte, stellt in „Wartesaal“ den Zustand des Exils in den Mittelpunkt. Wie einen Halt finden, wenn es die Heimat nicht mehr gibt? Wenn der Übergang einfach nicht vorübergeht.

Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Annabelle Witt
Live-Video: Ute Schall
Video: Ute Schall
Licht: Stephan Mariani
Musik: Christopher Uhe
Dramaturgie: Malte Ubenauf, Tarun Kade
Theater

Wut

von Elfriede Jelinek

Jelinek hat für ihr neues Stuck „Wut“ die Anschläge von Paris zum Anlass genommen. Also jene tödlichen Attentate auf acht Redaktionsmitglieder des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, zwei PolizistInnen und vier KundInnen eines Supermarkts für koschere Lebensmittel im Osten der Stadt. Ihr Text entfesselt die Wut, die zu ihnen geführt haben mag. Jene Wut, die in einer grandiosen narzisstischen Selbstermächtigung alle Zweifel und jede Ohnmacht hinwegfegt zu einem: Das jetzt, das ist unser Moment! Ihr hattet eure Zeit, jetzt ist es unsere! Seht her und sterbt!

Wie stets allerdings schichtet Jelinek Bedeutungsebenen. Sie bleibt nicht stehen bei der blinden Wut islamistischer Terroristen, es ist ein vielstimmiger Wut-Chor. Die Stimmen deutscher Wutbürger sind darin ebenso enthalten wie die anderer „aufrechter“, „erwachender“ Europäer – oder jene des antiken Helden Herakles, der, von der Göttin Hera verwirrt, im Wahn die eigene Familie auslöscht. Auch die Wut der Autorin selbst mischt sich hinein. Ihre Wut auf all die Ohnmächtigen angesichts des Terrors der Wut, die Wut auf die Wut-Dealer, auf die Populisten und Demagogen, die Wut auf die Wut-Hungrigen und -süchtigen, die Wut aber auf die eigene Ohnmacht, dass im Schreiben das Unbeschreibliche wieder nicht zu fassen zu kriegen, nicht verständlich zu machen sein wird. Aber: Ist Wut nur als Motor zur Zerstörung denkbar? Wie sie teilen, wie Ausgeschlossene, Abgehängte darin verbinden, ohne andere auszuschließen? Was könnte dann nach ihr entstehen? „Wut“ ist die inzwischen achte Zusammenarbeit der künstlerischen Wahlgemeinschaft von Elfriede Jelinek und Nicolas Stemann, Hausregisseur an den Kammerspielen. Vor vielen Jahren schon hat sie sich verbunden, in München, wo sie bisher noch nicht gemeinsam in Erscheinung getreten sind, wird sie fortgeführt.

Inszenierung: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Katrin Wolfermann
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Theater

Susn

von Herbert Achternbusch

Achternbusch erzählt in wenigen Bildern das Leben der rothaarigen Susn aus dem Bayerischen Wald. Susn ist eine freie Radikale, die an den Zwängen ihrer Welt ebenso radikal scheitert wie sie gegen sie aufbegehrt. Im ersten Bild sieht man sie als 17-jährige Schülerin beichten. In einem sprudelndem Erzählfluss zieht sie eine erste Lebensbilanz und verteidigt ihre wilde Entschlossenheit, aus der Kirche auszutreten. "Ich wollte nicht länger in der Gemeinschaft derer bleiben, von denen ich weiß, dass ihr Glaube nur eine Kopfhaltung ist." Zehn Jahre später sehen wir Susn, inzwischen hoffnungsfroh vom Land in die Stadt gezogen, in ihrem Studentenzimmer. Allein. In einer Gewitternacht. Mit den Mitteln der fortgesetzten Selbstbehauptung durch Sprache entsteht eine erotische Phantasmagorie, die endet mit dem Schrei aus der Musik "Be Careful With That Axe Eugene." Weitere zehn Jahre später lebt Susn mit einem Schriftsteller, dem sein Schreiben längst zum alle anderen ignorierenden Selbstgespräch geworden ist. Im letzten Bild sitzt Susn schnapsbewehrt in einer Kirche. "Ja, oft mecht i koan Menschn mehr sehng und von koan Herrgott was wißn, aber wer solltn mir zuhörn, wenn net der Herrgott?". Achternbusch hat seine Susn mit einem Lebenshunger ausgestattet, für den es in der Welt, so wie sie sie vorfindet, nicht die entsprechende Nahrung gibt. Zugleich besitzt sie eine ungeheure Verweigerungsenergie. Das muss natürlich himmeltraurig enden. Denn: "Wahrscheinlich ist die Revolution eben doch ein jetzt täglich zu leistender Prozess und nicht ein einziger blutiger Tag auf den man hinarbeiten muss."

Regie: Thomas Ostermeier
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel
Musik: Nils Ostendorf
Video: Sebastien Dupouey
Dramaturgie: Julia Lochte
Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Festival Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Konzert Regensburger Domspatzen Regensburg, Reichsstraße 22
Aufführungen / Konzert Le Nuove Musiche München München, Gollierstr. 28
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Theater Neue Werkbühne München München, Heßstraße 82
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper Nationaltheater München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Ausweichspielstätte: Werner-Heisenberg-Allee 11 / ab 2012: Schwanthalerstraße 13 E
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Haimhauser-/Ecke Ursulastraße
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Aufführung Studiobühne Bayreuth Bayreuth, Röntgenstr. 2
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater Regina Backes München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Minni Oehl Company München, Augustenstr. 85 a
Aufführungen / Theater OBERANGER THEATER München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater Vollmarhaus Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater DT - Die Tanzschule am Deutschen Theater Auch online sind wir der tanztipp.de! München, Schwanthalerstrasse 13
Aufführungen / Theater Theatergemeinde Augsburg e.V. Augsburg, Karolinenstr. 21
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater THETA e.V., Verein zur Förderung der freien Theater- und Tanzkultur in München München, Hans-Sach-Str. 12
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater S'ensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Jazz Jazzclub Unterfahrt München, Einsteinstraße 42
Aufführungen / Theater Bel Etage Theater im Drugstore München, Feilitzschstrasse 12
Aufführungen / Tanz TANZWERKSTATT EUROPA JOINT ADVENTURES München, Emil Geis Str. 21
Aufführungen / Theater fastfood theater opera players München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater i-camp / neues theater münchen München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater Teamtheater Comedy München, Am Einlaß 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Aufführung BMW Welt München, Am Olympiapark 1
Aufführungen / Konzert Nymphenburger Sommer Das Kammermusikfest München, Schloss Nymphenburg Eingang 19
Aufführungen / Konzert Bayerische Philharmonie München, Bäckerstraße 46
Aufführungen / Konzert Münchner MotettenChor e.V. München, Nußbaumstraße 1
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Schwanthalerstrasse 13
Aufführungen / Theater Galli Theater und Trainings Emine Akman München, Schleissheimerstr.60
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17