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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

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Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

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Theater

THE VACUUM CLEANER

Uraufführung: 12. Dezember 2019

Schätzungen zufolge haben sich etwa eine Million Japaner*innen aus der Gesellschaft zurückgezogen und verlassen ihr Zimmer kaum oder gar nicht. Man nennt sie Hikikomori. Viele von ihnen wohnen bei ihren Eltern, so lange sie leben. Viele von ihnen werden gewalttätig, wenn sie den auf sie ausgeübten Druck, doch endlich zum funktionierenden Mitglied der Gesellschaft zu werden, nicht mehr ertragen. Viele von ihnen sehen ihren Rückzug als Reaktion auf den Zustand der Verhältnisse: „Nicht ich bin sonderbar, die Welt ist es.“ No Future?

Toshiki Okadas neues Stück „The Vacuum Cleaner“ spielt am Ort des Rückzugs, im Zuhause. In einem engen Haus mit dünnen Wänden, in dem nur das Geräusch des Staubsaugers immer wieder ein wenig Privatsphäre gewährt. Wie lässt sich hier zusammen leben? Nach „No Sex“, „Nō Theater“ und „Hot Pepper, Air Conditioner and The Farewell Speech“ inszeniert Toshiki Okada, einer der wichtigsten Theatermacher Asiens und Spezialist im unter-die-Lupe-Nehmen zeitgenössischer japanischer Lebens- und Arbeitswelten, zum vierten Mal an den Münchner Kammerspielen. Er hat versprochen, dass es komisch wird.
Mit Thomas Hauser, Walter Hess, Annette Paulmann, Damian Rebgetz, Julia Windischbauer Übersetzung Andreas Regelsberger Inszenierung Toshiki Okada Bühne Dominic Huber Licht Pit Schultheiss Musik Kazuhisa Uchihashi Kostüme Tutia Schaad Dramaturgie Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

Inszenierung: Toshiki Okada

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Theater

10 Vaterunser

Von Christiane Huber

Premiere: 11. Januar 2020

Die Verschleppung und Versklavung von Millionen Menschen und deren rücksichtslose Ausbeutung waren eines der großen Verbrechen des NS-Staates. Im gesamten Gebiet des Deutschen Reichs wurden zwischen 1939 und 1945 etwa 13 Millionen Menschen fremder Nationalität als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt; davon war ein Drittel in der Landwirtschaft tätig. „Denen ist es doch gut gegangen” erzählen viele Bäuer*innen in den Interviews, die die Regisseurin Christiane Huber seit 2018 im Landkreis Altötting, ihrer Herkunftsregion, geführt hat. In ihrer Recherche stößt sie jedoch auf grausame Morde der Nationalsozialist*innen an Zwangsarbeiter*innen und deren Neugeborenen in der sogenannten „Ausländerkinderpflegestätte” in Burgkirchen und auf rohe Gewalt im Nachkrieg. Sie begibt sich auf die Suche nach letzten Zeitzeug*innen in Bayern, in Polen und in der Ukraine. Dabei ist es vor allem das Vergessen, das Abwesende, wie die nicht mehr aufgefundenen Akten, die ermordeten oder verstorbenen Menschen, über die gesprochen wird, die selbst nicht mehr zu Wort kommen können, die unterdrückte Erinnerung und das Schweigen, die sich wie ein Schleier über die Orte und die Gemeinschaften legen. Es sind lauter Beweisstücke, die immer wieder nur auf eine Lücke verweisen: auf Verbrechen, Personen und Ereignisse, die jetzt nicht mehr da sind. Mit „10 Vaterunser” fragt Christiane Huber, wie man diesem Abwesenden, dem Verschwinden, aber auch dem Nichtsagbaren begegnen kann; sie fragt danach, inwiefern die Erfahrungen von Gewalt damals, als Grundton in unserer Gegenwart spürbar bleiben.

Bühne: Robert Keil
Kostüme: Henriette Müller
Soundinstallation & BREATHCORE: Michael Schmid
Video/Licht: Sven Zellner
Dramaturgie/Textarbeit: Anna Gschnitzer
Künstlerische Produktionsleitung: Katharina Denk
OUTSIDE EYE: Christoph Gurk

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Theater

IM DICKICHT DER STÄDTE

nach Bertolt Brecht

Premiere: 25. Januar 2020

Die Geschichte der Menschheit ist ein Haufen ungeordnetes Material. Wie kommt man ihr bei, wenn die Handlungen unserer Zeit durch alte (oft der Literatur entlehnte) Motive nicht mehr erklärbar sind – fragt sich der junge Brecht. In seinem Stück soll es daher um einen Kampf gehen. Aber nicht um einen Kampf wie in den alten Tragödien oder auf den Schlachtfeldern, sondern um einen Kampf, nur des Spaßes an der Sache willen, getrieben von der Leidenschaft für den Sport, einen „metaphysischen“ Kampf. Aber ist so ein Kampf überhaupt zu gewinnen? Oder gibt es am Ende nur mehr Verlierer als zuvor? Entstanden ist ein inkohärentes Stück, eine Herausforderung, in „der sich der Philosoph besser zurechtfinden wird als der Psychologe.“ Die beiden Protagonisten, der Holzhändler Shlink und sein Gegenüber George Garga, Angestellter einer Leihbücherei, beginnen einen Kampf. Warum? Keine Ahnung. Wie er endet? Mit dem wohl schönsten Satz Brechts: „Allein sein ist eine gute Sache. Das Chaos ist aufgebraucht. Es war eine gute Zeit.“ Was dazwischen passiert? Beide setzen alles aufs Spiel: Beruf, Reputation, Haus, Familie, Freunde, die Liebe und letztendlich das Leben. Dass der Kampf nicht einer gegen den anderen ist, sondern einer gegen die unendliche Vereinzelung des Menschen, gegen die Lebensrealität in der Großstadt, ja gegen die unendliche schicksalhafte Einsamkeit, merken die Protagonisten zu spät – und passen damit leider überraschend gut in unsere Gegenwart.

Nach seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Arbeit „Trommeln in der Nacht“ stellt sich Christopher Rüping wieder dem Frühwerk des Autors Bertolt Brecht.

Bühne: Jonathan Mertz
Musik: Christoph Hart
Kostüme: Lene Schwind
Dramaturgie: Valerie Göhring

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Theater

Drei Schwestern

von Susanne Kennedy

nach Anton Tschechow

Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben „nach Moskau!“. Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren die Schwestern in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen, obwohl niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker „Drei Schwestern“ von Tschechow inszeniert und oft als Zeichen der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“
Susanne Kennedy will die Schwestern davon befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzenten ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung? Susanne Kennedy und ihr Team laden am 08. April vorab in die Dachkammer ein, um über „Drei Schwestern“ und ihre gemeinsame künstlerische Arbeit zu sprechen.

Inszenierung: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Rodrik Biersteker
Licht: Rainer Casper
Dramaturgie: Helena Eckert, Lara Staal

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Theater

Die Räuberinnen

NACH FRIEDRICH SCHILLER

IN IHRER INSZENIERUNG LÄDT DIE REGISSEURIN LEONIE BÖHM UNS DAZU EIN, DIE KARLS UND FRANZE IN UNS ZU BEFREIEN UND MUTIG SOZIALE UTOPIEN ZU ENTWERFEN. WAS SIE SONST NOCH IN DEM SCHILLER’SCHEN TEXT LIEST, HAT SIE UNS PER SPRACHNACHRICHTEN VERRATEN:

„Im Spiel, schrieb Schiller, sei der Mensch wirklich frei, und nach dieser Freiheit sehne er sich. Für die Suche nach Freiheit ist das Theater ein fantastischer Ort. Hier wird gespielt und experimentiert – und das live und gemeinsam. Hier kann ich mir ethische, philosophische und künstlerische Fragen stellen und nach möglichen Antworten suchen. „Die Räuber“ erzählt von den Brüdern Franz und Karl Moor, die unter der fehlenden Anerkennung ihres Vaters leiden. Der Vater ist dabei für mich Vieles: die ultimative Anerkennung, ein internalisierter Kritiker, das Publikum, das ich mitdenke, der Spiegel der Gesellschaft, ein altes Prinzip oder ein vergangener Wertekodex. Wenn keiner da ist, der einen versteht und bedingungslos annimmt, dann ist ein Forschen nach neuen Idealen beschwerlich, wie das Handeln der Brüder zeigt.

Wie kommen wir also wieder ins Spiel? Wie können wir miteinander herausfinden, was uns davon abhält, frei zu leben? Diese Frage stelle ich an den Text. Können wir die Karls und Franze in uns befreien und ihnen Mut machen, etwas zu riskieren zugunsten einer sozialen Utopie? Zugunsten von Regeln, die aus einem Gefühl der Freiheit entstanden sind? Das Theater macht ein lustvolles Suchen danach möglich, weil es in einen sozialen Prozess eingebettet ist und einen nicht sofort auf sich selbst zurückwirft. Theater bietet die Möglichkeit, eine neue Praxis zu etablieren: Sich anerkennend zu betrachten, sich zu verstehen, Gesten der Fürsorglichkeit und des aufrichtigen Umgangs miteinander zu teilen und zu prüfen: Wohin führt das?

Je besser ich mich selbst samt meinen Bedürfnissen und Unsicherheiten kenne, je weniger schambesetzt und selbstkritisch ich auf meinen mich väterlich redigierenden, permanenten Selbstanspruch reagiere, umso offener kann ich werden, umso müheloser kann ich mit der Widersprüchlichkeit meines Denkens und Fühlens umgehen.

Politik, Machtverhältnisse und soziale Rollen zu versprachlichen, sowie Scham, Angst, Urteil und Druck in unserem alltäglichen sozialen Handeln sichtbar zu machen, das ist mein Ideal: Finden wir heraus, wie wir unser Miteinander gestalten und zu einer heterogenen Gang werden können.“

Live-Musik: Friederike Ernst
Mitarbeit Inszenierung: Susanne Wagner
Bühne: Zahava Rodrigo
Licht: Jürgen Tulzer
Musik: Friederike Ernst
Kostüme: Mascha Mihoa Bischoff
Dramaturgie: Helena Eckert

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1 Theater

König Lear

von William Shakespeare

No Country for Old Men? Die Welt hat sich geändert, und für König Lear ist es Zeit, seine Macht an die nächste Generation weiterzureichen. Nur tatsächlich loslassen kann er nicht – viel zu sehr ist er die Privilegien gewöhnt, die ihm sein Leben lang selbstverständlich waren. Mit dem bevorstehenden Machtwechsel verändert sich der Blick: Sind die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht bestimmt von den Immergleichen, seit Jahrtausenden schon? Bedarf es nicht dringend eines Umsturzes – kalt und strukturell? So oder so, bestimmt wird das Spiel nun von Lears Töchtern – sie sind an der Reihe, die Verantwortung für eine andere, noch unbestimmte Zukunft zu übernehmen. Wie radikal muss der Wandel sein? Wie viel Zeit bleibt für den Zweifel? Muss der Vater sterben, damit die Töchter frei sein können? Wie sieht die zukünftige Welt aus? Besser, schlechter oder einfach anders?

Thomas Melle, Autor von „Die Welt im Rücken“ und Autor und Gegenstand von Stefan Kaegis „Unheimliches Tal / Uncanny Valley“ zu Beginn der letzten Spielzeit, hat für die Inszenierung von Stefan Pucher an den Münchner Kammerspielen Shakespeares Königsdrama neu übersetzt und bearbeitet.

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Video: Ute Schall
Co-Video: Hannes Francke
Musik: Christopher Uhe
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Helena Eckert, Tarun Kade

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Theater

Nirvanas Last

Am 1. März 1994 spielt Nirvana ein Konzert auf dem ehemaligen Flughafen Riem – nicht einmal sie selbst wissen, wie historisch dieses Konzert tatsächlich werden soll. Nur Bassist Krist Novoselić ist prophetisch genug, an diesem Abend immer wieder Sätze wie „Grunge is dead“ in die Ansagen einzustreuen. Nach dem Konzert werden alle Tourtermine in Europa abgesagt. Einen Monat später wird Cobain in seinem Haus in Seattle tot aufgefunden. Das Münchner Konzert sollte der letzte Auftritt der Band sein.
Damian Rebgetz greift in „Nirvanas Last“ diese Begebenheit auf und erforscht zugleich die Geschichte des Münchner Nachtlebens. Der Flughafen Riem, Ort des letzten Nirvana Konzerts, etwa wurde nach fünf Jahren Zwischennutzung in die Messestadt Riem verwandelt. Die Partyszene musste das Gelände verlassen und neue Orte erschließen.
„Nirvanas Last“ erinnert, als Requiem auf einen rebellischen Antihelden, an die antikapitalistische Gegenkultur, die Nirvana so erfolgreich machten, dass sie selbst zum neuen Mainstream wurden.

Inszenierung: Damian Rebgetz
Bühne: Janina Sieber
Kostüme: Veronika Schneider
Video: Amon Ritz
Musik: Paul Hankinson, Damian Rebgetz
Licht: Max Kraußmüller
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Übersetzung Songtexte: Ann Cotten

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Theater

Macbeth

von William Shakespeare

Mit „Macbeth“ inszeniert Amir Reza Koohestani nach „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ und „Die Attentäterin“ zum ersten Mal an den Münchner Kammerspielen ein zentrales Stück des westlichen Theaterkanons. Vor nun über 400 Jahren schrieb Shakespeare die Tragödie um ein Königsmörder-Paar auch als Propagandastück, das die Stellung des damaligen Königs (und damit auch die eigene) bestätigen sollte. Koohestani nimmt dies als Ausgangspunkt einer Reflexion über gegenwärtige Erwartungen an das Theater: Können auch heute durch fiktionale Geschichten politische Machtverhältnisse gestärkt oder hinterfragt werden? Welche Geschichten müssen und welche dürfen erzählt werden? Wie unschuldig oder gefährlich ist die Kunst, wie wirkmächtig sind ihre Erzählungen? In Annäherung an Fragen von politischer Dimension betrachtet Koohestani immer auch deren Konsequenz für die Menschen. Obwohl sie in diesem Gefüge der Macht gefangen sind, müssen sie sich dennoch mit den Konsequenzen der eigenen Taten konfrontieren: unsicher, überzeugt, euphorisch, traumatisiert. In privaten Gesprächen und intimen Momenten erzeugt er ein aktuelles politisches Panorama, welches zugleich den Alltag der Menschen in den Fokus nimmt. „Und wenn wir scheitern?“ – fragt der schlaflose Macbeth seine Frau und Komplizin – „Dann scheitern wir“.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Polly Lapkovskaja
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Mehdi Moradpour
Dramaturgie: Helena Eckert
Co-Video: Phillip Hohenwarter

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Performance

Die Kränkung der Menschheit

Anta Helena Recke

Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“, wie sich das Paar nennt, mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart.In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht die eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass der Mensch vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, das er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die Tatsache, dass die größte Illusion darin besteht, von einer Menschheit auszugehen, wird hartnäckig übersehen. Vielleicht, weil das eine der tiefgreifendsten Kränkungen des „menschlichen Egos“ darstellen würde.
Gerade das gegenwärtig zu beobachtende globale Wiedererstarken faschistischer Kräfte, Phänomene wie „Men’s Right Activism“ und das selbstbewusste Auftreten von White Supremacy Gruppierungen zeigen, wie tiefgreifend die Illusion einer weißen männlichen Menschheit im weißen Körper verankert ist. Alle wehren sich mit Haut und Haaren – und sind sich für nichts zu schade.

„Die Kränkungen der Menschheit" ist eine Produktion von Anta Helena Recke mit den Münchner Kammerspielen. In Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und Mousonturm Frankfurt.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Fonds Darstellende Künste.

Anta Helena Recke ist eine konzeptuell arbeitende Regisseurin. Sie spielt mit den Genres Theater, Performance und bildende Kunst und inszeniert in Stadttheatern genauso wie in der Freien Szene. Reckes Inszenierung „Mittelreich“, die 2017 an den Münchner Kammerspielen Premiere feierte, war 2018 beim Theaterfestival „Radikal jung“ vertreten und wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In der Kritiker*innenumfrage von Theater heute wurde sie zur Nachwuchskünstlerin des Jahres 2018 gewählt. Sie ist zudem Preisträgerin des Internationalen Theaterinstituts (ITI) 2019.

Inszenierung: Anta Helena Recke
Bühne: Carlo Siegfried
Kostüme: Pola Kardum
Musik: Luca Mortellaro
Licht: Joscha Eckert
Recherche: Marja Christians, Chiara Galesi
Dramaturgie: Valerie Göhring
Künstlerische Mitarbeit: Anna Froelicher, Maxi Menja Lehmann
Produktion: Olaf Nachtwey, Johanna Thomas

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Theater

Das Leben des Vernon Subutex

nach der Romantriologie von Virginie Despentes

Ein erfolgloser Drehbuchautor mit Amok-Phantasien. Eine ehemalige Drogendealerin, die zum Internet-Troll umgeschult hat. Eine Professorentochter, die zum Islam konvertiert und ihr darüber verzweifelnder Vater. Ein drogensüchtiger Popstar und sein Manager. Ein koksender Trader, eine obdachlose Hundeliebhaberin mit großem Gerechtigkeitssinn und ein skrupelloser Filmproduzent. Eine ehemalige Pornodarstellerin und ihr transsexueller Freund. Ein rechtsradikaler H&M-Verkäufer, eine einsame Staatsbeamtin, ein krankhafter Frauenschläger und eine Kellnerin mit Talent zum Tätowieren. Sie alle bevölkern das Leben des Vernon Subutex, seines Zeichens bankrott gegangener Plattenhändler ohne Dach über dem Kopf. Ihnen allen verleiht die französische Schriftstellerin, Musikerin und Filmregisseurin Virginie Despentes („Baise Moi!“, „King Kong Theorie“) eine Stimme. Sie alle träumen von einem anderen besseren Leben, auf ganz unterschiedliche Weise. „Das Leben des Vernon Subutex“ gilt als der Gesellschaftsroman unserer Zeit, als „Die menschliche Komödie“ (Balzac) des 21. Jahrhunderts. Regisseur Stefan Pucher, der zuletzt an den Kammerspielen „América“ von T.C. Boyle und „Wartesaal“ inszeniert hat, bringt Vernon Subutex und seine Bande auf die Bühne der Kammerspiele.

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Tina Kloempken

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Theater

Tiefer Schweb

Ein Auffangbecken von Christoph Marthaler

Bisher hatten die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsbehörde der Bodenseeregionen (ZVB) den unerwarteten Anstieg des Antragsvolumens als temporäres Phänomen abgehakt. Stets waren sie ruhig und sachlich geblieben, sogar noch dann, als das beunruhigende Gerücht von einem „Tag X“ in Umlauf geriet. Als dieser schließlich mit offiziellem Datum besiegelt wurde, fand man die Büros der Behörde auf einmal verwaist. Alle Angestellten waren verschwunden, kurzfristig abgetaucht in unbekannter Mission. Oder einfach: „Tiefer Schweb“ – wie man an den Ufern des Bodensees zu sagen pflegt, anlässlich solch rätselhafter Fälle und in Anspielung auf die Bezeichnung des tiefsten und unergründeten Areals des Binnenmeers. Hier nämlich im Dreiländereck, wo die Grenzen Österreichs, der Schweiz und Deutschlands so eng verlaufen, dass man in Zeiten des freien Personenverkehrs innerhalb von Sekunden drei Staaten besuchen konnte, haben sich die Beamten mit ihren Angehörigen an einen geheimen Ort zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Vorkehrungen zu treffen für den unausweichlich bevorstehenden Moment der Wahrheit.

Christoph Marthaler, der mit seinen eigenwilligen und poetischen Musiktheaterabenden das Publikum für sich einzunehmen weiß, kehrt mit dieser Inszenierung nach vielen Jahren zurück nach München.

Inszenierung: Christoph Marthaler
Konzeption: Christoph Marthaler, Malte Ubenauf, Ueli Jäggi Bühne Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Jürgen Tulzer
Musikalische Leitung: Jürg Kienberger
Dramaturgie: Malte Ubenauf

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Theater

Melancholia

von Lars von Trier

„Eine Frau zu sein, bedeutet noch immer, im rein Psychologischen gefangen zu sein. Ganz egal, wie leidenschaftslos oder groß die Vision von der Welt ist, die eine Frau ausformuliert – wann immer diese Vision ihre eigene Erfahrung und Emotion beinhaltet, wird das Teleskop auf sie selbst zurückgerichtet.“ (Chris Kraus, „I Love Dick“)

Justine sehnt das Ende der Welt herbei, dabei scheint von außen betrachtet in ihrem Leben alles bestens zu laufen. Ihr Freund Michael liebt sie von ganzem Herzen, und die Hochzeit steht unmittelbar bevor. Der Chef der Werbeagentur, in der sie arbeitet, behandelt sie als „High Potential“ und befördert sie zum Art Director. Und ihre Schwester Claire unterstützt sie liebevoll in allem, was sie tut. Doch all das kann Justine nicht erfreuen. Ihr Drang, die heile Welt um sich herum kaputt zu machen, ist zu groß. Erst als der Planet Melancholia auf die Erde zurast und eine Kollision unausweichlich scheint, wird sie ruhig. Ist Lars von Triers Filmkunstwerk „Melancholia“ die Geschichte einer kranken Frau? Oder ist es eine Erzählung über eine Welt, der man mit Recht den Untergang wünscht? Ist das Ende ein Grund, sich in Düsterkeit zu versenken? Oder kann man ihm gar voller Optimismus entgegensehen? Was geschieht, wenn Planeten ihre gewohnte Umlaufbahn verlassen, und aufeinander treffen? Bei von Trier steckt in der Aussicht des Endes auch die Möglichkeit, dass sich die Dinge noch einmal wenden. Vielleicht zum Besseren.

Felix Rothenhäusler inszenierte an den Kammerspielen zuletzt Ryan Trecartins „The Re’Search“ und Eugène Labiches „Trüffel Trüffel Trüffel“. Lars von Triers apokalyptische Überwältigungsoper „Melancholia“ wird bei ihm zum lustvoll-transparenten Sprech-Denk-Spiel. Das Ende der Welt – die Musik spielt auf.

Inszenierung: Felix Rothenhäusler
Bühne: Katharina Pia Schütz
Kostüme: Elke von Sivers
Musik: Christian Naujoks
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Tarun Kade

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Performance

#Genesis

A Starting Point // von Yael Ronen und dem Ensemble

Die israelische Regisseurin Yael Ronen wendet sich nach ihrer Inszenierung „Point of No Return“ an den Kammerspielen nun dem „Starting Point“ zu und wird da nachlesen, wo vermeintlich alles begonnen hat: Das 1. Buch Mose, hebräisch Bereschit, altgriechisch Genesis genannt, beschreibt die Erschaffung der Welt. Es beschreibt Gott zunächst als den Regisseur, den Schöpfer, der die Welt erschaffen und geordnet hat (Gen. 1,1 – 1,3). Die mythischen Gleichnisse der Genesis sind vielfach und kontrovers interpretiert, gleichwohl sind sie die Wurzel der abendländischen Kultur. In ihrer Bildhaftigkeit und Symbolik erzählt die Genesis beispielsweise von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes. Ist das schon die Wurzel einer patriarchalen Weltordnung? Und warum wird Gott gemeinhin als ein männliches Wesen wahrgenommen? Gemeinsam mit dem Ensemble untersucht Yael Ronen einzelne Fragmente der Genesis, um zu erkunden, auf welche Weise uns die biblischen Bilder geprägt haben und was sie uns heute bedeuten. Während die Genesis wie viele andere Mythen zur Orientierung und Identitätsfindung archaischer Kulturen diente, stützt sich die Inszenierung auf die Frage, welche Perspektive wir heute zu einzelnen Themen einnehmen und was aus der Welt geworden ist, die dem Menschen zu Beginn der Genesis überantwortet wird. Viele aktuelle Themen nämlich lassen sich bis zum Buch der Bücher zurück verfolgen: Naturbeherrschung, Geschlechterdebatte, Motive von Neid und Gewalt, bis hin zur der Frage, ob die Menschheit im Zuge technologischer Fortschritte im Begriff ist nach dem Baum des Lebens zu greifen. Die Version Yael Ronens und des Ensembles schlägt eine neue Perspektive auf einzelne Motive der Genesis vor und schreibt die Geschichte des Menschen, der Menschen auf der Bühne fort.

Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Video: Stefano di Buduo
Musik: Yaniv Fridel
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Künstlerische Mitarbeit: Niels Bormann

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Theater

Judas

von Lot Vekemans

JUDAS handelt von einem Mann, dessen Name für Verrat steht. Ein Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden... Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: Er inszeniert einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde. Lot Vekemans

Inszenierung: Johan Simons
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Henriette Müller
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Maarten Schumacher
Dramaturgie: Julia Lochte

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Schauspiel

Dionysos Stadt

Christopher Rüping

10 Stunden Theater über die Probleme von Menschen, die vor 2500 Jahren gelebt haben? Die sich an Prometheus, Achill, Kassandra, Elektra und Odysseus abarbeiten? Die Macht der Götter, der Fluch der Atriden, unauflösliche Konflikte, nicht enden wollende Kriege. Doch die nicht ganz so alten Griechen wollen nicht länger Opfer des Schicksals sein, von äußeren Zwängen determiniert werden, die ständig und unausweichlich über sie hineinbrechen. Sie treten in Konflikt mit den Göttern und der Welt der Mythen, beginnen zu hadern, auch wenn jeder Ausweg zunächst der Falsche zu sein scheint, schuldbeladen und fatal. Heute haben die Menschen andere Probleme, oder? Aber die erste Demokratie der Welt, die im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen entstand, verhandelte diese Themen im Theater, das Volksfest und -versammlung zugleich war: ein Kult der kollektiven Emanzipation. Das damalige Publikum in Athen eignete sich in Tragödien, Komödien und Satyrspielen die alten Stoffe an, machte sie erlebbar und überwindbar. Hausregisseur Christopher Rüping und die Schauspielerinnen und Schauspieler der Münchner Kammerspiele vergegenwärtigen nun ihrerseits die Figuren, Texte und politischen Umstände des griechischen Dramas und nähern sich den Fragen und Konflikten der Antike aus zeitgenössischer Perspektive.

Live-Musik: Matze Pröllochs
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Susanne Steinmassl
Musik: Jonas Holle, Matze Pröllochs
Licht: Christian Schweig
Dramaturgie: Valerie Göhring, Matthias Pees
Host und Environment: Felix Lübkemann

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Performance

Unheimliches Tal / Uncanny Valley

von Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) und Thomas Melle

Thomas Melle lädt ein zu einem Abendvortrag über Unstetigkeit. Doch wer spricht und was ist sein Programm? Für „Unheimliches Tal“ kopiert Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) den Schriftsteller Thomas Melle („Die Welt im Rücken“) in Form eines humanoiden Roboters und fragt: Was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird? Kommt das Original sich durch sein elektronisches Double näher? Technik übernimmt allerlei lästige Arbeitsschritte, und wird nun auch auf der Theaterbühne erprobt: Was, wenn anstatt des Vortragenden ein humanoider Roboter auftreten würde? Wird der Roboter zu einem Darsteller, dessen Mimik, Gestik und Sprache womöglich Empathie auslösen könnte – doch Empathie mit wem? Mit Melle selbst, der ja nicht mehr da ist, oder doch schon mit dem Roboter? Wer spricht im unheimlichen Tal? Thomas Melle gibt die Kontrolle ab. Das animatronische Double übernimmt und fragt selbst Abend für Abend: Was bedeutet es für das Original, wenn die Kopie übernimmt? Wird es sichtbarer oder unsichtbarer?

Konzept, Text, Regie: Stefan Kaegi
Text, Körper, Stimme: Thomas Melle
Ausstattung: Eva-Maria Bauer
Animatronik: Chris Creatures
Herstellung und Art des Silikonkopfes / Koloration und Haare: Tommy Opatz
Video: Mikko Gaestel
Musik: Niki Neecke
Licht: William Grüger
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber

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Performance

THE HAIRS OF YOUR HEAD ARE NUMBERED

von Doublelucky Productions

Der menschliche Körper begegnet uns zunehmend als Datenkörper. Bewegungen, Emotionen und Zustände werden vermessen, quantifiziert. Gleichzeitig werden diese Daten zum Spiegel, in dem wir unsere Körper sehen. War der Mensch bis vor Kurzem die analoge Lücke in der digitalen Welt, schließt sich diese Lücke mit unserer tatkräftigen Hilfe zusehends: Immer mehr Menschen haben Vergnügen daran, mittels Life Tracking den eigenen Körper auf Schritt und Tritt zu analysieren und in soziale Netzwerke zu kommunizieren oder die Gefühle anderer mithilfe von Smartphone Apps auszulesen.

In ihrer Performance „The Hairs Of Your Head Are Numbered“ macht die Berliner DigitalArts-Gruppe doublelucky productions um Christiane Kühl und Chris Kondek den Körper zum Schauplatz: Mittels komplexer Technologien, für die Theatersituation umprogrammiert, werden seine Bedürfnisse und Defizite in der digitalen Verstärkung spürbar. Gleichzeitig wird das Manipulationspotential solcher Technologien sichtbar. Mit dieser Koproduktion setzen die Münchner Kammerspiele ihre Beschäftigung mit Digitalität und Künstlicher Intelligenz und ihrer Bedeutung für die Darstellende Kunst fort.

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Theater

Kill the Audience

von Rabih Mroué

Mit dem „Viet Nam Diskurs“ schrieb Peter Weiss ein politisch-agitatorisches Stück gegen den Vietnamkrieg. Die Inszenierung des Stücks 1968 an den Münchner Kammerspielen richtete sich direkt an die Zuschauer*innen: Was bedeutet es, einem politischen Stück beizuwohnen? Die Aufforderungen des Stücks wörtlich nehmend sammelten die Schauspieler*innen am Ende des Stücks Geld für den Vietcong. Es folgte eine veritable Auseinandersetzung zwischen Regisseur und Jungstar Peter Stein und Intendant August Everding. Selbst als die Sammlung von Geld untersagt wurde, warfen die Zuschauer* innen Münzen auf die Bühne. Doch was ist mit diesem Geld geschehen? Wurden damit Waffen gekauft, um aus dem Theater heraus real politisch einzugreifen? Regisseur Rabih Mroué geht diesen Spuren nach. 50 Jahre nach dem damaligen Konflikt erforscht Mroué am gleichen Ort (im damaligen Werkraum) die Rolle der Zuschauer*innen. Kann es überhaupt noch ein Publikum geben, wenn das Theater zur Straße wird? Verschwindet es, wenn die Bühne genutzt wird zur offenen politischen Auseinandersetzung? „Kill the Audience“ ist die dritte Arbeit von Rabih Mroué an den Münchner Kammerspielen. Nach „Ode to Joy“ (2015) feierte „Rima Kamel“ (2017) im Rahmen einer Werkschau des Künstlers an den Kammerspielen Premiere.

Inszenierung: Rabih Mroué
Ausstattung: Bettina Katja Lange, Rabih Mroué
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber

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Theater

No Sex

Von Toshiki Okada

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Tutia Schaad
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

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Bewertungen & Erfahrungsberichte No Sex

Schauspiel

Hellas München

Ein Projekt von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris

In keiner anderen Stadt Deutschlands wohnen so viele GriechInnen wie in München. Viele kamen in den 1960ern als „Gastarbeiter“ oder auf der Flucht vor der Militärdiktatur. In den letzten Jahren stieg, in Folge der andauernden Wirtschaftskrise, die Zahl der in Deutschland lebenden GriechInnen erstmals wieder an. Zahlreiche junge GriechInnen zählen zur Generation der „Working Poor“ – qualifizierte Frauen und Männer, die sich mit mies bezahlten Jobs durchschlagen müssen. Ist das, was in Griechenland zur traurigen Normalität geworden ist, auch in München für viele Alltag? Das Regieteam Azas / Tsinikoris begibt sich auf die Suche nach den vielfältigen griechischen Communities in München und entwirft ein Bild der Münchnerisch-Griechischen Geschichte, jenseits von Klischees. Geschichten von MünchnerInnen aus Griechenland.

Inszenierung: Prodromos Tsinikoris, Anestis Azas
Bühne: Eleni Stroulia
Kostüme: Eleni Stroulia
Musik: Panos Manouilidis, Panos Manouilidis
Dramaturgie: Christine Milz, Martin Valdés-Stauber

IN DEUTSCH UND GRIECHISCH, MIT ÜBERTITELN

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Hellas München

3 Theater

Hochdeutschland

nach dem Roman von Alexander Schimmelbusch

Protestbewegungen finden meistens auf der Straße statt. Organisiert wird sich im Internet, aber was am Ende zählt, ist die Sichtbarkeit auf der Straße. Verfolgt man die aktuelle Nachrichtenlage, stellt sich rasch die Frage: Protestiert bald halb Europa? Seien es die Schüler*innen, die sich europaweit unter dem Motto #fridaysforfuture versammeln, um gegen den Klimawandel und eine lasche Umweltpolitik zu protestieren oder die Proteste der gilet jaunes in Frankreich, eine Bewegung, die die altbekannten politischen Grenzziehungen verwischt hat und Bürger*innen unterschiedlichster Haltungen vereint. Die Proteste gehen in großen Teilen von Menschen aus, die nicht von dem herrschenden System profitieren, denen im wortwörtlichen Sinn ihre Zukunft genommen wird. Aber wie sieht es bei denen aus, die auf der anderen Seite stehen, diejenigen, die den Kapitalismus am Laufen halten, denjenigen, die profitieren? Der Protagonist des Romans, der Investmentbanker Victor, ist genau so jemand. Er hat alles und ist doch nicht glücklich. Victor beschließt zu handeln. Er gründet eine populistische Bewegung und sucht seine private Erlösung im politischen Protest. Kann sich das System von innen selbst zerstören? Wie weit ist die Elite in Deutschland von der Realität entfernt? Deutschland 2019: Braucht es einen Neuanfang?

Inszenierung: Kevin Barz
Bühne: Manuel La Casta
Kostüme. Veronica Silva Klug
Licht. Christian Schweig
Dramaturgie. Valerie Göhring

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Hochdeutschland

20.07.19, 08:59, hansheckel: Einfach schrecklich 2

Sehr geehrter Herr Lilienthal,
heute am 19. 7. war ich in der Kammer2 und habe ?Hochdeutschland? gesehen bzw. teilweise gehört. Es gab dort den Hinweis:
Achtung
In der Aufführung kommen stroboskopähnliche Lichteffekte zum Einsatz.
Ich muss bemängeln, diese Warnung ist unvollständig.
Sie hätte ergänzt werden müssen um den Zusatz ?Zuschauern, die wegen sehr schnellen Sprechens der Darsteller, wegen lautstarker Unterlegung der Sprache mit dröhnender Musik bzw Gebrülls Verständnis-Probleme haben, wird vom Besuch dieser Vorstellung abgeraten.?

Ihnen dürfte diese Klage bekannt sein, besonders aus dem älteren Publikum. Das kann Ihnen eigentlich egal sein, da im Schauspielhaus ja immer noch der gesprochene Text in Englisch als Obertitel eingeblendet wird, so dass man einigermaßen folgen kann. Hier aber gab es das nicht, und wenn ich nicht schon bei der Einführung durch Ihre Dramaturgin erfahren hätte, um was es geht, ich hätte nichts kapiert.
Ich glaube, das war für mich die ärgerlichste, frustrierendste, unverstehbarste und somit sinnloseste Aufführung zum Abschluss dieser Spielzeit gewesen. Schade ums Geld, schade um den Abend, schade um meine zertretene Motivation.

Sie verstehen nicht, wovon ich rede?
Die beiden Frauen waren so lange zu verstehen, wie sie klar artikulierten und nicht von der dröhnend eingespielten Musik übertönt wurden. Der weiße Mann auch, aber ab Mitte des Stücks wurde er schneller und schneller, dann brüllte er dermaßen, dass man nur noch auf die Uhr schauen und das Ende herbeisehnen konnte. Der Schwarze, den man wohl als Quotenmann mit hinzu genommen hatte, also um zu zeigen, wie sehr wir uns um Integration bemühen und auch, dass wir alles andere als rassistisch sind, war eine Zumutung. Einzelne Worte verstand man, er gab sich ja alle Mühe, aber auch das ist eine peinliche Form des Rassismus: Schaut her, wir lassen ihn spielen, auch wenn man ihn nicht versteht.
Falls Sie, Herr Lilienthal, für all dieses nicht verantwortlich sind, bitte ich Sie um Weiterleitung an das zuständige Personal.
Mit freundlichen Grüßen!
Hans Heckel

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Theater

La Sonnambula

Nach der Oper von Vincenzo Bellini und Felice Romani

„From time to time, it’s time to leave“, singt Andreas Spechtl von Ja, Panik auf seinem Solo-Album „Sleep“ (siehe Konzert am 22.01., Kammer 2). Den müden Kopf ablegen. Ausschlafen. Endlich. Nur was, wenn der Schlaf nicht mehr die abseitige Insel der Seligen ist, sondern der Lärm der Welt hinüberschwappt? Wo Ruhe finden, wenn nicht einmal der Schlaf mehr sein Versprechen hält?

Ein Ensemble aus Rastlosen, das die Heimat verlassen und sich der Musik übereignet hat, begibt sich in die nur vermeintlich stille Welt des Schlafes, die der italienische Komponist Vincenzo Bellini vor fast 200 Jahren für ein wachträumendes Mädchen namens Amina erschaffen hat. Mit „La Sonnambula“ und dem ungarischen Regisseur David Marton, der seit vielen Jahren Oper und Theater miteinander in Kontakt bringt, machen sich die Musiker auf in die schlummernde Welt, in der zwar niemand Ruhe vor dem Lärm findet, aber in der vielleicht Musik der Betriebsamkeit etwas entgegnen kann. David Martons Opernhaus-Projekt seine erste Inszenierung – eine Ahnung ploppt auf, und sei es nur ein Ton, der nicht verklingen will. Für einen Moment.

Inszenierung: David Marton

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Bewertungen & Erfahrungsberichte La Sonnambula

10

Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Münchner Kammerspiele

Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Theater Theaterakademie August Everding
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Aufführung ZWEITE REIHE - erstKlassik
So, 15.12.2019, 18:00 Uhr
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17

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