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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

Kontakt

Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

 

Spielstätten

Kammer 1
Maximilianstraße 26-28, 80539 München

Kammer 2
Falckenbergstraße 1, 80539 München

Kammer 3
Hildegardstraße 1, 80539 München

Dachkammer
Falckenbergstraße 1, 80539 München
Theater

Gläserne Bienen

NACH DEM ROMAN VON ERNST JÜNGER, BEARBEITET VON JACQUELINE REDDINGTON UND LÜDER WILCKE

Premiere: 10. April 2019

Ein ehemaliger Kavallerist hofft, in den Zapparoni-Werken Anstellung zu finden. Wie im Silicon Valley werden bei Zapparoni die neuesten und genialsten Erfindungen erdacht und entwickelt: Von Nano-Robotern bis zu menschengleichen Automaten. Doch hier wie da liegen Illusion und (Ent-) Täuschung so nah beieinander wie Spielzeug und Kriegstechnologie, beste Unterhaltung und allmächtige Kontrolle.

Bühne: Louis Panizza
Kostüme: Ji-Hyung Nam
Video: Leonard Schulz
Dramaturgie: Lüder Wilcke
Mentorin: Sahar Rahimi
Theater

Drei Schwestern

von Susanne Kennedy

Premiere: 27. April 2019

nach Anton Tschechow

Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben „nach Moskau!“. Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren die Schwestern in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen, obwohl niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker „Drei Schwestern“ von Tschechow inszeniert und oft als Zeichen der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“
Susanne Kennedy will die Schwestern davon befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzenten ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung? Susanne Kennedy und ihr Team laden am 08. April vorab in die Dachkammer ein, um über „Drei Schwestern“ und ihre gemeinsame künstlerische Arbeit zu sprechen.

Inszenierung: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Rodrik Biersteker
Licht: Rainer Casper
Dramaturgie: Helena Eckert, Lara Staal
Theater

Fressen

von Henrike Iglesias

Premiere: 28. April 2019

„Männer“ essen Steaks. Sie trinken herbe Biere. Sie rülpsen. Sie benutzen keine Servietten. Sie haben Kohldampf. Sie haben einen höheren Energieverbrauch. „Frauen“ hingegen. „Frauen“ essen einen bunten Salat und zum Frühstück Müsli. Sie möchten nur ein kleines Stück vom Kuchen. Sie machen Low-Carb. Sie wissen was gesund ist. Sie sind schon total satt. Sie hungern. „Frauen“ kochen, „Männer“ essen. Lots of Sexism in my Schnitzel. Das queerfeministische Theaterkollektiv Henrike Iglesias sagt: Bullshit! Wir haben Hunger, und wir fressen! In ihrer Kochshow tischen die vier Performerinnen dem Publikum die gesellschaftliche Obsession mit dem Thema Essen auf, kochen um die Wette und fragen sich, wann diese ständige Beschäftigung mit Lebensmitteln angefangen hat – und wie es sein kann, dass sie mit plus minus 30 immer noch in Angst leben, jemand könnte an ihren Körpern ablesen, dass sie ihre Leben nicht im Griff haben. Und das alles mit vollem Mund.

Bühne: Eva G. Alonso, Anna Fries
Kostüme: Mascha Mihoa Bischoff
Dramaturgie: Anna Gschnitzer
Konzept, Text, Performance: Henrike Iglesias
Lichtdesign: Eva G. Alonso
Musik und Sounddesign: Malu Peeters
Theater

Werther`s Quest for Love

nach Johann Wolfang von Goethe

Premiere: 29. April 2019

Der junge Werther erzählt in seinen Briefen von den Ängsten, die ihn begleiten, und lässt uns so in seine Welt der Empfindungen und Träumereien blicken. Er scheint auf der Suche nach einer stimmigen Identität zu sein und stößt doch überall nur auf normative Erwartungen. Er wehrt sich und sucht nach alternativen Erzählungen von Männlichkeit. Über live-streaming Portale zeigt er sich so, wie er sich zeigen möchte. Undefiniert, facettenreich. Anders als in Goethes Briefroman offenbart sich Werther heute nicht einem Brieffreund, sondern veräußert sein Innerstes in den Strömen und Wirbeln des Internets der sogenannten Sozialen Medien.

Kostüme: Aline Sauer
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Bühne / Video: Janina Sieber
Licht und Mitarbeit: Video Amon Ritz
Performance

For the last time

Ein Projekt von Kinan Hmeidan

Premiere: 02. Mai 2019

Was fühlt man, wenn sich der Raum, der einen umgibt, radikal verändert? Woran hält man sich in einer ungewohnten Umgebung fest? Wie verändert der Raum die eigenen Erinnerungen und wie verändern die eigenen Erinnerungen den Raum? Kinan Hmeidan, Schauspieler des Open Border Ensembles, hinterfragt mit seiner Video-Performance in einem kurz vor dem Abriss stehenden, zerfallenden Gebäude die Konstruktion und Dekonstruktion von Raum und Erinnerung, als Möglichkeit der Verwandlung von inneren wie äußeren Lebenswelten.

Mit Kinan Hmeidan Künstlerische Mitarbeit Rabelle Erian, Krystel Khoury
Theater

Hochdeutschland

nach dem Roman von Alexander Schimmelbusch

Uraufführung: 24. Mai 2019

Protestbewegungen finden meistens auf der Straße statt. Organisiert wird sich im Internet, aber was am Ende zählt, ist die Sichtbarkeit auf der Straße. Verfolgt man die aktuelle Nachrichtenlage, stellt sich rasch die Frage: Protestiert bald halb Europa? Seien es die Schüler*innen, die sich europaweit unter dem Motto #fridaysforfuture versammeln, um gegen den Klimawandel und eine lasche Umweltpolitik zu protestieren oder die Proteste der gilet jaunes in Frankreich, eine Bewegung, die die altbekannten politischen Grenzziehungen verwischt hat und Bürger*innen unterschiedlichster Haltungen vereint. Die Proteste gehen in großen Teilen von Menschen aus, die nicht von dem herrschenden System profitieren, denen im wortwörtlichen Sinn ihre Zukunft genommen wird. Aber wie sieht es bei denen aus, die auf der anderen Seite stehen, diejenigen, die den Kapitalismus am Laufen halten, denjenigen, die profitieren? Der Protagonist des Romans, der Investmentbanker Victor, ist genau so jemand. Er hat alles und ist doch nicht glücklich. Victor beschließt zu handeln. Er gründet eine populistische Bewegung und sucht seine private Erlösung im politischen Protest. Kann sich das System von innen selbst zerstören? Wie weit ist die Elite in Deutschland von der Realität entfernt? Deutschland 2019: Braucht es einen Neuanfang?

Inszenierung: Kevin Barz
Bühne: Manuel La Casta
Kostüme. Veronica Silva Klug
Licht. Christian Schweig
Dramaturgie. Valerie Göhring
Theater

Farm Fatale

In „Farm Fatale“ ruft Philippe Quesne die Bildwelt des Landlebens auf. Eine Familie, die den oftmals romantisierten, jedoch beschwerlichen Tätigkeiten des bäuerlichen Lebens nachgeht, bevölkert diesen Sehnsuchtsort. Als Selbstversorger im Einklang mit der Natur versprechen sie sich Unabhängigkeit von der globalisierten Wirtschaft. Eine autonome, solidarische Gemeinschaft, für die eine andere Welt möglich ist. Gerade an diesem kargen Ort, in der viel zu kleinen Hütte, keimt Widerstand gegen die bestehende Ordnung. Die isolierte Gemeinschaft bricht auf, verlässt das Refugium. Wie in früheren Arbeiten verbindet Quesne humorvoll Theater und bildende Kunst. Seine Erzählung „Farm Fatale“ fängt die Welt des ländlichen Lebens ein und collagiert daraus eine konzertante Comic-Geschichte. Neben der Arbeit „Caspar Western Friedrich“, die im Repertoire der Münchner Kammerspiele gezeigt wurde, waren zuletzt von Philippe Quesne auch die freien Produktionen „Die Nacht der Maulwürfe“ und „Crash Park – Das Leben einer Insel“ zu sehen.

Inszenierung: Philippe Quesne
Kostüme: Philippe Quesne
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Theater

Das Leben des Vernon Subutex

nach der Romantriologie von Virginie Despentes

Ein erfolgloser Drehbuchautor mit Amok-Phantasien. Eine ehemalige Drogendealerin, die zum Internet-Troll umgeschult hat. Eine Professorentochter, die zum Islam konvertiert und ihr darüber verzweifelnder Vater. Ein drogensüchtiger Popstar und sein Manager. Ein koksender Trader, eine obdachlose Hundeliebhaberin mit großem Gerechtigkeitssinn und ein skrupelloser Filmproduzent. Eine ehemalige Pornodarstellerin und ihr transsexueller Freund. Ein rechtsradikaler H&M-Verkäufer, eine einsame Staatsbeamtin, ein krankhafter Frauenschläger und eine Kellnerin mit Talent zum Tätowieren. Sie alle bevölkern das Leben des Vernon Subutex, seines Zeichens bankrott gegangener Plattenhändler ohne Dach über dem Kopf. Ihnen allen verleiht die französische Schriftstellerin, Musikerin und Filmregisseurin Virginie Despentes („Baise Moi!“, „King Kong Theorie“) eine Stimme. Sie alle träumen von einem anderen besseren Leben, auf ganz unterschiedliche Weise. „Das Leben des Vernon Subutex“ gilt als der Gesellschaftsroman unserer Zeit, als „Die menschliche Komödie“ (Balzac) des 21. Jahrhunderts. Regisseur Stefan Pucher, der zuletzt an den Kammerspielen „América“ von T.C. Boyle und „Wartesaal“ inszeniert hat, bringt Vernon Subutex und seine Bande auf die Bühne der Kammerspiele.

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Tina Kloempken
Theater

What They Want to Hear

EIN PROJEKT VON LOLA ARIAS UND DEM OPEN BORDER ENSEMBLE

Du fliehst aus dem einen und landest in einem anderen Land. Wenn Du dort ankommst, hast Du keinen Pass, keine Fotos, keine Papiere, keine wie auch immer gearteten Dokumente, die beweisen würden, wer Du bist und wieso Du geflohen bist. Du hast nur Deinen Körper und eine Geschichte. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 stellt fest, dass jede Person, die in ihrem Land verfolgt wird, das Recht auf Asyl hat. Der wichtigste Teil des Asylverfahrens ist ein Interview, das ein/e Staatsbedienstete/r, ein/e ÜbersetzerIn und der/die AntragstellerIn hinter verschlossenen Türen führen. Die Glaubwürdigkeit des/r AntragsstellerIn wird anhand seiner/ihrer Worte und Gesten beurteilt und jedes Wort wird schriftlich festgehalten, wie ein kleines Kammerspiel. Wie sagst Du, was sie hören wollen? Welche Gesten, Pausen oder Gefühle werden Dein Schicksal bestimmen? Wie erzählst Du jemandem eine glaubwürdige Geschichte, der/die Dein Land nur von Google Maps her kennt?

„What They Want to Hear“ basiert auf der Geschichte eines syrischen Mannes, der seit vier Jahren ohne irgendeinen Status in den Fängen der Bürokratie feststeckt. Es ist ein Projekt, das in einer Zeit sich schließender Grenzen aus der Zusammenarbeit von syrischen und deutschen SchauspielerInnen, AktivistInnen und Geflüchteten entsteht.

Inszenierung: Lola Arias
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Lena Mody
Video: Mikko Gaestel
Musik: Jens Friebe
Licht: Charlotte Marr, Charlotte Marr Stagehand Sajad Hosayni
Dramaturgie: Katinka Deecke, Anna Gschnitzer, Krystel Khoury
Theater

Denn wir werden uns glänzend rechtfertigen, weil wir doch radikal unschuldig sind!

Völlig frei nach Horváth

JAHRGANGSINSZENIERUNG DES 3. STUDIENJAHRES SCHAUSPIEL DER OTTO FALCKENBERG SCHULE

Was bedeutet freies Spiel oder politische Verantwortung in einer Zeit, die unmittelbar von faschistischer Bedrohung gekennzeichnet ist? Muss sich die Kunst klar positionieren? Reicht Kunst überhaupt noch aus? Oder ist Kunst womöglich sogar das Einzige, was man noch tun kann?

Mit Joscha Baltha, Marie Bloching, Shirin Lilly Eissa, Leah-Anouk Elias, Konstantin Gries, Johann Jaster, Lion Leuker, Jochanah Leonie Mahnke, Nick Romeo Reimann, Pauline Werner, Julia Windischbauer

Bühne: Sabine Mäder
Kostüme: Janina Baldhuber
Licht: Michael Pohorsky, Jonas Schweiger
Ton: Brigitte Fischer
Technik: Katrin Langner, Philip-David Teixeira-Schmidpeter
Dramaturgie: Simon Kubisch
Theater

Yung Faust

nach Johann Wolfgang von Goethe

„Erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält,“ will Faust und begibt sich auf die Suche: Rausch, Verjüngung, Sex und Zauberei. „Ich will in dieser Stunde mehr gewinnen als in des Jahres Einerlei.“ Faust lässt alle Vernunft fahren (oder versucht es zumindest), gibt Kontrolle ab und hofft im intensiven Leben die Welt endlich zu begreifen. Die Regisseurin Leonie Böhm sagt: „Ich bin Faust“ und legt zusammen mit den Schauspieler*innen Annette Paulmann, Julia Riedler und Benjamin Radjaipour die echten Gefühle im alten Faust-Text frei. So wie die Cloudrapper*innen der Gegenwart ihrem Künstlernamen ein „Yung“ hinzufügen und damit nicht nur buchstäbliche Jugend anzeigen, sondern auch ihren frischen Zugriff auf die Welt und die Beziehungen in ihr, will „Yung Faust“ den allzu viel gesprochenen Sätzen des mächtigen alten weißen Mannes (Goethe) eine verletzliche Unmittelbarkeit abgewinnen. Echte Zitate, echte Begegnungen: „Mein Busen fängt mir an zu brennen!“

Inszenierung: Leonie Böhm
Theater

Doktor Alıcı

von Olga Bach

Das Stück „Professor Bernhardi“ von Arthur Schnitzler gibt ein realitätsgetreues Abbild der universitären, politischen und krankenhausinternen Intrigen der Zeit um die Jahrhundertwende. Im Zentrum steht dabei der erstarkende Antisemitismus, welcher von zahlreichen Widersachern des Protagonisten Professor Bernhardi, der jüdischen Glaubens ist, ausgenutzt wird, um ihren karrieristischen Zielen nachzugehen. Die katholische Religion dient ihnen dabei lediglich zur Verschleierung ihres skrupellosen und egoistischen Handelns. Schnitzler verhandelt in „Professor Bernhardi“ einen Kampf zwischen Aufklärung, Rationalität und Dogmatismus und stellt die Frage nach der Möglichkeit „das Richtige zu tun“ in den Vordergrund.
Olga Bach greift in ihrem Stück „Doktor Alıcı“ die Konflikte und Fragen Arthur Schnitzlers auf und übersetzt sie in die Gegenwart. Wo verlaufen heute die Konfliktlinien zwischen Ethik und Politik? Wie weit sind Menschen bereit für ihre Karriere zu gehen? Und wie wirken sich Entscheidungen, die heute getroffen werden, auf die Zukunft aus? Mit skurrilen Figuren und einem dystopischen Setting wirft sie einen kritischen Blick auf unsere Gegenwart. Das Krankenhaus wird zum Polizeipräsidium und Professor Bernhardi zu Doktor Alıcı. Ein Mann wird zur Frau, das Judentum wird zum Islam. Die Konflikte verlaufen nicht gleich, genau so wenig wie sich die Vergangenheit wiederholt – aber die schleichende Veränderung des menschlichen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens, die subtilen Mechanismen, mit denen Rassismus gesellschaftsfähig wird und die Korruption des Politikbetriebs finden ihr zeitgenössisches Pendant in „Doktor Alıcı“. Und das im Bayern des Jahres 2023. Zwei Monate vor der Bayerischen Landtagswahl. Inszenieren wird Ersan Mondtag, der bereits mehrmals mit Olga Bach zusammengearbeitet hat – an den Münchner Kammerspielen nun bereits zum zweiten Mal – und dessen Inszenierungen „Tyrannis“ und „Die Vernichtung“ (ebenfalls von Olga Bach), zum Berliner Theatertreffen eingeladen waren.

Inszenierung: Ersan Mondtag
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Diana Syrse
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Valerie Göhring
Theater

Macbeth

von William Shakespeare

Mit „Macbeth“ inszeniert Amir Reza Koohestani nach „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ und „Die Attentäterin“ zum ersten Mal an den Münchner Kammerspielen ein zentrales Stück des westlichen Theaterkanons. Vor nun über 400 Jahren schrieb Shakespeare die Tragödie um ein Königsmörder-Paar auch als Propagandastück, das die Stellung des damaligen Königs (und damit auch die eigene) bestätigen sollte. Koohestani nimmt dies als Ausgangspunkt einer Reflexion über gegenwärtige Erwartungen an das Theater: Können auch heute durch fiktionale Geschichten politische Machtverhältnisse gestärkt oder hinterfragt werden? Welche Geschichten müssen und welche dürfen erzählt werden? Wie unschuldig oder gefährlich ist die Kunst, wie wirkmächtig sind ihre Erzählungen? In Annäherung an Fragen von politischer Dimension betrachtet Koohestani immer auch deren Konsequenz für die Menschen. Obwohl sie in diesem Gefüge der Macht gefangen sind, müssen sie sich dennoch mit den Konsequenzen der eigenen Taten konfrontieren: unsicher, überzeugt, euphorisch, traumatisiert. In privaten Gesprächen und intimen Momenten erzeugt er ein aktuelles politisches Panorama, welches zugleich den Alltag der Menschen in den Fokus nimmt. „Und wenn wir scheitern?“ – fragt der schlaflose Macbeth seine Frau und Komplizin – „Dann scheitern wir“.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Polly Lapkovskaja
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Mehdi Moradpour
Dramaturgie: Helena Eckert
Co-Video: Phillip Hohenwarter
Theater

Kill the Audience

von Rabih Mroué

Mit dem „Viet Nam Diskurs“ schrieb Peter Weiss ein politisch-agitatorisches Stück gegen den Vietnamkrieg. Die Inszenierung des Stücks 1968 an den Münchner Kammerspielen richtete sich direkt an die Zuschauer*innen: Was bedeutet es, einem politischen Stück beizuwohnen? Die Aufforderungen des Stücks wörtlich nehmend sammelten die Schauspieler*innen am Ende des Stücks Geld für den Vietcong. Es folgte eine veritable Auseinandersetzung zwischen Regisseur und Jungstar Peter Stein und Intendant August Everding. Selbst als die Sammlung von Geld untersagt wurde, warfen die Zuschauer* innen Münzen auf die Bühne. Doch was ist mit diesem Geld geschehen? Wurden damit Waffen gekauft, um aus dem Theater heraus real politisch einzugreifen? Regisseur Rabih Mroué geht diesen Spuren nach. 50 Jahre nach dem damaligen Konflikt erforscht Mroué am gleichen Ort (im damaligen Werkraum) die Rolle der Zuschauer*innen. Kann es überhaupt noch ein Publikum geben, wenn das Theater zur Straße wird? Verschwindet es, wenn die Bühne genutzt wird zur offenen politischen Auseinandersetzung? „Kill the Audience“ ist die dritte Arbeit von Rabih Mroué an den Münchner Kammerspielen. Nach „Ode to Joy“ (2015) feierte „Rima Kamel“ (2017) im Rahmen einer Werkschau des Künstlers an den Kammerspielen Premiere.

Inszenierung: Rabih Mroué
Ausstattung: Bettina Katja Lange, Rabih Mroué
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Theater

Trommeln in der Nacht

von Bertolt Brecht

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet. Und entschließt sich, die Aufständischen zu verlassen und mit seiner Frau nach Hause zu gehen.
Nach „Der Spieler“, „Hamlet“ und zuletzt „Miranda Julys Der erste fiese Typ“ inszeniert Christopher Rüping, Hausregisseur der Kammerspiele, Brechts Geschichte aus einer bewegten Zeit. Dass die Uraufführung vor fast 100 Jahren an den Kammerspielen stattfand, ist dabei mehr als nur ein Detail.

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Licht: Christian Schweig
Musik: Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

No Sex

Von Toshiki Okada

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Tutia Schaad
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Tarun Kade, Makiko Yamaguchi
Performance

Unheimliches Tal / Uncanny Valley

von Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) und Thomas Melle

Thomas Melle lädt ein zu einem Abendvortrag über Unstetigkeit. Doch wer spricht und was ist sein Programm? Für „Unheimliches Tal“ kopiert Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) den Schriftsteller Thomas Melle („Die Welt im Rücken“) in Form eines humanoiden Roboters und fragt: Was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird? Kommt das Original sich durch sein elektronisches Double näher? Technik übernimmt allerlei lästige Arbeitsschritte, und wird nun auch auf der Theaterbühne erprobt: Was, wenn anstatt des Vortragenden ein humanoider Roboter auftreten würde? Wird der Roboter zu einem Darsteller, dessen Mimik, Gestik und Sprache womöglich Empathie auslösen könnte – doch Empathie mit wem? Mit Melle selbst, der ja nicht mehr da ist, oder doch schon mit dem Roboter? Wer spricht im unheimlichen Tal? Thomas Melle gibt die Kontrolle ab. Das animatronische Double übernimmt und fragt selbst Abend für Abend: Was bedeutet es für das Original, wenn die Kopie übernimmt? Wird es sichtbarer oder unsichtbarer?

Konzept, Text, Regie: Stefan Kaegi
Text, Körper, Stimme: Thomas Melle
Ausstattung: Eva-Maria Bauer
Animatronik: Chris Creatures
Herstellung und Art des Silikonkopfes / Koloration und Haare: Tommy Opatz
Video: Mikko Gaestel
Musik: Niki Neecke
Licht: William Grüger
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Schauspiel

Hellas München

Ein Projekt von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris

In keiner anderen Stadt Deutschlands wohnen so viele GriechInnen wie in München. Viele kamen in den 1960ern als „Gastarbeiter“ oder auf der Flucht vor der Militärdiktatur. In den letzten Jahren stieg, in Folge der andauernden Wirtschaftskrise, die Zahl der in Deutschland lebenden GriechInnen erstmals wieder an. Zahlreiche junge GriechInnen zählen zur Generation der „Working Poor“ – qualifizierte Frauen und Männer, die sich mit mies bezahlten Jobs durchschlagen müssen. Ist das, was in Griechenland zur traurigen Normalität geworden ist, auch in München für viele Alltag? Das Regieteam Azas / Tsinikoris begibt sich auf die Suche nach den vielfältigen griechischen Communities in München und entwirft ein Bild der Münchnerisch-Griechischen Geschichte, jenseits von Klischees. Geschichten von MünchnerInnen aus Griechenland.

Inszenierung: Prodromos Tsinikoris, Anestis Azas
Bühne: Eleni Stroulia
Kostüme: Eleni Stroulia
Musik: Panos Manouilidis, Panos Manouilidis
Dramaturgie: Christine Milz, Martin Valdés-Stauber

IN DEUTSCH UND GRIECHISCH, MIT ÜBERTITELN
Performance

#Genesis

A Starting Point // von Yael Ronen und dem Ensemble

Die israelische Regisseurin Yael Ronen wendet sich nach ihrer Inszenierung „Point of No Return“ an den Kammerspielen nun dem „Starting Point“ zu und wird da nachlesen, wo vermeintlich alles begonnen hat: Das 1. Buch Mose, hebräisch Bereschit, altgriechisch Genesis genannt, beschreibt die Erschaffung der Welt. Es beschreibt Gott zunächst als den Regisseur, den Schöpfer, der die Welt erschaffen und geordnet hat (Gen. 1,1 – 1,3). Die mythischen Gleichnisse der Genesis sind vielfach und kontrovers interpretiert, gleichwohl sind sie die Wurzel der abendländischen Kultur. In ihrer Bildhaftigkeit und Symbolik erzählt die Genesis beispielsweise von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes. Ist das schon die Wurzel einer patriarchalen Weltordnung? Und warum wird Gott gemeinhin als ein männliches Wesen wahrgenommen? Gemeinsam mit dem Ensemble untersucht Yael Ronen einzelne Fragmente der Genesis, um zu erkunden, auf welche Weise uns die biblischen Bilder geprägt haben und was sie uns heute bedeuten. Während die Genesis wie viele andere Mythen zur Orientierung und Identitätsfindung archaischer Kulturen diente, stützt sich die Inszenierung auf die Frage, welche Perspektive wir heute zu einzelnen Themen einnehmen und was aus der Welt geworden ist, die dem Menschen zu Beginn der Genesis überantwortet wird. Viele aktuelle Themen nämlich lassen sich bis zum Buch der Bücher zurück verfolgen: Naturbeherrschung, Geschlechterdebatte, Motive von Neid und Gewalt, bis hin zur der Frage, ob die Menschheit im Zuge technologischer Fortschritte im Begriff ist nach dem Baum des Lebens zu greifen. Die Version Yael Ronens und des Ensembles schlägt eine neue Perspektive auf einzelne Motive der Genesis vor und schreibt die Geschichte des Menschen, der Menschen auf der Bühne fort.

Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Video: Stefano di Buduo
Musik: Yaniv Fridel
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Künstlerische Mitarbeit: Niels Bormann
Theater

Der Vater

von August Strindberg

1887 – Strindbergs „Der Vater“ wird in Kopenhagen uraufgeführt. Nicht erst in diesem Stück formuliert der schwedische Dramatiker seine Skepsis gegenüber einer aufkommenden, in seinen Augen in ihren Forderungen zu weitreichenden, feministischen Bewegung. Er stellt einen Vater ins Zentrum seiner Handlung: zunächst der Herr im Haus, der qua Recht und Tradition über die Finanzen, aber auch die Erziehung seiner Tochter entscheidet, ist er schließlich der große Verlierer – aufgerieben an den Ansprüchen der Frauen an ihn und jenen einer (patriarchalen) Gesellschaft an sein Mann-Sein. Schließlich treibt ihn der (vermeintliche) Komplott seiner Frau in den Wahnsinn. Heute erscheint uns Strindbergs Drama über das scheinbare Heraufdämmern des Endes des Patriarchats bzw. eines Patriarchen am Ende bei aller Meisterschaft der inneren Dramatik auf den ersten Blick vor allem als reaktionär. Oder aber: wie der Wahn eines in eine neue Rolle gestürzten und mit den Bewegungen der Zeit hilflos überforderten Autoren. 2018 – „Angry White Men“ allerorten. Breite Gesellschaftsschichten stellen Emanzipationsbewegungen, die unumkehrbar schienen, in Frage. Salonfähig ist, über den „Gender-Wahn“ herzuziehen, diskriminierte Identitätsweisen und Daseinsformen als dekadentes Establishment zu brandmarken und die Sehnsucht nach einem „Take back control“ zu schüren. Fakt ist aber auch, dass sich zahllose Feuilleton-Serien ernsthaft mit Männern als dem heute schwachen und benachteiligten Geschlecht beschäftigen oder aber der überwiegende Anteil der Selbstmorde, aber eben auch Attentate und Amokläufe von Männern begangen werden. Was kann vor diesem zeitgenössischen Hintergrund Strindbergs „Der Vater“ noch an Wahrhaftigkeit produzieren? Kann es gelingen, sich dem Drama unvoreingenommen zu nähern und es in den Dienst zu nehmen für ein gemeinsames, offenes, auch verstörendes und verunsicherndes Nachdenken über das Mensch-Sein heute?

Inszenierung: Nicolas Stemann
Theater

Judas

von Lot Vekemans

JUDAS handelt von einem Mann, dessen Name für Verrat steht. Ein Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden... Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: Er inszeniert einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde. Lot Vekemans

Inszenierung: Johan Simons
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Henriette Müller
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Maarten Schumacher
Dramaturgie: Julia Lochte
Theater

Trüffel Trüffel Trüffel

Lustspiel von Eugène Labiche

Wenn du schon nichts davon verstehst, dann sag wenigstens nichts.“ (Monaco Franze) – In „A bissel was geht immer“, der ersten Folge der legendären Fernsehserie von Helmut Dietl, geht der Kriminalkommissar Franz Münchinger mit seiner Frau und ihren sich gebildet gebenden Münchner FreundInnen in die Oper. Um den Schnöseln ihre soziale Arroganz heimzuzahlen, belauscht Franz den Chefkritiker der Süddeutschen Zeitung und erfährt dabei, dass dieser einen heftigen Verriss schreiben wird. Beim Abendessen schwingt er sich dann zu einer großen Rede darüber auf, was für ein Reinfall diese Operninszenierung gewesen sei. Die standesbewusste Gesellschaft snobbt den als Banause erscheinenden Franz ab und seine Frau vergeht vor Scham. Doch als die Kritik erscheint, hat der Underdog einen kleinen Sieg davongetragen.
Klassenunterschiede und die mit ihnen einhergehenden sozialen Codes sind bestes Komödienmaterial, das wusste auch schon der französische Vielschreiber Eugène Labiche im 19. Jahrhundert. Eines seiner über 175 Lustspiele ist „La poudre aux yeux“, übersetzt „SAND IN DEN AUGEN“. Es handelt von zwei kleinbürgerlichen Ehepaaren, die sich hinsichtlich ihres Standes im übertragenen Sinne Sand in die Augen streuen. Ihre Kinder haben sich ineinander verliebt und nun spielen die Eltern einander aus Sozialscham Großbürgerlichkeit vor: Sie leben über ihre Verhältnisse, reden hochgestochen und bestellen eine Unzahl getrüffelter Gerichte. Und – sie gehen in die Oper, immer wieder „Rigoletto“. FAKE IT, UNTIL YOU MAKE IT. Aber es klappt nicht, der Schwindel fliegt auf und zurück bleibt vor allem eine Menge Trüffel.

Der Regisseur Felix Rothenhäusler, der an den Kammerspielen bisher Reinhard Jirgls Science-Fiction- Sprachspielepos „Nichts von euch auf Erden“ und Ryan Trecartins Beschleunigungspartitur „The Re’Search“ inszeniert hat, knüpft mit „Trüffel Trüffel Trüffel“ an seine Studienarbeit „Die Affäre in der Rue de Lourcine“ an, ebenfalls von Eugène Labiche, die über acht Jahre lang das Publikum mit minimalen Mitteln zu maximalem Lachen bringen konnte, zuletzt am Theater Bremen, wo Felix Rothenhäusler seit 2012 Hausregisseur ist. Die Neuübersetzung von „La poudre aux yeux“ übernimmt Tobias Haberkorn, nicht nur Übersetzer von „The Re’Search“, sondern auch von „Rückkehr nach Reims“, dem autobiografischen Essay des französischen Soziologen Didier Eribon, der das Klassenthema 2016 auf die politische Agenda zurückgebracht hat.

Inszenierung: Felix Rothenhäusler
Theater

Die Attentäterin

In einer Fassung von Amir Reza Koohestani, nach dem Roman von Yasmina Khadra

65% aller „erfolgreichen“ Selbstmordattentate werden von Frauen verübt. Doch von allen Selbstmordattentaten überhaupt sind es nur 15 %, für die Frauen verantwortlich sind. Weibliche suicide bombers geben der Forschung Rätsel auf: Toten sie wie die Männer im Namen eines Landes, einer Religion, eines Anführers? Sind es womöglich romantische Grunde wie die Liebe zu einem Mudschahed, die Frauen in den „altruistischen Suizid“ treiben? Oder kämpfen sie auch für ihr Geschlecht und gegen die fast immer patriarchal organisierten Gesellschaften, in denen sie meist leben und die Frauen oftmals nur einen sehr eng bemessenen Entfaltungsspielraum zumessen? Der 1978 in Schiras im Iran geborene Regisseur und Autor Amir Reza Koohestani, der seit vielen Jahren seine mit der „Mehr Theatre Group“ in Teheran erarbeiteten Stücke auf Gastspielen in Europa zeigt, inszeniert zum zweiten Mal an den Kammerspielen. Nach seiner identitätspolitisch versierten und poetisch aufgeladenen Inszenierung von „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud inszeniert er nun den Roman „Die Attentäterin“ des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra. Mit seinem 2005 erschienenen Buch verursachte er eine kleine literarische Sensation, indem er sich nicht mit der Unfassbarkeit des Grauens abfand, sondern die terroristische Psyche zu verstehen suchte.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Bamdad Afshar
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Sima Djabar Zadegan
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Hamlet

von William Shakespeare

Er war erst 17, als er beschloss, der Welt den Rücken zu kehren. Er begann, Bücher zu lesen, was er bis dato nie getan hatte, und zog sich von seinen Freunden zurück, denen er vorwarf, selbstsüchtig und eitel zu sein. Er stellte seine Ernährung um und begann, die Frauen seiner Umgebung zu provozieren – manchmal forderte er sie auch zornig auf, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Schließlich gab er seinen Eltern und der Gesamtheit der Erwachsenen die Schuld an der Verkommenheit der Welt, die anders nicht mehr zu retten sei als durch vollständige Zerstörung. Und das genau sei sein Auftrag. – So oder so ähnlich könnte Hamlets Geschichte erzählt werden, würde sie sich heute ereignen. Und obwohl diese Geschichte über 400 Jahre alt ist, gibt es Hamlet und seinen Auftrag immer noch. Hamlets Geschichte will erzählt werden. Dieser Text, der laut dem Shakespeare-Forscher Harold Bloom nach der Bibel der meistzitierte Text der abendländischen Literatur ist, drängt sich geradezu auf – „Hamlet“ ist ein Imperativ. Und Hamlet will ein Imperativ sein. Sterbend gibt er den Auftrag, seine Geschichte in die Welt zu tragen, und seit Jahrhunderten nehmen Theater weltweit diesen Auftrag an. „Hamlet“! Hamlet!

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Ramona Rauchbach
Kostüme: Anna Maria Schories
Musik: Christoph Hart
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Luegen

Ein Projekt von Verena Regensburger und Ensemble, mit Übersetzung für gehörlose Zuschauer*innen

Zwischen zwei und 200 Mal am Tag lügen wir – abhängig davon, was man unter einer Lüge versteht: Unwahrheiten, Postfakten, Übertreibungen, Auslassungen, Höflichkeiten, Redefloskeln. Aber wie kann man eine Lüge erkennen? Unterlaufen Gestik und Mimik das gesprochene Wort? Um der Konstruktion von Wahrheit auf die Spur zu kommen, treffen in „Luegen“ eine hörende und eine gehörlose Schauspielerin aufeinander. Die Bühne wird zu einem Versuchsraum für bewusst und unbewusst Kommuniziertes, einem Authentizitätslabor, das einlädt zu dechiffrieren, genauer hinzusehen und zu beobachten.

Inszenierung: Verena Regensburger
Theater

Wut

von Elfriede Jelinek

Jelinek hat für ihr neues Stuck „Wut“ die Anschläge von Paris zum Anlass genommen. Also jene tödlichen Attentate auf acht Redaktionsmitglieder des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, zwei PolizistInnen und vier KundInnen eines Supermarkts für koschere Lebensmittel im Osten der Stadt. Ihr Text entfesselt die Wut, die zu ihnen geführt haben mag. Jene Wut, die in einer grandiosen narzisstischen Selbstermächtigung alle Zweifel und jede Ohnmacht hinwegfegt zu einem: Das jetzt, das ist unser Moment! Ihr hattet eure Zeit, jetzt ist es unsere! Seht her und sterbt!

Wie stets allerdings schichtet Jelinek Bedeutungsebenen. Sie bleibt nicht stehen bei der blinden Wut islamistischer Terroristen, es ist ein vielstimmiger Wut-Chor. Die Stimmen deutscher Wutbürger sind darin ebenso enthalten wie die anderer „aufrechter“, „erwachender“ Europäer – oder jene des antiken Helden Herakles, der, von der Göttin Hera verwirrt, im Wahn die eigene Familie auslöscht. Auch die Wut der Autorin selbst mischt sich hinein. Ihre Wut auf all die Ohnmächtigen angesichts des Terrors der Wut, die Wut auf die Wut-Dealer, auf die Populisten und Demagogen, die Wut auf die Wut-Hungrigen und -süchtigen, die Wut aber auf die eigene Ohnmacht, dass im Schreiben das Unbeschreibliche wieder nicht zu fassen zu kriegen, nicht verständlich zu machen sein wird. Aber: Ist Wut nur als Motor zur Zerstörung denkbar? Wie sie teilen, wie Ausgeschlossene, Abgehängte darin verbinden, ohne andere auszuschließen? Was könnte dann nach ihr entstehen? „Wut“ ist die inzwischen achte Zusammenarbeit der künstlerischen Wahlgemeinschaft von Elfriede Jelinek und Nicolas Stemann, Hausregisseur an den Kammerspielen. Vor vielen Jahren schon hat sie sich verbunden, in München, wo sie bisher noch nicht gemeinsam in Erscheinung getreten sind, wird sie fortgeführt.

Inszenierung: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Katrin Wolfermann
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Video: Claudia Lehmann
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Theater

Die Selbstmord -Schwestern / The Virgin Suicides

nach dem Roman von Jeffrey Eugenides

„The Virgin Suicides“ (dh. „Die Selbstmord -Schwestern“) ist der Erstlingsroman des US-amerikanischen Autors Jeffrey Eugenides, der ihn über Nacht berühmt machte. Als dann auch noch Sofia Coppola den Text kongenial verfilmte, war gewiss: hier reiht sich ein Autor souverän in die Reihe der großen Romanciers Amerikas ein. Nach vielen Jahren des kategorischen Neins zu einer etwaigen Dramatisierung des Stoffes – der Roman erschien 1993 – stimmten nun Eugenides und die Filmemacherin erstmalig einer Bühnenadaption zu.
Eine biedere und manisch prüde Familie in Nordamerika: fünf Schwestern und ihre Eltern. Das Einfamilienhaus ist wie eine geschlossene Welt ohne Ausgang. Alle Kinderwünsche und Jugendträume scheitern an der kühlen Irrationalität der Eltern, zerschlagen sich an deren verbissenem und perfidem Glauben. Jeder Regung, jedem Werden und Erblühen der Pubertierenden sind Kontrolle und Regeln vorangestellt. Unter Beobachtung einer Schar von Jungen des Ortes, für die die Schwestern zusehends zur fixen, alles vereinnahmenden Attraktion werden, wollen nun die Mädchen nicht nur in ihren Träumen der Enge entfliehen. Die Eltern aber bestrafen jeden Versuch des Ausbruchs, sie halten ihre Töchter drakonisch unter Verschluss und in ihrer Welt gefangen. Nur durch das Fenster im Kinderzimmer sind die fünf Mädchen bald mit der Außenwelt verbunden, bis alles Leben in ihnen erstickt und bis es sie in den Tod treibt. Susanne Kennedy – sie gehört dem zukünftigen künstlerischen Team an der Volksbühne Berlin unter der Intendanz von Chris Dercon an – kehrt nach ihren Inszenierungen „Fegefeuer in Ingolstadt“ und „Warum läuft Herr R. Amok?“ an die Münchner Kammerspiele zurück. In „Die Selbstmord-Schwestern“ führt sie ihre künstlerische Strategie der Voice Over-Technik fort und untersucht den Blick, dem die Mädchen der Lisbon-Familie ausgeliefert sind, aus der Perspektive und Erinnerung der mittlerweile gealterten Männer. Sie erzählen die Geschichte der fünf Töchter und geben ihnen eine Stimme.

Inszenierung: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Rodrik Biersteker
Licht: Stephan Mariani
Sound: Richard Janssen
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Festival Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Ausweichspielstätte: Werner-Heisenberg-Allee 11 / ab 2012: Schwanthalerstraße 13 E
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater Oberangertheater München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Tanz TANZWERKSTATT EUROPA - JOINT ADVENTURES München, Emil Geis Str. 21
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Schwanthalerstrasse 13
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17

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