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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

Kontakt

Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

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Theater

NIRVANAS LAST

Uraufführung: 24. Oktober 2019

Am 1. März 1994 spielt Nirvana ein Konzert auf dem ehemaligen Flughafen Riem – nicht einmal sie selbst wissen, wie historisch dieses Konzert tatsächlich werden soll. Nur Bassist Krist Novoselić ist prophetisch genug, an diesem Abend immer wieder Sätze wie „Grunge is dead“ in die Ansagen einzustreuen. Nach dem Konzert werden alle Tourtermine in Europa abgesagt. Einen Monat später wird Cobain in seinem Haus in Seattle tot aufgefunden. Das Münchner Konzert sollte der letzte Auftritt der Band sein.
Damian Rebgetz greift in „Nirvanas Last“ diese Begebenheit auf und erforscht zugleich die Geschichte des Münchner Nachtlebens. Der Flughafen Riem, Ort des letzten Nirvana Konzerts, etwa wurde nach fünf Jahren Zwischennutzung in die Messestadt Riem verwandelt. Die Partyszene musste das Gelände verlassen und neue Orte erschließen.
„Nirvanas Last“ erinnert, als Requiem auf einen rebellischen Antihelden, an die antikapitalistische Gegenkultur, die Nirvana so erfolgreich machten, dass sie selbst zum neuen Mainstream wurden.

Inszenierung: Damian Rebgetz
Bühne: Janina Sieber
Kostüme: Veronika Schneider
Video: Amon Ritz
Musik: Paul Hankinson, Damian Rebgetz
Licht: Max Kraußmüller
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Übersetzung Songtexte: Ann Cotten

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Theater

DIE RÄUBERINNEN

NACH FRIEDRICH SCHILLER

Premiere: 23. November 2019

IN IHRER INSZENIERUNG LÄDT DIE REGISSEURIN LEONIE BÖHM UNS DAZU EIN, DIE KARLS UND FRANZE IN UNS ZU BEFREIEN UND MUTIG SOZIALE UTOPIEN ZU ENTWERFEN. WAS SIE SONST NOCH IN DEM SCHILLER’SCHEN TEXT LIEST, HAT SIE UNS PER SPRACHNACHRICHTEN VERRATEN:

„Im Spiel, schrieb Schiller, sei der Mensch wirklich frei, und nach dieser Freiheit sehne er sich. Für die Suche nach Freiheit ist das Theater ein fantastischer Ort. Hier wird gespielt und experimentiert – und das live und gemeinsam. Hier kann ich mir ethische, philosophische und künstlerische Fragen stellen und nach möglichen Antworten suchen. „Die Räuber“ erzählt von den Brüdern Franz und Karl Moor, die unter der fehlenden Anerkennung ihres Vaters leiden. Der Vater ist dabei für mich Vieles: die ultimative Anerkennung, ein internalisierter Kritiker, das Publikum, das ich mitdenke, der Spiegel der Gesellschaft, ein altes Prinzip oder ein vergangener Wertekodex. Wenn keiner da ist, der einen versteht und bedingungslos annimmt, dann ist ein Forschen nach neuen Idealen beschwerlich, wie das Handeln der Brüder zeigt.

Wie kommen wir also wieder ins Spiel? Wie können wir miteinander herausfinden, was uns davon abhält, frei zu leben? Diese Frage stelle ich an den Text. Können wir die Karls und Franze in uns befreien und ihnen Mut machen, etwas zu riskieren zugunsten einer sozialen Utopie? Zugunsten von Regeln, die aus einem Gefühl der Freiheit entstanden sind? Das Theater macht ein lustvolles Suchen danach möglich, weil es in einen sozialen Prozess eingebettet ist und einen nicht sofort auf sich selbst zurückwirft. Theater bietet die Möglichkeit, eine neue Praxis zu etablieren: Sich anerkennend zu betrachten, sich zu verstehen, Gesten der Fürsorglichkeit und des aufrichtigen Umgangs miteinander zu teilen und zu prüfen: Wohin führt das?

Je besser ich mich selbst samt meinen Bedürfnissen und Unsicherheiten kenne, je weniger schambesetzt und selbstkritisch ich auf meinen mich väterlich redigierenden, permanenten Selbstanspruch reagiere, umso offener kann ich werden, umso müheloser kann ich mit der Widersprüchlichkeit meines Denkens und Fühlens umgehen.

Politik, Machtverhältnisse und soziale Rollen zu versprachlichen, sowie Scham, Angst, Urteil und Druck in unserem alltäglichen sozialen Handeln sichtbar zu machen, das ist mein Ideal: Finden wir heraus, wie wir unser Miteinander gestalten und zu einer heterogenen Gang werden können.“

Live-Musik: Friederike Ernst
Mitarbeit Inszenierung: Susanne Wagner
Bühne: Zahava Rodrigo
Licht: Jürgen Tulzer
Musik: Friederike Ernst
Kostüme: Mascha Mihoa Bischoff
Dramaturgie: Helena Eckert

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Theater

Drei Schwestern

von Susanne Kennedy

nach Anton Tschechow

Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben „nach Moskau!“. Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren die Schwestern in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen, obwohl niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker „Drei Schwestern“ von Tschechow inszeniert und oft als Zeichen der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“
Susanne Kennedy will die Schwestern davon befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzenten ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung? Susanne Kennedy und ihr Team laden am 08. April vorab in die Dachkammer ein, um über „Drei Schwestern“ und ihre gemeinsame künstlerische Arbeit zu sprechen.

Inszenierung: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Rodrik Biersteker
Licht: Rainer Casper
Dramaturgie: Helena Eckert, Lara Staal

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1 Theater

König Lear

von William Shakespeare

No Country for Old Men? Die Welt hat sich geändert, und für König Lear ist es Zeit, seine Macht an die nächste Generation weiterzureichen. Nur tatsächlich loslassen kann er nicht – viel zu sehr ist er die Privilegien gewöhnt, die ihm sein Leben lang selbstverständlich waren. Mit dem bevorstehenden Machtwechsel verändert sich der Blick: Sind die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht bestimmt von den Immergleichen, seit Jahrtausenden schon? Bedarf es nicht dringend eines Umsturzes – kalt und strukturell? So oder so, bestimmt wird das Spiel nun von Lears Töchtern – sie sind an der Reihe, die Verantwortung für eine andere, noch unbestimmte Zukunft zu übernehmen. Wie radikal muss der Wandel sein? Wie viel Zeit bleibt für den Zweifel? Muss der Vater sterben, damit die Töchter frei sein können? Wie sieht die zukünftige Welt aus? Besser, schlechter oder einfach anders?

Thomas Melle, Autor von „Die Welt im Rücken“ und Autor und Gegenstand von Stefan Kaegis „Unheimliches Tal / Uncanny Valley“ zu Beginn der letzten Spielzeit, hat für die Inszenierung von Stefan Pucher an den Münchner Kammerspielen Shakespeares Königsdrama neu übersetzt und bearbeitet.

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Video: Ute Schall
Co-Video: Hannes Francke
Musik: Christopher Uhe
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Helena Eckert, Tarun Kade

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Theater

Trommeln in der Nacht

von Bertolt Brecht

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet. Und entschließt sich, die Aufständischen zu verlassen und mit seiner Frau nach Hause zu gehen.
Nach „Der Spieler“, „Hamlet“ und zuletzt „Miranda Julys Der erste fiese Typ“ inszeniert Christopher Rüping, Hausregisseur der Kammerspiele, Brechts Geschichte aus einer bewegten Zeit. Dass die Uraufführung vor fast 100 Jahren an den Kammerspielen stattfand, ist dabei mehr als nur ein Detail.

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Licht: Christian Schweig
Musik: Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson
Dramaturgie: Katinka Deecke

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Theater

Macbeth

von William Shakespeare

Mit „Macbeth“ inszeniert Amir Reza Koohestani nach „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ und „Die Attentäterin“ zum ersten Mal an den Münchner Kammerspielen ein zentrales Stück des westlichen Theaterkanons. Vor nun über 400 Jahren schrieb Shakespeare die Tragödie um ein Königsmörder-Paar auch als Propagandastück, das die Stellung des damaligen Königs (und damit auch die eigene) bestätigen sollte. Koohestani nimmt dies als Ausgangspunkt einer Reflexion über gegenwärtige Erwartungen an das Theater: Können auch heute durch fiktionale Geschichten politische Machtverhältnisse gestärkt oder hinterfragt werden? Welche Geschichten müssen und welche dürfen erzählt werden? Wie unschuldig oder gefährlich ist die Kunst, wie wirkmächtig sind ihre Erzählungen? In Annäherung an Fragen von politischer Dimension betrachtet Koohestani immer auch deren Konsequenz für die Menschen. Obwohl sie in diesem Gefüge der Macht gefangen sind, müssen sie sich dennoch mit den Konsequenzen der eigenen Taten konfrontieren: unsicher, überzeugt, euphorisch, traumatisiert. In privaten Gesprächen und intimen Momenten erzeugt er ein aktuelles politisches Panorama, welches zugleich den Alltag der Menschen in den Fokus nimmt. „Und wenn wir scheitern?“ – fragt der schlaflose Macbeth seine Frau und Komplizin – „Dann scheitern wir“.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Polly Lapkovskaja
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Mehdi Moradpour
Dramaturgie: Helena Eckert
Co-Video: Phillip Hohenwarter

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Theater

Die Kränkung der Menschheit

Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“, wie sich das Paar nennt, mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart.In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht die eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass der Mensch vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, das er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die Tatsache, dass die größte Illusion darin besteht, von einer Menschheit auszugehen, wird hartnäckig übersehen. Vielleicht, weil das eine der tiefgreifendsten Kränkungen des „menschlichen Egos“ darstellen würde.
Gerade das gegenwärtig zu beobachtende globale Wiedererstarken faschistischer Kräfte, Phänomene wie „Men’s Right Activism“ und das selbstbewusste Auftreten von White Supremacy Gruppierungen zeigen, wie tiefgreifend die Illusion einer weißen männlichen Menschheit im weißen Körper verankert ist. Alle wehren sich mit Haut und Haaren – und sind sich für nichts zu schade.

„Die Kränkungen der Menschheit" ist eine Produktion von Anta Helena Recke mit den Münchner Kammerspielen. In Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und Mousonturm Frankfurt.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Fonds Darstellende Künste.

Anta Helena Recke ist eine konzeptuell arbeitende Regisseurin. Sie spielt mit den Genres Theater, Performance und bildende Kunst und inszeniert in Stadttheatern genauso wie in der Freien Szene. Reckes Inszenierung „Mittelreich“, die 2017 an den Münchner Kammerspielen Premiere feierte, war 2018 beim Theaterfestival „Radikal jung“ vertreten und wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In der Kritiker*innenumfrage von Theater heute wurde sie zur Nachwuchskünstlerin des Jahres 2018 gewählt. Sie ist zudem Preisträgerin des Internationalen Theaterinstituts (ITI) 2019.

Inszenierung: Anta Helena Recke
Bühne: Carlo Siegfried
Kostüme: Pola Kardum
Musik: Luca Mortellaro
Licht: Joscha Eckert
Recherche: Marja Christians, Chiara Galesi
Dramaturgie: Valerie Göhring
Künstlerische Mitarbeit: Anna Froelicher, Maxi Menja Lehmann
Produktion: Olaf Nachtwey, Johanna Thomas

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Theater

Das Leben des Vernon Subutex

nach der Romantriologie von Virginie Despentes

Ein erfolgloser Drehbuchautor mit Amok-Phantasien. Eine ehemalige Drogendealerin, die zum Internet-Troll umgeschult hat. Eine Professorentochter, die zum Islam konvertiert und ihr darüber verzweifelnder Vater. Ein drogensüchtiger Popstar und sein Manager. Ein koksender Trader, eine obdachlose Hundeliebhaberin mit großem Gerechtigkeitssinn und ein skrupelloser Filmproduzent. Eine ehemalige Pornodarstellerin und ihr transsexueller Freund. Ein rechtsradikaler H&M-Verkäufer, eine einsame Staatsbeamtin, ein krankhafter Frauenschläger und eine Kellnerin mit Talent zum Tätowieren. Sie alle bevölkern das Leben des Vernon Subutex, seines Zeichens bankrott gegangener Plattenhändler ohne Dach über dem Kopf. Ihnen allen verleiht die französische Schriftstellerin, Musikerin und Filmregisseurin Virginie Despentes („Baise Moi!“, „King Kong Theorie“) eine Stimme. Sie alle träumen von einem anderen besseren Leben, auf ganz unterschiedliche Weise. „Das Leben des Vernon Subutex“ gilt als der Gesellschaftsroman unserer Zeit, als „Die menschliche Komödie“ (Balzac) des 21. Jahrhunderts. Regisseur Stefan Pucher, der zuletzt an den Kammerspielen „América“ von T.C. Boyle und „Wartesaal“ inszeniert hat, bringt Vernon Subutex und seine Bande auf die Bühne der Kammerspiele.

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Barbara Ehnes
Kostüme: Tina Kloempken

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Theater

Doktor Alıcı

von Olga Bach

Das Stück „Professor Bernhardi“ von Arthur Schnitzler gibt ein realitätsgetreues Abbild der universitären, politischen und krankenhausinternen Intrigen der Zeit um die Jahrhundertwende. Im Zentrum steht dabei der erstarkende Antisemitismus, welcher von zahlreichen Widersachern des Protagonisten Professor Bernhardi, der jüdischen Glaubens ist, ausgenutzt wird, um ihren karrieristischen Zielen nachzugehen. Die katholische Religion dient ihnen dabei lediglich zur Verschleierung ihres skrupellosen und egoistischen Handelns. Schnitzler verhandelt in „Professor Bernhardi“ einen Kampf zwischen Aufklärung, Rationalität und Dogmatismus und stellt die Frage nach der Möglichkeit „das Richtige zu tun“ in den Vordergrund.
Olga Bach greift in ihrem Stück „Doktor Alıcı“ die Konflikte und Fragen Arthur Schnitzlers auf und übersetzt sie in die Gegenwart. Wo verlaufen heute die Konfliktlinien zwischen Ethik und Politik? Wie weit sind Menschen bereit für ihre Karriere zu gehen? Und wie wirken sich Entscheidungen, die heute getroffen werden, auf die Zukunft aus? Mit skurrilen Figuren und einem dystopischen Setting wirft sie einen kritischen Blick auf unsere Gegenwart. Das Krankenhaus wird zum Polizeipräsidium und Professor Bernhardi zu Doktor Alıcı. Ein Mann wird zur Frau, das Judentum wird zum Islam. Die Konflikte verlaufen nicht gleich, genau so wenig wie sich die Vergangenheit wiederholt – aber die schleichende Veränderung des menschlichen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens, die subtilen Mechanismen, mit denen Rassismus gesellschaftsfähig wird und die Korruption des Politikbetriebs finden ihr zeitgenössisches Pendant in „Doktor Alıcı“. Und das im Bayern des Jahres 2023. Zwei Monate vor der Bayerischen Landtagswahl. Inszenieren wird Ersan Mondtag, der bereits mehrmals mit Olga Bach zusammengearbeitet hat – an den Münchner Kammerspielen nun bereits zum zweiten Mal – und dessen Inszenierungen „Tyrannis“ und „Die Vernichtung“ (ebenfalls von Olga Bach), zum Berliner Theatertreffen eingeladen waren.

Inszenierung: Ersan Mondtag
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Diana Syrse
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Valerie Göhring

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Theater

Farm Fatale

Von Philippe Quesne und dem Ensemble

In „Farm Fatale“ ruft Philippe Quesne die Bildwelt des Landlebens auf. Eine Familie, die den oftmals romantisierten, jedoch beschwerlichen Tätigkeiten des bäuerlichen Lebens nachgeht, bevölkert diesen Sehnsuchtsort. Als Selbstversorger im Einklang mit der Natur versprechen sie sich Unabhängigkeit von der globalisierten Wirtschaft. Eine autonome, solidarische Gemeinschaft, für die eine andere Welt möglich ist. Gerade an diesem kargen Ort, in der viel zu kleinen Hütte, keimt Widerstand gegen die bestehende Ordnung. Die isolierte Gemeinschaft bricht auf, verlässt das Refugium. Wie in früheren Arbeiten verbindet Quesne humorvoll Theater und bildende Kunst. Seine Erzählung „Farm Fatale“ fängt die Welt des ländlichen Lebens ein und collagiert daraus eine konzertante Comic-Geschichte. Neben der Arbeit „Caspar Western Friedrich“, die im Repertoire der Münchner Kammerspiele gezeigt wurde, waren zuletzt von Philippe Quesne auch die freien Produktionen „Die Nacht der Maulwürfe“ und „Crash Park – Das Leben einer Insel“ zu sehen.

Inszenierung: Philippe Quesne
Kostüme: Philippe Quesne
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber

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Theater

Melancholia

von Lars von Trier

„Eine Frau zu sein, bedeutet noch immer, im rein Psychologischen gefangen zu sein. Ganz egal, wie leidenschaftslos oder groß die Vision von der Welt ist, die eine Frau ausformuliert – wann immer diese Vision ihre eigene Erfahrung und Emotion beinhaltet, wird das Teleskop auf sie selbst zurückgerichtet.“ (Chris Kraus, „I Love Dick“)

Justine sehnt das Ende der Welt herbei, dabei scheint von außen betrachtet in ihrem Leben alles bestens zu laufen. Ihr Freund Michael liebt sie von ganzem Herzen, und die Hochzeit steht unmittelbar bevor. Der Chef der Werbeagentur, in der sie arbeitet, behandelt sie als „High Potential“ und befördert sie zum Art Director. Und ihre Schwester Claire unterstützt sie liebevoll in allem, was sie tut. Doch all das kann Justine nicht erfreuen. Ihr Drang, die heile Welt um sich herum kaputt zu machen, ist zu groß. Erst als der Planet Melancholia auf die Erde zurast und eine Kollision unausweichlich scheint, wird sie ruhig. Ist Lars von Triers Filmkunstwerk „Melancholia“ die Geschichte einer kranken Frau? Oder ist es eine Erzählung über eine Welt, der man mit Recht den Untergang wünscht? Ist das Ende ein Grund, sich in Düsterkeit zu versenken? Oder kann man ihm gar voller Optimismus entgegensehen? Was geschieht, wenn Planeten ihre gewohnte Umlaufbahn verlassen, und aufeinander treffen? Bei von Trier steckt in der Aussicht des Endes auch die Möglichkeit, dass sich die Dinge noch einmal wenden. Vielleicht zum Besseren.

Felix Rothenhäusler inszenierte an den Kammerspielen zuletzt Ryan Trecartins „The Re’Search“ und Eugène Labiches „Trüffel Trüffel Trüffel“. Lars von Triers apokalyptische Überwältigungsoper „Melancholia“ wird bei ihm zum lustvoll-transparenten Sprech-Denk-Spiel. Das Ende der Welt – die Musik spielt auf.

Inszenierung: Felix Rothenhäusler
Bühne: Katharina Pia Schütz
Kostüme: Elke von Sivers
Musik: Christian Naujoks
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Tarun Kade

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Theater

OREST IN MOSSUL

Von Milo Rau | NTGent (Gent)

Die Orestie ist nicht nur die einzige erhaltene Trilogie des antiken Theaters, sie ist zugleich Gründungsmythos der westlichen Zivilisation. In „Orest in Mossul“ transportiert Milo Rau den Antikenstoff und reist mit seinem Ensemble in das kriegsversehrte Mossul. In der irakischen Stadt rief im Jahr 2014 der „Islamische Staat“ sein Kalifat aus. An kaum einem Ort der Welt scheint das Prinzip der Blutrache, des nie enden wollenden Kreislaufs der Revanche, von dem auch die Orestie geleitet ist, naheliegender als hier, wo Bewohner*innen mit der Frage konfrontiert sind, wie mit gefangenen IS-Kämpfer*innen umzugehen ist. Milo Rau inszeniert diese Tragödie mit einem gemischten Ensemble aus europäischen und irakischstämmigen Schauspieler*innen, mit Recherchen und Projektteilen in Mossul, die in Form von Videoprojektionen zu sehen sind. Über allem steht die Frage: Kann in Mossul der Kreislauf der Gewalt durchbrochen und durch ein Prinzip der Rechtsprechung, Integration und Versöhnung ersetzt werden?

In Niederländisch, Arabisch und Englisch mit deutschen und englischen Übertiteln

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Performance

ALL INCLUSIVE

Julian Hetzel | CAMPO (Wolfach | Utrecht | Gent)

Mehrere Kilogramm Kriegstrümmer sind das Rohmaterial in Julian Hetzels Performance „All Inclusive“. Sie stammen aus Syrien und sind Produkte eines Konfliktes, der seit über acht Jahren wie kaum ein anderer die politische Wirklichkeit und ihre mediale Wahrnehmung formt. Das Publikum beobachtet in „All Inclusive“ die Führung einer Gruppe geflüchteter Syrer*innen, die von einer Kunstvermittlerin mit dem westlichen Kanon vertraut gemacht werden soll. In der fiktiven Museumssituation wird die Gruppe mit Kriegstrümmern konfrontiert, die in diesem Kontext als Exponate erscheinen. Julian Hetzel hinterfragt die Ästhetisierung von Gewalt. Wenn aus Bombentrümmern Skulpturen geformt werden können und wenn ein mündlicher Vortrag, der die Zahlen von Kriegstoten referiert, per Synthesizer zu Tönen und Musik verwandelt werden kann, wie verhält sich dann der Schrecken zu künstlerischer Schönheit und deren Produktion? Julian Hetzel bezieht bei allen Fragen die konkrete Realität von Geflüchteten mit ein. Den Luxus, eine Fliegerbombe in rein ästhetischen Kategorien zu erfassen, haben sie nicht.

Konzept und Regie: Julian Hetzel
Dramaturgie: Miguel Angel Melgares
Künstlerische Beratung: Sodja Lotker
Kostüme: Anne-Catherine Kunz
Produktionsassistenz: Sabine Mangeleer
Technik: Korneel Coessens, Piet Depoortere

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Performance

#Genesis

A Starting Point // von Yael Ronen und dem Ensemble

Die israelische Regisseurin Yael Ronen wendet sich nach ihrer Inszenierung „Point of No Return“ an den Kammerspielen nun dem „Starting Point“ zu und wird da nachlesen, wo vermeintlich alles begonnen hat: Das 1. Buch Mose, hebräisch Bereschit, altgriechisch Genesis genannt, beschreibt die Erschaffung der Welt. Es beschreibt Gott zunächst als den Regisseur, den Schöpfer, der die Welt erschaffen und geordnet hat (Gen. 1,1 – 1,3). Die mythischen Gleichnisse der Genesis sind vielfach und kontrovers interpretiert, gleichwohl sind sie die Wurzel der abendländischen Kultur. In ihrer Bildhaftigkeit und Symbolik erzählt die Genesis beispielsweise von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes. Ist das schon die Wurzel einer patriarchalen Weltordnung? Und warum wird Gott gemeinhin als ein männliches Wesen wahrgenommen? Gemeinsam mit dem Ensemble untersucht Yael Ronen einzelne Fragmente der Genesis, um zu erkunden, auf welche Weise uns die biblischen Bilder geprägt haben und was sie uns heute bedeuten. Während die Genesis wie viele andere Mythen zur Orientierung und Identitätsfindung archaischer Kulturen diente, stützt sich die Inszenierung auf die Frage, welche Perspektive wir heute zu einzelnen Themen einnehmen und was aus der Welt geworden ist, die dem Menschen zu Beginn der Genesis überantwortet wird. Viele aktuelle Themen nämlich lassen sich bis zum Buch der Bücher zurück verfolgen: Naturbeherrschung, Geschlechterdebatte, Motive von Neid und Gewalt, bis hin zur der Frage, ob die Menschheit im Zuge technologischer Fortschritte im Begriff ist nach dem Baum des Lebens zu greifen. Die Version Yael Ronens und des Ensembles schlägt eine neue Perspektive auf einzelne Motive der Genesis vor und schreibt die Geschichte des Menschen, der Menschen auf der Bühne fort.

Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Video: Stefano di Buduo
Musik: Yaniv Fridel
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Künstlerische Mitarbeit: Niels Bormann

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Performance

Unheimliches Tal / Uncanny Valley

von Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) und Thomas Melle

Thomas Melle lädt ein zu einem Abendvortrag über Unstetigkeit. Doch wer spricht und was ist sein Programm? Für „Unheimliches Tal“ kopiert Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) den Schriftsteller Thomas Melle („Die Welt im Rücken“) in Form eines humanoiden Roboters und fragt: Was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird? Kommt das Original sich durch sein elektronisches Double näher? Technik übernimmt allerlei lästige Arbeitsschritte, und wird nun auch auf der Theaterbühne erprobt: Was, wenn anstatt des Vortragenden ein humanoider Roboter auftreten würde? Wird der Roboter zu einem Darsteller, dessen Mimik, Gestik und Sprache womöglich Empathie auslösen könnte – doch Empathie mit wem? Mit Melle selbst, der ja nicht mehr da ist, oder doch schon mit dem Roboter? Wer spricht im unheimlichen Tal? Thomas Melle gibt die Kontrolle ab. Das animatronische Double übernimmt und fragt selbst Abend für Abend: Was bedeutet es für das Original, wenn die Kopie übernimmt? Wird es sichtbarer oder unsichtbarer?

Konzept, Text, Regie: Stefan Kaegi
Text, Körper, Stimme: Thomas Melle
Ausstattung: Eva-Maria Bauer
Animatronik: Chris Creatures
Herstellung und Art des Silikonkopfes / Koloration und Haare: Tommy Opatz
Video: Mikko Gaestel
Musik: Niki Neecke
Licht: William Grüger
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber

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Theater

Yung Faust

nach Johann Wolfgang von Goethe

„Erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält,“ will Faust und begibt sich auf die Suche: Rausch, Verjüngung, Sex und Zauberei. „Ich will in dieser Stunde mehr gewinnen als in des Jahres Einerlei.“ Faust lässt alle Vernunft fahren (oder versucht es zumindest), gibt Kontrolle ab und hofft im intensiven Leben die Welt endlich zu begreifen. Die Regisseurin Leonie Böhm sagt: „Ich bin Faust“ und legt zusammen mit den Schauspieler*innen Annette Paulmann, Julia Riedler und Benjamin Radjaipour die echten Gefühle im alten Faust-Text frei. So wie die Cloudrapper*innen der Gegenwart ihrem Künstlernamen ein „Yung“ hinzufügen und damit nicht nur buchstäbliche Jugend anzeigen, sondern auch ihren frischen Zugriff auf die Welt und die Beziehungen in ihr, will „Yung Faust“ den allzu viel gesprochenen Sätzen des mächtigen alten weißen Mannes (Goethe) eine verletzliche Unmittelbarkeit abgewinnen. Echte Zitate, echte Begegnungen: „Mein Busen fängt mir an zu brennen!“

Inszenierung: Leonie Böhm

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Performance

MUSEUM OF LUNGS

„Museum of Lungs“ ist ein Theaterstück über Schmerz, Trauma und Krankheit in modernen kapitalistischen Gesellschaften. Ausgangspunkt ist die persönliche Erzählung der Schriftstellerin Stacy Hardy, die jahrelang mit undiagnostizierter Tuberkulose lebte. In ihrem Heimatland Südafrika ist diese Krankheit weiterhin eine der häufigsten Todesursachen. Hardy stellt Fragen nach der Verletzlichkeit individueller und kollektiver Körper und nach der – häufig rassistischen – Gewalt, die in Gesundheitssystemen sowie politischen Strukturen verankert ist. „Museum of Lungs“ ist eine musikalische, dokumentarische Performance, die Archivmaterial mit persönlichen Bekenntnissen verschachtelt, um Verwundbarkeit als Kern von Stärke und Krankheit als Schauplatz von Widerstand und Transformation zu zeigen. Stacy Hardy teilt sich die Bühne mit einer Puppe, die als ihre Doppelgängerin fungiert, und mit den Musiker*innen und Komponist*innen Neo Muyanga und Nancy Mounir.

Text | Performance: Stacy Hardy
Komposition | Live-Musik: Nancy Mounir und Neo Muyanga
Regie: Laila Soliman
Ausstattung: Moira Gilliéron.
Puppe: Marius Kob
Art Work: Bassem Yousry
Lichtdesign: Mirjam Berger
Technik: Thomas Kohler, Mirjam Berger

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Theater

No Sex

Von Toshiki Okada

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Tutia Schaad
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

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Theater

Der Vater

von August Strindberg

1887 – Strindbergs „Der Vater“ wird in Kopenhagen uraufgeführt. Nicht erst in diesem Stück formuliert der schwedische Dramatiker seine Skepsis gegenüber einer aufkommenden, in seinen Augen in ihren Forderungen zu weitreichenden, feministischen Bewegung. Er stellt einen Vater ins Zentrum seiner Handlung: zunächst der Herr im Haus, der qua Recht und Tradition über die Finanzen, aber auch die Erziehung seiner Tochter entscheidet, ist er schließlich der große Verlierer – aufgerieben an den Ansprüchen der Frauen an ihn und jenen einer (patriarchalen) Gesellschaft an sein Mann-Sein. Schließlich treibt ihn der (vermeintliche) Komplott seiner Frau in den Wahnsinn. Heute erscheint uns Strindbergs Drama über das scheinbare Heraufdämmern des Endes des Patriarchats bzw. eines Patriarchen am Ende bei aller Meisterschaft der inneren Dramatik auf den ersten Blick vor allem als reaktionär. Oder aber: wie der Wahn eines in eine neue Rolle gestürzten und mit den Bewegungen der Zeit hilflos überforderten Autoren. 2018 – „Angry White Men“ allerorten. Breite Gesellschaftsschichten stellen Emanzipationsbewegungen, die unumkehrbar schienen, in Frage. Salonfähig ist, über den „Gender-Wahn“ herzuziehen, diskriminierte Identitätsweisen und Daseinsformen als dekadentes Establishment zu brandmarken und die Sehnsucht nach einem „Take back control“ zu schüren. Fakt ist aber auch, dass sich zahllose Feuilleton-Serien ernsthaft mit Männern als dem heute schwachen und benachteiligten Geschlecht beschäftigen oder aber der überwiegende Anteil der Selbstmorde, aber eben auch Attentate und Amokläufe von Männern begangen werden. Was kann vor diesem zeitgenössischen Hintergrund Strindbergs „Der Vater“ noch an Wahrhaftigkeit produzieren? Kann es gelingen, sich dem Drama unvoreingenommen zu nähern und es in den Dienst zu nehmen für ein gemeinsames, offenes, auch verstörendes und verunsicherndes Nachdenken über das Mensch-Sein heute?

Inszenierung: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Marysol del Castillo
Video: Claudia Lehmann, Lilli Thalgott
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Der Vater

1 Theater

Hochdeutschland

nach dem Roman von Alexander Schimmelbusch

Protestbewegungen finden meistens auf der Straße statt. Organisiert wird sich im Internet, aber was am Ende zählt, ist die Sichtbarkeit auf der Straße. Verfolgt man die aktuelle Nachrichtenlage, stellt sich rasch die Frage: Protestiert bald halb Europa? Seien es die Schüler*innen, die sich europaweit unter dem Motto #fridaysforfuture versammeln, um gegen den Klimawandel und eine lasche Umweltpolitik zu protestieren oder die Proteste der gilet jaunes in Frankreich, eine Bewegung, die die altbekannten politischen Grenzziehungen verwischt hat und Bürger*innen unterschiedlichster Haltungen vereint. Die Proteste gehen in großen Teilen von Menschen aus, die nicht von dem herrschenden System profitieren, denen im wortwörtlichen Sinn ihre Zukunft genommen wird. Aber wie sieht es bei denen aus, die auf der anderen Seite stehen, diejenigen, die den Kapitalismus am Laufen halten, denjenigen, die profitieren? Der Protagonist des Romans, der Investmentbanker Victor, ist genau so jemand. Er hat alles und ist doch nicht glücklich. Victor beschließt zu handeln. Er gründet eine populistische Bewegung und sucht seine private Erlösung im politischen Protest. Kann sich das System von innen selbst zerstören? Wie weit ist die Elite in Deutschland von der Realität entfernt? Deutschland 2019: Braucht es einen Neuanfang?

Inszenierung: Kevin Barz
Bühne: Manuel La Casta
Kostüme. Veronica Silva Klug
Licht. Christian Schweig
Dramaturgie. Valerie Göhring

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Hochdeutschland

20.07.19, 08:59, hansheckel: Einfach schrecklich 1

Sehr geehrter Herr Lilienthal,
heute am 19. 7. war ich in der Kammer2 und habe ?Hochdeutschland? gesehen bzw. teilweise gehört. Es gab dort den Hinweis:
Achtung
In der Aufführung kommen stroboskopähnliche Lichteffekte zum Einsatz.
Ich muss bemängeln, diese Warnung ist unvollständig.
Sie hätte ergänzt werden müssen um den Zusatz ?Zuschauern, die wegen sehr schnellen Sprechens der Darsteller, wegen lautstarker Unterlegung der Sprache mit dröhnender Musik bzw Gebrülls Verständnis-Probleme haben, wird vom Besuch dieser Vorstellung abgeraten.?

Ihnen dürfte diese Klage bekannt sein, besonders aus dem älteren Publikum. Das kann Ihnen eigentlich egal sein, da im Schauspielhaus ja immer noch der gesprochene Text in Englisch als Obertitel eingeblendet wird, so dass man einigermaßen folgen kann. Hier aber gab es das nicht, und wenn ich nicht schon bei der Einführung durch Ihre Dramaturgin erfahren hätte, um was es geht, ich hätte nichts kapiert.
Ich glaube, das war für mich die ärgerlichste, frustrierendste, unverstehbarste und somit sinnloseste Aufführung zum Abschluss dieser Spielzeit gewesen. Schade ums Geld, schade um den Abend, schade um meine zertretene Motivation.

Sie verstehen nicht, wovon ich rede?
Die beiden Frauen waren so lange zu verstehen, wie sie klar artikulierten und nicht von der dröhnend eingespielten Musik übertönt wurden. Der weiße Mann auch, aber ab Mitte des Stücks wurde er schneller und schneller, dann brüllte er dermaßen, dass man nur noch auf die Uhr schauen und das Ende herbeisehnen konnte. Der Schwarze, den man wohl als Quotenmann mit hinzu genommen hatte, also um zu zeigen, wie sehr wir uns um Integration bemühen und auch, dass wir alles andere als rassistisch sind, war eine Zumutung. Einzelne Worte verstand man, er gab sich ja alle Mühe, aber auch das ist eine peinliche Form des Rassismus: Schaut her, wir lassen ihn spielen, auch wenn man ihn nicht versteht.
Falls Sie, Herr Lilienthal, für all dieses nicht verantwortlich sind, bitte ich Sie um Weiterleitung an das zuständige Personal.
Mit freundlichen Grüßen!
Hans Heckel

8

Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Münchner Kammerspiele

Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Theater Theaterakademie August Everding
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Theater Fabriktheater Traunstein e.V. Traunstein, Crailsheimstraße 12
Fr, 18.10.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater Fabriktheater Traunstein e.V. Traunstein, Crailsheimstraße 12
Sa, 19.10.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater Fabriktheater Traunstein e.V. Traunstein, Crailsheimstraße 12
So, 20.10.2019, 20:00 Uhr
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17

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