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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

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Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

Bewertungschronik

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Münchner Kammerspiele

Theater

Im Dickicht der Städte

nach Bertolt Brecht

Premiere: 25. Januar 2020

Die Geschichte der Menschheit ist ein Haufen ungeordnetes Material. Wie kommt man ihr bei, wenn die Handlungen unserer Zeit durch alte (oft der Literatur entlehnte) Motive nicht mehr erklärbar sind – fragt sich der junge Brecht. In seinem Stück soll es daher um einen Kampf gehen. Aber nicht um einen Kampf wie in den alten Tragödien oder auf den Schlachtfeldern, sondern um einen Kampf, nur des Spaßes an der Sache willen, getrieben von der Leidenschaft für den Sport, einen „metaphysischen“ Kampf. Aber ist so ein Kampf überhaupt zu gewinnen? Oder gibt es am Ende nur mehr Verlierer als zuvor? Entstanden ist ein inkohärentes Stück, eine Herausforderung, in „der sich der Philosoph besser zurechtfinden wird als der Psychologe.“ Die beiden Protagonisten, der Holzhändler Shlink und sein Gegenüber George Garga, Angestellter einer Leihbücherei, beginnen einen Kampf. Warum? Keine Ahnung. Wie er endet? Mit dem wohl schönsten Satz Brechts: „Allein sein ist eine gute Sache. Das Chaos ist aufgebraucht. Es war eine gute Zeit.“ Was dazwischen passiert? Beide setzen alles aufs Spiel: Beruf, Reputation, Haus, Familie, Freunde, die Liebe und letztendlich das Leben. Dass der Kampf nicht einer gegen den anderen ist, sondern einer gegen die unendliche Vereinzelung des Menschen, gegen die Lebensrealität in der Großstadt, ja gegen die unendliche schicksalhafte Einsamkeit, merken die Protagonisten zu spät – und passen damit leider überraschend gut in unsere Gegenwart.

Nach seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Arbeit „Trommeln in der Nacht“ stellt sich Christopher Rüping wieder dem Frühwerk des Autors Bertolt Brecht.

Bühne: Jonathan Mertz
Musik: Christoph Hart
Kostüme: Lene Schwind
Dramaturgie: Valerie Göhring

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Theater

REIN GOLD. Ein Bühnenessay

von Elfriede Jelinek // JAHRGANGSINSZENIERUNG DES 3. STUDIENJAHRES DER OTTO FALCKENBERG SCHULE

Premiere: 05. Februar 2020

Lassen sich Verhältnisse denken, die nicht von kapitalistischen Wirkmechanismen geprägt sind, in denen nicht das Geld die Welt und gefährliche Heldenmythen die Köpfe regieren? In einem monumentalen Streitgespräch diskutieren Göttervater Wotan und Lieblingstochter Brünnhilde Wagners „Ring“, Marx’ „Kapital“, die Bankenkrise und die Morde der Zwickauer Nazi-Terrorzelle NSU.

Inszenierung: Christiane Pohle
Dramaturgie: Hubert Bauer
Bühne: Dorothee Curio
Ausstattungsmitarbeit: Cristina Lelli
Regieassistenz: Ayşe Güvendiren

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Theater

Passing - It's so easy, was schwer zu machen ist

Uraufführung: 29. Februar 2020

Warum war ich so glücklich? Und ich wünschte, die Frage würde mich nicht mehr interessieren. Warum war ich so glücklich? Ich hatte so einen banalen und schönen Alltag wie jedermann. Es war endlich mal langweilig, sowas kannte ich gar nicht. Es war einfach normal, und ich war zum ersten Mal glücklich. Natürlich waren wir beide nicht normal, aber zusammen irgendwie schon. Ich war so glücklich, ich kann es überhaupt nicht sagen. Vielleicht weil es mir so vorkam, als hätte das alles nebenan stattgefunden. Mir kam es so vor, als wäre ich in etwas hineingeraten, das nebenan stattfindet. Das war gar nicht meines, und deshalb war ich so glücklich. Das, was nebenan gesprochen wird, das kann man akzeptieren. Das ist wie im Theater. Die Leute gehen deshalb ins Theater, weil sie wissen, es passiert nebenan. Das Wichtigste passiert immer nebenan. Dabei müssen die nicht mal neben einem Theater wohnen. Das, was sie Bock hätten zu sagen, das, was wirklich mit ihnen zu tun hat, passiert mit einem ganz anderen Text, und nicht mit irgendeinem eigenen. Das ist eben nicht auf direktem Weg zu haben, das, was man gerne sagen will. Direkt, was soll das auch sein? Nein, ich will meine eigenen Geschichten nicht hören, ich will sie auch nicht erzählen. Ich weiß ja von Anfang an, ich bin eher der Text, der nichts mit mir zu tun hat.

René Polleschs Stücke arbeiten mit den Mitteln der Theorie an der Befreiung des Denkens aus dem „Common Sense“. In seinen Arbeiten werden komplexe Ideen konkret, abstrakte Begriffe körperlich. Mit „Passing – It’s so easy, was schwer zu machen ist“ inszeniert Pollesch zum ersten Mal seit 2013 wieder an den Münchner Kammerspielen.

Video: Amon Ritz, Ute Schall
Bühne und Kostüme: Nina von Mechow
Licht: Charlotte Marr
Dramaturgie: Tarun Kade

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Theater

The Vacuum Cleaner

Von Toshiki Okada

No Future? Schätzungen zufolge haben sich etwa eine Million Japaner*innen aus der Gesellschaft zurückgezogen und verlassen ihr Zimmer kaum oder gar nicht. Man nennt sie Hikikomori. Viele von ihnen wohnen bei ihren Eltern, so lange sie leben. Viele von ihnen können den auf sie ausgeübten Druck, doch endlich zum funktionierenden Mitglied der Gesellschaft zu werden, nicht mehr ertragen. Viele von ihnen sehen ihren Rückzug als Reaktion auf den Zustand der Verhältnisse: „Nicht ich bin sonderbar, die Welt ist es.“

Nach „No Sex“, „Nō Theater“ und „Hot Pepper, Air Conditioner and The Farewell Speech“ inszeniert Toshiki Okada, einer der wichtigsten Theatermacher Asiens und Spezialist im unter-die-Lupe-Nehmen zeitgenössischer japanischer Lebens- und Arbeitswelten, zum vierten Mal an den Münchner Kammerspielen. Sein neues Stück „The Vacuum Cleaner“ spielt am Ort des Rückzugs, im Zuhause. Im Zentrum eine eher ungewöhnliche Familie. In einem engen Haus mit dünnen Wänden, in dem nur das Geräusch des Staubsaugers immer wieder ein wenig Privatsphäre behauptet. Wie lässt sich hier zusammen leben? Oder ist das eigentlich auch egal, irgendwie?

Übersetzung: Andreas Regelsberger
Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Licht: Pit Schultheiss
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Kostüme: Tutia Schaad
Dramaturgie: Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

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Theater

Die Räuberinnen

NACH FRIEDRICH SCHILLER

Im Spiel, schrieb Schiller, sei der Mensch wirklich frei und nach dieser Freiheit sehne er sich. Für die Regisseurin Leonie Böhm ist das Theater ein fantastischer Ort für diese Suche nach Freiheit. Hier wird gespielt und experimentiert – und das live und gemeinsam. Leonie Böhm wählt dazu „Die Räuber“, das Werk, mit dem sich der junge Schiller selber das erste Mal als Theaterautor ausprobiert hat. Schillers Text erzählt von den Brüdern Franz und Karl Moor, die unter der fehlenden Anerkennung ihres Vaters leiden. Der Vater ist dabei Vieles: ein internalisierter Kritiker, Publikum, der Spiegel der Gesellschaft und ein altes Prinzip. Im Versuch sich zu emanzipieren, verlieren sich die Brüder in den Wäldern und in Gedanken. „Wozu ich mich machen will, ist meine Sache nun“, ruft Franz. Warum sollte man nicht nach eigenen Fiktionen leben? Wozu die Schranken? Wie kommen wir wieder ins Spiel?

Gemeinsam mit dem Ensemble nimmt Leonie Böhm den alten Text als Material, um es selbst einmal zu versuchen, um die Seele „bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen“. Wirkliche Nähe ohne Zwang, eigene Gesetze, keine Angst. Raus aus den Mustern, rein in die Liveness. Ganz „frei“ nach Schiller.

Live-Musik: Friederike Ernst
Mitarbeit Inszenierung: Susanne Wagner
Bühne: Zahava Rodrigo
Licht: Jürgen Tulzer
Musik: Friederike Ernst
Kostüme: Mascha Mihoa Bischoff
Dramaturgie: Helena Eckert

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Theater

Nirvanas Last

Am 1. März 1994 spielt Nirvana ein Konzert auf dem ehemaligen Flughafen Riem – nicht einmal sie selbst wissen, wie historisch dieses Konzert tatsächlich werden soll. Nur Bassist Krist Novoselić ist prophetisch genug, an diesem Abend immer wieder Sätze wie „Grunge is dead“ in die Ansagen einzustreuen. Nach dem Konzert werden alle Tourtermine in Europa abgesagt. Einen Monat später wird Cobain in seinem Haus in Seattle tot aufgefunden. Das Münchner Konzert sollte der letzte Auftritt der Band sein.
Damian Rebgetz greift in „Nirvanas Last“ diese Begebenheit auf und erforscht zugleich die Geschichte des Münchner Nachtlebens. Der Flughafen Riem, Ort des letzten Nirvana Konzerts, etwa wurde nach fünf Jahren Zwischennutzung in die Messestadt Riem verwandelt. Die Partyszene musste das Gelände verlassen und neue Orte erschließen.
„Nirvanas Last“ erinnert, als Requiem auf einen rebellischen Antihelden, an die antikapitalistische Gegenkultur, die Nirvana so erfolgreich machten, dass sie selbst zum neuen Mainstream wurden.

Inszenierung: Damian Rebgetz
Bühne: Janina Sieber
Kostüme: Veronika Schneider
Video: Amon Ritz
Musik: Paul Hankinson, Damian Rebgetz
Licht: Max Kraußmüller
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Übersetzung Songtexte: Ann Cotten

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Theater

Tiefer Schweb

Ein Auffangbecken von Christoph Marthaler

Bisher hatten die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsbehörde der Bodenseeregionen (ZVB) den unerwarteten Anstieg des Antragsvolumens als temporäres Phänomen abgehakt. Stets waren sie ruhig und sachlich geblieben, sogar noch dann, als das beunruhigende Gerücht von einem „Tag X“ in Umlauf geriet. Als dieser schließlich mit offiziellem Datum besiegelt wurde, fand man die Büros der Behörde auf einmal verwaist. Alle Angestellten waren verschwunden, kurzfristig abgetaucht in unbekannter Mission. Oder einfach: „Tiefer Schweb“ – wie man an den Ufern des Bodensees zu sagen pflegt, anlässlich solch rätselhafter Fälle und in Anspielung auf die Bezeichnung des tiefsten und unergründeten Areals des Binnenmeers. Hier nämlich im Dreiländereck, wo die Grenzen Österreichs, der Schweiz und Deutschlands so eng verlaufen, dass man in Zeiten des freien Personenverkehrs innerhalb von Sekunden drei Staaten besuchen konnte, haben sich die Beamten mit ihren Angehörigen an einen geheimen Ort zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Vorkehrungen zu treffen für den unausweichlich bevorstehenden Moment der Wahrheit.

Christoph Marthaler, der mit seinen eigenwilligen und poetischen Musiktheaterabenden das Publikum für sich einzunehmen weiß, kehrt mit dieser Inszenierung nach vielen Jahren zurück nach München.

Inszenierung: Christoph Marthaler
Konzeption: Christoph Marthaler, Malte Ubenauf, Ueli Jäggi Bühne Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Jürgen Tulzer
Musikalische Leitung: Jürg Kienberger
Dramaturgie: Malte Ubenauf

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Theater

Melancholia

von Lars von Trier

„Eine Frau zu sein, bedeutet noch immer, im rein Psychologischen gefangen zu sein. Ganz egal, wie leidenschaftslos oder groß die Vision von der Welt ist, die eine Frau ausformuliert – wann immer diese Vision ihre eigene Erfahrung und Emotion beinhaltet, wird das Teleskop auf sie selbst zurückgerichtet.“ (Chris Kraus, „I Love Dick“)

Justine sehnt das Ende der Welt herbei, dabei scheint von außen betrachtet in ihrem Leben alles bestens zu laufen. Ihr Freund Michael liebt sie von ganzem Herzen, und die Hochzeit steht unmittelbar bevor. Der Chef der Werbeagentur, in der sie arbeitet, behandelt sie als „High Potential“ und befördert sie zum Art Director. Und ihre Schwester Claire unterstützt sie liebevoll in allem, was sie tut. Doch all das kann Justine nicht erfreuen. Ihr Drang, die heile Welt um sich herum kaputt zu machen, ist zu groß. Erst als der Planet Melancholia auf die Erde zurast und eine Kollision unausweichlich scheint, wird sie ruhig. Ist Lars von Triers Filmkunstwerk „Melancholia“ die Geschichte einer kranken Frau? Oder ist es eine Erzählung über eine Welt, der man mit Recht den Untergang wünscht? Ist das Ende ein Grund, sich in Düsterkeit zu versenken? Oder kann man ihm gar voller Optimismus entgegensehen? Was geschieht, wenn Planeten ihre gewohnte Umlaufbahn verlassen, und aufeinander treffen? Bei von Trier steckt in der Aussicht des Endes auch die Möglichkeit, dass sich die Dinge noch einmal wenden. Vielleicht zum Besseren.

Felix Rothenhäusler inszenierte an den Kammerspielen zuletzt Ryan Trecartins „The Re’Search“ und Eugène Labiches „Trüffel Trüffel Trüffel“. Lars von Triers apokalyptische Überwältigungsoper „Melancholia“ wird bei ihm zum lustvoll-transparenten Sprech-Denk-Spiel. Das Ende der Welt – die Musik spielt auf.

Inszenierung: Felix Rothenhäusler
Bühne: Katharina Pia Schütz
Kostüme: Elke von Sivers
Musik: Christian Naujoks
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Tarun Kade

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Performance

#Genesis

A Starting Point // von Yael Ronen und dem Ensemble

Die israelische Regisseurin Yael Ronen wendet sich nach ihrer Inszenierung „Point of No Return“ an den Kammerspielen nun dem „Starting Point“ zu und wird da nachlesen, wo vermeintlich alles begonnen hat: Das 1. Buch Mose, hebräisch Bereschit, altgriechisch Genesis genannt, beschreibt die Erschaffung der Welt. Es beschreibt Gott zunächst als den Regisseur, den Schöpfer, der die Welt erschaffen und geordnet hat (Gen. 1,1 – 1,3). Die mythischen Gleichnisse der Genesis sind vielfach und kontrovers interpretiert, gleichwohl sind sie die Wurzel der abendländischen Kultur. In ihrer Bildhaftigkeit und Symbolik erzählt die Genesis beispielsweise von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes. Ist das schon die Wurzel einer patriarchalen Weltordnung? Und warum wird Gott gemeinhin als ein männliches Wesen wahrgenommen? Gemeinsam mit dem Ensemble untersucht Yael Ronen einzelne Fragmente der Genesis, um zu erkunden, auf welche Weise uns die biblischen Bilder geprägt haben und was sie uns heute bedeuten. Während die Genesis wie viele andere Mythen zur Orientierung und Identitätsfindung archaischer Kulturen diente, stützt sich die Inszenierung auf die Frage, welche Perspektive wir heute zu einzelnen Themen einnehmen und was aus der Welt geworden ist, die dem Menschen zu Beginn der Genesis überantwortet wird. Viele aktuelle Themen nämlich lassen sich bis zum Buch der Bücher zurück verfolgen: Naturbeherrschung, Geschlechterdebatte, Motive von Neid und Gewalt, bis hin zur der Frage, ob die Menschheit im Zuge technologischer Fortschritte im Begriff ist nach dem Baum des Lebens zu greifen. Die Version Yael Ronens und des Ensembles schlägt eine neue Perspektive auf einzelne Motive der Genesis vor und schreibt die Geschichte des Menschen, der Menschen auf der Bühne fort.

Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Video: Stefano di Buduo
Musik: Yaniv Fridel
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Künstlerische Mitarbeit: Niels Bormann

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Theater

Judas

von Lot Vekemans

JUDAS handelt von einem Mann, dessen Name für Verrat steht. Ein Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden... Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: Er inszeniert einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde. Lot Vekemans

Inszenierung: Johan Simons
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Henriette Müller
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Maarten Schumacher
Dramaturgie: Julia Lochte

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Schauspiel

Dionysos Stadt

Christopher Rüping

10 Stunden Theater über die Probleme von Menschen, die vor 2500 Jahren gelebt haben? Die sich an Prometheus, Achill, Kassandra, Elektra und Odysseus abarbeiten? Die Macht der Götter, der Fluch der Atriden, unauflösliche Konflikte, nicht enden wollende Kriege. Doch die nicht ganz so alten Griechen wollen nicht länger Opfer des Schicksals sein, von äußeren Zwängen determiniert werden, die ständig und unausweichlich über sie hineinbrechen. Sie treten in Konflikt mit den Göttern und der Welt der Mythen, beginnen zu hadern, auch wenn jeder Ausweg zunächst der Falsche zu sein scheint, schuldbeladen und fatal. Heute haben die Menschen andere Probleme, oder? Aber die erste Demokratie der Welt, die im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen entstand, verhandelte diese Themen im Theater, das Volksfest und -versammlung zugleich war: ein Kult der kollektiven Emanzipation. Das damalige Publikum in Athen eignete sich in Tragödien, Komödien und Satyrspielen die alten Stoffe an, machte sie erlebbar und überwindbar. Hausregisseur Christopher Rüping und die Schauspielerinnen und Schauspieler der Münchner Kammerspiele vergegenwärtigen nun ihrerseits die Figuren, Texte und politischen Umstände des griechischen Dramas und nähern sich den Fragen und Konflikten der Antike aus zeitgenössischer Perspektive.

Live-Musik: Matze Pröllochs
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Susanne Steinmassl
Musik: Jonas Holle, Matze Pröllochs
Licht: Christian Schweig
Dramaturgie: Valerie Göhring, Matthias Pees
Host und Environment: Felix Lübkemann

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Performance

The Hairs Of Your Head Are Numbered

von Doublelucky Productions

Der menschliche Körper begegnet uns zunehmend als Datenkörper. Bewegungen, Emotionen und Zustände werden vermessen, quantifiziert. Gleichzeitig werden diese Daten zum Spiegel, in dem wir unsere Körper sehen. War der Mensch bis vor Kurzem die analoge Lücke in der digitalen Welt, schließt sich diese Lücke mit unserer tatkräftigen Hilfe zusehends: Immer mehr Menschen haben Vergnügen daran, mittels Life Tracking den eigenen Körper auf Schritt und Tritt zu analysieren und in soziale Netzwerke zu kommunizieren oder die Gefühle anderer mithilfe von Smartphone Apps auszulesen.

In ihrer Performance „The Hairs Of Your Head Are Numbered“ macht die Berliner DigitalArts-Gruppe doublelucky productions um Christiane Kühl und Chris Kondek den Körper zum Schauplatz: Mittels komplexer Technologien, für die Theatersituation umprogrammiert, werden seine Bedürfnisse und Defizite in der digitalen Verstärkung spürbar. Gleichzeitig wird das Manipulationspotential solcher Technologien sichtbar. Mit dieser Koproduktion setzen die Münchner Kammerspiele ihre Beschäftigung mit Digitalität und Künstlicher Intelligenz und ihrer Bedeutung für die Darstellende Kunst fort.

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3 Theater

Hochdeutschland

nach dem Roman von Alexander Schimmelbusch

Protestbewegungen finden meistens auf der Straße statt. Organisiert wird sich im Internet, aber was am Ende zählt, ist die Sichtbarkeit auf der Straße. Verfolgt man die aktuelle Nachrichtenlage, stellt sich rasch die Frage: Protestiert bald halb Europa? Seien es die Schüler*innen, die sich europaweit unter dem Motto #fridaysforfuture versammeln, um gegen den Klimawandel und eine lasche Umweltpolitik zu protestieren oder die Proteste der gilet jaunes in Frankreich, eine Bewegung, die die altbekannten politischen Grenzziehungen verwischt hat und Bürger*innen unterschiedlichster Haltungen vereint. Die Proteste gehen in großen Teilen von Menschen aus, die nicht von dem herrschenden System profitieren, denen im wortwörtlichen Sinn ihre Zukunft genommen wird. Aber wie sieht es bei denen aus, die auf der anderen Seite stehen, diejenigen, die den Kapitalismus am Laufen halten, denjenigen, die profitieren? Der Protagonist des Romans, der Investmentbanker Victor, ist genau so jemand. Er hat alles und ist doch nicht glücklich. Victor beschließt zu handeln. Er gründet eine populistische Bewegung und sucht seine private Erlösung im politischen Protest. Kann sich das System von innen selbst zerstören? Wie weit ist die Elite in Deutschland von der Realität entfernt? Deutschland 2019: Braucht es einen Neuanfang?

Inszenierung: Kevin Barz
Bühne: Manuel La Casta
Kostüme. Veronica Silva Klug
Licht. Christian Schweig
Dramaturgie. Valerie Göhring

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Hochdeutschland

20.07.19, 08:59, hansheckel: Einfach schrecklich 2

Sehr geehrter Herr Lilienthal,
heute am 19. 7. war ich in der Kammer2 und habe ?Hochdeutschland? gesehen bzw. teilweise gehört. Es gab dort den Hinweis:
Achtung
In der Aufführung kommen stroboskopähnliche Lichteffekte zum Einsatz.
Ich muss bemängeln, diese Warnung ist unvollständig.
Sie hätte ergänzt werden müssen um den Zusatz ?Zuschauern, die wegen sehr schnellen Sprechens der Darsteller, wegen lautstarker Unterlegung der Sprache mit dröhnender Musik bzw Gebrülls Verständnis-Probleme haben, wird vom Besuch dieser Vorstellung abgeraten.?

Ihnen dürfte diese Klage bekannt sein, besonders aus dem älteren Publikum. Das kann Ihnen eigentlich egal sein, da im Schauspielhaus ja immer noch der gesprochene Text in Englisch als Obertitel eingeblendet wird, so dass man einigermaßen folgen kann. Hier aber gab es das nicht, und wenn ich nicht schon bei der Einführung durch Ihre Dramaturgin erfahren hätte, um was es geht, ich hätte nichts kapiert.
Ich glaube, das war für mich die ärgerlichste, frustrierendste, unverstehbarste und somit sinnloseste Aufführung zum Abschluss dieser Spielzeit gewesen. Schade ums Geld, schade um den Abend, schade um meine zertretene Motivation.

Sie verstehen nicht, wovon ich rede?
Die beiden Frauen waren so lange zu verstehen, wie sie klar artikulierten und nicht von der dröhnend eingespielten Musik übertönt wurden. Der weiße Mann auch, aber ab Mitte des Stücks wurde er schneller und schneller, dann brüllte er dermaßen, dass man nur noch auf die Uhr schauen und das Ende herbeisehnen konnte. Der Schwarze, den man wohl als Quotenmann mit hinzu genommen hatte, also um zu zeigen, wie sehr wir uns um Integration bemühen und auch, dass wir alles andere als rassistisch sind, war eine Zumutung. Einzelne Worte verstand man, er gab sich ja alle Mühe, aber auch das ist eine peinliche Form des Rassismus: Schaut her, wir lassen ihn spielen, auch wenn man ihn nicht versteht.
Falls Sie, Herr Lilienthal, für all dieses nicht verantwortlich sind, bitte ich Sie um Weiterleitung an das zuständige Personal.
Mit freundlichen Grüßen!
Hans Heckel

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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Münchner Kammerspiele

Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Theater Theaterakademie August Everding
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17

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