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Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Theatern im deutschsprachigen Raum. Seit den Anfängen wird das Theater von einem starken Ensemble geprägt, das die Auseinandersetzung mit der Gegenwart sucht. Die Münchner Kammerspiele verstehen sich als ästhetisch innovatives, zeitgenössisches und weltoffenes Stadttheater, das gesellschaftspolitisch ausgerichtet ist.

Kontakt

Münchner Kammerspiele

Falckenbergstraße 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89-233 371 00

 

Spielstätten

Kammer 1
Maximilianstraße 26-28, 80539 München

Kammer 2
Falckenbergstraße 1, 80539 München

Kammer 3
Hildegardstraße 1, 80539 München

Dachkammer
Falckenbergstraße 1, 80539 München
Performance

Unheimliches Tal / Uncanny Valley

von Rimini Protokoll (Stefan Kaegi) und Thomas Melle

Uraufführung: 04. Oktober 2018, Kammer 3

Thomas Melle lädt ein zu einem Abendvortrag über Unstetigkeit. Doch wer spricht und was ist sein Programm? Für „Unheimliches Tal“ kopiert Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) den Schriftsteller Thomas Melle („Die Welt im Rücken“) in Form eines humanoiden Roboters und fragt: Was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird? Kommt das Original sich durch sein elektronisches Double näher? Technik übernimmt allerlei lästige Arbeitsschritte, und wird nun auch auf der Theaterbühne erprobt: Was, wenn anstatt des Vortragenden ein humanoider Roboter auftreten würde? Wird der Roboter zu einem Darsteller, dessen Mimik, Gestik und Sprache womöglich Empathie auslösen könnte – doch Empathie mit wem? Mit Melle selbst, der ja nicht mehr da ist, oder doch schon mit dem Roboter? Wer spricht im unheimlichen Tal? Thomas Melle gibt die Kontrolle ab. Das animatronische Double übernimmt und fragt selbst Abend für Abend: Was bedeutet es für das Original, wenn die Kopie übernimmt? Wird es sichtbarer oder unsichtbarer?

Konzept, Text, Regie: Stefan Kaegi
Text, Körper, Stimme: Thomas Melle
Ausstattung: Eva-Maria Bauer
Animatronik: Chris Creatures
Herstellung und Art des Silikonkopfes / Koloration und Haare: Tommy Opatz
Video: Mikko Gaestel
Musik: Niki Neecke
Licht: William Grüger
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Performance

Morning in Byzantium

Trajal Harrell

Uraufführung: 05. Oktober 2018, Kammer 2

Das Leben ist vergänglich. Eine falsche Bewegung - und alles könnte vorbei sein. Wie für Eurydike, die von ihrem geliebten Orpheus aus dem Totenreich geführt wird. Beide wissen, wenn er den Blick zu ihr wendet, werden sie nie wieder zusammen sein können. Wie für die Rosen, die ein Gärtner voller Hingabe umsorgt, wissend dass ihre Blüte zerbrechlich und vorübergehend ist. Wie für den Protagonisten des Abends, der bereits so viel erfahren und gesehen hat und nun lustvoll den dritten Frühling seines Lebens begeht. Während sich „Juliet & Romeo“ in der ersten Arbeit des amerikanischen Choreografen Trajal Harrell an den Münchner Kammerspielen noch beinahe jugendlich für den Tod entschieden, ist in „Morning in Byzantium“ das Ende zwar eine Möglichkeit, doch die Entscheidung klar: für das Leben!

Bühne: Erik Flatmo, Trajal Harrell
Kostüme: Trajal Harrell
Licht: Stéfane Perraud
Soundtrack: Trajal Harrell
Dramaturgie: Tarun Kade
Schauspiel

Dionysos Stadt

Christopher Rüping

Premiere: 06. Oktober 2018, Kammer 1

10 Stunden Theater über die Probleme von Menschen, die vor 2500 Jahren gelebt haben? Die sich an Prometheus, Achill, Kassandra, Elektra und Odysseus abarbeiten? Die Macht der Götter, der Fluch der Atriden, unauflösliche Konflikte, nicht enden wollende Kriege. Doch die nicht ganz so alten Griechen wollen nicht länger Opfer des Schicksals sein, von äußeren Zwängen determiniert werden, die ständig und unausweichlich über sie hineinbrechen. Sie treten in Konflikt mit den Göttern und der Welt der Mythen, beginnen zu hadern, auch wenn jeder Ausweg zunächst der Falsche zu sein scheint, schuldbeladen und fatal. Heute haben die Menschen andere Probleme, oder? Aber die erste Demokratie der Welt, die im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen entstand, verhandelte diese Themen im Theater, das Volksfest und -versammlung zugleich war: ein Kult der kollektiven Emanzipation. Das damalige Publikum in Athen eignete sich in Tragödien, Komödien und Satyrspielen die alten Stoffe an, machte sie erlebbar und überwindbar. Hausregisseur Christopher Rüping und die Schauspielerinnen und Schauspieler der Münchner Kammerspiele vergegenwärtigen nun ihrerseits die Figuren, Texte und politischen Umstände des griechischen Dramas und nähern sich den Fragen und Konflikten der Antike aus zeitgenössischer Perspektive.

Live-Musik: Matze Pröllochs
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Susanne Steinmassl
Musik: Jonas Holle, Matze Pröllochs
Licht: Christian Schweig
Dramaturgie: Valerie Göhring, Matthias Pees Host und Environment Felix Lübkemann
Performance

#Genesis

A Starting Point // von Yael Ronen und dem Ensemble

Uraufführung: 28. Oktober 2018, Kammer 1

Die israelische Regisseurin Yael Ronen wendet sich nach ihrer Inszenierung „Point of No Return“ an den Kammerspielen nun dem „Starting Point“ zu und wird da nachlesen, wo vermeintlich alles begonnen hat: Das 1. Buch Mose, hebräisch Bereschit, altgriechisch Genesis genannt, beschreibt die Erschaffung der Welt. Es beschreibt Gott zunächst als den Regisseur, den Schöpfer, der die Welt erschaffen und geordnet hat (Gen. 1,1 – 1,3). Die mythischen Gleichnisse der Genesis sind vielfach und kontrovers interpretiert, gleichwohl sind sie die Wurzel der abendländischen Kultur. In ihrer Bildhaftigkeit und Symbolik erzählt die Genesis beispielsweise von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes. Ist das schon die Wurzel einer patriarchalen Weltordnung? Und warum wird Gott gemeinhin als ein männliches Wesen wahrgenommen? Gemeinsam mit dem Ensemble untersucht Yael Ronen einzelne Fragmente der Genesis, um zu erkunden, auf welche Weise uns die biblischen Bilder geprägt haben und was sie uns heute bedeuten. Während die Genesis wie viele andere Mythen zur Orientierung und Identitätsfindung archaischer Kulturen diente, stützt sich die Inszenierung auf die Frage, welche Perspektive wir heute zu einzelnen Themen einnehmen und was aus der Welt geworden ist, die dem Menschen zu Beginn der Genesis überantwortet wird. Viele aktuelle Themen nämlich lassen sich bis zum Buch der Bücher zurück verfolgen: Naturbeherrschung, Geschlechterdebatte, Motive von Neid und Gewalt, bis hin zur der Frage, ob die Menschheit im Zuge technologischer Fortschritte im Begriff ist nach dem Baum des Lebens zu greifen. Die Version Yael Ronens und des Ensembles schlägt eine neue Perspektive auf einzelne Motive der Genesis vor und schreibt die Geschichte des Menschen, der Menschen auf der Bühne fort.

Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Video: Stefano di Buduo
Musik: Yaniv Fridel
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Künstlerische Mitarbeit: Niels Bormann
Theater

Trommeln in der Nacht

von Bertolt Brecht

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet. Und entschließt sich, die Aufständischen zu verlassen und mit seiner Frau nach Hause zu gehen.
Nach „Der Spieler“, „Hamlet“ und zuletzt „Miranda Julys Der erste fiese Typ“ inszeniert Christopher Rüping, Hausregisseur der Kammerspiele, Brechts Geschichte aus einer bewegten Zeit. Dass die Uraufführung vor fast 100 Jahren an den Kammerspielen stattfand, ist dabei mehr als nur ein Detail.

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Licht: Christian Schweig
Musik: Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Der Vater

von August Strindberg

1887 – Strindbergs „Der Vater“ wird in Kopenhagen uraufgeführt. Nicht erst in diesem Stück formuliert der schwedische Dramatiker seine Skepsis gegenüber einer aufkommenden, in seinen Augen in ihren Forderungen zu weitreichenden, feministischen Bewegung. Er stellt einen Vater ins Zentrum seiner Handlung: zunächst der Herr im Haus, der qua Recht und Tradition über die Finanzen, aber auch die Erziehung seiner Tochter entscheidet, ist er schließlich der große Verlierer – aufgerieben an den Ansprüchen der Frauen an ihn und jenen einer (patriarchalen) Gesellschaft an sein Mann-Sein. Schließlich treibt ihn der (vermeintliche) Komplott seiner Frau in den Wahnsinn. Heute erscheint uns Strindbergs Drama über das scheinbare Heraufdämmern des Endes des Patriarchats bzw. eines Patriarchen am Ende bei aller Meisterschaft der inneren Dramatik auf den ersten Blick vor allem als reaktionär. Oder aber: wie der Wahn eines in eine neue Rolle gestürzten und mit den Bewegungen der Zeit hilflos überforderten Autoren. 2018 – „Angry White Men“ allerorten. Breite Gesellschaftsschichten stellen Emanzipationsbewegungen, die unumkehrbar schienen, in Frage. Salonfähig ist, über den „Gender-Wahn“ herzuziehen, diskriminierte Identitätsweisen und Daseinsformen als dekadentes Establishment zu brandmarken und die Sehnsucht nach einem „Take back control“ zu schüren. Fakt ist aber auch, dass sich zahllose Feuilleton-Serien ernsthaft mit Männern als dem heute schwachen und benachteiligten Geschlecht beschäftigen oder aber der überwiegende Anteil der Selbstmorde, aber eben auch Attentate und Amokläufe von Männern begangen werden. Was kann vor diesem zeitgenössischen Hintergrund Strindbergs „Der Vater“ noch an Wahrhaftigkeit produzieren? Kann es gelingen, sich dem Drama unvoreingenommen zu nähern und es in den Dienst zu nehmen für ein gemeinsames, offenes, auch verstörendes und verunsicherndes Nachdenken über das Mensch-Sein heute?

Inszenierung: Nicolas Stemann
Theater

Zeit zu lieben Zeit zu sterben

von Fritz Kater

Jahrgangsinszenierung des 3. Studienjahres Schauspiel der Otto Falckenberg Schule

Atemlos und lakonisch erzählt Fritz Kater vom Aufbruch ins Leben. Der Mikrokosmos der ehemaligen DDR scheint als atmosphärischer Hintergrund auf, doch die Geschichte ist universell: Sie handelt vom Mut, den es braucht, als junger Mensch in einem starren System die eigene Zukunftsvision zu behaupten. Und vom Schmerz, den es bereitet, sie loszulassen.

Inszenierung: Robert Lehniger
Bühne und Kostüme: Kathrin Krumbein
Musik: Daniel F.E. Friedel
Dramaturgie: Beret Evensen
Theater

No Sex

Von Toshiki Okada

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

Inszenierung: Toshiki Okada
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Tutia Schaad
Musik: Kazuhisa Uchihashi
Licht: Pit Schultheiss
Dramaturgie: Tarun Kade, Makiko Yamaguchi
Theater

Judas

von Lot Vekemans

JUDAS handelt von einem Mann, dessen Name für Verrat steht. Ein Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden... Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: Er inszeniert einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.

Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde. Lot Vekemans

Inszenierung: Johan Simons
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Henriette Müller
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Maarten Schumacher
Dramaturgie: Julia Lochte
Theater

Die Attentäterin

In einer Fassung von Amir Reza Koohestani, nach dem Roman von Yasmina Khadra

65% aller „erfolgreichen“ Selbstmordattentate werden von Frauen verübt. Doch von allen Selbstmordattentaten überhaupt sind es nur 15 %, für die Frauen verantwortlich sind. Weibliche suicide bombers geben der Forschung Rätsel auf: Toten sie wie die Männer im Namen eines Landes, einer Religion, eines Anführers? Sind es womöglich romantische Grunde wie die Liebe zu einem Mudschahed, die Frauen in den „altruistischen Suizid“ treiben? Oder kämpfen sie auch für ihr Geschlecht und gegen die fast immer patriarchal organisierten Gesellschaften, in denen sie meist leben und die Frauen oftmals nur einen sehr eng bemessenen Entfaltungsspielraum zumessen? Der 1978 in Schiras im Iran geborene Regisseur und Autor Amir Reza Koohestani, der seit vielen Jahren seine mit der „Mehr Theatre Group“ in Teheran erarbeiteten Stücke auf Gastspielen in Europa zeigt, inszeniert zum zweiten Mal an den Kammerspielen. Nach seiner identitätspolitisch versierten und poetisch aufgeladenen Inszenierung von „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud inszeniert er nun den Roman „Die Attentäterin“ des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra. Mit seinem 2005 erschienenen Buch verursachte er eine kleine literarische Sensation, indem er sich nicht mit der Unfassbarkeit des Grauens abfand, sondern die terroristische Psyche zu verstehen suchte.

Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Negar Nemati
Video: Benjamin Krieg
Musik: Bamdad Afshar
Licht: Christian Schweig
Übersetzung: Sima Djabar Zadegan
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

La Sonnambula

Nach der Oper von Vincenzo Bellini und Felice Romani

„From time to time, it’s time to leave“, singt Andreas Spechtl von Ja, Panik auf seinem Solo-Album „Sleep“ (siehe Konzert am 22.01., Kammer 2). Den müden Kopf ablegen. Ausschlafen. Endlich. Nur was, wenn der Schlaf nicht mehr die abseitige Insel der Seligen ist, sondern der Lärm der Welt hinüberschwappt? Wo Ruhe finden, wenn nicht einmal der Schlaf mehr sein Versprechen hält?

Ein Ensemble aus Rastlosen, das die Heimat verlassen und sich der Musik übereignet hat, begibt sich in die nur vermeintlich stille Welt des Schlafes, die der italienische Komponist Vincenzo Bellini vor fast 200 Jahren für ein wachträumendes Mädchen namens Amina erschaffen hat. Mit „La Sonnambula“ und dem ungarischen Regisseur David Marton, der seit vielen Jahren Oper und Theater miteinander in Kontakt bringt, machen sich die Musiker auf in die schlummernde Welt, in der zwar niemand Ruhe vor dem Lärm findet, aber in der vielleicht Musik der Betriebsamkeit etwas entgegnen kann. David Martons Opernhaus-Projekt seine erste Inszenierung – eine Ahnung ploppt auf, und sei es nur ein Ton, der nicht verklingen will. Für einen Moment.

Inszenierung: David Marton
Theater

Tiefer Schweb

Ein Auffangbecken von Christoph Marthaler

Bisher hatten die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsbehörde der Bodenseeregionen (ZVB) den unerwarteten Anstieg des Antragsvolumens als temporäres Phänomen abgehakt. Stets waren sie ruhig und sachlich geblieben, sogar noch dann, als das beunruhigende Gerücht von einem „Tag X“ in Umlauf geriet. Als dieser schließlich mit offiziellem Datum besiegelt wurde, fand man die Büros der Behörde auf einmal verwaist. Alle Angestellten waren verschwunden, kurzfristig abgetaucht in unbekannter Mission. Oder einfach: „Tiefer Schweb“ – wie man an den Ufern des Bodensees zu sagen pflegt, anlässlich solch rätselhafter Fälle und in Anspielung auf die Bezeichnung des tiefsten und unergründeten Areals des Binnenmeers. Hier nämlich im Dreiländereck, wo die Grenzen Österreichs, der Schweiz und Deutschlands so eng verlaufen, dass man in Zeiten des freien Personenverkehrs innerhalb von Sekunden drei Staaten besuchen konnte, haben sich die Beamten mit ihren Angehörigen an einen geheimen Ort zurückgezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Vorkehrungen zu treffen für den unausweichlich bevorstehenden Moment der Wahrheit.

Christoph Marthaler, der mit seinen eigenwilligen und poetischen Musiktheaterabenden das Publikum für sich einzunehmen weiß, kehrt mit dieser Inszenierung nach vielen Jahren zurück nach München.

Inszenierung: Christoph Marthaler
Konzeption: Christoph Marthaler, Malte Ubenauf, Ueli Jäggi Bühne Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Jürgen Tulzer
Musikalische Leitung: Jürg Kienberger
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Schauspiel

Hellas München

Ein Projekt von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris

In keiner anderen Stadt Deutschlands wohnen so viele GriechInnen wie in München. Viele kamen in den 1960ern als „Gastarbeiter“ oder auf der Flucht vor der Militärdiktatur. In den letzten Jahren stieg, in Folge der andauernden Wirtschaftskrise, die Zahl der in Deutschland lebenden GriechInnen erstmals wieder an. Zahlreiche junge GriechInnen zählen zur Generation der „Working Poor“ – qualifizierte Frauen und Männer, die sich mit mies bezahlten Jobs durchschlagen müssen. Ist das, was in Griechenland zur traurigen Normalität geworden ist, auch in München für viele Alltag? Das Regieteam Azas / Tsinikoris begibt sich auf die Suche nach den vielfältigen griechischen Communities in München und entwirft ein Bild der Münchnerisch-Griechischen Geschichte, jenseits von Klischees. Geschichten von MünchnerInnen aus Griechenland.

Inszenierung: Prodromos Tsinikoris, Anestis Azas
Bühne: Eleni Stroulia
Kostüme: Eleni Stroulia
Musik: Panos Manouilidis, Panos Manouilidis
Dramaturgie: Christine Milz, Martin Valdés-Stauber

IN DEUTSCH UND GRIECHISCH, MIT ÜBERTITELN
Theater

Hamlet

von William Shakespeare

Er war erst 17, als er beschloss, der Welt den Rücken zu kehren. Er begann, Bücher zu lesen, was er bis dato nie getan hatte, und zog sich von seinen Freunden zurück, denen er vorwarf, selbstsüchtig und eitel zu sein. Er stellte seine Ernährung um und begann, die Frauen seiner Umgebung zu provozieren – manchmal forderte er sie auch zornig auf, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Schließlich gab er seinen Eltern und der Gesamtheit der Erwachsenen die Schuld an der Verkommenheit der Welt, die anders nicht mehr zu retten sei als durch vollständige Zerstörung. Und das genau sei sein Auftrag. – So oder so ähnlich könnte Hamlets Geschichte erzählt werden, würde sie sich heute ereignen. Und obwohl diese Geschichte über 400 Jahre alt ist, gibt es Hamlet und seinen Auftrag immer noch. Hamlets Geschichte will erzählt werden. Dieser Text, der laut dem Shakespeare-Forscher Harold Bloom nach der Bibel der meistzitierte Text der abendländischen Literatur ist, drängt sich geradezu auf – „Hamlet“ ist ein Imperativ. Und Hamlet will ein Imperativ sein. Sterbend gibt er den Auftrag, seine Geschichte in die Welt zu tragen, und seit Jahrhunderten nehmen Theater weltweit diesen Auftrag an. „Hamlet“! Hamlet!

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Ramona Rauchbach
Kostüme: Anna Maria Schories
Musik: Christoph Hart
Licht: Stephan Mariani
Dramaturgie: Katinka Deecke
Theater

Die Selbstmord -Schwestern“ / The Virgin Suicides

nach dem Roman von Jeffrey Eugenides

„The Virgin Suicides“ (dh. „Die Selbstmord -Schwestern“) ist der Erstlingsroman des US-amerikanischen Autors Jeffrey Eugenides, der ihn über Nacht berühmt machte. Als dann auch noch Sofia Coppola den Text kongenial verfilmte, war gewiss: hier reiht sich ein Autor souverän in die Reihe der großen Romanciers Amerikas ein. Nach vielen Jahren des kategorischen Neins zu einer etwaigen Dramatisierung des Stoffes – der Roman erschien 1993 – stimmten nun Eugenides und die Filmemacherin erstmalig einer Bühnenadaption zu.
Eine biedere und manisch prüde Familie in Nordamerika: fünf Schwestern und ihre Eltern. Das Einfamilienhaus ist wie eine geschlossene Welt ohne Ausgang. Alle Kinderwünsche und Jugendträume scheitern an der kühlen Irrationalität der Eltern, zerschlagen sich an deren verbissenem und perfidem Glauben. Jeder Regung, jedem Werden und Erblühen der Pubertierenden sind Kontrolle und Regeln vorangestellt. Unter Beobachtung einer Schar von Jungen des Ortes, für die die Schwestern zusehends zur fixen, alles vereinnahmenden Attraktion werden, wollen nun die Mädchen nicht nur in ihren Träumen der Enge entfliehen. Die Eltern aber bestrafen jeden Versuch des Ausbruchs, sie halten ihre Töchter drakonisch unter Verschluss und in ihrer Welt gefangen. Nur durch das Fenster im Kinderzimmer sind die fünf Mädchen bald mit der Außenwelt verbunden, bis alles Leben in ihnen erstickt und bis es sie in den Tod treibt. Susanne Kennedy – sie gehört dem zukünftigen künstlerischen Team an der Volksbühne Berlin unter der Intendanz von Chris Dercon an – kehrt nach ihren Inszenierungen „Fegefeuer in Ingolstadt“ und „Warum läuft Herr R. Amok?“ an die Münchner Kammerspiele zurück. In „Die Selbstmord-Schwestern“ führt sie ihre künstlerische Strategie der Voice Over-Technik fort und untersucht den Blick, dem die Mädchen der Lisbon-Familie ausgeliefert sind, aus der Perspektive und Erinnerung der mittlerweile gealterten Männer. Sie erzählen die Geschichte der fünf Töchter und geben ihnen eine Stimme.

Inszenierung: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Teresa Vergho
Video: Rodrik Biersteker
Licht: Stephan Mariani
Sound: Richard Janssen
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Aufführungen / Theater Residenztheater München München, Max-Joseph-Platz 1
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Aufführungen / Konzert Le Nuove Musiche München München, Gollierstr. 28
Aufführungen / Theater theater VIEL LÄRM UM NICHTS - München München, August-Exter-Str. 1
Aufführungen / Konzert Regensburger Domspatzen Regensburg, Reichsstraße 22
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Aufführung Neue Werkbühne München GmbH München, Heßstraße 82
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Oper Münchener Biennale München, Ludwigstr. 8
Internationales Festival für neues Musiktheater
Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München, Max-Joseph-Platz 2
Nationaltheater
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Ausweichspielstätte: Werner-Heisenberg-Allee 11 / ab 2012: Schwanthalerstraße 13 E
Aufführungen / Aufführung Tom Patrick´s Isarwichtl München, Heimeranstr. 51
Aufführungen / Kabarett Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Till Hofmann
Aufführungen / Aufführung Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater Theaterfestival SPIELART München München, Ludwigstr. 8
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Oper Staatsheater am Gärtnerplatz München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Haimhauser-/Ecke Ursulastraße
Aufführungen / Aufführung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Aufführung Studiobühne Bayreuth Bayreuth, Röntgenstr. 2
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Regina Backes
Aufführungen / Aufführung Minni Oehl Company München, Augustenstr. 85 a
Aufführungen / Theater OBERANGER THEATER München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater Vollmarhaus Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Theater DT - Die Tanzschule am Deutschen Theater München, Schwanthalerstrasse 13
Auch online sind wir der tanztipp.de!
Aufführungen / Performance t-u-b-e München, Einsteinstr. 42
galerie für radiophone kunst, installationen und audio-performances im EINSTEIN München, www.t-u-b-e.de
Aufführungen / Theater Bayrisches Volkskunsttheater München München, Pfanzeltplatz 12
im Gasthaus zur Post
Aufführungen / Theater Theatergemeinde Augsburg e.V. Augsburg, Karolinenstr. 21
Aufführungen / Oper Internat. Musikfestival Halfing, Gut Immling
Chiemgau Gut Immling Unsere Oper e. V.
Aufführungen / Tanz El Corazón, Tangoschule München, Lachnerstr. 38
Maja
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater THETA e.V., Verein zur Förderung der freien Theater- und Tanzkultur in München München, Hans-Sach-Str. 12
Aufführungen / Theater TheaterRaum München München, Hans-Sachs.Str. 12
Aufführungen / Theater S'ensemble Theater Augsburg, Bergmühlstraße 34
Kulturfabrik
Aufführungen / Aufführung Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Aufführung Münchner Volkssänger-Bühne e.V. München, Nederlinger Str. 78
im Theater Gut Nederling
Aufführungen / Theater Münchner Volkstheater München, Brienner Str. 50
Aufführungen / Theater Athanor Akademie Burghausen, Burg 7b
Aufführungen / Aufführung Jazzclub Unterfahrt München, Einsteinstraße 42
Aufführungen / Theater Bel Etage Theater München, Feilitzschstrasse 12
im Drugstore
Aufführungen / Tanz TANZWERKSTATT EUROPA München, Emil Geis Str. 21
JOINT ADVENTURES
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
opera players impro a la turka
Aufführungen / Theater i-camp / neues theater münchen München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Augsburg, Barfüßerstraße 4
Kresslesmühle GmbH
Aufführungen / Theater Teamtheater Tankstelle München, Am Einlaß 2a
Aufführungen / Theater Teamtheater Comedy München, Am Einlaß 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a
Aufführungen / Theater MÜNCHNER GALERIE THEATER München, Geigenbergerstr. 37
Theaterensemble
Aufführungen / Aufführung Landgraf München, Pfanzeltplatz 12
Bayrisches Volkskunsttneater
Aufführungen / Aufführung BMW Welt München, Am Olympiapark 1
Aufführungen / Konzert Nymphenburger Sommer München, Schloss Nymphenburg Eingang 19
Das Kammermusikfest
Aufführungen / Aufführung Bayerische Philharmonie München, Bäckerstraße 46
Aufführungen / Konzert Münchner MotettenChor e.V. München, Nußbaumstraße 1
Aufführungen / Theater Theater werkmünchen München, Grafinger Straße 6/103
Aufführungen / Theater Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Konzert Münchner Orchesterverein Wilde Gungl e. V. Mühldorf, Herzog-Friedrich-Straße 6a
Symphonieorchester Wilde Gungl München
Aufführungen / Theater Galli Theater und Trainings München, Schleissheimerstr.60
Emine Akman
Aufführungen / Theater Theaterschule Yorick München, Quiddestr. 17