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Wiener Festwochen

Die Wiener Festwochen 2019 finden vom 10. Mai bis 16. Juni statt.

Während des Eröffnungswochenendes werden die Wiener Festwochen im 22. Gemeindebezirk erkunden, welche Bedeutung einem Stadtfestival zukommen kann. Eine Reihe von künstlerischen Projekten setzt sich mit dem urbanen (Zusammen-)Leben auseinander. Großteils werden die Arbeiten spezifisch für bestimmte Orte der Donaustadt und/oder zusammen mit ihren Bewohner*innen entwickelt.
Von allen Wiener Gemeindebezirken weist die Donaustadt das höchste Bevölkerungswachstum auf. Hier, auf der anderen Seite des Flusses, ist das Durchschnittsalter niedriger als in Wien insgesamt.
Noch gibt es vergleichsweise wenig kulturelle Infrastruktur oder öffentliche Veranstaltungen. Die Wiener Festwochen 2019 verlassen die Innenstadt und starten mit einem Programm an Veranstaltungen rund um die Erste Bank Arena für drinnen und draußen, mit kurzen Stücken und durativen Installationen, (Disco-)Eislaufen und Partys. Als Kernstück wird Mariano Pensottis Diamante aufgeführt, ein meisterhafter Theatermarathon über eine städtische Siedlung in einer verlassenen Gegend. Gleichzeitig wird über mehrere Stunden hinweg eine schwarze Fahne von Hand zu Hand weitergereicht, und eine Gruppe von Frauen schart sich temporär wie Zugvögel auf einem öffentlichen Platz zusammen. Die Gegend wird durch überraschende künstlerische Interventionen zum Leben erweckt, menschliche Begegnungen finden statt. Von einem Gemeindebau, der den Herzschlag seiner Bewohner*innen hörbar macht, bis zu einer Bibliothek lebender Bücher – all diese Projekte setzen sich mit Formen des sozialen Zusammenlebens, mit Marginalisierungsprozessen und kulturellen Leerstellen auseinander und sind für alle zugänglich (großteils bei freiem Eintritt). Nach dem Eröffnungswochenende des Festivals ziehen einige dieser Projekte in andere Teile der Stadt weiter.

Mit Werken von Mette Edvardsen, Bouchra Ouizguen, Mariano Pensotti / Grupo Marea, Alice Ripoll / Cia REC, Ula Sickle, Sarah Vanhee, Benjamin Verdonck, Anna Witt

Kontakt

Wiener Festwochen
Wiener Festwochen Gesellschaft m.b.H.
Lehárgasse 11/1/6
A-1060 Wien

Telefon: +43 (0)1 589 22-0
Fax: +43 (0)1 589 22-49
E-Mail: festwochen@festwochen.at

Musik

Eröffnung 2019

Die Eröffnung der Wiener Festwochen 2019 findet am 10. Mai um 21.20 Uhr am Rathausplatz statt.

Eintritt frei
Performance

Sarah Vanhee:
undercurrents

»Jeder Laut, den wir von uns geben, ist ein Stückchen Autobiographie. Er hat zwar einen absolut persönlichen Kern, seine Flugbahn jedoch ist öffentlich. Ein Stück nach außen projiziertes Innen.« Anne Carson
2013 begann die belgische Künstlerin Sarah Vanhee, das ästhetische und politische Potenzial des Schreis zu erforschen. Diese Recherche führte bisher zu verschiedenen Ausdrucksformen und Formaten, in denen Vanhee Menschen die Möglichkeit gibt zu schreien. Das Wissen, dass jede Person unterschiedlich klingt, ließ sie verschiedene Techniken und Methoden entwickeln, die auch jene einbinden, die noch nie zuvor geschrien haben. Ihrer Ansicht nach ist das Schreien ein Grundrecht und demokratisches Mittel. Für das Eröffnungswochenende haben die Wiener Festwochen Vanhee eingeladen, gemeinsam mit Bewohner*innen der Donaustadt eine Intervention zu erarbeiten. Alle Teilnehmenden bringen dafür ihre persönliche Motivation sowie ihre ganz eigene Art und Weise des Schreiens mit ein. Diese „Screamscape“ ermöglicht es den Zuhörenden, vorübergehend unter die Oberfläche der Gesellschaft zu tauchen und stellt eine Verbindung her zu einem tieferen und ungezähmteren Daseinsgefühl.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Choreografie Sarah Vanhee, Künstlerische Mitarbeit Britt Hatzius. Mit Teilnehmer*innen aus Donaustadt. Dank an Jakob Ampe. Voice-Trainer Christian Reiner.
Textnachweis Anne Carson, Glas, Ironie und Gott, Piper, 2000, S. 172

PRODUKTION
Produktion Wiener Festwochen, Manyone

Uraufführung Mai 2019, Wiener Festwochen

weiterer Termin:
Ort Gösserhallen, Halle 4
Termin 15. Juni, 21 Uhr
Im Anschluss an die Lecture collected screams

HINWEIS
Keine Sitzgelegenheiten

Eintritt frei
Performance

Ula Sickle:
Relay

PERFORMANCE / TANZ

Eine schwarze Fahne wird fünf Stunden lang ununterbrochen geschwungen. Ihre Bewegung und das Flattern des Stoffs werden zu Choreografie und Ton. Relay, ein einzelner, kontinuierlicher Akt, fand Inspiration in den vielen Protestkundgebungen, die in letzter Zeit weltweit stattgefunden haben, wie u. a. die Massendemonstrationen in Polen zur Verteidigung der Frauenrechte, die als „Czarny Protest“ (Schwarzer Protest) bekannt wurden. Die schwarze Fahne jedoch lässt sich nicht mit einem bestimmten Kampf in Verbindung bringen und widersetzt sich einer einfachen Interpretation. Implizite Verweise auf Befreiungsbewegungen werden durch die zunehmende Präsenz jener Flaggen konterkariert, die in unserer gegenwärtigen Diktatur der Angst primär für Ab- und Ausgrenzung stehen. Die polnisch- kanadische Choreografin Ula Sickle und ihre vielfältige Gruppe von Performer*innen wechseln sich wie bei einer Staffel („relay“) in einem faszinierenden Belastungstest ab. Ihre Bewegungen changieren zwischen Hoffnung und Lähmung, Widerstand und Ohnmacht. Jede*r Einzelne muss selbst dafür sorgen, dass die Fahne nicht still steht, aber es ist die gemeinsame Anstrengung, die Relay zu einem so mächtigen Symbol macht. Wie ist noch Widerstand möglich in einem System, das es geschafft hat, jede Form von Opposition zu vereinnahmen?

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Choreografie: Ula Sickle Ton Yann Leguay. Mit Amanda Barrio Charmelo, Cherish Menzo, Liza Baliasnaja, Sidney Barnes, Ula Sickle, Wei-Da Chen (DaDa Jv). Assistenz: Antoine Neufmars. Hospitanz: Nathan Ooms

PRODUKTION
Produktion, Tour Management Caravan Production Mit Unterstützung von Nuit Blanche (Brüssel), Pianofabriek Kunstenwerkplaats (Saint Gilles)
Uraufführung Oktober 2018, Nuit Blanche (Brüssel)

DAUER
5 Std.

HINWEIS
Keine Sitzgelegenheiten
Kommen und Gehen jederzeit möglich
Mit Stroboskop-Effekten
Performance

Bouchra Ouizguen:
Corbeaux

PERFORMANCE / TANZ

Frauen, ganz in Schwarz, die Köpfe von weißen Tüchern umhüllt. Wie in einem uralten Ritual formieren sie sich, werfen ihre Köpfe vor und zurück, stoßen harte, beinahe tierische Schreie aus. Bouchra Ouizguen, Wegbereiterin des zeitgenössischen marokkanischen Tanzes, schuf Corbeaux (Krähen) 2014 für die Biennale in Marrakesch. Bereits in zahlreichen Städten hat sie gemeinsam mit den Performerinnen ihrer Compagnie O und lokalen Teilnehmerinnen neue Ausgaben entwickelt. Endlich gibt es nun auch eine Wiener Version der hypnotisierenden Performance. Die wie in Trance wirkenden Frauen jeden Alters wecken mit ihrem Tanz eine Unzahl an Assoziationen: Schöpfung und Erschöpfung, Schönheit und Gefahr, ziehende Menschen und Vögel, die Kraft des Weiblichen ebenso wie seine Unterdrückung in vielen Gesellschaften.
Corbeaux erinnert an so essentielle Dinge wie Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit. Ein Erlebnis, das niemanden kalt lässt.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Künstlerische Leitung: Bouchra Ouizguen. Mit Kabboura Aït Ben Hmad, Khadija Amrhar, Fatima El Hanna, Hasnae El Ouarga, Milouda El Maataoui, Mariam Faquir, Fatna Ibn El Khatyb, Julie Viala, Halima Sahmoud, Malika Soukri, Joséphine Tilloy und Teilnehmerinnen aus Wien. Administration: Mylène Gaillon

PRODUKTION
Produktion Compagnie O Koproduktion Services de Coopération et d’Action Culturelle - Ambassade de France à Rabat Mit Unterstützung von Institut français de Marrakech
Uraufführung Februar 2014, Marrakech Biennale

DAUER
40 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
14. Mai, im Anschluss an die Vorstellung

Eintritt frei
Performance

Mette Edvardsen:
Time has fallen asleep in the afternoon sunshine

Immer wieder in der Geschichte wurden Bücher verbrannt – den widerständigen Geist der Worte konnte man dennoch nie bannen. In Ray Bradburys Science-Fiction-Roman Fahrenheit 451 ist es ein Akt der Auflehnung, Bücher auswendig zu lernen. Der Mensch selbst wird zum Buch. Dieser Gedanke hat die Norwegerin Mette Edvardsen, die sich einen Namen als innovative Performance-Künstlerin gemacht hat, zu ihrem Projekt Time has fallen asleep in the afternoon sunshine inspiriert. 2010 begann sie, die Bibliothek der lebenden Bücher aufzubauen: Performer*innen auf der ganzen Welt lernen seither Bücher auswendig. In Buchläden, Museen oder, wie in Wien, in Bibliotheken kann man diese Bücher „ausleihen“ und 30 Minuten lang in ihnen „lesen“. Das Projekt untersucht, wie Erinnerung ihre Gegenstände nicht nur konserviert, sondern zugleich auch ständig transformiert. Jedes neue Lesen der Bücher führt zu überraschenden und berührenden Begegnungen zwischen fremden Menschen.

Bücher auf Deutsch:
Schlafgänger von Dorothee Elmiger
Loslabern von Rainald Goetz
Nachdenken über Christa T von Christa Wolf
Faust von Johann Wolfgang von Goethe
Seltsame Sterne starren zur Erde von Emine Sevgi Özdamar

Bücher auf Englisch:
Orlando von Virginia Woolf
Bartleby The Scrivener von Herman Melville
Four Quartets von T.S. Eliot
Autobiography of Red von Anne Carson

Weitere Titel werden bekannt gegeben.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept Mette Edvardsen. Mit Andrea Maurer, Caroline Daish, David Helbich, Emmilou Rößling, Julie Pfleiderer, Justine Maxelon, Katja Dreyer, Kristien Van den Brande, Sébastien Hendrickx, Sonia Si Ahmed, Tom Engels. Produktionsassistenz Maya Wilsens.

PRODUKTION
Produktion Mette Edvardsen/Athome & Manyone. Koproduktion Wiener Festwochen, NEXT Arts Festival (Valenciennes, Lille, Kortrijk, Villeneuve d’Ascq), Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), Dance Umbrella (London), Dubbelspel - STUK Kunstencentrum & 30CC (Leuven). Mit Unterstützung von Norsk Kulturråd Dank an Bibliothèque royale de Belgique/Koninklijke Bibliotheek van België, Sarah Vanhee, Els De Bodt.

Uraufführung September 2010, STUK Kunstencentrum (Leuven)

TERMINE
Beginn alle 30 Min.

PREISE
Euro 10,- (Reservierung ab 29. April)

SPRACHE
Deutsche und englische Bücher verfügbar

DAUER
30 Min.
Performance

Anna Witt:
Beat House Donaustadt

PERFORMANCE / VISUAL ARTS

Die Gegenden um Kagran und Kaisermühlen im heutigen 22. Wiener Gemeindebezirk sind ein Ort, an dem sich ein Stück Stadtgeschichte konzentriert: einst Arbeiter*innenviertel, Gemeindebauten-Hochburg, eine der letzten Bastionen des Roten Wien gegen den Austrofaschismus. Was Anna Witt an dieser Vergangenheit besonders interessiert, sind die lebendige Utopie, der Glaube an das Kollektive und an die Solidarität. Die bildende Künstlerin, 2018 mit dem Otto Mauer Preis ausgezeichnet, arbeitet performativ und partizipativ – so kann sie sich am besten den ihr wichtigen Fragen annähern: Wie viel Gemeinschaft ist in unserer Gesellschaft noch vorhanden? Was verbindet Bewohner*innen eines Gemeindebaus heute noch miteinander? Für Beat House Donaustadt zeichnet Anna Witt mit einem Ultraschallgerät deren Herzschläge auf. Gleich zu Beginn der Festwochen öffnen die Bewohner*innen die Fenster, lassen ihre individuellen Rhythmen erklingen und sich zu einem kollektiven Sound vereinen. Dem Sound der Stadt.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Umsetzung Anna Witt. Künstlerische Assistenz Veronika Platz.

PRODUKTION
Dank an wohnpartner-Team 22. Ein Auftragswerk von Wiener Festwochen.

Uraufführungen
Beat House, Juli 2011, Hotel Charleroi
Beat House Donaustadt, Mai 2019, Wiener Festwochen

DAUER
30 Min.

HINWEIS
Keine Sitzgelegenheiten

Eintritt frei
Theater

Mariano Pensotti / Grupo Marea:
Diamante

Diamante – ein schöner Name für die fiktive Stadt, die der argentinische Autor und Regisseur Mariano Pensotti in seiner spektakulären Theaterarbeit zum Leben erweckt: Ein deutscher Unternehmer baute vor gut 100 Jahren im Norden Argentiniens ein Zuhause für die Mitarbeiter*innen seines Bergbauunternehmens. Hier leben die großteils deutschen Migrant*innen in einem Idyll aus skandinavischen Holzhäuschen und sozialen Privilegien. In einem dreiaktigen Live-Epos, mit Anleihen der Telenovela, erzählt Pensotti meisterhaft vom Niedergang einer Utopie. Das Publikum verfolgt alles hautnah: Es späht durch Fenster und Türen der elf wie Filmsets aufgebauten Schauplätze und erlebt, wie die Leute tanzen und leben, wie Beziehungen zerbrechen, wie betrogen und gehofft wird – und wie sich die paradiesische Musterstadt mitten im Dschungel in ihr schlimmstes Gegenteil verkehrt. In jedem Akt besucht man dieselben Menschen und sieht, wie aus Angst um Sicherheit und Wohlstand die Abschottung wächst. Ein außergewöhnliches Theatererlebnis, das den Nerv der Gegenwart trifft. Nicht verpassen!

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text, Regie Mariano Pensotti. Bühne, Kostüm Mariana Tirantte. Musik Diego Vainer. Licht Alejandro Le Roux. Künstlerische Produktionsleitung Florencia Wasser. Mit Anna Böger, Bettina Engelhardt, Chen Yan, Chris Urwyler, Cornelia Dörr, Cristián Lehmann Carrasco, Gaby Ferrero, Javier Drolas, Jonathan Tribe, Judith Seither, Julian Keck, Juliana Muras, Marie Eick-Kerssenbrock, Martin Horn, Maximilian Strestik, Michael Witte, Moritz Peschke, Santiago Gobernori Tonio Schneider, u.a. Regieassistenz David Schaegelberger, Friederike Kötter.

PRODUKTION
Ein Auftragswerk von Ruhrtriennale Koproduktion Wiener Festwochen, Grand Theatre Groningen, Berliner Festspiele / Immersion.

Uraufführung August 2018, Ruhrtriennale (Duisburg)

PREISE
Euro 35,-

SPRACHE
Deutsch und Spanisch mit deutschen Übertiteln

DAUER
5 Std. 30 Min., inkl zwei Pausen
Theater

Markus Öhrn:
3 Episodes of Life

THEATER / FILM

Bereits mehrmals sorgte der international erfolgreiche Schwede Markus Öhrn bei den Festwochen mit seinen unverwechselbaren Theaterstücken für Aufsehen. In seiner neuesten Arbeit untersucht er, ausgehend von #MeToo, Missbrauchsfälle im beruflichen Umfeld. Seine eigenwillige Bühnensprache entwickelte er für die Auftragsarbeit weiter, souverän spielt er mit Erzähl- und Darstellungsformen. An drei aufeinanderfolgenden Abenden, in atmosphärisch und ästhetisch immer wieder völlig neuen Episoden, kippt eine alltägliche Arbeitssituation und führt schließlich in einen Gerichtssaal. Öhrn bedient sich dabei einer neuen Form, die er „Silent Movie Theatre“ nennt: In jeder Folge trifft Stummfilm auf Performance. Erneut kommen jene Masken zum Einsatz, die fast schon zu Öhrns Markenzeichen geworden sind. Die Österreicherin Dorit Chrysler, eine der weltbesten Theremin-Spieler*innen, komponiert gemeinsam mit Öhrns langjährigem Begleiter, Pianist Arno Waschk, für jede Episode eine eigene musikalische Stimmung, die sie live in Wien performen. Surreal, hochaktuell und analytisch genau ist die Reise in menschliche Abgründe. Eine Serie mit Suchtpotenzial!

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Regie, Bühne Markus Öhrn. Mit Dorit Chrysler (Komposition, Theremin), Arno Waschk (Komposition, Klavier, Musikalische Leitung), Schauspiel Janet Rothe, Jakob Öhrman, Masken, Kostüm, Requisite Makode Linde, Text Myra Åhbeck Öhrman, Instrumentenbau Derek Holzer, Tontechnik Eskil Lövström.

PRODUKTION
Produktion Wiener Festwochen, Institutet Kofinanziert von Kampnagel (Hamburg), Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt a.M.). Mit Unterstützung von Swedish Arts Council.

Uraufführung Mai 2019, Wiener Festwochen

TERMINE
Episode 1 -> 12. / 17. / 24. / 31. Mai, 20.30
Episode 2 -> 13. / 18. / 25. Mai, 1. Juni, 20.30
Episode 3 -> 14. / 19./ 26. Mai, 2. Juni, 20.30
Dauer: ca. 1 Std. pro Episode
Episode 1 - 3 -> 9. Juni, 16.00
Dauer: ca. 5 Std. 30 Min., inkl. 2 Pausen

PREISE
Euro 20,- (Episode 1, 2, 3) / Euro 42,- (Episode 1 - 3)

KARTENINFO
Bei gleichzeitigem Kauf von Karten für alle drei Teile von 3 Episodes of Life im Vorverkauf verringert sich der Eintrittspreis um 30%. Für die Vorstellung am 9. Juni beträgt der Preis statt 60,- Euro bereits nur 42,- Euro. Dieser Preis kann nicht weiter ermäßigt werden.

SPRACHE
Deutsch mit englischen Untertiteln

DAUER
ca 1 Std. pro Episode

PUBLIKUMSGESPRÄCH
26. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Theater

Angélica Liddell:
The Scarlet Letter

»Mein Körper ist mein Protest gegen die Gesellschaft.« Performance-Künstlerin Angélica Liddell ist eine der wichtigsten Theatermacher*innen Europas. Ihre kühnen, oft kontroversen Arbeiten spiegeln am konkreten Körper die Gewalt der Welt. In ihrem aktuellen Stück setzt sich Liddell, wie immer sehr frei und assoziativ, mit Nathaniel Hawthornes weltbekanntem Roman Der scharlachrote Buchstabe auseinander. Das A steht bei ihr nicht länger für „Adultery“, also Ehebruch, sondern für „Art“: die Kunst selbst, die sich gegen die Fesseln wehrt, die man ihr anlegen will. Inmitten nackter Männerkörper, bewaffnet mit postmodernen Größen wie Foucault oder Derrida, tritt Liddell gegen die Zumutungen einer durchrationalisierten, sich selbst in Unfreiheit haltenden Gegenwart an. Sie scheut nicht das Abstoßende und auch nicht das Anstößige – und doch liebt man sie am Ende für diesen leidenschaftlichen, wagemutigen Kampf um die Freiheit der Kunst wie der Menschen. Eine moderne Passionsgeschichte.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text, Regie, Bühne, Kostüm Angélica Liddell. Mit Tiago Costa, Nuno Nolasco, Tiago Mansilha, Julian Isenia, Joele Anastasi, Antonio L. Pedraza, Daniel Matos, Borja Lopez, Antonio Pauletta, Angélica Liddell, Sindo Puche, Isaac Torres, Pietro Quadrino Produktionsleitung Gumersindo Puche. Produktionsassistenz Borja Lopez, Saite Ye

PRODUKTION
Produktion Iaquinandi S.L. (Madrid). Koproduktion Teatros del Canal (Madrid), La Colline - théâtre national (Paris), CDN Orléans / Centre-Val de Loire.
In Zusammenarbeit mit Teatro Nacional D.Maria II (Lissabon), BoCA - Biennial of Contemporary Arts (Lissabon, Porto).

PREISE
Euro 45,- / 38,- / 30,- / 22,- / 15,-

DAUER
100 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
13. Mai, im Anschluss an die Vorstellung

HINWEIS
Das Stück beinhaltet Nacktheit, die in manchen Szenen für Besucher*innen unangenehm sein kann.
Tanz

Alice Ripoll / Cia REC:
aCORdo

In jeder Gesellschaft gibt es ein Oben und Unten. Die Tänzer in aCORdo, mit denen die brasilianische Choreografin Alice Ripoll seit acht Jahren zusammenarbeitet, wissen, wie es sich anfühlt, unten zu sein. Als schwarze Bewohner einer Favela kennen sie die Praxis der brasilianischen Polizei, die arme Bevölkerung durch Kontrollen und Einschüchterung von den Reichen fernzuhalten. Das portugiesische Wort „acordo“ kann viele Bedeutungen haben, etwa Übereinkunft oder Weckruf. In Ripolls Schreibweise heißt es auch „die Farbe von“. Aber welche Übereinkunft hat die Mehrheitsgesellschaft getroffen mit jenen, die als „andersfarbig“ benannt werden? Werden sie nur als wandelndes Klischee, potenzielle Straftäter*innen und billige Arbeitskräfte wahrgenommen – oder auch als Menschen? Die vier Tänzer eröffnen durch ihre Bewegungen einen Raum, in dem sich andere Möglichkeiten von Begegnung auftun. Gleichzeitig treten darin die eigenen Reflexe und Vorurteile offen zutage. Wie fühlt es sich an, plötzlich Auge in Auge mit jenen zu sein, vor denen man sonst „geschützt“ wird? Und wieso hält man plötzlich die eigene Tasche so fest?

KÜNSTLERISCHES TEAM
Regie Alice Ripoll. Mit Alan Ferreira, Leandro Coala, Romulo Galvão, Tony Hewerton. Assistenz Anita Tandeta. Foto, Video Renato Mangolin.

PRODUKTION
Mit Unterstützung von Centro Coreográfico da Cidade do Rio de Janeiro, Rafael Machado Fisioterapia. Dank an Prof. Irene Ferraz, Escola de Cinema Darcy Ribeiro (Rio de Janeiro).

Uraufführung März 2017, Que Legado (Rio de Janeiro)

TERMINE
12. Mai, 17.00 und 19.30, Erste Bank Arena, Treffpunkt Foyer Halle 2+3 (Attemsgasse 1, 1220 Wien)
14. / 15. / 16. Mai, 19.00, Eierbörse, Odeon (Taborstraße 10, 1020 Wien)
17. / 18. / 19. Mai, 19.00 und 21.30, studio brut (Zieglergasse 25, 1070 Wien)

PREISE
Euro 17,-

DAUER
30 Min.
Theater

Keyvan Sarreshteh:
آ پارتـ/مان
Apart-ment

Menschen gestalten die Wohnungen, in denen sie leben. Aber prägen die Räume auch die Menschen? Der 1987 geborene Iraner Keyvan Sarreshteh erinnert sich in Apart-ment an wichtige Momente seiner Biografie und ruft sich die vielen verschiedenen Wohnungen in Teheran vor Augen, in denen er sie erlebte. Als er mit 13 zum ersten Mal umziehen musste, hielt er den Grundriss der damaligen Wohnung in seinem Notizbuch fest. Und während er in Apart-ment erzählt, wie der Nachbarsjunge an Leukämie starb oder er selbst erstmals verliebt war, zeichnet er mit einem wassergetränkten Schwamm auf den Boden, wo sich etwa Elternschlafzimmer, Balkon oder WC befanden. Seine Erinnerungen sind geblieben, doch die nassen Linien verschwinden nach und nach wieder. So schlicht wie poetisch zeigt Sarreshteh in einer reduzierten, imaginativen Performance das niemals endende Vergehen der Zeit. Für jedes neue Erlebnis muss man etwas hinter sich lassen. Um an unbekannte Orte zu gelangen, müssen vertraute aufgegeben werden. In seiner Heimat ist Sarreshtehs Stück, zugleich sein Debüt als Autor, preisgekrönt. Bei den Festwochen bietet sich nun erstmals die Gelegenheit, Apart-ment außerhalb des Iran zu sehen.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Von und mit Keyvan Sarreshteh. Licht Niloofar Naghibsadati. Künstlerische Mitarbeit Nazanin Mehraein. Tourmanagement Marjan Pourgholamhossein

Uraufführung Februar 2013, Experiment Student Theatre Festival (Teheran)

PREISE
Euro 20,-

SPRACHE
Farsi mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
40 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
15. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Theater

Mónica Calle:
Ensaio para uma Cartografia

Die Regisseurin Mónica Calle betreibt in Lissabon seit fast 30 Jahren Casa Conveniente, das sich dort einen Ruf als engagiertes Theaterlabor erarbeitet hat. International sind ihre Arbeiten bis jetzt ein Geheimtipp geblieben. Mit Menschen, die sich in Umbruchphasen befinden, am Rand der Gesellschaft stehen, probt Calle den Gegenentwurf zu einer durchnormierten, kapitalistischen Gesellschaft: die widerständige Schönheit und Stärke der Unvollkommenheit. Ensaio para uma Cartografia (Versuch einer Kartografie) zeigt zwölf Frauenkörper mit ihren ganz unterschiedlichen Geschichten in beständiger Wiederholung von Irrtum, Scheitern und neuem Versuch. Sie stehen im Halbdunkel der Bühne und proben Kompositionen von Ravel, Strawinski oder Beethoven. Keine der Frauen ist klassisch ausgebildete Tänzerin oder Musikerin, und genau daraus nehmen sie ihre Freiheit und emanzipatorische Kraft. Erstmals außerhalb Portugals: ein dringliches Plädoyer dafür, gemeinsam mehr zu wagen.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Regie, Bühne Mónica Calle. Licht José Álvaro Correia. Musikalische Leitung Rodrigo B. Camacho. Mit Ana Água, Cleo Tavares, Eufrosina Makengo, Inês Vaz, Lucília Raimundo, Mafalda Jara, Maria Inês Roque, Miu Lapin, Mónica Calle, Mónica Garnel, Roxana Lugojan, Sofia Vitória, Silvia Barbeiro. Bühnenfotos Bruno Simão. Video (Teaser) Marcelo Pereira. Regieassistenz José Miguel Vitorino. Produktionsleitung Inês Vaz

PRODUKTION
Produktion Casa Conveniente, Zona Não Vigiada (Lissabon). Koproduktion Teatro Nacional D.Maria II (Lissabon).

PREISE
Euro 25,-

DAUER
2 Std.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
14. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Musik

Christian Fennesz:
Agora

Wien ist bekannt als eine Weltstadt der Musik, große Namen sind Zeugen dieses Rufs. Auch in ihrer jüngeren Vergangenheit hat die Stadt eine Vielzahl außergewöhnlicher musikalischer Talente hervorgebracht. Als einer der renommiertesten Vertreter des elektronischen „Sound of Vienna“ gilt Christian Fennesz. Mittels Gitarre und Laptop erzeugt der im Burgenland geborene Musiker elegische Klangfiguren, die trotz enormer Tiefe und musikalischer Komplexität ein Gefühl von sinnlicher Schwerelosigkeit vermitteln. Spielerisch zerfließen Harmonien in einem Meer experimenteller Sounds. International ein hochangesehener Künstler, der regelmäßig mit Größen wie Ryuichi Sakamoto, David Sylvian oder Carsten Nicolai kollaboriert, sind lokale Konzerte von Fennesz ein rares Gut. Eine besondere Gelegenheit bietet sich nun, wenn die Wiener Festwochen die Österreich-Premiere seines lang erwarteten neuen Albums Agora im wunderschönen Ambiente des großen Theatersaals des Volkstheaters präsentieren.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Musik Christian Fennesz. Licht, visuelles Konzept Lillevan

PREISE
Euro 35,- / 25,-

DAUER
ca. 60 Min.
Performance

Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski:
LAX BAR

VISUAL ARTS / PERFORMANCE

Alles begann als vier Kunstschaffende aus Österreich und Deutschland auf Artists’ Residency in Los Angeles beschlossen, die berühmte American Bar von Adolf Loos nachzubauen. Der elegante Klassiker der österreichischen Moderne passte nämlich fast perfekt in ihr Hinterhof-Studio – nur eben kleiner skaliert. Mit wenig finanziellen Mitteln wurde Mahagoni zu Karton, Glas zu Fliegengitter und anstatt Signature Cocktails gab es alles „on the rocks“. Der Wiener Charme des legendären Originals stellte sich auch in der Baumarkt-Version ein und bald trank und schwitzte die Kunstszene von L. A. zusammengepfercht zwischen den Pressspanplatten. Zwei Jahre später wurde die Bar im Kellergeschoss eines Brüsseler Kunstraums wiedergeboren, mit einem Interieur zur Gänze aus Schilf. Und weil sich nun ein ehemaliger Schallplattenladen in Wien Favoriten mit seiner verdächtig Loos’schen Fassade geradezu anbietet, soll die Bar noch ein drittes Mal in Erscheinung treten. Die LAX BAR ist eine begehbare Rauminstallation und gestaltet sich im konsequenten Spiel mit Maßstab und Material. Als Kopie bewusst fehlerhaft und visuell verfremdet, geografisch ihrem Original so nah wie nie zuvor. An manchen Abenden ist die LAX BAR auch performatives Happening, einschließlich einer Reihe künstlerischer Gastauftritte. Und wenn dann ein Freitag den nächsten bedingt, ist sie vor allem auch: eine ziemlich gute Bar.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Von und mit Christoph Meier, Ute Müller, Robert Schwarz, Lukas Stopczynski und Gästen.

PRODUKTION
Ein Auftragswerk von Wiener Festwochen

Öffnungszeiten Installation:
29. Mai, 17 bis 22 Uhr
30. Mai bis 16. Juni, jeweils Do – So, 17 bis 22 Uhr

Barbetrieb und Performances:
17. / 24. / 31. Mai, 7. / 14. Juni, ab 19 Uhr

ORT
Laxenburger Straße 4, 1100 Wien

HINWEIS
Begrenztes Platzangebot

Eintritt frei
Performance

Mette Edvardsen, Matteo Fargion:
Penelope Sleeps

PERFORMANCE / MUSIK

Unterstützt vom Komponisten und Performer Matteo Fargion wagt sich die norwegische Künstlerin Mette Edvardsen erstmals in die Welt der Oper. Edvardsen, die bei den Festwochen auch in ihre Bibliothek der lebenden Bücher einlädt, schreibt einen Essay, in dem sie alternative Szenarien für die mythologische Figur der Penelope entwirft. Sie sucht nach Aspekten abseits des Wartens, das der Zurückgelassenen gemeinhin als Einziges zugeschrieben wird. Essai bedeutet im Französischen Versuch, opera ist das italienische Wort für Arbeit. Ein „Versuch in Arbeit“ also, der neue Horizonte eröffnet. Eine Sängerin taucht Penelope Sleeps in Klänge, ohne dabei jedoch klassische Vorstellungen von Oper zu bedienen. Vielmehr geht es in dem intimen Abend um das Zusammenspiel von Stimme und Sprache, Körper und Musik. Ein Spielen und Ausprobieren – gedanklich ebenso wie künstlerisch.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text Mette Edvardsen. Musik Matteo Fargion. Mit Mette Edvardsen, Matteo Fargion, Angela Hicks. Licht, Technik Bruno Pocheron.

PRODUKTION
Produktion Mette Edvardsen / Athome & Manyone. Koproduktion Kaaitheater (Brüssel), Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), BUDA (Kortrijk), Black Box teater (Oslo), Teaterhuset Avant Garden (Trondheim), BIT – Teatergarasjen (Bergen), apap - Performing Europe 2020 (co-founded by Creative Europe Programme of the European Union). Mit Unterstützung von Norsk Kulturråd, Program for kunstnerisk utviklingsarbeid – Kunsthøgskolen i Oslo.

Uraufführung Mai 2019, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel)

PREISE
Euro 25,-

SPRACHE
Englisch mit deutschen Übertiteln

DAUER
ca. 90 Min.
Performance

Monira Al Qadiri
Phantom Beard

Wie lebt es sich in ständiger Gegenwart von 40 Männern? Die kuwaitische, in Japan ausgebildete Künstlerin Monira Al Qadiri muss es wissen. Von einem Reinōsha, kundig der japanischen Technik des Geister-Lesens, erfuhr sie, dass diese Männer ihre Vorfahren sind und sie stets begleiten. Nachdem sie selbst Schreckliches erlebten, wollen sie nun mit ihr als Anführerin das Leben genießen. Al Qadiri, die sich bereits als bildende Künstlerin einen Namen gemacht hat, sitzt im Leben wie in der Kunst zwischen allen Stühlen. Und sie sitzt gut! Im Senegal geboren, wuchs sie in Kuwait auf – geprägt von japanischen Mangas und Animes, die sie verschlang. Phantom Beard, das in Wien uraufgeführt wird, ist genauso eigenwillig wie die Biografie der Künstlerin selbst. In einer Fusion der Kulturen macht sie Japans Traditionen und seinen oft kitschigen Pop fruchtbar für einen Umgang mit der Vergangenheit des Nahen Ostens, seiner kriegerischen Gegenwart und ungewissen Zukunft. Durch ausgefeilte Video-Technik erscheinen die Geister auf der Bühne: arabische Männer, die sich wie Butoh-Tänzer bewegen. Eine erfrischend unbefangene Begegnung mehrerer Welten.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Von und mit Monira Al Qadiri. Co-Regie Raed Yassin. Text Monira Al Qadiri, Abdul Aziz Nujaim. Technische Leitung, Licht Nadim Deaibes. Musik Senyawa Kamera Karam Ghossein. Animation Fadi Baki.

PRODUKTION
Produktion Monira Al Qadiri. Koproduktion Wiener Festwochen, Aichi Triennale, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel).

Uraufführung Mai 2019, Wiener Festwochen

PREISE
Euro 20,-

DAUER
ca. 60 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
18. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Tanz

Marlene Monteiro Freitas:
Bacantes - Prelúdio para uma Purga

TANZ / MUSIK

Marlene Monteiro Freitas gilt als eines der größten Talente der internationalen Tanz-Szene: Voller Leben und expressiver Bilder sind ihre Arbeiten – aber auch mit zahlreichen kulturgeschichtlichen Referenzen versehen. Die in Lissabon lebende kapverdische Choreografin vereint technische Strenge mit maßloser Kreativität. Welcher Mythos könnte da besser passen als Euripides’ antike Tragödie Die Bakchen, in der Rausch, Wahnsinn und Kontrollverlust auf apollinische Klarheit treffen. Die uralte kathartische Funktion des Theaters und die reinigende Kraft des Exzesses. Freitas, bereits zum dritten Mal Gast bei den Festwochen, bringt das in ihrer vor Energie strotzenden Arbeit Bacantes – Prelúdio para uma Purga (Bakchen – Vorspiel zu einer Reinigung) auf die große Bühne: 13 Performer*innen und Musiker*innen formieren sich zum Live-Orchester, lassen die Instrumente tanzen, rasen und schreien. Eine Reise tief hinab in die menschliche Psyche, in grotesker, verstörender Ästhetik. Dass es Spaß macht, beseelend und belebend wirkt, darin liegt das Ausnahmetalent von Freitas. Sie zeigt eine atemberaubende Welt aus den Fugen, aber auch die Möglichkeit von Rettung und Erkenntnis, die dieser innewohnt.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Choreografie Marlene Monteiro Freitas. Mit Andreas Merk, Betty Tchomanga, Cookie, Cláudio Silva, Flora Détraz, Gonçalo Marques, Guillaume Gardey de Soos, Johannes Krieger, Lander Patrick, Marlene Monteiro Freitas, Miguel Filipe, Tomás Moital, Yaw Tembe. Licht, Bühne Yannick Fouassier. Ton Tiago Cerqueira Hocker João Francisco Figueira, Luís Miguel Figueira. Recherche Marlene Monteiro Freitas, João Francisco Figueira. Produktionsleitung Bruna Antonelli, Sandra Azevedo.

PRODUKTION
Produktion P.OR.K (Lissabon). Koproduktion Teatro Nacional D.Maria II (Lissabon), Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), steirischer herbst (Graz), Alkantara (Lissabon, mit Unterstützung von NXTSTP- Kulturprogramm der Europäischen Union), NorrlandsOperan (Umeå), Festival Montpellier Danse 2017, Bonlieu Scène nationale Annecy, La Bâtie-Festival de Genève (im Rahmen von FEDER - programme Interreg France-Suisse 2014-2020), Teatro Municipal do Porto, Le Cuvier – Centre de Développement Chorégraphique (Nouvelle-Aquitaine), HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Internationales Sommerfestival Kampnagel (Hamburg), Athens and Epidaurus Festival, Münchner Kammerspiele, Kurtheater Baden, SPRING Performing Arts Festival (Utrecht), Zürcher Theater Spektakel, Nouveau Théâtre de Montreuil – centre dramatique national, Les Spectacles Vivants / Centre Pompidou (Paris) Distribution Key Performance (Stockholm) Residency O Espaço do Tempo (Montemor-o-Novo), Montpellier Danse à l´Agora, cité internationale de la danse, ICI - centre chorégraphique national Montpellier - Occitanie / Pyrénées-Méditerranée / Direction Christian Rizzo

Uraufführung April 2017, Teatro Nacional D.Maria II (Lissabon)

PREISE
Euro 40,- / 32,- / 25,- / 18,- / 12,- / 5,- / 4,- (Stehplatz)

DAUER
2 Std. 15 Min.

WEINVERKOSTUNG
In Kooperation mit WEIN & CO bieten wir Ihnen an, vor der Vorstellung am 19. Mai, betreut von einem Sommelier, in die Welt des portugiesischen Weins einzutauchen.
Beginn: 18.00
Kombi-Karte (inkl. 26,– Euro Weinverkostung) nach Verfügbarkeit über das Bestellformular, telefonisch und an den Tageskassen erhältlich.
Theater

Krystian Lupa:
Proces

»Jemand musste Josef K. verleumdet haben.«
Der Prozess erzählt von einem Durchschnittsbürger, der plötzlich von einer ominösen Autorität bedroht wird. Krystian Lupa, einer der wichtigsten polnischen Regisseure, wollte diesen Stoff schon lange auf die Bühne bringen – nicht zuletzt wegen der deutlichen Analogien zur Lage in Polen seit der Machtübernahme der PiS- Partei. Die 2016 in Breslau begonnenen Proben mussten unter einem regierungstreuen Intendanten abgebrochen werden, erst im Herbst 2017 konnte mit Hilfe polnischer und europäischer Theater die Zensur umgangen werden. In Wien bietet sich nun die seltene Gelegenheit, Lupas Werk zu sehen. In dem präzise gespielten Stück mit akkurat eingesetzten Videoprojektionen hält Lupa sich mal mehr, mal weniger an die Vorlage von Kafka. Ohne Drastik oder Absurditäten zu scheuen, setzt er sich mit den Abgründen menschlicher Psyche ebenso auseinander wie mit den aktuellen Verhältnissen in Polen. Die murmelnde Stimme aus dem Off, die dem Künstler selbst gehört, verstärkt die atmosphärische Dichte. Es ist eine sogartige, bis ins letzte Detail mit Bedeutung aufgeladene Inszenierung – große, hochpolitische Kunst.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Regie, Adaptation, Bühne, Licht Krystian Lupa. Kostüm Piotr Skiba Musik Bogumił Misala. Video, Mitarbeit Licht Bartosz Nalazek. Animationen Kamil Polak. Maske Monika Kaleta. Mit Marcin Pempuś (Franz K.), Andrzej Kłak (Franz K.), Bożena Baranowska (Frau Grubach), Anna Ilczuk (Fräulein Bürstner), Michał Opaliński (Untersuchungsrichter), Wojciech Ziemiański (Gerichtsdiener), Ewa Skibińska (Rosa, Frau des Gerichtsdieners), Maciej Charyton (Jurastudent, Wächter 2), Adam Szczyszczaj (Max Brod, Kanzleidirektor), Małgorzata Gorol (Grete Bloch, Mädchen in der Kanzlei), Marta Zięba (Felice Bauer), Halina Rasiakówna (Tante Albertine), Piotr Skiba (Advokat), Ewelina Żak (Leni), Dariusz Maj (Blockbaum, Mann in der Kanzlei), Mikołaj Jodliński (Maler, Wächter 1), Andrzej Szeremeta (Gefängniskaplan, Inspektor). Glossen Krystian Lupa, Andrzej Kłak, Marta Zięba, Marcin Pempuś, Adam Szczyszczaj, Małgorzata Gorol, Radosław Stępień. Mitarbeit Dramaturgie, Regieassistenz Radosław Stępień, Konrad Hetel. Videoassistenz, Kamera Natan Berkowicz. Kostümassistenz Aleksandra Harasimowicz. Pornographische Illustration, Richterporträt Andrzej Kłak. Titorellis Heidelandschaft Ninel Kameraz-Kos. Inspizienz, Kamera Sylwia Merk. Technische Koordination Bartosz Braun. Übersetzung auf Englisch Dominika Gajewska, Artur Zapałowski. Deutsche Adaptation und Übersetzung Übertitel Dorota Krzywicka-Kaindel. Übertitel Adrianna Książek. Lichttechnik Karol Białek. Tontechnik Piotr Żyła, Radosław Symon. Videotechnik Andrzej Lawdański. Requisite Mateusz Andracki. Maske Monika Kaleta, Joanna Tomaszycka. Ankleide Iryna Kacharava, Varvara Kacharava. Technik Robert Tomala, Jakub Płónski.

PRODUKTION
Hauptproduktion Nowy Teatr (Warschau). Produktion STUDIO teatrgaleria (Warschau), Teatr Powszechny (Warschau), TR Warszawa, Le Quai Centre Dramatique National Angers Pays de la Loire.
Koproduktion Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), Printemps des Comédiens (Montpellier), Odéon Théâtre de l'Europe (Paris), Festival d’Automne (Paris), La Filature – Scène nationale – Mulhouse, Théâtre du Nord (Lille), La rose des vents - Scène nationale Lille Métropole Villeneuve-d'Ascq, HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste (Dresden), Onassis Stegi (Athen) Partner Teatr Polski w Podziemiu Kofinanziert von Miasto Stołeczne Warszawa.

PREISE
Euro 59,- / 46,- / 38,- / 26,- / 18,-

SPRACHE
Polnisch mit deutschen Übertiteln

DAUER
5 Std. 15 Min., inkl. 2 Pausen

FESTWOCHEN EXTRAS
Talk Krystian Lupa im Gespräch mit Monika Meister
Theater

Wichaya Artamat / For What Theatre:
เพลงนี้พ่อเคยร้อง
This Song Father Used to Sing (Three Days in May)

Ein thailändisches Geschwisterpaar findet alle zwei Jahre zusammen, um in einer traditionellen chinesischen Zeremonie des verstorbenen Vaters zu gedenken. Bruder und Schwester kochen, essen, schwatzen und scherzen dabei meist nächtens über nichts im Besonderen. Leichtfüßig bewegen sie sich im Gespräch durch die gemeinsamen, strittigen Erinnerungen an den Vater und die aktuellen Eigenheiten ihrer getrennten Lebensalltage. Augenblicke zeugen ebenso von tiefer geschwisterlicher Zuneigung wie gleichgültiger Distanz. Der in Europa noch gänzlich unbekannte Autor und Regisseur Wichaya Artamat, den die thailändische Presse trotz seines jungen künstlerischen Schaffens schon als meisterhaften Aufspürer der Alltäglichkeit bezeichnet, inszeniert in This Song Father Used to Sing (Three Days in May), so unauffällig wie möglich, ein wunderschönes Ritual des Andenkens. Zwei außergewöhnliche Schauspieler*innen profilieren sich in den lebhaften, natürlichen Dialogen geschmückt mit Sarkasmus, Missverständnissen und kitschigen Liedtexten von Volkshelden. Wer glaubt, Theater muss größer sein als das Leben an sich, erlebt hier den Beweis des Gegenteils.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text Wichaya Artamat, Jaturachai Srichanwanpen, Parnrut Kritchanchai. Regie Wichaya Artamat. Mit Jaturachai Srichanwanpen, Parnrut Kritchanchai, Saifah Tanthana. Bühne Ben Busarakamwong. Technische Leitung, Licht Chettapat Kheankheo. Musikvideo Atikhun Adulpocatorn. Inspizienz Pathipon Adsavamahapong. Produktionsleitung Sasapin Siriwanij.

PRODUKTION
Produktion For What Theatre

Uraufführung Juli 2015, Crescent Moon Space (Bangkok)

PREISE
Euro 20,-

SPRACHE
Thai mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
100 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
21. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Performance

Phia Ménard / Compagnie Non Nova:
Contes Immoraux – Partie 1: Maison Mère

Phia Ménard ist eine Klasse für sich. Als Performance-Künstlerin hat sie eine eigene Bildsprache fernab jeder Schule oder Schublade entwickelt. Ihre Karriere begann sie als Zirkusartistin. 1998 gründete die Französin die Compagnie Non Nova, um die Grenzen zwischen Jonglieren und Pantomime einerseits und Tanz und Theater andererseits zu öffnen und so beides zu transformieren. Den ersten Teil ihrer Unmoralischen Geschichten, Das Stammhaus, schuf Ménard für die documenta 14 in Kassel. Gekleidet wie eine Science-Fiction-Version der Göttin Athene baut sie aus Karton-Teilen den Parthenon nach. Sie möchte damit ein Haus für Europa errichten. Und zugleich an die Ausgesetztheit von Obdachlosen und Geflüchteten erinnern. Genau wie notdürftige Karton-Behausungen beim ersten Regenschauer keinen Schutz mehr bieten, ist auch Ménards mühevoll erschaffener Tempel vergänglich. Ein radikaler, bildgewaltiger Abend über den Menschen und seine Umwelt im ewigen Kreislauf zwischen Sterben und Werden.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Künstlerische Leitung, Choreografie, Performance Phia Ménard. Künstlerische Mitarbeit Jean-Luc Beaujault. Musik, Sound Ivan Roussel. Inspizienz Pierre Blanchet, Rodolphe Thibaud. Kostüm Fabrice Ilia Leroy. Technische Leitung Olivier Gicquiaud. Regieassistenz, Produktionsleitung, Administration Claire Massonnet. Produktionsassistenz Clarisse Merot. Öffentlichkeitsarbeit Adrien Poulard.

PRODUKTION
Produktion Compagnie Non Nova Koproduktion documenta 14 (Kassel, Athen), Le Carré - Scène nationale et Centre d’Art contemporain (Château-Gontier)
Compagnie Non Nova wird unterstützt von Ministère de la Culture - DRAC Pays de la Loire, Conseil Municipal de la Ville de Nantes, Conseil Régional des Pays de la Loire, Conseil Départemental de Loire-Atlantique, Institut Français und BNP Paribas Foundation. Phia Ménard/Compagnie Non Nova ist Artiste associée am l’Espace Malraux Scène Nationale (Chambery), am TNB, Centre Européen Théâtral et Chorégraphique de Rennes. Das Projekt Maison Mère erhält besondere Unterstützung vom Institut Français und der Stadt Nantes.
Uraufführung Juli 2017, documenta 14 (Kassel).

PREISE
Euro 30,- / 20,- / 15,-

DAUER
90 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
24. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Theater

René Pollesch:
Deponie Highfield

Im Gegensatz dazu wie „Sichtbarkeit“ gerade diskutiert wird, müsste es vielmehr um Folgendes gehen, dass Frauen genauso unsichtbar sein dürfen wie weiße Männer. Dass überhaupt alles Markierte undeutlich sein kann. Also um eine optische Politik müsste es gehen, die die Dinge in das Dunkle zieht, raus aus der Erhellung, in die Nicht-Transparenz. Auf einer besseren Darstellung der Welt müsste man beharren, einer zuverlässigen und durchsetzbaren, die sich nicht in der Suche nach Repräsentation erschöpft. In einem Regime der Überdeutlichkeit, der Erhellung, des Realismus also, ist der weiße Mann ja unsichtbar. Es gibt einen Blick, der bestrebt ist zu repräsentieren und zugleich der Repräsentation zu entgehen, und der will auch die vollkommen transparente Vermittlung der Welt. Aber gegen die Gefräßigkeit des Auges ginge es ja gerade darum, „nicht sichtbar“ zu sein. René Pollesch

René Pollesch inszeniert seit Jahren seine eigenen Stücke an zahlreichen Theatern. Seine Praxis als Regisseur und Autor, als jemand, der schreibend tätig ist, indem er Texte produziert und Inhalte ins Spiel bringt, vertraut wesentlich auf die Autorschaft der im Theater versammelten Künstler*innen, allen voran der Schauspieler*innen, Bühnenbildner*innen und Kostümbildner*innen.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text, Regie René Pollesch. Bühne Katrin Brack. Kostüm Tabea Braun. Licht Michael Hofer. Dramaturgie Anna Heesen. Mit Kathrin Angerer, Birgit Minichmayr, Caroline Peters, Irina Sulaver, Martin Wuttke.

PRODUKTION
Koproduktion Wiener Festwochen, Burgtheater (Wien)

Uraufführung Mai 2019, Wiener Festwochen

PREISE
Euro 59,- / 46,- / 38,- / 26,- / 12,- / 4,-(Stehplatz)

SPRACHE
Deutsch
Theater

Ersan Mondtag, Sibylle Berg:
Hass–Triptychon

Ersan Mondtag, schrieb die Süddeutsche Zeitung, ist mit seinen 31 Jahren geradezu unheimlich bekannt im deutschsprachigen Theaterbetrieb. Dabei gibt es gute Gründe für den Erfolg des risikobereiten Berliner Regisseurs: Mit seinen andeutungsreichen und hintergründigen Arbeiten schafft er immer wieder besondere, unvergessliche Theaterwelten. Bei den Wiener Festwochen 2019 bringt er mit dem fabelhaften Schauspieler Benny Claessens Sibylle Bergs Hass-Triptychon zur Welturaufführung. Das Werk erzählt in aberwitzig-brutalen Szenen von Missgunst, Ressentiments, Zorn und Zerstörungswut, die sich durch alle Gesellschaftsschichten ziehen. Ob Hausfrauen oder Schwule, Alte und Junge, Migrant*innen und Einheimische – sie morden und vergewaltigen. Als zentrale Figur der Inszenierung beschreibt und kommentiert ein „Hassmaster“ das Geschehen. Stellt er am Ende auch die Frage: Wieviel Hass ist genug?

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text Sibylle Berg. Regie Ersan Mondtag. Bühne Nina Peller. Kostüm Teresa Vergho. Musik Beni Brachtel. Dramaturgie Ludwig Haugk. Mit Benny Claessens und das Ensemble des Maxim Gorki Theater.

PRODUKTION
Koproduktion Wiener Festwochen, Maxim Gorki Theater (Berlin)

Uraufführung Mai 2019, Wiener Festwochen

PREISE
Euro 59,- / 51,- / 44,- / 36,- / 29,- / 25,- / 18,- / 12,- / 8,- / 4,- (Stehplatz)

SPRACHE
Deutsch

PUBLIKUMSGESPRÄCH
26. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Performance

Apichatpong Weerasethakul:
Fever Room

PERFORMANCE / FILM

Als Filmemacher ist Apichatpong Weerasethakul längst eine feste Größe: 2010 wurde er als erster Thailänder mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet, die BBC zählt drei seiner Filme zu den 100 bedeutendsten des 21. Jahrhunderts. Mit Fever Room, sein erstes Projekt für und mit dem Theaterraum, erweitert er das Kino um eine neue Dimension – und begeistert Publikum wie Kritik. Ausgangspunkt des Abends ist sein jüngster Film Cemetery of Splendour. Umgeben von Leinwänden tauchen die Zuschauer*innen in Projektionen ein, in Traumlandschaften aus Licht, Nebel und Schatten. Weerasethakuls Figuren nehmen in Parallelwelten Zuflucht, während ihre Heimat am Rande des Zusammenbruchs steht. Ihre persönlichen Geschichten vermischen sich mit jener des Landes. Anklänge an die gegenwärtige Militärdiktatur in Thailand sind erkennbar. Virtuos mit den Mitteln von Kino und Theater spielend, erschafft Weerasethakul ein Meisterwerk, das neue Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnet. Die Sinne sind hier genauso wichtig wie das Denken.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Regie Apichatpong Weerasethakul. Produktionsleitung Sompot Chidgasornpongse. Projektion, Visual Design Rueangrit Suntisuk. Licht Pornpan Arayaveerasid. Ton Akritchalerm Kalayanamitr, Koichi Shimizu. Assistenz Visual Design Piti Boonsom. Assistenz Licht Voratorn Peerapongpan. Cast Film Jenjira Pongpas, Banlop Lomnoi. Kamera Chatchai Suban. Kamera Assistenz Thanayos Roopkhajorn. Tonschnitt Chalermrat Kaweewattana. Buchhaltung Parichart Puarree. Postproduktion Siripun Sangjun. Senior Colorist Passakorn Yaisiri. Digital Colorist Chaitawat Thrisansri. Digital Conform Nuttacha Khajornkaitsakul. Post Supervisor Lee Chatametikool.

PRODUKTION
Produktion Kick the Machine Films Ein Auftragswerk von Asia Culture Center – ACC Theater (Gwangju).

Uraufführung September 2015, Asia Culture Center – ACC Theater (Gwangju).

PREISE
Euro 25,-

SPRACHE
Thai mit deutschen und englischen Untertiteln

DAUER
90 Min.

HINWEIS
Mit Stroboskop-Effekten
Theater

Azade Shahmiri:
ﯽﯾاﺪﺻﯽﺑ
Voicelessness

Wie verändert das digitale Zeitalter unsere Vorstellung von Gerechtigkeit und Wahrheit? Die 1982 geborene iranische Regisseurin und Autorin Azade Shahmiri lässt in dem intimen Stück Voicelessness eine Schauspielerin mit den digitalen Abbildern und Stimmen anderer Menschen zusammentreffen. Die junge Nava gräbt in der Vergangenheit nach Antworten. Was geschah mit ihrem Großvater? Was passierte damals und liegt noch immer wie ein dunkler Schatten über ihrem Leben? Weit entfernt ist für Nava unsere Gegenwart. Sie lebt im Jahre 2070 und hat einen Weg gefunden, Stimmen aus der Vergangenheit zu hören.
Mit deren Hilfe sowie durch Videoaufnahmen von Verwandten und Freund*innen ist sie in der Lage, ihre eigene Version der Geschichte zu schreiben. Voicelessness wirft Fragen auf, die dringlicher kaum sein können: Wie kann man weit zurückliegende Verbrechen nachweisen? Wie sie ahnden, wenn die beteiligten Menschen längst tot sind? Eine eindringliches Debüt, das noch lange zu denken gibt.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Regie Azade Shahmiri. Text Soheil Amirsharifi, Azade Shahmiri. Mit Shadi Karamroudi, Azade Shahmiri. Video Soheil Amirsharifi. Inspizienz Mohammad Mehdi Chakeri Licht Ali Kouzehgar. Musik Adib Ghorbani. Kostüm Marzie Seyedsalehi. Video mit Behzad Dorani, Sajad Tabesh, Hoda Heidari, Mariam Rahimivand. Kamera Navid Moheymanian, Vahid Alvandifar Ton Hadi Manavipour. Schnitt, Farbkorrektur Mohsen Kheyrabadi. Tonschnitt Hossein Ghourchian. Video Assistenz Mohammad Mehdi Chakeri. Deutsche Übersetzung Sima Djabar Zadegan.

PRODUKTION
Koproduktion Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), Zürcher Theater Spektakel

Uraufführung Mai 2017, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel)
Theater

Toshiki Okada / chelfitsch:
三 月 の 5 日 間 リクリエーション
Five Days in March
Re-creation

Mit Five Days in March gelang dem japanischen Dramatiker und Regisseur Toshiki Okada 2004 der Durchbruch. Es gilt heute als Meilenstein des zeitgenössischen japanischen Theaters und tourte durch die ganze Welt. Eine Gruppe junger Japaner*innen berichtet darin von fünf Tagen im März 2003 – darunter jenem Tag, an dem die USA begannen, den Irak zu bombardieren. Was das Stück so reizvoll und aufregend neu machte, sind seine starken Kontraste: Vor dem Hintergrund von Krieg und Protest erzählen die Performer*innen in schlampigem Jugendslang banale Geschichten von Konzerten, Sex und Freundschaft. Während sie ihre seltsam ziellose, unartikulierte Suada von sich geben, vollführen ihre Körper völlig losgelöste, beinah tanzende Bewegungen. In einer an Brecht geschulten Weise macht Okada ihr Lebensgefühl zwischen Apathie, Isolation und Angst spürbar. Über zehn Jahre später kommt er auf diese Arbeit zurück; er möchte den Veränderungen in der japanischen Gesellschaft, vor allem dem steigenden politischen Engagement, Rechnung tragen. In der Re-creation legt eine neue Generation junger Performer*innen den Text wie eine Folie auf das Japan nach Fukushima und untersucht, was sich seit der Jahrtausendwende verändert hat – und was nicht.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text, Regie Toshiki Okada. Mit Chieko Asakura, Riki Ishikura, Yuri Itabashi, Ayaka Shibutani, Ayaka Nakama, Leon Kou Yonekawa, Manami Watanabe Bühne Torafu Architects. Technische Leitung Koro Suzuki. Licht Tomomi Ohira (ASG). Ton Norimasa Ushikawa. Kostüm Kyoko Fujitani (FAIFAI). Regieassistenz Mana Inukai. Englische Übersetzung Aya Ogawa. Fotos Kenta Cobayashi Associated Production precog co.,LTD. Executive Producer Akane Nakamura. Chief Producer Tamiko Ouki. Administration Mai Hyodo. Producer Megumi Mizuno. Associate Producer Takafumi Sakiyama. Administrationsassistenz Minako Iwai, Sara Gunnare, Saki Miwa.

PRODUKTION
Produktion chelfitsch, KAAT Kanagawa Arts Theatre (Yokohama). Koproduktion KAAT Kanagawa Arts Theatre (Yokohama), ROHM Theatre Kyoto, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel). Mit Unterstützung von Toyohashi Arts Theatre PLAT, Nagano City Arts Center, Yamaguchi Center for Arts and Media
Residency Toyohashi City Toyohashi Arts Theatre PLAT. In Kooperation mit Steep Slope Studio, Kinosaki International Arts Center.

Uraufführungen
Five Days in March, Februar 2004, Sphereamex (Tokio)
Five Days in March Re-creation, Dezember 2017, KAAT Kanagawa Arts Theatre (Yokohama)

PREISE
Euro 30,- / 20,- / 15,-

SPRACHE
Japanisch mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
90 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
29. Mai, im Anschluss an die Vorstellung
Tanz

François Chaignaud, Marie-Pierre Brébant:
Symphonia Harmoniæ Cælestium Revelationum

Hildegard von Bingen war ein Universalgenie. Sie tat sich nicht nur als Dichterin und Gelehrte hervor, sondern auch als Komponistin. Symphonia Harmoniæ Cælestium Revelationum heißt die Sammlung geistlicher Lieder, die bis heute von einer magischen Aura umgeben sind. Für ihre gemeinsame Arbeit hat Sänger, Choreograf und Historiker François Chaignaud die mittelalterlichen Kompositionen auswendig gelernt, die Musikerin Marie-Pierre Brébant spielt dazu die ukrainische Lautenzither Bandura. Frei von musikalischen oder performativen Konventionen erwecken sie die spirituelle, heilende Kraft der Musik zum Leben, die vom wissenschaftlich-logischen Denken der heutigen westlichen Welt durchaus weit entfernt ist. Chaignauds Stimme bewegt sich wie schwerelos im Raum und bereichert die Melodien der Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen um eine skulpturale Dimension. Die mehrstündige Performance wird zu einem meditativen Erlebenis.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Performance François Chaignaud, Marie-Pierre Brébant. Gesang, Tanz François Chaignaud Bandura, Musikalische Adaptation Marie-Pierre Brébant. Bühne Arthur Hoffner. Licht Philippe Gladieux. Technische Leitung Anthony Merlaud. Ton Christophe Hauser. Lateinische Prosodie Angela Cossu. Produktionsleitung Barbara Coffy-Yarsel, Chloé Schmidt, Jeanne Lefèvre, Clémentine Rougier. Distribution Sarah de Ganck/Art Happens.

PRODUKTION
Produktion Vlovajob Pru. Koproduktion Bonlieu Scène Nationale Annecy, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), PACT Zollverein (Essen), Centre Chorégraphique National de Caen en Normandie, BIT Teatergarasjen (Bergen), Arsenal/Cité musicale-Metz, CN D Centre national de la danse (Lyon), MC93 – Maison de la culture de Seine-Saint-Denis (Bobigny), Les 2 Scènes - Scène nationale de Besançon. Mit Unterstützung von Villa Noailles (Hyères), BoCA Biennale of Contemporary Art (Porto). Dank an Lucie Jolivet, Lyubomyr Shevchuk
Residency CN D Centre national de la danse (Lyon), La Métive - lieu international de résidence de création artistique (Moutier-d'Ahun), FRAC Franche-Comté (Besançon), les Subsistances (Lyon). Vlovajob Pru wird unterstützt von Ministère de la Culture et de la Communication (DRAC Auvergne-Rhône-Alpes) und Région Auvergne-Rhône. Cecilia Bengolea und François Chaignaud sind Artistes associés am Bonlieu Scène nationale Annecy.

Uraufführung Mai 2019, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel)

PREISE
Euro 25,-

DAUER
ca. 3 Std.
Performance

Romeo Castellucci / Socìetas
La vita nuova

Ein Gefühl von Aufbruch liegt in der staubgeschwängerten Luft eines verwaisten Parkhauses, in dem sich eine Gruppe von Männern versammelt hat. Eine Bruderschaft, die inmitten der herrenlosen Autos einen Messias hervorbringen will. Sie suchen nach einem neuen Anfang für die Menschheit, nach einem besseren Zusammenleben. Aber besser als was? An Politik, Arbeit, die moderne Gesellschaft glauben sie nicht länger. In seinem jüngsten Werk La vita nuova will Romeo Castellucci nichts weniger als einen konsequenten Neubeginn. Der Stammgast bei den Wiener Festwochen sorgt immer wieder für heftige Diskussionen. Sein klang- und bildgewaltiges, radikales Œuvre verlangt, dass durch die Bühnenkunst ein neues, unmittelbares Verständnis des Seins entsteht. Auch die Propheten der Parkgarage wollen nicht länger eine leere, oberflächliche Existenz mit einer Kunst führen, die sich in der Behauptung erschöpft – sie wollen die Kunst des Lebens wieder erlernen. In einer Umwandlung nicht nur der Werte, sondern auch der Dinge, erschaffen sie sich einen neuen Garten Eden.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Regie Romeo Castellucci. Text Claudia Castellucci. Musik Scott Gibbons. Mit Sedrick Amisi Matala, Abdoulay Djire, Siegfried Eyidi Dikongo, Olivier Kalambayi Mutshita, Mbaye Thiongane. Regieassistenz Filippo Ferraresi. Bühnenobjekte Plastikart Studio (Istvan Zimmermann, Giovanna Amoroso). Umsetzung Kostüm Grazia Bagnaresi. Technische Leitung Paola Villani. Bühnentechnik Andrei Benchea (Leitung), Eugenio Resta, Carmen Castellucci, Daniele Magnani. Licht Andrea Sanson. Ton Nicola Ratti. Produktionsleitung Benedetta Briglia, Giulia Colla. Produktionsassistenz Caterina Soranzo. Internationale Promotion Gilda Biasini. Administration Michela Medri, Elisa Bruno, Simona Barducci. Beratung Massimiliano Coli. Szenenfotografie Stefan Glagla. Video Luca Mattei.

PRODUKTION
Produktion Socìetas Koproduktion BOZAR Paleis voor Schone Kunsten (Brüssel), Kanal Centre Pompidou (Brüssel), La Villette (Paris)
Socìetas wird unterstützt von Ministero dei beni e attività culturali, Regione Emilia Romagna, Comune di Cesena

Uraufführung November 2018, Kanal – Centre Pompidou (Brüssel)

PREISE
Euro 25,-

SPRACHE
Französisch mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
60 Min.

HINWEIS
Keine Sitzgelegenheiten
Theater

Robert Wilson, Darryl Pinckney, Isabelle Huppert
Mary Said What She Said

Nach dem unvergessenen Monolog Orlando aus dem Jahr 1993 arbeiten Robert Wilson, Isabelle Huppert und Autor Darryl Pinckney endlich wieder zusammen. Gleich nach der Weltpremiere im Pariser Théâtre de la Ville bringen die Festwochen Mary Said What She Said nach Wien. Der Regisseur und bildende Künstler Bob Wilson ist seit den 1960er Jahren wichtiger Impulsgeber und Wegbereiter des zeitgenössischen Theaters. Mit der Abstraktion in Raum, Zeit und Schauspielführung setzte er neue ästhetische Maßstäbe. Nun bietet er der großartigen Huppert nicht weniger als den Thron von Mary Stuart an, Königin von Frankreich und Schottland. Pinckney schrieb ihr einen wortgewaltigen Monolog auf den Leib. Eine Geschichte über Liebe, Macht, Verrat – und über unbändigen Freiheitsdrang, gespielt von einer der charismatischsten Schauspielerinnen unserer Zeit. Es ist das fesselnde Porträt einer starken, außergewöhnlichen Persönlichkeit, einer Frau, die bis zur letzten Sekunde kämpft. An ihrem letzten Morgen trägt die Königin Rot.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Text Darryl Pinckney. Regie, Bühne Licht Robert Wilson. Mit Isabelle Huppert. Musik Ludovico Einaudi. Kostüm Jacques Reynaud. Regieassistenz Charles Chemin. Assistenz Bühne Annick Lavallée-Benny. Assistenz Licht Xavier Baron. Ton Nick Sagar. Übersetzung Fabrice Scott.

PRODUKTION
Produktion Théâtre de la Ville Paris. In Zusammenarbeit mit EdM Productions. Koproduktion Wiener Festwochen, Internationaal Theater Amsterdam, Teatro della Toscana (Florenz), Thalia Theater (Hamburg).

Uraufführung Mai 2019, Théâtre de la Ville Paris

PREISE
Euro 65,- / 55,- / 43,- / 31,- / 20,-

SPRACHE
Französisch mit deutschen und englischen Übertiteln
Tanz

Lia Rodrigues:
Fúria

Was bedeutet es, einen Körper zu haben? Einen Mund, der sprechen und schreien kann, Hände, um jemanden zu berühren oder etwas zu zerschlagen? In ihrer jüngsten Arbeit Fúria untersucht die brasilianische Choreografin Lia Rodrigues mit neun Tänzer* innen, wie man als Gemeinschaft Handlungsmacht übernimmt, aus eigener Kraft seine Welt aufbaut. Für die 1956 geborene Rodrigues, die in Maré, der größten Favela Rio de Janeiros, eine Schule für zeitgenössischen Tanz betreibt, hat der Tanz immer eine soziale Notwendigkeit. Ihr unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Kunst ist Motor ihres Schaffens. Fúria bedeutet Hetze oder Wut, was sowohl an den neuen, mit faschistischen und gewaltverherrlichenden Aussagen schockierenden Präsidenten Brasiliens als auch an den ohnmächtigen Ärger der Bürger*innen denken lässt. Was könnte eine Gruppe aus solchen Emotionen entstehen lassen? Gleichzeitig Marsch, Parade und Prozession wirft diese kraftvolle, fesselnde Performance einen hoffnungsvollen Blick darauf, wofür Menschen zusamen einstehen können.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Choreografie Lia Rodrigues. Assistenz Amalia Lima. Von und mit Leonardo Nunes, Felipe Vian, Clara Cavalcanti, Carolina Repetto, Valentina Fittipaldi, Andrey Silva, Karoll Silva, Larissa Lima, Ricardo Xavier. Musik Auszüge traditioneller Lieder und Tänze der Kanaken von Neukaledonien. Dramaturgie Silvia Soter. Künstlerische Mitarbeit, Fotos Sammi Landweer. Licht Nicolas Boudier. Dank an Zeca Assumpçao, Inês Assumpçao, Alexandre Seabra, Mendel. Internationale Vertretung Thérèse Barbanel.

PRODUKTION
Produktion Chaillot – Théâtre national de la Danse (Paris) mit Unterstützung der Fondation d’entreprise Hermès im Rahmen des Programms New Settings. Koproduktion Festival d’Automne (Paris), le CENTQUATRE-PARIS, MA scène nationale (Montbéliard), Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt a.M., im Rahmen des Festivals Frankfurter Position 2019 – eine Initiative der BHF BANK Stiftung), Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), Teatro Municipal do Porto, Festival DDD - dias de dança (Porto, Matosinhos, Gaia), Theater Freiburg, Muffatwerk (München), Lia Rodrigues Companhia de Danças. Mit Unterstützung von Redes da Maré - Centro de Artes da Maré (Rio de Janeiro) Lia Rodrigues ist Artiste associée des Chaillot – Théâtre national de la Danse und des CENTQUATRE-PARIS.

Uraufführung November 2018, Festival d’Automne (Paris)

PREISE
Euro 30,- / 20,-

DAUER
70 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
2. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Performance

Sorour Darabi:
Savušun

Savušun, die neueste Arbeit von Sorour Darabi, ist eine Ode an die Verletzlichkeit, an fühlende, lebendige Wesen. Wie in seiner Performance Farci.e steht auch hier der Körper im Mittelpunkt. Wortwörtlich bedeutet „Savušun“: den Tod des Siyāwasch, des sagenumwobenen persischen Prinzen, beklagen. Inspiriert von der präislamischen Trauerzeremonie, die noch heute von schiitischen Muslimen zelebriert wird, untersucht der*die iranische Künstler*in, wofür der (männliche) Körper stehen kann. Denn in diesen traditionellen Ritualen des Trauerns, Schreiens, Singens und Schlagens erkennt Sorour Darabi eine heterogene Schönheit: Männer, die ihre Kraft und ihre Schwäche der zusehenden Menge offenbaren. Das gemeinsame Erlebnis ruft widersprüchliche und gemischte Gefühle: Stärke, Gewalt, Schmerz, Trauer und Zärtlichkeit.

Die Wiener Festwochen bieten mit Farci.e und Savušun zwei ausdrucksstarke Einblicke in einen originellen künstlerischen Kosmos.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Choreografie, Performance Sorour Darabi. Licht Yannick Fouassier, Jean-Marc Ségalen. Dramaturgie Pauline Le Boulba. Künstlerische Beratung Céline Cartillier, Mathieu Bouvier. Ton Clément Bernerd. Administration Charlotte Giteau. Touring Sandrine Barrasso.

PRODUKTION
Produktion Météores (Nantes). Koproduktion Montpellier Danse (mit Unterstützung der BNP Paribas Foundation), CN D Centre national de la danse (Pantin), La Villette (Paris), La Maison CDCN Uzès Gard Occitanie, La Fée Nadou (L’Affenadou), Zürcher Theater Spektakel, ICI - CCN Montpellier – Occitanie / Pyrénées Méditerranée, Sophiensaele (Berlin), Fonds Transfabrik – Fonds franco-allemand pour le spectacle vivant. Mit Unterstützung von SPEDIDAM, Ballet du Nord CCN Roubaix. Dank an Pouya Ehsaei, Florian De Sépibus, Agnieszka Ryszkiewicz, Ali Moini, Bryan Campbell, DD Dorvillier, Hossein Fakhri, Kamnoush Khosrovani, Maria Rössler, Tirdad Hashemi.

Uraufführung Juni 2018, Montpellier Danse

PREISE
Euro 20,-

SPRACHE
Kurze Passage auf Französisch mit englischen Übertiteln

DAUER
50 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
4. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Tanz

Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas, Amandine Beyer / B’Rock Orchestra:
Die sechs Brandenburgischen Konzerte

TANZ / MUSIK

Eine der wichtigsten Visionärinnen im zeitgenössischen Tanz trifft auf einen der bedeutendsten Musiker und Komponisten überhaupt. Zwölf Männer und vier Frauen aus drei Generationen von Anne Teresa De Keersmaekers Kompanie Rosas tanzen zu den Klängen von Johann Sebastian Bach. Die belgische Choreografin und Tänzerin kehrt damit zu einem Komponisten zurück, der sie seit den 1980er-Jahren begleitet. Lange wagte sich De Keersmaeker nicht an die komplexe Komposition, losgelassen aber haben die Brandenburgischen Konzerte sie nie. Beinahe vier Jahrzehnte später war die Zeit reif. Nach intimeren Abenden arbeitet sie nun erneut mit einem starken Ensemble und einem hervorragenden Orchester. Und es gelingt ihr eine kongeniale Ergänzung der Konzerte: Die betörend schlichte Choreografie, aus Grundbausteinen von Bewegung wie Gehen, Drehen oder Hüpfen, nimmt der Musik nichts von ihrer Einzigartigkeit, im Gegenteil. Der Tanz lässt die Komposition erst in all ihren Facetten erkennen. Auch, wenn Bach die Brandenburgischen Konzerte sicherlich nicht als Tanz-Musik geschrieben hat – De Keersmaeker beweist, dass sie getanzt gehören.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Choreografie Anne Teresa De Keersmaeker. Musikalische Leitung Amandine Beyer. Von und mit Boštjan Antončič, Carlos Garbin, Frank Gizycki, Marie Goudot, Robin Haghi, Cynthia Loemij, Mark Lorimer, Michaël Pomero, Jason Respilieux, Igor Shyshko, Luka Švajda, Jakub Truszkowski, Thomas Vantuycom, Samantha van Wissen, Sandy Williams, Sue Yeon Youn. Zweitbesetzung Lav Crnčević, José Paulo dos Santos, Anika Edström Kawaji, Bilal El Had. Mit Musik von Johann Sebastian Bach (Brandenburgische Konzerte, BWV 1046-1051). Orchester B’Rock Orchestra (Violine Amandine Beyer (Solovioline), Jivka Kaltcheva, David Wish Viola Manuela Bucher, Luc Gysbregts, Marta Páramo Cello Rebecca Rosen, Frédéric Baldassare, Julien Barre Viola da gamba Frédéric Baldassare, Julien Barre Kontrabass, Violone Tom Devaere Traversflöte Manuel Granatiero Oboe Antoine Torunczyk, Stefaan Verdegem, Jon Olaberria Fagott Benny Aghassi Trompete Bruno Fernandes Horn Bart Aerbeydt, Mark De Merlier Blockflöte Bart Coen, Benny Aghassi Cembalo Andreas Küppers) Ansager Lav Crnčević. Kostüm An D'Huys. Bühne, Licht Jan Versweyveld. Dramaturgie Jan Vandenhouwe. Künstlerische Mitarbeit Femke Gyselinck. Administration Anne Van Aerschot. Ton Alban Moraud, Aude Besnard. Musikalische Beratung Kees van Houten. Musikalische Assistenz Juan María Braceras, Ekachai Maskulrat. Assistenz Bühne, Licht Pascal Leboucq, François Thouret. Koordination Kostüm Heide Vanderieck Sewing Viviane Coubergs, Charles Gisèle, Ester Manas, Maria Eva Rodrigues-Reyes Garderobe Emma Zune, Ella De Vos, Ester Manas .Technische Leitung Joris Erven. Technik Max Adams, Joris De Bolle, Quinten Maes, Michael Smets.

PRODUKTION
Produktion Rosas. Koproduktion B’Rock Orchestra, Volksbühne (Berlin), La Monnaie / De Munt (Brüssel), Opéra de Lille, Opéra National de Paris, Sadler’s Wells (London), Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Concertgebouw (Brügge), Hollandfestival (Amsterdam) Dank an Gli Incogniti, Inge Grognard. Mit Unterstützung durch das Tax Shelter Programm der Belgischen Regierung in Zusammenarbeit mit Casa Kafka Pictures Tax Shelter empowered by Belfius.
Rosas wird unterstützt von der Flämischen Gemeinschaft und BNP Paribas Foundation.

Uraufführung September 2018, Volksbühne Berlin

PREISE
Euro 59,- / 46,- / 36,- / 30,- / 26,- / 21,- / 18,- / 15,- / 12,- / 9,- / 7,- / 5,- / 4,- (Stehplatz)

DAUER
2 Std.

EINFÜHRUNGEN ZUR MUSIK
3. Juni, 19.30 Uhr, 4. Juni, 17.30 Uhr,
Theater an der Wien, Großer Pausenraum
Theater

Mazen Kerbaj, Lina Majdalanie, Rabih Mroué:
Borborygmus

1. Ein gluckerndes, knurrendes oder quietschendes Geräusch im Magen,
verursacht durch Gas, das durch den Körper strömt.
2. Ein Geräusch, das auf Mangel oder Sättigung hinweist.
3. Eine unverständliche Rede.
4. Eine peinliche – jedoch ungefährliche – Situation.
5. Ein Stück über das alles und mehr.

Borborygmus heißt die neueste Arbeit von Rabih Mroué und Lina Majdalanie, ihre erste Zusammenarbeit mit dem Musiker Mazen Kerbaj. Im Gegensatz zu früheren dokumentarischen Arbeiten des Duos stehen die Gedanken und Gefühle der drei libanesischen Künstler*innen im Mittelpunkt, die vor der traurigen Realität unserer Welt offensichtlich kapituliert haben. Das Stück treibt Desillusionierung und Scheitern auf die Spitze, bis sie die Form ultimativen Widerstands annehmen. Was scheinbar fest und sicher ist, bringt diese schwarze Komödie, dieses Anti-Requiem des Lebens, in Bewegung – und macht es möglich, über Leben, Tod und … Verdauungsgeräusche zu lachen.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Von und mit Mazen Kerbaj, Lina Majdalanie, Rabih Mroué. Licht, Ton, Technische Leitung Thomas Köppel. Englische Übersetzung Ziad Nawfal.

PRODUKTION
Ein Auftragswerk von HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Walker Art Center (Minneapolis). Koproduktion Wiener Festwochen, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt a. M.). Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Deutschland), Rosa-Luxemburg-Stiftung (Beirut).

Uraufführung Jänner 2019, Walker Art Center (Minneapolis)

PREISE
Euro 30,- / 25,- / 19,- / 12,-

SPRACHE
Arabisch mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
ca. 70 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
5. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Performance

Sorour Darabi:
Farci.e

Sprache kann eine Zumutung sein. Der*die iranische Künstler*in Sorour Darabi hat das am eigenen Leib erfahren.
Während des Choreografie-Studiums in Montpellier erlebte er*sie, welch starken Einfluss Sprache auf die Wahrnehmung der Welt hat. In seiner*ihrer Muttersprache Farsi gibt es keine Geschlechtsmarkierungen, im Französischen wiederum ist alles entweder männlich oder weiblich. Eine echte Entdeckung ist die davon inspirierte Performance Farci.e, 2016 beim Zürcher Theater Spektakel mit dem Jury-Preis geehrt.
Mit Witz und einer Spur Frechheit zeigt er*sie, wie Worte und die durch sie vermittelten Ordnungen in den Körper eindringen.

Die Wiener Festwochen bieten mit Farci.e und Savušun zwei ausdrucksstarke Einblicke in einen originellen künstlerischen Kosmos.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Choreografie, Performance Sorour Darabi. Licht Yannick Fouassier. Beleuchtung Jean-Marc Ségalen. Künstlerische Beratung Mathieu Bouvier.

PRODUKTION
Produktion Météores (Nantes). Koproduktion Montpellier Danse, ICl - CCN Montpellier - Occitanie/Pyrénées Méditerranée. Mit Unterstützung von CN D Centre national de la danse (Pantin), Honolulu Nantes, Théâtre de Vanves Dank an Loïc Touze, Raïssa Kim, Florence Diry, Pauline Brun, Jule Flierl, Clair.E Olivelli, Zar Amir Ebrahimi.

Uraufführung Juni 2016, Montpellier Danse

PREISE
Euro 20,-

DAUER
40 Min.
Tanz

Marcelo Evelin / Demolition Inc, Hugo Wolf Quartett:
Matadouro live

TANZ / MUSIK

Das Leben ist ein Kampf ums Überleben. Diese Worte erscheinen oft wie eine hohle Phrase. Doch die existenzielle Realität dahinter zeigt der brasilianische Choreograf und Performer Marcelo Evelin in seinem 2010 entstandenen Matadouro, das bis heute nichts von seiner berührenden und zugleich provozierenden Kraft verloren hat. Zur Livemusik von Franz Schuberts Quintett in C-Dur umrunden acht Tänzer*innen unermüdlich die Bühne. Ein ikonografisches Bild, das den Widerspruch zwischen europäischen Vorstellungen von der Schönheit der Kunst und der harten Realität von Armut und Gewalt aufzeigt. Evelin selbst kennt diesen Bruch. Er lebt seit 1986 in Europa und hat hier unter anderem mit Pina Bausch getanzt, pendelt jedoch nach wie vor in seine Heimatstadt Teresina, wo er das Kunstzentrum CAMPO betreibt. Matadouro ist der letzte Teil einer Trilogie in Anlehnung an das brasilianische Epos Os Sertões von Euclides da Cunha, in dem eine Gruppe von Separatist*innen für soziale Gerechtigkeit kämpft. Eine kraftvolle Choreografie, ein fesselnder Kampf um Menschlichkeit und Würde.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Choreografie Marcelo Evelin. Von und mit Allexandre Santos, Andrez Lean Ghizze, Cipó Alvarenga, Fábio Crazy da Silva, Fagão Silva, Izabelle Frota, Jacob Alves, Marcelo Evelin. Künstlerische Mitarbeit Layane Holanda. Dramaturgie Silvia Soter. Mit Musik von Josh S., Jaap Lindjer, Franz Schubert (Quintett in C Dur) interpretiert von Hugo Wolf Quartett. Foto Sérgio Caddah. Produktionsleitung Regina Veloso. Touring Sofia Matos/Materiais Diversos.

PRODUKTION
Produktion CAMPO arte contemporânea (Teresina). Ein Werk von Demolition Incorporada in Zusammenarbeit mit Núcleo do Dirceu.

Uraufführungen
Matadouro, November 2010, Festival Panorama (Rio de Janeiro)
Matadouro live, Juni 2019, Wiener Festwochen

PREISE
Euro 30,- / 20,- / 15,-

DAUER
ca. 65 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
6. Juni, im Anschluss an die Vorstellung

EINFÜHRUNGEN ZUR MUSIK
5. / 6. / 7. Juni, 20 Uhr, Foyer der Halle E + G im MuseumsQuartier
Film

Markus Öhrn:
Bergman in Uganda

FILM / PERFORMANCE

Eine neue Form des Geschichtenerzählens ist in den letzten Jahren in Uganda entstanden. Vee-Jays arbeiten in provisorischen Kinosälen, wie man sie in Slums und abgelegenen Dörfern findet. Ihre Kunst besteht in der Live-Übersetzung von Filmen – meist Hollywood-Blockbuster – für ein lokales Publikum. Der schwedische Künstler Markus Öhrn (dessen neues Werk 3 Episodes of Life bei den Festwochen uraufgeführt wird) hatte die Idee, die Filme von Ingmar Bergman in diesem besonderen kulturellen Kontext vorzuführen. Daraus entwickelte er Bergman in Uganda, eine Installation, bei der das Publikum zwischen zwei Leinwänden sitzt. Während auf die eine Persona (1966) projiziert wird, sehen wir auf der anderen, wie ein lokaler Geschichtenerzähler dieses exemplarische Werk mit Worten beschreibt und erklärt. Wie werden Filme von Bergman in den Elendsvierteln von Kampala heutzutage gesehen? Wie können die komplexe Introspektion der Figuren und der Lebensstil der sogenannten westlichen Welt in einen anderen Kontext übersetzt und in diesem interpretiert werden? Nicht ohne Ironie lädt Markus Öhrn das europäische Publikum ein, zu sehen, wie auf ihre eigene Kultur ein Blick von außen geworfen wird. Eine verwirrende und erfrischende Veränderung der Perspektive.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Kamera, Schnitt Markus Öhrn. Featuring Persona (1996) von Ingmar Bergman. Mit VJ HD.

PRODUKTION
Produktion Markus Öhrn, Swedish Subterranean Movie Company. Mit Unterstützung von Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), Swedish Arts Grant Committee, Stadsschouwburg Amsterdam, Volksbühne (Berlin).

Uraufführung Mai 2014, Kunstenfestivaldesarts (Brüssel)

PREISE
Euro 12,-

SPRACHE
Lingala mit englischen Untertiteln

DAUER
90 Min.
Theater

Milo Rau / NTGent:
Orest in Mossul

»Es geht nicht mehr nur darum, die Welt darzustellen. Es geht darum, sie zu verändern.« So beginnt das Manifest, das Milo Rau als neuer Leiter des Stadttheaters NTGent verfasst hat. Der 2018 mit dem Europäischen Theaterpreis ausgezeichnete Schweizer, einer der kontroversesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Theatermacher, legt mit seinen dokumentarischen Arbeiten den Finger in die Wunden der Gegenwart – und verändert sie tatsächlich: Sein Kongo-Tribunal, zum Beispiel, zwang zwei Minister zum Rücktritt. In Wien, wo seine Inszenierungen bisher selten zu sehen waren, präsentiert er bei den Wiener Festwochen eine brandneue Arbeit. In Orest in Mossul begegnet er der antiken Tragödie von Aischylos ganz im Sinne des Manifestes: »wörtliche Adaption verboten.« Was Rau an der Orestie interessiert, ist die Einführung eines modernen Rechtssystems. Ein Ende des blutigen Teufelskreises aus Mord und Rache ist erst durch einen Prozess möglich, der eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft erlaubt. Als Vorbereitung für sein Stück arbeitet er im Irak und stellt anhand der antiken Tragödie eine wichtige Frage zu einem aktuellen Konflikt: Wie begegnet man der Gewalt im Nahen Osten und ganz konkret den IS-Kämpfer*innen, ohne in archaische Muster zu verfallen?

KÜNSTLERISCHES TEAM
Regie Milo Rau. Mit Duraid Abbas, Susana AbdulMajid, Elsie de Brauw, Joke Emmers, Risto Kübar, Johan Leysen, Bert Luppes, Marijke Pinoy. Bühne, Kostüm Anton Lukas. Dramaturgie Stefan Bläske.

PRODUKTION
Produktion NTGent, Schauspielhaus Bochum. Koproduktion TANDEM Scène Nationale (Douai/Arras). In Zusammenarbeit mit Action Zoo Humain.
Mit Unterstützung von Tax Shelter Programm der Belgischen Regierung.

Uraufführung April 2019, NTGent

PREISE
Euro 59,- / 46,- / 38,- / 26,- / 18,-

SPRACHE
Niederländisch, Arabisch, Englisch und Deutsch mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
ca. 2 Std.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
7. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Performance

Benjamin Verdonck:
Liedlein für Gigi

Der wahre Zauber des Theaters lässt sich oft erst (wieder-)entdecken, wenn aller Pomp wegfällt und nur noch der Kern bleibt: Bilder, Farben, Geschichten und davor ein staunendes und bezaubertes Publikum. Lediglich einen kleinen, wenn auch höchst durchdachten vertikalen Aufbau aus unzähligen Schichten in Form eines Guckkastens und eine Handvoll Schnüre braucht der belgische Autor und Theatermacher Benjamin Verdonck, um die Zuseher*innen in unbekannte Welten zu entführen. Liedlein für Gigi ist der neueste Teil seiner Serie von Miniatur-Theatern, die er zur Gänze selbst baut. Begleitet von zwei Musikern lässt Verdonck, an seinen Fäden ziehend, wie ein Zauberer neue Szenerien entstehen und wieder in den Kulissen verschwinden. Der ruhige Abend wirkt in unserem hektischen Alltag wie ein heilsames Gegenmittel. Ein kleines, unaufdringliches Gesamtkunstwerk, das dem Publikum die Notwendigkeit fiktiver Welten spüren lässt.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Von und mit Benjamin Verdonck. Musik Bram Devens, Tomas de Smet. Dramaturgie Sven Roofthooft. Bühne Benjamin Verdonck, Lucas van Haesbroeck. Licht Lucas van Haesbroeck. Kostüm Filip Eyckmans.

PRODUKTION
Produktion Toneelhuis (Antwerpen). Mit Unterstützung von Casa Kafka Pictures Tax Shelter empowered by Belfius. Distribution Something Great.

Uraufführung Jänner 2018, Bourlaschouwburg (Antwerpen)

PREISE
Euro 20,-

DAUER
50 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
7. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Performance

Romeo Castellucci / Socìetas:
Le Metope del Partenone

Schreckliche Unfälle finden statt, Rettungskräfte kommen zum Einsatz. Ein Kampf um Leben und Tod. Romeo Castellucci zwingt zum Hinsehen. Der Italiener, der die europäische Theaterszene seit den 1980er Jahren nachhaltig geprägt hat, ist dieses Jahr bei den Festwochen gleich zweimal zu Gast. Wie La vita nuova steht Le Metope del Partenone für einen wichtigen Teil seines Schaffens, der in Wien bisher selten zu sehen war: performative Arbeiten außerhalb klassischer Theaterräume. Plötzlich und scheinbar ohne Ursache eintretende Schicksalsfälle werden in Le Metope del Partenone zu Skulpturen im Raum. Ähnlich den Metopen antiker Friese, auf denen mythische Kampfhandlungen zu Stein gerinnen, bilden sie – realistisch und metaphorisch – das menschliche Los ab. Rätsel unterbrechen die entsetzlichen Szenen. Wie in der griechischen Legende der Sphinx werden wir aufgefordert, uns selbst als Körper wie als Geisteswesen zu erkennen.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Regie Romeo Castellucci. Text Claudia Castellucci. Künstlerische Mitarbeit Silvia Costa. Special Effects, Make-up Plastikart Studio (Istvan Zimmermann, Giovanna Amoroso). Mit Silvia Costa, Dirk Glodde, Zoe Hutmacher, Liliana Kosarenko, Maximilian Reichert, Sergio Scarlatella. Mit Musik von Alexander Knaifel (Blazhenstva). Dank an Wiener Rotes Kreuz.

PRODUKTION
Koproduktion Theater Basel, La Villette (Paris), Festival d’Automne (Paris). In Zusammenarbeit mit Socìetas. Socìetas wird unterstützt von Ministero die beni e attivitá culturali, Regione Emilia Romagna, Comune di Cesena.

PREISE
Euro 25,-

SPRACHE
Projektionen in deutscher Sprache

DAUER
45 Min.

HINWEIS
Keine Sitzgelegenheiten

HINWEIS
Das Stück beinhaltet schockierende Bilder, die für sensible Besucher*innen unangenehm sein können.
Theater

Tiago Rodrigues / Teatro Nacional D.Maria II:
Sopro

Sopro – Portugiesisch für Hauch – handelt von einem Theater, das vergangen ist, doch durch die Erinnerung einer Souffleuse wieder zum Leben erweckt wird. Das jüngste Stück des Dramatikers und Regisseurs Tiago Rodrigues basiert auf Anekdoten, die Cristina Vidal während der 39 Jahre ihrer Tätigkeit als Souffleuse am Lissaboner Teatro Nacional D.Maria II sammelte. Normalerweise verbirgt sie sich hinter den Schauspieler*innen, nun aber tritt sie erstmals ins Rampenlicht, um ihnen ihre eigenen Erinnerungen zu soufflieren. Sie agiert etwas widerwillig und macht keinen Hehl daraus, dass sie von diesem innovativen Regie-Einfall nicht sonderlich viel hält und den Anweisungen des Regisseurs einzig aus Loyalität zu ihrem Theater folgt. Das Stück, das aus Fragmenten klassischer Texte (von Racine, Tschechow oder Sophokles) und Geschichten aus dem Leben hinter den Kulissen besteht, wird von dem Wunsch vorangetrieben, das Unsichtbare darzustellen. Sopro ist eine bewegende Hommage an alle im Theater-Hintergrund tätigen Menschen und an einen verschwindenden Beruf. Den Geist des Theaters beschwörend, lässt es die Wärme eines Atems spüren, der nicht fassbar oder vollständig kontrollierbar ist … aber den Erinnerungen immer wieder neues Leben einhaucht.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept, Regie Tiago Rodrigues. Mit Beatriz Brás, Carla Bolito, Cristina Vidal, Isabel Abreu, Marco Mendonça, Romeu Costa. Bühne, Licht Thomas Walgrave. Kostüm Aldina Jesus. Ton Pedro Costa. Regieassistenz Catarina Rôlo Salgueiro. Beleuchtung Daniel Varela. Produktionsleitung Rita Forjaz. Produktionsassistenz Joana Costa Santos.

PRODUKTION
Produktion Teatro Nacional D.Maria II (Lisbon). Koproduktion ExtraPôle Provence-Alpes-Côte d’Azur, Festival d’Avignon, Théâtre de la Bastille (Paris), La Criée - Théâtre national de Marseille, Le Parvis scène nationale Tarbes Pyrénées, Festival Terres de Paroles Seine-Maritime – Normandie (Rouen), Théâtre Garonne Scène européenne (Toulouse), Teatro Viriato (Viseu). Mit Unterstützung von Office national de diffusion artistique.

Uraufführung Juli 2017, Festival d’Avignon

PREISE
Euro 40,- / 34,- / 29,- / 25,- / 21,- / 18,- / 14,- / 12,- / 10,- / 5,-

SPRACHE
Portugiesisch mit deutschen und englischen Übertiteln

DAUER
2 Std.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
8. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Musik

Encyclopédie de la parole, Joris Lacoste, Pierre-Yves Macé:
Suite n°3 – Europe

MUSIK / PERFORMANCE

Wie lassen sich Unbehagen, Hohn oder Hass darstellen? Encyclopédie de la parole antwortet darauf mit eigenen Waffen: Worten und Musik. Nach den großartigen Stücken Suite n°1 und Suite n°2 zehren die französischen Künstler weiterhin von ihrer umfangreichen Sammlung aus Tondokumenten, die einer Bestandsaufnahme von Mündlichkeit in all ihren Formen gleichkommt. Dieses Mal sind sie besonders an jenen Worten interessiert, die Menschen aus verschiedenen Gründen und in unterschiedlichem Ausmaß nur ungern hören. Ob standardisierte Jobinterviews, Verschwörungstheorien oder Schimpftiraden, Suite n°3 – Europe bringt sie auf die Bühne und macht daraus 26 Vertonungen in den offiziellen Sprachen der Europäischen Union. In Form eines Liederabends bringen zwei Sänger*innen und ein Pianist sie zum Vortrag, ganz in den europäischen Traditionen von Oper oder Sprechgesang. Die schönen Melodien versuchen das Unerträgliche zu mildern, wenden sich gegen die Heftigkeit der zweifelhaften Äußerungen, die auch Realität des Kontinent sind, und erlauben sogar darüber zu lachen.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Konzept Encyclopédie de la parole. Dramaturgie, Regie Joris Lacoste, Komposition, Musik Pierre-Yves Macé. Mit Bianca Iannuzzi, Laurent Deleuil, Denis Chouillet (Klavier). Künstlerische Mitarbeit Elise Simonet. Choreografie Lenio Kaklea. Bühne, Licht Florian Leduc. Ton Stéphane Leclercq. Technische Leitung Florian Leduc. Kostüm Ling Zhu. Gesangstraining Vincent Leterme. Stimmcoaching Valérie Philippin. Hospitanz Yvan Loiseau. Leitung Übersetzung Marie Trincaretto. Englischer Text Julie Etienne. Sammlungskoordination Joris Lacoste, Valérie Louys, Marion Siéfert, Elise Simonet. Beiträge Archivsammlung Christa Antoniou (CY), Zsolt Boros (HU), Tamara Bracic Vidmar (SL), Rita Bukauskaite (LIT), Ida Daniel (BUL), Milena Ilieva (BUL), Pierre Daubigny (POL), Ania Szczepanska (POL), Glen Falzon (MT), Antoine Cassar (MT), Nicole Genovese (FIN), Kim Jeitz (LU), Genevieve Leyh (ENG), Lenka Luptakova (SK), Shane Mansfield (GLA), Barbara Matijevic (HR), Sabine Macher (DE), Nicolas Melard (AT), Olivier Van Nooten (NL), Daniel Naami (NL), Federico Paino (IT), Ruta Pakalne (LV), Alise Bokaldere (LV), Birgit Peeters (BE), Tomás Pereira Ginet-Jaquemet (ES), Sergiu Popescu (RO), David Roenner (SE), Brigitte Schima (AT), Soren Stecher-Rasmussen (DK), Maia Means (DK) et Sotiris Vasiliu (GR). Dank an Sarah Becher, Nikola Bencova, Isabel Calvo, David-Alexandre Gueniot, Patricia Almeida, Anneke Lacoste, Nuno Lucas, Marie Pullerits, Raquel Rodrigues da Costa Gomes de Sousa Workshoppartner Teatro Municipal do Porto, Baltoscandal Festival (Rakvere). Sprachcoaching Kim Andringa, Zsolt Boros, Rita Bukauskaite, Pierre Daubigny, Astrid De Graef, Nicole Genovese, Hanna Hedman, Milena Ilieva, Lénio Kaklea, Nuno Lucas, Christa Antoniou, Barbara Matijevic, Nele Suisalu, Bara Prochaskova, Sergiu Popescu, Kristine Borodina, Sarka Vancurova, Gabrielle Sargent, Ania Szczepanska Judyta Steffek, Alexander Nielsen. Produktionsleitung Edwige Dousset. Produktionsassistenz Justine Noirot in Zusammenarbeit mit Ligne Directe (Judith Martin, Marie Tommasini). Tour Management Garance Crouillere.

PRODUKTION
Produktion Echelle 1:1 (mit Unterstützung von Ministère de la Culture et de la Communication / DRAC Île-de-France, Conseil régional d'Île-de-France) in Zusammenarbeit mit Ligne Directe. Koproduktion Kunstenfestivaldesarts (Brüssel), Théâtre de la Ville (Paris), Festival d’Automne (Paris), La Comédie de Reims - CDN / Festival Reims Scènes d’Europe, São Luiz Teatro Municipal (Lissabon), Alkantara Festival (Lissabon), Le phénix scène nationale Valenciennes, Théâtre Garonne - Scène européenne (Toulouse), Baltoscandal (Rakvere), Göteborgs dans- och teaterfestival, L’apostrophe - scène nationale de Cergy-Pontoise et du Val d’Oise, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt a. M.). Mit Unterstützung von Institut français (Paris), Ville de Saint-Denis, Conservatoire de musique et de danse and Nanterre-Amandiers, Centre dramatique national, CN D Centre national de la danse, House On Fire, NXTSTP – Kulturprogramm der Europäischen Union.

Uraufführung Oktober 2017, Théâtre Garonne – Scène européenne (Toulouse)

PREISE
Euro 35,- / 26,- / 21,- / 15,- / 8,- / 4,-(Stehplatz)

SPRACHE
Alle offiziellen Sprachen der EU mit deutschen Übertiteln

DAUER
90 Min.

PUBLIKUMSGESPRÄCH
11. Juni, im Anschluss an die Vorstellung
Film

Béla Tarr:
Missing People

FILM / VISUAL ARTS

Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt – das wurde 2018 erneut bestätigt. Doch die makellose Oberfläche der Metropole voller Habsburger-Pomp, Sachertorte und strahlend weißer Lipizzaner zeigt nur eine Seite. Viele Bewohner*innen passen nicht in dieses Bild hinein. Sie sind durch Armut und gesellschaftliche Hierarchien dem Auge entzogen. In Missing People gibt Béla Tarr ihnen Sichtbarkeit zurück. Der Ungar, dessen Hauptwerk Sátántangó als eines der wichtigsten Werke der Filmgeschichte gilt, kommt laut seinem Kollegen Gus Van Sant dem tatsächlichen Rhythmus des Lebens so nahe wie kaum ein anderer Filmemacher. So auch in seinem neuesten Projekt, für das er nach einer langen Schaffenspause erstmals wieder Regie führt. In ein paar wenigen Einstellungen dreht er einen Film, der genau jene unsichtbaren Menschen an einem Ort zeigt, zu dem sie sonst wohl keinen Zugang haben. Präsentiert wird das so entstandene Werk ausschließlich im Rahmen der Festwochen – und zwar am Drehort selbst. Das Publikum ist dort unter sich. Von den Protagonist*innen des Films bleiben nur Spuren. Ein engagiertes Projekt, das auf eindringliche Weise für Menschlichkeit eintritt.

KÜNSTLERISCHES TEAM
Regie Béla Tarr

PRODUKTION
Ein Auftragswerk von Wiener Festwochen

Uraufführung Juni 2019, Wiener Festwochen

PREISE
Euro 20,-

AUGUSTIN
Am 15. Juni können beide Vorstellungen von Missing People von Béla Tarr gegen Vorlage einer aktuellen Ausgabe der Wiener Straßenzeitung Augustin bei freiem Eintritt besucht werden.
Karten sind nach Verfügbarkeit am 15. Juni jeweils an der Abendkasse im Foyer der Halle E+G im MuseumsQuartier erhältlich.