Lucerne Festival gehört zu den international führenden Festivals im Bereich der klassischen Musik. Gegründet wurde Lucerne Festival 1938, Intendant ist seit 2026 Sebastian Nordmann.
Das zentrale Festival im Sommer von Mitte August bis Mitte September bietet ein vielfältiges Angebot von rund 100 Konzerten und weiterführenden Veranstaltungen. Jedes Sommer-Festival hat ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Dramaturgie des Programms zieht. Geboten wird ein vielfältiges Angebot an Konzertformaten – Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Rezitale, Debuts, Late Nights und vieles mehr. Flankiert wird Lucerne Festival Summer von Kurzfestivals im Frühling und Herbst: vor Ostern von einer Frühjahrs-Residenz des Lucerne Festival Orchestra, im Mai von Lucerne Festival Pulse mit dem isländischen Ausnahmepianisten Víkingur Ólafsson und im November von Lucerne Festival Forward, dem Herbst-Festival für Gegenwartsmusik. Das KKL Luzern, erbaut von Jean Nouvel und für seine Akustik ebenso berühmt wie für seine Architektur, ist die zentrale Spielstätte von Lucerne Festival.
Das Frühlingsfestival "Lucerne Festival Spring" wird vom Lucerne Festival Orchestra gestaltet: Franz Welser-Möst übernimmt die musikalische Leitung des ersten Abends am Freitag, dem 27. März; am Sonntagabend, dem 29. März, dirigiert Chefdirigent Riccardo Chailly. Die Musiker*innen des Hagen Quartetts sind Gründungsmitglieder des Lucerne Festival Orchestra, sie verabschieden sich am Samstag, dem 28. März, mit einem Kammermusikabend von den Schweizer Konzertbühnen. Als prominente Solist*innen begrüsst Lucerne Festival am ersten Abend den Pianisten Leif Ove Andsnes, am zweiten Abend den Pianisten Kirill Gerstein sowie die gefeierte junge Cellistin Julia Hagen, die als Preisträgerin des «UBS Young Artist Award» 2024 bei Lucerne Festival zu erleben war und im letzten Sommer Elgars Cellokonzert interpretierte. Am Sonntagabend tritt der Geiger Emmanuel Tjeknavorian auf.
Lucerne Festival Orchestra | Franz Welser-Möst | Leif Ove Andsnes
Lucerne Festival Orchestra 1
Lucerne Festival Orchestra
Franz Welser-Möst, Dirigent
Leif Ove Andsnes, Klavier
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791):
Klavierkonzert d-Moll KV 466
Ludwig van Beethoven (1770–1827):
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 Sinfonia eroica
Die aufregende Beethoven-Expedition, die das Lucerne Festival Orchestra vor zwei Jahren in Angriff nahm, geht in die dritte Runde: zunächst mit der grossen Sinfonia eroica, die den Komponisten von seiner kämpferischen, heldenhaften Seite zeigt. Beethoven stritt für Ideale wie die Freiheit und die Gleichheit; er war überzeugt davon, dass den Menschen eine bessere Zukunft beschieden sei. Und die verheisst dann das schwungvolle Finale der Es-Dur-Sinfonie. Franz Welser-Möst wird die Aufführung leiten: Er debutierte 2025 spektakulär mit Beethovens Neunter beim Lucerne Festival Orchestra. «Eine vorbildlich klare, interpretatorisch genau ausbalancierte Wiedergabe», bescheinigte ihm die Neue Zürcher Zeitung. Der Anfang des Abends aber gehört Beethovens grossem Idol Wolfgang Amadé Mozart, dem Helden seiner Jugendjahre. Und dem norwegischen Meisterpianisten Leif Ove Andsnes, der bei Mozart zuhause ist wie nur wenige. Er wird das fast schon romantische d-Moll-Konzert vortragen, das er für revolutionär hält: Es erinnere ihn an «ein Drama zwischen dem Individuum, also dem Solisten, und der Gesellschaft, die vom Orchester dargestellt wird».
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Pause gegen 20.15 Uhr
Voraussichtliches Konzertende um 21.40 Uhr
Genussvolle Angebote rund ums Konzert
die kulinarische Begleitung für Ihr Konzerterlebnis
Dieser Festspielsommer, der erste unter dem neuen Intendanten Sebastian Nordmann, wird spannend! Was und wer Sie erwartet, was neu ist und was bleibt, erzählt Dramaturgin Susanne Stähr in ihrer kurzweiligen Plauderstunde. Sie versorgt Sie mit Insider-Informationen — und hat natürlich auch ein paar heisse Tipps auf Lager.
Johannes Brahms (1833–1897): Klavierquintett f-Moll op. 34
Franz Schubert (1797–1828): Streichquintett C-Dur D 956
Dieses Quartett ist Legende: Als sich in den 1970er Jahren die vier Kinder der Salzburger Musikerfamilie Hagen zu einem Ensemble formierten, war das Aufsehen gross. So ein organisches Zusammenspiel und fast schon blindes Verständnis hatte man nur selten gehört! Gidon Kremer, Nikolaus Harnoncourt und György Kurtág zählten zu den ersten Förderern des Hagen Quartetts, das schnell — seit 1987 mit Rainer Schmidt an der zweiten Geige — die Konzertbühnen der Welt eroberte. Die vier spielten mit berühmten Grössen der Klassikbranche wie Maurizio Pollini und Krystian Zimerman, Heinrich Schiff und Mitsuko Uchida, Sabine Meyer und Jörg Widmann. Und auch im Lucerne Festival Orchestra, das Claudio Abbado 2003 ins Leben rief, waren alle vier mit dabei. Nach rund 50 Jahren verabschiedet sich das Hagen Quartett in der Saison 2025/26 von seinem Publikum; der heutige Abend markiert seinen letzten Auftritt in der Schweiz. Dabei ist mit der fabelhaften Cellistin Julia Hagen in Schuberts berührendem Streichquintett auch die nächste Generation der Familie zu hören. Und in Brahms’ dämonischem Klavierquintett darf der pianistische Tausendsassa Kirill Gerstein brillieren.
Pause gegen 20.20 Uhr
Voraussichtliches Konzertende um 21.45 Uhr
Genussvolle Angebote rund ums Konzert
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Lucerne Festival Orchestra | Riccardo Chailly | Emmanuel Tjeknavorian
Lucerne Festival Orchestra 2
Lucerne Festival Orchestra
Riccardo Chailly, Dirigent
Emmanuel Tjeknavorian, Violine
Felix Mendelssohn (1809–1847): Violinkonzert e-Moll op. 64
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Mit der Vierten wartet auf das Lucerne Festival Orchestra und seinen Chef Riccardo Chailly die vielleicht grösste Herausforderung unter allen Beethoven-Sinfonien. Denn sie bietet nicht nur eine geheimnisvolle Einleitung, die weit in die Romantik vorgreift, sondern entfacht auch einen vorwärtsstürmenden Furor sondergleichen. Die rasend rotierenden Sechzehntel, die Beethoven verlangt, bringen so manches Spitzenorchester ins Schwitzen — aber das Lucerne Festival Orchestra ist doch eine Klasse für sich . . . Mit einem unwiederholbaren Ereignis eröffnet das Konzert bereits. Der 30-jährige Emmanuel Tjeknavorian, ein waschechter Wiener mit armenischen Wurzeln, spielt Mendelssohns beglückendes Violinkonzert. Seit einigen Jahren konzentriert sich Tjeknavorian auf seine Dirigentenkarriere und wurde dafür schon mit dem renommierten Premio Abbiati der italienischen Musikkritik geehrt. Aber begonnen hat er seine Laufbahn als fulminanter Violinvirtuose, ausgezeichnet mit etlichen internationalen Preisen. Für Riccardo Chailly — und nur für ihn — greift er nochmals zur Geige. Er sei eben «ein Künstler, der musiziert», beschreibt sich Tjeknavorian selbst.
17.00 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Pause gegen 17.40 Uhr
Voraussichtliches Konzertende um 18.45 Uhr
Genussvolle Angebote rund ums Konzert
die kulinarische Begleitung für Ihr Konzerterlebnis
Das erste Sommer-Festival unter der Leitung des neuen Intendanten Sebastian Nordmann steht unter dem Motto «American Dreams» und präsentiert über 120 Veranstaltungen an insgesamt 32 Tagen, vom 13. August bis 13. September. Nordmanns Programm bewahrt den künstlerischen Kern des grössten Klassik-Festivals der Schweiz und entwickelt das Profil gleichzeitig weiter: Die renommiertesten internationalen Solist*innen und Orchester bilden den Schwerpunkt des Konzertkalenders, 20 Sinfonieorchester treten in nur einem Monat auf. Das Lucerne Festival Orchestra gestaltet sechs Abende sowie zwei «Klassik für alle: 40min», und die Lucerne Festival Academy wird erstmals von ihrem neuen künstlerischen Leiter, dem Komponisten, Klarinettisten und Dirigenten Jörg Widmann geleitet. Darüber hinaus gibt es auf allen Ebenen Neues zu entdecken: zum Beispiel innovative Konzertformate wie «Mittendrin», spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche mit «Luege Lose Erläbe», das neue «Klassik für alle: Open Air» am Tag vor der offiziellen Eröffnung. Der Geiger Augustin Hadelich tritt als diesjähriger «artiste étoile» in vier Konzerten auf, Mark Andre übernimmt die Rolle des composer-in-residence.
Mit dem Motto «American Dreams» schlägt Lucerne Festival eine Brücke zur vielfältigen amerikanischen Musikgeschichte, die reich ist an Stilrichtungen und Ausdrucksformen verschiedenster Kulturen, und Bezüge zu Musical und Filmmusik, Jazz oder Minimal Music herstellt. Im Eröffnungskonzert am 14. August stehen Werke von George Gershwin und Charles Ives auf dem Programm des Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly, ausserdem spielen Solist*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) Steve Reichs New York Counterpoint in einer Fassung für elf Klarinetten. Als Abschlusskonzert am 13. September erklingt Gershwins Porgy and Bess mit dem Chineke! Orchestra und dem Vokalensemble der Cape Town Opera unter Kwamé Ryan. Beim Festival sind Werke vieler amerikanischer Komponist*innen zu erleben. Einige davon erklingen erstmals bei Lucerne Festival wie die Erste Sinfonie von Charles Ives mit dem Lucerne Festival Orchestra oder Aaron Coplands Appalachian Spring und Samuel Barbers Klavierkonzert, mit der Pianistin Yuja Wang und dem Mahler Chamber Orchestra. Lucerne Festival begrüsst den Wahl-Amerikaner und «artiste étoile» Augustin Hadelich und viele Gäste aus der «Neuen Welt», von der jungen Lyrikerin Amanda Gorman und der Klarinettistin Doreen Ketchens bis zum Met Orchestra unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin.
LFO | Riccardo Chailly | Solist*innen des LFO und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Ouvertüre
Lucerne Festival Orchestra
Riccardo Chailly, Dirigent
Solist*innen des Lucerne Festival Orchestra und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
George Gershwin (1898–1937): Cuban Overture
Riccardo Chailly im Gespräch mit Sebastian Nordmann
Steve Reich (*1936): New York Counterpoint. Fassung für elf Klarinetten
Leonard Bernstein (1918–1990): Mambo aus West Side Story
Das gab’s noch nie! Zur Eröffnung des Sommer-Festivals lädt der neue Intendant Sebastian Nordmann zur grossen Party – bei freiem Eintritt. Im Konzertsaal des KKL Luzern stimmen uns Riccardo Chailly und das fabelhafte Lucerne Festival Orchestra mit Gershwin und Bernstein, Rumba und Mambo auf eine unvergessliche Cuban Night ein. Und anschliessend können Sie direkt zum Open-Air-Konzert «Klassik für alle» auf den Europaplatz gehen.
Das Konzert endet gegen 20.00 Uhr und hat keine Pause. Danach können Sie direkt zum Open-Air-Konzert «Klassik für alle» auf den Europaplatz gehen.
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Bewertungen & Berichte LFO | Riccardo Chailly | Solist*innen des LFO und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Konzert
Havana Lyceum Orchestra | José Antonio Méndez Padrón | Sarah Willis
Klassik für alle: Open Air
Havana Lyceum Orchestra
José Antonio Méndez Padrón, Dirigent
Sarah Willis, Horn
«A Cuban-Classical Night»
Johann Sebastian Bach (1685–1750) / Edgar Olivero (*1985): Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048, 1. Satz
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791): Finale aus dem Hornkonzert Es-Dur KV 447
Joshua Davis (*1983) / Yuniet Lombida (*1989): Rondo alla Mambo nach dem Finale aus Mozarts Hornkonzert Es-Dur KV 447
Ernesto Oliva (*1988): En Do pa’ que no na’
Georges Bizet (1838–1875) / Edgar Olivero (*1985): Carmen La Cubana Suite
Jenny Peña Campo (*1983): Samba-Son
Moisés Simons (1889–1945): El manisero, bearbeitet von Jorge Aragón
LFO | Riccardo Chailly | Frank Dupree | Solist*innen des LFO und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Eröffnung
Lucerne Festival Orchestra
Riccardo Chailly Dirigent
Frank Dupree Klavier
Solist*innen des Lucerne Festival Orchestra und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Steve Reich (*1936): New York Counterpoint. Fassung für elf Klarinetten
Begrüssung: Markus Hongler, Stiftungsratspräsident; Sebastian Nordmann, Intendant
Grusswort: Guy Parmelin Bundespräsident
George Gershwin (1898–1937): Cuban Overture, Concerto in F für Klavier und Orchester
Charles Ives (1874–1954): Sinfonie Nr. 1 d-Moll
Go West! Zur Eröffnung des Festivalsommers spüren Riccardo Chailly und das Lucerne Festival Orchestra verschiedenen «American Dreams» nach. Da wäre zunächst George Gershwin, der Klassik und Jazz so genial miteinander verband, dass von E- oder U-Musik keine Rede mehr sein kann. Zu seiner schmissigen Cuban Overture, die auf Rumba-Rhythmen tanzt, inspirierte ihn ein Besuch in Havanna. In seinem grossen Concerto in F dagegen, für Chailly «das erste amerikanische Klavierkonzert», geben Charleston und Blues den Ton an. Das Finale bezeichnete Gershwin als «eine rhythmische Orgie»: genau das richtige Stück für einen Grenzgänger wie den 34-jährigen Frank Dupree mit seiner überbordenden Energie und ansteckenden Spielfreude. Der zweite Teil des Abends gehört aber Charles Ives, dem Pionier der musikalischen Freiheit, der sich keinen Regeln unterwarf. Seine Erste Sinfonie steht zwar noch in der romantischen Tradition, doch steuert sie mit ihrem ungebrochenen Optimismus zugleich eine uramerikanische Note bei. Vor allem: Ihr munterer Mix aus schwelgerischen Melodien, wilden Ausbrüchen, berührendem Gospelsound und peppigen Marschrhythmen bietet einfach beste Unterhaltung!
Pause um ca. 20.10 Uhr
Konzertende gegen 21.30 Uhr
LFO | Riccardo Chailly | Frank Dupree | Solist*innen des LFO und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Lakeside Symphony
Lucerne Festival Orchestra
Riccardo Chailly, Dirigent
Frank Dupree, Klavier
Solist*innen des Lucerne Festival Orchestra und des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Steve Reich (*1936): New York Counterpoint. Fassung für elf Klarinetten
Begrüssung: Markus Hongler, Stiftungsratspräsident; Sebastian Nordmann, Intendant
Grusswort: Guy Parmelin, Bundespräsident
George Gershwin (1898–1937): Cuban Overture, Concerto in F für Klavier und Orchester
Charles Ives (1874–1954): Sinfonie Nr. 1 d-Moll
Erleben Sie das Eröffnungskonzert live auf der Grossleinwand — direkt am Ufer des Vierwaldstättersees, im Hintergrund das grandiose Panorama von Rigi, Bürgenstock & Co. Mit Musik von Gershwin und Ives sorgen Riccardo Chailly und das Lucerne Festival Orchestra für eine stimmungsvolle musikalische Sommernacht.
Lucerne Festival Orchestra | Klaus Mäkelä | Augustin Hadelich
Lucerne Festival Orchestra
Klaus Mäkelä, Dirigent
Augustin Hadelich, Violine
Samuel Barber (1910–1981): Violinkonzert op. 14
Igor Strawinsky (1882–1971): Der Feuervogel. Märchenballett in zwei Bildern
Für seinen Einstand als «artiste étoile» in diesem Sommer bringt Augustin Hadelich ein Werk aus seiner amerikanischen Wahlheimat mit, das er besonders liebt: das betörend schöne Violinkonzert von Samuel Barber. «Sehr emotional» findet er Barbers Klangsprache und gesteht, dass es einem gerade beim hochexpressiven langsamen Satz schon mal heiss und kalt den Rücken runterlaufen kann. Aber auch der Virtuose Hadelich ist bei diesem Konzert gefordert — vor allem im Finale: «Das ist wie ein Perpetuum mobile — man muss loslassen und gleichzeitig alles kontrollieren.» Vielleicht ist das auch das Erfolgsrezept für den Feuervogel, Igor Strawinskys fulminanten Ballett-Erstling, bei dem das Lucerne Festival Orchestra alle Register seiner Kunst ziehen darf: mit sattem Sound, zündenden Rhythmen, russisch-archaischen Klängen und mitreissenden Steigerungskurven. Der Finne Klaus Mäkelä, längst ein Publikumsliebling in Luzern und der ganzen Welt, wird erneut beweisen, warum die besten Orchester um ihn buhlen: Mit ihm zu spielen macht einfach Spass, gestehen viele Musiker*innen ganz freimütig — und das Klangergebnis begeistert durch ungeheure Intensität.
17.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Pause um ca. 19.00 Uhr
Konzertende gegen 20.20 Uhr
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Jörg Widmann | Michael Engelhardt
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Jörg Widmann, Dirigent
Christoph Sietzen, Schlagzeug, Einstudierung Schlagzeuger*innen Teil II
Michael Engelhardt, Sprecher
Markus Güdel, Licht
Maxime Le Saux, Klangregie
Wolfgang Rihm (1952–2024): Tutuguri. Poème dansé für grosses Orchester, Schlagzeuger*innen, Chor vom Tonband und Sprecher, nach dem Gedicht Tutuguri aus dem Hörspiel Pour en finir avec le jugement de dieu von Antonin Artaud
Das erste Konzert der Lucerne Festival Academy unter ihrem neuen Künstlerischen Leiter Jörg Widmann wird laut, wild und masslos. Wer bei Wolfgang Rihms Tutuguri — irregeleitet durch den Untertitel Poème dansé — an eine elegante Ballettmusik à la Debussy denkt, dürfte vor Schreck vom Sitz kippen. Mit wilden Blechbläsereruptionen, unheilvoll pulsierenden Rhythmen, markerschütternden Schreien und einer finalen, gut halbstündigen Trommelkanonade von gleich sechs Schlagzeuger*innen wird Tutuguri das KKL Luzern in seinen Grundfesten erschüttern. Inspiriert zu diesem Höllenlärm wurde Rihm Anfang der 1980er Jahre durch ein Gedicht des französischen Theaterrevolutionärs Antonin Artaud. Der hatte ein halbes Jahrhundert zuvor bei den Tarahumara, einem indigenen Volksstamm in Mexiko, einer Peyote-Zeremonie beigewohnt und diese Erfahrung literarisch verarbeitet. Es geht um schwarze Sonnen und verkohlte Erde, nackte Reiter und kopflose Pferde, um archaische Rituale und rauschhafte Halluzinationen. Rihm strebte «Musik im Rohzustand» an: einen «Klang-Körper, dessen Zuckung und Umformung Melos, Rhythmus und Farbe wird».
17.30 Uhr
Konzerteinführung: Jörg Widmann und Michael Engelhardt im Gespräch mit Mark Sattler (KKL Luzern, Auditorium)
Pause um ca. 20.00 Uhr
Konzertende gegen 21.10 Uhr
Teilnehmer*innen des Composer Seminars | Dieter Ammann | Unsuk Chin
Composer Seminar, Tag 1
Teilnehmer*innen des Composer Seminars: Caio de Azevedo | Alexandre Jamar | Sungtae Paek | Emircan Pehlivan | Miles Walter | Zihan Wu
Dieter Ammann, Dozent
Unsuk Chin, Dozentin
Präsentation und Diskussion der neuen Orchesterwerke
Seit zehn Jahren gibt es das von Wolfgang Rihm ins Leben gerufene und heute von Dieter Ammann und Unsuk Chin geleitete Composer Seminar der Lucerne Festival Academy. Zum Jubiläum wartet es mit einer Neuerung auf: Ab sofort bewerben sich die Teilnehmer*innen nicht mehr mit Ensemble-, sondern mit Orchesterwerken. Denn für die grosse Besetzung zu komponieren, erfordert einiges an Erfahrung. Welcher junge Komponist, welche junge Komponistin aber hat schon Gelegenheit, intensiv mit einem professionellen Orchester zusammenzuarbeiten? Genau das ermöglicht das Composer Seminar: Sechs internationale Nachwuchskomponist*innen diskutieren ihre Werke in Einzelcoachings und zwei öffentlichen Sitzungen, studieren sie anschliessend mit dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) ein und bringen sie im Abschlusskonzert am 23. August zur Aufführung. So können sie das Komponierte einem Praxistest unterziehen und erhalten wichtige Rückmeldungen nicht nur von den Musiker*innen und Dirigent*innen, sondern auch vom Publikum.
für Gäste CHF 50/30 (beide Tage/ein Tag)
Termine
Mo 17.8.2026, 10:00 | Ticket
Di 18.8.2026, 10:00 | Ticket
West-Eastern Divan Orchestra | Daniel Barenboim | Yo-Yo Ma
West-Eastern Divan Orchestra
Daniel Barenboi,m Dirigent
Yo-Yo Ma, Violoncello
Antonín Dvořák (1841–1904): Cellokonzert h-Moll op. 104
Felix Mendelssohn (1809–1847): Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 Italienische
Ein Gipfeltreffen zweier Legenden: Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma haben im letzten halben Jahrhundert Musikgeschichte geschrieben. Aber es verbindet sie noch mehr. Beide begreifen die Musik als besten Weg zur Verständigung und engagieren sich für den interkulturellen Dialog. Yo-Yo Ma schlug mit seinem «Silk Road Project» die Brücke von Asien in den Westen und überschreitet auch in seinen jüngsten Projekten beständig die Grenzen zwischen den Genres und Kulturen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Barenboim hält mit seinem 1999 gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, das sich meistenteils aus israelischen, palästinensischen und arabischen Musiker*innen zusammensetzt, die Vision von gegenseitiger Anerkennung, Gleichheit und Gerechtigkeit lebendig — erst recht in unserer konfliktbeladenen Zeit. Bei ihrem gemeinsamen Konzert in Luzern geht es natürlich auch um Amerika: Antonín Dvořák komponierte sein melodiensattes Cellokonzert in den USA, und einige wollen aus dem elegischen Seitenthema des Kopfsatzes sogar den Gospel Go, Tell It on the Mountain heraushören. Nach der Pause aber reisen wir zurück nach Europa, ins Mutterland der klassischen Musik: Mendelssohns Italienische Sinfonie verströmt Glücksgefühle, versprüht Temperament und feuriges Brio — und steigert sich mit einer Tarantella im Finale bis zur Raserei.
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Pause um ca. 20.20 Uhr
Konzertende gegen 21.30 Uhr
Lucerne Festival Orchestra | Riccardo Chailly | Lukas Sternath
Lucerne Festival Orchestra
Riccardo Chailly, Dirigent
Lukas Sternath, Klavier
Aleksandr Skrjabin (1872–1915): Rêverie op. 24
Sergej Rachmaninow (1873–1943):
Klavierkonzert Nr. 4 g-Moll op. 40. Fassung von 1941
Vier sinfonische Stücke aus der Oper Aleko
Études-Tableaux op. 33 Nr. 4 sowie op. 39 Nr. 2, 6, 7 und 9,
orchestriert von Ottorino Respighi
Der gefeierte Rachmaninow-Zyklus, den Riccardo Chailly und das Lucerne Festival Orchestra seit 2019 erarbeiten, gelangt an diesem Abend an seinen Ziel- und Endpunkt. Chaillys Idee ist dabei, nicht nur die berühmten «Schlachtrösser» wie das Zweite und das Dritte Klavierkonzert oder die Zweite Sinfonie zu bringen, sondern auch Raritäten zu entdecken. Da wäre etwa die frühe Oper Aleko, die Rachmaninow als 19-jähriger Student komponierte: Chailly hat daraus eine Suite mit vier sinfonischen Stücken zusammengestellt, die das überragende Talent des jungen Komponisten zeigen. Klangzauber pur bieten auch die fünf Études-Tableaux, die Rachmaninow eigentlich für Klavier und seine eigenen Auftritte als Virtuose schuf. Doch als sein italienischer Kollege Ottorino Respighi ihn um Erlaubnis für eine Orchesterfassung bat, stimmte er begeistert zu. Wie offen Rachmaninow neuen Ideen gegenüberstand, beweist nicht zuletzt sein Viertes Klavierkonzert, denn das klingt teilweise richtig jazzig. Der 2001 geborene Österreicher Lukas Sternath, ein vielfach preisgekrönter Meisterschüler von Igor Levit, wird es vortragen. Und so hören wir, passend zum Festivalthema, auch Rachmaninows «American Dream».
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Pause um ca. 20.20 Uhr
Konzertende gegen 21.35 Uhr
Solist*innen und Brass Ensemble des Lucerne Festival Orchestra
Solist*innen und Brass Ensemble des Lucerne Festival Orchestra
NN, Klavier
Amy Beach (1867–1944): Klavierquintett fis-Moll op. 67
George Gershwin (1898–1937): Strike up the Band, arrangiert für Brass Ensemble von Manfred Honetschläger
Samuel Barber (1910–1981): Adagio aus dem Streichquartett Nr. 1 h-Moll op. 11, arrangiert für Brass Ensemble von Steven Verhaert
Leonard Bernstein (1918–1990): Suite aus West Side Story, arrangiert für Brass Ensemble von Eric Crees
Dieses Ensemble ist Kult! Wenn sich die Blechbläser des Lucerne Festival Orchestra rund um den Trompeter Reinhold Friedrich und den Posaunisten Jörgen van Rijen zu einer Brass Band vereinen, dann steigt die Stimmung schnell auf den Siedepunkt. Das gilt erst recht für den Auftritt in diesem Sommer, der ganz dem Motto «American Dreams» folgt. Gleich Gershwins Strike Up the Band sorgt für einen Schub von guter Laune und Swing. Und bei der Suite aus Bernsteins West Side Story gibt es ohnehin kein Halten mehr. Die Greatest Hits aus diesem Evergreen sind natürlich dabei: der Mambo, Somewhere und America, dessen Text erstaunlich aktuell anmutet: «Life can be bright in America / If you can fight in America. / Life is all right in America / If you’re all-white in America.» Für einen Moment des Innehaltens sorgt indes die berühmteste amerikanische Trauermusik, Barbers Adagio, die zum Gedenken an den im letzten Herbst verstorbenen Tubisten des Ensembles, Thomas Keller, erklingt. Am Anfang aber steht das bezaubernde Klavierquintett von Amy Beach: Elegisch und verträumt ist es, erinnert ein bisschen an Brahms — und geht einfach zu Herzen.
Pause um ca. 20.05 Uhr
Konzertende gegen 21.45 Uhr
Frédéric Chopin (1810–1849): Polonaise-Fantaisie As-Dur op. 61
Sergej Rachmaninow (1873–1943):
Flieder op. 21 Nr. 5, bearbeitet für Klavier von Sergej Rachmaninow
Vocalise op. 34 Nr. 14, bearbeitet für Klavier von Zoltán Kocsis
Hier ist es schön op. 21 Nr. 7, bearbeitet für Klavier von Arcadi Volodos
Dix Préludes op. 23
Erst elf Jahre alt war der in St. Gallen geborene Pianist Simon Bürki, als er 2011 gleich drei Preise bei der International Competition for Young Pianists in Memory of Vladimir Horowitz gewann. Es sollten nicht die einzigen bleiben: Mittlerweile wurde er mehr als 20-mal preisgekrönt und gewann u. a. den Franz-Liszt-Wettbewerb in Weimar und die Konkurrenz «Step to Mastery» in St. Petersburg. Bürki widerstand aber der Versuchung einer Wunderkind-Karriere und setzte seine Studien unbeirrt fort: zunächst in Kijiv und Moskau, dann in den USA bei Sergei Babayan, der auch schon Daniil Trifonov ausgebildet hat. 2023 erschien mit dem Album Reminiscence Bürkis erste CD mit romantischen Miniaturen von Schumann bis Rachmaninow. Der Kritiker Attila Csampai zeigte sich «verzaubert von der ausgehörten Farbenpracht, der technischen Brillanz und der perfekten Anschlagskultur» des jungen Schweizers, dem er «eine auratische Gestaltungskraft» attestierte, vor allem bei Rachmaninows Études-Tableaux. Rachmaninow bildet auch den Schwerpunkt in Bürkis Luzerner Festival-Debut: mit drei Liedbearbeitungen und den manuell wie klanglich herausfordernden Dix Préludes op. 23.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
Geniessen Sie nach dem Konzert ein feines Menü.
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Luzerner Sinfonieorchester | Michael Sanderling | Alexander Malofeev
Luzerner Sinfonieorchester
Michael Sanderling, Dirigent
Alexander Malofeev, Klavier
Selim Palmgren (1878–1951): Klavierkonzert Nr. 2 op. 33 Der Fluss
George Gershwin (1898–1937): Rhapsody in Blue
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893): Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64
Wie klingt Amerika? Vielleicht wie die Rhapsody in Blue, George Gershwins früher Geniestreich. Man muss nur das erste Klarinettensolo mit seinem langgezogenen Glissando hören, schon sieht man die Freiheitsstatue und Manhattan vor dem inneren Auge, denkt an den Broadway oder an New Yorker Jazzclubs. Der 2001 geborene Alexander Malofeev, ein gebürtiger Russe mit Wohnsitz Berlin, wird diesen «Greatest Hit» mit dem Luzerner Sinfonieorchester aufführen. Und er ist der Richtige dafür! Schon 2024 begeisterte er hier das Publikum, als er unter Riccardo Chailly Rachmaninows berüchtigt schweres Erstes Klavierkonzert mit einer Virtuosität, Souveränität und Poesie zu Gehör brachte, die ihresgleichen sucht. Malofeev ist aber auch ein Schatzgräber und liebt es, unbekanntes Repertoire zutage zu fördern. Zum Beispiel das Zweite Klavierkonzert des 1951 verstorbenen Finnen Selim Palmgren, dessen Musik zum überhaupt ersten Mal beim Festival erklingt. Hochromantisch ist sie — und schlägt damit die Brücke zu Tschaikowskys Fünfter Sinfonie, die Michael Sanderling nach der Pause dirigiert. Bei dieser musikalischen «Seelenbeichte» schmelzen dann die Herzen dahin.
Pause um ca. 20.20 Uhr
Konzertende gegen 21.40 Uhr
Klassik im Kurzformat, bei freiem Eintritt und ganz casual. Mit Musik und im Gespräch stellen wir Ihnen am frühen Abend ausgewählte Künstler*innen und Werke vor: junge Talente und gefeierte Stars, Klassiker der Klassik und aufregende Hörabenteuer.
Information:
Der Zutritt zu den Konzerten der Reihe 40min ist nur mit einem gültigen Ticket möglich. Fünf Tage vor der Veranstaltung, ab Sonntag, 16.08. | 10.00 Uhr, können Sie über lucernefestival.ch kostenlose, nicht nummerierte Tickets beziehen. Die Anzahl der Tickets ist auf zwei pro Bestellung limitiert. Am Tag der Veranstaltung können vor Ort allfällige Resttickets bezogen werden.
Budapest Festival Orchestra | Eva Duda Dance Company | Iván Fischer | Elisabeth Leonskaja
Budapest Festival Orchestra
Eva Duda Dance Company
Iván Fischer, Dirigent
Elisabeth Leonskaja, Klavier
Franz Schubert (1797–1828): Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 Die Unvollendete
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791): Klavierkonzert c-Moll KV 491
Béla Bartók (1881–1945): Der wunderbare Mandarin Sz 73. Pantomime in einem Akt
Mit seinem Wunderbaren Mandarin schuf Béla Bartók eine Musik der Grossstadt. Die Geschichte spielt in einem zwielichtigen Etablissement, wo ein Mädchen Passanten anlockt. Sie kommen dort aber nicht auf ihre Kosten, sondern werden von den Zuhältern ausgeraubt. Bis ein geheimnisvoller Chinese, der Mandarin, in die Falle tappt . . . Die Uraufführung sorgte 1926 im katholischen Köln für einen solchen Skandal, dass der Oberbürgermeister — es war kein Geringerer als der spätere deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer — das Stück verbot. Bartók richtete daraufhin eine Konzertfassung ein, war aber nicht glücklich damit. «Dieses Werk ist eine Pantomime mit Musik, beide Komponenten sollen zusammen zur Aufführung gelangen», liess er in die Partitur drucken. Iván Fischer und das Budapest Festival Orchestra nehmen ihn beim Wort: Mit der Eva Duda Dance Company erwecken sie den Mandarin zu szenischem Leben. Den Abend eröffnet Schuberts abgründige h-Moll-Sinfonie, die Unvollendete . Und dann gibt es ein Wiedersehen mit Elisabeth Leonskaja, die Mozart spielt. Im letzten November hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert, aber ihre Interpretationen sind heute ausgefeilter denn je.
Pause um ca. 20.35 Uhr
Konzertende gegen 21.40 Uhr
Budapest Festival Orchestra
Iván Fischer, Dirigent und Moderation
Sergej Prokofjew (1891–1953): Suite aus dem Ballett Cinderella op. 87, zusammengestellt von Iván Fischer
Normalerweise sind die Verhältnisse klar: Auf der Bühne sitzt das Orchester, im Saal das Publikum. Dort mischt sich der Klang natürlich am besten, aber dennoch stellt sich die Frage: Wie erlebt eigentlich das Orchester ein Konzert, und was hört der Mann oder die Frau am Pult? Bei «Mittendrin» erhalten Sie die Antwort: Sie nehmen mitten unter den Musiker*innen Platz, die etwas breiter im Raum verteilt werden als üblich, sodass zusätzliche Stühle für Sie als Gäste bereitstehen. Iván Fischer, ein Spezialist für originelle Ideen, hat dieses verrückte Format am Konzerthaus Berlin erfunden und bringt es nun nach Luzern. Er dirigiert eine Suite aus Sergej Prokofjews zauberhaftem Märchenballett Cinderella , und Sie sehen ihm dabei aus nächster Nähe zu, als wären Sie ein Teil des Orchesters. «Was Sie dann erleben, ist einfach fantastisch», schwärmt Fischer. «Sie nehmen viele neue Details wahr, hören einige Instrumente sehr präsent, andere von weiter weg. Und Sie spüren die Musiker direkt neben Ihnen. Die Klangbalance ist dabei zwar nicht so gut wie im Saal, aber die Intensität ist unvergleichlich! Das werden Sie nie vergessen!»
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 12.00 Uhr.
Mark Andre (*1964):
Im Entschwinden für Orchester
Im Entfalten (Dem Andenken an Pierre Boulez) für Orchester
Im Entsiegeln 1 für Sopran und Orchester
(Uraufführung / Auftragswerk von Lucerne Festival und dem NOW!-Festival der Philharmonie Essen)
Seine «Obsession» seien «kompositorische Zwischenräume», bekennt Mark Andre. «Das sind die Räume, die ganz schnell vergehen, die aber vielleicht die höchste Stufe der Intensität entfalten.» In seinem 2021/22 entstandenen Orchesterstück Im Entschwinden nimmt der diesjährige composer-in-residence jenen flüchtigen Moment in den Fokus, in dem der Klang in die Stille mündet: Seine unendlich feine, mit Lufttönen der Bläser, kratzenden Streicherbögen, Heulschläuchen und Donnerblech geräuschhaft gebrochene Musik beobachte «die allerletzten, zerbrechlichsten, zartesten, instabilsten Klangsignaturen». Der Werktitel hat für den tiefgläubigen Andre aber auch eine theologische Dimension, bezieht er sich doch auf den auferstehenden, dem Irdischen entschwindenden Christus. 2025 folgte als Hommage an Pierre Boulez Im Entfalten, «ein ‹inwendiger› Trauermarsch mit Fürbitten von Boulez’ Lieblingsinstrumenten Harfe, Glocken, Klavier, Flöte», so die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In Luzern erklingen beide Werke erstmals im Zusammenhang und runden sich mit der Uraufführung des dritten Teils Im Entsiegeln 1 zum Orchesterzyklus . . . im . . .
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 17.20 Uhr.
16.00 Uhr
Einführung mit Musikbeispielen im Konzert:
Mark Andre und Baldur Brönnimann im Gespräch mit Mark Sattler
Lucerne Festival Orchestra | Jakub Hrůša | Ray Chen
Lucerne Festival Orchestra
Jakub Hrůša, Dirigent
Ray Chen, Violine
Erich Wolfgang Korngold (1897–1957): Violinkonzert D-Dur op. 35
Richard Strauss (1864–1949): Eine Alpensinfonie op. 64
In ganz grosser Besetzung tritt das Lucerne Festival Orchestra zu diesem Konzert an: Richard Strauss’ farbenprächtige Alpensinfonie sieht allein 64 Streicher vor, vierfach besetzte Holzbläser, acht Hörner auf der Bühne und zwölf dahinter, dazu je vier Trompeten und Posaunen, zwei Basstuben, zwei Harfen, Orgel, Celesta und riesiges Schlagwerk. Aber Strauss holt aus diesem gigantischen Klangkörper die feinsten Nuancen heraus und schildert eine Bergwanderung in 22 Stationen. Jagdhörner schallen, Herdenglocken läuten, der Wasserfall rauscht — und der tschechische Dirigent Jakub Hrůša versteht es wunderbar, dieses üppige Klanggemälde zum Leuchten zu bringen. Strauss war der Erfolgskomponist seiner Zeit, doch mit dem jungen Erich Wolfgang Korngold erwuchs ihm in den 1920er Jahren ein echter Rivale. Was wäre geschehen, hätte Korngold nicht ins Exil nach Amerika gehen müssen, wo er mit seinen Filmmusiken für Furore sorgte? Erst 1945 kehrte er zum klassischen Repertoire zurück und legte sein schwelgerisches Violinkonzert vor. Der taiwanesisch-australische Geiger Ray Chen wird es vortragen: «Zum Sterben schön», urteilte die Huffington Post über sein Spiel.
Pause um ca. 19.10 Uhr
Konzertende gegen 20.35 Uhr
17.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program, Dirigent*innen
Frank Zappa (1940–1993): The Yellow Shark
Nicht ganz so populär wie der Film Der weisse Hai , aber ähnlich legendär ist der «Gelbe Hai»: das letzte Album von Frank Zappa. 1992, kurz vor seinem viel zu frühen Tod und bereits schwer von seiner Krebserkrankung gezeichnet, tat sich der amerikanische Avantgarde-Rocker mit den Neue-Musik-Spezialist*innen des Ensemble Modern zusammen. Für sie schrieb er eine virtuose Orchestersuite, die Neugeschaffenes mit Zappa-Favoriten verbindet. Etwa mit Uncle Meat oder mit dem G-Spot Tornado: Diese Feier des vaginalen Orgasmus in rasendem Tempo hatte Zappa ursprünglich für das elektronische Synclavier komponiert und live eigentlich für unspielbar gehalten. Mit The Yellow Shark schloss sich ein Kreis, denn bevor er mit seiner Band The Mothers of Invention zum gefeierten Rock-Provokateur aufstieg, hatte sich Zappa musikalisch eher an Igor Strawinsky und Edgard Varèse orientiert. Später arbeitete er mit Pierre Boulez oder mit Kent Nagano und dem London Symphony Orchestra zusammen. Auch The Yellow Shark reisst lustvoll die Grenze zwischen E- und U-Musik nieder, mixt experimentelle Klänge mit Jazzphrasen und dem rhythmischen Drive der Rockmusik.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 22.05 Uhr.
Anne-Sophie Mutter
Roman Patkoló, Kontrabass
Oleksandra Fedosova, Klavier
Sebastian Nordmann, Intendant
Zum 50. Luzerner Bühnenjubiläum: Anne-Sophie Mutter trifft Sebastian Nordmann
Kinder, wie die Zeit vergeht! 13 Jahre jung war Anne-Sophie Mutter, als sie am 23. August 1976 ihr Debut bei Lucerne Festival gab. In der St. Charles Hall in Meggen spielte sie damals — begleitet von ihrem Bruder Christoph am Klavier — Werke von Tartini, Bach, de Falla, Paganini und de Sarasate. Der Einstand geriet ihr so fulminant, dass sie tagelang das Gesprächsthema in der ganzen Stadt war. Die Kunde erreichte auch den grossen Herbert von Karajan. Der bat zum Vorspiel, war ebenfalls hin und weg und lud die junge Anne-Sophie zu den Berliner Philharmonikern ein. In Luzern begann also ihre Weltkarriere — und Luzern hat sie seither die Treue gehalten: mit 50 Konzerten in 50 Jahren. Ja, seit einiger Zeit ist sie auch noch Mitglied im Stiftungsrat des Festivals. Genau am Tag ihres «goldenen» Jubiläums, obendrein am historischen Schauplatz des Geschehens, lässt Anne-Sophie Mutter im Gespräch mit Festivalintendant Sebastian Nordmann ein halbes Jahrhundert Revue passieren, in dem sie Musikgeschichte geschrieben hat. Aber es geht um noch mehr: etwa um die Zukunft der Klassik und des Festivals oder um ihr Engagement für den hochbegabten Nachwuchs. Für die musikalische Rahmung sorgt deshalb der Kontrabassist Roman Patkoló, den Anne-Sophie Mutter einst in ihrer Stiftung förderte.
Das Gespräch hat keine Pause und endet gegen 12.00 Uhr.
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program | Dieter Ammann | Unsuk Chin
Composer Seminar — Abschlusskonzert
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program, Dirigent*innen
Dieter Ammann, Moderation
Unsuk Chin, Moderation
Werkschau des Composer Seminars:
Neue Orchesterwerke von Caio de Azevedo, Alexandre Jamar, Sungtae Paek, Emircan Pehlivan, Miles Walter und Zihan Wu
Uraufführungen
Dieter Ammann und Unsuk Chin stellen die Komponist*innen und ihre Werke im Konzert vor.
Was treibt junge Komponist*innen um? Was beschäftigt sie künstlerisch, gesellschaftlich und politisch? Und wie reagieren sie musikalisch darauf? Im Abschlusskonzert des Composer Seminars erfahren Sie es. Es bietet sechs Nachwuchskomponist*innen aus Brasilien und Belgien, China und Südkorea, der Türkei und den USA eine Bühne. Aus über 100 Bewerber*innen wurden sie ausgewählt und haben ihre neuen Orchesterwerke zunächst im Plenum diskutiert, dazu in Einzelcoachings mit Dieter Ammann und Unsuk Chin, die das Composer Seminar leiten. Vor allem aber: Sie konnten sie anschliessend mit den Musiker*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) einstudieren — eine einzigartige Möglichkeit, weil sich so die eigenen Klangvorstellungen hörend überprüfen lassen. Nun stellen sie ihre neuen Werke der Öffentlichkeit vor. Ammann und Chin machen uns im Konzert mit den Komponist*innen bekannt, erläutern die Hintergründe ihrer Musik und geben Hörhinweise.
Les Musiciens du Prince – Monaco | Il canto di Orfeo | Cecilia Bartoli
Les Musiciens du Prince – Monaco
Il canto di Orfeo
Gianluca Capuano, Dirigent
Cecilia Bartoli, Orfeo
Melissa Petit, Euridice und Amore
Christoph Willibald Gluck (1714–1787): Orfeo ed Euridice (nach der Parma-Fassung von 1769)
Davon träumt jede Sängerin und jeder Sänger: so schön und herzergreifend zu singen, dass selbst die wilden Tiere friedlich schnurren, die Furien versonnen summen und die Steine zu weinen beginnen. Genau diese Kunst beherrschte Orpheus, der sagenhafte Held, der mit seinem Gesang alle zu betören verstand — sogar die Dämonen in der Unterwelt. Kein Wunder, dass seine Geschichte zu einem der beliebtesten Opernstoffe aufstieg: Schon das älteste erhaltene Musikdrama aus dem Jahr 1600 gründet auf diesem antiken Mythos. Die berühmteste Orpheus-Oper aber schuf Christoph Willibald Gluck, und da er die Titelrolle für einen Kastraten schrieb, also für eine hohe Stimmlage, wurde sie alsbald auch von Frauen übernommen. Die grosse Cecilia Bartoli liebt diese Partie: «Orfeo versetzt uns mit seiner magischen Stimme in eine andere Welt. Er feiert die Liebe, steigt sogar in die Hölle hinab, um seine geliebte Euridice wiederzufinden. Bei dieser Musik kann man Gott berühren — mit den Ohren und der Seele.» Nicht mit Koloraturen wird Bartoli dabei brillieren, sondern mit himmlischen Kantilenen und zarter Nuancierungskunst. Und wir schweben auf Wolke sieben.
Konzertante Aufführung mit deutschen und englischen Übertiteln
Diese Aufführung hat keine Pause und endet gegen 18.35 Uhr.
16.00 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Lucerne Festival Orchestra
Anne-Sophie Mutter Violine
«Mozart, Mutter & More»
Klassik im Kurzformat, bei freiem Eintritt und ganz casual. Mit Musik und im Gespräch stellen wir Ihnen am frühen Abend ausgewählte Künstler*innen und Werke vor: junge Talente und gefeierte Stars, Klassiker der Klassik und aufregende Hörabenteuer.
Information:
Der Zutritt zu den Konzerten der Reihe 40min ist nur mit einem gültigen Ticket möglich. Fünf Tage vor der Veranstaltung, ab Mittwoch, 19.08. | 10.00 Uhr, können Sie über lucernefestival.ch kostenlose, nicht nummerierte Tickets beziehen. Die Anzahl der Tickets ist auf zwei pro Bestellung limitiert. Am Tag der Veranstaltung können vor Ort allfällige Resttickets bezogen werden.
Johannes Brahms (1833–1897): Violinsonate Nr. 1 G-Dur op. 78
Leoš Janáček (1854–1928): Violinsonate
Amy Beach (1867–1944): Romanze für Violine und Klavier op. 23
Sergej Prokofjew (1891–1953): Violinsonate Nr. 2 D-Dur op. 94a
Für sein Rezital hat sich «artiste étoile» Augustin Hadelich etwas Besonderes vorgenommen. Erstmals wird er gemeinsam mit Seong-Jin Cho auftreten, Südkoreas Superstar am Klavier: Weltklasse trifft auf Weltklasse. Auch das Programm könnte nicht schöner sein. Die zarte, hochromantische Violinromanze der Amerikanerin Amy Beach ist dabei, dazu die urwüchsige und leidenschaftliche Sonate von Leoš Janáček mit ihren wilden Tanzrhythmen, die jede Taktordnung ausser Kraft setzen. Ganz anders Sergej Prokofjews schwerelose D-Dur-Sonate, die mitten im Zweiten Weltkrieg entstand und doch so gar nicht nach Weltuntergang klingt. Am Anfang des Abends aber steht Johannes Brahms: die melodiensatte G-Dur-Sonate, die ein berühmtes Liedzitat enthält. Diesen Komponisten habe er neu verstanden, nachdem er sich mit dessen Kammermusik befasst habe, verrät Hadelich. Ohnehin hält er das Musizieren in kleiner Besetzung für die beste Schule — für Auftritte mit Orchester und, umfassender, für den Umgang mit Menschen. Da lerne man, einander zuzuhören, aufeinander zu reagieren, in Dialog zu treten. Eine Lektion fürs Leben.
Pause um ca. 20.25 Uhr
Konzertende gegen 21.30 Uhr
Alexey Shor (*1970) / Mikhail Pletnev (*1957): Violinsonate h-Moll
auf Grundlage von Shors Violinkonzert Nr. 4
Karol Szymanowski (1882–1937): Violinsonate d-Moll op. 9
Antonín Dvořák (1841–1904): Romantische Stücke op. 75
Camille Saint-Saëns (1835-1921) / Eugène Ysaÿe (1858-1931): Caprice d’après l’Étude en forme de Valse op. 52 Nr. 6
Sie ist gerade einmal 21 Jahre alt und hat in den letzten Jahren schon international Furore gemacht: Die im japanischen Sapporo geborene Yuki Hirano gewann 2024 die Vienna Classical Violin Competition beim Classical Violin Olympus und ging im Frühjahr 2025 als Siegerin aus dem Internationalen Jascha-Heifetz-Wettbewerb in Vilnius hervor, wo sie zudem etliche Sonderpreise erhielt. Das Geheimnis ihres Erfolgs? «Wenn das Publikum die Musik geniessen kann, bin ich glücklich», erklärt die Studentin von Pavel Vernikov an der Musik und Kunst Privatuniversität in Wien. Das Programm, das sie für ihren Einstand bei Lucerne Festival ausgewählt hat, bietet dafür die besten Voraussetzungen. Da wäre etwa die mitreissende Violinsonate des 1970 in der Ukraine geborenen Alexey Shor. Eigentlich war sie mal ein Violinkonzert, aber gemeinsam mit der Pianistenlegende Mikhail Pletnev hat Shor sie zum Duo umgeformt — und damit einen echten Hit gelandet: volkstümlich, virtuos und schwelgerisch. Hochromantisch wird es bei Szymanowski und Dvořák. Und bei der ebenso anmutigen wie brillanten Valse-Caprice , die der Geigenvirtuose Eugène Ysaÿe nach einer Etüde von Saint-Saëns arrangierte, gibt es ohnehin kein Halten mehr.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
Geniessen Sie nach dem Konzert ein feines Menü.
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Schlagzeugensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
In den Strassen: City Stage — Opening
Schlagzeugensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
«Rhythm ’n’ Loops»
Steve Reich (*1936):
Mallet Quartet für zwei Marimbas und zwei Vibrafone
Music for Pieces of Wood für vier Paar gestimmte Claves
Clapping Music
Drumming, Part One für vier Paar gestimmte Bongos
Die bunten Festivalflaggen flattern, die ebenso farbenfrohen Festivalbänke sind aufgestellt, das Publikum strömt zum KKL Luzern: Man sieht, wenn Sommer-Festival ist. Und ab sofort hört man es auch. Denn mit unserem neuen Format «In den Strassen: City Stage» bringen wir ganz Luzern zum Klingen. Sechs Tage lang, vom 25. bis 30. August, schwärmen die jungen Musiker*innen der Lucerne Festival Academy und weitere Ensembles aus, um die Musik in die Stadt zu tragen — teils angekündigt, teils als Pop-up-Konzert. Lassen Sie sich überraschen! Zum Auftakt präsentiert ein Schlagzeugquartett perkussive Werke von Steve Reich, darunter sein Kultstück Drumming . Als einer der Masterminds der amerikanischen Minimal Music wiederholt Reich einfache Motive und Rhythmen in Dauerschleife, verschiebt seine Loops aber allmählich gegeneinander. So entsteht — angeregt nicht zuletzt durch die polyrhythmische Trommelmusik, die Reich auf einer Reise durch Ghana kennengelernt hatte — ein magischer, groovender Flow.
Detaillierte Informationen zu «In den Strassen: City Stage» finden Sie ab April 2026 auf unserer Homepage.
Zum 50. Luzerner Bühnenjubiläum von Anne-Sophie Mutter
Lucerne Festival Orchestra
Anne-Sophie Mutter, Violine und musikalische Leitung
Knut Johannessen, Cembalo
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791): Divertimento F-Dur KV 138 (125c)
André Previn (1929–2019): Violinkonzert Nr. 2 für Violine und Streichorchester mit zwei Cembalo-Zwischenspielen
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791): Violinkonzert B-Dur KV 207
Aftab Darvishi (*1987): Likoo für Violine Solo (Schweizer Erstaufführung)
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791): Violinkonzert A-Dur KV 219
Die Jubilarin lässt die Korken knallen: Zum 50. Jahrestag ihres Luzerner Bühneneinstands spielt Anne-Sophie Mutter gleich drei Violinkonzerte und ein Solostück an einem einzigen Abend! Und dabei übernimmt sie auch noch selbst die Musikalische Leitung des Lucerne Festival Orchestra — alles andere als ein Schonprogramm. Die Werke, die Anne-Sophie Mutter ausgewählt hat, sind für sie allesamt «Herzensprojekte». Mit einem Mozart-Konzert stellte sie sich schon als Neunjährige bei ihrem allerersten öffentlichen Auftritt mit Orchester vor, und Mozart widmete sie auch ihre erste Platteneinspielung, die 1978 mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan herauskam. André Previn, der für sie mehr als nur ein künstlerischer Partner war, schrieb für sie zahlreiche neue Werke, darunter auch sein Violinkonzert Nr. 2. Es ist eine von 34 Partituren, die sie bislang zur Uraufführung gebracht hat. Zu den jüngsten Novitäten, die sie aus der Taufe hob, gehört das Solostück Likoo der Iranerin Aftab Darvishi. Es spürt Sehnsüchten nach: den Gefühlen von Frauen, die ihre Liebsten oder ihre Heimat verloren haben oder um ihre Rechte kämpfen müssen. «Es ist mir wichtig, ihnen mit dieser Musik eine Stimme zu geben», bekennt Anne-Sophie Mutter, die wach an allem teilhat, was sich in der Welt tut.
Pause um ca. 20.40 Uhr
Konzertende gegen 21.45 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Edward Elgar (1857–1934): Enigma Variations op. 36
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893): Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36
In diesem Konzert können Sie ein Rätsel lösen. Am 19. Juni 1899 erlebte Edward Elgar mit der Uraufführung seiner Enigma Variations einen beispiellosen Triumph. Das Ereignis wurde als Wiedergeburt der englischen Musik gefeiert, die zwei Jahrhunderte lang, seit dem Tod von Henry Purcell, international keine Rolle mehr gespielt hatte. Nur eine Frage bereitete Kopfzerbrechen: Was war eigentlich das Thema, das Elgar in seinem Meisterwerk variierte? Der Komponist wollte es partout nicht verraten, und so schossen die Spekulationen ins Kraut. Hatte er die britische Nationalhymne zugrunde gelegt? Oder Rule, Britannia! oder das Volkslied Auld Lang Syne ? Bis heute hat niemand das Geheimnis entschlüsselt . . . Tschaikowsky dagegen liess keine Frage offen, wenn es um seine Vierte Sinfonie ging: Er gab ihr ein genaues Programm mit. Im Zentrum steht «das Fatum, die verhängnisvolle Macht, die unser Streben nach Glück verhindert und unsere Seele unentwegt vergiftet». Aber was für eine Musik schrieb er dazu! Ob Tschaikowsky oder Elgar: An diesem Festivalabend liegen sie in den besten Händen. Denn die Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko bürgen für einen romantischen Sound, wie er klangsinnlicher nicht sein könnte.
Pause um ca. 20.10 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Richard Wagner (1813–1883): Isoldens Liebestod aus Tristan und Isolde. Fassung für Klavier von Franz Liszt S 477
Samuel Barber (1910–1981): Movement I aus Excursions op. 20
George Gershwin (1898–1937): Embraceable You aus Seven Virtuoso Etudes on Gershwin Songs for Piano, bearbeitet von Earl Wild
Joseph Haydn (1732–1809): Fantasie (Capriccio) C-Dur Hob. XVII:4
Samuel Barber (1910–1981): Movement III aus Excursions op. 20
Laila Arafah (*2004): shadow undulations of a bellflower (Schweizer Erstaufführung)
Franz Liszt (1811–1886): Klaviersonate h-Moll S 178
Diese Pianistin passt in kein Schema. Bridget Yee wurde 2004 in Malaysia geboren, kam als 11-Jährige zum Studium nach London und gewann u. a. die Windsor International Piano Competition. Aber sie brilliert nicht nur auf dem Klavier, sondern hat sich auch als Cellistin und Kontrabassistin ausbilden lassen und bei Orchesterkonzerten unter Jac van Steen und Benjamin Zander musiziert. Das habe ihren Horizont erweitert, findet sie, auch zum Nutzen ihres Tastenspiels. Als Interpretin sucht Bridget Yee unermüdlich nach Inspirationen ausserhalb der Musik: Man müsse sich nur umschauen, lautet die Devise. Ihre Rezitale moderiert sie meist — sehr zum Vergnügen des Publikums. Und dann hat Yee auch noch ein Faible für ungewöhnliche und originelle Programme. Werke von Haydn bis zur Gegenwart hat sie für ihr Debut bei Lucerne Festival ausgewählt. Zwei berühmte Transkriptionen, wie sie verschiedener nicht sein könnten, sind dabei: Wagners Isoldens Liebestod und Gershwins Embraceable You . Mit Samuel Barber ehrt sie einen amerikanischen Klassiker. Und bei Liszts grosser h-Moll-Sonate ist sie als Virtuosin wie kluge Gestalterin gleichermassen gefragt.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
Geniessen Sie nach dem Konzert ein feines Menü.
Mehr unter lucernefestival.ch/lunchkonzerte
Berliner Philharmoniker | Kirill Petrenko | Augustin Hadelich
Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko, Dirigent
Augustin Hadelich, Violine
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Violinkonzert D-Dur op. 61
Aleksandr Skrjabin (1872–1915): Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 43 Le Divin Poème
Wenn ein Geiger oder eine Geigerin bei einem Spitzenorchester wie den Berliner Philharmonikern debutiert, ist das keine leichte Aufgabe. Denn neben ihm oder ihr sitzen gut zwei Dutzend geigespielende Orchestermitglieder, die oft auch solistisch aktiv sind und entsprechend kritisch zuhören. Umso erstaunlicher verlief 2021 Augustin Hadelichs Einstand bei den «Berlinern»: Der Wunsch, einmal mit ihm zu musizieren, kam nämlich aus den Reihen der Philharmoniker selbst — was für ein Ritterschlag! Inzwischen ist daraus eine beglückende künstlerische Partnerschaft entstanden, und so ist es auch kein Zufall, dass man nun gemeinsam auf Tour geht, sogar mit dem beliebtesten Violinkonzert überhaupt, dem Beethoven-Konzert. Im zweiten Teil aber präsentiert Chefdirigent Kirill Petrenko eine echte Entdeckung. Aleksandr Skrjabins originelle Dritte Sinfonie mit dem schönen Beinamen Le Divin Poème , «das göttliche Gedicht», knüpft an Nietzsche an und kreist um die Schöpferkraft des Menschen, der im letzten der drei Sätze seine Fesseln sprengt und freudig triumphiert. Mit einer riesigen Orchesterbesetzung sorgt Skrjabin dabei für einen wahren Klangrausch.
Pause um ca. 20.25 Uhr
Konzertende gegen 21.50 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Royal Concertgebouw Orchestra | Santtu-Matias Rouvali | Víkingur Ólafsson
Royal Concertgebouw Orchestra
Santtu-Matias Rouvali, Dirigent
Víkingur Ólafsson, Klavier
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73
Sergej Prokofjew (1891–1953): Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100
Nur 5,5 Millionen Einwohner hat Finnland, noch ein gutes Drittel weniger als die Schweiz. Aber ständig überrascht das Land die Musikwelt mit neuen hochkarätigen Musiktalenten — Mitteleuropa kann da nur staunen. Auch der Dirigent, mit dem das fabelhafte Amsterdamer Concertgebouw Orchestra in diesem Sommer nach Luzern kommt, ist ein Finne: Der 40-jährige Santtu-Matias Rouvali, Chef beim Londoner Philharmonia Orchestra, ist gelernter Schlagzeuger mit Spezialfach Marimba, hat einst in einer Band Soul und Funk gespielt und ist eher durch einen Zufall zu seinem heutigen Beruf gekommen. Wenn er am Pult tanzt und die Musik geschmeidig modelliert, dann sieht man seine Herkunft. Ganz abgesehen davon, dass Rouvali mit seinen Händen gleichzeitig zwei verschiedene Taktarten schlagen und mit den Beinen noch einen Gegenrhythmus markieren kann. Das kommt Prokofjews schmissiger Fünfter Sinfonie fraglos zugute: Im Finale feiert sie einen Traum und stimmt ein umwerfendes Lied auf den glücklichen Menschen an. Aber auch Beethovens Fünftes Klavierkonzert, das Rouvali mit Víkingur Ólafsson aufführt, verspricht spannend zu werden: Let’s swing!
Pause um ca. 20.20 Uhr
Konzertende gegen 21.35 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Opernensemble des Luzerner Theaters | Luzerner Sinfonieorchester | Maria Radzikhovskiy | Marie Lambert-Le Bihan
Opernensemble des Luzerner Theaters
Luzerner Sinfonieorchester
Maria Radzikhovskiy, Dirigentin
Marie Lambert-Le Bihan, Regie und Licht
Ilaria Ariemme, Kostüme
Pia-Rabea Vornholt, Dramaturgie
Peter Maxwell Davies (1934–2016): Eight Songs for a Mad King. Musiktheater für Männerstimme und Ensemble. Libretto von Randolph Stow mit Texten von George III. (In englischer Sprache)
Bushra El-Turk (*1982): Medeas Monolog. Libretto von Ariane Koch (Uraufführung / Auftragswerk des Luzerner Theaters)
Ist Wahnsinn ein Mittel, um der Realität zu entkommen? Oder — im Gegenteil — ein Instrument, um ihr zu begegnen? Mit seinem Monodram Eight Songs for a Mad King schuf Peter Maxwell Davies 1968 eine raffinierte Charakterstudie des verrückten britischen Königs George III., der ab 1760 regierte, und ging dabei von Originaltexten des Monarchen aus. Betörende Kantilenen stehen in diesem Klassiker des modernen Musiktheaters neben Kakofonien. So entsteht das Bild emotionaler und geistiger Zerrüttung. Es provoziert und offenbart zugleich eine erstaunliche Hellsichtigkeit. Die Uraufführung der Britin Bushra El-Turk setzt dieser historischen Figur eine der widersprüchlichsten mythologischen Frauengestalten entgegen und verleiht Medea eine neue, eigene Stimme. Im Spannungsfeld von Selbstermächtigung und Wahnsinn, Macht und Willkür, Liebe und Hass lässt uns dieser Operndoppelabend eine Welt in Brüchen erleben. Er mag auch Wahrheiten hervorbringen, die uns tief berühren.
insgesamt 90 min (inkl. Pause)
Kooperation des Luzerner Theaters mit Lucerne Festival
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Elim Chan | Jörg Widmann | Marco Blaauw | SWR Experimentalstudio
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Elim Chan, Dirigentin
Jörg Widmann, Komponist
Marco Blaauw, Carnyx
SWR Experimentalstudio: Michael Acker | Joachim Haas | Daniel Miska
Mark Andre (*1964): über für Klarinette, Orchester und Live-Elektronik
Liza Lim (*1966): Tongue of the Land. Konzert für Orchester mit Carnyx
Uraufführung «Roche Commissions»
John Adams (*1947): Doctor Atomic Symphony für Orchester
Der durchdringende Ruf der Carnyx tönte vermutlich schon vor mehr als 2000 Jahren über den Vierwaldstättersee, als Keltenstämme in der Zentralschweiz siedelten. Liza Lim hat ein Konzert für diese antike, knapp zwei Meter lange Bronzetrompete komponiert und sich gefragt, «wie menschliche und nicht-menschliche Kreativität aus längst vergangenen Zeiten in Körpern, kulturellen Artefakten und der Tiefenzeit von Orten weiterlebt und dabei Samen der Widerstandskraft, aber auch potenzielle Gefahren in sich trägt». Weitaus weniger exotisch ist das zweite Soloinstrument des Abends, die Klarinette. Doch composer-in-residence Mark Andre entlockt ihr — angeregt durch ausgiebige Klangexperimente mit Jörg Widmann — eine Vielzahl völlig neuer Sounds. Aus Klappengeräuschen, elektronisch verfremdeten Lufttönen und fragilen Mehrklängen entsteht eine zerbrechliche Musik am Rande des Verstummens. Am Ende führt uns auch dieser Festivalabend nach Amerika: In seiner Oper Doctor Atomic , die er für den Konzertsaal zu einer farbenglühenden Sinfonie kondensiert hat, setzt sich John Adams mit J. Robert Oppenheimer und dem ersten Atombombentest in New Mexico auseinander.
Pause um ca. 19.40 Uhr
Konzertende gegen 21.40 Uhr
17.30 Uhr
Konzerteinführung Liza Lim und Mark Andre im Gespräch mit Mark Sattler
Jörg Widmann | Frank Reinecke | SWR Experimentalstudio
Jörg Widmann, Komponist
Frank Reinecke, Kontrabass
SWR Experimentalstudio: Michael Acker | Joachim Haas | Daniel Miska
Mark Andre (*1964):
… selig sind … für Klarinette und Elektronik
iv 18 («Sie fürchteten sich nämlich») für Kontrabass solo
Wie ein Forscher erkundet composer-in-residence Mark Andre die Möglichkeiten eines Instruments. Über mehrere Jahre hat er eng mit dem Bassisten Frank Reinecke zusammengearbeitet. Das Ergebnis: ein knapp dreiviertelstündiges Solo, das dem Kontrabass eine ganze Welt an neuen, ungewöhnlichen Klängen entlockt und die Aufmerksamkeit dabei auf Flüchtiges, Instabiles, Zerbrechliches lenkt. Das geht bis an die Grenze des Hörbaren — etwa wenn die tiefste Saite des Kontrabasses noch tiefer gestimmt wird, bis zum Subkontra-E — und will gerade dadurch Transzendentes, Metaphysisches aufscheinen lassen. Für . . . selig sind . . . , eine als Raummusik angelegte musikalische Meditation über die Bergpredigt Jesu, griff Andre auf Klangerfahrungen zurück, die er in ausgiebigen Sessions mit Jörg Widmann machen konnte. «Wir haben auf der Klarinette gemeinsam Klänge entwickelt, die auch ich vorher nicht kannte, weil es sie vorher nicht gab», berichtet Widmann. «Wir haben wie Kinder gestaunt.»
Pause um ca. 11.45 Uhr
Konzertende gegen 12.55 Uhr
11.00 Uhr
Einführung im Konzert:
Jörg Widmann und Frank Reinecke im Gespräch mit Mark Sattler
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program | Doreen Ketchens
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program, Dirigent*innen
Doreen Ketchens, Klarinette
Augusta Read Thomas (*1964): Auszüge aus Abracadabra (Suncatchers) for eleven virtuosi
Elliot Carter (1908–2012): Asko Concerto für Ensemble
Jalalu-Kalvert Nelson (*1951): Endangered Dreams für Trompete und Kammerorchester
Steve Reich (*1936): Mallet Quartet für zwei Marimbas und zwei Vibrafone
«Reflecting the Streets of New Orleans»
Eine Performance von Doreen Ketchens, Simone Keller und Jessie Cox in Zusammenarbeit mit Musiker*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO), kuratiert von Hiromi Gut (guerillaclassics)
Make American History Great Again? Endangered Dreams hat der in Biel lebende Afroamerikaner Jalalu-Kalvert Nelson sein neues Ensemblestück betitelt. Er reagiere damit auf «den Kampf um die amerikanische Identität und Geschichte, der momentan stattfindet. Einige Gruppierungen wollen die Geschichte umschreiben und ihre unangenehmen Teile tilgen. Sie versuchen, den ’American Dream’ von seinen Schattenseiten zu reinigen — und verwandeln ihn damit in eine einseitige Lüge.» Wie vielfältig Amerika klingt, zeigt der Rest des Programms: Steve Reich, einer der Erfinder der Minimal Music, verschmilzt in seinem Mallet Quartet je zwei Marimbas und Vibrafone zu einer ekstatisch pulsierenden Rhythmusmaschine. Tief verwurzelt in der musikalischen Moderne Amerikas und Europas ist dagegen die Musik von Elliott Carter. Sein energetisches Asko Concerto greift das barocke Concerto-grosso-Prinzip auf und kontrastiert Tuttiabschnitte mit Duo-, Trio- oder Solo-Passagen. Auch Augusta Read Thomas hat Abracadabra (Suncatchers) ausdrücklich «for eleven virtuosi» komponiert: funkensprühende, farbenfrohe Musik, die immer neue Einfälle aus dem Hut zaubert. Und Dr. Doreen Ketchens, die «Clarinet Queen» aus New Orleans, verkörpert den amerikanischen Traum mit Musik aus den Strassen ihrer Heimatstadt, wo sich das Ohr «zu befreien» lernt.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 17.40 Uhr.
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program | Doreen Ketchens bewerten:
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Bewertungen & Berichte Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Teilnehmer*innen des Contemporary-Conducting Program | Doreen Ketchens
The Met Orchestra | Yannick Nézet-Séguin | Joyce DiDonato
The Met Orchestra
Yannick Nézet-Séguin, Dirigent
Joyce DiDonato, Mezzosopran
Missy Mazzoli (*1980): Sinfonia (for Orbiting Spheres) für Orchester
Gustav Mahler (1860–1911): Rückert-Lieder, Sinfonie Nr. 4 G-Dur
Seit 15 Jahren ist der charismatische Kanadier Yannick Nézet-Séguin Stammgast bei Lucerne Festival — und einer der grossen Publikumslieblinge. Mit den Wiener Philharmonikern trat er hier auf, mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra, mit dem Philadelphia Orchestra und immer wieder mit dem Lucerne Festival Orchestra: Es waren Sternstunden. Jetzt, im Sommer der «American Dreams», gastiert er erstmals mit seinem Met Orchestra aus New York am Vierwaldstättersee und widmet sich dabei einem seiner Lieblingskomponisten: Gustav Mahler. Die Vierte Sinfonie hat sich Nézet-Séguin dafür ausgesucht, ein Werk «von einzigartiger Reinheit», wie er glaubt. Aber gerade diese Sinfonie, die eine Reise ins Paradies unternimmt, ist auch abgründig und schwer zu deuten. Als «Reiseführerin» im Finale, die uns die Sehenswürdigkeiten im Garten Eden präsentiert, ist die grosse Joyce DiDonato zu erleben: eine kluge Gestalterin, die ihren wunderschönen Mezzosopran höchst kultiviert zu führen versteht. Sie trägt auch Mahlers Rückert-Lieder vor, mit dem berühmten Ich bin der Welt abhanden gekommen. Wenn sie dieses Lied singe, gesteht DiDonato, fühle sie sich, als würde sie ein anderes Universum betreten.
Pause um ca. 19.10 Uhr
Konzertende gegen 20.40 Uhr
17.30 Uhr
Konzerteinführung mit Malte Lohmann (Auditorium KKL Luzern)
John Adams (*1947): The Chairman Dances. Foxtrot für Orchester
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19
Johannes Brahms (1833–1897): Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Sie ist Jahrgang 1941, er kam 1989 zur Welt: Zwei Generationen liegen zwischen der legendären Pianistin Martha Argerich und dem jungen israelischen Maestro Lahav Shani — aber es ist ein Clash, bei dem die Funken stieben. Als sie 2019 in Tel Aviv erstmals gemeinsam auftraten, übrigens mit Beethovens Zweitem Klavierkonzert, kannte der Applaus keine Grenzen. Seither musizieren die beiden regelmässig zusammen: sie an den Tasten und er am Pult. Oder auch bei Rezitalen für zwei Klaviere oder vierhändig bei Zugaben, denn Shani ist ebenfalls ein Pianist von Rang. «Wenn Klavier und Orchester einander in flotter, federleichter Manier die Pointen zuspielen, erinnert das an den Witz einer klassischen Screwball-Comedy mit Katharine Hepburn», urteilte der Wiener Standard über ihren jüngsten gemeinsamen Auftritt mit Beethovens B-Dur-Konzert. Gespannt sein darf man aber auch auf Shanis Deutung von Brahms’ ausgeklügelter Vierter Sinfonie mit den Münchner Philharmonikern, deren Leitung er wenige Tage nach seinem Luzerner Gastspiel antritt. Schon im letzten Sommer war er mit seinem neuen Orchester bei Lucerne Festival zu hören, und man spürte sofort: Hier haben sich die Richtigen gefunden!
Pause um ca. 20.25 Uhr
Konzertende gegen 21.40 Uhr
Verheissung: Er fand glücklich das schönre Land
Franz Schubert (1797–1828): Drang in die Ferne D 770
Robert Schumann (1810–1856): Liederkreis op. 24
Realität: Wo bist du, mein geliebtes Land?
Franz Schubert (1797–1828): Der Wanderer D 493
Hanns Eisler (1898–1962):
aus dem Hollywooder Liederbuch:
Fünf Elegien
An den kleinen Radioapparat
Letzte Hoffnung: Nun muss sich alles wenden
Franz Schubert (1797–1828): Frühlingsglaube D 686
Gustav Mahler (1860–1911): Lieder eines fahrenden Gesellen
Die Jury war sich einig: Der Musikpreis der deutschen Wirtschaft 2025 geht an den jungen Bariton Jonas Müller! Und so durfte sich der gebürtige Niederbayer, Jahrgang 1999, nicht nur über 15 000 Euro Preisgeld, sondern auch über dieses Debutkonzert bei Lucerne Festival freuen. Müller beeindruckte mit einem intelligenten Programm, das — so die Jurybegründung — «von Authentizität und Ernsthaftigkeit geprägt war». Nach diesem Prinzip verfährt er auch bei seinem Luzerner Rezital. Unter dem Motto «Irgendwo auf der Welt» singt er von Fern- und Heimweh, von Liebesträumen und Einsamkeit — mit Liedern von Franz Schubert und Robert Schumann, Gustav Mahler und Hanns Eisler. Von Eisler erklingen dabei sechs Nummern aus dem Hollywooder Liederbuch: als Beitrag zum Sommerthema «American Dreams». Jonas Müller wurde schon vielfach preisgekrönt, auch im Duo mit seiner Klavierpartnerin Anna Gebhardt. Seit Herbst 2025 ist der Schüler von Christian Gerhaher Mitglied im Opernstudio der Oper Frankfurt und stellte sich dort als Guglielmo in Mozarts Così fan tutte vor. «Stimmliche Eleganz und eine feine komödiantische Note» attestierte ihm die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Das Konzert ist Teil der Kulturkreis-Tournee, die den Preisträger*innen des Musikpreises der deutschen Wirtschaft Auftritte bei renommierten Partnerfestivals ermöglicht – darunter auch das Beethovenfest Bonn, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Die Musikförderung des Kulturkreises wird unterstützt vom G. Henle Verlag, der Peter Klöckner Stiftung und Dr. Arend Oetker.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
Geniessen Sie nach dem Konzert ein feines Menü.
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Frédéric Chopin (1810–1849):
Scherzo Nr. 1 h-Moll op. 20
Etüde As-Dur op. 25 Nr. 1
Hayato Sumino (*1995):
Lydian Harp
Raindrop Postlude
Frédéric Chopin (1810–1849): Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35
Camille Saint-Saëns (1835–1921): Danse macabre op. 40
Frédéric Chopin (1810–1849):
Mazurka a-Moll op. 59 Nr. 1
Mazurka As-Dur op. 59 Nr. 2
Mazurka fis-Moll op. 59 Nr. 3
Thomas Adès (*1971): Mazurka op. 27 Nr. 2
Frédéric Chopin (1810–1849): Etüde Ges-Dur Op. 10 Nr. 5
Hayato Sumino (*1995):
White Keys
Imaginary Polonaise
Improvisation über das Ostinato aus Frédéric Chopins Berceuse Des-Dur op. 57
Frédéric Chopin (1810–1849): Etüde a-Moll op. 25 Nr. 11
Igor Strawinsky (1882–1971): Danse infernale, Berceuse und Finale aus dem Ballett Der Feuervogel, für Klavier bearbeitet von Guido Agosti
Die Gen Z kennt ihn als «Cateen», den hippen YouTuber und Katzenfreund mit mehr als 1,5 Millionen Follower*innen. Hinter dem Social-Media-Star, dessen kunstvolle Clips über 200 Millionen Mal aufgerufen wurden, steckt der 1995 geborene japanische Pianist Hayato Sumino. Den kann man sogar live im Konzertsaal erleben, jetzt erstmals auch bei Lucerne Festival. Und staunen, was er am Klavier so alles draufhat. Sumino schreckt nicht einmal vor den grössten virtuosen Anforderungen zurück, etwa vor den Exzessen in Guido Agostis Klaviertranskription von Igor Strawinskys Feuervogel. Wichtiger ist ihm allerdings die Programmidee: Sein Luzerner Debut hat er rund um Frédéric Chopin aufgebaut. Er verschränkt dabei Chopin-Stücke mit eigenen Kompositionen im Stil der Neoklassik und mit Improvisationen; dazu kommen Werke von Thomas Adès und Camille Saint-Saëns, die sich bestens in den «Chopin Orbit» fügen. Die Teenies und Twens stürmen Suminos Konzerte — kein Wunder, dass er gerade den Publikumspreis des «Opus Klassik» erhielt. Aber Sumino ist mehr als ein Medienphänomen: Er hat sich bei Jean-Marc Luisada den letzten Schliff geholt und auch am Pariser IRCAM studiert.
Pause um ca. 20.25 Uhr
Konzertende gegen 21.45 Uhr
Freiburger Barockorchester | Sir Simon Rattle | Isabelle Faust
Freiburger Barockorchester
Sir Simon Rattle, Dirigent
Isabelle Faust, Violine
Robert Schumann (1810–1856):
Ouvertüre zur Oper Genoveva op. 81
Violinkonzert d-Moll WoO1
Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61
«Ich hatte gehofft, mich nicht noch einmal in ein Orchester zu verlieben, aber ich habe es doch getan», seufzt Sir Simon Rattle. Und wer ist die geheimnisvolle Liebe? Das Freiburger Barockorchester! Der Schumann-Abend, den Sir Simon und die «Freiburger» in Luzern aufführen, verrät, wie das neue Glück klingt. Das Orchester spielt schlank und durchhörbar, mit schillernden Farben und doch geerdet. Mit der hochromantischen Ouvertüre zu Schumanns einziger Oper Genoveva beginnt das Programm. Isabelle Faust, die über einen so menschlichen, sprechenden Geigenton verfügt und unvergleichlich delikat phrasiert, trägt anschliessend das Violinkonzert vor. Es entstand kurz vor Schumanns psychischem Zusammenbruch und gelangte erst 81 Jahre nach seinem Tod zur Uraufführung. «Das ist Musik, die einfach tief berührt», findet Faust. Ganz sicher gilt dieser Befund auch für die Zweite Sinfonie, die viele für Schumanns beste halten. Ihr überirdisch schöner langsamer Satz hat etwas von einem Dankgebet an sich. Schumann steigert hier unablässig eine beseligende Kantilene und führt sie in höchste Höhen: zehn Minuten für die Ewigkeit.
Pause um ca. 20.25 Uhr
Konzertende gegen 21.35 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (Auditorium KKL Luzern)
Elias David Moncado | David Tobin | Ye-Eun Choi | Hwayoon Lee | Lionel Martin | Lauma Skride
Elias David Moncado, Violine
David Tobin, Violine
Ye-Eun Choi, Violine
Hwayoon Lee, Violine
Lionel Martin, Violoncello
Lauma Skride, Klavier
Maurice Ravel (1875–1937): Violinsonate G-Dur
Texu Kim (*1980): Jeogori für Violine solo (Uraufführung)
Manuel Ponce (1882–1948): Estrellita, für Violine und Klavier bearbeitet von Jascha Heifetz
Franz Waxman (1906–1967): Carmen-Fantasie für Violine und Klavier
Yie-Eun Chun (*1985): Streichquartett Kinderszenen (Uraufführung)
Die Nachwuchsförderung liegt Anne-Sophie Mutter besonders am Herzen. Zu diesem Zweck gründete sie 2008 die Anne-Sophie Mutter Stiftung und kann heute auf eine stolze Riege prominenter Stipendiat*innen blicken, darunter Vilde Frang, Sergey Khachatryan, Daniel Müller-Schott oder Kian Soltani. Ihre jüngste Entdeckung ist Elias David Moncado, Jahrgang 2000: ein deutsch-spanisch-malaysischer Geiger, der den Grand Prix sowie zehn Sonderpreise beim Karol-Lipiński-Wettbewerb in Polen gewann, 2025 seinen Einstand in der New Yorker Carnegie Hall gab und 2026 seine erste CD bei Warner Classics veröffentlicht. Er wird sich bei diesem Debut mit Maurice Ravels amerikanisch-inspirierter Violinsonate vorstellen, die einen «Blues» ins Zentrum rückt. Ausserdem wird er auf der Stradivari «Ludwig, ex-Szigeti» Hochvirtuoses vortragen wie Franz Waxmans fingerbrecherische Carmen-Fantasie. Doch auch vier weitere Mutter-Schützlinge sind in diesem ungewöhnlichen Debut-Konzert zu erleben, und zwar mit gleich zwei brandneuen Werken, die Anne-Sophie Mutter aus Anlass ihres 50. Luzerner Bühnenjubiläums für sie in Auftrag gegeben hat und die nun zur Uraufführung gelangen. Denn neue Musik zu ermöglichen ist eine weitere Leidenschaft der grossen Virtuosin.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
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Festival Strings Lucerne
Daniel Dodds Violine und Musikalische Leitung
«Lullaby und Square Dance: Gershwin, Copland, Bernstein»
Klassik im Kurzformat, bei freiem Eintritt und ganz casual. Mit Musik und im Gespräch stellen wir Ihnen am frühen Abend ausgewählte Künstler*innen und Werke vor: junge Talente und gefeierte Stars, Klassiker der Klassik und aufregende Hörabenteuer.
Information
Der Zutritt zu den Konzerten der Reihe 40min ist nur mit einem gültigen Ticket möglich. Fünf Tage vor der Veranstaltung, ab Samstag, 29.08. | 10.00 Uhr, können Sie über lucernefestival.ch kostenlose, nicht nummerierte Tickets beziehen. Die Anzahl der Tickets ist auf zwei pro Bestellung limitiert. Am Tag der Veranstaltung können vor Ort allfällige Resttickets bezogen werden.
Johannes Brahms (1833–1897): Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15
Dmitri Schostakowitsch (1906–1975): Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47
Um ihn reissen sich gerade alle: um Alexandre Kantorow, den 1997 geborenen Pianisten, der vor sieben Jahren als erster Franzose die Goldmedaille beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb gewann und 2023 den hochdotierten Gilmore Artist Award erhielt. Er musizierte schon mit Weltklasseorchestern wie den Berliner und den New Yorker Philharmonikern, spielte 2024 bei der Eröffnung der Pariser Olympischen Spiele Ravels Jeux d’eau im strömenden Regen und bezaubert das Publikum mit seinen poetischen Interpretationen. Den Einstand bei Lucerne Festival gibt Kantorow mit einem seiner Lieblingskomponisten, nämlich mit Johannes Brahms, dessen Erstes Klavierkonzert für elf oder zwölf Finger geschrieben scheint, so herausfordernd ist es. Aber Kantorow fürchtet weder die vollgriffigen Akkorde noch das filigrane Passagenwerk. Das Pittsburgh Symphony Orchestra und Manfred Honeck präsentieren anschliessend einen Meilenstein des russischen Repertoires: Dmitri Schostakowitschs doppelbödige Fünfte Sinfonie. Mit ihr versuchte sich Schostakowitsch, als er von Stalins «Kulturhütern» an den Pranger gestellt wurde, aus der Schusslinie zu nehmen und schrieb ein bombastisches Jubelfinale. Aber die wahre Botschaft steckt zwischen den Zeilen.
Pause um ca. 20.30 Uhr
Konzertende gegen 21.50 Uhr
John Adams (*1947): Short Ride in a Fast Machine. Fanfare für Orchester
Krzysztof Penderecki (*1933): Violinkonzert Nr. 2 Metamorphosen
Antonín Dvořák (1841–1904): Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 Aus der Neuen Welt
Für diese Geigerin wollten alle etwas schreiben: Anne-Sophie Mutters Kunst hat die besten Komponist*innen der Gegenwart zu neuen Werken inspiriert. Der Pole Krzysztof Penderecki hat gleich vier Partituren für sie geschaffen. Den Anfang machte 1995 sein grosses Zweites Violinkonzert: Metamorphosen lautet der Titel, und so geht es in den sechs Sätzen um Verwandlung und Umgestaltung — ein Pendeln zwischen verschiedenen Seelenzuständen oder auch zwischen Tradition und Moderne. Interpretatorisch, so räumt Mutter ein, sei dieses Konzert für sie «eine physische und psychische Herausforderung, die ich mit Dankbarkeit annehme». An ihrer Seite steht mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra einer der besten amerikanischen Klangkörper. Unter der Leitung seines Chefs Manfred Honeck widmet es sich im zweiten Teil Antonín Dvořáks beglückender Sinfonie Aus der Neuen Welt , die das Urbild eines musikalischen «American Dream» darstellt. Denn Dvořák sollte den USA mit diesem Werk den Weg ins gelobte Land der klassischen Musik weisen, mit einer originär amerikanischen Klangsprache. Weshalb er auch Spirituals oder Melodien und Tanzrhythmen der indigenen Bevölkerung in seiner «Neunten» anklingen lässt.
Pause um ca. 20.25 Uhr
Konzertende gegen 21.40 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (Auditorium KKL Luzern)
Stephan Heuberger, Orgel
Frank Reinecke, Kontrabass
Mark Andre (*1964):
iv 15. Himmelfahrt für Orgel (Schweizer Erstaufführung)
iv 19. Pfingsten – Echos für Kontrabass und Orgel (Schweizer Erstaufführung)
Einen ganzen Zyklus von iv-Stücken hat composer-in-residence Mark Andre bereits vorgelegt. Das titelgebende Kürzel steht dabei für «introvertiert», denn es geht um eine Reise ins Innere des Klangs: um eine fragile, reduzierte Musik, die sich an der Grenze des Wahrnehmbaren bewegt, aber eine enorme Intensität entfaltet und eine Tür zu spirituellen Sphären öffnet. So beschäftigt sich das Orgelstück iv 15. Himmelfahrt mit «Prozessen des Verschwindens». Andre assoziiert sie «mit der Situation der Himmelfahrt, der Aufhebung des Körpers oder — in der Musik — des Klangkörpers». Er lässt zum Beispiel während des Spiels den Gebläsemotor abschalten, was den Winddruck abschwächt, und färbt den Klang zusätzlich durch ungewohnte Registrierungen ein. So entstehe «eine eigene Art von Virtuosität, bei der man nicht unbedingt mit Tönen, sondern mit Registrierungen arbeitet», erklärt Organist Stephan Heuberger. Im bislang jüngsten Stück der Werkreihe, dem 2025 uraufgeführten Duo iv 19. Pfingsten — Echos , verlangt Mark Andre die ungewöhnliche Kombination von Orgel und Kontrabass: beides Instrumente mit enormem Tonumfang und doch ganz verschieden im Klang.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 12.25 Uhr.
11.00 Uhr Einführung im Konzert:
Stephan Heuberger und Frank Reinecke im Gespräch mit Mark Sattler
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791): Sinfonie g-Moll KV 183 (173dB)
Gustav Mahler (1860–1911): Sinfonie Nr. 1 D-Dur
Bei Mozarts g-Moll-Sinfonie denken die meisten an die sogenannte «Grosse», die mittlere der legendären letzten drei Mozart-Sinfonien, deren Anfang als Handy-Klingelton Karriere gemacht hat. Aber es gibt auch die «Kleine»: ein wildes Jugendwerk des 17-Jährigen, das mit ungestümer Ausdruckswut und schroffen dynamischen Kontrasten der Inbegriff einer Sturm-und-Drang-Musik ist. Mit dem ossetischen Dirigenten Tugan Sokhiev am Pult werden die Wiener Philharmoniker diesen «anderen» Mozart vorstellen, der so gar nicht nach zartem Rokoko klingt. Danach entfesseln sie mit Gustav Mahlers autobiografisch inspirierter Erster Sinfonie die Stürme des Lebens und der Liebe. Sokhiev schätzt Mahlers Erstling ganz besonders und findet ihn ausgesprochen dramatisch: «Für mich ist Mahler immer ein Theatermann», erklärt er. «Er hatte beim Komponieren bestimmte Bilder vor sich. Wenn man im ersten Satz die Augen schliesst, glaubt man, mitten in der Natur zu sein. Oder der dritte Satz: Der ist ausgesprochen ironisch mit seinem Zug der Tiere, die nicht wissen, ob sie den Tod des Jägers feiern oder betrauern sollen. Und im Finale triumphiert das Leben.»
Pause um ca. 19.05 Uhr
Konzertende gegen 20.35 Uhr
17.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (Auditorium KKL Luzern)
Augustin Hadelich | Mark O’Connor | Maggie O’Connor
Fiddle Night
Augustin Hadelich, Violine
Mark O’Connor, Violine, Gitarre und Mandoline
Maggie O’Connor, Violine
2024 legte «artiste étoile» Augustin Hadelich mit seinem preisgekrönten Album American Road Trip eine Hommage an seine Wahlheimat vor und widmete sich dabei nicht nur klassischen Klängen, sondern auch Genres wie dem Jazz und dem Ragtime, der Country und der Bluegrass Music. «Als ich vor über 20 Jahren in die USA kam, habe ich mich sofort in das Land verliebt — und in seine Musik, die ebenfalls ein Melting Pot ist», erzählt Hadelich. Wie sehr die musikalische Vielfalt Amerikas für ihn selbst schon zur Muttersprache geworden ist, zeigt er in Luzern mit seiner Fiddle Night. Dazu hat er zwei Grössen aus der Folk-Szene eingeladen: Maggie und Mark O’Connor. Schon dreimal hat Mark O’Connor den begehrten Grammy gewonnen, einen davon gemeinsam mit seiner Frau. Siebenmal wurde er von der Country Music Association zum Musiker des Jahres gewählt. Mit Klassik-Stars zusammenzuarbeiten ist für ihn übrigens keine Premiere — mit Augustin Hadelich aber werden die O’Connors jetzt erstmals auf der Bühne stehen. Und beweisen, was schon Leonard Bernstein wusste: «Es gibt weder ernste noch unterhaltende Musik. Es gibt nur gute und schlechte Musik.»
Festival Strings Lucerne | Daniel Dodds | Karl-Heinz Schütz
Nachmittagskonzert
Festival Strings Lucerne
Daniel Dodds, Violine und Musikalische Leitung
Karl-Heinz Schütz, Flöte
Antonín Dvořák (1841–1904): Scherzo aus der Serenade für Streicher E-Dur op. 22
Florence Price (1887–1953): Andante cantabile für Streichorchester, nach dem Streichquartett Nr. 2 a-Moll
George Antheil (1900–1959): «Allegro» aus der Serenade Nr. 1 für Streichorchester
John Corigliano (*1938): Voyage für Flöte und Streichorchester
George Gershwin (1898–1937): Lullaby. Fassung für Streichorchester
Leonard Bernstein (1918–1990): Waltz aus dem Divertimento for Orchestra
Aaron Copland (1900–1990): Hoe-Down aus Rodeo, arrangiert für Streichorchester
Einen zauberhaften Strauss mit den schönsten Melodien und Tänzen aus der Neuen Welt binden die Festival Strings Lucerne und Daniel Dodds zum Sommerthema «American Dreams». Wobei: Den Anfang macht ein Tscheche, Antonín Dvořák nämlich, mit dem vitalen und federleichten Scherzo aus seiner Streicherserenade. Aber das passt gut, denn Dvořák war ja der «Geburtshelfer» der amerikanischen Musik auf ihrer Suche nach sich selbst. Die Afroamerikanerin Florence Price knüpft unmittelbar an seine Klangsprache an: Ihr berührendes Andante cantabile geht einfach zu Herzen. Mit dabei ist auch der «Bad Boy of Music», George Antheil nämlich, mit einem frechen «Allegro» aus seiner Ersten Serenade. Auf die Reise in eine bessere Welt, wo alles Lust und Heiterkeit ist, schickt uns John Coriglianos klangprächtige Voyage ; Pate stand Charles Baudelaires berühmtestes Gedicht, L’Invitation au voyage . George Gershwin betört mit einem zarten Wiegenlied, und Leonard Bernstein fordert uns zum Walzer auf. Wie lässt sich all das noch toppen? Mit dem Hoe-Down aus Aaron Coplands Ballett Rodeo natürlich, einem Square Dance in bester Country-Manier.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 15.30 Uhr.
Wiener Philharmoniker | Tugan Sokhiev | Hilary Hahn
Wiener Philharmoniker
Tugan Sokhiev, Dirigent
Hilary Hahn, Violine
Antonín Dvořák (1841–1904): Violinkonzert a-Moll op. 53
Sergej Prokofjew (1891–1953): Suite aus dem Ballett Romeo und Julia op. 64, zusammengestellt von Tugan Sokhiev
Mit der einen Hand schnippt sie einen Dreiertakt, mit der anderen einen Zweiertakt, und dazu singt sie auch noch die Geigenmelodie: Wenn Amerikas Top-Geigerin Hilary Hahn in einem YouTube-Video Antonín Dvořáks Violinkonzert «in a nutshell» erklärt, dann wird sofort klar, warum sie gerade dieses Werk für ihr langersehntes Luzerner Festivaldebut ausgewählt hat. Übermut und Freude springen einen nur so an: Sie liebt dieses Stück — und der Funke zündet sofort. Hilary Hahn verbindet Leichtigkeit mit Ernsthaftigkeit und Virtuosität mit Poesie. Gerade deshalb ist sie, wie viele meinen, eine Klasse für sich. Genau wie die Wiener Philharmoniker: Was das Paradeorchester aus der Donaumetropole drauf hat an leidenschaftlicher Dramatik, zarten Nuancen und schmelzendem Sound, zeigt es mit der vielleicht besten Ballettmusik, die je komponiert wurde. Sergej Prokofjews Romeo und Julia erzählt Shakespeares «most excellent and lamentable tragedy» mit Verve, Witz und Wucht. Dirigent Tugan Sokhiev hat selbst eine Auswahl der schönsten Nummern zusammengestellt. Und wir lieben und leiden mit, hoffen bis zum letzten Moment — und verdrücken vielleicht auch ein paar Tränen.
Pause um ca. 20.15 Uhr
Konzertende gegen 21.30 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (Auditorium KKL Luzern)
«Urknall der Minimal Music: Terry Rileys In C»
Terry Riley (*1935): In C
Klassik im Kurzformat, bei freiem Eintritt und ganz casual. Mit Musik und im Gespräch stellen wir Ihnen am frühen Abend ausgewählte Künstler*innen und Werke vor: junge Talente und gefeierte Stars, Klassiker der Klassik und aufregende Hörabenteuer.
Information:
Der Zutritt zu den Konzerten der Reihe 40min ist nur mit einem gültigen Ticket möglich. Fünf Tage vor der Veranstaltung, ab Mittwoch, 02.09. | 10.00 Uhr, können Sie über lucernefestival.ch kostenlose, nicht nummerierte Tickets beziehen. Die Anzahl der Tickets ist auf zwei pro Bestellung limitiert. Am Tag der Veranstaltung können vor Ort allfällige Resttickets bezogen werden.
Konzerthausorchester Berlin | Rundfunkchor Berlin | Joana Mallwitz
«räsonanz» – Stifterkonzert
Konzerthausorchester Berlin
Rundfunkchor Berlin
Florian Helgath, Choreinstudierer
Joana Mallwitz, Dirigentin
Hans Werner Henze (1926–2012): Sinfonia N. 9 für gemischten Chor und Orchester.
Dichtung auf Anna Seghers’ Roman "Das siebte Kreuz" von Hans-Ulrich Treichel
Eine fast einstündige Neunte Sinfonie mit Chor und grossem Orchester: Wer denkt da nicht an Beethoven? Doch «statt die Freude, den schönen Götterfunken zu besingen», evoziere er in seiner Sinfonia N. 9 eine «Welt des Grauens und der Verfolgung, die weiterhin ihre Schatten wirft», erklärte Hans Werner Henze. Zugrunde liegt Anna Seghers’ antifaschistischer Jahrhundertroman Das siebte Kreuz: Sieben Häftlinge fliehen in Nazi-Deutschland aus einem Konzentrationslager, nur einer von ihnen kann sich in die Freiheit retten. Eindringlich und mit grossem Einfühlungsvermögen zeichnet Henze die Todesangst der Flüchtenden und die Brutalität der Verfolgung nach: «eine Apotheose des Schrecklichen und Schmerzlichen» und zugleich «Ausdruck der allergrössten Verehrung für die Leute, die Widerstand geleistet haben in der Zeit des nazifaschistischen Terrors». Das Konzerthausorchester Berlin und seine gefeierte Chefdirigentin Joana Mallwitz geben mit Henzes erschütterndem Bekenntniswerk ihren Festival-Einstand. Und weil Joana Mallwitz nicht nur eine begeisternde Dirigentin ist, sondern auch ohrenöffnend über Musik zu sprechen versteht, wird sie zu Beginn des Konzerts selbst in die Sinfonie einführen.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 20.50 Uhr.
19.30 Uhr
Einführung im Konzert: Joana Mallwitz im Gespräch mit Sebastian Nordmann
Gareth Glyn (*1951): Erddigan
Gabriel Fauré (1845–1924): Impromptu für Harfe op. 86
Nino Rota (1911–1979): Sarabanda e Toccata
Grace Williams (1906–1977): Hiraeth
Carlos Salzedo (1885–1961): Ballade für Harfe op. 28
Marcel Grandjany (1891–1975): The Colorado Trail op. 28
Benjamin Britten (1913–1976): Suite for Harp op. 83
Marcel Grandjany (1891–1975): Rhapsodie
Als bei einer Schulversammlung Harfenunterricht angeboten wurde, schnellte die Hand von Mared Pugh-Evans sofort in die Höhe. Sie sei immer sehr brav gewesen, das liege in ihrer Natur, aber dieser Moment könne als das wohl Durchtriebenste gelten, was sie je gemacht habe, erinnerte sie sich später in einem Interview. Die kleine Mared war damals sechs Jahre alt, ihr Vater Rektor ihrer Primarschule. Und eben dieser Rektor schaute am Rednerpult ziemlich verblüfft aus der Wäsche — vielleicht überschlug er im Kopf kurzerhand das Familienbudget, kostet eine gute Harfe doch locker mehrere 10 000 Pfund. Im Fall von Mared hat sich diese Investition allerdings mehr als gelohnt: Bereits mit elf Jahren bewies sie sich in Konkurrenzen und wurde seither vielfach ausgezeichnet. Die Krönung: 2024 ernannte sie König Charles III. zu «The King’s Harpist» — ein royales Amt, das im Jahr 2000 vom damaligen Prince of Wales nach langer Pause wiederbelebt worden war. Damals ging er an Catrin Finch und damit an genau jene Harfenistin, deren Konzert die kleine Mared einst so gebannt gelauscht und sich danach für die Harfe begeistert hatte. Ein «full circle», wie er schöner nicht sein könnte!
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
Geniessen Sie nach dem Konzert ein feines Menü.
Mehr unter lucernefestival.ch/lunchkonzerte
Bedřich Smetana (1824–1884): Die Moldau
Maurice Ravel (1875–1937): Klavierkonzert G-Dur
Antonín Dvořák (1841–1904): Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70
Als der 18-jährige Yunchan Lim 2022 mit Rachmaninows Drittem Klavierkonzert den Van-Cliburn-Wettbewerb gewann, standen der Dirigentin Marin Alsop die Tränen in den Augen. Die Jury war nicht minder bewegt von dem, was sie gerade gehört hatte. Da ging einer ins Rennen, der einfach anders spielte: kraftvoll und zärtlich, reif und elektrisierend zugleich, wie Juror Stephen Hough befand. Sein Kollege Jean-Efflam Bavouzet stellte verblüfft fest: «Ich war einfach sprachlos.» Die Karriere des jungen Koreaners zündete danach wie eine Rakete. Und das, obwohl er auf alle Mätzchen verzichtet und ausschliesslich für die Musik lebt, wie ein Priester für Gott. Mit Maurice Ravels zwischen baskischer Folkore und Mozart-Anklängen pendelndem G-Dur-Klavierkonzert stellt er sich nun bei Lucerne Festival vor: Es dürfte ein Ereignis werden. Die Tschechische Philharmonie wird ihm dabei zur Seite stehen und den Auftritt mit zwei «Greatest Hits» aus ihrer Heimat umrahmen. Chefdirigent Semyon Bychkov eröffnet den Abend mit dem tschechischen Klassiker schlechthin, mit Bedřich Smetanas weltberühmter Moldau . Und nach der Pause gibt es Antonín Dvořáks Siebte Sinfonie, seine wohl heroischste.
Pause um ca. 20.20 Uhr
Konzertende gegen 21.25 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Aaron Copland (1900–1990): Appalachian Spring. Suite für Orchester
Samuel Barber (1910–1981): Klavierkonzert op. 38
Paul Dukas (1865–1935): Fanfare pour précéder «La Péri»
Samuel Barber (1910–1981): Mutations from Bach für Blechbläser und Pauken
Alexander Tsfasman (1906–1971): Jazz Suite für Klavier und Orchester
Seit 25 Jahren begeistert Yuja Wang mit ihrer stupenden Virtuosität die Musikwelt, doch Routine hat sich bei ihr nie eingeschlichen. Immer ist sie auf der Suche nach Neuem, will Unbekanntes entdecken, sich neu erfinden. Das Festival-Motto «American Dreams» stiess bei ihr sofort auf Widerhall. Deshalb hat sie Samuel Barbers Klavierkonzert in ihr Repertoire aufgenommen: ein Werk, das bei Prokofjew und Rachmaninow anknüpft, aber auch Einflüsse von Bartók und vom Jazz bietet. Das Ergebnis geriet so beeindruckend, dass Barber dafür 1963 den Pulitzer-Preis erhielt. Richtig vergnüglich geht es zu, wenn Yuja Wang im zweiten Teil die Jazz Suite des Ukrainers Alexander Tsfasman spielt und dabei selbst auch die Musikalische Leitung übernimmt. Sie hat ein echtes «Feeling» für den Jazz und wurde nicht zufällig 2024 mit dem Grammy für ihr Album The American Project ausgezeichnet. Am Pult stand dabei ihr langjähriger Freund Teddy Abrams. In Luzern dirigiert er den ersten Teil des Konzerts: mit Aaron Coplands herzerfrischendem Appalachian Spring zum Auftakt, der Anklänge an Folk Songs, Hymnen, Square Dance und Fiddle Music bietet. America at its best!
Pause um ca. 20.30 Uhr
Konzertende gegen 21.30 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Poiesis Quartet: Sarah Ying Ma, Violine | Max Ball, Violine | Jasper de Boor, Viola | Drew Dansby, Violoncello
Jerod Impichchaachaaha' Tate (*1968): Pisachi. Six Epitomes for String Quartet
Coleridge-Taylor Perkinson (1932–2004): Streichquartett Calvary
Maurice Ravel (1875–1937): Streichquartett F-Dur
Etwas Neues schaffen, etwas entstehen lassen, das bisher noch nicht existierte: Das bedeutet das altgriechische Verb «poiein». Ein passender Name, fand Sarah Ying Ma, als sie 2022 mit ihren Kommiliton*innen Max Ball, Jasper de Boor und Drew Dansby vom Oberlin Conservatory in Ohio ein Streichquartett gründete. Und die vier gaben gleich richtig Gas: Nach nur einem Jahr spielte sich das Poiesis Quartet, das sich kollektiv als queer identifiziert, prompt auf den ersten Platz bei der Fischoff National Chamber Music Competition. Fun Fact: Die finale Probenarbeit war von besonderer Dringlichkeit beflügelt, hatte man sich doch versehentlich zunächst anhand der Repertoirekriterien des Vorjahres vorbereitet. Weitere Auszeichnungen folgten, zuletzt der Erste Preis beim renommierten Streichquartett-Wettbewerb in Banff, mit dem auch das Debut bei Lucerne Festival verbunden ist. Der «American Dream» dieses amerikanischen Quartetts? Komponist*innen eine Bühne zu geben, die nicht zum klassischen Kanon gehören. Diese programmatische Freiheit schöpfen sie nun auch in Luzern voll aus: mit sechs Stücken von Jerod Impichchaachaaha’ Tate, der zur indigenen Minderheit der Chickasaw Nation in den USA gehört, und einem Quartett des schwarzen Komponisten Coleridge-Taylor Perkinson, der in seiner Musik Klassik, Jazz und Pop verschmilzt.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
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Dresdner Festspielorchester | Concerto Köln | Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie | Kent Nagano | Solist*innen
Götterdämmerung
Dresdner Festspielorchester
Concerto Köln
Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie
Kent Nagano, Dirigent
Young Woo Kim, Siegfried
Johannes Kammler, Gunther
Daniel Schmutzhard, Alberich
Patrick Zielke, Hagen
Åsa Jäger, Brünnhilde
Sophia Brommer, Gutrune
Olivia Vermeulen, Waltraute
Jasmin Etminan, Erste Norn
Marie Luise Dressen, Zweite Norn
Valentina Farcas, Dritte Norn
Ania Vegry, Woglinde
Ida Aldrian, Wellgunde
Eva Vogel, Floßhilde
Richard Wagner (1813–1883): Götterdämmerung.
Dritter Tag des Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen"
Vergessen Sie alles, was Sie über Wagner zu wissen glaubten! Kent Nagano, das Dresdner Festspielorchester und Concerto Köln setzen mit ihrer Aufführung der Nibelungen-Tetralogie neue Standards. Denn erstmals erklingt das Mammutprojekt in historisch informierter Aufführung. Ganz wie zu Wagners Lebzeiten spielen die Streicher auf Darmsaiten; die Blasinstrumente sind den zeitgenössischen Vorbildern nachgebaut, die Stimmung des Orchesters ist tiefer, und die Texte werden auch schon mal deklamiert und nicht nur traditionell «gesungen». Endlich versteht man alles — und manchmal erinnert es fast an Liedgesang. Mit einem internationalen Forschungsteam hat Nagano verblüffende Erkenntnisse zutage gefördert. Das Ergebnis ist frappierend. «Leicht und luftig» klinge dieser Wagner, stellte Jan Brachmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fest; insbesondere die Bläser verblüfften «mit einer schärferen Zeichnung in den Individualfarben: Das knarzt, rülpst und grunzt mit einer ungezogenen Körperlichkeit.» Mit der Götterdämmerung rundet sich der Ring in diesem Sommer. Und wir haben noch einmal die Chance, Wagners Musik so zu erleben, wie er sie wohl selbst gehört hat.
Konzertante Aufführung mit deutschen und englischen Übertiteln
erste Pause um ca. 19.05 Uhr, zweite Pause um ca. 20.40 Uhr
Konzertende gegen 22.30 Uhr
«The Wagner Cycles» in Zusammenarbeit mit den Dresdner Musikfestspielen
16.00 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Amanda Gorman, Poesie und Rezitation
Jan Vogler, Violoncello
Amanda Gorman (*1998):
An Ode We Owe
Fugue
New Day’s Lyric
What We Carry
The Hill We Climb
verschränkt mit:
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007
Suite für Violoncello solo Nr. 5 c-Moll BWV 1011
Suite für Violoncello solo Nr. 3 C-Dur BWV 1009
Die Welt hielt den Atem an, als 2021 die damals 22-jährige Lyrikerin Amanda Gorman im kanariengelben Mantel bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden ihr Gedicht The Hill We Climb vortrug. Wie eine Mischung aus Performance und Predigt wirkte ihr Auftritt: Gorman entwarf ihren eigenen «American Dream» und weckte den Wunsch, die verwundete in eine wunderbare Welt zu verwandeln. Damit traf sie den Nerv der Zeit, griff sie doch die aktuellen Sorgen und Ängste auf, um zugleich Hoffnung zu spenden. Zum 11. September 2026, dem 25. Jahrestag der verheerenden Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington, wird Amanda Gorman bei Lucerne Festival zu Gast sein. Gemeinsam mit dem Cellisten Jan Vogler gestaltet sie einen poetisch-musikalischen Abend. Gormans visionäre Verse treffen dabei auf Johann Sebastian Bachs unvergleichliche Suiten für Violoncello solo: ein Brückenschlag über 300 Jahre. Sie rezitiert zwischen den Sätzen, spricht manchmal aber auch direkt auf die Musik. So entsteht ein Dialog, der — wie Vogler betont — den Glauben an die Menschlichkeit stärkt und viele überraschende Einsichten bereithält.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 21.00 Uhr.
Dudley Buck (1839–1909): Concert Variations on «The Star-Spangled Banner» op. 23
Sergej Rachmaninow (1873–1943): Die Toteninsel op. 29, transkribiert für Orgel von Louis Robilliard
Charles Ives (1874–1954): Variations on «America»
Marcel Dupré (1886–1971): Symphonie-Passion op. 23
Iain Farrington (*1977): Live Wire
Mit der amerikanischen Nationalhymne, dem Star-Spangled Banner, eröffnet Thomas Ospital sein Orgelrezital. Aber was der Komponist Dudley Buck damit anstellt, verschlägt einem den Atem — Patriotismus oder Militärparade sind da ganz fern. Und das ist nicht die einzige ironische Brechung. Dass ausgerechnet der Franzose Ospital, der 1990 in Bayonne zur Welt kam und seit 2015 Titularorganist von Saint-Eustache in Paris ist, zur «Voice of America» wird, lässt schmunzeln. Ebenso die Beobachtung, dass America, eine frühere, inoffizielle Nationalhymne der USA, die Charles Ives variiert, ausgerechnet auf der Melodie von God Save the King gründet. Aber Ospital belässt es nicht bei witzigen Pointen. Er spielt auch eine schillernde Transkription von Sergej Rachmaninows Tondichtung Die Toteninsel . Und er bringt die Symphonie-Passion des französischen Orgelmeisters Marcel Dupré zu Gehör: Der liess sich dazu von der grössten Orgel der Welt inspirieren, der Wanamaker Grand Court Organ in Philadelphia. Fetziger «Rausschmeisser» am Ende ist das Stück Live Wire von Iain Farrington: Das klingt, als würde es von einer Jazzband musiziert.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 18.35 Uhr.
Eine Techno Marching Band? Was ist denn das? Ganz einfach: Das ist spektakulär! Ausschliesslich auf akustischen Instrumenten, also rein analog, spielt MEUTE hypnotisch treibenden Techno und House — mit sattem Brass-Sound und drängenden Beats. Die elf Musiker mit den knallroten Jacken covern gefeierte Clubhits, spielen eigene Songs und sorgen mit Trommeln und Trompeten, Saxofon und Sousafon, Posaune und Marimba für eine energiegeladene Bühnenshow. Was 2015 als Experiment auf den Strassen des Hamburger Szenestadtteils St. Pauli begann, entwickelte sich schnell zu einem international gefeierten Phänomen: mit mehreren viralen Hits, weltweiten Tourneen, bislang vier Alben und Auftritten in der Serie Babylon Berlin . Kurz vor Festivalschluss kommt MEUTE erstmals nach Luzern und verwandelt das KKL in einen Dancefloor: Die Bässe wummern, die goldenen Knöpfe und Kordeln der Spielmannsuniformen glitzern im Strobolicht — und alle, wirklich alle, tanzen mit.
Ensemble Helix/Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern – Musik | Gregory Charette
Trance
Ensemble Helix/Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern – Musik
Gregory Charette, Dirigent
Michael Gordon (*1956): Trance
Rausch durch Repetition: Das ist das Rezept der Minimal Music. Sie wiederholt einfache Melodiemuster wieder und wieder, variiert sie dabei nur leicht — und avancierte zu einem der wichtigsten amerikanischen Beiträge zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Michael Gordon, zusammen mit Julia Wolfe und David Lang einer der Mitbegründer des legendären New Yorker Kollektivs Bang on a Can, knüpft an Minimal-Pioniere wie Steve Reich oder Philip Glass an. Seine Musik ist aber auch unüberhörbar vom Rock inspiriert. So beginnt Trance mit einem markanten Riff des E-Basses. Saxofone, Synthesizer und E-Gitarre sorgen für einen rauen, überaus kraftvollen Ensemblesound. Gordon lässt in diesem 1995 entstandenen Stück kurze Motive aufeinanderprallen und entwickelt aus komplexen, sich ständig verschiebenden Rhythmen einen heftig pulsierenden 50-Minuten-Rausch: kantige, groovende Musik, die auf einen ekstatischen Höhepunkt zusteuert und durch Samples von buddhistischen und gregorianischen Gesängen erweitert wird.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 12.00 Uhr.
Chineke! Orchestra | Vokalensemble der Cape Town Opera | Kwamé Ryan | Solist*innen
Porgy and Bess
Chineke! Orchestra
Vokalensemble der Cape Town Opera
Kwamé Ryan, Dirigent
Nonhlanhla Yende, Bess
Conroy Scott, Crown
Lukhanyo Moyake, Sportin’ Life
Siyabulela Ntlale, Porgy
Brittany Smith, Clara
Siphamandla Moyake, Serena
Lungelwa Mdekazi, Maria
Magdalene Minnaar, Regie
Shaun Oelf, Choreographie
Grant van Ster, Choreographie
Maritha Visagie, Kostüme
George Gershwin (1898–1937): The Gershwin’s® Porgy and Bess®.
Oper in drei Akten von George Gershwin, DuBose und Dorothy Heyward und Ira Gershwin
Ob Summertime, It Ain’t Necessarily So oder I Got Plenty o’ Nuttin’ : In Porgy and Bess reiht George Gershwin Hit an Hit. Was leicht vergessen lässt, dass er keinesfalls ein glitzerndes Broadway-Musical komponierte, sondern eine wegweisende ernste Oper — die allerdings weniger nach Wagner oder Verdi klingt als vielmehr nach Spiritual und Jazz. Es geht um Arbeitslosigkeit und Armut, Drogen und Mord. Und um die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem gehbehinderten Bettler Porgy und der flattrigen Bess. Vor allem aber: Diese Oper spielt unter Afroamerikaner*innen — erstmals in der Geschichte des Musiktheaters. Das war mutig in den 1930er Jahren, zu Hochzeiten der Rassendiskriminierung. Genau wie Gershwins Vorgabe, Porgy and Bess sei ausschliesslich von schwarzen Sänger*innen aufzuführen. Bei Lucerne Festival können Sie die berühmteste und erfolgreichste Oper Amerikas mit dem Ensemble der Cape Town Opera erleben, Südafrikas einziger Musiktheatertruppe. Und auch das gefeierte Chineke! Orchestra, das nach seinen begeisternden Auftritten in den Sommern 2022 und 2024 an den Vierwaldstättersee zurückkehrt, setzt sich mehrheitlich aus People of Color zusammen.
Halbszenische Aufführung mit deutschen Übertiteln
Pause um ca. 17.25 Uhr
Konzertende gegen 19.20 Uhr
15.00 Uhr
Konzerteinführung mit Malte Lohmann (KKL Luzern, Auditorium)
Lucerne Festival gehört zu den international führenden Festivals im Bereich der klassischen Musik. Gegründet wurde Lucerne Festival 1938, Intendant ist seit 2026 Sebastian Nordmann.
Das zentrale Festival im Sommer von Mitte August bis Mitte September bietet ein vielfältiges Angebot von rund 100 Konzerten und weiterführenden Veranstaltungen. Jedes Sommer-Festival hat ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Dramaturgie des Programms zieht. Geboten wird ein vielfältiges Angebot an Konzertformaten – Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Rezitale, Debuts, Late Nights und vieles mehr. Flankiert wird Lucerne Festival Summer von Kurzfestivals im Frühling und Herbst: vor Ostern von einer Frühjahrs-Residenz des Lucerne Festival Orchestra, im Mai von Lucerne Festival Pulse mit dem isländischen Ausnahmepianisten Víkingur Ólafsson und im November von Lucerne Festival Forward, dem Herbst-Festival für Gegenwartsmusik. Das KKL Luzern, erbaut von Jean Nouvel und für seine Akustik ebenso berühmt wie für seine Architektur, ist die zentrale Spielstätte von Lucerne Festival.