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Residenztheater

Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands und zeigt mit seinem großen Ensemble unter der Intendanz von Martin Kušej internationale Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska.

Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

Kontakt

Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München

Telefon: +49 (0)89 2185 1940
Fax: +49 (0)89 2185 2185
E-Mail: tickets@residenztheater.de

Bewertungschronik

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Theater

Hamlet

von William Shakespeare

Ein goldenes Zeitalter und jahrzehntelanger Friede scheinen mit dem Ableben des dänischen Königs ein Ende zu finden. Sein Nachfolger Claudius versucht die aufkeimenden Konflikte mit Diplomatie zu beschwichtigen, doch Prinz Hamlet, Sohn des toten Königs, will den Onkel als Thronfolger und neuen Mann der Mutter nicht akzeptieren. Während das Volk willens scheint, sich von der Illegitimität des neuen Machthabers überzeugen zu lassen, will Hamlet dessen Platz aber auch nicht einnehmen – und sabotiert so, vielleicht unbewusst, die tradierte Vorstellung der politischen Ordnung an sich.

Nach seinen Historiendramen über die englischen Rosenkriege und angesichts des sich nahenden Todes von Königin Elisabeth I. bearbeitet Shakespeare die nordische Hamlet-Sage aus dem Mittelalter und theatralisiert den Hohn auf die Unausweichlichkeit der Erbfolge, die Zweifel an der Unsterblichkeit des königlichen Körpers und dessen angebliche Verbindung mit dem Staatsgebilde – Fragen über die seine Richards und Heinrichs nur in schwachen Stunden räsonieren.

Ist Hamlet der legendäre Zauderer, der nicht genug Mut zum Handeln hat, oder findet er sich vor den Trümmern eines hoffnungslos veralteten Regierungssystems wieder? Sind die Verschwörungen und Intrigen, die er aufdeckt, das eigentliche Wesen der Politik als Theaterbühne – oder sind sie vielmehr Halluzinationen eines trauernden Sohns und politikverdrossenen Studenten?

Robert Borgmann inszeniert Shakespeares Meisterwerk, «die Mona Lisa der Literatur» (T. S. Eliot), als bildgewaltige und hoch musikalische Meditation über die Sterblichkeit des Menschen.

Inszenierung und Bühne: Robert Borgmann
Kostüme: Bettina Werner
Musik: Rashad Becker
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Katrin Michaels
Video: Krzysztof Honowski
Mitarbeit Bühne: Jonas Vogt
Mitarbeit Kostüm: Teresa Heiß

Aus dem Englischen von Heiner Müller, Mitarbeit Matthias Langhoff

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

3 Stunden 30 Minuten, 1 Pause

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Theater

Einer gegen alle

frei nach dem gleichnamigen Roman von Oskar Maria Graf in einer Bearbeitung von Alexander Eisenach


Georg Löffler, Bauernsohn aus dem Inntal, desertiert nicht nur von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, sondern steigt auch aus seinem früheren Leben aus. Sein Neuanfang gerät zur Odyssee durch die junge Weimarer Republik, in der er keinen Platz finden kann: Als obdachloser Streuner in Oberbayern, als anonymer Flaneur in München, als Juwelendieb und Bankräuber im Vogtland versucht er, seine Identität und Herkunft hinter sich zu lassen – und mordet brutal alle, die sich ihm auf seiner Flucht in den Weg stellen. Ist «Girgl» vom Krieg traumatisiertes Opfer der Umstände, ein früher vereinzelter Vorläufer marodierender Nationalsozialisten, oder der vermeintliche linke Revolutionär, nach dem die Polizei fahndet?

«Man sagt, wenn sich die Zwanzigerjahre aus einem Menschenleben winden, fangen die Reibungen an zwischen natürlichem Denken und dunklem Trieb», schreibt Oskar Maria Graf in einer Erzählung. In vielen seiner Werke hat er die politischen Wirren der Zeit vor hundert Jahren geschildert und wie kein*e andere*r persönlich-biografische Erlebnisse mit den objektiven Ungerechtigkeiten der gesellschaftlichen Realität verbunden. Der Regisseur und Autor Alexander Eisenach nimmt den Roman als Ausgangspunkt einer Expedition durch Grafs Werk und betrachtet aus heutiger Perspektive eine Zeit, in der sich im Ringen um eine neue Normalität politische Extremismen Bahn brechen.

Inszenierung: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Claudia Irro
Musik: Sven Michelson
Licht: Georgij Belaga
Live-Video: Oliver Rossol
Dramaturgie: Katrin Michaels

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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Niemand wartet auf dich

von Lot Vekemans

Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst: Die vielgespielte holländische Dramatikerin und Autorin Lot Vekemans gibt mit ihrem Stück drei Frauenfiguren eine Bühne, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Frage nach der Eigenverantwortung auseinandersetzen. Die 85-jährige Gerda stößt in einer Bibliothek auf das Buch «Niemand wartet auf dich» und beschließt daraufhin statt sich über den herumliegenden Müll in der Nachbarschaft zu ärgern selbst aktiv etwas dagegen zu tun. Die Politikerin Ida will nicht mehr Spielball der Machtpolitiker*innen und ihrer Interessen sein. Sie findet sich in dem gegenwärtigen Politikstil nicht mehr zurecht und tritt nach einer Niederlage von ihrem Parteivorsitz zurück. Zuletzt zweifelt auch die Schauspielerin selbst die Bedeutung und die Wirkungskraft ihres Berufs an und formuliert den Wunsch nach mehr Einflussnahme.

«Niemand wartet auf dich
Wenn du nicht selbst in den Ring steigst
Wird jemand anderes deinen Platz einnehmen
Und du stehst am Rand und forderst lautstark,
was besser gemacht werden muss»

Juliane Köhler schlüpft in diese verschiedenen Figuren, die die bewusste Reflektion ihres persönlichen Engagements in der Gesellschaft verbindet. Vekemans fordert in einer direkten Ansprache an das Publikum mehr Eigeninitiative und Gedankenaustausch und die Ablehnung einer zunehmend zynischen Weltanschauung. Im Anschluss an jede Vorstellung möchten wir mit Ihnen in einen direkten Austausch treten und in einem gemeinsamen Gespräch die aufgeworfenen Fragen zur Diskussion stellen.

Inszenierung: Daniela Kranz
Bühne und Kostüme: Marie Roth
Licht: Thorsten Scholz
Kamera: Ben Halscheid, Mehab Altamer
Dramaturgie: Leila Etheridge

Dauer: ca. 60 Minuten

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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Theater

Teile (hartes Brot)

von Anja Hilling nach «Das harte Brot» von Paul Claudel

Uraufführung/Auftragswerk

Von 1909 bis 1916 arbeitet der französische Dramatiker Paul Claudel an einer historischen Trilogie, deren Mittelstück «Das harte Brot» ist. An den Figuren macht er den sozialen, politischen und geistigen Wandel der 1840er-Jahre sichtbar, der mit der Französischen Revolution seinen Anfang genommen hat. Die Aufklärer*innen von gestern werden zu den restaurativen Ausbeuter*innen der Gegenwart. Die einstmals hohen Ideale sind korrumpiert, Egoismus und Gier triumphieren. Zwischen Turelure, Vertreter der alten Ordnung, seiner Geliebten Sichel, seinem Sohn Louis und dessen Verlobten Lûmir entbrennt ein Kampf um das Wesentliche: Geld, Ertrag, Macht. Mit enormer Gewalt und scharfem Geschäftssinn sind sie bestrebt, die jeweils eigenen Zukunftsvisionen zu verwirklichen. Vor allem die Frauen, bis dahin als Handlungsträgerinnen nicht ermächtigt, trachten danach, dieser Phase des Umbruchs ihren Namen einzuschreiben. Die Dramatikerin Anja Hilling, die sich bereits in mehreren Überschreibungen des Werks Claudels angenommen hat, holt sein historisches Drama in unsere Zeit.

«Eine gewisse Gesetzlosigkeit stärkt die Zufriedenheit.»

«Claudel interessiert mich, weil er keine Grenzen wahrt. Ich lese ‹Das harte Brot› aus dieser Gegenwart, diesem Europa, und aus mir, meinen persönlichen Grenzen, die ich im Körper finde und im Denken, und das Überschreiben bringt mich an einen Ort, den ich keiner Zeit mehr zuordnen kann. Eine Art archaische Zukunft. Und es sind die Frauen, in deren Hände Claudel die Störung der lichtlosen, nur durch Besitz erhellten Existenz legt. Die Stärke ihres Begehrens ist Motor ihrer Handlungen und Mittel zur Veränderung der Verhältnisse.» Anja Hilling

Die Hausregisseurin Julia Hölscher inszeniert nach «Mittagswende. Die Stunde der Spurlosen» bereits zum zweiten Mal eine Uraufführung von Anja Hillings sprachgewaltiger Dramatik.

Inszenierung: Julia Hölscher
Bühne: Paul Zoller
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Friederike Bernhardt
Licht: Markus Schadel
Dramaturgie: Stefanie Hackl

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

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100 Mal Lenz - Ein Versuch

nach «Lenz» von Georg Büchner

Ihr Ziel, 50 Vorstellungen ihrer «Lenz»-Adaption in einer Zoom-Konferenz zu spielen, hat die Schauspielerin Lisa Stiegler im Februar erreicht – und macht trotzdem weiter! Sie erhöht sie auf 100 Vorstellungen – in der Hoffnung, einen Teil davon in den kommenden Monaten auch wieder analog spielen zu können.

Gemeinsam mit dem Regisseur Gernot Grünewald hat sie die Novelle über den Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz auf Sinnsuche adaptiert und ergänzt damit den Büchner-Schwerpunkt der Spielzeit. Während in der Zeit vor Corona auf engstem Raum für jeweils ein*e real anwesende*n Zuschauer*in gespielt wurde, spielt sie seit dem vergangenen Frühjahr in einem virtuellen Kammerspiel: Fünf Menschen sind live per Zoom-Konferenz zur Vorstellung in der Theatergarderobe eingeladen. Auch Sie sind dabei gebeten, ihre Kamera und ihr Mikrofon einzuschalten und so als wesentlicher Teil der Vorstellung präsent zu sein: als Publikum. Im anschließenden Gespräch haben Sie Gelegenheit, sich mit der Schauspielerin über das Erlebte auszutauschen.

Nach der Reservierung erhalten Sie einen Link zur Konferenz, das Programm Zoom muss vorab auf Ihrem Computer installiert sein.

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Robert Dölle © Residenztheater
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Finsternis

Der italienische Schriftsteller Davide Enia wird von seinem deutschen Kollegen Albert Ostermaier zu einem Literaturfestival nach München eingeladen. Dieser schlägt ihm vor, einen Text über die Lage der Flüchtlinge in Süditalien mitzubringen – für den Sizilianer Enia Anlass, auf die Insel Lampedusa zu reisen, die er nur als Urlauber kennt. Spätestens im Oktober 2013 wurde diese durch ein Schiffsunglück mit Hunderten Toten zum erschreckenden Sinnbild des Unvermögens der Europäischen Union, das Sterben der Flüchtenden im Mittelmeer zu verhindern.

Davide Enia lädt seinen Vater, einen schweigsamen pensionierten Kardiologen, ein, ihn zu begleiten. Es ist die erste gemeinsame Reise der beiden. Sie erleben zusammen eine «Anlandung», ein Erlebnis, das sie tief bewegt. Für Davide Enia werden noch viele Aufenthalte auf Lampedusa folgen, denn ihn lässt die Insel und deren Bewohner nicht mehr los. Er hört den ehrenamtlichen und professionellen Helfer*innen, dem Rettungstaucher, der Ärztin und auch dem Friedhofswärter zu. Die Stimme seines geliebten Onkel Beppe, der, von einer schweren Krebserkrankung gezeichnet, im Sterben liegt, begleitet ihn in dieser Zeit stetig am Telefon.

«Bevor du in See stichst, lässt du deine Erinnerungen, deine Gedanken, alles, was dich schwächen könnte, an Land zurück.»

Enia verwebt die einschneidenden Erfahrungen auf Lampedusa und den drohenden Verlust des Onkels zu einer menschlichen und dichten Reflexion über die elementaren Themen des Menschseins.

Diese formulierte er zunächst in dem Romanbericht «Schiffbruch vor Lampedusa», den er später zu einem Bühnenmonolog umgearbeitete, mit dem er selbst erfolgreich auftritt. In der Deutschsprachigen Erstaufführung über zoom wird Robert Dölle zum Erzähler von Enias Geschichte.

Im Anschluss wird ein Publikumsgespräch angeboten.

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© Wojciech Sobolewski
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Es waren ihrer sechs

Ein filmischer Inszenierungseinblick

Als 1945 der Roman «Es waren ihrer sechs» des nach Los Angeles emigrierten Autors Alfred Neumann erscheint, löst er eine heftige öffentliche Kontroverse in Deutschland aus. Basierend auf einem Zeitungsartikel aus dem Time Magazine über die Flugblattaktionen und die Hinrichtung der Mitglieder der Weißen Rose, entwickelte Neumann aus dem Leben und Wirken der Widerstandskämpfer ein «freies Spiel der Fantasie» wie er es nannte: «Es geht nicht um die Geschwister Scholl. Es geht nicht einmal um die von mir geschaffenen Geschwister Möller, deren Name und Sprache und Nationalität getrost ausgewechselt werden können. Es geht nur um die Gestaltung einer ewigen Idee.»

«Jeder von uns ist für den anderen verantwortlich.»

Der polnische Regisseur Michał Borczuch und der Dramaturg und Autor Tomasz Śpiewak nehmen in ihrer Bearbeitung des Romans diese «ewige Idee» vom jugendlichen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftssysteme zum Ausgangspunkt. Es ist der Versuch, sowohl die Gedankenwelt von Neumanns Protagonisten als auch das reale Wirken der Weißen Rose zu rekonstruieren. Borczuchs Inszenierung ist eine Versuchsanordnung an der Schnittstelle zwischen Theater und Film, die sich über die Stationen Jugend, Verfassen der ersten Flugblätter, Verhaftung, Gefängnis und Hinrichtung diesen Figuren annähert. Darüber hinaus sucht Borczuch in jeder der Stationen eine Brücke in unsere Gegenwart und zu heutigen, jugendlichen Protestformen zu schlagen.

Die Onlineversion von «Es waren ihrer sechs» ist kein klassischer Inszenierungsmitschnitt, sondern arbeitet mit dem über den gesamten Probenzeitraum gedrehten Filmmaterial.

Michał Borczuch hat eine der markantesten Handschriften der gegenwärtigen polnischen Theaterszene und spielt in seinen Arbeiten mit dem Grenzbereich zwischen Authentizität und Fiktion genauso wie mit den Interdependenzen von Leben und Theater. Er zeigt mit «Es waren ihrer sechs» seine erste Arbeit in München.

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Rex Osterwald

von Michel Decar

Deutschland im Superwahljahr. Rex Osterwald möchte die Gegenkandidatin unbedingt ausschalten und Kanzler werden. Seine Kritiker*innen, Journalist*innen wie politische Gegner*innen, bezeichnen ihn als T-Rex, was er in der Tat ist, dennoch verletzt es ihn.

Ein T-Rex kann also auch dünnhäutig sein. Aber diese Kränkungen sind nichts gegen seinen ausgeprägten Optimismus. Er ist der festen Überzeugung, dass er Deutschland wieder ganz nach vorne bringen könnte. «Wenn alle Deutschland lieben würden, hätten wir doch überhaupt keine Probleme.»

Mit dieser Rhetorik der Liebe richtet er sich an sein zukünftiges Volk:

«Ich will hier niemanden unter Druck setzen,
ich will nur nochmal betonen,
wie wichtig das ist.

Nicht nur zu wählen,
sondern auch das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen

Bitte, bitte,
bitte bitte bitte,
wählt Rex Osterwald
Das ist ganz wichtig.
Das wär wirklich ganz lieb.

Lukas Rüppel spielt diesen raffiniert-unraffinierten Politiker, dessen Wahlprogramm allen Wähler*innen ausschließlich Wellnessbehandlungen verspricht, aber der sich letztlich doch am besten mit dem Anrichten von Blutbädern auskennt. Es inszeniert David Moser, Masterstudent im Fach Schauspielregie an der Theaterakademie August Everding.

Der in Augsburg geborene Michel Decar hat in München und Berlin studiert und ist Autor, Regisseur und Filmemacher. Am Residenztheater wurde bereits sein Monolog «Philipp Lahm» aufgeführt.

Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

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Resi liest: Taxi

von Cemile Sahin

Es lesen Robert Dölle und Cathrin Störmer.

Rosa Kaplan hat ihren Sohn im Krieg verloren – um welchen Krieg es sich handelt, bleibt ungewiss, ebenso, wie er ums Leben kam. Obwohl es keine Leiche gibt, wird der nach einer Bombenexplosion an der Grenze zum Kaukasus vermisste Polat Kaplan für tot erklärt und mit allen militärischen Ehren in einem leeren Sarg zu Grabe getragen. Doch Rosa Kaplan trotzt der Realität und weigert sich, den sinnlosen Tod ihres Sohnes zu akzeptieren und ihren Alltag in einer namenlosen Stadt in einem namenlosen Land ohne ihn zu führen. Stattdessen schreibt sie ihr Leben als Drehbuch in die Zukunft fort und um: Nach dem Vorbild amerikanischer Serienformate erfindet sie in zwei Staffeln und zwölf Episoden die Rückkehr ihres zehn Jahre verschollenen Sohnes aus dem Krieg und erzählt aus dessen Perspektive von den sich daraus ergebenden Komplikationen in Zeiten des Friedens. Zur Ausgestaltung und Realisierung ihres erdichteten Lebens engagiert sie einen Laiendarsteller, der die Rolle ihres Sohnes einstudiert. Abweichungen vom Drehbuch, die durch die spontanen Reaktionen des sozialen Umfeldes zustande kommen, werden von Rosa und Polat Kaplan, den beiden Hauptdarsteller*innen der Serie «Taxi», mit den Mitteln der Improvisation überspielt und durch eine vermeintliche, durch ein Kriegstrauma ausgelöste Amnesie des Heimkehrers legitimiert – immerhin sind seit dessen Verschwinden zehn lange Jahre ins Land gezogen.

«Ich habe die Geschichte nicht akzeptiert, doch leide ich unter der Reihenfolge der Dinge, die passiert sind. Denn die Zukunft verändert die Reihenfolge nicht. Ich kann sie nur verändern, wenn ich die Geschichte aus der Vergangenheit heraus neu erzähle.»

Die Autorin Cemile Sahin legt diese Lesart nahe, denn sie stellt ihrem vom Feuilleton hochgelobten Romandebüt folgenden Satz voraus: «Dies ist der Roman «Taxi» von Cemile Sahin, in dem Rosa Kaplan beschließt, ihr Schicksal nicht zu akzeptieren und den Sohn, der ihr durch den Krieg genommen wurde, durch einen anderen zu ersetzen.» Doch hier ist Vorsicht geboten, denn in dem klug konstruierten Roman sind auf raffinierte Weise sowohl zahlreiche Fallstricke ausgelegt als auch doppelte Böden eingezogen: Warum etwa wählt Rosa Kaplan für ihr Serienformat die Erzählperspektive des ihren Sohn darstellenden Schauspielers? Warum stellt Celime Sahin der Serie «Taxi», dem Zentrum ihres gleichnamigen Romans, fünf Kapitel und einen Prolog voran? Warum sind wir im ersten Kapitel Zeug*innen der Festnahme, des Verhörs und der quälenden Folter eines namenlosen Ich-Erzählers, dessen Glaubwürdigkeit bereits mit dem einleitenden Satz des zweiten Kapitels von ihm selbst unterwandert und in Frage gestellt wird: «Ich versuche es noch einmal: Es beginnt an einem Morgen, der wie alle anderen Tage beginnt: Um 6:00 Uhr früh klingelt mein Wecker»? Und warum folgt auf das Ende der Serie «Taxi» ein weiteres Romankapitel, in dem sich ein Kreis zu schließen scheint? Wer erzählt hier eigentlich aus welcher Perspektive und vor welchem zeitlichen Hintergrund? Vielleicht ist es doch nicht das Drehbuch, welches die vermeintliche Mutter des Darstellers schreibt, das den Roman bestimmt? Vielleicht handelt es sich stattdessen um eine aus dem Lot geratende, diskontinuierliche und (selbst-)trügerische Ich-Erzählung eines Mannes, dessen Kindheit selbst von den Gräueln des Krieges bestimmt war, der Zeuge der Verschleppung seiner Eltern wurde, und dessen Wahrnehmung während seines Verhörs und der darauffolgenden barbarischen Folter ins Wanken gerät? Oder sind der Gefolterte und der Laiendarsteller ein und dieselbe Person?

Die deutsch-kurdische bildende Künstlerin, Filmemacherin und Autorin Cemile Sahin spielt auf pointierte, kurzweilige und auch immer wieder amüsante Weise mit den Gesetzen der Seriendramaturgie und beschreibt mit filmischen Mitteln die Verwerfungen des Krieges, die auch noch nach Jahren tiefe Furchen und sichtbare Spuren im Leben ihrer Figuren hinterlassen haben. «Taxi» schildert nichts weniger als eine Selbstermächtigung wider das Vergessen: Der Akt des Erinnerns ist dabei ein hochkomplexer, eruptiver Prozess auf schwankendem Boden und individuelle Geschichte eine keinen objektiven Bestandskriterien folgende Sammlung von Geschichten – auf der Suche nach Wahrheit und Trost.

Musik: Nikolaus Knabl

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

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Resi liest: Die Weiße Rose

DIE BRIEFE VON ALEXANDER SCHMORELL UND CHRISTOPH PROBST

Im Gedenken an die Weiße Rose stehen in der öffentlichen Meinung, wie auch der Literatur und den Filmen meist allein die Geschwis­ter Hans und Sophie Scholl als die eigentlichen Hauptprotagonisten der Widerstandsgruppe im Zentrum. Die anderen Mitglieder spielen dagegen in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit eine eher untergeordnete Rolle. Zu Unrecht. Denn zum engsten Kreis gehörten ebenso Professor Kurt Huber, Willi Graf, Alexander Schmorell und Christoph Probst und sie alle mussten ihren Widerstand gegen das verbrecherische natio­nalsozialistische Regime mit ihrem Leben bezahlen.

Darum liegt in diesem Podcast der Fokus auf den beiden weniger bekannten Freunden Alexander Schmorell und Christoph Probst. Anhand ausgewählter Briefe aus der Zeit von 1937 bis 1943 soll deren Lebensweg, der von frühester Jugend an eng miteinander verknüpft war, zumindest in Ansätzen nachgezeichnet werden. Diese sehr persönlichen und emotionalen Briefe an Familie und Freunde, geben nicht nur Einblick in das Leben der beiden jungen Männer, sie sind darüber hinaus auch ein eindrucksvoller Beleg für die Konsequenz ihres Handelns.

Alle weiteren Briefe von Alexander Schmorell und Christoph Probst sowie detaillierte und weiterführende Angaben zu beider Leben, sind in Christiane Molls sehr zu empfehlenden Buch «Alexander Schmorell, Christoph Probst: Gesammelte Briefe»enthalten.

Text und Einrichtung: Michael Billenkamp
Ton: Thomas Hüttl
Musik: Camill Jammal

Mit Valentino Dalle Mura als Alexander Schmorell, Vincent Glander als Christoph Probst und Luana Velis als Sprecherin (v.l.)

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Resi liest: Gullivers Reisen

Stechen Sie in See und entdecken Sie mit Jonathan Swifts Gulliver und dem Ensemble des Residenztheaters ferne Länder! In einer Marathonlesung widmet sich das Resi-Esemble diesem Klassiker der Weltliteratur.

«Ich erblickte die Stadt zu meiner Linken, die aussah wie die Kulisse einer Stadt im Theater.»

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Resi liest: Briefe

GEORG BÜCHNER «BRIEFE» AUSSCHNITTE AUS SEINEM BRIEFVERKEHR. EIN RESI-PODCAST

Georg Büchners Briefverkehr wurde nur in geringen Teilen überliefert – und vor allem durch seinen Bruder Ludwig Büchner nach den Gesichtspunkten, «was zur Kenntnis der politischen Bewegungen jener Zeit und des Anteils, den Büchner daran hatte, wichtig schien», vorsortiert und editiert. Man muss davon ausgehen, dass diesen Auswahlkriterien vor allem private und literarische Themen zum Opfer fielen.

«Es gibt hier Leute, die mir eine glänzende Zukunft prophezeien.» (Georg Büchner)

Dennoch dokumentieren die Briefe zentrale Stationen im so kurzen Leben Büchners, nämlich dessen ersten Straßburger Studienaufenthalt vom Herbst 1831 bis zum Sommer 1833, seinen unbedingten Willen, gravierende gesellschaftliche Umwälzungen voranzutreiben, der im März 1835 in seiner Flucht ins politische Exil über die französische Grenze nach Straßburg kulminierte, und schließlich die letzten Lebensmonate von September 1836 bis Februar 1837 als Universitätsdozent in Zürich. Die Briefe sind aber nicht nur biografische Quelle und historisches Dokument, sondern geben einen Einblick, wie sehr Leben und Schreiben Georg Büchners miteinander verflochten waren, wie sehr sowohl thematische als auch stilistische Korrelationen zwischen Werk und Autor bestehen.

Mit
Thomas Lettow als Georg Büchner
Nicola Mastroberardino als Karl Gutzkow, Schriftsteller, Literaturkritiker und erster Förderer Büchners
Barbara Horvath als Büchners Mutter Caroline Büchner
und Steffen Höld als Büchners Vater Ernst Büchner

Ton: Thomas Hüttl
Musik: Camill Jammal

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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Resi liest: Der hessische Landbote

von Georg Büchner

Büchners revolutionäre Flugschrift
Gelesen von Sibylle Canonica

«Der Hessische Landbote» aus dem Jahr 1834 ist der erste, wenn auch anonym publizierte Text Georg Büchners und darf als eine der bedeutendsten sozialrevolutionären Flugschriften der deutschen Geschichte bezeichnet werden. Sie zeigt Büchner, den Dichter, als Revolutionär.

Bereits in seiner ersten Straßburger Studienzeit Ende 1832 hatte Büchner geplant, eine «politische Abhandlung» zu verfassen; 1834 galt sein wichtigstes politisches Ziel der Gründung einer revolutionären Geheimgesellschaft nach dem Vorbild der «Société des droits de l´homme et du citoyen». Der Zweck dieser «Gesellschaft der Menschenrechte» lag sowohl im Aufbau eines oppositionellen Netzwerks als auch in der Verbreitung revolutionärer Schriften. In diesem Zusammenhang suchte Büchner unter anderem den Kontakt zu Friedrich Ludwig Weidig, einem oppositionellen Theologen und Rektor, der als zentrale Gestalt der hessischen Oppositionsbewegung galt.

«Friede den Hütten, Krieg den Palästen.»

Ein erster, von Büchner allein konzipierter Entwurf des «Hessischen Landboten» ist nicht erhalten geblieben. Die sprachmächtige Kombination von sozialrevolutionärer Rhetorik und biblischer Metaphorik erklärt die literaturhistorische Bedeutung der Flugschrift, die in zwei Fassungen überliefert ist: Die erste erschien im Juli, die zweite im November 1834 – beide, wie bei illegalen Flugschriften üblich, ohne Angaben zu Autor, Ort, Verlag und Druck. Weiding, der die agitatorische Zugkraft der Büchner'schen Schrift erkannte, scheint dabei starke Eingriffe in die Textgestalt vorgenommen zu haben. Mittels möglichst flächendeckender Verbreitung der illegalen Flugschrift sollte die propagandistische Beeinflussung und politische Mobilisierung der Bauern und Handwerker im Großherzogtum Hessen gewährleistet werden, um so in der Bevölkerung eine Basis für einen revolutionären Umsturz zu schaffen. Daher ist es auch keineswegs überraschend, dass «Der Hessische Landbote» von Behördenseite als «eine der bösartigsten revolutionären Schriften» und als dementsprechend «hochverräterisch» eingestuft wurde.

Ton: Dominic von Nordheim
Musik: Camill Jammal

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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2 Gespräch

Resi ruft an

Die Schauspieler*innen des Residenztheaters spielen, lesen und erzählen kurze Szenen aus den aktuellen Stücken, Ausschnitte aus Lyrik und Literatur – für Sie ganz persönlich und live am Telefon.

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30.04.20, 08:38, jen Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Resi

Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Residenztheaters geht kaum noch.

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Residenztheater

Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands und zeigt mit seinem großen Ensemble unter der Intendanz von Martin Kušej internationale Dramatik von Shakespeare und Schiller über Ibsen bis zur Gegenwart sowie experimentelle und offene Formen wie die Theaterabende von Oliver Frljić, Milo Rau oder Bernhard Mikeska.

Im Residenztheater und Cuvilliéstheater ist die weltumspannende Dramatik von Shakespeare über Moliére, Schiller und Ibsen bis zur Gegenwart zu erleben. Im Marstall finden neben zeitgenössischen Stücken etwa von Michel Decar, Joël Pommerat und Noah Haidle auch offene und experimentelle Formen wie die von Oliver Frljić sowie Projekte von Milo Rau ihren Platz.

Eine Öffnung für europäisches Theater manifestiert sich in der Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren wie Ivica Buljan, Timofej Kuljabin oder dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan. Diese spiegelt sich auch in zahlreichen Kooperationen und Gastspieleinladungen in ganz Europa wider.

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Aufführungen / Oper Bayerische Staatsoper München München, Max-Joseph-Platz 2
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Theater Münchner Kammerspiele München, Falckenbergstraße 1
Aufführungen / Konzert Orff-Zentrum München München, Kaulbachstr. 16
Ereignisse / Festival Münchener Biennale 3. bis 5.4.2021
Ausstellungen / Museum Haus der Kunst München München, Prinzregentenstr. 1
Ereignisse / Festival Opernfestival Gut Immling 5.6. bis 15.8.2021
Aufführungen / Theater Staatstheater am Gärtnerplatz München München, Gärtnerplatz 3
Aufführungen / Theater Teamtheater München München, Am Einlaß 2a / 4
Aufführungen / Musical Deutsches Theater München München, Schwanthalerstraße 13
Aufführungen / Kabarett Münchner Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Aufführungen / Theater Komödie im Bayerischen Hof München, Promenadeplatz 6
Aufführungen / Theater theater ... und so fort München, Hans-Sachs-Str. 12
Aufführungen / Kabarett Münchner Lach- und Schießgesellschaft München, Ursulastraße 9
Aufführungen / Kulturveranstaltung FestSpielHaus gGmbH München, Quiddestr. 17
Aufführungen / Theater Tatwort Improvisationstheater München, Rumfordstr. 29-31
Aufführungen / Theater Oberanger Theater München München, Oberanger 38
Aufführungen / Oper Fürstbischöfliches Opernhaus Passau Passau, Gottfried-Schäffer-Str. 2 4
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik Augsburg, Bergmühlstraße 34
Aufführungen / Theater Kleine Bühne München München, Kazmairstraße 66
Aufführungen / Theater fastfood theater München, Betriebsbüro: Häberlstraße 20
Aufführungen / Theater HochX München, Entenbachstr. 37
Aufführungen / Kabarett Kulturhaus Kresslesmühle Augsburg, Barfüßerstraße 4
Aufführungen / Theater TamS-Theater München, Haimhauser Str. 13 a

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