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Erste letzte Sekunde
Lausitz Festival
Galas sind ein Relikt aus Zeiten, in denen glamouröse öffentliche Feierstunden mit großem Aufwand betrieben und von Millionen Menschen eingeschaltet oder besucht wurden. Es gab gigantische Dekorationen, Orchester, Ballette, internationale Stargäste, Goldregen, Windmaschinen und elegant angegraute Moderator*innen mit hinterhältigem Humor. Galas gibt es auch heute noch. Vermutlich sogar mehr als früher, allerdings überbieten sie sich in immergleichen Verläufen, austauschbaren Textbausteinen für Moderationen und Dankesreden sowie Bühnenbildern im Dubai-Stil. Überreicht werden absurde Pokale für Einzel- und Gruppenleistungen im Film-, Musik- und Theaterbusiness sowie Preise für Lebenswerke und Zivilcourage. Wenn nun Christoph Marthaler eine Gala inszeniert, dann werden in der Lücke zwischen den überbordenden Blumensträußen rechts und links der Bühne zwar immer wieder Personen geehrt, eigentlich jedoch beschäftigt sich die Gala ausnahmsweise einmal ganz mit sich selbst und feiert das Gala-Wesen in allen vorstellbaren Klängen, Formen und Farben. In Marthalers Gala feiert die Gala ein musikalisches Fest der Gleichzeitigkeit! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser wundervollen Kunstform verschmelzen in einer einzigen ersten letzten Sekunde. Und weil der homo sapiens so etwas schlecht aushält, steht augenblicklich die Frage im Raum: Was kann die Gala, was wir nicht können? Bietet sie Trost in den schweren Stunden von Veränderung, Abschied und Aufbruch? Ja und nein, denn wie wir alle wissen, vergeht ja nicht die Gala, sondern immer wieder aufs Neue nur der einzelne Mensch. Das ist ungerecht, bietet der Gala als solcher aber berechtigte Hoffnung auf immerwährende Existenz! Was für Aussichten! Mit: Tora Augestad, Liliana Benini, Raphael Clamer, Bendix Dethleffsen, Rosemary Hardy, Ueli Jäggi, Hardy Kayser, Clemens Sienknecht, Sebastian Zuber Orchester: Symphoniker Hamburg – Laeiszhalle Hamburg Orchester Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling Regie: Christoph Marthaler Mitarbeit Regie: Joachim Rathke Bühne: Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann Dramaturgie: Malte Ubenauf Eine Koproduktion von Internationales Sommerfestival Kampnagel, Lausitz Festival und Symphoniker Hamburg.
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Passion. Über die Menschlichkeit
Lausitz Festival
Schauspiel: Götz Schubert Musik: Manuel Munzlinger In ihrem Buch »Passion«, das 2020 im Original unter dem Titel »Soif« (Durst) erschien, versetzt sich die belgische Schriftstellerin Amélie Nothomb in einen jungen Mann, der die letzte Nacht vor seiner Hinrichtung in Golgatha erlebt: Jesus von Nazareth. Allein in seiner Zelle, reflektiert er über seinen Weg dorthin und alles, was danach kommt. In Nothombs fiktionalem inneren Monolog spricht Jesus über seine Wunder, die große Liebe, Verrat und seinen überwältigenden Durst nach Würde und Vergebung. »So nah war mir Jesus noch nie«, sagt der Schauspieler Götz Schubert über seine Empfindungen nach der Lektüre dieses Buchs. Der Monolog hat ihn so beschäftigt, ja, gepackt, dass er den kraftvollen Text für die Bühne eingerichtet hat. Schubert, in der Rolle als Görlitzer Kommissar Burkhard »Butsch« Schulz in der Krimiserie »Wolfsland« längst Lausitzer der Herzen, begeisterte beim Lausitz Festival in den Jahren 2024 und 2025 durch seine Rolle als Jago in »Othello/Die Fremden« das Publikum. Auch in diesem Jahr ist er wieder bei einer Shakespeare-Inszenierung zu erleben (»Hamlet«). In einem besonderen Veranstaltungsformat gibt Schubert in der Dorfkirche Cunewalde Nothombs Jesus eindrucksvoll Stimme und Präsenz. Der Oboist und Produzent Manuel Munzlinger hat dazu einen Soundtrack geschaffen, der elektronische Klänge mit einer live gespielten Oboe kombiniert. Das Duo nennt den Abend ein MusikHörSpiel, da er Musik, Text und Schauspiel untrennbar zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk miteinander verwebt.
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Der Ausweg
Lausitz Festival
Michael Sturminger, Regisseur der »Sonettfabrik« 2025, kehrt mit einer neuen Theaterarbeit zum Lausitz Festival zurück Nach dem Erfolg der »Sonettfabrik« in der Brikettfabrik Louise in Domsdorf 2025 kehrt dessen kreatives Team um Regisseur Michael Sturminger mit einem jungen Ensemble zurück in die Lausitz. In der Danner-Halle auf dem Telux-Gelände in Weißwasser, einem zentralen Spielort des Festivals, der bereits Shakespeares Venedig, Rom und Zy-pern aufgenommen hat, setzt sich das Publikum für einen besonderen Theaterabend an einen großen, runden Tisch. Noch weiß niemand, wer die Gäste und die Gastgeber des Abends sind, als eine Person aufsteht und sich in der Mitte des Tisches ein Mikrophon nimmt. Mit Kafkas »Bericht für eine Akademie« beschreibt er sein Ringen um Zugehörigkeit und den Preis der Anpassung: seine »Menschwerdung« als Akt der Selbstdressur und Fremdbestimmung. Bald treten weitere Personen auf, um ihre Erzählungen vorzubringen und erobern nach und nach den Tisch, der längst zur Bühne geworden ist. Welten treffen aufeinander und immer wieder stellt sich die Frage nach einem Ausweg. Die Grenze zwischen »uns« und »den anderen« wird in Frage stellt. Wie definiert sich Menschlichkeit und wie Zugehörigkeit? »Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleichtun.« Wohin führt uns die Suche nach einem Ausweg? Mit: Jakob Nepomuk Eder, Emma Meyer, Jasmin Thuy Nga Nguyen, Seide Noffke, Gabriel Oceano Schlager Regie: Michael Sturminger Bühne und Kostüme: Paul Sturminger Dramaturgie: Alexandra Althoff Eine Kooperation des Lausitz Festivals mit dem Max Reinhardt Seminar, Institut für Schauspiel und Schauspielregie der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
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Hamlet
Lausitz Festival
Mit: Corinna Harfouch, Sina Kießling, Dagna Litzenberger Vinet, Linn Reusse, Leonard Burkhardt, Tom Gramenz, Götz Schubert, Kinder aus Cottbus Etwas ist faul im Staate Dänemark: Prinz Hamlet erfährt vom Geist des toten Vaters, dass dieser von seinem Bruder Claudius, inzwischen Nachfolger auf dem Thron und neuer Ehemann an Königin Gertruds Seite, heimtückisch ermordet wurde. Die aktuelle Herrschaft wie die neue Familienkonstellation fußen demnach auf einem verschwiegenen und abgründigen Verbrechen. Hamlet wird vom Geist des Vaters beauftragt, den Mord zu rächen, ohne sich dabei selbst die Hände schmutzig zu machen. Wie soll Hamlet mit diesem skandalösen Wissen und dem nahezu unerfüllbaren Auftrag umgehen? Wie kann er richtig handeln? »Hamlet« zeigt das Drama einer jungen Generation, die unter der unerträglichen Last der elterlichen Vergangenheit Zukunft gestalten soll. Das wohl berühmteste Stück Shakespeares wird vom Regisseur Marcel Kohler mit Linn Reusse, Corinna Harfouch, Götz Schubert und weiteren Darsteller:innen im Hangar 1 auf dem ehemaligen Militärflughafen in Cottbus in Szene gesetzt. In diesem besonderen Setting knüpft das Team mit dem gesamten Ensemble der Erfolgsproduktion »Othello/Die Fremden« in Weißwasser an die gemeinsame Arbeit im Rahmen der vielbeachteten Shakespeare-Reihe des Lausitz Festivals an. Aufs Neue verbinden sich ein exponierter Ort in der Lausitz, ein großer Stoff, eine innovative Dramaturgie und das Spiel mit der Publikumswahrnehmung zu einem besonderen Theatererlebnis. Regie: Marcel Kohler Bühne und Kostüme: Torsten Köpf Musik: Christoph Bernewitz Licht: Henning Streck Dramaturgie: Michael Höppner Eine Produktion des Lausitz Festivals in Kooperation mit den Internationalen Maifestspielen Wiesbaden, vor Ort unterstützt vom Institut für Neue Industriekultur INIK GmbH Einführungen am 28., 29. und 30. August – jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn Shuttle-Busse stehen in Cottbus zwischen Spreewaldbahnhof und Spielort bereit. Dazubuchen kann man diese Zusatzleistung bequem beim Kauf der »Hamlet«-Tickets in unserem Reservix-Shop. Angebot für Schulen Klassen und Kurse, die parallel zu den Vorstellungen »Hamlet« als Stoff im Unterricht behandeln möchten, können nach Verfügbarkeit ermäßigte Tickets (6 Euro pro Person) für einen gemeinsamen Vorstellungsbesuch buchen. Zur Vorbereitung stellt das Lausitz Festival den Lehrpersonen entsprechendes Material zur Verfügung. Ein Nachgespräch mit dem leitenden Dramaturgen Bühne des Festivals im Anschluss in der Schule gehört zum Angebotspaket. Bei Interesse wenden Sie sich an: vermittlung@lausitz-festival.eu
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Sonettfabrik
Lausitz Festival
Shakespeares Sonette gelten als ein Höhepunkt der Renaissance-Dichtung und der europäischen Lyrik überhaupt. Sie stehen künstlerisch im Rang der Dramen des Dichters, die von je her einen Schwerpunkt der Theaterproduktion des Lausitz Festivals ausmachen. Die 154 lyrischen Meisterwerke des Engländers wurden als Zyklus im Jahre 1609 veröffentlicht. In ihnen wendet sich ein Sprecher an einen jungen Mann und eine geheimnisvolle, dunkle Dame. In diesem Dreieck des textuell-sexuellen Begehrens kreisen alle Gedichte um Grundthemen menschlichen Daseins – Liebe, Schönheit, Vergänglichkeit, Tod –, und entfalten im intimen lyrischen Dialog zwischen Ich und Du ein vielstimmiges gemeinsames Wir. Die Theatralisierung der Shakespeares-Sonette hat Tradition; sie wird bei der Eröffnung des diesjährigen Lausitz Festivals fortgeschrieben. Denn die Gedichte können als dramatische Vignetten aufgefasst und in Szene gesetzt werden, wendet sich doch in ihnen ein Sprecher an eine:n Adressat:in und evoziert damit ein potenziell dramatisches Geschehen. Und auch wenn ein Gegenüber nicht vernehmbar ist, scheint die lyrische Rede doch immer Antwort auf eine unhörbare Äußerung zu sein oder den Anlass für eine darauffolgende Erwiderung zu liefern. In jedem Falle ist der Raum, den Shakespeares Texte eröffnen, ein dialogischer Raum. Dessen Leerstellen erwecken und befeuern unsere bildliche und szenische Fantasie. Insofern liegt die Verwandlung des lyrischen Sprechens in ein dramatisches Sprechen nahe; das Lesen oder Vorlesen eines Gedichts wird in theatralisches Geschehen transformiert. Der österreichische Theaterkünstler Michael Sturminger, der als Regisseur und Autor in allen Bühnengenres zuhause ist, bringt zur Eröffnung des diesjährigen Lausitz Festivals Shakespeares Poesie mit der Schönheit der stillgelegten Brikettfabrik Louise in einen lebendigen Dialog. Er schickt das Publikum auf einen szenisch-musikalischen Parcours durch Innen- und Außenwelten von Sprach- und Kohlestaubverdichtungen und lässt die Zuschauer:innen in Antlitz und Eingeweide von Vers- und Industriearchitektur blicken. Fortbestand durch Verwandlung – wenn man so will, finden die alte Brikettfabrik und Shakespeares lyrisch-monodramatischen Miniaturen darin einen gemeinsamen Nenner. Wie die Fabrik ihre aktive Zeit lange hinter sich hat, sind auch die geliebten und begehrten Adressat:innen der Sonette unweigerlich der Vergänglichkeit unterworfen. Und wie die eine kraft ihrer Transformation in ein Industriemuseum und einen Austragungsort kultureller Veranstaltungen neu und anders aufblüht und fortbesteht, erwachen die in den Sonetten angesprochenen Geliebten eben durch Shakespeares Dichtung und deren theatralische Vergegenwärtigung zu neuem, ewigem Leben. So heißt es etwa im 18. Sonett »Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?«: » […] Doch soll dein ewger Sommer nicht ermatten, Noch alles Schöne, das du hast, vergehn, Noch wandern du in Todes dunklem Schatten Wenn du in ewgem Vers wirst fortbestehn Solang, wer atmet, Augen hat zu lesen Solang lebt dies und in ihm lebt dein Wesen.« In dieser Korrespondenz wird die Brikettfabrik »Louise« zur sinnlich-sinnfälligen Bühne für eine Inszenierung der Shakespeare-Sonette. Mitwirkende Schauspiel/Gesang/Performance/Instrumente: Wojo van Brouwer, Claudia Renner, Rino Murakami sowie, aus dem Max Reinhardt Seminar Wien: Crispin Hausmann, Felix Künzli, Jan Henri Müller, Leonie Pum, Klaudia Sobota, Flo Sohn, Leonard Tondorf, Sarah Wockenfuß Bühne/Licht: Paul Sturminger, Manuel Biedermann Elektronik Soundtrack: Rino Murakami Kostüme: Marie Sturminger, Nina Samadi Dramaturgie: Alexandra Althoff Konzept und Regie: Michael Sturminger Eine Koproduktion mit dem Max Reinhardt Seminar Wien und dem Salzburg Global Seminar Schloss Leopoldskron Ermöglicht durch die Sparkassenstiftung »Zukunft Elbe-Elster-Land«
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HERE
Lausitz Festival
»Wann sind wir wir, wann werden wir wir, weil wir ohne uns nicht wir sein können? Wir sind ein Ort, der erst entsteht, wenn wir drei zusammen hier sind. Ich war nicht hier, ich war in anderen Jetzten und Dorten, aber ich war nicht wir, weil wir nicht HIER waren.« Worin besteht das »wir« einer Gemeinschaft von Menschen, die sich zwar im gleichen Raum befinden, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten? Oder anders gesagt: Was verbindet uns dies- und jenseits gleichzeitiger körperlicher Anwesenheit? Sind es unsere Spuren, Hinterlassenschaften oder Annahmen? Sind es Bewusstsein, Gefühle oder Glaube? Diese und weitere Fragen untersucht die neue Tanztheater-Performance des US-amerikanischen Künstlers Andrew Schneider, die von Richard McGuires Graphic Novel »HERE« inspiriert ist. Das Buch wurde jüngst von Robert Zemeckis mit Tom Hanks und Robin Wright in den Hauptrollen verfilmt. Theater, Performance, Storytelling, Tanz, Technologie – all dies verknüpfen Andrew Schneider und seine beiden Mit-Schöpfer Margaux Marielle-Tréhoüart und Joel Suárez Gómez virtuos, um in Echtzeit die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen auf die Bühne zu bringen. Wir wissen, wie es ist, jemanden zu vermissen, weil er nicht mehr HIER ist. Aber wie fühlt es sich an, jemanden zu vermissen, weil er nicht mehr JETZT ist? Gemeinsam erzählen die drei die Geschichte eines einzigen Raums über Äonen hinweg, in dem unzählige Leben, Träume und Travestien durch den gegenwärtigen Moment schweben. Inspiriert von der Theorie der gleichzeitigen Existenz mehrerer Realitäten, der Quantenverschränkung und unter Verwendung von drahtloser In-Ear-Technologie, erforschen Schneider und Co. die Grenzen von Beziehungen und des Geschichtenerzählens. Dafür richten sie ihre hyperpräzise Aufmerksamkeit auf Synchronitäten von Körpern im Raum über die Zeit – sowohl kosmisch als auch alltäglich. Dass die europäische Erstaufführung dieser internationalen Produktion ans Lausitz Festival vergeben wurde, ist der Initiative von Margaux Marielle-Tréhoüart zu verdanken, die beim Lausitz Festival seit 2023 als Tänzerin, Choreografin und Ideengeberin fungiert. »HERE« wurde vom traditionsreichen US-amerikanischen Theater Jacob’s Pillow im US-Bundesstaat Massachusetts in Auftrag gegeben und wird dort zu dessen Wiedereröffnung im Juli 2025 uraufgeführt, um kurz darauf in Cottbus gezeigt zu werden. Mitwirkende Kreation, Licht und Sound: Andrew Schneider Choreografie und Performance: Margaux Marielle-Tréhoüart, Joel Suárez Gómez, Andrew Schneider Produktion: Fin Productions / Jecca Barry
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KRABAT (Uraufführung)
Lausitz Festival
Krabat ist die berühmteste Legendenfigur der sorbischen Kultur. Beim Lausitz Festival nimmt sie in einer neuen Oper musikalisch Gestalt an. Komponiert und getextet von Marius Felix Lange, werden in »Krabat« große Themen wie Angst (Strach) und Krieg, Zaubermacht und Liebeskraft, Tod und Leben verhandelt. Für die Koproduktion des Lausitz Festivals mit dem Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau, das das Stück nach der Uraufführung am 13. September ins Repertoire übernimmt, reiste Marius Felix Lange durch die Lausitz und erkundete dort die alten Sagen, Traditionen und Lieder. Was er dabei erfahren und gesammelt hat, fügte er mit seiner an vielen vorangegangenen Erfolgsproduktionen geschulten Fantasie und Formbildungskraft zu einem melodienreichen Musiktheaterwerk für die ganze Familie zusammen. Martin Stefke, Chefdramaturg am Gerhart-Hauptmann-Theater, erzählt, worum es in der Oper geht: »Das sorbische Niederland im Jahr 1642. Es herrscht Krieg in Europa, ein blutiger Krieg, den die Geschichtsschreiber später den Dreißigjährigen nennen werden. Der Schwarzmüller steckt in der Klemme. Er kann kaum noch Gesellen finden. Zu vielen jungen Männern haben die Kämpfe das Leben geraubt. Andere sind an Hunger oder Krankheiten gestorben oder aus ihrer Heimat geflohen. Aber der Müller braucht dringend neue Gehilfen, hat er doch mit der Todesgöttin Smjertnica einen Vertrag geschlossen: Jahr für Jahr zum Osterfest muss er ihr unter der Bedingung, dass stets zwölf Müllerburschen bei ihm arbeiten, einen dieser Jungen opfern. Gelingt ihm dies nicht, hat er sein Leben verwirkt und muss sterben. Hoffnung schöpft er aus der dunklen Magie. Als er in seinem Zauberbuch ein Kapitel entdeckt, das beschreibt, wie ein Mühlrad zu einer Zeitmaschine werden kann, probiert er den schwarzen Zauber aus und findet so Krabat, einen Jungen aus der Zukunft. Er lockt ihn in die Mühle (Młyn), wo Krabat nicht nur arbeiten muss, sondern bald auch des Müllers Nachfolger werden soll. Doch Krabat durchschaut das Treiben des Müllers und stellt sich ihm mit Mut und Schläue entgegen.« Eine kulturelle Zeitreise, die uns in aller klanglichen Farbenpracht mit auf den Weg zu den Koordinaten führt, die seit Jahrhunderten das Mensch-Werden und Mensch-Sein ausmacht. Opera wokoło stracha w jeho mnohich formach a přeća a móžnosće, so wot njeho wuswobodźić. Eine Oper um Angst in ihren vielen Formen und den Wunsch und die Möglichkeit, sich von ihr zu befreien. Eine Koproduktion mit dem Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau Mitwirkende Komponist: Marius Felix Lange Musikalische Leitung GMD: Roman Brogli-Sacher Regie: Rebekka Stanzel Ausstattung: Vinzenz Hegemann
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Müller & Müller (Uraufführung)
Lausitz Festival
Heiner Müller war einer der berühmtesten Schriftsteller der DDR. Sein einflussreiches Werk wurde und wird weit über deren Grenzen hinaus verehrt. Inge Müller, die bedeutende Lyrik schrieb, ist heute als Schriftstellerin weitestgehend in Vergessenheit geraten. Beide waren seit 1955 verheiratet und verbrachten Ende der 50er-Jahre eine kurze, aber intensive schöpferische Zeit in der Lausitz. Anlässlich der Reparatur einer havarierten Abraumförderbrücke im Tagebau Klettwitz unweit von Senftenberg recherchierten und schrieben beide dort das Hörstück »Klettwitzer Bericht«, das 1958 veröffentlicht und als Theaterstück im selben Jahr am Senftenberger Theater uraufgeführt wurde. Weitere sogenannte Produktionsstücke, also Dramen, die in der sozialistischen Industrieproduktion spielten, wurden gemeinsam entwickelt, geschrieben und mit Preisen ausgezeichnet. Heiner und Inge Müller gelten als Miterfinder dieser neuen und einzigartigen Dramatik der jungen DDR. Zugleich verfassten beide zahlreiche, zueinander in enger Beziehung stehende Gedichte, die ihre Anliegen, Haltungen und Gefühle füreinander wortgewaltig und auch sehr persönlich zum Ausdruck brachten. Am Originalschauplatz von »Klettwitzer Bericht« tauchen zwei junge Schauspieler:innen, heute ungefähr im gleichen Alter wie die Müllers seinerzeit, mit dem Publikum tief in die Liebes- und Arbeitsbeziehung von Inge und Heiner Müller ein und lassen deren Partnerschaft vor dem Hintergrund des damaligen Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft und der Lausitzer Industriekultur erfahrbar werden. Sie entfalten ein ortsspezifisches und immersives Stationentheater, das die poetische Intimität der fragilen Dichterliebe mit der überwältigenden Rohheit der Tagebaulandschaft konfrontiert. Der Theaterabend verknüpft Texte des Paares, lässt sie im Dialog lebendig werden und entfaltet so das Drama einer leidenschaftlichen und wechselvollen Beziehung, die am 1. Juni 1966 mit dem Freitod Inge Müllers endete. Dabei nimmt »Müller & Müller« insbesondere das utopische Vorhaben einer künstlerischen und partnerschaftlichen Symbiose, in dem auch die gesellschaftliche Utopie eines solidarischen Miteinanders aufgehoben sein sollte, in den Blick und verfolgt Gelingen und Scheitern dieses ungeheuren Experiments. Das Jahr 2025 markiert den 100. Geburtstag der (wieder) zu entdeckenden Autorin Inge Müller, den 30. Todestag des einstigen Star-Schriftstellers Heiner Müller sowie den 70. Hochzeitstag der beiden Dichter. Im Stück »Müller & Müller« treffen die Geister des schreibenden Ehepaars im ehemaligen Klettwitzer Tagebau nun auf den gigantischen Nachfolger der einst von ihnen bedichteten Abraumförderbrücke: die F60. Und auch die liegt still – 1991 eingeweiht, stellte sie nach nur einem Jahr Dienst im Zuge des Strukturwandels in der Region ihre Arbeit ein und wurde schließlich in ein Freiluftmuseum verwandelt. Und doch finden die Wiedergänger keine Ruhe... »Müller & Müller« verbindet Live-Hörspiel mit szenischer Hommage und kammertheatralisches Beziehungsdrama mit einer Nachtführung auf der F60. Ein außergewöhnliches Lausitzer Original vor grandioser Kulisse. imersiwny źiwadłowy wjacor wó basnikaŕskem póriku w łužyskej industrijowej krajinje Immersiver Theaterabend über ein Dichterpaar in der Lausitzer Industrielandschaft Fassung und Inszenierung: Michael Höppner Mitwirkende Schauspiel (Inge): Nele Trebs Schauspiel (Heiner): Nico Dorigatti Fassung und Inszenierung: Michael Höppner Sounddesign: Jacqueline Butzinger Kooperation des Lausitz Festival und der neuen Bühne Senftenberg In Zusammenarbeit mit dem Förderverein Besucherbergwerk F60 e.V. und der F60 Concept GmbH Besucher-Busshuttle: Hinfahrt: 18:00 Uhr Ab: Neue Bühne Senftenberg, Theaterpassage 1, 01968 Senftenberg / Zły Komorow Nach: Besucherbergwerk F60, Bergheider Straße 4, 03238 Lichterfeld-Schaksdorf Rückfahrt: 21:30 Uhr Ab: Besucherbergwerk F60, Bergheider Straße 4, 03238 Lichterfeld-Schaksdorf Nach: Neue Bühne Senftenberg, Theaterpassage 1, 01968 Senftenberg / Zły Komorow *Die Kosten für Hin- und Rückfahrt von 5 Euro werden im Bus erhoben.
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»Es kotzt mich an. Ihr Kroppzeug!«
»Es kotzt mich an. Ihr Kroppzeug!«
Forster Bürger proben den Coriolan (Uraufführung)
Lausitz Festival
Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des großen Individualisten Coriolanus ist faszinierend und brandaktuell. Cajus Marcius, nach dem Sieg bei der Stadt Corioli mit dem Zunamen Coriolanus versehen, ist ein scheinbar unbezwingbarer und grenzenlos stolzer Krieger; ein freies Radikal und ein radikal Freier, der die Spielregeln und gemeinschaftsstiftenden Gepflogenheiten der Römischen Republik zutiefst verachtet. Nach der Unterdrückung eines Hungeraufstands der Plebejer und dem Sieg über die benachbarten Volsker strebt er das höchste politische Amt des Konsuls an. Doch wählen lassen möchte sich Coriolanus nicht, denn er hält sich für auserwählt. Um seine Unabhängigkeit nicht aufgeben und sich nicht unterordnen zu müssen, begeht er einen verhängnisvollen Verrat… Viele Autoren widmeten sich dieser herausfordernden und provokanten Figur: William Shakespeare in seiner Römertragödie »Coriolanus«, Bertolt Brecht in seiner Bearbeitung des Shakespeare-Stücks »Coriolan«, Plutarch in seiner Biografie, T.S Eliot in Gedichten und Günter Grass und Heiner Müller in ihren Theaterstücken »Die Plebejer proben den Aufstand» und »Germania 3«, in denen Theaterproben zum Brecht-Stück »Coriolan« stattfinden und von der gesellschaftlichen Wirklichkeit eingeholt und gewissermaßen selbst auf die Probe gestellt werden. Historisch entsteht die republikanische Demokratie u.a. aus der Überwindung eines Herrschertyps, wie ihn Coriolanus verkörpert; heutzutage arbeiten neue Coriolane weltweit an der Überwindung demokratischer Gemeinwesen. Anlass genug, den autokratischen Patrizier und freiheitlichen Egomanen Coriolanus in einem vielstimmigen Theaterabend in den Blick zu nehmen. Jürgen Kuttner, Kulturwissenschaftler, Radiomoderator und Theaterkünstler, entwickelt und inszeniert »Es kotzt mich an. Ihr Kroppzeug!« in Forst und nähert sich der komplexen Figur aus verschiedenen Richtungen an. In seinen Theaterarbeiten und theatralischen Soloabenden widmet sich Kuttner immer wieder gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und künstlerischen Phänomen, Themen und Fragestellungen und knüpft auf unterhaltsame Weise Verbindungen zwischen Naheliegendem und Entlegenem. (Zwischen 2018 und 2020 trat er etwa am Staatstheater Cottbus mit seinen »Videoschnipseln« auf.) In einer Mischung aus Show, Revue, Bühnenessay, Theaterstück und Vortragsabend entstehen so vielgestaltige Netzwerke aus Lebens- und Kunstwelten. In verschiedenen künstlerischen und theatralischen Ausdruckformen mäandert Kuttner durch Geschichte und Geschichten und wirft erhellende Schlaglichter auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zusammen mit vertrauten und neuen künstlerischen Partnern und einem Bürgerchor aus Forst und Umgebung sammelt Kuttner Splitter des Coriolanus-Stoffes, wirft und schüttelt sie durcheinander und bringt sie in kaleidoskopartigen Konstellationen zur Anschauung. Bruch- und Fundstücke von der Antike bis heute werden in dieser hybriden Theaterarchäologie vorgestellt. Als Spielstätte von »Es kotzt mich an. Ihr Kroppzeug!« fungiert der multifunktionale Veranstaltungssaal im ehemaligen Grand Hotel und späteren Kulturhaus »Forster Hof« in Forst, in dessen Architektur und Nutzungsgeschichte sich eine besondere Verbindung von Kunst, Politik und Soziokultur manifestiert und den das Lausitz Festival durch sein Theaterprogramm wiederbelebt. Mitwirkende Stück und Inszenierung: Jürgen Kuttner Dramaturgie: Michael Höpper
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Amadoka / Амадока
Lausitz Festival
Romana, eine Archivarin aus Kyjiw, erkennt in einem namenlosen Soldaten, der schwer verletzt aus dem Krieg im Donbass zurückkehrt, ihren Ehemann. Mit allen Kräften versucht sie, ihm sein Gedächtnis wiederzugeben. Mittel zum Zweck sind vier alte, weit gereiste Koffer voller Fotos, Papiere, ein in Leder gebundenes Notizbuch und ein geheimnisvoller Löwenkopf aus Stein. All diese stummen Zeugen sollen Anlass liefern für Erinnerung. Sie führen in die 1930er-Jahre, in das galizische Städtchen Butschatsch mit seiner multiethnischen Bevölkerung. Hier zeigt der halbwüchsige Pinkas, Sohn des Schochet, dem ukrainischen Mädchen Uljana den Ort des legendären, verschwundenen Sees Amadoka, der sich einstmals in stolzer Größe über die Karten Europas erstreckte. Uljanas Vater, der zwischen den Kriegen ukrainische Nationalisten und Unabhängigkeitskämpfer versteckt hatte, versucht während der nationalsozialistischen Besatzung unter Lebensgefahr seinen jüdischen Nachbarn zu helfen. Im Zeitalter der Vernichtung und Todesangst werden aus Priestern Partisanen, aus Nachbarn Spitzel, aus ukrainischen Kindern Mörder, aus Juden Hilfspolizisten, aus Opfern Täter. Oder umgekehrt. Ob Hilfe und Rettung von den anrückenden Sowjets zu erwarten ist, wird je nach Standpunkt und Erfahrung unterschiedlich bewertet. Zu Romanas Erstaunen ist es nicht der Löwenkopf der Statue des heiligen Onufrij, der die Erinnerungen des kranken Mannes weckt. Es sind die Briefe eines Dichters und Wissenschaftlers, der während der stalinistischen Säuberungsaktionen unter der Intelligenzija in der Sowjetukraine eine zweifelhafte Rolle spielte. Sofia Andruchowytschs hochkomplexes, ein ganzes Jahrhundert umspannendes Panorama zeigt eindrucksvoll, dass die Gegenwart der Ukraine nur aus ihrer Geschichte heraus zu verstehen ist. Zugleich steht das große und großartige Werk auch als Parabel für die Unzuverlässigkeit von Erinnerung und für die Manipulierbarkeit von Identität. »Wenn je ein Roman eine Form und einen Ton gefunden hat für die Geschichte der Ukraine in alle ihrem Leid und all ihren Abgründen, dann ist es dieses schwindelerregende Epos«, schrieb Sonja Zekri in ihrer Rezension in der »Süddeutschen Zeitung«. Im Anschluss findet ein Autorengespräch mit Sofia Andruchowytsch statt (Simultanübersetzung Ukrainisch-Deutsch) Амадока Сценічні читання німецькою мовою за романом Софії Андрухович. На німецьку роман переклали Александер Кратохвіл та Марія Вайсенбьок. У понівеченому до невпізнаваности в одній з гарячих точок на Донбасі чоловікові без імені, який повернувся з війни, Романа, яка працює в київському архіві, впізнає свого чоловіка. Вона з усіх сил намагається, повернути йому пам’ять. Використовує для цього чотири старі пошарпані валізи з фотографіями, старими зошитами, записник в палітурці з фарбованого сап“яну та загадкову кам’яну голову лева. Ці німі свідки мають допомогти йому згадати. Вони ведуть нас в 1930-і роки, в галицьке містечко Бучач з його мультиетнічним населенням. Тут юний Пінхас, син шохета показує Уляні, своїй українській однолітці місце, де колись було тепер вже неіснуюче озеро Амадока, озеро, що колись було найбільшим у Європі. Улянин батько, який міжвоєнний період переховував українських повстанців та ОУНівців, наражаючи себе на небезпеку, тепер ризикуючи життям намагається врятувати від нацистів своїх єврейських сусідів. У часи винищення та страху перед смертю священники стають партизанами, сусіди – стукачами, українські діти – вбивцями, євреї – поліцаями, жертви – злочинцями. Або навпаки. Чи можна очікувати допомоги та порятунку від совітів, які наближаються – про це думки розходяться залежно від позиції та досвіду… На превеликий подив Роман спогади хворого чоловіка пробуджують не голова лева від статуї святого Онуфрія, а листи поета та науковця, роль якого під час сталінських чисток серед інтелігенції в Радянській Україні була неясною. У романі Софія Андрухович розгортає неймовірно складну панораму, що охоплює період одного століття і виразно показує, що сучасну Україну можна зрозуміти лише на основі її історії. Одночасно, цей твір є притчею про те, якою непевною є пам’ять та як легко можна маніпулювати ідентичністю. »Якщо існує роман, якому вдалося знайти форму і тон для історії України з усіма її стражданнями і та прірвами, то це - цей запаморочливий епос«, пише Соня Зекрі у SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Учасники: Літературні читання: Фрідеріке Отт, Фанні Стаффа, Філіпп Ґрімм Мистецька керівниця та авторка тексту: Гайке Мертен-Гоммель Після читання відбудеться подіумна дискусія із авторкою Софією Андрухович Модераторка: Соня Зекрі Mitwirkende Autorin: Sofia Andruchowytsch Texteinrichtung und Regie: Heike Merten-Hommel Moderation: Sonja Zekri Lesung: Friederike Ott Lesung: Fanny Staffa Lesung: Philipp Grimm 18:00 bis 20:00 Uhr Szenische Lesung Anschl. bis ca. 21:30 Uhr Autorinnengespräch (Simultanübersetzung Ukrainisch-Deutsch)
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Zwischen Welten
Lausitz Festival
Vor zwanzig Jahren waren sie ausgezogen aus ihrer Studenten-WG, um Richtung Zukunft durchzustarten. Theresa übernahm den väterlichen Bauernhof im Brandenburgischen; Stefan heuerte bei einer großen Hamburger Wochenzeitung an und stieg zum Ressortleiter auf, die nächsten Karriereschritte unmittelbar vor Augen. Ein Zufall lässt die Freunde von einst unvorbereitet aufeinandertreffen. Die erste Wiedersehensfreude verdüstert sich zu einer explosiven Stimmung, führt aber zu einem anschließenden hochemotionalen elektronischen Briefwechsel zwischen den beiden. Der Roman »Zwischen Welten« (Mjazy swětami), gemeinsam verfasst von Juli Zeh und Simon Urban, schildert exemplarisch und nicht ohne Humor, wie divergierende biografische und berufliche Entwicklungen zwei ehemals Unzertrennliche auf verschiedene Seiten einer Barrikade geraten lassen. Zunächst beschließen Theresa und Stefan, sich schreibend neu kennenzulernen und erzählen einander in Mails und Messages von ihren Alltagskämpfen. Stefan ficht die seinen als engagierter, umweltbewusster Kulturjournalist mit Stift und Computertastatur aus, Theresa dagegen, Biobäuerin und Mutter, betrachtet die Fragen der Klimapolitik aus der Perspektive des Kuhstalls und vom Sitz ihres Traktors aus. Obwohl die gegenseitige Zuneigung unverändert besteht, radikalisieren sich ihre kontroversen Positionen. Die Beziehung steht auf der Kippe; es sei denn, man verändert die Koordinaten, verlässt das Spielfeld und auch als starr empfundene Systeme. In der Tradition des klassischen Briefromans sezieren Zeh und Urban mit analytischer Präzision und Empathie für die Kontrahenten zugleich die Gemütslage eines Großteils der Bevölkerung in unserem Land. So detailreich wie umfassend machen sie die Ursachen sichtbar für eine politische Lagerbildung, die sich in zunehmender Ideologisierung und Unversöhnlichkeit äußert. Und sie verschweigen nicht, wer am Ende die Rechnung zahlt. Juli Zeh lebt seit 30 Jahren unter anderem in Leipzig und Brandenburg und kennt die alltäglichen Veränderungen innerhalb der Gesellschaft und in der politischen Debattenkultur aus beiden deutschen Perspektiven. Bereits in ihrem Roman »Unterleuten« (2016), der in exquisiter Besetzung vom ZDF verfilmt wurde, und »Über Menschen« (2021) schrieb Juli Zeh über Themen aus dem ländlichen Brandenburg. »Zwischen Welten« (2023) entstand gemeinsam mit Simon Urban, einem erfolgreichen Autor von Romanen und Arbeiten für Filme. Mit zwei Mitgliedern aus dem Ensemble des Staatstheaters Cottbus erarbeitet dessen neuer Intendant, der Regisseur Hasko Weber, exklusiv fürs Lausitz Festival eine szenische Lesung des hochaktuellen Gesellschaftsromans. Mitwirkende Lesung: Ariadne Pabst und Amadeus Gollner Szenische Einrichtung: Hasko Weber Textfassung und Moderation des Podiumsgespräches: Heike Merten-Hommel
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