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Kunstmuseum Ravensburg

Das Kunstmuseum Ravensburg wurde von dem Architekturbüro Lederer + Ragnarsdóttir + Oei entworfen und beheimatet eine der größten Privatsammlungen Süddeutschlands. Unter dem Format "Selinka Classics" wird eine variierende Auswahl der über 200 Werke umfassenden Sammlung des früheren Werbeberaters Peter Selinka (1924 - 2006) und seiner Frau Gudrun Selinka permanent im Museum gezeigt. Schwerpunkte der Sammlung sind Werke des deutschen Expressionismus sowie der Gruppen CoBrA und SPUR. Zudem präsentiert das Museum vielbeachtete Wechselausstellungen zur Klassischen Moderne und zur zeitgenössischen Kunst. Das Kunstmuseum Ravensburg wurde im Jahr 2013 mit dem deutschen Architekturpreis ausgezeichnet, 2014 für den Europäischen Museumspreis (EMYA) nominiert und 2015 als "Museum des Jahres“ (AICA) ausgezeichnet.

(Kunstmuseum Ravensburg, Foto: Roland Halbe)

Kontakt

Kunstmuseum Ravensburg
Burgstraße 9
D-88212 Ravensburg

Telefon: +49 (0)751 82 810
E-Mail: kunstmuseum@ravensburg.de

 

Öffnungszeiten
Di-So 11-18 Uhr, Do 11-19 Uhr
Mo geschlossen, außer feiertags
Ausstellung

Martha Jungwirth. Panta Rhei

Mit der Einzelausstellung von Martha Jungwirth (*1940, Wien) präsentiert das Kunstmuseum Ravensburg die bislang umfassendste Ausstellung der österreichischen Künstlerin in Deutschland. Jungwirths farbmächtigen Bildwelten oszillieren zwischen gestischer Abstraktion und Gegenständlichkeit und formen ein eigenes, bedeutungsoffenes »Äquivalent zur starren verbindlichen Realität« (Jungwirth, 1988). Die Werkschau spannt einen Bogen von Schlüsselwerken aus den 1970er Jahren bis heute und setzt einen Schwerpunkt bei Jungwirths Aquarellen, deren koloristischen Möglichkeiten sie von Anbeginn ihres Schaffens auslotet. Jungwirth wurde 2018 mit dem renommierten Oskar-Kokoschka-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, das die Albertina in Wien in einer Retrospektive vorstellte. In Deutschland fand die letzte Einzelausstellung vor 20 Jahren statt.

Martha Jungwirths Malereien sind sensuelle Notationen von Gesehenem, Erfahrenem und Erinnertem. In ihren Arbeiten gelingt es ihr, innere Bilder in eigenständige Farb- und Form-

kompositionen zu überführen, ohne die Referenz zum gegenständlichen Motiv, als Urzelle der Arbeit zu verleugnen. Impulsgeber ihrer Aquarelle und Ölmalereien sind sowohl Eindrücke von Reisen nach Griechenland, Mexiko, Kambodscha oder von Freunden, die sie porträtierte, wie auch Abbildungen politischer Ereignisse, kunsthistorischer Gemälde oder die griechische Mythologie. Im Arbeitsprozess dient Jungwirth der Körper in zweifacher Hinsicht als Filter äußerer Eindrücke: »Wenn die äußere Bewegung, die Körperbewegung und die innere Bewegung zusammentreffen und wenn dieses Zusammentreffen glückt, dann geht die Malerei los« (Jungwirth, 1994). Der energische Malprozess schließt den kontrollierten Zufall ein und bleibt stets sichtbar. Flecken, Tropfen und Farbrinnsale lassen sinnliche Turbulenzen entstehen und werden Bestandteil der Komposition, die eine Atmosphäre des Fluiden, Offenen und Transparenten kennzeichnet. Um in den Arbeiten dieser Künstlerin anzukommen, muss man das Risiko eingehen, sich in ihnen zu verlieren.

(Bild: Martha Jungwirth, Ohne Titel (aus der Serie Istanbul), 2017, Öl auf Papier auf Leinwand
Sammlung Eric Freymond, Genf, Courtesy Galerie Krinzinger © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 )
Ausstellung

Pierre Alechinsky

Präsentation Sammlung Selinka (EG)

Das Kunstmuseum Ravensburg stellt ausgewählte Arbeiten von Pierre Alechinsky (*1927, Brüssel, BE, wohnhaft in Bougival, FR) aus der Sammlung Selinka vor. Die sechs großformatigen Werke im Sammlungsraum werden durch filmische und schriftliche Dokumentationen ergänzt. 1975 entdeckte Peter Selinka (1924-2006) Alechinsky im Musée d’art moderne de la Ville de Paris und erwarb anschließend mit Situation sans illusion (1959-1961) das erste von zahlreichen weiteren Bildern der CoBrA-Bewegung für seine Sammlung. Im Zusammenspiel von körperlicher Aktion, spontaner Assoziation und spielerischer Transformation des Motivs entwickelt Alechinsky einen fantastischen Bilderkosmos, in dem ihm das Unterbewusste als Nährboden dient: »Man könnte sagen, dass ich beim Malen Monster, meine Monster, befreie ̶ ich bin verantwortlich«, so Alechinsky 1961.

Alechinsky studierte Buchillustration und Typografie, bevor er 1949 mit 21 Jahren Mitglied der Gruppe CoBrA wurde. Da sein künstlerisches Hauptwerk nach der CoBrA-Zeit entstand, versteht sich Alechinsky als post-CoBrA Künstler. Alechinskys bildnerischer Ausdruck wandelte sich in den 1950er Jahren von weitgehend abstrakten Formen hin zu einer groben Figuration und Gegenständlichkeit. Seine farbmächtigen Malereien zeigen Zwitterwesen von tierischer und menschlicher Gestalt und lassen sowohl Vulkanausbrüche oder die Federhüte der Gilles-Figuren des Karnevals von Binche in Belgien erahnen. In der grafisch geprägten Darstellungsweise seiner Arbeiten vereint Alechinsky westliche und östliche Elemente so geschickt, dass die Malerei unter dem Einfluss der Kalligrafie mühelos, fließend, wie aus einem Zuge, erscheint. Seit 1965 tauchen als weiteres Charakteristikum die »remarques marginales« (Randbemerkungen) auf. Angefügte Felder an der unteren Bildkante oder ein umlaufendes Band erweitern das bereits vielschichtig erfahrbare ›Hauptbild‹ somit um einen zusätzlichen Deutungsansatz.
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