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Naturhistorisches Museum

In Bern beliebt - auf der ganzen Welt beachtet
Mit den Dioramen begründete das Berner Museum seinen internationalen Ruf. Die Dioramen gehen auf eine Sammlung afrikanischer Grosstiere zurück, welche der in London ansässige Bernburger, Kunstmaler und Grosswildjäger Bernhard von Wattenwyl zusammen mit seiner Tochter Vivienne während einer Expedition in den Jahren 1923-24 beschafft und dem Museum seiner Vaterstadt geschenkt hat. Publikumsliebling Nr. 1, besonders auch der ausländischen Touristen, ist nach wie vor der originale "Barry" - der berühmte Bernhardinerhund, der über 40 Menschen das Leben gerettet hat.

Attraktiver Neubau
1998 wurde das Museum durch einen Neubau erweitert. Im Neubau ist die erdwissenschaftliche Ausstellung untergebracht. Die grossartige Kollektion von Mineralien aus dem Alpenraum - präsentiert wie in einer Schatzhöhle - gehört zum Besten, was die Museen auf diesem Gebiet weltweit zu bieten haben. Goldproben von verschiedenen Fundstellen der Schweiz und eine einmalige Sammlung von Meteoriten bilden einen weiteren Höhepunkt der geologischen Ausstellung.

Drei wissenschaftliche Abteilungen
Das Museum umfasst heute drei Abteilungen: Erdwissenschaften mit den Fachgebieten Mineralogie und Paläontologie, Wirbellose Tiere und Wirbeltiere. Die botanische Sammlung wurde bereits 1863 dem Botanischen Garten übergeben. Auf den heutigen Fachgebieten wird im Museum auch Forschung betrieben. Das Museum arbeitet in Lehre und Forschung eng mit der Universität Bern zusammen. Die wissenschaftliche Tätigkeit wird deshalb seit 1991 vom Kanton Bern durch einen namhaften jährlichen Betriebsbeitrag mitfinanziert. Ausserhalb der eigenen Mauern betreut das Berner Museum die Ausstellung des Schweizer Museums für Wild und Jagd im Schloss Landshut bei Utzenstorf.


Dauerausstellungen

Der legendäre Bernhardinerhund

Das Naturhistorische Museum Bern würdigt den 200. Todestag von Barry mit einer neuen Dauerausstellung

Die Ausstellung behandelt die Legenden und Mythen, die sich um den legendären Rettungshund vom Grossen St.Bernhard ranken.

Barry vom Grossen St. Bernhard (1800 - 1814) ist der berühmteste aller Hunde, die je den Rettungsdienst auf dem Hospiz versahen. Er wurde bereits zu Lebzeiten zur Legende. Barry soll über 40 Personen das Leben gerettet haben. 1812 geleitete man ihn auf Wunsch des Priors nach Bern, wo er 1814 den Alterstod starb.

Die Geschichten und Legenden über das gottgefällige Rettungswesen der Mönche auf dem Grossen St. Bernhard, über die Hospizhunde und über den berühmten Barry mehrten sich im Laufe der Jahrzehnte.

Zahlreiche Abbildungen in der damaligen Presse trugen das ihre zum Ruhme der Hunde bei. Die letzte urkundlich festgehaltene Rettung datiert von 1897. Heute ist der kurzhaarige Bernhardiner zu gross und schwer geworden, so dass im Lawinensuchdienst leichtere Hunderassen eingesetzt werden. Dem Ansehen der "heiligen Hunde" hat dies allerdings keinen Abbruch getan. Zu Ehren ihrer Ahnen werden noch heute auf dem Hospiz St. Bernhardshunde gehalten. (Text: Marc Nussbaumer)

Planggenstock-Kristalle

Seit dem 14. Mai 2011 sind die schweizweit bekannten Kristalle vom Planggenstock im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern ausgestellt.
In der "Schatzkammer" liegen fast zwei Tonnen Bergkristall von seltener Schönheit. Raffiniert beleuchtet, scheinen die glasklaren Mineralien von innen zu strahlen. Langsam dreht sich das Glanzstück der Ausstellung um die eigene Achse: Es ist eine wunderbar komponierte, 300 Kilogramm schwere Kristallgruppe mit einem 107 Zentimeter langen zentralen Kristall.

Neben der Schatzkammer liegt ein gemütlicher Kinoraum. Hier läuft der Kurzfilm „Hüter der Erde“ des Filmemachers Bruno Roth. Der Film dokumentiert eindrücklich die Arbeit der beiden Strahler Franz von Arx und Paul von Känel in ihrer Kluft.

Im Raum „Kristallwissen“ wird eine Vielfalt von überraschenden Informationen zum Thema Kristall angeboten.

Afrika

Die 1936 eröffnete, später erweiterte und mehrmals umgebaute Sammlung afrikanischer Säugetiere wurzelt auf eine Jagd-Safari von Bernard und Vivienne von Wattenwyl nach Ost- und Zentralafrika in den Jahren 1923/24.
Gezeigt werden in 33 Dioramen 106 Säugetiere in 45 Arten. Dazu kommen noch 24 Vögel in 9 Arten.

Afrika ist der Kontinent der Huftiere, v. a. der Hornträger. Nicht weniger als 60 Arten von Gazellen, Antilopen, Rindern und Ziegen leben in den verschiedenen Vegetationstypen - ohne sich zu konkurrenzieren. Hinzu kommen 6 Unpaarhufer (4 Pferdeartige und zwei Nashorn-Arten), Giraffe und Okapi. Voraussetzung für dieses Nebeneinander sind unterschiedlicher Körperbau und Grösse, unterschiedliches Sozialverhalten und verschiedenste Ansprüche an den Lebensraum und die Ernährung.

Die Dioramen ermöglichen diesen Vergleich auf eindrückliche Art und Weise. Grosskatzen (Löwe, Leopard, Gepard), Hyänen, Wildhunde ernähren sich von diesen Huftieren, jede wieder auf ihre spezifische Art und Weise. Auch sie sind in der Ausstellung präsent. In Afrika aber gibt es keine Bären und keine Hirsche, wie sie in den Ausstellungen "Nordische Tiere", "Asien" und "Tiere der Schweiz" vertreten sind.

Asien

Dieser 1978 eröffnete Ausstellungsteil zeigt Vertreter der asiatischen Säugetierwelt. Alle haben sehr lokale Vorkommen und sind z. T. hochgefährdet (z. B. Panda, Orang-Utan). Nur der Kuhreiher hat heute eine weltweite Verbreitung.
Aus Verantwortung der Tierwelt gegenüber beschaffte das Museum die wenigsten der gezeigten Tiere aus freier Wildbahn: 5 sind Dermoplastiken mit Häuten aus Zoologischen Gärten, 1 Panzernashorn ist ein Abguss eines Zootieres, 1 Panzernashorn ist auch modelliert, die beiden Pandas sind aus Fellen nicht-bedrohter Tierarten hergestellte weitere Modelle.

In Asien leben drei der fünf heute noch existierenden Nashorn-Arten, zahlreiche Katzen-Arten und 6 Bären-Arten, so viele wie auf keinem anderen Kontinent. Von jeder dieser Familien wird in der Ausstellung mindestens ein Vertreter gezeigt.

Skelette - die grosse Knochenschau

Wir haben eine fast 150 jährige Skelettsammlung zu neuem Leben erweckt: Erstaunliches und Grossartiges aus der Knochenwelt wird inszeniert und ins Rampenlicht gerückt. Die Ausstellung setzt auf das fein tarierte Nebeneinander von wissenschaftlicher Logik und der Lust am wohligen Schaudern. Ein Hauch von Jahrmarkt und Variété liegt in der Luft, man hat Lust zu schauen, von Attraktion zu Attraktion zu flanieren.

Da steht man Auge in Auge mit einem Finnwal und kann sich durchaus vorstellen, wie Jonas sich gefühlt haben muss. Auf dem Karussell dreht ein endloser Reigen der grössten Skelette. Eingerahmt vom rotsamtenen Vorhang kommen und gehen die Gestalten; ihr Auftritt erinnert trotz der Bühnenromantik daran, dass dies das Schicksal aller Lebewesen ist. Daneben geht es gleich weiter mit praktischen Fragen der Knochengeschichte: Man kommt zur erstaunlichen Erkenntnis, dass von der Spitzmaus bis zum Wal alle aus denselben Elementen aufgebaut sind. Plötzlich möchte man wissen, wo das Pferd seine Hände hat und weshalb der Elefant auf Zehenspitzen geht. Bei den Schädeln schaut man in die Werkzeugkiste der Natur oder sieht, dass in einem grossen Kopf nicht unbedingt ein grosses Hirn stecken muss. Direkt am Objekt wird begreifbar, wie das Leben läuft. Oder schwimmt, fliegt und kriecht. Daneben gibt es Geschichten zum Werkstoff Knochen, von seinen Bresten und ihrer Heilung. Will man vielleicht seinem Hund ein künstliches Hüftgelenk einbauen lassen?

Die ehrwürdige Sammlung hat einst ausschliesslich wissenschaftlichen Zwecken gedient - Mit ihren Denkanstössen und naturkundlichen Leckerbissen ermöglicht die heutige Inszenierung eine ganz neue Sicht der Dinge.

C'est la vie

Die Erforschung des Lebens gehört zum Faszinierendsten, was die Naturwissenschaften zu bieten haben. Anhand von über 1’000 Exponaten, interaktiven Stationen und Themenwelten erzählt die Ausstellung im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern, wie Leben entsteht und vergeht, vom konfliktreichen Tanz der Geschlechter und von der wundersamen Welt im Kopf – von jenen Kernfragen des Lebens, die uns von der Wiege bis zur Bahre beschäftigen, aufwühlen und beglücken.

Anfang und Ende
Leben ohne Tod ist undenkbar. Die Ausstellung zeigt anhand überraschender Inszenierungen vertrauter Lebenszyklen, wie totes Material abgebaut und die Bühne des Lebens als Regenwurm, als «Tiger im Tank» oder als Kinderspielzeug erneut betritt. In einer Werkstatt-Atmosphäre nimmt der Besucher Teil an der Suche nach Leben auf dem Mars und wird mit allerlei Gedachtem zur Frage konfrontiert: Wie ist das Leben entstanden?

Pas de Deux
Lebewesen wollen Leben weitergeben, um jeden Preis. Beim Tanz der Geschlechter wird geworben, gezeugt und geboren. Im Zentrum steht die alles bestimmende Konstellation: Wie kommt das männliche Sperma zum weiblichen Ei? Das pralle Leben pulsiert und hängt gleichzeitig an einem seidenen Faden. Kaum auf der Welt stellt sich schon die Frage, wer überlebt. Leben heisst eben auch sterben: Diese unangenehme Wahrheit lauert hinter all der Pracht und Schönheit des Lebens.

Welt im Kopf
Zurzeit ist kaum ein naturwissenschaftliches Thema in den Medien so präsent wie die Gehirnforschung. Wer bin ich und was passiert in unseren Köpfen, wenn wir lernen, sprechen oder träumen? Im «Oberstübchen» der Ausstellung betritt der Besucher im wahren Wortsinn das Wunder des Gehirns. Erst die Schaltzentrale im Kopf ermöglicht uns den Zugang zur Welt. Ist unsere Wahrnehmung die Realität oder bloss ein verfremdetes Bild der Wirklichkeit? Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist eine äusserst unstete Sache, deren Aussehen davon abhängt, mit welchen Augen, Nasen oder sonstigen Sensoren sie wahrgenommen wird. Sinnesorgane vermitteln dem Gehirn Formen, Farben, Töne und Gerüche und entwerfen so ein Bild von der Wirklichkeit. Diese kann für jedes Lebewesen durchaus unterschiedlich aussehen - und auch ab und an aus den Fugen geraten wie in der Show der Sinne.

Exploratorium
Selber forschen lautet das Motto im Exploratorium. Hier können die Besucher anhand lebender Küken, Frösche und Schmetterlinge, interaktiver Stationen und eines Labors in Echtzeit beobachten, wie Leben entsteht und vergeht. Sie testen die eigenen Sinne oder erforschen in Höhlen kriechend die «Unterwelt». Nicht nur die Kleinen finden hier einen Abenteuerspielplatz sondergleichen und können die vielfältigen Aspekte des Lebens unmittelbar erleben, fühlen, riechen, atmen und schmecken.

Nordische Tiere

Ein ehrwürdiges Stück Museumsgeschichte wird neu eröffnet: Das Nordlanddiorama erstrahlt in frischem Glanz.

Seit dem 01. Mai ist das altehrwürdige Schaustück wieder eröffnet – nach allen Regeln der Kunst renoviert, frisch verschneit und äusserst raffiniert beleuchtet, wohl einzigartig in der Schweizer Museumslandschaft: Am Nordpol im ersten Stock geht die Sonne auf, werden die Schatten länger und wird es wieder eisblaue Nacht. Die wechselnden Stimmungen tauchen die Tiere und ihre kulissenhafte Landschaft in immer wieder neues Licht. Wer sich ein paar Minuten Zeit nimmt, erlebt den Zauber, der diese Mischung aus traditioneller Museumskunst undmoderner Lichttechnologie ausstrahlt.

Coole Typen
Altbau, 1. Obergeschoss
9 Dioramen, 10 Säugetier-Arten, 8 Vogel-Arten
66 Tierindividuen

Dieser nicht einheitliche und über Jahrzehnte entstandene Ausstellungsteil beherbergt drei Bären-Arten (Eis-, Schwarz- und Braunbär, dieser in den amerikanischen Unterarten Kodiak- und Grizzly-Bär), 5 Robben-Arten, den Moschusochsen und ein Bild aus dem reichen Vogelleben der Lofoten mit 48 Individuen in 8 Arten (u. a. vier Arten von Alken-Vögeln). Das Bild mit dem Elch als Beute der Kodiak-Bären zeigt die Grösse, welche diese Arten im Norden Nordamerikas erreichen können.

Flossen-Füsse-Flügel

In der neuen Ausstellung werden Fossilien zu neuem Leben erweckt. Aus dem Gestein präparierte Fossilien erzählen zusammen mit Zeichnungen, Modellen und Computeranimationen den Werdegang der Wirbeltiere. In der Ausstellung begegnen die Besucher ihren Urahnen, hier erleben sie wie im Lauf von Jahrmilionen aus einfachen Wasserwesen Fische werden, Amphibien dem Wasser entsteigen und als landtaugliche Reptilien das Land erobern; wie aus diesen Vierfüssern Vögel entstehen und eine neue, revolutionäre Gruppe auftritt, die Säugetiere, zu denen auch wir Menschen gehören.
Vom Wasser ans Land, vom "Blauen ins Grüne", durchquert der Besucher schrittweise die Erdgeschichte und stoppt jeweils um besondere Ereignisse und Entwicklungen der Wirbeltiere kennen zu lernen.

Auge in Auge steht man seinen Urahnen gegenüber. Ein zuschnappender Haikiefer vermittelt, welche Zukunftsperspektiven der Kiefer einst den Wirbeltieren eröffnete. Bereits die frühesten Kieferträger, die Fische, entwickelten eine riesige Vielfalt an Kieferformen und damit auch an Lebensweisen. Wer war der erste Landgänger? Rätselhafte Spuren im Sand verweisen auf einen Fisch, der auf 4 Füssen aus dem Wasser kam.

Tiere der Schweiz

Die zu Beginn des zweiten Weltkriegs als "Heimatmuseum" eröffnete Schau von Vögeln und Säugetieren der Schweiz zeigt die Arten in ihrem damals typischen Lebensraum. Es handelt sich um den Zustand von Häusern, Dörfern und Städten, aber auch der Landwirtschaftsfläche und der Alpen im Zustand zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg. Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und Produktion und des Tourismus hatte erst zögernd begonnen, der Ausbau der Verkehrswege als Folge der zunehmenden Mobilität stand noch in den Anfängen. Diese Ausstellung lässt sich in Beziehung setzen zu "Anpasser und Alleskönner" : hier der Fuchs im Wald, der Kolkrabe im Fels - dort beide inmitten der Stadt. Wird die "Heimat Natur" zur unheimlichen Natur?

Typisch Alpen

Sehr gut bis fast lückenlos vertreten sind die typischen alpinen Arten, wie Steinbock und Gämse, Schneehase, Steinadler, Schnee- und Steinhuhn, Schneesperling, Alpensegler, Alpenmauerläufer, Alpenbraunelle, Alpendohle und Zitronengirlitz. Aber auch zahlreiche Durchzügler und Wintergäste unter den nordischen Vogelarten fehlen nicht.
Reh, Gemse, Fuchs, Hermelin, Schneehase und Schneehuhn werden je in zwei Dioramen in ihrem Sommer- und Winterkleid gezeigt.

Tiere in der Stadt

Die Ausstellung handelt von tierischen Meistern der Anpassung in unseren Städten. Anstatt in Wald und Wiesen nach Mäusen und Würmern zu suchen, bauen wilde Tiere in Städten ihre Nester an lärmigen Kreuzungen, stöbern auf Trottoirs nach Essbarem oder brüten in Blumenkisten auf dem Balkon.

Zeichen einer gestörten Natur?

Solches Verhalten widerspricht unserer Vorstellung von Mutter Natur und löst gemischte Gefühle aus. Die einen sehen in den städtischen Wildtieren Vorboten einer Rückeroberung, für andere sind sie Zeichen einer gestörten Natur. Die in der Ausstellung gezeigten Tiere stehen stellvertretend für alle Karrieristen des Tierreichs: Fuchs, Steinmarder, Turmfalke, Saatkrähe und Kolkrabe haben etwas gemeinsam: Sie sind enorm anpassungsfähig und können ein vielfältiges Angebot an Nahrung und Lebensräumen nutzen. Sie sind deshalb in der Lage, sich im Siedlungsgebiet zu behaupten und in der unmittelbaren Nähe des Menschen zu leben. Sie sind als "Fuchs", "Marder", "Krähe" und "Raubvogel" den meisten irgendwie bekannt als Tiere aus Wald und Wiese. Ihre Existenz als "wilde Tiere in der Stadt" ist hingegen ein Naturphänomen, das für die wenigsten Menschen selbstverständlich ist.

Den Tieren, die den Sprung in die Zivilisation geschafft haben, ist die Diskussion um ihre Natürlichkeit herzlich egal. Die Gründe, weshalb sie die Stadt als Lebensraum gewählt haben, sind handfest und leicht nachvollziehbar: Reichliche Nahrung, unzählige Verstecke und geschützte Kinderstuben. Die wilden Tiere in der Stadt lernen schnell, können sich den unterschiedlichsten Lebensbedingungen anpassen und lassen sich durch die Anwesenheit der Menschen nicht abschrecken.

Bewusster Kontrast zum "Heimatmuseum"

Für Konzept und Realisation der Ausstellung zeichnen die Zoologin Dora Strahm und der Gestalter Jürg Nigg, beide Mitarbeitende des Naturhistorischen Museums Bern, verantwortlich. Sie ist gedacht als Ergänzung zu den Dioramen mit einheimischen Säugetieren und Vögeln - dem "Heimatmuseum" aus den 1940er-Jahren -, welches in idyllischen Lebensbildern eine heile ländliche Umwelt zeigt. Die in bewusstem Kontrast gestaltete Ergänzung führt dem Betrachter den drastischen Wandel unserer Landschaft und der darin lebenden Tierwelt auf überraschende und auch spasshafte Weise vor Augen.

Vielfalt-Spektrum

Die Vielfalt der einheimischen Natur wird hier in ihrer Fülle gezeigt: Muscheln, Schnecken und weitere Objekte aus der Tierwelt, aber auch Gesteine und Fossilien werden für das Selbststudium oder zum Vergleich mit eigenen Fundobjekten präsentiert.

Der Einsatz moderner Lagertechnik ermöglicht dem Besucher sowie der Fachperson das systematische Suchen und Vergleichen von Objekten anhand der "eingelagerten" Sammlungen.








Käfer & Co

Als vermeintliche „Krone der Schöpfung“ vergessen wir Menschen, dass die Erde ein Planet der Insekten ist. Rund 3/4 der heute bekannten 1,4 Millionen Tierarten sind Insekten. Was geschähe, wenn sie plötzlich alle aussterben würden? Die Wissenschaftler sind sich einig: Der Mensch würde ihnen bald folgen. Die Insekten sorgen dafür, dass die Bäume fruchten und die Blumen Samen ansetzen. Ohne ihr heimliches Wirken würden sich innert kurzer Zeit riesige Mist- und Aasmengen ansammeln.

Die Ausstellung beginnt mit den unerwartet vielschichtigen Beziehungen zwischen den wirbellosen Tieren und dem Menschen.

Sie zeigt anschliessend eine Fülle an Käfern, Schmetterlingen, Schnecken und Muscheln und klärt den Besucher zum Beispiel darüber auf, wie die zarten Schmetterlinge zu ihrem unpassenden, groben Namen kamen, oder dass einige Schmetterlingsarten – ähnlich wie die Schwalben – im Frühling aus dem Süden zu uns kommen und im Herbst wieder wegziehen.

So verschieden wirbellose Tiere gestaltet sind, so vielfältig ist auch die Art und Weise ihrer Ernährung: Sie bohren, knacken, saugen, raspeln oder verschlingen ihre Beute ganz einfach.

Die Ausstellung greift zurück in vergangene Erdzeitalter und zeigt fossil erhaltene wirbellose Tiere, aber auch Arten wie das Perlboot, das während Jahrmillionen bis in die heutige Zeit fast unverändert geblieben ist. Rund 1‘000 Objekte – unkonventionell in Szene gesetzt –, Grossprojektionen und Kurzfilme entführen den Besucher in die bunte und faszinierende Welt der wirbellosen Tiere.

Steine der Erde

Die Ausstellung "Steine der Erde" zeigt einen Querschnitt durch die erdwissenschaftlichen Schätze des Museums. Steine sind ein unerschöpfliches Archiv der Erdgeschichte.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist die Mineralogie mit den Kapiteln "Mineral und Mensch", "Bildungsbereiche der Mineralien", "Diamanten", "Mineralien der Schweiz" und "Meteoriten" und dem am 14. Mai 2011 neu eröffneten Teil Riesenkristalle - der Schatz vom Planggenstock. Ein Teil der Ausstellung Erde - Planet und Lebensraum musste der Planggenstock-Ausstellung weichen. Von dieser Erdgeschichte-Ausstellung mit Fossilien sind noch zu sehen: Erde und Weltraum -Aufbau der Erde -Gesteine -Erdgeschichte mit Entwicklung des Lebens anhand vieler Fossilien -der Pfeilschwanzkrebs, ein lebendes Fossil.

Mineral und Mensch
Mineralien (natürliche Kristalle) sind für den Menschen von grösster Bedeutung als Rohstoff. In fast allen Situationen des Alltags kommen wir mit Mineralien oder daraus gefertigten Produkten in Kontakt. Wie steinzeitliche Faustkeile sind auch Autos, Computer, Gebäude und Brücken aus Mineralien hergestellt.

In der Nebelkammer wird Radioaktivität sichtbar. Beobachten Sie, wie ein wenige Millimeter grosses Stück Uraninit (Uranerz aus dem Wallis; links im Plexiglasblock) radioaktive Teilchen aussendet.

Bildungsbereiche
Eine 16 m lange, bogenförmige Vitrine zeigt einen Querschnitt durch die bunte Vielfalt der Mineralien aus den unterschiedlichsten Bildungsbereichen. Künstliche Kristalle und Mineralien von der Erdoberfläche sind ebenso zu sehen wie Proben, welche aus über 100 km Tiefe stammen.
Mineralien werden auch in Quellen gebildet. Dieses Vogelnest wurde durch rasche Ausscheidung von Calcit versteinert.

Diamanten
Diamant ist das einzige Mineral, das heute noch als Steinwerkzeug zum Einsatz kommt: Zum Thema Diamant werden nebst natürlichen Diamantkristallen und diamanthaltigen Gesteinen auch Modelle der grössten geschliffenen Steine und diverse Beispiele der industriellen Verwendung gezeigt.

Diamantkristalle
Diamantkristalle verschiedener Herkunft auf einer Unterlage von typisch brekziösem Kimberlit aus Kimberley (Südafrika).

Mineralien der Schweiz
Die bedeutendsten Mineralfunde der Schweiz stammen aus alpinen Zerrklüften. Diese Hohlräume wurden bei der Entstehung der Alpen durch gewaltige Kräfte aufgerissen. Mineralien entstanden darin vor rund 15 Millionen Jahren in 15 km Tiefe bei Temperaturen von 300 bis 450°C.

Quarzkristalle
Quarzkristalle (bis 55 cm hoch) aus einer 1719 entdeckten Kluft am Vorderen Zinggenstock (Grimselgebiet, Kt. Bern). Die ausgestellten Kristalle gelangten 1721 nach Bern. Es sind die ältesten Sammlungsstücke des Museums.

Erde - Planet und Lebensraum
Meteoriten sind Bruchstücke von Asteroiden, kleinen Himmelskörpern, welche die Sonne zwischen Mars und Jupiter umkreisen. Einige wenige Meteoriten stammen vom Mond und vom Mars. Meteoriten sind eine unschätzbare Informationsquelle über die Entstehung des Sonnensystems und damit auch der Erde. Sie stellen auch eine Gefahr für das Leben auf der Erde dar. Neben vielen andern sind auch Proben von fünf Schweizer Meteoriten ausgestellt.

Steinmeteorit Utzensdorf
Der Steinmeteorit Utzenstorf (Typ H5), gefallen am 16. August 1926 in der Nähe von Utzenstorf (22 km NNE Bern). Bruchstück von 2764 g mit gut ausgebildeter Schmelzkruste.

Erde - Planet und Lebensraum
Modell der Erdkugel von 1 m Durchmesser zeigt in starker Überhöhung die Oberflächenformen von Kontinentenund Meeren Der viele Tausend Kilometer lange Riss im Atlantik ist Ort der Entstehung neuer Erdkruste.

Seismograph
Ein Seismograph in der Ausstellung registriert Schwingungen auch weit entfernter Erdbeben, Zeugen der inneren Kräfte der Erde. Diese verändern im Laufe der Jahrmillionen die Oberfläche: Kontinente wandern und zerreissen, Ozeane entstehen und Gebirge türmen sich auf.

Pterophyllum
Zur Photosynthese befähigte Lebewesen wie Pterophyllum, eine Fiederblatt-Farnpalme, aus dem unteren Keuper (295 Mio. Jahre alt), prägen die Erdatmosphäre seit rund 2.5 Mia. Jahren.

Evolutionswand
Eine sechs Meter lange Vitrine zeigt das zeitliche Vorkommen der wichtigen als Fossilien erhaltenen Tier- und Pflanzengruppen. Für jeden Zeitpunkt der Erdgeschichte ist auf der "Evolutionswand" ein Querschnitt durch die damalige Lebewelt ablesbar.

Pfeilschwanz
Vor 150 Mio. Jahren wurde der 14 cm lange Pfeilschwanz Mesolimulus walchi im Schlamm des Oberjura-Meeres beim heutigen Solnhofen (Bayern) eingebettet.

Naturhistorisches Museum

Bernastrasse 15
CH 3005 Bern

Telefon: +41 (0)31-350 71 11
Fax: +41 (0)31-350 74 99
E-Mail: contact@nmbe.ch

Öffnungszeiten
Montag: 14-17 Uhr
Dienstag/Donnerstag/Freitag: 09-17 Uhr
Mittwoch: 09-18 Uhr
Samstag/Sonntag: 10-17 Uhr

Geschlossen: 01.01. Neujahr / Karfreitag / Ostersonntag / Pfingstsonntag / 01.08. Bundesfeiertag / 13.09. Betriebsausflug / "Zibelemärit" / 24.12. Heiligabend / 25.12. Weihnachten / 31.12. Silvester

Preise
Dauerausstellung:
8.- CHF Erwachsene
6.- CHF Studierende / AHV-IV / Gruppen ab 10 Personen
2.- CHF Mitglieder des Vereins des Naturhistorischen Museums
Frei: Kinder und Jugendliche (bis 16 Jahre) / Schulen