MUSEUM FÜR SEPULKRALKULTUR

Wie gingen die Menschen früher mit Sterben und Tod um, und welchen Stellenwert haben Sterben und Tod heute in einer säkularisierten Gesellschaft?
Trotz medialer Präsenz ist die unmittelbare Erfahrung des Einzelnen im Umgang mit Sterben und Tod selten geworden, das Erlebnis des Todes ist marginalisiert.

Erst der Tod eines nahen Angehörigen, eine lebensbedrohende Krankheit eines Freundes oder des eigenen Kindes stellen die eigenen Einstellungen zu Leid und Tod neu in Frage. Auf unzählige Fragen gibt es keine verbindlichen Antworten.

Die hier oftmals einsetzende Hilf- und Orientierungslosigkeit ist aber nicht nur ein Problem des Einzelnen, sondern ein Problem der Gesellschaft. Waren in früheren Zeiten Begräbnis- und Trauerrituale fester religiöser Bestandteil einer Gesellschaft, so ist heute durch den Wegfall tradierter Konventionen eine Lücke entstanden. Neue Möglichkeiten und Ausdrucksfromen werden gesucht und erprobt.

Der Bereich Sterben und Tod ist der intimste, privateste von allen. Das Museum möchte diese Intimität erhalten, ohne den Fragen rund um die letzten Dinge auszuweichen.

In dem Spannungsbogen von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem will es mit seiner Dauerausstellung, wechselnden Sonderausstellungen und einem vielfältigen Veranstaltungs-Programm anregen, sich wieder mit Sterben und Tod auseinanderzusetzen, daß der Tod wieder "lebendiger" wird und seinen Platz im Alltag zurückgewinnt.

Sonderausstellungen

Wege im Dunkel - Wege im Licht

Wanderausstellung des Deutschen Kinderhospizvereins e.V.

Fr, 10.2.2012 - So, 4.3.2012

Fr, 10.2.2012, 19:00 | Eröffnung

Die Ausstellung präsentiert künstlerische Arbeiten von Familien, in denen Kinder mit lebensverkürzender Erkrankung leben oder verstorben sind. Alle Exponate sind Ausdruck für die Bedeutung des ständigen Ringens um Gleichgewicht im Lebensalltag. Die Objekte zeigen die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und dem Sterben der Kinder. Sie stellen neben Verzweiflung und Traurigkeit ebenso auch Freude und Lebensmut dar.

In Kooperation mit dem ambulanten Kinderhospizdienst Kassel/Göttingen
Schirmherrschaft: Hessisches Sozialministerium, Staatsminister Stefan Grüttner

Galgen, Rad und Scheiterhaufen - Einblicke in Orte des Grauens

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Neanderthalermuseum Mettman

Sa, 28.1.2012 - Mo, 28.5.2012

In seinem Jubiläumsjahr (1992 - 2012) widmet sich das Museum für Sepulkralkultur zunächst einer dunklen Seite der Menschheitsgeschichte und erinnert mit einer vorwiegend historischen Ausstellung daran, dass Folter und gewaltsamer Tod durch Hinrichtungen bis heute nicht ausgemerzt sind. Pranger, Rad, Richtschwert und Galgen verweisen auf ein schauriges Kapitel menschlicher Irrungen. Präsentiert werden u. a. Zeugnisse der Halsgerichtsbarkeit sowie Funde von archäologisch untersuchten Richtplätzen.

Dauerausstellung

Die Dauerausstellung zeigt vorrangig Gegenstände der Sepulkralkultur aus dem deutschsprachigen Raum:
Neben Realien der Bestattungskultur, wie Särge, Leichenwagen, Trauerkleidung, Trauerschmuck werden unterschiedliche Formen der Erinnerung gezeigt und die Geschichte des Friedhofs und des Grabmals vom Mittelalter bis zur Gegenwart dokumentiert.

Graphische Sammlung
Das Museum verfügt über eine ca. 14.000 Blatt umfassende graphische Sammlung vom 15. Jahrhundert bis heute. Neben der künstlerischen Bedeutung bilden viele Blätter auch wichtiges kulturhistorisches Quellenmaterial.
Ausgewählte Grafiken werden in der Dauerausstellung und im Rahmen von Sonderausstellungen gezeigt.
Auf Voranmeldung kann die Sammlung zu Studienzwecken benutzt werden.

Veranstaltungen

Galgenplauderei: „Vielmals auf den Kopf gehacket“

Galgen und Scharfrichter in Hessen

Lesung mit Dr. Jutta Failing, Kunsthisotikerin und Autorin aus Frankfurt am Main | Im Rahmen der Ausstellung „Galgen, Rad und Scheiterhaufen“.

Zum Henker! Kein anderer Beruf hat einen schlechteren Ruf als der des Scharfrichters. Doch entspricht das populäre Bild der Wirklichkeit? Und was geschah im Schatten des Galgens? Einige der steinernen Richtsäulen sind auch in Hessen erhalten und zeugen von einer Zeit, als einer Schuld eine öffentliche Sühne zu folgen hatte. Anhand historischer Quellen erläutert die Frankfurter Kunsthistorikerin und Autorin Dr. Jutta Failing den Alltag der Scharfrichter und die vermeintliche „Kunst des Tötens“. Erläutert werden Vorurteile und Aberglaube sowie der Umgang mit den „herrenlosen“ Leichen der Hingerichteten, die geschäftstüchtige Apotheker zu Medizin verarbeiteten. Viele Scharfrichter hatten exzellente anatomische Kenntnisse und betätigten sich – quasi im Nebenberuf – als Bader und „Zahnausreißer“. Vorgestellt wird auch der Grabstein für einen Henker – eine Seltenheit, erhielten die meisten doch nur ein Begräbnis ohne Predigt und Glocke. Zu sprechen kommt die Referentin auf die „Berufskleidung“, die zuletzt aus Frack, Zylinder und weißen Handschuhen bestand. Abgerundet wird diese geschilderte Lebenswirklichkeit der Scharfrichter-Familien und der Geschehnisse am Blutgerüst mit einer feinen Portion „Galgenhumor“.

Dr. Jutta Failing, 1967 in Gießen geboren, Kunsthistorikerin, Autorin und Kolumnistin. Sie hat sich in verschiedenen Publikationen mit hessischem Brauchtum, Märchen- und Sagenstoffen sowie dem Leben der Scharfrichter beschäftigt.

Mit wissenschaftlicher Genauigkeit und einer Portion Ironie geht sie an Themen wie Volksmagie, Pflanzenbrauchtum und Tiersymbolik heran. Sie promovierte zum Thema Frosch und Kröte in der mittelalterlichen Kirchenkunst. (www.glueckshaut.de)

Eintritt: 8.50 Euro | 6.50 Euro

Termin:

Mi, 22.2.2012, 19:00 |

Taschenlampen-Führung für Erwachsene

durch die Sonderausstellung Galgen, Rad und Scheiterhaufen mit Sektempfang

Nachdem sich die Tore des Museums geschlossen haben, schleichen wir im Lichtkegel der Taschenlampe durch die dunklen Museumsräume. Dabei erkunden wir die Sonderausstellung „Galgen, Rad und Scheiterhaufen“ mal aus einem ganz anderen Blickwinkel. Gewinnen Sie informative wie auch ungewöhnliche Einblicke in ein spannendes Thema und lassen Sie Ihren Ausstellungsbesuch zu einem Abenteuer werden! Empfangen werden Sie mit einem Glas Sekt! Taschenlampen nicht vergessen!

(Anmeldung erforderlich!) | Eintritt: 8.50 Euro | 6.50

Termine:

Fr, 24.2.2012, 21:00 |
Sa, 25.2.2012, 21:00 |

Taschenlampen-Führung für Kinder mit Filmkino

durch die Sonderausstellung Galgen, Rad und Scheiterhaufen mit Filmkino "Das Wirtshaus im Spessart"

Nachdem sich die Tore des Museums geschlossen haben, schleichen wir im Lichtkegel der Taschenlampe durch die dunklen Museumsräume. Dabei erkunden wir die Sonderausstellung „Galgen, Rad und Scheiterhaufen“ mal aus einem ganz anderen Blickwinkel. Anschließend schauen wir den Räuberfilm „Das Wirtshaus im Spessart“. Taschenlampen nicht vergessen!

(Anmeldung erforderlich!) | Familienkarte: 12.00 Euro

Termin:

Fr, 9.3.2012, 20:30 |

Führung durch die Justizvollzugsanstalt Kassel I

Führung durch die Justizvollzugsanstalt Kassel I, Hauptanstalt Wehlheiden durch Jörg-Uwe Meister, Leitender Regierungsdirektor und Leiter der Justizvollzugsanstalt im Rahmen unserer Sonderausstellung Galgen, Rad und Scheiterhaufen

Anmeldung: telefonisch im Museum für Sepulkralkultur,
Telefon: 0561-91893-0. Voranmeldung ist zwingend!

Teilnahmegebühr: 6,- Euro/4,- Euro ermäßigt

Treffpunkt:
Justizvollzugsanstalt Kassel I (Wehlheiden)
Außenpforte
Theodor-Fliedner-Straße 12
34121 Kassel

Bereitzuhalten ist ein gültiger Personalausweis!

Ort:

Justizvollzugsanstalt Kassel I (Wehlheiden)

Termin:

So, 18.3.2012, 14:00 |

Kassel hinter Gittern - Stadtspaziergang zu ehemaligen Gefängnissen

mit Diakon Dietrich Fröba M.A., Historiker und katholischer Gefängnisseelsorger im Rahmen der Sonderausstellung Galgen, Rad und Scheiterhaufen

Im Zentrum Kassels gibt es nah beieinander Bauten, die Zeugnisse der Gefängnisgeschichte und damit auch der Stadt- und Kulturgeschichte sind. Auf dem Weg vom Zentrum in die Unterneustadt lässt Dietrich Fröba in Bildern und Texten etwas von Verbrechen und Verbrechern sowie vom Leben hinter Gittern in der jeweiligen Zeit anschaulich werden. Am Ende des Spaziergangs besteht die einzigartige Möglichkeit eines Blicks hinter echte Gefängnismauern, eine Besichtigung in der „Elwe“, dem Ende 2009 geschlossenen ehemaligen Unterschungshaftgefängnis Leipziger Straße

Treffpunkt: Museum für Sepulkralkultur

Teilnahmegebühr: 6,00 Euro | 4,00 Euro ermäßigt

Termin:

So, 15.4.2012, 14:30 - 16:30 |

Folter und Hinrichtung - kein Thema von gestern!

Ein Vortrag von Sarah Schießl, Amnesty International (Gießen)

Im Rahmen der Sonderausstellung Galgen, Rad und Scheiterhaufen

Termin:

Mi, 25.4.2012, 19:00 |

MUSEUM FÜR SEPULKRALKULTUR

Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.

Weinbergstraße 25-27
D-34117 Kassel

Telefon: +49 (0) 561 918 93-0
Fax: +49 (0) 561 918 93-10
E-Mail: info@sepulkralmuseum.de

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag 10–17 Uhr
Mittwoch 10–20 Uhr
Montag geschlossen!